• DSDS (RTL) 21.03.2010 2 Comments

    Liebe Leute,

    wieder ist Samstagabend, in Köln findet die fünfte DSDS-Mottoshow statt und das bedeutet Großeinsatz für Handys, Taschentücher und Ohropax. Mittlerweile ist die Kandidatenanzahl auf sechs zusammengeschnurrt und auch heute wird einer oder (die) eine die Hoffnung auf ein Leben als Superstar fahren lassen müssen.

    Dass künstlerische Kriterien bei dieser Veranstaltung nur am Rande zählen, haben wir ja inzwischen sicherlich alle mitbekommen. Viel entscheidender ist nämlich das Gesamtpaket (Jurysprech: “Package”), also die Melange aus Homestory, Aussehen, Persönlichkeit und zuletzt Musikalität, wobei ein möglichst problematisches Zuhause bei weitem die wichtigste Rolle spielt. Beim Rennen um die verwertbarste Homestory liegt weiterhin Menowin mit zweimal Knast (er selbst und die Mutter) und drei bei der Ex-Freundin lebenden kleinen Kindern vorn, wobei die Ex-Freundin übrigens lt. Bildzeitung gleichzeitig seine Cousine ist. Auf Platz zwei folgt Mehrzad mit einem Baby (gerade geschlüpft) und dem Unfalltod seines Bruders, außerdem kannte er einen der Toten vom Kölner Stadtarchiveinsturz. Die anderen Kandidaten sind dagegen weit abgeschlagen, haben außer einer dominanten Oma (Manuel), einer ausgeprägten Schminkmacke (Kim) und Größenwahn (Thomas) nicht viel zu bieten. Helmut könnte vielleicht wegen seines vorgerückten Alters noch ein paar Mitleidspunkte einfahren, aber das wäre es dann auch schon.

    Zwischen der eigentlichen Sendung und der Urteilsverkündung soll es heute mal keine “Böse Mädchen” oder ähnlichen Dreck geben, den RTL sich Humor zu nennen erdreistet, stattdessen wird Sympathieboxer Wladimir Klitschko live und in Farbe seinen Gegner Eddie Chambers vermöbeln. Dabei haben alle Beteiligten garantiert mehr zu lachen als in den vorangegangenen Wochen auf diesem Sendeplatz. Das Thema Boxen zieht sich denn auch etwas durch “Deutschland sucht den Superstar”, z.B. werden die Kandidaten alle in Boxklamotten vorgestellt. Das eigentliche Motto des Abends ist aber “Deutsch gegen Englisch” und das bedeutet, dass jeder der sechs heute zwei Titel singen muss, nämlich in der ersten Runde einen auf Deutsch und später einen auf Englisch. Zur Einstimmung singen alle zusammen “Let me entertain you” von Robbie Williams. Tun wir ihnen den Gefallen und lassen uns unterhalten…

    Als Kandidat Nummer Eins geht heute Abend Thomas Karaoglan mit “Hamma!” von Culcha Candela ins Rennen. Obwohl er im Recall noch unter Gedächtnisproblemen litt, kriegt der “Checker” den überlangen und sehr schnellen Text diesmal gut hin. Auf der Bühne zieht er wie gehabt eine richtige Show ab und wird dabei von einigen Tänzerinnen begleitet, die er der Reihe nach anflirtet. Nach dem Lied bekommt er erst mal ein Ständchen von der ganzen Halle, denn Thomas feiert heute seinen 17. Geburtstag. Leider hat die Regie dabei das Mikrofon von Moderator Marco Schreyl nicht abgeschaltet und man kriegt einen Eindruck von seinem musikalischen Unvermögen. Die Jury, bestehend aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller, hält sich in dieser Disziplin lieber vornehm zurück.

    Heute kommt der Moment zum Fremdschämen schon sehr früh, nämlich bereits beim Juryurteil für Thomas ersten Song: Ohne überhaupt auf das gerade Gehörte einzugehen, fragt Dieter erst mal ganz direkt, ob es stimme, dass der Checker in dieser Woche einen Einlauf gekriegt habe? (Gemeint ist ein medizinischer Einlauf, kein Anschiss z.B. von Onkel Dieter.) Der Befragte ist maximal zwei Sekunden lang peinlich berührt, besinnt sich dann aber darauf, für Publicity ja alles zu machen und lässt Fernsehdeutschland recht offenherzig an einer eher uncoolen Episode aus seinem Verdauungstrakt teilhaftig werden: Er hätte nämlich neulich irgendwie Verstopfungen gehabt, deswegen habe ihm seine Oma (SEINE OMA, ich fasse es nicht!!!) einen Einlauf gemacht und dabei sei ordentlich was herausgekommen. Igittigitt!!! Vermutlich kommen dann morgen noch ein paar Beweisfotos auf der Titelseite der BamS, zusammen mit der packenden Enthüllungsstory “Mit dem DSDS-Checker auf der Toilette”. Für Montag ist dann in der BILD der Folgeartikel “Oma Karaoglan: Wie es wirklich war” geplant, am Donnerstag legt eventuell noch die BRAVO nach mit “Der Checker gibt alles”. :-)

    Das Urteil zu dem eben gehörten Liedchen fällt erwartungsgemäß milde aus, Dieter brabbelt zwar halbherzig etwas von “noch Singen üben”, aber das wird sicherlich ungehört verhallen. Ist auch wurscht, bis zur Top-3-Show sehe ich Thomas sowieso auf Nummer Sicher.

    Nun wird wieder der Posing-Generator angeworfen, denn Helmut Orosz ist an der Reihe. Er tritt auf mit “1000 und 1 Nacht” vom singenden Sozialarbeiter Klaus Lage. Das Lied stammt übrigens aus dem Jahr 1984 und hätte deshalb auch gut in die letzte Show gepasst. Mit dem üblichen Zahnpasta-Grinsegesicht, theatralischen Gesten und den immer gleichen neckischen Tanzschritten (inkl. Pirouette) hüpft “Helle” über die Bühne und dann durch die ganze Halle. Wie immer erinnert mich sein Auftritt an einen Karaoke-Abend im Ferienclub auf Mallorca. Einmal schubbert er sich an Nina heran und schmachtet sie direkt über den Jurytisch an, vermackelt bei dieser Gelegenheit aber kräftig den Text – mal sehen, ob Onkel Dieter das mitgekriegt hat! Gesangstechnisch ist das auch nicht allererste Sahne, die gelegentlichen Misstöne sind vermutlich Helmuts Bewegungsdrang geschuldet.

    Volker und Nina sind schon recht kritisch, aber Terminator Dieter gibt ihm schließlich den Fangschuss: “Es gibt Leute, die lernen’s nie – und dann gibt’s Helmut, der lernt das noch später! Hier geht es um so viel und Du bist zu blöde, um so einen Kindertext zu lernen!” Und dann wirft er ihm auch noch vor, sowieso die falsche Einstellung zu haben, jeden Tag “besoffen” zu sein und keine Termine einzuhalten!!! Jau, bei so etwas ist für Vollprofi Bohlen der Spaß definitiv zu Ende. Mein Bild mit dem Ferienclub-Animateur scheint doch gar nicht mal so völlig daneben zu liegen. Wenn Helle schlau ist, pimpt er mit dem von Dieter so subtil angedeuteten Alkoholproblem wenigstens die eigene Homestory auf, die war bislang doch arg mager… Helmut ist aber erst mal am Boden zerstört und schleicht mit hängendem Kopf zurück zur Kandidatencouch. Selbst schuld. (Das war nach Thomas Darmabenteuer heute Abend also schon Einlauf Nummer Zwei.)

    Aufgetakelt mit riesiger Irokesenfrisur sieht Kim Debkowski wie die kleine Schwester von Bill Kaulitz von Tokio Hotel aus. Sie singt heute Abend “Krieger des Lichts” von Silbermond. Klamottentechnisch erinnert sie mich total an die Figur Riff Raff aus den letzten Szenen der Filmversion der Rocky Horror Picture Show. In ihrem kurzen Einspieler erklärt sich Kim schon mal zur besten DSDS-Frau der Staffel, was ja technisch gesehen auch stimmt, denn nach Ines Abgang in der letzten Woche ist sie die letzte weibliche Vertreterin. Außerdem zeigt sie uns in dem Filmchen, wie man einen schnöden grauen Jutebeutel zu einem stylischen Disko-Utensil umschult. Der Titel geht dann verhältnismäßig unspektakulär über die Bühne, viel Action – außer den irren Klamotten – passiert nicht und das Stimmchen ist auch eher Marke “für den Hausgebrauch”. Aber immerhin bescheinigt ihr Dieter hinterher genau das, was Helmut fehle, nämlich Fleiß und Disziplin. (Dazu wird Helmut auf der Kandidatenbank sitzend eingeblendet und sinkt bei diesen Worten erkennbar noch ein Stückchen weiter in sich zusammen. Der Anschiss vorhin hat echt gesessen.)

    Manuel Hoffmann singt danach “Bilder von Dir”, das ursprünglich von Laith Al-Deen stammt. Im Einspieler sehen wir ihn bei der Bewältigung seiner Fanpostflut, ansonsten herrscht aber gähnende Normalität an der Homestory-Front, keine mit Kindern sitzengelassenen Ex-Freundinnen, die sich in der Bildzeitung ausweinen, keine Eltern hinter “Schwedischen Gardinen”, nicht mal gastroenterologische Störungen – wie beim Checker – kann er vorweisen. Und die ihn betreffenden Management-Ambitionen seiner Oma sind als Thema auch ziemlich ausgelutscht. So kann das mit dem Superstar ja nichts werden. Das Liedchen wickelt er routiniert ab, keine derben Ausrutscher und Textvergesser, aber auch nicht übermäßig aufregend; die Bühnenshow kann man wohl eher statisch nennen. Dennoch ist Dieter diesmal auffallend zufrieden mit Manuel und lobt ihn nachdrücklich, beinahe überschwänglich. Welche Strategie steckt wohl dahinter? Vermutlich will der Schlagertitan nun unter allen Umständen Helmut loswerden und lobt dafür alle anderen traditionellen Sorgenkinder über den grünen Klee. Bin mal gespannt, ob das aufgeht…

    Menowin Fröhlich scheint ein Abonnement auf die strategisch günstigen hinteren Startpositionen zu besitzen – sicherlich hat der weitreichende Einfluss seines Gönners Bohlen dafür gesorgt. Auch diesmal kommt er erst als zweitletzter Kandidat an die Reihe, nämlich ganz in grün inkl. Baseballkappe (vielleicht wegen des gerade gewesenen St. Patrick’s Day?). Sein Lied ist “Über sieben Brücken musst Du geh’n” von Meta Paffey und der hat’s von Karat. Seine Stimme klingt heute anfangs ungewohnt dünn und schräg und auf die Tanzperformance wartet man vergeblich – das war aber angesichts des balladesken Titels auch nicht wirklich zu erwarten. Ich fand Menowins Version einfach langweilig, aber Dieter überschlägt sich – völlig überraschend, haha – vor Lob. Das sei eine tolle Neuinterpretation dieses Klassikers, genial, kaum noch zu toppen. Volker schließt sich an, nur Nina sagt in einem erstaunlichen Anfall von Ehrlichkeit, dass ihr der Titel nicht gefallen habe. Dafür fängt sie sich bestimmt noch eine Abmahnung vom Oberjuror ein!

    Mit “Flugzeuge im Bauch” vom Ruhrgebietsapostel Herbert Grönemeyer beendet Mehrzad Marashi die erste, die deutsche Runde der heutigen Mottoshow. Alle Superlative, die Dieter eben über Menowin zusammenfabuliert hat, treffen für Mehrzads Auftritt tatsächlich zu. Er interpretiert den eher depressiven Titel völlig neu, singt ihn mit viel Power und absolut makellos und zeigt damit einmal mehr, wer abseits von Bohlens Vermarktungsüberlegungen in Wirklichkeit der Superstar dieser Staffel werden sollte. Die Halle tobt vor Begeisterung und die gesamte Jury, sogar Onkel Dieter, bescheinigt Mehrzad eine astreine Leistung, er sei in der ersten Runde klar der Beste gewesen!

    Im zweiten Durchgang hören wir nur englische Titel, wieder beginnt der großmäulige Checker Thomas Karaoglu. Diesmal tanzt er furios “Relight my Fire” von Take That und trägt dazu eine feuerrote Jacke. Leider hat das Jüngelchen noch immer nicht die zu seinem Ego passende Stimme und die Jury empfiehlt ihm wohlwollend, daran in der nächste Woche doch mal etwas zu üben. (Dass er auch in der Top-5-Show dabei sein wird, steht ja wohl außer Frage.)

    Dann ist es Zeit für den nächsten kräftigen Einlauf von Doktor Bohlen: Helmut Orosz performt “Satisfaction” von den Rolling Stones und das gar nicht mal schlecht, allerdings kriegt er schon wieder den Text durcheinander. Dieter ist nicht nur nicht zufrieden (“I can’t get no Satisfaction…”), sondern geradezu ungehalten, ein erwachsener Mann von 30 Jahren müsse sich doch wohl zwei Texte merken können, sogar der (offenbar doofe) Willy Herren am Ballermann könne das und “Du wirst es in diesem Beruf zu nichts bringen!”. Nina versucht Helmut mit etwas Lob zu trösten, aber Volker haut sofort in Dieters Kerbe “Die Stones waren auch immer besoffen, aber haben nie den Text vergessen – von mir gibt’s ‘ne Sechs dafür!!!”. Rumms, nun hat sich “Helle” also in beiden Runden fettestmögliche Jury-Watschen eingefangen, bleibt abzuwarten, was das Publikum dazu sagt. (Einlauf Nummer Drei)

    Weiter geht’s mit “Can’t get you out of my Head” von Kylie Minogue, gesungen von Kim Debkowski. Diesmal hat sie sich optisch nichts Neues einfallen lassen, sondern Kylies bekanntes weißes Kleid mit der riesigen Kapuze aus dem Videoclip imitiert. Die Jury ist vom Outfit sehr angetan, der Gesang kann zwar nicht ganz mithalten (Dieter: “Mini Playback Show”), aber insgesamt sollte Kim damit bis zur nächsten Woche eigentlich überleben dürfen.

    RTL hat es eilig, Klitschko wartet, deshalb geht es sogleich weiter mit Manuel Hoffmanns Version von Ronan Keatings “Life is a Rollercoaster”. Der Auftritt kommt wieder ohne Bühnenshow aus, Manuel steht viel in der Gegend herum, singt sein Lied aber klaglos, wenn auch nicht sensationell. Dieter ist wieder auffallend begeistert, fand auch den zweiten Song sehr gelungen, Nina und Volker sind hingegen eher etwas indifferent. Ja, das sei schon irgendwie okay gewesen, aber mehr auch nicht und sie hofften, dass genügend Zuschauer für ihn anriefen. Ganz klar, Strippenzieher Dieter versucht, Manuel an Helmut vorbei nach oben zu drücken.

    Noch bevor man den nächsten Song überhaupt gehört hat, weiß man schon jetzt, dass Menowin Fröhlich von Dieter Bohlen wieder über den grünen Klee gelobt werden wird. So kommt es auch tatsächlich, “If you don’t know me by now” von Simply Red singt Menowin aber auch wirklich genial, wenn man die paar Textaussetzer mal gnädig übersieht. Was mich wie immer irritiert, ist der eiskalte, fast muränenhafte Blick, mit dem er zwischendurch in die Kamera guckt, der passt gar nicht zu dem gefühlvollen Soul-Titel. Die Jury ist hin und weg, spricht von Gänsehaut-Feeling und ähnlichen Hautirritationen.

    Den Schlusspunkt setzt wieder Mehrzad Marashi. Diesmal hat er uns “Beggin’” von Madcon mitgebracht. Der Mann ist ein Phänomen, welches Lied auch immer er anfasst, er kriegt es super hin. Er singt, swingt, tanzt hundertprozentig, die Jury ist aus dem Häuschen, ganz klar: Mehrzad ist heute Tagessieger und sollte eigentlich auch ohne Probleme bis ins Finale kommen.

    Die Jury gibt wieder einen Tipp ab, wer heute gehen muss und legt sich einheitlich auf Helmut fest, der habe die falsche Einstellung und gehöre nicht mehr in die Show. Danach muss DSDS erst mal den Kanal räumen, denn jetzt will Feingeist Wladimir Klitschko zwischendurch seine Gage verdienen. Wir sehen uns hinterher zur Urteilsverkündung wieder.

    So, dank Vorspulfunktion am Rekorder ist es in Windeseile gut zwei Stunden später und während die Putzfrauen in Düsseldorf noch die Trümmer von Eddie Chambers aus dem Ring fegen (und Klitschko wohl sein Geld zählt), geht es gleich weiter in die nächste Arena, nämlich zurück nach Köln, zu DSDS. Die Zuschauer haben abgestimmt und wieder beginnt die alte Leier, drei Kandidaten müssen in die Vorhölle und noch etwas warten, nämlich Thomas, Helmut und Manuel und raus fliegt am Ende der eher unscheinbare Manuel Hoffmann. Das ist zwar heute absolut nicht berechtigt, aber nach Können ging es in dieser Sendung ja noch nie und so habe ich wenigstens die Genugtuung, dass meine Vorhersage vom letzten Mal eingetreten ist. Hoffentlich haut es Helmut in der nächsten Show vom Schlitten, verdient hat er es allemal.

    Bis dahin ‘ne schöne Woche!

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  • DSDS (RTL) 14.03.2010 3 Comments

    Träräää, es ist wieder soweit:

    Onkel Dieter zieht den Vorhang auf für eine weitere Ausgabe seines DSDS-Marionettentheaters. Die Musik der achtziger Jahre erfreut sich momentan einer ungerechtfertigten Verklärung – vermutlich von Leuten, die sich damit ganz sentimental an ihre Jugendzeit zurück erinnern, aber vergessen haben, dass die gute alte Zeit auch mal langweilige Gegenwart war. Ganz ehrlich, wer fand denn jemals Kajagoogoo oder Alphaville wirklich gut und wer trank tatsächlich Afri-Cola? Jedenfalls niemand, den ich aus der Altersklasse kenne. Klar, der Schlagertitan aus Tötensen fühlt sich in dem Jahrzehnt natürlich wohl, schließlich hat er damals mit Modern Talking seine ersten Millionen zusammengeklimpert. Und als Thema für die vierte Mottoshow von “Deutschland sucht den Superstar” reicht der 80er-Hype allemal.

    Die Jury aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller marschiert zu dem von Dieter handgedrechselten musikalischen Abführmittel “You’re my Heart, you’re my Soul” ins Studio; O-Ton Marco Schreyl: “Dieter Bohlen, der Mann, der die 80er-Jahre quasi erfunden hat”. Kassiert der heute Abend von RTL womöglich auch noch Extra-Tantiemen für die Benutzung seines Jahrzehnts?! Nina Eichinger scheint übrigens den Kleiderschrank ihrer Mami gefilzt zu haben und trägt ein recht freizügiges silbrig funkelndes Disko-Kleid, das vermutlich tatsächlich aus den 80ern stammt. Dieter wird von Marco quasi als Zeitzeuge gefragt, wie man denn so lebte in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts, als Internet, Handy und Privatfernsehen noch Fremdworte waren. Das sei ein ganz wichtiges Jahrzehnt für ihn gewesen, erfahren wir dann, damals habe er nicht nur seinen “ersten Welthit” geschrieben, sondern auch sein erster Sohn und seine derzeitige Freundin seien geboren worden. Haha, in puncto Selbstironie kann Dieter so schnell niemand das Wasser reichen.

    Als nächstes kommen die sieben Kandidaten, die an die 80er alle keine eigene Erinnerung haben, sofern sie damals nicht ohnehin nur “Quark im Schaufenster” waren, wie man so schön sagt. Sie performen wieder ein gemeinsames Liedchen, nämlich “Wake me up before you go-go” von Wham! (deren bessere Hälfte wir heute als George Michael kennen). Man sieht schon an dieser Stelle, wem die Gunst des Publikums gehört: Bei jeder Solostelle von Menowin oder “Checker” Thomas brandet blödsinnig-lauter Beifall auf.

    Mit Startnummer Eins und dem Titel “Eternal Flame” von den Bangles geht heute Kim Debkowski ins Rennen; ihr Begabungsschwerpunkt lag bisher mehr im Bereich Design als beim Singen. Allerdings bekam Kims Selbstbewusstsein in dieser Woche einen kleinen Knacks, denn in der “Bravo” war wohl ein Foto veröffentlicht worden, das sie ohne Schminke, dafür aber mit Pickeln zeigte. Selbst schuld, was hält sie auch ihre Visage in jede Kamera. Layouttechnisch erinnert Kim heute etwas an ein Zirkuspferd, trägt ein halb-durchsichtiges kurzes Paillettenkleid und einen riesigen Kopfputz auf der ohnehin hochtoupierten Frisur. (Nachher erklärt sie, ihr Haar symbolisiere eine “Flamme”, das sei nämlich der übersetzte Titel ihres Stücks… Allgemeines Gelächter im Saal!). Vom Gesang her war das heute einer ihrer besseren Auftritte, was aber nicht viel heißen muss. Dieter befindet “ziemlich gut gesungen, kaum Töne versemmelt”, was schon fast einer Absolution für ihre Ohrenfolter der letzten Wochen gleichkommt.

    Helmut Orosz war in den 80ern immerhin schon eingeschult und sein biblisches Alter von 30 Jahren ist wohl auch der Grund dafür, dass er nur schwer Texte lernen kann. In seinem total langweiligen Einspieler wird behauptet, er habe überall im DSDS-Loft Zettel mit Textpassagen angebracht, sogar im Gefrierfach und unter dem Klodeckel, was bei Marco Schreyl einen schmierigen Witz auf üblichem Niveau triggert. Helmut ist das Gegenteil von einem Allround-Talent, er kann eigentlich nur ein Genre, nämlich Powerballaden. Heute ist es “Hungry Eyes” von Eric Carmen aus dem besonders von Frauen geschätzten Film “Dirty Dancing”. Ehrlich gesagt, macht er heute seine Sache aber gar nicht mal so schlecht, kein Gegröle, alle Töne stimmen und zwischendurch gibt es sogar noch eine kurze Tanzeinlage mit Partnerin auf der Bühne. Auch die Jury ist zufrieden, nur nicht Dieter, der hat nämlich offenbar meine früheren Blog-Kommentare gelesen und vergleicht Helmut mit einem Animateur im Robinsonclub – er habe stimmlich das Potenzial eines jungen Bruce Springsteen, sehe aber aus wie ein Versicherungsvertreter.

    Nach einer Werbepause ist nun Manuel Hoffmann an der Reihe. Auch diesmal hat die DSDS-Redaktion kein besseres Thema für den Einspieler gefunden als seine Oma. Wir sehen ihn und Oma beim Spaziergang durch die Fußgängerzone und dann zeigt die Kamera, wie er – natürlich völlig spontan – sich neben einen Straßenmusiker stellt und mitsingt. Eine riesige Menschenmenge bildet sich um die beiden. Hoffentlich hat Manuel diesen Moment genossen, denn der sympathische Kindergärtnerazubi steht bei DSDS ganz oben auf der “Roten Liste der bedrohten Arten”, wie Marco es (bei Kim) so schön formuliert hat. Wer weiß, ob es für ihn überhaupt noch einen weiteren Einspieler geben wird…

    Wenn es nach der Titelauswahl geht, sehe ich für ihn schon an dieser Stelle kein Land mehr, denn er singt allen Ernstes “Ohne Dich schlaf’ ich heut’ Nacht nicht ein” von der Münchener Freiheit, also ein Stück zum Mitschunkeln für die Kuckident-Generation. Tja, wie soll Manuel da etwas Tolles draus zaubern, wenn schon das Original Mist ist? Vielleicht hätte er sich wenigstens mal bewegen sollen, anstatt sich die ganze Zeit am Mikrofonständer festzuhalten? Dabei hat er doch lt. Oma sonst immer so einen Bewegungsdrang! Fazit: Lied doof, Performance null, was sagt die Jury? “Das war das Grauen, ich hör’ schon Deine Abschiedsglocken”, resümiert Dieter kurz und knackig. Seine beiden Komplizen schließen sich natürlich dem Urteil des Meisters an.

    Das Weiterkommen von Mehrzad Marashi bis ins Finale steht im Grunde genommen schon seit Wochen fest, umso netter, dass er sich trotzdem immer wieder herablässt, seine ergebenen Fans an seinem Talent teilhaftig werden zu lassen. Er bringt heute ganz in schwarz von Lionel Richie die ruhige Ballade “Hello”. Hier sieht man aber mal den Klassenunterschied zu Manuel: Wo ersterer wirkt, als sei er im falschen Lied und habe mit Valium gegurgelt, kommt Mehrzad völlig authentisch rüber und legt auch in die leisen Töne eine tierische Power, als sei das Stück nur für ihn geschrieben worden. Das macht den Unterschied zwischen Sänger und Star, wird Manuel schnell das Aus und Mehrzad ganz nach vorn bringen. Die Jury bescheinigt ihm uneingeschränktes “Gänsehaut-Feeling”, man ist begeistert, mehr muss ich hier gar nicht schreiben.

    Nach der nächsten Werbepause kommt Ines Redjeb, eine traditionelle Wackelkandidatin, die sich im Einspielfilmchen über den massenhaften Zuspruch ihrer Fans freut, aber ansonsten nichts Neues zu sagen hat. Sie führt “Like a Prayer” von Madonna auf. “Prayer” heißt auf Deutsch bekanntlich “Gebet” und das kann sie jetzt wirklich gebrauchen. Während sich Band, Backgroundchor und Bühnenbildner überschlagen, singt Ines höchstens auf Karaoke-Niveau, immer schön säuberlich neben der Spur und nur mit minimalen Bewegungen, schon gar nicht im Gesicht. Die Frau hat es einfach nicht drauf – nur gut aussehen reicht nicht für den CD-Verkauf. Die Kritik der Jury bezieht sich komischerweise weniger auf den Gesang, als auf die fehlenden Showelemente, damit könne Ines allerhöchstens eine gute (hä, gute???) Studiosängerin werden. Ihre zickigen Repliken machen sie dabei nicht sympathischer. Hoffentlich ist der Krampf bald vorbei, die Zuschauer haben es in der Hand!

    Der beste Kandidat sämtlicher Staffeln aller Casting-Sendungen auf der ganzen Welt heißt Thomas Karaoglan oder, wie seine Freunde sagen, “Der Checker”. Bei einer gefühlten Körpergröße von 1,60 Meter passt sein Ego man gerade so eben in die Halle. Dabei kann er eigentlich nichts, sagte Dittsche (alias Olli Dittrich) in seiner Sendung am letzten Sonntag – und der weiß eigentlich immer alles am besten, denn er liest die Blöd-Zeitung. Die bisherige DSDS-Karriere von Thomas basiert jedenfalls vor allem auf heißer Luft und weniger auf musikalischem Talent. Im Einspieler wird gezeigt, wie die radebrechend deutsch sprechende Oma Karaoglan glaubt, ihrem Enkel etwas Gutes zu tun, indem sie am Rande einer Autogrammstunde seine (also SEINE) private Handynummer überall verteilt, damit die Leute für ihn anrufen können. Als Thomas dann am Abend 3.500 Anrufe in Abwesenheit bekommen hat, wird der alten Dame die Sache doch mulmig und sie greint so etwas wie eine Entschuldigung in die Kamera. ;-)

    Nun zu seinem Titel: Thomas bringt “Y.M.C.A.” von Village People. Was die Abkürzung bedeutet, wird er gefragt, aber er weiß es nicht, der Schlaumeier. Und ich frage mich darüber hinaus, ob er oder sonst jemand bei RTL überhaupt gemerkt hat, dass der Song mit dem Baujahr 1978 eigentlich gar nicht in das heutige Thema passt?! Geschenkt, jetzt geht’s nämlich los. Der Checker kommt zusammen mit einigen als Village People kostümierten Tänzern als amerikanischer Streifenpolizist mit riesiger Mütze und fetter Sonnenbrille (120% Tönung) auf die Bühne. Ich wusste gar nicht, dass es solche Uniformen auch in Kindergrößen gibt! Marco Schreyl bringt später den netten Spruch “hier in Köln solltest Du nachher nicht mit der Uniform nach Hause gehen”, was Thomas offenbar überhaupt nicht versteht. Scheinbar weiß er weder, was der Titel bedeutet, noch dass Village People die Ikone der amerikanischen Schwulenbewegung war. Der Auftritt ist trotz seiner eher durchschnittlichen Stimme wie gewohnt extrem unterhaltsam, denn wo Manuel und Ines die ganze Zeit statisch am Mikro kleben, steht Thomas nicht eine Sekunde still. Die Jury ist voll begeistert. Dieter hat wieder die besten Sprüche: “Normalerweise leiden die Leute unter ihrem Realitätsverlust – er genießt ihn.” und “Er meint, er ist so cool, hinter ihm schneit es schon!”

    Nach der letzten Werbepause kommt nur noch der bereits längst ausgeguckte Gewinner der 2010er-Staffel, Dieters Liebling Menowin Fröhlich. Diesmal präsentiert er im Einspieler keine neuen Überraschungen, wie aus dem Knast entlassene Angehörige oder bisher unbekannte Kinder, sondern wir werden Zeuge seiner überragenden Coolness: Menowin darf als Aushilfsstatist bei den Dreharbeiten von “Alarm für Cobra 11″ bei der Verschrottung von Autos mitwirken. Angeblich hat er sich dabei gar nicht mal so ungeschickt angestellt, obwohl er noch gar keinen Führerschein hat. Das ist eine geschickte Idee von RTL, so werben sie nämlich gleichzeitig für ihre eigene Fernsehserie und für Dieters Protegé.

    Menowin singt heute “Billie Jean” von Michael Jackson und hat als Tribut an den King of Pop eine goldbetresste schwarze Zirkusuniform angezogen. Wenn man die Augen zumacht, hört er sich wirklich an wie Menderes:-) Nein, Scherz, natürlich singt Menowin besser und außerdem zieht er auch eine richtig große Show ab, inklusive Hut- und Sackgegrabbel und ausführlichen Tanzeinlagen. Was ich aber persönlich trotz aller Professionalität an Menowin nicht mag, ist diese kalte, unerbittliche Ernsthaftigkeit, die er bei seinen Auftritten immer ausstrahlt, das Fehlen jeglicher Selbstironie. Man sieht ihn nie fröhlich grinsen oder locker lachen, sondern man hat beim Blick in seine Augen das Gefühl, für ihn gehe es jedes Mal um Leben und Tod und ohne anschließendes Lob würde er sich hinterher aufhängen. Vielleicht gehört das ja zu seinem Gangsta-Image, dann mag ich eben die ganze Attitüde nicht. Aber wie gesagt, das ist meine persönliche Meinung, im Publikum scheint er ja haufenweise Fans zu haben, die sich bei jeder Bewegung ihres Stars die Seele aus dem Leib brüllen.

    Sein allergrößter Fan sitzt in der Jury und heißt Dieter Bohlen. Der hat längst begriffen, dass er aus Menowins Vita mit Verbrecherkarriere, Knastaufenthalt, Läuterung und Gewinn der DSDS-Krone eine wunderbare Aschenputtelgeschichte stricken kann, die ihm (Dieter) viel, viel Geld in die Tasche spült. Und Menowin sieht darin vermutlich die einmalige Chance, sich durch den Gesang jetzt das an Geld zu verdienen, was er ansonsten nur auf krummen, illegalen Wegen mit noch mehr Anstrengungen und höherem Risiko bekommen könnte. Insofern geht es für ihn wirklich um alles und das erklärt auch seine völlig ernsthaften Auftritte. Die Jury ist, wie zu erwarten, von der Nummer begeistert, das sei ganz klar der beste Auftritt des Abends gewesen. Welche Überraschung…

    Das war’s, nun läuft die Abstimmung. Bevor uns RTL wieder den bösen Mädchen und anderen Restposten aus der Fernsehgiftküche überlässt, darf die Jury nochmal kurz raten, für wen heute wohl die Stunde schlägt. Alle drei sind sich einig, dass es entweder Manuel oder Ines treffen wird.

    Nach einer Stunde unaussprechlicher Tauchgänge in den Tiefseegräben des deutschen Humors ist man so ausgelaugt, dass der dauerlabernde Marco Schreyl wie eine Erlösung wirkt. Er kommt natürlich wieder nur langsam zur Sache und macht die Sache spannend bis zum bitteren Ende. In die Zitterrunde (“du musst leider nochmal nach hinten gehen”) kommen wie erwartet Ines und Manuel, dazu auch noch Kim und Helmut. Peinlich übrigens die gespielte Überraschung bei Menowin, Mehrzad und Thomas, die sofort weiterkommen, denen muss doch selbst bei größter Beschränktheit klar sein, dass sie heute unmöglich rausfliegen werden. Am Ende macht heute Ines den Abgang, ihre ewigen Zickereien mit der Jury haben damit ein erfreuliches Ende gefunden. An Stelle von Manuel würde ich aber langsam schon die Koffer packen, auf dem nächsten Ticket dürfte sein Name stehen.

    Das war der heutige DSDS-Abend, eine Sendung, die man wegen ihrer Spannungsarmut getrost jedem Herzpatienten zur Rehabilitation empfehlen kann. Wenn das so langweilig und vorhersehbar weitergeht, spare ich mir bei einer der nächsten Shows mal das Gucken und blogge freihändig irgendetwas. Der Fahrplan zum Finale dürfte sowieso schon lange feststehen und ich wage heute an dieser Stelle einfach mal eine Prognose der kommenden Platzierungen: 6. Manuel, 5. Kim, 4. Helmut, 3. Thomas, 2. Mehrzad und 1. Menowin. Das ist ja fast so langweilig wie die “Ausscheidung” des Lieds für Oslo, bei dem ja wohl auch die absolute Favoritin gewonnen hat, wie ich mir habe sagen lassen.

    In den mittlerweile goldenen 80ern gab es noch keine Casting-Shows. War vielleicht doch nicht so schlecht, damals…

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  • DSDS (RTL) 07.03.2010 1 Comment

    Hallo Leute,

    trotz – oder gerade wegen – des lausigen Wetters draußen steht der heutige Abend von “Deutschland sucht den Superstar” unter dem Motto “Happy Holiday Hits”. Nach dem standesgemäßen Empfang der Jury aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller muss der Poptitan aus Tötensen erst mal dringend was loswerden. Dieter hat offenbar bei Pro Sieben und ARD heimlich die Suche nach einem Lied für Oslo gesehen und mokiert sich, ohne Namen zu nennen, über zu lasche Jurys in anderen Castingsendungen. Das Business sei so brutal und knallhart, da könne man nicht jedem sagen “Du singst gut”, da helfe den Kandidaten nur der von ihm selbst gepflegte harte Kritikstil. Mal sehen, wie oft er den heute auch wieder gebrauchen wird…

    Nach ein paar musikalisch unbedeutenden Lockerungsübungen der verbliebenen acht DSDS-Kandidaten kommt die erste Gelegenheit für Dieter zu kritischen Äußerungen. Chefanimateur Helmut Orosz schaltet bei seinem Auftritt wie gehabt Dauergrinsen und Posing-Generator ein und singt Joe Cockers “Summer in the City”. So ereignislos wie sein Einspieler, ist auch Helmuts heutige Performance. Moderator Marco Schreyl lässt sich hinterher seinen neuen Tanzschritt (so eine Art doppelte Pirouette) vorführen, das war es denn aber auch schon. Die Jury ist grundsätzlich zufrieden, will aber noch mehr vom “Rocker” sehen. Helmut gelobt, noch besser werden zu wollen und alles zu tun, um das Publikum immer toll zu unterhalten. So ein Sülzmichel! Ein echter Rocker hätte seine Unabhängigkeit von der Massenmeinung einfach per Mittelfinger artikuliert…

    Nelson Sangaré hatte für seine Homestory seit einigen Sendungen noch immer einen Pfeil im Köcher: Seine Mutter verweigerte bislang den Besuch der DSDS-Sendung aus irgendwelchen Gründen. Aber uns allen war ja klar, irgendwann, wenn es dramaturgisch gut passt, wird auch Mama Sangaré im Publikum sitzen und Anlass für ein paar tränentriefende Szenen geben. Nachdem Nelson bei der letzten Sendung – (nur) gemäß Jury-Urteil – gepatzt hatte, scheint nun die Zeit dafür reif zu sein. Marco kann der aufgeregten Mutter zwar keine verständlichen Worte entlocken, aber immerhin ist sie im Saal und Sohnemann hat deswegen ganz offenbar Nervenflattern. Völlig ungewohnt vergeigt Nelson bei “Summer Jam” von The Underdog Project gleich reihenweise Töne, bewegt sich aber ansonsten souverän über die Bühne. Hinterher sind sich Volker und Nina beinahe unsicher, ob sie ihren Ohren trauen können, aber Dieter nimmt in dieser Beziehung kein Blatt vor den Mund: “Deine Stimme ist vom Sound gut, aber bei der ersten Strophe war kein Ton, wo er hingehört!”. Der Titan empfiehlt Nelson unter den Buhrufen seines Fanblocks, beim nächsten Mal ein einfacheres Lied auszuwählen: “»Mambo No. 5« hätte ich besser gefunden. [...] Weißt Du, der Wurm muss nicht dem Angler schmecken, sondern dem Fisch. Und darüber würde ich mal nachdenken.” Meine Güte, das ist ja für einen Samstagabend fast schon philosophisch.

    Als nächstes ist Manuel Hoffmann an der Reihe, seit dem Ausscheiden von John-Boy Pluschke der letzte Kandidat mit Schmuse-Appeal für die U18-Mädchen. Seine 73jährige Oma ist wegen ihres Auftritts in der letzten Folge offenbar Teil des DSDS-Kults und bestreitet deshalb wesentliche Teile des Einspielers, auch wenn sie später live im Studio eher durch Hörprobleme auffällt und auf Marcos Fragen stets quer antwortet. Ein anderes Thema im Einspieler ist die enge bis sehr enge Beziehung von Manuel zur Schminkfetischistin Kim. Die beiden tauschen schon Schuhe aus, vielleicht auch mehr, und wo kommt eigentlich der Knutschfleck am Hals her? Da geht doch was!? Egal, Manuel singt “Lady” von Modjo – was daran ein Happy-Holiday-Hit sein soll, ist mir allerdings unklar, vielleicht, weil den schon mal jemand im Urlaub gehört hat??? Ob seine Oma auch heute wieder das Outfit ihres Enkels verantwortet, wird ebenfalls nicht erklärt, jedenfalls trägt er neckische weiße Bermudas zum hellblauen Blazer und schunkelt damit und mit einer Tänzerin weitgehend ohne akustische Unfälle über die Bühne. Dieter gefällt das Getanze nicht, sein Duschvorhang Zuhause bewege sich besser und überhaupt hätte der Titel auch nicht gepasst und für Manuel werde es heute ganz eng, orakelt er düster. Dann gibt es einen kleinen juryinternen Schwanzvergleich zwischen Dieter und Volker, wer der schlechtere Tänzer sei. Beide protzen herum, bei ihren – jeweils – zwei Hochzeiten nicht mal als Bräutigam getanzt zu haben, mehr Argumente gegen sich selbst fallen den beiden aber nicht ein, also endet der Streit unentschieden. Derweil schleicht Manuel etwas bedrabbelt zurück zur Kandidatenbank.

    Ines Redjeb kämpft schon seit einigen Folgen gegen Dieters Seufzer an “wenn es Dich doch bloß mit Stimme gäbe”, aber Totgesagte leben bekanntlich länger. Laut Einspieler macht ihr die fortwährende Negativkritik der Jury zu schaffen, auch Mami Redjeb ist sauer, weil die Bemühungen ihrer Tochter nicht anerkannt würden. Tja, Mühe allein genügt nicht, wenn das Ergebnis nicht stimmt. Das sind eigentlich Erkenntnisse, die die meisten Möchtegernsternchen bereits im Casting schmerzlich lernen, aber Ines ist da wohl etwas uneinsichtig. Sie schiebt ihre stimmlichen Probleme bei den Shows auf die ungewohnten hohen Schuhe, die sie dann immer tragen müsse, in Turnschuhen sänge sie viel besser! Ach was. Heute versucht sie es mit “When Love takes over” von David Guetta feat. Kelly Rowland. Die Töne stimmen diesmal, soweit ich das beurteilen kann. Ines Performance leidet aber etwas unter ihrer Bewegungslosigkeit; wie festgetackert steht sie am Mikro, so dass das an eine Mischung aus Schmetterling und Tiger erinnernde tolle Kostüm kaum zur Geltung kommt. So kann man das Problem mit den hohen Schuhen natürlich auch lösen! Genau das sieht die Jury auch so: Outfit top, Gesang ok, Bewegung noch ausbaufähig. Fazit: Darf weiter mitspielen!

    Jetzt kommen wir zum Favoriten der aktuellen DSDS-Staffel, zu Menowin Fröhlich. Bei ihm wird im Wochentakt die Homestory umgeschrieben, letztes Mal bekam sein Kind plötzlich zwei zuvor unbekannte Geschwister und auch die heutige Sendung wartet mit einer freudigen Nachricht für seine Fans auf: Mama Fröhlich ist aus dem Gefängnis entlassen worden! Treue Leser der Blödzeitung, dem Intelligenzblatt für geistige Kleinrentner, wissen das natürlich schon längst, alle anderen erfahren es eben heute aus dem Fernsehen. Und tatsächlich sitzt Mama Fröhlich gleich darauf live im Publikum neben Marco Schreyl, der sie ungewohnt behutsam über ihre Gefühlslage befragt. Vom Eingesperrtsein versteht der etwas, schließlich stammt er aus der DDR.

    Menowin singt von Santana “Maria Maria”, wobei ich mich auch hier frage, warum das als Holiday-Hit gilt, vielleicht weil Carlos Santana aus Mexiko stammt und man das gemeinhin mit Urlaub assoziiert? Kostümmäßig ist das heute etwas schräg, der Ex-Knastologe tritt nämlich in der weiß-türkisen Verkleidung eines indischen Eisverkäufers auf. Der Gummizug seiner weiten Pluderhose ist offenbar etwas ausgeleiert, so dass die Beinkleider mit jeder Tanzbewegung in Richtung Schwerkraft rutschen und von Menowin in kurzen Abständen wieder nach oben gezogen werden müssen. Aber im Gegensatz zu seinen Vorgängern bewegt er sich dabei gekonnt und auch gesanglich ist – wie gewohnt – alles vom Feinsten. Dieter attestiert das dann auch amtlich, auch wenn heute kein echtes Gänsehaut-Feeling aufgekommen sei.

    Ähnlich wie Ines, hat auch Kim Debkowski gegen den Ruf zu kämpfen, nur aus Äußerlichkeiten (vor allem Farbe) zu bestehen, aber letztlich nicht gut singen zu können. Im Einspieler bestätigt sie dann eher das Vorurteil, denn sie stellt uns ihre eigenen Ideen für irgendwelchen Modeschnickschnack vor, den sie vielleicht später mal unter dem Label “Kim Gloss” vertreiben will. Sie versucht sich heute an Madonnas “La Isla Bonita” und in ihrem feuerrot glitzernden Kostüm und den streng nach hinten gesteckten Haaren sieht sie aus wie eine eislaufende Flamencotänzerin. Apropos Eis: Ihre Stimme glitscht leider das eine oder andere Mal deutlich weg. Die Jury lobt zunächst ihr tolles Kostüm (”Edelpraline”), der Gesang sei allerdings etwas eierig gewesen, meint Volker. Dieter fand den gesamten Auftritt misslungen und würde nach eigenem Bekunden das Radio eintreten, wenn er den Titel darin so gesungen hörte, der alte Charme-Bolzen.

    Mahrzad Marashi verbreitet sich in seinem Einspieler ausschließlich über das Thema gesunde Ernährung und kündigt an, bis zum DSDS-Finale sein Idealgewicht erreichen zu wollen. Na, der geht ja selbstbewusst ran, aber ich denke, das ist angesichts seiner bisherigen Auftritte realistisch. Und der heutige Abend sollte ihn eigentlich ein weiteres Stück in Richtung Finale bringen, denn seine Performance mit “Fresh” (eigentlich von Kool & the Gang) läuft bestens. Komisch finde ich nur seine doof-obercoole Sonnenbrille und die beiden Hanseln, die etwas unbedarft hinter ihm über die Bühne hotten. Dieter ist begeistert: “Du hast heute Abend wirklich alles richtig gemacht und bist die Nummer Eins!”

    Wer fehlt noch? Mir keiner, aber trotzdem kommt jetzt “Checker” Thomas Karaoglan, der sich selbst als besten Entertainer bei DSDS (sämtlicher Staffeln, wohlgemerkt!) empfindet. Bescheidenheit war ja noch nie seine hervorstechende Charaktereigenschaft, auch nicht im Einspieler. Dort geht es um seine Autogrammstunde in einem Kaufhaus, die wegen totaler Überfüllung durch kreischende Fanmassen abgebrochen werden musste, was natürlich für die Psyche des eh schwer selbstverliebten Checkers fatale Folgen hat: “Das ist die geilste Staffel, die es jemals gabs [sic!] und der Geilste bin ich!”

    Nicht nur Thomas Ego, auch sein Einschleimvermögen ist unendlich: Wie bereits im Recall singt er nämlich Dieters eigenen Song “Mamacita”, mit dem normalerweise Mark Medlock die Umwelt akustisch verpestet. Das ist nicht nur ein anbiedernder Liebesbeweis des Möchtegernstars, sondern treibt dem Tötensener Multimillionär auch noch GEMA-Tantiemen zu, die er neben seiner normalen Jury-Gage verbuchen kann. Und wenn dann hinterher auch noch jemand das Bohlen-Medlocksche Machwerk auf CD kauft, verdient der Großmeister ein weiteres Mal als Produzent. Der Auftritt selbst ist wie gewohnt, nämlich gesanglich so lala mit guter Tanzeinlage. Volker mault etwas von wegen Nervosität und “Stift gegangen”, die Fans buhen, aber Dieter macht mit seinem Lob alles wieder gut: “Mit dieser Leistung zieht beim Checker keiner den Stecker.” Vielleicht nicht heute, aber bestimmt noch vor dem Finale, da bin ich mir sicher…

    Das waren unsere acht Kandidaten, nun kommt nach einer Stunde Comedy-Dreck die Auflösung, wer darf mit in die nächste Mottoshow? Hier mal wieder der Schnell-Service für alle, die bei Zusehen durch Marcos nervig-langsame Hinrichtungsmethode sonst einen Herzinfarkt kriegen würden – oder einfach besseres zu tun haben. In die Zitterrunde müssen Ines, Nelson, Manuel und Kim. Endgültig raus fliegt dann am Ende Nelson. Seine Fans buhen lautstark, aber immerhin konnte seine Mutter ihn so wenigstens einmal im Studio sehen…

    Wir hingegen sehen uns wieder am nächsten Sonnabend zu “Deutschland sucht den Superstar”, wo dann nur noch sieben Kandidaten um den flüchtigen Ruhm und eine Karriere als Medlock-Ersatz kämpfen.

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  • DSDS (RTL) 28.02.2010 1 Comment

    Samstagabend in Deutschland. Im ZDF zelebriert Thomas Gottschalk mit “Wetten, dass???” wie seit gefühlten hundert Jahren das televisionäre Hochamt der Kuckident-Generation. Den demografischen Gegenpol besetzt auch heute wieder Dieter Bohlens – in den letzten Jahren meist vergebliche – Suche nach dem Superstar. Aus ursprünglich 35.000 Bewerbern sind mittlerweile nur noch neun geworden, davon lediglich zwei Frauen. Wir sind mal gespannt, ob heute wieder eine von ihnen daran glauben muss. Wenn man ihre Leistungen der letzten Wochen ins Kalkül zieht, eine nicht völlig unberechtigte Ahnung.

    Übrigens geht es in der heutigen zweiten Mottoshow um das Thema “Die größten Pop-Hymnen aller Zeiten”. Nach dem pompösen Einzug der Jury aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller kommen auch in dieser Woche die Kandidaten mit einem gemeinsamen Lied in die Halle. Heute gibt es aus den mittlerweile “goldenen” 80ern den Kracher “The Final Countdown” von Europe . Das Stück ist 24 Jahre alt und und damit älter als viele der Kandidaten.

    Das Los für den ersten Auftritt ist auf den “Checker” Thomas Karaoglan gefallen. Der mag sich offensichtlich noch immer sehr und wenn es möglich wäre, hätte er sich bestimmt auch schon längst selbst geheiratet. Das geht aber nicht so einfach, denn erstens ist er erst 16 und würde zur Eheschließung die Genehmigung seiner Eltern benötigen und zweitens ist die katholische Kirche dagegen, glaube ich. Thomas singt heute “Looking for Freedom” des ebenfalls an erheblicher Selbstüberschätzung leidenden David Hasselhoff. (Allen Ernstes behauptete letzterer auch in nüchternem Zustand, mit ebendiesem Song zum Fall der Mauer Anno 1989 beigetragen zu haben!) Der “Checker” fährt zu Beginn seines auch ansonsten recht ordentlichen Auftritts mit einem Kettcar auf die Bühne. Die Jury fühlt sich gut unterhalten und attestiert dem jüngsten und kleinsten Teilnehmer eine achtbare Leistung, nicht zuletzt wegen seiner auch unter der Woche vorbildlichen Disziplin. Das ist ein Thema, wo Bohlen wohl durch die Eskapaden seines Ex-Modern-Talking-Partners Thomas Anders und dessen Überfreundin Nora heftig traumatisiert wurde und deswegen keine Spaß versteht.

    Kim Debkowski kommt heute verkleidet als Zirkusdirektorin mit Glitzerjacke und riesigem Zylinder auf dem Kopf. Dass sie auch diesmal wieder völlig überschminkt ist, muss schon gar nicht mehr erwähnt werden. Sie bringt “Fame” von Irene Kara, allerdings ist ihr Gesang m.E. eher nicht so berühmt. Hier und da schrabbelt sie knapp am richtigen Ton vorbei und glänzen tun eigentlich nur ihre Klamotten. Die Jury ist sich bei ihr ziemlich uneins: Während Volker und Nina sie loben, rügt Dieter – zu Recht – die falschen Töne und sagt ihr den baldigen Untergang voraus. Sein Vergleich von Kims Auftritt mit der Trunkenheitsfahrt von Bischöfin Käßmann scheint mir allerdings selbst für Dieters Verhältnisse ein bisschen weit hergeholt zu sein, aber ganz offensichtlich genießt er die Buhrufe und das Pfeifkonzert, das er damit auslöst.

    Startnummer Drei ist Mehrzad Marashi, der in seinem Einspieler über seinen guten Draht zu Mitbewerber Menowin und über eine längst verjährte Messerstecherei berichtet. Mehrzad liefert seinen Song “One” von U2 auf der tiefblau ausgeleuchteten Bühne wie gewohnt absolut professionell ab, auch wenn ich seinen hellen Hut irgendwie komisch finde. Dieter lobt den in sich ruhenden Mehrzad, wünscht sich aber zukünftig ein bisschen mehr Emotionen. Die Restjury stimmt ihm natürlich zu – wie ungewöhnlich.

    Jetzt kommen wir mal zu einem interessanten Einspielfilmchen, in dem Manuel Hoffmanns Oma das Sagen hat. Sie findet, ihr Enkel bewege sich bei DSDS zu wenig, um nicht zu sagen überhaupt nicht. Das sei so gar nicht authentisch, denn der “richtige” Manuel bewege sich im echten Leben sehr viel, sagt die Oma. RTL ist sich ja für keinen Gag zu schade und fliegt die rüstige Dame zu Manuels Probe nach Köln ein, bei der sie ihn direkt auf der Bühne überrascht. Recht resolut erklärt ihm die 73jährige, wie er beim nächsten Auftritt auf das Publikum zugehen solle, wie er seine Arme zu bewegen habe und überhaupt, dass er sich nicht so anstellen solle. Danach steigt sie mit ihrem Enkel in den RTL-Klamottenfundus und sucht ihm für die zweite Mottoshow ein auffällig schwarz-weiß kariertes Jackett aus.

    So lustig auch die Geschichte von der Oma als Coach ist, so blöd finde ich Manuels musikalische Auswahl: Er singt den pathetischen Soundtrack zum Mauerfall “Wind of Change” von den Scorpions. Ich habe das Stück irgendwie schon immer gehasst, es ist so durch und durch betroffen und nimmt sich selbst scheinbar fürchterlich ernst. Wenn ich schon das dämliche Gepfeife am Anfang höre und dann noch die nölige Stimme des mützentragenden Leadsängers Klaus Meine… Aber das ist natürlich Geschmackssache, andere finden es offenbar gut.

    Manuel hat sich für seinen Auftritt tatsächlich weitgehend an die Anweisungen der Oma gehalten und trägt zum schwarz-weiß kariert Jackett auch  noch einen ebensolchen Schlips. Er geht während des Lieds auf der Bühne mal an den Rand, dann zur Band und singt dabei völlig sicher. RTL überzuckert das alles wie gehabt und blendet im Hintergrund passend und ganz staatstragend das Brandenburger Tor ein. Die Jury ist verhalten zufrieden, vermisst aber auch in dieser Woche “den besonderen Aha-Effekt” bei Manuel. Seine vorher gezeigte Oma wird dagegen einhellig gelobt.

    Jetzt kommt Ines Redjeb mit “What a Feeling” von Irene Cara (schon der zweite Titel dieser Künstlerin heute Abend). Ines singt anfänglich wirklich schräg, auch wenn sie das hinterher nicht wahrhaben will. Dafür kann sie optisch mal wieder überzeugen, kommt zwar im Blaumann auf die Bühne, entledigt sich Jacke und Latzhose aber erfreulich schnell und trägt darunter ein gut zu ihrer Figur passendes kurzes rotes Kleid. Mit dem Klamottenwechsel wird auch ihr Gesang besser, wenn auch noch nicht gut. Dieter gräbt im Giftschrank seiner Erinnerungen eine angebliche Bettgeschichte mit Irene Cara aus. Die habe er in Los Angeles mal mit ziemlich viel Champagner besoffen gemacht – wohl, damit sie mit auf sein Zimmer kommt – und trotz Alkohol habe sie das Lied “What a Feeling” bei dieser Gelegenheit tausendmal besser gesungen, als Ines jetzt gerade eben. Das Publikum im Rücken des Poptitanen buht und pfeift, während der unter dem Jurytisch eine Flasche Champagner hervorholt und als Erinnerung an seine gerade gehörte Bettgeschichte Ines überreicht. Total unpassende Aktion und die Beschenkte hat auch ein fettes Fragezeichen im Gesicht: “Danke, aber ich trinke keinen Alkohol”. Nina hat offensichtlich vorher mal an der Flasche genippt, denn sie faselt bloß etwas von dem Tänzer, der im Hintergrund von Ines herumgehüpft war und von dem Bühnenbild und, und, und. Volker druckst etwas herum und resümiert dann doch in Dieters Sinne: “Das war tonal keine Sternstunde”. Ja, das trifft heute gleich für mehrere Kandidaten zu, ganz besonders für den nächsten…

    … denn jetzt kommt der Liebling der pubertierenden Mädchen, Marcel Pluschke, allgemein und treffend “Plüschi” gerufen. Moderator Marco Schreyl verarscht den Kleinen nach Strich und Faden und verschenkt die DSDS-Hochglanz-Klatschgazette an eine im Publikum sitzende Saskia, die sich als Pluschke-Fan outet und dem Centerfold-Poster ihres Lieblings vor laufender Kamera einen dicken Schmatz verpasst. Jaja, sie werde das Bild in der Nähe ihres Bettes aufhängen, erklärt sie unumwunden und unter dem allgemeinen Gelächter des Publikums. Der Einspieler ist nicht minder peinlich, denn der “Checker” behauptet darin frech, er habe Marcel in puncto Selbstvertrauen viel beigebracht und sei ganz zufrieden mit seinem Schüler. Plüschi selbst erzählt darin, er habe sich etwas in Saskia verguckt, die habe nämlich beim letzten Auftritt seine Idiotenmütze gefangen… Mutter Pluschke gibt dann dazu auch noch ihren Segen, die Saskia sei eine ganz Nette – und mir kommt die Kotze hoch. Unromantischer als eine von RTL öffentlich inszenierte Verbandelung mit der Aussicht, sein erstes Mal in Gegenwart von 10 Millionen feixenden Zuschauern haben zu dürfen, geht es ja wohl nicht mehr.

    Mit solchen oder ähnlichen Gedanken im Hinterkopf fällt die Konzentration auf wichtigere Dinge natürlich schwer. Das erleben wir gleich bei Marcels Darbietung von Opus “Live is Life”, das ich übrigens auch schon immer gehasst habe, genau wie “Wind of Change”. Der naiv-arglose Blondschopf tritt im Tankwart-Look mit Latzhose und Unterhemd auf und erlebt heute einen rabenschwarzen Tag: Er setzt nach dem ersten Refrain zu früh mit der Strophe ein, stutzt, hört auf zu singen, setzt dann wieder ein, allerdings mit dem falschen Text, stutzt und findet erst dann den richtigen Einstieg. So einen Laien-Karaoke-Moment habe ich trotz jahrzehntelangem DSDS-Konsum noch in keinem Auftritt einer Mottoshow in irgendeiner Staffel jemals erlebt.  Und das bei einem Lied, dessen grenzdebiler Text vor allem aus “Na na na na na” besteht! Was man Plüschi aber zugute halten muss, ist, dass er sich wieder fängt und das Lied ordentlich zu Ende singt.

    Das zu erwartende Donnerwetter findet nicht statt. Volker traut sich nicht, etwas gegen Plüschi zu sagen (“Ich mag sehr gern Kaninchen essen, aber ich könnte es niemals schlachten, weil es so niedlich ist.), Nina tröstet den Kandidaten, so etwas könne mal vorkommen und sei kein Beinbruch und vielleicht sei er ja auch verliebt. Dieter ist ja sowieso mittlerweile so etwas wie Plüschis Patenonkel und erzählt zur Beruhigung der Gemüter die Geschichte, wie Thomas Anders bei Modern Talking mal bei einem Auftritt das Mikrofon hat fallen lassen und deshalb jeder mitkriegte, dass der Gesang Vollplayback war. Und überhaupt, gesanglich sei Marcel gar nicht mal so schlecht gewesen, besonders das “Na na na na na” habe er gut hingekriegt. Also ehrlich, für Marcel gelten offenbar andere Spielregeln, der könnte auch einfach “Alle meine Entchen” auf zwei Fingern pfeifen und Dieter fände es genial. Die Plüschi-Show geht sogar noch etwas weiter, denn Marco zwingt Marcel und Saskia, sich zum Essengehen zu verabreden. In der nächsten Show soll dann Vollzug gemeldet werden. Kotz-würg-spotz!!!

    Der Auftritt von Nelson Sangaré verläuft dagegen geradezu unspektakulär. Im Einspieler labert er etwas über gesunde Ernährung und Fitness und wie ihm die Zitterpartie der letzten Show zu schaffen gemacht hat. Seine Mutter hat übrigens immer noch keinen Bock, sich Sohnemanns Gesang live anzusehen, dabei hätte sich das auch in dieser Woche wieder sehr gelohnt. Er singt eine etwas angejazzte Interpretation von Louis Armstrongs “What a wonderful World”. Ich fand, das war das absolute Highlight dieser Sendung, aber offenbar bin ich unmusikalisch, denn die Jury ist unisono enttäuscht. Der Titel habe nicht zu ihm gepasst, sei viel zu langsam, sein Typ passe besser zu aktuellen Titeln. Tja, das ist natürlich doof bei dem vorgegebenen Showmotto, da scheiden ja eigentlich aktuelle Songs aus, oder?! Etwas angeschlagen, mit gesenktem Kopf, schleicht Nelson zurück zur Kandidatenbank.

    Kurz vor Schluss kommt Menowin Fröhlich, der im Einspieler überraschend gesteht, mit seinen gerade 22 Jahren nicht erst ein, wie bisher immer behauptet, sondern bereits drei Kinder in die Welt gesetzt zu haben. Ein knallhart recherchierendes Blatt der Regenwurmpresse hat es wohl herausbekommen und nun kann er es nicht mehr leugnen. Mal sehen, wie viele Kinder er dann bis zum Finale hat… Papa Menowin singt heute ein Lied, das mir im Traum nicht eingefallen wäre, nämlich das gern zu Weihnachten aus der Mottenkiste geholte “We are the World” von USA for Africa. Na gut, technisch ist der Auftritt fehlerlos, aber ansonsten bleibt er damit weit unter seinen Möglichkeiten. Trotzdem bejubeln seine fanatischen Anhänger jeden seiner Schritte auf der Bühne, als betrete er gerade als erster Mensch den Mond. Und getanzt wird heute schon gar nicht! Aber ähnlich wie bei Plüschi, kann auch Menowin machen, was er will, es wird ihm von der Jury immer als genial ausgelegt. Dieter steht sogar auf und schüttelt dem Kandidaten persönliche die Hand. Seine Lobeshymne ist im allgemeinen Gekreische der Fans kaum zu verstehen und Onkel Dieter muss kurz böse werden: “HALT DOCH MAL DIE FRESSE, MENSCH!!!”, brüllt er unbeherrscht das Publikum an. Nina und Volker fallen keine neuen Superlative mehr ein und sie können nur ergeben zu Dieters Worten nicken.

    Den Ausputzer macht Helmut Orosz, den ich immer noch nicht mag mit seinem dauernden Posieren. In Ermangelung einer sinnvollen Homestory sucht “Helle” in seinem Einspieler seit einer Woche nach einer Traumfrau. Irgendwo hat RTL eine Freiwillige aufgetrieben und diese Jessika genannte Frau steht denn heute auch im Publikum und feuert ihren zukünftigen Freund an. Was denn an Helmut so toll sei, möchte Marco von ihr wissen. “Sein strahlendes Lächeln und… sein strahlendes Lächeln.”, gibt sie schlau zurück. Super, die beiden passen perfekt zusammen! Passen tut auch der Song, den Helmut heute singt: “It’s my Life” von Bon Jovi. Er tritt in Lederklamotten auf und kann bei andauerndem Grinsen wieder sein gesamtes Posing-Programm durchlaufen lassen. Bedauerlicherweise gefällt der Auftritt der Jury, damit sei Helmut nach der Wackelnummer von letzter Woche wieder voll im Rennen. Mist.

    Das waren die Auftritte, nun müssen wir eine Stunde lang wieder verfilmte Baldriantabletten ertragen, denen RTL scheinheilig das Etikett “Humor” aufgeklebt hat. Ihre Existenz verdanken diese völlig niveaufreien Beiträge einzig und allein der Tatsache, dass hinterher die DSDS-Ergebnisse kommen, freiwillig würde sich diese Grütze doch kein normaler Mensch antun.

    Wer bei dem sog. “Humor” nicht aufgegeben oder umgeschaltet hat oder eingeschlafen ist, darf als Belohnung den zweiten und wichtigeren Teil von “Deutschland sucht den Superstar” erleben. Ich mache es als Service mal wieder kurz: In die Zitterpartie müssen Kim, Ines, Marcel und Nelson. Und dann fliegt am Ende “Plüschi” Marcel raus. Das geht meines Erachtens angesichts seiner desaströsen Leistung heute in Ordnung. Nichts wird’s also mit der spannenden Frage, ob er mit Saskia zusammenkommt. Wir müssen irgendwie versuchen, mit der Ungewissheit zu leben, auch wenn es schwer fällt. ;-)

    Tschüss für heute, man liest sich nächste Woche!

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  • DSDS (RTL) 21.02.2010 No Comments

    Heute steht bei “Deutschland sucht den Superstar” die erste Mottoshow an. Das einfallsreiche Thema lautet dabei “Megahits von heute”. Bevor die Musik losgeht, muss sich aber erst mal der Chefjuror über seinen Kurzurlaub in Österreich auslassen. Dieter Bohlen hat scheinbar zum ersten Mal auf den anderen Brettern, die manchen auch die Welt bedeuten, gestanden und muss nun minutenlang darüber schwadronieren. Wir sehen in einem kleinen Einspielfilmchen, wie der aus Norddeutschland stammende Poptitan sich bei den Ösis als unfreiwilliger Schneepflug betätigt und dabei sogar den Kameramann umbrettert. Gähn, offensichtlich wird Dieters Gage nach Minuten berechnet. Und damit auch alle sehen können, was für ein geiler Macker er ist, behält er heute im Studio zunächst eine dicke Skijacke an – trotz der vermutlich erheblichen Hitze von den Scheinwerfern. Er ist und bleibt ‘ne Rampensau. (Mal eine interessante Frage: Wenn es 1975 schon DSDS gegeben hätte, ob Dieter Bohlen dann wohl – als Kandidat – daran teilgenommen hätte? Und wie weit er wohl gekommen wäre? Und wer wohl in der Jury gesessen hätte, vielleicht Heinz Schenk, Caterina Valente und Dieter Thomas Heck?)

    Endlich kommen die 10 überlebenden Kandidaten auf die Bühne und wie: Sie singen alle gemeinsam “I gotta feeling” von den Black Eyed Peas und zwar richtig gut, wie ich finde, jedenfalls die Herren der Schöpfung. Nichts zu merken von der angeblich im DSDS-Haus grassierenden Bronchitis-Epidemie. Die Mädels stinken dagegen etwas ab – so wie auch schon in den ganzen letzten Folgen.

    Wir starten heute mit Nelson Sangaré (gesprochen “Sanngaree”). Im Einspieler erzählt uns sein Vater etwas vom geringen Ansehen, das Sänger in seinem Herkunftsland Mali haben und aus diesem Grund mag Nelsons Mutter auch bislang nicht mit zur Sendung ins Studio kommen. Leute, ich ahne da am Horizont schon eine erstklassige Tränendrüsengeschichte, wenn Nelsons Mutter in einer der nächsten Shows überraschend DOCH am Rande sitzt und ihren Sohn anfeuert. Ich glaube, ich kriege schon mal vorsorglich eine Gänsehaut… Diesmal ist sie aber noch nicht da und verpasst deshalb den tollen Auftritt ihres Sohnes mit “Closer” von Ne-Yo. Nelson trägt zur neon-gelben Hose ein schwarzes T-Shirt und einen Hut, sieht damit cool aus und rockt den Saal. Die Jury ist durchweg begeistert, insbesondere Nina Eichinger attestiert ihm eine wesentlich positivere Ausstrahlung als beim letzten Mal.

    Lt. Einspieler hatte Manuel Hoffmann in der vergangenen Woche mit einer fiesen eitrigen Angina zu kämpfen, konnte sich aber rechtzeitig gegen seine Viren und Bakterien behaupten und steht heute Abend völlig genesen auf der Bühne. Seine Fans scheinen dagegen etwas krank zu sein und laufen kreischend und mit pottenhässlichen SpongeBob-Shirts durch die Gegend; angeblich mag Manuel die Schwammkopf-Serie. Er singt von Ich+Ich “Pflaster”, ist dabei stimmlich ziemlich auf der Höhe und scheint sehr sicher. Seine Choreografie ist aber noch ausbaufähig, Manuel hält sich nämlich während des gesamten Titels am Mikrofonständer fest. Dieter ist dann auch nur im Großen und Ganzen zufrieden und bemäkelt, Manuel sei für ihn der “singende Bausparvertrag”, ginge zu viel auf Nummer Sicher und müsse mehr ausflippen. Nina und Volker Neumüller sind des Lobes voll und normalerweise müsste Manuel in der nächsten Woche wieder dabei sein.

    In ihrem Einspieler sehen wir, wie sich Kim Debkowski Freunde unter ihren männlichen Kollegen macht: Im DSDS-Loft war ihr der Spiegel in ihrem Zimmer zu klein, daraufhin hat sie einfach einen Spiegel im Jungs-Trakt abmontiert, in ihre Butze verschleppt und annektiert. Das kann man irgendwie nachvollziehen, denn immerhin verbringt sie den überwiegenden Teil ihrer Lebenszeit mit der Schminkerei. Offenbar ist sie dann zwischenzeitlich auch noch mit Marcel “Plüschi” in einen Klamottenladen gegangen und hat dem leicht vertorften Landei einen großstädtischen Style verpasst – oder was sie dafür hält. Heute Abend erleben wir Kim mit “Take a Bow” von Rihanna. Das Kostüm muss man aber unbedingt mal erklären: Sie trägt heute ein silber-schwarz-gestreiftes glänzendes Kleid, Beine und Handschuhe sind leuchtend rot und auf dem Kopf hat sie so eine Art schräg sitzende Kappe mit einem spitz zulaufenden röhrenförmigen Dingsbums, das wie so ein alter Piraten-Feldstecher aussieht. Hinterher sagt sie übrigens, das sei eine Schultüte. Ich würde an ihrer Stelle jedenfalls mit dem Zeugs bei Gewitter nicht aus dem Haus gehen. Wenn Kim doch auf die Musik eben so viel Wert legen würde wie auf ihr Äußeres. Der Gesang fällt nämlich eher dürftig aus, hier und da scherbelt sie am richtigen Ton vorbei und insgesamt schwächelt die gesamte Performance. Aber Dieter, der nach wie vor in seiner blöden gefütterten Skijacke dasitzt, mag sowohl ihr Outfit als auch den Gesang und gibt damit auch für seine beiden Co-Jury-Statisten den Tenor vor.

    Als nächstes kommt Babyface Marcel Pluschke, allseits nur noch “Plüschi” genannt. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Papi Plüschke, so berichtet der Einspieler, habe in der letzten Sendung beim Auftritt seines Sohnes gleich ganze Haushaltsrollen Zewa gegen die Tränen verbraucht, mit Taschentüchern war da wohl nichts mehr zu machen! Stimmt, ich habe letztes Mal auch fast Tränen gelacht bei Marcels leicht debilem Ritt auf dem komatösen mechanischen Bullen. Überflüssigerweise interviewt Marco Schreyl vor dem Titel noch die aus der Provinz angereisten Plüschi-Fans, die man an intensiv-gelben und -grünen T-Shirts erkennt. Vernünftige Sätze kriegt der Profi-Moderator auch mit viel Nachbohren aus den Leuten nicht raus, deren Gestammel war der heutige Moment zum Fremdschämen… Marcel singt von den Sportfreunden Stiller den Titel “Kompliment”. Gesanglich geht das ja vielleicht, aber stilistisch sehr bedenklich ist seine rot-karierte Mütze mit Ohrenklappen, die ein bisschen nach Klappse aussieht. (Mich erinnert das Teil auch sehr an Monty Python’s “Holzfäller-Lied”). Gott sei Dank schmeißt er die Dunstkiepe am Ende ins Publikum. Die Jury ist durchweg zufrieden, sieht auf jeden Fall eine Steigerung zu seinen sämtlichen vorherigen Auftritten. Dieter ist inzwischen endlich seine Skijacke losgeworden und findet den Auftritt “toll und patschig”; er mag Plüschi ja sowieso bedingungslos. Mal sehen, ob die U16-Mädchen nachher auch in ausreichender Zahl für ihn anrufen.

    Steffi Landerer erklärt sich in ihrem Filmchen grundsätzlich bereit, mit ihren beiden weiterhin namenlosen “Freunden” auch für das eine oder andere Magazin zu posieren, solange die Bilder ästhetisch und niveauvoll bleiben. Und überhaupt widmet sie ihre gerade beginnende Karriere dem Kampf gegen das Vorurteil, vollbusige Blondinen müssten doof sein. Na, das hätten wir wenigstens geklärt. Steffi bringt heute “I kissed a Girl” von Katy Perry zu Gehör. Sie trägt dazu ein (natürlich) sehr enges schwarzes Kostüm mit knappem Röckchen und seeehr viel Bein. Die Blondine hüpft und wippt mit den Hüften und nach einigen Takten kommt die ganze Sache sichtlich in Schwung. Gesanglich ist das m.E. nur so lala, aber manche Leute aus der Jury haben ja Teile ihres Verstandes in die Hose outgesourct und nehmen das deswegen nicht so genau, solange wenigstens das Auge zufrieden ist. Überraschenderweise ist Bohlen mit mir einer Meinung, das war nichts, sagt er! Na, da nehme ich doch die fiese Bemerkung mit dem Outsourcing ganz schnell wieder zurück. Nina ist pathologisch harmoniebedürftig und lobt vor allem die “puffige” Garderobe, in die sich Steffi hineingezwängt hat. Volker atmet noch immer schwer und labert auch nur über ihr Outfit.

    Als Zellengenosse und Babysitter vom DSDS-Checker hat Helmut Orosz unser aller Mitgefühl verdient. Um bei dieser übermenschlichen Herausforderung nicht völlig durchzudrehen, greift er mittlerweile sogar schon zu fernöstlichen Meditationsmethoden und lässt sich dabei auch gern filmen. Wir können alle nur die Daumen drücken, dass er nicht mal irgendwann dem Checker einen Satz Ohren abpflückt, verdient hätte der das bestimmt. Helmut kündigt an, heute mal eine ganz andere, viel ruhigere Seite von sich zu offenbaren, singt dann aber doch eine Power-Ballade: “I’ll be waiting” von Lenny Kravitz. Ich fürchte, ich werde nie ein richtiger Fan von “Helle”, wie ihn seine Freunde nennen. Sein Auftritt ist m.E. mal wieder nicht authentisch, alle Bewegungen wirken wie eingeübte Posen, das Lächeln erscheint aufgesetzt, insgesamt habe ich bei ihm immer die Assoziation eines professionellen Feriendorf-Animateurs in der Nachsaison. Volker kritisiert den Kandidaten, ist enttäuscht, ihm fehle Gefühl, Helmut solle nicht alles “Kneipensong-mäßig zerschmettern”. Nina sagt ihr übliches sowohl als auch, Dieter ist ebenfalls nicht zufrieden.

    Nun kommt wieder Mehrzad Marashi, der m.E. in der aktuellen Staffel bisher die besten Leistungen gebracht hat. Echt verwunderlich, dass es RTL in seinem Einspieler überhaupt nötig hat, die sentimentale Schiene zu bedienen: Wir begleiten Mehrzad nämlich auf den Friedhof zum Grab seines im letzten Jahr verunglückten Bruders. Im Hintergrund läuft dazu John Lennons Hymne “Imagine”. Das ist doch viel zu dick aufgetragen, das hat Mehrzad mit seiner tollen Stimme eigentlich gar nicht nötig. Er singt heute “Broken Strings” von James Morrison und performt den sowieso schon tollen Hit bestens. Die Jury ist unisono begeistert.

    Der “Checker” Thomas Karaoglan scheint auch einen Haufen netter Seiten zu haben, weiß die aber gut zu verbergen. Angeblich ist er der ideale Schwiegermutter-Typ, hilft viel im Haushalt, bügelt und saugt, also Dinge, die ein wirklich cooler Junge sicherlich nicht tun würde. Für seine Sauberkeitsmacke ist das Zusammenleben mit dem eher ferkelhaft veranlagten Helmut natürlich eine echte Anfechtung. Thomas hat den Titel “Monsta” von Culcha Candela mitgebracht. Ich weiß auch nicht, wie der mir eigentlich unsympathische Typ das immer hinkriegt, aber der Auftritt ist wirklich monströs gut. Er bewegt sich lässig über die ganze Bühne, wirft sein Sakko gekonnt zur Seite, hat in seine Choreografie noch eine ihn anschmachtende Frau eingebaut, die er immer wieder antanzt, singt gut und kann dabei den komplizierten Text perfekt. Die Jury überschlägt sich vor Begeisterung. Dieter gibt seinem Affen Zucker und bekennt, den Checker selbst auch “geil” zu finden. Was kann man mehr erwarten?

    Gegen Ines Redjeb läuft in der Blöd-Zeitung eine Kampagne, angeblich war sie in der Schule mal in einer Mädchen-Gang und hat Geschlechtsgenossinnen verprügelt. Ob oder ob nicht, die Sache dürfte inzwischen wohl verjährt sein. Ines singt heute “I like” von Keri Hilson. Optisch zwar ansprechend, finde ich den Auftritt eher mittelmäßig, das Lied passt nicht, sie singt unsauber und wirkt auch noch immer unsicher. Also, ohne das Ergebnis zu kennen, tippe ich mal, das war heute ihr Abschiedslied. Die Jury scheint das genau so zu sehen.

    Die rote Laterne am Ende der Show hat heute Menowin Fröhlich. Er erzählt im Einspieler einmal mehr von der traurigen Knastzeit und wie “auf der Flucht” sein Sohn entstand und dass er mit dessen Mutter nicht mehr zusammen ist. Menowin bringt “Change” von Daniel Merriweather wie gewohnt professionell auf die Bühne, bewegt sich gut dazu und hat vor allem eine tolle Stimme. Volker und Nina sind außer sich vor Begeisterung, wissen nur nicht, wie Menowin sich jetzt noch steigern kann und Dieter akzeptiert die ihm im Einspieler angedichtete Vaterrolle für den Ex-Knastologen. Jubel allenthalben. Dieter sagt, das sei heute der beste Auftritt gewesen, sogar noch besser als der von Mehrzad. Die beiden würden vermutlich am Ende der Staffel gegeneinander antreten müssen, so wie er das sähe.

    Marco Schreyl hat offenbar zwischendurch ein paar Pillen eingeworfen, imitiert mit einem “Plopp”-Geräusch einen Pistolenknall, erklärt dies zum Startschuss für die Anrufphase und kriegt einen Lachanfall. Das Publikum lacht etwas irritiert zurück, aber der Profimoderator lässt sich nur kurz beirren und plappert dann munter weiter. Klar ist Schreyl seltsam, aber nicht viel mehr als alle anderen, die im Laufe der Sendung zu sehen waren.

    In der einen Stunde Pause bis zur Verkündung des Ergebnisses sendet RTL Kult-Comedy mit der rosa Presswurst aus Marzahn und ihren minderbegabten Kollegen. (Tolle Szenen: Cindy mischt den Wiener Opernball auf.) Für Stars dieses Formats sollte ich mir vielleicht doch so langsam mal einen 16:9-Fernseher anschaffen… :-)

    Am Ende verkündet Marco Schreyl – offenbar wieder nüchtern – in gewohnt herzinfarktfördernder Manier das Ergebnis der Zuschaueranrufe. Diesmal müssen vier Kandidaten bis zuletzt zittern: Nelson, Ines, Steffi und Helmut. Und Schluss ist heute überraschenderweise nicht für Ines, sondern für Steffi. Helmut ist von den letzten Minuten völlig verausgabt, liegt japsend am Boden und alle anderen Kollegen (außer natürlich Steffi) stapeln sich als Knäuel auf ihm. Steffi steht dabei eher bedrabbelt am Rand.

    Hmmmmm, dass die rausfliegt, hätte ich eher nicht gedacht, in der letzten Staffel hatte das intrigante blonde Gift Annemarie Eilfeld immerhin bis ins Halbfinale durchgehalten. Aber die war auch wesentlich skrupelloser als Steffi vorgegangen und hatte sich auch sofort in der Blöd-Zeitung ihrer Klamotten entledigt. Vermutlich haben die Zuschauer Steffi die Mischung aus Sexbombe und Schlaumeier (Abi-Schnitt 1,4) doch nicht ganz abgekauft. Wäre besser gewesen, sie wäre dümmer gewesen – oder hässlicher. Jaja, manchmal ist gutes Aussehen eben doch eine Belastung, wer wüsste das nicht aus eigener Erfahrung… ;-)

    Von Marco nach einem passenden Schlusswort ihrer Karriere gefragt, fällt Steffi nur das wenig damenhafte “egal, scheiß drauf!” ein. Diese erbaulichen Worte sollten wir uns bis zum nächsten Sonnabend nochmal richtig durch den Kopf gehen lassen, wenn die letzten 9 Kandidaten aufeinander treffen und es wieder heißt “Deutschland sucht den Superstar”.

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  • DSDS (RTL) 14.02.2010 1 Comment

    Heute wird es ernst bei “Deutschland sucht den Superstar”, die verbliebenen Top 15 von insgesamt 35.000 Bohlen-Sternchen müssen sich erstmals vor einem Live-Publikum beweisen – und wir werden bestimmt die eine oder andere Sternschnuppe verglühen sehen. Die Jury aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller kann zwar noch stänkern, hat aber ansonsten nicht mehr so viel zu sagen – ein Zustand, den Nina und Volker eigentlich ja bereits seit dem ersten Casting kennen… Heute kommen zehn Kandidaten weiter in die erste Motto-Show am nächsten Sonnabend, sieben davon werden vom Publikum per Telefon gewählt und drei weitere Kandidaten können quasi als letzte Amtshandlung in dieser Staffel noch von der Jury “gerettet” werden.

    Den Anfang macht die blonde Bombe Steffi Landerer mit Joan Jetts “I love Rock’n Roll”. Sie hat sich in hautenge Lederklamotten einnähen lassen inkl. Lederstiefeln bis über die Knie und rekelt sich bei ihrem Titel als Rockerbraut auf einem schwarzen Motorrad. Offensichtlich vertraut sie mehr ihren optischen als den akustischen Reizen – und hat damit völlig Recht. Ich tippe mal, spätestens am Montag ist sie mit der Masche als Foto in der Blöd-Zeitung, wetten? Bohlen ist von ihrem Auftritt trotz Testosteronschocks nur einigermaßen zufrieden, gesanglich gäbe es einiges auszusetzen, er hoffe aber, dass ihre beiden “Dinger” sie über Wasser halten würden. Die Restjury urteilt ähnlich. Marco Schreyl, der wie jedes Jahr schleimig-souverän durch die Show führt, muss später noch die lebenswichtige Frage klären, ob ihre beiden hervorstechendsten Eigenschaften denn auch Namen hätten, so wie die von Pamela Anderson (“Ernie und Bert”). Ein verlegenes Kichern mit Kopfschütteln ist die fast schüchterne Antwort. Ich schlage “Dick und Doof” vor und komme auch gern zur Taufe… ;-)

    Manuel Hoffmann wird als Mädchenschwarm aufgebaut, er könne zwar Kung Fu, habe aber auch eine sehr sensible Seite. Manuel war im Recall schon wegen seiner konstant guten Gesangsleistung aufgefallen, die mit einer angenehm ruhigen Persönlichkeit daherkommt. Er hat sich den Titel “You don’t know” von Milow ausgesucht und bringt den sehr anständig rüber, auch wenn sich seine Bühnenshow auf das Hocker-Sitzen beschränkt. Das ist dann auch der einzige Kritikpunkt der Jury; normalerweise sollten wir Manuel in der nächsten Woche wiedersehen.

    Kurz vor der DSDS-Rente stehend, versucht der 30-jährige Helmut Orosz es heute mit Bryan Adams “Summer of ’69″. Er wirkt mit seinem künstlichen Dauerlächeln auf mich immer wie ein überdrehter Ferienclub-Animateur, der zwanghaft im Mittelpunkt jeder Party stehen muss. Immerhin nutzt er – im Gegensatz zu den anderen beiden Kandidaten – für seine Performance die ganze Bühne, post mal hier und post mal dort und kommt auch stimmlich ganz ordentlich zurecht. Dieter ist begeistert, warnt Helmut aber davor, sich komplett auf Bryan Adams einzuschießen, er will später auch mal Balladen hören.

    Als Verzierung vor der Werbepause präsentiert RTL jetzt unter dem Motto “Flop 10″ ein paar kurze Schnipsel aus dem DSDS-Giftschrank. Wir können uns nochmal an der übertalentierten Julia, an Markus mit der Piepsstimme, der talentfreien Isabell (mit ihrem MP3-Player) und an Benjamin, dem Brüllaffen ergötzen.

    Nach der PinkelWerbepause kommt Maria Valencia mit “Let’s get loud” von Jennifer Lopez. Auch sie geizt nicht mit (optischen) Reizen, ihr sauknappes silbernes Kleid glitzert wie eine Diskokugel und Maria verbreitet ein wenig lateinamerikanisches Flair. Volker ist optisch sehr und gesanglich einigermaßen zufrieden, Dieter stimmt ihm absolut zu und sieht bei ihr großes Potenzial. Man sieht sich hoffentlich in der nächsten Woche wieder…

    Nelson Sangare hat einen klaren Heimvorteil, denn er lebt in Köln, wo auch die DSDS-Shows stattfinden. Er singt heute Abend die eher ruhige Nummer “Let me love you” von Mario, trifft dabei jeden Ton und bewegt sich dazu gut. Bei ihm stimme das viel zitierte “Gesamtpaket”, sagt die Jury und macht ihm Hoffnung auf seinen Verbleib in der Show.

    Die Akkordeonspielerin und selbst ernannte “Superfreche Göre” Naomi Marte singt Nenas “Irgendwie, irgendwo, irgendwann”. Auch sie zeigt dabei sehr viel Bein bei einer eher durchschnittlichen Stimme. Das scheint heute Abend – und überhaupt in dieser Staffel – ein durchgehendes Thema zu sein. Volker und Nina ziehen eine durchwachsene Bilanz des Auftritts, es käme ihnen vor, als ob Naomi auf der Bremse stünde. Dieter fand das aber alles ok und authentisch und besonders “das Visuelle” sei gut rübergekommen.

    Der schräge Dirk Petry liefert danach einen weiteren seltsamen Auftritt ab und wird damit so langsam zum Nachfolger von Holger Göpfert. Ganz in schwarz und mit einem ebensolchen Cowboyhut auf dem Kopf knödelt er heute von den Beatles “Yesterday”. RTL versucht nach Kräften, für ihn ein Jekyll/Hyde-Image aufzubauen: Sobald sich der eigentlich friedliche Dirk seine Western-Dunstkiepe auf die Rübe setzt, macht es bei ihm Klick im Hirn und plötzlich kommt der durchgeknallte Künstler raus. Paul McCartney wäre ob dieser musikalisch leicht gewalttätigen Interpretation seines Klassikers bestimmt nicht sehr angetan. Dirk presst die Silben wie gehabt mit minimalistischen Mundbewegungen zwischen den Zähnen hervor und es klingt richtig nervig, finde ich. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wer sich so eine CD kaufen würde, die wäre höchstens als Backgroundmusik im Gästeklo geeignet. Die Jury sieht ihn als Paradiesvogel, mal sehen, ob er hier eine Überlebenschance hat.

    Nun kommt mit Menowin Fröhlich ein Ex-Knacki und Schicksalsgebeutelter, der im Einspieler erstmal von seiner miesen Kindheit aber auch von seinem kleinen Sohn berichtet. Das Publikum scheint ihm größtenteils sehr gewogen und auf einer Welle der Sympathie mit wiederkehrenden Beifallsstürmen performt er “I’ll be there” von den Jackson 5. Optisch ist er ja eher nicht der Bringer, aber wenn man nur auf die Musik achtet, ist das ein sehr guter Auftritt. Das bescheinigen ihm dann auch die drei Juryisten, wobei Dieter, der Titan, uns eklig und leider sehr bildhaft schildert, wo sich an seinem Körper bei der gerade gehörten Nummer überall die Haare aufgestellt hätten. Dirty Old Man!

    Nach der nächsten Werbeunterbrechung geht es weiter mit der Aufarbeitung des menschlichen Gulliglibbers aus dem Casting. In der “Flop 10″ begegnen wir jetzt wieder Timo, dem schlechten Imitator von Menderes, der seinerseits wiederum als schlechtester Michael-Jackson-Imitator der Welt zu pathologischer Berühmtheit kam, seit dessen Tod ein leichtes Identitätsproblem hat und im DSDS-Panoptikum gleich nach Timo gezeigt wird. Das Sahnehäubchen dieser Sequenz markiert die schrille Sirenenstimme Nilay, über deren surrealen Kommentar beim Casting-Rauswurf (“Ihr habt kein Ohr im Ohr”) ich heute noch grüble.

    Nun geht es weiter mit der Top-15-Show, jetzt ist Kevin Reichmann dran. Der hat dank ehrgeizigem Papa bereits ein eigenes Logo, das die T-Shirts seiner zahlreichen Anhänger in der Halle ziert. Trotz guter Stimme und erkennbarem Tanztalent hat sich Kevin mit “Señorita” von Justin Timberlake einen undankbaren Titel ausgesucht, wie die Jury befindet. Seine Stimme passe besser zu Balladen aus der Schmuseabteilung, aber das könne er ja vielleicht ab der nächsten Woche noch unter Beweis stellen.

    Die Homestory der grundsympathischen Celine Denefleh dreht sich nach wie vor um ihre schwere Herzkrankheit. Deshalb mag ihr aus der Jury vermutlich auch keiner so richtig wehtun, obwohl nach ihrer einigermaßen versemmelten Vorstellung von Silbermonds “Symphonie” eigentlich ein paar kritische Worte angebracht wären. Sie ist erkennbar aufgeregt, singt mit zittriger Stimme, setzt einmal zu früh ein und macht insgesamt nicht den souveränsten Eindruck, obwohl das Publikum sie mit Beifalls unterstützt. Die Jury ist sehr gnädig mit Celine, Dieter stellt den Knuddelfaktor über den Gesangsfaktor und hält die gehörten Mängel nicht für entscheidend.

    Nun kommt Dieter Bohlens Liebling Marcel “Plüschi” Pluschke mit einer rührenden Geschichte über sein auf der Straße gefundenes Karnickel im Einspieler. Freimütig-naiv bekennt Marcel, bislang von Nicht-Verwandten ungeküsst zu sein (wichtig für die Bravo-Girl-Vermarktung) und gern zum Nachdenken in den Wald zu gehen und Papi Plüschke beschreibt Sohnemann denn auch niedlich als “Träumerle”. Also Mädels bis 15 Jahre: Auf in den Wald und greift ihn Euch!!! Für alle anderen ist Marcels Auftritt mit “Country Roads” von John Denver eher nicht so unterhaltsam, denn er sitzt auf einem arg domestizierten mechanischen Bullen und singt mehr schlecht als recht sein Liedchen. Seine ganze Performance besteht darin, nicht herunterzufallen und bei allen Singpausen von länger als einer Zehntelsekunde das Mikrofon abzusetzen und sofort danach explosionsartig wieder an den Mund zu befördern. Mannometer, hätte dem Kleinen doch wirklich mal jemand vorher erklären sollen, wie doof das aussieht… Dieters Panzer hat bei Plüschi eine bedenklich weiche Stelle: “Du bist völlig gehemmt, kannst auch nicht besonders gut singen, aber ich hab Dich einfach lieb, was soll ich dazu noch sagen?” Nina ist sowieso immer Dieters Meinung, aber Volker macht sich mit ein paar kritischeren Tönen zum Außenseiter der Show und wird dafür ausgebuht.

    Hobby-Visagistin (in eigener Sache) Kim Debkowski hat wieder volle Kriegsbemalung angelegt und dazu noch ein paar stylische Klamotten mit Beinen in lila-metallic. Damit bringt sie “Can’t fight the Moonlight” von LeAnn Rimes, hat aber leider einen schlechten Tag. Ihr dünnes Stimmchen glitscht meist schmerzlich nah an den richtigen Tönen vorbei und macht das Zuhören nicht gerade zum Vergnügen. Volker und Nina sind einigermaßen entsetzt über den misslungenen Auftritt. Dieter holt dagegen zu einer längeren Erklärung aus und lobt die Tatsache, dass Kim sich seit dem Recall ihre schiefen Zähne hat richten lassen – bei Mark Medlock warte er darauf schon seit vier Jahren. Naja, der heutige Auftritt sei natürlich “Hühnerkacke”, aber eigentlich hoffe er, dass die Leute Kim noch eine Chance geben.

    Nach der nächsten Pause kommen noch mehr Lattenkracher aus dem Casting, z.B. der schräge Christian aus Dessau, die Agnes mit dem freiwillig angenommenen Akzent und als krönender Abschluss Scooter-Fan Andreas mit seiner Klappse-reifen “Hardcore”-Performance.

    Von wegen “Abschluss”, das böse RTL-Fernsehen hat Andreas Gerlich, den wir gerade noch bei der Scooter-Parodie seines Casting-Auftritts erleben durften, heute Abend live eingeladen und bevor man die Augen und Ohren schließen kann, tobt der Typ bereits auf die DSDS-Bühne. Es spricht immer für das Fehlen jeglicher gesunder Selbstreflexion, wenn Leute mit einem so mangelhaft ausgeprägten musikalischen Verständnis, solch rudimentären Englischkenntnissen und einem so unterdurchschnittlichen Aussehen sich zur Volksbelustigung vor einem Millionenpublikum zum Volldepp machen. Traurigerweise ist das wohl der Höhepunkt im Leben dieses bedauernswerten Zeitgenossen, aber was noch trauriger ist: Wir müssen ein paar kostbare Minuten unserer eigenen Lebenszeit dafür verschwenden, ihm dabei zuzusehen. Der Typ wirkt so, als habe man ihn vor seinem heutigen Auftritt ein halbes Jahr im Käfig gehalten und mit Juckpulver eingepökelt, er flippt im Studio völlig aus, hüpft pausenlos und kreischt dazu abwechselnd “jea-jea”, “Hahtkoa-Hahtkoa” und “wickääät!”. Der Schreyl fängt Andreas kurz vor dem Abheben ein und schiebt ihn nach einem kurzen Hinweis auf seine demnächst erscheinende neue CD “härter – schneller – Andy” aus dem Bild.

    Endlich kommt wieder eine richtige Kandidatin: Ines Redjeb, die nach wie vor sehr apart aussieht, singt “Release me” von Agnes. Schon wieder eine Kandidaten aus der Abteilung “tolle Beine – olle Stimme”, so knapp ihr Kleid ist, so knapp zielt sie auch regelmäßig an den richtigen Tönen vorbei. Dieter zeigt sich wieder vor allem von der Optik beeindruckt, zieht einen Vergleich zu Beyoncé, nur nicht die Stimme betreffend – jedenfalls noch nicht.

    Der “Checker” Thomas Karaoglan ist mit Sicherheit derjenige Kandidat, der den Zuschauern am meisten auf den Senkel geht, aber heute Abend ziehe ich den Hut vor seinem Auftritt mit “My Girl” von den Temptations. Im quietsch-roten Anzug nimmt er die Bühne komplett ein, flirtet mit den Zuschauern und der Jury, singt dabei sehr gut und vergisst noch nicht mal den Text. Die Jury ist restlos begeistert, Volker meint, er kenne niemanden, der mehr in sich selbst verknallt sei als Thomas. Bohlen sieht sich endlich in seiner Vorliebe für den “Checker” bestätigt, hat noch niemanden in einer Top-15-Show so smart gesehen.

    Den Ausputzer macht heute Mehrzad Marashi mit einem ebenfalls professionellen Auftritt: Er bringt “Und wenn ein Lied” von den Söhnen Mannheims, als wäre es für ihn geschrieben worden. Mehrzad hat wohl von allen Kandidaten die reifste, angenehmste Stimme und wenn wirklich nur das musikalische Talent zählt, ist ihm eigentlich schon jetzt der Titel Superstar 2010 nicht mehr zu nehmen. Übrigens ist er auch der einzige Kandidat, der sich nach seinem Song bei der wie gewohnt sehr gut aufspielenden Band bedankt. Die Jury ist restlos begeistert über Mehrzads Auftritt.

    Nach einer Stunde Comedy mit Cindy aus Marzahn und ihren teilweise etwas anstrengenden “Freunden” kommt der Ergebnisteil der heutigen Show. Ich will es kurz machen. Von den Zuschauern wurden in die Top 10 gewählt: Mehrzad, Menowin, Nelson, Manuel, Helmut, Thomas und Kim (nur eine einzige Frau!). Von der Jury wurden zusätzlich noch benannt: Marcel, Steffi und Ines. Und damit sind raus: Celine, Dirk, Kevin, Maria und Naomi.

    Soweit ich das überblicke, ist damit alles wie erwartet abgelaufen, keiner der Publikumsfavoriten und Bohlen-Lieblinge musste vorzeitig gehen. Ab der nächsten Woche haben wir dann Motto-Shows bei denen jeweils eine oder einer gehen muss. Ich gehe jetzt auch – und zwar ins Bett. Tschüss bis zur nächsten Woche!

    http://www.muelltv.de/2010/01/07/dsds-2010-01-06-casting-1-the-return-of-the-dieter/

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