Hallo Leute,
heute ist Sonnabend und das heißt natürlich momentan Bohlen-Time. Die Feuerwehr hat Anna-Carinas Tränenflut vom letzten Wochenende soweit abgepumpt, es kann also losgehen. Diesmal startet “Deutschland sucht den Superstar” mal ganz international, denn RTL hat den bekannten US-Ringansager Michael Buffer – mit sicherlich nicht allzu wenig Geld – dazu überreden können, hier heute den Conférencier zu mimen. (Ich hoffe das bedeutet, dass uns Marco Schreyl ausnahmsweise mal verschont… jaja, die Hoffnung stirbt immer zuletzt. Aber man wird doch wohl noch mal träumen dürfen…) Übrigens konnte ich Wikipedia entnehmen, dass der Amerikaner mit nichts weiter als der Vermarktung seines Markenzeichenspruchs “Let’s get ready to rumble” bis heute schon 400 Millionen US-Dollar verdient hat… wie viel hat eigentlich Dieter Bohlen, der Poptitan aus Tötensen, bisher mit seinen beiden Akkorden eingenommen? Pro überlebter DSDS-Staffel kriegt er jedenfalls 1,2 Millionen Euro Schmerzensgeld, muss dafür allerdings auch alles aus der ersten Reihe ertragen und kann nicht einfach mal so vorspulen oder wegzappen, so wie unsereins.
Michael Buffer sagt die Jurymitglieder der Reihe nach an und zieht dabei die letzte Silbe des Nachnamens immer in die Länge und in die Höhe – das ist ja eben sein Markenzeichen. Nach Fernanda Brandao, die mit einem für ihre Verhältnisse beinahe unscheinbaren silbern-spacigen Kleid ins Studio kommt, wird Patrick Nuo, “…the He-Man from Switzerland”, angekündigt. Beim Applaus ist ihm heute ein Mitleidsbonus sicher, denn bestimmt haben die meisten im Publikum ja immer schön fleißig die Blödzeitung gelesen und wissen daher, dass Patricks Ehe Auflösungserscheinungen zeigt. Schließlich kommt er, dessen Namen man kaum zu sagen wagt, himself und in höchsteigener Person ins Studio: Dieter Bohlen trägt Sonnenbrille und schreitet hinter einer sehr spärlich bekleideten Blondine, die einen fiktiven Boxer-Gürtel in die Höhe hält. Das Publikum gerät schon zu diesem frühen Zeitpunkt vorübergehend in Ekstase. Dabei dienen die Verpflichtung Michael Buffers und alle Anspielungen auf Profi-Ringveranstaltungen nur dem einen Zweck, für den Live-Boxkampf Klitschko gegen Solis zu werben, der gleich im Anschluss an den Hauptteil der heutigen vierten Mottoshow hier bei RTL stattfinden wird. Welcher dieser Klitschko-Brüdern ist denn bloß heute wieder dran? Die Klitschkos sind genau wie die Jacob-Sisters: Es gibt eine unübersehbare Anzahl davon und man weiß nie, wie der heißt, den man gerade vor sich hat. Okay, ich gebe zu, dass der Vergleich bei genauerer Betrachtung etwas hinkt, aber sei’s drum.
Als letzte Amtshandlung eröffnet nun Michael Buffer mit “Let’s get ready to rumbleeeeeeee!!!!!” den musikalischen Teil des Abends, der übrigens passend zum Libyen-Krieg unter dem Motto “Partykracher” steht. Die sieben verbliebenen DSDS-Kandidaten springen bzw. humpeln (Pietro) auf die Bühne und performen zusammen den Titel “Yeah 3x” von Chris Brown… Hmmm, Chris Brown, da war doch was…? Aber klar, jetzt fällt mir’s wieder ein, das war doch der Typ, der seine Freundin, die Sängerin Rihanna, verhauen hatte und deswegen vor Gericht stand. [Grübel, lange Kunstpause] Wo wir gerade beim Thema sind: Wie ist das eigentlich mit dem Kachelmann-Prozess weitergegangen? Wegen dem Japan-Erdbeben, dem drohenden Super-GAU und den diversen arabischen Revolutionen ist das so ein bisschen hinten runter gefallen. Mir fällt nur noch ein, dass Alice Schwarzer als Gerichtsreporterin darüber in einer festen Kolumne in der Blödzeitung berichtete, aber vermutlich brauchen die den knappen Platz in ihrem Intelligenzblatt jetzt sowieso für wichtigere Meldungen, immerhin ist ja heute auch noch Eisbär Knut gestorben.
Und dann macht Michael Buffer alle meine Hoffnungen zunichte, er sagt nämlich Marco Schreyl an (“your host tonight”), welcher dann auch gleich auf die Bühne stürmt und brabbelt wie ein Wasserfall. Als ersten Kandidaten sehen wir heute Mister Ö, Marco Angelini. Dem waren in den letzten Woche gelegentlich mal fehlende Ecken und Kanten vorgeworfen worden, was latent zu Langeweile führen kann und damit zu ausbleibenden Anrufer(inne)n. Heute will er deshalb unbedingt seine “dreckige Seite” zeigen. Dazu lässt er sich eine schwarz-weiße Gesichtsmaske à la 70er-Jahre-Hard-Rock-Band Kiss aufmalen und tritt dann mit der Robbie-Williams-Nummer “Let me entertain you” auf. Er gibt alles, mehr Dreck geht nicht, sagt er hinterher. Hier finde ich die bombastischen Kamerafahrten durchs ganze Studio nicht so sinnvoll, ich hätte lieber von nahem gesehen, was Marco auf der Bühne veranstaltet. Patrick nennt dies die beste Performance aller Auftritte sämtlicher DSDS-Staffeln auf dem ganzen Planeten, wenn nicht gar im Universum, seit Anbeginn der Zeiten und fordert das Publikum – vergeblich – zu Standing Ovations auf. Auch Fernanda ist begeistert, nicht hingegen Dieter, dem das zu viel Kopie von Robbie Williams und zu wenig Original Angelini war.
Auf Startplatz Zwei sehen wir heute Abend Norman Langen, den DSDS-Schlagerfuzzi. Um seine möglicherweise etwas müde hinter dem Ofen liegende Anhängerschaft zu wecken, sehen wir in seinem Einspieler, wie Norman sich aus einem Hochhaus abseilt. Mit interessanteren Dingen wie Beinbrüchen, Zickenterror, hausinternen Affären oder Konflikten mit dem Jugendschutzgesetz kann er wohl nicht dienen. Und schlimmer noch, jetzt in der Liveshow beleidigt er die nicht-komatösen Zuschauer mit dem Titel “Hey Baby” von DJ Ötzi, einem Künstler, den ich nach wie vor nicht mag. Tja, wie soll man Normans Kostüm nur nennen, es ist eine Art gelbes Cape und gelbe Hose, die von weitem etwas nach Regenbekleidung aussehen. Und drei Streifen haben die Klamotten auch, sind also wohl von Adidas. Der Auftritt selbst verläuft wie geplant, manche Menschen schunkeln irgendwie mit, andere übergeben sich still in ihre Handtaschen und der Rest ärgert sich über die vertanen drei Minuten Lebenszeit. Norman schmettert seine Deppenhymne mit Inbrunst und Dauergrinsen, welche Oma hätte nicht liebend gern so einen Enkel? Patrick Nuo hinterher jedenfalls nicht. Der findet den Auftritt zu unpersönlich und nutzt die Chance des offenen Mikrofons, indem er seine eigene PR-Geilheit befriedigt und Norman und dem Publikum vorsingt, wie der epochale, titelgebende Refrain “Hey Baby” richtig” geklungen haben sollte. Dieter findet den Titel zwar grundsätzlich okay, warnt aber davor, zu sehr die Ballermann-Fraktion zu bedienen, sonst kriegte er am Ende vielleicht nicht genügend Anrufe.
Nummer Drei ist Ardian Bujupi mit einer echten Premiere: Zum ersten Mal haben Marco Schreyl und alle Jury-Mitglieder seinen Vornamen richtig ausgesprochen, Tusch! In seinem Einspieler erfahren wir dagegen betrübliche Neuigkeiten: Ardian hat wegen überhöhter Geschwindigkeit gerade seinen Führerschein eingebüßt, was bei seinem Machismo wohl fast einer Kastration gleicht, und auch in Sachen Zazou läuft angeblich nichts. Dabei hatte doch die Blödzeitung weltexklusiv die Information verbreitet, die Schweizerin und der Kosovare seien heimlich ein Paar… Heute Abend singt der Kandidat “Beautiful Monster” von Ne-Yo. Während sich im Hintergrund die halbnackte DSDS-Tanztruppe nach Kräften abrackert, wirkt Ardian dabei auf mich fast etwas unbeteiligt und emotionslos. Die Jury ist aber trotzdem zufrieden, Bohlen meint gar, er sei der “modernste” Sänger und groove am besten von allen verbliebenen Kandidaten.
Als nächste tritt die Vielleicht- oder Vielleicht-Nicht-Freundin von Ardian auf, nämlich Zazou Mall. Die hatte in der vergangenen Woche gewichtigen Besuch von Maite Kelly, die ihr quasi als Kollegin Mut zusprechen wollte. Nachher im Interview sieht sie bei Zazou durchaus noch Entwicklungspotenzial, die könne viel mehr, als sie bisher bei DSDS gezeigt habe. Das sieht Dieter bekanntlich diametral entgegengesetzt. Gleich kann er seine Einschätzung wieder überprüfen, Zazou singt “Hot n Cold” von Katy Perry. Die Show ist wie immer spitzenmäßig choreografiert und beginnt mit ein paar klassischen Takten des Hochzeitsmarsches von Felix Mendelssohn Bartholdy (der sich deswegen vermutlich im Grabe umdreht)! Zazou erscheint im kurzen rosa Faltenkleidchen mit riesigem Schleier und geht durch ein Spalier von Tänzern in weißen Anzügen, die sich alle Masken mit Ardians Gesicht vorhalten. Hut ab, das nenne ich Selbstironie! Der eigentliche Titel zerfällt wieder in einen überragenden optischen und einen vielleicht durchschnittlichen gesanglichen Teil. Ihre Stimme sei zu dünn, bemäkeln im Anschluss die Jury-Menschen, allen voran Dieter: “Zazou ist mit Abstand die schlechteste Sängerin hier im Wettbewerb und langsam kann ich dieses Gequake auch nicht mehr ertragen, das hat mit Gesang wenig zu tun.” und “Sie kann nicht singen, ich brauch’ das nicht mehr!”
Zwischendurch haben altgediente DSDS-Zuschauer ein Déjà-vu-Erlebnis, denn plötzlich sitzt Marco Schreyl neben dem Vorjahres-”Checker” Thomas Karaoglan. Der tritt am Mittwoch in der RTL-Show “Let’s dance” auf und darf deshalb heute Abend Crossover-Promotion betreiben, kostet ja nichts. So richtig viel zu sagen hat er auch nicht und schwupps sind wir schon wieder im Hier und Jetzt und zwar bei Kandidat Nummer fünf.
Sebastian Wurth muss neuerdings bekanntlich bis 22 Uhr fertig gesungen haben, ansonsten rückt RTL der Jugendschutz auf die Pelle. Für den nicht ganz unrealistischen Fall, dass der 16jährige ins Finale kommen sollte, plant der Sender lt. allwissender Blödzeitung, die letzte Show in die liberaleren Niederlande zu verlegen, wo Kinderarbeit offensichtlich noch immer erlaubt ist. Apropos Arbeit: Im Einspieler zeigt man einen geschäftstüchtigen Bäcker, der eine neu kreierte Sorte süßer Brötchen “Wurthies” getauft hat und nun wohl damit rechnet, alle Welt würde deswegen seine Teigflatschen kaufen. Spitze übrigens dessen Sprössling und eigentlicher Wurthie-Erfinder, der unter dem brüllenden Gelächter des ganzen Saales die erschütternde Feststellung macht: “Ich bin der Sohn meines Vaters.” Der echte Baschti hospitiert für einen Tag in der Bäckerei und hilft bei der Wurthie-Produktion, kann aber wohl besser singen als backen. Heute Abend kommt er mit “Monsta” von Culcha Candela”, übrigens einem Titel, den besagter Thomas Karaoglan seinerzeit in Staffel 7 auch schon gesungen hatte. Sebastian singt – wie immer – bestens, hat – auch wie immer – zwei verschiedene Schuhe an und muss sich während des ganzen Lieds den physischen Annäherungsversuchen eines ganzen Rudels “Monsta”-Tänzerinnen erwehren, die sich an ihm schubbern und sein Haar verwuscheln. Die Jury ist natürlich begeistert, obwohl Dieter die Songauswahl nicht hundertprozentig geglückt findet. Um seinen Verbleib im Wettbewerb macht sich niemand Sorgen und ich sehe in Sebastian Dnak des Bravo-Rückhalts einen absoluten Favoriten auf die DSDS-Krone von Staffel 8.
Als zweitletzten sehen wir nun Pietro Lombardi, den Clown und Tollpatsch, der aufgrund seiner Fußverletzung auch auf der Bühne auf Krücken angewiesen ist und deswegen für alle noch kommenden Shows eine Tanzbefreiung besitzt. Dabei würde er sich offensichtlich ganz gern mal bewegen, denn beim gemeinsamen Eröffnungstitel fuchtelte er aus der zweiten Reihe heftigst mit seinen Krücken herum. Die mediale Verwertbarkeit von Pietro ist extrem einfach, man muss ihn einfach nur in eine für ihn ungewohnte Situation bringen und mit der Kamera draufhalten – es passiert garantiert etwas Lustiges. Diesmal sind die Drehbuchschreiber auf die Idee verfallen, den Kandidaten zusammen mit Kumpel Ardian in ein piekfeines Restaurant zu verschleppen und zuzusehen, was er dabei alles verkehrt macht. Zunächst behält er die Kappe auf, dann weiß er nicht, wozu die Serviette da ist, kennt weder gesalzene Butter noch “Amuse-Gueule” und fragt zu guter Letzt, was denn bitte “Dessert” sei. Der Besuch hat sich fürs Fernsehen gelohnt und festigt Pietros Ruf als völlig verpeilter, aber liebenswerter Spinner. Heute Abend versucht er es noch einmal mit seinem im Recall grandios verunglückten “Qué Será, Será”. Während er selbst aus den bekannten Gründen nur auf einer bunten Tonne sitzen kann, hüpft eine Kinderschar um ihn herum und sorgt so wenigstens für etwas Bewegung. Tolle Idee von RTL, also an Professionalität mangelt es dort jedenfalls nicht! Die Jury ist sehr angetan, Dieter bescheinigt dem Kandidaten, bereits ein kleiner Star zu sein, Originalität könne man nicht kaufen, aber Pietro habe sie. “Wenn das so weitergeht, gehörst Du hier zu den absoluten Favoriten!”
Den Abschluss des ersten Teils der heutigen Show liefert schließlich Sarah Engels; sie singt “Release me” von Agnes. Zuvor sehen wir im Einspieler, dass sie für den fußkranken Pietro im DSDS-Knast so eine Art Supernanny geworden ist – sie kommt sogar auf Klingelzeichen. Ihre heutige Performance lebt wieder vor allem von den Tänzerinnen und Tänzern, Sarah selbst ist eher statisch und bewegt sich für einen “Partykracher” wenig. Der Jury gefällt es trotzdem, obwohl sie erkennbar mehr eine “Balladenqueen” sei, sagr Bohlen – und der muss es wissen.
Das war’s zunächst einmal, jetzt schaltet RTL um zum Boxkampf eines der Klitschko-Brüder gegen einen gewissen Herrn Solis aus dem malerischen Kuba. Nach endlosem Vorgeplänkel, gegen das selbst die DSDS-Ergebnisverkündung wie ein Schnellvorlauf wirkt, zerlegt es den Herausforderer von der Zuckerrohrinsel in Rekordgeschwindigkeit und die ganzen enttäuschten Zuschauer, die eigentlich auf eine gehörige Rauferei gewartet hatten, sehen sich verprellt und pfeifen. Wie schön, wenn man das Ganze nur als Aufzeichnung sieht und einfach weiterspulen kann. Denn so geht es sofort weiter mit der DSDS-Verliererehrung, ich mache es kurz: In die Zitterrunde müssen diesmal Ardian Bujupi (schon wieder), Zazou Mall und Norman Langen. Und die Rote Karte bekommt dann letztendlich Norman Langen, für ihn ist hier und heute Schluss, DJ Ötzi hat ihm kein Glück gebracht – was mich auch nicht besonders wundert. Ein weiterer sympathischer Kandidat verlässt damit den Wettbewerb, nun sind noch vier Herren und zwei Damen an Bord. Wäre mal spannend zu wissen, für wen die nunmehr verwaisten Schlagerfans ab der nächsten Sendung stimmen werden. Ich tippe mal auf Sebastian.
Nächste Woche ist übrigens Pause, zur Top-6-Show sehen wir uns dann erst am 02.04.2011 wieder. Bis denne!





