• DSDS (RTL) 10.04.2011 No Comments

    Liebe Leute,

    seltsame Dinge passieren derzeit auf der Welt. Neinnein, ich spreche nicht von Japan, Libyen oder China und nicht von Atomkraftwerken, Doktortiteln oder mit Bechern beworfenen Linienrichtern, sondern von dem merkwürdigen Umstand, dass in Köln eine komplette große Samstagabendshow wiederholt werden muss, nur weil irgend so eine Torfnase in der RTL-Redaktion für einen Moment nicht aufgepasst hat. Ja richtig, “Deutschland sucht den Superstar” geht heute ein zweites Mal mit den Top 6 an den Start, denn am letzten Samstag wurden für einen kurzen Moment die Anrufnummern von Marco Angelini und Zazou Mall vertauscht angezeigt. Vermutlich hatte RTL dabei das Muffensausen gekriegt und diplomatische Verwicklungen befürchtet. Immerhin kommen die beiden Kandidaten aus unseren geschätzten südlichen Nachbarländern, da will man die – trotz Eurovision Song Contest – über Jahrzehnte mühsam aufgebaute kulturelle Verbundenheit nicht einfach so aufs Spiel setzen, nur weil ein Fernsehpraktikant bei RTL zur falschen Zeit ein Nickerchen gemacht hat. Papa Bohlen hat also entschieden, dass DSDS diesmal in die Verlängerung geht, die Top-6-Show wiederholt und das Finale vom 30.04.2011 um eine Woche auf den 07.05.2011 verschoben wird. “Zufällig” löst er damit noch ein zweites Problem, denn am 30.04.2011 präsentiert Opa Gottschalk im ZDF (mal wieder) seine letzte “Wetten, dass…?”-Sendung. Auch wenn das normalerweise nur ein Event für die Kukident-Fraktion ist, die den vom Zivi angeknipsten Fernseher nicht mehr allein auskriegt, könnte es vielleicht doch sein, dass der eine oder andere aus der DSDS-Zielgruppe an diesem besonderen Abend mal im Gerontenkanal fremdsieht. Sicher ist sicher, hat Übergotttitan Dieter Bohlen sich gedacht und dabei nicht zuletzt wohl auch ein wenig die pekuniären Aspekte der Sache betrachtet: Der Mann geht so langsam auf die Rente zu und ist gerade zum fünften Mal Vater geworden. Kinder kosten viel Geld, Freundinnen, Ex-Freundinnen und Ex-Gattinnen auch und andererseits hat er die erste Milliarde Euro noch immer nicht ganz zusammen, da kommt man echt ins Grübeln und vielleicht auch auf komische Gedanken: Eine Show mehr bedeutet nämlich auch einmal Honorar mehr! Wollen wir also mit Onkel Dieter heute nicht so streng sein, auch wenn die Begründung für die heutige Show-Wiederholung noch so fadenscheinig wirkt, es ist für eine gute Sache, nämlich für die Bohlensche Rentenkasse.

    RTL hat auf die Ereignisse der letzten Woche superflexibel reagiert und die interne Denkfabrik angeworfen. Nach tagelangem Grübeln hat man wie aus dem Nichts ein hochinnovatives Motto für diese eigentlich ungeplante Show zusammengezimmert, das einem allergrößten Respekt abnötigt: Hieß es beim missglückten Erststart der Top 6 in der Vorwoche noch “England gegen Deutschland”, so ist man diesmal auf das Motto “Europa gegen Amerika” verfallen. Superidee. Mal sehen, was die nächste Woche machen, wenn das heute nochmal schief geht, “Australien gegen Afrika” würde mich mal interessieren…

    Der neuerdings immer etwas ranzig-unrasiert aussehende Marco Schreyl ist leider heute Abend auch wieder dabei und stellt sich vor als “Lieblingsprügelknabe aller Hobbykritiker” – upps, ich fühle mich ertappt… ;-) Dann begrüßt er die Jury-Menschen, allen voran die “Venus von DSDS”, mit bürgerlichem Namen Fernanda Brandao, und als zweiten “Mister Fantastic” Patrick Nuo. Beide kommen zur Befriedigung ihres cool-jugendlichen Egos fahnenschwingend als Sozius auf Motorrädern auf die Bühne. Dieter Bohlen ist über derlei juvenile Eskapaden schon seit Jahrzehnten hinweg und steht zu seinem biblischen Alter. Wenn man den Geschichtsbüchern der angeblich goldenen Achtziger trauen darf, hat er seine erste Million noch in D-Mark gemacht, als dauergrinsender, stummer und völlig talentfreier Gitarrist zusammen mit einer langhaarigen Indianer-Squaw mit komischer NORA-Halskette in einem Pop-Duo namens “Modern Talking”. Ja, damals war die Musik im Radio noch schwarz-weiß und vor allem öffentlich-rechtlich. Vom RTL-Fernsehen weit und breit keine Spur und Marco, Fernanda und Patrick waren zu diesem Zeitpunkt noch Quark im Schaufenster. Wie ein übriggebliebenes Fossil hat sich Dieter Bohlen aus dieser dunklen Vorzeit ins Jahr 2011 hinübergerettet. Das Publikum zollt ihm Respekt, wie er so ganz schlicht ins Studio kommt, eine Hand lässig in der Hosentasche, mit der anderen den Zuschauern freundlich zuwinkend.

    Der musikalische Teil des Abends beginnt mit dem traditionellen Gruppengesang der DSDS-Überlebenden. Die sechs Kandidaten führen ihre sehr ansprechende Version von David Guettas “Wo’s that Chick?” auf. Abwechselnd übernehmen sie dabei für kurze Momente die Rolle des Lead Vocal und man kriegt anhand der jeweils aufbrandenden Begeisterungsstürme schnell mit, wer die größte – oder zumindest lauteste – Anhängerschaft im Saal hat. Das sind ganz klar Pietero und Ardian und etwas abgeschlagen Sebastian.

    Sebastian Wurth startet dann die erste, europäische Hälfte der Mottoshow. Er singt den Titel “You and me” des belgischen Singer-Songwriter Milow in College-Klamotten und mit Gitarre. Seine gesamte Choreografie besteht darin, dass Sebastian vor dem Mikrofon steht. Punkt. Der Gesang ist allerdings wie immer allererste Sahne, jede Note und der Text sitzen perfekt – und das gilt auch für das Welpen-Grinsen. Die Jury ist hochzufrieden, auch das ist bei Sebastian schon normal.

    Ardian Bujupi ist offensichtlich sehr von sich eingenommen und gibt nicht viel auf Kritik, jedenfalls nicht auf negative. Sein Song “Glow” stammt aus Norwegen von Madcon und läuft auch ziemlich gut. Es gibt eine fetzige Tanzchoreografie mit den DSDS-Hupfdolls und dabei bewegt sich Ardian auch heftig auf der Bühne mit, ganz im Gegensatz zu Sebastian vorher. Die Jury kann auch hier keine Kritikpunkte erkennen, Dieter nennt den Auftritt gar “hammermäßig”, irgendwie sei bei Ardian seit der letzten Woche wohl der Knopf geplatzt. (Und dabei kann er diesmal sogar den Vornamen des Kandidaten fehlerfrei aussprechen! Im Entscheidungsteil der Show nennt er ihn allerdings wieder “Adrian”.)

    Vor der Werbepause fängt Marco Schreyl noch ein paar wirre Worte unseres verpeilten Freundes Pietro Lombardi ein. Ob der wisse, was ein “Gig” sei. – “Hä?” – “Ein Gig!” – “Ein Dick?”… O Mann, diese Fast-Interviews sind immer an der Grenze zum Schwachsinn, diesmal sogar wieder mit einem Fuß übergetreten.

    Zazou Mall, die eidgenössische DSDS-Teilnehmerin, bringt danach eine sehr schön gesungene Version von Caro Emeralds “A Night like this”. Sie trägt ein sehr enges und kurzes Kleid im gestreiften Wespenlook und wird auf der Bühne von den mal wieder nur spärlich gekleideten Herren der Tanzgruppe Bohlen unterstützt. Patrick, Fernanda und der Rest der Welt finden den Auftritt wohl ganz gut, aber bei Dieter hat Zazou aus irgendwelchen Gründen bis in die Steinzeit verschissen. Er mag partout ihre Stimme nicht und spricht erneut von einem “ganz schlimmen Gequake”. Das Publikum buht, aber solche negativen Emotionen scheint Dieter geradezu zu lieben; er grinst fast triumphal.

    Marco Angelini, der angehende österreichische Arzt, kommt mit einem Landsmann: Er singt im weißen Anzug und mit ach-so-cooler Sonnenbrille “der Kommissar” vom seligen Falco. Den Wiener-Schmäh-Akzent kann er ja schon bauseitig und auch in der Tonlage hält er sich extrem eng an das Original. Das ist schon kein Marco-Titel mehr, sondern eher eine bestürzend gut gemachte Imitation, mehr aber auch nicht. Dieter ist entsprechend kritisch, Marcos Bonus als netter Akademiker sei verbraucht, er habe nunmal keinen Star-Appeal, was besonders im Vergleich zu Falco – den Bohlen selbstredend persönlich kannte – deutlich zu sehen sei. Oha, da beginnt nun also ein weiterer Stern zu sinken und wir alle wissen: Ohne Dieters Segen ist noch kaum jemand zum Superstar gewählt worden (geschweige denn, hinterher ein Superstar geblieben).

    Sarah Engels hat einen Titel aus Großbritannien mitgebracht: Katrina and the Waves mit “Walking on Sunshine”. Eine temperamentvolle Up-Tempo-Nummer, bei der mir heute zum ersten Mal Sarah nicht ganz souverän erscheint. Vielleicht wegen der anstrengenden Choreografie inklusive Hüftschwung wirkt ihre Stimme an vielen Stellen eine Nuance zu niedrig, was dem ganzen einen leichten Karaoke-Touch gibt. Fernanda hat das auch gemerkt und attestiert Unkonzentriertheit, auch seien der Hüftschwung und überhaupt alle Schritte mit den High Heels noch ausbaufähig. Dieter sieht wie immer alles anders. Er ist sowohl mit dem direkt vor seinem Jurytisch ausgeführten Hüftschwung hochzufrieden, als auch mit der gesanglichen Leistung.

    Pietro Lombardi beschließt mit seinem Auftritt die erste Runde der heutigen Show. Er singt “Don’t worry be happy” von der Hermes House Band, die aus den Niederlanden, also Europa, stammt. In Wirklichkeit ist das aber mal wieder eine kleine Mogelei von RTL, denn die Stimmungstruppe vom Gouda-Planeten hat den Song nur gecovert, das Original stammt von Bobby McFerrin und der ist ein waschechter US-Amerikaner aus New York City. Pietros Auftritte sind nichts für schwache Nerven, man zittert immer, ob er den Text drauf hat und die Melodie kann. Das gilt insbesondere seit dem katastrophalen Textaussetzer vom letzten Sonnabend. Angeblich hatte der Kandidat diesmal sogar seine DSDS-Karriere abbrechen wollen, wenn er den Text seiner beiden heutigen Lieder bis Freitag nicht drauf gehabt hätte. Sagt die Blöd-Zeitung – und die muss es wissen, denn bestimmt hat sie dieses Gelübde selbst erfunden. Wie auch immer, in den Sack gehauen hat Pietro nicht, sondern er steht zwar etwas ruhiger als früher, aber mittlerweile ohne Krücken, auf der Bühne und schmettert sein Lied. Auf dem Kopf trägt er die obligatorische Baseball-Dunstkiepe, bemerkenswert sind aber auch seine grasgrünen Gärtnerhosen, die ein wenig nach Clown aussehen. Musikalisch ist das nach meiner Meinung nicht gerade nobelpreisverdächtig, einige Male kann man im Refrain den Sänger nicht vom Backgroundchor unterscheiden. Dieter Bohlen hat an Pietro aber einen Narren gefressen, egal was und wie der singt, der Poptitan findet es gut und Amen. Es geht hier absolut nur noch um kommerzielle Verwertbarkeit. Der Kandidat hat großen Rückhalt bei den pubertierenden Bravo-Mädchen, ergo ist er auch für Bohlen interessant. Würde er für Zazou und Pietro die selben Maßstäbe anlegen, müsste er Pietro eigentlich anschreien. Stattdessen bastelt sich Dieter einen hanebüchenen Vergleich zusammen, der inhaltlich völlig dem Niveau des Kandidaten angepasst ist: “Jesus hatte Anhänger und Du hast Texthänger.” Die Erklärung, was er mit diesem Kalauer eigentlich sagen will, bleibt uns der Millionär aus Tötensen schuldig. Nettes Detail am Rande: Pietro erzählt Marco, dass er sich das Gipsbein selbst abmontiert habe. Eigentlich sei er noch gar nicht gesund und habe auch gelegentlich noch Schmerzen im Fuß. Ja, für die DSDS-Karriere muss man echt über Leichen gehen – und wenn es die eigene ist.

    Nun beginnt die zweite Runde, ab jetzt kommen nur noch amerikanische Songs, wobei allerdings nur die USA gemeint sind, alle übrigen Länder dieses Doppelkontinents fallen unter den Tisch. Bevor Staffelzwerg Sebastian Wurth auf die Bühne tritt, muss RTL in einem Einspieler noch mal dringend Werbung in eigener Sache machen, denn offenbar stimmen mittwochs die Quoten noch nicht: Wir sehen Sebastian und Pietro bei ihrem Besuch hinter den Kulissen von “Let’s dance”. Angeblich geiern sie vor allem auf ein Autogramm – und mehr – der Moderatorin Sylvie van der Vaart, treffen dort in der Garderobe bedauerlicherweise aber auch auf Nervbold Thomas Karaoglan. Diese DSDS-Altlast aus der letzten Staffel ist wegen seiner erfolglosen Gesangskarriere nun als C-Promi zu einer Odyssee durch die Niederungen des deutschen Kommerzfernsehens verdammt und muss sich dabei momentan als Tanzkandidat von einem gewissen Herrn Llambi verbal zu Brei schlagen lassen. Der Llambi ist quasi die wildgewordene Version von Bohlen und mimt bei “Let’s dance” den Oberjuror. Aber keine Sorge, Thomas wird für seine Erniedrigung bezahlt, vermute ich jedenfalls… Zurück zu DSDS 2011: Sebastian singt in der zweiten Runde den Titel “Hallelujah” von Rufus Wainwright. Auch der hat den Song nur gecovert, genau wie vor ihm – aber genialer – Jeff Buckley. Das Original stammt von Leonard Cohen. Sebastian steht (natürlich stocksteif) wie ein Konfirmant in einem etwas zu klein wirkenden weißen Anzug vor einem dramatisch beleuchteten Bombasto-Bühnenbild, das irgendwie nach Kirche aussieht. Aus nicht klar ersichtlichen Gründen scheint er diesmal unruhiger als sonst, das lang ausgehaltene “Halleluja” im Refrain muss er stets ein zweites Mal ansetzen, weil ihm offenbar zwischendrin die Puste ausgeht. Patrick und Fernanda sind trotzdem total beeindruckt, waren angeblich beinahe zu Tränen gerührt, aber Onkel Dieter muss die weihevolle Stimmung wieder mit Kritik zerstören. Er vermisse das Gefühl, die Nummer müsse eigentlich vor Schmalz triefen, doch davon habe er nichts gesehen, den ersten Titel fand er besser.

    Ardian Bujupi zeigt sich in seinem Einspieler mal wieder als ekeliger Gelegenheitsmacho, der immer gern einen sexistischen Spruch ablässt, wenn er ein offenes Mikro findet. Er bringt nun “I need a Dollar” von Aloe Blacc und macht seine Sache zum zweiten Mal an diesem Abend sehr gut. Die Jury spricht erneut von “Gänsehaut”, “Spaß beim Zugucken” und vor allem “Du bist die Überraschung des Abends”.

    Zazou Mall war in der letzten Woche zusammen mit Sarah beim Pferderennen und deswegen wird ihr Einspieler gefüllt mit langweiligen Bildern von Pferden und reichen Frauen mit Hut. Lustigerweise wettet Zazou 20 Euro auf einen Hengst namens Zazou, der dann hinterher aber nur auf dem fünften Platz landet. Sie will es bei DSDS aber weiterbringen, als nur bis zum 5. Platz, sagt sie. Ihr Titel “Waka-Waka” von Shakira wäre ohne Ton supertoll, sie trägt ein enges, kurzes Leopardenkleidchen und passt bestens zu den mit Tiermasken kostümierten DSDS-Tänzern. Mit Ton hört man allerdings ihre dünne Stimme, auch Dieter Bohlen tut das: “Das war nicht Waka-Waka, sondern Kacka-Kacka”, gibt er seinen Senf dazu.

    Marco Angelini singt im zweiten Durchlauf “Use somebody” von den Kings of Leon. Er performt die Hymne mit großen Gesten in einem dramatisch aussehenden Blitzlichtgewitter, da werden die Kölner Stadtwerke wohl kurzzeitig ihre Stromzähler als Ventilatoren benutzen können. Der Gesang war wieder sehr nahe am Original dran und überzeugt die Jury. Dennoch unkt Dieter herum, er sehe nachher in der Zitterrunde Zazou und Marco.

    Vor der nun folgenden Werbepause interviewt Marco Schreyl die Kandidaten auf ihrem Sofa. Offenbar haben die alle akute Anfälle von Schlafkrankheit, denn Pietro fällt nicht mehr ein, von wem sein nächster Song stammt, eine an Sarah gerichtete Frage schreckt diese offenbar aus einem kurzen Nickerchen hoch (“Hä?”) und dann versemmelt Pietro auch noch seine bereits zig-fach praktizierte Ansage der Reklamepause. Auf Marcos Stichwort “Und nun kommt…” reagiert Pietro mit “Ciao!” (richtig wäre “Werbung” gewesen). Marco schüttelt nur den Kopf über die ganzen Stümper um ihn herum.

    Sarah Engels war zur Füllung ihres Einspielfilmchens einen Vormittag als Praktikantin im Kölner Zoo. Wer bisher nicht wusste, wie sehr Pinguinscheiße am Beckenrand klebt, der hat heute bei DSDS wirklich was gelernt. Zum Beispiel auch, dass Sarah Angst vor Eulen hat und Erdmännchen dagegen süß findet, weil die angeblich ein wenig so aussehen wie Pietro, behauptet sie. Live singt sie heute Abend “Hurt” von Christina Aguilera, einen schweren, langsamen Song, den sie aber prima meistert. Im Hintergrund dreht sich ein Karussell auf der Bühne, Feuerwerk sprüht und die Streicher im Orchester machen Überstunden.Die Jury findet kaum noch Superlative: “grandios”, “gigantisch”, “wunderschön”, “ganz große Klasse”, “Gänsehaut pur” usw. Nur Dieterchen muss ein wenig die Euphorie bremsen, es sei zwar alles toll gewesen, er vermisse aber Originalität, das da eben sei zu sehr Kopie und zu wenig Sarah gewesen, findet er.

    Pietro Lombardi macht den Ausputzer mit “Mad World” von Gary Jules. Ganz ursprünglich stammt der Song von Tears for Fears, die übrigens aus Großbritannien kommen, welches – jedenfalls geografisch – nicht zu Amerika gehört, liebe RTL-Musikredaktion, ich hab’s gerade bei Google-Earth nachgesehen. Ich würde vorschlagen, wir verrechnen diesen neuerlichen Geografie-Fauxpas mit dem umgekehrten Problem aus der Hinrunde, als Bobby McFerrin den Europäern zugeschlagen wurde. Bevor der Gesang startet, wird es erst mal wieder peinlich, denn als Ouvertüre zu Pietros Auftritten darf bekanntlich immer jemand aus seiner Familie peinliche Interna über den Kandidaten ausposaunen. Nachdem in der Vorwoche sein Bruder beim Interview durch Marco mit unverständlichen Sätzen und einem klingelnden Handy glänzte, hat RTL diesmal Oma Lombardi vorgeladen. Sie berichtet auch wirklich treudoof, dass ihr Enkel ziemlich schusselig sei und “immer irgendwo ‘ne Macke” habe, wie sie sich ausdrückt. Dann kommt live endlich Pietros Lied. Er steht dabei mutterseelenallein mit seiner silbrig glänzenden Basecab in einem Lichtkegel auf der Bühne und schafft es tatsächlich, das ganze “Mad World” ohne Texthänger abzuliefern – auch wenn sein Englisch an einigen Stellen noch ungewöhnlicher ist, als das von Lena Müller-Klappstuhl, oder wie die Eurovisionsfrau heißt. Patrick Nuo ist nicht hundertprozentig zufrieden, der Titel sei vielleicht doch eine Nummer zu groß gewesen. Dagegen ist Fernanda zufrieden, so wie eigentlich sowieso immer. Dieter bekennt: “Du schluchzt und wimmerst wirklich hervorragend, das ist Dein eigener Style und ich finde den Pietro-Style einfach geil, das weißt Du.” Klar weiß er das, alle wissen es, wenn Dieter sich mal wieder einen Lieblingskandidaten erkoren hat, dem er durch dick und dünn die Treue hält, egal wie er singt. Wir erinnern uns in diesem Zusammenhang an den grässlichen, etwas verhungert aussehenden Mark Medlock (den ich übrigens als Gast im Finale erwarte), an den weinerlichen Daniel Schumacher und gerade in der letzten Staffel natürlich an Dackelblickträger Marcel “Plüschi” Pluschke. Dieses Mal heißt Bohlens musikalischer Adoptivsohn also Pietro Lombardi.

    So, Bühne frei für das Telefonvoting. Diesmal geht alles gut, keine Nummernvertauschereien, RTL hat gelernt. Wir spulen mal ganz schnell vor, vorbei an Bülent Ceylan, der heute Abend mit einem hässlichen Gag-Assistenten im handgestrickten Pullunder erneut seine drei Grundpointen variiert und denkt, keiner merkt was. Wir kommen nun also direkt zur Bekanntgabe des heutigen Rauswurfs: In die Zitterrunde müssen Zazou, Marco (Angelini, leider nicht Schreyl) und Sarah und am Ende muss Zazou Mall die Koffer packen. Ich denke, die Entscheidung geht nach musikalischen Gesichtspunkten in Ordnung, gerade der Schnelldurchlauf sämtlicher Titel hat deutlich ihre Schwächen gegenüber allen anderen Kandidaten gezeigt. Optisch wird sie aber fehlen, da hatte sie schon ganz klar Star-Appeal, mehr als alle anderen.

    Dieter Bohlen hat sich also auch in diesem Punkt mal wieder durchgesetzt, die von ihm am wenigsten geschätzte Kandidatin ist raus. Ab jetzt wird es sicherlich eng für Marco, dann Sarah und danach beginnt der Kampf der großen Drei, wobei ich Sebastian und Pietro im Finale sehe.

    Bis zur nächsten Show! Dann muss übrigens jeder Kandidat drei Songs singen, das wird ziemlich hart für Pietros graue Zellen…

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  • DSDS (RTL) 21.03.2011 2 Comments

    Hallo Leute,

    heute ist Sonnabend und das heißt natürlich momentan Bohlen-Time. Die Feuerwehr hat Anna-Carinas Tränenflut vom letzten Wochenende soweit abgepumpt, es kann also losgehen. Diesmal startet “Deutschland sucht den Superstar” mal ganz international, denn RTL hat den bekannten US-Ringansager Michael Buffer – mit sicherlich nicht allzu wenig Geld – dazu überreden können, hier heute den Conférencier zu mimen. (Ich hoffe das bedeutet, dass uns Marco Schreyl ausnahmsweise mal verschont… jaja, die Hoffnung stirbt immer zuletzt. Aber man wird doch wohl noch mal träumen dürfen…) Übrigens konnte ich Wikipedia entnehmen, dass der Amerikaner mit nichts weiter als der Vermarktung seines Markenzeichenspruchs “Let’s get ready to rumble” bis heute schon 400 Millionen US-Dollar verdient hat… wie viel hat eigentlich Dieter Bohlen, der Poptitan aus Tötensen, bisher mit seinen beiden Akkorden eingenommen? Pro überlebter DSDS-Staffel kriegt er jedenfalls 1,2 Millionen Euro Schmerzensgeld, muss dafür allerdings auch alles aus der ersten Reihe ertragen und kann nicht einfach mal so vorspulen oder wegzappen, so wie unsereins.

    Michael Buffer sagt die Jurymitglieder der Reihe nach an und zieht dabei die letzte Silbe des Nachnamens immer in die Länge und in die Höhe – das ist ja eben sein Markenzeichen. Nach Fernanda Brandao, die mit einem für ihre Verhältnisse beinahe unscheinbaren silbern-spacigen Kleid ins Studio kommt, wird Patrick Nuo, “…the He-Man from Switzerland”, angekündigt. Beim Applaus ist ihm heute ein Mitleidsbonus sicher, denn bestimmt haben die meisten im Publikum ja immer schön fleißig die Blödzeitung gelesen und wissen daher, dass Patricks Ehe Auflösungserscheinungen zeigt. Schließlich kommt er, dessen Namen man kaum zu sagen wagt, himself und in höchsteigener Person ins Studio: Dieter Bohlen trägt Sonnenbrille und schreitet hinter einer sehr spärlich bekleideten Blondine, die einen fiktiven Boxer-Gürtel in die Höhe hält. Das Publikum gerät schon zu diesem frühen Zeitpunkt vorübergehend in Ekstase. Dabei dienen die Verpflichtung Michael Buffers und alle Anspielungen auf Profi-Ringveranstaltungen nur dem einen Zweck, für den Live-Boxkampf Klitschko gegen Solis zu werben, der gleich im Anschluss an den Hauptteil der heutigen vierten Mottoshow hier bei RTL stattfinden wird. Welcher dieser Klitschko-Brüdern ist denn bloß heute wieder dran? Die Klitschkos sind genau wie die Jacob-Sisters: Es gibt eine unübersehbare Anzahl davon und man weiß nie, wie der heißt, den man gerade vor sich hat. Okay, ich gebe zu, dass der Vergleich bei genauerer Betrachtung etwas hinkt, aber sei’s drum.

    Als letzte Amtshandlung eröffnet nun Michael Buffer mit “Let’s get ready to rumbleeeeeeee!!!!!” den musikalischen Teil des Abends, der übrigens passend zum Libyen-Krieg unter dem Motto “Partykracher” steht. Die sieben verbliebenen DSDS-Kandidaten springen bzw. humpeln (Pietro) auf die Bühne und performen zusammen den Titel “Yeah 3x” von Chris Brown… Hmmm, Chris Brown, da war doch was…? Aber klar, jetzt fällt mir’s wieder ein, das war doch der Typ, der seine Freundin, die Sängerin Rihanna, verhauen hatte und deswegen vor Gericht stand. [Grübel, lange Kunstpause] Wo wir gerade beim Thema sind: Wie ist das eigentlich mit dem Kachelmann-Prozess weitergegangen? Wegen dem Japan-Erdbeben, dem drohenden Super-GAU und den diversen arabischen Revolutionen ist das so ein bisschen hinten runter gefallen. Mir fällt nur noch ein, dass Alice Schwarzer als Gerichtsreporterin darüber in einer festen Kolumne in der Blödzeitung berichtete, aber vermutlich brauchen die den knappen Platz in ihrem Intelligenzblatt jetzt sowieso für wichtigere Meldungen, immerhin ist ja heute auch noch Eisbär Knut gestorben.

    Und dann macht Michael Buffer alle meine Hoffnungen zunichte, er sagt nämlich Marco Schreyl an (“your host tonight”), welcher dann auch gleich auf die Bühne stürmt und brabbelt wie ein Wasserfall. Als ersten Kandidaten sehen wir heute Mister Ö, Marco Angelini. Dem waren in den letzten Woche gelegentlich mal fehlende Ecken und Kanten vorgeworfen worden, was latent zu Langeweile führen kann und damit zu ausbleibenden Anrufer(inne)n. Heute will er deshalb unbedingt seine “dreckige Seite” zeigen. Dazu lässt er sich eine schwarz-weiße Gesichtsmaske à la 70er-Jahre-Hard-Rock-Band Kiss aufmalen und tritt dann mit der Robbie-Williams-Nummer “Let me entertain you” auf. Er gibt alles, mehr Dreck geht nicht, sagt er hinterher. Hier finde ich die bombastischen Kamerafahrten durchs ganze Studio nicht so sinnvoll, ich hätte lieber von nahem gesehen, was Marco auf der Bühne veranstaltet. Patrick nennt dies die beste Performance aller Auftritte sämtlicher DSDS-Staffeln auf dem ganzen Planeten, wenn nicht gar im Universum, seit Anbeginn der Zeiten und fordert das Publikum – vergeblich – zu Standing Ovations auf. Auch Fernanda ist begeistert, nicht hingegen Dieter, dem das zu viel Kopie von Robbie Williams und zu wenig Original Angelini war.

    Auf Startplatz Zwei sehen wir heute Abend Norman Langen, den DSDS-Schlagerfuzzi. Um seine möglicherweise etwas müde hinter dem Ofen liegende Anhängerschaft zu wecken, sehen wir in seinem Einspieler, wie Norman sich aus einem Hochhaus abseilt. Mit interessanteren Dingen wie Beinbrüchen, Zickenterror, hausinternen Affären oder Konflikten mit dem Jugendschutzgesetz kann er wohl nicht dienen. Und schlimmer noch, jetzt in der Liveshow beleidigt er die nicht-komatösen Zuschauer mit dem Titel “Hey Baby” von DJ Ötzi, einem Künstler, den ich nach wie vor nicht mag. Tja, wie soll man Normans Kostüm nur nennen, es ist eine Art gelbes Cape und gelbe Hose, die von weitem etwas nach Regenbekleidung aussehen. Und drei Streifen haben die Klamotten auch, sind also wohl von Adidas. Der Auftritt selbst verläuft wie geplant, manche Menschen schunkeln irgendwie mit, andere übergeben sich still in ihre Handtaschen und der Rest ärgert sich über die vertanen drei Minuten Lebenszeit. Norman schmettert seine Deppenhymne mit Inbrunst und Dauergrinsen, welche Oma hätte nicht liebend gern so einen Enkel? Patrick Nuo hinterher jedenfalls nicht. Der findet den Auftritt zu unpersönlich und nutzt die Chance des offenen Mikrofons, indem er seine eigene PR-Geilheit befriedigt und Norman und dem Publikum vorsingt, wie der epochale, titelgebende Refrain “Hey Baby” richtig” geklungen haben sollte. Dieter findet den Titel zwar grundsätzlich okay, warnt aber davor, zu sehr die Ballermann-Fraktion zu bedienen, sonst kriegte er am Ende vielleicht nicht genügend Anrufe.

    Nummer Drei ist Ardian Bujupi mit einer echten Premiere: Zum ersten Mal haben Marco Schreyl und alle Jury-Mitglieder seinen Vornamen richtig ausgesprochen, Tusch! In seinem Einspieler erfahren wir dagegen betrübliche Neuigkeiten: Ardian hat wegen überhöhter Geschwindigkeit gerade seinen Führerschein eingebüßt, was bei seinem Machismo wohl fast einer Kastration gleicht, und auch in Sachen Zazou läuft angeblich nichts. Dabei hatte doch die Blödzeitung weltexklusiv die Information verbreitet, die Schweizerin und der Kosovare seien heimlich ein Paar… Heute Abend singt der Kandidat “Beautiful Monster” von Ne-Yo. Während sich im Hintergrund die halbnackte DSDS-Tanztruppe nach Kräften abrackert, wirkt Ardian dabei auf mich fast etwas unbeteiligt und emotionslos. Die Jury ist aber trotzdem zufrieden, Bohlen meint gar, er sei der “modernste” Sänger und groove am besten von allen verbliebenen Kandidaten.

    Als nächste tritt die Vielleicht- oder Vielleicht-Nicht-Freundin von Ardian auf, nämlich Zazou Mall. Die hatte in der vergangenen Woche gewichtigen Besuch von Maite Kelly, die ihr quasi als Kollegin Mut zusprechen wollte. Nachher im Interview sieht sie bei Zazou durchaus noch Entwicklungspotenzial, die könne viel mehr, als sie bisher bei DSDS gezeigt habe. Das sieht Dieter bekanntlich diametral entgegengesetzt. Gleich kann er seine Einschätzung wieder überprüfen, Zazou singt “Hot n Cold” von Katy Perry. Die Show ist wie immer spitzenmäßig choreografiert und beginnt mit ein paar klassischen Takten des Hochzeitsmarsches von Felix Mendelssohn Bartholdy (der sich deswegen vermutlich im Grabe umdreht)! Zazou erscheint im kurzen rosa Faltenkleidchen mit riesigem Schleier und geht durch ein Spalier von Tänzern in weißen Anzügen, die sich alle Masken mit Ardians Gesicht vorhalten. Hut ab, das nenne ich Selbstironie! Der eigentliche Titel zerfällt wieder in einen überragenden optischen und einen vielleicht durchschnittlichen gesanglichen Teil. Ihre Stimme sei zu dünn, bemäkeln im Anschluss die Jury-Menschen, allen voran Dieter: “Zazou ist mit Abstand die schlechteste Sängerin hier im Wettbewerb und langsam kann ich dieses Gequake auch nicht mehr ertragen, das hat mit Gesang wenig zu tun.” und “Sie kann nicht singen, ich brauch’ das nicht mehr!”

    Zwischendurch haben altgediente DSDS-Zuschauer ein Déjà-vu-Erlebnis, denn plötzlich sitzt Marco Schreyl neben dem Vorjahres-”Checker” Thomas Karaoglan. Der tritt am Mittwoch in der RTL-Show “Let’s dance” auf und darf deshalb heute Abend Crossover-Promotion betreiben, kostet ja nichts. So richtig viel zu sagen hat er auch nicht und schwupps sind wir schon wieder im Hier und Jetzt und zwar bei Kandidat Nummer fünf.

    Sebastian Wurth muss neuerdings bekanntlich bis 22 Uhr fertig gesungen haben, ansonsten rückt RTL der Jugendschutz auf die Pelle. Für den nicht ganz unrealistischen Fall, dass der 16jährige ins Finale kommen sollte, plant der Sender lt. allwissender Blödzeitung, die letzte Show in die liberaleren Niederlande zu verlegen, wo Kinderarbeit offensichtlich noch immer erlaubt ist. Apropos Arbeit: Im Einspieler zeigt man einen geschäftstüchtigen Bäcker, der eine neu kreierte Sorte süßer Brötchen “Wurthies” getauft hat und nun wohl damit rechnet, alle Welt würde deswegen seine Teigflatschen kaufen. Spitze übrigens dessen Sprössling und eigentlicher Wurthie-Erfinder, der unter dem brüllenden Gelächter des ganzen Saales die erschütternde Feststellung macht: “Ich bin der Sohn meines Vaters.” Der echte Baschti hospitiert für einen Tag in der Bäckerei und hilft bei der Wurthie-Produktion, kann aber wohl besser singen als backen. Heute Abend kommt er mit “Monsta” von Culcha Candela”, übrigens einem Titel, den besagter Thomas Karaoglan seinerzeit in Staffel 7 auch schon gesungen hatte. Sebastian singt – wie immer – bestens, hat – auch wie immer – zwei verschiedene Schuhe an und muss sich während des ganzen Lieds den physischen Annäherungsversuchen eines ganzen Rudels “Monsta”-Tänzerinnen erwehren, die sich an ihm schubbern und sein Haar verwuscheln. Die Jury ist natürlich begeistert, obwohl Dieter die Songauswahl nicht hundertprozentig geglückt findet. Um seinen Verbleib im Wettbewerb macht sich niemand Sorgen und ich sehe in Sebastian Dnak des Bravo-Rückhalts einen absoluten Favoriten auf die DSDS-Krone von Staffel 8.

    Als zweitletzten sehen wir nun Pietro Lombardi, den Clown und Tollpatsch, der aufgrund seiner Fußverletzung auch auf der Bühne auf Krücken angewiesen ist und deswegen für alle noch kommenden Shows eine Tanzbefreiung besitzt. Dabei würde er sich offensichtlich ganz gern mal bewegen, denn beim gemeinsamen Eröffnungstitel fuchtelte er aus der zweiten Reihe heftigst mit seinen Krücken herum. Die mediale Verwertbarkeit von Pietro ist extrem einfach, man muss ihn einfach nur in eine für ihn ungewohnte Situation bringen und mit der Kamera draufhalten – es passiert garantiert etwas Lustiges. Diesmal sind die Drehbuchschreiber auf die Idee verfallen, den Kandidaten zusammen mit Kumpel Ardian in ein piekfeines Restaurant zu verschleppen und zuzusehen, was er dabei alles verkehrt macht. Zunächst behält er die Kappe auf, dann weiß er nicht, wozu die Serviette da ist, kennt weder gesalzene Butter noch “Amuse-Gueule” und fragt zu guter Letzt, was denn bitte “Dessert” sei. Der Besuch hat sich fürs Fernsehen gelohnt und festigt Pietros Ruf als völlig verpeilter, aber liebenswerter Spinner. Heute Abend versucht er es noch einmal mit seinem im Recall grandios verunglückten “Qué Será, Será”. Während er selbst aus den bekannten Gründen nur auf einer bunten Tonne sitzen kann, hüpft eine Kinderschar um ihn herum und sorgt so wenigstens für etwas Bewegung. Tolle Idee von RTL, also an Professionalität mangelt es dort jedenfalls nicht! Die Jury ist sehr angetan, Dieter bescheinigt dem Kandidaten, bereits ein kleiner Star zu sein, Originalität könne man nicht kaufen, aber Pietro habe sie. “Wenn das so weitergeht, gehörst Du hier zu den absoluten Favoriten!”

    Den Abschluss des ersten Teils der heutigen Show liefert schließlich Sarah Engels; sie singt “Release me” von Agnes. Zuvor sehen wir im Einspieler, dass sie für den fußkranken Pietro im DSDS-Knast so eine Art Supernanny geworden ist – sie kommt sogar auf Klingelzeichen. Ihre heutige Performance lebt wieder vor allem von den Tänzerinnen und Tänzern, Sarah selbst ist eher statisch und bewegt sich für einen “Partykracher” wenig. Der Jury gefällt es trotzdem, obwohl sie erkennbar mehr eine “Balladenqueen” sei, sagr Bohlen – und der muss es wissen.

    Das war’s zunächst einmal, jetzt schaltet RTL um zum Boxkampf eines der Klitschko-Brüder gegen einen gewissen Herrn Solis aus dem malerischen Kuba. Nach endlosem Vorgeplänkel, gegen das selbst die DSDS-Ergebnisverkündung wie ein Schnellvorlauf wirkt, zerlegt es den Herausforderer von der Zuckerrohrinsel in Rekordgeschwindigkeit und die ganzen enttäuschten Zuschauer, die eigentlich auf eine gehörige Rauferei gewartet hatten, sehen sich verprellt und pfeifen. Wie schön, wenn man das Ganze nur als Aufzeichnung sieht und einfach weiterspulen kann. Denn so geht es sofort weiter mit der DSDS-Verliererehrung, ich mache es kurz: In die Zitterrunde müssen diesmal Ardian Bujupi (schon wieder), Zazou Mall und Norman Langen. Und die Rote Karte bekommt dann letztendlich Norman Langen, für ihn ist hier und heute Schluss, DJ Ötzi hat ihm kein Glück gebracht – was mich auch nicht besonders wundert. Ein weiterer sympathischer Kandidat verlässt damit den Wettbewerb, nun sind noch vier Herren und zwei Damen an Bord. Wäre mal spannend zu wissen, für wen die nunmehr verwaisten Schlagerfans ab der nächsten Sendung stimmen werden. Ich tippe mal auf Sebastian.

    Nächste Woche ist übrigens Pause, zur Top-6-Show sehen wir uns dann erst am 02.04.2011 wieder. Bis denne!

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  • DSDS (RTL) 09.01.2011 1 Comment

    Liebe Freunde des guten Geschmacks,

    Ihr seid hier völlig verkehrt, schaltet ab, lest nicht weiter, diese Sendung und dieser Blog sind nichts für Euch!

    Alle anderen begrüße ich herzlich zu einer neuen Runde von “Deutschland sucht den Superstar”. Uns stehen in den nächsten Wochen wieder unaussprechliche Qualen für die Ohren und Mägen bevor, RTL verspricht wahre Orgien des Fremdschämens und bisher konnte man sich auf solche Ankündigungen auch immer verlassen. Es geht in dieser Sendung natürlich weiterhin nicht darum, wirklich einen neuen “Superstar” zu finden. Echte Superstars werden schon von selbst gefunden, dazu muss man nicht zehntausende tatsächliche und gefühlte Teenager durch den Eignungstest jagen. Nein, das eigentliche Ziel von DSDS ist die öffentliche Erniedrigung von Menschen, die entweder keine echten Freunde haben, die ihre Unmusikalität im Vorfeld richtig beurteilen können, oder die so selbstverliebt sind, dass sie unter allen Umständen wenigstens einmal im Leben für drei Minuten vor einem Millionenpublikum stehen wollen. Und sei es um den Preis, dass ihr Wimpernschlag im Licht der Kamera darin besteht, von einem satten Multimillionär aus Tötensen mit unflätigen Verbalinjurien öffentlich auf Amöbengröße reduziert zu werden.

    Das titelgebende Versprechen dieser Sendereihe hat sich in den vorangegangenen Staffeln nicht oder fast nicht erfüllt. Lassen wir mal ganz kurz Revue passieren: Der Gewinner der ersten Staffel hieß Alexander Klaws und ist heute immerhin Musicaldarsteller (Tarzan) in Hamburg. Die nächste Staffel gewann eine gewisse Elli Erl, die danach offenbar völlig in der Versenkung verschwand; nicht mal in der Star-Resteverwertung wie Oliver Geissens “ultimative Chartshow” oder als Opfer einer Promi-Koch- oder Dschungelsendung ist sie aufgetaucht. Sieger von Staffel Nr. 3 war Tobias Regner, eine zum Hardrocker aufgebauschte Luftnummer mit dem aktuellen Marktwert einer Tube Zahnpasta. Danach kam Dieter Bohlens Herzbube Mark Medlock, der aufgrund seiner notorischen Unsterblichkeit als Interpret seichtester Popnummern karrieretechnisch über Wasser blieb, aber trotzdem immer leicht verhungert aussieht. In der fünften Staffel gewann Thomas Godoj, wegen seiner unverwechselbaren Stimme und unabstreitbaren Musikalität auch noch so einigermaßen bekannt, obwohl der Ausdruck “Superstar” hier wohl fehl am Platze wäre und sein Plattenvertrag angeblich kürzlich über den Jordan ging. Daniel Schuhmacher gewann 2009 die sechste Staffel und bleibt vor allem wegen seiner hohen Stimme und der Integralhelmfrisur mit Poposcheitel im Gedächtnis, musikalisch tat sich da seit einem in der Bildzeitung breitgetretenen Zerwürfnis mit Übervater Bohlen eher wenig. Und im Vorjahr gewann schließlich Bad Boy Mehrzad Marashi gegen Worst Boy Menowin Fröhlich und verbrauchte bei dieser Gelegenheit offenbar die gesamte Energie, die er sich eigentlich für seine Superstar-Karriere hätte aufheben sollen…

    So, im knisternden Feuer der verglimmenden Karrierehoffnungen früherer “Superstars” wollen wir uns nun der achten Staffel zuwenden. Dieter Bohlen, der als DSDS-Heesters seit Anbeginn aller Zeiten die Jury leitet, hat rechts und links von sich mal wieder ausgemistet und die bisherigen Jury-Kollegen Nina Eichinger und Volker Neumüller in die mediale Wüste geschickt. Vermutlich haben die zu oft eine eigene, von seiner abweichende, Meinung geäußert oder wollten mehr Gage haben. Friede ihrer Asche. (Hoffentlich gilt das auch für Marco Schreyl, dem Moderationsfaktotum aus den Mottoshows.)

    Im Interesse eines stets konvergenten Auftretens der Jury hat Onkel Dieter zwei neue Ja-Sager aus der RTL-Wunderkiste gezogen: Fernanda Brandao, deren Eignung zum Casting-Richteramt darin besteht, vor 27 Jahren in Brasilien geboren und Teil des Girlie-Trios “Hot Banditoz” gewesen zu sein, damals unter dem Kampfnamen “Laava”. Auf den ersten Blick macht sie optisch einen sehr ansprechenden, intellektuell aber eher bescheidenen Eindruck, insofern passt sie bestens zum Meister. Eher um Äußerlichkeiten geht es wohl auch bei Patrick Nuo (28), einem sich sehr cool vorkommenden Seichtpop-Sänger für die Bravo-Clearasil-Fraktion leicht in Ohnmacht fallender Mädchen. Seine schnell verblassende Karriere scheint sich nach Auftritten bei Stefan-Raab-Events nun eher in Richtung Dschungelshow zu bewegen, mit Zwischenstation DSDS.

    Genug gelabert, jetzt geht es wirklich los!

    Den Anfang der ersten Casting-Sendung der achten Staffel macht ein bekloppter Ralph Joachim Rainer (30, mit ellenlangem österreichischem Adelstitel) aus Berlin, der sich selbst “Der Checker” nennt, obwohl dieser Beiname doch eigentlich seit der letzten Staffel für Thomas Karaoglan reserviert ist! Ralph sieht mit seinen dicken Backen und der auch ansonsten eher rundlichen Figur aus wie eine Mischung aus Stefan Raabs Geschöpf Elton und einem Biber. Leider glaubt er außerdem auch noch, er sei unwiderstehlich, lustig und musikalisch, womit er leider völlig daneben liegt, wie sich sogleich zeigt. Nach einem kurzen Techtelmechtel mit der Jury, bei dem Dieter dann schon die schiefen Füße des Kandidaten bemängelt (er hat “Senk-Spreiz-Knickfüße” oder so ähnlich), endet Ralphs Karriere bei dem Versuch, den Schmachtfetzen “Time to say Goodbye” vorzusingen. Er kann weder Melodie, noch Text und während er völlig hilflos auf der Bühne herumdilettiert, eilt ihm von draußen auch noch seine wartende Begleiterin Maria (max. 1,50m und kugelrund mit lila Strickpullover) zu Hilfe und besiegelt ebenfalls schief singend sein Schicksal. Die beiden treffen unabhängig voneinander nicht einen einzigen Ton, mir klappen sich die Fußnägel hoch. Dieter Bohlen beendet das Tonmassaker dann mit ein paar für seine Verhältnisse freundlichen Worten und entlässt die beiden Vortragenden ohne die sonst üblichen Verbalinjurien in die Freiheit. :-(

    Nach Flop kommt bei DSDS immer Top: Anna-Carina Woitschack ist 17 Jahre alt, groß und blond und von Beruf Puppenspielerin. Schon am sorgfältig gemachten Einspielfilmchen ohne Verarschungsmomente erkennen Eingeweihte dieser Sendung, dass sie später in den Recall kommen wird (und Eingeweihte dieses Blogs erkennen das am nicht weggelassenen Nachnamen). Sie erscheint mit ihrer Lieblingsmarionette beim Casting, das muss man sicher nicht extra erwähnen. Nach einigem Geplänkel über die Tatsache, dass sie mit immerhin schon 17 Jahren trotz ihres guten Aussehens noch keinen Freund hat und auch noch nie hatte und noch nicht mal in der Disco war, performt sie “Mercy” von Duffy. Schon beim ersten Ton dürfte jedem klar sein: Die Frau kann es, hat eine echte Rock-Röhre und muss dringend in den Recall, egal wie gut sie sowieso schon aussieht. Kommentar von Patrick Nuo, der sich aus hormonellen Gründen (sabbert!) sehr um Anna-Carinas fehlende Sozialkontakte gesorgt hatte: “Jetzt weiß ich, womit Du Dir die Zeit vertreibst…” Und damit kriegt sie den gelben Zettel mit der Recall-Einladung. :-)

    Und dann wieder Flop: Shole, eine 27jährige arbeitslose Visagistin aus Hamburg mit iranischen Wurzeln, kommt wie eine Speckschwarte glänzend ins Studio. Dieter kann es gar nicht fassen, wie ausgerechnet eine Frau vom Fach so dermaßen schwitzen kann. Doch, doch, sie habe sich vorher noch extra gepudert, behauptet Shole… Ihr Auftritt mit “Paparazzi” von Lady Gaga ist dann alles andere als glänzend, tut fast weh. “Bei dem Gesang laufen ja die Paparazzis davon”, sagt Patrick, Dieter formuliert es etwas härter: “Das ist musikalische Inkontinenz.” Die Gemeinte stürmt beleidigt aus den Studio und verkündet draußen, die Jury habe “Scheiße gelabert” und keine Ahnung von Musik, sie vermutet gar Eifersucht auf ihr Talent! Ach, es ist eine Freude, genau wegen solcher Ausflipper guckt man doch DSDS, oder? :-(

    Im Schnelldurchlauf sehen wir André, ein mickriges Michael-Jackson-Double ohne vernehmbare Stimme, der zu Musik in seinem Ohrstöpsel tanzt, die wir Außenstehenden nicht hören können, weshalb seine ganze Performance grenzdebil wirkt. :-(

    Dann kommt Marco Angelini (26) aus Österreich (mit italienischen Großeltern), der wegen seines Trachtenanzugs auffällt. Der Medizinstudent erscheint in zünftigen Lederhosen mit seiner Gitarre zum Casting und begeistert in der Sparte “Netter Typ von Nebenan” mit einer sehr angenehmen Stimme. Er singt von Paolo Nutini “These Streets”, danach einen selbst gebastelten Austro-Pop-Song. Das Gitarrespielen sollte er lieber lassen, aber singen kann er wirklich gut. Das findet auch die Jury und befördert Marco umgehend und völlig zu Recht in den Recall. :-)

    Aus der Abteilung “Darf man über sowas lachen?” kommt nun ein gewisser Stefan. Er sei 30 behauptet er, müsste aber garantiert in jedem Laden beim Bierkaufen den Ausweis zeigen, bei “Bauer sucht Frau” wäre er allerdings nicht weiter aufgefallen. Nicht nur, dass er merkwürdig aufgedunsen aussieht in seinem etwas zu engen schwarz-weißen Jogginganzug, er ist auch tatsächlich seltsam, wohnt zusammen mit einem Hund und seiner pflegebedürftigen Mutter. Die Dame ist schwer krebskrank und sitzt im Rollstuhl, der Vater ist bereits vor zehn Jahren verstorben. Das alles erzählt Stefan beim Reinkommen auch der Jury (unterlegt mit trauriger Musik), außerdem hat er Segelohren wie Dumbo, so dass er tränendrüsentechnisch mit einem eigentlich unschlagbaren Bonus ins Rennen geht. Normalerweise wäre jeder mit dieser Homestory schon vor dem ersten Ton so gut wie im Recall, es sei denn, er sänge dermaßen schlecht… Und genau das tut Stefan mit Robbie Williams “Angels”. Trotz knöchelhoch stehender Mitleidstränenflut schütteln Dieter, Brandao und Patrick unisono den Kopf. Auch der angeblich genossene klassische Gesangsunterricht hilft nicht, mit seinem nervig nasalen Organ wird er kein zweiter Paul Potts. Ciao und Gruß an die Mutter… Hinterher fasst Dieter Bohlen den Auftritt noch einmal treffend zusammen: “Hätte der die kranke Mutter nicht, ich hätt’ ihn fertig gemacht”. Hart aber ehrlich. :-(

    Die heutige erste Folge klingt aus mit liebem Besuch: Hendrikje aus Wolfsburg, selbsternannter größter Dieter-Bohlen-Fan aller Zeiten, ist aus der geschlossenen Abteilung entwichen und hat bedauerlicherweise den Weg ins Casting-Studio gefunden. Sie sei völlig in Dieter verliebt, möchte sich ihm gern oben ohne präsentieren und würde sich für ihn sogar von ihrem Ehemann scheiden lassen, gesteht sie treudoof der Kamera. Ich glaube allerdings nicht, dass es so weit kommen wird, denn Hendrikje entspricht weder äußerlich noch vom Alter her dem bekannten Beuteschema des Poptitanen. (BTW: Sie sieht eigentlich auch für DSDS zu alt aus, 30 Jahre waren da doch immer die Schallgrenze?) Irrerweise kommt die Durchgeknallte mit ihrem (Noch-)Ehemann zum Casting, der aus begreiflichen Gründen etwas dagegen hat, dass sich seine Herzallerliebste allzu freizügig vor der Kamera entblättert. Aber der Wahnsinn hat bekanntlich seine eigenen Regeln und hält sich nicht an Konventionen, höchstens an das von RTL gestrickte Drehbuch.

    Hendrikje kommt nun also mit Sombrero und tellergroßen Schwitzflecken ins Studio, gurrt und stammelt Dieter an und schenkt ihm dann ihren Hut, an dem sie ein paar selbst gemalte, leicht missglückte Porträts des Schlagergottkönigs befestigt hat. Der ist irgendwie gleichzeitig irritiert, gerührt und amüsiert und weiß scheinbar nicht so genau, was er mit Hendrikje machen soll. Die angebotenen “Küsschen auf die Wangen” verweigert er, seine Freundin sehe ja auch zu. Der Gesangspart “Er gehört zu mir” (Marianne Rosenberg) stammt aus der Kategorie “Hausfrauen-Karaoke” und ist wie erwartet unterirdisch schlecht. Danach fabriziert die ausgeflippte Frau auf offener Bühne aus unklaren Beweggründen noch einen Spagat vor dem Jurytisch (Dieter: “Pass’ auf, dass Du da jetzt nicht kleben bleibst…”) und einen Handstand und dann kommt es zum Äußersten: Hendrikje zieht blank und zeigt uns und dem Poptitanen sekundenlang den prallen Inhalt ihrer Bluse inklusive der aufgeklebten Pasties mit Quasten. Patrick ist das Entsetzen ins Gesicht geschrieben und als guter Katholik hält er sich verschämt die Augen zu, genau wie Hendrikjes Ehemann, der draußen vor dem Studio die peinliche Szene am Monitor miterlebt und wohl ab liebsten im Erdboden versinken würde. Ey, hallo Leute, wir sind hier bei RTL, die hatten früher mal “Tutti-Frutti” im Programm, da muss man mit sowas aber rechnen… Dieter beendet den Quatsch dann souverän mit “Gesanglich, Schnuckel, war das nichts” und erklärt ihr den Weg aus dem Studio. :-(

    So, das war also das erste Casting der achten Staffel. Im Grunde genommen alles wie gehabt, Peinlichkeiten, Pöbeleien, Tränen und hier und da auch mal eine gute Stimme. Noch ist alles nur Spaß, die echten Staranwärter sehen wir sowieso erst im Recall. Die nächste Folge kommt schon am Mittwoch, bis dahin noch ein schönes Restwochenende.

    Friede ihrer Asche.

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  • DSDS (RTL) 28.03.2010 3 Comments

    Meine Güte,

    was für eine Woche! Letzten Sonnabend hatte ich an dieser Stelle noch an Helmut Orosz fehlender Homestory herumgemäkelt und schwuppdiwupp liefert er auf einen Schlag gleich soviel, dass es ihn aus der Sendung haut!!! Wie ja mittlerweile allgemein bekannt sein dürfte, hat die stets auf moralische Sauberkeit bedachte Bildzeitung Filmaufnahmen herbeigeschafft und veröffentlicht, die Helmut beim gemeinschaftlichen Koksen mit einem Kumpel auf dem Klo zeigen. Dass er außerdem auch noch – wie Menowin – eine Knastvergangenheit hat, kam dabei gleich mit ans mediale Tageslicht. Nachdem Helmut ja von Dieter Bohlen am letzten Sonnabend wegen diverser Textvergehen und Zweifeln an seiner Einstellung eh schon eine tiefgelbe Karte gezeigt bekam, hat dies das Fass völlig zum Überlaufen gebracht: RTL hat Helmut ein Freiflugticket (einfach) in die Erdumlaufbahn spendiert, d.h. ihn mit sofortiger Wirkung aus dem DSDS-Wettbewerb geworfen. Lt. Bildzeitung arbeitet er inzwischen wieder als Zeitungswerber und geht demnächst in stationäre Therapie. Also das nenne ich eine Bauchlandung!!! Und das schlimmste (für ihn, nicht für uns): Anders als Menowin, kann “Helle” es als geläuterter Ex-Sünder im nächsten Jahr nicht noch einmal bei DSDS versuchen, denn er hat dann definitiv die Altersgrenze von 30 Jahren überschritten!

    Für die plötzlich vakante Planstelle als Kandidat Nr. 5 hat man Manuel Hoffmann zurückgeholt, der eigentlich in der letzten Mottoshow regulär ausgeschieden war. Aber auch wenn dessen coachende Oma jetzt Überstunden schiebt, wird das vermutlich nur ein kurzes Gastspiel, denn “Helles” verwaiste Anhängerschaft orientiert sich bestimmt vor allem in Richtung Spaßfraktion, die ja am ehesten noch von Thomas Karaoglu bedient wird. Apropos “Checker”: Komisch, dass der als Zimmergenosse nichts von Helmuts Drogensucht mitbekommen hat… ;-)

    Doppeltes Pech für Helmut, das Thema der heutigen sechsten Mottoshow hätte ihm garantiert gelegen: “Ballermann gegen Balladen”. Nach unerklärlich frenetischem Beifall der Halle für die Jury aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller kommen die letzten fünf von fünfunddreißigtausend DSDS-Kandidaten auf die Bühne. Standesgemäß trällern sie zum Einzug gemeinsam “Hey Baby (Uhhh, ahhh!)” von DJ Ötzi, einen Song, für dessen schmerzfreien Genuss man mindestens einen Liter Sangria intus haben sollte. Habe ich nicht, deswegen tut das Lied auch echt weh im Ohr. DJ Ötzi, dem Namen nach wohl ein Nachfahre der berühmten Gletscherleiche, steht übrigens auf meiner persönlichen “Geht-gar-nicht-Liste” und deswegen haben seine MP3s Hausverbot auf meinem Rechner. Jaja, ich weiß, auf der Liste stehen schon viele Songs und Interpreten, z.B. das Gesamtwerk der Scorpions und “I just called” von Stevie Wonder. Sorry, aber ich bin in dieser Hinsicht wohl etwas verzogen… Egal, jedenfalls kann man schon bei diesem ersten Auftritt erkennen, wer die beknackteste motivierteste Fanbasis hat: Menowin muss nur die vermutlich tätowierten Augenbrauen hochziehen und sofort kreischt der halbe Saal vor Verzückung; nicht mal Thomas Bemühungen als sonnenbebrillter Shouter zeitigen ähnliche Erfolge. Und von Manuel wollen wir gar nicht reden, der offenbar in der Eile seit letztem Sonntag noch keine neuen Bühnenklamotten gefunden hat und sich auch ansonsten zahm gibt, wie ein Zivi bei der Animation der Sitztanzgruppe im Altersheim.

    Kurze filmische Rückblende auf andere DSDS-Ereignisse dieser Woche: RTL hatte versucht, die Top-5-Kandidaten auf einer Art Open-Air mitten in einer ungenannten Ruhrgebietsstadt zu präsentieren. Man sieht dramatische Bilder von wild kreischenden Teeniehorden in engen Straßenschluchten, die sich an Absperrgitter drücken und von hektischen Ordnern daran gehindert werden müssen, zu den “Stars” durchzubrechen. Für letztere ist das natürlich auch ein gefährlicher Moment, denn wenn das selbstverliebte Ego ohnehin nur einen Fingerbreit vom Größenwahn entfernt ist, kann der Anblick johlender Massen verheerende Folgen haben. Leider muss der so sorgsam inszenierte Event nach den ersten Kreislaufkollapsen abgebrochen werden. Die Kandidaten heucheln Bedauern, genießen aber ganz offensichtlich ihren temporären Ruhm und weiden sich beim Wegfahren am Anblick der ihretwegen die Schule schwänzenden Fünftklässlerinnen.

    Auch heute (Déjà-vu???) macht Thomas Karaoglan den Anfang mit seinem Ballermann-Liedchen “Das geht ab!” von Frauenarzt und Manny Marc… Frauenarzt? Was für ein bekloppter Name für einen Künstler, ob es wohl auch einen DJ Proktologe oder Lady Fleischwarenfachverkäuferin gibt? Zwar liefert der kleine Checker kostümmäßig eine sehr bunte Vorstellung, mehr Farben gehen rein physikalisch gar nicht mehr, musikalisch ist sein Sprechgesang hingegen nur Rohkost, was aber nicht an ihm liegt, sondern an dem dürftigen Song. “Bis jetzt bist Du der beste”, witzelt Dieter hinterher, lobt ihn aber ansonsten auch tatsächlich, der Song sei absolut passend für ihn gewesen. Stimmt, finde ich auch, der Song ist genau so gut wie der Checker. ;-)

    Manuel Hoffmann füllt die von Helmut Orosz selbst verschuldete Lücke und reflektiert im Einspieler etwas über die Umstände seines Ausscheidens am letzten Sonnabend. Gäääähn! Sein Titel “Ein Stern, der Deinen Namen trägt” (schon wieder DJ Ötzi) passt zu ihm wie ein Bach-Oratorium zu Dieter Bohlen, nämlich gar nicht. Man sieht Manuel direkt an, wie unbehaglich er sich mit Ballermannmucke fühlt, die an intellektueller Schlichtheit kaum noch zu unterbieten ist. Dazu passt auch, dass sein Bühnenoutfit (rot-oranger Sweater, weiße Jeans) von Ferne eher an einen Rettungssanitäter als einen mallorcinischen Stimmungsmacher erinnert. Die Jury honoriert seine Bemühungen, er habe ganz ordentlich gesungen, aber die Power für solche Art von Songs fehle ganz klar. Man hofft für ihn auf die zweite, die Balladen-Runde.

    Für Kim Debkowski kann man nur hoffen, dass sie eine gute Haftpflichtversicherung hat, denn sollte sie mal voll geschminkt vom Regen überrascht werden, dürfte nachher eine gründliche Bürgersteigreinigung fällig sein! Die letzte verbliebene weibliche Kandidatin zeigt heute in ihrer wöchentlichen Einspieler-Kolumne “Kim Gloss”, wie man mit rosa Filz, Klebstoff und Glitzersteinchen eine Top-gestylte Handytasche bastelt. Von ähnlich epochaler Bedeutung ist ihr Titel “Du hast mich tausend Mal belogen” von Andrea Berg, der singenden Ex-Krankenschwester. Ihr (also Kims) Bühnenoutfit besticht diesmal vor allem durch goldenen Halsschmuck und eine irrsinnig lange Tülle auf ihrem Kopf, durch die sie ihre schwarzen Haare (oder doch eine Perücke?) gezogen hat, was ihr etwas Zirkuspferdhaftes gibt. Der nicht immer sicher intonierte Gesang steht wie gewohnt etwas im Schatten ihres Kostüms, doch Dieter ist voll des Lobes, die Schlagernummer nähme er Kim zu seinem eigenen Erstaunen voll ab, sieht sie gar als deutsche Lady Gaga.

    Die strategisch wichtigen letzten Auftritte jeder Mottoshow gehören traditionell Dieters beiden Lieblingen Mehrzad und Manowin. Der Einspieler berichtet von einem eigentlich gar nicht berichtenswerten Kurzauftritt von Mehrzad Marashi und dem seligen Helmut bei einer RTL-Fernsehproduktion, bei der sie auch singen durften. Der wie immer dunkel und mit schwarzem Lackhut gewandete Mehrzad bringt uns heute eine täuschend ähnliche Kopie von Shaggys “Mr. Boombastic” mit. Gott, wenn man den Titel mag, war das wohl ein guter Auftritt, ob er zum Thema passt, sei dahingestellt. Dieter wittert Gefahr für seinen Top-Favoriten Menowin und pöbelt deswegen genüsslich gegen Shaggy, den angeblich “schlechtesten Sänger des Sonnensystems” (Ey, was ist mit Menderes?!?) und fragt öffentlich, wieso sich Mehrzad als anerkannt guter Sänger heute ausgerechnet eine Nummer mit reinem Sprechgesang (“Hühnerkacke”) ausgesucht hat?

    Das Ende der ersten Runde markiert – wie so oft – Menowin Fröhlich. Das hat sich Onkel Dieter schön ausgedacht, denn damit tritt sein Lieblingskandidat immer unmittelbar vor dem Beginn der Anrufphase auf, was bei Zuschauern mit eingeschränkter Gedächtnisleistung durchaus von Vorteil sein kann. (Wer’s nicht glaubt: Die ARD durfte sich als wichtigster Finanzier des Eurovision Song Contest für Ausdruckstänzerin Lena, den deutschen Beitrag in Oslo, selbst eine Startposition aussuchen und hat dafür die Nummer 22 von 25 genommen, weil die nämlich so schön weit hinten liegt.) Auch ansonsten verfügt Menowin lt. Einspieler über unbedingten Siegeswillen: “Ich werde mir den Titel nicht stehlen lassen”, sagte er dazu, dass Mehrzad von der Jury zum Tagessieger der letzten Show ernannt worden war. Aha, der Superstar-Titel gehört ihm also eigentlich schon, nette Einstellung.

    Vielleicht gibt er sich wegen des bereits sicheren Titelgewinns nicht mehr so viel Mühe, ich finde Menowin heute Abend mit “What is Love” von Haddaway jedenfalls ungewohnt schwach. Abgesehen davon, dass ich nicht verstehe, was das Ganze überhaupt mit dem Motto “Ballermann” zu tun haben soll, kommt der Text hier und da etwas verhuscht und die Töne sind zum Teil nicht hundertprozentig richtig. Am nervigsten ist aber eine neue Geste in Menowins normalerweise perfekter Choreografie, so eine Art “unsichtbares Apfelpflücken”, ein Griff hoch in die Luft. Sieht einfach irgendwie doof aus. Aber Wurscht, wie ein Normalsterblicher das findet, für Dieter ist der Auftritt eine Offenbarung, Menowin sei im ersten Durchgang ganz klar der beste Kandidat gewesen. Mann, ich kann gar nicht sagen, wie wenig mich das überrascht. Dagegen ist die Tatsache, dass Heiligabend dieses Jahr auf den 24. Dezember fällt, ja geradezu eine Sensation. Nina spielt mit ihrem Leben, als sie unter den Buhrufen der halben Halle Menowins übliche Textfehler zur Sprache bringt, die er in anderen Shows “weggepowert” habe, was ihm heute aber nicht gelungen sei. Volker erhebt ähnliche Vorwürfe, droht sogar etwas (“glaub’ nicht, dass Dir hier was geschenkt wird”) und katapultiert sich damit ebenfalls aus dem Kreis der zivilisierten DSDS-Menschheit. Dieter starrt derweil düster vor sich hin und formuliert wahrscheinlich im Kopf schon zwei Kündigungsschreiben…

    Heute können die Zuschauer bereits nach dem Ende des ersten Durchlaufs anrufen, RTL hat nämlich herausgefunden, dass so noch mehr Geld zu verdienen ist. Und da sich die Leute vermutlich ohnehin nur an einer möglichst kruden Homestory und nicht an gezeigten Leistungen der Kandidaten orientieren, sind deren Liedchen im Grunde genommen sowieso egal. Insofern ist die vorzeitige Eröffnung des Televoting nur konsequent.

    Der zweite Durchlauf unter dem Motto “gefühlsechte Balladen” beginnt wieder mit Thomas Karaoglan und seinem “Stand by me” von Ben E. King. Diesmal steht er adrett gescheitelt im Konfirmationsanzug vor einem Retromikrofon und singt artig seine Zeilen, während es seinen Fanblock (Marco Schreyl: “klein und aggressiv, wie der Checker”) nicht auf den Sitzen hält. Die Zeit eines kurzen Instrumentalparts nutzt Karaoke-Tom, der Bonsai-Gentleman, um nach vorn zum Jury-Tisch zu gehen und Nina formvollendet einen Handkuss zu geben. Die Jury ist denn auch begeistert, toller Auftritt, Superklasse.

    Ein fieser, aber zutreffender Spruch lautet “Der Tod sucht seinen Grund”. Dass Manuel Hoffmann heute vermutlich ausscheiden wird, steht bereits seit letztem Sonntag fest, denn er profitiert vom Abgang des Partykönigs Helmut, was ihm die undankbare Rolle des DSDS-Prügelknaben beschert. “Sorry seems to be the hardest Word” von Elton John, das man übrigens auch als Cover-Version von Blue kennt, dürfte in diesem Wettbewerb wohl endgültig sein letztes Lied werden – es sei denn, die Bildreporter finden auch gegen andere Kandidaten noch Indizien, so dass Manuel nochmal nachrutscht. Dabei ist das von der musikalischen Leistung her nicht berechtigt, die ruhige Ballade liegt dem angehenden Kindergärtner nämlich erkennbar besser als DJ Öff-Öffs Deppenhymne aus der ersten Runde. Seine Bühnenshow beschränkt sich im Grunde genommen auf das Tragen einer glänzenden, Bademantel-ähnlichen Jacke mit aufgedrucktem Union Jack – wohl als Reminiszenz an den von der britischen Queen geadelten Sir Elton. Dieter macht auf konziliant: “Wenn es heute Abend für Dich nicht weitergehen sollte, hast Du Dich wenigstens mit einer Supernummer verabschiedet!”

    Kim Debkowski hat sich als Ballade “Almost Lover” von A Fine Frenzy ausgesucht. Sie sitzt mit einem Tüllschleier und einem blauen Quallen-ähnlichen Dingsbums auf dem Kopf auf einem roten Armsessel mitten auf der Bühne. Ein paar gute Töne sind dabei, aber ein ganzer Haufen geht auch ziemlich daneben, eigentlich zu viele für eine Top-5-Show, aber Kim hat ja den Bonus als “Last Woman Standing”. Die Jury ist eher ungnädig, besonders natürlich Dieter: “Mit dem Titel hast Du Deine Problemzone herausgearbeitet, nämlich Deine Stimme.” und “Das war brutal!”

    “Hard to say I’m sorry” von Chicago ist Mehrzad Marashis zweiter Titel. Diesmal punktet er mit einer sehr gefühlvollen Performance, auch wenn man ihn zunächst im dunklen Anzug und seinem gewohnten schwarzen Hut vor einer fast unbeleuchteten Kulisse kaum sieht. Bei diesem Stück gefällt mir – zum allerersten Mal – die Orchesterbearbeitung nicht, die haben aus der Nummer von Chicago eine merkwürdig emotionslose Stampfnummer gemacht, etwas zu schnell für meinen Geschmack. Trotzdem singt Mehrzad den Titel topp. Dieter findet’s gut “mehr Gefühl geht nicht”, Nina und Volker sind auch sehr zufrieden.

    Im Duell der großen M&Ms beschließt Menowin Fröhlich den Abend musikalisch mit “How deep is your Love” der Falsett-liebenden Gibb-Brüder, landläufig auch als Bee Gees bekannt. Novität am Rande: Menowin mal ohne Mütze, so dass man den frisch in die Haare tätowierten Violinschlüssel gut sehen kann. Auch ansonsten ist der Auftritt um Klassen besser als bei der Ballermannrunde. Die Jury begrüßt die Rückkehr des “alten” Menowin.

    Vor der Humor-Pause (und das ist wörtlich zu nehmen) bis zur Urteilsverkündung darf die Jury einen Tipp abgeben, genau genommen spricht nur Onkel Dieter: Wenig überraschend, hält er vor allem Manuel und etwas auch Kim für gefährdet.

    Für die Überlebenden des RTL-Gehirnzellenmassakers namens “Böse Mädchen” kommt es dann nach knapp zwei Stunden zunächst wie erwartet: Menowin und Mehrzad sind sofort weiter, doch dann wird als dritter sensationell Manuel in die nächste Mottoshow gewählt! Hinsichtlich der Frage im Blog-Titel also schon mal ein klares NEIN, kein Déjà-vu, diesmal geht es weiter für den letzten Normalo im Kandidatenfeld! Stattdessen wird der Loser in einem minutenlangen Zitterduell zwischen Kim und dem Checker ausgemacht und raus fliegt am Ende ziemlich überraschend Thomas “der Checker” Karaoglan. Hmm, Respekt, das hätte ich jetzt eigentlich nicht gedacht. Dann will ich gleich mal meine eigene Vorhersage im Blog zur Top-7-Show ändern. (Nein, Scherz, das mache ich natürlich nicht und auch meine heutige Vermutung zum sicheren Abgang von Manuel lasse ich hier stehen.) An der garantierten Finalpaarung Menowin und Mehrzad ändert das aber alles nichts.

    Bis zur nächsten Woche, wenn außer Kim nur noch Männer mit dem Anfangsbuchstaben “M” auftreten!

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  • DSDS (RTL) 21.03.2010 2 Comments

    Liebe Leute,

    wieder ist Samstagabend, in Köln findet die fünfte DSDS-Mottoshow statt und das bedeutet Großeinsatz für Handys, Taschentücher und Ohropax. Mittlerweile ist die Kandidatenanzahl auf sechs zusammengeschnurrt und auch heute wird einer oder (die) eine die Hoffnung auf ein Leben als Superstar fahren lassen müssen.

    Dass künstlerische Kriterien bei dieser Veranstaltung nur am Rande zählen, haben wir ja inzwischen sicherlich alle mitbekommen. Viel entscheidender ist nämlich das Gesamtpaket (Jurysprech: “Package”), also die Melange aus Homestory, Aussehen, Persönlichkeit und zuletzt Musikalität, wobei ein möglichst problematisches Zuhause bei weitem die wichtigste Rolle spielt. Beim Rennen um die verwertbarste Homestory liegt weiterhin Menowin mit zweimal Knast (er selbst und die Mutter) und drei bei der Ex-Freundin lebenden kleinen Kindern vorn, wobei die Ex-Freundin übrigens lt. Bildzeitung gleichzeitig seine Cousine ist. Auf Platz zwei folgt Mehrzad mit einem Baby (gerade geschlüpft) und dem Unfalltod seines Bruders, außerdem kannte er einen der Toten vom Kölner Stadtarchiveinsturz. Die anderen Kandidaten sind dagegen weit abgeschlagen, haben außer einer dominanten Oma (Manuel), einer ausgeprägten Schminkmacke (Kim) und Größenwahn (Thomas) nicht viel zu bieten. Helmut könnte vielleicht wegen seines vorgerückten Alters noch ein paar Mitleidspunkte einfahren, aber das wäre es dann auch schon.

    Zwischen der eigentlichen Sendung und der Urteilsverkündung soll es heute mal keine “Böse Mädchen” oder ähnlichen Dreck geben, den RTL sich Humor zu nennen erdreistet, stattdessen wird Sympathieboxer Wladimir Klitschko live und in Farbe seinen Gegner Eddie Chambers vermöbeln. Dabei haben alle Beteiligten garantiert mehr zu lachen als in den vorangegangenen Wochen auf diesem Sendeplatz. Das Thema Boxen zieht sich denn auch etwas durch “Deutschland sucht den Superstar”, z.B. werden die Kandidaten alle in Boxklamotten vorgestellt. Das eigentliche Motto des Abends ist aber “Deutsch gegen Englisch” und das bedeutet, dass jeder der sechs heute zwei Titel singen muss, nämlich in der ersten Runde einen auf Deutsch und später einen auf Englisch. Zur Einstimmung singen alle zusammen “Let me entertain you” von Robbie Williams. Tun wir ihnen den Gefallen und lassen uns unterhalten…

    Als Kandidat Nummer Eins geht heute Abend Thomas Karaoglan mit “Hamma!” von Culcha Candela ins Rennen. Obwohl er im Recall noch unter Gedächtnisproblemen litt, kriegt der “Checker” den überlangen und sehr schnellen Text diesmal gut hin. Auf der Bühne zieht er wie gehabt eine richtige Show ab und wird dabei von einigen Tänzerinnen begleitet, die er der Reihe nach anflirtet. Nach dem Lied bekommt er erst mal ein Ständchen von der ganzen Halle, denn Thomas feiert heute seinen 17. Geburtstag. Leider hat die Regie dabei das Mikrofon von Moderator Marco Schreyl nicht abgeschaltet und man kriegt einen Eindruck von seinem musikalischen Unvermögen. Die Jury, bestehend aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller, hält sich in dieser Disziplin lieber vornehm zurück.

    Heute kommt der Moment zum Fremdschämen schon sehr früh, nämlich bereits beim Juryurteil für Thomas ersten Song: Ohne überhaupt auf das gerade Gehörte einzugehen, fragt Dieter erst mal ganz direkt, ob es stimme, dass der Checker in dieser Woche einen Einlauf gekriegt habe? (Gemeint ist ein medizinischer Einlauf, kein Anschiss z.B. von Onkel Dieter.) Der Befragte ist maximal zwei Sekunden lang peinlich berührt, besinnt sich dann aber darauf, für Publicity ja alles zu machen und lässt Fernsehdeutschland recht offenherzig an einer eher uncoolen Episode aus seinem Verdauungstrakt teilhaftig werden: Er hätte nämlich neulich irgendwie Verstopfungen gehabt, deswegen habe ihm seine Oma (SEINE OMA, ich fasse es nicht!!!) einen Einlauf gemacht und dabei sei ordentlich was herausgekommen. Igittigitt!!! Vermutlich kommen dann morgen noch ein paar Beweisfotos auf der Titelseite der BamS, zusammen mit der packenden Enthüllungsstory “Mit dem DSDS-Checker auf der Toilette”. Für Montag ist dann in der BILD der Folgeartikel “Oma Karaoglan: Wie es wirklich war” geplant, am Donnerstag legt eventuell noch die BRAVO nach mit “Der Checker gibt alles”. :-)

    Das Urteil zu dem eben gehörten Liedchen fällt erwartungsgemäß milde aus, Dieter brabbelt zwar halbherzig etwas von “noch Singen üben”, aber das wird sicherlich ungehört verhallen. Ist auch wurscht, bis zur Top-3-Show sehe ich Thomas sowieso auf Nummer Sicher.

    Nun wird wieder der Posing-Generator angeworfen, denn Helmut Orosz ist an der Reihe. Er tritt auf mit “1000 und 1 Nacht” vom singenden Sozialarbeiter Klaus Lage. Das Lied stammt übrigens aus dem Jahr 1984 und hätte deshalb auch gut in die letzte Show gepasst. Mit dem üblichen Zahnpasta-Grinsegesicht, theatralischen Gesten und den immer gleichen neckischen Tanzschritten (inkl. Pirouette) hüpft “Helle” über die Bühne und dann durch die ganze Halle. Wie immer erinnert mich sein Auftritt an einen Karaoke-Abend im Ferienclub auf Mallorca. Einmal schubbert er sich an Nina heran und schmachtet sie direkt über den Jurytisch an, vermackelt bei dieser Gelegenheit aber kräftig den Text – mal sehen, ob Onkel Dieter das mitgekriegt hat! Gesangstechnisch ist das auch nicht allererste Sahne, die gelegentlichen Misstöne sind vermutlich Helmuts Bewegungsdrang geschuldet.

    Volker und Nina sind schon recht kritisch, aber Terminator Dieter gibt ihm schließlich den Fangschuss: “Es gibt Leute, die lernen’s nie – und dann gibt’s Helmut, der lernt das noch später! Hier geht es um so viel und Du bist zu blöde, um so einen Kindertext zu lernen!” Und dann wirft er ihm auch noch vor, sowieso die falsche Einstellung zu haben, jeden Tag “besoffen” zu sein und keine Termine einzuhalten!!! Jau, bei so etwas ist für Vollprofi Bohlen der Spaß definitiv zu Ende. Mein Bild mit dem Ferienclub-Animateur scheint doch gar nicht mal so völlig daneben zu liegen. Wenn Helle schlau ist, pimpt er mit dem von Dieter so subtil angedeuteten Alkoholproblem wenigstens die eigene Homestory auf, die war bislang doch arg mager… Helmut ist aber erst mal am Boden zerstört und schleicht mit hängendem Kopf zurück zur Kandidatencouch. Selbst schuld. (Das war nach Thomas Darmabenteuer heute Abend also schon Einlauf Nummer Zwei.)

    Aufgetakelt mit riesiger Irokesenfrisur sieht Kim Debkowski wie die kleine Schwester von Bill Kaulitz von Tokio Hotel aus. Sie singt heute Abend “Krieger des Lichts” von Silbermond. Klamottentechnisch erinnert sie mich total an die Figur Riff Raff aus den letzten Szenen der Filmversion der Rocky Horror Picture Show. In ihrem kurzen Einspieler erklärt sich Kim schon mal zur besten DSDS-Frau der Staffel, was ja technisch gesehen auch stimmt, denn nach Ines Abgang in der letzten Woche ist sie die letzte weibliche Vertreterin. Außerdem zeigt sie uns in dem Filmchen, wie man einen schnöden grauen Jutebeutel zu einem stylischen Disko-Utensil umschult. Der Titel geht dann verhältnismäßig unspektakulär über die Bühne, viel Action – außer den irren Klamotten – passiert nicht und das Stimmchen ist auch eher Marke “für den Hausgebrauch”. Aber immerhin bescheinigt ihr Dieter hinterher genau das, was Helmut fehle, nämlich Fleiß und Disziplin. (Dazu wird Helmut auf der Kandidatenbank sitzend eingeblendet und sinkt bei diesen Worten erkennbar noch ein Stückchen weiter in sich zusammen. Der Anschiss vorhin hat echt gesessen.)

    Manuel Hoffmann singt danach “Bilder von Dir”, das ursprünglich von Laith Al-Deen stammt. Im Einspieler sehen wir ihn bei der Bewältigung seiner Fanpostflut, ansonsten herrscht aber gähnende Normalität an der Homestory-Front, keine mit Kindern sitzengelassenen Ex-Freundinnen, die sich in der Bildzeitung ausweinen, keine Eltern hinter “Schwedischen Gardinen”, nicht mal gastroenterologische Störungen – wie beim Checker – kann er vorweisen. Und die ihn betreffenden Management-Ambitionen seiner Oma sind als Thema auch ziemlich ausgelutscht. So kann das mit dem Superstar ja nichts werden. Das Liedchen wickelt er routiniert ab, keine derben Ausrutscher und Textvergesser, aber auch nicht übermäßig aufregend; die Bühnenshow kann man wohl eher statisch nennen. Dennoch ist Dieter diesmal auffallend zufrieden mit Manuel und lobt ihn nachdrücklich, beinahe überschwänglich. Welche Strategie steckt wohl dahinter? Vermutlich will der Schlagertitan nun unter allen Umständen Helmut loswerden und lobt dafür alle anderen traditionellen Sorgenkinder über den grünen Klee. Bin mal gespannt, ob das aufgeht…

    Menowin Fröhlich scheint ein Abonnement auf die strategisch günstigen hinteren Startpositionen zu besitzen – sicherlich hat der weitreichende Einfluss seines Gönners Bohlen dafür gesorgt. Auch diesmal kommt er erst als zweitletzter Kandidat an die Reihe, nämlich ganz in grün inkl. Baseballkappe (vielleicht wegen des gerade gewesenen St. Patrick’s Day?). Sein Lied ist “Über sieben Brücken musst Du geh’n” von Meta Paffey und der hat’s von Karat. Seine Stimme klingt heute anfangs ungewohnt dünn und schräg und auf die Tanzperformance wartet man vergeblich – das war aber angesichts des balladesken Titels auch nicht wirklich zu erwarten. Ich fand Menowins Version einfach langweilig, aber Dieter überschlägt sich – völlig überraschend, haha – vor Lob. Das sei eine tolle Neuinterpretation dieses Klassikers, genial, kaum noch zu toppen. Volker schließt sich an, nur Nina sagt in einem erstaunlichen Anfall von Ehrlichkeit, dass ihr der Titel nicht gefallen habe. Dafür fängt sie sich bestimmt noch eine Abmahnung vom Oberjuror ein!

    Mit “Flugzeuge im Bauch” vom Ruhrgebietsapostel Herbert Grönemeyer beendet Mehrzad Marashi die erste, die deutsche Runde der heutigen Mottoshow. Alle Superlative, die Dieter eben über Menowin zusammenfabuliert hat, treffen für Mehrzads Auftritt tatsächlich zu. Er interpretiert den eher depressiven Titel völlig neu, singt ihn mit viel Power und absolut makellos und zeigt damit einmal mehr, wer abseits von Bohlens Vermarktungsüberlegungen in Wirklichkeit der Superstar dieser Staffel werden sollte. Die Halle tobt vor Begeisterung und die gesamte Jury, sogar Onkel Dieter, bescheinigt Mehrzad eine astreine Leistung, er sei in der ersten Runde klar der Beste gewesen!

    Im zweiten Durchgang hören wir nur englische Titel, wieder beginnt der großmäulige Checker Thomas Karaoglu. Diesmal tanzt er furios “Relight my Fire” von Take That und trägt dazu eine feuerrote Jacke. Leider hat das Jüngelchen noch immer nicht die zu seinem Ego passende Stimme und die Jury empfiehlt ihm wohlwollend, daran in der nächste Woche doch mal etwas zu üben. (Dass er auch in der Top-5-Show dabei sein wird, steht ja wohl außer Frage.)

    Dann ist es Zeit für den nächsten kräftigen Einlauf von Doktor Bohlen: Helmut Orosz performt “Satisfaction” von den Rolling Stones und das gar nicht mal schlecht, allerdings kriegt er schon wieder den Text durcheinander. Dieter ist nicht nur nicht zufrieden (“I can’t get no Satisfaction…”), sondern geradezu ungehalten, ein erwachsener Mann von 30 Jahren müsse sich doch wohl zwei Texte merken können, sogar der (offenbar doofe) Willy Herren am Ballermann könne das und “Du wirst es in diesem Beruf zu nichts bringen!”. Nina versucht Helmut mit etwas Lob zu trösten, aber Volker haut sofort in Dieters Kerbe “Die Stones waren auch immer besoffen, aber haben nie den Text vergessen – von mir gibt’s ‘ne Sechs dafür!!!”. Rumms, nun hat sich “Helle” also in beiden Runden fettestmögliche Jury-Watschen eingefangen, bleibt abzuwarten, was das Publikum dazu sagt. (Einlauf Nummer Drei)

    Weiter geht’s mit “Can’t get you out of my Head” von Kylie Minogue, gesungen von Kim Debkowski. Diesmal hat sie sich optisch nichts Neues einfallen lassen, sondern Kylies bekanntes weißes Kleid mit der riesigen Kapuze aus dem Videoclip imitiert. Die Jury ist vom Outfit sehr angetan, der Gesang kann zwar nicht ganz mithalten (Dieter: “Mini Playback Show”), aber insgesamt sollte Kim damit bis zur nächsten Woche eigentlich überleben dürfen.

    RTL hat es eilig, Klitschko wartet, deshalb geht es sogleich weiter mit Manuel Hoffmanns Version von Ronan Keatings “Life is a Rollercoaster”. Der Auftritt kommt wieder ohne Bühnenshow aus, Manuel steht viel in der Gegend herum, singt sein Lied aber klaglos, wenn auch nicht sensationell. Dieter ist wieder auffallend begeistert, fand auch den zweiten Song sehr gelungen, Nina und Volker sind hingegen eher etwas indifferent. Ja, das sei schon irgendwie okay gewesen, aber mehr auch nicht und sie hofften, dass genügend Zuschauer für ihn anriefen. Ganz klar, Strippenzieher Dieter versucht, Manuel an Helmut vorbei nach oben zu drücken.

    Noch bevor man den nächsten Song überhaupt gehört hat, weiß man schon jetzt, dass Menowin Fröhlich von Dieter Bohlen wieder über den grünen Klee gelobt werden wird. So kommt es auch tatsächlich, “If you don’t know me by now” von Simply Red singt Menowin aber auch wirklich genial, wenn man die paar Textaussetzer mal gnädig übersieht. Was mich wie immer irritiert, ist der eiskalte, fast muränenhafte Blick, mit dem er zwischendurch in die Kamera guckt, der passt gar nicht zu dem gefühlvollen Soul-Titel. Die Jury ist hin und weg, spricht von Gänsehaut-Feeling und ähnlichen Hautirritationen.

    Den Schlusspunkt setzt wieder Mehrzad Marashi. Diesmal hat er uns “Beggin’” von Madcon mitgebracht. Der Mann ist ein Phänomen, welches Lied auch immer er anfasst, er kriegt es super hin. Er singt, swingt, tanzt hundertprozentig, die Jury ist aus dem Häuschen, ganz klar: Mehrzad ist heute Tagessieger und sollte eigentlich auch ohne Probleme bis ins Finale kommen.

    Die Jury gibt wieder einen Tipp ab, wer heute gehen muss und legt sich einheitlich auf Helmut fest, der habe die falsche Einstellung und gehöre nicht mehr in die Show. Danach muss DSDS erst mal den Kanal räumen, denn jetzt will Feingeist Wladimir Klitschko zwischendurch seine Gage verdienen. Wir sehen uns hinterher zur Urteilsverkündung wieder.

    So, dank Vorspulfunktion am Rekorder ist es in Windeseile gut zwei Stunden später und während die Putzfrauen in Düsseldorf noch die Trümmer von Eddie Chambers aus dem Ring fegen (und Klitschko wohl sein Geld zählt), geht es gleich weiter in die nächste Arena, nämlich zurück nach Köln, zu DSDS. Die Zuschauer haben abgestimmt und wieder beginnt die alte Leier, drei Kandidaten müssen in die Vorhölle und noch etwas warten, nämlich Thomas, Helmut und Manuel und raus fliegt am Ende der eher unscheinbare Manuel Hoffmann. Das ist zwar heute absolut nicht berechtigt, aber nach Können ging es in dieser Sendung ja noch nie und so habe ich wenigstens die Genugtuung, dass meine Vorhersage vom letzten Mal eingetreten ist. Hoffentlich haut es Helmut in der nächsten Show vom Schlitten, verdient hat er es allemal.

    Bis dahin ‘ne schöne Woche!

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  • DSDS (RTL) 14.03.2010 3 Comments

    Träräää, es ist wieder soweit:

    Onkel Dieter zieht den Vorhang auf für eine weitere Ausgabe seines DSDS-Marionettentheaters. Die Musik der achtziger Jahre erfreut sich momentan einer ungerechtfertigten Verklärung – vermutlich von Leuten, die sich damit ganz sentimental an ihre Jugendzeit zurück erinnern, aber vergessen haben, dass die gute alte Zeit auch mal langweilige Gegenwart war. Ganz ehrlich, wer fand denn jemals Kajagoogoo oder Alphaville wirklich gut und wer trank tatsächlich Afri-Cola? Jedenfalls niemand, den ich aus der Altersklasse kenne. Klar, der Schlagertitan aus Tötensen fühlt sich in dem Jahrzehnt natürlich wohl, schließlich hat er damals mit Modern Talking seine ersten Millionen zusammengeklimpert. Und als Thema für die vierte Mottoshow von “Deutschland sucht den Superstar” reicht der 80er-Hype allemal.

    Die Jury aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller marschiert zu dem von Dieter handgedrechselten musikalischen Abführmittel “You’re my Heart, you’re my Soul” ins Studio; O-Ton Marco Schreyl: “Dieter Bohlen, der Mann, der die 80er-Jahre quasi erfunden hat”. Kassiert der heute Abend von RTL womöglich auch noch Extra-Tantiemen für die Benutzung seines Jahrzehnts?! Nina Eichinger scheint übrigens den Kleiderschrank ihrer Mami gefilzt zu haben und trägt ein recht freizügiges silbrig funkelndes Disko-Kleid, das vermutlich tatsächlich aus den 80ern stammt. Dieter wird von Marco quasi als Zeitzeuge gefragt, wie man denn so lebte in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts, als Internet, Handy und Privatfernsehen noch Fremdworte waren. Das sei ein ganz wichtiges Jahrzehnt für ihn gewesen, erfahren wir dann, damals habe er nicht nur seinen “ersten Welthit” geschrieben, sondern auch sein erster Sohn und seine derzeitige Freundin seien geboren worden. Haha, in puncto Selbstironie kann Dieter so schnell niemand das Wasser reichen.

    Als nächstes kommen die sieben Kandidaten, die an die 80er alle keine eigene Erinnerung haben, sofern sie damals nicht ohnehin nur “Quark im Schaufenster” waren, wie man so schön sagt. Sie performen wieder ein gemeinsames Liedchen, nämlich “Wake me up before you go-go” von Wham! (deren bessere Hälfte wir heute als George Michael kennen). Man sieht schon an dieser Stelle, wem die Gunst des Publikums gehört: Bei jeder Solostelle von Menowin oder “Checker” Thomas brandet blödsinnig-lauter Beifall auf.

    Mit Startnummer Eins und dem Titel “Eternal Flame” von den Bangles geht heute Kim Debkowski ins Rennen; ihr Begabungsschwerpunkt lag bisher mehr im Bereich Design als beim Singen. Allerdings bekam Kims Selbstbewusstsein in dieser Woche einen kleinen Knacks, denn in der “Bravo” war wohl ein Foto veröffentlicht worden, das sie ohne Schminke, dafür aber mit Pickeln zeigte. Selbst schuld, was hält sie auch ihre Visage in jede Kamera. Layouttechnisch erinnert Kim heute etwas an ein Zirkuspferd, trägt ein halb-durchsichtiges kurzes Paillettenkleid und einen riesigen Kopfputz auf der ohnehin hochtoupierten Frisur. (Nachher erklärt sie, ihr Haar symbolisiere eine “Flamme”, das sei nämlich der übersetzte Titel ihres Stücks… Allgemeines Gelächter im Saal!). Vom Gesang her war das heute einer ihrer besseren Auftritte, was aber nicht viel heißen muss. Dieter befindet “ziemlich gut gesungen, kaum Töne versemmelt”, was schon fast einer Absolution für ihre Ohrenfolter der letzten Wochen gleichkommt.

    Helmut Orosz war in den 80ern immerhin schon eingeschult und sein biblisches Alter von 30 Jahren ist wohl auch der Grund dafür, dass er nur schwer Texte lernen kann. In seinem total langweiligen Einspieler wird behauptet, er habe überall im DSDS-Loft Zettel mit Textpassagen angebracht, sogar im Gefrierfach und unter dem Klodeckel, was bei Marco Schreyl einen schmierigen Witz auf üblichem Niveau triggert. Helmut ist das Gegenteil von einem Allround-Talent, er kann eigentlich nur ein Genre, nämlich Powerballaden. Heute ist es “Hungry Eyes” von Eric Carmen aus dem besonders von Frauen geschätzten Film “Dirty Dancing”. Ehrlich gesagt, macht er heute seine Sache aber gar nicht mal so schlecht, kein Gegröle, alle Töne stimmen und zwischendurch gibt es sogar noch eine kurze Tanzeinlage mit Partnerin auf der Bühne. Auch die Jury ist zufrieden, nur nicht Dieter, der hat nämlich offenbar meine früheren Blog-Kommentare gelesen und vergleicht Helmut mit einem Animateur im Robinsonclub – er habe stimmlich das Potenzial eines jungen Bruce Springsteen, sehe aber aus wie ein Versicherungsvertreter.

    Nach einer Werbepause ist nun Manuel Hoffmann an der Reihe. Auch diesmal hat die DSDS-Redaktion kein besseres Thema für den Einspieler gefunden als seine Oma. Wir sehen ihn und Oma beim Spaziergang durch die Fußgängerzone und dann zeigt die Kamera, wie er – natürlich völlig spontan – sich neben einen Straßenmusiker stellt und mitsingt. Eine riesige Menschenmenge bildet sich um die beiden. Hoffentlich hat Manuel diesen Moment genossen, denn der sympathische Kindergärtnerazubi steht bei DSDS ganz oben auf der “Roten Liste der bedrohten Arten”, wie Marco es (bei Kim) so schön formuliert hat. Wer weiß, ob es für ihn überhaupt noch einen weiteren Einspieler geben wird…

    Wenn es nach der Titelauswahl geht, sehe ich für ihn schon an dieser Stelle kein Land mehr, denn er singt allen Ernstes “Ohne Dich schlaf’ ich heut’ Nacht nicht ein” von der Münchener Freiheit, also ein Stück zum Mitschunkeln für die Kuckident-Generation. Tja, wie soll Manuel da etwas Tolles draus zaubern, wenn schon das Original Mist ist? Vielleicht hätte er sich wenigstens mal bewegen sollen, anstatt sich die ganze Zeit am Mikrofonständer festzuhalten? Dabei hat er doch lt. Oma sonst immer so einen Bewegungsdrang! Fazit: Lied doof, Performance null, was sagt die Jury? “Das war das Grauen, ich hör’ schon Deine Abschiedsglocken”, resümiert Dieter kurz und knackig. Seine beiden Komplizen schließen sich natürlich dem Urteil des Meisters an.

    Das Weiterkommen von Mehrzad Marashi bis ins Finale steht im Grunde genommen schon seit Wochen fest, umso netter, dass er sich trotzdem immer wieder herablässt, seine ergebenen Fans an seinem Talent teilhaftig werden zu lassen. Er bringt heute ganz in schwarz von Lionel Richie die ruhige Ballade “Hello”. Hier sieht man aber mal den Klassenunterschied zu Manuel: Wo ersterer wirkt, als sei er im falschen Lied und habe mit Valium gegurgelt, kommt Mehrzad völlig authentisch rüber und legt auch in die leisen Töne eine tierische Power, als sei das Stück nur für ihn geschrieben worden. Das macht den Unterschied zwischen Sänger und Star, wird Manuel schnell das Aus und Mehrzad ganz nach vorn bringen. Die Jury bescheinigt ihm uneingeschränktes “Gänsehaut-Feeling”, man ist begeistert, mehr muss ich hier gar nicht schreiben.

    Nach der nächsten Werbepause kommt Ines Redjeb, eine traditionelle Wackelkandidatin, die sich im Einspielfilmchen über den massenhaften Zuspruch ihrer Fans freut, aber ansonsten nichts Neues zu sagen hat. Sie führt “Like a Prayer” von Madonna auf. “Prayer” heißt auf Deutsch bekanntlich “Gebet” und das kann sie jetzt wirklich gebrauchen. Während sich Band, Backgroundchor und Bühnenbildner überschlagen, singt Ines höchstens auf Karaoke-Niveau, immer schön säuberlich neben der Spur und nur mit minimalen Bewegungen, schon gar nicht im Gesicht. Die Frau hat es einfach nicht drauf – nur gut aussehen reicht nicht für den CD-Verkauf. Die Kritik der Jury bezieht sich komischerweise weniger auf den Gesang, als auf die fehlenden Showelemente, damit könne Ines allerhöchstens eine gute (hä, gute???) Studiosängerin werden. Ihre zickigen Repliken machen sie dabei nicht sympathischer. Hoffentlich ist der Krampf bald vorbei, die Zuschauer haben es in der Hand!

    Der beste Kandidat sämtlicher Staffeln aller Casting-Sendungen auf der ganzen Welt heißt Thomas Karaoglan oder, wie seine Freunde sagen, “Der Checker”. Bei einer gefühlten Körpergröße von 1,60 Meter passt sein Ego man gerade so eben in die Halle. Dabei kann er eigentlich nichts, sagte Dittsche (alias Olli Dittrich) in seiner Sendung am letzten Sonntag – und der weiß eigentlich immer alles am besten, denn er liest die Blöd-Zeitung. Die bisherige DSDS-Karriere von Thomas basiert jedenfalls vor allem auf heißer Luft und weniger auf musikalischem Talent. Im Einspieler wird gezeigt, wie die radebrechend deutsch sprechende Oma Karaoglan glaubt, ihrem Enkel etwas Gutes zu tun, indem sie am Rande einer Autogrammstunde seine (also SEINE) private Handynummer überall verteilt, damit die Leute für ihn anrufen können. Als Thomas dann am Abend 3.500 Anrufe in Abwesenheit bekommen hat, wird der alten Dame die Sache doch mulmig und sie greint so etwas wie eine Entschuldigung in die Kamera. ;-)

    Nun zu seinem Titel: Thomas bringt “Y.M.C.A.” von Village People. Was die Abkürzung bedeutet, wird er gefragt, aber er weiß es nicht, der Schlaumeier. Und ich frage mich darüber hinaus, ob er oder sonst jemand bei RTL überhaupt gemerkt hat, dass der Song mit dem Baujahr 1978 eigentlich gar nicht in das heutige Thema passt?! Geschenkt, jetzt geht’s nämlich los. Der Checker kommt zusammen mit einigen als Village People kostümierten Tänzern als amerikanischer Streifenpolizist mit riesiger Mütze und fetter Sonnenbrille (120% Tönung) auf die Bühne. Ich wusste gar nicht, dass es solche Uniformen auch in Kindergrößen gibt! Marco Schreyl bringt später den netten Spruch “hier in Köln solltest Du nachher nicht mit der Uniform nach Hause gehen”, was Thomas offenbar überhaupt nicht versteht. Scheinbar weiß er weder, was der Titel bedeutet, noch dass Village People die Ikone der amerikanischen Schwulenbewegung war. Der Auftritt ist trotz seiner eher durchschnittlichen Stimme wie gewohnt extrem unterhaltsam, denn wo Manuel und Ines die ganze Zeit statisch am Mikro kleben, steht Thomas nicht eine Sekunde still. Die Jury ist voll begeistert. Dieter hat wieder die besten Sprüche: “Normalerweise leiden die Leute unter ihrem Realitätsverlust – er genießt ihn.” und “Er meint, er ist so cool, hinter ihm schneit es schon!”

    Nach der letzten Werbepause kommt nur noch der bereits längst ausgeguckte Gewinner der 2010er-Staffel, Dieters Liebling Menowin Fröhlich. Diesmal präsentiert er im Einspieler keine neuen Überraschungen, wie aus dem Knast entlassene Angehörige oder bisher unbekannte Kinder, sondern wir werden Zeuge seiner überragenden Coolness: Menowin darf als Aushilfsstatist bei den Dreharbeiten von “Alarm für Cobra 11″ bei der Verschrottung von Autos mitwirken. Angeblich hat er sich dabei gar nicht mal so ungeschickt angestellt, obwohl er noch gar keinen Führerschein hat. Das ist eine geschickte Idee von RTL, so werben sie nämlich gleichzeitig für ihre eigene Fernsehserie und für Dieters Protegé.

    Menowin singt heute “Billie Jean” von Michael Jackson und hat als Tribut an den King of Pop eine goldbetresste schwarze Zirkusuniform angezogen. Wenn man die Augen zumacht, hört er sich wirklich an wie Menderes:-) Nein, Scherz, natürlich singt Menowin besser und außerdem zieht er auch eine richtig große Show ab, inklusive Hut- und Sackgegrabbel und ausführlichen Tanzeinlagen. Was ich aber persönlich trotz aller Professionalität an Menowin nicht mag, ist diese kalte, unerbittliche Ernsthaftigkeit, die er bei seinen Auftritten immer ausstrahlt, das Fehlen jeglicher Selbstironie. Man sieht ihn nie fröhlich grinsen oder locker lachen, sondern man hat beim Blick in seine Augen das Gefühl, für ihn gehe es jedes Mal um Leben und Tod und ohne anschließendes Lob würde er sich hinterher aufhängen. Vielleicht gehört das ja zu seinem Gangsta-Image, dann mag ich eben die ganze Attitüde nicht. Aber wie gesagt, das ist meine persönliche Meinung, im Publikum scheint er ja haufenweise Fans zu haben, die sich bei jeder Bewegung ihres Stars die Seele aus dem Leib brüllen.

    Sein allergrößter Fan sitzt in der Jury und heißt Dieter Bohlen. Der hat längst begriffen, dass er aus Menowins Vita mit Verbrecherkarriere, Knastaufenthalt, Läuterung und Gewinn der DSDS-Krone eine wunderbare Aschenputtelgeschichte stricken kann, die ihm (Dieter) viel, viel Geld in die Tasche spült. Und Menowin sieht darin vermutlich die einmalige Chance, sich durch den Gesang jetzt das an Geld zu verdienen, was er ansonsten nur auf krummen, illegalen Wegen mit noch mehr Anstrengungen und höherem Risiko bekommen könnte. Insofern geht es für ihn wirklich um alles und das erklärt auch seine völlig ernsthaften Auftritte. Die Jury ist, wie zu erwarten, von der Nummer begeistert, das sei ganz klar der beste Auftritt des Abends gewesen. Welche Überraschung…

    Das war’s, nun läuft die Abstimmung. Bevor uns RTL wieder den bösen Mädchen und anderen Restposten aus der Fernsehgiftküche überlässt, darf die Jury nochmal kurz raten, für wen heute wohl die Stunde schlägt. Alle drei sind sich einig, dass es entweder Manuel oder Ines treffen wird.

    Nach einer Stunde unaussprechlicher Tauchgänge in den Tiefseegräben des deutschen Humors ist man so ausgelaugt, dass der dauerlabernde Marco Schreyl wie eine Erlösung wirkt. Er kommt natürlich wieder nur langsam zur Sache und macht die Sache spannend bis zum bitteren Ende. In die Zitterrunde (“du musst leider nochmal nach hinten gehen”) kommen wie erwartet Ines und Manuel, dazu auch noch Kim und Helmut. Peinlich übrigens die gespielte Überraschung bei Menowin, Mehrzad und Thomas, die sofort weiterkommen, denen muss doch selbst bei größter Beschränktheit klar sein, dass sie heute unmöglich rausfliegen werden. Am Ende macht heute Ines den Abgang, ihre ewigen Zickereien mit der Jury haben damit ein erfreuliches Ende gefunden. An Stelle von Manuel würde ich aber langsam schon die Koffer packen, auf dem nächsten Ticket dürfte sein Name stehen.

    Das war der heutige DSDS-Abend, eine Sendung, die man wegen ihrer Spannungsarmut getrost jedem Herzpatienten zur Rehabilitation empfehlen kann. Wenn das so langweilig und vorhersehbar weitergeht, spare ich mir bei einer der nächsten Shows mal das Gucken und blogge freihändig irgendetwas. Der Fahrplan zum Finale dürfte sowieso schon lange feststehen und ich wage heute an dieser Stelle einfach mal eine Prognose der kommenden Platzierungen: 6. Manuel, 5. Kim, 4. Helmut, 3. Thomas, 2. Mehrzad und 1. Menowin. Das ist ja fast so langweilig wie die “Ausscheidung” des Lieds für Oslo, bei dem ja wohl auch die absolute Favoritin gewonnen hat, wie ich mir habe sagen lassen.

    In den mittlerweile goldenen 80ern gab es noch keine Casting-Shows. War vielleicht doch nicht so schlecht, damals…

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