• DSDS (RTL) 09.05.2009 No Comments

    DSDS geht heute in die allerletzte Runde, die Finalisten Sarah Kreuz und Daniel Schuhmacher machen unter sich den Superstar 2009 aus.

    Nachdem alle schrägen oder besonders aufregenden Kandidaten in den letzten Wochen den Weg alles Irdischen gegangen sind, erwarte ich für heute Abend eigentlich keine besonders aufregende Sendung. Sicher, einer der beiden Finalisten kann sich hinterher Superstar nennen, aber mal ehrlich, was heißt das schon? Echte Karrieren werden nicht per Telefonvoting aus dem Nichts gezaubert und wenn man sich die bisherigen fünf DSDS-Superstars ansieht, ist vielleicht gerade noch einer, nämlich der ätzende Mark Medlock, einigermaßen im Geschäft. Und das auch nur durch permanente, übelst devote Anbiederung an Dieter Bohlen. Spätestens in drei Jahren singt er auch nur noch zur Eröffnung von Möbelhäusern und muss zur RTL-Resteverwertung in den Dschungel. Ob Sarah oder Daniel dazu bereit sind, sich bis zur Selbstaufgabe vermarkten zu lassen (oder überhaupt genügend Material dafür bieten), wird sich zeigen, ist aber wenig wahrscheinlich. Man sollte also vom heutigen Abend nicht die Geburt einer neuen Kelly Clarkson oder die Entdeckung eines Paul Pott erwarten. Solche Geschichten passieren nur im Märchen oder in den USA bzw. Großbritannien. Und so freue ich mich auf einen im Vergleich der letzten Wochen etwas weniger schrillen Ausklang der DSDS-Saison.

    Genug besinnliches Vorweggerede, Marco Schreyl wird für Action bezahlt und die liefert er jetzt auch: Ohne rot zu werden, verspricht er für heute Abend ein Finale der Superlative, das spannendste, tollste und emotionalste Fernsehereignis des gesamten Jahres, wenn nicht sogar des Jahrzehnts. Wer das heute verpasst, ist medientechnisch quasi tot. Wenn Marco mal eines Tages bei Bohlen in Ungnade fällt und nicht mehr DSDS moderieren darf, kann er bestimmt immer noch prima als Aalonkel auf dem Hamburger Fischmarkt durchgehen – noch ist es aber nicht so weit. Die Kandidaten haben auch heute wieder drei Auftritte, zuerst einen “Herzenssong”, danach ihr persönliches Staffel-Highlight und am Ende den vom Großmeister des Hit-Recycling Dieter Bohlen höchstpersönlich kopierten “Siegertitel”.

    Nach einem Zusammenschnitt ihrer schwülstigsten Einspielfilmchen betritt Sarah Kreuz die Bühne und singt von Aretha Franklin “You make me feel like a natural Woman”. Die RTL-Beleuchter geben alles und tauchen die Bühne  in einen Alptraum aus blau und rosa, als gäbe es kein Morgen. Man kann nicht meckern, Sarah hat wirklich eine gute Stimme, versaut den Eindruck aber etwas, als sie im anschließenden Interview mit Marco wieder ziemlich muffig wirkt. Trotzdem sind Dieter, Nina und Volker sehr zufrieden und geben dem Auftritt eine “Eins mit Sternchen”.

    Nun sehen wir auch noch einmal den komprimierten DSDS-Lebenslauf von Daniel Schuhmacher, angefangen vom Casting, über den Recall bis hin zu den Mottoshows. Dann betritt er live die gleißend rot angestrahlte Bühne für “Soulmate” von Natasha Bedingfield, seinem “Herzenstitel”. Hmhmhm, da war nicht alles ganz sauber, ein paar Töne gingen wohl wegen der Aufregung ins Abseits, aber die Jury ist heute nicht auf Krawall gebürstet und lobt ihn trotzdem.

    Vor der zweiten Runde schließt RTL den Giftschrank auf und führt zur allgemeinen Volksbelustigung noch einmal die schlimmsten Casting-Szenen vor. Wir sehen die “Schandale”-Frau, den Löwenbändiger mit der irren Lache, den tolpatschig-beknackten Azubi vom Tee-Lager bei Dieter um die Ecke und schließlich das Möchtegern-Model mit dem Elefantengang. (Holger haben sie in diesem Panoptikum übrigens vergessen!)

    Als Staffel-Highlight hat sich Sarah Kreuz den Titel “I will always love you” von Whitney Houston ausgesucht. Zu Recht, denn sie bringt ihn mit viel Gefühl und Power rüber und kann dabei ihren gesamten Stimmumfang ausloten. Das Publikum und die Jury sind begeistert; das muss Daniel erst mal toppen!

    Daniel Schuhmacher hatte in der Top 5 – Mottoshow von der Jury Standing Ovations für “Ain’t no Sunshine” von Bill Withers bekommen. Klar, dass er diesen Titel jetzt wiederholt – und wieder kriegt er den saugut hin. (Auch wenn er auf der Bühne nach wie vor ein Bewegungsmuffel ist.) Die Jury ist erneut hin und weg und gefühlt steht es unentschieden zwischen den beiden Finalisten.

    In der allerletzten Runde der ganzen Staffel hören wir von Sarah und Daniel nacheinander den selben Song, nämlich Bohlens diesjähriges Machwerk “Anything but Love”. Der Staffelgewinner darf bzw. muss das Lied in der nächsten Woche dann als erste eigene Single veröffentlichen. Wohl bekomm’s!

    Sarah Kreuz beginnt und appelliert zuvor nochmal an ihre Fans, für sie zu stimmen. Ach ja, es können einem schon die Tränen kommen, wenn man hört, was sie alles für DSDS aufgegeben hat, den Schulabschluss, den Verlobten usw. ;-) Die DSDS-Requisite hat offenbar den Kitschkeller ausgeräumt und die Bühne mit riesigen Kerzenleuchtern vollgestellt. Sarah sitzt dazu vor einem in lila Licht getauchten flatternden Vorhang und schmachtet sich durch Dieters Tonergüsse. Irgendwie alles schonmal gehört, schmuseweich gespülte Harfen-Akkorde im Engtanz-Tempo, Edelkitsch bis zum Erbrechen und darüber hinaus, eben ein typischer Bohlen. Kennst Du einen, kennst Du alle, sag ich nur.

    Anschließend darf auch Daniel Schuhmacher nochmal seine Fans um Anrufe anbetteln, danach singt er seine Version des Siegertitels. Gnädigerweise hat RTL inzwischen die blöden Kerzen abgeräumt, dafür steht Daniel vor einer grellweißen Monitorwand und vor allem: man hat ihm an seinen weißen Anzug eine bekloppte Kapuze angebaut, die etwas wie ein Brautschleier wirkt. Keine Ahnung, was die sich dabei gedacht haben, vermutlich musste sein Garderobier das wegen einer verlorenen Wette machen oder so ähnlich. Eine Choreografie findet auch in Daniels letztem Auftritt quasi nicht statt. Für die etwa 20 Meter Fußweg zwischen Monitorwand und Jurypult braucht er den gesamten Titel, dreht dabei hin und wieder ruckartig den Kopf vom Mikro weg (und natürlich wieder zurück) und greift ein paar Mal bedeutungsschwer mit der Hand ins Leere. Das ist alles.

    Egal, das Publikum mag es offenbar trotzdem und singt teilweise sogar mit. Kein Wunder, denn Bohlen-Titel sind meist so einfach gestrickt, dass man beim zweiten Hören schon die Melodie kennt (und spätestens beim fünften Hören hasst). Die Jury findet Daniels Interpretation wie immer sensationell und überschlägt sich in Lobeshymnen.

    Bevor das Endergebnis bekannt gegeben wird, kommt nun noch ein Gemeinschaftsauftritt aller Top-10-Kandidaten mit “I’ve had the Time of my Life” aus dem Film “Dirty Dancing”. Oja, man erkennt doch bei so manchem den Klassenunterschied zu Sarah und Daniel. Der wie immer abstrus und leicht grenzdebil wirkende ehemalige Nichtschwimmer Holger Göpfert und sein überschwänglich heiter glucksender “Gesichtskrapfen” Vanessa Neigert versingen sich nach Kräften, dagegen brillieren Harfenjule Cornelia Patzlsberger und Paradiesvogel Benny Kieckhäben wie gewohnt.

    Anschließend entsorgt RTL wieder eine Stunde lang seinen als Programm getarnten Humor-Restmüll via Bildschirm direkt in mein Wohnzimmer. Die auf eine unerträgliche Stunde aufgeblähte Verfilmung niveauloser Herrenwitze zwischen Show und Ergebnisblock ist echt eine Frechheit. Normalerweise würde sich den Mist kein (nüchterner) Mensch ansehen, aber andererseits will man ja auch die Resultate wissen.

    Sofern man die Stunde überlebt hat, kommt jetzt die Entscheidung… Fast jedenfalls, aber zuvor muss Papa Bohlen noch schnell ein paar GEMA-Gebühren abzocken, denn jetzt erklingt sein “Anything but Love” ein drittes Mal: Sarah und Daniel singen diesmal im Duett, inmitten einer Unmenge brennender Kerzen. Der Schmalz trieft nur so aus dem Fernseher, aber da haben wir Zuschauer im Laufe der Staffel ja schon ganz andere Sachen überstanden. Dann ist es aber wirklich quasi gleich sofort soweit und Notar Dr. Fleischhauer übergibt dem Moderator einen goldenen Briefumschlag mit dem Endergebnis. Man könnte ja nun einfach den Umschlag aufmachen und vorlesen, aber so einfach geht das hier nicht. Marco Schreyl ist nämlich ein Freund psychologischer Folter und zögert die Sache mit unerträglich langsamen Bandwurmsätzen mal wieder bis zum Gehtnichtmehr hinaus.

    Ich möchte mal wissen, wie viele Herzinfarkte RTL heute Abend auf dem Gewissen hat und einen davon kriegt fast Daniel. Während Sarah scheinbar völlig cool auf der Bühne steht und darauf wartet, dass Marco endlich zu Potte kommt, zoomt die Kamera ahnungsvoll Daniels Gesicht auf ganze Bildschirmbreite. Wir sind auf den Punkt genau dabei, als der Blondschopf mit der Integralhelmfrisur gegen eine plötzlich losbrechende Tränenflut kämpft – und verliert. Man bekommt eine Ahnung, weshalb er früher in seinem Dorf so gern verhauen wurde. Ein paar Augenblicke später hat er dann aber allen Grund für Freudentränen, denn Marco kriegt endlich die Kurve und verkündet den Gewinner: Daniel wird mit 50,47% der Zuschauerstimmen zum Superstar 2009 erklärt und bricht erstmal heulend zusammen, Küblböck lässt grüßen.

    Es dauert einige Minuten, bis er sich so weit rekonstruiert hat, dass er ein weiteres Dacapo des heute erst drei Mal gehörten Siegertitels anstimmen kann. Mittendrin holt Daniel in einer ritterlichen Geste die knapp unterlegene Sarah zu sich nach vorn und beide singen die zweite Hälfte des Songs gemeinsam. Mit dieser einigermaßen emotionalen Szene endet die Staffel tränenreich, aber harmonisch.

    Ich denke, das Ergebnis geht in Ordnung und gönnen wir Daniel den Moment im Licht. Feiern ist heute und Dschungel ist übermorgen. Dazwischen hat er vielleicht Glück und nutzt seine Chance, wer weiß…

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  • DSDS (RTL) 14.04.2009 2 Comments

    Schon mal vorweg eine Entschuldigung, dass das hier wieder so lang geworden ist. Jaja, ich wollte mich bessern, hab’s dem Blogwart versprochen, aber wenn ich so ins Schwallen komme, kenne ich keine Bremse mehr, bin halt ein Sabbelmors… Ich hoffe, Ihr habt trotzdem Euren Spaß daran. So, dann wollen wir mal!

    Ohne Osterpause singen heute die verbliebenen sechs Castingsternchen jeweils zwei Titel, nämlich im ersten Durchgang einen “gewidmeten” Song und später dann einen “aktuellen Superhit”.

    Als erstes kommt James Blunt, äh Dominik Büchele oder “Domi”, wie ihn seine Fans offenbar inzwischen nennen. In seinem Einspieler holt er sich diesmal Hilfe vom Papi, denn den nervt die dauernde Jury-Kritik am Sohnemann. Tja, da hat der gute Mann wohl die DSDS-Spielregeln nicht genau gelesen oder die früheren Staffeln verpasst, denn das berechtigte und insbesondere unberechtigte Niedermachen von Möchtegernsängern ist ja wohl ein unverzichtbarer Teil des Spaßes, oder? Und gerade wenn der Kandidat Nerven zeigt, bohrt man nach, ist doch logo. Wer erinnert sich nicht wehmütig an Daniel Küblböck in der RTL-Dschungelshow, als der nach wiederholten Kakerlakenbädern nur noch am Flennen war und genau deswegen von den Zuschauern auch für die nächste Dschungelprüfung nominiert wurde? Dominik, ich fürchte, auch Dir droht nach dem irgendwann unvermeidlichen Abgang bei DSDS die RTL-Resteverwertung im australischen Regenwald…

    Tolle Idee, Domi widmet den ersten Song seinem Heimatdorf. ;-) Für nicht so eine tolle Idee halte ich jedoch die Auswahl des Liedes “Stark” (ich + ich), denn das war in der letzten Staffel ein absoluter Knaller von Thomas Godoj und dem Vergleich hält Dominiks Stimme leider nicht stand. Papi Büchele wird wieder sauer sein, denn Dieter behauptet, er würde zwar gern etwas Nettes sagen, aber leider seien bei dem Titel alle seine Extremitäten eingeschlafen “inkludiert meine Ostereier”. Ob Ninas und Volkers Ostereier auch gelitten haben, bleibt offen, aber sie machen auf Widerstandskämpfer und finden den Auftritt “ganz ordentlich”.

    Benny Kieckhäben kriegt bei mir heute einen Bonus, denn er hat letzte Woche das Schlussduell gegen Holger Göpfert gewonnen. Also spare ich mir einen Kommentar über seinen 67 Meter langen Fanbrief (O-Ton Marco Schreyl: “Benny hat den längsten… Fanbrief.” Bruhahaha, ist der Typ witzig!) und verzichte auch auf die Wiederholung des Ausdrucks “Entkorker” für seinen ersten Freund Marcel, dem er den Song “Und wenn ein Lied…” (Söhne Mannheims) widmet.

    Äußerlich ist Benny heute für seine Verhältnisse geradezu schlicht gekleidet, mit Anzug und Krawatte und ohne buntes Tüdelüt; seine Frisur sieht dagegen wie immer etwas nach notgelandeter Feuerqualle aus. Musikalisch haut mich der Auftritt nicht vom Hocker. Volker und Nina finden das auch und bemängeln außerdem seinen starken Akzent, mit dem sich der Titel komisch anhöre. Dieter schwächt die Kritik ab und findet den Auftritt dagegen auffällig toll. Nanu, holt der Titan von Tötensen nach dem Abgang von “Captain Entertainment” jetzt etwa den “Smutje” aus der Versenkung?

    Die Runderneuerung von Vanessa Neigert schreitet voran, nach dem Englischkurs in der letzten Woche werden wir diesmal Zeuge ihres etwas peinlichen und ziemlich lauten Auftritts im Tanzkurs. Den 45 Jahre alten Oldie “Liebeskummer lohnt sich nicht” (von Siw Malmkvist) widmet sie ihrer Mutti, was sie aber nicht davon abhält, haufenweise Töne zu versemmeln und Textpassagen zu vergessen. Ihr rotes Kleid mit weißen Punkten erinnert mich an eine Plastiktischdecke vom Schrebergarten-Vereinslokal, Dieters Assoziation ist ein “Knollenblätter-Fliegenpilz”. Kritikmäßig kommt sie glimpflich davon, weil die Jury ihre Musikmankos mit der guten Show verrechnet.

    A propos Knollenblätterpilz: Als nächste kommt das “blonde Gift” Annemarie Eilfeld. Die spricht ja inzwischen wohl mehr mit der Blöd-Zeitung als mit ihren Kandidatenkollegen und wird deswegen auch allenthalben gehasst. Die Holgerianer mögen sie schon seit der Top-9-Show wegen ihrer Ausfälle gegen den Meister nicht und mit dem kleinen Rest der Menschheit hat sie es sich inzwischen wohl auch verdorben, wie man dem Buhen und Pfeifen bei jeder Nennung ihres Namens entnehmen kann. Im Einspielfilmchen springt auch hier der Papi seiner Tochter bei und faselt was von wegen, das seien alles nur die doofen Vanessa-Fans. Deshalb wohl widmet Annemarie das erste Lied ihren Erzeugern, “Nobody knows” von Pink. Wer Annemarie mag, findet ihren Auftritt wohl gelungen, allen anderen wird das Hamburger Boulevardblatt mit den großen Buchstaben wohl morgen erklären, warum sie Unrecht haben. Bei den Dieters kommt das Ganze jedenfalls erstaunlich gut an. Aber das heißt nichts, Bohlen mochte ja angeblich auch Modern Talking. :-)

    Die konstruierte Profilneurose von Daniel Schuhmacher setzt sich fort: In Ermangelung interessanterer Themen hatte man den “Pretty Boy” in der letzten Woche schon zum Fallschirmspringen abkommandiert, diesmal schicken ihn die RTL-Strippenzieher mit Kamerateam als Unterhaltungsnummer in ein Kinderkrankenhaus. Wäre doch gelacht, wenn sie ihn damit nicht hundertprozentig Schwiegermutter-kompatibel machen. Konsequent denn auch, dass er seinen Song “You give me something” (James Morrison) den Eltern und seinem kleinen Bruder widmet. Der Titel groovt leicht langweilig im Säuselmodus dahin und verführt Daniel bedauerlicherweise dazu, die meiste Zeit statisch auf einem Hocker zu sitzen. Die Jury freut sich aber noch immer über seine außergewöhnliche (etwas feminine) Stimme und winkt ihn ohne wesentliche Blessuren durch.

    Sarah Kreuz hat mit einer Kehlkopfentzündung zu kämpfen, muss aber heute Abend trotzdem ran. Ihren ersten Titel “Unforgettable” (Nat King Cole) singt sie wie gewohnt professionell in einem weißen Kleid mit wehender langer Schleppe (Windmaschine!) und widmet es einem guten Freund. Da war nichts dran auszusetzen, befindet die Jury. Die Frau hat bisher nur wenige Ecken und Kanten gezeigt, hoffentlich tut sich da noch etwas oder sie fliegt raus, ansonsten wird das lästerliche Bloggen schwierig!

    Vorhang auf zur zweiten Runde, den aktuellen Superhits:

    Seinen zweiten Titel “Wire to Wire” von Razorlight beginnt Dominik Büchele mit einem Special Effect, er hält nämlich ein brennendes Streichholz im ansonsten völlig abgedunkelten Studio. Ansonsten ist er ein Feind unnötiger Bewegungen und steht fast durchgängig wie angeklebt auf der Bühne. Die Sympathien in der Jury sind wieder ungleich verteilt, diesmal hält nur noch Nina zu ihm.

    Vor dem zweiten Titel von Benny Kieckhäben kommt mal wieder ein Moment zum Fremdschämen: Der Moderatoren-Marco zwingt die im Publikum sitzende Oma von Benny, mit der er übrigens die Frisur teilt, zur Darbietung eines schrecklichen Jodelliedchens; danach folgt der Enkel mit Ne-Yo’s “Closer”. Inzwischen hat Benny offensichtlich seine Kiste mit Diskofummeln wiedergefunden und so hüpft er mit einer silberfarbenen Persiflage auf einen scheußlichen Jogginganzug ziemlich tuffig über die Bühne, ist halt doch ein “Paradiesvogel”. Der Jury gefällt es so einigermaßen.

    Im zweiten Durchgang kommt Vanessa Neigert im Popeye-Gedächtnislook mit weißer Matrosenmütze und singt von Rosenstolz “Gib mir Sonne” oder besser gesagt: sie versucht es zu singen, denn viel war da nicht. Der Tanzkurs war auch völlig für den Eimer, denn zuerst sitzt Vanessa nur auf einem Hocker, später steht sie ziemlich lahm auf der Bühne herum. Der Überdieter bescheinigt ihr einen sympathischen Auftritt ohne Stimme. Warum sie dabei überhaupt einen Matrosenanzug anhabe, wird (zu Recht) gefragt. Volker spricht gar von einem drittklassigen Karaoke-Auftritt…

    Annemarie Eilfeld hat sich für “Just dance” von Lady Gaga entsprechend ihrem Ruf in so eine Art Osterhasenkostüm für Erwachsene gezwängt, mit schwarzen Pailetten und einer Schleife auf dem Kopf, die an Hasenöhrchen erinnert. Die Jury zählt sie dafür aus, die Blöd-Zeitung wird es dagegen wahrscheinlich lieben.

    Eine ziemlich gute Performance kommt danach vom zweiten Blondschopf Daniel Schuhmacher mit “Allein allein” von Polarkreis 18. Er fegt zwar etwas linkisch im weißen Anzug über die Bühne, bewegt sich aber immerhin mehr als so mancher seiner Kollegen und verdient sich damit das einhellige Lob der Jury.

    Den Abschluss macht dann wieder Sarah Kreuz mit “If I were a Boy” von Beyoncé. Vielleicht wünscht sie sich bei ihrem zweiten Auftritt heute wirklich, jemand anderes zu sein, denn sie hat einige Texthänger, sagt die Jury. Groß gemerkt hat man das zwar nicht, aber Volker und Dieter machen trotzdem einen auf dicke Hose und verpassen ihr einen ziemlichen Einlauf.

    Fazit insgesamt: Die ehemals Unkaputtbaren versemmeln heute auch mal ein paar Takte oder mehr, andere Leute mit Abo auf das “Nach-Vorne-Kommen” sind trotzdem immer noch da und sogar ziemlich lebendig. Absolut konstante Leistungsträger, wie in der vorherigen Staffel z.B. Thomas und Fady, gibt es diesmal nicht. Wenn nichts Sensationelles dazwischenkommt, dürfte der Superstar 2009 vermutlich zwischen Daniel und Sarah ausgefochten werden; beide wären in der letzten Staffel wohl nicht mal unter die Top 5 gekommen…

    Beim Ansehen der Aufnahme habe ich zwischen der Hauptsendung und der Ergebnisverkündung versehentlich ein paar Sekunden von dem peinlichen Drehbuch-Diarrhoe mitgekriegt, den RTL uns samstagabends so unter dem Label “Comedy” kredenzt. Das sind ja wohl nur notdürftig verfilmte Herrenwitze vom Bahnhofsklo der Neandertaler (oder wie Kalkofe sowas mal genannt hat). Echt schlimm, geht nur im Vollsuff! Vermutlich hat das aber Methode, denn so wird niemand davon abgehalten, die Zeit zum Anruf-Voting auszunutzen.

    So, nach überstandener geistiger Auszeit folgt das Ergebnis: Nach vorn müssen Annemarie, Daniel (!?!), Vanessa und Benny und raus fliegt dann unsere “Schlagerkönigin” Vanessa. Ist vielleicht besser so, sie wirkt doch heute insgesamt ziemlich indisponiert, vielleicht ist der Dauerstress denn doch zuviel für sie. Vanessa steht bei der Urteilsverkündung erst wie vom Blitz getroffen da, kapiert es nicht, dann aber doch und im Nu bricht ein kleiner Tränentsunami los, den der Schreyl geübt mit seinem Anzug auffängt. Vanessa kann ihren Fans nicht mal mehr ein paar Abschiedsworte sagen; das übernimmt dann der Moderations-Marco und entlässt uns Zuschauer bis zur nächsten Show.

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  • DSDS (RTL) 05.04.2009 1 Comment

    Nach 14 trüben Tagen hat das Lästerbloggen heute endlich wieder einen Höhepunkt – und das sogar im doppelten Sinne, denn Dieters Superstarmöchtegerns versuchen sich diesmal an “Sexy Songs”.

    Femme Fatale Benny Kieckhäben macht mal wieder den Anfang und tritt erfreulicherweise größtenteils in einem Käfig auf. Zu seinem musikalisch eher simpel gestrickten Titel “Don’t Cha” von den Pussycat Dolls trägt er politisch unkorrekt einen fetten Leopardenmantel. Mit teuren Fummeln kann man Dieter offenbar beeindrucken, denn er bescheinigt dem Paradiesvogel, mit seinem witzigen Auftritt auf der “Überholspur” zu sein. Dem schließt sich die Restjury selbstverständlich an, offenbar im Einvernehmen mit dem Publikum.

    Dieter hat eine väterliche Ader und ahnt vermutlich, dass (mindestens!) die meisten Kandidaten niemals vom Singen werden leben können. Deshalb versucht er in dieser Staffel, die Zutage tretenden Bildungslücken seiner Eleven auszubessern. Nachdem wir letztes Mal Holger beim Schwimmenlernen zusehen mussten, kriegt diesmal “Schlagerkönigin” Vanessa Neigert ein Weiterbildungsangebot, das sie nicht ablehnen kann: Sie will erstmals kein deutschsprachiges Lied singen und muss deshalb ihre Englischkenntnisse aufbessern. In einem Einspielfilmchen dürfen sich anglophile Zuschauer daran ergötzen, wie sie sich die Zunge am englischen “th” verknotet. Vokabelkenntnisse mangelhaft: Als sie englische Begriffe für Gefühle aufzählen soll, kommt Sahnetorten-Fan Vanessa nach “happy” und “sad” auf “fett”, danach übersetzt sie “depressed” mit “Presswurst”. Die Frau macht einem das Lästern fast zu leicht! :-)

    Jetzt kommt das Bekloppte an der ganzen Englisch-Lernerei: Vanessa hat sich den 70er-Jahre-Ohrwurm “Yes Sir, I can Boogie” von Baccara ausgesucht, dem spanischen Damen-Duo mit dem wahrscheinlich schauderlösesten Englisch, das je auf CD gebrannt wurde. Bei diesem Song wäre ein möglichst schlechter Akzent gerade sinnvoll gewesen, aber DSDS steht eben nicht für “Dieter sucht das Superhirn”…

    Vielleicht habe ich Vanessa unterschätzt und sie ist schlauer als gedacht, vielleicht aber auch gerade nicht und ihre Stärke liegt tatsächlich eher im Bereich der Backwarenvertilgung, jedenfalls trällert sie den angestaubten iberischen Schmachttitel mit starkem Akzent und außerdem leicht eieriger Intonation. Der rosa Puschelrock reißt das optisch aber wieder raus und die Jury ist einigermaßen zufrieden mit ihr.

    Als nächstes gibt es ein Wiedersehen mit meinem Abendbrot… :-( ER tritt auf, der Göttliche, Einzigartige, Unwiderstehliche, die kongeniale kollektive Wiedergeburt von Elvis, Freddie Mercury und Roy Black, die strahlendste Lichtgestalt der neueren Musikgeschichte und Gottes und Dieters Gabe an die Menschheit des 21. Jahrhunderts: Holger Göpfert.

    In Vorwegnahme seines spätestens nach dem DSDS-Finale geplanten Triumphzugs um die Welt, hat Holger in der letzten Woche auf Kosten von RTL schon mal London besucht. Gut, dass Privatsender keine GEZ-Gebühren bekommen, sonst würde ich mir bei dieser Verschwendung in den Arsch beißen! “Captain Entertainment” wandelt in der britischen Hauptstadt wortwörtlich auf den Spuren der Beatles und wird dabei auf dem berühmten Zebrastreifen vor den Abbey-Road-Studios beinahe von einem LKW plattgefahren. Später trifft er vor Big Ben ein paar doofe Deutsche, die sich freuen, wenigstens ihm zu begegnen, wo sie doch die Queen nicht sehen konnten… (how low can you go?) Holgers Redebeiträge sind dabei akustisch und inhaltlich nicht immer leicht zu verstehen und überschreiten oft die Grenze zur Peinlichkeit. Ob sein Besuch die auf der Insel gelegentlich vorhandenen Vorurteile gegen Deutsche abbauen hilft, darf wohl bezweifelt werden.

    In den Göpfertschen Musikschredder wandert diesmal Gary Moore’s “Still got the Blues”. Der Verwaltungsangestellte zerlegt den Song ganz gegen die Gewohnheit heute mal ohne Klavier. Stattdessen sitzt er rücklings auf einem Stuhl und schaukelt beim Singen mit dem Oberkörper hin und her, was mich sehr an Stevie Wonder erinnert – das ist aber auch schon die einzige Ähnlichkeit mit einem richtigen Profi. Erst bei der letzten Strophe springt Holger auf und hüpft ein paar Mal unmotiviert, natürlich komplett gegen den Takt. Für seine Verhältnisse und gemessen an seinen bisherigen Auftritten erinnert die heutige Performance eher an Leichenstarre.

    Wie nicht anders zu erwarten, hält Dieter wieder die Hand über sein Geschöpf und lobt den Auftritt, wenn auch nur “im Großen und Ganzen”. Vorweg erfolgt noch ein Aufruf an die Damenwelt, Holgers (lebens-)lange Abstinenz vom anderen Geschlecht beenden zu helfen. Nina und Volker versuchen erfolgreich, Dieters Lob noch zu übertreffen und erklären den heutigen Auftritt zu Holgers bestem bei DSDS überhaupt. Auweia!

    Dominik Büchele bringt diesmal “Sunday Morning” von Maroon 5, klingt dabei aber immer noch wie James Blunt – wofür er natürlich auch nichts kann. Wofür er was kann, ist, dass der Song irgendwie belanglos und “easy going” dahinplätschert und entgegen dem heutigen Motto auch nicht besonders “sexy” wirkt. Damit zeigt Dominik jetzt schon zum zweiten Mal in Folge, dass er wohl leider kein glückliches Händchen bei der Titelauswahl hat. Das ist bedauerlich, denn eigentlich wirkt er ja ganz sympathisch, aber vielleicht eben doch nicht wie ein Superstar. Das Urteil der Jury ist denn auch niederschmetternd, Dieter bringt es wieder auf den Punkt: “Der Song war der allerletzte Lutscher, a) kennt den kein Schwein und b) die Nummer ist Käse.”.

    Das blonde Gift Annemarie Eilfeld wird nach wie vor von den Holgerianern im Publikum gehasst und ausgebuht. Sie performt “Lady Marmalade” von Christina Aguilera in einem roten “Lederpanzer” (Zitat Marco Schreyl) mit schwarzen Strapsen und wirkt, auf gut Deutsch gesagt, ziemlich nuttig, womit sie aber voll das Thema des heutigen Abends trifft. Sehenswert ist, wie sie sehr aufreizend direkt neben dem Jury-Tisch tanzt und Volker starr geradeaus guckt, einen Miniblick zur Seite riskiert und dann schnell wieder den Kopf nach vorn dreht. Entweder war das alles so schlimm oder Volker hat Angst vor Befangenheit beim anschließenden Urteil. Dieter hat in dieser Beziehung keine Komplexe: “Ziemlich viel Show, ziemlich wenig Stimme, jede Tanzkapelle in Tötensen singt besser”. Naja, man muss ihn verstehen, die fiese Annemarie hatte bekanntlich vor zwei Shows mal was Böses über seinen Freund Holger gesagt…

    “Diva” Sarah Kreuz musste in der letzten Woche mit Dieters aktuellem Best Buddy Bruce Darnell das Lächeln üben und auch an ihrem Selbstbewusstsein arbeiten. Bruce ist am Ende begeistert von ihr und entlässt sie mit “Ick wunß dea ganz fill Gluck” auf die Bühne. Sie singt “The Trouble with Love is” von Kelly Clarkson wie gewohnt musikalisch perfekt und lächelt diesmal sogar tatsächlich dann und wann. Das fällt auch der Jury auf und alle sind rundum zufrieden. Da ist nichts weiter dran zu lästern.

    Beim Letzten des heutigen Abends, Daniel Schuhmacher, sind offenbar alle Homestories schon erzählt oder selbst für die DSDS-Verwertung zu langweilig und wo nichts ist, muss man eben etwas erfinden: Daniel wird von RTL zu einem Tandem-Fallschirmsprung genötigt, der dann seinen kompletten Einspieler ausmacht. Mit “Sexual Healing” von Marvin Gaye hat er sich nach Ansicht von Dieter den schwersten Song des Abends aufgehalst. Mir persönlich gefällt der Auftritt nicht ganz so gut, das Lied wirkt etwas atemlos, Daniels hohe Stimme und sein Anzug passen nicht richtig dazu und Tanzperformance ist seine Sache nicht. Die Jury ist auch nur so lala zufrieden, sieht Daniel aber trotzdem als Favoriten für den DSDS-Thron.

    Nach einer schier endlos wirkenden Stunde mit Dumpfbackenhumor kommt die Entscheidung. Nach vorn müssen Benny, Vanessa, Holger und Annemarie und dann passiert es, ich gewinne meinen Glauben an die Gerechtigkeit und die Menschheit zurück, denn H O L G E R   I S T   R A U S  !!! JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!!!!!!!!!!!!! Ausgerechnet im letzten Stechen mit Benny, dem von Dieter so gern kritisierten Paradiesvogel, verliert Holger! Ha, ist das schön, ich mach den Blog zu und tüdel mir einen an! Ciao Leute, bis zum nächsten Mal…  :-)

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  • DSDS (RTL) 22.03.2009 No Comments

    Das Thema der heutigen dritten DSDS-Mottoshow heißt “Die größten Partyhits aller Zeiten” und es geht wirklich etwas mehr zur Sache, Power statt Deprimucke ist angesagt. Und weil RTL die Action auf der Bühne noch nicht reicht, hat man jetzt offenbar auch kräftig im Kandidatenhaus gezündelt. Fast alle Sternazubis bringen in ihrem Einspieler vor dem Auftritt ein Statement zur Hackerei in der letzten Woche zwischen Annemarie und Holger. Heraus kommt: Mehr Feinde hat das Blonde Gift. Holger tut den anderen Kandidaten eher leid – vermutlich wird er trotz Dieters Protegierung nicht ganz für voll genommen. Dabei ist der Mann nicht zu unterschätzen, immerhin kann er seit dieser Woche auch (etwas) schwimmen, wie wir bedauerlicherweise sehen müssen.

    “Diva” Sarah Kreuz macht den Anfang. Schon im Einspieler geht sie beim Publikum auf Stimmenfang und nennt Annemarie herzlos. Die Holger-Fraktion jubelt dazu nach dem Motto “der Feind meines Feindes ist mein Freund”. Bestimmt ein schlauer Zug von Sarah, denn falls Holger mal eines Tages nicht mehr dabei sein sollte (Gott und Dieter bewahre), erbt sie vielleicht seine Fans…

    Auch mit Gloria Gaynors “I will survive” macht sie alles richtig und die Jury ist rundweg begeistert… bis auf Dieter, der Sarahs mickrige Englischkenntnisse bemängelt. Aber dazu hat er seinen aktuellen Best Kumpel Bruce Darnell (“Drama, Baby”) eingeladen, der kurz den Catwalk machen darf und in den kommenden Wochen als Englischlehrer für Sarah fungieren soll. Ich vermute, dass sich Dieter durch die Verpflichtung von Bruce nur aus der Schusslinie der Gay Community manövrieren will, in die er letzte Woche durch die schwulenfeindliche Kritik an Benny gekommen war.

    A propos Benny Kieckhäben, der selbsternannte Paradiesvogel kommt als nächster dran. In seinem Einspieler erklärt er erstmal seine Neutralität im Titanenkampf Annemarie gegen Holger “Isch lieb se alle – isch kann niemand hasse”. Dann werden die Ergebnisse des Fotoshootings von Benny aus der Bild-Zeitung (Dieters Leib- und Magenpostille) präsentiert. Unfreiwilllig lernen wir dann noch Marcel kennen, Bennys Entkorker und bester Freund. Passend dazu trällert Benny “What is Love” von Haddaway. Diesmal ist sogar Dieter begeistert, nichts mehr mit Transenshow und Tuntenball.

    Für Babyface Daniel Schuhmacher hat sich RTL inzwischen das Attribut “Pretty Boy” überlegt. Er hat nicht nur eine neue Frisur, sondern auch ein geschicktes Händchen bei der Titelauswahl: Diesmal präsentiert er “Sweet Dreams” von den Eurythmics – wegen seiner hohen Stimme kann er den Song in derselben Lage wie Annie Lennox singen. Dieter prophezeit Daniel, dass er bei DSDS noch sehr weit kommen werde.

    “Schlagerkönigin” Vanessa Neigert trifft in ihrem Einspielfilmchen zum ersten Mal seit drei Jahren ihren Vater, das gibt “Pipi in die Augen”. Anschließend versucht sie sich an einem Liedchen aus dem Neandertal des deutschen Schlagers, nämlich Gittes “Ich will ‘nen Cowboy als Mann”. Ihre Tanzperformance in grün schimmernder Wurstpelle mit Faltenrock ist ok, aber der Gesang… olala, da würde sich Gitte im Grabe umdrehen, wenn sie schon gestorben wäre… Diesmal fällt das sogar der Jury auf und Vanessa gelobt Besserung.

    Pfeifkonzert zum Auftritt von Annemarie Eilfeld: Das blonde Gift hatte sich bekanntlich in der letzten Woche durch die Kritik an Dieters Liebling selbst aus dem Kreis der zivilisierten Menschheit herauskatapultiert, jetzt reicht schon die Nennung ihres Namens für lautstarke Missfallensäußerungen der Holgerianer. Sie scheint das aber zu genießen und zieht in ihrem Einspieler heute auch noch über Marc und Sarah her, die angeblich zusammen seien. Kommt mir vor wie in der fünften Klasse, passt aber zu ihrem Titel “99 Luftballons”.

    Der Song geht so, aber Nena kann’s besser, sagt Gott Dieter, und der muss es wissen. Das etwas bitchige Kleid mag er auch nicht, dabei ist es doch so schön kurz, die hochhackigen Schuhe und die fehlende Achselbehaarung finden aber Anerkennung. Die Jury streitet kurz darüber, ob Buhrufe okay seien oder nicht und Bohlen formuliert wie immer das druckreife Schlusswort: “Also man darf sich darüber echt nicht wundern, wenn man sich zu Everybody’s Arschloch macht.”. (Als Annemarie die Bühne verlässt, tröstet sie Moderator Marco Schreyl charmant “Also ich glaube nicht, dass Du ein Arschloch bist”.)

    Auch “Strahlemann” Marc Jentzen schlägt sich auf Holgers Seite und meckert über die böse Annemarie. Sein “Celebration” von Kool and the Gang kriegt er ungewohnt sauber rüber, macht gut Action auf der Bühne und verdient sich damit das Lob der Jury.

    Und dann ist es wieder so weit, der Grund, weshalb ich sonnabends nur noch leichte Kost zu mir nehme: Holger Göpfert tritt auf. Doch vor den Angriff auf Ohren und Verdauungsorgane hat RTL diesmal noch ein besonderes Highlight gesetzt. Wer die letzte Sendung gesehen hat, ist vorgewarnt und schafft vielleicht noch den rettenden Griff zur Fernbedienung, alle anderen müssen nun Bilder sehen, die eigentlich keinem Menschen zugemutet werden sollten: Holger lernt schwimmen. Die Story beginnt damit, dass ER im weißen Bademantel und mit Dieters geschenkten Schwimmflügelchen am Beckenrand steht und irgendetwas mit seiner Schwimmlehrerin brabbelt. Gnädigerweise ist die Kamera gerade am anderen Ende des Beckens, als ER den Bademantel fallen lässt und blitzschnell die Leiter hinuntersaust ins Wasser. Bestimmt gibt es jetzt ein paar ganz böse Zuschauer, die hoffen, dass die Schwimmflügel Löcher haben!? Pfui, wie gemein! (Ich würde das nie denken, denn worüber sollte ich ohne Holger nächste Woche lästern?) Also, die Schwimmflügel sind nicht kaputt, Holger taucht wieder auf und brabbelt unverdrossen weiter. Am Ende kriegt er tatsächlich eine Bescheinigung, dass er die “Seepferdchen”-Prüfung bestanden hat – auch wenn es mehr nach See-Elefant aussieht. Ein Phänomen, denn damit kann er jetzt schon besser schwimmen als singen…

    Während man angesichts der gerade gesehenen Bilder noch um Luft und Fassung ringt, beginnt die Hauptattacke auf den guten Geschmack, denn Göpfert betritt jetzt live die Arena. Heute dilletiert er schon zum zweiten Mal mit einem Queen-Titel, nämlich mit “We are the Champions”. Der arme Freddie Mercury – auch der kann sich mangels Beisetzung nicht im Grabe umdrehen, aber vermutlich küselt sich jetzt irgendwo seine Asche. Musikalisch ist das schon eine ziemliche Zumutung, aber optisch vermurkst Captain Entertainment im Smoking diese wunderschöne Hymne dann total. Seine unmotivierten Zuckungen und Drehungen wirken wie eine schlechte Kopie einer ganz miesen Parodie auf den charismatischen Queen-Sänger. Wenigstens weiß ich jetzt wieder, was ich heute zum Mittag hatte…

    Die Jury steht wie gewohnt völlig unter Dieters Knute und gratuliert Holger geschlossen zum bestandenen Seepferdchen und zum heutigen Titel. Nina und Volker sollten geistige Insolvenz anmelden, ich kann mir das nur so erklären, dass Dieter ihre Gehaltsschecks zurückhält! Dazu passt auch, dass nach der nun folgenden Werbepause ganz fett Propaganda für den Dieter-Film am Sonntagabend gemacht wird. Prima, sein Haussender RTL macht den Kotau und sendet zur Prime Time einen Streifen, der wegen mangelnder Qualität nicht mal einen Kinoverleiher gefunden hat!

    Das Ende markiert “Herzensbrecher” Dominik Büchele mit einer echten Überraschung: Er singt scheiße! Die Backfischhymne “Reality” von Richard Sanderson wirkt schon im Original wie eine Musik gewordene Dreifachportion Tiramisu, aber Dominik eiert und leiert zusätzlich durch dieses Stück, dass man denkt, er habe zu lange neben Holger auf der Bank gesessen. Dieter schimpft, das sei nur Hasenfuß-Musik und reiche nicht für einen Spitzenplatz. Die anderen Jurymitglieder sind wie immer natürlich auch seiner Meinung.

    Diesmal gibt es zwischen der Hauptsendung und dem Ergebnis einen Boxkampf – vermutlich wird dabei mehr gelacht, als bei den unsäglichen Humorgranaten, die RTL an den vorherigen Sonnabenden an dieser Stelle sendete.

    Jetzt kommt das Urteil der Zuschauer: Nach vorn müssen wie in der Vorwoche Marc, die böse Annemarie und Benny, dazu diesmal auch noch Vanessa. Raus fliegt dann am Ende Marc Jentzen. Holger ist somit bei der nächsten Show in zwei Wochen wieder dabei. Nachdem er inzwischen schon schwimmen kann, lernt er ja diesmal vielleicht fliegen… oder sogar singen?

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  • DSDS (RTL) 15.03.2009 No Comments

    Bevor ich etwas über die zukünftigen Exsternchen schreibe, bei deren raschem Verglühen wir auch heute Abend wieder Zeuge sein dürfen, muss ich mich hier mal über Dieter Bohlens Klamotten beschweren: Ich glaube nämlich, der hat meinen Fernseher kaputt gemacht! Sein Anzug war so megaquietschneonpinkorangerot, dass mein Apparat da nur noch eine völlig gesättigte, konturlose Farbfläche draus gemacht hat. So etwas kenne ich eigentlich nur von der Digitalknipse, wenn sich der Blitz in einem Fenster spiegelt.

    Das Motto “Geschlechtertausch” passt natürlich wie bestellt zu Benny Kieckhäben. Er bringt Madonnas “Like a Virgin” mit ziemlich viel Heiteitei und zieht sich damit Dieters Unmut zu: “Dies ist kein Tuntenball und keine Transenshow”. Das Publikum buht etwas, aber Bohlen mag nunmal keine Schwulen, jedenfalls nicht in seiner Sendung. Sarah Kreuz macht es besser und bringt mit Westlifes “You raise me up” echtes Gänsehautfeeling rüber, das bescheinigt ihr auch die Jury. Tränendrüsenalarm beim Bravoboy Marc Jentzen: Er begrüßt vor der Sendung – und natürlich vor der Kamera – Kinder aus seinem früheren Kinderheim. Seinen Titel “I kissed a Girl” von Katy Parry bringt er trotz guter Tanzperformance gesanglich ziemlich dürftig rüber und Dieter befindet: “Du entwickelst Dich vom Jackpot zum Trostpreis”.

    Als nächstes kommt Annemarie Eilfeld und stürzt schon im Einspieler kopfüber in die Megafalle: Sie lästert über Publikumsliebling Holger und wird deshalb bereits vor dem ersten Ton ausgebuht. Auch das gut gesungene “Sweet Home Alabama” von Kid Rock (ursprünglich Lynyrd Skynyrd) kann ihr nicht mehr helfen. Ein gnadenloses Pfeifkonzert ist danach die Quittung für soviel Naivität. Den heiligen Holger zu lästern, unseren “Captain Entertainment”, wie kann man nur? Wo doch jeder weiß, wie gern auch die Jury aus Dieter, Dieter und Dieter den durchgeknallten Verwaltungsfuzzi mag. Gute Nacht, Annemarie, Du warst zu blöd für diese Welt…

    Irgendwie hat Daniel Schuhmacher offensichtlich Angst vor dem heutigen Showmotto “Geschlechtertausch”, denn er nutzt seinen ganzen Einspielfilm, um klar zu machen, dass er nicht schwul sei. Soso. Danach singt er mit viel Falsett, aber größtenteils sauber “Irgendwas bleibt” von Silbermond. Tja, irgendwas bleibt, nämlich der Eindruck, dass Daniel weniger an sich glaubt, als die Jury. Die ist von seinem Auftritt hellauf begeistert und Dieter lässt sich sogar zu dem Satz hinreißen “Man muss ja auch nicht immer rumtanzen, wie eine angestochene Wildsau.”. Nanu, geheimes Zerwürfnis mit Holger? Man wagt es ja kaum zu hoffen.

    Danach kommen leider Szenen vom Kandidatensofa, auf die ich und mein Magen gern verzichtet hätten: Moderator Marco Schreyl inszeniert die Versöhnung der bösen Annemarie mit Holger. Sie flennt fast “ich habe das gar nicht so gemeint, das fiese RTL-Kamerateam hat mich gelinkt!”. Wie man ihren Satz “Holger passt nicht zu DSDS” anders interpretieren kann, bleibt allerdings ihr Geheimnis. Schade, wäre sie nicht eingeknickt, hätte ich für die Frau angerufen, aber das kann sie sich jetzt in die blonden Haare schmieren!

    Und nach der Werbepause kommt es dann noch viel ekeliger: Es wird eine Szene gezeigt, die sich wenigen Minuten zuvor (noch vor der “Versöhnung”) live auf dem Kandidatensofa abgespielt hatte, als Annemarie von ihrem Auftritt zurück kam und sich der gedisste Holger offenbar gewaltbereit vor ihr aufbaute und mindestens (!) herumfuchtelte, genauer kann man das nicht erkennen. Daniel und Marc mussten sich schützend vor das Mädel stellen und man hat plötzlich Angst, dass der einfältig-harmlos wirkende Pianoclown der Blondine etwas antun könnte. Schön, dass die Kamera gnadenlos drauf hält, vielleicht reicht das ja für seine Disqualifikation.

    Ungerührt geht das Programm danach weiter mit Elton Johns “Your Song”, das von Harfenjule Cornelia Patzlsperger weitgehend unfallfrei zu Gehör gebracht wird. Auf dem Männersektor hat sich für Cornelia offenbar in der letzten Woche noch nichts Entscheidendes getan, deshalb wärmt Dieter das Thema wieder auf. Er greift dazu tief in den RTL-Giftschrank und zeigt zur allgemeinen Belustigung Bilder der schlimmsten Casting-Knallschoten. Am Ende kommt noch ein Bild vom Jurykollegen Volker, das Dieter mit einigen derben Sprüchen unterhalb der Gürtellinie kommentiert. Auf diesem Niveau fühlt er sich ja bekanntermaßen zuhause.

    Wo wir gerade beim niedrigen Niveau sind: Nun kommt  Holger Göpfert, der verhinderte Frauenschläger. Allanah Myles “Black Velvet” ist sein heutiger Titel, den ich gleich nach dem Blogschreiben aus meiner MP3-Sammlung löschen werde. Diesmal hat man Holger offenbar unter Valium gesetzt und am Piano festgebunden, damit er nicht so zappelt. Zucken und Hüpfen tut zunächst lediglich seine Stimme, allerdings recht unmelodisch. Erst in der zweiten Hälfte des Liedes reißt er sich los, taumelt aber nur noch ein wenig benommen über die Bühne und macht insgesamt – insbesondere im Vergleich zur Vorwoche – einen ziemlich aufgelösten Eindruck.

    Dieter lässt hinterher gleich den Psychologen raushängen und attestiert, Holger sei ein ganz Sensibler und deshalb habe ihn der Streit mit Annemarie wohl sehr mitgenommen. Kein Wort zu dem komplett versemmelten Titel – Benny hätte er dafür gevierteilt. Stattdessen schenkt Bohlen dem Wasserhasser Göpfert einen Schwimmkurs und kündigt für die nächste Sendung Bilder von Holger im Becken an. Das hat die Welt ja gerade noch gebraucht! Holger scheint dabei wirklich neben sich zu stehen und brabbelt Unverständliches, das Marco soweit möglich der Außenwelt übersetzt. Schließlich will Holger auch noch die Telefonnummer durchgeben, verheddert sich aber total, bis Marco ihn stoppt und die Situation professionell auffängt. Jau, das ist eben live und Holger ist einfach nur Panne. Ein Tipp für RTL: Stellt dem Mann das Mikrofon ab, wenn er nicht gerade “singt”. Und eigentlich auch dann!

    Ab geht es in die Welt des deutschen Schlagers mit “Gesichtskrapfen” Vanessa Neigert. Sensibel, wie das Fernsehen halt ist, werden ihre Gewichtsprobleme ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt. Im Einspieler stellt ein Arzt fest, sie habe die Kondition einer Siebzigjährigen. Sie plappert dann etwas von ihrer  “Konditotion” – gemeint ist wohl Kuchensucht -  und bewirbt sich damit um den Titel “Zlatko des Jahres”. Sie hat sich Reinhard Meys “Über den Wolken” ausgesucht. Schade, “Aber bitte mit Sahne” von Udo Jürgens wäre doch viel komischer gewesen… Offenbar sind ihr die Kalorien dann auch noch zu Kopfe gestiegen und sie vermackelt den Text gründlich, außerdem stellt sich ihr altes Lispelproblem wieder ein. Egal, Dieters Jury hat’s nicht gemerkt und winkt sie anstandslos durch.

    Den Abschluss macht Dominik Büchele, Mädchenschwarm und zunehmend auch Mamas Liebling. Ist das nicht der Typ auf der Kinderschokolade? Sein Einspieler zeigt keine körperlichen oder psychischen Macken, sondern einfach, wie sehr er es genießt, jetzt auf der Straße von kleinen Mädchen erkannt zu werden. Schon zum zweiten Mal in Folge singt er nicht James Blunt, persönlicher Rekord! Diesmal ist es “First Day of my Life” von Melanie C. und er kriegt es wieder ziemlich gut hin, da kann man nicht meckern.

    Als Sahnehäubchen, sorry Vanessa, kommt zum Abschluss noch der Song “Stand by me” von Ben E. King. Den führen unsere Kandidaten zusammen mit Seal auf, der in DSDS offenbar noch dringend seine neue CD promoten muss.

    Die Zeit bis zur Urteilsverkündung versüßt uns RTL wieder mit Humor für Leute, die mit dem Rückenmark denken. Dann wirbt Seal mit einem weiteren Titel für seine CD, danach müssen Benny, Marc, Cornelia und Annemarie nach vorn und raus fliegt Cornelia, die Frau mit den geschickten Fingern. Ist wohl zu alt für die Sendung, ihre Fans schlafen sicher schon. Mist, Holger ist immer noch dabei, aber wenigstens ganz klar mit fallender Tendenz!

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  • DSDS (RTL) 08.03.2009 No Comments

    Das Motte der ersten DSDS-Mottoshow lautet “Greatest Hits”, damit passt eigentlich jeder halbwegs bekannte Titel. Megadramatisches spielte sich aber hinter den Kulissen der ersten DSDS-Mottoshow ab: Vanessa Civiello hat am Vortag wegen Zickereien mit Annemarie das Handtuch geschmissen. Die hat ihr nämlich angeblich die Idee geklaut, sich während des Titels der Hälfte der Garderobe zu entledigen. SCHANDALE!!! (Wie es eine sprachlich minderbemittelte Casting-Kandidatin mal ausgedrückt hat.) Dieter ist darüber offensichtlich vergrätzt und tritt in der Sendung verbal nach. Immerhin erhält Nachrückerin Michelle Bowers damit kurzfristig die Chance, ihren vergeigten Top15-Auftritt von der letzten Woche wieder auszubügeln.

    Und los gehts: Die böse Annemarie Eilfeld zieht sich tatsächlich mitten in ihrem Britney-Spears-Titel den Rock aus, hält sich den aber im anschließenden Interview schamhaft vor alle interessanten Stellen. Merkwürdig. Und merkwürdig geht es auch weiter, denn jetzt kommt Warmblüter Benny Kieckhäben mit seiner Posing-Show und erhält von Volker und Nina Lob dafür, dass er zum ersten Mal einen Männertitel gesungen hat. Dieter sieht das anders, Benny wirke wie ein “Schnappkarpfen mit Haarteil” und habe große Chancen auf das Rückfahrticket.

    Michelle Bowers gibt “Valery” von Amy Winehouse, man merkt aber, dass sie nur einen Tag dafür üben konnte, trotzdem bekommt sie von der Jury viel Lob. Das kriegt auch Marc Jentzen , der sicherheitshalber gleich doppelt auf die Tränendrüsen der Zuschauer drückt: Seine seit Jahren verkrachten Eltern sitzen gemeinsam im Publikum und außerdem hatte er in der letzten Woche eine fiese Stimmbandentzündung. Sein Boyz-II-Men-Auftritt ist zwar nur so lala, aber dafür trägt er eine funkelnde Jacke, wird von seinen Anhängerinnen der Bravo-Fraktion mit Stofftieren fast zugeschüttet und hat vermutlich deshalb Dieter auf seiner Seite, weil der sich wohl im Hinterkopf gute Vermarktungschancen ausrechnet.

    Danach  ist wieder Schlagerzeit mit Vanessa Neigert , dem selbsternannten “Gesichtskrapfen”. Diesmal versucht sie sich an Marianne Rosenbergs “Er gehört zu mir”, bleibt mit vielen schrägen Tönen aber auf Karaoke-Niveau. Andererseits trägt sie einen roten 60er-Jahre-Rock und Bohlen mag deutsche Schlager, daher lässt die Jury sie ungeschoren davonkommen. Harfenjule Cornelia Patzlsperger singt zwar Duffy ganz gut, die Harfe wird aber vom Orchester völlig zugedröhnt und ist wegen der Sitzperformance eher ein Klotz am Bein. Homestorymäßig ist bei ihr nicht viel zu holen, sie hat keine Kinder aus kaputten Beziehungen, ihre Eltern sind nicht geschieden, ja haben nicht mal schlimme Krankheiten. Um diesem Mangel abzuhelfen, wurden sie von RTL wenigstens dazu verdonnert, im Trachtenlook im Publikum sitzen zu müssen. Außerdem wird der Umstand breitgetreten, dass Cornelia zur Zeit unbemannt – aber willig – ist.

    Blondschopf Daniel Schuhmacher hat zwar eine gute Stimme, sollte aber lieber nur im Radio auftreten, denn Action ist seine Sache nicht: Er steht bei seinem eh schon ruhigen Simply-Red-Titel wie angenagelt auf der Bühne. Macht nichts, Dieter denkt wohl an den CD-Verkauf und prophezeit ihm trotzdem eine große Zukunft. Kleinmädchenschwarm Dominik Büchele lässt diesmal James Blunt im Schrank und greift zu Höherem, nämlich John Lennons “Imagine”. Komisch, wenn man die Augen schließt klingt es immer noch, als ob James Blunt sänge… Klar, bei dem Titel ist die Performance naturgemäß auch eher mau, aber das reißt Dominik mit seinem Blumenkinderoutfit locker wieder raus und die Jury ist angetan.

    Dann kommt der Gipfel, nämlich mein “Special Friend” Holger Göpfert . Leider hat man seine Krankheit in der Zwischenzeit noch immer nicht heilen können und so müssen wir einen weiteren schweren Zuck- und Hüpfanfall über uns ergehen lassen. Diesmal verhunzt er Freddie Mercurys “Great Pretender” und selbst der abgehärtete Dieter findet den Auftritt “ein bisschen komisch”. Das, was Daniel fehlt, hat Holger hundertfach zu viel. Noch schlimmer ist aber die drum herum gestrickte Homestory, die uns unfreiwillig zu Zeugen von Göpferts unbeholfenen Balzversuchen beim weiblichen Geschlecht macht. Der Mann hat aber auch überhaupt keine Peinlichkeitsgrenze, merkt der noch was???

    Den klaglosen Auftritt von Sarah Kreuz kriege ich wegen der akuten Magen- und Darmprobleme nach Holgers Auftritt nur am Rande mit. Es scheint aber gut gelaufen zu sein und Dieter bemängelt lediglich Sarahs angespannten Gesichtsausdruck beim Singen. Kein Wunder, vermutlich kämpft sie mit ihrem Abendessen, schließlich musste auch sie vorher Holger hören und sehen…

    Nach dem Motto “wer Holger übersteht, dem kann man alles zumuten” sendet RTL zwischen Show und Ergebnis wieder haufenweise Comedy, die sämtliche Vorbehalte gegen den deutschen Humor bestätigt. Andererseits, vielleicht zeugt gerade Holgers unerklärlicher Aufstieg davon, dass die Deutschen über sich selbst lachen können?

    Nach einer endlos scheinenden Stunde ist es soweit: Marc, Annemarie und Benny überleben die Vorhölle des “Du musst leider nach vorn”, Michelle tut das bedauerlicherweise nicht. Offensichtlich haben ihre Fans mehrheitlich zu Stefan Raabs Wok-WM auf ProSieben umgeschaltet und können ihr nicht helfen. Das zweite bittere Ergebnis des Abends lautet damit: Wir müssen uns mental auf eine weitere Show mit Holger einstellen!

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