Die letzte Auswandererdoku auf Kabel1 hätte ich mir auch schenken können – hätte ich doch nur auf meinen eigenen Blog der letzten Woche gehört! Schon im Teaser war klar, dass wir es heute weder mit Überfliegern noch Vollpfosten zu tun haben. Nicht mal das Auswanderungsziel war exotisch: Gran Canaria, gefühlt ja ein Zipfel von Süddeutschland. Wenn ich ganz ehrlich bin, und das sind wir im Internet ja alle, bin ich sogar beim ersten Ansehen eingeschlafen und komme deswegen erst heute dazu, diese Folge zu belästern.
Also, das mittelalterliche Pärchen Britta und Wigand hat vom sicheren Einkommen und dem grauen Wetter in Deutschland die Nase voll, gibt Werbeagentur (er) bzw. Piercingstudio (sie) auf und trollt sich nach Spanien. Auf den Kanaren will Britta, die sich dort den Kampfnamen “Brenda” zulegt, als Untermieterin eines Frisörladens eine Kosmetikecke aufmachen. Tja, zu früh gefreut, die Chefin des urspanischen Haarstudios “Struwwelpeter” (!) hat es sich anders überlegt und braucht den Platz jetzt selbst. Unsere beiden Auswanderer sind für ca. 5 Minuten down und überlegen dann, wie sie jetzt weitermachen können. (Überlegung am Rande: Wenn ich Wigand hieße, hätte ich mir auf jeden Fall auch einen Kampfnamen angeschafft…)
Jetzt kommen wir zum Lowlight der Sendung, dem Moment fürs Fremdschämen: Aus unerfindlichen Gründen kennen Britta/Brenda und Wigand einen gewissen Bernie, der als stark angegrauter Jürgen-Drews-Ersatz in der deutschen Community von Gran Canaria auftritt; man sieht ihn (Gottseidank nur sehr kurz) bei einer Open Air Unterhaltungsshow für schunkelnde Teutonen. Übrigens sollte man es sich mit Bernie nicht verderben, denn lt. Stimme aus dem Off laufen bei ihm die Fäden aller Deutschen auf Gran Canaria zusammen; das nennt man wohl einen “Paten”. Egal, zurück zu Bernies Show: Offenbar als Pausenunterhaltung verliest er zwischendurch Kleinanzeigen und stellt dem Publikum arbeitssuchende Landsleute (also Deutsche, keine Spanier) vor. Heute sind das die Powerfrau Brenda und ihr etwas hüpfig wirkender Partner.
Bernies Direktwerbung kommt an und unsere beiden lernen so tatsächlich ein anderes Auswandererpaar kennen, das einen Beautysalon betreibt und dort noch ein Eckchen für Britta/Brenda frei hätte. Leider ist die “Location” bei näherer Betrachtung denn doch zu klein, aber der joviale Bernie lässt im Beisein der Kamera ein zweites Mal seine weitreichenden Beziehungen spielen. So bekommt Britta/Brenda in einem anderen Salon ihre Ecke, arbeitet erfolgreich einen Tag zur Probe und ist glücklich. Und Wigand kriegt (ebenfalls mit “Vitamin B”) einen ersten Auftrag als Werbedesigner, stellt sich dabei geschickt an und hat ebenfalls “Land in Sicht”.
Die Story geht also gut aus und setzt in ihrer Belanglosigkeit die negative Entwicklung der letzten Wochen fort. Offenbar sind Kabel1 die bunten Stories ausgegangen und deshalb versendet man nun auch Geschichten, die eigentlich im Flusensieb des Langeweilefilters hängen geblieben sein sollten. Aber eine Sache macht mich hoffen: Die ganze Story spielt komplett in einer “deutschen Blase”, nicht ein einziges Mal kommen echte Spanier vor. Vielleicht ermutigt Kabel1 damit mehr Leute, in Länder auszuwandern, deren Sprache sie eigentlich gar nicht sprechen. Das gäbe endlich wieder Reinfälle vom Feinsten und wir hätten was zu lachen…