Hier mal eine kurze Auflistung der von uns kommentierten Serien:
Bauer sucht Frau (RTL)
Unbeweibte Bauern und auch unbemannte Bäuerinnen lassen sich vom Fernsehen einen mehr oder weniger passenden Partner suchen. Inka Bause moderiert unnachahmlich schleimig-peinlich durch den Verkuppelstadel und scheut sich auch nicht, offensichtlich schwer gestörte Kandidaten vor die Kamera zu zerren, Hauptsache, die Quote stimmt – und das tut sie hier meistens. Markenzeichen dieser Serie sind dicke Frauen und Karohemden, zu Ikonen wurden die Thailänderin Narumol und ihr im Chiemgau entdeckter Alien-Bauer Josef.
Deutschland sucht den Superstar – DSDS (RTL)
Oft kopiert und mit jeder Staffel schwächer… Dieter Bohlen und seine häufig wechselnden Jury-Kollegen suchen mehr oder weniger erfolglos nach bisher unentdeckten Sängern und Sängerinnen. Der Hauptspaß besteht darin, Zeuge unterirdisch schlechter Bewerber zu werden und ihre Vernichtung durch Übergott Bohlen zu erleben. Ein Festival des Fremdschämens…
Die Ludolfs (DMAX)
Der Clan der Ludolfs besteht aus vier Brüdern, die zusammen eine Schrottautoverwertung im Westerwald betreiben. Unglaublich, aber wahr, wie Uwe, Peter, Günter und Manni naiv-einfältig, aber immer fröhlich durch ihr merkwürdiges Leben stolpern wie die Teletubbies. Okay, für einen Nobelpreis reicht selbst der gemeinsame Grips wohl vermutlich nicht, dafür strahlen sie eine Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit aus, die in der ansonsten brutalen Fernsehwelt ihresgleichen sucht. Die Ludolfs sind die legitimen Erben der Waltons im 21. Jahrhundert.
Die strengsten Eltern der Welt (Kabel1)
Früher drohten Eltern, die mit ihren Blagen nicht mehr zurecht kamen, mit dem Kinderheim, heute schickt man den renitenten Nachwuchs auf Weltreise, je exotischer, desto besser. Wer die Idee für abwegig hält, pubertätsgebeutelte Rotzlöffel für vier Wochen ins Takatuka-Land zum Stamm der Humbadumba zu schicken, der sollte diese Sendung besser nicht sehen. Man verpasst dann aber auch, wie ein nur mit Lendenschurz bekleideter Häuptling es allein mit seinem erhobenen Zeigefinger schafft, verzogene Großstadtkids auf Diskoentzug zum Weinen zu bringen, weil sie gegen das Rauchverbot im Kral verstoßen haben und wie sie die Scharte dann später eifrig auswetzen, indem sie die mageren Ziegen ihrer Gastfamilie zu melken versuchen. Irgendwie auch eine Art von Globalisierung, wenn bei uns vermurkste Jugendliche zur Erziehung in die afrikanische Savanne (und anderswohin) geschickt werden…
Mein neues Leben (Kabel1)
Die Kamera begleitet Auswandererfamilien beim Einpacken in Deutschland und beim Auspacken irgendwo am anderen Ende der Welt – was auch mal Dänemark sein kann. Besonders beliebt sind Spacken, die nach jahrelanger Lektüre der Bildzeitung annehmen, überall auf der Welt würde Deutsch gesprochen und die dann in ihrer neuen Heimat – natürlich vor der Kamera – eine 1A-Bauchlandung hinlegen. Die Standardstory: Frustrierter Handwerker in der Midlife Crisis geht als LKW-Fahrer nach Kanada, seine Frau kann kein Englisch und wundert sich über den strengen Winter. Üblicherweise werden in einer Sendung bis zu drei Stories in nervig kurze Sequenzen zerlegt und wechselweise gezeigt. Meist geht eine der Geschichten einigermaßen in die Hose, eine läuft wie geschmiert und die dritte ist oft nur eine Füllgeschichte von bereits etablierten Auswanderern nach dem Motto: Familie Schmidt in Texas kauft sich ihr Drittauto.
Rach, der Restauranttester (RTL)
Sternekoch Christian Rach steigt regelmäßig herab vom Gatronomie-Olymp in die staubigen Niederungen der Koch-Provinz und besucht notleidende Restaurants, denen das zahlende Publikum abhanden gekommen ist. Vor Ort zerlegt er die kläglichen Bemühungen seiner Möchtegern-Kollegen in fernsehgerechte Häppchen, zieht die bisherige Speisekarte auf Links und schafft es regelmäßig innerhalb von netto 45 Minuten, jede noch so heruntergewirtschaftete Kaschemme in einen brummende Tempel der Esskultur zu verwandeln. Manchmal funktioniert es aber auch nicht und dann kann man sich beim Zusehen wenigstens gepflegt übergeben. Rachs Markenzeichen ist der “Trick”, einige Tage früher als angeblich angekündigt in dem betreffenden Restaurant zu erscheinen.
Rachs Restaurantschule (RTL)
Christian Rach auf dem Weg zum Friedensnobelpreis: Er gründet ein neues Restaurant und stellt dafür nur Kräfte ein, die anderswo auf dem Arbeitsmarkt keine Chance hätten, z.B. Drogis, Knackis und alleinerziehende Teenager. Das Kochen passiert hier nur am Rande, dafür menschelt es allenthalben. Die Sendung springt leider gern mal in Rückblenden und Einspieler aus dem verkorksten Privatleben der Belegschaft und bietet dem Gastropapst ansonsten massenhaft Gelegenheiten, sich als Schulmeister oder Überpatenonkel aufzuführen.
Raus aus den Schulden (RTL)
Wenn die Schulden zu sehr drücken und es keinen anderen Ausweg mehr zu geben scheint – oder die Betroffenen einfach mal ihre Visage in eine Kamera halten wollen, dann kommt Peter Zwegat ins Spiel. Mit seiner kultigen Flip-Chart sorgt der Berliner für Ordnung im finanziellen Chaos. Oft scheinen seine Hilfestellungen eher trivial, er sortiert Rechnungen und Mahnungen, addiert die Außenstände auf und stellt Einnahmen und Ausgaben gegenüber. Besonders peinliche Momente sind immer die rituellen Wohnungsbesichtigungen bei den Schuldnern. Zwegat mag Hunde, kleine Kinder und weinende Frauen, aber keine patzigen Antworten. Und übergroße Plasmafernseher bei hoch verschuldeten Klienten kann er auch nicht leiden.
Teenager außer Kontrolle (RTL)
Sehr ähnlich zu den “strengsten Eltern der Welt” (s.o.): Überforderte Eltern schicken ihre renitenten Kinder zwecks Erziehung in die Rocky Mountains. Was für andere Menschen ein kostspieliger Abenteuerurlaub ist, wird im Fernsehen als charakterformendes Überlebenstraining dargestellt. RTL bevorzugt dabei Kinder, die ihre Eltern gewohnheitsmäßig verdreschen, unübertroffen die Szene, wie eine Mutter mit bandagierter Nasenbeinfraktur noch vom Krankenhaus aus ihre gewalttätige Brut nach Colorado, zu Annegret Nobel und ihrem Team von pädagogisch geschulten Cowboys schickt. Leider ist das Endergebnis nach ca. sechs Folgen Brüllerei in den Bergen oft ziemlich ernüchternd. Zurück in Deutschland kommt Annegret zur Visite in die Familien ihrer ehemaligen Schützlingen und merkt dann meistens, dass sich unterm Strich gar nichts verändert hat, bestenfalls sind die Kinder inzwischen dauerhaft weggelaufen, schlimmstenfalls liegen die Eltern bereits wieder im Krankenhaus.





