• DSDS (RTL) 31.01.2010 4 Comments

    Und weiter geht’s bei “Deutschland sucht den Superstar”, Edition 2010. In den sieben vorangegangenen Casting-Terminen haben Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller unter dem wachsamen Blick der RTL-Kameras das Feld von 35.000 Bewerbern auf 120 Kandidaten eingedampft. Insbesondere Dieter hat dabei Schwerstarbeit geleistet und sein Bestes gegeben, nämlich sein Geld: Jedes Mal, wenn er das böse Sch-Wort sagte, musste er einen Euro in ein Sparschwein werfen. Lt. RTL sind so mehr als 5.000 Euro zusammengekommen, die nun an die Erdbebenopfer in Haiti gespendet werden. Und wenn man ehrlich ist, waren diesmal auch tatsächlich haufenweise Ein-Euro-Kandidaten im Casting. Ich kann nur hoffen, dass die meisten von den wirklich begabten Bewerbern bisher einfach nur noch nicht gezeigt wurden, weil die Vollpfosten spektakulärer waren…

    Das Recall der 120 Besten findet in Köln statt. Man sieht, wie die verbliebenen Kandidaten aus allen Winkeln der Republik in der Domstadt zusammenströmen und sich schließlich auf der Bühne versammeln. Dazwischen springt auch wieder Marco Schreyl herum, der uns ab heute als professionell-nerviger Moderator bis zum DSDS-Finale begleiten wird. Gleich in der ersten Recall-Runde geht es voll zur Sachen, die Kandidatenzahl soll auf die Hälfte reduziert werden, 60 Leute müssen also schon heute wieder gehen. Vorab wird aber erstmal der Einzug der Jury bombastisch inszeniert, die 120 Recall-Teilnehmer klatschen sich die Hände wund, um ihre drei Richter milde zu stimmen. Die sprechen alle noch ein paar salbungsvolle Worte der Preislage “gebt Gas”, “wir erwarten Euer Bestes”, “verkauft Euch optimal” usw. Dieter bringt es ganz plastisch auf den Punkt mit einem Tipp für die Damenwelt: “wenn jemand von Euch dicke T…[Pfeifton RTL]  hat, dann zeigt das auch”. An diesem Pfeifton kann man übrigens mal die aktuelle Grenze der Political Correctness verorten, sie verläuft offensichtlich zwischen den Worten “Scheiße” und “Titten”. ;-)

    Im ersten Durchgang müssen nun – nach Männlein und Weiblein getrennt – alle Bewerber einzeln nach vorn treten und ein paar Takte singen. Beginnen wir mit den Herren der Schöpfung. Bemerkenswert ist Thomas Karaoglan, der schon im Casting von Bohlen “Checker” getauft wurde. Wo andere Kandidaten nur stocksteif ihre Takte runtersingen, performt der 16-Jährige sein “Ain’t no Sunshine” regelrecht. Bohlen ist begeistert: “Ist so groß wie ‘ne Parkuhr, aber macht hier vorn auf dicke Hose”. Der Checker nutzt das offene Mikro und wünscht seinen Mitbewerbern etwas großspurig “viel Glück”. Mich erinnert der Typ etwas an Benjamin Herd aus DSDS 2008; mal sehen, wie weit die arrogante Masche trägt.

    Kevin Rebstock hat seine blonden Haare seit dem Casting wieder auf schwarz umgefärbt und hochgegelt. “Du siehst aus wie einer von den Prinzen“, befindet Bohlen. Als der 19-Jährige enttäuscht mault, schiebt der Poptitan noch halbherzig nach, das sei als klare Verbesserung zu verstehen. (Ich orakel mal: Vergiss es, Kevin, “besser” muss noch lange nicht “gut” bedeuten.) Bevor er seinen Titel “Broken Strings” beginnt, macht der Kandidat vor Aufregung oder zur Lockerung der Zunge ein paar bemerkenswert bekloppte Grimassen, die ihm vielleicht einen Sekundenauftritt bei Stefan Raabs TV-Total einbringen. Kevins Song ist dann bereits nach einigen Takten mit einem “Dankeschön” der Jury vorbei.

    Jetzt kommen schnell nacheinander diverse Typen, die sich vor allem darin überbieten, der Jury bei ihren kurzen Gesangsparts möglichst penetrant nah auf die Pelle zu rücken. Dirk Petry macht es vor und knödelt seine Takte fast direkt in Ninas Ohr, bis Dieter ihm mit einer Zeitung auf sein Markenzeichen haut, den schwarzen Cowboyhut. Helmut Orosz tut es ihm nach und Dominik-Büchele-Klon Eugen Flittner geht ebenfalls direkt vor Nina auf die Knie – langsam wird’s peinlich. Menowin Fröhlich wird vergleichsweise stiefmütterlich kurz abgefrühstückt (hat der nochmal zugenommen?).

    Malcolm Ohanwe will nach dem “Dankeschön” der Jury, das einem “halt die Klappe” gleichkommt, unbedingt noch weiter singen und fängt eine längere Diskussion mit Dieter, dem Halbgott an. Das kennen wir ja bereits aus Malcolms Casting, wo der Nervkopf überhaupt erst durch impertinentes Betteln in den Recall gelassen wurde. Bohlen beginnt der Geduldsfaden zu reißen und er brüllt den 16-Jährigen mehr oder weniger im Spaß an, er solle gefälligst in die Gruppe zurück gehen.

    Nelson Sangare macht sich bei der Jury keine Freunde, als er seinen kurzen Auftritt erstmal mit einer Beschwerde über aufkommende Hungergefühle und die mangelhafte Verpflegung vor Ort startet. Damit darf man einem Profi wie Bohlen nicht kommen: Das eigene Wohlbefinden habe zurückzustehen, er selbst hätte über den Tag auch erst eine halbe Birne gegessen und müsse überdies seit einer Stunde dringend aufs Klo, gibt er bekannt. Als Nelson dann in seinem Titel “Bilder von Dir” (Laith Al-Deen) einen Texthänger hat, weiß Bohlen auch sofort, wie das kommt: “weil Du immer nur ans Fressen denkst”. Anschließend lässt der Poptitan aber Gnade walten und schickt die Bewerber in die verspätete Mittagspause.

    Malcolm, der peinliche Nervbold, nutzt den allgemeinen Aufbruch, bemächtigt sich des Mikros und muss dringend noch Stevie Wonders “I just called” (mein persönliches Hasslied) singen, während alle anderen vorbei gehen und ihn höchstens mit einem Kopfschütteln oder Lachen bedenken. Keine Ahnung, welche tiefsitzenden Komplexe er da befriedigt, aber zum Superstar macht ihn das garantiert nicht.

    Thomas, der Checker, kriegt kurz darauf beim Essen einen schweren Arroganzanfall, schnappt sich ebenfalls ein Mikro und fängt unter den Buhrufen seiner Konkurrenten eine überlange Performance am Mittagsbüfett an. Der Typ entwickelt sich für mich zum ersten Anwärter auf den Holger-Göpfert-Gedächtnispokal für überflüssige Unsympathen. Er glaubt vermutlich, er sei Gottes Geschenk an die Menschheit und die Welt schulde ihm aufgrund seiner Coolness eine Karriere als Superstar. Bestimmt hat er ein Foto von sich im Portmonee. Ich werde gern mit ansehen, wie “der Checker” – hoffentlich bald – auf dem Boden der Realität aufschlägt. Für den Moment hat es sich jedenfalls ausgesungen, als Mitbewerber Mehrzad ihm unter dem Beifall aller Anwesenden und mit etwas physischem Nachdruck das Mikrofon abnimmt.

    Nach der Mittagspause “kommen die Mädchen dran” (O-Ton Schreyl). Auch hier gibt es nervige Krawallschachteln, die man lieber von hinten als von vorn sieht. Eine gewisse Ina Freund (17), war mir schon im Casting negativ aufgefallen und bestätigt das im Recall auch. Nicht nur, dass sie auf dem Kopf ein Dings trägt, das wie Omas Einkaufsnetz aussieht, sie kann auch vor dem Mikro kein Ende finden und diskutiert mit der Jury endlos in einer sehr unangenehm hohen Tonlage, ob sie noch ein zweites Liedchen trällern darf. Trotz “Nein” macht sie das dann einfach und fängt sich dafür von Dieter einen Vergleich mit seiner Verflossenen Verona (“Blubb”) ein, die wohl auch des Öfteren durch häusliche Insubordination aufgefallen war.

    Als nächstes lanciert der Tötensener einen schönen Witz auf Kosten des wandelnden Tuschkastens Kim Debkowski: “Wenn eines der anderen Mädchen noch etwas Makeup braucht, knutscht einfach Kim, dann seid ihr geschminkt.” Ansonsten mag er die 17-Jährige aber, sie habe sich seit dem letzten Jahr extrem weiterentwickelt. Angeliki Paitari hat einen sexy gelben, schulterfreien Fummel aus dem Schrank geholt und präsentiert Dieter darin ihre vielen Schokoladenseiten. Sie legt soviel Wert auf Posing, dass ihr Song “Lady Marmalade” dabei etwas unter die Räder kommt. Am Ende räkelt sie sich auf dem Jury-Tisch. “Wenn Du so singen würdest, wie Du von hinten aussiehst…”, meint Dieter nur und guckt ihr ungeniert auf die Rundungen direkt vor seiner Nase.

    Meike Büttner kündigt im Einspieler schon an, was im Recall dann wirklich passiert: Sie vergisst bei ihrem ohnehin dürftigen Gesang den Text. “Du siehst so wuschig aus, was ist mit Dir los?”, erkundigt sich Bohlen. Ihre Antwort “das war Scheiße” und seine Bestätigung kosten normalerweise je einen Euro. Das Ding ist wohl gelaufen.

    Dann kommt die Entscheidung, welche 60 Kandidaten weiter kommen und für wen der Superstar-Traum an dieser Stelle zu Ende ist. Weiter sind u.a. Angeliki Paitari, Thomas “Checker” Karaoglan, Kevin Reichmann, Naomi Marte, Marcel Pluschke, Nelson Sangare, Valeria Giordano, Menowin Fröhlich, Kim Debkowski, Maria Elena Valenzia, Ina Freund, Helmut Orosz, Manuel Hoffmann, Ruzhdi Bojani, Dirk Petry, Mehrzad Marashi, Meike Büttner (Sensation!) und die bettelnde Nervensäge Malcolm Ohanwe.

    In der nächsten Recall-Runde werden nun Gruppen gebildet, die jeweils zusammen einen von der Jury ausgesuchten Titel performen müssen. Die Hoffnung bei uns Zuschauern ist natürlich, dass dabei Leute zusammengesteckt werden, die nicht miteinander können. So, wie die zuerst vorgestellte Gruppe bestehend aus Thomas, Nelson, Malcolm und Manuel. (Ich glaube, jede Gruppe, zu der Thomas gehört, hätte Probleme…) Thomas schläft lieber, als den Text zu lernen, findet mit dieser Einstellung aber nur wenig Verständnis bei den anderen. Mit seinem Fehlverhalten konfrontiert, wird der selbst ernannte “Checker” auf einmal wieder zu einem unreifen 16-Jährigen und fängt an zu weinen, was ihn fast schon wieder sympathisch macht! Die nächste Auszeit nimmt sich Malcolm, der aus ungeklärten Gründen nicht zur Probe erscheint und auch keine plausible Erklärung dafür hat. Beim Auftritt machen Manuel (sehr) und Nelson (ziemlich) ihre Sache gut, Thomas und Malcolm zersägen dagegen Xavier Naidoos “Das hat die Welt noch nicht gesehen” gnadenlos. Rausfliegen tut am Ende nur Malcolm, die Nervensäge, der Checker hat sich dagegen beim Bohlen schon so tief eingeschleimt, dass er momentan sicher ist.

    Dirk und Anastasia funktionieren als Duo gar nicht, offenbar mag die Russin den merkwürdigen Deutschen mit Hut nicht. Sie üben nicht ein einziges Mal zusammen und versäbeln beide den Titel auf der Bühne tutto kompletto. Was der Blondine an Textsicherheit fehlt, verknödelt der Möchtegerncowboy in der Melodie, wenn man das überhaupt so nennen darf. Bohlen wettet um einen 6er-Träger Bier, dass Dirk nicht mal die Melodie hinkriegt – und behält Recht. Statt sich wenigstens über die gewonnene Wette zu freuen, füttert Dieter sein Sparschwein: “Euer Auftritt ist nicht mal mehr Scheiße, für ‘Scheiße” müsstet ihr noch fünfmal besser sein.” Das war deutlich. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen kriegen die beiden noch eine Gnadenfrist bis zum Ende des Recall und sollen dann ein weiteres Mal auftreten.

    Bei Angeliki (die mit dem knappen gelben Fummel) und Helmut funkt es dagegen sofort, die beiden planen regelrecht, mit “gezieltem Körpereinsatz” bei der Jury zu punkten. Sie legen dann auch tatsächlich ein tolles Duett mit “Will you still love me?” hin, inklusive abschließendem Kuss, obwohl sich die eigentlich fest liierte Angeliki den vorher verbeten hatte. Sex sells, die Jury ist begeistert und winkt beide durch in die nächste Recall-Runde.

    Danach kommt eine reine Mädchentruppe mit – abgesehen von Valeria – im Casting nicht weiter aufgefallenen Mitgliedern (Olga, Zemine, Andrea, nie gehört!). Die zicken sich alle abwechselnd an, irgendwelche Geschichten mit kaputten Strumpfhosen, unfertigem Makeup, Ärger mit der Mutter usw., fragt mich nicht nach Sonnenschein. :-( Das Timing kriegen sie schon mal nicht hin, die letzten 45 Minuten vor dem drohenden Auftritt beschuldigen sich alle gegenseitig, den Probetermin vergessen zu haben. Der Streit endet erst, als sich die Studiotür öffnet und ihr damit völlig ungeprobter Auftritt von Rihannas “Take a Bow” beginnt. Wenigsten haben sich einige von ihnen Bohlen-adäquat aufgebrezelt und ihre sekundären Geschlechtsmerkmale (Stichwort “Pfeifton”) gut sichtbar in zu enge Kleider gequetscht. Der Auftritt hätte m.E. noch schlimmer ausfallen können, aber Bohlen reicht es trotzdem und die Jury fällt ein hartes Urteil: Zwar steht Dieter default auf “dicke Dinger”, wie man der einschlägigen Presse entnehmen kann, aber in diesem Fall hilft das nur noch Zemine, der Rest der Damen ist raus. Olga heult verzweifelt in die Kamera “aber ich hab’ doch für DSDS die Schule aufgegeben…” (!!!); die Schminke tropft ihr dabei vom Gesicht in die üppige Oberweite. Das ist die dunkle Seite dieses Wettbewerbs, wie immerhin 34.999 der 35.000 ursprünglichen Teilnehmer irgendwann merken werden…

    In einer kurzen Sequenz sieht man noch weitere Überlebende dieser Recall-Runde, z.B. Kevin Reichmann, Marcel Pluschke, Maximilian Salzinger, Kim Debkowski, Kevin Rebstock, Naomi Marte, Meike Büttner (die Sensation geht weiter!), Maria Elena Valenzia und Maria Sowieso.

    Sarah Engels und Eugen Flittner sollen “You don’t know me” von Milow präsentieren, doch werden sie durch Sarahs mieses Gedächtnis geplagt, das sich der Datenaufnahme konsequent widersetzt. Auf der Bühne hat sie dann den befürchteten Totalaussetzer und Bohlen kriegt die Pimpernellen: “Leute, dafür ist mir meine Zeit zu kostbar, so ‘ne [Ein-Euro-Wort] hör’ ich mir nicht an.” Er schmeißt beide auf der Stelle aus dem Recall – dabei war Eugen vorher ein echter Hoffnungsträger und hatte keine Schuld an dem Desaster. Ach, was kann die Welt ungerecht sein.

    Menowin, Ruzhdi, Mehrzad und Joel bilden eine Boy-Group mit hundertprozentigem Migrationshintergrund und haben “You give me something” von Jamiroquai eingeübt. Ruzhdi demonstriert mit seiner hochgestellten Frisur eindrucksvoll die Gefahren der Föhnbenutzung in Badewannen. Leider kann er sich den Text nicht merken und mit seinem Englisch ist es auch nicht weit her, darum wird er bei seiner Darbietung etwas von dem mitgebrachten Textzettel behindert. Menowin hat sich fast zur Unkenntlichkeit vermummt, die Mütze ist tief über seinen runden Kopf gezogen, er trägt eine fette Sonnenbrille und hat auch noch einen dicken Schal um. Angeblich ist er erkältet. Trotzdem hat er zusammen mit Mehrzad eine richtige Tanzchoreographie eingeübt, Joel klampft dazu und Ruzhdi steht beim Singen etwas am Rand und starrt vor allem auf seinen Zettel. Bohlen ist recht angetan und gibt den vier unisono die Fahrkarte in die nächste Recall-Runde, wobei Ruzhdi deutlich abfällt und eigentlich nur wegen seiner vorherigen guten Leistungen weiter kommt.

    Zum Ende kriegen Dirk und Anastasia noch ihre versprochene zweite Chance und nutzen sie auch. Die Auftritte sind zwar beide etwas skurril, aber Bohlen will sehen, wie sie sich weiterentwickeln und winkt sie durch. Dirk löst bei dieser Gelegenheit seine Wettschulden von vorhin ein und schleppt gleich mehrere 6er-Träger Beck’s-Bier an (wie man trotz Überpixelung mit etwas Erfahrung erkennen kann).

    Nach dem Gemetzel der ersten Recall-Runden versammelt die Jury nun die übrig gebliebenen 35 Kandidaten, hält ihnen noch eine Predigt  und verkündet dann, wo der Recall fortgesetzt wird: Es geht in die Karibik!!! Mit Dieter unter Palmen, wer hätte insgeheim nicht schon immer davon geträumt, in der nächsten Woche wird es wahr! Man sieht sich…

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  • DSDS (RTL) 17.01.2010 1 Comment

    Weiter dreht sich das DSDS-Karussell und spuckt zweimal pro Woche vor allem neue D-Promis aus, nämlich Leute, die mal vergeblich versucht haben, ein C-Promi zu werden. Wirklich gute Kandidaten sind scheinbar selten geworden, dafür gibt es viel mehr Freaks und Vollpfosten als früher – sogar Dieter Bohlen gehen beim Zusammenscheißen der Bewerber inzwischen hin und wieder mal die Superlative aus. Bin gespannt, welche neuen Verbalinjurien und Fäkalvergleiche ihm heute wieder einfallen, Grund genug gibt es bestimmt…

    Und damit sind wir auch schon beim Thema, der heutige Abend startet nämlich mit Julia Sadzig, einer 23jährigen Mathe-/Anglistik-Studentin, die nach eigenem Bekunden hinsichtlich Stimme und Aussehen “auf jeden Fall überdurchschnittlich talentiert”  ist. Ich weiß nicht, weshalb die Frau Zuhause keinen Spiegel hat, aber das hätte ihr mit Sicherheit den peinlichen Gang zum DSDS-Casting erspart. Auf mich wirkt Julia eher wie eine Mischung aus “Nachtschwester Ingeborg” und verquaster Psychologie-Studentin im 17. Semester; wegen der dürftigen Optik wäre sie auf jedem Fall im Radio besser aufgehoben. Na, warten wir mal auf die Stimme…

    Nach ihrer einseitig stürmischen Begrüßung der Jury, bestehend aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller, schmettert Julia lautstark, aber falsch, Katy Perrys “Hot N cold” und fängt dabei auch noch an, sich auszuziehen. Das will außer ihr selbst natürlich niemand sehen; auch Volker ahnt, was kommt und stoppt den Auftritt nach einer halben Strophe. Dieter gibt der Kandidatin dann den Fangschuss: “Deine Stimme klingt wie ‘ne alte Oma… aber beim Kacken!” (Tut mir Leid, das schreibt sich sehr rüde, aber uns Dieter hat das wirklich so gesagt… Ich werd’ mir hinterher zur Strafe die Hände mit Seife waschen, versprochen!) :-(

    Als nächstes kommt Sinan Öztürk (21) aus Bremen an die Reihe. Er hat kaum Erfahrung im Singen, dafür ist er lt. Einspieler ein super Hip-Hop-Tänzer (war mal Weltmeister) – auch wenn man das bei seiner eher vollschlanken Figur kaum vermuten würde. Vor der Jury darf er zunächst die verschiedenen Spielarten des Hip Hop vorturnen, muss dann Dieter Rede und Antwort stehen, weshalb er (Sinan) so dick ist und darf dann zur Klampfe den Titel “You don’t know” von Milow vortragen. Das Singen klappt bestens, er hat eine gute Stimme und kommt ohne Probleme in den Recall. Schöner selbstironischer Nachklapp von Sinan hinterher draußen auf dem Flur: “Sie haben mich gezwungen zu tanzen… sie wollten auch erst nur meinen Körper!” :-)

    Nach einem passablen Kandidaten kommt bei DSDS immer ein Vertreter der Sockenschuss-Fraktion, das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Der angeblich 21jährige Benjamin Dehner sieht in seinem dämlich-bunten Kinder-T-Shirt keinen Tag jünger aus als 14 und ist mit seinen Eltern aus dem Schwabenland angereist. Keine Ahnung, welches Trauma ihn quält, aber er scheint unter dem Zwang zu stehen, seine mangelnde Größe mit Lautstärke kompensieren zu müssen. Die Verkaufszahlen für Puddle of Mudds “She fuckin’ hates me” dürften wegen Benjamins Versuch, diesen Titel zu singen, eher sinken als steigen. Der schmächtige Kandidat brüllt bei seinem “Lied” die Jury mit voller Lautstärke an, eine Melodie ist nicht zu erkennen und den Erfolg seiner Darbietung können die erfahrenen DSDS-Zuschauer bereits den erschütterten Gesichtern der Jury entnehmen. Dieter findet für Benjamins Versuch wie immer einen unappetitlichen Vergleich aus dem Reich der Körperöffnungen. Ich bin zwar kein Psychologe, aber so langsam würde ich ihm mal eine ausgeprägte Analmacke attestieren. :-(

    Ina Freund, 17, ist Bäckereifachverkäuferinazubi und nervt mich schon im Einspieler mit ihrem hochfrequenten Gelaber. Zu Beginn ihres Auftritts macht sich Dieter Bohlen mit dem Mega-Gag “hast Du ‘n Freund” – “wieso?” – “wegen dem Nachnamen” [sic!]  auch als König der Witzeerzähler unsterblich. Danach übernimmt Ina für ein paar Minuten das Zepter und textet Jury und Zuschauer mit uninteressanten Geschichten über Konditoreien, Bäcker und ihre Gewichtszunahme dicht. Dann endlich kommt der Titel “Hurt” von Christina Aguilera, den Ina leider so gut singt, dass die Jury sie zum Recall einlädt. Das ist Wasser auf die Mühlen ihrer Selbstverliebtheit; mit ein paar hohen Quietsch- und Fieptönen bedankt sie sich beim Poptitan und seinen Mittribunalisten. Diese Kandidatin landet bei mir ganz klar in der Schublade “überflüssige Nervensäge”. ;-)

    Mit 24 Jahren gehört Nelson Sangare in dieser Staffel bereits zu den Senioren. Seine Eltern stammen aus Mali, er selbst studiert in Maastricht, wird oft als Träumer bezeichnet und ist (noch) Single. Das nimmt RTL zum Anlass, bei seinem Vorsingetitel “Was immer Du willst” von Marlon mit kleinen eingeblendeten Animationen (Blitzaugen und Strahlezähne) den Eindruck zu erwecken, er schmachte Jurorin Nina an. Nelsons Auftritt ist richtig gut und er kriegt sofort den begehrten gelben Zettel. :-)

    Jetzt kommt schon wieder eine Überqualifizierte: Die blonde Katja Moschella ist 29, kommt aus Rodgau und kann Klavier und Triangel (!) spielen. Was sie noch alles kann, auch außerhalb der Musik, diktiert sie dem Fernsehteam direkt in die Kamera. Man fragt sich unwillkürlich, wieso sie sich heute überhaupt mit dem DSDS-Casting abgibt, das müsste doch eigentlich völlig unter ihrem Niveau sein. Dass sie es bis unter die letzten 10 Kandidaten schafft, steht für sie zu “100 Prozent” fest. Genau solchen arroganten Bewerbern sehe ich am liebsten zu, wenn sie vor Dieter der Länge nach auf die Schnauze fliegen und danach von ihm gevierteilt werden. Mal sehen, welche Hinrichtungsart Katja wählt.

    Nach der Vorstellung ihres Repertoires entscheidet sich Bohlen für Christina Aguileras “Hurt”, denn Katja hat angekündigt, dass sie bei diesem Titel voll aus sich heraus ginge und man ihre Stimme dann richtig hören könne. Hmm, ich habe bei dem dünnen Gesang, den sie dann von sich gibt, zuerst den Eindruck, sie probe noch und singe sich erst ein, aber das war dann tatsächlich bereits die echte Vorstellung. Nina muss Bohlen mit einem Streichler trösten, als der nach den passenden Worten sucht, um seine Enttäuschung möglichst unfreundlich zu verpacken: “Katja, wenn das der Titel ist, bei dem Du aus Dir rauskommst, dann bleib’ lieber da, wo Du bist, wo auch immer das ist.” Das ging ja noch, mit dieser Kritik kann sie eigentlich ganz zufrieden sein, finde ich. Der Poptitan hat noch nicht mal ihre unvorteilhafte Figur erwähnt, obwohl er doch sonst gern die Speckröllchen seiner Kandidaten anspricht. Das war’s mit dem Superstar-Traum und Katja säuselt beim Hinausgehen noch ihr Erschrecken darüber in die Kamera, dass die Jury so hochnäsig sei. Na, das sagt ja genau die Richtige… :-(

    Als Wiederholungstäterin erweist sich die 17jährige Schülerin Kim Debkowski, die dank einer mehrstündigen Schminkaktion jetzt wie Pocahontas aussieht. Wegen ihrer Unfähigkeit, sich Texte merken zu können, war ihr Weg in der letzten DSDS-Staffel in der zweiten Runde zu Ende. Jetzt steht sie wieder vor der Jury, nach eigener Einschätzung musikalisch wesentlich gereifter. Man kann ihr eine gewisse altkluge Überheblichkeit nicht ganz absprechen, als sie Dieter Bohlen ihren Talisman in Form eines Stofffrosches zeigt, der seinetwegen “Dieter” getauft wurde. “Weißt Du doch noch vom letzten Mal!”, quakt sie herum, als Jury-Dieter sich nach dem Namen des Frosches erkundigt. Auch Kim hat einen Titel von Christina Aguilera vorbereitet, nämlich “Beautiful”. Dieter ist ganz angetan von ihrer Röhre, hat der Gesangsunterricht also tatsächlich was gebracht. Sie kommt damit in den Recall und bei mir wieder in die “Nervensägen”-Schublade. ;-)

    Jetzt wird’s himmlisch, denn ein Typ namens Norman (kein Nachname, kein Alter) hat angeblich wirklich den Lieben Gott bemüht, ihn bei seinem Casting-Auftritt zu unterstützen. Der Jury verklugfiedelt er mit grenzwertiger Grammatik und nuscheliger Aussprache sein Weltbild und dass er “Freier Christ” sei. Dieter versteht “Artist” und ist verwirrt. Später versteht er’s dann, meint, alle Menschen glaubten doch irgendwie an Gott, Volker widerspricht “ich nicht”, worauf ihm der Jurychef einen Blitz aus heiterem Himmel wünscht. “Ich sitze hier neben einem Atheisten, pfui Deibel”, meint er noch. Nach diesem Geplänkel vergreift sich Norman an Ushers “My Boo”, ist dabei aber von allen guten Geistern verlassen, denn er kann offenbar weder die Melodie, noch ist bei ihm im Englischunterricht etwas Nennenswertes hängen geblieben. Dieter erweist sich als bibelfest: “Zur Zeit von Moses wärst Du die elfte Plage gewesen.” Mit drei “Neins” verlässt der Kandidat das Studio. :-(

    Nun erscheint die 17jährige Stefanie Bank vor dem Richtertisch, gibt als Vorbild Lady Gaga an, sieht aber selbst wie Lieschen Müller aus. Sie singt überraschenderweise nichts von Lady Gaga, sondern fistelt stattdessen etwas an “Ich bin ich” von Rosenstolz herum. Oh Mann, warum bremst denn kein Bekannter im Vorfeld solch ein musikalisches Himmelfahrtskommando – dass Stefanie keinen blassen Schimmer vom Singen hat, müssten doch sogar die Unbegabtesten erkennen. Mit Dieters Urteil “Du bist von allen heute die schlechteste.” gehen Stefanies “15 minutes of fame” im Scheinwerferlicht unwiderruflich zu Ende, aber vermutlich wird sie noch ihren Enkelkindern davon berichten. :-(

    Aus Bali kommt die nächste Kandidatin, die 28jährige Sri Haendly, die mit Mann und Tochter in Thüringen lebt und mich rein äußerlich etwas an die berühmte Narumol von “Bauer sucht Frau” erinnert. Dieter tut sich keinen Zwang an, philosophiert über den Südostasiaten an sich und gewährt wieder ungefragt einen Einblick in sein Seelenleben “also, das Devote, was Ihr alle habt, ich steh’ da total drauf”. Sri lächelt dazu höflich, überrascht aber dann mit ihrer Titelauswahl: Sie singt von Guns N’ Roses “Sweet Child o’ mine” trotz ihrer geringen Größe in erheblicher Lautstärke und verdient sich damit den Einzug in die nächste Runde. :-)

    So, nun gibt es gemäß dem DSDS-Abwechslungsprinzip wieder einen Problemfall. Adam Piecha (24) kommt mit seiner gut einen Kopf größeren Freundin zum Casting. “Der Adam ist stabil, der steht mit beiden Beinen fest im Leben.”, ist deren fast antiprophetisch zu nennende Aussage. In Wirklichkeit sieht der schon etwas angegriffen aus, als er vor die Jury tritt, kurzatmig und mit verschwitzter, kalkweißer Birne. Seinen Titel “Bed of Roses” von Bon Jovis kriegt er gerade noch hin, kassiert von Volker und Nina dafür jeweils ein “Nein”, dann zerlegt es ihn kreislauftechnisch: Noch vor Dieters Urteil fällt er in Ohnmacht und kippt rückwärts in die Kulissen. (Die Stelle wird von RTL genüsslich dreimal in Zeitlupe wiederholt.) Während die Sanitäter sprinten, meint Bohlen nur trocken “also an mir hat es diesmal nicht gelegen”. Adam berappelt sich in Windeseile und darf dann auf Anweisung von Dieter noch ein zweites Lied singen. Das klappt ganz gut und es gibt von Dieter ein “Ja”. Insgesamt also zweimal “Nein” und einmal “Ja” und das heißt normalerweise “Tschüss”! Aber wir sind ja hier nicht in einer demokratischen Sendung, bei DSDS gibt es weder Gerechtigkeit noch Arithmetik und nur Bohlens Stimme zählt wirklich, das macht er auch Nina unmissverständlich klar. Die ändert ihre Antwort eilfertig in ein “Ja” um und damit kommt Adam in den Recall. Was für eine Farce! ;-)

    Jetzt muss ich mal böse werden: Menderes Bagci ist mittlerweile 24, klingt wie ein 11jähriges Mädchen, benimmt sich auch so und hängt schon seit sechs Staffeln wie ein Furunkel an DSDS. Trotz mehrerer Bewerbungsverbote, die Dieter himself ausgesprochen hat, ist eine Staffel ohne den pathologisch infantil wirkenden Michael-Jackson-Fan offenbar nicht vorstellbar. Diesmal hat er lt. RTL-Drehbuch angeblich einen raffinierten Plan entwickelt, um unerkannt bis ins Allerheiligste zu Dieter Bohlen vorgelassen zu werden: Er hat sich verkleidet und unter dem falschen Namen “Taki” beworben. Er sieht beim Betreten des Studios aus wie eine Mischung aus Johnny Depp und Xavier Naidoo. Die Jury tut pflichtschuldig überrascht, als “Taki” beim Singen von Stevie Wonders “I just called” (ohnehin mein persönliches Hasslied!) plötzlich in Menderes dünne Mädchenstimme verfällt. Er ist sofort enttarnt. Man lacht und natürlich wissen alle Anwesenden, dass der blasse Nervbold auch diesmal nicht weiterkommen wird. Alles andere wäre für ihn ja auch eine Katastrophe, denn schließlich lebt er von seinem Image als chronischer Dauer-Loser. An seiner Stelle würde ich mir aber so langsam eine neue Show einfallen lassen, denn selbst in Landdiskos wird es langfristig keinen Bedarf mehr für Michael-Jackson-Doubles geben.

    Bohlen macht den pietätlosen Vorschlag, nun, wo Michael Jackson tot sei, könne doch Menderes dessen Gesicht auftragen. (So ein Quatsch, wo doch jeder weiß, dass die Nase eh schon kaputt war!) Außerdem sei er jetzt der einzige legitime Nachfolger des King of Pop, wieso er denn nun gerade ein Lied von Stevie Wonder singen müsse, der lebe ja noch. Der Kandidat scheint außerhalb des Drehbuchs doch etwas begriffsstutzig zu sein, denn er brabbelt ein paar zusammenhanglose Worte, will der Jury die Hand schütteln, doch Bohlen lässt ihn nicht so einfach davonkommen: “Singst Du nichts mehr von Michael?” Menderes seufzt tief: “Ich könnte vielleicht von den Beatles was singen.” Dieter wird sauer: “Jetzt, wo Michael tot ist, wo Du es endlich geschafft hast, kommen wohl die anderen Promis dran? Nächste Woche gucke ich in die Zeitung, ist Stevie tot, ist Paul McCartney tot…”

    Aus heiterem Himmel, wohl einer inneren Eingebung folgend, bittet Menderes an dieser Stelle darum, eine zweite Chance zu kriegen und das Lied von vorhin nochmal singen zu dürfen. Das hätte er man besser nicht gesagt, denn angesichts seiner kostbaren Lebenszeit, die Michaels illegitimer Nachfolger gerade so sinnlos verschwendet, wird Bohlen nun doch etwas ausfallend: “Du kannst nicht singen, Du wirst nicht singen können, Du bist Scheiße und ich will Dich eigentlich hier nicht wieder sehen.” (Endlich klimpert mal ein Euro in Dieters Scheiße-Schweinchen.) Auch von Nina und Volker gibt es das wenig überraschende “Nein”, wenn auch freundlicher. Bohlen fragt nach dem Alter des Kandidaten und bricht theatralisch zusammen, als er sich klar macht, dass der bis zum Erreichen der Altersgrenze noch sechs Mal wiederkommen kann (und wird). Für dieses Jahr war es das aber, der peinliche Auftritt ist vorbei und Menderes wirkt ehrlich geknickt, als er das Studio mit gesenktem Kopf verlässt. “Ich werde niemals aufgeben”, droht er draußen der versammelten Weltpresse. :-(

    Mit dieser beunruhigenden Ankündigung entlässt uns RTL in das Rest-Wochenende; am Mittwoch gibt es schon die nächste Ladung von Knallschoten und Wunderkindern, man sieht sich!

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