Hallo Fans,
heute hat es Peter Zwegat, unser liebster Schuldnerberater, mit zwei wirklich infantilen Klienten zu tun. Die Angelegenheit bringt ihn tatsächlich mal hart an die Grenze eines richtigen Wutanfalls – und das macht ihn sehr sympathisch, denn wer würde beim Ansehen der aktuellen Folge den Hauptprotagonisten nicht mal gern so richtig mit Schmackes in den Hintern treten?
Diesmal verschlägt es den Berliner, der – wie Superman – die Rufe von in Not Geratenen auf geheimnisvolle Weise aus vielen hundert Kilometern Entfernung vernehmen kann, ins westfälische Lüdenscheid. Seine Klienten sind der 21jährige Marco Siek und seine ein Jahr jüngere Freundin Marina Dick (eine Unkenntlichmachung der Namen haben die beiden Spacken nicht verdient). Marco ist ein ziemlicher Losertyp, hat bislang im Leben außer der Geschlechtsreife noch nichts ereicht – und letzteres leider gründlich, denn seine Freundin ist von ihm im sechsten Monat schwanger (sie kennen sich gerade neun Monate). Das Kind soll übrigens lt. Off-Stimme “Allesandro” heißen; vermutlich hat man sich dabei an Lady Gagas aktuellem Hit “Alejandro” orientiert – wie gut, dass das Kind nicht früher entstanden ist, sonst hätte es womöglich “Poker Face” gehießen…
Also, nochmal zurück zu unserem heutigen Hauptdarsteller Marco. Der hat vor eineinhalb Jahren eine von den Eltern organisierte Wohnung bezogen, für die er allerdings seit einigen Monaten keinen Cent Miete mehr berappt. Stattdessen hat er als verantwortungsvoller angehender Vater kurz nach dem Bekanntwerden der Schwangerschaft wegen fortgesetzten unentschuldigten Fehlens seinen Ausbildungsplatz als Frittenbräter bei McDonald’s verloren. (Ja, das sei dumm gelaufen und nicht seine Schuld, behauptet Marco, er sei irgendwie krank gewesen…) Das ist ökonomisch gesehen eher ungünstig, denn außer dem Kindergeld für Marina in Höhe von 187 Euro haben die beiden null Einkünfte, weder aus irgendwelcher Arbeit, noch aus Arbeitslosen- oder Sozialhilfe. Anspruch hätten sie wohl, sind allerdings zu dämlich, die Anträge auszufüllen und abzugeben. Viel lieber lümmeln sie im Internet herum und geben ihr nicht vorhandenes Geld aus für Handy, Fernseher, Playstation, Verstärker, DVD-Player, Boxen, ein Sky-Abo, zwei Laptops und ein iPhone. Wie jedes Kindergartenkind weiß, kostet so etwas Geld, aber diese Basiserkenntnis ist an unseren zwei Schlaumeiern leider vorübergegangen. Rechnungen und Mahnungen, ganz besonders solche mit dem Aufdruck “dringend”, schmeißen sie stets ungeöffnet in den Müll, “weil sich das sonst immer so ansammelt”. Das erklärt, weshalb Marco nicht mal ansatzweise weiß, wie hoch seine Schulden sind. Ähnlich verfahren die beiden bei der Wohnungsmiete, die sie bislang komplett schuldig geblieben sind. Das stinkt nun nach einigen Monaten den leer ausgehenden Vermietern und ihnen wurde nach diversen Mahnungen nunmehr gekündigt und die Räumungsklage steht ins Haus.
Marco und Marina hocken nun total lahm in ihrem Wohnzimmer und geben altkluge Sprüche zum Besten, sie würden es schon schaffen und das sei doch alles gar nicht so schlimm. Super die Einlassung von Marina, man habe ihr geraten, aus Rücksicht auf das ungeborene Kind jeden Stress zu vermeiden und deshalb denke sie einfach über ihre momentane Situation gar nicht nach. Marcos Mutter und sein Stiefvater haben nach zahlreichen Finanzspritzen von zusammen etwa 5.000 Euro die weitere Subvention ihres Sprösslings eingestellt. Muttern weiß nicht mehr weiter, hat deswegen die RTL-Kummernummer gewählt und um Unterstützung durch den Finanzguru aus Berlin gebeten.
Und schwupps sitzt Peter Zwegat nach seinem üblichen Spruch von wegen … Sie haben gerufen… ich habe es gehört… wie kann ich helfen… auf dem Sieg/Dickschen Sofa und lässt sich die Story aus Sicht von Marco verklickern. Nachdem der erzählt hat, wie er bevorzugt dringende Mahnungen in den Müll entsorgt hat, fragt Zwegat mit einem Seitenblick Marina, was sie denn von der Sache hielte: “Also ich finde Schulden nicht so toll.”, lautet ihre nobelpreisverdächtige Antwort, die unbedingt in das Zwegat-Highlights-Archiv gehört. Ansonsten entpuppt sich Marco als großer Geschichtenerzähler, z.B. was seine Erklärung für den Rausschmiss im Spezialitätenrestaurant Mäckes angeht. Da habe er nämlich eine Schulterverletzung gehabt, zugezogen beim Thai-Boxen, einer Sportart, bei der er deutscher Meister sei oder war. Bei einem Blick auf das schmächtige Bübchen kommen selbst mir als Laien da schon erhebliche Zweifel. Zu Recht, wie wir später noch sehen werden.
Was das Arbeiten angeht, hat es Marina vergleichsweise ruhig angehen lassen. Nach ihrem Hauptschulabschluss vor zwei Jahren hat sie sich bis auf weiteres aus dem Berufsleben zurückgezogen und konzentriert sich anscheinend eher auf eine Karriere im Hartz-IV-Sektor. “Was hindert Sie denn, irgendwas zu tun?”, lautet Zwegats deutlich kritische Frage, auf die er nur ein mehr oder weniger hilfloses Schulterzucken als Antwort bekommt. Wir als alte Fans des Berliner Urgesteins wähnen da im Hintergrund schon ein entferntes Blubbern des Zwegatschen Kessels. Und er legt nach, will wissen, weshalb die beiden Möchtegerneltern denn weder Arbeitslosengeld, noch Sozialhilfe beantragt haben. Wieder kriegt er nur gestammelte Sülzantworten mit fadenscheinigen Ausreden auf Grundschulniveau. Nun will er es wissen: “Wie sieht denn ihr Tagesablauf aus?”. Dabei erfahren wir, dass Marco immer eher so gegen elf Uhr aufsteht, Marina sogar noch später. Trotzdem meint die ganz frech, sie habe eigentlich nicht so das Problem mit dem Aufstehen…
Dem Berliner schwillt sichtbar der Kamm, bestimmt musste er selbst früher als Kind immer schon um sechs Uhr morgens aufstehen zum Kühemelken oder so. Und dann später im Krieg war es sicherlich auch Essig mit dem Ausschlafen, deshalb fehlt dem Schuldnerberater ganz offensichtlich jegliches Verständnis für den eher lässigen Biorhythmus seiner Klienten.
Zwegat geht bei Marcos Mutter auf Ursachenforschung, was bei ihrem Sohn denn wohl schief gelaufen sei. Die ist allerdings selbst ratlos, ihr Stammhalter sei ein großer Geschichtenerzähler, habe für alles Erklärungen und Entschuldigungen, könne Fremde leicht täuschen, lebe aber selbst in einer “Parallelwelt”. Zu allem Überfluss sei er auch noch jähzornig und leicht aufbrausend. Gerade Letzteres alarmiert den Schuldnerberater, er sieht Marina und das ungeborene Kind in Gefahr und ruft eine Psychologin aus Hamburg hinzu, die Marcos Gewaltpotenzial ausloten soll. (Weshalb es in Lüdenscheid keine Experten gibt, die das ermitteln könnten, sagt uns RTL allerdings nicht.) Die Psychologin gibt später Entwarnung, der Junge sei doof aber harmlos, um das mal auf den Punkt zu bringen.
Als nächstes schnappt sich Zwegat den zukünftigen Papi und geht mit ihm zusammen zu einer staatlichen Zeitarbeitsfirma (“START NRW”), die genau solche hoffnungslosen Fälle wie Marco vermitteln können soll. Der gibt sich hier auch kooperationsbereit, behauptet, Zuhause vollständige Bewerbungsunterlagen zu haben, verspricht, diese noch am selben Tag nachzureichen und man glaubt, alles würde sich jetzt zum Besseren wenden. Aber ach, da haben wir den Geschichtenerzähler unterschätzt. Nicht nur, dass er Zuhause die fehlenden Zeugnisse und den Lebenslauf nicht griffbereit hat, er weiß noch nicht einmal, wo die sein könnten. Zwegat durchstöbert mit dem Delinquenten die gesamte Wohnung bis hin zu den Umzugskartons im Keller, aber vergebens.
Nun sind wir beim Schuldnerberater stimmungsmäßig schon auf einem sehr interessanten Niveau, eine eine Woche später kocht er dann endgültig über: Marco hat nämlich auch in der Zwischenzeit seine Unterlagen bei START NRW nicht eingereicht, angeblich wegen des Todes seiner Großtante. Wohngeld oder Arbeitslosengeld haben die beiden Flachpfeifen auch noch nicht beantragt. “Wo ist denn hier der nächste Fluss?”, fragt der Berliner. Völlig verständnislos sehen ihn Marco und Marina an, fahren mit ihm dann aber doch zu einer Brücke am nächstgelegenen Gewässer. Ja, das sollten sie beide sich schon mal gut ansehen, hier würden sie nämlich demnächst leben müssen, sobald sie aus der Wohnung herausgeflogen seien, verkündet der erheblich angenervte Peter Zwegat dem antriebslosen Elternpaar in spe. Mit der “Scheiß-Schufa-Auskunft” würden sie keine neue Wohnung mehr kriegen und ihre “Kack-Ausreden” könne er auch schon nicht mehr hören, davon seien 80 Prozent “Schrott”. Nebenbei deutet er auch noch an, dass es durchaus möglich sein könnte, dass das Jugendamt den beiden das Kind wegnehmen könne, wenn sich die Lage nicht bessere. Nönö, das werde schon nicht passieren, mischt sich Marco in den Redefluss des Berliners ein, da fliegt bei dem endgültig die letzte Sicherung raus: “Egal was ist, sie haben immer eine Kack-Ausrede!!!”, brüllt er den Jungen an. Uiuiui, in den USA hätte man da zum Schutz der minderjährigen Zuschauer wohl ein paar Piepstöne drunter gelegt, aber das deutsche Fernsehen ist da gnadenlos und zeigt das ungeschminkte Leben in seiner ganzen brutalen Härte.
Normalerweise hätte man Marco an dieser Stelle einen so kolossalen Arschtritt geben müssen, dass er bis zum Ende der Folge fliegt, aber die RTL-Drehbuchschreiber sehen das anders. Zwegat muss weitere – natürlich fruchtlose – Bemühungen anstellen, den Typ auf eine halbwegs normale Bahn zu bringen. Der soll jetzt nämlich ein einwöchiges unbezahltes Praktikum bei einem Lebensmittelmarkt um die Ecke machen. Das geht fünf Tage gut, am sechsten Tag fehlt der Seppel und hat damit den anfänglich guten Eindruck völlig ruiniert. Eine sehr hübsche Szene kommt dann, als Zwegat zusammen mit Marco im Bus in die Nachbarortschaft zur Sparkasse fährt, weil für den Wohngeldantrag nämlich ein Kontoauszug benötigt wird. Warum er das denn bisher noch nicht allein geschafft habe, sich diesen blöden Auszug zu holen, fragt der Berliner den 21jährigen dann vor der Sparkasse. “Ich fahre hier eben nicht so gern her.”, kriegt er zur Antwort. “Ich auch nicht – und schon gar nicht in ihrer Begleitung”, schnauzt Zwegat zurück und schaltet dann auf Orkan-Brüllstufe um: “Sie wollen Vater eines Kindes werden und sind unfähig, sich einen Kontoauszug zu holen! Weil Sie hier nicht gerne herfahren… Sie haben ja nicht alle auf dem Sender!!!” Später beklagt sich Marco vor der Kamera ziemlich empört über den Berliner, der sei immer so unfreundlich zu ihm…
Dieses Zerwürfnis bestimmt auch den Tenor für die restliche Sendung. Angeblich hat die Hamburger Psychologin einen Karatelehrer in (oder in der Nähe von) Lüdenscheid ausgemacht, der ein Anti-Aggressionstrainung anbietet, was für Gelegenheitscholeriker wie Marco geeignet erscheint. Dorthin schleppt Zwegat seinen ungeliebten Schützling nun und der darf dann auch gleich im Karate-Dojo beim Training mitmachen. Sein Turnzeug hat er nämlich “zufällig” gerade dabei. Der Karatelehrer guckt sich Marco bei der Gelegenheit eher geringschätzig an, das schmale Hemd soll mal ein Thai-Boxer gewesen sein? Da platzt wohl gerade eine weitere Geschichte… Egal, wie auch immer, auf jeden Fall gefällt dem 21jährigen das Training und er verspricht, das jetzt regelmäßig zu machen. Muss man überhaupt noch berichten, dass er selbstverständlich NIEMALS mehr wiedergekommen ist und der Trainer sich enttäuscht zeigt, wie alle, mit denen Marco zu tun hat?
Peter Zwegat, der bekanntlich nicht für seinen Profit arbeitet, sondern nur aus Gutmenschentum, hat inzwischen alle Gläubiger von Marco und Marina durchtelefoniert und kommt insgesamt auf Außenstände von 5.000 Euro. Wohlgemerkt ohne die privaten Schulden bei Muttern, die kann man wohl getrost als uneinbringlich vergessen. In einem Kraftakt schafft er es tatsächlich sogar, dass die Erzeugerin für ihren Sprössling dann nochmal etwas Geld nachschießt, so dass es für einen Vergleich reichen könnte. Und den Antrag auf Wohngeld und Sozialhilfe kriegt er auch angeschoben und unter diesen verbesserten Umständen findet er sogar eine neue Wohnung für das Paar.
Dann aber patzt unser Hauptdarsteller noch direkt an der Ziellinie im Abschlussgespräch: Zwegat hat die werdenden Eltern und Marcos Mutter zusammengeholt und will nun die weiteren Schritte besprechen. Natürlich kann er sich dabei ein paar Seitenhiebe auf den 21jährigen nicht verkneifen. Der verschränkt die Arme und stiert sauer vor sich hin. Ob er denn nicht auch mal etwas sagen wolle, reizt ihn der Berliner? Nö, er sage gar nichts mehr, er wolle Zwegat keinen Ansatzpunkt für weitere Kritik mehr liefern, giftet Marco überraschend klar formuliert. Als dann auch noch seine Mami weiterbohrt, platzt dem Jüngelchen der Kragen, er schreit herum, er ließe sich nicht dauernd so unfreundlich abfertigen und habe jetzt die Schnauze voll. Damit springt er auf und entschwindet durch die Tür. Nach einer kurzen Schrecksekunde schwört Zwegat dann wenigstens Marina und ihre Quasi-Schwiegermutter per Handschlag darauf ein, für das Baby zusammenzuhalten, egal ob zukünftig mit oder ohne Marco.
Sehr nachdenklich verlässt Peter Zwegat Lüdenscheid, ob seine Anstrengungen letztlich Erfolg gebracht haben, darf zumindest bezweifelt werden. Manche Leute sind eben dazu verdammt, immer voll Karacho in der Matsche zu landen und wenn man ihnen helfen will, dann werden sie auch noch frech. Das war eine Folge, bei der man auch als Zuschauer ein Antiaggressionstraining bräuchte, so sehr animiert einen die Hauptperson zu physischer Gewalt…





