• Hallo Fans,

    heute hat es Peter Zwegat, unser liebster Schuldnerberater, mit zwei wirklich infantilen Klienten zu tun. Die Angelegenheit bringt ihn tatsächlich mal hart an die Grenze eines richtigen Wutanfalls – und das macht ihn sehr sympathisch, denn wer würde beim Ansehen der aktuellen Folge den Hauptprotagonisten nicht mal gern so richtig mit Schmackes in den Hintern treten?

    Diesmal verschlägt es den Berliner, der – wie Superman – die Rufe von in Not Geratenen auf geheimnisvolle Weise aus vielen hundert Kilometern Entfernung vernehmen kann, ins westfälische Lüdenscheid. Seine Klienten sind der 21jährige Marco Siek und seine ein Jahr jüngere Freundin Marina Dick (eine Unkenntlichmachung der Namen haben die beiden Spacken nicht verdient). Marco ist ein ziemlicher Losertyp, hat bislang im Leben außer der Geschlechtsreife noch nichts ereicht – und letzteres leider gründlich, denn seine Freundin ist von ihm im sechsten Monat schwanger (sie kennen sich gerade neun Monate). Das Kind soll übrigens lt. Off-Stimme “Allesandro” heißen; vermutlich hat man sich dabei an Lady Gagas aktuellem Hit “Alejandro” orientiert – wie gut, dass das Kind nicht früher entstanden ist, sonst hätte es womöglich “Poker Face” gehießen… :-)

    Also, nochmal zurück zu unserem heutigen Hauptdarsteller Marco. Der hat vor eineinhalb Jahren eine von den Eltern organisierte Wohnung bezogen, für die er allerdings seit einigen Monaten keinen Cent Miete mehr berappt. Stattdessen hat er als verantwortungsvoller angehender Vater kurz nach dem Bekanntwerden der Schwangerschaft wegen fortgesetzten unentschuldigten Fehlens seinen Ausbildungsplatz als Frittenbräter bei McDonald’s verloren. (Ja, das sei dumm gelaufen und nicht seine Schuld, behauptet Marco, er sei irgendwie krank gewesen…) Das ist ökonomisch gesehen eher ungünstig, denn außer dem Kindergeld für Marina in Höhe von 187 Euro haben die beiden null Einkünfte, weder aus irgendwelcher Arbeit, noch aus Arbeitslosen- oder Sozialhilfe. Anspruch hätten sie wohl, sind allerdings zu dämlich, die Anträge auszufüllen und abzugeben. Viel lieber lümmeln sie im Internet herum und geben ihr nicht vorhandenes Geld aus für Handy, Fernseher, Playstation, Verstärker, DVD-Player, Boxen, ein Sky-Abo, zwei Laptops und ein iPhone. Wie jedes Kindergartenkind weiß, kostet so etwas Geld, aber diese Basiserkenntnis ist an unseren zwei Schlaumeiern leider vorübergegangen. Rechnungen und Mahnungen, ganz besonders solche mit dem Aufdruck “dringend”, schmeißen sie stets ungeöffnet in den Müll, “weil sich das sonst immer so ansammelt”. Das erklärt, weshalb Marco nicht mal ansatzweise weiß, wie hoch seine Schulden sind. Ähnlich verfahren die beiden bei der Wohnungsmiete, die sie bislang komplett schuldig geblieben sind. Das stinkt nun nach einigen Monaten den leer ausgehenden Vermietern und ihnen wurde nach diversen Mahnungen nunmehr gekündigt und die Räumungsklage steht ins Haus.

    Marco und Marina hocken nun total lahm in ihrem Wohnzimmer und geben altkluge Sprüche zum Besten, sie würden es schon schaffen und das sei doch alles gar nicht so schlimm. Super die Einlassung von Marina, man habe ihr geraten, aus Rücksicht auf das ungeborene Kind jeden Stress zu vermeiden und deshalb denke sie einfach über ihre momentane Situation gar nicht nach. Marcos Mutter und sein Stiefvater haben nach zahlreichen Finanzspritzen von zusammen etwa 5.000 Euro die weitere Subvention ihres Sprösslings eingestellt. Muttern weiß nicht mehr weiter, hat deswegen die RTL-Kummernummer gewählt und um Unterstützung durch den Finanzguru aus Berlin gebeten.

    Und schwupps sitzt Peter Zwegat nach seinem üblichen Spruch von wegen … Sie haben gerufen… ich habe es gehört… wie kann ich helfen… auf dem Sieg/Dickschen Sofa und lässt sich die Story aus Sicht von Marco verklickern. Nachdem der erzählt hat, wie er bevorzugt dringende Mahnungen in den Müll entsorgt hat, fragt Zwegat mit einem Seitenblick Marina, was sie denn von der Sache hielte: “Also ich finde Schulden nicht so toll.”, lautet ihre nobelpreisverdächtige Antwort, die unbedingt in das Zwegat-Highlights-Archiv gehört. Ansonsten entpuppt sich Marco als großer Geschichtenerzähler, z.B. was seine Erklärung für den Rausschmiss im Spezialitätenrestaurant Mäckes angeht. Da habe er nämlich eine Schulterverletzung gehabt, zugezogen beim Thai-Boxen, einer Sportart, bei der er deutscher Meister sei oder war. Bei einem Blick auf das schmächtige Bübchen kommen selbst mir als Laien da schon erhebliche Zweifel. Zu Recht, wie wir später noch sehen werden.

    Was das Arbeiten angeht, hat es Marina vergleichsweise ruhig angehen lassen. Nach ihrem Hauptschulabschluss vor zwei Jahren hat sie sich bis auf weiteres aus dem Berufsleben zurückgezogen und konzentriert sich anscheinend eher auf eine Karriere im Hartz-IV-Sektor. “Was hindert Sie denn, irgendwas zu tun?”, lautet Zwegats deutlich kritische Frage, auf die er nur ein mehr oder weniger hilfloses Schulterzucken als Antwort bekommt. Wir als alte Fans des Berliner Urgesteins wähnen da im Hintergrund schon ein entferntes Blubbern des Zwegatschen Kessels. Und er legt nach, will wissen, weshalb die beiden Möchtegerneltern denn weder Arbeitslosengeld, noch Sozialhilfe beantragt haben. Wieder kriegt er nur gestammelte Sülzantworten mit fadenscheinigen Ausreden auf Grundschulniveau. Nun will er es wissen: “Wie sieht denn ihr Tagesablauf aus?”. Dabei erfahren wir, dass Marco immer eher so gegen elf Uhr aufsteht, Marina sogar noch später. Trotzdem meint die ganz frech, sie habe eigentlich nicht so das Problem mit dem Aufstehen… ;-) Dem Berliner schwillt sichtbar der Kamm, bestimmt musste er selbst früher als Kind immer schon um sechs Uhr morgens aufstehen zum Kühemelken oder so. Und dann später im Krieg war es sicherlich auch Essig mit dem Ausschlafen, deshalb fehlt dem Schuldnerberater ganz offensichtlich jegliches Verständnis für den eher lässigen Biorhythmus seiner Klienten.

    Zwegat geht bei Marcos Mutter auf Ursachenforschung, was bei ihrem Sohn denn wohl schief gelaufen sei. Die ist allerdings selbst ratlos, ihr Stammhalter sei ein großer Geschichtenerzähler, habe für alles Erklärungen und Entschuldigungen, könne Fremde leicht täuschen, lebe aber selbst in einer “Parallelwelt”. Zu allem Überfluss sei er auch noch jähzornig und leicht aufbrausend. Gerade Letzteres alarmiert den Schuldnerberater, er sieht Marina und das ungeborene Kind in Gefahr und ruft eine Psychologin aus Hamburg hinzu, die Marcos Gewaltpotenzial ausloten soll. (Weshalb es in Lüdenscheid keine Experten gibt, die das ermitteln könnten, sagt uns RTL allerdings nicht.) Die Psychologin gibt später Entwarnung, der Junge sei doof aber harmlos, um das mal auf den Punkt zu bringen.

    Als nächstes schnappt sich Zwegat den zukünftigen Papi und geht mit ihm zusammen zu einer staatlichen Zeitarbeitsfirma (“START NRW”), die genau solche hoffnungslosen Fälle wie Marco vermitteln können soll. Der gibt sich hier auch kooperationsbereit, behauptet, Zuhause vollständige Bewerbungsunterlagen zu haben, verspricht, diese noch am selben Tag nachzureichen und man glaubt, alles würde sich jetzt zum Besseren wenden. Aber ach, da haben wir den Geschichtenerzähler unterschätzt. Nicht nur, dass er Zuhause die fehlenden Zeugnisse und den Lebenslauf nicht griffbereit hat, er weiß noch nicht einmal, wo die sein könnten. Zwegat durchstöbert mit dem Delinquenten die gesamte Wohnung bis hin zu den Umzugskartons im Keller, aber vergebens.

    Nun sind wir beim Schuldnerberater stimmungsmäßig schon auf einem sehr interessanten Niveau, eine eine Woche später kocht er dann endgültig über: Marco hat nämlich auch in der Zwischenzeit seine Unterlagen bei START NRW  nicht eingereicht, angeblich wegen des Todes seiner Großtante. Wohngeld oder Arbeitslosengeld haben die beiden Flachpfeifen auch noch nicht beantragt. “Wo ist denn hier der nächste Fluss?”, fragt der Berliner. Völlig verständnislos sehen ihn Marco und Marina an, fahren mit ihm dann aber doch zu einer Brücke am nächstgelegenen Gewässer. Ja, das sollten sie beide sich schon mal gut ansehen, hier würden sie nämlich demnächst leben müssen, sobald sie aus der Wohnung herausgeflogen seien, verkündet der erheblich angenervte Peter Zwegat dem antriebslosen Elternpaar in spe. Mit der “Scheiß-Schufa-Auskunft” würden sie keine neue Wohnung mehr kriegen und ihre “Kack-Ausreden” könne er auch schon nicht mehr hören, davon seien 80 Prozent “Schrott”. Nebenbei deutet er auch noch an, dass es durchaus möglich sein könnte, dass das Jugendamt den beiden das Kind wegnehmen könne, wenn sich die Lage nicht bessere. Nönö, das werde schon nicht passieren, mischt sich Marco in den Redefluss des Berliners ein, da fliegt bei dem endgültig die letzte Sicherung raus: “Egal was ist, sie haben immer eine Kack-Ausrede!!!”, brüllt er den Jungen an. Uiuiui, in den USA hätte man da zum Schutz der minderjährigen Zuschauer wohl ein paar Piepstöne drunter gelegt, aber das deutsche Fernsehen ist da gnadenlos und zeigt das ungeschminkte Leben in seiner ganzen brutalen Härte.

    Normalerweise hätte man Marco an dieser Stelle einen so kolossalen Arschtritt geben müssen, dass er bis zum Ende der Folge fliegt, aber die RTL-Drehbuchschreiber sehen das anders. Zwegat muss weitere – natürlich fruchtlose – Bemühungen anstellen, den Typ auf eine halbwegs normale Bahn zu bringen. Der soll jetzt nämlich ein einwöchiges unbezahltes Praktikum bei einem Lebensmittelmarkt um die Ecke machen. Das geht fünf Tage gut, am sechsten Tag fehlt der Seppel und hat damit den anfänglich guten Eindruck völlig ruiniert. Eine sehr hübsche Szene kommt dann, als Zwegat zusammen mit Marco im Bus in die Nachbarortschaft zur Sparkasse fährt, weil für den Wohngeldantrag nämlich ein Kontoauszug benötigt wird. Warum er das denn bisher noch nicht allein geschafft habe, sich diesen blöden Auszug zu holen, fragt der Berliner den 21jährigen dann vor der Sparkasse. “Ich fahre hier eben nicht so gern her.”, kriegt er zur Antwort. “Ich auch nicht – und schon gar nicht in ihrer Begleitung”, schnauzt Zwegat zurück und schaltet dann auf Orkan-Brüllstufe um: “Sie wollen Vater eines Kindes werden und sind unfähig, sich einen Kontoauszug zu holen! Weil Sie hier nicht gerne herfahren… Sie haben ja nicht alle auf dem Sender!!!” Später beklagt sich Marco vor der Kamera ziemlich empört über den Berliner, der sei immer so unfreundlich zu ihm… :-)

    Dieses Zerwürfnis bestimmt auch den Tenor für die restliche Sendung. Angeblich hat die Hamburger Psychologin einen Karatelehrer in (oder in der Nähe von) Lüdenscheid ausgemacht, der ein Anti-Aggressionstrainung anbietet, was für Gelegenheitscholeriker wie Marco geeignet erscheint. Dorthin schleppt Zwegat seinen ungeliebten Schützling nun und der darf dann auch gleich im Karate-Dojo beim Training mitmachen. Sein Turnzeug  hat er nämlich “zufällig” gerade dabei. Der Karatelehrer guckt sich Marco bei der Gelegenheit eher geringschätzig an, das schmale Hemd soll mal ein Thai-Boxer gewesen sein? Da platzt wohl gerade eine weitere Geschichte… Egal, wie auch immer, auf jeden Fall gefällt dem 21jährigen das Training und er verspricht, das jetzt regelmäßig zu machen. Muss man überhaupt noch berichten, dass er selbstverständlich NIEMALS  mehr wiedergekommen ist und der Trainer sich enttäuscht zeigt, wie alle, mit denen Marco zu tun hat?

    Peter Zwegat, der bekanntlich nicht für seinen Profit arbeitet, sondern nur aus Gutmenschentum, hat inzwischen alle Gläubiger von Marco und Marina durchtelefoniert und kommt insgesamt auf Außenstände von 5.000 Euro. Wohlgemerkt ohne die privaten Schulden bei Muttern, die kann man wohl getrost als uneinbringlich vergessen. In einem Kraftakt schafft er es tatsächlich sogar, dass die Erzeugerin für ihren Sprössling dann nochmal etwas Geld nachschießt, so dass es für einen Vergleich reichen könnte. Und den Antrag auf Wohngeld und Sozialhilfe kriegt er auch angeschoben und unter diesen verbesserten Umständen findet er sogar eine neue Wohnung für das Paar.

    Dann aber patzt unser Hauptdarsteller noch direkt an der Ziellinie im Abschlussgespräch: Zwegat hat die werdenden Eltern und Marcos Mutter zusammengeholt und will nun die weiteren Schritte besprechen. Natürlich kann er sich dabei ein paar Seitenhiebe auf den 21jährigen nicht verkneifen. Der verschränkt die Arme und stiert sauer vor sich hin. Ob er denn nicht auch mal etwas sagen wolle, reizt ihn der Berliner? Nö, er sage gar nichts mehr, er wolle Zwegat keinen Ansatzpunkt für weitere Kritik mehr liefern, giftet Marco überraschend klar formuliert. Als dann auch noch seine Mami weiterbohrt, platzt dem Jüngelchen der Kragen, er schreit herum, er ließe sich nicht dauernd so unfreundlich abfertigen und habe jetzt die Schnauze voll. Damit springt er auf und entschwindet durch die Tür. Nach einer kurzen Schrecksekunde schwört Zwegat dann wenigstens Marina und ihre Quasi-Schwiegermutter per Handschlag darauf ein, für das Baby zusammenzuhalten, egal ob zukünftig mit oder ohne Marco.

    Sehr nachdenklich verlässt Peter Zwegat Lüdenscheid, ob seine Anstrengungen letztlich Erfolg gebracht haben, darf zumindest bezweifelt werden. Manche Leute sind eben dazu verdammt, immer voll Karacho in der Matsche zu landen und wenn man ihnen helfen will, dann werden sie auch noch frech. Das war eine Folge, bei der man auch als Zuschauer ein Antiaggressionstraining bräuchte, so sehr animiert einen die Hauptperson zu physischer Gewalt…

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  • Hallo Fremdschäm-Süchtige,

    Peter Zwegat, der beste Schuldnerberater der Welt, hat offenbar eine Auszeit genommen und stattdessen von RTL eine Konserve aus dem letzten Jahr senden lassen: Heute kam nämlich noch einmal der Fall der Familie Krapfl, bei der die Schulden dank der spielsüchtigen Mutter noch schneller wachsen als die Anzahl ihrer Mitglieder. Und das will etwas heißen.

    Viel Vergnügen also beim Lesen unseres letztjährigen Blogeintrags. Übrigens hat sich dort auch die leicht erboste Mutter Krapfl mit einem Kommentar verewigt. Dabei hatten wir das doch alles soooo nett gemeint… ;-)

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  • Hallo Leute,

    direkt vor Peter Zwegat kommt bei RTL immer die Super-Nanny. Und wenn man den heutigen Fall sieht, erkennt man viele Gemeinsamkeiten, denn der Berliner Schuldnerberater hat es diesmal mit einem ausgesprochen naiven Kindskopf zu tun, dem seine Eltern in der Jugend offenbar etwas zu viel durchgehen ließen. Und das rächt sich jetzt, wie Zwegat feststellen muss, der übrigens noch immer nicht für seinen Profit arbeitet, sondern nur aus Altruismus. Wobei… als ich neulich zufällig in einem bekannten Online-Versandhaus blätterte, fiel mir doch tatsächlich ein Buch in die Hände, bei welchem der Schuldnerberater immerhin als Co-Autor fungiert. Soviel zur Selbstlosigkeit.

    Zurück zum Hier und Jetzt: Der 29jährige Oliver Sch. lebt in Zürich, der größten Stadt unseres geschätzten Nachbarlands Schweiz. Insbesondere geschätzt von begüterten Leuten, die – legal oder illegal – ihr Vermögen dort anlegen wollen. Wie passt das denn nun zu Zwegat, der hat doch sonst nur mit armen Schluckern zu tun, die ihr Vermögen bereits hinter sich haben?! Nun, eigentlich ist Oliver auch ein armer Schlucker, den es nur wegen einer temporären Herzensangelegenheit in die reiche Finanzmetropole verschlagen hatte. Inzwischen ist sein Freund aber über alle Berge (das passt hier gut) und hat Oliver bankrott und arbeitslos zurückgelassen. Der will jetzt wieder zurück nach Deutschland, am liebsten nach Hessen, in die Nähe seiner Eltern.

    Oliver ist ein Meister im sorglosen Geldausgeben. Er selbst führt das zurück auf seine AIDS-Erkrankung, von der er seit 10 Jahren weiß. Seit diesem Zeitpunkt hat er so eine gewisses Scheißegal-Einstellung, was die Kontrolle des eigenen Kaufverhaltens angeht. Carpe Diem – jeden Tag so leben, als wenn’s der letzte wäre, ist sein Motto. Die Sorgen machen sich dafür Mutter Marion und Vater Horst Dieter Sch. Bei denen im Haus trifft Peter Zwegat zum ersten Mal auf seinen neuen Mandanten (“Sie haben mich gerufen, was kann ich für sie tun?”). Er nimmt später haufenweise Unterlagen, Mahnungen und unbezahlte Rechnungen mit nach Berlin, um sich daraus einen groben Überblick der Schulden zu verschaffen. Oliver selbst rechnet übrigens mit 20 bis 25 Tausend Euro Miesen, ist aber wohl keine übermäßige Leuchte im Kopfrechnen und hat sowieso schon vor Jahren die Kontrolle verloren.

    Zwei Tage nach dem Hausbesuch in Hessen sehen wir Oliver in Köln bei einer Wohnungsbesichtigung wieder. Zusammen mit einer Internetbekanntschaft will er in ein Neubauviertel der Karnevalsstadt ziehen. Und zwar wie gewohnt planlos, denn er weiß noch gar nicht, wie viel Geld er überhaupt für die Miete ausgeben kann. In Deutschland hat er nämlich noch keine Arbeit, nicht mal der Antrag auf Arbeitslosengeld ist gestellt. Carpe diem…

    Noch ein paar Tage später kommt in Hessen der beliebte Zwegatsche Kassensturz an der Flip-Chart. Mutter Marion ist tierisch aufgeregt, konnte zuletzt schon gar nicht mehr schlafen. Sohnemann hingegen ist das alles wie immer etwas egaler, er grinst noch zwischendurch, während seine Mutter das Gesicht in den Händen vergräbt. Das Grinsen sollte aber nun eigentlich vergehen, denn Zwegat hat am Ende eine Schuldensumme von 28.600 Euro zusammengerechnet. Dazwischen ein paar “haarige” Posten, z.B. die Arge Limburg wegen des versehentlich zu Unrecht bezogenem Arbeitslosengelds. Oliver hatte  dort irgendwie “verpennt”, die Aufnahme eines Beschäftigungsverhältnisses mitzuteilen. Naja, kann ja mal passieren, aber Zwegat gibt sich vor der Kamera politisch korrekt leicht empört. Noch so ein kitzliger Gläubiger ist die Staatsanwaltschaft Limburg mit immerhin 1.700 Euro Forderungen, wofür auch immer. Auch an das Sozialamt muss er noch 1.400 Euro zu viel erhaltene Sozialhilfe zurückzahlen, da hatte er ebenfalls vergessen, eigenes Einkommen anzumelden. Ist halt ein wenig vergesslich, der Oliver. Peter Zwegat hat immer eine Gandhi-hafte Ruhe, fängt nun aber doch leicht zu granteln an, richtig redlich sehe anders aus, meint er.

    Nach den Schulden analysiert Zwegat traditionell die Einnahmen und Ausgaben seiner Delinquenten. Auf der Zugangsseite steht lediglich das Schweizer Arbeitsamt, auf der Ausgabenseite wird es dafür umso bunter. Oliver nennt als festen Posten etwas beiläufig 580 Euro, die pro Monat für einen Kredit in der Schweiz zurückzuzahlen sind. Hier wird Zwegat ziemlich sauer, denn von Schulden in der Schweiz war bisher noch nie die Rede und die sind auch nicht in den 28.600 Euro enthalten, die der Spree-Mahatma gerade eben noch zusammengerechnet hatte. Naja, das hatte Oliver wohl einfach vergessen. Hausaufgabe für Sch.: bis zur nächsten Sitzung soll er alle seine schweizerischen Außenstände zusammenrechnen.

    Bis dahin menschelt es zwischendurch etwas in der Schuldenshow, denn Oliver hat seine Umzugspläne nochmal geändert, will nun nicht mehr nach Köln, sondern zieht als Untermieter bei einem Ex-Freund in einer hessischen Kleinstadt ein. Peter Zwegat will dabei angeblich gleich Ungemach gewittert haben, in der Wohnung gibt es nämlich nur ein gemeinsames Wohnzimmer und vor allem ein gemeinsames Schlafzimmer. Und siehe da, seine prophetischen Gaben sind phänomenal: Der Ex-Freund will angeblich nebenher auch noch mit Oliver kuscheln, dieser will das aber nicht und sucht sich gleich schon wieder eine neue Bleibe, diesmal “definitiv allein”.

    Hinterher kommt noch ein weiterer Ex-Lebensgefährte ins Spiel, der Sch. mal Geld gepumpt, dieses jedoch niemals wieder gesehen hat. Außerdem erzählt dieser Zwegat von einer eher üblen Geschichte, die Oliver bis jetzt zu berichten vergessen hat: Im Rahmen der Trennung hat er dem Freund die EC-Karte geklaut und innerhalb zweier Tage um mehr als 3.000 Euro erleichtert, zumeist in der Spielothek. Darüber gibt es ein gültiges Gerichtsurteil, zurückgezahlt wurde das Geld jedoch nicht. Wo der Freund gerade schon mal am Lästern ist, gibt er schnell auch noch die Einschätzung kund, dass Oliver in beruflicher Hinsicht wohl eher eine Niete ist. Zwegat hat das vermutlich schon irgendwie geahnt, macht jedenfalls keinen sonderlich überraschten Eindruck.

    Nächster Hausbesuch in Hessen, Flip-Chart Teil II. Nun geht es an die Außenstände bei den Eidgenossen. Jaja, das hatte Oliver wohl im ersten Anlauf nicht ganz ohne Absicht vergessen, denn mit den neuen Beträgen kommt Zwegat jetzt auf ganze 46.000 Euro! Die ursprüngliche Schätzung von 20 bis 25 Tausen Euro hat sich damit schon verdoppelt. Mutter Marion (“ich bin geplättet”) rutscht mit jedem Posten tiefer in den Sessel, während Oliver eher grinst wie ein Schüler, der beim Abschreiben erwischt wurde.

    Vor der Kamera liest Mutter Sch. ihrem Sohn dann die Leviten, kann aber ihre Erziehungsversäumnisse nun auch nicht mehr ausbügeln und vor allem kann sie Oliver nicht helfen, denn die Eltern haben auch nicht viel Geld. Erschwerend kommt Olivers Uneinsichtigkeit hinzu, ihm ist das im Grunde offensichtlich alles herzlich egal. Nur in die Privatinsolvenz will er nicht, da ist er sich sicher. Für einen eventuellen Vergleich bräuchte Zwegat jedoch einen nennenswert fünfstelligen Betrag, woher der aber kommen könnte, ist völlig unklar. Die Eltern haben nichts und die Schwester hat sich gerade selbstständig gemacht und ist deswegen auch nicht liquide.

    Nach einer letzten Sitzung mit dem Sch.’schen Familienrat passiert etwas sehr Seltenes, Zwegat erklärt nämlich seine Mission für gescheitert. Oliver sei mindestens momentan ein hoffnungsloser Fall. Kein Geld, keine Ahnung, wo welches herkommen könnte, kein Job und nun brabbelt er plötzlich auch noch etwas von Reha-Maßnahme, was ja dann die Job-Suche auch wieder sinnlos machen würde. Zwegat ist entnervt und verordnet sich und seinem Mandanten nun erstmal ein halbes Jahr Bedenkzeit. Dann will er angeblich wieder kommen und einen zweiten Versuch starten.

    Haha, wer’s glaubt wird selig. In sechs Monaten ist doch diese Staffel längst zu Ende und die nächste noch lange nicht in Sicht. Warum sollte Zwegat da aus seinem gemütlichen Büro in die hessische Provinz fahren und einem notorischen Luftikus helfen wollen. Und womöglich noch ohne Kamera? Nee, das kann ich mir nicht mal bei St. Peter, dem Schutzheiligen aller ökonomisch Minderbemittelten vorstellen!

    Hmmmm, komische Folge diesmal, außer der Addition an der Flip-Chart hat Zwegat heute nichts tun müssen oder können. Trotzdem hat das 45 Minuten Sendezeit gefüllt, auch ‘ne Leistung. Egal, bis zur nächsten Woche!

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  • Hallo Fans,

    bei Peter Zwegat wechseln sich offenbar immer traurige und lustige Folgen ab. Nach einer unblogbaren Episode in der letzten Woche bedient der Schuldnerberater heute wieder ausgiebig die Zwerchfellfraktion. Das Lachen fällt natürlich auch leicht, denn der Durchschnittsleser dürfte kaum jemals in eine Situation kommen, wie sie der Berliner heute vorfindet:

    Der 49jährige Hans-Joachim K. (der Name wird tatsächlich voll genannt und reimt sich auf “Brause”) aus Aichstetten im Allgäu hat Glück gehabt, denn sein Vater Siegfried K. machte vor einigen Jahren einen Lottogewinn von 3,5 Millionen Euro. Hurra, das müsste eigentlich auch für die gröbsten Bedürfnisse der nachfolgenden Generationen reichen, sollte man denken. Und tatsächlich schenkte Vater K. seinem Sohn damals die stattliche Summe von 200.000 Euro. Aber die Glücksgöttin Fortuna meint es danach leider gar nicht gut mit dem Sohnemann, denn Hans-Joachims (zweite) Ehefrau ist offenbar ein wenig, nun ja, leichtlebig. Sie verjuxt nicht nur seine ganzen 200.000 Euro, sondern verballert anschließend noch weitere 140.000 Tacken auf Pump für Schnickschnack und Firlefanz.

    Das hat man davon, wenn man selbst als Fernfahrer kaum Zuhause ist und den Überblick über die eigene monetäre Situation komplett der arglistigen Ehefrau überlässt. Statt die vergleichsweise lächerlichen Kredite (70.000 Euro) für das Haus zu zahlen, häuft die Holde lieber neue Schulden auf. Mit trickreich gefalteten Rechnungen luchst sie ihrem Mann alle notwendigen Unterschriften ab, angeblich stellt sie ihn auch noch eineinhalb Jahre lang mit Hilfe von Tabletten im Essen so ruhig, dass er nichts mitkriegt. Die Bank kündigt schließlich alle Kredite und schickt den Gerichtsvollzieher. Der kommt zwar nun recht häufig, aber das merkt Hans-Joachim angeblich nicht, denn er sitzt ja seelenruhig auf dem Bock und lässt sein Frauchen machen. Und Zuhause ist er immer soooooo müüüüüüüde. Irgendwann lässt sich der drohende Knall aber dann doch nicht mehr aufhalten, die Frau schreibt einen Abschiedsbrief, schneidet ihr Bild aus sämtlichen gemeinsamen Fotos heraus (raffiniert!) und macht sich vom Acker.

    Hinterher finden Hans-Joachim und sein Sohn überall im Haus versteckte, ungeöffnete Briefe mit Mahnungen von Inkassobüros, Versicherungen, der Bank und sogar vom Gericht. Die Göttergattin hat hinter dem Rücken ihres Männe alle Kredite und Versicherungen gekündigt und sich womöglich auszahlen lassen. Und für ihr Zimmer galt für sämtliche Familienmitglieder ein strenges Zutrittsverbot. Nein, also dass die Frau vielleicht nicht ganz koscher ist, darauf hätte man beim besten Willen nicht kommen können… :-)

    Frau und Geld sind jetzt also weg, die Scheidung läuft, Herr K. steht finanziell im Hemd da, kann gerade noch die Zinsen für seine Schulden zahlen und fürchtet, nun zu guter Letzt auch noch sein schickes Häuschen zu verlieren. Ein echter Fall für Zwegat, der ja für seine Tätigkeit bekanntlich kein Geld nimmt und scheinbar allein von Ruhm und Ehre lebt, wie uns RTL glauben machen möchte.

    Wie immer kommt der alte Mann per pedes bei seinem Mandanten an, jedenfalls sieht man bei Zwegat niemals irgend eine Art von Fortbewegungsmittel. Er macht, auch das hat Tradition, zunächst die Inspektion durch das K’sche Anwesen. Mit einer Wohnfläche von 170 Quadratmetern ist das für einen einzelnen Bewohner recht üppig bemessen, auch wenn der gemütlich-runde Hans-Joachim bei seiner Körperfülle schon einen eher überdurchschnittlichen Platzbedarf haben dürfte. Die übliche Einnahmen- und Ausgaben-Rechnung, die ja so kompliziert ist, dass sie nur von staatlich zugelassenen Schuldnerberatern an der Flip-Chart durchgeführt werden kann, ergibt einen monatlichen Fehlbetrag von gut 100 Euro.

    Bevor er sich so richtig mit diesem Fall beschäftigt, versucht Peter Zwegat zunächst aber mal die nächstliegende Lösung: Er trifft sich mit dem millionenschweren Lottogewinner, Papi Siegfried K. Mal sehen, ob da nicht noch etwas zu holen ist, denkt sich der Schuldnerberater schlau. Aber ach: Das Zerbröseln von Vermögen scheint eine K’sche Familienkrankheit zu sein, auch Siegfried ist finanziell fast wieder am Nullpunkt angekommen, die dreieinhalb Millionen Euro haben sich mittlerweile weitgehend verdünnisiert. Und wo sind sie wohl geblieben? Man mag es kaum glauben, auch bei Siegfried war es die zweite Ehefrau, die mit extravaganten Klamotten und teuren Autos das Geld durchgebracht hat! Respekt, Respekt!!! Tatsächlich ist von Siegfried keine Hilfe mehr zu erwarten, der hat selbst nur noch sein Haus und eine Rente.

    Der nächste Weg führt Peter Zwegat und Hans-Joachim K. zur Sparkasse nach Ravensburg, der Hausbank des Mandanten. In der Sitzung, an der wohl aus Marketinggründen auch das Fernsehen teilnehmen darf, wird schon beim ersten Satz des Sparkassenfuzzis klar, dass die Unbedarftheit in finanziellen Dingen bei Hans-Joachim auch heute noch anhält – obwohl er doch gar keine Schlafmittelchen mehr eingeträufelt bekommt. Es ist nämlich so, dass die monatlich gezahlten 850 Euro mitnichten nur Zinsen sind; tatsächlich entfallen davon mehr als 600 Euro auf die Tilgung der Schulden. Das Haus scheint also gerettet. Hans-Joachim versteht offenbar zunächst nur Bahnhof, freut sich jedenfalls eher nach innen und muss sich das alles erst mal vom Zwegat in Normaldeutsch übersetzen lassen. (Der stark übergewichtige Mann sieht mit seinem blauen, hauteng sitzenden Holzfällerhemd zwischen den ganzen Schlipsträgern aber auch zu dämlich aus!)

    Während sich Hans-Joachim danach endlich gebührend freut, hat der Schuldnerberater schon weiter gegrübelt und ist auf das nächste Problem gestoßen: Das Haus gehört rein juristisch, also lt. Grundbuch, zur Hälfte immer noch der entfleuchten Ehefrau. Die muss zustimmen, falls das Haus tatsächlich verkauft oder durch Kredite belastet werden sollte. Allein schon aus TV-dramaturgischen Gründen ist also ein Hausbesuch von Peter Zwegat bei Hans-Joachims Ex in Dresden dringend angeraten. Und dort passiert es, ich werde mir den Tag im Kalender anstreichen: Der Schuldnerberater steigt im Elbflorenz direkt vor der Semperoper aus einem weißen Stretch-Trabbi, d.h. RTL hat sich angesichts seines Alters endlich erbarmt und ihm einen fahrbaren Untersatz besorgt, wenn auch einen komischen.

    Leider ist die kapriziöse Dame mit dem locker sitzenden Portmonee nicht mutig genug, direkt mit Zwegat und der Fernsehkamera zu sprechen, sondern schickt ihren Anwalt vor. Schade! Immerhin kann der verkünden, dass Frau K. auf alle Ansprüche in Bezug auf das Haus verzichten würde, wenn die Bank sie im Gegenzug aus allen Verbindlichkeiten entließe. Das kriegt Super-Peter sekundenschnell geregelt, also noch ein Stein aus dem Weg geräumt.

    Zurück in Aichstetten kann Zwegat den K’s die gute Nachricht überbringen. Gleichzeitig nimmt er hier wohlwollend zur Kenntnis, dass Hans-Joachim inzwischen einen Untermietern gefunden hat, um seinen negativen Einnahmen/Ausgaben-Saldo auszugleichen: Ein Arbeitskollege (von Hans-Joachim, nicht von Zwegat) zieht für 300 Euro pro Monat in die Dachbutze. Kurz darauf sehen sich unsere Protagonisten bei der Bank wieder, die nun, wo die Ex-Frau ihre zerstörerischen Finger nicht mehr dazwischen hat, einen Kredit bewilligt. Das war’s, hier ist die Folge zu Ende, das Gute hat gesiegt, die böse Frau kann Hans-Joachim nichts mehr anhaben!

    Unterm Strich muss man sagen, dass Peter Zwegat sich bei seinem heutigen Fall nicht gerade überanstrengen musste. Seine Leistung besteht vor allem in der Idee, einen Untermieter zu suchen und okay, er ist auch nach Dresden gefahren und hat die Ex-Frau aus dem Grundbuch gekriegt. Immerhin konnte man heute mal wieder gepflegt auf anderer Leute Kosten lachen. Das hier vorgelebte mehr oder weniger spurenlose Pulverisieren von Geldmengen, die die meisten von uns vermutlich lebenslang von allen finanziellen Sorgen befreien würden, ist schon ein Staunen erregender Vorgang.

    In diesem Sinne weiter so, Peter Zwegat, solche Schuldner kann man nicht genug sehen!!!

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  • Liebe Leute,

    RTL ist kein philanthropisches Institut, sondern ganz aufs Geldverdienen ausgerichtet. Okay, wir leben halt im Kapitalismus, das sind nunmal die Spielregeln. Wir von Mülltv hingegen verlangen und kriegen für unser Geschreibsel keine Knete. Und darum nehmen wir uns auch die Freiheit, manche Sendungen einfach auszulassen, wenn es nicht angebracht ist, darüber bissig-ironische Kommentare zu verfassen.

    Die heutige Folge von Peter Zwegats Kreuzzug durch das Land der Bankrotteure und finanziellen Verlierer ist genau so ein Fall. Familie S. hat sich – natürlich mit Krediten – einen Hof in der Nähe von Gera gekauft und damit einen lang gehegten Traum vom Leben auf dem Land erfüllt. Inzwischen ist daraus allerdings ein absoluter Alptraum geworden, wobei die ökonomische Seite nur eine Facette ist. Hinzugesellt haben sich diverse Schicksalsschläge, wie schwere Erkrankungen der Familienmitglieder und vor allem der Tod der einen Tochter, der nach wie vor nicht bewältigt wurde.

    Und an dieser Stelle ist für uns Schluss mit lustig, Peter Zwegat wird die Sache wohl selbst etwas unheimlich (“einer der heikelsten Fälle meiner Karriere”), aber das Kommerzfernsehen hält ungerührt drauf. Mülltv hingegen schaltet ab, vielleicht bringt ja die nächste Zwegat-Folge wieder etwas zum Lästern.

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  • Hallo Leute,

    mitten in der Woche ist wieder Fremdschämzeit mit Schuldnerberater Peter Zwegat. Natürlich mache ich die Beteiligten hinsichtlich der Nachnamen wieder unkenntlich, obwohl sie im Fernsehen vollständig genannt werden. Diesmal scheint mir das aber fast unnötig zu sein, denn dem heute vorgestellten Pärchen ist wohl ohnehin alles egal, von Schamgefühl weit und breit keine Spur. Und wir werden Zwegat fast sprachlos erleben, was nicht alle Tage vorkommt!

    Beginnen wir also im wunderschönen Kempten im malerischen Allgäu, wo Familie S. wohnt. Sie zählt sechs Köpfe, nämlich Harry (46), Birgit (44), dazu zwei Söhne und zwei Töchter. Die Hauptpointe wird schon im Intro verraten: Die S. bringen es auf schlappe 350.000 Euro Schulden aus dem Bau von gleich zwei Eigenheimen innerhalb von nur zehn Jahren. Doch, doch, sie haben sich ja angestrengt, das Geld zusammenzubringen. Harry, ein Elektriker und Maurer erzählt fast stolz, dass er in den letzten 16 Jahren immer nur eine einzige Woche Urlaub gemacht hat (und damit sind wir schon beim Titel dieses Blog-Eintrags), ansonsten nur geackert und gerackert. Und zwar ohne Rücklagen für Rente oder Versicherung gegen Berufsunfähigkeit.

    Angefangen hat die ganze Misere mit dem Bau des ersten Hauses. Das sollte anfänglich eigentlich “nur” 200.000 D-Mark kosten, trotz erheblicher Eigenleistungen von Harry wurden daraus aber unerklärliche 400.000 D-Mark. Die S. zogen die Notbremse, verkauften das Haus gleich wieder, behielten davon jedoch ein nettes Andenken von 100.000 Euro Schulden. Sofort gingen sie daran, mit der teilweise wieder gewonnenen finanziellen Freiheit ein zweites, aber nur halb so großes Haus zu bauen. Leider verteuerte sich auch dieses Eigenheim während der Erstellung und im Endeffekt zahlten S. dafür genau so viel wie für das erste (Sockenschuss zum Zweiten!). Gut für RTL und Zwegat, aber bitter für Familie S.

    Mittlerweile hat man neben den 100.000 Euro Verlust aus dem ersten Haus für das zweite Haus bereits 250.000 Euro nur an Zinsen an die Bank gezahlt, ohne einen einzigen Cent Tilgung! Darin enthalten sind die bekanntermaßen schweinischen Dispozinsen für das mit 50.000 Euro (!!!) überzogene Girokonto. Weitere 60.000 Euro schuldet man Birgits Eltern, Karin und Peter H. Die fürchten nun inzwischen um ihre eigene Existenz, Karin hat sogar schon eine geplante Zahnbehandlung aus Geldmangel abgesagt.

    Als Kollateralschaden ist mittlerweile auch die S.sche Ehe im Eimer. Man wohne unter einem Dach, respektiere sich auch noch, gehe einander aber nach Möglichkeit aus dem Weg. Streitigkeiten sind nach Aussage der älteren Töchter Priscilla und Cynthia an der Tagesordnung. Vom Besuch des herbeigerufenen Finanzklempners Zwegat erwartet man sich nebenbei auch eine Verbesserung der ehelichen Situation.

    Es ist heiß in Süddeutschland. Trotzdem kommt der ältere, leicht verknitterte Herr aus Berlin zu Fuß nach Kempten, jedenfalls will das Fernsehen das immer irgendwie so darstellen. Auf dem Weg zu den S. betrachtet Zwegat in einer Fußgängerzone die Brunnen… Durst? Mann, RTL sollte sich was schämen, die könnten ihrem Star ruhig mal eine Flasche Sprudel ausgeben, da muss Zwegat in seinem Alter noch in der Fußgängerzone aus öffentlichen Brunnen trinken… Angekommen bei den S. will er denn auch gleich in den Schatten: “ich bekomme sonst einen Sonnenbrand”.

    Dann lässt er sich von Harry und Birgit in die ökonomischen Geheimnisse ihrer Welt einführen. Dabei erzählen sie, dass sie bereits seit einigen Jahren nach einem Käufer für ihr (zweites) Haus suchen, aber trotz des Schnäppchenpreises von 359.000 Euro noch keinen gefunden haben. Ob das vielleicht daran liegt, dass das zugehörige Grundstück den S. gar nicht gehört, sondern nur in Erbpacht für 250 Euro monatlich gemietet ist?

    Erschwerend kommt hinzu, dass Harry den Job als freischaffender Elektriker aufgeben und stattdessen eine feste Anstellung annehmen will. Das würde im Monat ca. 1.800 Euro weniger Einkommen bedeuten. Dazu passt überhaupt nicht, dass Harry sich in einem Anfall geistiger Umnachtung zeitgleich mit dem Hilferuf an Zwegat ein neues Auto für knapp 30.000 Euro gegönnt hat. Das ist übrigens sage und schreibe das Drittauto der Familie! (Sockenschuss Nr. 3) Birgit macht aus ihrem Zweifel an Harrys Zurechnungsfähigkeit keinen Hehl und auch bei Zwegat drängt sich wohl so langsam der Verdacht auf, dass Birgits Göttergatte in der Schule in der Mathestunde wohl öfter mal aus dem Fenster geguckt hat. Das sei ihm jedenfalls auch noch nicht vorgekommen, meint er einigermaßen perplex.

    Nach einer ersten Prüfung der Unterlagen in seinem Berliner Büro rückt der Schuldnerberater zum zweiten Allgäubesuch mit der Flip-Chart an: High Noon, jetzt geht’s ans Eingemachte. Zwegat hat das Übermenschliche fertig gebracht, was offenbar für alle seine Kunden viel zu schwierig ist: Er hat die offenen Posten zusammenaddiert. In diesem Fall ergibt sich dabei ein Betrag von 354.950 Euro. Die “gehören” komischerweise ausschließlich Peter, alle Kredite und sonstigen Außenstände laufen auf seinen Namen. Darüber scheint sich sogar Birgit zu wundern, die ja normalerweise schon einiges gewohnt ist. Nach der Aufstellung von Einnahmen und Ausgaben müssten pro Monat immerhin 186 Euro übrig bleiben. Tun sie aber nicht, allein in den letzten 12 Monaten hat Familie S. weitere 33.000 Euro neuer Schulden angehäuft.

    Plötzlich fällt  Birgit noch ein pikanter Posten ein, den sie eben vergessen hatte: Einmal im Jahr nimmt sich Harry Urlaub von seiner anstrengenden Mischpoke und fährt für eine lustige Woche – allein (nehmen wir mal an) – nach Mallorca. Birgit klingt ziemlich verbittert, denn sie selbst ist seit 18 Jahren nicht mehr im Urlaub gewesen. Hier tut sich mal wieder ein neues Betätigungsfeld auf für Zwegat, den Eheberater. Bevor der aber auch nur Pieps sagen kann, schießt Harry gleich volles Rohr dagegen: Natürlich brauche er einmal im Jahr dringendst die Erholung von seiner Frau, Birgit sei immer so aufgedreht, da müsse man eigentlich mal mit dem Arzt drüber reden, ob man da was gegen tun könne. Wie schön, dass die Kamera gerade läuft, das glaubt einem ja sonst wieder keiner. Das war also der heutige Moment zum Fremdschämen…

    Zwegat lässt sich aber nicht beirren und redet nun Klartext wegen der Schulden. Wenn er sich so das üppig ausgestattete Haus und die drei Autos ansehe, habe er nicht den Eindruck, Familie S. darbe sehr, eher im Gegenteil, man lebe wohl über die Verhältnisse. Und er, Zwegat, könne gar nicht verstehen, wieso Harry so verrückt sei, nun auch noch durch die Aufgabe der Selbstständigkeit auf weiter 1.800 Euro Einnahmen zu verzichten, wie er das denn bitte finanziell ausgleichen wolle? Und bevor er sich für die Sache überhaupt richtig engagiert, will er nun wissen, wie denn die Eheleute ihre beziehungstechnische Zukunft sehen. Naja gut, so ganz zerstört finden Harry und Birgit ihre Ehe denn doch noch nicht und sie wollen auf jeden Fall für die absehbare Zukunft zusammen bleiben. Prima, dann kann Peter, der Große ja endlich loslegen!

    Der erste Ortstermin ist gleich beim fiesesten Gläubiger, dem Finanzamt. Zwegat, wie immer im Anzug, macht dort zusammen mit den in kurzen Hosen, Schlabberhemden und Sandalen – sagen wir mal lässig – gekleideten Eheleuten S. einen Hausbesuch, muss aber leider die Kamera draußen lassen. Immerhin signalisiert das Finanzamt in dem Gespräch eine gewisse Bereitschaft, bei einem möglichen Vergleich auf einen Teil der Forderungen zu verzichten.

    Nun geht es auf Geldsuche für den Vergleich. Zwegat sitzt in der nächsten Szene bei Karin und Peter, Birgits Eltern, auf der Terrasse im Grünen. Karin hat schon soooooo einen Hals wegen des blöden Traumhauses ihrer Tochter, in das sie mehr oder weniger gezwungen immerhin auch schon 60.000 Euro investiert haben. Sie würden ja gern helfen, müssten aber dafür selbst eine Hypothek auf ihr eigenes Häuschen aufnehmen. Und was hätte man dafür als Sicherheit? Nichts, gibt Zwegat zu, das Traumhaus von Familie S. läuft ja bekanntlich zu 100% auf Harry, jeder dort investierte Cent wäre bei einem Auseinanderbrechen der Ehe futsch. Tja, damit dürfte es dann Essig sein mit einer weiteren Beteiligung der Schwiegereltern an Harrys Finanzdebakel.

    Zwegat rechnet trotzdem erstmal los. Die Bank signalisiert ein Entgegenkommen, man will dort die monatlichen Kreditraten um 500 Euro senken. Stolz verkündet der Berliner dieses Ergebnis den beiden Eheleuten. Kurzes Schweigen, dann kommt von Birgit ein relativ gefasstes und dann zweifelndes “super…, oder?” Zwegat packt wegen der fehlenden Anerkennung seines Erfolgs heftig die Wut “Ja, das müssen Sie doch wissen!?!” herrscht er Birgit an, natürlich ist das eine tolle Meldung! Auch an anderen Stellen geht es plötzlich voran, beide Eheleute haben Sparpläne gemacht, Harry verzichtet auf den Steuerberater und hat die Raten für sein neues Auto (der Drittwagen, um das noch mal zu sagen) gesenkt. Birgit will irgendwie im Haushalt sparen. Summa summarum kommt Zwegat nun auf ein Monatsplus von über 300 Euro, sollte Harry selbstständig bleiben, wären es sogar noch wesentlich mehr. Das funktioniert aber immer nur alles unter der Voraussetzung, dass Birgits Eltern doch noch mal Geld zuschießen, wovon bei seinem Besuch eigentlich keine Rede mehr war.

    Die andere Lösung wäre der Verkauf des Hauses. Zwegat bestellt einen Makler, der sich gleich mit einem Ultra-Gag vorstellt, nämlich mit einer Variante von Peterchens eigenem Lieblingsspruch: “Sie haben gerufen, also komme ich!” Der Experte besieht sich Harrys und Birgits Prachtbau, schätzt den aber eher auf ca. 300.000 Euro ein, die geforderten 359.000 Euro seien unrealistisch.

    Kein Zwegat ohne Happy-End: Zu guter Letzt entschließen sich Birgits Eltern tatsächlich doch noch zur Hilfe, nehmen zugunsten ihrer Tochter einen Hypothekenkredit über 25.000 Euro auf, verzichten auch noch auf die Rückzahlung ihre vorherigen Kredite und retten Birgit und Harrys Familie damit das Haus. Zwegat ist zufrieden, vergattert die Eheleute noch einmal, von jetzt an besser zusammenzuhalten und macht sich – natürlich zu Fuß – vom Acker.

    Tja, da hat Old Knitterface es also wieder einmal geschafft, in diesem eigentlich ausweglosen Fall hat er gerade noch das Ruder herumgerissen. Wir stehen staunend und ehrfürchtig vor dem Lebenswerk dieses Mannes. Und schlafen auch ein bisschen ruhiger, denn egal, was auch kommen mag, selbst wenn wir noch so unbedarft sein sollten in Gelddingen (so wie Familie S. eben), ein Anruf bei Zwegat in Berlin und uns wird geholfen.

    In diesem Sinne bis in zwei Wochen (nächste Woche muss der Blog leider ausfallen).

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