• DSDS (RTL) 14.02.2010 1 Comment

    Heute wird es ernst bei “Deutschland sucht den Superstar”, die verbliebenen Top 15 von insgesamt 35.000 Bohlen-Sternchen müssen sich erstmals vor einem Live-Publikum beweisen – und wir werden bestimmt die eine oder andere Sternschnuppe verglühen sehen. Die Jury aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller kann zwar noch stänkern, hat aber ansonsten nicht mehr so viel zu sagen – ein Zustand, den Nina und Volker eigentlich ja bereits seit dem ersten Casting kennen… Heute kommen zehn Kandidaten weiter in die erste Motto-Show am nächsten Sonnabend, sieben davon werden vom Publikum per Telefon gewählt und drei weitere Kandidaten können quasi als letzte Amtshandlung in dieser Staffel noch von der Jury “gerettet” werden.

    Den Anfang macht die blonde Bombe Steffi Landerer mit Joan Jetts “I love Rock’n Roll”. Sie hat sich in hautenge Lederklamotten einnähen lassen inkl. Lederstiefeln bis über die Knie und rekelt sich bei ihrem Titel als Rockerbraut auf einem schwarzen Motorrad. Offensichtlich vertraut sie mehr ihren optischen als den akustischen Reizen – und hat damit völlig Recht. Ich tippe mal, spätestens am Montag ist sie mit der Masche als Foto in der Blöd-Zeitung, wetten? Bohlen ist von ihrem Auftritt trotz Testosteronschocks nur einigermaßen zufrieden, gesanglich gäbe es einiges auszusetzen, er hoffe aber, dass ihre beiden “Dinger” sie über Wasser halten würden. Die Restjury urteilt ähnlich. Marco Schreyl, der wie jedes Jahr schleimig-souverän durch die Show führt, muss später noch die lebenswichtige Frage klären, ob ihre beiden hervorstechendsten Eigenschaften denn auch Namen hätten, so wie die von Pamela Anderson (“Ernie und Bert”). Ein verlegenes Kichern mit Kopfschütteln ist die fast schüchterne Antwort. Ich schlage “Dick und Doof” vor und komme auch gern zur Taufe… ;-)

    Manuel Hoffmann wird als Mädchenschwarm aufgebaut, er könne zwar Kung Fu, habe aber auch eine sehr sensible Seite. Manuel war im Recall schon wegen seiner konstant guten Gesangsleistung aufgefallen, die mit einer angenehm ruhigen Persönlichkeit daherkommt. Er hat sich den Titel “You don’t know” von Milow ausgesucht und bringt den sehr anständig rüber, auch wenn sich seine Bühnenshow auf das Hocker-Sitzen beschränkt. Das ist dann auch der einzige Kritikpunkt der Jury; normalerweise sollten wir Manuel in der nächsten Woche wiedersehen.

    Kurz vor der DSDS-Rente stehend, versucht der 30-jährige Helmut Orosz es heute mit Bryan Adams “Summer of ’69″. Er wirkt mit seinem künstlichen Dauerlächeln auf mich immer wie ein überdrehter Ferienclub-Animateur, der zwanghaft im Mittelpunkt jeder Party stehen muss. Immerhin nutzt er – im Gegensatz zu den anderen beiden Kandidaten – für seine Performance die ganze Bühne, post mal hier und post mal dort und kommt auch stimmlich ganz ordentlich zurecht. Dieter ist begeistert, warnt Helmut aber davor, sich komplett auf Bryan Adams einzuschießen, er will später auch mal Balladen hören.

    Als Verzierung vor der Werbepause präsentiert RTL jetzt unter dem Motto “Flop 10″ ein paar kurze Schnipsel aus dem DSDS-Giftschrank. Wir können uns nochmal an der übertalentierten Julia, an Markus mit der Piepsstimme, der talentfreien Isabell (mit ihrem MP3-Player) und an Benjamin, dem Brüllaffen ergötzen.

    Nach der PinkelWerbepause kommt Maria Valencia mit “Let’s get loud” von Jennifer Lopez. Auch sie geizt nicht mit (optischen) Reizen, ihr sauknappes silbernes Kleid glitzert wie eine Diskokugel und Maria verbreitet ein wenig lateinamerikanisches Flair. Volker ist optisch sehr und gesanglich einigermaßen zufrieden, Dieter stimmt ihm absolut zu und sieht bei ihr großes Potenzial. Man sieht sich hoffentlich in der nächsten Woche wieder…

    Nelson Sangare hat einen klaren Heimvorteil, denn er lebt in Köln, wo auch die DSDS-Shows stattfinden. Er singt heute Abend die eher ruhige Nummer “Let me love you” von Mario, trifft dabei jeden Ton und bewegt sich dazu gut. Bei ihm stimme das viel zitierte “Gesamtpaket”, sagt die Jury und macht ihm Hoffnung auf seinen Verbleib in der Show.

    Die Akkordeonspielerin und selbst ernannte “Superfreche Göre” Naomi Marte singt Nenas “Irgendwie, irgendwo, irgendwann”. Auch sie zeigt dabei sehr viel Bein bei einer eher durchschnittlichen Stimme. Das scheint heute Abend – und überhaupt in dieser Staffel – ein durchgehendes Thema zu sein. Volker und Nina ziehen eine durchwachsene Bilanz des Auftritts, es käme ihnen vor, als ob Naomi auf der Bremse stünde. Dieter fand das aber alles ok und authentisch und besonders “das Visuelle” sei gut rübergekommen.

    Der schräge Dirk Petry liefert danach einen weiteren seltsamen Auftritt ab und wird damit so langsam zum Nachfolger von Holger Göpfert. Ganz in schwarz und mit einem ebensolchen Cowboyhut auf dem Kopf knödelt er heute von den Beatles “Yesterday”. RTL versucht nach Kräften, für ihn ein Jekyll/Hyde-Image aufzubauen: Sobald sich der eigentlich friedliche Dirk seine Western-Dunstkiepe auf die Rübe setzt, macht es bei ihm Klick im Hirn und plötzlich kommt der durchgeknallte Künstler raus. Paul McCartney wäre ob dieser musikalisch leicht gewalttätigen Interpretation seines Klassikers bestimmt nicht sehr angetan. Dirk presst die Silben wie gehabt mit minimalistischen Mundbewegungen zwischen den Zähnen hervor und es klingt richtig nervig, finde ich. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wer sich so eine CD kaufen würde, die wäre höchstens als Backgroundmusik im Gästeklo geeignet. Die Jury sieht ihn als Paradiesvogel, mal sehen, ob er hier eine Überlebenschance hat.

    Nun kommt mit Menowin Fröhlich ein Ex-Knacki und Schicksalsgebeutelter, der im Einspieler erstmal von seiner miesen Kindheit aber auch von seinem kleinen Sohn berichtet. Das Publikum scheint ihm größtenteils sehr gewogen und auf einer Welle der Sympathie mit wiederkehrenden Beifallsstürmen performt er “I’ll be there” von den Jackson 5. Optisch ist er ja eher nicht der Bringer, aber wenn man nur auf die Musik achtet, ist das ein sehr guter Auftritt. Das bescheinigen ihm dann auch die drei Juryisten, wobei Dieter, der Titan, uns eklig und leider sehr bildhaft schildert, wo sich an seinem Körper bei der gerade gehörten Nummer überall die Haare aufgestellt hätten. Dirty Old Man!

    Nach der nächsten Werbeunterbrechung geht es weiter mit der Aufarbeitung des menschlichen Gulliglibbers aus dem Casting. In der “Flop 10″ begegnen wir jetzt wieder Timo, dem schlechten Imitator von Menderes, der seinerseits wiederum als schlechtester Michael-Jackson-Imitator der Welt zu pathologischer Berühmtheit kam, seit dessen Tod ein leichtes Identitätsproblem hat und im DSDS-Panoptikum gleich nach Timo gezeigt wird. Das Sahnehäubchen dieser Sequenz markiert die schrille Sirenenstimme Nilay, über deren surrealen Kommentar beim Casting-Rauswurf (“Ihr habt kein Ohr im Ohr”) ich heute noch grüble.

    Nun geht es weiter mit der Top-15-Show, jetzt ist Kevin Reichmann dran. Der hat dank ehrgeizigem Papa bereits ein eigenes Logo, das die T-Shirts seiner zahlreichen Anhänger in der Halle ziert. Trotz guter Stimme und erkennbarem Tanztalent hat sich Kevin mit “Señorita” von Justin Timberlake einen undankbaren Titel ausgesucht, wie die Jury befindet. Seine Stimme passe besser zu Balladen aus der Schmuseabteilung, aber das könne er ja vielleicht ab der nächsten Woche noch unter Beweis stellen.

    Die Homestory der grundsympathischen Celine Denefleh dreht sich nach wie vor um ihre schwere Herzkrankheit. Deshalb mag ihr aus der Jury vermutlich auch keiner so richtig wehtun, obwohl nach ihrer einigermaßen versemmelten Vorstellung von Silbermonds “Symphonie” eigentlich ein paar kritische Worte angebracht wären. Sie ist erkennbar aufgeregt, singt mit zittriger Stimme, setzt einmal zu früh ein und macht insgesamt nicht den souveränsten Eindruck, obwohl das Publikum sie mit Beifalls unterstützt. Die Jury ist sehr gnädig mit Celine, Dieter stellt den Knuddelfaktor über den Gesangsfaktor und hält die gehörten Mängel nicht für entscheidend.

    Nun kommt Dieter Bohlens Liebling Marcel “Plüschi” Pluschke mit einer rührenden Geschichte über sein auf der Straße gefundenes Karnickel im Einspieler. Freimütig-naiv bekennt Marcel, bislang von Nicht-Verwandten ungeküsst zu sein (wichtig für die Bravo-Girl-Vermarktung) und gern zum Nachdenken in den Wald zu gehen und Papi Plüschke beschreibt Sohnemann denn auch niedlich als “Träumerle”. Also Mädels bis 15 Jahre: Auf in den Wald und greift ihn Euch!!! Für alle anderen ist Marcels Auftritt mit “Country Roads” von John Denver eher nicht so unterhaltsam, denn er sitzt auf einem arg domestizierten mechanischen Bullen und singt mehr schlecht als recht sein Liedchen. Seine ganze Performance besteht darin, nicht herunterzufallen und bei allen Singpausen von länger als einer Zehntelsekunde das Mikrofon abzusetzen und sofort danach explosionsartig wieder an den Mund zu befördern. Mannometer, hätte dem Kleinen doch wirklich mal jemand vorher erklären sollen, wie doof das aussieht… Dieters Panzer hat bei Plüschi eine bedenklich weiche Stelle: “Du bist völlig gehemmt, kannst auch nicht besonders gut singen, aber ich hab Dich einfach lieb, was soll ich dazu noch sagen?” Nina ist sowieso immer Dieters Meinung, aber Volker macht sich mit ein paar kritischeren Tönen zum Außenseiter der Show und wird dafür ausgebuht.

    Hobby-Visagistin (in eigener Sache) Kim Debkowski hat wieder volle Kriegsbemalung angelegt und dazu noch ein paar stylische Klamotten mit Beinen in lila-metallic. Damit bringt sie “Can’t fight the Moonlight” von LeAnn Rimes, hat aber leider einen schlechten Tag. Ihr dünnes Stimmchen glitscht meist schmerzlich nah an den richtigen Tönen vorbei und macht das Zuhören nicht gerade zum Vergnügen. Volker und Nina sind einigermaßen entsetzt über den misslungenen Auftritt. Dieter holt dagegen zu einer längeren Erklärung aus und lobt die Tatsache, dass Kim sich seit dem Recall ihre schiefen Zähne hat richten lassen – bei Mark Medlock warte er darauf schon seit vier Jahren. Naja, der heutige Auftritt sei natürlich “Hühnerkacke”, aber eigentlich hoffe er, dass die Leute Kim noch eine Chance geben.

    Nach der nächsten Pause kommen noch mehr Lattenkracher aus dem Casting, z.B. der schräge Christian aus Dessau, die Agnes mit dem freiwillig angenommenen Akzent und als krönender Abschluss Scooter-Fan Andreas mit seiner Klappse-reifen “Hardcore”-Performance.

    Von wegen “Abschluss”, das böse RTL-Fernsehen hat Andreas Gerlich, den wir gerade noch bei der Scooter-Parodie seines Casting-Auftritts erleben durften, heute Abend live eingeladen und bevor man die Augen und Ohren schließen kann, tobt der Typ bereits auf die DSDS-Bühne. Es spricht immer für das Fehlen jeglicher gesunder Selbstreflexion, wenn Leute mit einem so mangelhaft ausgeprägten musikalischen Verständnis, solch rudimentären Englischkenntnissen und einem so unterdurchschnittlichen Aussehen sich zur Volksbelustigung vor einem Millionenpublikum zum Volldepp machen. Traurigerweise ist das wohl der Höhepunkt im Leben dieses bedauernswerten Zeitgenossen, aber was noch trauriger ist: Wir müssen ein paar kostbare Minuten unserer eigenen Lebenszeit dafür verschwenden, ihm dabei zuzusehen. Der Typ wirkt so, als habe man ihn vor seinem heutigen Auftritt ein halbes Jahr im Käfig gehalten und mit Juckpulver eingepökelt, er flippt im Studio völlig aus, hüpft pausenlos und kreischt dazu abwechselnd “jea-jea”, “Hahtkoa-Hahtkoa” und “wickääät!”. Der Schreyl fängt Andreas kurz vor dem Abheben ein und schiebt ihn nach einem kurzen Hinweis auf seine demnächst erscheinende neue CD “härter – schneller – Andy” aus dem Bild.

    Endlich kommt wieder eine richtige Kandidatin: Ines Redjeb, die nach wie vor sehr apart aussieht, singt “Release me” von Agnes. Schon wieder eine Kandidaten aus der Abteilung “tolle Beine – olle Stimme”, so knapp ihr Kleid ist, so knapp zielt sie auch regelmäßig an den richtigen Tönen vorbei. Dieter zeigt sich wieder vor allem von der Optik beeindruckt, zieht einen Vergleich zu Beyoncé, nur nicht die Stimme betreffend – jedenfalls noch nicht.

    Der “Checker” Thomas Karaoglan ist mit Sicherheit derjenige Kandidat, der den Zuschauern am meisten auf den Senkel geht, aber heute Abend ziehe ich den Hut vor seinem Auftritt mit “My Girl” von den Temptations. Im quietsch-roten Anzug nimmt er die Bühne komplett ein, flirtet mit den Zuschauern und der Jury, singt dabei sehr gut und vergisst noch nicht mal den Text. Die Jury ist restlos begeistert, Volker meint, er kenne niemanden, der mehr in sich selbst verknallt sei als Thomas. Bohlen sieht sich endlich in seiner Vorliebe für den “Checker” bestätigt, hat noch niemanden in einer Top-15-Show so smart gesehen.

    Den Ausputzer macht heute Mehrzad Marashi mit einem ebenfalls professionellen Auftritt: Er bringt “Und wenn ein Lied” von den Söhnen Mannheims, als wäre es für ihn geschrieben worden. Mehrzad hat wohl von allen Kandidaten die reifste, angenehmste Stimme und wenn wirklich nur das musikalische Talent zählt, ist ihm eigentlich schon jetzt der Titel Superstar 2010 nicht mehr zu nehmen. Übrigens ist er auch der einzige Kandidat, der sich nach seinem Song bei der wie gewohnt sehr gut aufspielenden Band bedankt. Die Jury ist restlos begeistert über Mehrzads Auftritt.

    Nach einer Stunde Comedy mit Cindy aus Marzahn und ihren teilweise etwas anstrengenden “Freunden” kommt der Ergebnisteil der heutigen Show. Ich will es kurz machen. Von den Zuschauern wurden in die Top 10 gewählt: Mehrzad, Menowin, Nelson, Manuel, Helmut, Thomas und Kim (nur eine einzige Frau!). Von der Jury wurden zusätzlich noch benannt: Marcel, Steffi und Ines. Und damit sind raus: Celine, Dirk, Kevin, Maria und Naomi.

    Soweit ich das überblicke, ist damit alles wie erwartet abgelaufen, keiner der Publikumsfavoriten und Bohlen-Lieblinge musste vorzeitig gehen. Ab der nächsten Woche haben wir dann Motto-Shows bei denen jeweils eine oder einer gehen muss. Ich gehe jetzt auch – und zwar ins Bett. Tschüss bis zur nächsten Woche!

    http://www.muelltv.de/2010/01/07/dsds-2010-01-06-casting-1-the-return-of-the-dieter/

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  • DSDS (RTL) 08.02.2010 No Comments

    Hallo zusammen, es ist wieder Samstagabend und der gehört fernsehtechnisch bis Mai fast ohne Unterbrechung Dieter Bohlen und seinen DSDS-Jury-Statisten. Im dritten und letzten Teil des Recall erwarten wir heute gespannt, welche 15 Leute durch das Nadelöhr zu “Deutschland sucht den Superstar” kommen und vor allem, wen es so kurz vor den Mottoshows quasi auf der Zielgerade zerlegt.

    Zunächst sehen wir den armen Helmut Orosz, der als Kollateralschaden von Ruzhdis explosionsartigem Abgang das nun frei gewordene Bett in Thomas Karaoglan Zimmer beziehen muss. Der “Checker” braucht einen Babysitter, hat das Fernsehen beschlossen, was bei beiden betroffenen Herren auf Missfallen stößt. Vermutlich erhofft man sich bei RTL  hier einen weiteren potenziellen Konfliktherd, denn während Thomas einen Reinlichkeitsfimmel zu haben scheint, ist der Ordnungssinn bei  Helmut eher gering ausgeprägt.

    Am letzten der drei Recall-Tage hält Bohlen unter Palmen noch eine markige Rede und droht schon mal mit der bevorstehenden “Verkündung”, die für eine Reihe von Kandidaten das Aus bringen werde. Ansonsten – Dieter ist ja gar nicht so – räumt er angesichts der leicht geschürzten Kandidatinnen im Strand-Outfit ein “was das Visuelle angeht, so ein geiles Casting habe ich noch nicht erlebt”. Artiger Beifall brandet nach seinen Worten auf und es geht weiter im Takt.

    Olivera Brkic, Maria Valencia und Alexandra Jansen absolvieren den ersten Auftritt des Tages und bringen die Ballermann-Hymne “Bailando”. Mit ihrer knappen Bekleidung, einer stimmigen Choreografie, dem türkis-blauen Meer im Hintergrund und nicht zuletzt einer durchaus akzeptablen Gesangsleistung wird es eine rundum prima Performance. Dieter kämpft sichtbar mit Speichelfluss und lobt inbesondere Alexandras Tanz. Auch die bedeutungslose Rest-Jury Nina Eichinger und Volker Neumüller scheint zufrieden.

    Nelson Sangaré und Adrian (dessen Nachnamen man nicht erfährt) kämpfen ebenfalls mit Körpereinsatz, protzen mit weit geöffneten Hemden und präsentieren ihre Sixpacks. Von Adrian habe ich bisher noch in keiner Folge der ganzen Staffel etwas gesehen, meist ein untrügliches Zeichen dafür, dass die RTL-Redaktion seine Bilder für entbehrlich hält, weil er noch vor den Mottoshows rausfliegt. Man muss bedenken, dass die erste Casting-Folge erst lief, nachdem in Wirklichkeit schon der gesamte Recall durch war – daher ist RTL zu diesem Zeitpunkt natürlich schon viel “klüger” als die Zuschauer und kann die Kandidatenstories gezielt steuern. Wie auch immer, sie performen jedenfalls Enrique Iglesias “Bailamos”, haben sich aber mit der Choreografie nicht so viel Mühe gegeben, wie die Damen zuvor. Bohlen ist trotzdem begeistert, Nina wegen der optischen Komponente noch mehr und auch Volker ist positiv überrascht.

    Steffi Landerer wurde Helmut als Duett-Partner zugeschustert. Die Blondine vom Typ Pamela Anderson ist begeistert (“der ist ‘ne Kanone”) und gemeinsam proben sie nächtens leicht bekleidet und zunehmend angeheitert im Hotelzimmer. Die armen Nachbarn, ich hoffe, der Laden ist ansonsten leer. Vielleicht geht zwischen den beiden was, zumindest stimmt die Chemie und er mag ihre großen Augen. ;-) Sie singen zusammen “All Summer long”, wobei Helmut den Text vom Zettel ablesen muss, was Dieter später bekrittelt (“ruh’ Dich nicht zu sehr auf Deiner rauen Stimme aus”). Steffis stimmliche Qualitäten werden von ihren sonstigen Reizen wesentlich übertroffen. Dieter ist ein Freund offener Worte: “Du bist nicht die größte Sängerin, hast aber zwei schlagende Argumente. Mal sehen, wie lange die reichen.”

    Naomi Marte und Manuel Hoffmann punkten mit der Langnese-Hymne “Like Ice in the Sunshine”, danach singen Joel Havea (Ex-Australier) und Kevin Rebstock (Ex-Dickerchen) wirklich sehr harmonisch “Maria Maria” (Santana).

    Anschließend performt Bohlens Liebling Marcel Pluschke zusammen mit Patrick Feil und Cowboyhut-Träger Dirk Petry “Lemon Tree”. Das ist ein Heimspiel für Marcel, denn er kam mit diesem Titel schon zum Casting. Überhaupt scheint er musikalisch keinen sehr weiten Horizont zu haben; in der letzten Folge musste er bereits in weiten Bereichen passen, weil er die Töne mit seiner Stimme nicht kriegte. Analog zu Steffi würde ich auch bei Marcel tippen, dass seine DSDS-Karriere in den Mottoshows schnell verglüht, sobald die Mädels sich an seinem Dackelblick satt gesehen haben. Wie auch immer, heute ist noch Recall und dafür ist Bohlen mit der Leistung der drei Beach Boys zufrieden. Dirk finde ich sehr merkwürdig…

    Kim Debkowski, Ines Redjeb und Céline Denefleh könnten aus mittlerer Entfernung betrachtet Schwestern sein, alle haben den selben Teint und lange dunkle Haare. Okay, okay, Kims Hautfarbe kommt von der Überdosis Schminke, gebe ich ja zu. Die drei Badenixen singen “The Tide is high”, das die Altvorderen noch in der Version von Blondie kennen. Auch stimmlich ähneln sie sich sehr. Bohlen fehlt bei Kim etwas das Gefühl, ansonsten ist er auch hier zufrieden. Die eigentliche Dramatik kommt erst nach dem Auftritt, denn Céline kriegt den Anflug eines Herzkaspers. Wir erinnern uns: Ihr wurde wegen chronischer Herzrhythmusstörungen ein Defibrillator eingebaut, der auch wesentlicher Teil ihrer Homestory im Casting war. Gott sei Dank entpuppt sich das Ganze als falscher Alarm und das Leben geht weiter.

    Für den Checker Thomas wird ein lang gehegter Traum wahr: Er darf vor Dieter Bohlen endlich einen Titel dessen musikalischen Ziehsohns Mark Medlock singen. Zusammen mit Norbert Samko (wer ist das denn jetzt?) probt er “Mamacita”, wird dabei aber durch seine rudimentären Englischkenntnisse arg gebremst. Nun hätte er wohl doch lieber ein Lied mit weniger – oder am besten ganz ohne – Text, ist aber zu spät. Statt konsequent zu üben, geht Thomas abends lieber in die Disse und ist morgens beim Auftritt entsprechend verkatert. Die angeraute Stimme macht er dabei jedoch mit einer wilden Performance wieder wett und fordert sogar Dieter zum Mittanzen auf, allerdings vergebens. Im Gegensatz zu Norbert, ist die Jury mit Thomas Leistung recht zufrieden und er darf erstmal auf der Insel bleiben.

    Monique Laroche und Kevin Reichmann proben im Meer den Bacardi-Werbesong “Summer Dreaming” und kommen damit später vor der Jury gut an. Den selben Titel vergeigen gleich darauf Kima Evelyn Isik (?!) und Maria H. (Name auf Wunsch der Dame gelöscht!), weil sie währenddessen den Text vergessen, stattdessen dummes Zeug (auf Deutsch) singen, sich darüber beömmeln und damit den Zorn Bohlens zuziehen: “Sowas nennt man Unfähigkeit auf vier Beinen.” Als die Damen dann noch als Entschuldigung anbringen, sie könnten sich in den Song nicht hinein versetzen, obwohl sie gerade in der Karibik auf einem Strand unter Palmen vor dem unwahrscheinlich blauen Meer stehen, platzt auch Juror Volker der Kragen und er macht auf Bohlen. Mit ein paar wohlgezielten verbalen Hieben legt er den beiden bedrabbelten Möchtegern-Sternchen schon mal das Kofferpacken nahe. Nachher flennen beide Kandidatinnen noch eine Runde in die Kameras.

    Mehrzad Marashi und Menowin Fröhlich harmonieren musikalisch sehr und bringen das mit “Sweat” (A la la la la long) als Duo gut rüber. Der Poptitan in der Jury fühlt sich sichtlich gut unterhalten und lobt den Auftritt der beiden über den grünen Klee. Damit sollten sie eigentlich keine Schwierigkeiten haben, unter die Top 15 zu kommen.

    Abends gibt es dann eine große Party aller Kandidaten, inklusive kleiner Lästereien darüber, wer eigentlich nicht weiter kommen sollte und wer es mehr verdient hätte (selbstverständlich immer man selbst). Der arme Bohlen verbringt dagegen lt. Off-Stimme eine unruhige Nacht, weil er ganz allein die menschheitsentscheidende Frage klären muss, wer von seinen Kandidaten nun rausfliegt. Bezeichnend, dass er das allein tut, die Restjury hat er wohl nur, damit die zwei Stühle neben ihm nicht so leer aussehen. Wir sehen Dieter am Geländer eines Stegs, die ganze Last der Welt auf seinen Schultern tragend, wie er Hilfe suchend aufs Meer blickt, der aufgehenden Sonne entgegen. Nein, die 1,2 Millionen Euro DSDS-Gage sind wahrlich kein leicht verdientes Geld… :-)

    Der Jurytisch ist heute malerisch auf eine Sandbank drapiert worden, leicht vom Wasser umspült. Einzeln und manchmal zu zweit werden die Kandidaten auf die Sandbank gerufen und empfangen das Urteil. Ich schreibe mal nur, wer bei der jetzt folgenden “Verkündung” rausfliegt und damit die Top 25 verpasst; die endgültigen Top 15 für die Live-Shows findet ihr ganz unten. Kima kommt schon ahnungsvoll betend zum Richtertisch und kriegt einen Weinanfall, als man ihr das negative Resultat mitteilt. Sie bettelt völlig hemmungslos um ihr Leben, das ohne DSDS keinen Sinn mehr habe und fleht Dieter an, es sich nochmal zu überlegen. Sie könne eigentlich besser singen und habe einfach nur Pech gehabt. Bitte, bitte, bitte, bitte, bitte! Da trifft sie offenbar bei dem Titan eine weiche Stelle und er will sich ihr Schicksal nochmal überlegen. Sie soll ganz am Ende der Verkündung ein zweites Mal auf die Sandbank kommen.

    Also, sofort raus sind Angeliki Paitari, Zemine Aras, Maria H. (Bohlen: “Dein Talent hat hier geglänzt… leider durch Abwesenheit”) und Monique Laroche. Monique und Zemine kriegen sich anschließend direkt vor der Kamera fast körperlich in die Haare und müssen von den anderen DSDS-Kandidaten davon abgehalten werden, sich zu verprügeln. Schön zu sehen, wie die Kamerateams unter den Palmen schnell in Richtung der schrill kreischenden Kontrahentinnen sprinten, solche Bilder will man sich schließlich nicht entgehen lassen. Flugs wird der Verwünschungen ausstoßenden Monique ein gelbes Mikrofon unter die Nase gehalten und RTL, der alte Philanthropensender, zeigt die Szenen schön in Zeitlupe und mit Wiederholungen. Ach hätten doch die anderen Kandidaten nicht eingegriffen…

    Ganz am Ende kommen Olivera und Kima zur Jury auf die Sandbank, hinter der sich über dem Meer gerade eine dramatische Wolkenkulisse aufbaut. Eine von beiden kriegt den letzten freien Platz unter den Top 25, dafür müssen aber beide nochmal spontan vorsingen! Wirklich toll fand ich beide nicht, aber Kima kommt tatsächlich weiter, genau wegen der Ellenbogen, mit denen sie sich gerade gegen den sicheren Rauswurf gestemmt hat. Bohlen imponiert, dass sie bereit scheint, über Leichen zu gehen.

    Aus der Karibik geht es für die Top 25 jetzt zurück nach Deutschland, nun müssen alle nochmal in Einzelauftritten ihre Eignung fürs harte Showgeschäft nachweisen. Ich will mal nicht zu detailliert werden, sonst liest das hier keiner mehr. Jedenfalls kriegt Helmut einen Einlauf, weil er einen zu unbekannten Bryan-Adams-Song ausgesucht hat. Dirk presst und knödelt “Summertimes” aus der Oper “Porgy and Bess”, natürlich wieder im Cowboy-Outfit, der Typ ist komisch! Kevin Rebstock hat Déjà-vu-Gefühle, denn letztes Jahr flog er genau an dieser Stelle raus, Kevin Reichmann soll seine Mutter von Dieter grüßen(!?) und Menowin singt mein persönliches Hasslied “I just called” von Stevie Wonder.

    Jetzt kommt die nächste Verkündung, wer darf nächste Woche in der ersten Liveshow auftreten? Ein letztes Mal hat die Jury das Sagen und RTL macht es natürlich wieder spannend, ich aber nicht. Weiter sind: Menowin, Céline, Mehrzad, Naomi, Manuel, Marcel, Thomas, Dirk, Steffi, Kim, Kevin Reichmann, Maria Valencia, Nelson, Ines und Helmut.

    Raus sind damit Kima (diesmal endgültig, ohne Heulerei), Alexandra, Anastasia und Kevin Rebstock (dessen Déjà-vu-Ahnungen sich damit erfüllt haben). Nicht genannt und gezeigt, aber trotzdem offenbar irgendwie rausgeflogen sind: Patrick, Joel, Meike, Norbert und Adrian.

    Die Sendung endet mit einer erneuten Predigt von Papa Bohlen, dass sie sich alle ihrer unglaublichen Chance bewusst sein sollten und dass der Wettbewerb jetzt erst richtig anfinge usw. Na, da sind wir aber mal gespannt, welche 10 Kandidaten die erste Liveshow am nächsten Sonnabend überleben. Bis denne!

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  • DSDS (RTL) 05.02.2010 6 Comments

    Stell Dir mal vor: Du machst Traumurlaub auf einer Insel mitten in der blau-grünen Karibik und flezt in einem gemütlichen Liegestuhl an einem goldgelben Sandstrand mit Blick bis zum Horizont. Hinter Dir wiegen sich die Kokospalmen im lauen Lüftchen, in der Liege links neben Dir der/die Liebste, rechts ein kühles Glas Cuba Libre, irgendwo in der Ferne spielt jemand Gitarre. Mit einem Wort: Das Paradies.

    P L Ö T Z L I C H  ein lautes KRACHEN und KREISCHEN, eine große Horde wildgewordener Jung-Teutonen poltert mit ihren Taschen und Schminkköfferchen über den Strand und bezieht das Haus genau neben Deinem Bungalow! Das war’s mit der Erholung, denn jetzt geht es rund: Den ganzen Tag und die ganze Nacht streiten und singen die lautstark, streiten und singen und streiten und singen. Zwischendurch kommt regelmäßig ein miesepetriger, sonnengegerbter Mann in den Fünfzigern mit blond-gefärbten Haaren vorbei, der den ganzen Kiddie-Haufen anschreit, den Kopf schüttelt und sich wieder verzieht.

    Tja, wer das Glück oder Pech hatte, an den drei Recall-Tagen gleichzeitig mit Bohlens DSDS-Bande in der Karibik gewesen zu sein, der kann vermutlich so eine ähnliche Geschichte erzählen.

    Heute sehen wir zuerst die 35 Teenager und Twens beim unbeschwerten Baden und am Strand, plötzlich nähert sich von oben ein Hängegleiter mit darunter montiertem Schlauchboot (keine Ahnung, wie das richtig heißt) und setzt zur Landung im Wasser an. Hinter dem Piloten sitzt der Reiseleiter, Herbergsvater und Pop-Titan Dieter Bohlen. Der steigt für die letzten Meter bis zum Strand vom Flugzeug um in ein ordinäres Bötchen, in dem – standesgemäß – schon die restliche Jury aus Nina Eichinger und Volker Neumüller sitzt. Zusammen kommen sie unter dramatischer Hintergrundmusik am Ufer an, gehen an Land wie weiland Christoph Columbus, lassen sich von den artig applaudierenden DSDS-Kandidaten huldigen und nehmen ihre Plätze am Bambus-Jurytisch ein, direkt am Strand.

    Schnell hat der Spaß ein Ende, der Ernst zieht ein! Dieter Bohlen ist nämlich ein echt fieser Typ: Da nimmt er die 35 restlichen Bewerber aus “Deutschland sucht den Superstar” mit in die Südsee, lullt sie ein bisschen mit tropischer Wärme ein und verlangt dann plötzlich Leistung von ihnen! Schon während des Fluges mussten sie ein Liedchen lernen, das sie der Jury nun hier am Strand im Einzelauftritt vorsingen müssen. Und das, obwohl doch noch alle mit dem Jetlag kämpfen… Natürlich geht die ganze Sache gehörig schief, kaum einer kann den Text, sogar Bohlens Liebling Thomas Karaoke, äh Karaoglan hat da seine Probleme. Er hat zwar von “My Girl” kaum noch eine Zeile richtig parat, aber er behilft sich mit jeder Menge erfundener Reime, die zwar überhaupt keinen Sinn machen, aber auf den ersten Hör wenigstens richtig Englisch klingen. Sehr geschickt, man nennt ihn nicht umsonst den “Checker”. :-) Bohlen hat aber gemeine Spitzel und Zuträger, die haben den Text mitgelesen und decken Thomas Bluff auf.

    Auch Ruzhdi Bojani leidet unter partieller Amnesie, kann aber im Gegensatz zum Checker gar kein Englisch, so dass er seine Lücken nur mit “Lalala” zu stopfen vermag, was der Jury leider sofort auffällt. Bohlen resümiert, das habe mit Musik nichts mehr zu tun und sei einfach Müll – und Müll gehöre nicht auf so eine schöne Insel… Ähnlich ergeht es Meike Büttner, Helmut Orosz (O-Ton Bohlen: “das war absolute Kacke”), Kim Debkowski (Dieter: “Kein Schwein kann sich hier irgendeinen Text merken”), Anastasia Del Mukhamedova (Dieter: “Auch Du bist von der Texteritis befallen”) und Menowin Fröhlich (Dieter: “Mensch, Du musst in den nächsten Tagen Gas geben, sonst kriegst Du bei RTL ‘ne eigene Pannenshow”). Die Jury heuchelt Entsetzen über den karibischen Recall-Auftakt und Dieter schwingt zum Schluss eine Rede mit diversen Analogien aus dem von ihm so geschätzten Sanitärbereich (u.a. “Klobürste”). Es herrscht allerorten Krisenstimmung, gibt es wirklich einen “Fluch der Karibik”?

    Am nächsten Tag stehen Gruppenauftritte an. Naomi Marte, Angeliki Paitari und Steffi Landerer proben optisch ansprechend zusammen im Whirlpool, nachher sehen wir dann Naomi und Steffi auch noch bei innigen Plantsch-Spielchen im flachen Wasser. Nanu, da geht doch was? Wie dem auch sei, jedenfalls performen die drei als Girl Group mit “If a Song could get me You” von Marit Larsen vor der Jury. Die ist zufrieden mit der Choreografie, die Stimmen sind ihnen aber zu gewöhnlich und Dieter pflaumt vor allem Angeliki an: “Dir fehlt das Gefühl, das toucht mich nicht”. Hinterher kullern deswegen ein paar Tränchen ihren Luxuskörper hinab…

    Kevin Rebstock, Manuel Hoffmann und Patrick Feil (noch nie gehört!) bilden die nächste Gruppe. Ex-Moppel Kevin hat scheinbar Nachholbedarf für das richtige Performen und fragt unter Kamerabegleitung ausgerechnet Mr. Arrogant Thomas nach ein paar Tipps. Der blüht ob dieser Bestätigung bedauerlicherweise noch mehr auf und lässt ein paar Brocken seiner vermeintlichen Weisheit fallen (1. “sexy sein”, 2. “Augenkontakt halten”, 3. “geil sein”). Altklug garantiert er Kevin den Einzug unter die Top 15, wenn er diese Ratschläge befolge. Das oben genannte Trio singt Patrick Swayzes “She’s like the Wind”. Von dem Patrick (der Kandidat ist gemeint) hatte ich vorher noch gar nichts mitgekriegt, den Namen muss man sich aber vermutlich auch nicht merken. Seine Haare sehen wie eine zu groß geratene Perücke aus und er singt irgendwie leidend, so als trete ihm jemand auf den Fuß. Am besten fand ich persönlich Manuel, aber auch die anderen Herren kriegen von der Jury eine ordentliche Wertung.

    Menowin singt im Duett mit Alexandra Jansen, der Maschinenbaufrau aus Aachen. Der Ex-Knacki hat nach wie vor an seinem Texthänger vom Vortag zu knabbern und im zweiten Recall-Auftritt gehe es jetzt bei ihm um alles, behauptet die Off-Stimme. Scheinbar muss er wieder zurück in den Bau oder Söldner in Afghanistan werden, wenn Papa Bohlen ihn jetzt nochmal verreißt, so hört es sich jedenfalls an. Aber alle Menowin-Fans können sich beruhigt den nächsten Joint anstecken, denn die beiden bringen ihr “Up where we belong” unfallfrei über die Palmen-bestandene Bühne. Die Jury ist zufrieden und die beiden Kandidaten erleichtert.

    Eine weitere Boy Group besteht aus Helmut, Marcel Pluschke und einem namenlosen Typen, der sich vor allem durch seine zahlreichen Tattoos auszeichnet. Sie werden als DSDS-Chippendales angekündigt, weil sie mit nacktem Oberkörper auftreten, was wohl wenigstens von Nina eine positive Wertung sichern sollte. Die drei proben die ganze Nacht lautstark ihren Titel “To be with you” am Strand und machen sich damit vermutlich bei den anderen Urlaubern nicht sonderlich beliebt. Marcel hat darüber hinaus noch ein ganz anderes Problem: Er kriegt die hohen Töne nicht, will  sich deswegen auf so eine Art zweite Stimme im Background beschränken und den anderen beiden den akustischen Vortritt lassen. (Na, wenn das man zum Superstar reicht, nur blaue Augen und Dackelblick allein genügen nicht.) Die Vorstellung vor der Jury verläuft zufriedenstellend, auch wenn hier und da mal Textlücken durchschimmern und die Choreografie eher spontan als geprobt wirkt. Marcel fühlt sich zwischen seinen beiden singenden und hüpfenden Mitbewerbern sichtlich unwohl, guckt immer nur von einem zum anderen, damit er ja den Einsatz nicht verpasst. Das wird ihm dann hinterher etwas vorgeworfen, aber Dieter hat einen Narren an dem Jungen gefressen und lässt ihn weitgehend ungeschoren davonkommen. Ob der unerwartet positiven Wertung nehmen die drei Kandidaten erstmal ein spontanes Bad im nahe gelegenen Meer.

    Das nächste Duo besteht aus Kim und Thomas. Nicht besonders überraschend, dass zwischen den beiden die Chemie nicht ganz stimmt, er wirft ihr Hochnäsigkeit vor, sie nennt ihn stressig und chaotisch. Übrigens hat Kim mal wieder mehr Schminke aufgelegt als Tut-Anch-Amun, falls sie damit ins Wasser geht, müssten eigentlich sofort die Ölauffangschiffe ausrücken… ;-) Noch bevor sie überhaupt singen, gibt der Checker schon mal bekannt, dass er den Text wieder nicht kann. So wie es aussieht, war er nachts lieber in der Disko, als für den Auftritt zu üben. Dieter ist bei Thomas immer extrem großzügig, sagt nichts zu der mangelnden Disziplin. Er schlägt vor, die beiden sollten ihm bei ihrem Lied “We’ve got tonight” eben vorspielen, ein Liebespaar zu sein, auch wenn sie sich in Wirklichkeit hassen. So sei eben das Showgeschäft, doziert er. Die beiden singen dann eng umschlungen, lesen dabei immer abwechselnd von einem kleinen Spickzettel ab, verhaspeln sich aber öfters, sowohl beim Text als auch der Musik. Egal, Dieter findet’s niedlich, der Checker habe das sehr schön gemacht, blablabla. Nina und Volker scheinen übrigens gar nichts mehr meinen und sagen zu dürfen, die sind immer völlig still.

    Mehrzad Marashi und Olivera Brkic (hä, auch neu?) harmonieren da viel besser, sind stimmlich und persönlich wesentlich reifer als das vorherige Kinderpaar. Sie bringen “Endless Love” von Lionel Richie sehr gut rüber, ihre Stimmen harmonieren perfekt. Dieter Bohlen ist hoch zufrieden und nennt Mehrzad gar den einzigen richtigen Musiker unter den Kandidaten.

    Über Monique Laroche und Maria H. (Name auf Wunsch der Dame gelöscht!) hatte ich, glaube ich, auch noch nie geschrieben. Die beiden singen im Duett Maria Menas “All this time” und haben dazu sogar noch eine kleine Rahmenhandlung ersonnen. Sie hätten man ihre Energie mehr in Richtung Textlernen lenken sollen, sie kriegen das Lied nämlich auch in mehreren Anläufen nicht gebacken. Beim letzten Versuch haben sie superschlau kleine Spickzettel in Tassen (aus der “Rahmenhandlung”) versteckt, aus denen sie dann ganz offensichtlich ablesen. Was der Checker darf, dürfen Monique und Maria noch lange nicht. Bohlen wird grimmbimmselig und schnauzt rum und selbst die Harmonie-bedachte Nina meckert (“das war peinlich”). Volker findet den Auftritt gar unprofessionell, er käme sich gar nicht mehr wie bei DSDS vor, sagt er.

    Die letzte Gruppe für heute besteht aus Ruzhdi, Dirk Petry und Wemauchimmer und singt “Easy like Sunday Morning” von Faith No More. Nachts haben sie scheinbar mehr gesoffen als geübt und das Ergebnis zeigt sich heute. Während Dirk wie immer die Zähne nicht auseinander kriegt und sich scheinbar einen heftigen Kampf mit der Musik liefert, ist bei Ruzhdi genau das Gegenteil der Fall: Er singt etwas schlapp seine Strophen und bekommt dann leider wieder einen plötzlichen Gedächtnis-Totalausfall, genau wie am Vortag im Einzelauftritt. Er kaschiert die fehlenden Worte mit einem leichtherzigen “Dab-Dabbi-Dabbi-Da”. (Zack, die Musik setzt aus, das Bild friert ein, mit einem Mal ist alles nur noch schwarz-weiß. Was jetzt passiert, zeigt uns RTL in Zeitlupe und Standbildern, wiederholt einzelne Sequenzen mehrmals und legt dramatische Musik drunter.) Bohlen glaubt offenbar, nicht recht gehört zu haben, runzelt die Stirn, setzt die Sonnenbrille ab, steht auf, geht zu Ruzhdi, nimmt ihm das Mikrofon ab und schüttelt ihm die Hand “Schönen Weg nach Hause!”. Dieter dreht sich um und sucht einen Ort, wo er das eingesammelte Mikro ablegen kann. Er brabbelt “Dadada, das geht hier nicht!” in die Kamera und wirkt dabei ernsthaft empört, so wie der Wegewart im Kleingartenverein, wenn während der Mittagszeit einer den Rasen mäht. Tja, das war ein echter Rauswurf, für Ruzhdi ist der Traum vom Superstar von einer Sekunde auf die andere unwiderruflich vorbei. Die anderen Kandidaten geben sich hinterher geschockt, freuen sich aber insgeheim vermutlich über den aus dem Weg geräumten Konkurrenten.

    Dass sich ausgerechnet ein Dieter Bohlen über “Dab-Dabbi-Dabbi-Da” echauffiert, der doch in seinen eigenen Titeln oft genug den sprachlichen Offenbarungseid geleistet hat, mag verwundern. Ich denke mal, der Chefjuror hatte schon am Vortag erkannt, dass mit Ruzhdi wegen seiner mangelnden Englischkenntnisse kein Blumentopf zu gewinnen war. Da hat er heute die erstbeste Gelegenheit genutzt, an ihm ein Exempel zu statuieren und damit alle anderen zu schocken, ganz nach Mao Tse-Tungs Philosophie “einen bestrafen um hundert zu erziehen”.

    Mit diesem netten Bild verabschiedet sich der Recall aus dem zweiten Teil. Am Sonnabend kommt der Rest vom Schützenfest, da wird die Teilnehmerzahl auf 25 heruntergedampft. Bis denne!

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  • DSDS (RTL) 31.01.2010 4 Comments

    Und weiter geht’s bei “Deutschland sucht den Superstar”, Edition 2010. In den sieben vorangegangenen Casting-Terminen haben Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller unter dem wachsamen Blick der RTL-Kameras das Feld von 35.000 Bewerbern auf 120 Kandidaten eingedampft. Insbesondere Dieter hat dabei Schwerstarbeit geleistet und sein Bestes gegeben, nämlich sein Geld: Jedes Mal, wenn er das böse Sch-Wort sagte, musste er einen Euro in ein Sparschwein werfen. Lt. RTL sind so mehr als 5.000 Euro zusammengekommen, die nun an die Erdbebenopfer in Haiti gespendet werden. Und wenn man ehrlich ist, waren diesmal auch tatsächlich haufenweise Ein-Euro-Kandidaten im Casting. Ich kann nur hoffen, dass die meisten von den wirklich begabten Bewerbern bisher einfach nur noch nicht gezeigt wurden, weil die Vollpfosten spektakulärer waren…

    Das Recall der 120 Besten findet in Köln statt. Man sieht, wie die verbliebenen Kandidaten aus allen Winkeln der Republik in der Domstadt zusammenströmen und sich schließlich auf der Bühne versammeln. Dazwischen springt auch wieder Marco Schreyl herum, der uns ab heute als professionell-nerviger Moderator bis zum DSDS-Finale begleiten wird. Gleich in der ersten Recall-Runde geht es voll zur Sachen, die Kandidatenzahl soll auf die Hälfte reduziert werden, 60 Leute müssen also schon heute wieder gehen. Vorab wird aber erstmal der Einzug der Jury bombastisch inszeniert, die 120 Recall-Teilnehmer klatschen sich die Hände wund, um ihre drei Richter milde zu stimmen. Die sprechen alle noch ein paar salbungsvolle Worte der Preislage “gebt Gas”, “wir erwarten Euer Bestes”, “verkauft Euch optimal” usw. Dieter bringt es ganz plastisch auf den Punkt mit einem Tipp für die Damenwelt: “wenn jemand von Euch dicke T…[Pfeifton RTL]  hat, dann zeigt das auch”. An diesem Pfeifton kann man übrigens mal die aktuelle Grenze der Political Correctness verorten, sie verläuft offensichtlich zwischen den Worten “Scheiße” und “Titten”. ;-)

    Im ersten Durchgang müssen nun – nach Männlein und Weiblein getrennt – alle Bewerber einzeln nach vorn treten und ein paar Takte singen. Beginnen wir mit den Herren der Schöpfung. Bemerkenswert ist Thomas Karaoglan, der schon im Casting von Bohlen “Checker” getauft wurde. Wo andere Kandidaten nur stocksteif ihre Takte runtersingen, performt der 16-Jährige sein “Ain’t no Sunshine” regelrecht. Bohlen ist begeistert: “Ist so groß wie ‘ne Parkuhr, aber macht hier vorn auf dicke Hose”. Der Checker nutzt das offene Mikro und wünscht seinen Mitbewerbern etwas großspurig “viel Glück”. Mich erinnert der Typ etwas an Benjamin Herd aus DSDS 2008; mal sehen, wie weit die arrogante Masche trägt.

    Kevin Rebstock hat seine blonden Haare seit dem Casting wieder auf schwarz umgefärbt und hochgegelt. “Du siehst aus wie einer von den Prinzen“, befindet Bohlen. Als der 19-Jährige enttäuscht mault, schiebt der Poptitan noch halbherzig nach, das sei als klare Verbesserung zu verstehen. (Ich orakel mal: Vergiss es, Kevin, “besser” muss noch lange nicht “gut” bedeuten.) Bevor er seinen Titel “Broken Strings” beginnt, macht der Kandidat vor Aufregung oder zur Lockerung der Zunge ein paar bemerkenswert bekloppte Grimassen, die ihm vielleicht einen Sekundenauftritt bei Stefan Raabs TV-Total einbringen. Kevins Song ist dann bereits nach einigen Takten mit einem “Dankeschön” der Jury vorbei.

    Jetzt kommen schnell nacheinander diverse Typen, die sich vor allem darin überbieten, der Jury bei ihren kurzen Gesangsparts möglichst penetrant nah auf die Pelle zu rücken. Dirk Petry macht es vor und knödelt seine Takte fast direkt in Ninas Ohr, bis Dieter ihm mit einer Zeitung auf sein Markenzeichen haut, den schwarzen Cowboyhut. Helmut Orosz tut es ihm nach und Dominik-Büchele-Klon Eugen Flittner geht ebenfalls direkt vor Nina auf die Knie – langsam wird’s peinlich. Menowin Fröhlich wird vergleichsweise stiefmütterlich kurz abgefrühstückt (hat der nochmal zugenommen?).

    Malcolm Ohanwe will nach dem “Dankeschön” der Jury, das einem “halt die Klappe” gleichkommt, unbedingt noch weiter singen und fängt eine längere Diskussion mit Dieter, dem Halbgott an. Das kennen wir ja bereits aus Malcolms Casting, wo der Nervkopf überhaupt erst durch impertinentes Betteln in den Recall gelassen wurde. Bohlen beginnt der Geduldsfaden zu reißen und er brüllt den 16-Jährigen mehr oder weniger im Spaß an, er solle gefälligst in die Gruppe zurück gehen.

    Nelson Sangare macht sich bei der Jury keine Freunde, als er seinen kurzen Auftritt erstmal mit einer Beschwerde über aufkommende Hungergefühle und die mangelhafte Verpflegung vor Ort startet. Damit darf man einem Profi wie Bohlen nicht kommen: Das eigene Wohlbefinden habe zurückzustehen, er selbst hätte über den Tag auch erst eine halbe Birne gegessen und müsse überdies seit einer Stunde dringend aufs Klo, gibt er bekannt. Als Nelson dann in seinem Titel “Bilder von Dir” (Laith Al-Deen) einen Texthänger hat, weiß Bohlen auch sofort, wie das kommt: “weil Du immer nur ans Fressen denkst”. Anschließend lässt der Poptitan aber Gnade walten und schickt die Bewerber in die verspätete Mittagspause.

    Malcolm, der peinliche Nervbold, nutzt den allgemeinen Aufbruch, bemächtigt sich des Mikros und muss dringend noch Stevie Wonders “I just called” (mein persönliches Hasslied) singen, während alle anderen vorbei gehen und ihn höchstens mit einem Kopfschütteln oder Lachen bedenken. Keine Ahnung, welche tiefsitzenden Komplexe er da befriedigt, aber zum Superstar macht ihn das garantiert nicht.

    Thomas, der Checker, kriegt kurz darauf beim Essen einen schweren Arroganzanfall, schnappt sich ebenfalls ein Mikro und fängt unter den Buhrufen seiner Konkurrenten eine überlange Performance am Mittagsbüfett an. Der Typ entwickelt sich für mich zum ersten Anwärter auf den Holger-Göpfert-Gedächtnispokal für überflüssige Unsympathen. Er glaubt vermutlich, er sei Gottes Geschenk an die Menschheit und die Welt schulde ihm aufgrund seiner Coolness eine Karriere als Superstar. Bestimmt hat er ein Foto von sich im Portmonee. Ich werde gern mit ansehen, wie “der Checker” – hoffentlich bald – auf dem Boden der Realität aufschlägt. Für den Moment hat es sich jedenfalls ausgesungen, als Mitbewerber Mehrzad ihm unter dem Beifall aller Anwesenden und mit etwas physischem Nachdruck das Mikrofon abnimmt.

    Nach der Mittagspause “kommen die Mädchen dran” (O-Ton Schreyl). Auch hier gibt es nervige Krawallschachteln, die man lieber von hinten als von vorn sieht. Eine gewisse Ina Freund (17), war mir schon im Casting negativ aufgefallen und bestätigt das im Recall auch. Nicht nur, dass sie auf dem Kopf ein Dings trägt, das wie Omas Einkaufsnetz aussieht, sie kann auch vor dem Mikro kein Ende finden und diskutiert mit der Jury endlos in einer sehr unangenehm hohen Tonlage, ob sie noch ein zweites Liedchen trällern darf. Trotz “Nein” macht sie das dann einfach und fängt sich dafür von Dieter einen Vergleich mit seiner Verflossenen Verona (“Blubb”) ein, die wohl auch des Öfteren durch häusliche Insubordination aufgefallen war.

    Als nächstes lanciert der Tötensener einen schönen Witz auf Kosten des wandelnden Tuschkastens Kim Debkowski: “Wenn eines der anderen Mädchen noch etwas Makeup braucht, knutscht einfach Kim, dann seid ihr geschminkt.” Ansonsten mag er die 17-Jährige aber, sie habe sich seit dem letzten Jahr extrem weiterentwickelt. Angeliki Paitari hat einen sexy gelben, schulterfreien Fummel aus dem Schrank geholt und präsentiert Dieter darin ihre vielen Schokoladenseiten. Sie legt soviel Wert auf Posing, dass ihr Song “Lady Marmalade” dabei etwas unter die Räder kommt. Am Ende räkelt sie sich auf dem Jury-Tisch. “Wenn Du so singen würdest, wie Du von hinten aussiehst…”, meint Dieter nur und guckt ihr ungeniert auf die Rundungen direkt vor seiner Nase.

    Meike Büttner kündigt im Einspieler schon an, was im Recall dann wirklich passiert: Sie vergisst bei ihrem ohnehin dürftigen Gesang den Text. “Du siehst so wuschig aus, was ist mit Dir los?”, erkundigt sich Bohlen. Ihre Antwort “das war Scheiße” und seine Bestätigung kosten normalerweise je einen Euro. Das Ding ist wohl gelaufen.

    Dann kommt die Entscheidung, welche 60 Kandidaten weiter kommen und für wen der Superstar-Traum an dieser Stelle zu Ende ist. Weiter sind u.a. Angeliki Paitari, Thomas “Checker” Karaoglan, Kevin Reichmann, Naomi Marte, Marcel Pluschke, Nelson Sangare, Valeria Giordano, Menowin Fröhlich, Kim Debkowski, Maria Elena Valenzia, Ina Freund, Helmut Orosz, Manuel Hoffmann, Ruzhdi Bojani, Dirk Petry, Mehrzad Marashi, Meike Büttner (Sensation!) und die bettelnde Nervensäge Malcolm Ohanwe.

    In der nächsten Recall-Runde werden nun Gruppen gebildet, die jeweils zusammen einen von der Jury ausgesuchten Titel performen müssen. Die Hoffnung bei uns Zuschauern ist natürlich, dass dabei Leute zusammengesteckt werden, die nicht miteinander können. So, wie die zuerst vorgestellte Gruppe bestehend aus Thomas, Nelson, Malcolm und Manuel. (Ich glaube, jede Gruppe, zu der Thomas gehört, hätte Probleme…) Thomas schläft lieber, als den Text zu lernen, findet mit dieser Einstellung aber nur wenig Verständnis bei den anderen. Mit seinem Fehlverhalten konfrontiert, wird der selbst ernannte “Checker” auf einmal wieder zu einem unreifen 16-Jährigen und fängt an zu weinen, was ihn fast schon wieder sympathisch macht! Die nächste Auszeit nimmt sich Malcolm, der aus ungeklärten Gründen nicht zur Probe erscheint und auch keine plausible Erklärung dafür hat. Beim Auftritt machen Manuel (sehr) und Nelson (ziemlich) ihre Sache gut, Thomas und Malcolm zersägen dagegen Xavier Naidoos “Das hat die Welt noch nicht gesehen” gnadenlos. Rausfliegen tut am Ende nur Malcolm, die Nervensäge, der Checker hat sich dagegen beim Bohlen schon so tief eingeschleimt, dass er momentan sicher ist.

    Dirk und Anastasia funktionieren als Duo gar nicht, offenbar mag die Russin den merkwürdigen Deutschen mit Hut nicht. Sie üben nicht ein einziges Mal zusammen und versäbeln beide den Titel auf der Bühne tutto kompletto. Was der Blondine an Textsicherheit fehlt, verknödelt der Möchtegerncowboy in der Melodie, wenn man das überhaupt so nennen darf. Bohlen wettet um einen 6er-Träger Bier, dass Dirk nicht mal die Melodie hinkriegt – und behält Recht. Statt sich wenigstens über die gewonnene Wette zu freuen, füttert Dieter sein Sparschwein: “Euer Auftritt ist nicht mal mehr Scheiße, für ‘Scheiße” müsstet ihr noch fünfmal besser sein.” Das war deutlich. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen kriegen die beiden noch eine Gnadenfrist bis zum Ende des Recall und sollen dann ein weiteres Mal auftreten.

    Bei Angeliki (die mit dem knappen gelben Fummel) und Helmut funkt es dagegen sofort, die beiden planen regelrecht, mit “gezieltem Körpereinsatz” bei der Jury zu punkten. Sie legen dann auch tatsächlich ein tolles Duett mit “Will you still love me?” hin, inklusive abschließendem Kuss, obwohl sich die eigentlich fest liierte Angeliki den vorher verbeten hatte. Sex sells, die Jury ist begeistert und winkt beide durch in die nächste Recall-Runde.

    Danach kommt eine reine Mädchentruppe mit – abgesehen von Valeria – im Casting nicht weiter aufgefallenen Mitgliedern (Olga, Zemine, Andrea, nie gehört!). Die zicken sich alle abwechselnd an, irgendwelche Geschichten mit kaputten Strumpfhosen, unfertigem Makeup, Ärger mit der Mutter usw., fragt mich nicht nach Sonnenschein. :-( Das Timing kriegen sie schon mal nicht hin, die letzten 45 Minuten vor dem drohenden Auftritt beschuldigen sich alle gegenseitig, den Probetermin vergessen zu haben. Der Streit endet erst, als sich die Studiotür öffnet und ihr damit völlig ungeprobter Auftritt von Rihannas “Take a Bow” beginnt. Wenigsten haben sich einige von ihnen Bohlen-adäquat aufgebrezelt und ihre sekundären Geschlechtsmerkmale (Stichwort “Pfeifton”) gut sichtbar in zu enge Kleider gequetscht. Der Auftritt hätte m.E. noch schlimmer ausfallen können, aber Bohlen reicht es trotzdem und die Jury fällt ein hartes Urteil: Zwar steht Dieter default auf “dicke Dinger”, wie man der einschlägigen Presse entnehmen kann, aber in diesem Fall hilft das nur noch Zemine, der Rest der Damen ist raus. Olga heult verzweifelt in die Kamera “aber ich hab’ doch für DSDS die Schule aufgegeben…” (!!!); die Schminke tropft ihr dabei vom Gesicht in die üppige Oberweite. Das ist die dunkle Seite dieses Wettbewerbs, wie immerhin 34.999 der 35.000 ursprünglichen Teilnehmer irgendwann merken werden…

    In einer kurzen Sequenz sieht man noch weitere Überlebende dieser Recall-Runde, z.B. Kevin Reichmann, Marcel Pluschke, Maximilian Salzinger, Kim Debkowski, Kevin Rebstock, Naomi Marte, Meike Büttner (die Sensation geht weiter!), Maria Elena Valenzia und Maria Sowieso.

    Sarah Engels und Eugen Flittner sollen “You don’t know me” von Milow präsentieren, doch werden sie durch Sarahs mieses Gedächtnis geplagt, das sich der Datenaufnahme konsequent widersetzt. Auf der Bühne hat sie dann den befürchteten Totalaussetzer und Bohlen kriegt die Pimpernellen: “Leute, dafür ist mir meine Zeit zu kostbar, so ‘ne [Ein-Euro-Wort] hör’ ich mir nicht an.” Er schmeißt beide auf der Stelle aus dem Recall – dabei war Eugen vorher ein echter Hoffnungsträger und hatte keine Schuld an dem Desaster. Ach, was kann die Welt ungerecht sein.

    Menowin, Ruzhdi, Mehrzad und Joel bilden eine Boy-Group mit hundertprozentigem Migrationshintergrund und haben “You give me something” von Jamiroquai eingeübt. Ruzhdi demonstriert mit seiner hochgestellten Frisur eindrucksvoll die Gefahren der Föhnbenutzung in Badewannen. Leider kann er sich den Text nicht merken und mit seinem Englisch ist es auch nicht weit her, darum wird er bei seiner Darbietung etwas von dem mitgebrachten Textzettel behindert. Menowin hat sich fast zur Unkenntlichkeit vermummt, die Mütze ist tief über seinen runden Kopf gezogen, er trägt eine fette Sonnenbrille und hat auch noch einen dicken Schal um. Angeblich ist er erkältet. Trotzdem hat er zusammen mit Mehrzad eine richtige Tanzchoreographie eingeübt, Joel klampft dazu und Ruzhdi steht beim Singen etwas am Rand und starrt vor allem auf seinen Zettel. Bohlen ist recht angetan und gibt den vier unisono die Fahrkarte in die nächste Recall-Runde, wobei Ruzhdi deutlich abfällt und eigentlich nur wegen seiner vorherigen guten Leistungen weiter kommt.

    Zum Ende kriegen Dirk und Anastasia noch ihre versprochene zweite Chance und nutzen sie auch. Die Auftritte sind zwar beide etwas skurril, aber Bohlen will sehen, wie sie sich weiterentwickeln und winkt sie durch. Dirk löst bei dieser Gelegenheit seine Wettschulden von vorhin ein und schleppt gleich mehrere 6er-Träger Beck’s-Bier an (wie man trotz Überpixelung mit etwas Erfahrung erkennen kann).

    Nach dem Gemetzel der ersten Recall-Runden versammelt die Jury nun die übrig gebliebenen 35 Kandidaten, hält ihnen noch eine Predigt  und verkündet dann, wo der Recall fortgesetzt wird: Es geht in die Karibik!!! Mit Dieter unter Palmen, wer hätte insgeheim nicht schon immer davon geträumt, in der nächsten Woche wird es wahr! Man sieht sich…

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  • DSDS (RTL) 07.01.2010 No Comments

    Hurra, hurra, DSDS ist wieder da!!! Für alle Fans öffentlicher Demütigungen und abartiger Musikgenüsse ist heute noch mal Weihnachten, denn “Dieter spielt den Sensenmann” (DSDS) geht in die siebte Runde!!! Während draußen Väterchen Frost uns klimakatastrophenverwöhnten Warmduschern zeigt, was unsere Großeltern unter “Winter” verstanden, führt in der Glotze Dieter Bohlen sein nicht weniger frostiges Regiment. Unter seinen strengen Augen und Ohren zerplatzen (hoffentlich) wieder reihenweise die Karriereträume überambitionierter Teenager, die irrtümlich glauben, singen zu können und die entweder gar keine oder jedenfalls keine musikalischen Freunde haben, die sie rechtzeitig aufhalten konnten. Das wäre ja auch blöd für uns andere, die wir gemütlich mit Salzstangen und Cola vor den heimischen Fernsehern dabei sein wollen, wie vermeintliche Jung-Madonnas oder Nachwuchs-James-Blunts von einem Typen zerlegt werden, der es mit ganzen drei Akkorden zum zig-fachen Plattenmillionär geschafft hat. Und dem die ganze Republik zu Füßen liegt, weil er sich trotz seiner immensen Erfolge nicht verändert hat, sondern immer noch genau derselbe liebenswert-unsympathische Kotzbrocken geblieben ist.

    Es geht los mit einem dramatischen Trailer mit einer sich drehenden Weltkugel, über die ein kleiner Düsenjet hinwegsaust, dazwischen sind (wie passend) Bilder von Naturkatastrophen, wie Vulkanausbrüchen und Flutwellen, geschnibbelt. Am Ende entsteigt “Deutschlands härteste Jury” dem Flugzeug, nämlich Volker Neumüller, Nina Eichinger und eben Dieter Bohlen (mit alberner 3D-Brille auf der Nase). Letzterer hat übrigens ein Gelübde abgelegt, zukünftig auf Kraftausdrücke zu verzichten; für jedes “Scheiße” will er nun einen Euro in ein Sparschwein werfen. Angeblich gab es diesmal 35.000 Bewerber um die Plätze in Onkel Dieters Talentquetsche, ein neuer Rekord. Wenn das so weitergeht, tummeln sich bei der 15. Staffel mehr Leute vor der Kamera als vor der Glotze…

    Der eigentliche Spaß beginnt mit einem ersten kurzen Delinquenten-Trailer: Christian Soundso, 22, aus Dessau “bei Sachsen-Anhalt” (!) bastelt gern mit Kastanien und füllt die ihm vergönnten Sekunden im Rampenlicht ansonsten mit einer Klage über sein nicht existierendes Sexualleben. RTL lässt keine noch so blöde Pointe ungenutzt, filmt Christian bei einigen spontanen Liegestützen auf dem Rasen und unterlegt die Übung mit Stöhngeräuschen aus dem Tutti-Frutti-Archiv. Jeder halbwegs mit der DSDS-Materie Vertraute weiß: Wer schon im Einspieler dermaßen verarscht wird, kann sich das Singen absolut sparen… aber bitte, wenn er unbedingt will, lasst die Spiele beginnen. :-) Christian gibt irgendeinen englischen Musical-Titel zum Besten, hat damals in der Schule aber wohl leider die Stunde mit dem “th” geschwänzt. Während Nina und Volker noch versuchen, ihr “Nein” freundlich zu verpacken, lacht sich Dieter erst ungehemmt kaputt, muss dann wegen des verbotenen Wortes den ersten Euro ins Sparschwein werfen und schickt den Jungen schließlich mit “ein Froschfurz hat mehr Power” in die Garderobe.

    Dann kommt Helmut Orosz aus Braunschweig, Kampfname “Helle”, der schon mal das bei RTL wichtigste Rüstzeug für einen angehenden Superstar mitbringt, nämlich die private Tragödie: Er hadert mit seinem Namen, also Helmut, der passe nicht zu ihm. Stimmt, finde ich auch, er sieht viel eher wie ein Erwin oder Franz-Herbert aus. Irgendwie habe ich auch den Eindruck, ihn schon mal bei “Big Brother” oder einer anderen Intellektuellensendung gesehen zu haben, kann mich aber nicht genau erinnern. Mit 30 Jahren steht Helle unmittelbar vor dem DSDS-Alterslimit – die Torschlusspanik hat ihn wohl jetzt in Dieters Arme getrieben. Sein Beruf als Straßenmusiker verschafft ihm die nötige Routine und mit “Summer of 69″ und seiner Gitarre spielt er sich mühelos in den Recall.

    Isabell ist 20 Jahre alt, Friseurin, kommt gleich mit kleinem Möchtegern-Manager und kann bedauerlicherweise nur mit ihrem iPod im Ohr singen. Das wirkt ziemlich dämlich, weil sie in Ronan Keatings “When you say nothing at all” immer lange Pausen macht, wenn im Titel – unhörbar für Zuschauer und Jury – nur die Instrumente spielen. Als dann auch noch mittendrin der Player seinen Geist aufgibt, stoppt die Jury die ganze Sache. Gleich mehrere Euros klimpern in Dieters Schweinchen, dazu kommen noch ein paar nette Sprüche für Isabells Heimweg: “ich sehe völlige Talentfreiheit” und “von zehn Tönen triffst Du elf nicht”. Die so verkannte Künstlerin verzieht sich, hat aber leider wohl ihre Lektion nicht gelernt und mault draußen noch ein paar grammatikalisch verunglückte Schmähungen gegen Dieter in die Kamera.

    Dann verarscht RTL in einer kurzen Sequenz einen chinesischen Jungen mit Gitarre, der ausgerechnet das Jahrzehnte alte Deppenlied “Drei Chinesen mit dem Kontrabass” bringt, leider den Text nicht voll drauf hat und nach Dieters Meinung auch sowieso nicht singen kann. Die DSDS-Komiker reiten in den Begleitanimationen darauf herum, dass der Chinese an sich angeblich – oder wirklich? – statt “R” immer ein “L” spricht. Mann, hab’ ich gelacht. :-(

    Nicht gerade mit Model-Maßen gesegnet, schubbert sich nun die etwas orientalisch aussehende, sympathische Berlinerin Katarina im (zu) kleinen Schwarzen und mit hochhackigen Schuhen auf die Bühne. Ihren Nachnamen habe ich nicht verstanden, klang möglicherweise iranisch. Verheiratet und bekindert ist die Gute mit ihren 22 Jahren auch schon, die Hintergrundgeschichte passt also bestens. Noch bevor sie den ersten Ton gesungen hat, staunt die Jury erstmal über ihre 280 Euro teuren Schuhe (“das darf mein Mann aber nicht wissen”), die trotzdem tierisch drücken und die sie denn auch unter großem Gelächter aller Anwesenden sofort auszieht. Leider war das schon der bessere Teil der Performance, ihr Gesang ist reichlich dünn und schief. Mit einem so genannten “freundlichen Nein” wird sie von der Jury verabschiedet.

    Nun kommt wieder ein kurzer Schnelldurchlauf mit vier, fünf Trümmern aus dem Kandidaten-Flusensieb, bei dem uns Außenstehenden schleierhaft bleibt, welcher Titel wohl gemeint war. Für die DSDS-Novizen sei das nochmal erklärt: RTL sortiert die Kandidaten in drei Kategorien. Die überwältigende Mehrheit ist Mittelmaß und wird sofort nach Hause geschickt. Nur wer so richtig mies ist, darf in den Casting-Folgen zwecks öffentlicher Hinrichtung rein zu Onkel Dieter. Lediglich die paar Glücklichen, die entweder singen können oder mit einer tränentriefenden Homestory gesegnet sind, sehen wir ab dem Recall wieder. Sie werden dann Woche für Woche weiter zerpflückt und größtenteils ebenfalls mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt. Nur die allerletzten Finalisten, bei denen in Bohlens Augen Euro-Zeichen zu leuchten beginnen, haben eventuell als C-Prominente Aussicht auf ein paar kurze Wochen im Rampenlicht.

    Die Zeit der “Superstars” endet unwiderruflich, wenn Stefan Raab aufhört, sie in “TV-Total” zu verarschen. Nun folgt der Abstieg: Erst sieht man sie hin und wieder noch als Ein-Zeilen-Stichwortgeber in einer der zahllosen Folgen der “ultimativen Chart-Show” oder gelegentlich auch als Kochlegastheniker in einem Promi-Küchenduell. Hier oder da rettet sich mal ein Kandidat mit einer spektakulären Großtat zurück in die Schlagzeilen, z.B. indem er besoffen in einen Gurkenlaster brettert oder sich zur Frau umoperieren lässt, aber das hält meist nicht lange. Die letzten Zuckungen kommen dann entweder als Promi-Imitation im Big-Brother-Container oder beim Maden-Essen in der medialen Reste-Verwertung der RTL-Dschungelshow… Es sei denn, man mutiert zu Dieters musikalischem Hofnarren und ist dazu verdammt, auf ewig dessen Lieder zu trällern, so wie Mark Medlock. :-)

    Genug philosophiert, nun wird es peinlich, denn jetzt folgt der offenbar nachnamenlose 18jährige Marcel aus Bonn, der mich schon zu Beginn fatal an die Heulsuse Stephan Darnstaedt aus der dritten Staffel erinnert. Seine Eltern schieben ihn die Treppe zum Studio hinauf, wobei der Vater die schlaue Bemerkung “was ich an Bohlen gut finde, ist die Direktigkeit” in die Kamera fallen lässt. Diese Peinlichkeit wird vom Sohnemann aber mühelos übertroffen, als ihn Dieter Bohlen schon bei seiner Begrüßung mit “hast Du Dir in die Hose gepischert?” unterbricht. Betretenes Schweigen. Für Sekunden scheint die Welt still zu stehen. Kann das sein, hat er das wirklich gesagt? Der Zuschauer wird zum Gaffer, vergisst sogar das Kauen und Schlucken und springt zum Fernseher: Ist da wirklich was zu sehen? Tja, hier ist er wieder, der Moment zum Fremdschämen: Marcel war wohl etwas zu aufgeregt und schwupps, hatte seine Jeans einen deutlich sichtbaren Fleck an strategisch eindeutiger Stelle, den uns RTL dann freundlicherweise auch noch bildschirmfüllend heranzoomt.

    Was macht man in so einer Situation? Vielleicht sich erstmal kräftig in den Arm kneifen und hoffen, dass man aufwacht, wenn das auch nicht hilft, dann ein One-Way-Ticket nach Timbuktu kaufen, ohne Umwege zum Flughafen gehen und geräuschlos für mindestens 20 Jahre den Kontinent verlassen? O Mann, da wird ein junges Leben auf dem Altar der Quote geopfert, aber das sind nun mal die Spielregeln bei DSDS; wer sich darauf einlässt, der hat seine Seele an den Teufel RTL verkauft. Pech gehabt… Dass Marcels Singversuch mit “Ave Maria” von Beyoncé dann ebenfalls noch in die Hose geht (Spitzengag, gell?), ist fast nebensächlich. Dieter muss gleich mehrmals das Sparschwein füttern, um seinen Eindruck von der Gesangsleistung zutreffend schildern zu können. Dreimal “Nein” und der lebenslange Spott seiner Umwelt ist der Lohn für Marcels Auftritt. Was steckt er auch den Kopf aus dem Loch, selbst schuld. Klappe, der Nächste.

    Der 17jährige Maximilian Salzinger aus Landsberg berichtet in seinem Einspieler, wie er aus Liebeskummer von einem 105kg schweren “Brummer” (?) zu einem durchtrainierten Typen wurde. Er singt etwas gehetzt von Justin Timberlake “What goes around” und kommt damit gut an. Typ Mädchenschwarm mit Schmachtpotenzial, also ab in den Recall, aus dem könnte Bohlen bestimmt etwas basteln.

    Freakshow: Andreas Gerlich, 29, ist Maler, Lackierer und Autogrammsammler, gebraucht in seinem kurzen Einspieler (von RTL gezählt) 23 mal das Wort “hier”  und illustriert ansonsten nachvollziehbar, weshalb Promis gelegentlich mal ihre Fans vermöbeln, wenn sie ihnen zu nahe kommen. Und auch, dass man beim Malen und Lackieren immer schön eine Atemschutzmaske aufsetzen sollte… Andreas hüpfend vorgebrachter “Gesang” liegt irgendwo zwischen erschreckend und unterirdisch, hat keine erkennbare Melodie und besteht aus dem Text “Jea, jea, jea, ei fiel hartkoah”. (Eingeweihte erahnen Fragmente des Scooter-Titels “Wicked”.) Dieter sieht’s als Gesamtkunstwerk, grinst kurz und schlägt Andreas dann vor, er könne seinen Gesang “an die Dachpappe kleben”, was auch immer man sich darunter vorzustellen hat. Das war’s jedenfalls mit der Superstar-Karriere.

    Der Hamburger Mehrzad Marashi, 28, lebt seit drei Monaten mit seiner Frau zusammen, die im siebten Monat schwanger ist, also pünktlich für die Mottoshows niederkommen könnte. Außerdem ist sein älterer Bruder vor kurzem bei einem Autounfall gestorben. Eine solche Homestory im Rücken ist erfahrungsgemäß schon mal die halbe Miete für den Recall. Mehrzad sieht etwas aus wie Xavier Naidoo und singt denn auch gleich einen Song von ihm, gar nicht mal schlecht, und kriegt dafür die erwartete Vorladung für die nächste Runde.

    Nun wieder ein Ausflug in die Abteilung “Vollmeise”: Die blondmähnige Türkin Nilay legt einen mehr als seltsamen Auftritt hin mit etwas Esoterik und ziemlich viel Schwachsinn. Aus Mariah Careys “Emotions” wird ein einziger langgezogener Ton von mehr als zwanzig Sekunden Dauer, was Dieter zur berechtigten Frage bringt “bist Du irgendwie auf ‘nem Trip hängen geblieben?”. Volker spricht aus, was alle denken: “Du kannst nicht singen.”. Jetzt reicht’s, die Sicherung fliegt raus und unsere blonde Femme fatale wird zur Furie. Mit einem gekreischten “Ihr habt kein Ohr im Ohr!” stürmt sie beleidigt aus dem Studio und brüllt auf dem ganzen Weg hinunter zur Straße laut herum. Dachschaden in Reinkultur! Ich hab’ so ein dumpfes Gefühl, die sehen wir im nächsten Jahr wieder…

    So, am Sonnabend geht die Sache weiter, das Panoptikum ist noch lange nicht leer und Dieters Schweinchen bei weitem noch nicht voll. Mal sehen, was uns RTL dann wieder in die Wohnzimmer kübelt, Mülltv bleibt jedenfalls dran.

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