• Liebe Fans der Romantik und der Landwirtschaft,

    heute ist der große Tag, auf den wir alle schon seit dem letzten Herbst hingebibbert haben: Im “malerischen” Chiemgau heiraten Josef und Narumol! Genau genommen ist das alles schon vor einer Woche passiert, aber RTL hat es mit übermenschlichen Anstrengungen fertig gekriegt, die weltbewegenden Bilder noch für ein paar Tage unter Verschluss zu halten, bis die Quoten-verderbende Fußballweltmeisterschaft endlich vorbei ist. Aber nun, heute Abend, hat man dieses tränentriefende Stück echter Romantik endlich über den Äther gejagt und man kann nur sagen: Was die Fußballer knapp verpasst haben, kriegen Josef und Narumol glatt gebacken, nämlich das deutsches Sommermärchen 2010.

    Schon zu Beginn stimmt uns Inka Bause in einem passend schweinchenrosa Dirndl auf diese Spezialausgabe von “Bauer sucht Frau” ein. Um auch den telemedial Zurückgebliebenen den Einstieg in die heutige Wonnestunde zu ermöglichen, sehen wir zunächst die wichtigsten Szenen aus dem komplett gescripteten Leben des “frommen” Milchbauern Josef und seiner “fröhlichen” thailändischen Wuchtbrumme Narumol, danach erleben wir sie quasi live beim Zusammenstellen einer Liste mit den noch zu erledigenden Dingen, wie etwa “Braukleid kaufe” und “Anzug fuh Jozeff” (O-Ton Narumölchen). Da beide Protagonisten des Hochdeutschen bis heute nicht mächtig sind, müssen alle Texte komplett untertitelt werden. (Man bedenke, dass unsere beiden diesen Service selbst natürlich nicht genießen können, also häufig im sprachlichen Blindflug agieren.)

    Selbstverständlich hat RTL dafür gesorgt, dass auch die vorzeigbarsten anderen Bauernpaare der Staffel zur Hochzeit eingeladen werden, z.B. der angeblich “lustige” Ziegenwirt Willi und seine unübersehbare Freundin Karola aus dem “schönen” Hessen. Sie drohen in einem Extra-Einspieler ihre Teilnahme an und wollen als Hochzeitsgeschenk eine kleine Ziege mitbringen, haben sich die Drehbuchautoren überlegt. Das bedauernswerte Viech wird auf den Namen “Narumol” getauft und kneift dann postwendend aus, was zu einigen Jagdszenen zwischen dem moppeligen Willi und seiner Geschenk-Ziege führt (3 Action-Punkte). Der Klügere gibt nach, die Ziege “Narumol” lässt sich einfangen und damit steht der Reise ins malerische Chiemgau wohl nichts mehr im Wege. Später gibt es noch eine Szene, wie sich Willi und seine ebenfalls Kalorien-affine Freundin Karola mit Gewalt in Lederhosen und Dirndl quetschen. Dieses Vorhaben fand ich aber so unästhetisch, dass ich ehrlich gesagt den Vorspul-Knopf betätigt habe…

    In Bayern beginnt derweil der nächste Akt, nämlich der Kauf des Hochzeitskleides. Narumol (nicht die Ziege) wird vom verklemmt grinsenden Josef über die Schwelle eines Brautmodengeschäfts geschoben und mit einem flüchtigen Kuss verabschiedet, denn bekanntlich darf ja der Bräutigam vor der Hochzeit das Kleid nicht sehen. Gut, dass die Kameraleute von RTL da aus anderem Holz geschnitzt sind, die warten nämlich schon in der Umkleidekabine. Zunächst sieht es so aus, als passe die pummelige kleine Thailänderin in keines der bajuwarischen Tüllgebilde, nur am Bauch sitzen sie eng, ansonsten schlabbert überall der Stoff. Aber schließlich findet sie mit Hilfe der Verkäuferin doch noch den passenden weißen Fummel für ihren Ehrentag. Wegen der fehlenden Ärmel kommt darin das bunte Tattoo auf Narumols Oberarm besonders schön zur Geltung.

    Noch ein paar lästige Störenfriede, die das Brautpaar allerhöchstens flüchtig kennen können, sagen sich zur Hochzeit an: Maurizio, der unechte italienische Holzbauer, dem RTL offenbar zwischenzeitlich die kleinen Hochstapeleien verziehen hat, bastelt mit seiner rothaarigen Zweitbesetzung Claudia an einem geschmacklosen Geschenk, nämlich zweien als Brautpaar verkleideten Weinflaschen. Oh Mann, würde ich so etwas kriegen, gälte mein erster Gedanke der Schaufel (zum Vergraben der Scheußlichkeit). Sehenswert übrigens, wie das Paar zur Autofahrt in das Chiemgau aufbricht: Der drahtig-kleine Maurizio nimmt im schicken grauen Anzug und mit cooler Mafia-Sonnenbrille auf dem Beifahrersitz Platz. Seine einen halben Kopf größere Begleiterin hat sich offenbar insgesamt um ein paar Kleidernummern nach unten vertan, zumindest sehen ihre schwarzen Hochwasserhosen, das viel zu enge Top und der silberne Glitzer-Pailetten-Alptraum dazwischen so aus.

    Jetzt kommen wir zu den Humorpunkten dieser Ausgabe, denn Josef und Narumol werden vom Drehbuch zum Besuch einer Tanzschule gezwungen, etwas, das beide in ihrem bisherigen Leben erfolgreich vermieden hatten. Der Thailänderin von der Ostseeküste fehlt ganz offenbar die nötige sittliche Reife; sie lacht sich jedenfalls beim langsamen Walzer scheckig. Der arme Josef hingegen erledigt auch diesen Programmpunkt mit heiligem Ernst, wie eine weitere Prüfung, die ihm der Herrgott auf dem Weg zu einer “normalen” Familie auferlegt hat.

    Während das Brautpaar ziemlich talentfrei das Tanzen übt, kommen wir zu einem weiteren Gast, den RTL zur Teilnahme an der katholischen Bauernhochzeit verdonnert hat: In Ostfriesland macht sich Jungbauer Carsten daran, sein phantasievolles Geschenk einzupacken, ein (lebendiges) Kalb. Dem fräst er mit dem Kuhrasierer dann auch noch ein albernes Herz in die Seite und tauft das Tier auf den Namen “Treue”. Im Auto ist auch genügend Platz für das Rindvieh, denn Carsten ist wegen seiner ungeschickt-glücklosen Frauenwahl bei BsF wieder Single.

    Zurück im Chiemgau, bekommen wir staunenden Zuschauer ein Stück längst verloren geglaubten Brauchtums präsentiert, das hier, auf der Rückseite des Mondes, noch immer lebendig ist: Es erscheint Connie, der Hochzeitslader. Sein Job ist es, von Hof zu Hof zu gehen und den Termin der Hochzeit bekannt zu geben. Vermutlich gibt es dafür auch noch jedes Mal einen “Kurzen”, aber darüber schweigt sich RTL wegen der frühen Sendezeit aus. In der restlichen Welt sind solche Leute wie Connie seit Erfindung des Postwesens und spätestens mit Einführung des Telefons längst ausgestorben. Hier aber, in Josefs malerisch rückständiger Puppenwelt, haben sie noch eine Existenzberechtigung und sei es, um im Fernsehen als exotisches Urviech begafft zu werden. Wie auch immer, jedenfalls gehört es zum Ritual der Hochzeitsladerei, das Brautpaar zunächst mit einem Schwall bayerischen Gebrabbels zu überschütten; offenbar zählt er die gegenseitigen Pflichten der zukünftigen Eheleute auf. Wie man sich vorstellen kann, geht das an Narumol komplett vorbei und auch der Untertitel-Mensch muss Schwerstarbeit leisten. Danach wird es beschaulicher und wir begleiten Connie, die Fleisch gewordene Einladungskarte, bei seinem Gang durch die – ja – malerische Umgebung, immer auf der Suche nach Opfern, die er in Reimform zur Teilnahme an der Hochzeit überreden kann.

    Aus dem 19. zurück ins 21. Jahrhundert: Josef und Narumol fahren zum Münchener Flughafen, denn RTL hat sich nicht lumpen lassen, Narumols Vater und die Stiefmutter aus Thailand einfliegen zu lassen. Josef ist gespannt, “wie die reagieren”. Hä, wissen die etwa noch gar nicht, dass sich ihre Tochter in Deutschland mit einem bayerischen Hallodri eingelassen hat? Josef lässt sich von Narumol in letzter Sekunde noch schnell in die thailändischen Begrüßungsriten einweisen und begrüßt die Schwiegereltern in spe dann ganz kosmopolitisch mit “Sawaddi khrap!”. Danach war wohl sein Text zu Ende und der Bauer agiert wieder wie gewohnt hölzern, als er den Schwiegervater zur Umarmung wortlos zu sich heranzieht.

    Später auf dem heimischen Hof, den der Schwiegervater in spe wohlwollend mustert, werden Geschenke ausgetauscht. Keine Ahnung, was die Gäste da aus Thailand mitgebracht haben, irgend welche quietschebunten Plastikblumen in durchsichtigen Plastikzylindern. Von hinten souffliert Narumol ihrem Josef die korrekte Dankesformel in ihrer Muttersprache “khop khun krap”, aber offenbar ist sein Vokabellernvermögen für heute erschöpft, denn er radebrecht eher so etwas wie “kon gubb tag” und “kon gut tiab”. Dann kommen noch ein paar exotische Früchte, Mango und Ananas, deren thailändischer Namen “Sapalot” Josef an sein Lieblingswort “Zapperlott” erinnert und bei ihm zu einem ansonsten unverstandenen Heiterkeitsausbruch führt.

    In der Pfalz bereiten sich mit Markus und Tobias zwei weitere noch unbeweibte Veteranen der letzten Staffel auf ihren Einsatz im Chiemgau vor. Wir begleiten sie unfreiwillig beim Kauf von Lederhosen in einem merkwürdigen Trachtenladen in der tiefsten Provinz und man gewinnt so langsam den Eindruck, dass das Drehbuch dieses Mal von einem Amerikaner verfasst wurde, der glaubt, alle Deutschen trügen Krachlederne mit Gamsbarthut oder Dirndl. Ackerbauer Markus muss leider im Laden erkennen, dass sein eher Osterei-förmiger Bauch trotz Anwendung von Gewalt und Luftanhalten nicht in die Hose passt. Er sieht aus wie eine Presswurst und kapituliert zunächst. Dann eben doch im gewohnten grünen Tankwartlook. Aber immerhin finden die beiden Junggesellen beim Trachten-August noch ein passendes Hochzeitsgeschenk, nämlich eine billige bayerische Flagge. Wie gesagt: Schaufel!

    Wir treten nun in die heiße Phase ein: Während Narumols Frisur von einem Heiteitei-Coiffeur mit Unmengen von Spray in Turmform gestylt wird, treffen draußen die von RTL shanghaiten Gäste ein. Angeblich sind unsere beiden Pfälzer Junggesellen den ganzen Weg mit ihren altersschwachen Museumstreckern gefahren, möchte das Fernsehen uns Glauben machen. Die beiden Lederhosen-Deppen – es hat wohl am Ende doch noch geklappt – hissen an Josefs Hof die mitgebrachte weiß-blaue Fahne des Freistaats. Komischerweise hatte Josef schon immer einen Fahnenmast, allerdings keine einzige bayerische Fahne, sagt RTL – und die müssen es ja wohl wissen, denn sie haben Josef selbst erfunden.

    Josef hat sowieso wichtigeres zu tun, denn er kriegt nun zum ersten Mal seine Braut im Hochzeitskleid zu sehen (”wie ein Engel im Himmel”) und übergibt Narumol sein Geschenk, eine Herzchen-Halskette. Danach geht’s mit einer Hochzeitskutsche aus dem RTL-Kitschfundus zur Dorfkirche. Übrigens hat sich bei dieser Gelegenheit auch Jenny, die selten zu sehende Tochter von Narumol eingefunden. Apropos “eingefunden”: Vor der Kirche scheinen neben den zwangsverpflichteten Dörflern auch ganze Horden freiwillig angereister Gaffer von Außerhalb zu stehen, Kameras mit fettesten Objektiven im Anschlag. Vermutlich hat sie Neugier oder Schadenfreude hierher geführt, diese peinlichen Fremdschämtouristen… ;-) Man kann sie leicht daran erkennen, dass sie keine Lederhosen tragen, das Erkennungszeichen der hiesigen Eingeborenenmännchen. Ja, Josef und Narumol sind eben dank Fernsehen und Stefan Raab zu überregionalen Berühmtheiten geworden.

    Nun wird es wirklich Ernst, nach einer letzten Instruktion von der verdirndelten Inka Bause schreiten Josef und Narumol in die festlich geschmückte Kirche. Aus dem Off dröhnt Johann Sebastian Bachs “Air” – ganz offensichtlich von Konserve, denn ein Orchester kann ich nirgends entdecken. (Kleiner Rüffel für das RTL-Scriptgirl: Maurizio trägt in der Kirche plötzlich gar nicht mehr seinen Mafia-Look von vorhin, sondern ordinäre Straßenkleidung!) Dann kommt ein echtes Highlight, nämlich der Pfarrer-Darsteller. Im RTL-Perückenlager hat man sich vermutlich etwas in der Kiste vergriffen, der weiß-blonde Pelzfifi passt eher zu einem wuscheligen Gärtner als zum Geistlichen. Naja, ist eh Wurscht, die Veranstaltung ist sowieso nicht ganz echt, wie ich an dieser Stelle mal eben stimmungstötend einflechten muss: Bekanntlich gibt es keine amtliche Trauung, weil Narumol ihre schöne Witwenrente von Josefs Vorgänger nicht aufs Spiel setzen will. Damit kann es dann auch keine kirchliche Trauung geben und die heutige Show ist also eher als eine Art “Segnung” aufzufassen.

    Nun denn, also zurück zu dem Priesterimitatoren, dem mit der wüst-weißen Gärtnermatte. Von weitem und ohne Brille besehen, erinnert er mich sogar etwas an Hella von Sinnen – in Verkleidung. Vielleicht genau deshalb kriegt Narumol beim Höhepunkt der Veranstaltung bedauerlicherweise einen Lachanfall, gerade in dem Moment, als ihr der fast schon angetraute Milchbauer den Ring an den Finger stecken will. Während Josef mit den feierlichen Worten “ich stecke Dir den Ring an im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes” an den Patschegriffeln seiner Perle herumfingert, prustet diese wenig ergriffen und Lachtränen laufen ihr die roten Bäckchen herab. Aber die kleinen Sünden bestraft der Liebe Gott bekanntlich sofort: Als die Reihe nun an Narumol kommt, versemmelt sie nicht nur total den obigen Segensspruch, sondern kriegt auch den Hochzeitsring ihres Bräutigams nicht über dessen derb-bäuerlichen Finger. “Gehk nich’ raain” lautet ihr unüberhörbarer Stoßseufzer, doch dann flutscht die Sache am Ende doch noch. Die Gemeinde lacht amüsiert und der Pfarrer erlaubt Josef nun, zum Ende des Gottesdienstes die Braut zu küssen.

    Die Gemeinde verlässt die Kirche, Inka stellt sich dem Brautpaar noch mit ein paar lapidaren Fragen für das Fernsehpublikum in den Weg und dann besteigen unsere beiden Frischvermählten die Hochzeitskutsche. Narumol kann das alles noch nicht richtig fassen und initiiert den folgenden denkwürdigen Dialog: “Ick bin Babaala!” “Was heißt das?”, fragt Josef. “Datt heiß’ uuberglucklick”, erhält er zur Antwort. “Auf Thailändisch?” “Neee, auf Deutsch!”. Oh Mann, das kann ja noch lustig werden.

    Hinterher geht’s direkt zum Festzelt, das das Fernsehen hat aufstellen lassen. Hier treffen wir auch alle anderen Bauern wieder und Inka, die dann als Riesen-Hochzeitsgeschenk von RTL verkündet: Josef und Narumol bekommen eine zweiwöchige Reise in die Flitterwochen nach Thailand, in Narumols Heimat. An dieser Stelle ahnen wir natürlich alle schlagartig, woher das nächste BsF-Special kommen wird…

    Anschließend dürfen auch die so genannten “befreundeten” Bauern, gemeint sind die BsF-Leidensgenossen, ihre Geschenke abgeben. Wenn man einander so lange und innig kennt, wie Narumol und Josef die beiden Nervbolde Willi und Karola (nämlich genau einmal beim Scheunenfest gesehen), versteht man auch die Großzügigkeit ihrer Mitbringsel. Wie oben schon angedeutet, haben die dauerlachenden Hessen ein Zicklein auf den Namen “Narumol” getauft und übergeben dieses jetzt mit großem Brimborium an die frischgebackenen Eheleute. Das Tier bedankt sich für die Aufmerksamkeit auf seine eigene Weise und strullert hingebungsvoll eine große Pfütze auf die Festzeltbühne. (Was für ein Glück, dass sie keinen Elefanten geschenkt bekommen haben.) Danach kommt Friesenkopp Carsten mit seinem schwarz-weißen Lebendgeschenk, der zukünftigen Wurstlieferantin namens “Treue”. Carsten wirkt übrigens wie ein Alien zwischen all den anderen Gästen, denn er trägt beinahe als einziger Mann keine Lederhosen. Die heutige Sendung klingt aus mit dem Ehrenwalzer von Josef und Narumol, den man uns wohlwissend nur in Zeitlupe und mit anderer Musik unterlegt vorführt. Danach geht es feucht-fröhlich weiter, wir sehen unsere Bauern schunkelnd, tanzend und singend die Nacht zum Tag machen.

    Und damit schließt sich der Kreis der 2009er-Staffel vom Scheunenfest vor gefühlten 100 Jahren bis hin zum heutigen Hochzeitsfest im malerischen Chiemgau. Wer denkt, es gäbe keine Romantik mehr oder Bauern seien schlauer als ihr Ruf, sieht sich spätestens heute Abend widerlegt. RTL hat sich diesmal selbst übertroffen und mit Josef und Narumols Eheschließung eine komplett am Schreibtisch der Drehbuchautoren entstandene Kunstwelt zusammengeklöppelt. Aber ehrlich gesagt können wir ja angesichts der zahlreichen Krisen der letzten Wochen auch mal eine kurze Auszeit von Ölpest, Bundespräsidentenflucht und WM-Halbfinale-Versemmelung gebrauchen und da kommt uns diese schamlos-kitschige Verfilmung von Omas Poesiealbum gerade recht.

    So wie ich die Gier der RTL-Bauernfänger einschätze, werden sie unbedingt noch ein Thailand-Special dranhängen, in dem wir erleben können, wie sich Josef in Narumols Heimat zum Volldepp macht und damit bei uns Fremdschäm-Junkies vor den Fernsehapparaten für wohlige Schauer sorgt. Ich melde mich dann natürlich wieder, bis dahin noch einen schönen Sommer…

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  • Liebe Freundinnen und Freunde der rustikalen Unterhaltung,

    urlaubsbedingt komme ich leider erst heute dazu, den Jahrgang 2010 an Möchtegern-Kandidaten der Agrar-Kuppelshow “Bauer sucht Frau” durchzuhecheln. Inka Bause schämt sich diesmal nicht, ganze 14 bedauernswerte Exemplare der Spezies “Lonesome Farmer” aus ihren Höhlen ins Scheinwerferlicht der erstaunten Öffentlichkeit zu ziehen. In der heutige “Spezialausgabe” von BsF präsentieren sich die Bauern von ihrer angeblichen Schokoladenseite, es handelt sich quasi um verfilmte Kontaktanzeigen. Welche Frau bzw. welcher Mann mediengeil genug ist, auf die Avancen zu reagieren und was am Ende daraus wird, sehen wir dann vermutlich im Herbst dieses Jahres, “gleiche Welle, gleiche Stelle”. Genug gelabert, nun wollen wir doch mal sehen, welchen Unsinn sich die Schreiberlinge von RTL ausgedacht haben und öffnen das Panoptikum der Landeier.

    Inka Bause ergeht sich zunächst in einer Schulterklopfarie in eigener Sache, denn sie zählt die größten Kuppel-Erfolge der letzten Jahre auf: Ackerbauer Jürgen und seine Julia haben bereits Nachwuchbäuerchen produziert und der fromme Milchbauer Josef lebt mit seiner Narumol weiterhin glücklich im malerischen Chiemgau.

    Bei einem dritten Landwirt macht sie es spannender, denn den singenden Schäfer Heinrich aus dem Sauerland, einen Restposten aus einer früheren Staffel, erleben wir zunächst nur in Rückblenden. Nach zwei Fehlschlägen gewährt ihm RTL diesmal noch eine letzte Chance. Obwohl Heinrich modetechnisch mit seinem schräg-karierten Polyacryl-Pollunder und der fadenscheinigen Specktolle eigentlich eher Fluchtreflexe wecken müsste, scheint sein stockend und in rührender Einfalt vorgetragener Aufruf an die Holden dieser Welt bei Raumpflegerin Melanie tatsächlich verfangen zu haben. Und nicht nur das: Wir haben Glück, dass RTL offenbar vor kurzem die Zeitreise erfunden hat, denn das Fernsehteam ist zufällig dabei, als Melanie die Sendung sieht und wir können ihr über die Schulter schauen, wie sie die Postkarte an RTL schreibt, aufgrund derer später das Fernsehteam bei ihr erscheint um zu filmen, wie sie die Karte schreibt aufgrund derer das Team bei ihr erscheint… usw. Ja, um sich hier als Zuschauer nicht fortwährend mit der flachen Hand vor die Stirn zu schlagen, sollte man entweder volltrunken oder Vollidiot sein.

    Wie auch immer, jedenfalls sehen wir in der nächsten Szene, wie Schäfer Heinrich ziemlich gehemmt mit Melanie auf einer Parkbank sitzt, auf dem Kopf eine unsäglich dämlich aussehenden Trachtenkappe. Im Hintergrund spielt RTL die bekannte Miss-Marple-Melodie, während die beiden Laiendarsteller durch den vorgegebenen Text holpern. Der zur Belohnung von RTL organisierte Besuch von Melanie im Sauerland fällt natürlich derb-rustikal aus, eben nach BsF-Standard und ohne Rücksicht darauf, dass die Protagonisten eventuell an diesem Ort weiterhin leben wollen. Heinrich holt Melanie selbstverständlich in vollem Schäfer-Ornat mit Schäferhund und Bollerwagen von der Bushaltestelle ab. Wenigstens haben die Fernsehfuzzis nicht auf das Mitbringen der gesamten Schafherde bestanden… Ebenfalls schon BsF-Standard ist die ältliche Mutter des Bauern, die die Möchtegern-Schwiegertochter kritisch beäugt, um dann im geeigneten Moment anzugreifen und die Liaison mit drei, vier Silben zu beenden. (Wir erinnern uns dankbar an die Küchenszene von Dieter und Heike in der letzten Staffel.)

    Diesmal läuft es für die Bewerberin besser, denn Melanie hat für Heinrichs Mutter ein selbstgesticktes Kitschbild dabei und kriegt von dieser postwendend bescheinigt, sie mache einen “akkuraten” und “sauberen” Eindruck. Na, da ist das Happy-End ja schon vorprogrammiert… In einer nicht enden wollenden Folge weiterer Szenen erleben wir Melanie dann vor, während und nach dem Probekochen unter den milden Augen ihrer möglicherweise zukünftigen Schwiegermutter. Es gibt Wurstgulasch und jede Menge völlig sinnfreies Gelaber aller Beteiligten, dessen Wiedergabe ich mir schenke. Die Drehbuchschreiber lassen das Ganze in dem inszenierten Versuch des singenden Bauern gipfeln, sich seine Auserwählte mit einem Glas Schampus gefügig zu machen. Das geht zunächst etwas nach hinten los, denn Heinrich zeigt sich dem Umgang mit Schaumwein nicht gewachsen und Melanie muss die Sache in die Hand nehmen. (Vielleicht sollte man beim nächsten Mal lieber ein Getränk mit Schraubverschluss nehmen.) Hinterher, so hat RTL es beschlossen, dürfen die beiden etwas miteinander kuscheln und Heinrich überreicht Melanie dafür zur Entschädigung ein zusammengerolltes Schafsfell. Lauf, Melanie, lauf, lauf, LAUF!!!! (BTW: Wieso eigentlich “singender” Schäfer, habe ich da etwas verpasst bzw. ist da ein Kelch an mir vorüber gegangen?)

    Schnell geht es zum ersten Neubewerber, dem 28jährigen Milchbauern Volker aus Ostfriesland. Die Rolle des beknackten Friesen wurde in der letzten Staffel von Claus Clausen gespielt, der damals übrigens nur aufgrund einer Wette seinen Allerwertesten in die Kamera geschubbert hatte, wie sich nachträglich herausstellte. Volker wird wohl versuchen, den Ruf der Nordlichter wieder etwas gerade zu rücken. Er wirkt eigentlich ganz freundlich, hat aber die bedenkliche Angewohnheit, alle seine Kühe beim Namen zu nennen. Seine Vision von Romantik ist es, mit seiner Traumfrau ein Picknick am Strand zu machen und sich dabei den Sonnenuntergang anzusehen. Ach ja, sportlich-schlank soll die Betreffende sein und kochen und tanzen soll sie auch können, darauf legt sich Volker schon mal fest. Zuschriften bitte an den RTL-Landfunk.

    Jetzt springen wir in den “herrlichen” Odenwald, wo der unbeweibte “romantische” Bio-Bauer Johannes haust, dem nicht nur die richtige Frau, sondern offenbar auch der Frisör fehlt. Zusammen mit ihm, seinem Vater und dem Hund Rex leben zahlreiche Pferde, Rinder, Schafe, Gänse, Enten, Hühner, Tauben und Karnickel auf dem Hof. Die Anforderungen an die Bewerberinnen sind recht konkret: Groß, naturverbunden, 30 bis 40 Jahre alt, humorvoll, aber nicht streitsüchtig. Also alle Frauen aufgepasst, die mal einen sesshaft gewordenen Späthippie entlausen wollen, der Johannes wirkt nicht unsympathisch…

    Weiter geht’s nach Nordhessen zum sportlichen, unternehmungslustige, aber einsamen Kleinbauern Norbert. Was ist denn bloß ein “Kleinbauer”, etwa so ein laufender Meter wie Dieter aus der letzten Staffel? Norbert ist mit 60 Jahren jedenfalls schon ein paar Semester älter und sensibel, wie RTL eben ist, kriegt er deswegen als Hintergrundmusik einen der letzten, schon etwas altersschwach klingenden Titel des seligen Johnny Cash. Aber eigentlich wirkt Norbert ganz nett, auch wenn der erste und zweite Lack (und die Haarpracht) schon etwas ab ist. Wie hörte ich doch gerade neulich in einer der Heidi-Kabel-Gedächtnis-Wiederholungen vom Ohnsorg-Theater: “Auch der Herbst hat noch ein paar warme Tage.”

    Und wieder retour in den Süden, nach Oberbayern, wo der “gemütliche” Gemüsebauer Markus bislang vergeblich nach Liebe und Zärtlichkeit sucht. Stattdessen steckt er seine Energie vor allem in die Aufzucht von Salat, Paprika, Tomaten usw. Hier und da scheint er auch ein paar ungesünderen Genüssen nicht ganz widerstehen zu können, worauf seine – sagen wir mal – eher knuffige Gesamterscheinung schließen lässt. Vollmondgesicht, unmodische Brille und hautenges Karohemd tun ihr übriges, so dass Markus bereits im eher zarten Alter von 24 Jahren den frauentechnischen Offenbarungseid leisten und Inka Bause zu Hilfe rufen muss.

    Eher originell mutet der nächste Bewerber an, der hier nur unter seinem Künstlernamen Lämmes auftritt und auch ansonsten einen, hmmm, eher speziellen Eindruck macht. RTL betitelt den 39jährige als “ehrlichen” Schäfer, womit ja dann im Umkehrschluss wohl alle anderen Schäfer generell als unehrlich zu gelten haben. Lämmes wohnt in der Eifel mit 100 Schafen und 20 Hasen, die lt. Inkas Off-Kommentar aber nicht die Sehnsucht in seinem Herzen stillen. Das wäre ja auch noch schöner. Also, Frauen dieser Welt, vielleicht ist Lämmes ja genau der ungeschliffene Rohdiamant mit einem Schuss Exotik und leichtem Stich ins Sonderbare, auf den Ihr immer gewartet habt.

    Als nächster Kandidat kriegt nun der – man ahnt es – “lustige” Ackerbauer Willy aus der nordhessischen Provinz die Chance, sein Leben nachhaltig durch eine Beziehung zu vermurksen. Willy könnte man getrost als Spätentwickler bezeichnen, denn jetzt, im gesegneten Alter von 48 Jahren, fühlt er sich endlich reif genug für seine erste Freundin. Aber auch bei RTL läuft in diesem Fall wohl etwas quer, denn wir sehen den angeblichen “Ackerbauern” bei der Arbeit im Kuhstall – bei seiner Berufsbezeichnung hätte ich eigentlich eher mit Rüben oder Kartoffeln gerechnet. So kann man sich irren als blöder Städter… Übrigens gestattet das Fernsehen Willy noch einen Bonustrack, der darf nämlich eigenhändig noch ein paar liedähnliche Tonfolgen aus dem Akkordeon absondern, allerdings bezweifle ich, dass er damit bei hörenden Damen sonderlich Eindruck schindet, eher im Gegenteil. Sehenswert sind allerdings die kulinarischen Fähigkeiten des Bauern: Er schmiert sich das wahrscheinlich dickste Wurstbrot aller Zeiten und mümmelt es direkt vor der Kamera auf. Mahlzeit! Mit einem schiefen Grinsen verabschiedet sich Willy einstweilen und wir ziehen weiter in der ultimativen Chartshow für grenzdebile Dorftrottel.

    Nun kehren wir zurück in die Eifel, eine in Beziehungsfragen offenbar besonders notleidende Region (siehe oben “Lämmes”). Diesmal trifft es die Quad-fahrende Kuhbäuerin Karina. Mit 26 Jahren noch unbemannt, da macht sich frau schon so langsam Gedanken. Von ihrem Traumprinzen hat sie ziemlich konkrete Vorstellungen: Sie sucht einen lieben, treuen, netten, tierlieben, großen, ggf. kräftigen Mann, unbedingt mit “vollem Haar”.

    Die Beschreibung passt gleich auf unseren nächsten Kandidaten, den “charmanten”, dauergrinsenden 43jährigen Schweinebauern Harald aus dem “idyllischen” Mittelfranken. Zwar wartet der schon seit 15 Jahren auf eine holde Maid und ist demzufolge auch schon leicht angegraut, hat allerdings tatsächlich noch eigene Haare und ist schon berufsbedingt sehr tierlieb. Was es mit den 15 Jahren Wartezeit genau auf sich hat, erklärt uns RTL nicht, aber man muss und will ja auch nicht alles wissen. Harald behauptet jedenfalls, tierisch gut drauf zu sein, holt zum Beweis sein Motorrad aus dem Stall und brettert damit einmal quer durchs Bild hinein in die mittelfränkische Pampa.

    Und wieder zurück ins “schöne” Sauerland. Man sollte eigentlich denken, Bauer Heinrich, der angeblich singende, habe sämtliche RTL-Bonuspunkte für diesen Landstrich auf Jahre hinaus verbraucht. Aber das geht wohl nach anderen Kriterien, jedenfalls kommen wir jetzt zum erst 21jährigen Rinderwirt Lukas. Der wohnt zwar noch mit seinen Eltern unter einem Dach fühlt sich aber, so behauptet Inka aus dem Off, tief in seinem Herzen einsam. Seine zukünftige Partnerin sollte aufgeschlossen gegenüber anderen Menschen sein und “gepflegt rüberkommen”. Da scheinen wohl die Eltern ein nicht unerhebliches Wörtchen bei der Partnerwahl mitreden zu wollen, das hört sich für mich jedenfalls nicht nach den Eigenschaften an, mit denen andere 21jährige ihre Freundinnen aussuchen. Mal sehen, wie viele “gepflegt aussehende” Damen es sich mit dem Rinderwirt vor dem Kamin in seinem vollvertäfelten Jungszimmer gemütlich machen wollen…

    Auch Ostfriesland kommt nun schon zum zweiten Mal, denn hier lebt der “fesche” Rinderwirt Holger, der uns gleich alle relevanten Daten aufnötigt: 42 Jahre alt, 182cm groß, 85kg schwer, 50 Kühe und 60 Jungtiere. Toll. Ach ja, seine Zukünftige soll schlank und tierlieb sein und seinem Fortpflanzungswunsch (”Ableger”) möglichst aufgeschlossen gegenüber stehen.

    Der “treue” Getreidebauer Christian stammt aus Niederbayern, steht in seiner etwas zu engen knallroten Jacke vor einem blühenden Rapsfeld und sagt sein auswendig gelerntes Sprüchlein in die Kamera. Hinterher knattert er dann noch mit einem leicht museal aussehenden Trecker über die Felder. Dochdoch, er wirke zwar äußerlich etwas tough, habe aber innen drin einen butterweichen Keks Kern, versichert der 37jährige. Seine Traumfrau solle schlank sein, einen Bauch habe er schon selbst, lacht der Landmann. Mein Finger auf der Fernbedienung zuckt unwillkürlich…

    Der “herzliche” Nordhesse Marcel ist 28 Jahre alt, züchtet Schafe und sucht – wen überrascht es noch? – die Frau fürs Leben. “Herzlich” ist bei RTL immer ein Synonym für undürr, um nicht zu sagen: mopsig. Marcel teilt sich seine Bleibe mit den Eltern und einem Opa; die Zukünftige sollte also nicht nur tierlieb sein, sondern auch etwas für äh, sagen wir mal “Nestwärme” übrig haben.

    Und JAAAAAAA, nun kommt ganz unverhofft ein kurzes Zwischenspiel im “malerischen” Chiemgau beim verstockt-katholischen Josef und seiner fernöstlichen Perle Narumol, den unangefochtenen Superstars der letzten BsF-Staffel. Kurz vor der im Juli geplanten Hochzeit geht es heute um den weltbewegenden Epochalvorgang des Weißwurstkochens. Leider hat die RTL-Patte noch immer nicht für den Volkshochschulkurs “Deutsch für Anfänger” gereicht, aber das würde ja andererseits auch den Dolmetscher arbeitslos machen, der das unverständliche Gebrabbel der beiden Protagonisten als Untertitel ins Bild tippt. Josef hat wohl irgendwie die Regieanweisungen des Fernsehens missverstanden, denn er hantiert völlig overdressed im grünlichen Abendanzug in seiner Küche herum und auch Narumol sieht mit ihrem lebhaft blauen Kleid nicht unbedingt so aus, wie ich mir die typische Kuhbäuerin in einem Kaff am Rande der bewohnten Welt vorstellen würde.

    Nach einem in heiligstem Ernst vorgetragenen Stoßgebet nehmen die beiden am bäuerlichen Küchentisch Platz und beginnen mit der Einnahme des aus je einer (!) Wurst bestehenden Mittagessens. Josef betreibt weiterhin Narumols möglichst vollständige Assimilierung der seit Jahrhunderten bewährten bayerischen Lebensart. Heute bringt er ihr den korrekten, aber unappetitlich anzusehenden Verzehr der Wurst bei, indem er die Wurstmasse aus dem Darm lutscht und saugt (der Bayer sagt “zuzelt”). Gut, dass ich heute Abend schon gegessen habe – im Gegensatz zur armen Narumol. Für Josef haben die RTL-Schreiberlinge hinterher noch einen Text zusammengeklöppelt, der komplett untertitelt werden muss und nicht nur linguistisch grenzwertig bleibt. Während im Hintergrund mal wieder die Titelmusik von “Dick und Doof” spielt, dankt Josef nämlich dem Lieben Gott dafür, eine bayerische Freundin gefunden zu haben. Hä??? Also weniger bayerisch, als eine in Kiel lebende Thailänderin, die Weißwurst hasst, geht es doch kaum noch.

    Zurück zum Alltagsgeschäft, es geht ins “beschauliche” Baden-Württemberg zum “schüchternen” Schwaben Martin. Ach, ich liebe bei dieser Sendung die inflationäre Verwendung euphemistischer Adjektive, die gelegentlich einen Aszendenten ins Groteske haben. Besonders die Dopplung der Anfangsbuchstaben kommt immer gut: der “fesche Friese”, der “herzliche Hesse”, der “gemütliche Gemüsebauer”, der “singende Schäfer” und jetzt eben der “schüchterne Schwabe”. Dagegen warte ich noch immer auf den “widerlichen Westfalen”, den “fetten Franken”, einen “renitenten Rheinländer” oder den “dämlichen Dithmarscher”. Aber das kommt vielleicht noch mal irgendwann. Zuerst aber kommt, wie gesagt, der “schüchterne” Schwabe Martin. Mit Schüchternheit allein kann man nicht viel Geld verdienen, deshalb hat sich der 29jährige den hoch angesehenen Job des Hühnerbauern zugelegt. Gemüse züchtet er eigentlich auch, aber das liefert nicht so tolle Bilder, wie der Umgang mit dem Federvieh. Ob seine etwas gehemmt wirkende Vorstellung zu positiver Resonanz bei der Damenwelt führen wird, scheint mir fraglich, zu wünschen wäre es ihm aber.

    Der letzte Kandidat ist der “rüstige” Hühnerwirt Gerhard aus der Oberlausitz, der mit seinen 67 Jahren möglicherweise den Allzeit-Rekord für den ältesten BsF-Bewerber aufstellt. Aus naheliegenden Gründen verzichtet Gerhard auf eine Spezifikation seiner Möchtegern-Partnerin, er nimmt im Grunde genommen alles, was auf zwei Beinen daherkommt.

    Das war’s, das sind die Bauern der 2010er-Staffel von Inkas Kuppelshow. Irgendwann im Spätherbst sehen wir uns wieder, wenn es draußen ungemütlich kalt wird und das Weihnachtsfest in greifbare Nähe rückt. Kurz vor dem Fest der Liebe kommt das Fest des Fremdschämens, bei RTL auch “Scheunenfest” genannt. Dann sitzen wir Zuschauer für ein paar Wochen gebannt bis amüsiert vor den Bildschirmen und wärmen Herzen und Zwerchfell an den rührend-naiven Versuchen der Bauern, ihrem Schicksal als Single zu entfliehen. In der Regel geht das ja aus wie das Hornberger Schießen, wenn man sich mal die Abschlussbilanz der 2009er-Staffel ansieht.

    Eine Ausnahme gibt es allerdings, hier hat Gott Amor himself die Hand im Spiel gehabt und zwei wahrhaft Liebende zusammengeführt, deren Schicksal zeigt, dass die Globalisierung auch ihr Gutes hat: Josef und Narumol. Wie ich schon vor langer Zeit (aber IRONISCH) vermutet hatte, werden die beiden nun tatsächlich am 12. Juli 2010 vor laufenden Kameras im – hatte ich das schon gesagt? – malerischen Chiemgau in den heiligen Stand der Ehe treten. Ich werde natürlich an dieser Stelle meinen lästerhaften Segen zu dieser Verbindung geben. Und selbstverständlich etwas zeitnäher als bei der Sendung vom 24.05.2010, versprochen.

    Erst Kronprinzessin Viktoria von Schweden und ihr Fitnesstrainer Daniel, nun Josef und Narumol, welche romantischen Überraschungen hält das Jahr wohl noch für uns bereit, vielleicht eine Hochzeit im Hause Ludolf??? Wer weiß…

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  • DSDS (RTL) 07.01.2010 No Comments

    Hurra, hurra, DSDS ist wieder da!!! Für alle Fans öffentlicher Demütigungen und abartiger Musikgenüsse ist heute noch mal Weihnachten, denn “Dieter spielt den Sensenmann” (DSDS) geht in die siebte Runde!!! Während draußen Väterchen Frost uns klimakatastrophenverwöhnten Warmduschern zeigt, was unsere Großeltern unter “Winter” verstanden, führt in der Glotze Dieter Bohlen sein nicht weniger frostiges Regiment. Unter seinen strengen Augen und Ohren zerplatzen (hoffentlich) wieder reihenweise die Karriereträume überambitionierter Teenager, die irrtümlich glauben, singen zu können und die entweder gar keine oder jedenfalls keine musikalischen Freunde haben, die sie rechtzeitig aufhalten konnten. Das wäre ja auch blöd für uns andere, die wir gemütlich mit Salzstangen und Cola vor den heimischen Fernsehern dabei sein wollen, wie vermeintliche Jung-Madonnas oder Nachwuchs-James-Blunts von einem Typen zerlegt werden, der es mit ganzen drei Akkorden zum zig-fachen Plattenmillionär geschafft hat. Und dem die ganze Republik zu Füßen liegt, weil er sich trotz seiner immensen Erfolge nicht verändert hat, sondern immer noch genau derselbe liebenswert-unsympathische Kotzbrocken geblieben ist.

    Es geht los mit einem dramatischen Trailer mit einer sich drehenden Weltkugel, über die ein kleiner Düsenjet hinwegsaust, dazwischen sind (wie passend) Bilder von Naturkatastrophen, wie Vulkanausbrüchen und Flutwellen, geschnibbelt. Am Ende entsteigt “Deutschlands härteste Jury” dem Flugzeug, nämlich Volker Neumüller, Nina Eichinger und eben Dieter Bohlen (mit alberner 3D-Brille auf der Nase). Letzterer hat übrigens ein Gelübde abgelegt, zukünftig auf Kraftausdrücke zu verzichten; für jedes “Scheiße” will er nun einen Euro in ein Sparschwein werfen. Angeblich gab es diesmal 35.000 Bewerber um die Plätze in Onkel Dieters Talentquetsche, ein neuer Rekord. Wenn das so weitergeht, tummeln sich bei der 15. Staffel mehr Leute vor der Kamera als vor der Glotze…

    Der eigentliche Spaß beginnt mit einem ersten kurzen Delinquenten-Trailer: Christian Soundso, 22, aus Dessau “bei Sachsen-Anhalt” (!) bastelt gern mit Kastanien und füllt die ihm vergönnten Sekunden im Rampenlicht ansonsten mit einer Klage über sein nicht existierendes Sexualleben. RTL lässt keine noch so blöde Pointe ungenutzt, filmt Christian bei einigen spontanen Liegestützen auf dem Rasen und unterlegt die Übung mit Stöhngeräuschen aus dem Tutti-Frutti-Archiv. Jeder halbwegs mit der DSDS-Materie Vertraute weiß: Wer schon im Einspieler dermaßen verarscht wird, kann sich das Singen absolut sparen… aber bitte, wenn er unbedingt will, lasst die Spiele beginnen. :-) Christian gibt irgendeinen englischen Musical-Titel zum Besten, hat damals in der Schule aber wohl leider die Stunde mit dem “th” geschwänzt. Während Nina und Volker noch versuchen, ihr “Nein” freundlich zu verpacken, lacht sich Dieter erst ungehemmt kaputt, muss dann wegen des verbotenen Wortes den ersten Euro ins Sparschwein werfen und schickt den Jungen schließlich mit “ein Froschfurz hat mehr Power” in die Garderobe.

    Dann kommt Helmut Orosz aus Braunschweig, Kampfname “Helle”, der schon mal das bei RTL wichtigste Rüstzeug für einen angehenden Superstar mitbringt, nämlich die private Tragödie: Er hadert mit seinem Namen, also Helmut, der passe nicht zu ihm. Stimmt, finde ich auch, er sieht viel eher wie ein Erwin oder Franz-Herbert aus. Irgendwie habe ich auch den Eindruck, ihn schon mal bei “Big Brother” oder einer anderen Intellektuellensendung gesehen zu haben, kann mich aber nicht genau erinnern. Mit 30 Jahren steht Helle unmittelbar vor dem DSDS-Alterslimit – die Torschlusspanik hat ihn wohl jetzt in Dieters Arme getrieben. Sein Beruf als Straßenmusiker verschafft ihm die nötige Routine und mit “Summer of 69″ und seiner Gitarre spielt er sich mühelos in den Recall.

    Isabell ist 20 Jahre alt, Friseurin, kommt gleich mit kleinem Möchtegern-Manager und kann bedauerlicherweise nur mit ihrem iPod im Ohr singen. Das wirkt ziemlich dämlich, weil sie in Ronan Keatings “When you say nothing at all” immer lange Pausen macht, wenn im Titel – unhörbar für Zuschauer und Jury – nur die Instrumente spielen. Als dann auch noch mittendrin der Player seinen Geist aufgibt, stoppt die Jury die ganze Sache. Gleich mehrere Euros klimpern in Dieters Schweinchen, dazu kommen noch ein paar nette Sprüche für Isabells Heimweg: “ich sehe völlige Talentfreiheit” und “von zehn Tönen triffst Du elf nicht”. Die so verkannte Künstlerin verzieht sich, hat aber leider wohl ihre Lektion nicht gelernt und mault draußen noch ein paar grammatikalisch verunglückte Schmähungen gegen Dieter in die Kamera.

    Dann verarscht RTL in einer kurzen Sequenz einen chinesischen Jungen mit Gitarre, der ausgerechnet das Jahrzehnte alte Deppenlied “Drei Chinesen mit dem Kontrabass” bringt, leider den Text nicht voll drauf hat und nach Dieters Meinung auch sowieso nicht singen kann. Die DSDS-Komiker reiten in den Begleitanimationen darauf herum, dass der Chinese an sich angeblich – oder wirklich? – statt “R” immer ein “L” spricht. Mann, hab’ ich gelacht. :-(

    Nicht gerade mit Model-Maßen gesegnet, schubbert sich nun die etwas orientalisch aussehende, sympathische Berlinerin Katarina im (zu) kleinen Schwarzen und mit hochhackigen Schuhen auf die Bühne. Ihren Nachnamen habe ich nicht verstanden, klang möglicherweise iranisch. Verheiratet und bekindert ist die Gute mit ihren 22 Jahren auch schon, die Hintergrundgeschichte passt also bestens. Noch bevor sie den ersten Ton gesungen hat, staunt die Jury erstmal über ihre 280 Euro teuren Schuhe (”das darf mein Mann aber nicht wissen”), die trotzdem tierisch drücken und die sie denn auch unter großem Gelächter aller Anwesenden sofort auszieht. Leider war das schon der bessere Teil der Performance, ihr Gesang ist reichlich dünn und schief. Mit einem so genannten “freundlichen Nein” wird sie von der Jury verabschiedet.

    Nun kommt wieder ein kurzer Schnelldurchlauf mit vier, fünf Trümmern aus dem Kandidaten-Flusensieb, bei dem uns Außenstehenden schleierhaft bleibt, welcher Titel wohl gemeint war. Für die DSDS-Novizen sei das nochmal erklärt: RTL sortiert die Kandidaten in drei Kategorien. Die überwältigende Mehrheit ist Mittelmaß und wird sofort nach Hause geschickt. Nur wer so richtig mies ist, darf in den Casting-Folgen zwecks öffentlicher Hinrichtung rein zu Onkel Dieter. Lediglich die paar Glücklichen, die entweder singen können oder mit einer tränentriefenden Homestory gesegnet sind, sehen wir ab dem Recall wieder. Sie werden dann Woche für Woche weiter zerpflückt und größtenteils ebenfalls mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt. Nur die allerletzten Finalisten, bei denen in Bohlens Augen Euro-Zeichen zu leuchten beginnen, haben eventuell als C-Prominente Aussicht auf ein paar kurze Wochen im Rampenlicht.

    Die Zeit der “Superstars” endet unwiderruflich, wenn Stefan Raab aufhört, sie in “TV-Total” zu verarschen. Nun folgt der Abstieg: Erst sieht man sie hin und wieder noch als Ein-Zeilen-Stichwortgeber in einer der zahllosen Folgen der “ultimativen Chart-Show” oder gelegentlich auch als Kochlegastheniker in einem Promi-Küchenduell. Hier oder da rettet sich mal ein Kandidat mit einer spektakulären Großtat zurück in die Schlagzeilen, z.B. indem er besoffen in einen Gurkenlaster brettert oder sich zur Frau umoperieren lässt, aber das hält meist nicht lange. Die letzten Zuckungen kommen dann entweder als Promi-Imitation im Big-Brother-Container oder beim Maden-Essen in der medialen Reste-Verwertung der RTL-Dschungelshow… Es sei denn, man mutiert zu Dieters musikalischem Hofnarren und ist dazu verdammt, auf ewig dessen Lieder zu trällern, so wie Mark Medlock. :-)

    Genug philosophiert, nun wird es peinlich, denn jetzt folgt der offenbar nachnamenlose 18jährige Marcel aus Bonn, der mich schon zu Beginn fatal an die Heulsuse Stephan Darnstaedt aus der dritten Staffel erinnert. Seine Eltern schieben ihn die Treppe zum Studio hinauf, wobei der Vater die schlaue Bemerkung “was ich an Bohlen gut finde, ist die Direktigkeit” in die Kamera fallen lässt. Diese Peinlichkeit wird vom Sohnemann aber mühelos übertroffen, als ihn Dieter Bohlen schon bei seiner Begrüßung mit “hast Du Dir in die Hose gepischert?” unterbricht. Betretenes Schweigen. Für Sekunden scheint die Welt still zu stehen. Kann das sein, hat er das wirklich gesagt? Der Zuschauer wird zum Gaffer, vergisst sogar das Kauen und Schlucken und springt zum Fernseher: Ist da wirklich was zu sehen? Tja, hier ist er wieder, der Moment zum Fremdschämen: Marcel war wohl etwas zu aufgeregt und schwupps, hatte seine Jeans einen deutlich sichtbaren Fleck an strategisch eindeutiger Stelle, den uns RTL dann freundlicherweise auch noch bildschirmfüllend heranzoomt.

    Was macht man in so einer Situation? Vielleicht sich erstmal kräftig in den Arm kneifen und hoffen, dass man aufwacht, wenn das auch nicht hilft, dann ein One-Way-Ticket nach Timbuktu kaufen, ohne Umwege zum Flughafen gehen und geräuschlos für mindestens 20 Jahre den Kontinent verlassen? O Mann, da wird ein junges Leben auf dem Altar der Quote geopfert, aber das sind nun mal die Spielregeln bei DSDS; wer sich darauf einlässt, der hat seine Seele an den Teufel RTL verkauft. Pech gehabt… Dass Marcels Singversuch mit “Ave Maria” von Beyoncé dann ebenfalls noch in die Hose geht (Spitzengag, gell?), ist fast nebensächlich. Dieter muss gleich mehrmals das Sparschwein füttern, um seinen Eindruck von der Gesangsleistung zutreffend schildern zu können. Dreimal “Nein” und der lebenslange Spott seiner Umwelt ist der Lohn für Marcels Auftritt. Was steckt er auch den Kopf aus dem Loch, selbst schuld. Klappe, der Nächste.

    Der 17jährige Maximilian Salzinger aus Landsberg berichtet in seinem Einspieler, wie er aus Liebeskummer von einem 105kg schweren “Brummer” (?) zu einem durchtrainierten Typen wurde. Er singt etwas gehetzt von Justin Timberlake “What goes around” und kommt damit gut an. Typ Mädchenschwarm mit Schmachtpotenzial, also ab in den Recall, aus dem könnte Bohlen bestimmt etwas basteln.

    Freakshow: Andreas Gerlich, 29, ist Maler, Lackierer und Autogrammsammler, gebraucht in seinem kurzen Einspieler (von RTL gezählt) 23 mal das Wort “hier”  und illustriert ansonsten nachvollziehbar, weshalb Promis gelegentlich mal ihre Fans vermöbeln, wenn sie ihnen zu nahe kommen. Und auch, dass man beim Malen und Lackieren immer schön eine Atemschutzmaske aufsetzen sollte… Andreas hüpfend vorgebrachter “Gesang” liegt irgendwo zwischen erschreckend und unterirdisch, hat keine erkennbare Melodie und besteht aus dem Text “Jea, jea, jea, ei fiel hartkoah”. (Eingeweihte erahnen Fragmente des Scooter-Titels “Wicked”.) Dieter sieht’s als Gesamtkunstwerk, grinst kurz und schlägt Andreas dann vor, er könne seinen Gesang “an die Dachpappe kleben”, was auch immer man sich darunter vorzustellen hat. Das war’s jedenfalls mit der Superstar-Karriere.

    Der Hamburger Mehrzad Marashi, 28, lebt seit drei Monaten mit seiner Frau zusammen, die im siebten Monat schwanger ist, also pünktlich für die Mottoshows niederkommen könnte. Außerdem ist sein älterer Bruder vor kurzem bei einem Autounfall gestorben. Eine solche Homestory im Rücken ist erfahrungsgemäß schon mal die halbe Miete für den Recall. Mehrzad sieht etwas aus wie Xavier Naidoo und singt denn auch gleich einen Song von ihm, gar nicht mal schlecht, und kriegt dafür die erwartete Vorladung für die nächste Runde.

    Nun wieder ein Ausflug in die Abteilung “Vollmeise”: Die blondmähnige Türkin Nilay legt einen mehr als seltsamen Auftritt hin mit etwas Esoterik und ziemlich viel Schwachsinn. Aus Mariah Careys “Emotions” wird ein einziger langgezogener Ton von mehr als zwanzig Sekunden Dauer, was Dieter zur berechtigten Frage bringt “bist Du irgendwie auf ‘nem Trip hängen geblieben?”. Volker spricht aus, was alle denken: “Du kannst nicht singen.”. Jetzt reicht’s, die Sicherung fliegt raus und unsere blonde Femme fatale wird zur Furie. Mit einem gekreischten “Ihr habt kein Ohr im Ohr!” stürmt sie beleidigt aus dem Studio und brüllt auf dem ganzen Weg hinunter zur Straße laut herum. Dachschaden in Reinkultur! Ich hab’ so ein dumpfes Gefühl, die sehen wir im nächsten Jahr wieder…

    So, am Sonnabend geht die Sache weiter, das Panoptikum ist noch lange nicht leer und Dieters Schweinchen bei weitem noch nicht voll. Mal sehen, was uns RTL dann wieder in die Wohnzimmer kübelt, Mülltv bleibt jedenfalls dran.

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  • DSDS (RTL) 25.12.2009 No Comments

    Hi Leute,

    was musste ich gerade hören? Die Mega-Kult-Serie “Deutschland sucht den Superstar”, für Eilige auch “DSDS”, geht in die siebte Runde! Ab dem 07. Januar 2010 sucht Dieter Bohlen wieder den zu seinem Musikmurks kompatibelsten Möchtegernstar. In den ersten Runden, der sog. Casting-Phase, reagiert er sich dabei traditionell an den armen Stoffeln ab, die es wagen, seine meisterliche Zeit zu beanspruchen. Später kommen dann noch die Recall-Shows, bevor wir endlich die Top 10 lieben oder hassen lernen. Egal wie man dazu steht, das ist echt Müll-TV pur und in jedem Fall ein Fernsehereignis erster Güte.

    DSDS passt natürlich zu uns wie “Arsch auf Eimer”, wie Ihr an den diversen Artikeln zur 6. Staffel nachlesen könnt. Ab dem 07.01.2010 gibt es dann wieder ganz frische Lästereien zu Onkel Dieters Talentquetsche HIER im Mülltv-Blog. Wir freuen uns schon auf Euch!

    Bis dahin einen GUTEN RUTSCH, bleibt schön gesund und uns gewogen!!! :-)

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  • Nu isses soweit, die diesjährige Staffel der Bauernpartnerbörse biegt in die Schlussgerade. Kurz vor dem Fest der Liebe (gemeint ist Weihnachten) zieht die ansonsten völlig sinnlose Inka Bause heute die Bilanz der Herzen. Welches der von RTL verkuppelten Paare hat die Hofwoche und vielleicht noch ein bisschen länger überlebt? Und welcher Bauer muss auch dieses Jahr allein mit seinen Eltern unter dem Baum sitzen? Lassen wir uns überraschen mit der neunten und letzten Folge von Bauer sucht Frau. Für jedes Paar gibt es von mir einen Smiley, ob es gefunkt hat oder nicht, und am Ende zählen wir dann mal durch.

    Es geht gleich richtig gut los, ganz klar auf der Gewinnerseite dieser Staffel, nämlich beim knallfrommen Rinderwirt Josef im noch immer malerischen Chiemgau. Dort ist es inzwischen Herbst geworden und der schwer verständliche Bayer bereitet sich und seinen Hof auf den zweiten Besuch von Narumol vor. Was heißt hier “Besuch”? Wenn es nach Josef geht, soll Narumol am liebsten gar nicht mehr zurück in das heimatliche Kiel fahren, sondern bei ihm im malerischen (ach, hatten wir schon?) Chiemgau bleiben: Er will ihr nämlich heute einen Heiratsantrag machen. Ganz intim, allein in der Kirche, nur er und sie, der Liebe Gott und etwa 10 Millionen Fernsehzuschauer. Zusammen mit der ebenfalls untertitelten Nachbarin Anita schmückt Josef auf Geheiß von RTL die heimische Kapelle mit Rosen, roten Pappherzen und einem Tausenderpack Teelichter, bis sie so aussieht, wie die völlig überzuckerten Kulissen der zu recht abgeschafften “Traumhochzeit”.

    Udo Jürgens schmettert “Und immer wieder geht die Sonne auf” als Narumol im Taxi ankommt. (Diesmal hat RTL den Namen tatsächlich weggepixelt, gut gelernt.) Josef öffnet ihr im Sonntagsanzug die Autotür und sagt holprig seinen Text auf: “Grüaß Di, Narumol, g’frei mi’ doaß’d wiada doa bist, bei mi… bezoalt host ja scho, oda?” – der letzte Teil bezog sich auf das Taxi und war vermutlich spontan improvisiert. Narumol umarmt ihren Bauern und sieht ihn dann erst so richtig an: “Wieso bittu so scheck?” – “I hoab oane Überraschung füa Di!”. Sie schlägt die Hände vor das Gesicht “Nee, nech, hattu irgendwas willdann?” [hä?] – “Joa!” – “Kanntu nix sagn?” – “Nein! Soag I erst wenns sowoid is”. Als nächstes schenkt Josef ihr und sich erstmal ein Glas Sekt ein. Vielleicht lockert das ja in den kommenden entscheidenden Minuten die Zunge…

    Josef führt die klamottentechnisch etwas aufgebrezelte Narumol dann mit hastigen Schritten zur Kapelle. Als sie die vielen brennenden Teelichter sieht, kriegt die Thailänderin riesige Augen, ahnt aber vermutlich noch nichts. “Und watt bedeutet datt?” – “Ich möchte Dir einen Heiratsantrag machen. Willst Du mich heiraten?” (Er spricht langsames Hochdeutsch und betont dabei jede Silbe.) Während Narumol ausnahmsweise mal nicht lacht, sondern sehr lange schweigt, zieht vermutlich an Josefs innerem Auge sein gesamtes Leben vorbei. Doch dann sagt die kleine Frau “JA!” und hat damit dieser ohnehin schon unerhört erfolgreichen BsF-Staffel ein kräftiges Sahnehäubchen aufgesetzt.

    In der Zusammenfassung am Ende berichtet Inka Bause, dass Josef und Narumol demnächst in den “heiligen Hafen der Ehe einlaufen” werden. Wie wir ja alle aus der Bildzeitung wissen, die bekanntlich niemals lügt, ist das aber nur die halbe Wahrheit. Demnach werden die beiden nur kirchlich, aber nicht standesamtlich heiraten, denn Narumols erster Ehemann ist gestorben und sie möchte nicht gern auf ihre schöne Witwenrente verzichten. Kann man menschlich-ökonomisch irgendwie verstehen, klingt aber nicht mehr so romantisch. Trotzdem kriegt das Paar natürlich einen ganz dicken Grinse-Smiley :-)

    Kontrastprogramm! Vom Sekt zum Valium, vom Bluthochdruck zur Schlafkrankheit, wir kommen nach Mecklenburg-Vorpommern und sehen der freundlich-sturzlangweiligen Pferdewirtin Berit beim Wäscheaufhängen zu. Gähn. Ihr zugeloster Fernsehpartner Stefan kommt schnell hinzu und bietet seine Hilfe an. Hahaha, das Drehbuch hat garantiert eine Frau geschrieben, kein Mann würde freiwillig bei so etwas helfen. Oder doch? Der bekennende Langschläfer Stefan ist ja noch in der Probezeit, hier “Hofwoche” genannt, also mitten in der Einschleimphase. Aber später wird er das hundertprozentig niemals wieder machen, das schwöre ich Euch in die Hand! Zur Belohnung für das Anreichen der Wäscheklammern reitet Berit mit Stefan anschließend ein wenig durch die mecklenburgische Pampa.

    Wegen des Staffelendes drängt die Zeit und im Alltag passiert hier eh nichts, daher wird flugs wieder ein neues “Highlight” inszeniert: Stefan darf sich in der nächsten Meckpomm-Szene für den Ausritt mit einem romantischen Trecker-Ausflug revanchieren. Bemerkenswert, wie gut der Hesse nach nur wenigen Tagen die Gegend ausgekundschaftet haben soll, das wirkt auch überhaupt nicht konstruiert! Zielsicher tuckert er mit Berit durch den Wald zu einem Anleger an einem See. Hier steht ein Tisch mit Sektkühler und zwei Stühlen und wartet auf die beiden turtelnden Landwirte. Männer sind direkt, besonders wenn die Uhr tickt, und nach zwei, drei Sätzen hat Stefan seiner Berit quasi mit der Brechstange entlockt, dass er nach der Hofwoche wieder kommen soll, auch gern für länger und, naja, vielleicht sogar für immer. Und irgendwie passen sie auch gut zusammen, finde ich, beide sind schlicht und einfach langweilig. Dennoch reicht das im Sinne der Romantik für eine positive Wertung :-)

    Kurz bevor mir bei Berits einschläfernden Szenen die Fernbedienung aus der Hand rutscht, wechseln Landschaft und Genre und wir kommen ins lustige Hessen zum malerischen Ziegenwirt Willi bzw. umgekehrt. Die letzten Folgen haben uns hier schon eine wichtige Erkenntnis gebracht: Es kann auf Dauer nicht gesund sein, Wand an Wand mit dem Vieh zu leben, irgendwas bleibt dabei hängen, das sieht man auch heute wieder. Willi hatte vor der Teilnahme bei “Landei sucht Stadtmensch” ein Gelübde abgelegt, dass er, wenn er dank RTL seine Traumfrau finden sollte, seinem ebenfalls Solo lebenden Esel Harry auch eine Partnerin besorgen würde. Das Fernsehen hat seinen Teil der Abmachung eingehalten und ihm den üppigen Wonneproppen Karola beschert, darum lässt Willi heute eine Eselin einfliegen, die er sinnigerweise Sally nennt. Letztere stellt sich allerdings recht bockig an, verpasst ihrem neuen Partner Harry ein paar Huftritte und denkt nicht im Traum daran, die Kopulationsszenen zu liefern, auf die die Schweinigel von RTL wohl gelauert haben. Willi nimmt’s – natürlich – mit Humor “das gehört wohl bei Eseln zum Vorspiel oder zum Kennenlernen… das war bei Karola und mir in ein bisschen ruhigeren Bahnen verlaufen…” zieht er dann lachend den nahe liegenden Vergleich. Hinterher klappt’s dann doch noch mit Harry und Sally und RTL kriegt die gewünschten Bilder – dazu gibt es aber keinen Kommentar vom Bauern mehr.

    In der Schlussszene gestehen sich Bauer und Möchtegern-Bäuerin dann gegenseitig ihre Liebe oder was sie mangels Erfahrung dafür halten. “Der Willi ist eben mein Willi”, fasst Karola die letzte Woche in einem Satz zusammen. Da geht wohl was, das muss Liebe sein, oder? Ganz klar, die beiden sind zwar etwas einfach gestrickt, passen deswegen aber bestens zusammen. Und lt. Inkas Schlussabsage ist Karola inzwischen sogar fest bei Willi eingezogen. Also ein ganz klarer Fall: :-)

    Auch der “herzliche” Maurizio aus Baden-Württemberg hat sich lt. Inkas Kommentar aus dem Off schwer verliebt und tut das, was alle verliebten Holzbauern tun: Er pflanzt für seine Claudia einen Apfelbaum hinterm Haus. Seine rothaarige Holde hat anscheinend ihren Text vergessen und improvisiert zum Dank stattdessen einen wortlosen Kuss. Später wärmt RTL mal wieder die bewährte Idee vom Picknick am See auf, die wir schon von Carsten und Annika, Tobias und Kerstin und – unvergesslich – Josef und Narumol kennen. Claudia nutzt die Gelegenheit und inspiziert ihren drahtigen Maurizio, als er nur eine Badehose an hat. Viel sei an dem ja nicht dran, meint sie etwas enttäuscht und legt das Doppelkinn in Falten. Und ich frage mich, ob sie vielleicht gelegentlich mal Fielmann einen Besuch abstatten sollte, denn in der letzten Folge kochte der Italiener oben ohne, nur mit Schürze, für sie Spaghetti, das hätte doch alle diesbezüglichen Unklarheiten beseitigen müssen, aber Liebe macht wohl blind. Und unter uns Pastorentöchtern: Was Maurizio an Pfunden fehlt, das hat Claudia in Kilos zu viel, wie wir uns in der nächsten Szene überzeugen können, als die rothaarige Wuchtbrumme zu dem Holzbauern in den See steigt! (Einen Spitzengag, in dem das Wort “Tsunami” vorkommt, verkneife ich mir an dieser Stelle.)

    Claudias Woche beim Holzmichl klingt damit aus, sie selbst scheint allerdings nicht ganz so verliebt zu sein wie der Bauer. Hoffen wir als Gutmenschen mal, dass es hier weiter geht, ich würde es ihnen auf jeden Fall gönnen. Die Bilder vom Weg zur Bushaltestelle unterlegt die stets sehr ironisch aufgelegte RTL-Musikredaktion (Lob!) nett-boshaft mit Rod Stewarts “Waltzing Matilda”. (Jaja, ich weiß, was der Titel im australischen Slang bedeutet, aber irgendwie gefällt mir die nahe liegende dummdeutsche Übersetzung besser.) Lt. Inka wollen sich die beiden wieder sehen, sind aber akut nicht zusammen. Da nehmen wir mal den Normal-Smiley :-|

    Auch im platten Ostfriesland beim Jungbauern Carsten geht die Hofwoche seiner Lilja zu Ende. Zum Abschied will er mit ihr in die Luft gehen. Meinetwegen kann er dafür gern ein Katapult nehmen, denn ich habe Lilja ihre Intrige gegen die blonde Konkurrentin Annika noch nicht verziehen. Leider denkt das Fernsehen anders und spendiert den beiden einen Ballonflug. Passt aber irgendwie auch gut zu Lilja, wegen der heißer Luft und so… Auch ansonsten ist da wohl viel heiße Luft im Spiel, den momentan sind die beiden nicht zusammen, seien aber “befreundet”, wie sich Inka ausdrückt. Hab ich mir schon gedacht, ohne Kamera ist die Sache für Lilja wohl uninteressant. Das gibt dann nur einen Neutral-Smiley :-| Höchstens!

    Nun noch die Schlusswertung zu unseren anderen Kandidaten aus den früheren Folgen:

    Für den fleißigen Rinderwirt Dieter gibt es weiterhin nur eine Frau im Leben, nämlich seine Mutter. Eigentlich müsste man hier positiv bewerten, dass er die nervige Heike so leicht losgeworden ist, aber irgendwie war das ja nicht im Sinne des Erfinders. Also in frauentechnischer Hinsicht war das ein glatter Schuss in den Ofen. :-(

    Bei Weinbauer Tobias und seiner sympathischen Kerstin hat es wohl ziemlich gefunkt, wenn auch außerhalb der Brusthaarentfernung (bei ihm) nicht viel Epochales passierte. Ganz eindeutig: :-)

    Der Pfälzer Markus und seine Yvonne seien zwar momentan nicht zusammen, blieben aber gute Freunde und wollten sich bald mal wieder sehen, behauptet Inka. Hmmm, klingt ziemlich mau, höchstens ein Neutral-Smiley :-|

    Bleibt noch Klaas Klever, äh Claus Clausen, der spätpubertierende Nordfriese. Dessen Andrea hatte sich noch Bedenkzeit ausgebeten und die würde ich an ihrer Stelle auch noch mindestens um 10 Jahre verlängern, dann ist der Bauer wohl aus dem Gröbsten raus. Inka legt sich natürlich nicht fest und sagt auch hier etwas von wegen Freundschaft und Wiedersehen. Na gut, ist bald Weihnachten: :-|

    So, kurz zusammengezählt macht das vier Volltreffer :-) , vier Vielleichts :-| und einen Rohrkrepierer :-( Eigentlich eine gar nicht mal so üble Bilanz für diese Staffel. Was haben wir insgesamt gelernt? Dass manche Leute für Geld oder Frauen alles machen, war bekannt. Dass Bauern zwar komisch, aber doch irgendwie Menschen sind und dass ihr Leben außerhalb des Scheinwerferlichts vermutlich weniger lustig und viel langweiliger ist, als von RTL hingestellt, ist auch klar. Aber wieso diese neun kleinen Schicksale so viele Millionen Zuschauer interessierten, die sich Montag um Montag in die mittlerweile berühmtesten Kuhställe der Republik einschalteten, ist wirklich merkwürdig. Vielleicht ist das ja so eine Art Gegenbewegung zu den vielen Casting-Shows mit künstlichen Hochglanz-Menschen, die uns auf der Gefühlsebene doch eher fremd bleiben. Genau wie der Schrottplatz-Clan der Ludolfs (DMAX), bedienen auch die RTL-Bauern eine urdeutsche Nische leicht ranziger Gemütlichkeit, in die man sich vielleicht gerade in Zeiten globalisierter Krisen gern zurückzieht. In diesem Sinne passt auch, dass am Sonnabend gegen Dieter Bohlens erklärten Willen ein Typ zum Deutschen Supertalent gewählt wurde, nur weil er zusammen mit seinem Hund Seilspringen kann. “Die Bauernkuppelshow als Fortsetzung von Gartenzwergen mit anderen Mitteln”, das klingt schon fast nach dem Thema einer soziologischen Studie…

    DIE echte Überraschung der Staffel war für mich übrigens das absolut unwahrscheinliche Paar Josef und Narumol, er verstockt, bieder, fromm und irgendwie nicht ganz von dieser Welt (auch sprachlich), sie lebenslustig, nicht auf den Mund gefallen, herzlich und im besten Sinne mit beiden Beinen fest auf der Erde, allerdings auch nur schwer zu verstehen. Dass ausgerechnet diese beiden grundverschiedenen Leute zusammengefunden haben, obwohl sie außer dem schlechten Deutsch doch nichts gemein haben, ist eines des großen Mysterien dieser Zeit. Wünschen wir Josef und Narumol, dass es auch ohne Kamera, Drehbuch und Dolmetscher klappt und sie aus diesem Traum nicht eines Tages aufwachen. Insofern fast ein weihnachtliches Ende der Staffel. Aber…

    RTL ist allerdings kein philanthropisches Institut, sondern muss Geld machen, daher bin ich mir ziemlich sicher, dass diese Goldmine weiter ausgeschlachtet wird. Im nächsten Frühjahr kommt die 12-teilige Doku-Soap “Josef und Narumol – crazy in Love” und dann natürlich im Mai das live aus dem Chiemgau übertragene Hochzeitsspecial (als Trauzeugen sehe ich Inka Bause und Boris Becker). Josef und Narumol werden durch alle Talkshows gereicht und später kommt sogar die ARD mit Florian Eisensilber und dem “Bauernfest der Volksmusik – direkt aus Josefs Stall”. Sommerhit des Jahres wird die Techno-Version des Hobelbank-Lieds, gesungen von Sido feat. Josef und Narumol. Die Thailänderin behält ihre feste Kolumne “Merk du noch watt?” bei Stefan Raabs TV-Total und ist ab Herbst gegen Aufpreis als Stimme für Navigationsgeräte verfügbar. Und natürlich wird “Narumol” im Jahr 2010 zum beliebtesten Namen für neugeborene Mädchen.

    Also, freuen wir uns auf ein tolles Jahr, bis zur nächsten Staffel von “Bauer sucht Frau” – natürlich wieder in diesem Theater.

    Nachtrag (23.12.2009): Ich bin fast am Boden zerstört! Da wollte ich mich gerade ganz den weihnachtlichen Gefühlen hingeben, im beruhigenden Bewusstsein, dass es unseren Bauern gut geht. Da lese ich plötzlich in der Bild-Online etwas, das mein von RTL aufgebautes Weltbild zutiefst erschüttert: Manche Bauern und Kandidatinnen waren nicht ganz echt!!! Aber bitte lest selbst, was der elektronische Ableger der wahrheitsliebenden Bildzeitung so herausgefunden hat. (Keine Angst, Josef und Narumol sind nicht betroffen, die sind natürlich echt…)

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  • Liebe Freundinnen und Freunde der ländlichen Partnervermittlung,

    so langsam geht nun auch bei RTL der Sommer zu Ende und ein banger Blick in die Fernsehzeitung meines Vertrauens bringt traurige Gewissheit: Nach der nächsten Woche ist das Leben, so wie wir es bisher kennen, vorbei! Nächsten Montag ist nämlich Ultimo, Tag der Abrechnung und die ansonsten sehr entbehrliche Inka Bause zieht eine Bilanz der bäuerlichen Pleiten und Romanzen, deren Zeugen wir in den letzten Wochen werden durften. Heute hingegen ist der letzte normale Bauernmontag, lassen wir uns also noch einmal die Landluft der mittlerweile so vertrauten Kuhställe um die Nase wehen…

    Beim “fleißigen” Milchbauern Carsten im schönen Ostfriesland geht die Sonne auf. Seine Gespielin Lilja freut sich noch immer über ihren gestrigen Erfolg, die blonde Nebenbuhlerin Annika vom Hof weg-intrigiert zu haben. Carsten fragt beim Frühstück sogar nochmal extra-naiv nach, ob seine Entscheidung vom Vortag wohl richtig gewesen sei und überraschenderweise bejaht die brünette Lilja das. Nun gut, gegen so eine schlaue Studentin aus der Großstadt kommt unser sympathisches Landei wohl intellektuell nicht an. Aber den Preis dafür wird der Jungbauer noch zahlen, fürchte ich… ;-)

    Anschließend lernt Lilja auf einer abgelegenen Weide das Treckerfahren, was gut klappt, damit aber eher Langeweile bei den Zuschauern hervorruft. Wenigstens einmal abwürgen hätte sie das Fahrzeug schon können… Zur Belohnung besorgt Carsten seiner reiterfahrenen Lilja später ein Pferd und setzt sich schließlich sogar selbst noch in den Pferdesozius hinter seine neue Flamme.

    Apokalypse im Chiemgau: Die gemeinsame Zeit unseres Lieblingspaares läuft endgültig ab, Narumol fährt heute zurück zu den Fischköppen nach Kiel. Während im Hintergrund Roger Whittaker sein “Last Farewell” knödelt, verputzen der “fromme” Rinderwirt Josef und sein thailändischer Glücksgriff vor dem Haus ihr letztes gemeinsames Frühstück. Dabei schmieden sie schon mal die Pläne für das Danach. Offenbar soll Narumol so schnell wie möglich zusammen mit ihrer Tochter wieder zurück kommen ins Chiemgau – auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin, ob die beiden das auch so verstanden haben, denn ihr Deutsch ist weiterhin auf beiden Seiten wohlwollend nur als rudimentär zu bezeichnen.

    Was schenkt ein frommer 48jähriger Bauer ohne jegliche Erfahrung mit dem weiblichen Geschlecht seiner Freundin wohl zum Abschied? Nun, die RTL-Drehbuchautoren haben sich für einen Mondkalender und ein Büchlein mit bayerischen Volksliedern entschieden. Logisch, ein Mondkalender ist schon ein tolles Geschenk, besonders wenn man selbst etwas hinter dem Mond lebt. Und Folklore im urbajuwarischen Idiom ist natürlich das Allergrößte für eine Thailänderin, die an der Ostsee wohnt und eigentlich schon für jedes korrekte hochdeutsche Wort einen Finderlohn kriegen müsste! Und zu allem Überfluss scheinen die Bücher auch noch ziemlich alt zu sein, die sind bestimmt in Frakturschrift gesetzt, was ja eher wie Kyrillisch aussieht. Egal, Narumol kennt keinen Schmerz, gibt sich freudig-überrascht und umarmt ihren unbeholfenen Westentaschen-Casanova herzlich. Bedauerlicherweise animiert Josef das zum Absingen mehrerer Strophen eines mundartlichen Schlagers von Anno Knüll: “Is doas net di Hobelbonk – joa doas is di Hobelbonk” verstehe ich, bin mir aber nicht ganz sicher, denn RTL bleibt uns hier die Untertitel schuldig. Vermutlich kann und sollte man den Quatsch auch gar nicht übersetzen. Wäre das ganze ein Comic, hätte Narumol jetzt eine fette leere Denkblase über ihrem Kopf. Aber wenigstens lacht sie pflichtschuldig an Josefs Schulter und verspricht hinterher sogar, das Lied bis zum nächsten Besuch zu lernen.

    (Gerade durchzuckt mich ein beklemmender Gedanke: Was wäre, wenn Narumol uns alle ausgetrickst hat, in Wirklichkeit im thailändischen Fernsehen eine eigene Show wie TV-Total besitzt und ihrem Publikum dort vorführt, wie bekloppt die Leute in Europa so drauf sind. Quasi ein weiblicher thailändischer Borat… Aber nein, Narumol ist natürlich eine ehrliche Seele, auf so eine fiese Idee würde sie nie kommen.)

    Am Ende passiert das Unvermeidliche: Josef bringt seine Narumol zum Bahnhof, beiden steht das Wasser bis zum Hals und sie verbrauchen viele Taschentücher. Der Dialog bei ihrer letzten Umarmung ist reinste Poesie. Er: “Wie ist dei G’fühl?” – Sie: “Beschissen”. In dieser weihevollen Stimmung liest er ihr dann als letzte Überraschung noch ein angeblich selbst-fabriziertes Gedicht vor, das er sich aber trotz aller Kürze nicht merken konnte. Während der Zug einläuft, umarmen sie sich noch ein allerletztes Mal, sie steigt ein, macht das Fenster runter, man hält nochmal Händchen und die Tränen fließen. Dann winkt Josef und winkt und winkt – nur leider steht der Zug noch immer am Bahnsteig. Blöde Regie, der Bauer guckt etwas irritiert in die falsche Richtung, aber dann fährt der Zug schließlich doch noch ab. Sein Abschiedsmonolog wird leider schon wieder nicht untertitelt, vermutlich weint der zuständige RTL-Redakteur noch. :-(

    Im “malerischen” Meckpomm begegnen wir wieder der Pferdewirtin Berit mit ihrem auserwählten Stefan. Die beiden sind im Eiltempo unterwegs zur Weide, wo angeblich ein Zaun umgefallen ist (passende Musik: “SOS” von Abba). Vor Ort peilt Stefan mit einem geübten Blick die Lage und setzt den Pfahl wieder ein, den RTL vorher so hilfreich herausgezogen hatte. Berit zeigt sich begeistert, endlich hat sie einen Mann fürs Grobe, das erkennt die Pferdewirtin sofort. Aus Dankbarkeit lässt sie anschließend direkt auf der benachbarten Kuhweide zwischen den Fladen ein Picknick springen. Hinterher stellt sie ihren Fang dann noch der versammelten Dorfgemeinschaft vor, die das mit lautem Applaus honoriert. Anschließend – angeblich noch immer am selben Tag – sitzt sie wieder allein mit Stefan und der Kamera in der Abenddämmerung und pubertiert etwas gehemmt vor sich hin.

    Zwischenfazit: Die Berit-Szenen könnte man bedenkenlos streichen oder im ZDF zeigen. Sie eignen sich nur für Herzpatienten, denen der Arzt jede Aufregung verboten hat, für alle anderen ist das Langeweile pur. Reine Zeitverschwendung, zwei maulfaulen Bauern bei ihrem unspektakulären Alltag über die Schulter zu sehen. :-(

    Aber nun kommt wieder Action! Alle Welt depressiert sich wegen der Finanzkrise den Wolf, aber nicht der “lustige” Ziegenwirt Willi: Bei dem hat die gute Laune ein Heimspiel, er lacht sich zusammen mit seiner aerodynamisch ungünstig geformten Karola durch sämtliche Szenen. Bei genauerer Betrachtung verwundert das aber gar nicht mal so sehr, denn schließlich kommt Willi aus Hessen, einem Landstrich, der schon seit Heinz Schenks Zeiten als Epizentrum des deutschen Humors gilt. (Für unsere jüngeren Leser: Heinz Schenk war der Haupttäter einer fossilen Vorkriegsfernsehshow namens “Blauer Bock” und wird dieser Tage übrigens 85 Jahre alt. Das macht die Sache aber nicht besser.)

    :-) Hahaha, also heute, haha, liegt Hufeschneiden an, hahaha. Nein, nicht bei “Frohnatur” Karola, hihihi, sondern bei den drolligen Ziegen des lustigen hessischen Bauern, hahahaha. Die Viecher haben dann auch noch alle so witzige Namen, da macht die Arbeit gleich doppelt so viel Spaß… Ach, es ist kaum noch auszuhalten, so komisch ist das alles, gleich kommt mir das Abendbrot hoch! Aber dann ist plötzlich Schluss mit Lustig: Ziege Gerda scheint keinen Spaß zu verstehen und entschlüpft dem bäuerlich-patentierten Hufschneidekäfig. Jetzt kommen die zwei Action-Punkte, die die Fernsehzeitung für heute versprochen hatte, denn Karola scheißt was auf die Trägheitsgesetze der Physik und rennt der armen Ziege mit Vollgas hinterher. Hoffentlich kann sie hinten an der Mauer rechtzeitig bremsen, ansonsten wird das wohl ein Fall für Berits grobmotorischen Stefan, den Zaunklempner. Aber keine Angst, für die Bausubstanz geht alles gut aus, nur Gerdas Hufe müssen im zweiten Anlauf dann doch noch dran glauben. Statt in den Käfig, kommt das Tier nun in Karolas kräftige Arme und die Bayerin bewährt sich als Ziegenflüsterin, was Willi Respekt abnötigt.

    Wer dachte, für dieses Mal hätten wir den alten Teufel Humor damit erledigt, der irrt, denn die wahnsinnigen Schreiberlinge der Bauernkuppelshow haben für heute Abend noch das Phantasie-Ritual der “Ziegenlämmertaufe” erfunden. Mist, ich ahne schon, das geht nicht ohne Dauergelache ab… Wieder hat RTL einen Haufen arbeitsloser Gelegenheitsdarsteller aus früheren Gerichtsshows zusammengecastet. Die müssen jetzt die bäuerlich-debile Landbevölkerung spielen, die nichts lieber tut, als die Brut ihrer Stinkeviecher von einem “Ziegenpriester” mit einer Klobürste segnen zu lassen. Sogar ein Harmonium samt Organisten hat das Fernsehen mitten auf die Weide drapiert. Nun kommt Karolas Auftritt, denn sie wird Patentante einer fetten Zicke namens “Carmen”. Standesgemäß und dem intellektuellen Niveau der angetretenen Gesellschaft angemessen, dudelt dazu im Hintergrund “Das Lied der Schlümpfe”. Jaja, das waren Minuten, die ich gern sinnvoller verbracht hätte. Auch das abschließende romantische Picknick an Willis Weinberg kann das heute nicht mehr retten. :-)

    Da fehlt doch noch einer? Ja klar, der “herzliche” Holzbauer Maurizio aus Baden-Württemberg! Mit seiner Zweitbesetzung Claudia klappt es bedeutend besser als mit der dauermürrischen Cornelia, die sich zur allgemeinen Erleichterung vor zwei Folgen in Richtung Erdumlaufbahn verabschieden durfte. Heute wollen der immer leicht diabolisch aussehende Holzbauer und seine rothaarige Wuchtbrumme mit dem museumsreifen Trecker in den Wald zum Bäumesammeln. “Wo ist denn hier der Eingang?”, fragt Claudia etwas ratlos und geht um den roten Traktor herum. Schließlich zeigt ihr Maurizio, wie sie sich auf den Notsitz quetschen kann. Und das ist wörtlich gemeint, denn wegen Claudias barocker Formen sieht das ganze auch tatsächlich etwas nach Notfall aus. Aber Maurizio wäre kein Italiener, wenn er seiner Holden nach dem Ende der holprigen Fahrt nicht noch eine Massage angedeihen ließe.

    Nach getaner, schwerer Arbeit im Wald schnallt Maurizio abends die Schürze um und serviert seiner Claudia in seinem knallig-orange tapezierten Wohnzimmer ein Abendbrot, natürlich Spaghetti mit Tomatensoße, leider versalzen. Die Kalorien brauchen sie auch beide, denn Maurizio möchte seinen roten Käfer mit einer “unvergesslichen Nacht” beglücken: Die beiden fahren hinaus aufs Feld und steigen auf einen Haufen mit Strohballen, angeblich wollen sie sich von dort aus die ganze Nacht lang den Sternenhimmel ansehen… Er (untertitelt): “Ich hab Überschuss an Wärme, das kann ich Dir geben.” ;-)

    So romantisch geht also diese Folge zu Ende. In der nächsten Woche erwarten wir dann die Schlussabrechnung, wer ist noch zusammen, wer bleibt Single und vor allem: wird Dieters Heike das erste Mal als Model auftreten und was sagt seine Mutter dazu? Also, noch sieben Mal schlafen, dann kommt für uns alle der schwere Moment des Abschiednehmens. Bis denne!

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