Oh Mann,
noch eine Woche und wir wissen endlich, wer Deutschlands Superstar 2010 wird. Soviel ist klar, er ist männlich und sein Vorname beginnt mit “M”. Das ist nämlich Dieter Bohlens Lieblingsbuchstabe, wie auch Mark Medlock und Menderes bestätigen können! An manchen Tagen, so wie heute, gibt es so viele andere, wichtigere Nachrichten als das inszenierte Gerangel dreier ambitionierter Amateursänger um eine nichtswerte Auszeichnung. Insbesondere, weil die Musik, um die es bei DSDS ursprünglich mal ging, mittlerweile völlig an den Rand gedrängt wird von den überbordenden Homestories, die von RTL im Wochentakt über Bohlens Lieblingssprachrohr Bildzeitung in die Welt posaunt werden. Klar, wie gehabt macht die “Bild” damit natürlich ebenfalls ihren Reibach und spielt sich gleichzeitig als Moralinstanz erster Güte auf, echt schizophren!
Was gab es also diese Woche zu vermelden? Nun, lt. Bild-Online ist die kriminelle Biografie von Menowin noch um einige Facetten bunter, als eh schon vermutet. Mit seinen gerade 22 Jahren hat er bereits mehr als 30 Verfahren am Hals; herausragende Leistungen sind mehrere gefährliche Körperverletzungen. Glückwunsch, RTL, Onkel Dieters Kandidaten sind doch immer eine Klasse für sich, davon sollten sich diese Waschlappen aus den ganzen anderen Casting-Shows erst mal eine Scheibe abschneiden! Lena Meyer-Landgut ist doch in ihrem ganzen behüteten Leben bestimmt noch nicht mal bei Rot über die Ampel gegangen. Bevor die nicht mindestens wegen Schwarzfahrens vor dem Kadi gestanden hat, würde ich mir von der nie eine CD kaufen.
Was noch? Ach ja, nette schlüpfrige Geschichte zu unserem Schwiegermutterliebling Manuel. Über den gab es in der vorigen Woche so eine komische Meldung, dass er von einem unbekannten männlichen Fan verfolgt würde, aber nicht wisse, warum und er sich deshalb bedroht fühle. In dieser Woche hat der Stalker nun in einem Brief an die Bildzeitung die Hosen runter gelassen – und zwar wörtlich: Demnach sei er kurzzeitig mit Manuel zusammen gewesen und hat als Beweis dafür auch gleich ein paar gemeinsame textilfreie Bettfotos beigelegt. Die Bildzeitung war darüber moralisch so entrüstet, dass sie die Fotos und dazu einen reißerischen Text sofort am nächsten Tag abgedruckt hat. Tja, den Sympathiewert bei den Bravo-Girls und im Bekanntenkreis von Manuels Oma dürfte das wohl nicht erhöht haben, aber wenigstens kriegt seine Homestory jetzt ein wenig Tiefgang, mal sagen.
Einzig Mehrzad hat außer einer pünktlich zur Mottoshow drohenden Erkältung mal wieder nichts zu melden gehabt. Aber wir werden noch sehen, was sich seine PR-Berater stattdessen überlegt haben…
Genug der Vorrede, die Show beginnt! Marco Schreyl wurde wieder für ein paar Stunden aus dem Zwinger gelassen und mimt auch beim heutigen Halbfinale den Conférencier. Seine zunehmend arroganten Auftritte sind einer der Gründe, weshalb ich mich auf das Ende der Staffel freue. Heute behauptet er ganz am Anfang der Sendung doch glatt, die 2010er-Staffel von “Deutschland sucht den Superstar” sei ein Novum, denn diesmal gäbe es nicht einen oder zwei, sondern sogar gleich drei Favoriten. Wo war der Typ eigentlich vor zwei Jahren, als die letzten drei Kandidaten Lina Teodosio, Fady Maalouf und Thomas Godoj hießen? Damals hätte rein stimmlich jeder von den dreien siegen können und – das muss ich an dieser Stelle mal ganz subjektiv sagen – die waren ALLE besser und wesentlich sympathischer als sämtliche Teilnehmer der diesjährigen Staffel. Ohne jede Ausnahme! Und von wegen “drei Favoriten”, es zweifelt doch wohl niemand ernsthaft daran, dass der Sieg von Menowin schon seit dem Casting eine abgemachte Sache ist?
Unter erschreckend frenetischem Beifall des Hallenpublikums betreten die drei Juroren ohne Stimmrecht das Podium: Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller. Freundlicherweise warnt uns Marco bereits an dieser Stelle vor dem heute drohenden Auftritt von Bohlens Sängerknaben Mark Medlock. Damit gibt er uns eine faire Chance, schon mal die Notausgängen zu öffnen und prophylaktisch ein paar Kotztüten bereit zu legen. Wie jedes Jahr, wird es wohl auch diesmal einen Sommer geben und was wäre die warme Jahreszeit ohne einen von Onkel Dieter persönlich handgeklöppelten Sommerhit? Man muss das ja auch mal rein menschlich sehen: Vielleicht trägt Dieters Freundin nun schon seit sechs Wochen die selben Klunker und braucht deshalb von ihrem 30 Jahre älteren Lover dringend mal ein paar neue Brillis für die Disse? Und was wäre zu deren Finanzierung besser geeignet, als ein kräftiger Schluck aus der GEMA-Pulle für ein Lied, dessen Komponist und Produzent Dieter Bohlen heißt, welches in einer Sendung vorgestellt wird, für die er allein schon für seine Anwesenheit extrem dicke Penunze bezieht und das von einem DSDS-eigenen Geschöpf vorgetragen wird, das sich in undurchsichtigen Verträgen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag an ebendiesen Dieter Bohlen verkauft hat… (Ach, tut das gut, das wollte ich mir schon immer mal von der Seele schreiben…)
Der Oberjuror und Meister des bekannten Universums trägt heute ein weißes Sakko und quittiert die ihm geltenden “Dieter, Dieter”-Sprechchöre mit einem anerkennenden “Jawollo”. Danach erklärt er den mehrheitlich offenbar komplett verblödeten RTL-Zuschauern nochmal genau die Bedeutung des heutigen Halbfinales: “Es geht jetzt darum, wer ins Finale kommt.” Aha, so ist das also, danke für diese wichtige Klarstellung. In diesem Sinne geht es auch gleich weiter, denn Nina wird von Marco gefragt, worauf sie heute besonders achten wird. “Auf den Gesang und die Performance”, lautet ihre doch ziemlich überraschende Antwort. Und darum geht es heute wirklich: Die Halbfinalisten müssen in der Show jeweils drei Titel singen, nämlich einen von einer Boy Group, einen von einem persönlichen Musikhelden (was auch immer das sei) sowie einen Nummer-Eins-Hit.
Bei ihrem schon traditionellen gemeinsamen ersten Auftritt performen die drei Kandidaten “Love is gone” von David Guetta. Trotz aller gern praktizierten Häme muss ich den dreien aber an dieser Stelle bescheinigen, dass ihr Robot-Dance und der Gesang wirklich professionell wirken, wobei Mehrzad und Manuel noch ein klein bisschen besser sind als Menowin. Und das sage ich nicht nur, weil ich Menowin nicht mag.
Die Boy-Group-Runde eröffnet Manuel Hoffmann mit “Human” von The Killers. Das war sicherlich zu Recht einer der meistgespielten Hits des letztes Jahres, die Subsummierung dieser genialen Gruppe zu den Boy Bands finde ich allerdings ziemlich abenteuerlich. Manuel macht seine Sache ganz ordentlich, aber seine Performance könnte noch ein wenig lebendiger sein, gerade bei einer solchen Abtanzhymne. Und spätestens seit der letzten Show wissen wir ja auch, dass der Kandidat sich durchaus gut bewegen kann. Dieter spricht von einer grundsoliden Leistung und hofft auf noch mehr Power bei den nächsten beiden Titeln.
Von Mehrzad Marashi hören wir anschließend den R&B-Titel “End of the Road”, der ursprünglich von Boys II Men eingespielt wurde. Eingedenk der angeblichen Erkältung bringt Mehrzad die Nummer aber ganz gut rüber, wenn auch ohne seine gewohnten Glanzlichter. Die Jury gibt ihm inkl. Krankheitsbonus wieder gute Noten, auch wenn Dieter bei diesem Titel noch ein wenig mehr Gefühl erwartet hätte.
Nach seinem letztwöchigen Totaldurchhänger (zumindest im ersten Titel) läuft es heute wieder etwas besser für Menowin Fröhlich. Er singt “No Matter what” von Boyzone. Ich habe mir gemeinerweise mal den Spaß gemacht, den Songtext mitzulesen und dabei gemerkt, dass unser Freund mit der speckigen blauen Plastik-Schirmmütze an vielen Stellen frei improvisiert hat. Das Lied ist ja von Hause aus introvertiert, gelinde gesagt, da passen Menowins gelegentlich bei Intrumentaltakten eingeschobenen Kung-Fu-Übungen gar nicht, finde ich. Den mitgebrachten Menowinianern im Saal ist das herzlich egal, sie klatschen und johlen eh aus Prinzip, da hätte ihr Idol auch genauso gut auf der Trillerpfeife blasen können, der Jubel wäre derselbe gewesen. Dieter Bohlen feuert den Trubel dann noch weiter an mit seinem Urteil “Manowin is back” und Nina behauptet gar frech “der Text sitzt”. Schade, das hätte sie besser wissen können (siehe oben), wer lesen kann, ist eben doch im Vorteil.
Jetzt kommen wir zu den Heroen der Popgeschichte, zumindest nach DSDS-Lesart. Wieder macht Manuel Hoffmann den Anfang. Zuvor dürfen wir aber in einem Einspielfilmchen seinen triumphalen Empfang im heimischen Fachwerknest Braunfels bei Wetzlar miterleben. Hier ist scheinbar der ganze Ort zusammengelaufen, um seinen Superstar einmal live sehen zu dürfen. Man glaubt es kaum, aber trotz aller Kaffigkeit gibt es noch einen anderen (Beinahe-)Weltstar in dieser Stadt: Vanessa Jean Dedmon, Dritte der 2006er-DSDS-Staffel, stammt ebenfalls aus Braunfels. Soweit ich mich erinnere, war das die, die damals ihren Verlobten in den Wind schoss und mit dem späteren Vizegewinner Mike Leon Grosch ein Techtelmechtel anfing, weil das so eine schöne romantische Geschichte für die Einspieler gab. Nach DSDS ging ihre Karriere dann übrigens typisch weiter, nämlich direkt in die Tonne. Zurück zu Manuel, der diesen Teil der Karriere noch vor sich hat. Er darf sich unter dem Gekreische seiner Mitbewohner in das goldene Buch von Braunfels eintragen, was Oma, Mutter und Vater emotional sehr mitzunehmen scheint. Danach wird er im offenen Auto durch den Ort gefahren und abschließend dopt ihn seine Oma mit Grillwürstchen, deren Reste er nachher in seinen DSDS-Knast mitnehmen soll.
Im zweiten Durchgang singt Manuel den “Englishman in New York” von Sting. Aha, Letzterer ist demnach also ein Held der Popgeschichte. Na gut, das kann man durchgehen lassen. Tatsächlich gibt es diesmal eine kleine Tanzperformance: Manuel trägt als “Engländer” eine rot-karierte Weste, hat einen schwarzen Bowler auf dem Kopf und schwenkt außerdem den für die britischen Inseln immer empfehlenswerten Schirm. So präpariert tanzt er mit einer Formation ähnlich kostümierter Damen auf der Bühne. Gesanglich ist das ebenfalls eine überwiegend gute Performance. Dieter ist heute leider wieder voll auf seinen Alles-für-Menowin-Kurs eingeschwenkt und macht Manuels Titelauswahl nieder. Mit dem Song könne man ja nichts zeigen, der brächte keine Gefühle rüber, er fand die ganze Nummer nicht gut. Oh Mann, Dieter ist ja sowas von berechenbar, das ist wirklich zum Kotzen.
Auch Mehrzad Marashi hatte in der vergangenen Woche Heimaturlaub. Er macht in Hamburg mit seiner Freundin eine Bootstour und absolviert einen sogenannten Spontanauftritt in seiner ehemaligen Schule, so richtig viel Berichtenswertes ist dabei aber nicht passiert. Er singt heute den fast fünfzig Jahre alten Titel “Runaway” von Del Shannon und tanzt dazu mit einem Haufen Pettycoat-Trägerinnen. Nachher gibt noch drei Gefühlspunkte extra, als Mehrzad erzählt, dass dies das Lieblingslied seines im Vorjahr verunglückten Bruders gewesen sei. Dieter Bohlen hat offenbar inzwischen auch die selbstverständlich völlig souverän agierende Restjury pro Menowin eingeschworen, denn die ganze Bande äußert sich nur mau zu der gerade gehörten Nummer, dabei war die m.E. gar nicht schlecht. Bohlen spricht sogar von Unprofessionalität und bemüht auch wieder sein derzeitiges Lieblingsschimpfwort “Hühnerkacke”. Ich rate mal so ins Blaue: Den nächsten Titel von Menowin finden die drei Clowns wieder herzallerliebst.
Auch beim Freigang von Menowin Fröhlich war die Kamera dabei. Wir sehen kitschig-romantische Bilder von ihm und seinem getrennt von ihm bei der Ex lebenden Sohn in einem Park und auf dem Spielplatz. Danach ist Familientreffen bei den Menowins, soweit die gerade nicht einsitzen (sagt die “Bild”). Zuletzt dann auch noch Eindrücke von einer Autogrammstunde mit Schulmädchen, die buchstäblich bei ihm am Tisch mit Weinkrämpfen zusammenbrechen, was für seine ohnehin schon ausgeprägte Arroganz mit Sicherheit verheerende Folgen haben dürfte. Menowin singt “You are the Sunshine of my Life” von Stevie Wonder und gibt dabei seinem Affen trotz des eigentlich ruhigen Songs wieder reichlich Zucker. Er zuckt und hüpft in seinem glitzerndem Jäckchen und erinnert mich dabei etwas an den seligen Holger Göpfert aus DSDS 2009. Wenn ich seinen Auftritt in einem Wort charakterisieren sollte, wäre das “Überperformance”. Dass die Jury das anders sieht, ja geradezu euphorisch schwelgt, war vorauszusehen. Und als von Dieter und Nina schon alle Superlative über Menowins dickem Kopf ausgegossen sind, fällt Volker nur noch ein, er fühle sich von dem Lied “total geflasht”, worunter ich mir nichts vorstellen kann. Vielleicht hat er jetzt ‘ne feuchte Hose?
Dritte und letzte Runde, jetzt kommen die Nummer-Eins-Titel. Manuel Hoffmann greift tief in den Honigtopf und fördert leider Richard Sandersons “Reality” zutage, ein Lied, bei dem Diabetiker lieber weghören sollten, weil es so klebrig-zuckrig daherkommt. Ja, da ist der Junge dann aber doch irgendwie selbst schuld, wenn die Jury ihn dafür fertig macht, das Lied mag doch keiner, oder? Er steht wieder wie vor seinem ersten Rausschmiss recht stocksteif und im eklig-ordentlichen Anzug (genau Dieters Outfit!) vor dem Mikrofon und singt ganz ruhig seinen Song runter. Ciao Manuel, das war es dann wohl. Überraschenderweise sieht die Jury das total anders, gute Songauswahl, prima Outfit, super gesungen, weiter so… Hmmm, glaube trotzdem nicht, dass es für ihn so ins Finale geht.
Mehrzad Marashis letzter Titel ist “Ich kenne nichts” vom obercoolen Xavier Naidoo. Mehrzad und Xavier, das passt natürlich wie Arsch auf Eimer, das Lied könnte für den DSDS-Kandidaten geschrieben worden sein. Seine Performance ist so gut wie immer, klamottentechnisch auch keine Überraschung (Stichwort schwarzer Lederhut), aber da passiert es, er holt seine Anti-Menowin-Geheimwaffe raus: Nach den letzten Tönen geht Mehrzad mit dem Mikrofon zu seiner Freundin Denise und fragt sie für die gesamte Halle hörbar, ob sie seine Frau werden wolle. Als er dann auch noch den passenden Verlobungsring dazu aus der Tasche holt und ihr ansteckt, ist die Gute hin und weg und sagt offenbar ja. Allgemeine Begeisterung, das ist Romantik pur, selbst der zweimal verheiratete (und geschiedene) Dieter hat bestimmt Tränen in den Augen. Genialer Coup, vielleicht bringt das ein paar Prozente gegen den Knastologen. Und zu dem gerade gehörten Song gibt es von der Jury dann auch nur noch Bestnoten.
Mit “I swear” von All-4-One lässt Menowin Fröhlich den Abend ausklingen. Auch bei diesem Titel genehmigt er sich wieder einige textliche Freiheiten, wie ich beim Mitlesen des Originaltexts feststellen konnte. Dieter lässt alle Hemmungen fallen, lobt Menowin über den grünen Klee und dann platzt es aus ihm heraus: “Du hast heute dreimal titanisch abgeliefert, dreimal Volltreffer. Die ganzen Geschichten aus Deiner Vergangenheit, da scheiß’ ich drauf, hier geht es nur darum, was Du auf dieser Bühne ablieferst. Das war heute dreimal mega-hammer-geil.”, fasst er den Abend für Menowin in Straßendeutsch zusammen. Besser kann man gar nicht illustrieren, dass DSDS im Endeffekt ausschließlich mit den konkreten wirtschaftlichen Interessen eines Herrn Bohlen zu tun hat und mit sonst gar nichts. Der Oberjuror hat fetteste Dollarzeichen im Auge, ihn interessieren nur Vermarktbarkeit und Kommerzialität der Sänger, nicht deren Musikalität oder Kreativität. Dieter, das muss mal wieder gesagt werden, ist kein Künstler, sondern ein geldgeiler Kaufmann. Und der ganze Wettbewerb “Deutschland sucht den Superstar” ist aus seiner Perspektive gesehen lediglich eine Akquise-Veranstaltung riesigsten Ausmaßes mit dem Ziel, seinen Reichtum zu mehren, so sehe ich das jedenfalls.
In diesem Sinne ist auch der nun folgende Auftritt von Mark Medlock mit “Real Love” zu verstehen, Dieter will fettestmöglich absahnen und platziert daher in seiner Sendung seinen Superstar mit seinem Lied. Das ist eine echte Win-Win-Win-Situation, wobei alle Beteiligten Dieter Bohlen heißen und in Tötensen wohnen. Der Medlock kann einem fast Leid tun, dass er schon wieder mit so einem merkwürdigen Bohlen-Song auftreten muss, aber der will das ja nicht anders. Er schubbert sich im weißen Anzug auf die Bühne, sieht dabei wie immer etwas verhungert aus und chronisch ungesund sonnengebräunt. Musikalisch ist das wieder Fließbandware, Bohlen verbraucht schon im Intro alle seine drei Akkorde, dazu eine Prise spanisch klingende Gitarren (wegen Sommerhit) und ein paar geflüsterte Stimmen in fremden Sprachen. Jetzt kommt Medlocks Einsatz, der gleich mit einem epochalen, elektronisch verfremdeten Refrain startet: “Nananananananananananananaaaaaaa, real Love”. Der Rest ist auch nicht viel besser und stammt wohl aus der üblichen Bohlenschen Streusandtextbüchse, z.B. Heart, Love, burning Desire usw. Eigentlich müsste dieser Auftritt eine Warnung an alle DSDS-Teilnehmer sein, was dabei herauskommt, wenn man die Sache mit dem Superstar wirklich Ernst nimmt. Grässliches Lied, aber Bohlen klatscht selbstredend begeistert, was seine sämtlichen Kritiken an anderen Künstlern natürlich relativiert. Hinterher fraternisiert Medlock noch mit Menowin (”bin stolz auf Dich”) und veranlasst mich damit endgültig, alle seine Titel auf meinem Rechner zu löschen… Das ist natürlich nur so hypothetisch dahingesagt, denn Medlock-MP3s hätte mein Virenscanner längst als Bedrohung erkannt und gefressen!
Zeitsprung dank Festplattenrekorder, ich erspare mir die Untiefen des bösen deutschen Humors und die endlose Schreylsche Kandidatenfolter und blende mich direkt ein in die Urteilsverkündung. Wie wohl nicht anders zu erwarten, fliegt Manuel Hoffmann nun zum zweiten und letzten Mal raus, der Weg ist frei für das epische Finale zwischen Menowin und Mehrzad am nächsten Sonnabend. Ich kann beim besten Willen nicht sagen, dass ich mich darauf freue oder gar gespannt bin, mit welchem Abstand Menowin gewinnt. Dieter hat diesmal schon frühzeitig die Spannung gekillt und seine Voreingenommenheit für einen Kandidaten offen zur Schau gestellt. So macht ein Wettbewerb keinen Spaß.





