• Hurra, die Babinskys aus Gummersbach haben es endlich geschafft: An der Seite von Peter Zwegat steht die Familie für 45 Minuten im Mittelpunkt des RTL-Schuldenprangers. Nach dem Prinzip “Gier schlägt Scham” werden die kriminelle Vergangenheit und die Kaufsucht des Mannes genüsslich im Lichte der Fernsehöffentlichkeit ausgebreitet.

    Christoph Babinsky ist zwar erst 24 Jahre alt, aber er hat es schon in diesem “zarten” Alter weit gebracht: Nicht nur, dass er bereits Vater einer Tochter von vier Jahren ist, er hat außerdem zusammen mit seiner Ehefrau Tanja (30) einen ansehnlichen Berg von 40.000 Euro Schulden angehäuft. Seine viel versprechende Lehre als Hirbel in einem Tiermarkt (was ist das?) brach Christoph vor langer Zeit ab, nachdem ihm dort der Diebstahl eines Eis am Stiel vorgeworfen wurde – natürlich zu Unrecht. Danach kam er auf keinen grünen Zweig mehr, blieb arbeitslos und lebt mittlerweile seit Jahren von Hartz IV. Das sei eigentlich auch gar nicht mal so unbequem, findet er, wenn nur nicht dauernd die nervigen Besuche der Gerichtsvollzieher wären.

    Scheinbar ist es aber doch nicht so lustig als Arbeitsloser, wie die Stimme aus dem Off uns Zuschauern erklärt: Zuerst kriegte Christoph nämlich eine Depression, wurde dann computerabhängig und steigerte sich schließlich in eine exzessive Kaufsucht hinein, deren Ergebnis die o.g. 40.000 Euro Miese sind. Er bestellte nämlich online alles, was nicht niet- und nagelfest war, egal ob er es wirklich brauchte oder nicht. Als dank Schufa sein Kreditlimit auf Null ging, machte er einfach mit dem Konto seiner Holden weiter. Das war ziemlich doof, denn auch Tanja war damals schon arbeitslos und hatte keine Patte (angeblich, weil sie damals ihren chronisch klammen Vater unterstützte). Aus leicht nachvollziehbaren Gründen war Tanja wegen der 7.500 Euro Schulden sauer, die Christoph bei ihr verursacht hatte, und verließ den Göttergatten deswegen vorübergehend sogar. Dessen kriminelle Ader war übrigens schon vorher zutage getreten, als nämlich Christoph die EC-Karte nebst PIN einer Bekannten geklaut und benutzt hatte, was ihm eine Verurteilung wegen Checkkartenbetrugs einbrachte.

    Die Situation ist dermaßen verfahren, außerdem hat man nichts besseres zu tun, also schreckt man Peter Zwegat aus dem verdienten Ruhestand auf und bestellt ihn nach Gummersbach. Mit seinem üblichen, derbe ausgeleierten Willkommenssprüchlein steht er kurz darauf in der quietschenden Tür der Dachkammerwohnung und fragt rhetorisch, was die Babinskys denn von ihm wollten. Er solle ihnen aus ihren Schulden und ihrer “Doofheit” helfen, wünscht Tanja durchaus selbstkritisch – letzteres aber wohl vergeblich. Per aspera ad astra, wie der Lateiner sagt, vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt: Um ihre RTL-Gage zu verdienen, müssen die Babinskys jetzt erstmal das Fernsehteam einmal durch ihre etwas triste Wohnung schnüffeln lassen. Der bei Hartz-IV-Empfängern offensichtlich obligatorische fette Flachbildfernseher entlockt Zwegat einen Augenbrauenrunzler – angeblich hat Opa den Apparat gesponsert. Mit dem Geld hätten die zwei ja auch ein paar Schulden bezahlen können, aber das war ihnen wohl nicht aufregend genug. A propos Aufregung: Gerade am Vorabend waren Leute einer Inkasso-Firma bei den Babinskys und Tanja hat dabei in einem Anfall geistiger Umnachtung leichtfertig ein Schuldeingeständnis von mehr als 3.000 Euro unterschrieben. Zwegat rümpft wegen des in Insider-Kreisen berüchtigten Inkasso-Büros heftig die Nase und will die Sache von seinem Büro prüfen lassen. Lt. Schuldenpeter schieße diese Firma öfters mal über das Ziel hinaus, um das gelinde auszudrücken.

    Jeder Zwegat-Anhänger weiß, dass der Meister vor der Privatinsolvenz immer erst einen Vergleich anstrebt. Das geht nicht nur schneller, sondern ist für die Zuschauer auch viel interessanter, denn es konfrontiert die Schuldner meist direkt mit ihren Gläubigern. Auch diesmal sucht der Berliner erstmal nach Geld für einen Vergleich. Dabei fällt ihm die Babinsky’sche Familienkutsche vor dem Haus auf, die – wie der Fernseher – von Christophs Opa stammt. Der Typ muss wohl Schotter haben und Zwegat verabredet sich schleunigst mit ihm. In der nächsten Szene treffen die beiden älteren Herren dann tatsächlich aufeinander in Opas dickem Haus auf dem Berg, wobei der mich in seinem fetten Sessel etwas an Jabbe the Hut erinnert. Leider ist er nicht so ganz willens, seinem Enkel nochmal mit geschätzt 12.000 bis 15.000 Euro unter die Arme zu greifen. Der sei ja immer noch am Geldverprassen, auch gerade ganz aktuell dieser Tage für sein Auto und für Fastfood – Zwegat ist sichtlich irritiert, wähnte er Christoph doch auf dem Weg der Besserung. (Das gibt nachher Senge, soviel ist klar.) Der Opa will sich heute noch nicht entscheiden, sondern erst noch mit der Oma drüber sprechen. Eine spontane Zusage wäre ja dramaturgisch gesehen auch eine Katastrophe, was soll Zwegat denn sonst in den restlichen 20 Minuten dieser Folge machen, etwa Witze erzählen oder kochen?

    Erstmal nimmt er sich jetzt Christoph, den Hallodri, vor und meldet ihn zu einer Therapie gegen seine Kaufsucht an. Der schwört hinterher Stein und Bein, sich in Zukunft bessern zu wollen. Als nächstes pumpt Old Knitterface den Vater von Tanja an, der, nebenbei bemerkt, einen nicht unerheblichen Anteil an ihren Schulden hat. Doch hier ist absolut nichts zu holen, der Frührentner ist nach wie vor blitzeblank. Also läuft wohl alles auf den Opa hinaus.

    Zwischenzeitlich bauen die RTL-Schreiberlinge wieder einen kleinen Spannungsmoment ein: Es kommt ein Liebesbrief vom Zoll, man will wegen zu Unrecht erhaltener Zahlungen vom Arbeitsamt jetzt die Vollstreckung einleiten. Tanja kriegt Schiss, was ist, wenn die jetzt den großen Fernseher wegpfänden, dann könnten sie abends nur noch auf die Wand starren! “Die sind gnadenlos!!!”, ahnt sie. Das Leben kann so grausam sein und so ungerecht, da macht man nur mal ein paar kleinere Schulden und bescheißt das Arbeitsamt, also alles Kavaliersdelikte, und dann drohen die Brutalos vom Amt damit, dieser armen Familie den Lebensmittelpunkt herauszureißen. Ein Leben ohne Flachbildschirm, unvorstellbar, ja eigentlich sinnlos, da könnten sie einem ja gleich bei lebendigem Leibe die Organe rausnehmen. Klein-Tanja ist verzweifelt, aber Zwegat, der verkappte Papi, tröstet sie und man ahnt, alles wird gut, der Fernseher bleibt, die Babinskys können weiterhin RTL gucken. Der Vollstreckungsfuzzi will den Fernseher nämlich gar nicht, der sei nicht so viel wert, wie Abholung und Versteigerung kosten würden. Puh, Glück gehabt, das war der Spannungshöhepunkt dieser Folge, wenn nicht sogar der ganzen bisherigen Staffel.

    Zwegat steigt nochmal zu Christophs Opa auf den Berg, denn der Patriarch – bzw. seine Frau – hat sich entschieden: Er will zunächst den Vergleich für die angeheiratete Enkelin Tanja unterstützen, denn bei der gibt es begründete Hoffnungen, dass sie danach schuldenfrei bleibt. Den Christoph will man dagegen aus pädagogischen Gründen erstmal ein paar Monate lang zappeln lassen, bis er vor Zeugen Amazon und McDonald’s abschwört. Insgeheim ahnen wir natürlich alle, das Opas weiches Herz spätestens zu Weihnachten auch für Christoph eine kleine fünfstellige Überraschung ausspucken wird.

    Nun zieht Zwegat mit Tanja und Opas Moneten los und überzeugt ihre Gläubiger von der Vergleichslösung; das gibt bei ihr viel “Pipi in die Augen”. Währenddessen zeichnet sich auch für Meisterschuldner Christoph ein Silberstreif am Horizont ab, denn er kann seine damals abgebrochene Ausbildung in einer Maßnahme vom Arbeitsamt fortsetzen. Und nun kommt der Knaller: Christophs neuer Ausbilder will Tanja eine Vollzeitstelle als Verkäuferin für Obst und Gemüse vermitteln. Super, der Flachbildfernseher scheint endgültig gerettet zu sein, Zwegat darf sich zufrieden die Hände reiben und wird von den Babinskys mit einem freundlichen Winken aus der Haustür verabschiedet.

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  • In der heutigen zweiten Folge von “Torf sucht Nase” begleiten wir die ersten Schritte von fünf unserer neun einsamen Landwirte mit ihren Auserwählten auf den heimischen Höfen. Was mit den anderen vier Bauern ist, verrät uns RTL allerdings nicht. Vielleicht denken die ja, wir Zuschauer könnten nicht zählen und bemerkten das nicht? Sowieso scheint RTL auch vor der Mattscheibe eher einfache Gemüter zu vermuten; in einem Anruf-Gewinnspiel für 3.000 Euro lautet die Frage “Was bringt Glück? a) Bügeleisen b) Hufeisen”. Während ich noch an der schwierigen Lösung kniffle, beginnt schon der bunte Reigen.

    Den Anfang macht der überdrehte Nordfriese Claus Clausen (!), der Besuch von seiner Andrea bekommt und sie unbedingt am Hafen mit einem zünftigen Krabbenbrötchen willkommen heißen muss. Der Clausen labert pausenlos dummes Zeug mit Küstenakzent, wie ich finde. So gern ich auch persönlich im Norden bin, geht mir seine impertinent zur Schau gestellte Heimatverbundenheit doch tierisch auf die Nerven – vielleicht liegt es auch daran, dass im Hintergrund der unsägliche Gassenhauer “An der Nordseeküste” von Klaus & Klaus dudelt. Wenn das kein Grund für Landflucht ist, weiß ich auch nicht…

    Clausens freistehendes Haus sieht gar nicht nach Bauernhof aus und die Einrichtung erinnert mich eher an etwas zwischen der “Southfork Ranch” der Ewings und einem Bestattungsinstitut. Andrea wird im alten Kinderzimmer der längst ausgezogenen Söhne einquartiert. Das Zimmer ist offenbar in keiner Weise für den Besuch hergerichtet worden und das (unbezogene) Bett fällt schon beim ersten Ansehen auseinander. Anschließend darf Andrea dann selbst unter Clausens prüfenden Blicken ihr Bett beziehen. Da kommt sie ob ihrer Erwünschtheit doch etwas ins Grübeln.

    Weinbauer Tobias plant für seine Kerstin einen Sektempfang, putzt dafür den elterlichen Hof und schickt die Mutti als Empfangskomitee zum Bahnhof. Dumm nur, dass die gar nicht weiß, wie Kerstin aussieht. Als sie sich gefunden haben, ist Kerstin denn auch leicht irritiert, dass sie nicht von dem von RTL angedichteten Herzallerliebsten, sondern nur von dessen wuchtiger Mami begrüßt wird. Nach dem Sekt darf die Frau ihr Gästezimmer für die nächsten Tage beziehen; es atmet den Charme der 50er Jahre. Und nebenan wohnt Tobias selbst; auch seine Butze ist voller Erbstücke der Oma. Auf seinem Bett sitzt ein riesiger Clown, den der Möchtegern-Herzensbrecher seiner nun doch verwirrt aussehenden Zukünftigen erklären muss.

    Nun geht es in das kleine Hofrestaurant und in die Küche, wo Tobias Mama bereits das Bauernfrühstück (wie passend) schmurgelt. Ob sie sich vorstellen könne, hier später mal mit anzupacken, wird Kerstin charmant aber bestimmt gefragt. Klar kann sie, was soll sie auch vor der Kamera anderes sagen? Die mollige Mutti ist augenscheinlich ganz angetan, kriegt Schwiegermuttergefühle und vermutet verschmitzt “da ist irgendwas im Busch, bei denen”.

    Im Schwabenländle erwartet Dieter seine auserwählte Friseurin Heike, die mich noch immer an Schneewittchen erinnert. Während sie mit dem RTL-Team eine halbe Stunde lang bei Regen in einer Bushaltestelle auf ihren Westentaschen-Galan wartet, räumt der angeblich noch in seiner Bude den Kleiderschrank leer. Gutes Timing, Dieter! Überhaupt scheint er dringend nochmal einen Benimmkurs für Anfänger machen zu müssen, denn weder nimmt er Heike die Tasche ab, noch hält er im strömenden Regen den Schirm über sie. Kein Wunder, dass er bislang auf Damenbesuch verzichten musste.

    Zuhause angekommen wird das Paar von Dieters hutzeliger Mutter begrüßt. Die erzählt in einem offenbar später aufgenommenen Einspieler “Mein erster Eindruck war gut…” – deutet sich da etwa schon eine eher ungünstige Wendung des Dieterschen Schicksals an? Aber warten wir es ab. Zunächst besichtigt Heike Dieters für sie geräumtes Zimmer, das aussieht wie ein Kinderzimmer. Mit sichtlichem Unbehagen erfährt sie, dass sie in seinem Bett schlafen soll (“das ist aber neu bezogen, gell?”). Dieters Vater hat übrigens keine Zeit, seine möglicherweise angehende Schwiegertochter zu begrüßen, denn “der ist noch im Stall”. Das reicht für heute, Heike ist müde und wird von Dieter auf ihr Zimmer gebracht. Mit einer ungelenken Umarmung verabschiedet sich das Paar in spe.

    Der knuffige Pfälzer Markus hat offenbar keine Angst vor Kitsch und holt seine Yvonne mit einer Pferdekutsche vom Bahnhof ab. RTL legt unter die herzergreifenden Begrüßungsszenen passenderweise “Take my Breath away” aus dem Film “Top Gun”. Markus hat aber auch so gar nichts von Tom Cruise… Lt. Texteinblendung steht Yvonne auf “stämmige Männer und große Hunde” und freundet sich auf dem Hof gleich mit Markus Rottweiler an. Ansonsten passiert hier in dieser Folge nichts Bemerkenswertes.

    Nun kommen wir zum auf mich immer leicht gestört wirkenden, aber angeblich frommen, Josef nach Bayern. Wie sich die geneigte Leserschaft möglicherweise erinnert, hat der Milchbauer im hormonellen Überschwang gleich zwei Damen zu sich auf den Hof bestellt. Zunächst holt er die Thailänderin Narumol (Kampfname “Miau”), deren Namen er nach wie vor nicht ohne Holpern aussprechen kann, per Traktor vom Bahnhof ab. Übrigens hat RTL den Stationsnamen ausgepixelt, das lässt noch auf ein paar peinliche Szenen hoffen! Weiterhin muss Josef wegen fehlender Kenntnisse des Hochdeutschen komplett untertitelt werden, Narumol dagegen nur manchmal. Mir bleibt schleierhaft, wie die beiden miteinander kommunizieren sollen, aber wahre Liebe überwindet ja alle Grenzen.

    Auf dem Hof führt Josef zunächst sein intensiv grün-gekacheltes, heimatmuseumsreifes Badezimmer mit Holzheizung vor. Narumol wirkt überrascht, nicht aber erfreut. Danach gibt es Abendbrot mit frischem Aufschnitt und Himbeerkuchen – was für eine Zusammenstellung. Narumol ekelt sich zwar scheinbar vor den Fliegen, die überall auf dem Tisch herum fliegen, ist aber ansonsten ganz pfiffig. Ein Besteck braucht sie nicht zum Essen “Ich nehme Hand – Messer ist Scheiße”. Danach will sie ins Bett und gibt dem frommen Josef einen Gutenachtkuss, was den völlig aus der Bahn wirft.

    Das war ja insgesamt nur mäßig peinlich, hoffentlich geht da in den restlichen Folgen noch was. Und wo bitte bleiben die anderen vier Bauern aus der ersten Episode? Die Vorschau für die nächste Woche verheißt übrigens Action: In einer kurzen Szene kreischt Dieters alte Mutter seine Heike in der Küche an. Ich bin gespannt, wie schnell die Greisin ihren halben Hahn von Sohn wieder zum Single macht. Mehr davon dann also in einer Woche an dieser Stelle.

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  • In dieser Folge verschlägt es Schuldnerberater Peter Zwegat zur Familie Bittlinger nach Wesseling bei Köln. Vorweg: Spackenalarm – Spackenalarm – Spackenalarm!!! Wie sagte doch der große Philosoph und Menschenkenner Bernd Stromberg: “Kann-Nicht wohnt meist in der Will-Nicht-Straße.” Bei der heutigen Sendung möchte man am liebsten in den Fernseher greifen und die Protagonisten der Reihe nach durchschütteln, denn selten gab es so viel Dilletantismus, Naivität, Lethargie und Talentlosigkeit auf nur 45 Minuten Zwegat.

    Susanne Bittlinger (46) ist zur Zeit arbeitslos – ja, auch auf die bislang so krisensicher geglaubte Nagel-Design-Branche schlagen die weltweiten Turbulenzen der Finanzmärkte unbarmherzig durch. Gerade bei Susanne hätte man das eigentlich nicht gedacht, wo sie doch so eine grundsolide Ausbildung absolviert hat, nämlich einen viertägigen Crashkurs im Feilen, Verlängern und Bemalen von Fingernägeln. Das war nebenbei übrigens die einzige Ausbildung ihres Lebens, was sie aber nicht davon abgehalten hat, sich immer wieder mit den verschiedensten “Berufen” selbstständig zu machen… und dabei jedes Mal mit einem Bauchklatscher baden zu gehen. Wie viel Schulden sie sich damit eingebrockt hat, kann Susanne nicht genau sagen, denn auch mit der Mietzahlung ging sie immer generös um und musste deshalb schon einige Male überstürzt umziehen, wobei sie alle Unterlagen verlor. Sie selbst taxiert ihre Außenstände auf round about 50.000 Euro, aber nichts Genaues weiß man nicht.

    Sicher ist dagegen, dass sie ihr Händchen für alles Finanzielle auch an ihren Sohn weiter vererbt hat. Sascha Bittlinger (22) hat seine Maler- und Lackiererlehre abgebrochen, ist chronisch dauerpleite, besitzt aber dafür bereits ein illustres Strafregister inklusive Urlaubs auf Staatskosten wegen Drogendelikten. Er taxiert seine Außenstände auf 25.000 Euro, ist aber aus genetischen Gründen ebenfalls nicht in der Lage, das selbst zusammen zu addieren. Erschwerend kommt nun noch eine weitere Haftandrohung hinzu: Wenn Schlaufuchs Sascha nicht innerhalb von vier Tagen 420 Euro überweist, fährt er wieder ein und verliert garantiert den Job, den er gerade erst angetreten hat. Das nenne ich Anstiftung zu einer kriminellen Handlung, wo soll der denn bitte ohne Überfall so schnell so viel Geld hernehmen?

    Nach einiger Zeit dumpfen Nachdenkens verfallen Susanne und Sascha auf die einzig mögliche Lösung: Der Zwegat muss her, denn der hat ja bekanntlich einen Taschenrechner (oder kennt beim Fernsehen welche, die einen haben). Gesagt getan, das Berliner Knautschgesicht mit der staatlichen Anerkennung steht eines Tages samt RTL-Kamerateam vor der Bittlinger’schen Wohnung. Um ihn nicht gleich zu verschrecken, hat Susanne dem Zwegat übrigens nur von Sohnemanns Schulden erzählt und ihre eigenen Finanzen schön aus dem Spiel gelassen. Jetzt, wo der Berliner auf ihrem Familiensofa hockt, verplappert sie sich prompt und in einem Augenblick zerreißt das von den Drehbuchautoren so kunstvoll gewebte Netz aus Lügen. Unter Zwegats bohrendem Blick gibt Susanne kleinlaut zu, dass ihr erst nach dem Telefonat mit RTL eingefallen sei, dass auch sie selbst vielleicht hier oder da noch ein Centlein an Verbindlichkeiten habe. Superpeinliche Enthüllung, wie kann man nur so doof sein?

    “Ich kriech’ des Hartz”, so lautet Susannes (mundartlich gefärbte) augenblickliche Tätigkeitsbeschreibung. Sie könne leider nicht anderswo berufstätig sein, weil sie niemanden fände, der auf ihr zweites Kind, die 6jährige Alina, aufpasst. So blieben zum Arbeiten höchstens die eigenen vier Wände. Momentan strebt sie mal wieder eine Selbstständigkeit an und möchte sich vom Arbeitsamt die Einrichtung eines Nagel-Studios finanzieren lassen. Unverständlicherweise zeigt sich das Amt aber knauserig und verweist zur Begründung auf die Spur von ökonomischer Verwüstung, die Susanne hinter sich her zieht. Die kann das nun aber gar nicht nachvollziehen, sie wissen von bestimmt 10 potenziellen Kundinnen, die sich unbedingt bei ihr die Nägel machen lassen wollten. Zwegat kennt sich im Nagel-Business nicht so aus, wirkt aber auch recht skeptisch bezüglich des Business Case und bezweifelt wohl insgeheim auch Susannes Talent als Maniküre.

    Nun folgt mal wieder eine traurige Wohnungsbegehung, der Voyeurismus der Zuschauer will ja schließlich auch befriedigt sein. Die Raumsituation ist etwas verwirrend und erinnert an die Waltons (wem das noch etwas sagt): Sohn Sascha und seine Freundin schlafen nachts im Zimmer der kleinen Schwester, die wiederum bei der Mutter auf der Coach im Wohnzimmer nächtigt. Das winzige, schlauchartige Bad ist vielleicht einen Meter breit und wird von der geöffneten Tür bereits zur Hälfte ausgefüllt. Calli Calmund könnte sich hier jedenfalls nicht umdrehen und auch Zwegat geht schnell weiter.

    Aus verständlichen Gründen ist Sascha es Leid, sein Liebesleben akustisch mit Mami und Schwesterlein zu teilen. Er wird deshalb in Kürze mit seiner Freundin, mit der er seit gerade sechs Wochen zusammen ist, in ein Ein-Zimmer-Appartement umziehen. Man ist schon am Renovieren, hat aber keinen blassen Schimmer, wie man die Miete von monatlich 320 Euro finanzieren will, zumal er nur einen 400-Euro-Job auf dem Bau hat und seine Herzallerliebste überhaupt kein Geld verdient. Auweia, hoffentlich haben die beiden wenigstens Geld für die Pille…

    Zwegat versucht erstmal, die Haftandrohung wegen der ausstehenden 420 Euro aus der Welt zu schaffen. 200 Euro hat Saschas Chef schon versprochen, vielleicht könnte das Arbeitsamt noch etwas zuschießen – obwohl Sascha eigentlich jede staatliche Hilfe ablehnt, der Schlaumeier. Wenn man die oben angedeutete Finanzierungslücke bei der neuen Wohnung bedenkt, wäre es vielleicht am geschicktesten, der junge Bittlinger ließe die eigene Bude sausen und ginge tatsächlich wieder in den Knast, dann würde er sich jedenfalls die Miete sparen. ;-) Aber nein, das lässt Zwegat nicht zu und er holt beim Arbeitsamt tatsächlich eine Förderung von Wohnung und Ausbildung (!) für Sascha heraus.

    Als nächstes besorgt der Schuldenpapst zwei Augenbinden und einen Baseballschläger und die beiden “leihen” sich von einem Passanten in einer dunklen Toreinfahrt die noch fehlenden 220 Euro… NEIN, Scherz, natürlich nicht, stattdessen schleppt Sascha plötzlich eine Tüte voller Schmuck und Uhren bei einem Juwelier an, angeblich vom Opa geerbt. Nach einem Blick durch das Monokel entlarvt der Ladenbesitzer das ganze ominöse Zeugs als Imitationen und verliert jedes Interesse an einem Ankauf. Nun muss wohl doch der Baseballschläger ran, was? Wieder Nein, stattdessen leiht Saschas Chef ihm den vollen Betrag und der Knast-Kelch geht an ihm vorüber. Vorerst.

    Ein Loch ist gestopft, da folgt schon das nächste: Susanne kriegt einen Abschiedsbrief vom Energieversorger; wegen der ausstehenden Rechnungen soll ihr der Strom abgeknipst werden. Das geht natürlich gar nicht, wo sollen denn die Fernsehfuzzis beim Drehen des Billinger’schen Weltuntergangs sonst ihre Lampen einstöpseln? Das muss wohl wieder der Alte von der Spree zurecht biegen. Zwegat ist sowieso schon mies drauf, denn er konnte zu dem Schuldenberg nur “ein Häuflein” Unterlagen (=1 schmaler DIN-A4-Ordner) zusammentragen, hat also nach wie vor keinen richtigen Überblick. Mit seiner besseren Hälfte, der Flip-Chart, macht er nun einen weiteren Hausbesuch in Susannes mickriger Bleibe. Mutter und Sohnemann sitzen mit schwitzigen Händen auf dem Sofa und erwarten gesenkten Kopfes ihr Urteil.

    Zwegat addiert für Sascha einen Haufen Pöstchen zusammen und kommt gerade mal auf 2.000 Euro, der größte Betrag ist ein lädierter Kindergarten (“jugendlicher Leichtsinn”). Auf Nachfrage, wieso er denn Schulden von 25.000 Euro zu haben glaube, fallen ihm noch gaaaaaanz dunkel 6.000 Euro für Telefonkosten ein, über die es aber keine Unterlagen mehr gebe. Auf die nahe liegende Idee, doch einfach mal bei der Telekom anzurufen, ist er allerdings noch nicht gekommen. Man sollte übrigens beim Hantieren mit Farben und Lacken immer schön durchlüften, fällt mir dazu nur ein… :-)

    Auch Susannes Schulden bleiben größtenteils hypothetisch. Die bekannten Posten (Tupper, eBay, Autovermietung usw.)  ergeben zusammen gerade 22.750 Euro. Irgendwie war da noch etwas mit einem Kredit von 30.000 Euro für ihr (erstes) Nagel-Studio, aber leider fehlen da jegliche Unterlagen.

    Nun kommen wir wieder zum Fremdschämen: Zwegat will, dass Susanne sich einen Job besorgt und fragt, was sie außer “nageln” noch könne. Sie schriebe Gedichte und nehme sie auf CD auf, erzählt sie da – und hinterher wird eines davon vorgespielt. (Eine “Gedicht”-CD nötigt sie dem Schuldnerberater übrigens als Geschenk auf.) Freundlich ausgedrückt, sollte sie sich hier lieber nicht allzu große Hoffnungen machen, meines Erachtens kann sie viel besser rechnen als dichten…  Aber das ist noch nicht alles, Susanne fotografiert neuerdings auch noch gern mit dem Handy und will das jetzt ebenfalls professionell machen. Als er später mit uns allein ist, formuliert Zwegat seine erheblichen Zweifel an Susannes Karrierehoffnungen und drückt mit diplomatischen Worten aus, dass sie eigentlich einen ziemlichen Dachschaden hat. Dann flieht der Berliner, vermutlich will er schnell die geschenkte CD entsorgen. Als Hausaufgabe sollen beide Bittlingers ihre Gläubiger anrufen und nach den Schulden fragen. Susanne ist damit schnell fertig, denn die einzige Telefonnummer eines Gläubigers, die ihr eingefallen ist, stellt sich als falsch heraus. Das wird alles nichts und schlussendlich geht Zwegat zur Schufa und kriegt da endlich eine detaillierte Aufstellung der Außenstände seiner beiden Sorgenkinder.

    Sascha hat inzwischen ein viel größeres Problem, denn sein früherer Lieblingsdealer steht gerade vor Gericht und hat ihn schwer belastet: Seine überwunden geglaubte Drogenkarriere scheint nun doch noch ein juristisches Nachspiel zu haben; ihm drohen bis zu 5 Jahre Knast. Vielleicht dank Zwegat und Fernsehen wird daraus nur eine Bewährungsstrafe plus 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Sascha verspricht hoch und heilig, dass das nie mehr vorkomme, das sei alles jugendlicher Leichtsinn gewesen. (Die zur Last gelegte Tat ist übrigens erst ein Jahr her.) Hinterher besorgt ihm Zwegat auch noch eine Stelle, bei der er seine abgebrochene Ausbildung zum Maler und Lackierer beenden kann. Sascha sagt nicht viel dazu und freut sich wohl primär innerlich. Nebenbei hat Zwegat über die Schufa herausbekommen, dass seine Schulden insgesamt nur 6.000 Euro betragen (jaja, die Lösungsmittel) und er will versuchen, etwa die Hälfte davon durch Vergleiche aufzulösen.

    Susannes Nagel-Studio-Pläne werden mit Hilfe eines Typs vom Arbeitsamt professionell zerlegt, Gott sei Dank. Der Markt ist sehr eng und Susanne habe keine ausgesprochene Unternehmerpersönlichkeit, damit würde die Nagelei niemals funktionieren und sie kriegt deshalb auch keine Förderung vom Arbeitsamt, Punkt. Zwegat hat mittlerweile eine Übersicht ihrer Schulden: 33.000 Euro. Damit bleibt für Susanne nur der Weg in die Privatinsolvenz, d.h. die nächsten sechs Jahre muss sie finanziell die Füße still halten und vor allem, jetzt wird es bitter: Sie muss sich um Arbeit bemühen.

    Ein Fall geht zu Ende, bei dem man als Zuschauer aus dem Kopfschütteln kaum heraus kommt. Wie dämlich darf man eigentlich sein, ohne dass das Drehbuch zu künstlich wirkt? Zwegat muss schon verdammt abgebrüht sein, dass er seinen Mandanten diesmal nicht mit der Flip-Chart einen Scheitel zieht, nicht mal hinter der Kamera. Aber sicherlich geht es immer noch ein Stück schlimmer, die nächsten Folgen werden uns das vielleicht zeigen…

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  • Markus, Carsten, Herr Clausen, Berit, Willi, Tobias, Josef, Maurizio und Dieter, das sind die Protagonisten der fünften Staffel von RTLs Provinzler-Kuppelshow “Bauer sucht Frau”. Wie in den Vorjahren, so kümmert sich Inka Bause auch diesmal darum, einsame Landwirte unter dem Gejohle von Millionen Fernsehzuschauern mit mehr oder weniger passenden Partnern des anderen Geschlechts zu versorgen. Die Sendung ist ein wahres Eldorado für Freunde des Fremdschämens und deswegen taugt sie natürlich auch zum Ablästern hier bei uns im Mülltv-Blog. Aber springen wir gleich rein in die erste Folge.

    Im Vorfeld hatten offenbar alle neun liebesbedürftigen Bauern einen Aufruf auf der RTL-Homepage gestartet und um Zuschriften gebettelt. Jeder darf davon zwei Bewerber zu einem sog. “Scheunenfest” einladen, das wir am Ende der heutigen Folge mit ansehen müssen. Inka klappert nun der Reihe nach die Höfe ab und überbringt in einem Korb die Bewerbungsschreiben. Bei Rinderwirt Dieter (40) holt sie sich dabei schon mal keinen Bruch, denn er bekommt ganze zwei Briefe. Der scheint aber an solche Abfuhren gewöhnt zu sein, steckt die Enttäuschung routiniert weg und muss sich jedenfalls nicht lange mit der Entscheidung quälen, wen er zum Fest mitnehmen soll.

    Der “quirlige” ostfriesische Jungbauer Carsten gehört mit 23 Jahren eigentlich noch nicht zu den völlig hoffnungslosen Fällen und bekommt von Inka denn auch gleich so viele Briefe, dass ein Kumpel beim Sortieren helfen muss. Während bei Carsten ganz offensichtlich noch das Thema “Hörner abstoßen” aktuell ist (oder erst wird), sehnt sich der propere Markus (44) in der Pfalz nach einer eigenen Familie, die seine Traumfrau praktischerweise gleich fix und fertig mitbringen könnte. Auch ihm hilft ein Freund bei der Auswahl und die Kommentare beim Durchblättern der eingegangenen Briefe und Fotos hören sich an, als wollten sie ein Pferd kaufen (“schöner dunkler, natürlicher Typ”).

    Pferdewirtin Berit (37) aus Meckpomm ist die erste Bäuerin in diesem Format und hat damit offensichtlich eine Marktlücke entdeckt, denn sie kriegt um die hundert Briefe. Eigentlich bekloppt, dass die Serie jetzt nicht umbenannt wird, aber das will RTL seinen einfältigen Zuschauern wohl nicht zumuten, lieber lässt man Berit laut Titel nach einer Frau suchen. Die erinnert mich übrigens spontan etwas an “Walter” aus “Hinter Gittern – der Frauenknast”. Aber es gibt ja auch innere Werte.

    Im Chiemgau hat der angeblich fromme Milchbauer Josef (48) das Alleinsein mit seinen Kühen so satt, dass er dafür die öffentliche Demütigung im Fernsehen auf sich nimmt, wenn dabei nur eine Frau für ihn heraus springt. Für Josef haben die RTL-Drehbuchschreiber die Rolle des bajuwarischen Seppls vorgesehen. Er muss einen albernen Hut tragen und darf ausschließlich in seinem heimatlichen Idiom sprechen, weshalb er komplett untertitelt wird.

    Der “lustige” Ziegenwirt Willi aus Hessen ist mit seinen 40 Lenzen beziehungstechnisch noch ein unbeschriebenes Blatt. Höchste Zeit, dass sich das nun ändert – vermutlich will seine mit ihm zusammen lebende Mutter endlich Enkelkinder. Seine Traumfrau sollte vor allem tierlieb sein, sagt er. Das passt gut, nebenbei ist er nämlich Hobbymetzger…

    Holzbauer Maurizio (49) lebt in Baden-Württemberg, kommt aber eigentlich aus Italien, wie man sich denken kann. Seit seiner Scheidung vor zwei Jahren herrscht in puncto Frauen Ebbe und das will der selbst erklärte “emanzipierte Macho” nun schleunigst wieder ändern. Er ist ein knorriger, nun ja “origineller” Typ, der wohl eine verständnisvolle Sie braucht. Auch den “romantischen” Weinbauern Tobias (33) kotzt das Alleinsein an und er sucht auf diesem Wege eine Frau, mit der er denn auch gleich eine Familie gründen will. Er hat übrigens von allen Kandidaten die meisten Zuschriften gekriegt.

    Eher in die Kategorie verschrobenes Original fällt der nächste Kandidat. Er stammt aus Nordfriesland und ist mit seinen 59 Jahren schon jenseits von Gut und Böse, deshalb wurde ihm auch das vertrauliche Duzen erlassen und er tritt in dieser Sendung schlicht als “Herr Clausen” auf. Auch seine Zuschriften sind eher originell, soweit man erkennen kann. Auf einem Bild sieht man eine in die Jahre gekommene dralle Blondine (Typ “Miss Westerland 1970″) beim Posing vor einer Fototapete  mit kitschigem Sonnenuntergang am Meer. Grässlich, hoffentlich wählt er die aus…

    Das sind also unsere Kandidaten. So weit, so gut. RTL ist bisher in Vorleistung gegangen und hat jedem Bauern mehr oder weniger viele Bewerber(innen) präsentiert. Nun fordert das Fernsehen von allen einen ersten Tribut, es folgen nämlich voyeuristische Einblicke in die Reisevorbereitungen für das ominöse Scheunenfest. Wir sehen, wie Mitbringsel für die Bewerberinnen gepackt werden, hier zwei hässliche Stoffkühe, die beim Umdrehen muhen, dort eine Dose mit selbst gemachter Leberwurst. Eben alles Dinge, mit denen man Frauen todsicher herumkriegt… Milchbauer Josef holt ein ledernes Reiseetui aus dem Schrank, das aussieht, als hätte es sein Opa schon im zweiten Weltkrieg dabei gehabt. Und Herr Clausen wirft sich in sein Verführer-Outfit: Großkariertes Bauernhemd mit neckischem Strohhut. Was in den 60er-Jahren funktioniert hat, kann doch jetzt nicht verkehrt sein, oder?

    Eindeutiger Loser dieser Sequenz ist aber Ziegenwirt Willi, der für das Fernsehen ein Bad in Milch nehmen muss und als Nackedei, aber mit Brille, beim Einsteigen in die Wanne gefilmt wird. Auch den schmächtigen Dieter erwischt RTL bei der Körperpflege: Er geht zum Haarewaschen im Bad auf die Knie und steckt seinen Kopf in die gefüllte Badewanne. Eine wahrhaft bemerkenswerte Szene. Ihm würde eine ordnende weibliche Hand, rechts und links an die Ohren, wirklich nicht schaden…

    Jetzt fahren unsere mehr oder weniger aufgebrezelten Landwirte per Planwagen zum Scheunenfest, ihren Auserwählten entgegen. Aus dem Off hört man Heino mit “Hoch auf dem gelben Wagen” und ich muss heftig lachen, denn RTL zwingt die Bande auch noch zum fröhlichen, disharmonischen Mitsingen. Kann denn die Not, keine Frau zu haben, wirklich so groß sein, dass man sich derart erniedrigen muss???

    Inka eröffnet das Scheunenfest und hat sich dafür in eine bäuerliche Kluft geschmissen; ihr Rock und die Tischdecken haben übrigens das selbe rot-weiße Karomuster. Während unsere Bauern in der einen Raumecke stehen, kommen auf der anderen Seite die auserwählten Frauen und Männer herein. Aus dem Off dudelt dazu ein völlig unpassender Triumphmarsch. Nacheinander kommen die Kandidaten nun zu Inka und werden mit ihren Möchtegern-Partnern zusammengeführt. Willi steht offenbar auf barocke Frauen, scheint mit seiner Wahl für den Moment aber wohl zufrieden zu sein, hakt seine beiden Grazien unter und verschwindet gen Festsaal. Bemerkenswert ist wieder Herr Clausen, der zunächst mit ein paar Sätzen auf Plattdeutsch den Klassenkasper macht. Er hat sich Anja und Andrea ausgesucht, die ihn übrigens sofort duzen dürfen und auch vom Alter her wohl in seiner Liga spielen. Tatsächlich ist die leicht schrille, blonde Ex-Miss dabei, die in einem für sie zu kurzen Kleid auftritt. Das gibt noch was, ich ahne es…

    Dieter wird von Inka für seine bunte Krawatte gelobt, außerdem preist sie ihn als meisterlichen Tänzer mit unwahrscheinlichem Durchhaltevermögen. Äh, auf der Tanzfläche, meine ich. Während er ob des Lobes rot anläuft, kommen seine beiden Hübschen, Regina und Heike. Als Regina ihm noch die Hand gibt, guckt unser Dieter schon schreckensstarr an ihr vorbei auf die gut einen halben Kopf größere Heike (Dirndl, lange schwarze Haare, Typ Schneewittchen) und macht ein Gesicht, als hätte er in Seife gebissen. Die Dame fällt klar in die Rubrik “männermordend”; Gute Nacht, Dieter. Regina hat spätestens verschissen, als sie zugibt, überhaupt nicht tanzen zu können, während Heike darin angeblich jahrelange Übung hat.

    Der schüchterne Milchbauer Josef hat sich u.a. die aufgeregt kichernde Asiatin (Thailänderin?) Narumol ausgesucht. Wie die ohne Gebärdendolmetscher ihren zutiefst bayerisch parlierenden Galan verstehen soll, bleibt mir ein Rätsel. Humor braucht auch der dauergrinsende württembergische Italiener Maurizio, der u.a. eine XXL-Frau in einem azurblauen ZeltKittel abgestaubt hat.

    Nun werden zwischen den Dreierpärchen Worte und Geschenke gewechselt, Carsten verteilt seine dämlichen Stoffkühe, dafür kriegt Berit von einem Verehrer ein selbst gewerkeltes Frühstücksbrettchen. Josef bekommt eigene Marmelade von Narumol, kann aber bedauerlicherweise auch in mehreren Versuchen diesen exotischen Namen nicht fehlerfrei nachsprechen. Gottseidank hat sie aber noch einen leicht verständlichen “Spritznamen” [sic!], nämlich “Miau”. Parallel textet ihn seine andere Bewerberin voll, was für ein riesiger Bauernhof-Fan sie sei und wie gern sie Trecker führe.

    Weinbauer Tobias hat im Frauenversteher-Seminar der Volkshochschule gut aufgepasst und fragt so ziemlich als erstes ohne Umschweife, ob seine beiden Damen denn gut küssen könnten. Subtiler kann man eine romantische Beziehung wohl kaum anschieben… Auch Markus macht alles richtig, überreicht zwei Pakete mit selbst gebastelter Leber- und Blutwurst und dazu Gelee “für den süßen Abgang”. Lecker. Eine der Damen revanchiert sich mit einer hässlichen Puppe “als Erinnerung an Deine zukünftige Schwiegermutter”. Hä, wie jetzt?

    Dieter bekommt von Heike/Schneewittchen einen Haufen Klamotten mit dem Hinweis, sein Schlabberpulli im Internet hätte so blöd ausgesehen. Seine Größe habe sie nicht gewusst (vermutlich XXS), wenn der Pulli nicht passe, dann sei das eben Pech, meint sie mütterlich, aber bestimmt. Auch Dieter bedankt sich bei seinen beiden Frauen mit einer Kuhfigur, sehr sinnig.

    Maurizio macht gleich klaren Tisch: erstens könne er als Italiener aus genetischen Gründen das Flirten mit anderen Frauen nicht sein lassen, daran müsste sich seine Zukünftige eben gewöhnen, und zweitens erinnere ihn Wuchtbrumme Gertrud zu sehr an seine Ex-Frau und damit ist sie raus! Er wählt die alt-blonde “Sonnenanbeterin” Cornelia.

    Auch der muntere Herr Clausen liebt das offene Wort. Er überlegt mit seinen beiden Hübschen, wo er sie denn auf seinem Hof einsetzen könne. Das Scheibenputzen ist ihm schon von selbst eingefallen, da meldet die verblühte Ex-Miss ihren Anspruch auf das Mähdrescherfahren an. Clausen tut das mit einem höhnischen Lachen ab, untersucht ihre Hand und attestiert “das sind ja die idealen Fingernägel zum Unkrautjäten”. Sie möchte ihm damit stattdessen lieber den Rücken zerkratzen und mir kommt das Essen hoch. In einer späteren Szene sind die beiden Damen allein, wähnen sich unbeobachtet und lästern über Clausen ab. Natürlich haben sie nicht ernsthaft vor, auf seinem Hof auch nur einen Finger zu krümmen, da sind sich die beiden knuddeligen Endfünfzigerinnen einig.

    Zum Ende dieser Folge müssen nun alle Kandidaten entscheiden, ob sie eine oder beide Bewerber(innen) für eine Woche zu sich auf den Hof mitnehmen wollen. Maurizio hatte seinen Wonneproppen Gertrud – wie berichtet – wegen zu großer Ähnlichkeit mit seiner Ex bereits in den Wind geschossen und auch Berit entscheidet sich schon heute für ihrer Verehrer Stefan, weil der “so grob” ist, was ihr gut gefällt. Herrn Clausen tut nach seiner Turtelstunde ebenfalls “Butter bei die Fische”, lässt das blonde Gift Anja sitzen, weil sie zu viel Sexappeal habe. Der scheint das ganz recht zu sein, die Aussicht auf körperliche Arbeit hatte sie wohl doch schon etwas erschreckt. Unser Dieter ist nicht extrem stabil gebaut, für ihn sind zwei Frauen auf Mal zu viel, das erklärt die einfühlsame Inka uns Fernsehzuschauern. Dieter zögert nicht lange und nimmt natürlich Schneewittchen, die sich im bürgerlichen Leben Heike nennt.

    Danach klingt die Folge mit dem gemütlichen Teil des Festes aus. Nachdem Inka bei ihrer Schlussabsage das Anzapfen eines Bierfasses völlig versemmelt, wird Live-Musik gespielt und unsere Hinterwäldler-Brigade schwingt das verkümmerte Tanzbein. Der angebliche Meistertänzer Dieter entpuppt sich als Reinkarnation von Holger Göpfert, dem DSDS-Megaspacken. Man muss sich doch wundern, wie viel Unmusikalität in so ein kleines Bäuerlein passt, denn er hüpft bis zum Ende der Gage immer schön gegen den Takt über das Parkett. Respekt!

    Der italienische Testosteron-Junkie Maurizio wähnt sich im vierten Frühling und baggert – wie angedroht – alles an, was nicht bei drei auf dem Baum ist, sehr zum Verdruss seiner Cornelia. Die kriegt sich aber schnell wieder ein, denn “gegessen wird immer noch Zuhause”. Gnädigerweise entlässt RTL uns Zuschauer, als Maurizios zuerst gechaste Verehrerin, die extrem undürre Gertrud, durch eine Karaoke-Einlage ihre Warhol’schen 15 Minuten im Rampenlicht abfeiert. Man weiß nicht, was man sich zuerst zuhalten soll, Augen oder Ohren…

    In der nächsten Folge wird es interessant, denn nach dem Spaß folgt der Ernst des Bauernlebens: Für eine Woche sollen die Auserwählten nämlich auf den Höfen mit anpacken. Wollen wir doch mal sehen, was von der heutigen Euphorie übrig bleibt.

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  • Raus aus den Schulden (RTL) 18.10.2009 Enter your password to view comments.

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  • Es gibt zwei Arten von Klienten beim Schuldnerberater Peter Zwegat, nämlich sympathische Leute, die einem Leid tun können, weil sie unverschuldet Pech haben und dann gibt es Backpfeifengesichter, die einfach nur doof oder/und frech sind und denen man ihr Desaster richtig gönnt. Der heutige Fall gehört eindeutig zur ersten Kategorie.

    Michael und Claudia Sechting haben sich vor einigen Jahren ihren Traum erfüllt: Sie wohnen in einem Ex-Bauernhof auf dem Land in einem Ortsteil von Dömitz (Meckpomm) mit vier kleinen Kindern (2, 3, 5 und 9 Jahre), einem Pferd und zwei Hunden. Ursprünglich hatten sie das Anwesen zusammen mit Claudias Mutter und deren Lebensgefährten gekauft, aber erst haute der Freund ab, dann starb die Mutter und vor vier Jahren wurde dann auch noch Michael wegen eines Bandscheibenvorfalls arbeitslos. Von den vormals vier berufstätigen Käufern blieb also nur Claudia übrig und die kann die Kreditrate fast nicht mehr bewältigen. Von ihrem Job als Betreuerin von Schwerbehinderten hängt jetzt alles ab: Kinder, Ehemann, Haus. Mittlerweile zickt die Sparkasse Lüneburg rum, weil Claudia bei allen Schwangerschaften während der Mutterschutzzeiten mit den Ratenzahlung aussetzen musste. Das Institut hat den Kredit gekündigt, droht konkret mit der Zwangsversteigerung und das ruft nun unseren Finanz-Messias aus Berlin auf den Plan.

    Nach einem artigen “Darf ich reinkommen?” sitzt Knittergesicht Zwegat bei den Sechtings auf dem Sofa und legt erstmal die Standardplatte auf: “Sie haben um Hilfe gerufen, ich habe Sie gehört, hier bin ich, was kann ich für Sie tun?”. Das Ehepaar weiht ihn nun in die Umstände ein, die uns Fernsehzuschauern ja bereits bekannt sind. Danach folgt die obligatorische Hausbesichtigung, die zu der überraschenden Erkenntnis führt, dass der alte Bauernhof mit Ausnahme der drei Kinderzimmer und des Wohnzimmers eher als Baustelle einzuordnen ist. An vielen Stellen ging mitten im Umbau das Geld aus und in der oberen Etage fehlt sogar komplett der Fußboden, nur die langsam vergammelnden Balken sind vorhanden und die Treppe führt ins Nichts.

    Nach einer dreiwöchigen (!) Bedenkpause schleppt Zwegat in einer sehenswerten Einstellung unter den Arm geklemmt die gefürchtete Flipchart an, mit der anderen Hand trägt er die Aktentasche. Dass auch niemand aus dem Fernsehteam dem alten Mann mal zur Hilfe kommt, Schande über RTL! Im Nachhinein hat sich die ganze Plackerei noch nicht mal gelohnt, denn die Gesamtschuldensumme von 153.400 Euro stammt aus gerade mal drei Posten. Das hätte der Berliner auch in Großschrift auf die Rückseite seiner Visitenkarte pinseln können.

    Der erste Weg führen Zwegat und das Paar zur Sparkasse nach Lüneburg um zu versuchen, die Kreditkündigung rückgängig zu machen. Das tut die Bank leider nicht, aber wenigstens wird die Zwangsversteigerung zunächst ausgesetzt. Die Sechtings sind weiterhin stinkig auf das Institut, aber der Schuldnerberater ist mit dem Ergebnis schonmal ganz zufrieden und will die Zeit nun nutzen, um eine neue Bank zu suchen.

    Wieder zurück in Berlin entdeckt Zwegat in den Unterlagen der Sechtings noch eine Bombe: Sie haben in Panik wegen des gekündigten Kredits einen Kreditvermittler eingeschaltet und das zu einem Zeitpunkt, als der RTL-Mann den Fall eigentlich bereits übernommen hatte. Kreditvermittler scheinen lt. Stimme aus dem Off zu einer verachtenswerten Spezies zu gehören, die andere Menschen in Not oder Unwissenheit schamlos abzocken. Da fallen mir spontan auch noch Abmahnanwälte, Schlüsseldienste oder Bestatter ein, aber das gehört hier wohl nicht hin. Am Ende kommt übrigens heraus, dass der Vertrag inzwischen mangels Kreditabschluss völlig sang- und klanglos ausgelaufen ist.

    Irren ist menschlich und Vergeben ist göttlich. Dieser Devise folgend, verzeiht Zwegat den Sechtings nach anfänglichem Zorn ihren Seitensprung – im Grunde genommen ist er eben doch ein verkappter Gandhi. Und nicht nur das, er wittert auch, dass der arbeitslose Familienvater Michael mit seiner Rolle als unfreiwilliger Hausmann unglücklich ist. Vielleicht, weil der immer so traurig guckt und sich vor der Kamera gelegentlich eine Träne aus dem Auge wischt? Zwegat besucht (allein) die Diplom-Psychologin Adelheid Soundso, die seine dunkle Ahnung bestätigt, dass längere Arbeitslosigkeit am Selbstwertgefühl nagt. Insbesondere bei Männern sei das so, bei Frauen aber auch. Na, das ist ja eine tolle Erkenntnis, Gottseidank haben wir das jetzt mal wissenschaftlich fundiert gehört, da wäre man als normal-bekloppter Fernsehzuschauer niemals von selbst drauf gekommen. ;-)

    Die Volksbank Lüneburg würde den Sechtings ja einen Kredit geben, stellt aber als Bedingung, dass auch Michael einer bezahlten Tätigkeit nachgehen muss. Mit dem zusätzlichen Druck klappt das dann ganz schnell: eins, zwei, drei findet Michael einen Vollzeitjob als Fachberater einer Autoteilefirma in Lüneburg; schon am nächsten Montag geht es los. Die Kinder werden in einem Vollzeitkindergarten untergebracht. Mir ist nur unklar, wie Michael ohne Auto jeden Tag die 60 km nach Lüneburg kommt, denn das braucht schon Claudia für ihren Job.

    Egal, das sind nur Detailfragen, Hauptsache Michaels Psyche kommt aus der Schieflage. Der grinst jedenfalls von einem Ohr zum anderen, als er Zwegat die freudige Nachricht bringen kann. Der beginnt nun zu rechnen, addiert das neue Gehalt zum Familieneinkommen, zieht dreimal Kindergartengebühren plus erhöhten Benzinkosten (aha?!) davon ab und ermittelt summa summarum ein Plus von 87,- Euro netto im Monat. Hmmmmm, das haut einen ja nicht gerade um! Trotzdem sind sich alle Beteiligten einig, dass das die bessere Lösung ist, insbesondere auch deshalb, weil so vielleicht ein Kreditvertrag mit der Volksbank geschlossen werden kann. Daraus wird dann aber doch nichts, aus unerklärten Gründen.

    Tja schade, Schluss der Vorstellung: Die Sendezeit ist vorbei, der Fall ist zwar leider noch nicht gelöst, aber da kann man nichts machen!!! Tatsächlich endet die heutige Folge mit einem unbefriedigenden, fetten Fragezeichen, denn die Sache hängt momentan noch absolut in der Luft. Bislang hat Zwegat für die Sechtings keine neue Bank finden können, ist aber trotzdem mit dem Erreichten zufrieden. Aber warum eigentlich? Außer, dass er Michael gedrängt hat, einen Job anzunehmen, ist doch unterm Strich gar nichts passiert. Die ganze Folge entpuppt sich von hinten betrachtet als Mogelpackung, außer Spesen nichts gewesen, ein Satz mit “x”, das war wohl nix!

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