• DSDS (RTL) 04.04.2010 4 Comments

    Vorweg eine Warnung!

    Leute, denen vom Arzt jede Aufregung verboten wurde, sollten die heutige Sendung  lieber nicht gesehen haben!!! RTL hat sich diesmal im Vorfeld nämlich jede Menge Dramatik einfallen lassen, um dem bislang eher gemächlich dahinplätschernden DSDS-Bächlein ein paar kräftige Stromschnellen zu verpassen. Ganz Deutschland, jedenfalls der Teil, der Bohlens Hofpostille “Bild” liest, ist in schwerster Sorge um Menowin Fröhlich. Dieters Hätschelkind ist nämlich angeblich seit Dienstag bis auf weiteres spurlos verschwunden. Bereits einige Tage zuvor hat er sich mit den DSDS-Mitbewerbern schwer gefetzt, was man beim genaueren Hinsehen wohl schon am letzten Samstag bei der Top-5-Show hätte sehen können, behauptet “Bild”.

    Nicht, dass plötzliches Verschwinden für Ex-Knacki Menowin besonders ungewöhnlich wäre, davon können z.B. die Justizbehörden und seine Ex-Cousine, Pardon Ex-Freundin ein Liedchen singen. Aber für “Deutschland sucht den Superstar” ist es schon ein Novum, dass einer der Top-Kandidaten sich im Vorfeld einer live übertragenen Mottoshow ohne Ankündigung verkrümelt, an keiner Probe teilnimmt und es unsicher ist, ob er überhaupt rechtzeitig zurückkommt. Sagt zumindest die “Bild” und die weiß ja eigentlich immer alles am besten, manchmal sogar besser als die Beteiligten selbst.

    Wie dem auch sei, jedenfalls klebt Fernsehdeutschland heute Abend mit Spannung vor der Glotze und wartet darauf, wie viele und welche Kandidaten zur Sendung erschienen sind. Nachdem der von Mal zu Mal nerviger werdende Moderatorenimitator Marco Schreyl seiner Profilneurose wieder ordentlich Zucker gegeben und sich wegen Ostern als “Eiermann” aufgespielt hat, der uns “seine” Sendung quasi als Ostergeschenk kredenzt, kommt die Jury auf die Bühne. Jau, die sind noch vollzählig: Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller, wobei die letzten beiden eigentlich nur am Tisch sitzen, damit uns Dieter sich nicht so langweilt.

    Dann werden die Kandidaten angesagt und ei der Daus: die Bande ist vollzählig angetreten, auch der vermeintlich auf der Flucht befindliche Menowin gibt sich die Ehre. Schon bei der Nennung seines Namens entringt sich einem Großteil der Zuschauerinnen ein Schrei der  Verzückung. Offenbar steht die Damenwelt auf Bad Guys à la Menowin – verstehe einer die Frauen… Die Top 4 singen gemeinsam “Crying at the Discotheque” von Alcazar. Dass Menowin das Stück angeblich nicht geprobt hat, ist weder zu sehen noch zu hören. Er tanzt die Choreografie ganz normal mit und bringt seine Einsätze scheinbar fehlerlos. Vermutlich ist die ganze Story mit seinem temporären Verschwinden also wirklich nur ein großer Bluff, um den Zuschauern ein wenig Action und Suspense zu liefern. Menowin, der Freiheitskämpfer, der sich nicht den DSDS-Regeln unterwirft, der unberechenbare Knastologe, den vermeintlich nicht mal Onkel Dieter so richtig zähmen kann, das lässt sich gut vermarkten. Armer Mehrzad, mit seiner Amöbenstory in der Bildzeitung (wo sonst?) über den einkassierten Führerschein stinkt er dagegen erbärmlich ab, Normalität ist bei RTL eben Langeweile.

    Das Motto des heutigen Abends lautet “alt gegen neu” und steht für die Megaidee, dass die Kandidaten in der ersten Runde alle einen aktuellen Titel und in der zweiten Runde einen Oldie singen müssen. Den Anfang macht diesmal Manuel Hoffmann. In seinem Einspieler wird mangels anderer Ereignisse zunächst ein weiteres Mal der Umstand beleuchtet, dass der angehende Kindergärtner mit der unklaren sexuellen Orientierung ursprünglich in der Top-6-Show rausgeflogen, dann aber einen Tag später als Ersatz für den in Ungnade gefallenen Helmut Orosz wieder in den Wettbewerb zurückgerufen worden war. Die eigentliche Überraschung kam dann eigentlich erst in der letzten Show, als Manuel nicht sofort wieder rausgewählt wurde und stattdessen der vermeintlich populärere Checker Thomas Karaoglu gehen musste. Um die restlichen Minuten des Einspielfilmchens zu füllen, hat RTL Manuel dann auf den Nürburgring verschleppt und lässt ihn als Beifahrer ein paar schnelle Runden drehen, was ihm sichtlich Spaß macht.

    Manuel singt “Chasing Cars” von Snow Patrol und treibt dabei seine aus den vorhergehenden Shows schon bekannte Mikro-Choreografie auf die Spitze, denn während der ersten und letzten Strophe liegt er rücklings im Dämmerlicht auf der Bühne, auch dazwischen dürfte sein Puls kaum über 60 hinausgegangen sein. Hier und da verrutscht ein Ton, aber im Vergleich zu seinen Geschlechtsgenossen wirkt Manuel sehr natürlich und unprätentiös. Die Jury feiert ihn überschwänglich, er steigere sich mit jeder Show und habe heute ein”absolutes Überraschungsei” gelegt.

    Kim Debkowski versucht über die Mitleidsschiene zu punkten, sie hat sich nämlich trotz eitriger Angina (Bildzeitung) in die Sendung geschleppt – ein Sonderapplaus der ganzen Halle ist ihr Lohn. In ihrem Einspieler beantwortet sie einige der wohl zahllosen für sie eingegangenen Zuschriften von Leuten, die noch unbedarfter sind als sie. Wer würde sich sonst Lebenshilfe von einer 17jährigen holen, die mehr Zeit vor dem Schminkspiegel als in der Schule verbringt?

    Mit dem teilweise gerapten “Evacuate the Dancefloor” von Cascada tritt Kim heute in der ersten Runde an. Sie trägt wie immer ausgefallene Klamotten, nämlich die glitzernde Diskoversion des “kleinen Schwarzen” inkl. passender Leggins, dazu eine ebensolche schwarze Gesichtsmaske. Hatte ich schon erwähnt, dass sie heute mit einer aufgeplusterten Riesenmähne im Afrolook herumläuft? Kims gelungene Verkleidung und ihr beispielhafter Fleiß werden von der Jury gelobt, allerdings gibt es bei Dieter einen kleinen Wermutstropfen: “Wenn nur die Scheiß-Stimme nicht wäre”, resümiert er unter den gellenden Pfiffen ihrer Anhänger… Übrigens grüßt Kim hinterher noch den im Publikum sitzenden Benny Kieckhäben, einen Veteranen der letzten Staffel. Damals hatte er die Rolle als Paradiesvogel inne, die in diesem Jahr eben Kim zufällt.

    Nach der ersten Werbepause kommt nun – mal wieder an einer hinteren Position – der Liebling der Massen, zumindest was die Gröhllautstärke seiner Fans angeht: Menowin Fröhlich stellt im Einspieler klar, dass es natürlich gar keinen richtigen Streit mit den anderen Kandidaten gab und er selbstverständlich auch Kritik vertrage. Allerdings gäbe es dazu kaum Anlass, denn die letzten Wochen hätten immer wieder bewiesen, dass Deutschland ihn “geil” fände. Offenbar hat er sich mental schon völlig auf den Titelgewinn eingestellt. Allerdings rechtfertigt sein heutiger erster Auftritt mit Milows “Ayo Technology” meines Erachtens keineswegs die Hoffnung auf den Titelgewinn und nährt sogar Zweifel, ob der Kandidat überhaupt zu Recht unter den Top 4 ist. Die Nummer wirkt tatsächlich völlig ungeprobt und Menowin brabbelt sich in den leiseren Passagen der ersten Hälfte kilometerweise unverständlichen Text in den Bart. Entweder ist das alles zu schnell und deswegen versteht man nichts oder er hat – mal wieder – den korrekten Text vergessen und improvisiert über weiter Strecken mit spontan erfundenen Vokabeln, was dann in sich schon eine bewundernswerte Leistung wäre.

    Menowins Anhänger scheinen davon völlig unbeeindruckt und johlen und kreischen während der gesamten Nummer. Offenbar hat bei denen schon so eine Art Entkopplung stattgefunden, der Kandidat wird nicht wegen seiner musikalischen Leistung, sondern tatsächlich nur aufgrund seiner (von RTL aufgebauten) Persönlichkeit unterstützt. Der greifbare Triumph einer im Leben ansonsten eher gescheiterten Figur wie Menowin ist einfach eine tolle Geschichte, die vielleicht auch vielen anderen Losern Hoffnung macht. Das ist so ein bisschen wie damals bei der ersten Big-Brother-Staffel die unerklärliche kurzzeitige Idolisierung von Zlatko, einem Typen von derart überschaubarem Intellekt, dass man ihn nicht mal allein zum Einholen schicken würde. Der wurde zum Messias für alle, die noch beschränkter waren, als er selbst.

    Die Jury, auch Papa Bohlen, ist sich einig: Das gerade gehörte Lied war eine Katastrophe, der Text nur als Buchstabensuppe zu gebrauchen und es fehlte jegliches Gefühl. Menowin habe großes Talent, trete das aber momentan mit Füßen. Seine fanatisierten Anhänger buhen und pfeifen bei jedem kritischen Wort so laut, dass die Jury akustisch kaum noch durchkommt. Wie gesagt, die Leute ticken irgendwie schon nach anderen Maßstäben, die zwar viel mit der RTL-Superstar-Vermarktung, aber nichts mit Musik zu tun haben.

    Die “rote Laterne” trägt heute Mehrzad Marashi, den wir im Einspieler als respektvollen Samurai-Schwertkämpfer erleben dürfen. Menowins renitente Fans zeigen, wes Geistes Kind sie sind und buhen schon vor dem ersten Ton von Gnarls Barkleys “Crazy” um die Wette, die Ignoranten. Aber Mehrzad zieht sein Ding durch und liefert die von ihm gewohnte Qualität ab. Passend zum Titel hantieren die Tänzer auf der Bühne mit Zwangsjacken, vielleicht sollte man die hinterher für die schlimmsten Menowin-Fans reservieren, die sich zwischendurch immer wieder lautstark mit “Meno”-Sprechchören bemerkbar machen. Die Jury lobt Mehrzad für seine Beständigkeit und sein Durchhaltevermögen trotz der lauten Meno-Fans. Dieter rät ihm, doch lieber mal wieder eine langsame Nummer zu singen, das könne er noch besser.

    Zweite Runde, nun kommen die Oldies dran. Manuel Hoffmann bringt eine gut gesungene Version von “A Walk in the Park” von der Nick Straker Band. Was aber alle im Saal umhaut, ist die Choreografie: Manuel läuft auf der Bühne buchständlich während des ganzen Titels, links und rechts je eine joggende Tänzerin im bunten Trainingsanzug. Zum Refrain joggen sie dann immer zu dritt völlig synchron, das sieht einfach tierisch witzig aus. Der Junge hat ganz offensichtlich Spaß an dem, was er macht und kann gleichzeitig über sich lachen. Zwei Dinge, die insbesondere Menowin völlig abzugehen scheinen. Die Jury fühlt sich allerbestens unterhalten, erkennt Manuel nicht wieder und gratuliert ihm zu der explosionsartigen, positiven Entwicklung. Dieter erklärt “Chasing Cars” von vorhin gar nachträglich noch zum besten Act der ersten Runde. Was will man mehr? Vor allem am Ende nicht rausfliegen!

    Mit schlimmer Diskomucke aus den 70ern, einem echten Sündenfall schlechten Geschmacks, kommt jetzt noch mal Kim Debkowski. Sie hat aus Opas Plattenregal “Yes Sir, I can Boogie” des weitgehend talentfreien Duos Baccara exhumiert. Die konnten damals nämlich nicht nur schlecht singen und tanzen, sondern sprachen darüber hinaus im wahren Leben auch kein Englisch, was man jedem einzelnen Wort des englischen Textes anhört. Die somit extrem niedrigen Standards erfüllt Kim bei weitem und die Jury ist wirklich zufrieden mit der kleinen Dame. Kims Outfit muss hier noch gewürdigt werden, auch wenn es sich verbal kaum beschreiben lässt: Irgendwas zwischen Blumenmädchen und Eisverkäuferin, weißer Riesenhut mit Krempe, weiße Overknee-Stiefel, dazwischen ein schwarz-weißes Kleid, das oben am Hals in einem asymmetrischen Wellenmuster ausläuft.

    Die zweite Nummer von Menowin Fröhlich ist “Celebration” von Kool and the Gang. Diesmal läuft es besser für den sichtlich kämpfenden Kandidaten, auch wenn er am Anfang mal wieder den Text durcheinander wirbelt. Die Choreografie sieht allerdings mehr nach Aerobic als nach Tanzen aus. Begünstigt durch seine kurzen Beine, legt Menowin ein irres Tempo hin, gerät dabei schnell außer Atem und kriegt dann wieder diesen völlig humorlosen, etwas brutal wirkenden Blick, der sagt: “Komm’ mir nur nicht in die Quere, sonst wird das für Dich böse enden!” Die Jury ist einigermaßen zufrieden (Nina Eichinger: “Besser wie die erste Nummer.” [sic!]), beklagt aber die mangelnde Vorhersagbarkeit der Menowinschen Leistungen. Dieter macht auf Understatement: “Vielleicht geben Dir die Menschen ja noch eine Chance.” – als wenn die Rauswahl von Menowin eine reale Gefahr wäre…

    Als letzten Song des Abends hören wir nun den Schmachtfetzen “Unchained Melody” der Righteous Brothers, genial vorgetragen von Mehrzad Marashi, natürlich mal wieder mit seinem Markenzeichen, dem Hut. Bei der schwierigen Ballade stimmt aber wirklich jeder Ton, das könnte von den verbliebenen Kandidaten garantiert kein anderer singen. Die Jury ist hin und weg und lobt Mehrzads Talent über den grünen Klee.

    Das war es, nun haben die Zuschauer wieder das Sagen. Ob das angesichts des realitätsfernen Hype um Menowin eine gute Entscheidung wird, sei dahingestellt.

    Nach mehr als einer Stunde mit “Blöden Mädchen” und ähnlichem Kokolores naht der Moment der Wahrheit. Sofort weiter in die Top-3-Show kommen Mehrzad und (bedauerlicherweise) auch Menowin, der sofort kämpferisch die Faust zum Siegeszeichen ballt. Nein, das hat er heute absolut nicht verdient, er war heute wohl eher der schwächste Kandidat, aber wie gesagt: Darum geht es bei DSDS schon lange nicht mehr. Im abschließenden Duell zwischen Manuel und Kim zieht die letzte Frau im Wettbewerb den Kürzeren: Kim Debkowski ist raus! Kleine Pause, Helm ab zum Gebet. Sie wird uns fehlen, denn eines kann man ihr nicht absprechen: Sie hat Farbe in die Sendung gebracht, sehr viel Farbe. Fast zu viel.

    Eine weitere Erkenntnis bringt der heutige Abend: Der so lieb und harmlos wirkende, mehrfach totgesagte Manuel ist in Wirklichkeit ein Killer. Mit seiner impertinenten Gabe zum berechtigten Überleben des Telefonvoting zieht er eine Spur der Verwüstung durch das Lager ursprünglicher Favoriten. Nelson, Ines, Helmut, Thomas, Kim, wer nennt die Namen? Wenn es einen Titel gäbe für die größte Leistungssteigerung zwischen Casting und Mottoshows, für den Superstar der Herzen, ihm wäre er sicher. Leider tickt DSDS aber anders… :-(

    Für die Vorhersage, wer am nächsten Sonnabend gehen muss, braucht man kein Prophet zu sein, das wird unter Garantie Manuel werden. Danach steigt dann das epische, welterschütternde Finale zwischen dem coolen Könner Mehrzad und dem verbissenen Kämpfer Menowin. Hauptsache, alle Menowin-Gegner halten dann zusammen und rufen für Mehrzad an. Menowin als Superstar, das wäre echt ein Armutszeugnis für diese ohnehin langweilige und musikalisch grundsätzlich dürftige Staffel. Vielleicht sollte Onkel Dieter danach mal fünf Jahre Pause machen, damit ein paar neue Talente nachwachsen können (und ein paar andere nervige Pfeifen endlich die DSDS-Altersgrenze überschreiten)!

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  • DSDS (RTL) 28.03.2010 3 Comments

    Meine Güte,

    was für eine Woche! Letzten Sonnabend hatte ich an dieser Stelle noch an Helmut Orosz fehlender Homestory herumgemäkelt und schwuppdiwupp liefert er auf einen Schlag gleich soviel, dass es ihn aus der Sendung haut!!! Wie ja mittlerweile allgemein bekannt sein dürfte, hat die stets auf moralische Sauberkeit bedachte Bildzeitung Filmaufnahmen herbeigeschafft und veröffentlicht, die Helmut beim gemeinschaftlichen Koksen mit einem Kumpel auf dem Klo zeigen. Dass er außerdem auch noch – wie Menowin – eine Knastvergangenheit hat, kam dabei gleich mit ans mediale Tageslicht. Nachdem Helmut ja von Dieter Bohlen am letzten Sonnabend wegen diverser Textvergehen und Zweifeln an seiner Einstellung eh schon eine tiefgelbe Karte gezeigt bekam, hat dies das Fass völlig zum Überlaufen gebracht: RTL hat Helmut ein Freiflugticket (einfach) in die Erdumlaufbahn spendiert, d.h. ihn mit sofortiger Wirkung aus dem DSDS-Wettbewerb geworfen. Lt. Bildzeitung arbeitet er inzwischen wieder als Zeitungswerber und geht demnächst in stationäre Therapie. Also das nenne ich eine Bauchlandung!!! Und das schlimmste (für ihn, nicht für uns): Anders als Menowin, kann “Helle” es als geläuterter Ex-Sünder im nächsten Jahr nicht noch einmal bei DSDS versuchen, denn er hat dann definitiv die Altersgrenze von 30 Jahren überschritten!

    Für die plötzlich vakante Planstelle als Kandidat Nr. 5 hat man Manuel Hoffmann zurückgeholt, der eigentlich in der letzten Mottoshow regulär ausgeschieden war. Aber auch wenn dessen coachende Oma jetzt Überstunden schiebt, wird das vermutlich nur ein kurzes Gastspiel, denn “Helles” verwaiste Anhängerschaft orientiert sich bestimmt vor allem in Richtung Spaßfraktion, die ja am ehesten noch von Thomas Karaoglu bedient wird. Apropos “Checker”: Komisch, dass der als Zimmergenosse nichts von Helmuts Drogensucht mitbekommen hat… ;-)

    Doppeltes Pech für Helmut, das Thema der heutigen sechsten Mottoshow hätte ihm garantiert gelegen: “Ballermann gegen Balladen”. Nach unerklärlich frenetischem Beifall der Halle für die Jury aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller kommen die letzten fünf von fünfunddreißigtausend DSDS-Kandidaten auf die Bühne. Standesgemäß trällern sie zum Einzug gemeinsam “Hey Baby (Uhhh, ahhh!)” von DJ Ötzi, einen Song, für dessen schmerzfreien Genuss man mindestens einen Liter Sangria intus haben sollte. Habe ich nicht, deswegen tut das Lied auch echt weh im Ohr. DJ Ötzi, dem Namen nach wohl ein Nachfahre der berühmten Gletscherleiche, steht übrigens auf meiner persönlichen “Geht-gar-nicht-Liste” und deswegen haben seine MP3s Hausverbot auf meinem Rechner. Jaja, ich weiß, auf der Liste stehen schon viele Songs und Interpreten, z.B. das Gesamtwerk der Scorpions und “I just called” von Stevie Wonder. Sorry, aber ich bin in dieser Hinsicht wohl etwas verzogen… Egal, jedenfalls kann man schon bei diesem ersten Auftritt erkennen, wer die beknackteste motivierteste Fanbasis hat: Menowin muss nur die vermutlich tätowierten Augenbrauen hochziehen und sofort kreischt der halbe Saal vor Verzückung; nicht mal Thomas Bemühungen als sonnenbebrillter Shouter zeitigen ähnliche Erfolge. Und von Manuel wollen wir gar nicht reden, der offenbar in der Eile seit letztem Sonntag noch keine neuen Bühnenklamotten gefunden hat und sich auch ansonsten zahm gibt, wie ein Zivi bei der Animation der Sitztanzgruppe im Altersheim.

    Kurze filmische Rückblende auf andere DSDS-Ereignisse dieser Woche: RTL hatte versucht, die Top-5-Kandidaten auf einer Art Open-Air mitten in einer ungenannten Ruhrgebietsstadt zu präsentieren. Man sieht dramatische Bilder von wild kreischenden Teeniehorden in engen Straßenschluchten, die sich an Absperrgitter drücken und von hektischen Ordnern daran gehindert werden müssen, zu den “Stars” durchzubrechen. Für letztere ist das natürlich auch ein gefährlicher Moment, denn wenn das selbstverliebte Ego ohnehin nur einen Fingerbreit vom Größenwahn entfernt ist, kann der Anblick johlender Massen verheerende Folgen haben. Leider muss der so sorgsam inszenierte Event nach den ersten Kreislaufkollapsen abgebrochen werden. Die Kandidaten heucheln Bedauern, genießen aber ganz offensichtlich ihren temporären Ruhm und weiden sich beim Wegfahren am Anblick der ihretwegen die Schule schwänzenden Fünftklässlerinnen.

    Auch heute (Déjà-vu???) macht Thomas Karaoglan den Anfang mit seinem Ballermann-Liedchen “Das geht ab!” von Frauenarzt und Manny Marc… Frauenarzt? Was für ein bekloppter Name für einen Künstler, ob es wohl auch einen DJ Proktologe oder Lady Fleischwarenfachverkäuferin gibt? Zwar liefert der kleine Checker kostümmäßig eine sehr bunte Vorstellung, mehr Farben gehen rein physikalisch gar nicht mehr, musikalisch ist sein Sprechgesang hingegen nur Rohkost, was aber nicht an ihm liegt, sondern an dem dürftigen Song. “Bis jetzt bist Du der beste”, witzelt Dieter hinterher, lobt ihn aber ansonsten auch tatsächlich, der Song sei absolut passend für ihn gewesen. Stimmt, finde ich auch, der Song ist genau so gut wie der Checker. ;-)

    Manuel Hoffmann füllt die von Helmut Orosz selbst verschuldete Lücke und reflektiert im Einspieler etwas über die Umstände seines Ausscheidens am letzten Sonnabend. Gäääähn! Sein Titel “Ein Stern, der Deinen Namen trägt” (schon wieder DJ Ötzi) passt zu ihm wie ein Bach-Oratorium zu Dieter Bohlen, nämlich gar nicht. Man sieht Manuel direkt an, wie unbehaglich er sich mit Ballermannmucke fühlt, die an intellektueller Schlichtheit kaum noch zu unterbieten ist. Dazu passt auch, dass sein Bühnenoutfit (rot-oranger Sweater, weiße Jeans) von Ferne eher an einen Rettungssanitäter als einen mallorcinischen Stimmungsmacher erinnert. Die Jury honoriert seine Bemühungen, er habe ganz ordentlich gesungen, aber die Power für solche Art von Songs fehle ganz klar. Man hofft für ihn auf die zweite, die Balladen-Runde.

    Für Kim Debkowski kann man nur hoffen, dass sie eine gute Haftpflichtversicherung hat, denn sollte sie mal voll geschminkt vom Regen überrascht werden, dürfte nachher eine gründliche Bürgersteigreinigung fällig sein! Die letzte verbliebene weibliche Kandidatin zeigt heute in ihrer wöchentlichen Einspieler-Kolumne “Kim Gloss”, wie man mit rosa Filz, Klebstoff und Glitzersteinchen eine Top-gestylte Handytasche bastelt. Von ähnlich epochaler Bedeutung ist ihr Titel “Du hast mich tausend Mal belogen” von Andrea Berg, der singenden Ex-Krankenschwester. Ihr (also Kims) Bühnenoutfit besticht diesmal vor allem durch goldenen Halsschmuck und eine irrsinnig lange Tülle auf ihrem Kopf, durch die sie ihre schwarzen Haare (oder doch eine Perücke?) gezogen hat, was ihr etwas Zirkuspferdhaftes gibt. Der nicht immer sicher intonierte Gesang steht wie gewohnt etwas im Schatten ihres Kostüms, doch Dieter ist voll des Lobes, die Schlagernummer nähme er Kim zu seinem eigenen Erstaunen voll ab, sieht sie gar als deutsche Lady Gaga.

    Die strategisch wichtigen letzten Auftritte jeder Mottoshow gehören traditionell Dieters beiden Lieblingen Mehrzad und Manowin. Der Einspieler berichtet von einem eigentlich gar nicht berichtenswerten Kurzauftritt von Mehrzad Marashi und dem seligen Helmut bei einer RTL-Fernsehproduktion, bei der sie auch singen durften. Der wie immer dunkel und mit schwarzem Lackhut gewandete Mehrzad bringt uns heute eine täuschend ähnliche Kopie von Shaggys “Mr. Boombastic” mit. Gott, wenn man den Titel mag, war das wohl ein guter Auftritt, ob er zum Thema passt, sei dahingestellt. Dieter wittert Gefahr für seinen Top-Favoriten Menowin und pöbelt deswegen genüsslich gegen Shaggy, den angeblich “schlechtesten Sänger des Sonnensystems” (Ey, was ist mit Menderes?!?) und fragt öffentlich, wieso sich Mehrzad als anerkannt guter Sänger heute ausgerechnet eine Nummer mit reinem Sprechgesang (“Hühnerkacke”) ausgesucht hat?

    Das Ende der ersten Runde markiert – wie so oft – Menowin Fröhlich. Das hat sich Onkel Dieter schön ausgedacht, denn damit tritt sein Lieblingskandidat immer unmittelbar vor dem Beginn der Anrufphase auf, was bei Zuschauern mit eingeschränkter Gedächtnisleistung durchaus von Vorteil sein kann. (Wer’s nicht glaubt: Die ARD durfte sich als wichtigster Finanzier des Eurovision Song Contest für Ausdruckstänzerin Lena, den deutschen Beitrag in Oslo, selbst eine Startposition aussuchen und hat dafür die Nummer 22 von 25 genommen, weil die nämlich so schön weit hinten liegt.) Auch ansonsten verfügt Menowin lt. Einspieler über unbedingten Siegeswillen: “Ich werde mir den Titel nicht stehlen lassen”, sagte er dazu, dass Mehrzad von der Jury zum Tagessieger der letzten Show ernannt worden war. Aha, der Superstar-Titel gehört ihm also eigentlich schon, nette Einstellung.

    Vielleicht gibt er sich wegen des bereits sicheren Titelgewinns nicht mehr so viel Mühe, ich finde Menowin heute Abend mit “What is Love” von Haddaway jedenfalls ungewohnt schwach. Abgesehen davon, dass ich nicht verstehe, was das Ganze überhaupt mit dem Motto “Ballermann” zu tun haben soll, kommt der Text hier und da etwas verhuscht und die Töne sind zum Teil nicht hundertprozentig richtig. Am nervigsten ist aber eine neue Geste in Menowins normalerweise perfekter Choreografie, so eine Art “unsichtbares Apfelpflücken”, ein Griff hoch in die Luft. Sieht einfach irgendwie doof aus. Aber Wurscht, wie ein Normalsterblicher das findet, für Dieter ist der Auftritt eine Offenbarung, Menowin sei im ersten Durchgang ganz klar der beste Kandidat gewesen. Mann, ich kann gar nicht sagen, wie wenig mich das überrascht. Dagegen ist die Tatsache, dass Heiligabend dieses Jahr auf den 24. Dezember fällt, ja geradezu eine Sensation. Nina spielt mit ihrem Leben, als sie unter den Buhrufen der halben Halle Menowins übliche Textfehler zur Sprache bringt, die er in anderen Shows “weggepowert” habe, was ihm heute aber nicht gelungen sei. Volker erhebt ähnliche Vorwürfe, droht sogar etwas (“glaub’ nicht, dass Dir hier was geschenkt wird”) und katapultiert sich damit ebenfalls aus dem Kreis der zivilisierten DSDS-Menschheit. Dieter starrt derweil düster vor sich hin und formuliert wahrscheinlich im Kopf schon zwei Kündigungsschreiben…

    Heute können die Zuschauer bereits nach dem Ende des ersten Durchlaufs anrufen, RTL hat nämlich herausgefunden, dass so noch mehr Geld zu verdienen ist. Und da sich die Leute vermutlich ohnehin nur an einer möglichst kruden Homestory und nicht an gezeigten Leistungen der Kandidaten orientieren, sind deren Liedchen im Grunde genommen sowieso egal. Insofern ist die vorzeitige Eröffnung des Televoting nur konsequent.

    Der zweite Durchlauf unter dem Motto “gefühlsechte Balladen” beginnt wieder mit Thomas Karaoglan und seinem “Stand by me” von Ben E. King. Diesmal steht er adrett gescheitelt im Konfirmationsanzug vor einem Retromikrofon und singt artig seine Zeilen, während es seinen Fanblock (Marco Schreyl: “klein und aggressiv, wie der Checker”) nicht auf den Sitzen hält. Die Zeit eines kurzen Instrumentalparts nutzt Karaoke-Tom, der Bonsai-Gentleman, um nach vorn zum Jury-Tisch zu gehen und Nina formvollendet einen Handkuss zu geben. Die Jury ist denn auch begeistert, toller Auftritt, Superklasse.

    Ein fieser, aber zutreffender Spruch lautet “Der Tod sucht seinen Grund”. Dass Manuel Hoffmann heute vermutlich ausscheiden wird, steht bereits seit letztem Sonntag fest, denn er profitiert vom Abgang des Partykönigs Helmut, was ihm die undankbare Rolle des DSDS-Prügelknaben beschert. “Sorry seems to be the hardest Word” von Elton John, das man übrigens auch als Cover-Version von Blue kennt, dürfte in diesem Wettbewerb wohl endgültig sein letztes Lied werden – es sei denn, die Bildreporter finden auch gegen andere Kandidaten noch Indizien, so dass Manuel nochmal nachrutscht. Dabei ist das von der musikalischen Leistung her nicht berechtigt, die ruhige Ballade liegt dem angehenden Kindergärtner nämlich erkennbar besser als DJ Öff-Öffs Deppenhymne aus der ersten Runde. Seine Bühnenshow beschränkt sich im Grunde genommen auf das Tragen einer glänzenden, Bademantel-ähnlichen Jacke mit aufgedrucktem Union Jack – wohl als Reminiszenz an den von der britischen Queen geadelten Sir Elton. Dieter macht auf konziliant: “Wenn es heute Abend für Dich nicht weitergehen sollte, hast Du Dich wenigstens mit einer Supernummer verabschiedet!”

    Kim Debkowski hat sich als Ballade “Almost Lover” von A Fine Frenzy ausgesucht. Sie sitzt mit einem Tüllschleier und einem blauen Quallen-ähnlichen Dingsbums auf dem Kopf auf einem roten Armsessel mitten auf der Bühne. Ein paar gute Töne sind dabei, aber ein ganzer Haufen geht auch ziemlich daneben, eigentlich zu viele für eine Top-5-Show, aber Kim hat ja den Bonus als “Last Woman Standing”. Die Jury ist eher ungnädig, besonders natürlich Dieter: “Mit dem Titel hast Du Deine Problemzone herausgearbeitet, nämlich Deine Stimme.” und “Das war brutal!”

    “Hard to say I’m sorry” von Chicago ist Mehrzad Marashis zweiter Titel. Diesmal punktet er mit einer sehr gefühlvollen Performance, auch wenn man ihn zunächst im dunklen Anzug und seinem gewohnten schwarzen Hut vor einer fast unbeleuchteten Kulisse kaum sieht. Bei diesem Stück gefällt mir – zum allerersten Mal – die Orchesterbearbeitung nicht, die haben aus der Nummer von Chicago eine merkwürdig emotionslose Stampfnummer gemacht, etwas zu schnell für meinen Geschmack. Trotzdem singt Mehrzad den Titel topp. Dieter findet’s gut “mehr Gefühl geht nicht”, Nina und Volker sind auch sehr zufrieden.

    Im Duell der großen M&Ms beschließt Menowin Fröhlich den Abend musikalisch mit “How deep is your Love” der Falsett-liebenden Gibb-Brüder, landläufig auch als Bee Gees bekannt. Novität am Rande: Menowin mal ohne Mütze, so dass man den frisch in die Haare tätowierten Violinschlüssel gut sehen kann. Auch ansonsten ist der Auftritt um Klassen besser als bei der Ballermannrunde. Die Jury begrüßt die Rückkehr des “alten” Menowin.

    Vor der Humor-Pause (und das ist wörtlich zu nehmen) bis zur Urteilsverkündung darf die Jury einen Tipp abgeben, genau genommen spricht nur Onkel Dieter: Wenig überraschend, hält er vor allem Manuel und etwas auch Kim für gefährdet.

    Für die Überlebenden des RTL-Gehirnzellenmassakers namens “Böse Mädchen” kommt es dann nach knapp zwei Stunden zunächst wie erwartet: Menowin und Mehrzad sind sofort weiter, doch dann wird als dritter sensationell Manuel in die nächste Mottoshow gewählt! Hinsichtlich der Frage im Blog-Titel also schon mal ein klares NEIN, kein Déjà-vu, diesmal geht es weiter für den letzten Normalo im Kandidatenfeld! Stattdessen wird der Loser in einem minutenlangen Zitterduell zwischen Kim und dem Checker ausgemacht und raus fliegt am Ende ziemlich überraschend Thomas “der Checker” Karaoglan. Hmm, Respekt, das hätte ich jetzt eigentlich nicht gedacht. Dann will ich gleich mal meine eigene Vorhersage im Blog zur Top-7-Show ändern. (Nein, Scherz, das mache ich natürlich nicht und auch meine heutige Vermutung zum sicheren Abgang von Manuel lasse ich hier stehen.) An der garantierten Finalpaarung Menowin und Mehrzad ändert das aber alles nichts.

    Bis zur nächsten Woche, wenn außer Kim nur noch Männer mit dem Anfangsbuchstaben “M” auftreten!

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  • DSDS (RTL) 21.03.2010 2 Comments

    Liebe Leute,

    wieder ist Samstagabend, in Köln findet die fünfte DSDS-Mottoshow statt und das bedeutet Großeinsatz für Handys, Taschentücher und Ohropax. Mittlerweile ist die Kandidatenanzahl auf sechs zusammengeschnurrt und auch heute wird einer oder (die) eine die Hoffnung auf ein Leben als Superstar fahren lassen müssen.

    Dass künstlerische Kriterien bei dieser Veranstaltung nur am Rande zählen, haben wir ja inzwischen sicherlich alle mitbekommen. Viel entscheidender ist nämlich das Gesamtpaket (Jurysprech: “Package”), also die Melange aus Homestory, Aussehen, Persönlichkeit und zuletzt Musikalität, wobei ein möglichst problematisches Zuhause bei weitem die wichtigste Rolle spielt. Beim Rennen um die verwertbarste Homestory liegt weiterhin Menowin mit zweimal Knast (er selbst und die Mutter) und drei bei der Ex-Freundin lebenden kleinen Kindern vorn, wobei die Ex-Freundin übrigens lt. Bildzeitung gleichzeitig seine Cousine ist. Auf Platz zwei folgt Mehrzad mit einem Baby (gerade geschlüpft) und dem Unfalltod seines Bruders, außerdem kannte er einen der Toten vom Kölner Stadtarchiveinsturz. Die anderen Kandidaten sind dagegen weit abgeschlagen, haben außer einer dominanten Oma (Manuel), einer ausgeprägten Schminkmacke (Kim) und Größenwahn (Thomas) nicht viel zu bieten. Helmut könnte vielleicht wegen seines vorgerückten Alters noch ein paar Mitleidspunkte einfahren, aber das wäre es dann auch schon.

    Zwischen der eigentlichen Sendung und der Urteilsverkündung soll es heute mal keine “Böse Mädchen” oder ähnlichen Dreck geben, den RTL sich Humor zu nennen erdreistet, stattdessen wird Sympathieboxer Wladimir Klitschko live und in Farbe seinen Gegner Eddie Chambers vermöbeln. Dabei haben alle Beteiligten garantiert mehr zu lachen als in den vorangegangenen Wochen auf diesem Sendeplatz. Das Thema Boxen zieht sich denn auch etwas durch “Deutschland sucht den Superstar”, z.B. werden die Kandidaten alle in Boxklamotten vorgestellt. Das eigentliche Motto des Abends ist aber “Deutsch gegen Englisch” und das bedeutet, dass jeder der sechs heute zwei Titel singen muss, nämlich in der ersten Runde einen auf Deutsch und später einen auf Englisch. Zur Einstimmung singen alle zusammen “Let me entertain you” von Robbie Williams. Tun wir ihnen den Gefallen und lassen uns unterhalten…

    Als Kandidat Nummer Eins geht heute Abend Thomas Karaoglan mit “Hamma!” von Culcha Candela ins Rennen. Obwohl er im Recall noch unter Gedächtnisproblemen litt, kriegt der “Checker” den überlangen und sehr schnellen Text diesmal gut hin. Auf der Bühne zieht er wie gehabt eine richtige Show ab und wird dabei von einigen Tänzerinnen begleitet, die er der Reihe nach anflirtet. Nach dem Lied bekommt er erst mal ein Ständchen von der ganzen Halle, denn Thomas feiert heute seinen 17. Geburtstag. Leider hat die Regie dabei das Mikrofon von Moderator Marco Schreyl nicht abgeschaltet und man kriegt einen Eindruck von seinem musikalischen Unvermögen. Die Jury, bestehend aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller, hält sich in dieser Disziplin lieber vornehm zurück.

    Heute kommt der Moment zum Fremdschämen schon sehr früh, nämlich bereits beim Juryurteil für Thomas ersten Song: Ohne überhaupt auf das gerade Gehörte einzugehen, fragt Dieter erst mal ganz direkt, ob es stimme, dass der Checker in dieser Woche einen Einlauf gekriegt habe? (Gemeint ist ein medizinischer Einlauf, kein Anschiss z.B. von Onkel Dieter.) Der Befragte ist maximal zwei Sekunden lang peinlich berührt, besinnt sich dann aber darauf, für Publicity ja alles zu machen und lässt Fernsehdeutschland recht offenherzig an einer eher uncoolen Episode aus seinem Verdauungstrakt teilhaftig werden: Er hätte nämlich neulich irgendwie Verstopfungen gehabt, deswegen habe ihm seine Oma (SEINE OMA, ich fasse es nicht!!!) einen Einlauf gemacht und dabei sei ordentlich was herausgekommen. Igittigitt!!! Vermutlich kommen dann morgen noch ein paar Beweisfotos auf der Titelseite der BamS, zusammen mit der packenden Enthüllungsstory “Mit dem DSDS-Checker auf der Toilette”. Für Montag ist dann in der BILD der Folgeartikel “Oma Karaoglan: Wie es wirklich war” geplant, am Donnerstag legt eventuell noch die BRAVO nach mit “Der Checker gibt alles”. :-)

    Das Urteil zu dem eben gehörten Liedchen fällt erwartungsgemäß milde aus, Dieter brabbelt zwar halbherzig etwas von “noch Singen üben”, aber das wird sicherlich ungehört verhallen. Ist auch wurscht, bis zur Top-3-Show sehe ich Thomas sowieso auf Nummer Sicher.

    Nun wird wieder der Posing-Generator angeworfen, denn Helmut Orosz ist an der Reihe. Er tritt auf mit “1000 und 1 Nacht” vom singenden Sozialarbeiter Klaus Lage. Das Lied stammt übrigens aus dem Jahr 1984 und hätte deshalb auch gut in die letzte Show gepasst. Mit dem üblichen Zahnpasta-Grinsegesicht, theatralischen Gesten und den immer gleichen neckischen Tanzschritten (inkl. Pirouette) hüpft “Helle” über die Bühne und dann durch die ganze Halle. Wie immer erinnert mich sein Auftritt an einen Karaoke-Abend im Ferienclub auf Mallorca. Einmal schubbert er sich an Nina heran und schmachtet sie direkt über den Jurytisch an, vermackelt bei dieser Gelegenheit aber kräftig den Text – mal sehen, ob Onkel Dieter das mitgekriegt hat! Gesangstechnisch ist das auch nicht allererste Sahne, die gelegentlichen Misstöne sind vermutlich Helmuts Bewegungsdrang geschuldet.

    Volker und Nina sind schon recht kritisch, aber Terminator Dieter gibt ihm schließlich den Fangschuss: “Es gibt Leute, die lernen’s nie – und dann gibt’s Helmut, der lernt das noch später! Hier geht es um so viel und Du bist zu blöde, um so einen Kindertext zu lernen!” Und dann wirft er ihm auch noch vor, sowieso die falsche Einstellung zu haben, jeden Tag “besoffen” zu sein und keine Termine einzuhalten!!! Jau, bei so etwas ist für Vollprofi Bohlen der Spaß definitiv zu Ende. Mein Bild mit dem Ferienclub-Animateur scheint doch gar nicht mal so völlig daneben zu liegen. Wenn Helle schlau ist, pimpt er mit dem von Dieter so subtil angedeuteten Alkoholproblem wenigstens die eigene Homestory auf, die war bislang doch arg mager… Helmut ist aber erst mal am Boden zerstört und schleicht mit hängendem Kopf zurück zur Kandidatencouch. Selbst schuld. (Das war nach Thomas Darmabenteuer heute Abend also schon Einlauf Nummer Zwei.)

    Aufgetakelt mit riesiger Irokesenfrisur sieht Kim Debkowski wie die kleine Schwester von Bill Kaulitz von Tokio Hotel aus. Sie singt heute Abend “Krieger des Lichts” von Silbermond. Klamottentechnisch erinnert sie mich total an die Figur Riff Raff aus den letzten Szenen der Filmversion der Rocky Horror Picture Show. In ihrem kurzen Einspieler erklärt sich Kim schon mal zur besten DSDS-Frau der Staffel, was ja technisch gesehen auch stimmt, denn nach Ines Abgang in der letzten Woche ist sie die letzte weibliche Vertreterin. Außerdem zeigt sie uns in dem Filmchen, wie man einen schnöden grauen Jutebeutel zu einem stylischen Disko-Utensil umschult. Der Titel geht dann verhältnismäßig unspektakulär über die Bühne, viel Action – außer den irren Klamotten – passiert nicht und das Stimmchen ist auch eher Marke “für den Hausgebrauch”. Aber immerhin bescheinigt ihr Dieter hinterher genau das, was Helmut fehle, nämlich Fleiß und Disziplin. (Dazu wird Helmut auf der Kandidatenbank sitzend eingeblendet und sinkt bei diesen Worten erkennbar noch ein Stückchen weiter in sich zusammen. Der Anschiss vorhin hat echt gesessen.)

    Manuel Hoffmann singt danach “Bilder von Dir”, das ursprünglich von Laith Al-Deen stammt. Im Einspieler sehen wir ihn bei der Bewältigung seiner Fanpostflut, ansonsten herrscht aber gähnende Normalität an der Homestory-Front, keine mit Kindern sitzengelassenen Ex-Freundinnen, die sich in der Bildzeitung ausweinen, keine Eltern hinter “Schwedischen Gardinen”, nicht mal gastroenterologische Störungen – wie beim Checker – kann er vorweisen. Und die ihn betreffenden Management-Ambitionen seiner Oma sind als Thema auch ziemlich ausgelutscht. So kann das mit dem Superstar ja nichts werden. Das Liedchen wickelt er routiniert ab, keine derben Ausrutscher und Textvergesser, aber auch nicht übermäßig aufregend; die Bühnenshow kann man wohl eher statisch nennen. Dennoch ist Dieter diesmal auffallend zufrieden mit Manuel und lobt ihn nachdrücklich, beinahe überschwänglich. Welche Strategie steckt wohl dahinter? Vermutlich will der Schlagertitan nun unter allen Umständen Helmut loswerden und lobt dafür alle anderen traditionellen Sorgenkinder über den grünen Klee. Bin mal gespannt, ob das aufgeht…

    Menowin Fröhlich scheint ein Abonnement auf die strategisch günstigen hinteren Startpositionen zu besitzen – sicherlich hat der weitreichende Einfluss seines Gönners Bohlen dafür gesorgt. Auch diesmal kommt er erst als zweitletzter Kandidat an die Reihe, nämlich ganz in grün inkl. Baseballkappe (vielleicht wegen des gerade gewesenen St. Patrick’s Day?). Sein Lied ist “Über sieben Brücken musst Du geh’n” von Meta Paffey und der hat’s von Karat. Seine Stimme klingt heute anfangs ungewohnt dünn und schräg und auf die Tanzperformance wartet man vergeblich – das war aber angesichts des balladesken Titels auch nicht wirklich zu erwarten. Ich fand Menowins Version einfach langweilig, aber Dieter überschlägt sich – völlig überraschend, haha – vor Lob. Das sei eine tolle Neuinterpretation dieses Klassikers, genial, kaum noch zu toppen. Volker schließt sich an, nur Nina sagt in einem erstaunlichen Anfall von Ehrlichkeit, dass ihr der Titel nicht gefallen habe. Dafür fängt sie sich bestimmt noch eine Abmahnung vom Oberjuror ein!

    Mit “Flugzeuge im Bauch” vom Ruhrgebietsapostel Herbert Grönemeyer beendet Mehrzad Marashi die erste, die deutsche Runde der heutigen Mottoshow. Alle Superlative, die Dieter eben über Menowin zusammenfabuliert hat, treffen für Mehrzads Auftritt tatsächlich zu. Er interpretiert den eher depressiven Titel völlig neu, singt ihn mit viel Power und absolut makellos und zeigt damit einmal mehr, wer abseits von Bohlens Vermarktungsüberlegungen in Wirklichkeit der Superstar dieser Staffel werden sollte. Die Halle tobt vor Begeisterung und die gesamte Jury, sogar Onkel Dieter, bescheinigt Mehrzad eine astreine Leistung, er sei in der ersten Runde klar der Beste gewesen!

    Im zweiten Durchgang hören wir nur englische Titel, wieder beginnt der großmäulige Checker Thomas Karaoglu. Diesmal tanzt er furios “Relight my Fire” von Take That und trägt dazu eine feuerrote Jacke. Leider hat das Jüngelchen noch immer nicht die zu seinem Ego passende Stimme und die Jury empfiehlt ihm wohlwollend, daran in der nächste Woche doch mal etwas zu üben. (Dass er auch in der Top-5-Show dabei sein wird, steht ja wohl außer Frage.)

    Dann ist es Zeit für den nächsten kräftigen Einlauf von Doktor Bohlen: Helmut Orosz performt “Satisfaction” von den Rolling Stones und das gar nicht mal schlecht, allerdings kriegt er schon wieder den Text durcheinander. Dieter ist nicht nur nicht zufrieden (“I can’t get no Satisfaction…”), sondern geradezu ungehalten, ein erwachsener Mann von 30 Jahren müsse sich doch wohl zwei Texte merken können, sogar der (offenbar doofe) Willy Herren am Ballermann könne das und “Du wirst es in diesem Beruf zu nichts bringen!”. Nina versucht Helmut mit etwas Lob zu trösten, aber Volker haut sofort in Dieters Kerbe “Die Stones waren auch immer besoffen, aber haben nie den Text vergessen – von mir gibt’s ‘ne Sechs dafür!!!”. Rumms, nun hat sich “Helle” also in beiden Runden fettestmögliche Jury-Watschen eingefangen, bleibt abzuwarten, was das Publikum dazu sagt. (Einlauf Nummer Drei)

    Weiter geht’s mit “Can’t get you out of my Head” von Kylie Minogue, gesungen von Kim Debkowski. Diesmal hat sie sich optisch nichts Neues einfallen lassen, sondern Kylies bekanntes weißes Kleid mit der riesigen Kapuze aus dem Videoclip imitiert. Die Jury ist vom Outfit sehr angetan, der Gesang kann zwar nicht ganz mithalten (Dieter: “Mini Playback Show”), aber insgesamt sollte Kim damit bis zur nächsten Woche eigentlich überleben dürfen.

    RTL hat es eilig, Klitschko wartet, deshalb geht es sogleich weiter mit Manuel Hoffmanns Version von Ronan Keatings “Life is a Rollercoaster”. Der Auftritt kommt wieder ohne Bühnenshow aus, Manuel steht viel in der Gegend herum, singt sein Lied aber klaglos, wenn auch nicht sensationell. Dieter ist wieder auffallend begeistert, fand auch den zweiten Song sehr gelungen, Nina und Volker sind hingegen eher etwas indifferent. Ja, das sei schon irgendwie okay gewesen, aber mehr auch nicht und sie hofften, dass genügend Zuschauer für ihn anriefen. Ganz klar, Strippenzieher Dieter versucht, Manuel an Helmut vorbei nach oben zu drücken.

    Noch bevor man den nächsten Song überhaupt gehört hat, weiß man schon jetzt, dass Menowin Fröhlich von Dieter Bohlen wieder über den grünen Klee gelobt werden wird. So kommt es auch tatsächlich, “If you don’t know me by now” von Simply Red singt Menowin aber auch wirklich genial, wenn man die paar Textaussetzer mal gnädig übersieht. Was mich wie immer irritiert, ist der eiskalte, fast muränenhafte Blick, mit dem er zwischendurch in die Kamera guckt, der passt gar nicht zu dem gefühlvollen Soul-Titel. Die Jury ist hin und weg, spricht von Gänsehaut-Feeling und ähnlichen Hautirritationen.

    Den Schlusspunkt setzt wieder Mehrzad Marashi. Diesmal hat er uns “Beggin’” von Madcon mitgebracht. Der Mann ist ein Phänomen, welches Lied auch immer er anfasst, er kriegt es super hin. Er singt, swingt, tanzt hundertprozentig, die Jury ist aus dem Häuschen, ganz klar: Mehrzad ist heute Tagessieger und sollte eigentlich auch ohne Probleme bis ins Finale kommen.

    Die Jury gibt wieder einen Tipp ab, wer heute gehen muss und legt sich einheitlich auf Helmut fest, der habe die falsche Einstellung und gehöre nicht mehr in die Show. Danach muss DSDS erst mal den Kanal räumen, denn jetzt will Feingeist Wladimir Klitschko zwischendurch seine Gage verdienen. Wir sehen uns hinterher zur Urteilsverkündung wieder.

    So, dank Vorspulfunktion am Rekorder ist es in Windeseile gut zwei Stunden später und während die Putzfrauen in Düsseldorf noch die Trümmer von Eddie Chambers aus dem Ring fegen (und Klitschko wohl sein Geld zählt), geht es gleich weiter in die nächste Arena, nämlich zurück nach Köln, zu DSDS. Die Zuschauer haben abgestimmt und wieder beginnt die alte Leier, drei Kandidaten müssen in die Vorhölle und noch etwas warten, nämlich Thomas, Helmut und Manuel und raus fliegt am Ende der eher unscheinbare Manuel Hoffmann. Das ist zwar heute absolut nicht berechtigt, aber nach Können ging es in dieser Sendung ja noch nie und so habe ich wenigstens die Genugtuung, dass meine Vorhersage vom letzten Mal eingetreten ist. Hoffentlich haut es Helmut in der nächsten Show vom Schlitten, verdient hat er es allemal.

    Bis dahin ‘ne schöne Woche!

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  • DSDS (RTL) 14.03.2010 3 Comments

    Träräää, es ist wieder soweit:

    Onkel Dieter zieht den Vorhang auf für eine weitere Ausgabe seines DSDS-Marionettentheaters. Die Musik der achtziger Jahre erfreut sich momentan einer ungerechtfertigten Verklärung – vermutlich von Leuten, die sich damit ganz sentimental an ihre Jugendzeit zurück erinnern, aber vergessen haben, dass die gute alte Zeit auch mal langweilige Gegenwart war. Ganz ehrlich, wer fand denn jemals Kajagoogoo oder Alphaville wirklich gut und wer trank tatsächlich Afri-Cola? Jedenfalls niemand, den ich aus der Altersklasse kenne. Klar, der Schlagertitan aus Tötensen fühlt sich in dem Jahrzehnt natürlich wohl, schließlich hat er damals mit Modern Talking seine ersten Millionen zusammengeklimpert. Und als Thema für die vierte Mottoshow von “Deutschland sucht den Superstar” reicht der 80er-Hype allemal.

    Die Jury aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller marschiert zu dem von Dieter handgedrechselten musikalischen Abführmittel “You’re my Heart, you’re my Soul” ins Studio; O-Ton Marco Schreyl: “Dieter Bohlen, der Mann, der die 80er-Jahre quasi erfunden hat”. Kassiert der heute Abend von RTL womöglich auch noch Extra-Tantiemen für die Benutzung seines Jahrzehnts?! Nina Eichinger scheint übrigens den Kleiderschrank ihrer Mami gefilzt zu haben und trägt ein recht freizügiges silbrig funkelndes Disko-Kleid, das vermutlich tatsächlich aus den 80ern stammt. Dieter wird von Marco quasi als Zeitzeuge gefragt, wie man denn so lebte in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts, als Internet, Handy und Privatfernsehen noch Fremdworte waren. Das sei ein ganz wichtiges Jahrzehnt für ihn gewesen, erfahren wir dann, damals habe er nicht nur seinen “ersten Welthit” geschrieben, sondern auch sein erster Sohn und seine derzeitige Freundin seien geboren worden. Haha, in puncto Selbstironie kann Dieter so schnell niemand das Wasser reichen.

    Als nächstes kommen die sieben Kandidaten, die an die 80er alle keine eigene Erinnerung haben, sofern sie damals nicht ohnehin nur “Quark im Schaufenster” waren, wie man so schön sagt. Sie performen wieder ein gemeinsames Liedchen, nämlich “Wake me up before you go-go” von Wham! (deren bessere Hälfte wir heute als George Michael kennen). Man sieht schon an dieser Stelle, wem die Gunst des Publikums gehört: Bei jeder Solostelle von Menowin oder “Checker” Thomas brandet blödsinnig-lauter Beifall auf.

    Mit Startnummer Eins und dem Titel “Eternal Flame” von den Bangles geht heute Kim Debkowski ins Rennen; ihr Begabungsschwerpunkt lag bisher mehr im Bereich Design als beim Singen. Allerdings bekam Kims Selbstbewusstsein in dieser Woche einen kleinen Knacks, denn in der “Bravo” war wohl ein Foto veröffentlicht worden, das sie ohne Schminke, dafür aber mit Pickeln zeigte. Selbst schuld, was hält sie auch ihre Visage in jede Kamera. Layouttechnisch erinnert Kim heute etwas an ein Zirkuspferd, trägt ein halb-durchsichtiges kurzes Paillettenkleid und einen riesigen Kopfputz auf der ohnehin hochtoupierten Frisur. (Nachher erklärt sie, ihr Haar symbolisiere eine “Flamme”, das sei nämlich der übersetzte Titel ihres Stücks… Allgemeines Gelächter im Saal!). Vom Gesang her war das heute einer ihrer besseren Auftritte, was aber nicht viel heißen muss. Dieter befindet “ziemlich gut gesungen, kaum Töne versemmelt”, was schon fast einer Absolution für ihre Ohrenfolter der letzten Wochen gleichkommt.

    Helmut Orosz war in den 80ern immerhin schon eingeschult und sein biblisches Alter von 30 Jahren ist wohl auch der Grund dafür, dass er nur schwer Texte lernen kann. In seinem total langweiligen Einspieler wird behauptet, er habe überall im DSDS-Loft Zettel mit Textpassagen angebracht, sogar im Gefrierfach und unter dem Klodeckel, was bei Marco Schreyl einen schmierigen Witz auf üblichem Niveau triggert. Helmut ist das Gegenteil von einem Allround-Talent, er kann eigentlich nur ein Genre, nämlich Powerballaden. Heute ist es “Hungry Eyes” von Eric Carmen aus dem besonders von Frauen geschätzten Film “Dirty Dancing”. Ehrlich gesagt, macht er heute seine Sache aber gar nicht mal so schlecht, kein Gegröle, alle Töne stimmen und zwischendurch gibt es sogar noch eine kurze Tanzeinlage mit Partnerin auf der Bühne. Auch die Jury ist zufrieden, nur nicht Dieter, der hat nämlich offenbar meine früheren Blog-Kommentare gelesen und vergleicht Helmut mit einem Animateur im Robinsonclub – er habe stimmlich das Potenzial eines jungen Bruce Springsteen, sehe aber aus wie ein Versicherungsvertreter.

    Nach einer Werbepause ist nun Manuel Hoffmann an der Reihe. Auch diesmal hat die DSDS-Redaktion kein besseres Thema für den Einspieler gefunden als seine Oma. Wir sehen ihn und Oma beim Spaziergang durch die Fußgängerzone und dann zeigt die Kamera, wie er – natürlich völlig spontan – sich neben einen Straßenmusiker stellt und mitsingt. Eine riesige Menschenmenge bildet sich um die beiden. Hoffentlich hat Manuel diesen Moment genossen, denn der sympathische Kindergärtnerazubi steht bei DSDS ganz oben auf der “Roten Liste der bedrohten Arten”, wie Marco es (bei Kim) so schön formuliert hat. Wer weiß, ob es für ihn überhaupt noch einen weiteren Einspieler geben wird…

    Wenn es nach der Titelauswahl geht, sehe ich für ihn schon an dieser Stelle kein Land mehr, denn er singt allen Ernstes “Ohne Dich schlaf’ ich heut’ Nacht nicht ein” von der Münchener Freiheit, also ein Stück zum Mitschunkeln für die Kuckident-Generation. Tja, wie soll Manuel da etwas Tolles draus zaubern, wenn schon das Original Mist ist? Vielleicht hätte er sich wenigstens mal bewegen sollen, anstatt sich die ganze Zeit am Mikrofonständer festzuhalten? Dabei hat er doch lt. Oma sonst immer so einen Bewegungsdrang! Fazit: Lied doof, Performance null, was sagt die Jury? “Das war das Grauen, ich hör’ schon Deine Abschiedsglocken”, resümiert Dieter kurz und knackig. Seine beiden Komplizen schließen sich natürlich dem Urteil des Meisters an.

    Das Weiterkommen von Mehrzad Marashi bis ins Finale steht im Grunde genommen schon seit Wochen fest, umso netter, dass er sich trotzdem immer wieder herablässt, seine ergebenen Fans an seinem Talent teilhaftig werden zu lassen. Er bringt heute ganz in schwarz von Lionel Richie die ruhige Ballade “Hello”. Hier sieht man aber mal den Klassenunterschied zu Manuel: Wo ersterer wirkt, als sei er im falschen Lied und habe mit Valium gegurgelt, kommt Mehrzad völlig authentisch rüber und legt auch in die leisen Töne eine tierische Power, als sei das Stück nur für ihn geschrieben worden. Das macht den Unterschied zwischen Sänger und Star, wird Manuel schnell das Aus und Mehrzad ganz nach vorn bringen. Die Jury bescheinigt ihm uneingeschränktes “Gänsehaut-Feeling”, man ist begeistert, mehr muss ich hier gar nicht schreiben.

    Nach der nächsten Werbepause kommt Ines Redjeb, eine traditionelle Wackelkandidatin, die sich im Einspielfilmchen über den massenhaften Zuspruch ihrer Fans freut, aber ansonsten nichts Neues zu sagen hat. Sie führt “Like a Prayer” von Madonna auf. “Prayer” heißt auf Deutsch bekanntlich “Gebet” und das kann sie jetzt wirklich gebrauchen. Während sich Band, Backgroundchor und Bühnenbildner überschlagen, singt Ines höchstens auf Karaoke-Niveau, immer schön säuberlich neben der Spur und nur mit minimalen Bewegungen, schon gar nicht im Gesicht. Die Frau hat es einfach nicht drauf – nur gut aussehen reicht nicht für den CD-Verkauf. Die Kritik der Jury bezieht sich komischerweise weniger auf den Gesang, als auf die fehlenden Showelemente, damit könne Ines allerhöchstens eine gute (hä, gute???) Studiosängerin werden. Ihre zickigen Repliken machen sie dabei nicht sympathischer. Hoffentlich ist der Krampf bald vorbei, die Zuschauer haben es in der Hand!

    Der beste Kandidat sämtlicher Staffeln aller Casting-Sendungen auf der ganzen Welt heißt Thomas Karaoglan oder, wie seine Freunde sagen, “Der Checker”. Bei einer gefühlten Körpergröße von 1,60 Meter passt sein Ego man gerade so eben in die Halle. Dabei kann er eigentlich nichts, sagte Dittsche (alias Olli Dittrich) in seiner Sendung am letzten Sonntag – und der weiß eigentlich immer alles am besten, denn er liest die Blöd-Zeitung. Die bisherige DSDS-Karriere von Thomas basiert jedenfalls vor allem auf heißer Luft und weniger auf musikalischem Talent. Im Einspieler wird gezeigt, wie die radebrechend deutsch sprechende Oma Karaoglan glaubt, ihrem Enkel etwas Gutes zu tun, indem sie am Rande einer Autogrammstunde seine (also SEINE) private Handynummer überall verteilt, damit die Leute für ihn anrufen können. Als Thomas dann am Abend 3.500 Anrufe in Abwesenheit bekommen hat, wird der alten Dame die Sache doch mulmig und sie greint so etwas wie eine Entschuldigung in die Kamera. ;-)

    Nun zu seinem Titel: Thomas bringt “Y.M.C.A.” von Village People. Was die Abkürzung bedeutet, wird er gefragt, aber er weiß es nicht, der Schlaumeier. Und ich frage mich darüber hinaus, ob er oder sonst jemand bei RTL überhaupt gemerkt hat, dass der Song mit dem Baujahr 1978 eigentlich gar nicht in das heutige Thema passt?! Geschenkt, jetzt geht’s nämlich los. Der Checker kommt zusammen mit einigen als Village People kostümierten Tänzern als amerikanischer Streifenpolizist mit riesiger Mütze und fetter Sonnenbrille (120% Tönung) auf die Bühne. Ich wusste gar nicht, dass es solche Uniformen auch in Kindergrößen gibt! Marco Schreyl bringt später den netten Spruch “hier in Köln solltest Du nachher nicht mit der Uniform nach Hause gehen”, was Thomas offenbar überhaupt nicht versteht. Scheinbar weiß er weder, was der Titel bedeutet, noch dass Village People die Ikone der amerikanischen Schwulenbewegung war. Der Auftritt ist trotz seiner eher durchschnittlichen Stimme wie gewohnt extrem unterhaltsam, denn wo Manuel und Ines die ganze Zeit statisch am Mikro kleben, steht Thomas nicht eine Sekunde still. Die Jury ist voll begeistert. Dieter hat wieder die besten Sprüche: “Normalerweise leiden die Leute unter ihrem Realitätsverlust – er genießt ihn.” und “Er meint, er ist so cool, hinter ihm schneit es schon!”

    Nach der letzten Werbepause kommt nur noch der bereits längst ausgeguckte Gewinner der 2010er-Staffel, Dieters Liebling Menowin Fröhlich. Diesmal präsentiert er im Einspieler keine neuen Überraschungen, wie aus dem Knast entlassene Angehörige oder bisher unbekannte Kinder, sondern wir werden Zeuge seiner überragenden Coolness: Menowin darf als Aushilfsstatist bei den Dreharbeiten von “Alarm für Cobra 11″ bei der Verschrottung von Autos mitwirken. Angeblich hat er sich dabei gar nicht mal so ungeschickt angestellt, obwohl er noch gar keinen Führerschein hat. Das ist eine geschickte Idee von RTL, so werben sie nämlich gleichzeitig für ihre eigene Fernsehserie und für Dieters Protegé.

    Menowin singt heute “Billie Jean” von Michael Jackson und hat als Tribut an den King of Pop eine goldbetresste schwarze Zirkusuniform angezogen. Wenn man die Augen zumacht, hört er sich wirklich an wie Menderes:-) Nein, Scherz, natürlich singt Menowin besser und außerdem zieht er auch eine richtig große Show ab, inklusive Hut- und Sackgegrabbel und ausführlichen Tanzeinlagen. Was ich aber persönlich trotz aller Professionalität an Menowin nicht mag, ist diese kalte, unerbittliche Ernsthaftigkeit, die er bei seinen Auftritten immer ausstrahlt, das Fehlen jeglicher Selbstironie. Man sieht ihn nie fröhlich grinsen oder locker lachen, sondern man hat beim Blick in seine Augen das Gefühl, für ihn gehe es jedes Mal um Leben und Tod und ohne anschließendes Lob würde er sich hinterher aufhängen. Vielleicht gehört das ja zu seinem Gangsta-Image, dann mag ich eben die ganze Attitüde nicht. Aber wie gesagt, das ist meine persönliche Meinung, im Publikum scheint er ja haufenweise Fans zu haben, die sich bei jeder Bewegung ihres Stars die Seele aus dem Leib brüllen.

    Sein allergrößter Fan sitzt in der Jury und heißt Dieter Bohlen. Der hat längst begriffen, dass er aus Menowins Vita mit Verbrecherkarriere, Knastaufenthalt, Läuterung und Gewinn der DSDS-Krone eine wunderbare Aschenputtelgeschichte stricken kann, die ihm (Dieter) viel, viel Geld in die Tasche spült. Und Menowin sieht darin vermutlich die einmalige Chance, sich durch den Gesang jetzt das an Geld zu verdienen, was er ansonsten nur auf krummen, illegalen Wegen mit noch mehr Anstrengungen und höherem Risiko bekommen könnte. Insofern geht es für ihn wirklich um alles und das erklärt auch seine völlig ernsthaften Auftritte. Die Jury ist, wie zu erwarten, von der Nummer begeistert, das sei ganz klar der beste Auftritt des Abends gewesen. Welche Überraschung…

    Das war’s, nun läuft die Abstimmung. Bevor uns RTL wieder den bösen Mädchen und anderen Restposten aus der Fernsehgiftküche überlässt, darf die Jury nochmal kurz raten, für wen heute wohl die Stunde schlägt. Alle drei sind sich einig, dass es entweder Manuel oder Ines treffen wird.

    Nach einer Stunde unaussprechlicher Tauchgänge in den Tiefseegräben des deutschen Humors ist man so ausgelaugt, dass der dauerlabernde Marco Schreyl wie eine Erlösung wirkt. Er kommt natürlich wieder nur langsam zur Sache und macht die Sache spannend bis zum bitteren Ende. In die Zitterrunde (“du musst leider nochmal nach hinten gehen”) kommen wie erwartet Ines und Manuel, dazu auch noch Kim und Helmut. Peinlich übrigens die gespielte Überraschung bei Menowin, Mehrzad und Thomas, die sofort weiterkommen, denen muss doch selbst bei größter Beschränktheit klar sein, dass sie heute unmöglich rausfliegen werden. Am Ende macht heute Ines den Abgang, ihre ewigen Zickereien mit der Jury haben damit ein erfreuliches Ende gefunden. An Stelle von Manuel würde ich aber langsam schon die Koffer packen, auf dem nächsten Ticket dürfte sein Name stehen.

    Das war der heutige DSDS-Abend, eine Sendung, die man wegen ihrer Spannungsarmut getrost jedem Herzpatienten zur Rehabilitation empfehlen kann. Wenn das so langweilig und vorhersehbar weitergeht, spare ich mir bei einer der nächsten Shows mal das Gucken und blogge freihändig irgendetwas. Der Fahrplan zum Finale dürfte sowieso schon lange feststehen und ich wage heute an dieser Stelle einfach mal eine Prognose der kommenden Platzierungen: 6. Manuel, 5. Kim, 4. Helmut, 3. Thomas, 2. Mehrzad und 1. Menowin. Das ist ja fast so langweilig wie die “Ausscheidung” des Lieds für Oslo, bei dem ja wohl auch die absolute Favoritin gewonnen hat, wie ich mir habe sagen lassen.

    In den mittlerweile goldenen 80ern gab es noch keine Casting-Shows. War vielleicht doch nicht so schlecht, damals…

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  • DSDS (RTL) 07.03.2010 1 Comment

    Hallo Leute,

    trotz – oder gerade wegen – des lausigen Wetters draußen steht der heutige Abend von “Deutschland sucht den Superstar” unter dem Motto “Happy Holiday Hits”. Nach dem standesgemäßen Empfang der Jury aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller muss der Poptitan aus Tötensen erst mal dringend was loswerden. Dieter hat offenbar bei Pro Sieben und ARD heimlich die Suche nach einem Lied für Oslo gesehen und mokiert sich, ohne Namen zu nennen, über zu lasche Jurys in anderen Castingsendungen. Das Business sei so brutal und knallhart, da könne man nicht jedem sagen “Du singst gut”, da helfe den Kandidaten nur der von ihm selbst gepflegte harte Kritikstil. Mal sehen, wie oft er den heute auch wieder gebrauchen wird…

    Nach ein paar musikalisch unbedeutenden Lockerungsübungen der verbliebenen acht DSDS-Kandidaten kommt die erste Gelegenheit für Dieter zu kritischen Äußerungen. Chefanimateur Helmut Orosz schaltet bei seinem Auftritt wie gehabt Dauergrinsen und Posing-Generator ein und singt Joe Cockers “Summer in the City”. So ereignislos wie sein Einspieler, ist auch Helmuts heutige Performance. Moderator Marco Schreyl lässt sich hinterher seinen neuen Tanzschritt (so eine Art doppelte Pirouette) vorführen, das war es denn aber auch schon. Die Jury ist grundsätzlich zufrieden, will aber noch mehr vom “Rocker” sehen. Helmut gelobt, noch besser werden zu wollen und alles zu tun, um das Publikum immer toll zu unterhalten. So ein Sülzmichel! Ein echter Rocker hätte seine Unabhängigkeit von der Massenmeinung einfach per Mittelfinger artikuliert…

    Nelson Sangaré hatte für seine Homestory seit einigen Sendungen noch immer einen Pfeil im Köcher: Seine Mutter verweigerte bislang den Besuch der DSDS-Sendung aus irgendwelchen Gründen. Aber uns allen war ja klar, irgendwann, wenn es dramaturgisch gut passt, wird auch Mama Sangaré im Publikum sitzen und Anlass für ein paar tränentriefende Szenen geben. Nachdem Nelson bei der letzten Sendung – (nur) gemäß Jury-Urteil – gepatzt hatte, scheint nun die Zeit dafür reif zu sein. Marco kann der aufgeregten Mutter zwar keine verständlichen Worte entlocken, aber immerhin ist sie im Saal und Sohnemann hat deswegen ganz offenbar Nervenflattern. Völlig ungewohnt vergeigt Nelson bei “Summer Jam” von The Underdog Project gleich reihenweise Töne, bewegt sich aber ansonsten souverän über die Bühne. Hinterher sind sich Volker und Nina beinahe unsicher, ob sie ihren Ohren trauen können, aber Dieter nimmt in dieser Beziehung kein Blatt vor den Mund: “Deine Stimme ist vom Sound gut, aber bei der ersten Strophe war kein Ton, wo er hingehört!”. Der Titan empfiehlt Nelson unter den Buhrufen seines Fanblocks, beim nächsten Mal ein einfacheres Lied auszuwählen: “»Mambo No. 5« hätte ich besser gefunden. [...] Weißt Du, der Wurm muss nicht dem Angler schmecken, sondern dem Fisch. Und darüber würde ich mal nachdenken.” Meine Güte, das ist ja für einen Samstagabend fast schon philosophisch.

    Als nächstes ist Manuel Hoffmann an der Reihe, seit dem Ausscheiden von John-Boy Pluschke der letzte Kandidat mit Schmuse-Appeal für die U18-Mädchen. Seine 73jährige Oma ist wegen ihres Auftritts in der letzten Folge offenbar Teil des DSDS-Kults und bestreitet deshalb wesentliche Teile des Einspielers, auch wenn sie später live im Studio eher durch Hörprobleme auffällt und auf Marcos Fragen stets quer antwortet. Ein anderes Thema im Einspieler ist die enge bis sehr enge Beziehung von Manuel zur Schminkfetischistin Kim. Die beiden tauschen schon Schuhe aus, vielleicht auch mehr, und wo kommt eigentlich der Knutschfleck am Hals her? Da geht doch was!? Egal, Manuel singt “Lady” von Modjo – was daran ein Happy-Holiday-Hit sein soll, ist mir allerdings unklar, vielleicht, weil den schon mal jemand im Urlaub gehört hat??? Ob seine Oma auch heute wieder das Outfit ihres Enkels verantwortet, wird ebenfalls nicht erklärt, jedenfalls trägt er neckische weiße Bermudas zum hellblauen Blazer und schunkelt damit und mit einer Tänzerin weitgehend ohne akustische Unfälle über die Bühne. Dieter gefällt das Getanze nicht, sein Duschvorhang Zuhause bewege sich besser und überhaupt hätte der Titel auch nicht gepasst und für Manuel werde es heute ganz eng, orakelt er düster. Dann gibt es einen kleinen juryinternen Schwanzvergleich zwischen Dieter und Volker, wer der schlechtere Tänzer sei. Beide protzen herum, bei ihren – jeweils – zwei Hochzeiten nicht mal als Bräutigam getanzt zu haben, mehr Argumente gegen sich selbst fallen den beiden aber nicht ein, also endet der Streit unentschieden. Derweil schleicht Manuel etwas bedrabbelt zurück zur Kandidatenbank.

    Ines Redjeb kämpft schon seit einigen Folgen gegen Dieters Seufzer an “wenn es Dich doch bloß mit Stimme gäbe”, aber Totgesagte leben bekanntlich länger. Laut Einspieler macht ihr die fortwährende Negativkritik der Jury zu schaffen, auch Mami Redjeb ist sauer, weil die Bemühungen ihrer Tochter nicht anerkannt würden. Tja, Mühe allein genügt nicht, wenn das Ergebnis nicht stimmt. Das sind eigentlich Erkenntnisse, die die meisten Möchtegernsternchen bereits im Casting schmerzlich lernen, aber Ines ist da wohl etwas uneinsichtig. Sie schiebt ihre stimmlichen Probleme bei den Shows auf die ungewohnten hohen Schuhe, die sie dann immer tragen müsse, in Turnschuhen sänge sie viel besser! Ach was. Heute versucht sie es mit “When Love takes over” von David Guetta feat. Kelly Rowland. Die Töne stimmen diesmal, soweit ich das beurteilen kann. Ines Performance leidet aber etwas unter ihrer Bewegungslosigkeit; wie festgetackert steht sie am Mikro, so dass das an eine Mischung aus Schmetterling und Tiger erinnernde tolle Kostüm kaum zur Geltung kommt. So kann man das Problem mit den hohen Schuhen natürlich auch lösen! Genau das sieht die Jury auch so: Outfit top, Gesang ok, Bewegung noch ausbaufähig. Fazit: Darf weiter mitspielen!

    Jetzt kommen wir zum Favoriten der aktuellen DSDS-Staffel, zu Menowin Fröhlich. Bei ihm wird im Wochentakt die Homestory umgeschrieben, letztes Mal bekam sein Kind plötzlich zwei zuvor unbekannte Geschwister und auch die heutige Sendung wartet mit einer freudigen Nachricht für seine Fans auf: Mama Fröhlich ist aus dem Gefängnis entlassen worden! Treue Leser der Blödzeitung, dem Intelligenzblatt für geistige Kleinrentner, wissen das natürlich schon längst, alle anderen erfahren es eben heute aus dem Fernsehen. Und tatsächlich sitzt Mama Fröhlich gleich darauf live im Publikum neben Marco Schreyl, der sie ungewohnt behutsam über ihre Gefühlslage befragt. Vom Eingesperrtsein versteht der etwas, schließlich stammt er aus der DDR.

    Menowin singt von Santana “Maria Maria”, wobei ich mich auch hier frage, warum das als Holiday-Hit gilt, vielleicht weil Carlos Santana aus Mexiko stammt und man das gemeinhin mit Urlaub assoziiert? Kostümmäßig ist das heute etwas schräg, der Ex-Knastologe tritt nämlich in der weiß-türkisen Verkleidung eines indischen Eisverkäufers auf. Der Gummizug seiner weiten Pluderhose ist offenbar etwas ausgeleiert, so dass die Beinkleider mit jeder Tanzbewegung in Richtung Schwerkraft rutschen und von Menowin in kurzen Abständen wieder nach oben gezogen werden müssen. Aber im Gegensatz zu seinen Vorgängern bewegt er sich dabei gekonnt und auch gesanglich ist – wie gewohnt – alles vom Feinsten. Dieter attestiert das dann auch amtlich, auch wenn heute kein echtes Gänsehaut-Feeling aufgekommen sei.

    Ähnlich wie Ines, hat auch Kim Debkowski gegen den Ruf zu kämpfen, nur aus Äußerlichkeiten (vor allem Farbe) zu bestehen, aber letztlich nicht gut singen zu können. Im Einspieler bestätigt sie dann eher das Vorurteil, denn sie stellt uns ihre eigenen Ideen für irgendwelchen Modeschnickschnack vor, den sie vielleicht später mal unter dem Label “Kim Gloss” vertreiben will. Sie versucht sich heute an Madonnas “La Isla Bonita” und in ihrem feuerrot glitzernden Kostüm und den streng nach hinten gesteckten Haaren sieht sie aus wie eine eislaufende Flamencotänzerin. Apropos Eis: Ihre Stimme glitscht leider das eine oder andere Mal deutlich weg. Die Jury lobt zunächst ihr tolles Kostüm (”Edelpraline”), der Gesang sei allerdings etwas eierig gewesen, meint Volker. Dieter fand den gesamten Auftritt misslungen und würde nach eigenem Bekunden das Radio eintreten, wenn er den Titel darin so gesungen hörte, der alte Charme-Bolzen.

    Mahrzad Marashi verbreitet sich in seinem Einspieler ausschließlich über das Thema gesunde Ernährung und kündigt an, bis zum DSDS-Finale sein Idealgewicht erreichen zu wollen. Na, der geht ja selbstbewusst ran, aber ich denke, das ist angesichts seiner bisherigen Auftritte realistisch. Und der heutige Abend sollte ihn eigentlich ein weiteres Stück in Richtung Finale bringen, denn seine Performance mit “Fresh” (eigentlich von Kool & the Gang) läuft bestens. Komisch finde ich nur seine doof-obercoole Sonnenbrille und die beiden Hanseln, die etwas unbedarft hinter ihm über die Bühne hotten. Dieter ist begeistert: “Du hast heute Abend wirklich alles richtig gemacht und bist die Nummer Eins!”

    Wer fehlt noch? Mir keiner, aber trotzdem kommt jetzt “Checker” Thomas Karaoglan, der sich selbst als besten Entertainer bei DSDS (sämtlicher Staffeln, wohlgemerkt!) empfindet. Bescheidenheit war ja noch nie seine hervorstechende Charaktereigenschaft, auch nicht im Einspieler. Dort geht es um seine Autogrammstunde in einem Kaufhaus, die wegen totaler Überfüllung durch kreischende Fanmassen abgebrochen werden musste, was natürlich für die Psyche des eh schwer selbstverliebten Checkers fatale Folgen hat: “Das ist die geilste Staffel, die es jemals gabs [sic!] und der Geilste bin ich!”

    Nicht nur Thomas Ego, auch sein Einschleimvermögen ist unendlich: Wie bereits im Recall singt er nämlich Dieters eigenen Song “Mamacita”, mit dem normalerweise Mark Medlock die Umwelt akustisch verpestet. Das ist nicht nur ein anbiedernder Liebesbeweis des Möchtegernstars, sondern treibt dem Tötensener Multimillionär auch noch GEMA-Tantiemen zu, die er neben seiner normalen Jury-Gage verbuchen kann. Und wenn dann hinterher auch noch jemand das Bohlen-Medlocksche Machwerk auf CD kauft, verdient der Großmeister ein weiteres Mal als Produzent. Der Auftritt selbst ist wie gewohnt, nämlich gesanglich so lala mit guter Tanzeinlage. Volker mault etwas von wegen Nervosität und “Stift gegangen”, die Fans buhen, aber Dieter macht mit seinem Lob alles wieder gut: “Mit dieser Leistung zieht beim Checker keiner den Stecker.” Vielleicht nicht heute, aber bestimmt noch vor dem Finale, da bin ich mir sicher…

    Das waren unsere acht Kandidaten, nun kommt nach einer Stunde Comedy-Dreck die Auflösung, wer darf mit in die nächste Mottoshow? Hier mal wieder der Schnell-Service für alle, die bei Zusehen durch Marcos nervig-langsame Hinrichtungsmethode sonst einen Herzinfarkt kriegen würden – oder einfach besseres zu tun haben. In die Zitterrunde müssen Ines, Nelson, Manuel und Kim. Endgültig raus fliegt dann am Ende Nelson. Seine Fans buhen lautstark, aber immerhin konnte seine Mutter ihn so wenigstens einmal im Studio sehen…

    Wir hingegen sehen uns wieder am nächsten Sonnabend zu “Deutschland sucht den Superstar”, wo dann nur noch sieben Kandidaten um den flüchtigen Ruhm und eine Karriere als Medlock-Ersatz kämpfen.

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  • DSDS (RTL) 28.02.2010 1 Comment

    Samstagabend in Deutschland. Im ZDF zelebriert Thomas Gottschalk mit “Wetten, dass???” wie seit gefühlten hundert Jahren das televisionäre Hochamt der Kuckident-Generation. Den demografischen Gegenpol besetzt auch heute wieder Dieter Bohlens – in den letzten Jahren meist vergebliche – Suche nach dem Superstar. Aus ursprünglich 35.000 Bewerbern sind mittlerweile nur noch neun geworden, davon lediglich zwei Frauen. Wir sind mal gespannt, ob heute wieder eine von ihnen daran glauben muss. Wenn man ihre Leistungen der letzten Wochen ins Kalkül zieht, eine nicht völlig unberechtigte Ahnung.

    Übrigens geht es in der heutigen zweiten Mottoshow um das Thema “Die größten Pop-Hymnen aller Zeiten”. Nach dem pompösen Einzug der Jury aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller kommen auch in dieser Woche die Kandidaten mit einem gemeinsamen Lied in die Halle. Heute gibt es aus den mittlerweile “goldenen” 80ern den Kracher “The Final Countdown” von Europe . Das Stück ist 24 Jahre alt und und damit älter als viele der Kandidaten.

    Das Los für den ersten Auftritt ist auf den “Checker” Thomas Karaoglan gefallen. Der mag sich offensichtlich noch immer sehr und wenn es möglich wäre, hätte er sich bestimmt auch schon längst selbst geheiratet. Das geht aber nicht so einfach, denn erstens ist er erst 16 und würde zur Eheschließung die Genehmigung seiner Eltern benötigen und zweitens ist die katholische Kirche dagegen, glaube ich. Thomas singt heute “Looking for Freedom” des ebenfalls an erheblicher Selbstüberschätzung leidenden David Hasselhoff. (Allen Ernstes behauptete letzterer auch in nüchternem Zustand, mit ebendiesem Song zum Fall der Mauer Anno 1989 beigetragen zu haben!) Der “Checker” fährt zu Beginn seines auch ansonsten recht ordentlichen Auftritts mit einem Kettcar auf die Bühne. Die Jury fühlt sich gut unterhalten und attestiert dem jüngsten und kleinsten Teilnehmer eine achtbare Leistung, nicht zuletzt wegen seiner auch unter der Woche vorbildlichen Disziplin. Das ist ein Thema, wo Bohlen wohl durch die Eskapaden seines Ex-Modern-Talking-Partners Thomas Anders und dessen Überfreundin Nora heftig traumatisiert wurde und deswegen keine Spaß versteht.

    Kim Debkowski kommt heute verkleidet als Zirkusdirektorin mit Glitzerjacke und riesigem Zylinder auf dem Kopf. Dass sie auch diesmal wieder völlig überschminkt ist, muss schon gar nicht mehr erwähnt werden. Sie bringt “Fame” von Irene Kara, allerdings ist ihr Gesang m.E. eher nicht so berühmt. Hier und da schrabbelt sie knapp am richtigen Ton vorbei und glänzen tun eigentlich nur ihre Klamotten. Die Jury ist sich bei ihr ziemlich uneins: Während Volker und Nina sie loben, rügt Dieter – zu Recht – die falschen Töne und sagt ihr den baldigen Untergang voraus. Sein Vergleich von Kims Auftritt mit der Trunkenheitsfahrt von Bischöfin Käßmann scheint mir allerdings selbst für Dieters Verhältnisse ein bisschen weit hergeholt zu sein, aber ganz offensichtlich genießt er die Buhrufe und das Pfeifkonzert, das er damit auslöst.

    Startnummer Drei ist Mehrzad Marashi, der in seinem Einspieler über seinen guten Draht zu Mitbewerber Menowin und über eine längst verjährte Messerstecherei berichtet. Mehrzad liefert seinen Song “One” von U2 auf der tiefblau ausgeleuchteten Bühne wie gewohnt absolut professionell ab, auch wenn ich seinen hellen Hut irgendwie komisch finde. Dieter lobt den in sich ruhenden Mehrzad, wünscht sich aber zukünftig ein bisschen mehr Emotionen. Die Restjury stimmt ihm natürlich zu – wie ungewöhnlich.

    Jetzt kommen wir mal zu einem interessanten Einspielfilmchen, in dem Manuel Hoffmanns Oma das Sagen hat. Sie findet, ihr Enkel bewege sich bei DSDS zu wenig, um nicht zu sagen überhaupt nicht. Das sei so gar nicht authentisch, denn der “richtige” Manuel bewege sich im echten Leben sehr viel, sagt die Oma. RTL ist sich ja für keinen Gag zu schade und fliegt die rüstige Dame zu Manuels Probe nach Köln ein, bei der sie ihn direkt auf der Bühne überrascht. Recht resolut erklärt ihm die 73jährige, wie er beim nächsten Auftritt auf das Publikum zugehen solle, wie er seine Arme zu bewegen habe und überhaupt, dass er sich nicht so anstellen solle. Danach steigt sie mit ihrem Enkel in den RTL-Klamottenfundus und sucht ihm für die zweite Mottoshow ein auffällig schwarz-weiß kariertes Jackett aus.

    So lustig auch die Geschichte von der Oma als Coach ist, so blöd finde ich Manuels musikalische Auswahl: Er singt den pathetischen Soundtrack zum Mauerfall “Wind of Change” von den Scorpions. Ich habe das Stück irgendwie schon immer gehasst, es ist so durch und durch betroffen und nimmt sich selbst scheinbar fürchterlich ernst. Wenn ich schon das dämliche Gepfeife am Anfang höre und dann noch die nölige Stimme des mützentragenden Leadsängers Klaus Meine… Aber das ist natürlich Geschmackssache, andere finden es offenbar gut.

    Manuel hat sich für seinen Auftritt tatsächlich weitgehend an die Anweisungen der Oma gehalten und trägt zum schwarz-weiß kariert Jackett auch  noch einen ebensolchen Schlips. Er geht während des Lieds auf der Bühne mal an den Rand, dann zur Band und singt dabei völlig sicher. RTL überzuckert das alles wie gehabt und blendet im Hintergrund passend und ganz staatstragend das Brandenburger Tor ein. Die Jury ist verhalten zufrieden, vermisst aber auch in dieser Woche “den besonderen Aha-Effekt” bei Manuel. Seine vorher gezeigte Oma wird dagegen einhellig gelobt.

    Jetzt kommt Ines Redjeb mit “What a Feeling” von Irene Cara (schon der zweite Titel dieser Künstlerin heute Abend). Ines singt anfänglich wirklich schräg, auch wenn sie das hinterher nicht wahrhaben will. Dafür kann sie optisch mal wieder überzeugen, kommt zwar im Blaumann auf die Bühne, entledigt sich Jacke und Latzhose aber erfreulich schnell und trägt darunter ein gut zu ihrer Figur passendes kurzes rotes Kleid. Mit dem Klamottenwechsel wird auch ihr Gesang besser, wenn auch noch nicht gut. Dieter gräbt im Giftschrank seiner Erinnerungen eine angebliche Bettgeschichte mit Irene Cara aus. Die habe er in Los Angeles mal mit ziemlich viel Champagner besoffen gemacht – wohl, damit sie mit auf sein Zimmer kommt – und trotz Alkohol habe sie das Lied “What a Feeling” bei dieser Gelegenheit tausendmal besser gesungen, als Ines jetzt gerade eben. Das Publikum im Rücken des Poptitanen buht und pfeift, während der unter dem Jurytisch eine Flasche Champagner hervorholt und als Erinnerung an seine gerade gehörte Bettgeschichte Ines überreicht. Total unpassende Aktion und die Beschenkte hat auch ein fettes Fragezeichen im Gesicht: “Danke, aber ich trinke keinen Alkohol”. Nina hat offensichtlich vorher mal an der Flasche genippt, denn sie faselt bloß etwas von dem Tänzer, der im Hintergrund von Ines herumgehüpft war und von dem Bühnenbild und, und, und. Volker druckst etwas herum und resümiert dann doch in Dieters Sinne: “Das war tonal keine Sternstunde”. Ja, das trifft heute gleich für mehrere Kandidaten zu, ganz besonders für den nächsten…

    … denn jetzt kommt der Liebling der pubertierenden Mädchen, Marcel Pluschke, allgemein und treffend “Plüschi” gerufen. Moderator Marco Schreyl verarscht den Kleinen nach Strich und Faden und verschenkt die DSDS-Hochglanz-Klatschgazette an eine im Publikum sitzende Saskia, die sich als Pluschke-Fan outet und dem Centerfold-Poster ihres Lieblings vor laufender Kamera einen dicken Schmatz verpasst. Jaja, sie werde das Bild in der Nähe ihres Bettes aufhängen, erklärt sie unumwunden und unter dem allgemeinen Gelächter des Publikums. Der Einspieler ist nicht minder peinlich, denn der “Checker” behauptet darin frech, er habe Marcel in puncto Selbstvertrauen viel beigebracht und sei ganz zufrieden mit seinem Schüler. Plüschi selbst erzählt darin, er habe sich etwas in Saskia verguckt, die habe nämlich beim letzten Auftritt seine Idiotenmütze gefangen… Mutter Pluschke gibt dann dazu auch noch ihren Segen, die Saskia sei eine ganz Nette – und mir kommt die Kotze hoch. Unromantischer als eine von RTL öffentlich inszenierte Verbandelung mit der Aussicht, sein erstes Mal in Gegenwart von 10 Millionen feixenden Zuschauern haben zu dürfen, geht es ja wohl nicht mehr.

    Mit solchen oder ähnlichen Gedanken im Hinterkopf fällt die Konzentration auf wichtigere Dinge natürlich schwer. Das erleben wir gleich bei Marcels Darbietung von Opus “Live is Life”, das ich übrigens auch schon immer gehasst habe, genau wie “Wind of Change”. Der naiv-arglose Blondschopf tritt im Tankwart-Look mit Latzhose und Unterhemd auf und erlebt heute einen rabenschwarzen Tag: Er setzt nach dem ersten Refrain zu früh mit der Strophe ein, stutzt, hört auf zu singen, setzt dann wieder ein, allerdings mit dem falschen Text, stutzt und findet erst dann den richtigen Einstieg. So einen Laien-Karaoke-Moment habe ich trotz jahrzehntelangem DSDS-Konsum noch in keinem Auftritt einer Mottoshow in irgendeiner Staffel jemals erlebt.  Und das bei einem Lied, dessen grenzdebiler Text vor allem aus “Na na na na na” besteht! Was man Plüschi aber zugute halten muss, ist, dass er sich wieder fängt und das Lied ordentlich zu Ende singt.

    Das zu erwartende Donnerwetter findet nicht statt. Volker traut sich nicht, etwas gegen Plüschi zu sagen (“Ich mag sehr gern Kaninchen essen, aber ich könnte es niemals schlachten, weil es so niedlich ist.), Nina tröstet den Kandidaten, so etwas könne mal vorkommen und sei kein Beinbruch und vielleicht sei er ja auch verliebt. Dieter ist ja sowieso mittlerweile so etwas wie Plüschis Patenonkel und erzählt zur Beruhigung der Gemüter die Geschichte, wie Thomas Anders bei Modern Talking mal bei einem Auftritt das Mikrofon hat fallen lassen und deshalb jeder mitkriegte, dass der Gesang Vollplayback war. Und überhaupt, gesanglich sei Marcel gar nicht mal so schlecht gewesen, besonders das “Na na na na na” habe er gut hingekriegt. Also ehrlich, für Marcel gelten offenbar andere Spielregeln, der könnte auch einfach “Alle meine Entchen” auf zwei Fingern pfeifen und Dieter fände es genial. Die Plüschi-Show geht sogar noch etwas weiter, denn Marco zwingt Marcel und Saskia, sich zum Essengehen zu verabreden. In der nächsten Show soll dann Vollzug gemeldet werden. Kotz-würg-spotz!!!

    Der Auftritt von Nelson Sangaré verläuft dagegen geradezu unspektakulär. Im Einspieler labert er etwas über gesunde Ernährung und Fitness und wie ihm die Zitterpartie der letzten Show zu schaffen gemacht hat. Seine Mutter hat übrigens immer noch keinen Bock, sich Sohnemanns Gesang live anzusehen, dabei hätte sich das auch in dieser Woche wieder sehr gelohnt. Er singt eine etwas angejazzte Interpretation von Louis Armstrongs “What a wonderful World”. Ich fand, das war das absolute Highlight dieser Sendung, aber offenbar bin ich unmusikalisch, denn die Jury ist unisono enttäuscht. Der Titel habe nicht zu ihm gepasst, sei viel zu langsam, sein Typ passe besser zu aktuellen Titeln. Tja, das ist natürlich doof bei dem vorgegebenen Showmotto, da scheiden ja eigentlich aktuelle Songs aus, oder?! Etwas angeschlagen, mit gesenktem Kopf, schleicht Nelson zurück zur Kandidatenbank.

    Kurz vor Schluss kommt Menowin Fröhlich, der im Einspieler überraschend gesteht, mit seinen gerade 22 Jahren nicht erst ein, wie bisher immer behauptet, sondern bereits drei Kinder in die Welt gesetzt zu haben. Ein knallhart recherchierendes Blatt der Regenwurmpresse hat es wohl herausbekommen und nun kann er es nicht mehr leugnen. Mal sehen, wie viele Kinder er dann bis zum Finale hat… Papa Menowin singt heute ein Lied, das mir im Traum nicht eingefallen wäre, nämlich das gern zu Weihnachten aus der Mottenkiste geholte “We are the World” von USA for Africa. Na gut, technisch ist der Auftritt fehlerlos, aber ansonsten bleibt er damit weit unter seinen Möglichkeiten. Trotzdem bejubeln seine fanatischen Anhänger jeden seiner Schritte auf der Bühne, als betrete er gerade als erster Mensch den Mond. Und getanzt wird heute schon gar nicht! Aber ähnlich wie bei Plüschi, kann auch Menowin machen, was er will, es wird ihm von der Jury immer als genial ausgelegt. Dieter steht sogar auf und schüttelt dem Kandidaten persönliche die Hand. Seine Lobeshymne ist im allgemeinen Gekreische der Fans kaum zu verstehen und Onkel Dieter muss kurz böse werden: “HALT DOCH MAL DIE FRESSE, MENSCH!!!”, brüllt er unbeherrscht das Publikum an. Nina und Volker fallen keine neuen Superlative mehr ein und sie können nur ergeben zu Dieters Worten nicken.

    Den Ausputzer macht Helmut Orosz, den ich immer noch nicht mag mit seinem dauernden Posieren. In Ermangelung einer sinnvollen Homestory sucht “Helle” in seinem Einspieler seit einer Woche nach einer Traumfrau. Irgendwo hat RTL eine Freiwillige aufgetrieben und diese Jessika genannte Frau steht denn heute auch im Publikum und feuert ihren zukünftigen Freund an. Was denn an Helmut so toll sei, möchte Marco von ihr wissen. “Sein strahlendes Lächeln und… sein strahlendes Lächeln.”, gibt sie schlau zurück. Super, die beiden passen perfekt zusammen! Passen tut auch der Song, den Helmut heute singt: “It’s my Life” von Bon Jovi. Er tritt in Lederklamotten auf und kann bei andauerndem Grinsen wieder sein gesamtes Posing-Programm durchlaufen lassen. Bedauerlicherweise gefällt der Auftritt der Jury, damit sei Helmut nach der Wackelnummer von letzter Woche wieder voll im Rennen. Mist.

    Das waren die Auftritte, nun müssen wir eine Stunde lang wieder verfilmte Baldriantabletten ertragen, denen RTL scheinheilig das Etikett “Humor” aufgeklebt hat. Ihre Existenz verdanken diese völlig niveaufreien Beiträge einzig und allein der Tatsache, dass hinterher die DSDS-Ergebnisse kommen, freiwillig würde sich diese Grütze doch kein normaler Mensch antun.

    Wer bei dem sog. “Humor” nicht aufgegeben oder umgeschaltet hat oder eingeschlafen ist, darf als Belohnung den zweiten und wichtigeren Teil von “Deutschland sucht den Superstar” erleben. Ich mache es als Service mal wieder kurz: In die Zitterpartie müssen Kim, Ines, Marcel und Nelson. Und dann fliegt am Ende “Plüschi” Marcel raus. Das geht meines Erachtens angesichts seiner desaströsen Leistung heute in Ordnung. Nichts wird’s also mit der spannenden Frage, ob er mit Saskia zusammenkommt. Wir müssen irgendwie versuchen, mit der Ungewissheit zu leben, auch wenn es schwer fällt. ;-)

    Tschüss für heute, man liest sich nächste Woche!

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