• DSDS (RTL) 07.03.2010 1 Comment

    Hallo Leute,

    trotz – oder gerade wegen – des lausigen Wetters draußen steht der heutige Abend von “Deutschland sucht den Superstar” unter dem Motto “Happy Holiday Hits”. Nach dem standesgemäßen Empfang der Jury aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller muss der Poptitan aus Tötensen erst mal dringend was loswerden. Dieter hat offenbar bei Pro Sieben und ARD heimlich die Suche nach einem Lied für Oslo gesehen und mokiert sich, ohne Namen zu nennen, über zu lasche Jurys in anderen Castingsendungen. Das Business sei so brutal und knallhart, da könne man nicht jedem sagen “Du singst gut”, da helfe den Kandidaten nur der von ihm selbst gepflegte harte Kritikstil. Mal sehen, wie oft er den heute auch wieder gebrauchen wird…

    Nach ein paar musikalisch unbedeutenden Lockerungsübungen der verbliebenen acht DSDS-Kandidaten kommt die erste Gelegenheit für Dieter zu kritischen Äußerungen. Chefanimateur Helmut Orosz schaltet bei seinem Auftritt wie gehabt Dauergrinsen und Posing-Generator ein und singt Joe Cockers “Summer in the City”. So ereignislos wie sein Einspieler, ist auch Helmuts heutige Performance. Moderator Marco Schreyl lässt sich hinterher seinen neuen Tanzschritt (so eine Art doppelte Pirouette) vorführen, das war es denn aber auch schon. Die Jury ist grundsätzlich zufrieden, will aber noch mehr vom “Rocker” sehen. Helmut gelobt, noch besser werden zu wollen und alles zu tun, um das Publikum immer toll zu unterhalten. So ein Sülzmichel! Ein echter Rocker hätte seine Unabhängigkeit von der Massenmeinung einfach per Mittelfinger artikuliert…

    Nelson Sangaré hatte für seine Homestory seit einigen Sendungen noch immer einen Pfeil im Köcher: Seine Mutter verweigerte bislang den Besuch der DSDS-Sendung aus irgendwelchen Gründen. Aber uns allen war ja klar, irgendwann, wenn es dramaturgisch gut passt, wird auch Mama Sangaré im Publikum sitzen und Anlass für ein paar tränentriefende Szenen geben. Nachdem Nelson bei der letzten Sendung – (nur) gemäß Jury-Urteil – gepatzt hatte, scheint nun die Zeit dafür reif zu sein. Marco kann der aufgeregten Mutter zwar keine verständlichen Worte entlocken, aber immerhin ist sie im Saal und Sohnemann hat deswegen ganz offenbar Nervenflattern. Völlig ungewohnt vergeigt Nelson bei “Summer Jam” von The Underdog Project gleich reihenweise Töne, bewegt sich aber ansonsten souverän über die Bühne. Hinterher sind sich Volker und Nina beinahe unsicher, ob sie ihren Ohren trauen können, aber Dieter nimmt in dieser Beziehung kein Blatt vor den Mund: “Deine Stimme ist vom Sound gut, aber bei der ersten Strophe war kein Ton, wo er hingehört!”. Der Titan empfiehlt Nelson unter den Buhrufen seines Fanblocks, beim nächsten Mal ein einfacheres Lied auszuwählen: “»Mambo No. 5« hätte ich besser gefunden. [...] Weißt Du, der Wurm muss nicht dem Angler schmecken, sondern dem Fisch. Und darüber würde ich mal nachdenken.” Meine Güte, das ist ja für einen Samstagabend fast schon philosophisch.

    Als nächstes ist Manuel Hoffmann an der Reihe, seit dem Ausscheiden von John-Boy Pluschke der letzte Kandidat mit Schmuse-Appeal für die U18-Mädchen. Seine 73jährige Oma ist wegen ihres Auftritts in der letzten Folge offenbar Teil des DSDS-Kults und bestreitet deshalb wesentliche Teile des Einspielers, auch wenn sie später live im Studio eher durch Hörprobleme auffällt und auf Marcos Fragen stets quer antwortet. Ein anderes Thema im Einspieler ist die enge bis sehr enge Beziehung von Manuel zur Schminkfetischistin Kim. Die beiden tauschen schon Schuhe aus, vielleicht auch mehr, und wo kommt eigentlich der Knutschfleck am Hals her? Da geht doch was!? Egal, Manuel singt “Lady” von Modjo – was daran ein Happy-Holiday-Hit sein soll, ist mir allerdings unklar, vielleicht, weil den schon mal jemand im Urlaub gehört hat??? Ob seine Oma auch heute wieder das Outfit ihres Enkels verantwortet, wird ebenfalls nicht erklärt, jedenfalls trägt er neckische weiße Bermudas zum hellblauen Blazer und schunkelt damit und mit einer Tänzerin weitgehend ohne akustische Unfälle über die Bühne. Dieter gefällt das Getanze nicht, sein Duschvorhang Zuhause bewege sich besser und überhaupt hätte der Titel auch nicht gepasst und für Manuel werde es heute ganz eng, orakelt er düster. Dann gibt es einen kleinen juryinternen Schwanzvergleich zwischen Dieter und Volker, wer der schlechtere Tänzer sei. Beide protzen herum, bei ihren – jeweils – zwei Hochzeiten nicht mal als Bräutigam getanzt zu haben, mehr Argumente gegen sich selbst fallen den beiden aber nicht ein, also endet der Streit unentschieden. Derweil schleicht Manuel etwas bedrabbelt zurück zur Kandidatenbank.

    Ines Redjeb kämpft schon seit einigen Folgen gegen Dieters Seufzer an “wenn es Dich doch bloß mit Stimme gäbe”, aber Totgesagte leben bekanntlich länger. Laut Einspieler macht ihr die fortwährende Negativkritik der Jury zu schaffen, auch Mami Redjeb ist sauer, weil die Bemühungen ihrer Tochter nicht anerkannt würden. Tja, Mühe allein genügt nicht, wenn das Ergebnis nicht stimmt. Das sind eigentlich Erkenntnisse, die die meisten Möchtegernsternchen bereits im Casting schmerzlich lernen, aber Ines ist da wohl etwas uneinsichtig. Sie schiebt ihre stimmlichen Probleme bei den Shows auf die ungewohnten hohen Schuhe, die sie dann immer tragen müsse, in Turnschuhen sänge sie viel besser! Ach was. Heute versucht sie es mit “When Love takes over” von David Guetta feat. Kelly Rowland. Die Töne stimmen diesmal, soweit ich das beurteilen kann. Ines Performance leidet aber etwas unter ihrer Bewegungslosigkeit; wie festgetackert steht sie am Mikro, so dass das an eine Mischung aus Schmetterling und Tiger erinnernde tolle Kostüm kaum zur Geltung kommt. So kann man das Problem mit den hohen Schuhen natürlich auch lösen! Genau das sieht die Jury auch so: Outfit top, Gesang ok, Bewegung noch ausbaufähig. Fazit: Darf weiter mitspielen!

    Jetzt kommen wir zum Favoriten der aktuellen DSDS-Staffel, zu Menowin Fröhlich. Bei ihm wird im Wochentakt die Homestory umgeschrieben, letztes Mal bekam sein Kind plötzlich zwei zuvor unbekannte Geschwister und auch die heutige Sendung wartet mit einer freudigen Nachricht für seine Fans auf: Mama Fröhlich ist aus dem Gefängnis entlassen worden! Treue Leser der Blödzeitung, dem Intelligenzblatt für geistige Kleinrentner, wissen das natürlich schon längst, alle anderen erfahren es eben heute aus dem Fernsehen. Und tatsächlich sitzt Mama Fröhlich gleich darauf live im Publikum neben Marco Schreyl, der sie ungewohnt behutsam über ihre Gefühlslage befragt. Vom Eingesperrtsein versteht der etwas, schließlich stammt er aus der DDR.

    Menowin singt von Santana “Maria Maria”, wobei ich mich auch hier frage, warum das als Holiday-Hit gilt, vielleicht weil Carlos Santana aus Mexiko stammt und man das gemeinhin mit Urlaub assoziiert? Kostümmäßig ist das heute etwas schräg, der Ex-Knastologe tritt nämlich in der weiß-türkisen Verkleidung eines indischen Eisverkäufers auf. Der Gummizug seiner weiten Pluderhose ist offenbar etwas ausgeleiert, so dass die Beinkleider mit jeder Tanzbewegung in Richtung Schwerkraft rutschen und von Menowin in kurzen Abständen wieder nach oben gezogen werden müssen. Aber im Gegensatz zu seinen Vorgängern bewegt er sich dabei gekonnt und auch gesanglich ist – wie gewohnt – alles vom Feinsten. Dieter attestiert das dann auch amtlich, auch wenn heute kein echtes Gänsehaut-Feeling aufgekommen sei.

    Ähnlich wie Ines, hat auch Kim Debkowski gegen den Ruf zu kämpfen, nur aus Äußerlichkeiten (vor allem Farbe) zu bestehen, aber letztlich nicht gut singen zu können. Im Einspieler bestätigt sie dann eher das Vorurteil, denn sie stellt uns ihre eigenen Ideen für irgendwelchen Modeschnickschnack vor, den sie vielleicht später mal unter dem Label “Kim Gloss” vertreiben will. Sie versucht sich heute an Madonnas “La Isla Bonita” und in ihrem feuerrot glitzernden Kostüm und den streng nach hinten gesteckten Haaren sieht sie aus wie eine eislaufende Flamencotänzerin. Apropos Eis: Ihre Stimme glitscht leider das eine oder andere Mal deutlich weg. Die Jury lobt zunächst ihr tolles Kostüm (”Edelpraline”), der Gesang sei allerdings etwas eierig gewesen, meint Volker. Dieter fand den gesamten Auftritt misslungen und würde nach eigenem Bekunden das Radio eintreten, wenn er den Titel darin so gesungen hörte, der alte Charme-Bolzen.

    Mahrzad Marashi verbreitet sich in seinem Einspieler ausschließlich über das Thema gesunde Ernährung und kündigt an, bis zum DSDS-Finale sein Idealgewicht erreichen zu wollen. Na, der geht ja selbstbewusst ran, aber ich denke, das ist angesichts seiner bisherigen Auftritte realistisch. Und der heutige Abend sollte ihn eigentlich ein weiteres Stück in Richtung Finale bringen, denn seine Performance mit “Fresh” (eigentlich von Kool & the Gang) läuft bestens. Komisch finde ich nur seine doof-obercoole Sonnenbrille und die beiden Hanseln, die etwas unbedarft hinter ihm über die Bühne hotten. Dieter ist begeistert: “Du hast heute Abend wirklich alles richtig gemacht und bist die Nummer Eins!”

    Wer fehlt noch? Mir keiner, aber trotzdem kommt jetzt “Checker” Thomas Karaoglan, der sich selbst als besten Entertainer bei DSDS (sämtlicher Staffeln, wohlgemerkt!) empfindet. Bescheidenheit war ja noch nie seine hervorstechende Charaktereigenschaft, auch nicht im Einspieler. Dort geht es um seine Autogrammstunde in einem Kaufhaus, die wegen totaler Überfüllung durch kreischende Fanmassen abgebrochen werden musste, was natürlich für die Psyche des eh schwer selbstverliebten Checkers fatale Folgen hat: “Das ist die geilste Staffel, die es jemals gabs [sic!] und der Geilste bin ich!”

    Nicht nur Thomas Ego, auch sein Einschleimvermögen ist unendlich: Wie bereits im Recall singt er nämlich Dieters eigenen Song “Mamacita”, mit dem normalerweise Mark Medlock die Umwelt akustisch verpestet. Das ist nicht nur ein anbiedernder Liebesbeweis des Möchtegernstars, sondern treibt dem Tötensener Multimillionär auch noch GEMA-Tantiemen zu, die er neben seiner normalen Jury-Gage verbuchen kann. Und wenn dann hinterher auch noch jemand das Bohlen-Medlocksche Machwerk auf CD kauft, verdient der Großmeister ein weiteres Mal als Produzent. Der Auftritt selbst ist wie gewohnt, nämlich gesanglich so lala mit guter Tanzeinlage. Volker mault etwas von wegen Nervosität und “Stift gegangen”, die Fans buhen, aber Dieter macht mit seinem Lob alles wieder gut: “Mit dieser Leistung zieht beim Checker keiner den Stecker.” Vielleicht nicht heute, aber bestimmt noch vor dem Finale, da bin ich mir sicher…

    Das waren unsere acht Kandidaten, nun kommt nach einer Stunde Comedy-Dreck die Auflösung, wer darf mit in die nächste Mottoshow? Hier mal wieder der Schnell-Service für alle, die bei Zusehen durch Marcos nervig-langsame Hinrichtungsmethode sonst einen Herzinfarkt kriegen würden – oder einfach besseres zu tun haben. In die Zitterrunde müssen Ines, Nelson, Manuel und Kim. Endgültig raus fliegt dann am Ende Nelson. Seine Fans buhen lautstark, aber immerhin konnte seine Mutter ihn so wenigstens einmal im Studio sehen…

    Wir hingegen sehen uns wieder am nächsten Sonnabend zu “Deutschland sucht den Superstar”, wo dann nur noch sieben Kandidaten um den flüchtigen Ruhm und eine Karriere als Medlock-Ersatz kämpfen.

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  • DSDS (RTL) 28.02.2010 1 Comment

    Samstagabend in Deutschland. Im ZDF zelebriert Thomas Gottschalk mit “Wetten, dass???” wie seit gefühlten hundert Jahren das televisionäre Hochamt der Kuckident-Generation. Den demografischen Gegenpol besetzt auch heute wieder Dieter Bohlens – in den letzten Jahren meist vergebliche – Suche nach dem Superstar. Aus ursprünglich 35.000 Bewerbern sind mittlerweile nur noch neun geworden, davon lediglich zwei Frauen. Wir sind mal gespannt, ob heute wieder eine von ihnen daran glauben muss. Wenn man ihre Leistungen der letzten Wochen ins Kalkül zieht, eine nicht völlig unberechtigte Ahnung.

    Übrigens geht es in der heutigen zweiten Mottoshow um das Thema “Die größten Pop-Hymnen aller Zeiten”. Nach dem pompösen Einzug der Jury aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller kommen auch in dieser Woche die Kandidaten mit einem gemeinsamen Lied in die Halle. Heute gibt es aus den mittlerweile “goldenen” 80ern den Kracher “The Final Countdown” von Europe . Das Stück ist 24 Jahre alt und und damit älter als viele der Kandidaten.

    Das Los für den ersten Auftritt ist auf den “Checker” Thomas Karaoglan gefallen. Der mag sich offensichtlich noch immer sehr und wenn es möglich wäre, hätte er sich bestimmt auch schon längst selbst geheiratet. Das geht aber nicht so einfach, denn erstens ist er erst 16 und würde zur Eheschließung die Genehmigung seiner Eltern benötigen und zweitens ist die katholische Kirche dagegen, glaube ich. Thomas singt heute “Looking for Freedom” des ebenfalls an erheblicher Selbstüberschätzung leidenden David Hasselhoff. (Allen Ernstes behauptete letzterer auch in nüchternem Zustand, mit ebendiesem Song zum Fall der Mauer Anno 1989 beigetragen zu haben!) Der “Checker” fährt zu Beginn seines auch ansonsten recht ordentlichen Auftritts mit einem Kettcar auf die Bühne. Die Jury fühlt sich gut unterhalten und attestiert dem jüngsten und kleinsten Teilnehmer eine achtbare Leistung, nicht zuletzt wegen seiner auch unter der Woche vorbildlichen Disziplin. Das ist ein Thema, wo Bohlen wohl durch die Eskapaden seines Ex-Modern-Talking-Partners Thomas Anders und dessen Überfreundin Nora heftig traumatisiert wurde und deswegen keine Spaß versteht.

    Kim Debkowski kommt heute verkleidet als Zirkusdirektorin mit Glitzerjacke und riesigem Zylinder auf dem Kopf. Dass sie auch diesmal wieder völlig überschminkt ist, muss schon gar nicht mehr erwähnt werden. Sie bringt “Fame” von Irene Kara, allerdings ist ihr Gesang m.E. eher nicht so berühmt. Hier und da schrabbelt sie knapp am richtigen Ton vorbei und glänzen tun eigentlich nur ihre Klamotten. Die Jury ist sich bei ihr ziemlich uneins: Während Volker und Nina sie loben, rügt Dieter – zu Recht – die falschen Töne und sagt ihr den baldigen Untergang voraus. Sein Vergleich von Kims Auftritt mit der Trunkenheitsfahrt von Bischöfin Käßmann scheint mir allerdings selbst für Dieters Verhältnisse ein bisschen weit hergeholt zu sein, aber ganz offensichtlich genießt er die Buhrufe und das Pfeifkonzert, das er damit auslöst.

    Startnummer Drei ist Mehrzad Marashi, der in seinem Einspieler über seinen guten Draht zu Mitbewerber Menowin und über eine längst verjährte Messerstecherei berichtet. Mehrzad liefert seinen Song “One” von U2 auf der tiefblau ausgeleuchteten Bühne wie gewohnt absolut professionell ab, auch wenn ich seinen hellen Hut irgendwie komisch finde. Dieter lobt den in sich ruhenden Mehrzad, wünscht sich aber zukünftig ein bisschen mehr Emotionen. Die Restjury stimmt ihm natürlich zu – wie ungewöhnlich.

    Jetzt kommen wir mal zu einem interessanten Einspielfilmchen, in dem Manuel Hoffmanns Oma das Sagen hat. Sie findet, ihr Enkel bewege sich bei DSDS zu wenig, um nicht zu sagen überhaupt nicht. Das sei so gar nicht authentisch, denn der “richtige” Manuel bewege sich im echten Leben sehr viel, sagt die Oma. RTL ist sich ja für keinen Gag zu schade und fliegt die rüstige Dame zu Manuels Probe nach Köln ein, bei der sie ihn direkt auf der Bühne überrascht. Recht resolut erklärt ihm die 73jährige, wie er beim nächsten Auftritt auf das Publikum zugehen solle, wie er seine Arme zu bewegen habe und überhaupt, dass er sich nicht so anstellen solle. Danach steigt sie mit ihrem Enkel in den RTL-Klamottenfundus und sucht ihm für die zweite Mottoshow ein auffällig schwarz-weiß kariertes Jackett aus.

    So lustig auch die Geschichte von der Oma als Coach ist, so blöd finde ich Manuels musikalische Auswahl: Er singt den pathetischen Soundtrack zum Mauerfall “Wind of Change” von den Scorpions. Ich habe das Stück irgendwie schon immer gehasst, es ist so durch und durch betroffen und nimmt sich selbst scheinbar fürchterlich ernst. Wenn ich schon das dämliche Gepfeife am Anfang höre und dann noch die nölige Stimme des mützentragenden Leadsängers Klaus Meine… Aber das ist natürlich Geschmackssache, andere finden es offenbar gut.

    Manuel hat sich für seinen Auftritt tatsächlich weitgehend an die Anweisungen der Oma gehalten und trägt zum schwarz-weiß kariert Jackett auch  noch einen ebensolchen Schlips. Er geht während des Lieds auf der Bühne mal an den Rand, dann zur Band und singt dabei völlig sicher. RTL überzuckert das alles wie gehabt und blendet im Hintergrund passend und ganz staatstragend das Brandenburger Tor ein. Die Jury ist verhalten zufrieden, vermisst aber auch in dieser Woche “den besonderen Aha-Effekt” bei Manuel. Seine vorher gezeigte Oma wird dagegen einhellig gelobt.

    Jetzt kommt Ines Redjeb mit “What a Feeling” von Irene Cara (schon der zweite Titel dieser Künstlerin heute Abend). Ines singt anfänglich wirklich schräg, auch wenn sie das hinterher nicht wahrhaben will. Dafür kann sie optisch mal wieder überzeugen, kommt zwar im Blaumann auf die Bühne, entledigt sich Jacke und Latzhose aber erfreulich schnell und trägt darunter ein gut zu ihrer Figur passendes kurzes rotes Kleid. Mit dem Klamottenwechsel wird auch ihr Gesang besser, wenn auch noch nicht gut. Dieter gräbt im Giftschrank seiner Erinnerungen eine angebliche Bettgeschichte mit Irene Cara aus. Die habe er in Los Angeles mal mit ziemlich viel Champagner besoffen gemacht – wohl, damit sie mit auf sein Zimmer kommt – und trotz Alkohol habe sie das Lied “What a Feeling” bei dieser Gelegenheit tausendmal besser gesungen, als Ines jetzt gerade eben. Das Publikum im Rücken des Poptitanen buht und pfeift, während der unter dem Jurytisch eine Flasche Champagner hervorholt und als Erinnerung an seine gerade gehörte Bettgeschichte Ines überreicht. Total unpassende Aktion und die Beschenkte hat auch ein fettes Fragezeichen im Gesicht: “Danke, aber ich trinke keinen Alkohol”. Nina hat offensichtlich vorher mal an der Flasche genippt, denn sie faselt bloß etwas von dem Tänzer, der im Hintergrund von Ines herumgehüpft war und von dem Bühnenbild und, und, und. Volker druckst etwas herum und resümiert dann doch in Dieters Sinne: “Das war tonal keine Sternstunde”. Ja, das trifft heute gleich für mehrere Kandidaten zu, ganz besonders für den nächsten…

    … denn jetzt kommt der Liebling der pubertierenden Mädchen, Marcel Pluschke, allgemein und treffend “Plüschi” gerufen. Moderator Marco Schreyl verarscht den Kleinen nach Strich und Faden und verschenkt die DSDS-Hochglanz-Klatschgazette an eine im Publikum sitzende Saskia, die sich als Pluschke-Fan outet und dem Centerfold-Poster ihres Lieblings vor laufender Kamera einen dicken Schmatz verpasst. Jaja, sie werde das Bild in der Nähe ihres Bettes aufhängen, erklärt sie unumwunden und unter dem allgemeinen Gelächter des Publikums. Der Einspieler ist nicht minder peinlich, denn der “Checker” behauptet darin frech, er habe Marcel in puncto Selbstvertrauen viel beigebracht und sei ganz zufrieden mit seinem Schüler. Plüschi selbst erzählt darin, er habe sich etwas in Saskia verguckt, die habe nämlich beim letzten Auftritt seine Idiotenmütze gefangen… Mutter Pluschke gibt dann dazu auch noch ihren Segen, die Saskia sei eine ganz Nette – und mir kommt die Kotze hoch. Unromantischer als eine von RTL öffentlich inszenierte Verbandelung mit der Aussicht, sein erstes Mal in Gegenwart von 10 Millionen feixenden Zuschauern haben zu dürfen, geht es ja wohl nicht mehr.

    Mit solchen oder ähnlichen Gedanken im Hinterkopf fällt die Konzentration auf wichtigere Dinge natürlich schwer. Das erleben wir gleich bei Marcels Darbietung von Opus “Live is Life”, das ich übrigens auch schon immer gehasst habe, genau wie “Wind of Change”. Der naiv-arglose Blondschopf tritt im Tankwart-Look mit Latzhose und Unterhemd auf und erlebt heute einen rabenschwarzen Tag: Er setzt nach dem ersten Refrain zu früh mit der Strophe ein, stutzt, hört auf zu singen, setzt dann wieder ein, allerdings mit dem falschen Text, stutzt und findet erst dann den richtigen Einstieg. So einen Laien-Karaoke-Moment habe ich trotz jahrzehntelangem DSDS-Konsum noch in keinem Auftritt einer Mottoshow in irgendeiner Staffel jemals erlebt.  Und das bei einem Lied, dessen grenzdebiler Text vor allem aus “Na na na na na” besteht! Was man Plüschi aber zugute halten muss, ist, dass er sich wieder fängt und das Lied ordentlich zu Ende singt.

    Das zu erwartende Donnerwetter findet nicht statt. Volker traut sich nicht, etwas gegen Plüschi zu sagen (“Ich mag sehr gern Kaninchen essen, aber ich könnte es niemals schlachten, weil es so niedlich ist.), Nina tröstet den Kandidaten, so etwas könne mal vorkommen und sei kein Beinbruch und vielleicht sei er ja auch verliebt. Dieter ist ja sowieso mittlerweile so etwas wie Plüschis Patenonkel und erzählt zur Beruhigung der Gemüter die Geschichte, wie Thomas Anders bei Modern Talking mal bei einem Auftritt das Mikrofon hat fallen lassen und deshalb jeder mitkriegte, dass der Gesang Vollplayback war. Und überhaupt, gesanglich sei Marcel gar nicht mal so schlecht gewesen, besonders das “Na na na na na” habe er gut hingekriegt. Also ehrlich, für Marcel gelten offenbar andere Spielregeln, der könnte auch einfach “Alle meine Entchen” auf zwei Fingern pfeifen und Dieter fände es genial. Die Plüschi-Show geht sogar noch etwas weiter, denn Marco zwingt Marcel und Saskia, sich zum Essengehen zu verabreden. In der nächsten Show soll dann Vollzug gemeldet werden. Kotz-würg-spotz!!!

    Der Auftritt von Nelson Sangaré verläuft dagegen geradezu unspektakulär. Im Einspieler labert er etwas über gesunde Ernährung und Fitness und wie ihm die Zitterpartie der letzten Show zu schaffen gemacht hat. Seine Mutter hat übrigens immer noch keinen Bock, sich Sohnemanns Gesang live anzusehen, dabei hätte sich das auch in dieser Woche wieder sehr gelohnt. Er singt eine etwas angejazzte Interpretation von Louis Armstrongs “What a wonderful World”. Ich fand, das war das absolute Highlight dieser Sendung, aber offenbar bin ich unmusikalisch, denn die Jury ist unisono enttäuscht. Der Titel habe nicht zu ihm gepasst, sei viel zu langsam, sein Typ passe besser zu aktuellen Titeln. Tja, das ist natürlich doof bei dem vorgegebenen Showmotto, da scheiden ja eigentlich aktuelle Songs aus, oder?! Etwas angeschlagen, mit gesenktem Kopf, schleicht Nelson zurück zur Kandidatenbank.

    Kurz vor Schluss kommt Menowin Fröhlich, der im Einspieler überraschend gesteht, mit seinen gerade 22 Jahren nicht erst ein, wie bisher immer behauptet, sondern bereits drei Kinder in die Welt gesetzt zu haben. Ein knallhart recherchierendes Blatt der Regenwurmpresse hat es wohl herausbekommen und nun kann er es nicht mehr leugnen. Mal sehen, wie viele Kinder er dann bis zum Finale hat… Papa Menowin singt heute ein Lied, das mir im Traum nicht eingefallen wäre, nämlich das gern zu Weihnachten aus der Mottenkiste geholte “We are the World” von USA for Africa. Na gut, technisch ist der Auftritt fehlerlos, aber ansonsten bleibt er damit weit unter seinen Möglichkeiten. Trotzdem bejubeln seine fanatischen Anhänger jeden seiner Schritte auf der Bühne, als betrete er gerade als erster Mensch den Mond. Und getanzt wird heute schon gar nicht! Aber ähnlich wie bei Plüschi, kann auch Menowin machen, was er will, es wird ihm von der Jury immer als genial ausgelegt. Dieter steht sogar auf und schüttelt dem Kandidaten persönliche die Hand. Seine Lobeshymne ist im allgemeinen Gekreische der Fans kaum zu verstehen und Onkel Dieter muss kurz böse werden: “HALT DOCH MAL DIE FRESSE, MENSCH!!!”, brüllt er unbeherrscht das Publikum an. Nina und Volker fallen keine neuen Superlative mehr ein und sie können nur ergeben zu Dieters Worten nicken.

    Den Ausputzer macht Helmut Orosz, den ich immer noch nicht mag mit seinem dauernden Posieren. In Ermangelung einer sinnvollen Homestory sucht “Helle” in seinem Einspieler seit einer Woche nach einer Traumfrau. Irgendwo hat RTL eine Freiwillige aufgetrieben und diese Jessika genannte Frau steht denn heute auch im Publikum und feuert ihren zukünftigen Freund an. Was denn an Helmut so toll sei, möchte Marco von ihr wissen. “Sein strahlendes Lächeln und… sein strahlendes Lächeln.”, gibt sie schlau zurück. Super, die beiden passen perfekt zusammen! Passen tut auch der Song, den Helmut heute singt: “It’s my Life” von Bon Jovi. Er tritt in Lederklamotten auf und kann bei andauerndem Grinsen wieder sein gesamtes Posing-Programm durchlaufen lassen. Bedauerlicherweise gefällt der Auftritt der Jury, damit sei Helmut nach der Wackelnummer von letzter Woche wieder voll im Rennen. Mist.

    Das waren die Auftritte, nun müssen wir eine Stunde lang wieder verfilmte Baldriantabletten ertragen, denen RTL scheinheilig das Etikett “Humor” aufgeklebt hat. Ihre Existenz verdanken diese völlig niveaufreien Beiträge einzig und allein der Tatsache, dass hinterher die DSDS-Ergebnisse kommen, freiwillig würde sich diese Grütze doch kein normaler Mensch antun.

    Wer bei dem sog. “Humor” nicht aufgegeben oder umgeschaltet hat oder eingeschlafen ist, darf als Belohnung den zweiten und wichtigeren Teil von “Deutschland sucht den Superstar” erleben. Ich mache es als Service mal wieder kurz: In die Zitterpartie müssen Kim, Ines, Marcel und Nelson. Und dann fliegt am Ende “Plüschi” Marcel raus. Das geht meines Erachtens angesichts seiner desaströsen Leistung heute in Ordnung. Nichts wird’s also mit der spannenden Frage, ob er mit Saskia zusammenkommt. Wir müssen irgendwie versuchen, mit der Ungewissheit zu leben, auch wenn es schwer fällt. ;-)

    Tschüss für heute, man liest sich nächste Woche!

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  • DSDS (RTL) 21.02.2010 No Comments

    Heute steht bei “Deutschland sucht den Superstar” die erste Mottoshow an. Das einfallsreiche Thema lautet dabei “Megahits von heute”. Bevor die Musik losgeht, muss sich aber erst mal der Chefjuror über seinen Kurzurlaub in Österreich auslassen. Dieter Bohlen hat scheinbar zum ersten Mal auf den anderen Brettern, die manchen auch die Welt bedeuten, gestanden und muss nun minutenlang darüber schwadronieren. Wir sehen in einem kleinen Einspielfilmchen, wie der aus Norddeutschland stammende Poptitan sich bei den Ösis als unfreiwilliger Schneepflug betätigt und dabei sogar den Kameramann umbrettert. Gähn, offensichtlich wird Dieters Gage nach Minuten berechnet. Und damit auch alle sehen können, was für ein geiler Macker er ist, behält er heute im Studio zunächst eine dicke Skijacke an – trotz der vermutlich erheblichen Hitze von den Scheinwerfern. Er ist und bleibt ‘ne Rampensau. (Mal eine interessante Frage: Wenn es 1975 schon DSDS gegeben hätte, ob Dieter Bohlen dann wohl – als Kandidat – daran teilgenommen hätte? Und wie weit er wohl gekommen wäre? Und wer wohl in der Jury gesessen hätte, vielleicht Heinz Schenk, Caterina Valente und Dieter Thomas Heck?)

    Endlich kommen die 10 überlebenden Kandidaten auf die Bühne und wie: Sie singen alle gemeinsam “I gotta feeling” von den Black Eyed Peas und zwar richtig gut, wie ich finde, jedenfalls die Herren der Schöpfung. Nichts zu merken von der angeblich im DSDS-Haus grassierenden Bronchitis-Epidemie. Die Mädels stinken dagegen etwas ab – so wie auch schon in den ganzen letzten Folgen.

    Wir starten heute mit Nelson Sangaré (gesprochen “Sanngaree”). Im Einspieler erzählt uns sein Vater etwas vom geringen Ansehen, das Sänger in seinem Herkunftsland Mali haben und aus diesem Grund mag Nelsons Mutter auch bislang nicht mit zur Sendung ins Studio kommen. Leute, ich ahne da am Horizont schon eine erstklassige Tränendrüsengeschichte, wenn Nelsons Mutter in einer der nächsten Shows überraschend DOCH am Rande sitzt und ihren Sohn anfeuert. Ich glaube, ich kriege schon mal vorsorglich eine Gänsehaut… Diesmal ist sie aber noch nicht da und verpasst deshalb den tollen Auftritt ihres Sohnes mit “Closer” von Ne-Yo. Nelson trägt zur neon-gelben Hose ein schwarzes T-Shirt und einen Hut, sieht damit cool aus und rockt den Saal. Die Jury ist durchweg begeistert, insbesondere Nina Eichinger attestiert ihm eine wesentlich positivere Ausstrahlung als beim letzten Mal.

    Lt. Einspieler hatte Manuel Hoffmann in der vergangenen Woche mit einer fiesen eitrigen Angina zu kämpfen, konnte sich aber rechtzeitig gegen seine Viren und Bakterien behaupten und steht heute Abend völlig genesen auf der Bühne. Seine Fans scheinen dagegen etwas krank zu sein und laufen kreischend und mit pottenhässlichen SpongeBob-Shirts durch die Gegend; angeblich mag Manuel die Schwammkopf-Serie. Er singt von Ich+Ich “Pflaster”, ist dabei stimmlich ziemlich auf der Höhe und scheint sehr sicher. Seine Choreografie ist aber noch ausbaufähig, Manuel hält sich nämlich während des gesamten Titels am Mikrofonständer fest. Dieter ist dann auch nur im Großen und Ganzen zufrieden und bemäkelt, Manuel sei für ihn der “singende Bausparvertrag”, ginge zu viel auf Nummer Sicher und müsse mehr ausflippen. Nina und Volker Neumüller sind des Lobes voll und normalerweise müsste Manuel in der nächsten Woche wieder dabei sein.

    In ihrem Einspieler sehen wir, wie sich Kim Debkowski Freunde unter ihren männlichen Kollegen macht: Im DSDS-Loft war ihr der Spiegel in ihrem Zimmer zu klein, daraufhin hat sie einfach einen Spiegel im Jungs-Trakt abmontiert, in ihre Butze verschleppt und annektiert. Das kann man irgendwie nachvollziehen, denn immerhin verbringt sie den überwiegenden Teil ihrer Lebenszeit mit der Schminkerei. Offenbar ist sie dann zwischenzeitlich auch noch mit Marcel “Plüschi” in einen Klamottenladen gegangen und hat dem leicht vertorften Landei einen großstädtischen Style verpasst – oder was sie dafür hält. Heute Abend erleben wir Kim mit “Take a Bow” von Rihanna. Das Kostüm muss man aber unbedingt mal erklären: Sie trägt heute ein silber-schwarz-gestreiftes glänzendes Kleid, Beine und Handschuhe sind leuchtend rot und auf dem Kopf hat sie so eine Art schräg sitzende Kappe mit einem spitz zulaufenden röhrenförmigen Dingsbums, das wie so ein alter Piraten-Feldstecher aussieht. Hinterher sagt sie übrigens, das sei eine Schultüte. Ich würde an ihrer Stelle jedenfalls mit dem Zeugs bei Gewitter nicht aus dem Haus gehen. Wenn Kim doch auf die Musik eben so viel Wert legen würde wie auf ihr Äußeres. Der Gesang fällt nämlich eher dürftig aus, hier und da scherbelt sie am richtigen Ton vorbei und insgesamt schwächelt die gesamte Performance. Aber Dieter, der nach wie vor in seiner blöden gefütterten Skijacke dasitzt, mag sowohl ihr Outfit als auch den Gesang und gibt damit auch für seine beiden Co-Jury-Statisten den Tenor vor.

    Als nächstes kommt Babyface Marcel Pluschke, allseits nur noch “Plüschi” genannt. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Papi Plüschke, so berichtet der Einspieler, habe in der letzten Sendung beim Auftritt seines Sohnes gleich ganze Haushaltsrollen Zewa gegen die Tränen verbraucht, mit Taschentüchern war da wohl nichts mehr zu machen! Stimmt, ich habe letztes Mal auch fast Tränen gelacht bei Marcels leicht debilem Ritt auf dem komatösen mechanischen Bullen. Überflüssigerweise interviewt Marco Schreyl vor dem Titel noch die aus der Provinz angereisten Plüschi-Fans, die man an intensiv-gelben und -grünen T-Shirts erkennt. Vernünftige Sätze kriegt der Profi-Moderator auch mit viel Nachbohren aus den Leuten nicht raus, deren Gestammel war der heutige Moment zum Fremdschämen… Marcel singt von den Sportfreunden Stiller den Titel “Kompliment”. Gesanglich geht das ja vielleicht, aber stilistisch sehr bedenklich ist seine rot-karierte Mütze mit Ohrenklappen, die ein bisschen nach Klappse aussieht. (Mich erinnert das Teil auch sehr an Monty Python’s “Holzfäller-Lied”). Gott sei Dank schmeißt er die Dunstkiepe am Ende ins Publikum. Die Jury ist durchweg zufrieden, sieht auf jeden Fall eine Steigerung zu seinen sämtlichen vorherigen Auftritten. Dieter ist inzwischen endlich seine Skijacke losgeworden und findet den Auftritt “toll und patschig”; er mag Plüschi ja sowieso bedingungslos. Mal sehen, ob die U16-Mädchen nachher auch in ausreichender Zahl für ihn anrufen.

    Steffi Landerer erklärt sich in ihrem Filmchen grundsätzlich bereit, mit ihren beiden weiterhin namenlosen “Freunden” auch für das eine oder andere Magazin zu posieren, solange die Bilder ästhetisch und niveauvoll bleiben. Und überhaupt widmet sie ihre gerade beginnende Karriere dem Kampf gegen das Vorurteil, vollbusige Blondinen müssten doof sein. Na, das hätten wir wenigstens geklärt. Steffi bringt heute “I kissed a Girl” von Katy Perry zu Gehör. Sie trägt dazu ein (natürlich) sehr enges schwarzes Kostüm mit knappem Röckchen und seeehr viel Bein. Die Blondine hüpft und wippt mit den Hüften und nach einigen Takten kommt die ganze Sache sichtlich in Schwung. Gesanglich ist das m.E. nur so lala, aber manche Leute aus der Jury haben ja Teile ihres Verstandes in die Hose outgesourct und nehmen das deswegen nicht so genau, solange wenigstens das Auge zufrieden ist. Überraschenderweise ist Bohlen mit mir einer Meinung, das war nichts, sagt er! Na, da nehme ich doch die fiese Bemerkung mit dem Outsourcing ganz schnell wieder zurück. Nina ist pathologisch harmoniebedürftig und lobt vor allem die “puffige” Garderobe, in die sich Steffi hineingezwängt hat. Volker atmet noch immer schwer und labert auch nur über ihr Outfit.

    Als Zellengenosse und Babysitter vom DSDS-Checker hat Helmut Orosz unser aller Mitgefühl verdient. Um bei dieser übermenschlichen Herausforderung nicht völlig durchzudrehen, greift er mittlerweile sogar schon zu fernöstlichen Meditationsmethoden und lässt sich dabei auch gern filmen. Wir können alle nur die Daumen drücken, dass er nicht mal irgendwann dem Checker einen Satz Ohren abpflückt, verdient hätte der das bestimmt. Helmut kündigt an, heute mal eine ganz andere, viel ruhigere Seite von sich zu offenbaren, singt dann aber doch eine Power-Ballade: “I’ll be waiting” von Lenny Kravitz. Ich fürchte, ich werde nie ein richtiger Fan von “Helle”, wie ihn seine Freunde nennen. Sein Auftritt ist m.E. mal wieder nicht authentisch, alle Bewegungen wirken wie eingeübte Posen, das Lächeln erscheint aufgesetzt, insgesamt habe ich bei ihm immer die Assoziation eines professionellen Feriendorf-Animateurs in der Nachsaison. Volker kritisiert den Kandidaten, ist enttäuscht, ihm fehle Gefühl, Helmut solle nicht alles “Kneipensong-mäßig zerschmettern”. Nina sagt ihr übliches sowohl als auch, Dieter ist ebenfalls nicht zufrieden.

    Nun kommt wieder Mehrzad Marashi, der m.E. in der aktuellen Staffel bisher die besten Leistungen gebracht hat. Echt verwunderlich, dass es RTL in seinem Einspieler überhaupt nötig hat, die sentimentale Schiene zu bedienen: Wir begleiten Mehrzad nämlich auf den Friedhof zum Grab seines im letzten Jahr verunglückten Bruders. Im Hintergrund läuft dazu John Lennons Hymne “Imagine”. Das ist doch viel zu dick aufgetragen, das hat Mehrzad mit seiner tollen Stimme eigentlich gar nicht nötig. Er singt heute “Broken Strings” von James Morrison und performt den sowieso schon tollen Hit bestens. Die Jury ist unisono begeistert.

    Der “Checker” Thomas Karaoglan scheint auch einen Haufen netter Seiten zu haben, weiß die aber gut zu verbergen. Angeblich ist er der ideale Schwiegermutter-Typ, hilft viel im Haushalt, bügelt und saugt, also Dinge, die ein wirklich cooler Junge sicherlich nicht tun würde. Für seine Sauberkeitsmacke ist das Zusammenleben mit dem eher ferkelhaft veranlagten Helmut natürlich eine echte Anfechtung. Thomas hat den Titel “Monsta” von Culcha Candela mitgebracht. Ich weiß auch nicht, wie der mir eigentlich unsympathische Typ das immer hinkriegt, aber der Auftritt ist wirklich monströs gut. Er bewegt sich lässig über die ganze Bühne, wirft sein Sakko gekonnt zur Seite, hat in seine Choreografie noch eine ihn anschmachtende Frau eingebaut, die er immer wieder antanzt, singt gut und kann dabei den komplizierten Text perfekt. Die Jury überschlägt sich vor Begeisterung. Dieter gibt seinem Affen Zucker und bekennt, den Checker selbst auch “geil” zu finden. Was kann man mehr erwarten?

    Gegen Ines Redjeb läuft in der Blöd-Zeitung eine Kampagne, angeblich war sie in der Schule mal in einer Mädchen-Gang und hat Geschlechtsgenossinnen verprügelt. Ob oder ob nicht, die Sache dürfte inzwischen wohl verjährt sein. Ines singt heute “I like” von Keri Hilson. Optisch zwar ansprechend, finde ich den Auftritt eher mittelmäßig, das Lied passt nicht, sie singt unsauber und wirkt auch noch immer unsicher. Also, ohne das Ergebnis zu kennen, tippe ich mal, das war heute ihr Abschiedslied. Die Jury scheint das genau so zu sehen.

    Die rote Laterne am Ende der Show hat heute Menowin Fröhlich. Er erzählt im Einspieler einmal mehr von der traurigen Knastzeit und wie “auf der Flucht” sein Sohn entstand und dass er mit dessen Mutter nicht mehr zusammen ist. Menowin bringt “Change” von Daniel Merriweather wie gewohnt professionell auf die Bühne, bewegt sich gut dazu und hat vor allem eine tolle Stimme. Volker und Nina sind außer sich vor Begeisterung, wissen nur nicht, wie Menowin sich jetzt noch steigern kann und Dieter akzeptiert die ihm im Einspieler angedichtete Vaterrolle für den Ex-Knastologen. Jubel allenthalben. Dieter sagt, das sei heute der beste Auftritt gewesen, sogar noch besser als der von Mehrzad. Die beiden würden vermutlich am Ende der Staffel gegeneinander antreten müssen, so wie er das sähe.

    Marco Schreyl hat offenbar zwischendurch ein paar Pillen eingeworfen, imitiert mit einem “Plopp”-Geräusch einen Pistolenknall, erklärt dies zum Startschuss für die Anrufphase und kriegt einen Lachanfall. Das Publikum lacht etwas irritiert zurück, aber der Profimoderator lässt sich nur kurz beirren und plappert dann munter weiter. Klar ist Schreyl seltsam, aber nicht viel mehr als alle anderen, die im Laufe der Sendung zu sehen waren.

    In der einen Stunde Pause bis zur Verkündung des Ergebnisses sendet RTL Kult-Comedy mit der rosa Presswurst aus Marzahn und ihren minderbegabten Kollegen. (Tolle Szenen: Cindy mischt den Wiener Opernball auf.) Für Stars dieses Formats sollte ich mir vielleicht doch so langsam mal einen 16:9-Fernseher anschaffen… :-)

    Am Ende verkündet Marco Schreyl – offenbar wieder nüchtern – in gewohnt herzinfarktfördernder Manier das Ergebnis der Zuschaueranrufe. Diesmal müssen vier Kandidaten bis zuletzt zittern: Nelson, Ines, Steffi und Helmut. Und Schluss ist heute überraschenderweise nicht für Ines, sondern für Steffi. Helmut ist von den letzten Minuten völlig verausgabt, liegt japsend am Boden und alle anderen Kollegen (außer natürlich Steffi) stapeln sich als Knäuel auf ihm. Steffi steht dabei eher bedrabbelt am Rand.

    Hmmmmm, dass die rausfliegt, hätte ich eher nicht gedacht, in der letzten Staffel hatte das intrigante blonde Gift Annemarie Eilfeld immerhin bis ins Halbfinale durchgehalten. Aber die war auch wesentlich skrupelloser als Steffi vorgegangen und hatte sich auch sofort in der Blöd-Zeitung ihrer Klamotten entledigt. Vermutlich haben die Zuschauer Steffi die Mischung aus Sexbombe und Schlaumeier (Abi-Schnitt 1,4) doch nicht ganz abgekauft. Wäre besser gewesen, sie wäre dümmer gewesen – oder hässlicher. Jaja, manchmal ist gutes Aussehen eben doch eine Belastung, wer wüsste das nicht aus eigener Erfahrung… ;-)

    Von Marco nach einem passenden Schlusswort ihrer Karriere gefragt, fällt Steffi nur das wenig damenhafte “egal, scheiß drauf!” ein. Diese erbaulichen Worte sollten wir uns bis zum nächsten Sonnabend nochmal richtig durch den Kopf gehen lassen, wenn die letzten 9 Kandidaten aufeinander treffen und es wieder heißt “Deutschland sucht den Superstar”.

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  • DSDS (RTL) 14.02.2010 1 Comment

    Heute wird es ernst bei “Deutschland sucht den Superstar”, die verbliebenen Top 15 von insgesamt 35.000 Bohlen-Sternchen müssen sich erstmals vor einem Live-Publikum beweisen – und wir werden bestimmt die eine oder andere Sternschnuppe verglühen sehen. Die Jury aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller kann zwar noch stänkern, hat aber ansonsten nicht mehr so viel zu sagen – ein Zustand, den Nina und Volker eigentlich ja bereits seit dem ersten Casting kennen… Heute kommen zehn Kandidaten weiter in die erste Motto-Show am nächsten Sonnabend, sieben davon werden vom Publikum per Telefon gewählt und drei weitere Kandidaten können quasi als letzte Amtshandlung in dieser Staffel noch von der Jury “gerettet” werden.

    Den Anfang macht die blonde Bombe Steffi Landerer mit Joan Jetts “I love Rock’n Roll”. Sie hat sich in hautenge Lederklamotten einnähen lassen inkl. Lederstiefeln bis über die Knie und rekelt sich bei ihrem Titel als Rockerbraut auf einem schwarzen Motorrad. Offensichtlich vertraut sie mehr ihren optischen als den akustischen Reizen – und hat damit völlig Recht. Ich tippe mal, spätestens am Montag ist sie mit der Masche als Foto in der Blöd-Zeitung, wetten? Bohlen ist von ihrem Auftritt trotz Testosteronschocks nur einigermaßen zufrieden, gesanglich gäbe es einiges auszusetzen, er hoffe aber, dass ihre beiden “Dinger” sie über Wasser halten würden. Die Restjury urteilt ähnlich. Marco Schreyl, der wie jedes Jahr schleimig-souverän durch die Show führt, muss später noch die lebenswichtige Frage klären, ob ihre beiden hervorstechendsten Eigenschaften denn auch Namen hätten, so wie die von Pamela Anderson (“Ernie und Bert”). Ein verlegenes Kichern mit Kopfschütteln ist die fast schüchterne Antwort. Ich schlage “Dick und Doof” vor und komme auch gern zur Taufe… ;-)

    Manuel Hoffmann wird als Mädchenschwarm aufgebaut, er könne zwar Kung Fu, habe aber auch eine sehr sensible Seite. Manuel war im Recall schon wegen seiner konstant guten Gesangsleistung aufgefallen, die mit einer angenehm ruhigen Persönlichkeit daherkommt. Er hat sich den Titel “You don’t know” von Milow ausgesucht und bringt den sehr anständig rüber, auch wenn sich seine Bühnenshow auf das Hocker-Sitzen beschränkt. Das ist dann auch der einzige Kritikpunkt der Jury; normalerweise sollten wir Manuel in der nächsten Woche wiedersehen.

    Kurz vor der DSDS-Rente stehend, versucht der 30-jährige Helmut Orosz es heute mit Bryan Adams “Summer of ’69″. Er wirkt mit seinem künstlichen Dauerlächeln auf mich immer wie ein überdrehter Ferienclub-Animateur, der zwanghaft im Mittelpunkt jeder Party stehen muss. Immerhin nutzt er – im Gegensatz zu den anderen beiden Kandidaten – für seine Performance die ganze Bühne, post mal hier und post mal dort und kommt auch stimmlich ganz ordentlich zurecht. Dieter ist begeistert, warnt Helmut aber davor, sich komplett auf Bryan Adams einzuschießen, er will später auch mal Balladen hören.

    Als Verzierung vor der Werbepause präsentiert RTL jetzt unter dem Motto “Flop 10″ ein paar kurze Schnipsel aus dem DSDS-Giftschrank. Wir können uns nochmal an der übertalentierten Julia, an Markus mit der Piepsstimme, der talentfreien Isabell (mit ihrem MP3-Player) und an Benjamin, dem Brüllaffen ergötzen.

    Nach der PinkelWerbepause kommt Maria Valencia mit “Let’s get loud” von Jennifer Lopez. Auch sie geizt nicht mit (optischen) Reizen, ihr sauknappes silbernes Kleid glitzert wie eine Diskokugel und Maria verbreitet ein wenig lateinamerikanisches Flair. Volker ist optisch sehr und gesanglich einigermaßen zufrieden, Dieter stimmt ihm absolut zu und sieht bei ihr großes Potenzial. Man sieht sich hoffentlich in der nächsten Woche wieder…

    Nelson Sangare hat einen klaren Heimvorteil, denn er lebt in Köln, wo auch die DSDS-Shows stattfinden. Er singt heute Abend die eher ruhige Nummer “Let me love you” von Mario, trifft dabei jeden Ton und bewegt sich dazu gut. Bei ihm stimme das viel zitierte “Gesamtpaket”, sagt die Jury und macht ihm Hoffnung auf seinen Verbleib in der Show.

    Die Akkordeonspielerin und selbst ernannte “Superfreche Göre” Naomi Marte singt Nenas “Irgendwie, irgendwo, irgendwann”. Auch sie zeigt dabei sehr viel Bein bei einer eher durchschnittlichen Stimme. Das scheint heute Abend – und überhaupt in dieser Staffel – ein durchgehendes Thema zu sein. Volker und Nina ziehen eine durchwachsene Bilanz des Auftritts, es käme ihnen vor, als ob Naomi auf der Bremse stünde. Dieter fand das aber alles ok und authentisch und besonders “das Visuelle” sei gut rübergekommen.

    Der schräge Dirk Petry liefert danach einen weiteren seltsamen Auftritt ab und wird damit so langsam zum Nachfolger von Holger Göpfert. Ganz in schwarz und mit einem ebensolchen Cowboyhut auf dem Kopf knödelt er heute von den Beatles “Yesterday”. RTL versucht nach Kräften, für ihn ein Jekyll/Hyde-Image aufzubauen: Sobald sich der eigentlich friedliche Dirk seine Western-Dunstkiepe auf die Rübe setzt, macht es bei ihm Klick im Hirn und plötzlich kommt der durchgeknallte Künstler raus. Paul McCartney wäre ob dieser musikalisch leicht gewalttätigen Interpretation seines Klassikers bestimmt nicht sehr angetan. Dirk presst die Silben wie gehabt mit minimalistischen Mundbewegungen zwischen den Zähnen hervor und es klingt richtig nervig, finde ich. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wer sich so eine CD kaufen würde, die wäre höchstens als Backgroundmusik im Gästeklo geeignet. Die Jury sieht ihn als Paradiesvogel, mal sehen, ob er hier eine Überlebenschance hat.

    Nun kommt mit Menowin Fröhlich ein Ex-Knacki und Schicksalsgebeutelter, der im Einspieler erstmal von seiner miesen Kindheit aber auch von seinem kleinen Sohn berichtet. Das Publikum scheint ihm größtenteils sehr gewogen und auf einer Welle der Sympathie mit wiederkehrenden Beifallsstürmen performt er “I’ll be there” von den Jackson 5. Optisch ist er ja eher nicht der Bringer, aber wenn man nur auf die Musik achtet, ist das ein sehr guter Auftritt. Das bescheinigen ihm dann auch die drei Juryisten, wobei Dieter, der Titan, uns eklig und leider sehr bildhaft schildert, wo sich an seinem Körper bei der gerade gehörten Nummer überall die Haare aufgestellt hätten. Dirty Old Man!

    Nach der nächsten Werbeunterbrechung geht es weiter mit der Aufarbeitung des menschlichen Gulliglibbers aus dem Casting. In der “Flop 10″ begegnen wir jetzt wieder Timo, dem schlechten Imitator von Menderes, der seinerseits wiederum als schlechtester Michael-Jackson-Imitator der Welt zu pathologischer Berühmtheit kam, seit dessen Tod ein leichtes Identitätsproblem hat und im DSDS-Panoptikum gleich nach Timo gezeigt wird. Das Sahnehäubchen dieser Sequenz markiert die schrille Sirenenstimme Nilay, über deren surrealen Kommentar beim Casting-Rauswurf (“Ihr habt kein Ohr im Ohr”) ich heute noch grüble.

    Nun geht es weiter mit der Top-15-Show, jetzt ist Kevin Reichmann dran. Der hat dank ehrgeizigem Papa bereits ein eigenes Logo, das die T-Shirts seiner zahlreichen Anhänger in der Halle ziert. Trotz guter Stimme und erkennbarem Tanztalent hat sich Kevin mit “Señorita” von Justin Timberlake einen undankbaren Titel ausgesucht, wie die Jury befindet. Seine Stimme passe besser zu Balladen aus der Schmuseabteilung, aber das könne er ja vielleicht ab der nächsten Woche noch unter Beweis stellen.

    Die Homestory der grundsympathischen Celine Denefleh dreht sich nach wie vor um ihre schwere Herzkrankheit. Deshalb mag ihr aus der Jury vermutlich auch keiner so richtig wehtun, obwohl nach ihrer einigermaßen versemmelten Vorstellung von Silbermonds “Symphonie” eigentlich ein paar kritische Worte angebracht wären. Sie ist erkennbar aufgeregt, singt mit zittriger Stimme, setzt einmal zu früh ein und macht insgesamt nicht den souveränsten Eindruck, obwohl das Publikum sie mit Beifalls unterstützt. Die Jury ist sehr gnädig mit Celine, Dieter stellt den Knuddelfaktor über den Gesangsfaktor und hält die gehörten Mängel nicht für entscheidend.

    Nun kommt Dieter Bohlens Liebling Marcel “Plüschi” Pluschke mit einer rührenden Geschichte über sein auf der Straße gefundenes Karnickel im Einspieler. Freimütig-naiv bekennt Marcel, bislang von Nicht-Verwandten ungeküsst zu sein (wichtig für die Bravo-Girl-Vermarktung) und gern zum Nachdenken in den Wald zu gehen und Papi Plüschke beschreibt Sohnemann denn auch niedlich als “Träumerle”. Also Mädels bis 15 Jahre: Auf in den Wald und greift ihn Euch!!! Für alle anderen ist Marcels Auftritt mit “Country Roads” von John Denver eher nicht so unterhaltsam, denn er sitzt auf einem arg domestizierten mechanischen Bullen und singt mehr schlecht als recht sein Liedchen. Seine ganze Performance besteht darin, nicht herunterzufallen und bei allen Singpausen von länger als einer Zehntelsekunde das Mikrofon abzusetzen und sofort danach explosionsartig wieder an den Mund zu befördern. Mannometer, hätte dem Kleinen doch wirklich mal jemand vorher erklären sollen, wie doof das aussieht… Dieters Panzer hat bei Plüschi eine bedenklich weiche Stelle: “Du bist völlig gehemmt, kannst auch nicht besonders gut singen, aber ich hab Dich einfach lieb, was soll ich dazu noch sagen?” Nina ist sowieso immer Dieters Meinung, aber Volker macht sich mit ein paar kritischeren Tönen zum Außenseiter der Show und wird dafür ausgebuht.

    Hobby-Visagistin (in eigener Sache) Kim Debkowski hat wieder volle Kriegsbemalung angelegt und dazu noch ein paar stylische Klamotten mit Beinen in lila-metallic. Damit bringt sie “Can’t fight the Moonlight” von LeAnn Rimes, hat aber leider einen schlechten Tag. Ihr dünnes Stimmchen glitscht meist schmerzlich nah an den richtigen Tönen vorbei und macht das Zuhören nicht gerade zum Vergnügen. Volker und Nina sind einigermaßen entsetzt über den misslungenen Auftritt. Dieter holt dagegen zu einer längeren Erklärung aus und lobt die Tatsache, dass Kim sich seit dem Recall ihre schiefen Zähne hat richten lassen – bei Mark Medlock warte er darauf schon seit vier Jahren. Naja, der heutige Auftritt sei natürlich “Hühnerkacke”, aber eigentlich hoffe er, dass die Leute Kim noch eine Chance geben.

    Nach der nächsten Pause kommen noch mehr Lattenkracher aus dem Casting, z.B. der schräge Christian aus Dessau, die Agnes mit dem freiwillig angenommenen Akzent und als krönender Abschluss Scooter-Fan Andreas mit seiner Klappse-reifen “Hardcore”-Performance.

    Von wegen “Abschluss”, das böse RTL-Fernsehen hat Andreas Gerlich, den wir gerade noch bei der Scooter-Parodie seines Casting-Auftritts erleben durften, heute Abend live eingeladen und bevor man die Augen und Ohren schließen kann, tobt der Typ bereits auf die DSDS-Bühne. Es spricht immer für das Fehlen jeglicher gesunder Selbstreflexion, wenn Leute mit einem so mangelhaft ausgeprägten musikalischen Verständnis, solch rudimentären Englischkenntnissen und einem so unterdurchschnittlichen Aussehen sich zur Volksbelustigung vor einem Millionenpublikum zum Volldepp machen. Traurigerweise ist das wohl der Höhepunkt im Leben dieses bedauernswerten Zeitgenossen, aber was noch trauriger ist: Wir müssen ein paar kostbare Minuten unserer eigenen Lebenszeit dafür verschwenden, ihm dabei zuzusehen. Der Typ wirkt so, als habe man ihn vor seinem heutigen Auftritt ein halbes Jahr im Käfig gehalten und mit Juckpulver eingepökelt, er flippt im Studio völlig aus, hüpft pausenlos und kreischt dazu abwechselnd “jea-jea”, “Hahtkoa-Hahtkoa” und “wickääät!”. Der Schreyl fängt Andreas kurz vor dem Abheben ein und schiebt ihn nach einem kurzen Hinweis auf seine demnächst erscheinende neue CD “härter – schneller – Andy” aus dem Bild.

    Endlich kommt wieder eine richtige Kandidatin: Ines Redjeb, die nach wie vor sehr apart aussieht, singt “Release me” von Agnes. Schon wieder eine Kandidaten aus der Abteilung “tolle Beine – olle Stimme”, so knapp ihr Kleid ist, so knapp zielt sie auch regelmäßig an den richtigen Tönen vorbei. Dieter zeigt sich wieder vor allem von der Optik beeindruckt, zieht einen Vergleich zu Beyoncé, nur nicht die Stimme betreffend – jedenfalls noch nicht.

    Der “Checker” Thomas Karaoglan ist mit Sicherheit derjenige Kandidat, der den Zuschauern am meisten auf den Senkel geht, aber heute Abend ziehe ich den Hut vor seinem Auftritt mit “My Girl” von den Temptations. Im quietsch-roten Anzug nimmt er die Bühne komplett ein, flirtet mit den Zuschauern und der Jury, singt dabei sehr gut und vergisst noch nicht mal den Text. Die Jury ist restlos begeistert, Volker meint, er kenne niemanden, der mehr in sich selbst verknallt sei als Thomas. Bohlen sieht sich endlich in seiner Vorliebe für den “Checker” bestätigt, hat noch niemanden in einer Top-15-Show so smart gesehen.

    Den Ausputzer macht heute Mehrzad Marashi mit einem ebenfalls professionellen Auftritt: Er bringt “Und wenn ein Lied” von den Söhnen Mannheims, als wäre es für ihn geschrieben worden. Mehrzad hat wohl von allen Kandidaten die reifste, angenehmste Stimme und wenn wirklich nur das musikalische Talent zählt, ist ihm eigentlich schon jetzt der Titel Superstar 2010 nicht mehr zu nehmen. Übrigens ist er auch der einzige Kandidat, der sich nach seinem Song bei der wie gewohnt sehr gut aufspielenden Band bedankt. Die Jury ist restlos begeistert über Mehrzads Auftritt.

    Nach einer Stunde Comedy mit Cindy aus Marzahn und ihren teilweise etwas anstrengenden “Freunden” kommt der Ergebnisteil der heutigen Show. Ich will es kurz machen. Von den Zuschauern wurden in die Top 10 gewählt: Mehrzad, Menowin, Nelson, Manuel, Helmut, Thomas und Kim (nur eine einzige Frau!). Von der Jury wurden zusätzlich noch benannt: Marcel, Steffi und Ines. Und damit sind raus: Celine, Dirk, Kevin, Maria und Naomi.

    Soweit ich das überblicke, ist damit alles wie erwartet abgelaufen, keiner der Publikumsfavoriten und Bohlen-Lieblinge musste vorzeitig gehen. Ab der nächsten Woche haben wir dann Motto-Shows bei denen jeweils eine oder einer gehen muss. Ich gehe jetzt auch – und zwar ins Bett. Tschüss bis zur nächsten Woche!

    http://www.muelltv.de/2010/01/07/dsds-2010-01-06-casting-1-the-return-of-the-dieter/

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  • DSDS (RTL) 08.02.2010 No Comments

    Hallo zusammen, es ist wieder Samstagabend und der gehört fernsehtechnisch bis Mai fast ohne Unterbrechung Dieter Bohlen und seinen DSDS-Jury-Statisten. Im dritten und letzten Teil des Recall erwarten wir heute gespannt, welche 15 Leute durch das Nadelöhr zu “Deutschland sucht den Superstar” kommen und vor allem, wen es so kurz vor den Mottoshows quasi auf der Zielgerade zerlegt.

    Zunächst sehen wir den armen Helmut Orosz, der als Kollateralschaden von Ruzhdis explosionsartigem Abgang das nun frei gewordene Bett in Thomas Karaoglan Zimmer beziehen muss. Der “Checker” braucht einen Babysitter, hat das Fernsehen beschlossen, was bei beiden betroffenen Herren auf Missfallen stößt. Vermutlich erhofft man sich bei RTL  hier einen weiteren potenziellen Konfliktherd, denn während Thomas einen Reinlichkeitsfimmel zu haben scheint, ist der Ordnungssinn bei  Helmut eher gering ausgeprägt.

    Am letzten der drei Recall-Tage hält Bohlen unter Palmen noch eine markige Rede und droht schon mal mit der bevorstehenden “Verkündung”, die für eine Reihe von Kandidaten das Aus bringen werde. Ansonsten – Dieter ist ja gar nicht so – räumt er angesichts der leicht geschürzten Kandidatinnen im Strand-Outfit ein “was das Visuelle angeht, so ein geiles Casting habe ich noch nicht erlebt”. Artiger Beifall brandet nach seinen Worten auf und es geht weiter im Takt.

    Olivera Brkic, Maria Valencia und Alexandra Jansen absolvieren den ersten Auftritt des Tages und bringen die Ballermann-Hymne “Bailando”. Mit ihrer knappen Bekleidung, einer stimmigen Choreografie, dem türkis-blauen Meer im Hintergrund und nicht zuletzt einer durchaus akzeptablen Gesangsleistung wird es eine rundum prima Performance. Dieter kämpft sichtbar mit Speichelfluss und lobt inbesondere Alexandras Tanz. Auch die bedeutungslose Rest-Jury Nina Eichinger und Volker Neumüller scheint zufrieden.

    Nelson Sangaré und Adrian (dessen Nachnamen man nicht erfährt) kämpfen ebenfalls mit Körpereinsatz, protzen mit weit geöffneten Hemden und präsentieren ihre Sixpacks. Von Adrian habe ich bisher noch in keiner Folge der ganzen Staffel etwas gesehen, meist ein untrügliches Zeichen dafür, dass die RTL-Redaktion seine Bilder für entbehrlich hält, weil er noch vor den Mottoshows rausfliegt. Man muss bedenken, dass die erste Casting-Folge erst lief, nachdem in Wirklichkeit schon der gesamte Recall durch war – daher ist RTL zu diesem Zeitpunkt natürlich schon viel “klüger” als die Zuschauer und kann die Kandidatenstories gezielt steuern. Wie auch immer, sie performen jedenfalls Enrique Iglesias “Bailamos”, haben sich aber mit der Choreografie nicht so viel Mühe gegeben, wie die Damen zuvor. Bohlen ist trotzdem begeistert, Nina wegen der optischen Komponente noch mehr und auch Volker ist positiv überrascht.

    Steffi Landerer wurde Helmut als Duett-Partner zugeschustert. Die Blondine vom Typ Pamela Anderson ist begeistert (“der ist ‘ne Kanone”) und gemeinsam proben sie nächtens leicht bekleidet und zunehmend angeheitert im Hotelzimmer. Die armen Nachbarn, ich hoffe, der Laden ist ansonsten leer. Vielleicht geht zwischen den beiden was, zumindest stimmt die Chemie und er mag ihre großen Augen. ;-) Sie singen zusammen “All Summer long”, wobei Helmut den Text vom Zettel ablesen muss, was Dieter später bekrittelt (“ruh’ Dich nicht zu sehr auf Deiner rauen Stimme aus”). Steffis stimmliche Qualitäten werden von ihren sonstigen Reizen wesentlich übertroffen. Dieter ist ein Freund offener Worte: “Du bist nicht die größte Sängerin, hast aber zwei schlagende Argumente. Mal sehen, wie lange die reichen.”

    Naomi Marte und Manuel Hoffmann punkten mit der Langnese-Hymne “Like Ice in the Sunshine”, danach singen Joel Havea (Ex-Australier) und Kevin Rebstock (Ex-Dickerchen) wirklich sehr harmonisch “Maria Maria” (Santana).

    Anschließend performt Bohlens Liebling Marcel Pluschke zusammen mit Patrick Feil und Cowboyhut-Träger Dirk Petry “Lemon Tree”. Das ist ein Heimspiel für Marcel, denn er kam mit diesem Titel schon zum Casting. Überhaupt scheint er musikalisch keinen sehr weiten Horizont zu haben; in der letzten Folge musste er bereits in weiten Bereichen passen, weil er die Töne mit seiner Stimme nicht kriegte. Analog zu Steffi würde ich auch bei Marcel tippen, dass seine DSDS-Karriere in den Mottoshows schnell verglüht, sobald die Mädels sich an seinem Dackelblick satt gesehen haben. Wie auch immer, heute ist noch Recall und dafür ist Bohlen mit der Leistung der drei Beach Boys zufrieden. Dirk finde ich sehr merkwürdig…

    Kim Debkowski, Ines Redjeb und Céline Denefleh könnten aus mittlerer Entfernung betrachtet Schwestern sein, alle haben den selben Teint und lange dunkle Haare. Okay, okay, Kims Hautfarbe kommt von der Überdosis Schminke, gebe ich ja zu. Die drei Badenixen singen “The Tide is high”, das die Altvorderen noch in der Version von Blondie kennen. Auch stimmlich ähneln sie sich sehr. Bohlen fehlt bei Kim etwas das Gefühl, ansonsten ist er auch hier zufrieden. Die eigentliche Dramatik kommt erst nach dem Auftritt, denn Céline kriegt den Anflug eines Herzkaspers. Wir erinnern uns: Ihr wurde wegen chronischer Herzrhythmusstörungen ein Defibrillator eingebaut, der auch wesentlicher Teil ihrer Homestory im Casting war. Gott sei Dank entpuppt sich das Ganze als falscher Alarm und das Leben geht weiter.

    Für den Checker Thomas wird ein lang gehegter Traum wahr: Er darf vor Dieter Bohlen endlich einen Titel dessen musikalischen Ziehsohns Mark Medlock singen. Zusammen mit Norbert Samko (wer ist das denn jetzt?) probt er “Mamacita”, wird dabei aber durch seine rudimentären Englischkenntnisse arg gebremst. Nun hätte er wohl doch lieber ein Lied mit weniger – oder am besten ganz ohne – Text, ist aber zu spät. Statt konsequent zu üben, geht Thomas abends lieber in die Disse und ist morgens beim Auftritt entsprechend verkatert. Die angeraute Stimme macht er dabei jedoch mit einer wilden Performance wieder wett und fordert sogar Dieter zum Mittanzen auf, allerdings vergebens. Im Gegensatz zu Norbert, ist die Jury mit Thomas Leistung recht zufrieden und er darf erstmal auf der Insel bleiben.

    Monique Laroche und Kevin Reichmann proben im Meer den Bacardi-Werbesong “Summer Dreaming” und kommen damit später vor der Jury gut an. Den selben Titel vergeigen gleich darauf Kima Evelyn Isik (?!) und Maria Hering, weil sie währenddessen den Text vergessen, stattdessen dummes Zeug (auf Deutsch) singen, sich darüber beömmeln und damit den Zorn Bohlens zuziehen: “Sowas nennt man Unfähigkeit auf vier Beinen.” Als die Damen dann noch als Entschuldigung anbringen, sie könnten sich in den Song nicht hinein versetzen, obwohl sie gerade in der Karibik auf einem Strand unter Palmen vor dem unwahrscheinlich blauen Meer stehen, platzt auch Juror Volker der Kragen und er macht auf Bohlen. Mit ein paar wohlgezielten verbalen Hieben legt er den beiden bedrabbelten Möchtegern-Sternchen schon mal das Kofferpacken nahe. Nachher flennen beide Kandidatinnen noch eine Runde in die Kameras.

    Mehrzad Marashi und Menowin Fröhlich harmonieren musikalisch sehr und bringen das mit “Sweat” (A la la la la long) als Duo gut rüber. Der Poptitan in der Jury fühlt sich sichtlich gut unterhalten und lobt den Auftritt der beiden über den grünen Klee. Damit sollten sie eigentlich keine Schwierigkeiten haben, unter die Top 15 zu kommen.

    Abends gibt es dann eine große Party aller Kandidaten, inklusive kleiner Lästereien darüber, wer eigentlich nicht weiter kommen sollte und wer es mehr verdient hätte (selbstverständlich immer man selbst). Der arme Bohlen verbringt dagegen lt. Off-Stimme eine unruhige Nacht, weil er ganz allein die menschheitsentscheidende Frage klären muss, wer von seinen Kandidaten nun rausfliegt. Bezeichnend, dass er das allein tut, die Restjury hat er wohl nur, damit die zwei Stühle neben ihm nicht so leer aussehen. Wir sehen Dieter am Geländer eines Stegs, die ganze Last der Welt auf seinen Schultern tragend, wie er Hilfe suchend aufs Meer blickt, der aufgehenden Sonne entgegen. Nein, die 1,2 Millionen Euro DSDS-Gage sind wahrlich kein leicht verdientes Geld… :-)

    Der Jurytisch ist heute malerisch auf eine Sandbank drapiert worden, leicht vom Wasser umspült. Einzeln und manchmal zu zweit werden die Kandidaten auf die Sandbank gerufen und empfangen das Urteil. Ich schreibe mal nur, wer bei der jetzt folgenden “Verkündung” rausfliegt und damit die Top 25 verpasst; die endgültigen Top 15 für die Live-Shows findet ihr ganz unten. Kima kommt schon ahnungsvoll betend zum Richtertisch und kriegt einen Weinanfall, als man ihr das negative Resultat mitteilt. Sie bettelt völlig hemmungslos um ihr Leben, das ohne DSDS keinen Sinn mehr habe und fleht Dieter an, es sich nochmal zu überlegen. Sie könne eigentlich besser singen und habe einfach nur Pech gehabt. Bitte, bitte, bitte, bitte, bitte! Da trifft sie offenbar bei dem Titan eine weiche Stelle und er will sich ihr Schicksal nochmal überlegen. Sie soll ganz am Ende der Verkündung ein zweites Mal auf die Sandbank kommen.

    Also, sofort raus sind Angeliki Paitari, Zemine Aras, Maria Hering (Bohlen: “Dein Talent hat hier geglänzt… leider durch Abwesenheit”) und Monique Laroche. Monique und Zemine kriegen sich anschließend direkt vor der Kamera fast körperlich in die Haare und müssen von den anderen DSDS-Kandidaten davon abgehalten werden, sich zu verprügeln. Schön zu sehen, wie die Kamerateams unter den Palmen schnell in Richtung der schrill kreischenden Kontrahentinnen sprinten, solche Bilder will man sich schließlich nicht entgehen lassen. Flugs wird der Verwünschungen ausstoßenden Monique ein gelbes Mikrofon unter die Nase gehalten und RTL, der alte Philanthropensender, zeigt die Szenen schön in Zeitlupe und mit Wiederholungen. Ach hätten doch die anderen Kandidaten nicht eingegriffen…

    Ganz am Ende kommen Olivera und Kima zur Jury auf die Sandbank, hinter der sich über dem Meer gerade eine dramatische Wolkenkulisse aufbaut. Eine von beiden kriegt den letzten freien Platz unter den Top 25, dafür müssen aber beide nochmal spontan vorsingen! Wirklich toll fand ich beide nicht, aber Kima kommt tatsächlich weiter, genau wegen der Ellenbogen, mit denen sie sich gerade gegen den sicheren Rauswurf gestemmt hat. Bohlen imponiert, dass sie bereit scheint, über Leichen zu gehen.

    Aus der Karibik geht es für die Top 25 jetzt zurück nach Deutschland, nun müssen alle nochmal in Einzelauftritten ihre Eignung fürs harte Showgeschäft nachweisen. Ich will mal nicht zu detailliert werden, sonst liest das hier keiner mehr. Jedenfalls kriegt Helmut einen Einlauf, weil er einen zu unbekannten Bryan-Adams-Song ausgesucht hat. Dirk presst und knödelt “Summertimes” aus der Oper “Porgy and Bess”, natürlich wieder im Cowboy-Outfit, der Typ ist komisch! Kevin Rebstock hat Déjà-vu-Gefühle, denn letztes Jahr flog er genau an dieser Stelle raus, Kevin Reichmann soll seine Mutter von Dieter grüßen(!?) und Menowin singt mein persönliches Hasslied “I just called” von Stevie Wonder.

    Jetzt kommt die nächste Verkündung, wer darf nächste Woche in der ersten Liveshow auftreten? Ein letztes Mal hat die Jury das Sagen und RTL macht es natürlich wieder spannend, ich aber nicht. Weiter sind: Menowin, Céline, Mehrzad, Naomi, Manuel, Marcel, Thomas, Dirk, Steffi, Kim, Kevin Reichmann, Maria Valencia, Nelson, Ines und Helmut.

    Raus sind damit Kima (diesmal endgültig, ohne Heulerei), Alexandra, Anastasia und Kevin Rebstock (dessen Déjà-vu-Ahnungen sich damit erfüllt haben). Nicht genannt und gezeigt, aber trotzdem offenbar irgendwie rausgeflogen sind: Patrick, Joel, Meike, Norbert und Adrian.

    Die Sendung endet mit einer erneuten Predigt von Papa Bohlen, dass sie sich alle ihrer unglaublichen Chance bewusst sein sollten und dass der Wettbewerb jetzt erst richtig anfinge usw. Na, da sind wir aber mal gespannt, welche 10 Kandidaten die erste Liveshow am nächsten Sonnabend überleben. Bis denne!

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  • DSDS (RTL) 05.02.2010 6 Comments

    Stell Dir mal vor: Du machst Traumurlaub auf einer Insel mitten in der blau-grünen Karibik und flezt in einem gemütlichen Liegestuhl an einem goldgelben Sandstrand mit Blick bis zum Horizont. Hinter Dir wiegen sich die Kokospalmen im lauen Lüftchen, in der Liege links neben Dir der/die Liebste, rechts ein kühles Glas Cuba Libre, irgendwo in der Ferne spielt jemand Gitarre. Mit einem Wort: Das Paradies.

    P L Ö T Z L I C H  ein lautes KRACHEN und KREISCHEN, eine große Horde wildgewordener Jung-Teutonen poltert mit ihren Taschen und Schminkköfferchen über den Strand und bezieht das Haus genau neben Deinem Bungalow! Das war’s mit der Erholung, denn jetzt geht es rund: Den ganzen Tag und die ganze Nacht streiten und singen die lautstark, streiten und singen und streiten und singen. Zwischendurch kommt regelmäßig ein miesepetriger, sonnengegerbter Mann in den Fünfzigern mit blond-gefärbten Haaren vorbei, der den ganzen Kiddie-Haufen anschreit, den Kopf schüttelt und sich wieder verzieht.

    Tja, wer das Glück oder Pech hatte, an den drei Recall-Tagen gleichzeitig mit Bohlens DSDS-Bande in der Karibik gewesen zu sein, der kann vermutlich so eine ähnliche Geschichte erzählen.

    Heute sehen wir zuerst die 35 Teenager und Twens beim unbeschwerten Baden und am Strand, plötzlich nähert sich von oben ein Hängegleiter mit darunter montiertem Schlauchboot (keine Ahnung, wie das richtig heißt) und setzt zur Landung im Wasser an. Hinter dem Piloten sitzt der Reiseleiter, Herbergsvater und Pop-Titan Dieter Bohlen. Der steigt für die letzten Meter bis zum Strand vom Flugzeug um in ein ordinäres Bötchen, in dem – standesgemäß – schon die restliche Jury aus Nina Eichinger und Volker Neumüller sitzt. Zusammen kommen sie unter dramatischer Hintergrundmusik am Ufer an, gehen an Land wie weiland Christoph Columbus, lassen sich von den artig applaudierenden DSDS-Kandidaten huldigen und nehmen ihre Plätze am Bambus-Jurytisch ein, direkt am Strand.

    Schnell hat der Spaß ein Ende, der Ernst zieht ein! Dieter Bohlen ist nämlich ein echt fieser Typ: Da nimmt er die 35 restlichen Bewerber aus “Deutschland sucht den Superstar” mit in die Südsee, lullt sie ein bisschen mit tropischer Wärme ein und verlangt dann plötzlich Leistung von ihnen! Schon während des Fluges mussten sie ein Liedchen lernen, das sie der Jury nun hier am Strand im Einzelauftritt vorsingen müssen. Und das, obwohl doch noch alle mit dem Jetlag kämpfen… Natürlich geht die ganze Sache gehörig schief, kaum einer kann den Text, sogar Bohlens Liebling Thomas Karaoke, äh Karaoglan hat da seine Probleme. Er hat zwar von “My Girl” kaum noch eine Zeile richtig parat, aber er behilft sich mit jeder Menge erfundener Reime, die zwar überhaupt keinen Sinn machen, aber auf den ersten Hör wenigstens richtig Englisch klingen. Sehr geschickt, man nennt ihn nicht umsonst den “Checker”. :-) Bohlen hat aber gemeine Spitzel und Zuträger, die haben den Text mitgelesen und decken Thomas Bluff auf.

    Auch Ruzhdi Bojani leidet unter partieller Amnesie, kann aber im Gegensatz zum Checker gar kein Englisch, so dass er seine Lücken nur mit “Lalala” zu stopfen vermag, was der Jury leider sofort auffällt. Bohlen resümiert, das habe mit Musik nichts mehr zu tun und sei einfach Müll – und Müll gehöre nicht auf so eine schöne Insel… Ähnlich ergeht es Meike Büttner, Helmut Orosz (O-Ton Bohlen: “das war absolute Kacke”), Kim Debkowski (Dieter: “Kein Schwein kann sich hier irgendeinen Text merken”), Anastasia Del Mukhamedova (Dieter: “Auch Du bist von der Texteritis befallen”) und Menowin Fröhlich (Dieter: “Mensch, Du musst in den nächsten Tagen Gas geben, sonst kriegst Du bei RTL ‘ne eigene Pannenshow”). Die Jury heuchelt Entsetzen über den karibischen Recall-Auftakt und Dieter schwingt zum Schluss eine Rede mit diversen Analogien aus dem von ihm so geschätzten Sanitärbereich (u.a. “Klobürste”). Es herrscht allerorten Krisenstimmung, gibt es wirklich einen “Fluch der Karibik”?

    Am nächsten Tag stehen Gruppenauftritte an. Naomi Marte, Angeliki Paitari und Steffi Landerer proben optisch ansprechend zusammen im Whirlpool, nachher sehen wir dann Naomi und Steffi auch noch bei innigen Plantsch-Spielchen im flachen Wasser. Nanu, da geht doch was? Wie dem auch sei, jedenfalls performen die drei als Girl Group mit “If a Song could get me You” von Marit Larsen vor der Jury. Die ist zufrieden mit der Choreografie, die Stimmen sind ihnen aber zu gewöhnlich und Dieter pflaumt vor allem Angeliki an: “Dir fehlt das Gefühl, das toucht mich nicht”. Hinterher kullern deswegen ein paar Tränchen ihren Luxuskörper hinab…

    Kevin Rebstock, Manuel Hoffmann und Patrick Feil (noch nie gehört!) bilden die nächste Gruppe. Ex-Moppel Kevin hat scheinbar Nachholbedarf für das richtige Performen und fragt unter Kamerabegleitung ausgerechnet Mr. Arrogant Thomas nach ein paar Tipps. Der blüht ob dieser Bestätigung bedauerlicherweise noch mehr auf und lässt ein paar Brocken seiner vermeintlichen Weisheit fallen (1. “sexy sein”, 2. “Augenkontakt halten”, 3. “geil sein”). Altklug garantiert er Kevin den Einzug unter die Top 15, wenn er diese Ratschläge befolge. Das oben genannte Trio singt Patrick Swayzes “She’s like the Wind”. Von dem Patrick (der Kandidat ist gemeint) hatte ich vorher noch gar nichts mitgekriegt, den Namen muss man sich aber vermutlich auch nicht merken. Seine Haare sehen wie eine zu groß geratene Perücke aus und er singt irgendwie leidend, so als trete ihm jemand auf den Fuß. Am besten fand ich persönlich Manuel, aber auch die anderen Herren kriegen von der Jury eine ordentliche Wertung.

    Menowin singt im Duett mit Alexandra Jansen, der Maschinenbaufrau aus Aachen. Der Ex-Knacki hat nach wie vor an seinem Texthänger vom Vortag zu knabbern und im zweiten Recall-Auftritt gehe es jetzt bei ihm um alles, behauptet die Off-Stimme. Scheinbar muss er wieder zurück in den Bau oder Söldner in Afghanistan werden, wenn Papa Bohlen ihn jetzt nochmal verreißt, so hört es sich jedenfalls an. Aber alle Menowin-Fans können sich beruhigt den nächsten Joint anstecken, denn die beiden bringen ihr “Up where we belong” unfallfrei über die Palmen-bestandene Bühne. Die Jury ist zufrieden und die beiden Kandidaten erleichtert.

    Eine weitere Boy Group besteht aus Helmut, Marcel Pluschke und einem namenlosen Typen, der sich vor allem durch seine zahlreichen Tattoos auszeichnet. Sie werden als DSDS-Chippendales angekündigt, weil sie mit nacktem Oberkörper auftreten, was wohl wenigstens von Nina eine positive Wertung sichern sollte. Die drei proben die ganze Nacht lautstark ihren Titel “To be with you” am Strand und machen sich damit vermutlich bei den anderen Urlaubern nicht sonderlich beliebt. Marcel hat darüber hinaus noch ein ganz anderes Problem: Er kriegt die hohen Töne nicht, will  sich deswegen auf so eine Art zweite Stimme im Background beschränken und den anderen beiden den akustischen Vortritt lassen. (Na, wenn das man zum Superstar reicht, nur blaue Augen und Dackelblick allein genügen nicht.) Die Vorstellung vor der Jury verläuft zufriedenstellend, auch wenn hier und da mal Textlücken durchschimmern und die Choreografie eher spontan als geprobt wirkt. Marcel fühlt sich zwischen seinen beiden singenden und hüpfenden Mitbewerbern sichtlich unwohl, guckt immer nur von einem zum anderen, damit er ja den Einsatz nicht verpasst. Das wird ihm dann hinterher etwas vorgeworfen, aber Dieter hat einen Narren an dem Jungen gefressen und lässt ihn weitgehend ungeschoren davonkommen. Ob der unerwartet positiven Wertung nehmen die drei Kandidaten erstmal ein spontanes Bad im nahe gelegenen Meer.

    Das nächste Duo besteht aus Kim und Thomas. Nicht besonders überraschend, dass zwischen den beiden die Chemie nicht ganz stimmt, er wirft ihr Hochnäsigkeit vor, sie nennt ihn stressig und chaotisch. Übrigens hat Kim mal wieder mehr Schminke aufgelegt als Tut-Anch-Amun, falls sie damit ins Wasser geht, müssten eigentlich sofort die Ölauffangschiffe ausrücken… ;-) Noch bevor sie überhaupt singen, gibt der Checker schon mal bekannt, dass er den Text wieder nicht kann. So wie es aussieht, war er nachts lieber in der Disko, als für den Auftritt zu üben. Dieter ist bei Thomas immer extrem großzügig, sagt nichts zu der mangelnden Disziplin. Er schlägt vor, die beiden sollten ihm bei ihrem Lied “We’ve got tonight” eben vorspielen, ein Liebespaar zu sein, auch wenn sie sich in Wirklichkeit hassen. So sei eben das Showgeschäft, doziert er. Die beiden singen dann eng umschlungen, lesen dabei immer abwechselnd von einem kleinen Spickzettel ab, verhaspeln sich aber öfters, sowohl beim Text als auch der Musik. Egal, Dieter findet’s niedlich, der Checker habe das sehr schön gemacht, blablabla. Nina und Volker scheinen übrigens gar nichts mehr meinen und sagen zu dürfen, die sind immer völlig still.

    Mehrzad Marashi und Olivera Brkic (hä, auch neu?) harmonieren da viel besser, sind stimmlich und persönlich wesentlich reifer als das vorherige Kinderpaar. Sie bringen “Endless Love” von Lionel Richie sehr gut rüber, ihre Stimmen harmonieren perfekt. Dieter Bohlen ist hoch zufrieden und nennt Mehrzad gar den einzigen richtigen Musiker unter den Kandidaten.

    Über Monique Laroche und Maria Hering hatte ich, glaube ich, auch noch nie geschrieben. Die beiden singen im Duett Maria Menas “All this time” und haben dazu sogar noch eine kleine Rahmenhandlung ersonnen. Sie hätten man ihre Energie mehr in Richtung Textlernen lenken sollen, sie kriegen das Lied nämlich auch in mehreren Anläufen nicht gebacken. Beim letzten Versuch haben sie superschlau kleine Spickzettel in Tassen (aus der “Rahmenhandlung”) versteckt, aus denen sie dann ganz offensichtlich ablesen. Was der Checker darf, dürfen Monique und Maria noch lange nicht. Bohlen wird grimmbimmselig und schnauzt rum und selbst die Harmonie-bedachte Nina meckert (“das war peinlich”). Volker findet den Auftritt gar unprofessionell, er käme sich gar nicht mehr wie bei DSDS vor, sagt er.

    Die letzte Gruppe für heute besteht aus Ruzhdi, Dirk Petry und Wemauchimmer und singt “Easy like Sunday Morning” von Faith No More. Nachts haben sie scheinbar mehr gesoffen als geübt und das Ergebnis zeigt sich heute. Während Dirk wie immer die Zähne nicht auseinander kriegt und sich scheinbar einen heftigen Kampf mit der Musik liefert, ist bei Ruzhdi genau das Gegenteil der Fall: Er singt etwas schlapp seine Strophen und bekommt dann leider wieder einen plötzlichen Gedächtnis-Totalausfall, genau wie am Vortag im Einzelauftritt. Er kaschiert die fehlenden Worte mit einem leichtherzigen “Dab-Dabbi-Dabbi-Da”. (Zack, die Musik setzt aus, das Bild friert ein, mit einem Mal ist alles nur noch schwarz-weiß. Was jetzt passiert, zeigt uns RTL in Zeitlupe und Standbildern, wiederholt einzelne Sequenzen mehrmals und legt dramatische Musik drunter.) Bohlen glaubt offenbar, nicht recht gehört zu haben, runzelt die Stirn, setzt die Sonnenbrille ab, steht auf, geht zu Ruzhdi, nimmt ihm das Mikrofon ab und schüttelt ihm die Hand “Schönen Weg nach Hause!”. Dieter dreht sich um und sucht einen Ort, wo er das eingesammelte Mikro ablegen kann. Er brabbelt “Dadada, das geht hier nicht!” in die Kamera und wirkt dabei ernsthaft empört, so wie der Wegewart im Kleingartenverein, wenn während der Mittagszeit einer den Rasen mäht. Tja, das war ein echter Rauswurf, für Ruzhdi ist der Traum vom Superstar von einer Sekunde auf die andere unwiderruflich vorbei. Die anderen Kandidaten geben sich hinterher geschockt, freuen sich aber insgeheim vermutlich über den aus dem Weg geräumten Konkurrenten.

    Dass sich ausgerechnet ein Dieter Bohlen über “Dab-Dabbi-Dabbi-Da” echauffiert, der doch in seinen eigenen Titeln oft genug den sprachlichen Offenbarungseid geleistet hat, mag verwundern. Ich denke mal, der Chefjuror hatte schon am Vortag erkannt, dass mit Ruzhdi wegen seiner mangelnden Englischkenntnisse kein Blumentopf zu gewinnen war. Da hat er heute die erstbeste Gelegenheit genutzt, an ihm ein Exempel zu statuieren und damit alle anderen zu schocken, ganz nach Mao Tse-Tungs Philosophie “einen bestrafen um hundert zu erziehen”.

    Mit diesem netten Bild verabschiedet sich der Recall aus dem zweiten Teil. Am Sonnabend kommt der Rest vom Schützenfest, da wird die Teilnehmerzahl auf 25 heruntergedampft. Bis denne!

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