Liebe Leute, Freunde der besinnlichen Samstagabendunterhaltung,
mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa, manchmal tun einem die eigenen Worte im Nachhinein Leid. So geht es mir bei meinem Blog-Beitrag zur Top 10 von “Deutschland sucht den Superstar” am letzten Sonnabend. Ich bitte um Entschuldigung, dass ich so unbesonnen war, das harmlose Herumgefrotzel der Kandidatinnen Sarah Engels und Anna-Carina Woitschack im Titel “Zickenterror” zu nennen. Ich konnte ja nicht wissen, was uns in dieser Woche bevorstehen würde! Die Auseinandersetzung zwischen “Puppenspielerin” Anna-Carina und der bei DSDS inzwischen verseligten Sarah war ja noch beinahe ein freundschaftliches Geplänkel im Vergleich zu dem schon körperverletzende Ausmaße annehmenden Kampf mit ihrer neuen Gegnerin Nina Richel. Ich hoffe, mit dem heutigen Blogtitel der eingetretenen Gewalt-Eskalation Rechnung getragen zu haben. Ich wage allerdings nicht, mir vorzustellen, wie die Überschrift für die Top 8 bei einer weiteren Verschärfung der Lage lauten müsste, vielleicht “Kandidatin auf offener Bühne mit Mikrofon verprügelt” oder “Patrick Nuo verliert Zahn bei Schlichtungsversuch” oder gar “Marco Schreyl sprachlos”. Was wir aber garantiert nicht lesen werden, ist “Bohlen wirft Streitnudeln aus dem Wettbewerb”, denn dazu ist die Sache aus Quotensicht doch wieder zu interessant…
Der heutige Abend steht unter dem Motto “Après-Ski-Hits”, wir werden also Musik serviert bekommen, von der RTL denkt, dass man sie nach dem Ski-Fahren hören könnte. Gut, würde ich als bösartiger Flachlandtiroler da sagen, welche Musik kann ich denn NICHT nach dem Sport hören? Nun ja, gemeint sind wohl eingängige Melodien, so simpel gestrickt, dass man sie trotz oder gerade bei erhöhtem Alkoholpegel auf der Hütte mitgrölen kann, auch wenn die Beine schon längst den Dienst versagen, genau wie die Kontrolle über die Körperöffnungen, und sich der Intelligenzquotient (hoffentlich) temporär in Richtung Gummibaumniveau bewegt.
Nach der gehörigen Begrüßung der Jurymitglieder Fernanda Brandao, Patrick Nuo und vor allem Dieter Bohlen (frenetischer Applaus) ruft Moderator Marco Schreyl die verbliebenen Kandidaten auf die Bühne. Die neun performen gemeinsam (bitte dieses Wort für später vormerken!) “The Time” von den Black Eyed Peas, dem elektronifizierten Cover eines auch nicht viel besseren Titels von Bill Medley und Jennifer Warnes. Upps, hatte ich “neun” gesagt? Es hätte “acht” heißen müssen, denn “Tanzmaus” Marvin Cybulski hat sich wieder in eine Ecke am Bühnenrand verzogen. Bekanntlich lehnt er ja jegliche rhythmischen Bewegungen vor den Kameras kategorisch ab und bastelt damit beharrlich an seinem Image als DSDS-Opa, was für die Akzeptanz in der Bravo-Anrufklientel nicht besonders förderlich sein dürfte.
Auf Startplatz Nummer Eins finden wir heute “Strahlemann” Norman Langen. Er hat als Propagandist des deutschen Schlagers sicherlich keine Probleme mit der Suche nach einem Motto-kompatiblen Titel. Zuvor erleben wir im Einspieler noch einmal seine Zerknirschtheit, als er in der letzten Show gleich zwei Texthänger hatte und von Onkel Dieter entsprechend angezählt wurde. Von dem eigentlich geplanten Suizidversuch hat Norman nun aber doch wieder Abstand genommen, denn das wäre zu leicht gewesen. Stattdessen hat er sich für eine langsamere Variante der Selbsttötung entschieden, nämlich den Verbleib im Wettbewerb… Bis es soweit ist, leistet er neben dem DSDS-Training unter der Woche auch noch freiwillige Sozialstunden ab: Ein Altersheim (echt!) hatte ihn eingeladen, doch einmal für die Bewohner zu singen und dazu ließ er sich nicht zwei Mal bitten. Wir sehen Norman, wie er als Enkelersatz zwischen Rollstühlen und Gehböcken den Welthit “Wahnsinn” (Refrain: “Hölle, Hölle, Hölle!”) von Wolfgang Petry aufführt, um sich herum schunkelnde, mitklatschende Greise und frenetische Altenpflegerinnen in weißen Kitteln. Eigentlich aus Marketingsicht gar nicht mal so dumm, immerhin erschließt er damit für DSDS eine ganz neue, attraktive Fangruppe: Dank der demografischen Schieflage hier im Lande gibt es ja viel mehr alte als junge Leute und für die Anruferei ist es schließlich egal, wie alt jemand ist, Hauptsache er oder sie oder die Pflegerin können das Telefon bedienen und bringen RTL die gewünschten Einnahmen!
Norman hat als Titel “Ein Stern, der Deinen Namen trägt” von DJ Ötzi gewählt. Ich frage mich bei dieser Gelegenheit übrigens mal wieder erfolglos, weshalb sich ein Sänger freiwillig den Namen einer 5000 Jahre alten Gletscherleiche gibt. Ich finde keine andere Erklärung, als dass unsere südlichen, ansonsten sympathischen Nachbarn da wohl vom Humor her anders gestrickt sind. Man denke nur an DJ Bobo, den eidgenössischen Hüpfwichtel… Wie dem auch sei, jedenfalls macht Norman seine Sache heute Abend gut. Inmitten von leicht bekleideten Damen und Herren der Tanzgruppe Bohlen singt er mit fester Stimme, als gebe es kein Morgen, vergisst nicht einmal den Text oder das scheinbar festgetackerte Zahnpastagrinsen. Okay, er könnte vielleicht mal im “Großen Buch der Schlagerposen” eine Seite weiterblättern und seine Choreografie variieren, aber so lange Leute wie Marvin ungestraft in dieser Sendung herumlungern, darf man das wohl nicht ernsthaft fordern. Die Jury zeigt sich begeistert, Normans habe die Scharte vom letzten Mal wieder ausgewetzt. Als Marco ihn dann fragt, warum er – auch beruflich – so einen Faible für ältere Menschen habe, kommt eine Antwort aus dem Poesiealbum der Jungen Union, die Normans Verbleib im Wettbewerb für einige Wochen sichern sollte: “Alte Menschen haben Geschichte geschrieben, die haben dieses Land zu dem gemacht, was es ist, denen sollte man dankbar sein und ohne die wären wir auch nicht hier.” Meine Güte, man sollte nie bei offener Mikrowelle schlafen! Selbst der hartgesottene, sich ansonsten für jeden Dreck verkaufende Marco lacht an dieser Stelle über so viel aufgesetztes Pathos…
Als nächste kommt Zazou Mall an die Reihe. In Ermangelung schlauerer Geschichten, schickt die RTL-Redaktion sie im Einspieler zu Fuß auf den Kölner Dom (533 Stufen): Zum Workout, angeblich habe sie nämlich seit Beginn der Staffel zwei Kilo zugenommen und die wolle sie, sagt die Off-Stimme, nun auch wieder abtrainieren. Ihr Titel heute Abend ist “Born this Way” von Lady Gaga, den sie zusammen mit den bereits bei Norman in Erscheinung getretenen halbnackten DSDS-Tänzerinnen und -Tänzern in knietiefem Bühnennebel absolviert. Patrick nennt den Auftritt “sexy-bombastisch” und ist sichtlich stolz auf seine schweizerische Landsmännin, Fernanda kann wie gewöhnlich nichts Substanzielles beisteuern und der Schlagertitan aus Tötensen ist zumindest zufrieden (“Weg in die richtige Richtung, visuell toller Auftritt”). Auch sei sie, Zazou, schlau wie alle Schweizer, sie habe sich nämlich aus dem Zickenkrieg im DSDS-Haus herausgehalten, so wie sich eben die Schweizer immer schön aus allen Kriegen herausgehalten hätten. Diesen, bei näherer Betrachtung nicht unproblematischen, Vergleich unseres Hobbyhistorikers, möchte ich hier einfach mal so unkommentiert stehen lassen.
Auf Platz Drei kommt die erste unserer beiden Diven, Nina Richel. Im Einspieler dürfen wir erleben, wie sie in der DSDS-Villa vor laufender Kamera den Putzteufel mimt. Angeblich habe sie zweieinhalb Stunden lang das Badezimmer putzen müssen, nachdem Mit-Diva Anna-Carina sich dort aufgehalten hatte. Nina schimpft wie ein Rohrspatz, nennt ihre Zimmergenossin immer nur “diese Person”, brüllt mit dieser um die Wette und pfeffert den Inhalt ihres Koffers (“alles nicht meine Sachen”) auf den Fußboden. Am Ende des Filmchens stehen ihr Tränchen in den Augen und man hört im Hintergrund das höhnisch-mitleidige “Oooooh” des Saalpublikums. Ob ihre Tochter denn einen Sauberkeitsfimmel habe, fragt Marco Ninas Mutter, die jedoch verneint, ihre Familie sei lediglich “normal reinlich”. Die Diva #1 singt Cascadas Stampfhit “Everytime we touch” in einem recht gewagten hautengen, beinfreien Dingsbums, das aussieht, als habe sie eine Tüte in den texanischen Nationalfarben angezogen. Wenn man lästern wollte, und genau das tun wir hier ja, hätte eigentlich Nina statt Zazou zum Abnehmen auf den Kölner Dom laufen müssen – und zwar mehrfach. Sie ist ausgesprochen propper, was wohl auch die Tänzer davon abhält, mir ihr eine Hebefigur zu machen, so wie mit der schlanken Schweizerin. Die Jury reagiert hinterher verhalten positiv, das Outfit sei “gewagt”, der Zickenkrieg der letzten Woche habe aber erkennbar seine Spuren hinterlassen. Dieter Bohlen macht aber dann aus seinem Herzen keine Mördergrube und zieht voll vom Leder: “Du bist mittlerweile in den Medien die Oberzicke, 99 Komma 9 Prozent Eurer Zeit habt Ihr nur in Scheiße investiert anstatt zu üben, wohin ich auch gucke in den Medien: ‘ich hab’ hier geputzt, ich hab’ da geputzt’, wir sind doch hier nicht bei den Dixie-Klos. Letzte Woche war Sarah dran, nun ist Anna-Carina dran…” Die so gescholtene Nina kommt nun voll in Brast, motzt auf offener Bühne zurück: “Dieter, ich glaub’, Du verdrehst hier gerade die Tatsachen! Guck mal, wer da sitzt.” Und zeigt irgendwo ins Publikum. Tja, da hätte eigentlich Sarah in Ninas Fanblock sitzen sollen, aber blöderweise erfährt unsere Diva genau zu diesem dramaturgisch unpassenden Zeitpunkt, dass dem nicht so ist, Sarah hatte wohl Dringenderes zu tun. Dieter schließt die peinliche Pause ab mit: “Also konzentriert Euch aufs Singen!”
Nein, das Thema “Zickenkrieg” ist damit noch lange nicht ausgestanden, jetzt präsentiert Marco den emotionalen Höhepunkt des heutigen Abends, nämlich einen Einspielfilm über die Ereignisse der Woche im Frauentrakt der DSDS-Villa. Kapitel eins heißt “Donnerstag – Ninas Zusammenbruch”. Wir erleben Nina und Anna-Carina beim Mittagessen, sie sitzen an den diametral entgegengesetzten Plätzen eines sehr langen Tisches, zwischen ihnen haufenweise freie Plätze. Nina fängt trotz eines Beschwichtigungsversuchs von Mitesser Marvin sofort an zu motzen, dabei scheint die Anwesenheit der Kamera sehr befruchtend zu wirken. Man hört etwas von “hinterhältigen Machtspielchen”, dann verkrümelt sich die Diva mitsamt ihrem Teller in den hinteren Teil des Hauses. Noch während Anna-Carina und Marvin ihre Drehbuch-Dialoge abspulen, hört man mit einem Male aus dem Off ein Rumpeln und dann ein hysterisches Geschluchze: Nina hat spontan einen Nervenzusammenbruch gekriegt, liegt heulend und nach Luft schnappend auf dem Rücken und wird von diversen Mitgliedern des Aufnahmeteams umringt. Mitbewohner Marco Angelini, immerhin angehender Arzt, diagnostiziert leichthin in die Kamera: “Sie hat jetzt wieder einen Krampfanfall.” Vielleicht sollte er doch besser Tierarzt werden, wie ein Krampfanfall sieht mir dieses theatralische Getue jedenfalls nun wirklich nicht aus.
Wir spulen vor zum zweiten Kapitel der Saga. Das heißt “Freitag – Annas Zusammenbruch” und unterscheidet sich bis auf die Hauptdarstellerin nicht von den Szenen vom Vortag. Wieder glänzt Marco Angelini mit einer sicheren Lagebeurteilung: “Das ist auf keinen Fall geschauspielert, die war echt kreidebleich.” Um noch etwas mehr Öl ins Feuer zu gießen, darf Mutter Woitschack am Ende des Einspielers ihre absehbar negative Meinung zu Nina in die Kamera posaunen: “Meine Tochter soll sich nicht von diesem gewöhnlichen Mädel unterkriegen lassen. Für mich ist die asozial.” Der Nina-Fanblock im Saalpublikum quittiert diese Einlassung mit lauten Buhrufen und Pro-Nina-Sprechchören. Wenig überraschend, dass die beiden Kontrahentinnen sich auch im anschließenden Liveinterview mit Marco Schreyl unversöhnlich zeigen. Ursprünglicher Stein des Anstoßes war wohl übrigens, dass Anna-Carina im Mädchenklo – währenddessen? – eine Banane verputzt und die Schale einfach unentsorgt dort zurückgelassen hatte. Zumindest las ich das so in der Blödzeitung in einem Artikel, der in Aufmachung und Größe den anderen wichtigen Dingen des Zeitgeschehens in nichts nachstand, also z.B. der Guttenberg-Demission, dem Völkermord in Libyen und dem Attentat im Frankfurter Flughafen. Anna-Carina zeigt sich uneinsichtig, sie sei nun mal nicht die “Superputzfrau” und wenn man Streit suche, da finde man bestimmt auch etwas. Nina ist sauer, dass “bestimmte Leute” ihre Fehler nicht einsehen können, “Lebensmittel haben im Bad nichts zu suchen”. Tja, die Lage scheint mir ziemlich verfahren, Südfrüchte auf der Toilette, das ist natürlich DER Klassiker für langanhaltenden Streit. Dagegen wirkt ja die Lösung des Palästina-Problems wie die Organisation eines Kindergeburtstags.
Zurück zur leichten Muse, es erscheint Marco Angelini, der scheinbar alle Daheim entbehrlichen Österreicher zur Unterstützung in der Halle hat. Deren Anreise und leicht debiles Herumirren vor dem Kölner Dom ist Inhalt seines Einspielfilmchens. Marco selbst erscheint heute in einem Deppenkostüm mit Latzhosen, Bauern-Karohemd und Sepplmütze und singt das “Fliegerlied” der Zillertaler Dirndljäger. Was er genau singt, ist nur schwer zu verstehen, es handelt sich offenbar um ein Lied in seinem heimatlichen Idiom. Auf jeden Fall ist alles recht fröhlich, regt die Halle zum Mitsingen an und erfüllt damit genau die Kriterien für die heutige Après-Ski-Mottoshow. Ach, was für eine Befreiung nach den ganzen depressiven Themen der vorangegangenen Minuten! O-Ton Dieter: “Perfekter Auftritt, Du machst das toll!”
Platz Fünf gehört heute Sebastian Wurth, der inzwischen schon seine erste Bravo-Titelstory hinter sich hat. Im Einspieler sehen wir ihn in Köln auf der Suche nach einer Eisdiele, in die er Fernanda – wie versprochen – einladen könnte, die sei nämlich auch noch Single, genau wie er. Dabei wird er heftig umringt von seinen weiblichen Fans, was ihn erkennbar freut. Sebastian singt heute Abend den Udo-Jürgens-Klassiker “Ich war noch niemals in New York” in der Version der Sportfreunde Stiller. Ein 16jähriger, artig frisierter Junge, man gerade aus dem Stimmbruch, singt ein Lied von der Midlife Crisis… irgendwie passt der Interpret nicht so recht zum Song und der Song auch nicht zum Thema “Après Ski”, aber sei’s drum. Das war heute nicht Sebastians bester Auftritt und die verhaltene Kritik der Jury stößt auf das lautstarke Missfallen der Bravo-Fans, auch wenn Fernanda zum Trost die Eiseinladung noch etwas erweitert: “Sollen wir in New York Eisessen gehen?” Bohlen bescheinigt dem Justin-Bieber-Klon überragende Nervenstärke und konstante Bodenhaftung, also professionelle Eigenschaften, die viele seiner Hausgenossen eben nicht hätten.
Auf Platz Nummer Sechs finden wir Diva #2, Anna-Carina Woitschack. Nach einem nichtssagenden Einspielfilmchen, in dem sie etwas von Spuk in der DSDS-Villa fabuliert, von geheimnisvollen Lichtern und Schatten, und sich die Mitkandidaten darüber etwas mitleidig lustig machen, erscheint sie live und wahrhaftig mit “I will survive” von Gloria Gaynor. Anna, wie sie allgemein kurz genannt wird, trägt ein goldenes Glitzerkleidchen, wohingegen ihre Tänzer schon wieder ohne Oberbekleidung auskommen müssen. “I will survive”, das Überleben-Wollen, scheint momentan auch im Alltag der DSDS-Wohngemeinschaft ihr Motto zu sein. Während im Hintergrund die Nina-Fans herumpöbeln und buhen, gibt ihr Patrick ein bisschen unfreiwillig komische Lebenshilfe: “Ein Tipp: Beteilige Dich nicht am Zickenkrieg, mach’ lieber Joghurt – äh Joga.” Dieter erweist sich wieder als treuer Freund, sie sei die beste Sängerin im Wettbewerb und das mit der Spukerei, das könne durchaus sein, er glaube auch an so etwas und Künstler hätten doch das Recht, etwas bescheuert zu sein.
Der Auftritt von Marvin Cybulski steht wie immer unter dem Mikado-Motto, d.h. wer sich zuerst bewegt, der verliert. Bei seinem Tempo muss er aber echt aufpassen, dass er nicht mal irgendwo im Grundbuch als Immobilie eingetragen wird. Der Künstler selbst versteht die Kritik nicht, man könne sich doch zu einer Ballade auch gar nicht bewegen. Und Styling sei wohl auch nur etwas für Schwächlinge. Dennoch zwängt er sich heute in eine Lederjacke und performt – nein singt – darin “Tausend und eine Nacht” von Klaus Lage. Der Titel dürfte eher für den Refrain “…und es hat Zoooom gemacht!” bekannt sein, allerdings wohl kaum in der Altersklasse der Bravo-Leser, sondern wohl nur bei den “etwas reiferen Teenies” bis Baujahr 1970. Stimmlich okay, ist der Marvin-Auftritt optisch wie immer katastrophal – der Techniker, der den Verfolger-Scheinwerfer bedient, kann jedenfalls eine ruhige Kugel schieben. Nicht mal, als Marvin auf der umgehängten Gitarre spielt, kommt er auch nur ansatzweise in Schweiß. Fernanda ist nachher wunderbar ironisch: “Ich bin so stolz auch Dich… Du hast Deinen Arm hochgehoben, es ist fantastisch!!!” Auch Bohlen gibt sich Mühe mit den Komplimenten: “Du bist endlich weg von den Rollator-Auftritten, aber nimm Dir doch mal ein Beispiel an Johannes Heesters, der ist 107, aber der geht ab wie ein Zäpfchen, wenn er auf der Bühne steht! Das Entscheidende ist, dass die Zuschauer draußen sehen, dass Du kämpfst, um die Nummer zu verkaufen.”
Ardian Bujupi wird weiterhin als megacooler Womanizer aufgebaut. Der Einspieler begleitet ihn mit den anderen (volljährigen) DSDS-Jungs und ein paar Begleiterinnen aus der Tussi-Abteilung in einer Stretch-Limo zur Disko. Heute Abend singt er passenderweise “Tonight I’m lovin’ you” von Enrique Iglesias, einen insgesamt langweiligen Titel ohne erkennbare Höhen und Tiefen, der wenig von der Persönlichkeit des Sängers transportiert. Trotzdem kocht die Stimmung im Saal, man hört haufenweise “Ardian”-Sprechchöre. Die Jury vermisst etwas die Gefühle, die Leidenschaft, Enrique würde bei dieser Nummer viel mehr schluchzen… Immerhin kann Bohlen mittlerweile Ardians Vornamen fehlerfrei aussprechen!
Den Abend beschließt unser Meisterdenker und Gedächtniskünstler Pietro Lombardi. Schon während des ganzen Abends hält ihm Marco Schreyl immer mal wieder für eine spontane Reaktion das Mikro unter die Nase und bei Pietro wird er nie enttäuscht: Es kommt immer Schwachsinn! Der Typ scheint permanent zu pennen oder vielleicht bereitet er sich auch durch stilles Meditieren auf seinen eigenen Auftritt vor, wer weiß. “Verpeilt”, sagt man dazu ja wohl. Im Einspieler erleben wir ihn als dankbares Opfer des Löffelspiels, bei dem er kräftige Schläge mit einem Holzlöffel auf den Kopf bekommt – einem von ihm ohnehin nur selten benutzten Körperteil. Vielleicht war das aber doch der eine oder andere Schlag zu viel, denn bei seinem Titel “Freaky like me” von Madcon fällt im zweiten Teil die interne Beleuchtung in seinem Oberstübchen aus und er kann den Text nicht mehr lesen. Geschickt improvisiert er und singt einfach die erste Hälfte noch einmal, gewusst wie! Auch dieses Mal kassiert er von Dieter Bohlen, einer zweiwöchigen Tradition folgend, wieder Bargeld für den Auftritt. Aber wegen der vergeigten zweiten Strophe kriegt er auch nur die Hälfte, nämlich genau eine Hälfte eines 200-Euro-Scheins, den der vielfache Schlager-Millionär unter dem entsetzten Aufstöhnen der mehrheitlich wohl nicht oberreichen Zuschauer einfach durchreißt. Den Rest des Scheins gibt’s dann vielleicht nächste Woche, befindet der Titan. Von 200 Euro muss eine Hartz-IV-Familie mehrere Wochen auskommen und für Onkel Dieter sind das nur Peanuts, die man mal eben durchreißen kann. So herablassend mag man ihn, das ist wirklich authentisch, im Andere-Kleinmachen ist Bohlen ganz groß! Pietro versucht noch, den Textfehler irgendwie zu erklären, verhaspelt sich aber unrettbar in einem komplizierten Gewirr halb angefangener, abgebrochener Sätze, man ahnt, was für ein Chaos in seinem Kopf herrschen muss. Armer Typ, er ist und bleibt unfreiwillig komisch, der sympathisch-hilflose DSDS-Clown. Mal sehen, wie weit ihn diese Masche noch tragen wird.
Das war es mit dem ersten Teil der Sendung, wir blenden gleich über die Bülent-Ceylan-Comedyshow hinweg zur Verkündung des Urteils. Inzwischen gab es, welch Überraschung, schon wieder einen Zusammenbruch: Donnerstag war Nina, Freitag Anna-Carina, dann ist folgerichtig am heutigen Sonnabend wieder Nina Richel dran. Und richtig, die Diva sitzt nach überlebter Reanimation durch die RTL-Sanitäter auf einem Stuhl auf der Bühne, denn sie hat es nur in die Trost-Runde geschafft. Neben ihr stehen die verhasste Konkurrentin Anna-Carina und der Bewegungsmuffel Marvin Cybulski und zittern, welches Schicksal die Zuschauer ihnen zugedacht haben. Und Tusch: Die miese Stimmung im DSDS-Gefängnis bleiben uns und der Quote noch mindestens eine weitere Woche erhalten, beide Damen sind in der Top-8-Show, stattdessen fliegt Marvin! Es erhebt sich ein Chor von Buhrufen, dazwischen hört man das Flennen der überwältigten Nina. Marvins Rauswurf geht wohl in Ordnung, immerhin handelt es sich ja um eine Fernseh- und keine Radiosendung und da muss man sich Wohl oder Übel auch mal bewegen, eine tolle Stimme allein reicht da leider nicht aus. Bemerkenswert sind aber Marcos Abschiedsfragen und Marvins letzte Antworten im Lichte der Fernsehkameras. Marco: “Was hast’e gelernt bei uns?” Marvin: “Ne Menge, ist nicht alles Gold, was glänzt, hier, neh!” Nochmal Marco: “Wirst Du Zuhause ab und an jetzt mal’n bisschen vor Dich hintanzen?” und dazu Marvin: “Das kannst’e vergessen, aber ich geh’ meinen Weg, hundertprozentig!!!”
Bis zur nächsten Woche – und mein ganz besonderer Gruß geht heute mal an Emma!
Nachtrag (07.03.2011):
Aus der heutigen Blödzeitung erfahren wir, dass Nina am Sonnabend nach der Sendung noch einen weiteren “Zusammenbruch” inszeniert erlitten hat und daraufhin von ihrem Papi aus dem Wettbewerb genommen wurde. RTL würde die ganzen Querelen künstlich erzeugen und aufbauschen, er habe nun die Schnauze voll, lasse seine Tochter vom Fernsehen nicht weiter kaputtmachen. Ob das jetzt sein letztes Wort ist oder Nina morgen schon wieder auf der Matte vor der DSDS-Villa steht, lässt man offen.





