• DSDS (RTL) 05.02.2010 6 Comments

    Stell Dir mal vor: Du machst Traumurlaub auf einer Insel mitten in der blau-grünen Karibik und flezt in einem gemütlichen Liegestuhl an einem goldgelben Sandstrand mit Blick bis zum Horizont. Hinter Dir wiegen sich die Kokospalmen im lauen Lüftchen, in der Liege links neben Dir der/die Liebste, rechts ein kühles Glas Cuba Libre, irgendwo in der Ferne spielt jemand Gitarre. Mit einem Wort: Das Paradies.

    P L Ö T Z L I C H  ein lautes KRACHEN und KREISCHEN, eine große Horde wildgewordener Jung-Teutonen poltert mit ihren Taschen und Schminkköfferchen über den Strand und bezieht das Haus genau neben Deinem Bungalow! Das war’s mit der Erholung, denn jetzt geht es rund: Den ganzen Tag und die ganze Nacht streiten und singen die lautstark, streiten und singen und streiten und singen. Zwischendurch kommt regelmäßig ein miesepetriger, sonnengegerbter Mann in den Fünfzigern mit blond-gefärbten Haaren vorbei, der den ganzen Kiddie-Haufen anschreit, den Kopf schüttelt und sich wieder verzieht.

    Tja, wer das Glück oder Pech hatte, an den drei Recall-Tagen gleichzeitig mit Bohlens DSDS-Bande in der Karibik gewesen zu sein, der kann vermutlich so eine ähnliche Geschichte erzählen.

    Heute sehen wir zuerst die 35 Teenager und Twens beim unbeschwerten Baden und am Strand, plötzlich nähert sich von oben ein Hängegleiter mit darunter montiertem Schlauchboot (keine Ahnung, wie das richtig heißt) und setzt zur Landung im Wasser an. Hinter dem Piloten sitzt der Reiseleiter, Herbergsvater und Pop-Titan Dieter Bohlen. Der steigt für die letzten Meter bis zum Strand vom Flugzeug um in ein ordinäres Bötchen, in dem – standesgemäß – schon die restliche Jury aus Nina Eichinger und Volker Neumüller sitzt. Zusammen kommen sie unter dramatischer Hintergrundmusik am Ufer an, gehen an Land wie weiland Christoph Columbus, lassen sich von den artig applaudierenden DSDS-Kandidaten huldigen und nehmen ihre Plätze am Bambus-Jurytisch ein, direkt am Strand.

    Schnell hat der Spaß ein Ende, der Ernst zieht ein! Dieter Bohlen ist nämlich ein echt fieser Typ: Da nimmt er die 35 restlichen Bewerber aus “Deutschland sucht den Superstar” mit in die Südsee, lullt sie ein bisschen mit tropischer Wärme ein und verlangt dann plötzlich Leistung von ihnen! Schon während des Fluges mussten sie ein Liedchen lernen, das sie der Jury nun hier am Strand im Einzelauftritt vorsingen müssen. Und das, obwohl doch noch alle mit dem Jetlag kämpfen… Natürlich geht die ganze Sache gehörig schief, kaum einer kann den Text, sogar Bohlens Liebling Thomas Karaoke, äh Karaoglan hat da seine Probleme. Er hat zwar von “My Girl” kaum noch eine Zeile richtig parat, aber er behilft sich mit jeder Menge erfundener Reime, die zwar überhaupt keinen Sinn machen, aber auf den ersten Hör wenigstens richtig Englisch klingen. Sehr geschickt, man nennt ihn nicht umsonst den “Checker”. :-) Bohlen hat aber gemeine Spitzel und Zuträger, die haben den Text mitgelesen und decken Thomas Bluff auf.

    Auch Ruzhdi Bojani leidet unter partieller Amnesie, kann aber im Gegensatz zum Checker gar kein Englisch, so dass er seine Lücken nur mit “Lalala” zu stopfen vermag, was der Jury leider sofort auffällt. Bohlen resümiert, das habe mit Musik nichts mehr zu tun und sei einfach Müll – und Müll gehöre nicht auf so eine schöne Insel… Ähnlich ergeht es Meike Büttner, Helmut Orosz (O-Ton Bohlen: “das war absolute Kacke”), Kim Debkowski (Dieter: “Kein Schwein kann sich hier irgendeinen Text merken”), Anastasia Del Mukhamedova (Dieter: “Auch Du bist von der Texteritis befallen”) und Menowin Fröhlich (Dieter: “Mensch, Du musst in den nächsten Tagen Gas geben, sonst kriegst Du bei RTL ‘ne eigene Pannenshow”). Die Jury heuchelt Entsetzen über den karibischen Recall-Auftakt und Dieter schwingt zum Schluss eine Rede mit diversen Analogien aus dem von ihm so geschätzten Sanitärbereich (u.a. “Klobürste”). Es herrscht allerorten Krisenstimmung, gibt es wirklich einen “Fluch der Karibik”?

    Am nächsten Tag stehen Gruppenauftritte an. Naomi Marte, Angeliki Paitari und Steffi Landerer proben optisch ansprechend zusammen im Whirlpool, nachher sehen wir dann Naomi und Steffi auch noch bei innigen Plantsch-Spielchen im flachen Wasser. Nanu, da geht doch was? Wie dem auch sei, jedenfalls performen die drei als Girl Group mit “If a Song could get me You” von Marit Larsen vor der Jury. Die ist zufrieden mit der Choreografie, die Stimmen sind ihnen aber zu gewöhnlich und Dieter pflaumt vor allem Angeliki an: “Dir fehlt das Gefühl, das toucht mich nicht”. Hinterher kullern deswegen ein paar Tränchen ihren Luxuskörper hinab…

    Kevin Rebstock, Manuel Hoffmann und Patrick Feil (noch nie gehört!) bilden die nächste Gruppe. Ex-Moppel Kevin hat scheinbar Nachholbedarf für das richtige Performen und fragt unter Kamerabegleitung ausgerechnet Mr. Arrogant Thomas nach ein paar Tipps. Der blüht ob dieser Bestätigung bedauerlicherweise noch mehr auf und lässt ein paar Brocken seiner vermeintlichen Weisheit fallen (1. “sexy sein”, 2. “Augenkontakt halten”, 3. “geil sein”). Altklug garantiert er Kevin den Einzug unter die Top 15, wenn er diese Ratschläge befolge. Das oben genannte Trio singt Patrick Swayzes “She’s like the Wind”. Von dem Patrick (der Kandidat ist gemeint) hatte ich vorher noch gar nichts mitgekriegt, den Namen muss man sich aber vermutlich auch nicht merken. Seine Haare sehen wie eine zu groß geratene Perücke aus und er singt irgendwie leidend, so als trete ihm jemand auf den Fuß. Am besten fand ich persönlich Manuel, aber auch die anderen Herren kriegen von der Jury eine ordentliche Wertung.

    Menowin singt im Duett mit Alexandra Jansen, der Maschinenbaufrau aus Aachen. Der Ex-Knacki hat nach wie vor an seinem Texthänger vom Vortag zu knabbern und im zweiten Recall-Auftritt gehe es jetzt bei ihm um alles, behauptet die Off-Stimme. Scheinbar muss er wieder zurück in den Bau oder Söldner in Afghanistan werden, wenn Papa Bohlen ihn jetzt nochmal verreißt, so hört es sich jedenfalls an. Aber alle Menowin-Fans können sich beruhigt den nächsten Joint anstecken, denn die beiden bringen ihr “Up where we belong” unfallfrei über die Palmen-bestandene Bühne. Die Jury ist zufrieden und die beiden Kandidaten erleichtert.

    Eine weitere Boy Group besteht aus Helmut, Marcel Pluschke und einem namenlosen Typen, der sich vor allem durch seine zahlreichen Tattoos auszeichnet. Sie werden als DSDS-Chippendales angekündigt, weil sie mit nacktem Oberkörper auftreten, was wohl wenigstens von Nina eine positive Wertung sichern sollte. Die drei proben die ganze Nacht lautstark ihren Titel “To be with you” am Strand und machen sich damit vermutlich bei den anderen Urlaubern nicht sonderlich beliebt. Marcel hat darüber hinaus noch ein ganz anderes Problem: Er kriegt die hohen Töne nicht, will  sich deswegen auf so eine Art zweite Stimme im Background beschränken und den anderen beiden den akustischen Vortritt lassen. (Na, wenn das man zum Superstar reicht, nur blaue Augen und Dackelblick allein genügen nicht.) Die Vorstellung vor der Jury verläuft zufriedenstellend, auch wenn hier und da mal Textlücken durchschimmern und die Choreografie eher spontan als geprobt wirkt. Marcel fühlt sich zwischen seinen beiden singenden und hüpfenden Mitbewerbern sichtlich unwohl, guckt immer nur von einem zum anderen, damit er ja den Einsatz nicht verpasst. Das wird ihm dann hinterher etwas vorgeworfen, aber Dieter hat einen Narren an dem Jungen gefressen und lässt ihn weitgehend ungeschoren davonkommen. Ob der unerwartet positiven Wertung nehmen die drei Kandidaten erstmal ein spontanes Bad im nahe gelegenen Meer.

    Das nächste Duo besteht aus Kim und Thomas. Nicht besonders überraschend, dass zwischen den beiden die Chemie nicht ganz stimmt, er wirft ihr Hochnäsigkeit vor, sie nennt ihn stressig und chaotisch. Übrigens hat Kim mal wieder mehr Schminke aufgelegt als Tut-Anch-Amun, falls sie damit ins Wasser geht, müssten eigentlich sofort die Ölauffangschiffe ausrücken… ;-) Noch bevor sie überhaupt singen, gibt der Checker schon mal bekannt, dass er den Text wieder nicht kann. So wie es aussieht, war er nachts lieber in der Disko, als für den Auftritt zu üben. Dieter ist bei Thomas immer extrem großzügig, sagt nichts zu der mangelnden Disziplin. Er schlägt vor, die beiden sollten ihm bei ihrem Lied “We’ve got tonight” eben vorspielen, ein Liebespaar zu sein, auch wenn sie sich in Wirklichkeit hassen. So sei eben das Showgeschäft, doziert er. Die beiden singen dann eng umschlungen, lesen dabei immer abwechselnd von einem kleinen Spickzettel ab, verhaspeln sich aber öfters, sowohl beim Text als auch der Musik. Egal, Dieter findet’s niedlich, der Checker habe das sehr schön gemacht, blablabla. Nina und Volker scheinen übrigens gar nichts mehr meinen und sagen zu dürfen, die sind immer völlig still.

    Mehrzad Marashi und Olivera Brkic (hä, auch neu?) harmonieren da viel besser, sind stimmlich und persönlich wesentlich reifer als das vorherige Kinderpaar. Sie bringen “Endless Love” von Lionel Richie sehr gut rüber, ihre Stimmen harmonieren perfekt. Dieter Bohlen ist hoch zufrieden und nennt Mehrzad gar den einzigen richtigen Musiker unter den Kandidaten.

    Über Monique Laroche und Maria H. (Name auf Wunsch der Dame gelöscht!) hatte ich, glaube ich, auch noch nie geschrieben. Die beiden singen im Duett Maria Menas “All this time” und haben dazu sogar noch eine kleine Rahmenhandlung ersonnen. Sie hätten man ihre Energie mehr in Richtung Textlernen lenken sollen, sie kriegen das Lied nämlich auch in mehreren Anläufen nicht gebacken. Beim letzten Versuch haben sie superschlau kleine Spickzettel in Tassen (aus der “Rahmenhandlung”) versteckt, aus denen sie dann ganz offensichtlich ablesen. Was der Checker darf, dürfen Monique und Maria noch lange nicht. Bohlen wird grimmbimmselig und schnauzt rum und selbst die Harmonie-bedachte Nina meckert (“das war peinlich”). Volker findet den Auftritt gar unprofessionell, er käme sich gar nicht mehr wie bei DSDS vor, sagt er.

    Die letzte Gruppe für heute besteht aus Ruzhdi, Dirk Petry und Wemauchimmer und singt “Easy like Sunday Morning” von Faith No More. Nachts haben sie scheinbar mehr gesoffen als geübt und das Ergebnis zeigt sich heute. Während Dirk wie immer die Zähne nicht auseinander kriegt und sich scheinbar einen heftigen Kampf mit der Musik liefert, ist bei Ruzhdi genau das Gegenteil der Fall: Er singt etwas schlapp seine Strophen und bekommt dann leider wieder einen plötzlichen Gedächtnis-Totalausfall, genau wie am Vortag im Einzelauftritt. Er kaschiert die fehlenden Worte mit einem leichtherzigen “Dab-Dabbi-Dabbi-Da”. (Zack, die Musik setzt aus, das Bild friert ein, mit einem Mal ist alles nur noch schwarz-weiß. Was jetzt passiert, zeigt uns RTL in Zeitlupe und Standbildern, wiederholt einzelne Sequenzen mehrmals und legt dramatische Musik drunter.) Bohlen glaubt offenbar, nicht recht gehört zu haben, runzelt die Stirn, setzt die Sonnenbrille ab, steht auf, geht zu Ruzhdi, nimmt ihm das Mikrofon ab und schüttelt ihm die Hand “Schönen Weg nach Hause!”. Dieter dreht sich um und sucht einen Ort, wo er das eingesammelte Mikro ablegen kann. Er brabbelt “Dadada, das geht hier nicht!” in die Kamera und wirkt dabei ernsthaft empört, so wie der Wegewart im Kleingartenverein, wenn während der Mittagszeit einer den Rasen mäht. Tja, das war ein echter Rauswurf, für Ruzhdi ist der Traum vom Superstar von einer Sekunde auf die andere unwiderruflich vorbei. Die anderen Kandidaten geben sich hinterher geschockt, freuen sich aber insgeheim vermutlich über den aus dem Weg geräumten Konkurrenten.

    Dass sich ausgerechnet ein Dieter Bohlen über “Dab-Dabbi-Dabbi-Da” echauffiert, der doch in seinen eigenen Titeln oft genug den sprachlichen Offenbarungseid geleistet hat, mag verwundern. Ich denke mal, der Chefjuror hatte schon am Vortag erkannt, dass mit Ruzhdi wegen seiner mangelnden Englischkenntnisse kein Blumentopf zu gewinnen war. Da hat er heute die erstbeste Gelegenheit genutzt, an ihm ein Exempel zu statuieren und damit alle anderen zu schocken, ganz nach Mao Tse-Tungs Philosophie “einen bestrafen um hundert zu erziehen”.

    Mit diesem netten Bild verabschiedet sich der Recall aus dem zweiten Teil. Am Sonnabend kommt der Rest vom Schützenfest, da wird die Teilnehmerzahl auf 25 heruntergedampft. Bis denne!

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  • DSDS (RTL) 31.01.2010 4 Comments

    Und weiter geht’s bei “Deutschland sucht den Superstar”, Edition 2010. In den sieben vorangegangenen Casting-Terminen haben Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller unter dem wachsamen Blick der RTL-Kameras das Feld von 35.000 Bewerbern auf 120 Kandidaten eingedampft. Insbesondere Dieter hat dabei Schwerstarbeit geleistet und sein Bestes gegeben, nämlich sein Geld: Jedes Mal, wenn er das böse Sch-Wort sagte, musste er einen Euro in ein Sparschwein werfen. Lt. RTL sind so mehr als 5.000 Euro zusammengekommen, die nun an die Erdbebenopfer in Haiti gespendet werden. Und wenn man ehrlich ist, waren diesmal auch tatsächlich haufenweise Ein-Euro-Kandidaten im Casting. Ich kann nur hoffen, dass die meisten von den wirklich begabten Bewerbern bisher einfach nur noch nicht gezeigt wurden, weil die Vollpfosten spektakulärer waren…

    Das Recall der 120 Besten findet in Köln statt. Man sieht, wie die verbliebenen Kandidaten aus allen Winkeln der Republik in der Domstadt zusammenströmen und sich schließlich auf der Bühne versammeln. Dazwischen springt auch wieder Marco Schreyl herum, der uns ab heute als professionell-nerviger Moderator bis zum DSDS-Finale begleiten wird. Gleich in der ersten Recall-Runde geht es voll zur Sachen, die Kandidatenzahl soll auf die Hälfte reduziert werden, 60 Leute müssen also schon heute wieder gehen. Vorab wird aber erstmal der Einzug der Jury bombastisch inszeniert, die 120 Recall-Teilnehmer klatschen sich die Hände wund, um ihre drei Richter milde zu stimmen. Die sprechen alle noch ein paar salbungsvolle Worte der Preislage “gebt Gas”, “wir erwarten Euer Bestes”, “verkauft Euch optimal” usw. Dieter bringt es ganz plastisch auf den Punkt mit einem Tipp für die Damenwelt: “wenn jemand von Euch dicke T…[Pfeifton RTL]  hat, dann zeigt das auch”. An diesem Pfeifton kann man übrigens mal die aktuelle Grenze der Political Correctness verorten, sie verläuft offensichtlich zwischen den Worten “Scheiße” und “Titten”. ;-)

    Im ersten Durchgang müssen nun – nach Männlein und Weiblein getrennt – alle Bewerber einzeln nach vorn treten und ein paar Takte singen. Beginnen wir mit den Herren der Schöpfung. Bemerkenswert ist Thomas Karaoglan, der schon im Casting von Bohlen “Checker” getauft wurde. Wo andere Kandidaten nur stocksteif ihre Takte runtersingen, performt der 16-Jährige sein “Ain’t no Sunshine” regelrecht. Bohlen ist begeistert: “Ist so groß wie ‘ne Parkuhr, aber macht hier vorn auf dicke Hose”. Der Checker nutzt das offene Mikro und wünscht seinen Mitbewerbern etwas großspurig “viel Glück”. Mich erinnert der Typ etwas an Benjamin Herd aus DSDS 2008; mal sehen, wie weit die arrogante Masche trägt.

    Kevin Rebstock hat seine blonden Haare seit dem Casting wieder auf schwarz umgefärbt und hochgegelt. “Du siehst aus wie einer von den Prinzen“, befindet Bohlen. Als der 19-Jährige enttäuscht mault, schiebt der Poptitan noch halbherzig nach, das sei als klare Verbesserung zu verstehen. (Ich orakel mal: Vergiss es, Kevin, “besser” muss noch lange nicht “gut” bedeuten.) Bevor er seinen Titel “Broken Strings” beginnt, macht der Kandidat vor Aufregung oder zur Lockerung der Zunge ein paar bemerkenswert bekloppte Grimassen, die ihm vielleicht einen Sekundenauftritt bei Stefan Raabs TV-Total einbringen. Kevins Song ist dann bereits nach einigen Takten mit einem “Dankeschön” der Jury vorbei.

    Jetzt kommen schnell nacheinander diverse Typen, die sich vor allem darin überbieten, der Jury bei ihren kurzen Gesangsparts möglichst penetrant nah auf die Pelle zu rücken. Dirk Petry macht es vor und knödelt seine Takte fast direkt in Ninas Ohr, bis Dieter ihm mit einer Zeitung auf sein Markenzeichen haut, den schwarzen Cowboyhut. Helmut Orosz tut es ihm nach und Dominik-Büchele-Klon Eugen Flittner geht ebenfalls direkt vor Nina auf die Knie – langsam wird’s peinlich. Menowin Fröhlich wird vergleichsweise stiefmütterlich kurz abgefrühstückt (hat der nochmal zugenommen?).

    Malcolm Ohanwe will nach dem “Dankeschön” der Jury, das einem “halt die Klappe” gleichkommt, unbedingt noch weiter singen und fängt eine längere Diskussion mit Dieter, dem Halbgott an. Das kennen wir ja bereits aus Malcolms Casting, wo der Nervkopf überhaupt erst durch impertinentes Betteln in den Recall gelassen wurde. Bohlen beginnt der Geduldsfaden zu reißen und er brüllt den 16-Jährigen mehr oder weniger im Spaß an, er solle gefälligst in die Gruppe zurück gehen.

    Nelson Sangare macht sich bei der Jury keine Freunde, als er seinen kurzen Auftritt erstmal mit einer Beschwerde über aufkommende Hungergefühle und die mangelhafte Verpflegung vor Ort startet. Damit darf man einem Profi wie Bohlen nicht kommen: Das eigene Wohlbefinden habe zurückzustehen, er selbst hätte über den Tag auch erst eine halbe Birne gegessen und müsse überdies seit einer Stunde dringend aufs Klo, gibt er bekannt. Als Nelson dann in seinem Titel “Bilder von Dir” (Laith Al-Deen) einen Texthänger hat, weiß Bohlen auch sofort, wie das kommt: “weil Du immer nur ans Fressen denkst”. Anschließend lässt der Poptitan aber Gnade walten und schickt die Bewerber in die verspätete Mittagspause.

    Malcolm, der peinliche Nervbold, nutzt den allgemeinen Aufbruch, bemächtigt sich des Mikros und muss dringend noch Stevie Wonders “I just called” (mein persönliches Hasslied) singen, während alle anderen vorbei gehen und ihn höchstens mit einem Kopfschütteln oder Lachen bedenken. Keine Ahnung, welche tiefsitzenden Komplexe er da befriedigt, aber zum Superstar macht ihn das garantiert nicht.

    Thomas, der Checker, kriegt kurz darauf beim Essen einen schweren Arroganzanfall, schnappt sich ebenfalls ein Mikro und fängt unter den Buhrufen seiner Konkurrenten eine überlange Performance am Mittagsbüfett an. Der Typ entwickelt sich für mich zum ersten Anwärter auf den Holger-Göpfert-Gedächtnispokal für überflüssige Unsympathen. Er glaubt vermutlich, er sei Gottes Geschenk an die Menschheit und die Welt schulde ihm aufgrund seiner Coolness eine Karriere als Superstar. Bestimmt hat er ein Foto von sich im Portmonee. Ich werde gern mit ansehen, wie “der Checker” – hoffentlich bald – auf dem Boden der Realität aufschlägt. Für den Moment hat es sich jedenfalls ausgesungen, als Mitbewerber Mehrzad ihm unter dem Beifall aller Anwesenden und mit etwas physischem Nachdruck das Mikrofon abnimmt.

    Nach der Mittagspause “kommen die Mädchen dran” (O-Ton Schreyl). Auch hier gibt es nervige Krawallschachteln, die man lieber von hinten als von vorn sieht. Eine gewisse Ina Freund (17), war mir schon im Casting negativ aufgefallen und bestätigt das im Recall auch. Nicht nur, dass sie auf dem Kopf ein Dings trägt, das wie Omas Einkaufsnetz aussieht, sie kann auch vor dem Mikro kein Ende finden und diskutiert mit der Jury endlos in einer sehr unangenehm hohen Tonlage, ob sie noch ein zweites Liedchen trällern darf. Trotz “Nein” macht sie das dann einfach und fängt sich dafür von Dieter einen Vergleich mit seiner Verflossenen Verona (“Blubb”) ein, die wohl auch des Öfteren durch häusliche Insubordination aufgefallen war.

    Als nächstes lanciert der Tötensener einen schönen Witz auf Kosten des wandelnden Tuschkastens Kim Debkowski: “Wenn eines der anderen Mädchen noch etwas Makeup braucht, knutscht einfach Kim, dann seid ihr geschminkt.” Ansonsten mag er die 17-Jährige aber, sie habe sich seit dem letzten Jahr extrem weiterentwickelt. Angeliki Paitari hat einen sexy gelben, schulterfreien Fummel aus dem Schrank geholt und präsentiert Dieter darin ihre vielen Schokoladenseiten. Sie legt soviel Wert auf Posing, dass ihr Song “Lady Marmalade” dabei etwas unter die Räder kommt. Am Ende räkelt sie sich auf dem Jury-Tisch. “Wenn Du so singen würdest, wie Du von hinten aussiehst…”, meint Dieter nur und guckt ihr ungeniert auf die Rundungen direkt vor seiner Nase.

    Meike Büttner kündigt im Einspieler schon an, was im Recall dann wirklich passiert: Sie vergisst bei ihrem ohnehin dürftigen Gesang den Text. “Du siehst so wuschig aus, was ist mit Dir los?”, erkundigt sich Bohlen. Ihre Antwort “das war Scheiße” und seine Bestätigung kosten normalerweise je einen Euro. Das Ding ist wohl gelaufen.

    Dann kommt die Entscheidung, welche 60 Kandidaten weiter kommen und für wen der Superstar-Traum an dieser Stelle zu Ende ist. Weiter sind u.a. Angeliki Paitari, Thomas “Checker” Karaoglan, Kevin Reichmann, Naomi Marte, Marcel Pluschke, Nelson Sangare, Valeria Giordano, Menowin Fröhlich, Kim Debkowski, Maria Elena Valenzia, Ina Freund, Helmut Orosz, Manuel Hoffmann, Ruzhdi Bojani, Dirk Petry, Mehrzad Marashi, Meike Büttner (Sensation!) und die bettelnde Nervensäge Malcolm Ohanwe.

    In der nächsten Recall-Runde werden nun Gruppen gebildet, die jeweils zusammen einen von der Jury ausgesuchten Titel performen müssen. Die Hoffnung bei uns Zuschauern ist natürlich, dass dabei Leute zusammengesteckt werden, die nicht miteinander können. So, wie die zuerst vorgestellte Gruppe bestehend aus Thomas, Nelson, Malcolm und Manuel. (Ich glaube, jede Gruppe, zu der Thomas gehört, hätte Probleme…) Thomas schläft lieber, als den Text zu lernen, findet mit dieser Einstellung aber nur wenig Verständnis bei den anderen. Mit seinem Fehlverhalten konfrontiert, wird der selbst ernannte “Checker” auf einmal wieder zu einem unreifen 16-Jährigen und fängt an zu weinen, was ihn fast schon wieder sympathisch macht! Die nächste Auszeit nimmt sich Malcolm, der aus ungeklärten Gründen nicht zur Probe erscheint und auch keine plausible Erklärung dafür hat. Beim Auftritt machen Manuel (sehr) und Nelson (ziemlich) ihre Sache gut, Thomas und Malcolm zersägen dagegen Xavier Naidoos “Das hat die Welt noch nicht gesehen” gnadenlos. Rausfliegen tut am Ende nur Malcolm, die Nervensäge, der Checker hat sich dagegen beim Bohlen schon so tief eingeschleimt, dass er momentan sicher ist.

    Dirk und Anastasia funktionieren als Duo gar nicht, offenbar mag die Russin den merkwürdigen Deutschen mit Hut nicht. Sie üben nicht ein einziges Mal zusammen und versäbeln beide den Titel auf der Bühne tutto kompletto. Was der Blondine an Textsicherheit fehlt, verknödelt der Möchtegerncowboy in der Melodie, wenn man das überhaupt so nennen darf. Bohlen wettet um einen 6er-Träger Bier, dass Dirk nicht mal die Melodie hinkriegt – und behält Recht. Statt sich wenigstens über die gewonnene Wette zu freuen, füttert Dieter sein Sparschwein: “Euer Auftritt ist nicht mal mehr Scheiße, für ‘Scheiße” müsstet ihr noch fünfmal besser sein.” Das war deutlich. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen kriegen die beiden noch eine Gnadenfrist bis zum Ende des Recall und sollen dann ein weiteres Mal auftreten.

    Bei Angeliki (die mit dem knappen gelben Fummel) und Helmut funkt es dagegen sofort, die beiden planen regelrecht, mit “gezieltem Körpereinsatz” bei der Jury zu punkten. Sie legen dann auch tatsächlich ein tolles Duett mit “Will you still love me?” hin, inklusive abschließendem Kuss, obwohl sich die eigentlich fest liierte Angeliki den vorher verbeten hatte. Sex sells, die Jury ist begeistert und winkt beide durch in die nächste Recall-Runde.

    Danach kommt eine reine Mädchentruppe mit – abgesehen von Valeria – im Casting nicht weiter aufgefallenen Mitgliedern (Olga, Zemine, Andrea, nie gehört!). Die zicken sich alle abwechselnd an, irgendwelche Geschichten mit kaputten Strumpfhosen, unfertigem Makeup, Ärger mit der Mutter usw., fragt mich nicht nach Sonnenschein. :-( Das Timing kriegen sie schon mal nicht hin, die letzten 45 Minuten vor dem drohenden Auftritt beschuldigen sich alle gegenseitig, den Probetermin vergessen zu haben. Der Streit endet erst, als sich die Studiotür öffnet und ihr damit völlig ungeprobter Auftritt von Rihannas “Take a Bow” beginnt. Wenigsten haben sich einige von ihnen Bohlen-adäquat aufgebrezelt und ihre sekundären Geschlechtsmerkmale (Stichwort “Pfeifton”) gut sichtbar in zu enge Kleider gequetscht. Der Auftritt hätte m.E. noch schlimmer ausfallen können, aber Bohlen reicht es trotzdem und die Jury fällt ein hartes Urteil: Zwar steht Dieter default auf “dicke Dinger”, wie man der einschlägigen Presse entnehmen kann, aber in diesem Fall hilft das nur noch Zemine, der Rest der Damen ist raus. Olga heult verzweifelt in die Kamera “aber ich hab’ doch für DSDS die Schule aufgegeben…” (!!!); die Schminke tropft ihr dabei vom Gesicht in die üppige Oberweite. Das ist die dunkle Seite dieses Wettbewerbs, wie immerhin 34.999 der 35.000 ursprünglichen Teilnehmer irgendwann merken werden…

    In einer kurzen Sequenz sieht man noch weitere Überlebende dieser Recall-Runde, z.B. Kevin Reichmann, Marcel Pluschke, Maximilian Salzinger, Kim Debkowski, Kevin Rebstock, Naomi Marte, Meike Büttner (die Sensation geht weiter!), Maria Elena Valenzia und Maria Sowieso.

    Sarah Engels und Eugen Flittner sollen “You don’t know me” von Milow präsentieren, doch werden sie durch Sarahs mieses Gedächtnis geplagt, das sich der Datenaufnahme konsequent widersetzt. Auf der Bühne hat sie dann den befürchteten Totalaussetzer und Bohlen kriegt die Pimpernellen: “Leute, dafür ist mir meine Zeit zu kostbar, so ‘ne [Ein-Euro-Wort] hör’ ich mir nicht an.” Er schmeißt beide auf der Stelle aus dem Recall – dabei war Eugen vorher ein echter Hoffnungsträger und hatte keine Schuld an dem Desaster. Ach, was kann die Welt ungerecht sein.

    Menowin, Ruzhdi, Mehrzad und Joel bilden eine Boy-Group mit hundertprozentigem Migrationshintergrund und haben “You give me something” von Jamiroquai eingeübt. Ruzhdi demonstriert mit seiner hochgestellten Frisur eindrucksvoll die Gefahren der Föhnbenutzung in Badewannen. Leider kann er sich den Text nicht merken und mit seinem Englisch ist es auch nicht weit her, darum wird er bei seiner Darbietung etwas von dem mitgebrachten Textzettel behindert. Menowin hat sich fast zur Unkenntlichkeit vermummt, die Mütze ist tief über seinen runden Kopf gezogen, er trägt eine fette Sonnenbrille und hat auch noch einen dicken Schal um. Angeblich ist er erkältet. Trotzdem hat er zusammen mit Mehrzad eine richtige Tanzchoreographie eingeübt, Joel klampft dazu und Ruzhdi steht beim Singen etwas am Rand und starrt vor allem auf seinen Zettel. Bohlen ist recht angetan und gibt den vier unisono die Fahrkarte in die nächste Recall-Runde, wobei Ruzhdi deutlich abfällt und eigentlich nur wegen seiner vorherigen guten Leistungen weiter kommt.

    Zum Ende kriegen Dirk und Anastasia noch ihre versprochene zweite Chance und nutzen sie auch. Die Auftritte sind zwar beide etwas skurril, aber Bohlen will sehen, wie sie sich weiterentwickeln und winkt sie durch. Dirk löst bei dieser Gelegenheit seine Wettschulden von vorhin ein und schleppt gleich mehrere 6er-Träger Beck’s-Bier an (wie man trotz Überpixelung mit etwas Erfahrung erkennen kann).

    Nach dem Gemetzel der ersten Recall-Runden versammelt die Jury nun die übrig gebliebenen 35 Kandidaten, hält ihnen noch eine Predigt  und verkündet dann, wo der Recall fortgesetzt wird: Es geht in die Karibik!!! Mit Dieter unter Palmen, wer hätte insgeheim nicht schon immer davon geträumt, in der nächsten Woche wird es wahr! Man sieht sich…

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  • DSDS (RTL) 14.01.2010 1 Comment

    Hallo Leute, weiter geht’s in Onkel Dieters Panoptikum; der Poptitan sucht noch immer unverdrossen das Goldkehlchen in einem Haufen von 35.000 Bewerbern. Leider habe ich heute nicht so viel Zeit, darum will ich mich mal etwas kürzer fassen – wenn ich das hinkriege. ;-)

    Es geht gleich mit einer rührenden Homestory los: Menowin Fröhlich ist schon ein ziemlich seltener Name, da klingelt es vielleicht bei manchen DSDS-Veteranen? Aber klar, das war in der DSDS-Staffel von 2006 so ein ultra-cooler Typ mit Sonnenbrille, der ziemlich genial singen konnte, aber ansonsten ziemlich neben der Spur war. Zwischen Recall und Motto-Shows war ihm damals eine Winzigkeit dazwischen gekommen, nämlich ein zweijähriger Urlaub auf Staatskosten wegen diverser Vergehen, z.B. Körperverletzung, Waffenbesitz und Betrug. “Ich hatte juristische Probleme”, nennt der heute 22-Jährige das rückblickend. Im Einspieler beteuert der 2010er-Menowin, dass es den 2006er-Menowin nicht mehr gibt, er sich nun völlig geändert hat. Dazwischen zeigt RTL Bilder von seinem kleinen Sohn… schon allein seinetwegen würde er nun keinen Scheiß mehr bauen, sagt der Kandidat. Geändert hat er übrigens auch seine Figur, denn er ist im Knast deutlich pummeliger geworden, auch im Gesicht, nur die alte Sonnenbrille scheint noch immer zu passen…

    Menowin muss sein Reuebekenntnis noch einmal live vor Dieter, Nina und Volker wiederholen, bevor er wieder singen darf: Er bringt “My Cherie Amour” von Stevie Wonder und ich find’ s ganz ok, zwar nicht alles sauber, aber er ist bestimmt ziemlich aufgeregt und hat eine tolle Soul-Stimme. Als er dann auf Bitten einer einzelnen Dame in der Jury  auch noch die Sonnenbrille abnimmt und seine knall-blauen Augen zeigt, schmilzt Nina dahin. (Das erinnert mich total an eine Szene im Film “Blues Brothers”, als Jake Blues (John Belushi) im Matsch liegend für seine rabiate Ex-Verlobte ebenfalls die Sonnenbrille abnimmt und sie daraufhin aufhört, ihn zu beschießen.) Das gibt natürlich drei Ja-Stimmen von der Jury und damit den gelben Zettel mit der Einladung zum Recall. Wenn jetzt noch seine Bewährungshelferin zustimmt, sehen wir Menowin in der nächsten Runde wieder…

    Jana-Marie Hansen (16) sieht aus wie Mireille Mathieus 50 Jahre jüngere Schwester: quirlig, klein, schwarze Haare mit Pony und Popo-Scheitel. Auch ansonsten sieht man sie lieber von hinten als von vorn: Sie gesteht, von ihrer Umwelt eher als Nervensäge empfunden zu werden (glaube ich sofort) und will nun ins Fernsehen, wohl weil sie hier mehr Schaden anrichten kann. Sie beginnt ihr Vorsingen sehr anstrengend, befragt erstmal die Jury, was die von Husum (der Stadt neben ihrem Dorf) halten und macht sich so schon in Sekundenschnelle drei Feinde. Ungefragt zählt sie dann noch ihre Hobbies auf: Badminton und Fußball. Als Nina zurückfragt, auf welcher Position sie spiele, ist in Jana-Maries Kopf offenbar plötzlich der kleine Hamster vom Rad gefallen, sie guckt für einige Augenblicke total hohl (endlich ist sie mal ruhig) und dann kommt die Antwort “Schulfußball”. Thema verfehlt, sechs, setzen! In die entstandene Verwirrung hinein kann nun endlich mal Dieter seine dringendste Frage loswerden: “Hast Du schon einen Freund?”. Sie schüttelt stumm den schwarzen Pony-Kopf. “Aber wenigstens mal geknutscht?”. Nun nickt sie – immer noch erfreulich stumm.

    …Und wäre sie man stumm geblieben, denn ihr Titel “Bubbly” von Colbie Caillat ist nicht nur schief gesungen, nein er endet auch bereits nach einer halben (Kata-)Strophe. “Ich hab’ nur bis dahin gelernt”, ist ihre matte Entschuldigung. Dieter kann Dilettanten nicht ausstehen, spricht das Urteil “Du hast überhaupt keine Ahnung, was Du da machst, mit Musik hat das nichts zu tun” und will sie aus dem Studio jagen. Leider hat Jana-Marie noch einen letzten Wunsch an ihn: “Darf ich Dich mal knuddeln?”. Gefragt, getan, dann geht sie endlich. Volker ist ganz angetan von den beiden, “Dieter, der Mensch”, sinniert er. Das hat selten mal jemand über den Poptitan gesagt…

    Danach kommt wieder jemand aus der Abteilung “Käfigtür offen gelassen”. Ein 18jähriger schwarz gekleideter Hirbel namens Toni, Marke “Halber Hahn”, steht plötzlich im Studio wie ein Alien, das von seinem Mutterschiff mitten in der Nacht auf einer einsamen Kreuzung bei den Erdlingen abgesetzt wurde. Keiner kümmert sich um ihn, die Jury begutachtet gerade den Kronleuchter und Dieter fummelt außerdem noch mit seinen Teebeuteln herum. Plötzlich fängt der Toni an, mit schwerem sächsischem Akzent auf Volker einzureden und es kommt zu folgendem denkwürdigen Dialog. Toni an Volker: “Hallo, ich möchte wissen, wie es Dir geht.” Der Angesprochene guckt schwer irritiert: “Wie?” Nochmal spricht der merkwürdige Toni: “Du, ich möchte gern wissen, wie es Dir geht.” – Volker: “Was willst Du???” – Alien: “Ich möchte gern das Lied von Matthias Reim…”, dann hakt offenbar sein Plattenspieler und er schaltet wieder um auf die Grußfrequenz von vorhin “Hallo, ich möchte gern wissen, wie es Dir geht”. Nach einer Weile bekommen sie dann heraus, dass er wohl ein DSDS-Kandidat ist, der nun ein Lied von Matthias Reim zu singen wünscht. Als Volker fragt, welches Lied es denn singen wolle, kommt als Antwort “Dies Lied ist nicht für Dich”. Volker ist wieder irritiert, weil er das zuerst als Unfreundlichkeit von Toni auffasst und erst danach versteht, dass das der Titel des bevorstehenden Liedes ist. Tja, die weite Anreise war umsonst, das Lied ist wohl schon im Original Mist, aber Toni kann leider überhaupt nicht singen und Dieter winkt ab. Nina verkündet das einhellige Urteil: “Also die Musikschiene würde ich abhaken.”

    Nach dem Sachsen-Freak kommt Augenfutter für Dieter und Volker, nämlich die 19jährige großäugige Blondine Steffi Landerer, die schon in den ersten Sätzen im Einspieler bekannt gibt, aus Zeitgründen gerade keinen Freund zu haben. Mit der Aussage “um Superstar zu werden, würde ich alles aufgeben -  A L L E S  !!!” geht sie als Favoritin ins Rennen um den Annemarie-Eilfeld-Gedächtnispokal.

    Sie singt “Mercy” von Duffy, während Dieter im Hintergrund vermutlich der Sabber aus dem Mund läuft. Zwar kriegt sie hinterher von Volker ein Nein (“sehr überschaubare musikalische Leistung”), aber Nina fand die Vorstellung gut und Dieter erkennt hinter ihrer “ätzenden Stimme” eine interessante Persönlichkeit, mit der man “viel Spaß” haben könne. Damit steht es zwei zu eins für Steffi, das blonde Gift. Hinterher geht der Einspieler noch weiter mit einer ganz wichtigen Information von Steffi für Dieter: “Ich werd’ oft gefragt, ob meine Brüste echt sind. [Kunstpause] Ja, sie sind echt!” :-)

    Der nächste Kandidat ist der etwas verhungert aussehende Christian Paternoga aus Recklinghausen, dem man seine 16 Jahre nur schwer abnimmt. Er spielt Gitarre, war früher mal im Kinderchor und wurde deswegen bestimmt öfter mal verhauen. (Ich weiß, ist gemein, aber ich finde, er hat ein “Backpfeifengesicht”.) Heute ist er Schlagzeuger in einer Punk-Band, singt dort aber nicht, weil seine Stimme eher zu Popmusik passt, sagt er. Und dann legt er los: “You don’t know” von Milow bringt er absolut super rüber, Respekt, der Typ kann was! Bohlen wünscht das Lied nochmal mit etwas mehr Gefühl, das geht auch und die Jury ist begeistert. Man sieht sich im Recall.

    Die 16jährige Andrea Crescencia Esono Andong aus Hamburg (die Eltern stammen aus Äquatorialguinea) sieht sehr annehmbar aus, kann Bauchtanz und Yoga und ist stolz auf ihre “Weiblichkeit”, soll heißen: Da gibt’s für Dieter wieder was zu sehen. Der steht bekanntlich auf Frauen mit dunklem Teint und großen Augen und hat beim Nachnamen bestimmt “Dingdong” verstanden… Als Andrea hereinkommt, guckt er jedenfalls wie ein hypnotisiertes Kaninchen und kriegt erstmal den Mund  nicht mehr auf. “Du, du, du, du, du hast ja eine Taubstummenhose an”, stammelt er schließlich beim Blick auf ihre Leder-Leggings. Seine angedeutete Erklärung dieser Zote verkneife ich mir in unserem Blog, sonst kriegen wir noch Ärger mit dem Jugendschutz. Andrea versteht die Erklärung jedenfalls nicht und verursacht damit große Heiterkeit bei den Herren der Schöpfung; Nina schweigt betreten.

    Nach einem desaströsen, aber temperamentvollen Versuch, die geografische Lage von Äquatorialguinea auf dem afrikanischen Kontinent mit Worten und Gesten zu erklären, darf Andrea eine Runde Bauchtanzen und als Bonus eine Yogaübung vorführen. Dieter fallen fast die Pupillen aus dem Kopf, er greift schon mal in Richtung Recall-Zettel. Dann singt sie von Silbermond “Das Beste”, allerdings nicht besonders toll. Volker sagt trotz ihrer vorangegangenen Show “Nein”, Dieter gibt “zum ersten Mal in meinem Leben” ein Mitleids-Ja und Nina sagt gar nichts. Dann kippt Schwächling Volker um, ändert sein “Nein” zum “Ja” und damit sehen wir auch Andrea im Recall wieder. Mannomann, Dieter denkt tatsächlich manchmal mit der Hose und Volker scheinbar nicht mal das…

    Zwischenpause mit Gewinnspiel, für folgende Frage verschenkt RTL 10.000 Tacken: “Wer sitzt seit der ersten Staffel in der DSDS-Jury? a) Dieter Bohlen oder b) Menderes Bagci”. Boah, ey, ist das schwer, wie soll man das denn wissen???

    Während ich noch an der Antwort grüble, betritt ein nicht untergewichtiger blonder Typ im rosa Hemd mit Gitarre das Studio und verlangt nach einem Stuhl. Bohlen gibt den vollendeten Gastgeber: “Sitzen den ganzen Tag rum und setzen sich hier auch gleich hin mit ihrem fetten Arsch.” Nach dieser gelungenen Begrüßung beginnt Rico Däbel (20) mit dem Titel “Knockin’ on Heaven’s Door” von Guns N’ Roses. Vielleicht hätte er vorher einfach mal üben sollen, denn die Gitarre plärrt schon im Intro so jämmerlich, dass Volker ihm vorschlägt, das Lied ohne Instrument zu singen. Rico scheint ihn überhaupt nicht verstanden zu haben und macht unbeeindruckt weiter; Volker ist mal wieder etwas irritiert. Der Gesang ist dann leider genau so schlecht wie das Gitarrespiel! Nach ein paar Minuten erbarmt sich Dieter und gibt dem blonden Barden mit einer Geste den Gnadenschuss. Adlatus Volker darf das Urteil verkünden: “Du kannst nicht Gitarre spielen und Du kannst nicht singen.” Tschüss, Rico, Du bleibst wohl Dein größter Fan.

    Die apart und etwas puppenhaft aussehende Ines Redjeb aus Tunesien ist 22 Jahre alt, Studentin und allein erziehende Mutter. Nach ihrem Einspieler inkl. tanzendem Baby singt sie “Wenn das Liebe ist” von Cassandra Steen. Was mit einer ausbaufähigen Homestory beginnt, endet fast mit Dieters Bemerkung “Du stehst da so, als wenn Du auf Klo musst”. Da hat er recht, trotzdem darf sie auf Bewährung noch einen zweiten Titel singen und kriegt dann tatsächlich den begehrten gelben Zettel. Dieters rätselhaft-verquaste Begründung: “Du singst ganz gut, siehst aber natürlich besser aus, als Du singst.” Sex sells, ganz klar.

    Nicht weiter erwähnenswert ist Timo Harder, selbst-erklärter größter Michael-Jackson-Fan der Welt – und ich dachte immer, das sei Menderes… Timo hat im Internet eine Jacke gekauft, die MJ so ähnlich im “Thriller”-Video trug. Damit, meint er wohl, komme er automatisch bis in die Mottoshows. “Menderes ist Kreisliga und ich bin Champions League”, meint er selbstbewusst und betritt das Studio. “Wo hast’n die Flash-Gordon-Jacke her?”, ist Volkers erste Bemerkung. Dieter fällt nur ein “Meine Fresse, nun sind wir den ollen Menderes los und dann kommst Du”. Recht hat er, Timo singt nämlich grottig, kann sich kein bisschen bewegen, sieht blöd aus und verbraucht nur die teure Sendezeit auf RTL. Volker beendet die peinliche Vorstellung mit der Feststellung “Die Lizenz zum Quälen von Michael Jackson hat nur Menderes.” Abgang!

    Den Ausputzer am Ende der Sendung macht ein blondes Jüngelchen mit Zahnpastalächeln, Typ Damenfrisörazubi. Sebastian Steinberger ist 17 Jahre alt und war mal bei den Regensburger Domspatzen, dem klassischen Äquivalent einer Boygroup. Er wirkt wie die domestizierte Version von Benny Kieckhäben aus der letzten Staffel, allerdings mit dem Unterschied, dass der in die Top 10 kam. Sebastian dagegen katapultiert sich aus dem Wettbewerb mit dem Titel “Listen” von Beyoncé Knowles. Dieter vergleicht die Stimme mit einem besoffenen Lurch, irgendwo zwischen Kotzen und Joint. Sebastian glaubt zwar weiterhin, dass er singen kann, kann das aber zukünftig nur noch im privaten Rahmen beweisen.

    Damit war es das wieder, man sieht sich am Sonnabend!

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