• DSDS (RTL) 21.03.2011 2 Comments

    Hallo Leute,

    heute ist Sonnabend und das heißt natürlich momentan Bohlen-Time. Die Feuerwehr hat Anna-Carinas Tränenflut vom letzten Wochenende soweit abgepumpt, es kann also losgehen. Diesmal startet “Deutschland sucht den Superstar” mal ganz international, denn RTL hat den bekannten US-Ringansager Michael Buffer – mit sicherlich nicht allzu wenig Geld – dazu überreden können, hier heute den Conférencier zu mimen. (Ich hoffe das bedeutet, dass uns Marco Schreyl ausnahmsweise mal verschont… jaja, die Hoffnung stirbt immer zuletzt. Aber man wird doch wohl noch mal träumen dürfen…) Übrigens konnte ich Wikipedia entnehmen, dass der Amerikaner mit nichts weiter als der Vermarktung seines Markenzeichenspruchs “Let’s get ready to rumble” bis heute schon 400 Millionen US-Dollar verdient hat… wie viel hat eigentlich Dieter Bohlen, der Poptitan aus Tötensen, bisher mit seinen beiden Akkorden eingenommen? Pro überlebter DSDS-Staffel kriegt er jedenfalls 1,2 Millionen Euro Schmerzensgeld, muss dafür allerdings auch alles aus der ersten Reihe ertragen und kann nicht einfach mal so vorspulen oder wegzappen, so wie unsereins.

    Michael Buffer sagt die Jurymitglieder der Reihe nach an und zieht dabei die letzte Silbe des Nachnamens immer in die Länge und in die Höhe – das ist ja eben sein Markenzeichen. Nach Fernanda Brandao, die mit einem für ihre Verhältnisse beinahe unscheinbaren silbern-spacigen Kleid ins Studio kommt, wird Patrick Nuo, “…the He-Man from Switzerland”, angekündigt. Beim Applaus ist ihm heute ein Mitleidsbonus sicher, denn bestimmt haben die meisten im Publikum ja immer schön fleißig die Blödzeitung gelesen und wissen daher, dass Patricks Ehe Auflösungserscheinungen zeigt. Schließlich kommt er, dessen Namen man kaum zu sagen wagt, himself und in höchsteigener Person ins Studio: Dieter Bohlen trägt Sonnenbrille und schreitet hinter einer sehr spärlich bekleideten Blondine, die einen fiktiven Boxer-Gürtel in die Höhe hält. Das Publikum gerät schon zu diesem frühen Zeitpunkt vorübergehend in Ekstase. Dabei dienen die Verpflichtung Michael Buffers und alle Anspielungen auf Profi-Ringveranstaltungen nur dem einen Zweck, für den Live-Boxkampf Klitschko gegen Solis zu werben, der gleich im Anschluss an den Hauptteil der heutigen vierten Mottoshow hier bei RTL stattfinden wird. Welcher dieser Klitschko-Brüdern ist denn bloß heute wieder dran? Die Klitschkos sind genau wie die Jacob-Sisters: Es gibt eine unübersehbare Anzahl davon und man weiß nie, wie der heißt, den man gerade vor sich hat. Okay, ich gebe zu, dass der Vergleich bei genauerer Betrachtung etwas hinkt, aber sei’s drum.

    Als letzte Amtshandlung eröffnet nun Michael Buffer mit “Let’s get ready to rumbleeeeeeee!!!!!” den musikalischen Teil des Abends, der übrigens passend zum Libyen-Krieg unter dem Motto “Partykracher” steht. Die sieben verbliebenen DSDS-Kandidaten springen bzw. humpeln (Pietro) auf die Bühne und performen zusammen den Titel “Yeah 3x” von Chris Brown… Hmmm, Chris Brown, da war doch was…? Aber klar, jetzt fällt mir’s wieder ein, das war doch der Typ, der seine Freundin, die Sängerin Rihanna, verhauen hatte und deswegen vor Gericht stand. [Grübel, lange Kunstpause] Wo wir gerade beim Thema sind: Wie ist das eigentlich mit dem Kachelmann-Prozess weitergegangen? Wegen dem Japan-Erdbeben, dem drohenden Super-GAU und den diversen arabischen Revolutionen ist das so ein bisschen hinten runter gefallen. Mir fällt nur noch ein, dass Alice Schwarzer als Gerichtsreporterin darüber in einer festen Kolumne in der Blödzeitung berichtete, aber vermutlich brauchen die den knappen Platz in ihrem Intelligenzblatt jetzt sowieso für wichtigere Meldungen, immerhin ist ja heute auch noch Eisbär Knut gestorben.

    Und dann macht Michael Buffer alle meine Hoffnungen zunichte, er sagt nämlich Marco Schreyl an (“your host tonight”), welcher dann auch gleich auf die Bühne stürmt und brabbelt wie ein Wasserfall. Als ersten Kandidaten sehen wir heute Mister Ö, Marco Angelini. Dem waren in den letzten Woche gelegentlich mal fehlende Ecken und Kanten vorgeworfen worden, was latent zu Langeweile führen kann und damit zu ausbleibenden Anrufer(inne)n. Heute will er deshalb unbedingt seine “dreckige Seite” zeigen. Dazu lässt er sich eine schwarz-weiße Gesichtsmaske à la 70er-Jahre-Hard-Rock-Band Kiss aufmalen und tritt dann mit der Robbie-Williams-Nummer “Let me entertain you” auf. Er gibt alles, mehr Dreck geht nicht, sagt er hinterher. Hier finde ich die bombastischen Kamerafahrten durchs ganze Studio nicht so sinnvoll, ich hätte lieber von nahem gesehen, was Marco auf der Bühne veranstaltet. Patrick nennt dies die beste Performance aller Auftritte sämtlicher DSDS-Staffeln auf dem ganzen Planeten, wenn nicht gar im Universum, seit Anbeginn der Zeiten und fordert das Publikum – vergeblich – zu Standing Ovations auf. Auch Fernanda ist begeistert, nicht hingegen Dieter, dem das zu viel Kopie von Robbie Williams und zu wenig Original Angelini war.

    Auf Startplatz Zwei sehen wir heute Abend Norman Langen, den DSDS-Schlagerfuzzi. Um seine möglicherweise etwas müde hinter dem Ofen liegende Anhängerschaft zu wecken, sehen wir in seinem Einspieler, wie Norman sich aus einem Hochhaus abseilt. Mit interessanteren Dingen wie Beinbrüchen, Zickenterror, hausinternen Affären oder Konflikten mit dem Jugendschutzgesetz kann er wohl nicht dienen. Und schlimmer noch, jetzt in der Liveshow beleidigt er die nicht-komatösen Zuschauer mit dem Titel “Hey Baby” von DJ Ötzi, einem Künstler, den ich nach wie vor nicht mag. Tja, wie soll man Normans Kostüm nur nennen, es ist eine Art gelbes Cape und gelbe Hose, die von weitem etwas nach Regenbekleidung aussehen. Und drei Streifen haben die Klamotten auch, sind also wohl von Adidas. Der Auftritt selbst verläuft wie geplant, manche Menschen schunkeln irgendwie mit, andere übergeben sich still in ihre Handtaschen und der Rest ärgert sich über die vertanen drei Minuten Lebenszeit. Norman schmettert seine Deppenhymne mit Inbrunst und Dauergrinsen, welche Oma hätte nicht liebend gern so einen Enkel? Patrick Nuo hinterher jedenfalls nicht. Der findet den Auftritt zu unpersönlich und nutzt die Chance des offenen Mikrofons, indem er seine eigene PR-Geilheit befriedigt und Norman und dem Publikum vorsingt, wie der epochale, titelgebende Refrain “Hey Baby” richtig” geklungen haben sollte. Dieter findet den Titel zwar grundsätzlich okay, warnt aber davor, zu sehr die Ballermann-Fraktion zu bedienen, sonst kriegte er am Ende vielleicht nicht genügend Anrufe.

    Nummer Drei ist Ardian Bujupi mit einer echten Premiere: Zum ersten Mal haben Marco Schreyl und alle Jury-Mitglieder seinen Vornamen richtig ausgesprochen, Tusch! In seinem Einspieler erfahren wir dagegen betrübliche Neuigkeiten: Ardian hat wegen überhöhter Geschwindigkeit gerade seinen Führerschein eingebüßt, was bei seinem Machismo wohl fast einer Kastration gleicht, und auch in Sachen Zazou läuft angeblich nichts. Dabei hatte doch die Blödzeitung weltexklusiv die Information verbreitet, die Schweizerin und der Kosovare seien heimlich ein Paar… Heute Abend singt der Kandidat “Beautiful Monster” von Ne-Yo. Während sich im Hintergrund die halbnackte DSDS-Tanztruppe nach Kräften abrackert, wirkt Ardian dabei auf mich fast etwas unbeteiligt und emotionslos. Die Jury ist aber trotzdem zufrieden, Bohlen meint gar, er sei der “modernste” Sänger und groove am besten von allen verbliebenen Kandidaten.

    Als nächste tritt die Vielleicht- oder Vielleicht-Nicht-Freundin von Ardian auf, nämlich Zazou Mall. Die hatte in der vergangenen Woche gewichtigen Besuch von Maite Kelly, die ihr quasi als Kollegin Mut zusprechen wollte. Nachher im Interview sieht sie bei Zazou durchaus noch Entwicklungspotenzial, die könne viel mehr, als sie bisher bei DSDS gezeigt habe. Das sieht Dieter bekanntlich diametral entgegengesetzt. Gleich kann er seine Einschätzung wieder überprüfen, Zazou singt “Hot n Cold” von Katy Perry. Die Show ist wie immer spitzenmäßig choreografiert und beginnt mit ein paar klassischen Takten des Hochzeitsmarsches von Felix Mendelssohn Bartholdy (der sich deswegen vermutlich im Grabe umdreht)! Zazou erscheint im kurzen rosa Faltenkleidchen mit riesigem Schleier und geht durch ein Spalier von Tänzern in weißen Anzügen, die sich alle Masken mit Ardians Gesicht vorhalten. Hut ab, das nenne ich Selbstironie! Der eigentliche Titel zerfällt wieder in einen überragenden optischen und einen vielleicht durchschnittlichen gesanglichen Teil. Ihre Stimme sei zu dünn, bemäkeln im Anschluss die Jury-Menschen, allen voran Dieter: “Zazou ist mit Abstand die schlechteste Sängerin hier im Wettbewerb und langsam kann ich dieses Gequake auch nicht mehr ertragen, das hat mit Gesang wenig zu tun.” und “Sie kann nicht singen, ich brauch’ das nicht mehr!”

    Zwischendurch haben altgediente DSDS-Zuschauer ein Déjà-vu-Erlebnis, denn plötzlich sitzt Marco Schreyl neben dem Vorjahres-”Checker” Thomas Karaoglan. Der tritt am Mittwoch in der RTL-Show “Let’s dance” auf und darf deshalb heute Abend Crossover-Promotion betreiben, kostet ja nichts. So richtig viel zu sagen hat er auch nicht und schwupps sind wir schon wieder im Hier und Jetzt und zwar bei Kandidat Nummer fünf.

    Sebastian Wurth muss neuerdings bekanntlich bis 22 Uhr fertig gesungen haben, ansonsten rückt RTL der Jugendschutz auf die Pelle. Für den nicht ganz unrealistischen Fall, dass der 16jährige ins Finale kommen sollte, plant der Sender lt. allwissender Blödzeitung, die letzte Show in die liberaleren Niederlande zu verlegen, wo Kinderarbeit offensichtlich noch immer erlaubt ist. Apropos Arbeit: Im Einspieler zeigt man einen geschäftstüchtigen Bäcker, der eine neu kreierte Sorte süßer Brötchen “Wurthies” getauft hat und nun wohl damit rechnet, alle Welt würde deswegen seine Teigflatschen kaufen. Spitze übrigens dessen Sprössling und eigentlicher Wurthie-Erfinder, der unter dem brüllenden Gelächter des ganzen Saales die erschütternde Feststellung macht: “Ich bin der Sohn meines Vaters.” Der echte Baschti hospitiert für einen Tag in der Bäckerei und hilft bei der Wurthie-Produktion, kann aber wohl besser singen als backen. Heute Abend kommt er mit “Monsta” von Culcha Candela”, übrigens einem Titel, den besagter Thomas Karaoglan seinerzeit in Staffel 7 auch schon gesungen hatte. Sebastian singt – wie immer – bestens, hat – auch wie immer – zwei verschiedene Schuhe an und muss sich während des ganzen Lieds den physischen Annäherungsversuchen eines ganzen Rudels “Monsta”-Tänzerinnen erwehren, die sich an ihm schubbern und sein Haar verwuscheln. Die Jury ist natürlich begeistert, obwohl Dieter die Songauswahl nicht hundertprozentig geglückt findet. Um seinen Verbleib im Wettbewerb macht sich niemand Sorgen und ich sehe in Sebastian Dnak des Bravo-Rückhalts einen absoluten Favoriten auf die DSDS-Krone von Staffel 8.

    Als zweitletzten sehen wir nun Pietro Lombardi, den Clown und Tollpatsch, der aufgrund seiner Fußverletzung auch auf der Bühne auf Krücken angewiesen ist und deswegen für alle noch kommenden Shows eine Tanzbefreiung besitzt. Dabei würde er sich offensichtlich ganz gern mal bewegen, denn beim gemeinsamen Eröffnungstitel fuchtelte er aus der zweiten Reihe heftigst mit seinen Krücken herum. Die mediale Verwertbarkeit von Pietro ist extrem einfach, man muss ihn einfach nur in eine für ihn ungewohnte Situation bringen und mit der Kamera draufhalten – es passiert garantiert etwas Lustiges. Diesmal sind die Drehbuchschreiber auf die Idee verfallen, den Kandidaten zusammen mit Kumpel Ardian in ein piekfeines Restaurant zu verschleppen und zuzusehen, was er dabei alles verkehrt macht. Zunächst behält er die Kappe auf, dann weiß er nicht, wozu die Serviette da ist, kennt weder gesalzene Butter noch “Amuse-Gueule” und fragt zu guter Letzt, was denn bitte “Dessert” sei. Der Besuch hat sich fürs Fernsehen gelohnt und festigt Pietros Ruf als völlig verpeilter, aber liebenswerter Spinner. Heute Abend versucht er es noch einmal mit seinem im Recall grandios verunglückten “Qué Será, Será”. Während er selbst aus den bekannten Gründen nur auf einer bunten Tonne sitzen kann, hüpft eine Kinderschar um ihn herum und sorgt so wenigstens für etwas Bewegung. Tolle Idee von RTL, also an Professionalität mangelt es dort jedenfalls nicht! Die Jury ist sehr angetan, Dieter bescheinigt dem Kandidaten, bereits ein kleiner Star zu sein, Originalität könne man nicht kaufen, aber Pietro habe sie. “Wenn das so weitergeht, gehörst Du hier zu den absoluten Favoriten!”

    Den Abschluss des ersten Teils der heutigen Show liefert schließlich Sarah Engels; sie singt “Release me” von Agnes. Zuvor sehen wir im Einspieler, dass sie für den fußkranken Pietro im DSDS-Knast so eine Art Supernanny geworden ist – sie kommt sogar auf Klingelzeichen. Ihre heutige Performance lebt wieder vor allem von den Tänzerinnen und Tänzern, Sarah selbst ist eher statisch und bewegt sich für einen “Partykracher” wenig. Der Jury gefällt es trotzdem, obwohl sie erkennbar mehr eine “Balladenqueen” sei, sagr Bohlen – und der muss es wissen.

    Das war’s zunächst einmal, jetzt schaltet RTL um zum Boxkampf eines der Klitschko-Brüder gegen einen gewissen Herrn Solis aus dem malerischen Kuba. Nach endlosem Vorgeplänkel, gegen das selbst die DSDS-Ergebnisverkündung wie ein Schnellvorlauf wirkt, zerlegt es den Herausforderer von der Zuckerrohrinsel in Rekordgeschwindigkeit und die ganzen enttäuschten Zuschauer, die eigentlich auf eine gehörige Rauferei gewartet hatten, sehen sich verprellt und pfeifen. Wie schön, wenn man das Ganze nur als Aufzeichnung sieht und einfach weiterspulen kann. Denn so geht es sofort weiter mit der DSDS-Verliererehrung, ich mache es kurz: In die Zitterrunde müssen diesmal Ardian Bujupi (schon wieder), Zazou Mall und Norman Langen. Und die Rote Karte bekommt dann letztendlich Norman Langen, für ihn ist hier und heute Schluss, DJ Ötzi hat ihm kein Glück gebracht – was mich auch nicht besonders wundert. Ein weiterer sympathischer Kandidat verlässt damit den Wettbewerb, nun sind noch vier Herren und zwei Damen an Bord. Wäre mal spannend zu wissen, für wen die nunmehr verwaisten Schlagerfans ab der nächsten Sendung stimmen werden. Ich tippe mal auf Sebastian.

    Nächste Woche ist übrigens Pause, zur Top-6-Show sehen wir uns dann erst am 02.04.2011 wieder. Bis denne!

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  • DSDS (RTL) 14.03.2011 No Comments

    Hallo Leute,

    scheiß’ was auf Kernschmelze und 10.000 Tote in Fernost, bei “Deutschland sucht den Superstar” geht es heute um das Motto “Frühlingsgefühle”! Auch wenn auf dem Losersender ARD wegen der aktuellen Lage nach dem Erdbeben in Japan allgemein Betroffenheit herrscht und deswegen sogar das Hochamt der deutschen Gemütlichkeit, der Musikantenstadl, abgesetzt wurde, geht auf RTL das Leben weiter, denn hier bestimmt der Kommerz den Takt. Dieter Bohlen und seine Spießgesellen lassen sich doch von so einer weit entfernten Naturkatastrophe nicht vom Geldverdienen abhalten, wo kämen wir denn da hin?!

    Außerdem haben wir ja bei DSDS unser eigenes Erdbeben gehabt – oder wie soll man den Ausstieg von Nina Richel in dieser Woche sonst bezeichnen? Die Gute hatte in der letzten Show und den Tagen davor zahllose Zusammenbrüche (immer nur) vor laufender Kamera erlitten und da hatte sie ihr Papa nach der Top-9-Show einfach aus dem Wettbewerb genommen. Und dass, obwohl er doch die Seele seiner Tochter eigentlich laut Vertrag an RTL und die Blödzeitung verkauft hatte. Hoffentlich ist er rechtschutzversichert…

    RTL hat prompt reagiert und Sarah Engels exhumiert, die in der Top-10-Show bereits von uns gegangen war, die Altvorderen erinnern sich. Gut, dass es die DSDS-Regel gibt, dass bei einem unregelmäßigen Ausscheiden immer ein Kandidat gleichen Geschlechts als Ersatz geholt wird, sonst käme jetzt womöglich unser Brummbär Marvin Cybulski zurück, den man in der Vorwoche gerade erst mühevoll losgeworden war. Und Sarah ist ja auch viel praktischer, denn mit der hatte sich Anna-Carina Woitschack, die diesjährige Staffelhexe, auch schon gefetzt, sie ist also in jeder Hinsicht eine optimale Ablösung für Nina.

    Die dritte Mottoshow beginnt bedauerlicherweise wieder mit Marco Schreyl und einer reißerischen Ansage: “Heute Abend treten wir dem Frühling mal gepflegt in den Hintern!” Unter dramatischer Diskomucke betreten dann nacheinander Fernanda Brandao im papageienbunten Karnevalsoutfit, Patrick Nuo auf einem Fahrrad sitzend und Dieter Bohlen mit minutenlangen Standing Ovations die DSDS-Bühne. Bei dieser frenetischen Huldigung der Jury erscheint der Gedanke, es könne außerhalb des Scheinwerferkegels oder gar außerhalb der Halle in der Welt noch irgend etwas Wichtiges vor sich gehen, lächerlich, ja geradezu obszön.

    Der musikalische Teil des Abends startet mit einem gemeinsamen Auftritt der acht verbliebenen Kandidaten (d.h. Sarah statt Nina) mit dem Titel “Turn around” von Flo Rida. Dabei humpelt Pietro Lombardi wegen einer Fußverletzung mit einer Krücke auf die Bühne, bewegt sich aber trotz dieses Handicaps wesentlich mehr, als Marvin in allen seinen Auftritten zusammen. Übrigens kommt dieser Song wohl komplett vom Band, denn unser Ösi Marco Angelini “singt” versehentlich eine halbe Strophe ohne sein Mikro an den Mund zu nehmen und ohne dass das akustisch etwas auszumachen scheint. Danach kommt ein Einspieler, in dem RTL noch mal auf die Ereignisse rund um Nina eingeht und deren Ausscheiden mit einer zu hohen psychologischen Belastung erklärt. Vom durch das Fernsehen selbst inszenierten und geförderten Zickenkrieg in der DSDS-WG ist selbstverständlich keine Rede.

    Kandidat Nummer Eins ist heute Zazou Mall. Sie hat sich bisher aus dem Zickenkrieg gut herausgehalten, sieht immer noch prima aus und kann so einigermaßen singen. Nach einem 08/15-Einspielfilmchen mit Kindern, die sie alle sehr gern mögen, tritt die Schweizerin mit “Umbrella” von Rihanna auf. Passend dazu trägt sie einen Regenschirm und ein Kleidchen, das im unteren Bereich auch wie ein Regenschirm aussieht, beides in Briefkastengelb. Die Performance mit dem DSDS-Fernsehballett kommt bei der Jury nur verhalten gut an, Dieter bringt’s auf den Punkt: “Visuell Bombe, für die Ohren aber Eieieieiei!” Er sehe keine Steigerung mehr bei Zazou, dies sei bereits ihr Maximum – und damit wohl nicht gut genug für den Superstar.

    Ardian Bujupi ist lt. Marco auf dem (guten?) Weg vom harten Macho zum Schmusesoftie. Im Einspieler macht er sich über häufig weinende Männer wie Pietro lustig, die trotzdem – oder gerade deswegen – bei Frauen gut ankommen. Er hat in der letzten Woche Tanzunterricht bei Zazou genommen, um etwas von seinem zu aggressiven Bewegungsstil wegzukommen, hin zu mehr Gefühlen – und damit weiblichen Fans, die für ihn auch anrufen. Er singt heute Abend “Grenade” von Bruno Mars. Warum ist das nun ein Frühlingslied? Keine Ahnung! Vielleicht, weil das gerade ein aktueller Hit ist und wir ja meteorologisch gesehen bereits Frühling haben? Optisch finde ich Ardian heute mindestens gewöhnungsbedürftig. Unten herum trägt er bis zu den Knien herabhängende, schlabberige Baggy Pants, die an grau gefärbte lange Opa-Unterhosen erinnern, oben hat er nur eine schwarze Weste an und einen ganzen Satz Ketten um den Hals. Die Juryherren äußern sich nachher recht kritisch zur Songauswahl, Dieter unkt gar, heute werde es eng werden für den Kosovaren.

    Marco Angelini hatte in der letzten Woche als Stimmungssänger im Seppeloutfit reüssiert. Im Einspieler berichtet er von seinem auch in den Internetforen durchschlagenden Erfolg. Papi Angelini, der übrigens ebenfalls Marco mit Vornamen heißt, philosophiert dann live in der Halle über Marco Juniors Zukunft: “Medizin ist seine Berufung, Singen seine Leidenschaft. Momentan wandelt er auf den Pfaden der Leidenschaft und da unterstützen wir ihn.” Schön gesagt und los geht’s mit dem Sohnemann und seinem Titel “Shame” (Robbie Williams & Gary Barlow). Wieder bleibt die Frage nach der Motto-Relevanz unbeantwortet. Egal, das Publikum in der völlig abgedunkelten Halle schunkelt und wedelt mit den ausgeteilten Leuchtstäben. Der Auftritt ist komplett unaufgeregt, gesanglich fehlerlos und Patrick hat hinterher Mühe, die gewünschten Kritikpunkte zu finden. Ja, die englische Aussprache könnte noch etwas verbessert werden, mäkelt der in den USA lebende Sänger etwas von oben herab, mehr fällt ihm aber auch schon nicht mehr ein. Die anderen Juroren finden ebenfalls kein richtiges Haar in der Suppe.

    Norman Langen ist bei DSDS exklusiv für den deutschen Schlager zuständig, soll heißen: Nur er singt dieses Zeug und er singt auch nichts anderes. Im Einspieler erleben wir seinen 26. Geburtstag mit, als “Geschenk” darf er am Rosenmontagabend auf dem Kölschfest vor mehreren tausend besoffenen Karnevalisten im Zelt auftreten. Zusammen mit Olaf Henning, einem in Szenekreisen offenbar weithin bekannten Interpreten grenzdebiler Trinkerlyrik, singt er dessen Hit “Cowboy und Indianer” und gibt der wüst feiernden Meute damit weiteren Anlass, dem Alkohol zuzusprechen. Aber zurück in die Gegenwart! Auch in die heutige Sendung geht Norman wieder mit einem Titel, den man in dieser Staffel schon mehrmals gehört zu haben glaubt, wovon er aber auch nicht besser wird: “Verlieben, verloren, vergessen, verzeih’n” von Wolfgang Petry, dem Freundschaftsbänder-tragenden Dieter Bohlen des deutschen Schlagers. Normans Performance war auch schon mal agiler, er hält sich fast nur vor dem Jurytisch auf, ohne die dauernden Kamerafahrten durch das gesamte Studio wäre der Auftritt geradezu öde. Immerhin hat er auch diesmal den Text nicht vergessen. Patrick Nuo kommt sich wieder ganz schlau vor, lobt zwar den heutigen Auftritt, rät Norman aber dazu, mal etwas ganz anderes zu singen, vielleicht eine Nummer von den Stones oder von Elton John. “Oder was meinst Du, Dieter?” Der so Befragte reagiert wie gewohnt knapp und ehrlich: “Nö! Der Künstler sollte singen, wofür er steht.” Und Bohlen ist in jeder Beziehung zufrieden mit seinem Sternchen, möchte ihn gar zum regulären Nachfolger von Wolfgang Petry aufbauen, denn letzterer sei endgültig und dauerhaft in die Künstlerrente abgetaucht, tratscht er brühwarm von einem privaten Gespräch mit dem Sänger.

    Nach einem Werbeblock finden wir Marco Schreyl auf der Studiotreppe sitzend vor, rechts und links neben sich hat er die arg zerschranzt aussehenden Schauspieler Erdogan Atalay und Tom Beck aus der für ihre feinsinnigen Dialoge und subtile Handlung bekannten RTL-Serie “Alarm für Cobra 11″. Die beiden haben offenbar das Kleingedruckte in ihren Verträgen übersehen und müssen jetzt hier vor dem riesigen Samstagabendpublikum Werbung in eigener Sache machen. Der angebliche Mädchenschwarm Beck hat außerdem gerade eine eigene CD herausgebracht, auf die er bei dieser Gelegenheit gleich auch noch verweist. Mir fehlt hier die Einblendung “Dauerwerbesendung”.

    Das DSDS-Küken Sebastian Wurth wird im Einspieler bei der Fan-Basisarbeit gezeigt. Er hat in einem Forum seine Telefonnummer gepostet und nimmt nun eine Stunde lang die wichtigen Anrufe seiner Anhänger entgegen. “Hallo, hallo!” – “Wie geht es Dir? Mir geht es gut.” – “Wie alt bist Du, 16? Das ist ja toll, ich auch.” – “Bist Du aufgeregt? Macht nichts, ich auch.” – “Hallo, wer bist Du, Jana? Äh, hast Du’n Freund? Nicht? Och, achso.” Diese und ähnliche weltbewegende Kommunikation ergibt sich dabei. Doch gut, dass RTL wegen des läppischen Erdbebens nicht auf die Ausstrahlung der heutigen Sendung verzichtet hat, was wäre uns doch sonst alles durch die Lappen gegangen… Sebastian geht heute Abend mit Milows “You don’t know” auf die Bühne. Er sitzt klampfend auf einem motorisiert gedrehten Hocker mitten in der ansonsten dunklen Halle und macht sein Ding. Wie immer, geht auch heute alles gut, die Jury lobt ihn und er grinst dafür. Die nächste Bravo-Titelstory ist ihm wohl sicher.

    Kandidatin Nummer Sechs ist Anna-Carina Woitschack. Gemessen an den Buhrufen und Pfiffen, ist sie vermutlich momentan die meistgehasste Kandidatin. Viele haben ihr den Zickenterror nicht verziehen, den sie seit Wochen unter den Frauen im DSDS-Haus verbreitet. Ihr erstes Opfer war Sarah, das zweite Nina. Das hat sie die Sympathien des Publikums gekostet und die der anderen Kandidaten. Marvin hatte seinen Mitgefangenen beim Auszug in der letzten Woche ein (bestimmt ziemlich großes) T-Shirt hinterlassen, auf das er ohne überragende Duden-Kenntnisse einen Abschiedsgruß geschrieben hatte: “Ihr seit [sic!] die besten ich liebe euch, ausser Anna! Zeigt es ihr, Euer Papabär.” Anna-Carina gibt sich ob dieses hinterhältigen Anschlags sehr empört, sie habe bei DSDS auf richtige Freunde gehofft und dann das. Aber wenigstens unter ihren Fans scheine es treue Anhänger zu geben, manche kämen sogar zum DSDS-Haus, um ihr Süßigkeiten “als Nervennahrung” zu bringen. Überhaupt scheint Essen ein wichtiger Lebensinhalt von Anna-Carina zu sein. Wir sehen in kurzer Schnittfolge, was sie an einem typischen Superstar-Tag alles in sich hineinschaufelt, die anderen Kandidaten schieben ihr sogar die Reste von ihren Tellern herüber. Wo sie das alles lässt, bleibt allerdings ihr kleines Geheimnis… Heute Abend singt sie das bekannte Frühlingslied “Für Dich” von Yvonne Catterfeld. Vielleicht liegt es an den unüberhörbar negativen Rufen aus dem Publikum, jedenfalls hat Anna-Carina heute nicht ihren besten Tag. Ihre Stimme klingt viel zu hauchig, die Intonation ist nicht immer sicher, das grüne Kleid sieht langweilig aus – und das gilt auch für ihre leicht statische Performance inmitten von ganzen Plastik-Sonnenblumenfeldern auf der Bühne. Oberjuror Dieter Bohlen geht mit ihr hart ins Gericht, immerhin hat er den Softie-Titel selbst geschrieben. Sie sei wie das E10-Benzin, es stecke was Gutes drin, doch keiner liebe das Zeugs. Sie käme irgendwie immer komisch rüber, auch wenn ihr Auftritt eben gerade musikalisch gut gewesen sei.

    Kuriosum am Rande, es ist 22 Uhr und deswegen darf Sebastian aus Gründen des Jugendschutzes neuerdings ab dieser Uhrzeit nicht mehr auf der Bühne stehen, sondern muss neben seiner Mutti im Publikum sitzen. Marco Schreyl darf ihn nicht mal mehr etwas fragen, Interviews gibt jetzt nur noch seine Erziehungsberechtigte. Tja, da macht sich die NRW-Jugendschutzbehörde kräftig lächerlich, indem sie das ansonsten sicherlich sinnvolle Gesetz gnadenlos und buchstabengetreu durchsetzt. Wir sind halt in Deutschland, nicht vergessen!

    Pietro Lombardi, der DSDS-Clown, hat die vergangene Woche genutzt, um sich beim Fitnesstraining im Haus den Knöchel zu brechen, Glanzleistung! Mit dieser Diagnose geben ihm die Ärzte für die nächsten Shows Tanzverbot. Was hätte doch Marvin für eine solche Krankschreibung gegeben… Und dennoch zappelt Pietro auch mit einer Krücke mehr, als seinerzeit der hannoversche Brummbär mit zwei gesunden Füßen, wie wir schon am Anfang der Sendung gesehen haben. Im Einspieler wird noch über die Kochversuche der DSDS-Wohngemeinschaft berichtet, die ohne Pietros tatkräftige Unterstützung logischerweise im Desaster enden mussten, dann betritt unser tragischer Held höchstpersönlich die Bühne. Es gibt “Down” von Jay Sean, einen Titel, den er bereits aus dem Recall kennt, weshalb möglicherweise das Textlernen etwas leichter fiel. Aber nur möglicherweise, das ist nämlich “in Echt” schon ein paar Monate her und mit dem Gedächtnis hat es unser Pietro ja bekanntlich nicht so schrecklich doll. Als sein Auftritt beginnt, humpelt der Schwerverletzte schnell zu einem Hocker mitten auf der Bühne und trällert unbeschwert sein Lied. Nachher will Patrick wissen, wie das denn so ginge, mit Krücken und im Sitzen zu singen. Pietros Antwort ist ohne Simultandolmetscher kaum verständlich, er fängt wieder unheimlich viele Sätze an, die am Ende alle als verwaiste Sprachruinen im Raum zurückbleiben und man kratzt sich als Zuhörer verwirrt am Kopf. Dieter ist aber gnädig, trotz geringer Textunsicherheiten überreicht er dem Kandidaten unter großem Brimborium die ausgelobte zweite Hälfte des 200-Euro-Scheins aus der letzten Sendung.

    Den Abschluss macht “die Neue”, eigentlich alte Kandidatin Sarah Engels. Wegen des außerplanmäßigen Abgangs von Nina bekommt sie heute eine zweite Chance. Der völlig lächerliche Einspieler zeigt sie angeblich beim Entgegennehmen des Anrufs von Fernanda, in dem ihr die Rückkehr zu DSDS mitgeteilt wird. Welcher Mensch mit einem IQ über 60 würde denn so etwas glauben, dass die vor zwei Woche rausgeflogene Kandidatin “zufällig” gerade Zuhause von einem RTL-Team gefilmt wird, als das Telefon klingelt? Okay, vielleicht würde Pietro das glauben und bestimmt auch Menderes, aber sonst??? Wie auch immer, Sarahs Comeback ist vor allem für Anna-Carina eine echte Gefahr, denn “die Neue” will auch in Ninas Namen “weiterkämpfen” und das heißt ganz klar gegen Anna-Carina, die Puppenspielerin. Sarah singt heute “I wanna dance with somebody” von Whitney Houston, einen starken Titel von einer ehemals starken Frau. Und sie macht ihre Sache prima, singt sehr sicher und bewegt sich in der Choreografie mit der halbnackten Tanztruppe, als habe sie das wochenlang geübt, dabei hatte sie in Wirklichkeit nur ein, zwei Tage Zeit zum Einstudieren. Und Spaß scheint es ihr dabei auch noch zu machen. Die Jury ist unisono begeistert und hofft sehr, dass die Zuschauer diesen professionellen Einsatz zu würdigen wissen.

    Unmittelbar vor dem Ende des ersten Teils der heutigen Show darf Bülent Ceylan als Anstandsfeigenblatt von RTL öffentlich erklären, warum seine nun folgende Comedy-Sendung angesichts der Ereignisse in Japan nicht ausfällt. Ja, hier wird man hellhörig, denn für die viel größere DSDS-Sendung hat niemand eine solche Erklärung für nötig gehalten. Bülent also berichtet, entschuldigt sich fast, man habe sich zusammen mit RTL überlegt, dass die vielen besorgten Menschen in Deutschland ein wenig auf andere Gedanken gebracht werden sollten und deshalb könne man ja wohl ruhig ein bisschen Comedy – oder was er dafür hält – veranstalten. Schöne Erklärung, das ist ja dann wohl ein Freibrief für immer und alles. Meine Güte, wenn ich mich erinnere, wie 2009 beim Selbstmord von Robert Enke die halbe Nation vor Trauer zum Stillstand kam, dann erkenne ich doch angesichts der heutigen zehntausendfach größeren Katastrophe eine gewisse, sagen wir mal, Leichtigkeit im Umgang mit dem Tod – wenn er denn nur weit genug weg ist und keine Deutschen betrifft.

    So, ganz schnell zum Ergebnis des heutigen Abends. Sebastian hat inzwischen in einem riesigen Sessel in der ersten Zuschauerreihe Platz genommen und bekommt sozusagen aus der Ferne das Ticket in die nächste Mottoshow. Alle anderen Kandidaten springen von der Bühne und umarmen ihren jungen Kollegen. Danach geht es weiter mit dem Ernst des Lebens: In die Zitterrunde kommen heute Ardian Bujupi (wie von Bohlen vorhergesagt), Anna-Carina Woitschack und Schlagerkönig Norman Langen. Und dauerhaft verabschieden dürfen wir uns schließlich von Anna-Carina. Die nach RTL-Drehbuch intrigant veranlagte Kandidatin beendet an dieser Stelle ihre Gesangskarriere und kann fortan wieder als Puppenspielerin die Strippen ziehen. Unter dem hämischen Jubel des Publikums bricht Anna-Carina heftig schluchzend an Marcos Seite zusammen. “Warum weinste?”, fragt der hochsensible Möchtegernmoderator und verabschiedet gleichzeitig das Publikum bis zur nächsten Woche.

    Und dem schließe ich mich an, bis zur Top-7-Show! Mal sehen, welches hirnlose, allgemeingültige Motto den DSDS-Machern dann wieder einfällt…

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  • DSDS (RTL) 07.03.2011 No Comments

    Liebe Leute, Freunde der besinnlichen Samstagabendunterhaltung,

    mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa, manchmal tun einem die eigenen Worte im Nachhinein Leid. So geht es mir bei meinem Blog-Beitrag zur Top 10 von “Deutschland sucht den Superstar” am letzten Sonnabend. Ich bitte um Entschuldigung, dass ich so unbesonnen war, das harmlose Herumgefrotzel der Kandidatinnen Sarah Engels und Anna-Carina Woitschack im Titel “Zickenterror” zu nennen. Ich konnte ja nicht wissen, was uns in dieser  Woche bevorstehen würde! Die Auseinandersetzung zwischen “Puppenspielerin” Anna-Carina und der bei DSDS inzwischen verseligten Sarah war ja noch beinahe ein freundschaftliches Geplänkel im Vergleich zu dem schon körperverletzende Ausmaße annehmenden Kampf mit ihrer neuen Gegnerin Nina Richel. Ich hoffe, mit dem heutigen Blogtitel der eingetretenen Gewalt-Eskalation Rechnung getragen zu haben. Ich wage allerdings nicht, mir vorzustellen, wie die Überschrift für die Top 8 bei einer weiteren Verschärfung der Lage lauten müsste, vielleicht “Kandidatin auf offener Bühne mit Mikrofon verprügelt” oder “Patrick Nuo verliert Zahn bei Schlichtungsversuch” oder gar “Marco Schreyl sprachlos”. Was wir aber garantiert nicht lesen werden, ist “Bohlen wirft Streitnudeln aus dem Wettbewerb”, denn dazu ist die Sache aus Quotensicht doch wieder zu interessant…

    Der heutige Abend steht unter dem Motto “Après-Ski-Hits”, wir werden also Musik serviert bekommen, von der RTL denkt, dass man sie nach dem Ski-Fahren hören könnte. Gut, würde ich als bösartiger Flachlandtiroler da sagen, welche Musik kann ich denn NICHT nach dem Sport hören? Nun ja, gemeint sind wohl eingängige Melodien, so simpel gestrickt, dass man sie trotz oder gerade bei erhöhtem Alkoholpegel auf der Hütte mitgrölen kann, auch wenn die Beine schon längst den Dienst versagen, genau wie die Kontrolle über die Körperöffnungen, und sich der Intelligenzquotient (hoffentlich) temporär in Richtung Gummibaumniveau bewegt.

    Nach der gehörigen Begrüßung der Jurymitglieder Fernanda Brandao, Patrick Nuo und vor allem Dieter Bohlen (frenetischer Applaus) ruft Moderator Marco Schreyl die verbliebenen Kandidaten auf die Bühne. Die neun performen gemeinsam (bitte dieses Wort für später vormerken!) “The Time” von den Black Eyed Peas, dem elektronifizierten Cover eines auch nicht viel besseren Titels von Bill Medley und Jennifer Warnes. Upps, hatte ich “neun” gesagt? Es hätte “acht” heißen müssen, denn “Tanzmaus” Marvin Cybulski hat sich wieder in eine Ecke am Bühnenrand verzogen. Bekanntlich lehnt er ja jegliche rhythmischen Bewegungen vor den Kameras kategorisch ab und bastelt damit beharrlich an seinem Image als DSDS-Opa, was für die Akzeptanz in der Bravo-Anrufklientel nicht besonders förderlich sein dürfte.

    Auf Startplatz Nummer Eins finden wir heute “Strahlemann” Norman Langen. Er hat als Propagandist des deutschen Schlagers sicherlich keine Probleme mit der Suche nach einem Motto-kompatiblen Titel. Zuvor erleben wir im Einspieler noch einmal seine Zerknirschtheit, als er in der letzten Show gleich zwei Texthänger hatte und von Onkel Dieter entsprechend angezählt wurde. Von dem eigentlich geplanten Suizidversuch hat Norman nun aber doch wieder Abstand genommen, denn das wäre zu leicht gewesen. Stattdessen hat er sich für eine langsamere Variante der Selbsttötung entschieden, nämlich den Verbleib im Wettbewerb… Bis es soweit ist, leistet er neben dem DSDS-Training unter der Woche auch noch freiwillige Sozialstunden ab: Ein Altersheim (echt!) hatte ihn eingeladen, doch einmal für die Bewohner zu singen und dazu ließ er sich nicht zwei Mal bitten. Wir sehen Norman, wie er als Enkelersatz zwischen Rollstühlen und Gehböcken den Welthit “Wahnsinn” (Refrain: “Hölle, Hölle, Hölle!”) von Wolfgang Petry aufführt, um sich herum schunkelnde, mitklatschende Greise und frenetische Altenpflegerinnen in weißen Kitteln. Eigentlich aus Marketingsicht gar nicht mal so dumm, immerhin erschließt er damit für DSDS eine ganz neue, attraktive Fangruppe: Dank der demografischen Schieflage hier im Lande gibt es ja viel mehr alte als junge Leute und für die Anruferei ist es schließlich egal, wie alt jemand ist, Hauptsache er oder sie oder die Pflegerin können das Telefon bedienen und bringen RTL die gewünschten Einnahmen!

    Norman hat als Titel “Ein Stern, der Deinen Namen trägt” von DJ Ötzi gewählt. Ich frage mich bei dieser Gelegenheit übrigens mal wieder erfolglos, weshalb sich ein Sänger freiwillig den Namen einer 5000 Jahre alten Gletscherleiche gibt. Ich finde keine andere Erklärung, als dass unsere südlichen, ansonsten sympathischen Nachbarn da wohl vom Humor her anders gestrickt sind. Man denke nur an DJ Bobo, den eidgenössischen Hüpfwichtel… Wie dem auch sei, jedenfalls macht Norman seine Sache heute Abend gut. Inmitten von leicht bekleideten Damen und Herren der Tanzgruppe Bohlen singt er mit fester Stimme, als gebe es kein Morgen, vergisst nicht einmal den Text oder das scheinbar festgetackerte Zahnpastagrinsen. Okay, er könnte vielleicht mal im “Großen Buch der Schlagerposen” eine Seite weiterblättern und seine Choreografie variieren, aber so lange Leute wie Marvin ungestraft in dieser Sendung herumlungern, darf man das wohl nicht ernsthaft fordern. Die Jury zeigt sich begeistert, Normans habe die Scharte vom letzten Mal wieder ausgewetzt. Als Marco ihn dann fragt, warum er – auch beruflich – so einen Faible für ältere Menschen habe, kommt eine Antwort aus dem Poesiealbum der Jungen Union, die Normans Verbleib im Wettbewerb für einige Wochen sichern sollte: “Alte Menschen haben Geschichte geschrieben, die haben dieses Land zu dem gemacht, was es ist, denen sollte man dankbar sein und ohne die wären wir auch nicht hier.” Meine Güte, man sollte nie bei offener Mikrowelle schlafen! Selbst der hartgesottene, sich ansonsten für jeden Dreck verkaufende Marco lacht an dieser Stelle über so viel aufgesetztes Pathos…

    Als nächste kommt Zazou Mall an die Reihe. In Ermangelung schlauerer Geschichten, schickt die RTL-Redaktion sie im Einspieler zu Fuß auf den Kölner Dom (533 Stufen): Zum Workout, angeblich habe sie nämlich seit Beginn der Staffel zwei Kilo zugenommen und die wolle sie, sagt die Off-Stimme, nun auch wieder abtrainieren. Ihr Titel heute Abend ist “Born this Way” von Lady Gaga, den sie zusammen mit den bereits bei Norman in Erscheinung getretenen halbnackten DSDS-Tänzerinnen und -Tänzern in knietiefem Bühnennebel absolviert. Patrick nennt den Auftritt “sexy-bombastisch” und ist sichtlich stolz auf seine schweizerische Landsmännin, Fernanda kann wie gewöhnlich nichts Substanzielles beisteuern und der Schlagertitan aus Tötensen ist zumindest zufrieden (“Weg in die richtige Richtung, visuell toller Auftritt”). Auch sei sie, Zazou, schlau wie alle Schweizer, sie habe sich nämlich aus dem Zickenkrieg im DSDS-Haus herausgehalten, so wie sich eben die Schweizer immer schön aus allen Kriegen herausgehalten hätten. Diesen, bei näherer Betrachtung nicht unproblematischen, Vergleich unseres Hobbyhistorikers, möchte ich hier einfach mal so unkommentiert stehen lassen.

    Auf Platz Drei kommt die erste unserer beiden Diven, Nina Richel. Im Einspieler dürfen wir erleben, wie sie in der DSDS-Villa vor laufender Kamera den Putzteufel mimt. Angeblich habe sie zweieinhalb Stunden lang das Badezimmer putzen müssen, nachdem Mit-Diva Anna-Carina sich dort aufgehalten hatte.  Nina schimpft wie ein Rohrspatz, nennt ihre Zimmergenossin immer nur “diese Person”, brüllt mit dieser um die Wette und pfeffert den Inhalt ihres Koffers (“alles nicht meine Sachen”) auf den Fußboden. Am Ende des Filmchens stehen ihr Tränchen in den Augen und man hört im Hintergrund das höhnisch-mitleidige “Oooooh” des Saalpublikums. Ob ihre Tochter denn einen Sauberkeitsfimmel habe, fragt Marco Ninas Mutter, die jedoch verneint, ihre Familie sei lediglich “normal reinlich”. Die Diva #1 singt Cascadas Stampfhit “Everytime we touch” in einem recht gewagten hautengen, beinfreien Dingsbums, das aussieht, als habe sie eine Tüte in den texanischen Nationalfarben angezogen. Wenn man lästern wollte, und genau das tun wir hier ja, hätte eigentlich Nina statt Zazou zum Abnehmen auf den Kölner Dom laufen müssen – und zwar mehrfach. Sie ist ausgesprochen propper, was wohl auch die Tänzer davon abhält, mir ihr eine Hebefigur zu machen, so wie mit der schlanken Schweizerin. Die Jury reagiert hinterher verhalten positiv, das Outfit sei “gewagt”, der Zickenkrieg der letzten Woche habe aber erkennbar seine Spuren hinterlassen. Dieter Bohlen macht aber dann aus seinem Herzen keine Mördergrube und zieht voll vom Leder: “Du bist mittlerweile in den Medien die Oberzicke, 99 Komma 9 Prozent Eurer Zeit habt Ihr nur in Scheiße investiert anstatt zu üben, wohin ich auch gucke in den Medien: ‘ich hab’ hier geputzt, ich hab’ da geputzt’, wir sind doch hier nicht bei den Dixie-Klos. Letzte Woche war Sarah dran, nun ist Anna-Carina dran…” Die so gescholtene Nina kommt nun voll in Brast, motzt auf offener Bühne zurück: “Dieter, ich glaub’, Du verdrehst hier gerade die Tatsachen! Guck mal, wer da sitzt.” Und zeigt irgendwo ins Publikum. Tja, da hätte eigentlich Sarah in Ninas Fanblock sitzen sollen, aber blöderweise erfährt unsere Diva genau zu diesem dramaturgisch unpassenden Zeitpunkt, dass dem nicht so ist, Sarah hatte wohl Dringenderes zu tun. Dieter schließt die peinliche Pause ab mit: “Also konzentriert Euch aufs Singen!”

    Nein, das Thema “Zickenkrieg” ist damit noch lange nicht ausgestanden, jetzt präsentiert Marco den emotionalen Höhepunkt des heutigen Abends, nämlich einen Einspielfilm über die Ereignisse der Woche im Frauentrakt der DSDS-Villa. Kapitel eins heißt “Donnerstag – Ninas Zusammenbruch”. Wir erleben Nina und Anna-Carina beim Mittagessen, sie sitzen an den diametral entgegengesetzten Plätzen eines sehr langen Tisches, zwischen ihnen haufenweise freie Plätze. Nina fängt trotz eines Beschwichtigungsversuchs von Mitesser Marvin sofort an zu motzen, dabei scheint die Anwesenheit der Kamera sehr befruchtend zu wirken. Man hört etwas von “hinterhältigen Machtspielchen”, dann verkrümelt sich die Diva mitsamt ihrem Teller in den hinteren Teil des Hauses. Noch während Anna-Carina und Marvin ihre Drehbuch-Dialoge abspulen, hört man mit einem Male aus dem Off ein Rumpeln und dann ein hysterisches Geschluchze: Nina hat spontan einen Nervenzusammenbruch gekriegt, liegt heulend und nach Luft schnappend auf dem Rücken und wird von diversen Mitgliedern des Aufnahmeteams umringt. Mitbewohner Marco Angelini, immerhin angehender Arzt, diagnostiziert leichthin in die Kamera: “Sie hat jetzt wieder einen Krampfanfall.” Vielleicht sollte er doch besser Tierarzt werden, wie ein Krampfanfall sieht mir dieses theatralische Getue jedenfalls nun wirklich nicht aus.

    Wir spulen vor zum zweiten Kapitel der Saga. Das heißt “Freitag – Annas Zusammenbruch” und unterscheidet sich bis auf die Hauptdarstellerin nicht von den Szenen vom Vortag. Wieder glänzt Marco Angelini mit einer sicheren Lagebeurteilung: “Das ist auf keinen Fall geschauspielert, die war echt kreidebleich.” Um noch etwas mehr Öl ins Feuer zu gießen, darf Mutter Woitschack am Ende des Einspielers ihre absehbar negative Meinung zu Nina in die Kamera posaunen: “Meine Tochter soll sich nicht von diesem gewöhnlichen Mädel unterkriegen lassen. Für mich ist die asozial.” Der Nina-Fanblock im Saalpublikum quittiert diese Einlassung mit lauten Buhrufen und Pro-Nina-Sprechchören. Wenig überraschend, dass die beiden Kontrahentinnen sich auch im anschließenden Liveinterview mit Marco Schreyl unversöhnlich zeigen. Ursprünglicher Stein des Anstoßes war wohl übrigens, dass Anna-Carina im Mädchenklo – währenddessen? – eine Banane verputzt und die Schale einfach unentsorgt dort zurückgelassen hatte. Zumindest las ich das so in der Blödzeitung in einem Artikel, der in Aufmachung und Größe den anderen wichtigen Dingen des Zeitgeschehens in nichts nachstand, also z.B. der Guttenberg-Demission, dem Völkermord in Libyen und dem Attentat im Frankfurter Flughafen. Anna-Carina zeigt sich uneinsichtig, sie sei nun mal nicht die “Superputzfrau” und wenn man Streit suche, da finde man bestimmt auch etwas. Nina ist sauer, dass “bestimmte Leute” ihre Fehler nicht einsehen können, “Lebensmittel haben im Bad nichts zu suchen”. Tja, die Lage scheint mir ziemlich verfahren, Südfrüchte auf der Toilette, das ist natürlich DER Klassiker für langanhaltenden Streit. Dagegen wirkt ja die Lösung des Palästina-Problems wie die Organisation eines Kindergeburtstags.

    Zurück zur leichten Muse, es erscheint Marco Angelini, der scheinbar alle Daheim entbehrlichen Österreicher zur Unterstützung in der Halle hat. Deren Anreise und leicht debiles Herumirren vor dem Kölner Dom ist Inhalt seines Einspielfilmchens. Marco selbst erscheint heute in einem Deppenkostüm mit Latzhosen, Bauern-Karohemd und  Sepplmütze und singt das “Fliegerlied” der Zillertaler Dirndljäger. Was er genau singt, ist nur schwer zu verstehen, es handelt sich offenbar um ein Lied in seinem heimatlichen Idiom. Auf jeden Fall ist alles recht fröhlich, regt die Halle zum Mitsingen an und erfüllt damit genau die Kriterien für die heutige Après-Ski-Mottoshow. Ach, was für eine Befreiung nach den ganzen depressiven Themen der vorangegangenen Minuten! O-Ton Dieter: “Perfekter Auftritt, Du machst das toll!”

    Platz Fünf gehört heute Sebastian Wurth, der inzwischen schon seine erste Bravo-Titelstory hinter sich hat. Im Einspieler sehen wir ihn in Köln auf der Suche nach einer Eisdiele, in die er Fernanda – wie versprochen – einladen könnte, die sei nämlich auch noch Single, genau wie er. Dabei wird er heftig umringt von seinen weiblichen Fans, was ihn erkennbar freut. Sebastian singt heute Abend den Udo-Jürgens-Klassiker “Ich war noch niemals in New York” in der Version der Sportfreunde Stiller. Ein 16jähriger, artig frisierter Junge, man gerade aus dem Stimmbruch, singt ein Lied von der Midlife Crisis… irgendwie passt der Interpret nicht so recht zum Song und der Song auch nicht zum Thema “Après Ski”, aber sei’s drum. Das war heute nicht Sebastians bester Auftritt und die verhaltene Kritik der Jury stößt auf das lautstarke Missfallen der Bravo-Fans, auch wenn Fernanda zum Trost die Eiseinladung noch etwas erweitert: “Sollen wir in New York Eisessen gehen?” Bohlen bescheinigt dem Justin-Bieber-Klon überragende Nervenstärke und konstante Bodenhaftung, also professionelle Eigenschaften, die viele seiner Hausgenossen eben nicht hätten.

    Auf Platz Nummer Sechs finden wir Diva #2, Anna-Carina Woitschack. Nach einem nichtssagenden Einspielfilmchen, in dem sie etwas von Spuk in der DSDS-Villa fabuliert, von geheimnisvollen Lichtern und Schatten, und sich die Mitkandidaten darüber etwas mitleidig lustig machen, erscheint sie live und wahrhaftig mit “I will survive” von Gloria Gaynor. Anna, wie sie allgemein kurz genannt wird, trägt ein goldenes Glitzerkleidchen, wohingegen ihre Tänzer schon wieder ohne Oberbekleidung auskommen müssen. “I will survive”, das Überleben-Wollen, scheint momentan auch im Alltag der DSDS-Wohngemeinschaft ihr Motto zu sein. Während im Hintergrund die Nina-Fans herumpöbeln und buhen, gibt ihr Patrick ein bisschen unfreiwillig komische Lebenshilfe: “Ein Tipp: Beteilige Dich nicht am Zickenkrieg, mach’ lieber Joghurt – äh Joga.” Dieter erweist sich wieder als treuer Freund, sie sei die beste Sängerin im Wettbewerb und das mit der Spukerei, das könne durchaus sein, er glaube auch an so etwas und Künstler hätten doch das Recht, etwas bescheuert zu sein.

    Der Auftritt von Marvin Cybulski steht wie immer unter dem Mikado-Motto, d.h. wer sich zuerst bewegt, der verliert. Bei seinem Tempo muss er aber echt aufpassen, dass er nicht mal irgendwo im Grundbuch als Immobilie eingetragen wird. Der Künstler selbst versteht die Kritik nicht, man könne sich doch zu einer Ballade auch gar nicht bewegen. Und Styling sei wohl auch nur etwas für Schwächlinge. Dennoch zwängt er sich heute in eine Lederjacke und performt – nein singt – darin “Tausend und eine Nacht” von Klaus Lage. Der Titel dürfte eher für den Refrain “…und es hat Zoooom gemacht!” bekannt sein, allerdings wohl kaum in der Altersklasse der Bravo-Leser, sondern wohl nur bei den “etwas reiferen Teenies” bis Baujahr 1970. Stimmlich okay, ist der Marvin-Auftritt optisch wie immer katastrophal – der Techniker, der den Verfolger-Scheinwerfer bedient, kann jedenfalls  eine ruhige Kugel schieben. Nicht mal, als Marvin auf der umgehängten Gitarre spielt, kommt er auch nur ansatzweise in Schweiß. Fernanda ist nachher wunderbar ironisch: “Ich bin so stolz auch Dich… Du hast Deinen Arm hochgehoben, es ist fantastisch!!!” Auch Bohlen gibt sich Mühe mit den Komplimenten: “Du bist endlich weg von den Rollator-Auftritten, aber nimm Dir doch mal ein Beispiel an Johannes Heesters, der ist 107, aber der geht ab wie ein Zäpfchen, wenn er auf der Bühne steht! Das Entscheidende ist, dass die Zuschauer draußen sehen, dass Du kämpfst, um die Nummer zu verkaufen.”

    Ardian Bujupi wird weiterhin als megacooler Womanizer aufgebaut. Der Einspieler begleitet ihn mit den anderen (volljährigen) DSDS-Jungs und ein paar Begleiterinnen aus der Tussi-Abteilung in einer Stretch-Limo zur Disko. Heute Abend singt er passenderweise “Tonight I’m lovin’ you” von Enrique Iglesias, einen insgesamt langweiligen Titel ohne erkennbare Höhen und Tiefen, der wenig von der Persönlichkeit des Sängers transportiert. Trotzdem kocht die Stimmung im Saal, man hört haufenweise “Ardian”-Sprechchöre. Die Jury vermisst etwas die Gefühle, die Leidenschaft, Enrique würde bei dieser Nummer viel mehr schluchzen… Immerhin kann Bohlen mittlerweile Ardians Vornamen fehlerfrei aussprechen!

    Den Abend beschließt unser Meisterdenker und Gedächtniskünstler Pietro Lombardi. Schon während des ganzen Abends hält ihm Marco Schreyl immer mal wieder für eine spontane Reaktion das Mikro unter die Nase und bei Pietro wird er nie enttäuscht: Es kommt immer Schwachsinn! Der Typ scheint permanent zu pennen oder vielleicht bereitet er sich auch durch stilles Meditieren auf seinen eigenen Auftritt vor, wer weiß. “Verpeilt”, sagt man dazu ja wohl. Im Einspieler erleben wir ihn als dankbares Opfer des Löffelspiels, bei dem er kräftige Schläge mit einem Holzlöffel auf den Kopf bekommt – einem von ihm ohnehin nur selten benutzten Körperteil. Vielleicht war das aber doch der eine oder andere Schlag zu viel, denn bei seinem Titel “Freaky like me” von Madcon fällt im zweiten Teil die interne Beleuchtung in seinem Oberstübchen aus und er kann den Text nicht mehr lesen. Geschickt improvisiert er und singt einfach die erste Hälfte noch einmal, gewusst wie! Auch dieses Mal kassiert er von Dieter Bohlen, einer zweiwöchigen Tradition folgend, wieder Bargeld für den Auftritt. Aber wegen der vergeigten zweiten Strophe kriegt er auch nur die Hälfte, nämlich genau eine Hälfte eines 200-Euro-Scheins, den der vielfache Schlager-Millionär unter dem entsetzten Aufstöhnen der mehrheitlich wohl nicht oberreichen Zuschauer einfach durchreißt. Den Rest des Scheins gibt’s dann vielleicht nächste Woche, befindet der Titan. Von 200 Euro muss eine Hartz-IV-Familie mehrere Wochen auskommen und für Onkel Dieter sind das nur Peanuts, die man mal eben durchreißen kann. So herablassend mag man ihn, das ist wirklich authentisch, im Andere-Kleinmachen ist Bohlen ganz groß! Pietro versucht noch, den Textfehler irgendwie zu erklären, verhaspelt sich aber unrettbar in einem komplizierten Gewirr halb angefangener, abgebrochener Sätze, man ahnt, was für ein Chaos in seinem Kopf herrschen muss. Armer Typ, er ist und bleibt unfreiwillig komisch, der sympathisch-hilflose DSDS-Clown. Mal sehen, wie weit ihn diese Masche noch tragen wird.

    Das war es mit dem ersten Teil der Sendung, wir blenden gleich über die Bülent-Ceylan-Comedyshow hinweg zur Verkündung des Urteils. Inzwischen gab es, welch Überraschung, schon wieder einen Zusammenbruch: Donnerstag war Nina, Freitag Anna-Carina, dann ist folgerichtig am heutigen Sonnabend wieder Nina Richel dran. Und richtig, die Diva sitzt nach überlebter Reanimation durch die RTL-Sanitäter auf einem Stuhl auf der Bühne, denn sie hat es nur in die Trost-Runde geschafft. Neben ihr stehen die verhasste Konkurrentin Anna-Carina und der Bewegungsmuffel Marvin Cybulski und zittern, welches Schicksal die Zuschauer ihnen zugedacht haben. Und Tusch: Die miese Stimmung im DSDS-Gefängnis bleiben uns und der Quote noch mindestens eine weitere Woche erhalten, beide Damen sind in der Top-8-Show, stattdessen fliegt Marvin! Es erhebt sich ein Chor von Buhrufen, dazwischen hört man das Flennen der überwältigten Nina. Marvins Rauswurf geht wohl in Ordnung, immerhin handelt es sich ja um eine Fernseh- und keine Radiosendung und da muss man sich Wohl oder Übel auch mal bewegen, eine tolle Stimme allein reicht da leider nicht aus. Bemerkenswert sind aber Marcos Abschiedsfragen und Marvins letzte Antworten im Lichte der Fernsehkameras. Marco: “Was hast’e gelernt bei uns?” Marvin: “Ne Menge, ist nicht alles Gold, was glänzt, hier, neh!” Nochmal Marco: “Wirst Du Zuhause ab und an jetzt mal’n bisschen vor Dich hintanzen?” und dazu Marvin: “Das kannst’e vergessen, aber ich geh’ meinen Weg, hundertprozentig!!!”

    Bis zur nächsten Woche – und mein ganz besonderer Gruß geht heute mal an Emma! :-)

    Nachtrag (07.03.2011):
    Aus der heutigen Blödzeitung erfahren wir, dass Nina am Sonnabend nach der Sendung noch einen weiteren “Zusammenbruch” inszeniert erlitten hat und daraufhin von ihrem Papi aus dem Wettbewerb genommen wurde. RTL würde die ganzen Querelen künstlich erzeugen und aufbauschen, er habe nun die Schnauze voll, lasse seine Tochter vom Fernsehen nicht weiter kaputtmachen. Ob das jetzt sein letztes Wort ist oder Nina morgen schon wieder auf der Matte vor der DSDS-Villa steht, lässt man offen.

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  • DSDS (RTL) 28.02.2011 1 Comment

    Guten Abend, liebe Fans der gepflegten Samstagabend-Unterhaltung,

    heute läuft auf RTL die erste Mottoshow im Rahmen von “Deutschland sucht den Superstar”. Welches Motto eigentlich? Nun, es lautet nicht “Dabeisein ist alles”, sondern man hat sich auf die auch nicht viel intelligentere Kategorie “Megahits” festgelegt, wobei mir der Unterschied zu den bisher im Recall oder der Top-15-Show gebrachten Titel nicht so ganz klar ist, das waren doch eigentlich schon alles “Megahits”. Aber egal, sei’s drum.

    Marco Schreyl macht seinem Nachnamen jedenfalls wieder alle Ehre, begrüßt das Publikum gönnerhaft mit ausladenden Armbewegungen und behauptet großspurig, der Liebe Gott (meint er damit Dieter Bohlen?) habe den Samstagabend nur für DSDS erfunden. Danach zieht unter dem Beifall der Massen die Jury ein. Fernanda Brandao hat im Vergleich zur letzten Sendung die von Kleidung bedeckte Körperoberfläche noch einmal halbiert, der Rücken ist komplett frei und auch vorn bleibt der Phantasie der männlichen Zuschauer nicht allzu viel überlassen. Offenbar leidet die gelernte Tänzerin unter akutem Bewegungsdrang und versucht auf dem Weg zum Jurytisch möglichst viele Umwege zu laufen. Nach ihr kommt Patrick Nuo, der verzweifelt seine Coolness-Attitüde kultiviert und Marco Schreyl mit High five abklatscht. Der Jubel kennt dann kein Halten, als auch noch Poptitan und Jury-Heesters Dieter Bohlen auf der Bühne erscheint. Die drei Kollegen begrüßen sich so überschwänglich, als hätten sie einander seit einem halben Jahr nicht mehr gesehen, dabei dürften in Wirklichkeit keine 60 Sekunden vergangen sein, seitdem der Tyrann von Tötensen seine beiden Statisten aus der Kulisse ins Rampenlicht geschubst hat.

    Die Hauptdarsteller des heutigen Abends, die Top 10, starten dann wieder mit einem gemeinsamen Song: “Club can’t handle me” von Flo Rida feat. David Guetta. Alle sind bereits im Outfit für ihre heutigen Einzeltitel, wobei besonders die laubfroschgrüne Schlabberjacke vom “verhaltensauffälligen” (O-Ton Dieter) Choreografieverweigerer Marvin Cybulski ins Auge sticht.

    Den Auftakt macht heute der vom Schreyl als “Medizinmann vom Stamme der Ösi” vorgestellte angehende österreichische Arzt Marco Angelini. In seinem Einspieler geistert er im weißen Kittel und mit Stethoskop bewaffnet durch die DSDS-Kandidatenvilla und untersucht seine Mitgefangenen. Offenbar hat er vorher ein wenig am Lachgas geschnüffelt, denn er kriegt keinen vernünftigen Satz ohne Pruster hin. Wenigstens diesen “tollen” Ärztewitz kann man aber verstehen: “Wo macht der Zahnarzt Urlaub? — Na auf der Bohrinsel!” Ha. Marco Angelini singt heute Abend “Dance with somebody” von Mando Diao. Erstmals trägt er dabei keinen artigen Anzug, sondern ein für seine Verhältnisse rockiges Outfit mit Jeans und Lederjacke, lässt also etwas seine “dreckige Seite” heraushängen, wie er es Fernanda versprochen hatte. Wegen seiner Ringellöckchen und der braunen Rehaugen sieht das ganze aber ziemlich unauthentisch aus, eher wie ein aufmüpfiger Millionärssohn, der seine spießigen Eltern mal etwas erschrecken will, indem er sich morgens nicht rasiert. Auch finde ich seine Stimme nicht knarzig genug für diesen Titel, aber der Jury gefällt es trotzdem. Fernanda hat sogar extra im Fremdwörterduden geblättert und den Ausdruck “optische Metamorphose” gefunden, den sie nun stolz herausposaunt, als sie Marcos äußerliche Veränderung beschreibt. Dieter hat sich offenbar auch heute Abend vorgenommen, jeden Kandidaten zu tadeln. Bei diesem Auftritt fehlt ihm die “Personality”, aber Marco sei ja ein “intelligentes Kerlchen”, das werde er schon noch hinkriegen.

    Wir bleiben in den Alpen, denn jetzt kommt Zazou Mall, die gutaussehende Schweizerin mit dem Exotic-Touch. Nach einem nichtssagenden Einspielfilmchen kommt sie live mit Rihannas Dancefloor-Knaller “Don’t stop the Music”, den es auch als jazziges Cover von Jamie Cullum gibt. Die Performance ist wie immer klasse, Zazou im kurzen Elektroröckchen mit eingebauten Leuchteffekten, aber die Stimme klingt dagegen leider wieder etwas verhalten. Dieter prophezeit ihr ein schnelles Ende bei DSDS, wenn sie nicht endlich mehr aus sich herauskäme. Ein Zwischenrufer von den billigen Plätzen stört Bohlens Standpauke mit “Du hast auch nicht immer die Töne getroffen!” und die Halle lacht beifällig. Das täte hier heute Abend nichts zur Sache, Dieter sei schließlich kein Kandidat, springt Moderationsfaktotum Marco Schreyl seinem Chef eilfertig zur Seite.

    Nach einer kurzen Werbepause meldet sich der Moderator direkt aus dem Publikum zurück, neben ihm sitzt die “Granatengranate” Menderes Bagci mit einem selten dämlichen Hut auf der Omme, so einer Art Michael-Jackson-Gedächtnis-Dunstkiepe. Bevor ihm Schreyl auch nur eine einzige Frage stellen kann, bricht Menderes passenderweise mit seinem Stuhl zusammen und muss sich schnell improvisiert mit auf die Treppe setzen. Er ist mal wieder intellektuell komplett überfordert, kriegt selbst auf einfachste, vermutlich abgesprochene, Fragen nur gestammelte Wortfetzen heraus. Was für ein Gefühl es denn gewesen sei, bei dieser Staffel endlich in der Recall gekommen zu sein, will Marco wissen. Der Gefragte fängt fünf Sätze an und beendet zehn, kurz hört man etwas von “hammergeil” und dass sein Live-Auftritt nicht mehr zu übertreffen gewesen sei. Womit er aber, das versteht man erst nach einigen weiteren Satzfragmenten, den 31.03.2007 meint, als er mit “Beat it” als Rahmenprogramm in einer Mottoshow aufgetreten war. Dass er damals als Casting-Zombie präsentiert wurde und die Leute nicht mit, sondern über ihn gelacht haben, hat der arglose Menderes offensichtlich bis heute nicht geschnallt. OSettingsb er denn nun (endlich) in DSDS-Rente gehen wolle oder ob wir auch 2012 mit ihm rechnen müssten, stellt ihm Marco nun keck die Gretchenfrage. Menderes antwortet ganz schlau: “Fragen wir mal die Leute: Also, soll ich aufgeben oder was?” Applaus brandet auf, den er, naiv wie er ist, als Zustimmung für weitere Auftritte wertet, obwohl er gerade genau das Gegenteil gefragt hat. Ergo verspricht er, weiterzumachen und kommt dabei ins Brabbeln: “Ich bin halt ein Mensch, ähmm… der Weg ist das Ziel und… ich bleib’ immer dabei und… ich arbeit’ weiter an mir und ich geb’ niemals auf und ich bedank’ mich auch nochmal bei Dieter Bohlen, dass er immer so korrekt war…” Der so öffentlich Arschgekrochene fasst sich an die Stirn und schüttelt den Kopf, was für ein peinlicher Auftritt dieser einsamen unmusikalischen Gehirnzelle, denkt er vermutlich. Damit wird ein Einspieler der Top 10 des Casting-Grauens eingeleitet, in dem wir z.B. den schwabbelig-obertuntigen Jan-Hendrik als Britney-Spears-Parodie wiedersehen oder Jeanette mit der Klopapierstimme.

    Der nächste Liveauftritt gehört Nina Richel. Vorweg gibt es ein paar Bilder von dem Bikini-Shooting aller DSDS-Top-10-Frauen, das mittlerweile jeder Bildzeitungsleser schon gesehen haben dürfte. Okay, Nina hat vielleicht nicht direkt die Top-Strandfigur, aber sie hat trotzdem mitgespielt, Hut ab! Sie präsentiert heute Abend in einem schwarzen Kleid “Breakaway” von Kelly Clarkson; insgesamt ein unspektakulärer Auftritt mit einer sehr ruhigen Performance. Patrick sieht seine hohen Erwartungen enttäuscht, Fernanda will dagegen ein “Über-sich-Herauswachsen” entdeckt haben. Dieter Bohlen ist wie immer charmant: “Ich glaube, dass Du  abgenommen hast… aber an der falschen Stelle, nämlich an den Stimmbändern.” Er ahnt, dass es heute “megaeng” für sie werden wird.

    Ardian Bujupi hat in der letzten Woche mit seinem Machogehabe eine Menge Staub aufgewirbelt und sich damit den Zorn von Übergott Bohlen zugezogen. Auch seine Familie hat ihm wohl nach der Top-15-Show intensiv ins Gewissen geredet, berichtet der Kandidat etwas zerknirscht. Trotz gehöriger Irritationen sind seine Mutter und seine Schwester heute Abend wieder im Studio und können auf Marcos Nachfragen sogar erfreulich eloquent antworten, warum sie nach wie vor zu ihrem Sohn und Bruder halten. Ardian singt nun “In my Head” von Jason Derulo. Stimmlich überzeugt er heute – erstmals – nicht so ganz und die Performance ist okay, mehr aber auch nicht. Die Jury ist denn auch nur verhalten optimistisch, ob Ardian hier weiterkommt. Onkel Dieter bringt noch einmal das Macho-Thema zur Sprache: “Jeder Furz in der Sauna war letzte Woche beliebter als Du.” Nun aber solle man es damit gut sein lassen und dem Kandidaten noch eine zweite Chance geben, findet er.

    Die Reinkarnation von Roy Black und Rex Gildo im 21. Jahrhundert heißt Norman Langen. Er fährt momentan bei DSDS voll auf der Schlagermasche und konnte damit gerade letzte Woche die Jury komplett überzeugen (Bohlen: “Du warst heute der Beste.”). Vor dem Auftritt erfahren wir in seinem Einspielfilmchen, dass Norman häufig die Schminkutensilien seiner Schwester mitbenutzt, sich regelmäßig die Augenbrauen zupft und deswegen von vielen für schwul gehalten wird. (Kurzes Macho-Statement von Ardian Bujupi: “Männer, die sich schminken, finde ich abartig.”) Heute Abend bleibt Norman seinem Image treu und singt “Wahnsinn” (Hölle, Hölle…) von Wolfgang Petry, dem mittlerweile abgedankten Stimmungssänger Nummero Uno… wer’s mag. Der Kandidat trägt einen Plastikanzug im Schlangenhautdekor, macht auf cooler Profisänger und wagt sich direkt unten ins Publikum. Hochmut kommt vor dem Fall, denn an zwei Stellen versagen ihm die Nerven und er vergisst den Text – obwohl er den Titel in seiner Vor-DSDS-Karriere als Partysänger garantiert schon ein paar hundert Mal dargeboten hat. Die Jury hat die Texthänger auch bemerkt, Patrick findet’s nicht schlimm, Fernanda auch nicht, aber Dieter Bohlen verzeiht nicht so leicht. Ob ihm denn das uneingeschränkte Lob von der Vorwoche so schnell zu Kopfe gestiegen sei, wird Norman gefragt. Und er sei doch noch gar nicht souverän genug für einen Ausflug runter von der Bühne ins Publikum. Und man dürfe sich dabei schon gar nicht ablenken lassen, weder von jubelnden Fans, geworfenen Blumen noch von den Tänzerinnen. “Das geht nicht, Norman, also das geeeeht nicht, ganz ehrlich! Ich hab’ dem deutschen Schlager mit Dir die Türen bei DSDS aufgemacht. Du hast eine Wahnsinnsverantwortung und darfst mich nicht mehr enttäuschen!!!” Wie ein begossener Pudel schleicht Norman nach dieser Standpauke vom Meister zurück zu den anderen Kandidaten. Schwer lastet die Verantwortung für das Wohl und Wehe des Deutschen Schlagers auf seinen Schultern, da hatte er sich vor ein paar Monaten einfach mal, nur so aus Spaß, bei diesem Superstar-Casting beworben und zunächst war auch alles gut gegangen, bis dann heute Abend urplötzlich aus einem lockeren Spiel tödlicher Ernst wurde. Die Verantwortung für den deutschen Schlager… Meine Güte, mir zittern schon die Knie, wenn ich nur daran denke, dass dieses wichtige, ach was: wichtigste Kulturgut jetzt in den Händen eines unerfahrenen jungen Mannes ruht, der heute Abend essenzielle Textpassagen unserer zweiten Nationalhymne einfach mal so vergessen hat und der vermutlich noch nicht mal einen Wolfgang-Petry-Starschnitt besitzt. Ja, bei DSDS, da lernt man das Beten. :-)

    Auf Startplatz 6 finden wir heute die Balladenqueen Sarah Engels, von manchen nach diversen Vorkommnissen sicherlich auch als arrogante Schnepfe tituliert. Sie selbst ist ihr größter Fan, sie weiß und sagt, dass sie toll aussieht, schön singen kann und sich die Superstar-Krone redlich verdient hat, aber bis die anderen das endlich auch kapieren, muss sie leider Woche für Woche wieder auf der DSDS-Bühne erscheinen. Schon bei der Nennung ihres Namens in der Ansage gellen Buhrufe durch die Halle, ihre Beliebtheit ist offensichtlich seit der letzten Woche nicht merklich gestiegen, um das mal freundlich auszudrücken. Und besonders wenig geliebt wird sie von Mitkandidatin Anna-Carina, wie wir noch sehen werden. Sarah singt heute Abend “When you believe” von Mariah Carey. Sie trägt ein oben herum hübsches weißes Kleid, das unmittelbar unter dem Bürzel abrupt in einem Tüllhaufen endet, so als hätte das eigentlich ein langes (Hochzeits-?)Kleid werden sollen und man hätte es sich mittendrin anderes überlegt, aber sich nicht getraut, den Stoff ganz abzuschneiden. Ihr Lied trägt sie trotz einiger Eierstellen einigermaßen gut vor, der Applaus übertönt die Pfiffe. Die Jury ist mehrheitlich auch zufrieden, Dieter kommt nach ein paar kritischen Sätzen auf den Punkt: “Du heißt Engel, Du hast gesungen wie ein Engel, ich hoffe, dass Du mit solche einer phantastischen Leistung auch weiterkommst. Du warst bisher die Beste.”

    Justin Bieber hospitiert derzeit bei DSDS in der Verkleidung eines 16jährigen Schülers mit Backpfeifengesicht. Er nennt sich dort Sebastian Wurth, ist aber eigentlich sehr einfach zu erkennen, er hat noch nicht einmal zur Tarnung seine Frisur geändert. Komisch, dass noch keiner gemerkt hat, dass Justin und Sebastian niemals gleichzeitig am selben Ort zu sehen sind… (Übrigens genau wie Alfred Biolek und Desmond Tutu, die sehen sich auch verdächtig ähnlich und keiner außer mir hat’s bisher gemerkt. Aber das ist eine andere Geschichte.) Spätestens seit seinem genialen Auftritt mit Michael Bublés “Home” in der letzten Woche gehört Justin, äh Sebastian zu den ganz heißen Finalaspiranten, ehrlich. Und, RTL will nicht zu viel versprechen, vielleicht geht er demnächst auch noch mit Fernanda ein Eis essen. Zwischen den beiden hat’s ja letztes Mal mächtig gefunkt… Im Einspieler besuchen wir kurz Sebastian Schule und beim Blick auf seine Mitschüler wird mir schlagartig klar, dass heutzutage alle Jungs in seinem Alter angeklebte Haare haben, die aussehen, als hätte man bei großer Hitze drei Tage lang den Mofahelm aufbehalten. Uns Baschti singt heute Abend “You raise me up” von Westlife, eine Ballade, die für seine Stimme maßgeschneidert zu sein scheint. Da steht er, ganz klein mit blauem Jäckchen wie ein Schuljunge mitten auf der von dutzenden Scheinwerfern angestrahlten Bühne und singt mit genialer Stimme sein Lied. Und an dieser Stelle muss ich mal ganz unironisch das stets bestens agierende DSDS-Orchester lobend erwähnen und die Leute, die für die tolle Bühnenbeleuchtung und die professionelle Choreografie der Liveshows zuständig sind. Die machen wirklich schon seit Jahren einen Spitzenjob und schaffen es mit jeder Staffel, noch eine Schippe draufzulegen! Respekt!!! Sebastian wird nach seinem Auftritt begeistert beklatscht. Patrick und Fernanda mäkeln etwas an seiner Körperhaltung herum, die sei noch nicht selbstbewusst genug, meinen sie. Dieter fährt ihnen aber über den Mund, der Kandidat solle nicht auf die beiden Vorredner hören, er sei gerade erst 16 Jahre alt und solle sich gefälligst auch so benehmen und genau das täte er doch bestens. Kein Anlass also zur Kritik aus Sicht des Königs der Geldverdiener.

    Nach einer zweiten Werbepause werden weitere Loser-Auftritte aus dem Casting wiederholt. Wir erleben noch einmal den trotz teuer bezahltem Vocal-Coach untalentiert gebliebenen Sascha bei seinen “Geburtsvorbereitungen”, die tabu- und teilweise leider auch hüllenlose Hendrikje, dann Ralph Maria Rainer, den Spross eines zumindest musikalisch etwas degenerierten Adelsgeschlechts, dessen spontan von der Straße aufgelesene kugelrunde Gehilfin seinem Auftritt (~ “Time to say Goodbye”) den Gnadenschuss verpasst, Andreas Gerlich, einen in vielerlei Hinsicht gestörten und notorisch erfolglosen Scooter-Imitator(“Wickeeeeeett!!! Hartkoah!!! Lett sä Triehm kamm truh!!!”) und schließlich Shole, die schweißglänzende, arbeitslose Visagistin, die aussieht, als sei sie gerade aus der Fritteuse gestiegen. Und der eigentliche Hammer ist, dass die Leute teilweise heute Abend live hier vor Ort in der Halle sind. Marco spricht kurz mit der heute trocken aussehenden Shole und bedankt sich bei ihr dafür, dass es solche gruseligen Kandidaten wie sie gibt. (Hinter ihr sitzt übrigens Menderes, der es in der halben Stunde seit seinem eigenen Auftritt offenbar geschafft hat, seinen Stuhl wieder zusammenzubauen. Hey, hätte ich ihm gar nicht zugetraut, cleveres Bürschchen…) Jeder normale Mensch würde sich an Stelle der oben genannten Grusel-Kandidaten jetzt für die nächsten  Monate nur noch nachts für kurze Momente aus dem Haus trauen, aber diese armen Zeitgenossen haben offenbar nicht einmal ansatzweise gepeilt, dass sie von RTL als Freaks vermarktet werden. Wo sind wir denn da eigentlich inzwischen im Alphabet, wenn Dieter Bohlen ein A-Promi ist, Patrick, Fernanda und – wenn es sein muss – Marco so etwas wie B-Promis auf Zeit und von mir aus Menderes ein D-Promi, weil er regelmäßig von einem A-Promi verkloppt wird. Was ist denn dann jemand wie dieser Andreas Gerlich, der vermutlich als Lebensziel hat, mal so eine Karriere hinzulegen wie Menderes? Vielleicht ein F-Promi?

    Schnell zurück zu den vorübergehenden C-Promis, es geht weiter bei Pietro Lombardi, der nach einem belangslosen Einspieler mit “With you” von Chris Brown auftritt. Bemerkenswert ist dabei höchstens die Basecap, die bei Pietro mittlerweile schon zum festen Repertoire gehört. Ansonsten spielt er weiter die Rolle eines ziemlich verwirrten, aber irgendwie sympathischen Sängers mit mittelgroßem Tanz- und Gesangstalent. Aber das Publikum mag ihn, vielleicht gerade deshalb, weil er im Vergleich zu solchen Ausnahmetalenten wie Sarah Engels oder Marco Angelini ein Stück Normalität darstellt, quasi ein bisschen so ist, wie wir alle. Nach dem Song blubbert er ein wenig verpeilt herum, als Marco ihn interviewt, sagt nach Aufforderung seinen Trademark-Spruch “Jackpot!”, lüftet auf Bitten von Fernanda die Mütze, um seinen Mecki-Haarschnitt zu präsentieren und kassiert von Dieter Bohlen wieder Bargeld, weil er auch diesmal seinen Text konnte. Zwischendurch bohrt er sich ungeniert in der Nase, was Dieter fast etwas neidisch zur Kenntnis nimmt.

    Als Zweitletzte sehen wir Anna-Carina Woitschack, gelernte Puppenspielerin und bekennende Jungfrau. Außerdem hasst sie Sarah Engels, wie sie in einem schwachen Moment – angeblich längst vorbei – in die Kamera gerufen hat. Diese Rivalität wird von RTL vor dem Auftritt im Einspieler und hinterher auch noch einmal im Interview genüsslich im Lichte der Öffentlichkeit seziert. Mit irgend etwas muss man schließlich seine Sendezeit füllen und da DSDS in dieser Staffel unter den Top 10 keine Knackis, Tunten oder Heulsusen aufbieten kann, werden halt andere Themen bis zum Gehtnichtmehr aufgeblasen. Letztes Mal die Streitereien mit Ardian und heute eben die Rivalität zwischen Sarah und Anna-Carina. Zurück zum Business, die blonde Puppenspielerin singt von Whitney Houston “I will always love you”. Auch bei ihr läuft es heute nicht komplett rund und glänzend wie ehedem. Besonders am Ende des Titels versemmelt Anna-Carina massenhaft Töne, auch wenn sie natürlich trotzdem eine tolle Stimme hat. Naja gut, Whitney Houston selbst kriegt das heute vermutlich auch nicht mehr so gut hin, aber das ist ja kein Freibrief für tonale Vergehen. Patrick ist kritisch, Sarah sei heute von den beiden Konkurrentinnen die bessere gewesen, keine Frage. Irgendwo sei gerade eben der Wurm drin gewesen. Dieter fragt sie direkt, was los sei, ob mit ihr irgend etwas nicht stimme, sie Heimweh habe oder was sonst?

    Den Abschluss macht heute Marvin Cybulski – nein, den klar auf der Hand liegenden Kalauer mit dem “dicken Ende” spare ich mir. Marvin ist ein absoluter Bewegungsmuffel, er weigert sich bisher vehement, bei seine  Titeln viel mehr als die Lippen zu bewegen, er tanzt nicht, wackelt nicht mal mit den Hüften und zieht auch keine sogenannten “coolen” Klamotten an. Was bei anderen Kandidaten als fehlender Starappeal gebrandmarkt würde, gilt bei Marvin als liebenswerte Schrulle, die den wuchtigen Mann aus Hannover nur noch authentischer macht. Wie schon zu Beginn bemerkt, hat er sich sein heutiges Outfit offenbar aus einem Altkleidersack besorgt und dabei wohl im Dunkeln zugegriffen. Er trägt eine unsäglich billig aussehende grüne Stoffkutte mit Kapuze, die etwas an Filme aus den angeblich goldenen 70er-Jahren erinnert. Marvins Frau ist nach dem peinlichen Schweige-Auftritt in der Vorwoche vom Reden befreit worden. Sie begnügt sich mit einem kleine Winkewinke und dann singt ihr Göttergatte “We’ve got tonight” von Kenny Rogers (eigentlich war das ein Duett mit Sheena Easton). Marvin liefert den Titel in gewohnter Stimmqualität, aber ohne jeglichen sonstigen Energieaufwand ab. Er steht unbeweglich auf einem Steg, unter dem der Trockeneisnebel wabert. Nach der Nummer setzt er sich einfach auf das Ende des Stegs, lässt die Beine baumeln und wartet auf das Urteil der Jury. Patrick und Fernanda reden Marvin ins Gewissen, sich doch endlich mal zu bewegen. Was aus ihm herauskäme, sei so schön anzuhören, aber so schlecht “verpackt”. Bohlen pflichtet ihnen bei, er wolle den Kandidaten demnächst mal mit Lederjacke und als Rocker sehen, sein heutiges Outfit sehe ja eher nach IKEA-Kinderland aus.

    So, besonderer Service von mir, ich spare Euch das Ansehen des RTL-Comedy-Blocks und springe gleich zur Urteilsverkündung: Marco macht es wieder unerträglich spannend und überall in Deutschland dürften die Rettungsdienste Sonderschichten einlegen, als er Norman Langen, Nina Richel und Sarah Engels zunächst noch zittern lässt, ob sie weiterkommen. Ganz am Ende fliegt dann Sarah Engels raus, dabei war sie nach dem Urteil der Jury heute eine der stärksten Kandidatinnen. Aber das hilft eben nicht, wenn man in der öffentlichen Wahrnehmung eher als arrogant gilt. Sarah verabschiedet sich aus der Staffel mit dicken Tränen.

    Bis zur nächsten Woche, wenn wir die Top 9 in der nächsten Mottoshow erleben dürfen.

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  • DSDS (RTL) 20.02.2011 3 Comments

    Guten Abend allerseits,

    da sind wir nun bei der aktuellen Staffel von “Deutschland sucht den Superstar” also in der zweiten, interessanteren Hälfte angekommen, denn heute gibt es die erste Live-Show. Aus den fünfzehn Überlebenden des Malediven-Recall werden heute die zehn besten Kandidaten herausgesiebt, für die anderen fünf ist dagegen das Leben als Superstar zu Ende. Mal sehen, wen es heute trifft…

    Es gibt nur einen Typ bei DSDS, der mich noch mehr nervt als die Peinlichkeitsfetischisten Menderes und Cosimo und das ist Marco Schreyl, der Moderator des heutigen Abends. Leider hat Übervater Dieter Bohlen es immer noch nicht hingekriegt, diesen selbstgefälligen Laberheini dauerhaft abzuschalten. Vermutlich ist der so günstig zu haben, dass man dafür bei RTL die vielen Nachteile mit in Kauf nimmt. Der muss aber dann schon ziemlich günstig sein… Also ehrlich, wenn man dafür anrufen könnte, dass Marco Schreyl per Katapult aus der Sendung geschossen würde, ich hätte jetzt garantiert schon einen wunden Daumen von den vielen Wahlwiederholungen! :-)

    Nun denn, zurück zum eigentlichen Thema der Sendung, der Vernichtung von Karriereträumen. Unter dem mehr oder weniger lauten Dauergekreische der ausverkauften Halle kommen die 15 Delinquenten nun zum ersten Mal auf die Bühne, jeder einzelne von Marco Schreyl angekündigt wie ein Weltstar. Sie singen und performen zusammen “Higher” von Taio Cruz/Kylie Monogue, wobei man schon erste Qualitätsunterschiede in der Stimme hören und beim Tanz sehen kann. Insgesamt funktioniert der Auftritt aber ziemlich gut.

    Nun kommt der Einmarsch der Jury-Götter, vorneweg Fernanda Brandao, die sich passend zum bevorstehenden Karneval in ihrer brasilianischen Heimat mit einem recht sparsam geschnittenen Kostümchen begnügt, das ihr gutes Aussehen maximal zur Geltung bringt. Und das ist ja vermutlich auch der Grund, weshalb Dieter sie überhaupt in die Jury geholt hat, tiefer gehende musikalische Fachkenntnisse sollte man bei ihr eher nicht vermuten. Auch Patrick Nuo verspricht sich von der Kollaboration in der DSDS-Jury vermutlich eine Neubelebung seiner momentan etwas dahindümpelnden Musikerkarriere. Seinem Image als Mädchenschwarm entsprechend, kommt er heute mal wieder nach dem Motto “viel zu cool für diese Welt” auf die Bühne. Und sein Frisör scheint momentan übrigens arbeitslos zu sein. Schließlich der Auftritt von Dieter Bohlen, der sich von der ganzen Halle wie gehabt minutenlang als Stellvertreter Gottes im Popsektor abfeiern lässt.

    Dann geht es richtig los, wir beginnen heute mit dem Buchstaben Z, nämlich mit Zazou Mall (26) aus der malerischen Schweiz, einer ausgesprochenen Bohlen-Favoritin. Sie singt “One Love” von David Guetta, alles klappt perfekt und sie tanzt absolut professionell. Also wenn sie damit nicht unter die Top 10 kommt, dann weiß ich auch nicht. Die Jury zeigt sich begeistert, auch wenn Dieter stimmlich noch Optimierungspotenzial ausmacht.

    Sebastian Wurth, mit 16 Jahren Staffelküken und bereits mehrfach als deutscher Justin Bieber tituliert (ist das eher negativ oder positiv gemeint?), startet von Position Nummer Zwei. Weil er auf den Malediven so großes Heimweh hatte, sagt Alleswisser Schreyl, singt Sebastian heute “Home” von Michael Bublé. Hahaha, Spitzenwitz. Der Gesang ist – wie bei ihm gewohnt – wirklich sehr gut, eigentlich viel zu reif für sein Alter und das Publikum bricht dann und wann in spontanen Beifall aus. An der etwas steifen Choreografie könnte man sicherlich noch arbeiten, andererseits, wer mal ein Konzert von Michael Bublé gesehen hat, der ist wahrlich nicht verwöhnt, denn der Typ kann sich ja nun gar nicht bewegen und ist trotzdem ein Superstar. Die Jury ist mit Sebastians Leistung einhellig sehr zufrieden und Bohlen unkt etwas von Bravo-Kompatibilität und garantiert vielen Anrufen.

    Auf Startnummer Drei präsentiert sich die blonde Nina Richel (17), die zuletzt im Recall auch Kritik einstecken musste, was sie Dieter ziemlich übel nahm. Sie präsentiert heute Abend “There you’ll be” von Faith Hill (von Wundertüte Schreyl übrigens als “You’ll be there” angekündigt). Sie singt ihre eher ruhige Nummer ganz ordentlich und mit weeeeeeit ausholenden Gesten. Wie bei ihren beiden Vorgängern, ist die Jury auch von Nina begeistert. Die Entscheidung, wer heute fliegt, dürfte noch ziemlich schwierig werden.

    Gemessen am Auftrittsapplaus, scheint Norman Langen (25) bereits jetzt über eine stabile Fanbasis zu verfügen. Er besetzt bei DSDS die Rolle des Schlageronkels, hat Zuhause vermutlich Bilder von Jürgen Drews und Wolle Petry im Wohnzimmer hängen und fährt auch heute Abend auf dieser Schiene mit dem Titel “Ich bau’ Dir ein Schloss” des selbsternannten Mallorca-Königs Drews. Der Auftritt wirkt ziemlich routiniert, kein Wunder: Norman ist in seiner Freizeit schon seit Jahren in den Dorfdissen der Republik mit deutschen Schlagern unterwegs. Und die Jury urteilt wieder nur positiv, allen voran Onkel Dieter: “Absolut perfekter Auftritt, da werden Zuhause viele denken, das war Vollplayback, war es aber nicht. Du warst der beste bisher!”

    Als deutsche Rihanna wird die wegen ihrer roten Stehfrisur aufgefallene Awa Corrah (18) schon seit den Malediven eingestuft. Im kurzen Einspieler erfahren wir, dass die Bremerin großen Wert auf Styling legt und während eines Schminkanfalls schon mal ein komplettes Zimmer verwüsten kann. Ach ja, acht Geschwister hat sie übrigens auch noch, wird also gelernt haben, sich durchzusetzen. Heute Abend bringt sie “Only Girl (in the World)” von Rihanna, welche übrigens lt. Dieter Bohlen nur mit Computerhilfe gut singen kann. Awa hat keine Rechnerunterstützung und das hört man hier und da auch, hundertprozentig sauber klingt der Song nicht. Darüber tröstet ihr Outfit etwas hinweg, sie trägt ein ultraknappes rotes Babydoll-Kleid, was ihre langen Beine noch mehr betont. Und auch ansonsten ist alles zu sehen, was man als Mann zu sehen erwartet. Die Jury hat die gesanglichen Defizite bemerkt, Dieter findet ihre Titelauswahl nicht sonderlich gelungen, ruhigere Nummern stünden ihr besser als so ein “Rabbelzabbel”.

    Ardian Bujupi (19) hat eine tolle Stimme, dazu noch Gefühl und eine positive Ausstrahlung. das beweist er auch heute Abend bei “Sway” von – schon wieder – Michael Bublé. Seine gekonnte Tanzperformance hätte so auch in jede Top-5-Show gepasst, den Gesang fand ich allerdings in der zweiten Hälfte nicht mehr ganz sauber. Patrick und Fernanda sind aber völlig zufrieden – wie immer und bei jedem – doch Dieter hat scheinbar ein echtes Problem mit Ardian: “Ich hab’ gehört, was da wohl hinter den Kulissen abgegangen ist, wenn Du jetzt schon auf dicken Macker machst, dann garantiere ich Dir, wirst Du das hier nicht gewinnen!”. Damit wir Zuschauer wissen, wovon er spricht, wird nun in einem Einspieler ein Streit zwischen den Kandidaten thematisiert, in dem Ardian seine Mitbewerberin Nicole “Kiki” Kandziora als “Schlampe” und noch schlimmeres bezeichnet haben soll. Er spiele sich intern schon als Obermotz auf, habe Starallüren, wird ihm von mehreren Frauen bescheinigt. Ja, dass passt ein bisschen zum ersten Einspieler, in dem wir seinen Machismo erleben durften, z.B. im Fitness-Studio, beim Fahren schneller Autos und bei seinen Sprüchen über seine Qualitäten als Frauenbeglücker. Das Publikum pfeift, entweder aus Verachtung oder weil es “seinen” Star beschädigt sieht.

    Startplatz sieben gehört der zuvor beleidigten Nicole Kandziora (17), die in ihrem Einspieler berichtet, dass sie Polizistin werden wolle, wenn es mit dem Singen nichts würde. Typmäßig fällt sie in die Schublade “blonde Röhre mit Temperament und Selbstbewusstsein”.  Ihr Titel “Foreworks” von Katy Perry gelingt musikalisch nur so einigermaßen, vielleicht habe sie ihre Stimme auf den Malediven vergessen, vermutet Patrick. Auch Dieter entdeckt ein paar “Rohrkrepierer” im Feuerwerk von Nicoles Song, was das offenbar unmusikalische Publikum sofort mit Buhen quittiert.

    Der Kölner Straßenfeger Mike Müller ist mit seinen 24 Jahren schon fast ein DSDS-Senior. Nach einem langweiligen Einspieler, in dem es eigentlich nur um Fußball und die Müllabfuhr geht, bringt er eine Weise aus seinen Jugendtagen zu Gehör: “Show me the Meaning of being lonely” von den Backstreet Boys. Damit scheint er sich keinen Gefallen getan zu haben, die Ballade vermurkst er einigermaßen, so mancher Ton geht in die Beinkleider und ich denke, Mike wird der Müllabfuhr noch lange erhalten bleiben. Das Kölner Publikum feiert den Lokalmatador frenetisch, doch Dieter ist kritisch, er sei viel zu unkonzentriert gewesen – und das finde ich noch zivil, angesichts der schwachen Leistung.

    Die 18jährige Puppenspielerin Anna-Carina Woitschack hatte Dieter auf den Malediven völlig verzaubert. Im Einspieler berichtet sie freimütig über ihre totale Unerfahrenheit mit dem anderen Geschlecht, sie sei noch Jungfrau und habe noch nicht einmal einen Jungen geküsst. Na, da haben wir ja schon mal ein schönes Thema für die nächsten Wochen, das wird RTL bestimmt nicht auslassen. Heute kommt sie mit Alica Keys “If I ain’t got you” und macht ihre Sache trotz des schweren Titels sehr gut, selbst Dieter ist weitgehend zufrieden. Ihr darf man wohl durchaus gerechtfertigte Ambitionen auf den Superstar-Titel zutrauen.

    Der zum schüchternen Strahlemann aufgebaute Christopher Schwab (18) startet mit dem Song “Hey there Delilah” von den Plain White T’s. Das wird ein echter Gänsehaut-Auftritt, wie er da so mutterseelenallein mit seiner Gitarre auf der großen, dunklen Bühne steht, vom Orchester nur ganz zart begleitet. Nach den zufriedenen Patrick und Fernanda muss Dieter wieder alles kaputt machen. Jaja, der Auftritt sei musikalisch ganz okay gewesen, aber nichts besonderes, weswegen jemand für ihn anrufen würde. Christopher kontert ganz cool, er wisse ja schon von Dieters ihm gegenüber kritischen Einstellung, das habe man ja auch in der heutigen Bildzeitung lesen können (Christopher sei sein “Flop Nummer Drei”, soll da dringestanden haben). Vor diesem Hintergrund ziehe ich meinen Hut, wie der Kandidat da noch so gut singen konnte! Logisch, dass Dieter ihn jetzt unabhängig von der tatsächlich erbrachten Leistung runterputzen muss, sonst würde er ja sein eigenes öffentliches Vor-Urteil in Frage stellen. Gott, ist das arm…

    Der “Arzt, dem die Frauen vertrauen” kommt aus Österreich und trägt bereits seit seiner 26 Jahre zurückliegenden Geburt einen karrierekompatiblen Namen: Marco Angelini. Auf Platz 11 startet er mit “Stark” von Ich+Ich und liefert einen ruhigen, fehlerlosen Auftritt ab. Beinahe langweilig finde ich ihn, der ganze Typ strahlt irgendwie eine totale Unaufgeregtheit aus mit einem Aszendenten zum Schläfrigen, aber Dieter mag ihn (“bester männlicher Auftritt heute”), weil er einfach verlässlich abliefert.

    Als Styling-Gott und Prince Charming wird unser nächster Kandidat vom Schreyl vorgestellt: Felix Hahnsch, 18, hat sich heute eine auffällig bunt-gestreifte Hose aus dem Schrank gesucht, die so eng ist, dass er vermutlich eine Oktave höher singen kann. Ob das was nützt, ist die Frage, denn bisher fiel Felix eher nicht wegen einer besonders guten Stimme, sondern vor allem wegen seiner Selbstverliebtheit auf. Mit blonder Schmachttolle (4 Dosen Haarspray im Monat!), Sixpack und Schlafzimmerblick ist er ganz klar als Anlaufstelle für alle Bravo-Mädchen gedacht, denen Justin… äh Sebastian Wurth noch zu jung ist. Felix kommt heute Abend mit “The Man who can’t be moved” von The Script auf die DSDS-Bühne. Für den Song ist seine Stimme letztlich doch etwas zu dünn, sorry. Patrick und Fernanda loben ihn gewohnheitsmäßig über den grünen Klee, Dieter ist dagegen – auch gewohnheitsmäßig – kritisch, aber wohl auch ehrlich. In der zweiten Hälfte des Titels habe ihm die Stimme gar nicht mehr gefallen, sagt er, vielleicht läge es ja an der zu engen Hose.

    Der Staffelclown Pietro Lombardi (18) kommt als nächster dran. Nach einem nichtssagenden Einspieler mit Maledivenfragmenten tritt er mit Travie McCoys “Billionaire” auf, das wir auch schon vom Recall kennen. Der kurze Text kommt dem Gehirnakrobaten Pietro sehr entgegen und so kann er sich auf seine Performance konzentrieren, was sich auch durchaus lohnt. In seinem quietschgelben Outfit mit der silbernen Jacke und der Schirmmütze wird er sofort zum Publikumsliebling und erhält heftigen Schlussapplaus. Die Jury ist natürlich wieder zufrieden (Fernanda: “Selbst Deine Dusseligkeit kommt sympathisch rüber.”), auch Onkel Dieter fühlt sich gut unterhalten und überreicht dem Kandidaten sogar einen 50-Euro-Schein – als Anzahlung auf das viele Geld, dass er mit dem verpeilten Halbitaliener noch einzunehmen gedenkt…

    Auf Startplatz 14 sehen wir nun den Staffelopa Marvin Cybulski (29), der sich bisher gegenüber allen RTL-Choreografieversuchen als therapieresistent erwies. Soll heißen: Er kann und mag und wird nicht tanzen, basta! Sein angeknackstes Selbstbewusstsein wird vom Gelegenheitspsychologen Marco Schreyl noch einmal öffentlich zur Sprache gebracht und Marvins im Saal anwesende Ehefrau gebeten, etwas Aufmunterndes zu sagen. Leider war das wohl nicht abgesprochen, sie stammelt kurz und dann muss Marco der Guten noch vorsagen, so überfordert ist sie mit dieser überraschenden Aufgabe. Als dann Marco die Anfeuerung des Kandidaten kurzerhand selbst übernimmt, mischt sich von links außerhalb des Bildes auch noch eine aufgedonnerte Dame ein, angeblich Marvins Mutter, die sich in den vorangegangenen peinlichen zwei Minuten wohl ein paar schlaue Sätze überlegt hat, aber nun will sich Marco nicht mehr stören lassen und bringt die Störerin etwas rüde zum Schweigen. Okay, Schwamm drüber, hier geht’s ja ums Singen. Aus der beliebten Balladenecke bringt Marvin, der “Schmusebär”, heute “Midnight Lady” von Chris Norman, dem ehemaligen Smokie-Leadsänger. Der Titel stammt übrigens aus Onkel Dieters eigener Hitkopierstraße, bringt also beim heutigen Abend so ganz nebenbei ein paar gern gesehene GEMA-Einnahmen für den Poptitanen. Marvin singt gut, wie immer, und seine Stimme passt fast beängstigend perfekt zu dem Titel. Ob er besser gesungen habe, als seinerzeit Chris Norman, wird Bohlen gefragt. Nein, das denn wohl doch nicht, aber sehr gut sei das trotzdem gewesen, soviel ist klar. Die Choreografie war allerdings unterirdisch: Marvin steht wegen seines Übergewichts und allgemeiner Bewegungsunlust ziemlich stocksteif auf der Bühne und brummelt den Titel ohne sichtbaren Energieeinsatz ins Mikro, aber wenn man nicht hinguckt, kann das wohl reichen.

    Letzte Kandidatin ist Sarah Engels (18), deren Hauptproblem jedenfalls nicht fehlender Ehrgeiz ist, eher im Gegenteil. Sie höre ihrem eigenen Gesang sehr gern zu, erzählt sie ohne rot zu werden, nebenher sehe sie auch noch “verdammt gut” aus, findet sie. Ihr Titel heute Abend ist “One Moment in Time” von Whitney Houston, den sie natürlich wieder divenhaft fehlerlos abliefert. Hier und da fehlt ihrer Stimme aber dann doch merklich das Volumen, der Jury ist es jedoch egal, die loben heute ja nun wirklich jeden. Allerdings nicht Bohlen, er bescheinigt ihr zwar, brilliant gesungen zu haben, bemäkelt aber eine gewisse Verbissenheit, sie solle nicht permanent über sich schwadronieren (O-Ton: “Hau’ nicht immer so auf die Kacke!”).

    So, nach einem Kurzdurchlauf der wichtigsten Takte aller Auftritte entlässt uns RTL in die Comedy-Pause, die heute von der “Bülent Ceylan Show” gefüllt wird. Die muss man mögen wollen, um sie mögen zu können, geringe Ansprüche und erhöhter Alkoholpegel mögen dabei von Nutzen sein.

    Schnell beamen wir uns auf Mitternacht vor, die Stunde der Entscheidung. Und wie immer spare ich mir auch das endlose Geblubber des Moderationspraktikanten Marco Schreyl, sondern springe gleich zu den entscheidenden Augenblicken. Insgesamt sollen heute zehn Kandidaten für die Mottoshows ausgewählt werden, sieben davon werden direkt vom Publikum und weitere drei von der Jury bestimmt.

    Der kultige RTL-Aufsichtsbeamte Dr. Fleischhauer bringt wie gewohnt den Umschlag mit den Namen. Das Publikumsvotum gewinnen auf Anhieb und in dieser Reihenfolge: Norman Langen, Marvin Cybulski, Marco Angelini, Sebastian Wurth, Pietro Lombardi, Ardian Bujupi und Anna-Carina Woitschack. Das sind sechs “Jungs” und nur ein “Mädchen”! Skandal, das kann natürlich nicht so bleiben und so nominiert die Jury ausschließlich weibliche Kandidatinnen, nämlich Sarah Engels, Zazou Mall und als allerletzte Nina Richel. Die sehen wir also alle am nächsten Sonnabend wieder, dagegen haben bei DSDS entsprechend den Regeln jetzt auf Lebenszeit keine neue Bewerbungschance: Mike Müller, Felix Hahnsch, Awa Corrah, Christopher Schwab und Nicole Kandziora. Ciao, zusammen!

    Wir Zuschauer dürfen dagegen unbegrenzt oft wiederkommen und sehen uns deshalb in einer Woche bei der ersten Mottoshow. Bis denne!

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  • DSDS (RTL) 17.02.2011 1 Comment

    Liebe Leute,

    heute heißt es Abschied nehmen von den Malediven, den Inseln des Glücks oder des Todes, je nachdem, wen man fragt. Bei “Deutschland sucht den Superstar” werden heute jene 15 Kandidaten benannt, die am nächsten Sonnabend in der ersten Liveshow auftreten dürfen. Noch einmal kann die Jury aus Dieter Bohlen, Fernanda Brandao und Patrick Nuo ihre diabolischen Triebe ausleben und die Bewerber nach Herzenslust vor einem Millionenpublikum schikanieren. Wir werden Zeuge, wie sich zuvor noch aufrecht gehende Möchtegernstars in einen Haufen zitternde Götterspeise verwandeln, sobald sie vor den Jurytisch treten, kaum fähig, ihre Körperfunktionen zu kontrollieren. Und wie sie dann nach einem positiven Urteilsspruch in einer Supernova neuen Selbstbewusstseins erstrahlen und die ganze Welt inklusive des Fernsehteams gleichzeitig zu umarmen versuchen. Oder aber, wenn Dieters Daumen nach unten zeigt in Richtung Verdammnis, wie sich Menschen schlagartig der ganzen Mickrigkeit ihrer Existenz bewusst werden und in Millisekunden zu einem heulenden Haufen Homo-Sapiens-Asche mutieren. Ihr ganzes Leben war sowieso schon immer ein einziges Scheitern, alle Freunde und vor allem alle Feinde hatten Recht, sie waren, sind und bleiben nichtswerte Loser. Das weitere Schicksal der DSDS-Verlierer ist klar vorgezeichnet: Sie drücken sich, sobald die unbarmherzigen RTL-Kameras sie freigeben, mit gesenktem Blick und im Schutz der Nacht an Bord des nächsten Fliegers gen Heimat… mit der Aussicht, die kommenden drei Jahre versteckt im Keller ihrer Eltern verbringen zu dürfen. Naja, es hat ja auch keiner behauptet, dass die berühmten Warhol’schen “15 Minutes of Fame” nichts kosten…

    Die Sendung selbst ist eigentlich nicht sonderlich interessant, von den vorher als dramatisch und alles entscheidend angekündigten Einzelauftritten werden nur eine Hand voll gezeigt, alle ziemlich positiv. Wir erleben nacheinander Anna-Carina Woitschack mit “A Woman’s Worth” von Alicia Keys, Ardian Bujupi mit “Der ewige Kreis” aus dem Musical “Der König der Löwen”, Nicole Kandziora mit “Homeless” von Leona Lewis, Pietro Lombardi in einem wachen Moment und erstmals ohne Mütze mit “Can you feel the Love tonight” (ebenfalls aus Elton Johns “König der Löwen”), Mike Müller mit “All I have to give” von den Backstreet Boys sowie Sebastian Wurth mit “Home” von Michael Bublé. Die Jury sagt nicht viel, im Grunde genommen immer nur einfach “Danke”.

    Dann folgt die Urteilsverkündung am Strand. Als erster erscheint der dickliche Marvin Cybulski mit Nervenflattern vor dem Richtertisch und wirkt dabei auf mich wie ein Fleisch gewordener Minderwertigkeitskomplex – was er ja angesichts seines Talents gar nicht nötig hätte. Dieter zieht den Spruch unerträglich in die Länge und schließt mit: “Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass es nicht einen Grund gibt, Dich hier weiterzulassen…” Der Kandidat stirbt tausend Tode, wendet sich zutiefst getroffen ab und schlägt schon den Rückweg ein, da ruft ihm Bohlen das Ende seines Satzes nach: “…sondern es gibt tausend Gründe, Dich weiterkommen zu lassen!” Marvin ist fast empört über diese dramatische Finte des Poptitanen, droht ihm sogar lachend mit dem Zeigefinger: “Mensch Du, mach das nicht nochmal, ich bin herzkrank und sensibel, Mann!” :-)

    Ähnlich dramatisch verläuft Dieters Verkündung für Pietro Lombardi: Er sei ja immer der Klassenclown der ganzen Gruppe gewesen, habe sich aber an einigen Stellen auch durchaus etwas getraut und so manchem Titel seinen Stempel aufgedrückt. Besonders sein “Qué Será, Será” sei diesbezüglich noch in frischer Erinnerung (alle grinsen sich eins). Nach einigem Hin und Her wolle nun auch die Jury ihren Mut beweisen, indem sie ihn in die Top 15 weiterlasse. Pietro hatte offenbar überhaupt nicht mit diesem Ergebnis gerechnet, ist unfähig, auch nur ein vernehmliches Wort zu sprechen, drückt weinend allen Jurymitgliedern die Hand und bricht dann schluchzend auf dem Strand zusammen. :-)

    Die Drecksarbeit lässt Dieter gern mal andere für sich machen, den Urteilsspruch für Maxime Dassen verkündet deshalb Patrick Nuo. Er schwurbelt etwas herum, ihre Stimme habe bei den letzten Titeln irgendwie “einen Tick aufgesetzt” gewirkt, unauthentisch, deshalb sei ihr Weg hier jetzt zu Ende. Die drei Richter geben ihr noch ein lahmes “Tschüss, mach’s gut” mit auf den Weg und damit versinkt ihr Leben unabänderlich im Nebel der Bedeutungslosigkeit, in dem auch wir, die wir diesen Blog schreiben oder lesen, uns aufhalten. :-(

    Der Off-Mann philosophiert: “Aus Träumen werden bittere Tränen” und wir sehen in einer schnellen Sequenz das Verlöschen der Hoffnungen von Denise Lorenz (weint heftig), Shahin Radmand, Albresha Iljazi, Tobias Wojczewski und Nicole Ferreira de Rocha. :-(

    Weiter ist dagegen Norman Langen, der sich lautstark freut und schon auf dem Rückweg ins Camp die Zuschauer bittet, für ihn anzurufen. Der Stoffel, wir kennen ja die Nummer noch gar nicht… :-)

    Sarah Engels geht schon selbstbewusst bis arrogant zu ihrer Urteilsverkündung. Sie wisse ja, dass sie es verdient habe, in die Top 15 einzuziehen, gut singen könne und super aussehe und sie wolle unbedingt, dass bei DSDS endlich mal eine Frau gewinne. Dieter macht es ihr schwer “Leider muss ich Dir sagen, dass wir keine Hoffnung haben, dass Du Dich in den Mottoshows durchsetzt.” Kaltes Schweigen auf beiden Seiten. Endlich fragt Sarah feindselig “und wieso?” Dieter rückt nun mit der ganzen Antwort heraus: “Wir haben keine Hoffnung, sondern wir sind uns absolut sicher, dass Du Dich durchsetzen wirst.” Puh, große Erleichterung, es gibt Bussi-Bussi für die ganze Jury, bei jeder anderen Entscheidung wäre es ihnen aber auch schlecht ergangen, nehme ich an. :-)

    Danach steht Nina Richel, Sarahs Intimfeindin, vor Dieter Bohlen und seinen beiden Jury-Statisten. Bei ihr geht es ganz schnell, Fernanda darf ihr die positive Nachricht überbringen. Ein hochfrequenter Kreischton ist Ninas Reaktion, dann wird wieder gebusselt, bloß schnell weiter… :-)

    Selam Araya muss dagegen einpacken, sei zwar ein toller Teamplayer und wachse anderen Leuten schnell ans Herz, aber leider reiche die Stimme nicht, verkündet ihm Fernanda. Sie selbst, die so berufen über andere urteilt, war übrigens nicht nur Tänzerin in einigen Modern-Talking-Videos, nein, sie kann auch als Sängerin auf eine jahrzehntelange erfolgreiche Solokarriere zurückblicken und erreichte 2002 mit dem Welthit “Wherever you are” sogar für eine Woche Platz 66 der deutschen Single-Charts. Applaus, Applaus! Selam hingegen wankt nach Empfang der schlechten Nachricht als schwer-depressiver Haufen Elend über den Strand und erweckt den zwingenden Eindruck, er würde sich sofort an Ort und Stelle einbuddeln, wenn er denn nur eine Schaufel hätte. :-(

    Nicole Kandziora kriegt von Patrick einen Berg Komplimente für ihre tolle Stimme und ihre Power und freut sich über das Ticket in die Liveshows. Auch Ardian Bujupi kommt weiter, Zazou Mall sowieso (Bohlen guckt ihr lechzend nach, als sie über den Stand davonhüpft), der angehende Doktor aus Österreich mit dem eingebauten Künstlernamen Marco Angelini natürlich auch, ebenso wie Staffelküken Sebastian Wurth, Profifeger Mike Müller und die Wischmoppfrisurträgerin Awa Corrah. Nicht gezeigt, aber trotzdem weiter sind außerdem noch Puppenspielerin Anna-Carina Woitschack und der lt. Drehbuch schüchterne Christopher Schwab. :-)

    Vierzehn von fünfzehn Liveshow-Plätzen sind bisher vergeben, nur eine einzige Planstelle ist noch frei, allerdings gibt es dafür zwei Bewerber, die fieserweise gemeinsam vor die Jury geladen werden: Die gerade aufkeimende Männerfreundschaft zwischen dem ach so schönen Dünnstimmenbesitzer Felix Hahnsch und seinem Gspusi und Zimmerkumpel Maik Dehn nimmt ein jähes Ende. Vermutlich wegen der besseren Vermarktbarkeit bei vorpubertären Bravo-Leserinnen lässt man Felix mit dem Jahresabo für’s Fitness-Studio in die Liveshows, die Karriere seines Freundes zerschellt dagegen hier und jetzt in der Schlussgerade, unmittelbar vor dem Ziel und dass, obwohl er doch eigentlich die bessere Stimme hatte. Wie schade, Felix mimt zunächst den Betroffenen und freut sich eher nach innen, als man aber Maik endlich aus dem Bild geschoben hat, reckt er doch noch die Siegerfaust und lässt Jubelgeschrei hören. :-) :-(

    Nach ein paar pathetischen Schlussworten von Onkel Dieter geht die Sendung mit einem allerersten Durchlauf der Gesichter und Namen unserer 15 neuen Superhelden zu Ende, im Hintergrund ein dramatischer Chor mit Feuerwerk und jede Menge elektronisches Konfetti aus dem RTL-Arsenal.

    Man sieht sich am Sonnabend zur ersten Liveshow!

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