• Im Schlumpfdorf Dernbach erleben wir diesmal eine Ludolfsche Osterregression, soll heißen: Die vier etwas in die Jahre und aus der Form gekommenen Brüder lassen die Osterbräuche ihrer Kindheit wieder auferstehen.

    Nach fast achtzig Folgen einer Doku-Soap, die grundsätzlich nichts anderes macht, als uns Coach-Potatoes am nur geringfügig aufregenderen Leben einer Schrottplatzsippe teilhaftig werden zu lassen, kratzen die Drehbuchschreiberlinge mittlerweile spürbar am Bodensatz ihrer Phantasie. Wie sonst könnte man auf die Idee kommen, eine Viertelstunde lang in epischer Breite zu zeigen, wie angeblich erwachsene Menschen Eier ausblasen, hinterher färben und dann in einer Halle mit Millionen Ersatzteilen verstecken. (Da wird sich Peter in ein paar Monaten aber noch freuen, falls seine Brüder nicht alle Eier gefunden haben sollten… :-) ) Der Küchenausflug mit dem beleibten Clanchef wird dagegen zum Action-Trip mit Herzinfarktrisiko. Immerhin sieht der dabei entstandene Ostertopfkuchen à la Muttichen ganz lecker aus und hat dementsprechend bei den Ludolfs auch nicht lange zu leben.

    Manni macht mal wieder den Familieneinstein, als er erklärt, weshalb Hühnereier nicht wirklich rund sind und dass man sie mit der Hand in Längsrichtung nicht zerquetschen kann. Letzteres ergibt wieder ein mehrminütiges großes Hallo, als alle Brüder versuchen, Mannis Behauptung zu wiederlegen und das Ei dabei mit zusammengekniffenen Augen in der ausgestreckten Hand weit von sich strecken. Mannis Genialität wird jedoch hinterher wieder infrage gestellt, als er Wetten-dass-mäßig ein Auto auf vier hochkant positionierte Eier stellen will, dabei jedoch nur Rührei produziert.

    Wo bleibt die richtige Auto-Action, gibt’s denn heute keine Testfahrten auf dem Ludolf-Ring? Stimmt, berechtigter Einwand, das haben die Autoren wohl auch gemerkt, ergo erfinden sie nun die Story, dass Manni unbedingt eine Schrottkiste als Osterei bemalen möchte. Er lackiert dafür einen Wagen mit weißer Farbe und schmiert hinterher mit der Hand ein paar Kleckse Gelb darauf – als Eidotter.

    Anschließend geht es mit der Karre zu einem Eierlauf der besonderen Art: Nacheinander fahren Manni, Uwe und Peter mit dem Ostereierauto auf den mit “Palone” (gemeint sind “Pylonen”) abgesteckten Slalomkurs. Dabei müssen sie während der Fahrt einen Löffel mit Ei aus dem geöffneten Seitenfenster halten und dürfen das Ei dabei natürlich nicht verlieren. Zwar schafft das nur Manni (im Schneckentempo), aber Peter erklärt sie alle drei kollektiv zu Siegern und die Welt in unserem kleinen Westerwalddorf ist so weiterhin in Ordnung.

    Tja, das war die ganze Folge. Sehr viel schlauer wird man vom Ludolf-Gucken zwar nicht, sehr viel blöder aber vermutlich auch nicht. Immerhin beruhigt Peters Schnarchen nach einem anstrengenden Tag ganz kolossal.

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  • Welchen Knochen hat man wohl diese Woche über den Zaun des Ludolf-Geheges geworfen? Nun, der Titel sagt es schon: Die Drehbuchautoren sind auf die zunächst verblüffende Idee verfallen, Manni eine Weltraum-Affinität anzudichten. Auslöser ist eine Bremsscheibe, die den jüngsten Spross der Schrottfamilie angeblich an den Planeten Jupiter, vielleicht aber auch an ein Ufo oder Einsteins Hut erinnert. Ab jetzt nervt er die anderen Brüder mit einem nicht enden wollenden und mitunter schwer zu verstehenden Redeschwall. Soweit erkennbar, bespricht er dabei nur Themen, bei denen er absoluter Experte ist: Unendlichkeit, Parallelwelten, Außerirdische, also alles Dinge, die man beim Anblick der Ludolfschen Schrotthaufen schon immer irgendwie im Hinterkopf hatte.

    Der einmal entfesselte Weltraumvirus frisst sich erst durch Mannis Brägen und befällt anschließend auch Peter, das Ludolfsche Zentralgehirn. Der führt die staunenden Fernsehzuschauer nun auf seine unnachahmliche Art, d.h. mit wenigen, aber dafür schlecht gewählten Worten, in die Geheimnisse der Überlichtgeschwindigkeit ein. Eigentlich überrascht mich sein bisher so sorgfältig verborgenes Wissen nicht besonders, denn die Fassade des dauerschlummernden, arglosen, feisten Schrottplatzbesitzers war schon ein bisschen dick aufgetragen und kann doch nicht echt sein, oder?

    Unter Mannis grüner Dunstkiepe gärt es inzwischen weiter und er beschließt, den “Außererdischen” (sic!) eine Botschaft zu schicken. Dafür baut er aus einem alten Auspuffrohr und zwei übrig gebliebenen Silvesterraketen unter Uwes Protest eine Art Rakete. Als Nutzlast soll ein Foto der vier Brüder mitfliegen, das sie per Selbstauslöser von sich machen. Zu diesem Zweck wird sogar der eher bewegungsscheue Horst-Günter aus dem Ludolfschen Bau gelockt. Die Ludolfs als Botschafter des Planeten Erde – ob das potenzielle Besucher von weit Außerhalb eher anlocken oder abschrecken würde, sei dahingestellt. Flüchtige Betrachter des Fotos könnte Peters durchtrainierter Körper vielleicht entfernt an Jabba the Hutt erinnern, aber selbst dann bliebe die Frage, ob das eher nützlich oder schädlich zur Kontaktaufnahme mit Aliens wäre. :-)

    Die Frage stellt sich auch nicht wirklich, denn natürlich fliegt die Rakete beim Start an der Dernbachschen Peripherie nur gerade eben über den oberen Bildschirmrand hinaus. Für dusselige DMAX-Seher scheint das aber zu genügen und die Ludolfs müssen laut Drehbuch so tun, als verschwinde Mannis Machwerk wirklich mit Lichtgeschwindigkeit in den ewigen Weiten des Universums (geschriener O-Ton Peter: “Dorch de Wolken, dorch de Wolken!”). Anschließend darf Manni dann noch den Volltrottel mimen und per Teleskop aus seinem Zimmerfenster – bei Tageslicht :-) – nach der Reaktion der Aliens suchen…

    Vielleicht haben es manche Leser schon geahnt: die Außerirdischen antworten unseren Ludolfs nicht und Manni versucht, seinen Frust darüber zu kompensieren, indem er ein Schrottauto auf Raketenantrieb umbaut. Naja, “Raketenantrieb” ist vielleicht ein bisschen viel gesagt, in Wirklichkeit schraubt er zwei Rohre an einen blöd bemalten schwarzen VW Beetle (“der erinnert mir an Mond”), lässt sich vom DMAX-Requisiteur Schwarzpulver oder Wunderkerzen geben, stopft das in die Rohre und macht damit hinterher einen Geschwindigkeitstest. Die zusätzliche Beschleunigung lässt sich objektiv sicherlich nicht messen, Peter attestiert aber trotzdem den Beinahe-Durchbruch der Schallmauer und lässt sein außerirdisch lautes Lachen hören… :-)

    Bis zur nächsten Woche, dann wieder ganz irdisch, denn in Dernbach werden offenbar Ostereier gesucht!

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  • Die vier putzigen Ludolfs haben den Winterschlaf überlebt und zeigen sich in einer neuen Staffel wieder auf ihrem Haussender DMAX. Gottseidank ist in ihrem komplett verspackten Haus und dem Schrottplatz alles beim Alten geblieben. Nicht auszudenken, welche Zuschauerproteste es gegeben hätte, wenn sie in der Sendepause neu tapeziert oder auch nur die Fettflecken an der Wand hinter Peter überpinselt hätten.

    Das Konzept für eine Folge mit Peter, Uwe, Manni und Günter Ludolfs ist seit Anbeginn der Zeiten denkbar einfach und erinnert mich irgendwie an eine Affenherde im Zoo, denen man etwas zum Spielen gibt: Die Drehbuchautoren werfen unseren Helden in jeder Folge ein mehr oder weniger originelles Thema über den Zaun und halten dann einfach mit der Kamera drauf, wenn die Ludolfs sich einzeln oder zusammen damit auseinandersetzen. Trotz aller Naivität sind die vier inzwischen Profis genug, dass sie mit jedem Thema klar kommen – und sei es noch so künstlich. Bis auf Sauberkeit, deutsche Sprache und Atomphysik haben sie mittlerweile wohl alles durch.

    Diesmal dauert es eine gute Viertelstunde, bis endlich klar wird, welches Thema sich die Schreiberlinge von DMAX für heute aus den Fingern gesaugt haben: Ludolfs go Hip-Hop. Inspiriert von Uwes Sohn Tommy, kommt der Firmenboss Peter ins Philosophieren, dass jede Generation die Musik der nachfolgenden Generationen nicht versteht. Die staunenden Zuschauer erhalten einen kurzen Exkurs in die neuere Musikgeschichte aus der Perspektive des drallen Ludolf-Chefs. Demnach ging die Entwicklung von Peter Kraus über Elvis und die Beatles direkt zur Rap-Musik. Schnell hat Peter mit dem Hip-Hop-Virus auch Uwe und Manni angesteckt und beide entblöden sich nicht, vor der Kamera ihre Breakdance-”Künste” vorzuführen. So dolle ist das nicht, aber wenigstens wischen sie auf diese Weise mal den total versifften Fußboden… ;-)

    Keine Ludolfs-Folge ohne Autos: Manni beschließt, eine Schrottkarre in einen Hip-Hop-Schlitten zu verwandeln. Nach einem Irrtum beim Farbenmischen bekommt der Wagen allerdings eine ziemlich beknackt aussehende schweinchenrosa Lackierung. Manni wollte aber nunmal “keine Farbe von der Stange”  und kein “Acht-Null-Fünfzehn”-Auto, das hat er jetzt davon. Mit einer Batterie Spraydosen wird die Kiste dann Außen und Innen so bemalt, wie sich Manni ein Hip-Hop-Auto eben vorstellt. Bei der abschließenden Beschriftung hapert es leider etwas mit der Rechtschreibung: Auf der linken Seite vergisst er das erste “P” in Hip-Hop, auf der rechten Seite wird der Familienname versehentlich zu “Lubolf”.

    Derweil sind die anderen Brüder auch nicht untätig: Uwe unterstützt Manni verbal, meist mit Bemerkungen zu irgendwelchen Blondinen, mit denen er mal was gehabt zu haben glaubt oder gern gehabt hätte. (Hat der Mann eigentlich keine Angst, dass seine gut einen Kopf größere Frau die Folge später mal in der Glotze sieht?)

    Günter kümmert sich noch immer hauptberuflich um das jämmerlich quäkende Telefon. Seit der letzten Staffel hat er offenbar erfolgreich daran gearbeitet, die lästige Grußformel noch mehr auf das Wesentliche zu verkürzen. Statt wie in der ersten Staffel “Ludolf… Guten Tag!”  oder später wenigstens “Guten!”, sagt er mittlerweile nur noch so etwas wie “Guuun…”.

    Auch Peters Sprachfertigkeit nimmt eher ab als zu, seine Stärke liegt wohl eher in der Verdauung. In fast jedem Satz ist ein fetter Klopfer, manchmal ist echt alles verkehrt. Wenn er versucht, seine sowieso schon krausen Gedanken in komplizierte Worte zu fassen, kommt manchmal wirklich nur noch unverständlicher Blödsinn raus. Aber das macht ihm knapp die Hälfte, er ist ein Mann der Tat und organisiert für die vier Brüder Baseballcaps und Basketballtrikots. Eines davon zieht er sich sofort über und sieht jetzt aus, wie eine Kuh im Trainingsanzug. Günter bemerkt taktvoll “Passt gut!”, meint damit aber wohl nur, dass das Shirt nicht sofort geplatzt ist.

    Während Günter die Ludolfsche Telekommunikationszentrale beaufsichtigt, fahren seine drei Brüder mit ihrer grotesk bemalten Karre zu einem Basketball-Court, um stilecht als Hip-Hopper verkleidet ein paar Körbe zu werfen. Peter beschränkt sich natürlich wieder auf die Rolle des Schiedsrichters und Einpeitschers, ist aber trotzdem als erster erschöpft! Einen richtigen Sinn macht diese letzte Szene nicht, aber wenigstens hören wir wieder Peters irre Lache.

    Die Vorschau für die nächste Folge lässt Weltbewegendes ahnen: Manni interessiert sich (lt. Drehbuch) plötzlich für die Raumfahrt und baut eine Rakete. Dass Peter dabei als erster Dernbacher ins All geschossen wird – nennen wir das mal “Kugelblitz” – halte ich allerdings für ein unbewiesenes Gerücht… :-)

    P.S.: Nicht, dass das jetzt beim Lästern falsch rüberkommt: Ich mag die Ludolfs sehr, ich mag ihre (scheinbar) ungespielte Einfachheit und rührende Arglosigkeit. Sie sind wie eine kleine, stille Insel in einem tobenden Meer voller Kommerz, Selbstdarstellung und Gewalt, das wir Fernsehen nennen. Die Ludolfs sind ein Affront gegen die Oberflächlichkeit der meisten anderen Programme, sie spotten jedem Schönheitsideal und ihre vergammelte Bude ist der Alptraum aller Innenarchitekten. Gäbe es Geruchsfernsehen, wären die Ludolfs ein Grund, es sofort wieder abzuschaffen. Wäre schlechtes Deutsch strafbar, säßen sie in der Todeszelle.

    Aber genau das macht sie so sympathisch, denn in einem verschrobenen Winkel unserer Seele haben wir vermutlich alle auch Ludolfsche Wesenszüge – oder hätten sie wenigstens gern. Irgendwie stehen sie auf unserer Seite der Mattscheibe, ihr Erfolg ist unser aller Erfolg. Wenn sie es schaffen, könnten wir das auch, wenn man uns nur ließe. Und so schlecht kann die Welt da draußen dann wohl doch nicht sein, wenn so etwas wie die Ludolfs darin überlebt…

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