• DSDS (RTL) 13.01.2011 1 Comment

    Hallo Leute,

    schon ist es Mittwoch und das heißt momentan: It’s Dieter-Time! Dieter Bohlen, Fernanda Brandao und Patrick Nuo, zusammen auch bekannt als Jury von “Deutschland sucht den Superstar”, laden wieder ein zum Casting, Ring frei zur zweiten Runde…

    Es geht los mit einem etwas maulfaulen 16jährigen Sascha, der entweder vor Coolness oder wegen allgemeiner Kraftlosigkeit nur nuschelig spricht, dafür fummelt er sich pausenlos im Gesicht und am Kragen herum. Man versteht aber soviel, dass er der kommende Superstar ist, denn er habe Gesangsunterricht gehabt und sein Idol sei Mehrzad Marashi. Im Einspieler klaut er einer Oma im Park den Rollator, nicht ganz die feine Art, aber vielleicht braucht er den ja auch nötiger als die alte Dame – spätestens, wenn Dieter mit ihm fertig ist. Seine Performance im Casting-Studio ist sehr uncool, denn er steht schon beim lockeren Begrüßungslabaluba mit der Jury völlig unter Strom, schwitzt und zupft sich am Kragen. Schon vor dem ersten gesungenen Ton ist Dieter stinkig: ein richtiger Künstler sei nicht nervös, sondern fühle sich pudelwohl auf der Bühne, er, Sascha, wolle nur schnell “ablaichen” und dann verschwinden. Trotzdem fängt der so gescholtene an zu singen, es gibt “Twist and shout” von den Beatles, allerdings in einem etwas eigenwilligen Englisch und mit total gepresst-verkrampfter Stimme. Dabei geht er tief in die Knie, hockt sich fast hin, so als säße er auf einem Pferd, nur eben ohne das H0ttehüh, die Jury nennt es “Geburtshaltung”. Sascha kassiert drei “Nein” und versteht die Welt nicht mehr, er habe doch monatelang mit einem vom Vater teuer bezahlten “Vocal Coach” geübt, der Recall sei ihm quasi sicher, habe der immer gesagt… “Hau’ Deinem Coach was in die Fresse”, gibt der Gelegenheitspazifist Dieter Bohlen seinem Kandidaten mit auf den Weg, als der völlig am Boden zerstört durch die Ausgangstür kriecht. Gut, dass draußen kein Fenster offen steht, er wäre glatt gesprungen! :-(

    Danach geht’s weiter mit Mike Müller, dem singenden Straßenkehrer von der Kölner Müllabfuhr. Der 24jährige Kurzhaarträger kommt mit “All I have to give” von den Backstreet Boys. Ich finde seine Darbietung eher so lala, aber der Jury gefällt’s, vermutlich besonders wegen der interessanten Biografie, die ließe sich bestimmt noch richtig gut ausschlachten. Folgerichtig schafft es Mike in den Recall. Fernanda ist übrigens eindeutig zu lange weg aus ihrer brasilianischen Heimat: “Ich finde es schön, dass Du sauber machst, ich liebe Ordnung”, lautet ihr teutonisch-korrektes Urteil. :-)

    Nicht in den Recall kommt dagegen Tatjana (16), die mit großem Gefolge zum Casting angereist ist, mit Freundin, dem Freund, einem Freund und dem Vati. Zuhause gelassen hat sie dagegen jegliches musikalisches Talent, sie kann nämlich nicht mal für zehn Cent singen. Ihr dünnes, leises Stimmchen klingt schrecklich gequält, trifft keinen Ton von Christina Aguileras “Hurt” auch nur ansatzweise, was man Dieter und Patrick auch sehr ansieht. Nach diesem einen Liedchen glaubt man schon, die Vorstellung sei zu Ende, da fragt Patrick sadistisch – und für alle anderen außer Tatjana erkennbar ironisch, ob sie nicht noch eine Nummer singen wolle. Dieter guckt entsetzt und protestiert dann, das könne man doch nicht “Gesang” nennen, höchstens “Vortrag”. Das bisher Gehörte habe “Null Power”, die gleiche Intensität wie “Flohrülpsen”. Nach wenigen Takten der nächsten Nummer bricht er ab: “Wenn die Sendung ‘Deutschland sucht die Moorleiche für’n Tatort’ heißen würde, dann wärst Du genau dir Richtige, Deine Stimme ist ein Totalausfall.” Und das ist das Ende einer hoffnungsvollen 30-Sekunden-Karriere. :-(

    Nun als Kontrastprogramm wieder ein Mädchenschwarm mit Gitarre: Anton Zeller ist 18, kommt aus Landshut und erinnert von weitem so ein bisschen an Dominik Büchele aus der sechsten DSDS-Staffel. Bei seinem Erscheinen im Studio kriegt Fernanda gleich ganz große Augen, offenbar ist der schwarzhaarige Teenager genau ihr Typ. Als der Kandidat dann auch noch erzählt, dass er viel Sport mache, hält es die Brasilianerin nicht mehr im Jurystuhl und wir erhaschen beim Aufspringen einen kurzen Blick auf ihre noch viel kürzeren Shorts und die braunen Beine, derentwegen sie überhaupt nur in dieser Sendung ist. Sogleich nötigt sie Anton zum Ausziehen seiner Jacke, dann muss er ein bisschen herumposen und die Bizeps präsentieren. “Ah!” und “oh!”, Fernanda scheint recht zufrieden. Der ebenfalls vermutlich nur wegen seines annehmbaren Aussehens in die Jury gecastete Patrick Nuo wirkt dagegen etwas unentspannt, plötzlich ist seine führende Position in der Testosteronrangliste des Studios nicht mehr unumstritten. Und die Fleischbeschau geht weiter: Ob er nicht mal Liegestütze mit ihr auf dem Rücken machen könne, wird Anton gefragt. Natürlich kann er, schließlich will er in den Recall, auch wenn ihm das Ganze sichtlich peinlich ist. Aber wer zu DSDS geht, hat mit solchen Dingen ja eh abgeschlossen. Gesagt, getan, kurze Zeit später hat er begleitet von vielen anzüglichen Bemerkungen der eifersüchtigen Herren zehn Liegestütze mit Fernanda “im Sattel” geschafft und darf deshalb zur Belohnung schwer schnaufend seinen Titel “Wonderwall” von Oasis singen. Ja, Gesang und Begleitbeklampfung gehen in Ordnung, “das Gesamtpaket” stimmt, wie es immer so schön heißt, und deshalb sehen wir Anton auch demnächst wieder im Recall. Das war mal Sexismus anders herum. :-)

    Und dann kommt gleich noch so ein Typ: Heiko Faller (16) sieht etwas aus wie eine Mischung aus Harry Potter und Justin Bieber und singt passenderweise von letzterem das Seichtpopnümmerchen “Baby”. Er begleitet sich selbst auf der Gitarre und lässt mit seiner Stimme und dem Babyface die Jury in Nullkommanichts dahinschmelzen wie Butter auf der Heizung. Selbstredend kommt er in den Recall, wobei ich schon jetzt etwas gespannt bin auf mögliche Interviews mir seiner Familie (Mami, Papi, Stiefpapi), die wegen ihrer etwas prollig wirkenden Erscheinung von RTL schon hier im Casting mit der Titelmusik der “Feuersteins” unterlegt wird. :-)

    Während man sich noch das Grinsen vom letzten Auftritt aus dem Gesicht biegt, kommt gleich die kalte Dusche: Dirk aus Stralsund ist 20 Jahre alt, leicht untersetzt, trägt Karohemd und mag sich sehr. In diesem Fall ist RTL wieder gnadenlos, der Kandidat wird schon beim Reinkommen von Onkel Dieter auf seine eher unsportliche Figur angesprochen und muss vor der Kamera gestehen, dass er gern Süßigkeiten isst und deswegen auch keine Freundin hat. Kaum noch erwähnenswert, dass der Auftritt heute natürlich total floppt. Dieter schlägt sich schon die Hand vor die Stirn, als er vom Titel hört (“Durch den Monsun” von Tokyo Hotel) und seine Ahnungen werden auch komplett bestätigt: Dirk singt einfach nur grottig. “Das war Hühnerkacke”, befindet Dieter nach einem kurzen Blick in sein unerschöpfliches “Lexikon der persönlichen Beleidigungen” und schickt den Kandidaten ohne gelbe Recall-Einladung zurück nach Hause. :-(

    Und nun kommen wir zum wichtigsten Auftritt dieser Folge, zumindest gemessen an der dafür von RTL verballerten Sendezeit: Cosimo aus Stuttgart gibt sich leider ein weiteres Mal die Ehre, so wie ich es bei seinem Erscheinen in der letzten Staffel schon befürchtet hatte. Der “Checker vom Neckar” lässt sich offenbar auch durch wiederholte Reinfälle in den letzten drei Staffeln nicht von der Idee abbrechen, er habe eigentlich das Zeug zu einer Weltkarriere – wenn nur Dieter Bohlen es nicht regelmäßig verhindern würde. Mittlerweile ist der gegelte Nervbold 28 Jahre alt, kann also theoretisch noch zwei Mal wieder kommen. Und auch dieses Jahr traut sich der arbeitslose Frisör nicht allein ins Studio, er hat gleich drei Freunde (“Atzen”) im Rocker-Outfit mitgebracht – oder was die Redakteure dafür halten. Alle wirken nicht sonderlich helle, aber dann würden sie ja auch ihren Anführer Cosinus überstrahlen. Der verbrachte offenbar die gesamte Zeit seit seinem letzten DSDS-Rauswurf damit, eine neue Performance einzuüben und er hat dafür auch eigens ein Lied geschrieben: “Ketchup my Sandwich”. Das Lied besteht aus nichts anderem, als dem kurzen Refrain “Komm’ schon Baby, zieh’ Dich aus”. Ende. Gratulation, Casimir, das ist doch tatsächlich das erste Mal, dass es jemand geschafft hat, seinen kompletten Gehirninhalt in ein einziges Lied zu quetschen. Vielleicht hätte er damals bei der Friseurlehre doch lieber nicht so viele Bleichmitteldämpfe einatmen sollen, so etwas kann einem die Denkmurmel ruinieren, wie man hier deutlich sieht.

    Nach einigen Wiederholungen dieses epochalen Meisterwerks merkt offenbar sogar Cosima, dass das Käse war und er besinnt sich auf sein anderes Talent, nämlich das Stänkern, wie wir gleich sehen werden. Fernanda tut etwas pikiert und resümiert: “Für mich bist Du eine Mischung aus Menderes und Wendler” (wobei ich “Wendler” eben erst mal bei Wikipedia nachschlagen musste, den kannte ich gar nicht). Okay, damit hat sie sich mit einem einzigen Satz zu Colibris Feind Numero Uno gemacht. Und wie es der göttliche Zufall (oder das Drehbuch) so will, hat sein Intimfreund und Friseurkunde Bushido ihm eine wichtige Nachricht für Fernanda mitgegeben. (Für Uneingeweihte muss dazu bemerkt werden, dass der Rapper Bushido, der bei der Staatsanwaltschaft eher unter seinem Geburtsnamen Anis Ferchichi bekannt ist, früher angeblich mal mit Fernanda liiert war, bewiesen ist das aber nicht.) “Ich hör’ von anderen Leuten, dass Du nicht so gut im Bett bist”, platzt Cosmo nun mit seiner Botschaft heraus und hält dazu triumphierend eine Autogrammkarte seines Kumpels in die Höhe, wohl wissend, dass es Fernanda schwer fallen dürfte, diese Behauptung auf die Schnelle zu widerlegen. Dieter Bohlen dreht sich angewidert auf dem Jurystuhl um und guckt nur noch aus dem Fenster: “Mit Geistesgestörten unterhalte ich mich nicht”. Auch Fernanda und Patrick schweigen, worauf Cosinatz mit seinen Bodyguards das Studio wieder verlässt. Komisch, seine Auftritte werden von Jahr zu Jahr peinlicher, aber das kümmert RTL natürlich einen Dreck, Hauptsache, sie können ein paar dramatische Szenen zeigen, die sich auch in der Programmvorschau gut machen. :-(

    Fernanda behauptet später übrigens, nie etwas mit Bushido gehabt zu haben und der heutige “Angriff” sei niveaulos, frauenfeindlich und asozial. Aber natürlich ist das alles zusammen nicht glaubwürdig, machen wir uns nichts vor: Die gesamte Rahmenhandlung von “Deutschland sucht den Superstar” ist geskriptet und gerade die Aufreger sind alles andere als spontan, sondern werden sorgfältig choreografiert. Das gilt selbstverständlich auch für die alljährlichen Besuche des stetig wachsenden Bohlenschen Wanderzirkus pathologisch kamerageiler DSDS-Zombies. Deren einziger Lebensinhalt scheint der regelmäßige Anschiss des Poptitanen zu sein und wenn sie Glück haben und bekloppt genug sind, lässt man sie im Rahmen der traditionellen Freak-Nummer beim Finale vielleicht sogar noch ein zweites Mal kurz aus der Gruft. Außerhalb der DSDS-Saison fristen diese Fußabtreter von Dieter Bohlen dann das triste Leben eines Z-Promis, d.h. sie können sich freuen, wenn sie in einer heruntergekommenen Dorfdisko als Pausenclown engagiert werden. Als Glücksfall gilt dann schon, wenn sie bei einem solchen Einsatz von der besoffenen Landjugend krankenhausreif geprügelt werden und es mit einem Foto ihrer Blessuren auf die “Bunte Welt”-Seite der Blödzeitung schaffen.

    Insgeheim hat RTL mit diesen Leuten garantiert Verträge abgeschlossen und denkt sich für ihren Auftritt Jahr für Jahr neue und immer schwachsinnigere Gaga-Handlungen aus. Man denke bloß an Menderes Einschleichversuch als Fensterputzer vor zwei Jahren oder an Cosimos Pöbelattacke auf Onkel Dieter in Staffel Sieben. By the Way: Menderes, der vermutlich untalentierteste Michael-Jackson-Imitator der Welt, kommt hundertprozentig auch noch, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

    Bis Sonnabend, dann wird der Käfig wieder aufgeschlossen…

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  • DSDS (RTL) 09.01.2011 1 Comment

    Liebe Freunde des guten Geschmacks,

    Ihr seid hier völlig verkehrt, schaltet ab, lest nicht weiter, diese Sendung und dieser Blog sind nichts für Euch!

    Alle anderen begrüße ich herzlich zu einer neuen Runde von “Deutschland sucht den Superstar”. Uns stehen in den nächsten Wochen wieder unaussprechliche Qualen für die Ohren und Mägen bevor, RTL verspricht wahre Orgien des Fremdschämens und bisher konnte man sich auf solche Ankündigungen auch immer verlassen. Es geht in dieser Sendung natürlich weiterhin nicht darum, wirklich einen neuen “Superstar” zu finden. Echte Superstars werden schon von selbst gefunden, dazu muss man nicht zehntausende tatsächliche und gefühlte Teenager durch den Eignungstest jagen. Nein, das eigentliche Ziel von DSDS ist die öffentliche Erniedrigung von Menschen, die entweder keine echten Freunde haben, die ihre Unmusikalität im Vorfeld richtig beurteilen können, oder die so selbstverliebt sind, dass sie unter allen Umständen wenigstens einmal im Leben für drei Minuten vor einem Millionenpublikum stehen wollen. Und sei es um den Preis, dass ihr Wimpernschlag im Licht der Kamera darin besteht, von einem satten Multimillionär aus Tötensen mit unflätigen Verbalinjurien öffentlich auf Amöbengröße reduziert zu werden.

    Das titelgebende Versprechen dieser Sendereihe hat sich in den vorangegangenen Staffeln nicht oder fast nicht erfüllt. Lassen wir mal ganz kurz Revue passieren: Der Gewinner der ersten Staffel hieß Alexander Klaws und ist heute immerhin Musicaldarsteller (Tarzan) in Hamburg. Die nächste Staffel gewann eine gewisse Elli Erl, die danach offenbar völlig in der Versenkung verschwand; nicht mal in der Star-Resteverwertung wie Oliver Geissens “ultimative Chartshow” oder als Opfer einer Promi-Koch- oder Dschungelsendung ist sie aufgetaucht. Sieger von Staffel Nr. 3 war Tobias Regner, eine zum Hardrocker aufgebauschte Luftnummer mit dem aktuellen Marktwert einer Tube Zahnpasta. Danach kam Dieter Bohlens Herzbube Mark Medlock, der aufgrund seiner notorischen Unsterblichkeit als Interpret seichtester Popnummern karrieretechnisch über Wasser blieb, aber trotzdem immer leicht verhungert aussieht. In der fünften Staffel gewann Thomas Godoj, wegen seiner unverwechselbaren Stimme und unabstreitbaren Musikalität auch noch so einigermaßen bekannt, obwohl der Ausdruck “Superstar” hier wohl fehl am Platze wäre und sein Plattenvertrag angeblich kürzlich über den Jordan ging. Daniel Schuhmacher gewann 2009 die sechste Staffel und bleibt vor allem wegen seiner hohen Stimme und der Integralhelmfrisur mit Poposcheitel im Gedächtnis, musikalisch tat sich da seit einem in der Bildzeitung breitgetretenen Zerwürfnis mit Übervater Bohlen eher wenig. Und im Vorjahr gewann schließlich Bad Boy Mehrzad Marashi gegen Worst Boy Menowin Fröhlich und verbrauchte bei dieser Gelegenheit offenbar die gesamte Energie, die er sich eigentlich für seine Superstar-Karriere hätte aufheben sollen…

    So, im knisternden Feuer der verglimmenden Karrierehoffnungen früherer “Superstars” wollen wir uns nun der achten Staffel zuwenden. Dieter Bohlen, der als DSDS-Heesters seit Anbeginn aller Zeiten die Jury leitet, hat rechts und links von sich mal wieder ausgemistet und die bisherigen Jury-Kollegen Nina Eichinger und Volker Neumüller in die mediale Wüste geschickt. Vermutlich haben die zu oft eine eigene, von seiner abweichende, Meinung geäußert oder wollten mehr Gage haben. Friede ihrer Asche. (Hoffentlich gilt das auch für Marco Schreyl, dem Moderationsfaktotum aus den Mottoshows.)

    Im Interesse eines stets konvergenten Auftretens der Jury hat Onkel Dieter zwei neue Ja-Sager aus der RTL-Wunderkiste gezogen: Fernanda Brandao, deren Eignung zum Casting-Richteramt darin besteht, vor 27 Jahren in Brasilien geboren und Teil des Girlie-Trios “Hot Banditoz” gewesen zu sein, damals unter dem Kampfnamen “Laava”. Auf den ersten Blick macht sie optisch einen sehr ansprechenden, intellektuell aber eher bescheidenen Eindruck, insofern passt sie bestens zum Meister. Eher um Äußerlichkeiten geht es wohl auch bei Patrick Nuo (28), einem sich sehr cool vorkommenden Seichtpop-Sänger für die Bravo-Clearasil-Fraktion leicht in Ohnmacht fallender Mädchen. Seine schnell verblassende Karriere scheint sich nach Auftritten bei Stefan-Raab-Events nun eher in Richtung Dschungelshow zu bewegen, mit Zwischenstation DSDS.

    Genug gelabert, jetzt geht es wirklich los!

    Den Anfang der ersten Casting-Sendung der achten Staffel macht ein bekloppter Ralph Joachim Rainer (30, mit ellenlangem österreichischem Adelstitel) aus Berlin, der sich selbst “Der Checker” nennt, obwohl dieser Beiname doch eigentlich seit der letzten Staffel für Thomas Karaoglan reserviert ist! Ralph sieht mit seinen dicken Backen und der auch ansonsten eher rundlichen Figur aus wie eine Mischung aus Stefan Raabs Geschöpf Elton und einem Biber. Leider glaubt er außerdem auch noch, er sei unwiderstehlich, lustig und musikalisch, womit er leider völlig daneben liegt, wie sich sogleich zeigt. Nach einem kurzen Techtelmechtel mit der Jury, bei dem Dieter dann schon die schiefen Füße des Kandidaten bemängelt (er hat “Senk-Spreiz-Knickfüße” oder so ähnlich), endet Ralphs Karriere bei dem Versuch, den Schmachtfetzen “Time to say Goodbye” vorzusingen. Er kann weder Melodie, noch Text und während er völlig hilflos auf der Bühne herumdilettiert, eilt ihm von draußen auch noch seine wartende Begleiterin Maria (max. 1,50m und kugelrund mit lila Strickpullover) zu Hilfe und besiegelt ebenfalls schief singend sein Schicksal. Die beiden treffen unabhängig voneinander nicht einen einzigen Ton, mir klappen sich die Fußnägel hoch. Dieter Bohlen beendet das Tonmassaker dann mit ein paar für seine Verhältnisse freundlichen Worten und entlässt die beiden Vortragenden ohne die sonst üblichen Verbalinjurien in die Freiheit. :-(

    Nach Flop kommt bei DSDS immer Top: Anna-Carina Woitschack ist 17 Jahre alt, groß und blond und von Beruf Puppenspielerin. Schon am sorgfältig gemachten Einspielfilmchen ohne Verarschungsmomente erkennen Eingeweihte dieser Sendung, dass sie später in den Recall kommen wird (und Eingeweihte dieses Blogs erkennen das am nicht weggelassenen Nachnamen). Sie erscheint mit ihrer Lieblingsmarionette beim Casting, das muss man sicher nicht extra erwähnen. Nach einigem Geplänkel über die Tatsache, dass sie mit immerhin schon 17 Jahren trotz ihres guten Aussehens noch keinen Freund hat und auch noch nie hatte und noch nicht mal in der Disco war, performt sie “Mercy” von Duffy. Schon beim ersten Ton dürfte jedem klar sein: Die Frau kann es, hat eine echte Rock-Röhre und muss dringend in den Recall, egal wie gut sie sowieso schon aussieht. Kommentar von Patrick Nuo, der sich aus hormonellen Gründen (sabbert!) sehr um Anna-Carinas fehlende Sozialkontakte gesorgt hatte: “Jetzt weiß ich, womit Du Dir die Zeit vertreibst…” Und damit kriegt sie den gelben Zettel mit der Recall-Einladung. :-)

    Und dann wieder Flop: Shole, eine 27jährige arbeitslose Visagistin aus Hamburg mit iranischen Wurzeln, kommt wie eine Speckschwarte glänzend ins Studio. Dieter kann es gar nicht fassen, wie ausgerechnet eine Frau vom Fach so dermaßen schwitzen kann. Doch, doch, sie habe sich vorher noch extra gepudert, behauptet Shole… Ihr Auftritt mit “Paparazzi” von Lady Gaga ist dann alles andere als glänzend, tut fast weh. “Bei dem Gesang laufen ja die Paparazzis davon”, sagt Patrick, Dieter formuliert es etwas härter: “Das ist musikalische Inkontinenz.” Die Gemeinte stürmt beleidigt aus den Studio und verkündet draußen, die Jury habe “Scheiße gelabert” und keine Ahnung von Musik, sie vermutet gar Eifersucht auf ihr Talent! Ach, es ist eine Freude, genau wegen solcher Ausflipper guckt man doch DSDS, oder? :-(

    Im Schnelldurchlauf sehen wir André, ein mickriges Michael-Jackson-Double ohne vernehmbare Stimme, der zu Musik in seinem Ohrstöpsel tanzt, die wir Außenstehenden nicht hören können, weshalb seine ganze Performance grenzdebil wirkt. :-(

    Dann kommt Marco Angelini (26) aus Österreich (mit italienischen Großeltern), der wegen seines Trachtenanzugs auffällt. Der Medizinstudent erscheint in zünftigen Lederhosen mit seiner Gitarre zum Casting und begeistert in der Sparte “Netter Typ von Nebenan” mit einer sehr angenehmen Stimme. Er singt von Paolo Nutini “These Streets”, danach einen selbst gebastelten Austro-Pop-Song. Das Gitarrespielen sollte er lieber lassen, aber singen kann er wirklich gut. Das findet auch die Jury und befördert Marco umgehend und völlig zu Recht in den Recall. :-)

    Aus der Abteilung “Darf man über sowas lachen?” kommt nun ein gewisser Stefan. Er sei 30 behauptet er, müsste aber garantiert in jedem Laden beim Bierkaufen den Ausweis zeigen, bei “Bauer sucht Frau” wäre er allerdings nicht weiter aufgefallen. Nicht nur, dass er merkwürdig aufgedunsen aussieht in seinem etwas zu engen schwarz-weißen Jogginganzug, er ist auch tatsächlich seltsam, wohnt zusammen mit einem Hund und seiner pflegebedürftigen Mutter. Die Dame ist schwer krebskrank und sitzt im Rollstuhl, der Vater ist bereits vor zehn Jahren verstorben. Das alles erzählt Stefan beim Reinkommen auch der Jury (unterlegt mit trauriger Musik), außerdem hat er Segelohren wie Dumbo, so dass er tränendrüsentechnisch mit einem eigentlich unschlagbaren Bonus ins Rennen geht. Normalerweise wäre jeder mit dieser Homestory schon vor dem ersten Ton so gut wie im Recall, es sei denn, er sänge dermaßen schlecht… Und genau das tut Stefan mit Robbie Williams “Angels”. Trotz knöchelhoch stehender Mitleidstränenflut schütteln Dieter, Brandao und Patrick unisono den Kopf. Auch der angeblich genossene klassische Gesangsunterricht hilft nicht, mit seinem nervig nasalen Organ wird er kein zweiter Paul Potts. Ciao und Gruß an die Mutter… Hinterher fasst Dieter Bohlen den Auftritt noch einmal treffend zusammen: “Hätte der die kranke Mutter nicht, ich hätt’ ihn fertig gemacht”. Hart aber ehrlich. :-(

    Die heutige erste Folge klingt aus mit liebem Besuch: Hendrikje aus Wolfsburg, selbsternannter größter Dieter-Bohlen-Fan aller Zeiten, ist aus der geschlossenen Abteilung entwichen und hat bedauerlicherweise den Weg ins Casting-Studio gefunden. Sie sei völlig in Dieter verliebt, möchte sich ihm gern oben ohne präsentieren und würde sich für ihn sogar von ihrem Ehemann scheiden lassen, gesteht sie treudoof der Kamera. Ich glaube allerdings nicht, dass es so weit kommen wird, denn Hendrikje entspricht weder äußerlich noch vom Alter her dem bekannten Beuteschema des Poptitanen. (BTW: Sie sieht eigentlich auch für DSDS zu alt aus, 30 Jahre waren da doch immer die Schallgrenze?) Irrerweise kommt die Durchgeknallte mit ihrem (Noch-)Ehemann zum Casting, der aus begreiflichen Gründen etwas dagegen hat, dass sich seine Herzallerliebste allzu freizügig vor der Kamera entblättert. Aber der Wahnsinn hat bekanntlich seine eigenen Regeln und hält sich nicht an Konventionen, höchstens an das von RTL gestrickte Drehbuch.

    Hendrikje kommt nun also mit Sombrero und tellergroßen Schwitzflecken ins Studio, gurrt und stammelt Dieter an und schenkt ihm dann ihren Hut, an dem sie ein paar selbst gemalte, leicht missglückte Porträts des Schlagergottkönigs befestigt hat. Der ist irgendwie gleichzeitig irritiert, gerührt und amüsiert und weiß scheinbar nicht so genau, was er mit Hendrikje machen soll. Die angebotenen “Küsschen auf die Wangen” verweigert er, seine Freundin sehe ja auch zu. Der Gesangspart “Er gehört zu mir” (Marianne Rosenberg) stammt aus der Kategorie “Hausfrauen-Karaoke” und ist wie erwartet unterirdisch schlecht. Danach fabriziert die ausgeflippte Frau auf offener Bühne aus unklaren Beweggründen noch einen Spagat vor dem Jurytisch (Dieter: “Pass’ auf, dass Du da jetzt nicht kleben bleibst…”) und einen Handstand und dann kommt es zum Äußersten: Hendrikje zieht blank und zeigt uns und dem Poptitanen sekundenlang den prallen Inhalt ihrer Bluse inklusive der aufgeklebten Pasties mit Quasten. Patrick ist das Entsetzen ins Gesicht geschrieben und als guter Katholik hält er sich verschämt die Augen zu, genau wie Hendrikjes Ehemann, der draußen vor dem Studio die peinliche Szene am Monitor miterlebt und wohl ab liebsten im Erdboden versinken würde. Ey, hallo Leute, wir sind hier bei RTL, die hatten früher mal “Tutti-Frutti” im Programm, da muss man mit sowas aber rechnen… Dieter beendet den Quatsch dann souverän mit “Gesanglich, Schnuckel, war das nichts” und erklärt ihr den Weg aus dem Studio. :-(

    So, das war also das erste Casting der achten Staffel. Im Grunde genommen alles wie gehabt, Peinlichkeiten, Pöbeleien, Tränen und hier und da auch mal eine gute Stimme. Noch ist alles nur Spaß, die echten Staranwärter sehen wir sowieso erst im Recall. Die nächste Folge kommt schon am Mittwoch, bis dahin noch ein schönes Restwochenende.

    Friede ihrer Asche.

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  • DSDS (RTL) 18.04.2010 3 Comments

    Fanfare und feierlicher Tusch!!!

    Da ist er nun also, der Abend aller Abende, das donnernde Finale dieser merkwürdig farb- und lieblosen siebten Staffel von “Deutschland sucht den Superstar”. Dieter Bohlen hat geladen und alle, alle sind gekommen… wobei: genau genommen sind doch nicht alle gekommen, denn Nina Eichinger war unvorsichtigerweise zu Papis Geburtstagsfeier in L.A. und wegen der Geschichte mit der Island-Lavawolke hat es nun ihre Rückflugpläne zerbröselt. Und was lernen wir daraus? Klar, bucht niemals eine Fernreise, ohne vorher den Vulkanologen Eures Vertrauens zu konsultieren! Seitdem Kachelmann eingebuchtet wurde, geht beim Wetter echt alles schief… ;-)

    Apropos Knast: Auch für den kommenden Superstar Menowin ziehen bedrohliche Wolken am Firmament auf, denn lt. Bild-Zeitung, die ja bekanntlich alles (besser) weiß, liegt gegen Bohlens musikalischen Ziehsohn eine Anzeige wegen Vergehens nach dem Betäubungsmittelgesetz vor. Soll heißen: Angeblich hat der gute Mann größere Mengen Kokain besessen, angeblich auch vertickert, vielleicht sogar im DSDS-Loft!!! Was Helmut in Rekordzeit und zu Recht den Kopf gekostet hat, entlockt Menowin nur ein müdes Arschrunzeln, denn er ist auf Du und Du mit Dieter, dem Paten. Der wird mit Sicherheit alle Hebel in Bewegung setzen, damit die Staatsanwaltschaft erst nach der Sendung so richtig zu ermitteln beginnt. Bei Bohlen rattert  im Hinterkopf schon die Geldzählmaschine, deshalb ist er wild entschlossen, alle und alles hinwegzufegen, was sich zwischen ihn, Menowin und die Penunze stellen könnte. Wir werden heute Abend sehen, wie weit er dabei zu gehen bereit ist, Vorhang auf!

    Der nervige Marco Schreyl, der nach dem heutigen Finale hoffentlich wieder schön lange in der medialen Versenkung verschwindet, hat offensichtlich ausgiebig in seinem Poesiealbum nach gewalttätigen Vokabeln für seine letzte Eröffnungsansage geblättert. Er schwadroniert etwas über die ehemals innige Freundschaft zwischen Mehrzad Marashi und Menowin Fröhlich, aus der im Laufe der Mottoshows eine erbitterte Feindschaft geworden sei, so episch, dass Deutschland in seiner Zuneigung für den einen oder anderen der beiden wieder zur geteilten Nation wurde. Der Kampf dieser zwei Erzfeinde sei sooooo persönlich, es gehe wirklich “Mann gegen Mann”.  Wir sehen die zwei Typen mit “unbedingtem Kampfes- und Siegeswillen”, die in kleinen Einspielsequenzen ankündigen, heute könne ALLES passieren und sie seien bereit, ALLES für den Sieg zu tun. Mehrzad droht, er wolle die Furcht im Auge seines Gegners sehen, der wiederum vergleicht sich mit einem Kampfstier in der Arena, der mit den Hufen stampft und auf das Öffnen der Gitter wartet. Das muss man, glaube ich, zumindest bei Menowin für bare Münze nehmen, der hat Erfahrung mit dem Leben hinter Gittern. Daniel Schuhmacher, der übrigens am Bühnenrand sitzt, kann von Glück sagen, dass er nicht heute, sondern schon letztes Jahr im Finale war, so ein liebes Weichei wie ihn hätte Menowin doch bereits vor dem Frühstück inhaliert – und Benny Kieckhäben gleich hinterher.

    Zu den Klängen von Dieters akustischem Abführmittel “Real Love” kommt die Jury ins Studio. Wir erinnern uns: In der letzten Woche wurde uns der diesjährige Ballermann-Soundtrack von Bohlens eigenem Geschöpf Mark Medlock in höchsteigener Person serviert – und nun kriegen die beiden dafür sogar gleich noch mal GEMA-Tantiemen. Die beiden Herren der Schöpfung, Dieter Bohlen und Volker Neumüller, haben sich in mehr oder weniger (Volker) gut passende schwarze Anzügen gezwängt und sich Krawatten umgehängt – oder das, was sie (Volker) dafür halten. In ihrer Mitte schleppen sie Sylvie van der Vaart mit auf die Bühne, eine Jury-Imitatorin mit chronischem Lachzwang aus dem Heimatland von Rudi Carrell, wo Genever und Käse fließen. Sylvie wird Nina Eichinger vertreten, die aus den oben genannten Gründen heute Abend von der Teilnahme am DSDS-Finale befreit ist.

    Nach dem großen Gelaber startet endlich der musikalische Teil des Abends. Zur Verzierung hat man für das Anfangslied tatsächlich alle bisher ausgeschiedenen Top-10-Kandidaten exhumiert – mit Ausnahme von Helmut Orosz, der vermutlich gerade auf Entzug ist. Wie schon in der allerersten Mottoshow am 20.02.2010 singen sie zusammen “I gotta feeling” von den Black Eyed Peas. Marcel “Plüschi” Pluschke tanzt wie immer konsequent gegen den Takt und hat offenbar noch immer nicht seine Affinität zu bäuerlich wirkenden Karohemden überwunden, während Thomas “der Checker” Karaoglu wohl weiterhin sein eigener größter Fan ist. Größte Überraschung ist, dass die drei Mädels Steffi Landerer, Ines Redjeb und Kim Debkowski (entsprechend dem Niveau der Sendung absteigend nach Oberweite sortiert) keinen einzigen Ton versemmeln. Angesichts des zu erwartenden Gemetzels der beiden Hauptprotagonisten des heutigen Abends war das nur eine harmlose Fingerübung. Das Publikum will jetzt eigentlich Blut sehen und spendet nur einen lauwarmen Applaus.

    Während sich die früh verblichenen sieben Ex-Kollegen verdrücken, kommen dann endlich Mehrzad, mit grüner Jacke und Basecap und Menowin in blauen Klamotten auf die Bühne. Sie liefern sich mit “I came for you” von den Disco Boys ein aggressives Posingduell. Dieser Auftritt scheint direkt vom Band zu kommen, jedenfalls stimmen Ton und Mundbewegungen nicht überein und bei dem irrsinnigen Gehüpfe dürfte man eigentlich auch gar nicht mehr singen können. Tatsächlich singen werden die beiden heute jeder drei Mal, nämlich zuerst mit einem “Herzenssong”, danach mit ihrem individuellen “Staffel-Highlight” und zum Schluss müssen beide – quasi als ultimativer Härtetest für Stimmbänder und Mägen – einen brandneuen Titel von Dieter Bohlen zu Gehör bringen.

    Nach einem inhaltsleeren Interview von Marco mit Mehrzads Schwester, die sich überraschend als Fan ihres Bruders outet und einem Einspieler von seiner zukünftigen Ex-Freundin, die ihrem Gatten in spe viel Glück wünscht, tritt Mehrzad Marashi mit seinem Herzenssong “Endless Love” von Lionel Richie auf. RTL hat tief in den Spesentopf gegriffen und lässt für diesen Auftritt jede Menge echt brennende Ringe in Herzform springen. Der Titel ist eher langsam und langweilig, wie ich finde, die perfekte Musik für romantische Stunden im Autokino, aber nicht wirklich der Bringer für das DSDS-Finale. Da kann Mehrzad nicht viel falsch machen, wie er da so im schwarzen Anzug mit rotem Hemd, schwarzer Fliege und dem obligatorischen Lederhut, aber ohne wesentliche Choreografie singt. Der Jury ist es egal, das war ein “supertoller” Auftritt, hören wir nacheinander von Dieter, Sylvie und Volker.

    Ein weiteres Interview mit Marco im intellektuellen Vakuum folgt. Diesmal erklärt Menowins Mama, was an der Stimme ihres Filius denn so einzigartig sei: Ja, dass die einzigartig sei, sei eben das einzigartige. Uiuiui, nicht so schnell, das muss man erst mal verdauen. Später greint sie dann noch in einem Einspieler, bittet ihren Sohn um Verzeihung, denn er habe bisher durch ihre Schuld kein gutes Leben gehabt. Wie das wohl die Leute sehen, denen Menowin im Laufe seiner kriminellen Karriere das Leben schwer gemacht hat, da gäbe es bestimmt etliche…

    Menowin Fröhlich quittiert die Einlassung seiner Erzeugerin mit einem cool-knappen “Entschuldigung angenommen” und steigt dann auf die Bühne. Komplett in weiß gekleidet, inklusive eines albern aussehenden Huts, gibt er in der ersten Runde Dionne Warwicks Titel “That’s what Friends are for”. Auch hier zeigt sich RTL generös: Während der angestrengt wirkende Menowin sich im wabernden Bühnennebel einen abknödelt, hüpfen zahlreiche Mädchen in weißen Kleidchen um ihn herum. Erst dachte ich, das wäre irgendwie ein Kinderchor und da käme noch ein Einsatz, aber nein, keine Angst, die hüpfen wirklich nur. Ganz am Ende gibt es dann ein rührendes Bild, wie sie alle zusammen winken, der Möchtegern-Superstar mittendrin. Volker muss diesmal für Dieter den Büttel machen und darf Menowin bis zum Erbrechen loben: hammergeil, unfassbar, hunderttausend Prozent Respekt (!) Sylvie will es ihm gleich tun, macht sich dann aber zum Gespött der Halle mit “ich bekomme ein Weichei”.

    In seinem nächsten Titel, dem Staffel-Highlight, wiederholt Mehrzad Marashi “Fresh” von Kool & the Gang. Also, ich mag es ja fast nicht schreiben, aber irgendwie wirkt der Kandidat auf mich heute gebremst, nicht voll konzentriert und etwas emotionslos. Auch die Tänzer, die mit ihm zusammen auf der Bühne stehen, machen einen müden Eindruck und scheinen die Choreografie rätselhafterweise nicht voll zu beherrschen. Ich kriege so langsam ein dumpfes Gefühl in der Magengegend, dass Mehrzad heute nur zweiter Sieger wird… Die Jury ist trotzdem des Lobes voll, auch wenn Dieter so ein kleines bisschen Unsicherheit herausgehört haben will, womit er wohl nicht ganz Unrecht hat.

    Dagegen läuft bei Menowin Fröhlich auch in Runde Zwei alles nach Plan. Er performt “Billie Jean” des seligen Michael Jackson, trägt dafür die passende goldbetresste schwarze Zirkusuniform und verfügt darüber hinaus auch über wache Tänzer. Und zwischendurch ist da wieder der kämpferisch-aggressive Gesichtsausdruck einer Muräne, den Menowin immer dann zeigt, wenn er Ninas mehrfach geäußerte Ermahnung vergisst, doch nicht immer so fies zu gucken. Klar, dass Dieter und die ihm treu ergebenen Jury-Vasallen sich auf die Seite der Menowinisten-Sprechchöre stellen und die gerade gelaufene Nummer in sich überschlagenden Superlativen abfeiern. Dieter Bohlen lässt alle Neutralität fahren und bemüht sogar seinen direkten Draht zum Lieben Gott, mit dem er vermutlich auf Augenhöhe parliert: “Michael Jackson hat gerade im Himmel gesessen mit Daumen hoch! Das war absoluter Wahnsinn!!!”

    Runde Drei. “Don’t believe” heißt das von Bohlen extra für das DSDS-Finale fabrizierte Machwerk. Er selbst ist superstolz auf den Titel, der habe einen Stimmumfang von zwei Oktaven, sei deshalb “megaschwer” zu singen und verlange den Künstlern alles ab. Da muss er sich wohl selbst mal was beweisen, als ob das ein Gütesiegel für einen Titel ist, dass man ihn nur schwer singen kann! Update 19.04.2010: Blog-Leserin Jola schrieb mir als bekennender Daniel-Schuhmacher-Fan, dass Bohlen den Titel genau genommen für den letztjährigen DSDS-Gewinner kreiert hatte und wegen des öffentlichen Zerwürfnisses zwischen den beiden dann in der Schublade verschwinden ließ, um ihn jetzt für das Finale 2010 zu reanimieren. Komisch, wieso der Aufwand mit der Schublade, die Ergüsse aus Tötensen hören sich doch sowieso alle völlig gleich an, oder? Erst die Tatsache, dass Onkel Dieter seinen Dreck überhaupt auseinander halten kann, stellt doch die eigentliche künstlerische Leistung dar… :-)

    Mehrzad Marashi macht wieder den Anfang. Er trägt mittlerweile komplett tannengrüne Klamotten, auch einen grün glitzernden Hut, womit er insgesamt etwas an einen Waldschrat auf Speed erinnert. Dieters angebliches Knochenbrecherlied entpuppt sich als hundertzwanzigster Aufguss seiner üblichen Drei-Akkorde-Mucke mit wahllos aneinandergeklatschten englischen Vokabeln. Ein so simpel gestricktes Lied hätte Mehrzad unter normalen Umständen bestimmt nicht mal im Casting gesungen. Wenn man bedenkt, dass der DSDS-Gewinner hinterher mit diesem Stück, seinem “Gewinnersong”, auftreten muss, dürften die Finalisten echte Zweifel kriegen, ob sie heute nicht besser verlieren sollten. Bohlen ist jedenfalls verzückt, ihm fielen zu Mehrzads Interpretation seines Liedchens nur Komplimente ein, sagt er. Sylvie hat ihren Vertrag gut gelesen, insbesondere die Schleimklausel, und dankt zuerst Dieter für diesen “tollen Song”, danach aber auch Mehrzad. Selbst Volker bekennt sich zu einer Gänsehaut, das sei ein Supertitel gewesen. Oh Mann, ich wette, der hat Zuhause keine einzige Modern-Talking-CD und muss jetzt seinem Arbeitgeber Bohlen Honig um den Bart schmieren, damit er auch in der achten Staffel wieder mitspielen darf.

    Nun kommt der selbe blöde Titel nochmal, jetzt mit Menowin Fröhlich, dem übelblickenden Kinderschreck. Und nein, der Song wird bei mehrmaligem Hören nicht besser, sondern eher noch langweiliger. Menowin zuck-tanzt im blauen Anzug im Nebel und vor einem grünen Lasertunel. Die Pro-Menowin-Sprechchöre verhindern danach fast die Urteilsverkündung, so sehr scheinen sie sich zu freuen, dass ihr Idol an Bohlens einfältiger Nummer nicht gescheitert ist. Dessen Verursacher gibt wieder den Tenor für die restliche so genannte Jury vor: Das sei ein Knaller gewesen, genial gesungen und überhaupt. Sylvie und Volker ergehen sich in Komplimenten, bei Volker überschlägt sich sogar die Stimme, als er seine vermutlich sorgfältig vor dem Spiegel geprobten Lobeshymnen aufsagt. Schade, von dem hatte ich echt mal einen besseren Eindruck, aber heute hat er scheinbar sein Rückgrat in der Garderobe stehen gelassen.

    Nicht besonders überraschend, dass die Jury dann zum Ende der Show ihre Tages- und Staffelsiegschätzung zugunsten von Menowin abgibt. Das hätte man als geneigter Zuschauer schon vor gut zwei Monaten ahnen können. Man konnte sich nur nicht vorstellen, dass Dieters Staffel-Dramaturgie ähnlich beschränkt ist, wie sein musikalischer Einfallsreichtum, von dem wir ja gerade eben wieder mal Zeuge geworden sind.

    Etwa eine Stunde später wird es Ernst, nachdem die hoffentlich allerletzte Ätherverpestung mit den doofen Mädchen, oder wie sich diese aus präpubertären Rülps- und Pups-Pointen bestehende Sendung schimpft, zu Ende ist. Der in der Top-8-Show ausgeschiedene Nelson Sangaré kommt kurz zu Worte und darf die ganz offensichtlich zugunsten von Menowin vorgefasste Jurymeinung kritisieren. Dann müssen beide Finalisten zur Strafe für ihre impertinente Langlebigkeit noch einmal den Inner-Circle-Titel “Sweat (A la la la la long)” aus dem Karibik-Recall wiederholen.

    Und schließlich geht es endgültig ans Eingemachte, denn nun kommt Marcos quälend langsame Urteilsverkündung. Okay, das muss man auch wieder verstehen, er will das auskosten, denn das ist der einzige Moment, wo er wirklich etwas zu sagen hat. Danach kann er sich wieder bis zur nächsten Staffel aufs Ohr hauen und wir sollten alle die Daumen drücken, dass RTL bis dahin jemanden findet, der die Moderation etwas weniger selbstverliebt erledigt.

    Beide Kandidaten stehen minutenlang unbeweglich auf der Bühne, während Marco labert und labert und labert. Vermutlich zieht währenddessen noch einmal ihr gesamtes Leben mehrfach an ihnen vorbei. Plötzlich aber kommt die lang erwartete Formel “…und Superstar 2010 ist… MEHRZAD MARASHI“. :-)

    Upps, äh, nanu, wie jetzt, verhört? Nochmal zurückgespult und tatsächlich: Hurra, Mehrzad ist Superstar und Menowin ist es NICHT! Interessant übrigens dessen Reaktion. Er hat schon halb den Arm zur Siegerfaust hochgereckt, als er realisiert, dass er ja gar nicht Mehrzad heißt und dann entgleitet ihm völlig das Gesicht, die Muräne ist wieder da. Während Mehrzad von seinem Vater und anderen Fans auf den Schultern herumgetragen wird, steht Menowin komplett apathisch, ja geradezu traumatisiert am Rand der Bühne und stiert wüst vor sich hin. Wenn Blicke töten könnten, lebte in der Halle jetzt niemand mehr. Offensichtlich war er völlig unerschütterlich davon ausgegangen, dass er den Sieg hundertprozentig in der Tasche hat, immer schon und ganz besonders nach der Lobhudelei der Jury von heute Abend. Auch ich hätte nach der heutigen Show auf Mehrzad keinen Pfifferling mehr gewettet, Gott sei Dank lag ich damit verkehrt.

    Mehrzad ist ähnlich sprachlos wie sein Kontrahent und umarmt diesen sogar zum Trost. Nun öffnen sich bei Menowin die Schleusen, er vergräbt seinen rasierten Kopf im grünen Jackett des neuen Superstars und fängt an zu weinen. Weil er auch keine sinnvollen Antworten mehr ins Mikrofon stammeln kann, wird er dann schließlich von Marco von der Bühne gezogen. Die wird nämlich gebraucht für Mehrzads Wiederholung des Bohlenschen Siegertitels, den man – geschäftstüchtig, wie RTL ist – auch ab sofort downloaden kann. Neinneinnein, auch wenn die das noch hundert Mal spielen, das Lied ist Mist und sollte schleunigst wieder vergessen werden.

    Keine Ahnung, wie Mehrzads Karriere weitergeht. Vermutlich wird das Siegerlied ein kurzer Erfolg, der aber mehr dem Sänger, als dem Komponisten geschuldet sein dürfte. Sicherlich kommt dann in Kürze noch eine CD mit mittleren Verkaufszahlen und erst dann wird sich zeigen, ob Mehrzads Stimme einen hohen Wiedererkennungsfaktor hat, der die Leute zum Öffnen ihrer Portmonees veranlasst. Ich fürchte eher nein, die Stimme ist zwar gut und Mehrzad kann absolut was, ist ein echter Profi, aber unverwechselbar ist die Stimme wohl nicht. Doch drücken wir ihm einfach mal trotzdem die Daumen, verdient hätte er den Erfolg auf jeden Fall.

    Und ich bin etwas versöhnt, dass die Staffel doch nicht so vorhersagbar ausgegangen ist, wie bis gerade eben noch vermutet. Bohlen hat sich offensichtlich verspekuliert und auf das falsche Pferd gesetzt. Übrigens hat man die gesamte Jury seit der Urteilsverkündung nicht mehr gesehen, vielleicht weint sich Dieter ja auch gerade bei Volker aus? Das wäre ein schöner, erheiternder Gedanke zum Ende der Staffel. ;-)

    Ich danke bei dieser Gelegenheit für das große Interesse unserer Blog-Leser und die zumeist netten Kommentare. Mal sehen, wenn sich wieder etwas Geeignetes ergibt, lesen wir uns an dieser Stelle wieder, Müll genug gibt es im Fernsehen jedenfalls…

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  • DSDS (RTL) 11.04.2010 10 Comments

    Oh Mann,

    noch eine Woche und wir wissen endlich, wer Deutschlands Superstar 2010 wird. Soviel ist klar, er ist männlich und sein Vorname beginnt mit “M”. Das ist nämlich Dieter Bohlens Lieblingsbuchstabe, wie auch Mark Medlock und Menderes bestätigen können! An manchen Tagen, so wie heute, gibt es so viele andere, wichtigere Nachrichten als das inszenierte Gerangel dreier ambitionierter Amateursänger um eine nichtswerte Auszeichnung. Insbesondere, weil die Musik, um die es bei DSDS ursprünglich mal ging, mittlerweile völlig an den Rand gedrängt wird von den überbordenden Homestories, die von RTL im Wochentakt über Bohlens Lieblingssprachrohr Bildzeitung in die Welt posaunt werden. Klar, wie gehabt macht die “Bild” damit natürlich ebenfalls ihren Reibach und spielt sich gleichzeitig als Moralinstanz erster Güte auf, echt schizophren!

    Was gab es also diese Woche zu vermelden? Nun, lt. Bild-Online ist die kriminelle Biografie von Menowin noch um einige Facetten bunter, als eh schon vermutet. Mit seinen gerade 22 Jahren hat er bereits mehr als 30 Verfahren am Hals; herausragende Leistungen sind mehrere gefährliche Körperverletzungen. Glückwunsch, RTL, Onkel Dieters Kandidaten sind doch immer eine Klasse für sich, davon sollten sich diese Waschlappen aus den ganzen anderen Casting-Shows erst mal eine Scheibe abschneiden! Lena Meyer-Landgut ist doch in ihrem ganzen behüteten Leben bestimmt noch nicht mal bei Rot über die Ampel gegangen. Bevor die nicht mindestens wegen Schwarzfahrens vor dem Kadi gestanden hat, würde ich mir von der nie eine CD kaufen.

    Was noch? Ach ja, nette schlüpfrige Geschichte zu unserem Schwiegermutterliebling Manuel. Über den gab es in der vorigen Woche so eine komische Meldung, dass er von einem unbekannten männlichen Fan verfolgt würde, aber nicht wisse, warum und er sich deshalb bedroht fühle. In dieser Woche hat der Stalker nun in einem Brief an die Bildzeitung die Hosen runter gelassen – und zwar wörtlich: Demnach sei er kurzzeitig mit Manuel zusammen gewesen und hat als Beweis dafür auch gleich ein paar gemeinsame textilfreie Bettfotos beigelegt. Die Bildzeitung war darüber moralisch so entrüstet, dass sie die Fotos und dazu einen reißerischen Text sofort am nächsten Tag abgedruckt hat. Tja, den Sympathiewert bei den Bravo-Girls und im Bekanntenkreis von Manuels Oma dürfte das wohl nicht erhöht haben, aber wenigstens kriegt seine Homestory jetzt ein wenig Tiefgang, mal sagen.

    Einzig Mehrzad hat außer einer pünktlich zur Mottoshow drohenden Erkältung mal wieder nichts zu melden gehabt. Aber wir werden noch sehen, was sich seine PR-Berater stattdessen überlegt haben…

    Genug der Vorrede, die Show beginnt! Marco Schreyl wurde wieder für ein paar Stunden aus dem Zwinger gelassen und mimt auch beim heutigen Halbfinale den Conférencier. Seine zunehmend arroganten Auftritte sind einer der Gründe, weshalb ich mich auf das Ende der Staffel freue. Heute behauptet er ganz am Anfang der Sendung doch glatt, die 2010er-Staffel von “Deutschland sucht den Superstar” sei ein Novum, denn diesmal gäbe es nicht einen oder zwei, sondern sogar gleich drei Favoriten. Wo war der Typ eigentlich vor zwei Jahren, als die letzten drei Kandidaten Lina Teodosio, Fady Maalouf und Thomas Godoj hießen? Damals hätte rein stimmlich jeder von den dreien siegen können und – das muss ich an dieser Stelle mal ganz subjektiv sagen – die waren ALLE besser und wesentlich sympathischer als sämtliche Teilnehmer der diesjährigen Staffel. Ohne jede Ausnahme! Und von wegen “drei Favoriten”, es zweifelt doch wohl niemand ernsthaft daran, dass der Sieg von Menowin schon seit dem Casting eine abgemachte Sache ist?

    Unter erschreckend frenetischem Beifall des Hallenpublikums betreten die drei Juroren ohne Stimmrecht das Podium: Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller. Freundlicherweise warnt uns Marco bereits an dieser Stelle vor dem heute drohenden Auftritt von Bohlens Sängerknaben Mark Medlock. Damit gibt er uns eine faire Chance, schon mal die Notausgängen zu öffnen und prophylaktisch ein paar Kotztüten bereit zu legen. Wie jedes Jahr, wird es wohl auch diesmal einen Sommer geben und was wäre die warme Jahreszeit ohne einen von Onkel Dieter persönlich handgeklöppelten Sommerhit? Man muss das ja auch mal rein menschlich sehen: Vielleicht trägt Dieters Freundin nun schon seit sechs Wochen die selben Klunker und braucht deshalb von ihrem 30 Jahre älteren Lover dringend mal ein paar neue Brillis für die Disse? Und was wäre zu deren Finanzierung besser geeignet, als ein kräftiger Schluck aus der GEMA-Pulle für ein Lied, dessen Komponist und Produzent Dieter Bohlen heißt, welches in einer Sendung vorgestellt wird, für die er allein schon für seine Anwesenheit extrem dicke Penunze bezieht und das von einem DSDS-eigenen Geschöpf vorgetragen wird, das sich in undurchsichtigen Verträgen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag an ebendiesen Dieter Bohlen verkauft hat… (Ach, tut das gut, das wollte ich mir schon immer mal von der Seele schreiben…)

    Der Oberjuror und Meister des bekannten Universums trägt heute ein weißes Sakko und quittiert die ihm geltenden “Dieter, Dieter”-Sprechchöre mit einem anerkennenden “Jawollo”. Danach erklärt er den mehrheitlich offenbar komplett verblödeten RTL-Zuschauern nochmal genau die Bedeutung des heutigen Halbfinales: “Es geht jetzt darum, wer ins Finale kommt.” Aha, so ist das also, danke für diese wichtige Klarstellung. In diesem Sinne geht es auch gleich weiter, denn Nina wird von Marco gefragt, worauf sie heute besonders achten wird. “Auf den Gesang und die Performance”, lautet ihre doch ziemlich überraschende Antwort. Und darum geht es heute wirklich: Die Halbfinalisten müssen in der Show jeweils drei Titel singen, nämlich einen von einer Boy Group, einen von einem persönlichen Musikhelden (was auch immer das sei) sowie einen Nummer-Eins-Hit.

    Bei ihrem schon traditionellen gemeinsamen ersten Auftritt performen die drei Kandidaten “Love is gone” von David Guetta. Trotz aller gern praktizierten Häme muss ich den dreien aber an dieser Stelle bescheinigen, dass ihr Robot-Dance und der Gesang wirklich professionell wirken, wobei Mehrzad und Manuel noch ein klein bisschen besser sind als Menowin. Und das sage ich nicht nur, weil ich Menowin nicht mag.

    Die Boy-Group-Runde eröffnet Manuel Hoffmann mit “Human” von The Killers. Das war sicherlich zu Recht einer der meistgespielten Hits des letztes Jahres, die Subsummierung dieser genialen Gruppe zu den Boy Bands finde ich allerdings ziemlich abenteuerlich. Manuel macht seine Sache ganz ordentlich, aber seine Performance könnte noch ein wenig lebendiger sein, gerade bei einer solchen Abtanzhymne. Und spätestens seit der letzten Show wissen wir ja auch, dass der Kandidat sich durchaus gut bewegen kann. Dieter spricht von einer grundsoliden Leistung und hofft auf noch mehr Power bei den nächsten beiden Titeln.

    Von Mehrzad Marashi hören wir anschließend den R&B-Titel “End of the Road”, der ursprünglich von Boys II Men eingespielt wurde. Eingedenk der angeblichen Erkältung bringt Mehrzad die Nummer aber ganz gut rüber, wenn auch ohne seine gewohnten Glanzlichter. Die Jury gibt ihm inkl. Krankheitsbonus wieder gute Noten, auch wenn Dieter bei diesem Titel noch ein wenig mehr Gefühl erwartet hätte.

    Nach seinem letztwöchigen Totaldurchhänger (zumindest im ersten Titel) läuft es heute wieder etwas besser für Menowin Fröhlich. Er singt “No Matter what” von Boyzone. Ich habe mir gemeinerweise mal den Spaß gemacht, den Songtext mitzulesen und dabei gemerkt, dass unser Freund mit der speckigen blauen Plastik-Schirmmütze an vielen Stellen frei improvisiert hat. Das Lied ist ja von Hause aus introvertiert, gelinde gesagt, da passen Menowins gelegentlich bei Intrumentaltakten eingeschobenen Kung-Fu-Übungen gar nicht, finde ich. Den mitgebrachten Menowinianern im Saal ist das herzlich egal, sie klatschen und johlen eh aus Prinzip, da hätte ihr Idol auch genauso gut auf der Trillerpfeife blasen können, der Jubel wäre derselbe gewesen. Dieter Bohlen feuert den Trubel dann noch weiter an mit seinem Urteil “Manowin is back” und Nina behauptet gar frech “der Text sitzt”. Schade, das hätte sie besser wissen können (siehe oben), wer lesen kann, ist eben doch im Vorteil.

    Jetzt kommen wir zu den Heroen der Popgeschichte, zumindest nach DSDS-Lesart. Wieder macht Manuel Hoffmann den Anfang. Zuvor dürfen wir aber in einem Einspielfilmchen seinen triumphalen Empfang im heimischen Fachwerknest Braunfels bei Wetzlar miterleben. Hier ist scheinbar der ganze Ort zusammengelaufen, um seinen Superstar einmal live sehen zu dürfen. Man glaubt es kaum, aber trotz aller Kaffigkeit gibt es noch einen anderen (Beinahe-)Weltstar in dieser Stadt: Vanessa Jean Dedmon, Dritte der 2006er-DSDS-Staffel, stammt ebenfalls aus Braunfels. Soweit ich mich erinnere, war das die, die damals ihren Verlobten in den Wind schoss und mit dem späteren Vizegewinner Mike Leon Grosch ein Techtelmechtel anfing, weil das so eine schöne romantische Geschichte für die Einspieler gab. Nach DSDS ging ihre Karriere dann übrigens typisch weiter, nämlich direkt in die Tonne. Zurück zu Manuel, der diesen Teil der Karriere noch vor sich hat. Er darf sich unter dem Gekreische seiner Mitbewohner in das goldene Buch von Braunfels eintragen, was Oma, Mutter und Vater emotional sehr mitzunehmen scheint. Danach wird er im offenen Auto durch den Ort gefahren und abschließend dopt ihn seine Oma mit Grillwürstchen, deren Reste er nachher in seinen DSDS-Knast mitnehmen soll.

    Im zweiten Durchgang singt Manuel den “Englishman in New York” von Sting. Aha, Letzterer ist demnach also ein Held der Popgeschichte. Na gut, das kann man durchgehen lassen. Tatsächlich gibt es diesmal eine kleine Tanzperformance: Manuel trägt als “Engländer” eine rot-karierte Weste, hat einen schwarzen Bowler auf dem Kopf und schwenkt außerdem den für die britischen Inseln immer empfehlenswerten Schirm. So präpariert tanzt er mit einer Formation ähnlich kostümierter Damen auf der Bühne. Gesanglich ist das ebenfalls eine überwiegend gute Performance. Dieter ist heute leider wieder voll auf seinen Alles-für-Menowin-Kurs eingeschwenkt und macht Manuels Titelauswahl nieder. Mit dem Song könne man ja nichts zeigen, der brächte keine Gefühle rüber, er fand die ganze Nummer nicht gut. Oh Mann, Dieter ist ja sowas von berechenbar, das ist wirklich zum Kotzen.

    Auch Mehrzad Marashi hatte in der vergangenen Woche Heimaturlaub. Er macht in Hamburg mit seiner Freundin eine Bootstour und absolviert einen sogenannten Spontanauftritt in seiner ehemaligen Schule, so richtig viel Berichtenswertes ist dabei aber nicht passiert. Er singt heute den fast fünfzig Jahre alten Titel “Runaway” von Del Shannon und tanzt dazu mit einem Haufen Pettycoat-Trägerinnen. Nachher gibt noch drei Gefühlspunkte extra, als Mehrzad erzählt, dass dies das Lieblingslied seines im Vorjahr verunglückten Bruders gewesen sei. Dieter Bohlen hat offenbar inzwischen auch die selbstverständlich völlig souverän agierende Restjury pro Menowin eingeschworen, denn die ganze Bande äußert sich nur mau zu der gerade gehörten Nummer, dabei war die m.E. gar nicht schlecht. Bohlen spricht sogar von Unprofessionalität und bemüht auch wieder sein derzeitiges Lieblingsschimpfwort “Hühnerkacke”. Ich rate mal so ins Blaue: Den nächsten Titel von Menowin finden die drei Clowns wieder herzallerliebst.

    Auch beim Freigang von Menowin Fröhlich war die Kamera dabei. Wir sehen kitschig-romantische Bilder von ihm und seinem getrennt von ihm bei der Ex lebenden Sohn in einem Park und auf dem Spielplatz. Danach ist Familientreffen bei den Menowins, soweit die gerade nicht einsitzen (sagt die “Bild”). Zuletzt dann auch noch Eindrücke von einer Autogrammstunde mit Schulmädchen, die buchstäblich bei ihm am Tisch mit Weinkrämpfen zusammenbrechen, was für seine ohnehin schon ausgeprägte Arroganz mit Sicherheit verheerende Folgen haben dürfte. Menowin singt “You are the Sunshine of my Life” von Stevie Wonder und gibt dabei seinem Affen trotz des eigentlich ruhigen Songs wieder reichlich Zucker. Er zuckt und hüpft in seinem glitzerndem Jäckchen und erinnert mich dabei etwas an den seligen Holger Göpfert aus DSDS 2009. Wenn ich seinen Auftritt in einem Wort charakterisieren sollte, wäre das “Überperformance”. Dass die Jury das anders sieht, ja geradezu euphorisch schwelgt, war vorauszusehen. Und als von Dieter und Nina schon alle Superlative über Menowins dickem Kopf ausgegossen sind, fällt Volker nur noch ein, er fühle sich von dem Lied “total geflasht”, worunter ich mir nichts vorstellen kann. Vielleicht hat er jetzt ‘ne feuchte Hose?

    Dritte und letzte Runde, jetzt kommen die Nummer-Eins-Titel. Manuel Hoffmann greift tief in den Honigtopf und fördert leider Richard Sandersons “Reality” zutage, ein Lied, bei dem Diabetiker lieber weghören sollten, weil es so klebrig-zuckrig daherkommt. Ja, da ist der Junge dann aber doch irgendwie selbst schuld, wenn die Jury ihn dafür fertig macht, das Lied mag doch keiner, oder? Er steht wieder wie vor seinem ersten Rausschmiss recht stocksteif und im eklig-ordentlichen Anzug (genau Dieters Outfit!) vor dem Mikrofon und singt ganz ruhig seinen Song runter. Ciao Manuel, das war es dann wohl. Überraschenderweise sieht die Jury das total anders, gute Songauswahl, prima Outfit, super gesungen, weiter so… Hmmm, glaube trotzdem nicht, dass es für ihn so ins Finale geht.

    Mehrzad Marashis letzter Titel ist “Ich kenne nichts” vom obercoolen Xavier Naidoo. Mehrzad und Xavier, das passt natürlich wie Arsch auf Eimer, das Lied könnte für den DSDS-Kandidaten geschrieben worden sein. Seine Performance ist so gut wie immer, klamottentechnisch auch keine Überraschung (Stichwort schwarzer Lederhut), aber da passiert es, er holt seine Anti-Menowin-Geheimwaffe raus: Nach den letzten Tönen geht Mehrzad mit dem Mikrofon zu seiner Freundin Denise und fragt sie für die gesamte Halle hörbar, ob sie seine Frau werden wolle. Als er dann auch noch den passenden Verlobungsring dazu aus der Tasche holt und ihr ansteckt, ist die Gute hin und weg und sagt offenbar ja. Allgemeine Begeisterung, das ist Romantik pur, selbst der zweimal verheiratete (und geschiedene) Dieter hat bestimmt Tränen in den Augen. Genialer Coup, vielleicht bringt das ein paar Prozente gegen den Knastologen. Und zu dem gerade gehörten Song gibt es von der Jury dann auch nur noch Bestnoten.

    Mit “I swear” von All-4-One lässt Menowin Fröhlich den Abend ausklingen. Auch bei diesem Titel genehmigt er sich wieder einige textliche Freiheiten, wie ich beim Mitlesen des Originaltexts feststellen konnte. Dieter lässt alle Hemmungen fallen, lobt Menowin über den grünen Klee und dann platzt es aus ihm heraus: “Du hast heute dreimal titanisch abgeliefert, dreimal Volltreffer. Die ganzen Geschichten aus Deiner Vergangenheit, da scheiß’ ich drauf, hier geht es nur darum, was Du auf dieser Bühne ablieferst. Das war heute dreimal mega-hammer-geil.”, fasst er den Abend für Menowin in Straßendeutsch zusammen. Besser kann man gar nicht illustrieren, dass DSDS im Endeffekt ausschließlich mit den konkreten wirtschaftlichen Interessen eines Herrn Bohlen zu tun hat und mit sonst gar nichts. Der Oberjuror hat fetteste Dollarzeichen im Auge, ihn interessieren nur Vermarktbarkeit und Kommerzialität der Sänger, nicht deren Musikalität oder Kreativität. Dieter, das muss mal wieder gesagt werden, ist kein Künstler, sondern ein geldgeiler Kaufmann. Und der ganze Wettbewerb “Deutschland sucht den Superstar” ist aus seiner Perspektive gesehen lediglich eine Akquise-Veranstaltung riesigsten Ausmaßes mit dem Ziel, seinen Reichtum zu mehren, so sehe ich das jedenfalls.

    In diesem Sinne ist auch der nun folgende Auftritt von Mark Medlock mit “Real Love” zu verstehen, Dieter will fettestmöglich absahnen und platziert daher in seiner Sendung seinen Superstar mit seinem Lied. Das ist eine echte Win-Win-Win-Situation, wobei alle Beteiligten Dieter Bohlen heißen und in Tötensen wohnen. Der Medlock kann einem fast Leid tun, dass er schon wieder mit so einem merkwürdigen Bohlen-Song auftreten muss, aber der will das ja nicht anders. Er schubbert sich im weißen Anzug auf die Bühne, sieht dabei wie immer etwas verhungert aus und chronisch ungesund sonnengebräunt. Musikalisch ist das wieder Fließbandware, Bohlen verbraucht schon im Intro alle seine drei Akkorde, dazu eine Prise spanisch klingende Gitarren (wegen Sommerhit) und ein paar geflüsterte Stimmen in fremden Sprachen. Jetzt kommt Medlocks Einsatz, der gleich mit einem epochalen, elektronisch verfremdeten Refrain startet: “Nananananananananananananaaaaaaa, real Love”. Der Rest ist auch nicht viel besser und stammt wohl aus der üblichen Bohlenschen Streusandtextbüchse, z.B. Heart, Love, burning Desire usw. Eigentlich müsste dieser Auftritt eine Warnung an alle DSDS-Teilnehmer sein, was dabei herauskommt, wenn man die Sache mit dem Superstar wirklich Ernst nimmt. Grässliches Lied, aber Bohlen klatscht selbstredend begeistert, was seine sämtlichen Kritiken an anderen Künstlern natürlich relativiert. Hinterher fraternisiert Medlock noch mit Menowin (“bin stolz auf Dich”) und veranlasst mich damit endgültig, alle seine Titel auf meinem Rechner zu löschen… Das ist natürlich nur so hypothetisch dahingesagt, denn Medlock-MP3s hätte mein Virenscanner längst als Bedrohung erkannt und gefressen!

    Zeitsprung dank Festplattenrekorder, ich erspare mir die Untiefen des bösen deutschen Humors und die endlose Schreylsche Kandidatenfolter und blende mich direkt ein in die Urteilsverkündung. Wie wohl nicht anders zu erwarten, fliegt Manuel Hoffmann nun zum zweiten und letzten Mal raus, der Weg ist frei für das epische Finale zwischen Menowin und Mehrzad am nächsten Sonnabend. Ich kann beim besten Willen nicht sagen, dass ich mich darauf freue oder gar gespannt bin, mit welchem Abstand Menowin gewinnt. Dieter hat diesmal schon frühzeitig die Spannung gekillt und seine Voreingenommenheit für einen Kandidaten offen zur Schau gestellt. So macht ein Wettbewerb keinen Spaß.

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  • DSDS (RTL) 04.04.2010 4 Comments

    Vorweg eine Warnung!

    Leute, denen vom Arzt jede Aufregung verboten wurde, sollten die heutige Sendung  lieber nicht gesehen haben!!! RTL hat sich diesmal im Vorfeld nämlich jede Menge Dramatik einfallen lassen, um dem bislang eher gemächlich dahinplätschernden DSDS-Bächlein ein paar kräftige Stromschnellen zu verpassen. Ganz Deutschland, jedenfalls der Teil, der Bohlens Hofpostille “Bild” liest, ist in schwerster Sorge um Menowin Fröhlich. Dieters Hätschelkind ist nämlich angeblich seit Dienstag bis auf weiteres spurlos verschwunden. Bereits einige Tage zuvor hat er sich mit den DSDS-Mitbewerbern schwer gefetzt, was man beim genaueren Hinsehen wohl schon am letzten Samstag bei der Top-5-Show hätte sehen können, behauptet “Bild”.

    Nicht, dass plötzliches Verschwinden für Ex-Knacki Menowin besonders ungewöhnlich wäre, davon können z.B. die Justizbehörden und seine Ex-Cousine, Pardon Ex-Freundin ein Liedchen singen. Aber für “Deutschland sucht den Superstar” ist es schon ein Novum, dass einer der Top-Kandidaten sich im Vorfeld einer live übertragenen Mottoshow ohne Ankündigung verkrümelt, an keiner Probe teilnimmt und es unsicher ist, ob er überhaupt rechtzeitig zurückkommt. Sagt zumindest die “Bild” und die weiß ja eigentlich immer alles am besten, manchmal sogar besser als die Beteiligten selbst.

    Wie dem auch sei, jedenfalls klebt Fernsehdeutschland heute Abend mit Spannung vor der Glotze und wartet darauf, wie viele und welche Kandidaten zur Sendung erschienen sind. Nachdem der von Mal zu Mal nerviger werdende Moderatorenimitator Marco Schreyl seiner Profilneurose wieder ordentlich Zucker gegeben und sich wegen Ostern als “Eiermann” aufgespielt hat, der uns “seine” Sendung quasi als Ostergeschenk kredenzt, kommt die Jury auf die Bühne. Jau, die sind noch vollzählig: Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller, wobei die letzten beiden eigentlich nur am Tisch sitzen, damit uns Dieter sich nicht so langweilt.

    Dann werden die Kandidaten angesagt und ei der Daus: die Bande ist vollzählig angetreten, auch der vermeintlich auf der Flucht befindliche Menowin gibt sich die Ehre. Schon bei der Nennung seines Namens entringt sich einem Großteil der Zuschauerinnen ein Schrei der  Verzückung. Offenbar steht die Damenwelt auf Bad Guys à la Menowin – verstehe einer die Frauen… Die Top 4 singen gemeinsam “Crying at the Discotheque” von Alcazar. Dass Menowin das Stück angeblich nicht geprobt hat, ist weder zu sehen noch zu hören. Er tanzt die Choreografie ganz normal mit und bringt seine Einsätze scheinbar fehlerlos. Vermutlich ist die ganze Story mit seinem temporären Verschwinden also wirklich nur ein großer Bluff, um den Zuschauern ein wenig Action und Suspense zu liefern. Menowin, der Freiheitskämpfer, der sich nicht den DSDS-Regeln unterwirft, der unberechenbare Knastologe, den vermeintlich nicht mal Onkel Dieter so richtig zähmen kann, das lässt sich gut vermarkten. Armer Mehrzad, mit seiner Amöbenstory in der Bildzeitung (wo sonst?) über den einkassierten Führerschein stinkt er dagegen erbärmlich ab, Normalität ist bei RTL eben Langeweile.

    Das Motto des heutigen Abends lautet “alt gegen neu” und steht für die Megaidee, dass die Kandidaten in der ersten Runde alle einen aktuellen Titel und in der zweiten Runde einen Oldie singen müssen. Den Anfang macht diesmal Manuel Hoffmann. In seinem Einspieler wird mangels anderer Ereignisse zunächst ein weiteres Mal der Umstand beleuchtet, dass der angehende Kindergärtner mit der unklaren sexuellen Orientierung ursprünglich in der Top-6-Show rausgeflogen, dann aber einen Tag später als Ersatz für den in Ungnade gefallenen Helmut Orosz wieder in den Wettbewerb zurückgerufen worden war. Die eigentliche Überraschung kam dann eigentlich erst in der letzten Show, als Manuel nicht sofort wieder rausgewählt wurde und stattdessen der vermeintlich populärere Checker Thomas Karaoglu gehen musste. Um die restlichen Minuten des Einspielfilmchens zu füllen, hat RTL Manuel dann auf den Nürburgring verschleppt und lässt ihn als Beifahrer ein paar schnelle Runden drehen, was ihm sichtlich Spaß macht.

    Manuel singt “Chasing Cars” von Snow Patrol und treibt dabei seine aus den vorhergehenden Shows schon bekannte Mikro-Choreografie auf die Spitze, denn während der ersten und letzten Strophe liegt er rücklings im Dämmerlicht auf der Bühne, auch dazwischen dürfte sein Puls kaum über 60 hinausgegangen sein. Hier und da verrutscht ein Ton, aber im Vergleich zu seinen Geschlechtsgenossen wirkt Manuel sehr natürlich und unprätentiös. Die Jury feiert ihn überschwänglich, er steigere sich mit jeder Show und habe heute ein”absolutes Überraschungsei” gelegt.

    Kim Debkowski versucht über die Mitleidsschiene zu punkten, sie hat sich nämlich trotz eitriger Angina (Bildzeitung) in die Sendung geschleppt – ein Sonderapplaus der ganzen Halle ist ihr Lohn. In ihrem Einspieler beantwortet sie einige der wohl zahllosen für sie eingegangenen Zuschriften von Leuten, die noch unbedarfter sind als sie. Wer würde sich sonst Lebenshilfe von einer 17jährigen holen, die mehr Zeit vor dem Schminkspiegel als in der Schule verbringt?

    Mit dem teilweise gerapten “Evacuate the Dancefloor” von Cascada tritt Kim heute in der ersten Runde an. Sie trägt wie immer ausgefallene Klamotten, nämlich die glitzernde Diskoversion des “kleinen Schwarzen” inkl. passender Leggins, dazu eine ebensolche schwarze Gesichtsmaske. Hatte ich schon erwähnt, dass sie heute mit einer aufgeplusterten Riesenmähne im Afrolook herumläuft? Kims gelungene Verkleidung und ihr beispielhafter Fleiß werden von der Jury gelobt, allerdings gibt es bei Dieter einen kleinen Wermutstropfen: “Wenn nur die Scheiß-Stimme nicht wäre”, resümiert er unter den gellenden Pfiffen ihrer Anhänger… Übrigens grüßt Kim hinterher noch den im Publikum sitzenden Benny Kieckhäben, einen Veteranen der letzten Staffel. Damals hatte er die Rolle als Paradiesvogel inne, die in diesem Jahr eben Kim zufällt.

    Nach der ersten Werbepause kommt nun – mal wieder an einer hinteren Position – der Liebling der Massen, zumindest was die Gröhllautstärke seiner Fans angeht: Menowin Fröhlich stellt im Einspieler klar, dass es natürlich gar keinen richtigen Streit mit den anderen Kandidaten gab und er selbstverständlich auch Kritik vertrage. Allerdings gäbe es dazu kaum Anlass, denn die letzten Wochen hätten immer wieder bewiesen, dass Deutschland ihn “geil” fände. Offenbar hat er sich mental schon völlig auf den Titelgewinn eingestellt. Allerdings rechtfertigt sein heutiger erster Auftritt mit Milows “Ayo Technology” meines Erachtens keineswegs die Hoffnung auf den Titelgewinn und nährt sogar Zweifel, ob der Kandidat überhaupt zu Recht unter den Top 4 ist. Die Nummer wirkt tatsächlich völlig ungeprobt und Menowin brabbelt sich in den leiseren Passagen der ersten Hälfte kilometerweise unverständlichen Text in den Bart. Entweder ist das alles zu schnell und deswegen versteht man nichts oder er hat – mal wieder – den korrekten Text vergessen und improvisiert über weiter Strecken mit spontan erfundenen Vokabeln, was dann in sich schon eine bewundernswerte Leistung wäre.

    Menowins Anhänger scheinen davon völlig unbeeindruckt und johlen und kreischen während der gesamten Nummer. Offenbar hat bei denen schon so eine Art Entkopplung stattgefunden, der Kandidat wird nicht wegen seiner musikalischen Leistung, sondern tatsächlich nur aufgrund seiner (von RTL aufgebauten) Persönlichkeit unterstützt. Der greifbare Triumph einer im Leben ansonsten eher gescheiterten Figur wie Menowin ist einfach eine tolle Geschichte, die vielleicht auch vielen anderen Losern Hoffnung macht. Das ist so ein bisschen wie damals bei der ersten Big-Brother-Staffel die unerklärliche kurzzeitige Idolisierung von Zlatko, einem Typen von derart überschaubarem Intellekt, dass man ihn nicht mal allein zum Einholen schicken würde. Der wurde zum Messias für alle, die noch beschränkter waren, als er selbst.

    Die Jury, auch Papa Bohlen, ist sich einig: Das gerade gehörte Lied war eine Katastrophe, der Text nur als Buchstabensuppe zu gebrauchen und es fehlte jegliches Gefühl. Menowin habe großes Talent, trete das aber momentan mit Füßen. Seine fanatisierten Anhänger buhen und pfeifen bei jedem kritischen Wort so laut, dass die Jury akustisch kaum noch durchkommt. Wie gesagt, die Leute ticken irgendwie schon nach anderen Maßstäben, die zwar viel mit der RTL-Superstar-Vermarktung, aber nichts mit Musik zu tun haben.

    Die “rote Laterne” trägt heute Mehrzad Marashi, den wir im Einspieler als respektvollen Samurai-Schwertkämpfer erleben dürfen. Menowins renitente Fans zeigen, wes Geistes Kind sie sind und buhen schon vor dem ersten Ton von Gnarls Barkleys “Crazy” um die Wette, die Ignoranten. Aber Mehrzad zieht sein Ding durch und liefert die von ihm gewohnte Qualität ab. Passend zum Titel hantieren die Tänzer auf der Bühne mit Zwangsjacken, vielleicht sollte man die hinterher für die schlimmsten Menowin-Fans reservieren, die sich zwischendurch immer wieder lautstark mit “Meno”-Sprechchören bemerkbar machen. Die Jury lobt Mehrzad für seine Beständigkeit und sein Durchhaltevermögen trotz der lauten Meno-Fans. Dieter rät ihm, doch lieber mal wieder eine langsame Nummer zu singen, das könne er noch besser.

    Zweite Runde, nun kommen die Oldies dran. Manuel Hoffmann bringt eine gut gesungene Version von “A Walk in the Park” von der Nick Straker Band. Was aber alle im Saal umhaut, ist die Choreografie: Manuel läuft auf der Bühne buchständlich während des ganzen Titels, links und rechts je eine joggende Tänzerin im bunten Trainingsanzug. Zum Refrain joggen sie dann immer zu dritt völlig synchron, das sieht einfach tierisch witzig aus. Der Junge hat ganz offensichtlich Spaß an dem, was er macht und kann gleichzeitig über sich lachen. Zwei Dinge, die insbesondere Menowin völlig abzugehen scheinen. Die Jury fühlt sich allerbestens unterhalten, erkennt Manuel nicht wieder und gratuliert ihm zu der explosionsartigen, positiven Entwicklung. Dieter erklärt “Chasing Cars” von vorhin gar nachträglich noch zum besten Act der ersten Runde. Was will man mehr? Vor allem am Ende nicht rausfliegen!

    Mit schlimmer Diskomucke aus den 70ern, einem echten Sündenfall schlechten Geschmacks, kommt jetzt noch mal Kim Debkowski. Sie hat aus Opas Plattenregal “Yes Sir, I can Boogie” des weitgehend talentfreien Duos Baccara exhumiert. Die konnten damals nämlich nicht nur schlecht singen und tanzen, sondern sprachen darüber hinaus im wahren Leben auch kein Englisch, was man jedem einzelnen Wort des englischen Textes anhört. Die somit extrem niedrigen Standards erfüllt Kim bei weitem und die Jury ist wirklich zufrieden mit der kleinen Dame. Kims Outfit muss hier noch gewürdigt werden, auch wenn es sich verbal kaum beschreiben lässt: Irgendwas zwischen Blumenmädchen und Eisverkäuferin, weißer Riesenhut mit Krempe, weiße Overknee-Stiefel, dazwischen ein schwarz-weißes Kleid, das oben am Hals in einem asymmetrischen Wellenmuster ausläuft.

    Die zweite Nummer von Menowin Fröhlich ist “Celebration” von Kool and the Gang. Diesmal läuft es besser für den sichtlich kämpfenden Kandidaten, auch wenn er am Anfang mal wieder den Text durcheinander wirbelt. Die Choreografie sieht allerdings mehr nach Aerobic als nach Tanzen aus. Begünstigt durch seine kurzen Beine, legt Menowin ein irres Tempo hin, gerät dabei schnell außer Atem und kriegt dann wieder diesen völlig humorlosen, etwas brutal wirkenden Blick, der sagt: “Komm’ mir nur nicht in die Quere, sonst wird das für Dich böse enden!” Die Jury ist einigermaßen zufrieden (Nina Eichinger: “Besser wie die erste Nummer.” [sic!]), beklagt aber die mangelnde Vorhersagbarkeit der Menowinschen Leistungen. Dieter macht auf Understatement: “Vielleicht geben Dir die Menschen ja noch eine Chance.” – als wenn die Rauswahl von Menowin eine reale Gefahr wäre…

    Als letzten Song des Abends hören wir nun den Schmachtfetzen “Unchained Melody” der Righteous Brothers, genial vorgetragen von Mehrzad Marashi, natürlich mal wieder mit seinem Markenzeichen, dem Hut. Bei der schwierigen Ballade stimmt aber wirklich jeder Ton, das könnte von den verbliebenen Kandidaten garantiert kein anderer singen. Die Jury ist hin und weg und lobt Mehrzads Talent über den grünen Klee.

    Das war es, nun haben die Zuschauer wieder das Sagen. Ob das angesichts des realitätsfernen Hype um Menowin eine gute Entscheidung wird, sei dahingestellt.

    Nach mehr als einer Stunde mit “Blöden Mädchen” und ähnlichem Kokolores naht der Moment der Wahrheit. Sofort weiter in die Top-3-Show kommen Mehrzad und (bedauerlicherweise) auch Menowin, der sofort kämpferisch die Faust zum Siegeszeichen ballt. Nein, das hat er heute absolut nicht verdient, er war heute wohl eher der schwächste Kandidat, aber wie gesagt: Darum geht es bei DSDS schon lange nicht mehr. Im abschließenden Duell zwischen Manuel und Kim zieht die letzte Frau im Wettbewerb den Kürzeren: Kim Debkowski ist raus! Kleine Pause, Helm ab zum Gebet. Sie wird uns fehlen, denn eines kann man ihr nicht absprechen: Sie hat Farbe in die Sendung gebracht, sehr viel Farbe. Fast zu viel.

    Eine weitere Erkenntnis bringt der heutige Abend: Der so lieb und harmlos wirkende, mehrfach totgesagte Manuel ist in Wirklichkeit ein Killer. Mit seiner impertinenten Gabe zum berechtigten Überleben des Telefonvoting zieht er eine Spur der Verwüstung durch das Lager ursprünglicher Favoriten. Nelson, Ines, Helmut, Thomas, Kim, wer nennt die Namen? Wenn es einen Titel gäbe für die größte Leistungssteigerung zwischen Casting und Mottoshows, für den Superstar der Herzen, ihm wäre er sicher. Leider tickt DSDS aber anders… :-(

    Für die Vorhersage, wer am nächsten Sonnabend gehen muss, braucht man kein Prophet zu sein, das wird unter Garantie Manuel werden. Danach steigt dann das epische, welterschütternde Finale zwischen dem coolen Könner Mehrzad und dem verbissenen Kämpfer Menowin. Hauptsache, alle Menowin-Gegner halten dann zusammen und rufen für Mehrzad an. Menowin als Superstar, das wäre echt ein Armutszeugnis für diese ohnehin langweilige und musikalisch grundsätzlich dürftige Staffel. Vielleicht sollte Onkel Dieter danach mal fünf Jahre Pause machen, damit ein paar neue Talente nachwachsen können (und ein paar andere nervige Pfeifen endlich die DSDS-Altersgrenze überschreiten)!

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  • DSDS (RTL) 28.03.2010 3 Comments

    Meine Güte,

    was für eine Woche! Letzten Sonnabend hatte ich an dieser Stelle noch an Helmut Orosz fehlender Homestory herumgemäkelt und schwuppdiwupp liefert er auf einen Schlag gleich soviel, dass es ihn aus der Sendung haut!!! Wie ja mittlerweile allgemein bekannt sein dürfte, hat die stets auf moralische Sauberkeit bedachte Bildzeitung Filmaufnahmen herbeigeschafft und veröffentlicht, die Helmut beim gemeinschaftlichen Koksen mit einem Kumpel auf dem Klo zeigen. Dass er außerdem auch noch – wie Menowin – eine Knastvergangenheit hat, kam dabei gleich mit ans mediale Tageslicht. Nachdem Helmut ja von Dieter Bohlen am letzten Sonnabend wegen diverser Textvergehen und Zweifeln an seiner Einstellung eh schon eine tiefgelbe Karte gezeigt bekam, hat dies das Fass völlig zum Überlaufen gebracht: RTL hat Helmut ein Freiflugticket (einfach) in die Erdumlaufbahn spendiert, d.h. ihn mit sofortiger Wirkung aus dem DSDS-Wettbewerb geworfen. Lt. Bildzeitung arbeitet er inzwischen wieder als Zeitungswerber und geht demnächst in stationäre Therapie. Also das nenne ich eine Bauchlandung!!! Und das schlimmste (für ihn, nicht für uns): Anders als Menowin, kann “Helle” es als geläuterter Ex-Sünder im nächsten Jahr nicht noch einmal bei DSDS versuchen, denn er hat dann definitiv die Altersgrenze von 30 Jahren überschritten!

    Für die plötzlich vakante Planstelle als Kandidat Nr. 5 hat man Manuel Hoffmann zurückgeholt, der eigentlich in der letzten Mottoshow regulär ausgeschieden war. Aber auch wenn dessen coachende Oma jetzt Überstunden schiebt, wird das vermutlich nur ein kurzes Gastspiel, denn “Helles” verwaiste Anhängerschaft orientiert sich bestimmt vor allem in Richtung Spaßfraktion, die ja am ehesten noch von Thomas Karaoglu bedient wird. Apropos “Checker”: Komisch, dass der als Zimmergenosse nichts von Helmuts Drogensucht mitbekommen hat… ;-)

    Doppeltes Pech für Helmut, das Thema der heutigen sechsten Mottoshow hätte ihm garantiert gelegen: “Ballermann gegen Balladen”. Nach unerklärlich frenetischem Beifall der Halle für die Jury aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller kommen die letzten fünf von fünfunddreißigtausend DSDS-Kandidaten auf die Bühne. Standesgemäß trällern sie zum Einzug gemeinsam “Hey Baby (Uhhh, ahhh!)” von DJ Ötzi, einen Song, für dessen schmerzfreien Genuss man mindestens einen Liter Sangria intus haben sollte. Habe ich nicht, deswegen tut das Lied auch echt weh im Ohr. DJ Ötzi, dem Namen nach wohl ein Nachfahre der berühmten Gletscherleiche, steht übrigens auf meiner persönlichen “Geht-gar-nicht-Liste” und deswegen haben seine MP3s Hausverbot auf meinem Rechner. Jaja, ich weiß, auf der Liste stehen schon viele Songs und Interpreten, z.B. das Gesamtwerk der Scorpions und “I just called” von Stevie Wonder. Sorry, aber ich bin in dieser Hinsicht wohl etwas verzogen… Egal, jedenfalls kann man schon bei diesem ersten Auftritt erkennen, wer die beknackteste motivierteste Fanbasis hat: Menowin muss nur die vermutlich tätowierten Augenbrauen hochziehen und sofort kreischt der halbe Saal vor Verzückung; nicht mal Thomas Bemühungen als sonnenbebrillter Shouter zeitigen ähnliche Erfolge. Und von Manuel wollen wir gar nicht reden, der offenbar in der Eile seit letztem Sonntag noch keine neuen Bühnenklamotten gefunden hat und sich auch ansonsten zahm gibt, wie ein Zivi bei der Animation der Sitztanzgruppe im Altersheim.

    Kurze filmische Rückblende auf andere DSDS-Ereignisse dieser Woche: RTL hatte versucht, die Top-5-Kandidaten auf einer Art Open-Air mitten in einer ungenannten Ruhrgebietsstadt zu präsentieren. Man sieht dramatische Bilder von wild kreischenden Teeniehorden in engen Straßenschluchten, die sich an Absperrgitter drücken und von hektischen Ordnern daran gehindert werden müssen, zu den “Stars” durchzubrechen. Für letztere ist das natürlich auch ein gefährlicher Moment, denn wenn das selbstverliebte Ego ohnehin nur einen Fingerbreit vom Größenwahn entfernt ist, kann der Anblick johlender Massen verheerende Folgen haben. Leider muss der so sorgsam inszenierte Event nach den ersten Kreislaufkollapsen abgebrochen werden. Die Kandidaten heucheln Bedauern, genießen aber ganz offensichtlich ihren temporären Ruhm und weiden sich beim Wegfahren am Anblick der ihretwegen die Schule schwänzenden Fünftklässlerinnen.

    Auch heute (Déjà-vu???) macht Thomas Karaoglan den Anfang mit seinem Ballermann-Liedchen “Das geht ab!” von Frauenarzt und Manny Marc… Frauenarzt? Was für ein bekloppter Name für einen Künstler, ob es wohl auch einen DJ Proktologe oder Lady Fleischwarenfachverkäuferin gibt? Zwar liefert der kleine Checker kostümmäßig eine sehr bunte Vorstellung, mehr Farben gehen rein physikalisch gar nicht mehr, musikalisch ist sein Sprechgesang hingegen nur Rohkost, was aber nicht an ihm liegt, sondern an dem dürftigen Song. “Bis jetzt bist Du der beste”, witzelt Dieter hinterher, lobt ihn aber ansonsten auch tatsächlich, der Song sei absolut passend für ihn gewesen. Stimmt, finde ich auch, der Song ist genau so gut wie der Checker. ;-)

    Manuel Hoffmann füllt die von Helmut Orosz selbst verschuldete Lücke und reflektiert im Einspieler etwas über die Umstände seines Ausscheidens am letzten Sonnabend. Gäääähn! Sein Titel “Ein Stern, der Deinen Namen trägt” (schon wieder DJ Ötzi) passt zu ihm wie ein Bach-Oratorium zu Dieter Bohlen, nämlich gar nicht. Man sieht Manuel direkt an, wie unbehaglich er sich mit Ballermannmucke fühlt, die an intellektueller Schlichtheit kaum noch zu unterbieten ist. Dazu passt auch, dass sein Bühnenoutfit (rot-oranger Sweater, weiße Jeans) von Ferne eher an einen Rettungssanitäter als einen mallorcinischen Stimmungsmacher erinnert. Die Jury honoriert seine Bemühungen, er habe ganz ordentlich gesungen, aber die Power für solche Art von Songs fehle ganz klar. Man hofft für ihn auf die zweite, die Balladen-Runde.

    Für Kim Debkowski kann man nur hoffen, dass sie eine gute Haftpflichtversicherung hat, denn sollte sie mal voll geschminkt vom Regen überrascht werden, dürfte nachher eine gründliche Bürgersteigreinigung fällig sein! Die letzte verbliebene weibliche Kandidatin zeigt heute in ihrer wöchentlichen Einspieler-Kolumne “Kim Gloss”, wie man mit rosa Filz, Klebstoff und Glitzersteinchen eine Top-gestylte Handytasche bastelt. Von ähnlich epochaler Bedeutung ist ihr Titel “Du hast mich tausend Mal belogen” von Andrea Berg, der singenden Ex-Krankenschwester. Ihr (also Kims) Bühnenoutfit besticht diesmal vor allem durch goldenen Halsschmuck und eine irrsinnig lange Tülle auf ihrem Kopf, durch die sie ihre schwarzen Haare (oder doch eine Perücke?) gezogen hat, was ihr etwas Zirkuspferdhaftes gibt. Der nicht immer sicher intonierte Gesang steht wie gewohnt etwas im Schatten ihres Kostüms, doch Dieter ist voll des Lobes, die Schlagernummer nähme er Kim zu seinem eigenen Erstaunen voll ab, sieht sie gar als deutsche Lady Gaga.

    Die strategisch wichtigen letzten Auftritte jeder Mottoshow gehören traditionell Dieters beiden Lieblingen Mehrzad und Manowin. Der Einspieler berichtet von einem eigentlich gar nicht berichtenswerten Kurzauftritt von Mehrzad Marashi und dem seligen Helmut bei einer RTL-Fernsehproduktion, bei der sie auch singen durften. Der wie immer dunkel und mit schwarzem Lackhut gewandete Mehrzad bringt uns heute eine täuschend ähnliche Kopie von Shaggys “Mr. Boombastic” mit. Gott, wenn man den Titel mag, war das wohl ein guter Auftritt, ob er zum Thema passt, sei dahingestellt. Dieter wittert Gefahr für seinen Top-Favoriten Menowin und pöbelt deswegen genüsslich gegen Shaggy, den angeblich “schlechtesten Sänger des Sonnensystems” (Ey, was ist mit Menderes?!?) und fragt öffentlich, wieso sich Mehrzad als anerkannt guter Sänger heute ausgerechnet eine Nummer mit reinem Sprechgesang (“Hühnerkacke”) ausgesucht hat?

    Das Ende der ersten Runde markiert – wie so oft – Menowin Fröhlich. Das hat sich Onkel Dieter schön ausgedacht, denn damit tritt sein Lieblingskandidat immer unmittelbar vor dem Beginn der Anrufphase auf, was bei Zuschauern mit eingeschränkter Gedächtnisleistung durchaus von Vorteil sein kann. (Wer’s nicht glaubt: Die ARD durfte sich als wichtigster Finanzier des Eurovision Song Contest für Ausdruckstänzerin Lena, den deutschen Beitrag in Oslo, selbst eine Startposition aussuchen und hat dafür die Nummer 22 von 25 genommen, weil die nämlich so schön weit hinten liegt.) Auch ansonsten verfügt Menowin lt. Einspieler über unbedingten Siegeswillen: “Ich werde mir den Titel nicht stehlen lassen”, sagte er dazu, dass Mehrzad von der Jury zum Tagessieger der letzten Show ernannt worden war. Aha, der Superstar-Titel gehört ihm also eigentlich schon, nette Einstellung.

    Vielleicht gibt er sich wegen des bereits sicheren Titelgewinns nicht mehr so viel Mühe, ich finde Menowin heute Abend mit “What is Love” von Haddaway jedenfalls ungewohnt schwach. Abgesehen davon, dass ich nicht verstehe, was das Ganze überhaupt mit dem Motto “Ballermann” zu tun haben soll, kommt der Text hier und da etwas verhuscht und die Töne sind zum Teil nicht hundertprozentig richtig. Am nervigsten ist aber eine neue Geste in Menowins normalerweise perfekter Choreografie, so eine Art “unsichtbares Apfelpflücken”, ein Griff hoch in die Luft. Sieht einfach irgendwie doof aus. Aber Wurscht, wie ein Normalsterblicher das findet, für Dieter ist der Auftritt eine Offenbarung, Menowin sei im ersten Durchgang ganz klar der beste Kandidat gewesen. Mann, ich kann gar nicht sagen, wie wenig mich das überrascht. Dagegen ist die Tatsache, dass Heiligabend dieses Jahr auf den 24. Dezember fällt, ja geradezu eine Sensation. Nina spielt mit ihrem Leben, als sie unter den Buhrufen der halben Halle Menowins übliche Textfehler zur Sprache bringt, die er in anderen Shows “weggepowert” habe, was ihm heute aber nicht gelungen sei. Volker erhebt ähnliche Vorwürfe, droht sogar etwas (“glaub’ nicht, dass Dir hier was geschenkt wird”) und katapultiert sich damit ebenfalls aus dem Kreis der zivilisierten DSDS-Menschheit. Dieter starrt derweil düster vor sich hin und formuliert wahrscheinlich im Kopf schon zwei Kündigungsschreiben…

    Heute können die Zuschauer bereits nach dem Ende des ersten Durchlaufs anrufen, RTL hat nämlich herausgefunden, dass so noch mehr Geld zu verdienen ist. Und da sich die Leute vermutlich ohnehin nur an einer möglichst kruden Homestory und nicht an gezeigten Leistungen der Kandidaten orientieren, sind deren Liedchen im Grunde genommen sowieso egal. Insofern ist die vorzeitige Eröffnung des Televoting nur konsequent.

    Der zweite Durchlauf unter dem Motto “gefühlsechte Balladen” beginnt wieder mit Thomas Karaoglan und seinem “Stand by me” von Ben E. King. Diesmal steht er adrett gescheitelt im Konfirmationsanzug vor einem Retromikrofon und singt artig seine Zeilen, während es seinen Fanblock (Marco Schreyl: “klein und aggressiv, wie der Checker”) nicht auf den Sitzen hält. Die Zeit eines kurzen Instrumentalparts nutzt Karaoke-Tom, der Bonsai-Gentleman, um nach vorn zum Jury-Tisch zu gehen und Nina formvollendet einen Handkuss zu geben. Die Jury ist denn auch begeistert, toller Auftritt, Superklasse.

    Ein fieser, aber zutreffender Spruch lautet “Der Tod sucht seinen Grund”. Dass Manuel Hoffmann heute vermutlich ausscheiden wird, steht bereits seit letztem Sonntag fest, denn er profitiert vom Abgang des Partykönigs Helmut, was ihm die undankbare Rolle des DSDS-Prügelknaben beschert. “Sorry seems to be the hardest Word” von Elton John, das man übrigens auch als Cover-Version von Blue kennt, dürfte in diesem Wettbewerb wohl endgültig sein letztes Lied werden – es sei denn, die Bildreporter finden auch gegen andere Kandidaten noch Indizien, so dass Manuel nochmal nachrutscht. Dabei ist das von der musikalischen Leistung her nicht berechtigt, die ruhige Ballade liegt dem angehenden Kindergärtner nämlich erkennbar besser als DJ Öff-Öffs Deppenhymne aus der ersten Runde. Seine Bühnenshow beschränkt sich im Grunde genommen auf das Tragen einer glänzenden, Bademantel-ähnlichen Jacke mit aufgedrucktem Union Jack – wohl als Reminiszenz an den von der britischen Queen geadelten Sir Elton. Dieter macht auf konziliant: “Wenn es heute Abend für Dich nicht weitergehen sollte, hast Du Dich wenigstens mit einer Supernummer verabschiedet!”

    Kim Debkowski hat sich als Ballade “Almost Lover” von A Fine Frenzy ausgesucht. Sie sitzt mit einem Tüllschleier und einem blauen Quallen-ähnlichen Dingsbums auf dem Kopf auf einem roten Armsessel mitten auf der Bühne. Ein paar gute Töne sind dabei, aber ein ganzer Haufen geht auch ziemlich daneben, eigentlich zu viele für eine Top-5-Show, aber Kim hat ja den Bonus als “Last Woman Standing”. Die Jury ist eher ungnädig, besonders natürlich Dieter: “Mit dem Titel hast Du Deine Problemzone herausgearbeitet, nämlich Deine Stimme.” und “Das war brutal!”

    “Hard to say I’m sorry” von Chicago ist Mehrzad Marashis zweiter Titel. Diesmal punktet er mit einer sehr gefühlvollen Performance, auch wenn man ihn zunächst im dunklen Anzug und seinem gewohnten schwarzen Hut vor einer fast unbeleuchteten Kulisse kaum sieht. Bei diesem Stück gefällt mir – zum allerersten Mal – die Orchesterbearbeitung nicht, die haben aus der Nummer von Chicago eine merkwürdig emotionslose Stampfnummer gemacht, etwas zu schnell für meinen Geschmack. Trotzdem singt Mehrzad den Titel topp. Dieter findet’s gut “mehr Gefühl geht nicht”, Nina und Volker sind auch sehr zufrieden.

    Im Duell der großen M&Ms beschließt Menowin Fröhlich den Abend musikalisch mit “How deep is your Love” der Falsett-liebenden Gibb-Brüder, landläufig auch als Bee Gees bekannt. Novität am Rande: Menowin mal ohne Mütze, so dass man den frisch in die Haare tätowierten Violinschlüssel gut sehen kann. Auch ansonsten ist der Auftritt um Klassen besser als bei der Ballermannrunde. Die Jury begrüßt die Rückkehr des “alten” Menowin.

    Vor der Humor-Pause (und das ist wörtlich zu nehmen) bis zur Urteilsverkündung darf die Jury einen Tipp abgeben, genau genommen spricht nur Onkel Dieter: Wenig überraschend, hält er vor allem Manuel und etwas auch Kim für gefährdet.

    Für die Überlebenden des RTL-Gehirnzellenmassakers namens “Böse Mädchen” kommt es dann nach knapp zwei Stunden zunächst wie erwartet: Menowin und Mehrzad sind sofort weiter, doch dann wird als dritter sensationell Manuel in die nächste Mottoshow gewählt! Hinsichtlich der Frage im Blog-Titel also schon mal ein klares NEIN, kein Déjà-vu, diesmal geht es weiter für den letzten Normalo im Kandidatenfeld! Stattdessen wird der Loser in einem minutenlangen Zitterduell zwischen Kim und dem Checker ausgemacht und raus fliegt am Ende ziemlich überraschend Thomas “der Checker” Karaoglan. Hmm, Respekt, das hätte ich jetzt eigentlich nicht gedacht. Dann will ich gleich mal meine eigene Vorhersage im Blog zur Top-7-Show ändern. (Nein, Scherz, das mache ich natürlich nicht und auch meine heutige Vermutung zum sicheren Abgang von Manuel lasse ich hier stehen.) An der garantierten Finalpaarung Menowin und Mehrzad ändert das aber alles nichts.

    Bis zur nächsten Woche, wenn außer Kim nur noch Männer mit dem Anfangsbuchstaben “M” auftreten!

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