• Mahlzeit zusammen,

    Gastropapst Christian Rach ist vorzeitig aus dem Winterschlaf erwacht und präsentiert sich ab heute in einer neuen Staffel als Restauranttester. Eigentlich testet er die besuchten Restaurants nicht nur, sondern will sie vor dem Bankrott retten. So wie heute, wo er uns mitnimmt ins bayerische Freising. Hier betreibt Tanguy Doron sein Restaurant “La Petite France”, was bekanntlich auf Deutsch “Die kleine Fronkroisch” bedeutet. Wie man schon beim Namen ahnt, stammt Tanguy nicht aus dem Schwarzwald, sondern wirklich aus Frankreich. Zwar lebt er schon seit 25 Jahren in Deutschland, hat sich aber “eine szöne franszösiss Ackssoon” bewahrt, der im Fernsehen sicherheitshalber komplett untertitelt wird. Wie alle Franzosen, kann er selbstredend fabelhaft kochen, trotzdem läuft der Laden so schlecht, dass seine Frau Monika ihn mit ihrem eigenen Gehalt unterstützen muss. Letztere hat offenbar so langsam die Faxen dicke und ruft deshalb den weltbekannten Restaurantflüsterer aus Hamburg zu Hilfe.

    Schon die Anfahrt zum “La Petite France” offenbart ein, wenn nicht gar das Problem: Das Restaurant liegt ziemlich abseits in einem Wohngebiet und sieht von außen gelinde gesagt unscheinbar aus, geradezu stinklangweilig. Als Rach den Laden betritt, kommt der Besitzer Doron wie von der Tarantel gestochen hinter dem Tresen hervorgesprungen und gibt sich unendlich überrascht, dass der Meister ihn schon einen Tag früher beehrt, als eigentlich vereinbart. Gääääääähn, der Trick ist so alt, da sind seinerzeit nicht mal mehr die Neandertaler drauf reingefallen, aber bei unserem unwissenden kleinen Franzosen hat es tatsächlich mal wieder geklappt, Applaus für Rach!

    Der Hamburger lässt sich seine Gage von RTL offenbar in Naturalien auszahlen und bestellt deswegen gleich ein umfangreiches Mahl von Tanguys Speisekarte. “Damit starte ich und dann sehen wir weiter”, kündigt Rach seine extraordinäre Fressorgie an: Die Champagner-Zwiebelsuppe gefällt ihm noch tadellos, die gegrillten Sardinen enttäuschen dagegen und das Fisch-Ragout wird später nicht mal mehr erwähnt. Tanguy scheint ein ziemlicher Hektologe zu sein, er flitzt in der Küche zwischen den dampfenden Töpfen hin und her, hat gleichzeitig ein Handy am Ohr um seinen Sohn Maximilian als Verstärkung herbeizurufen und vergisst dabei in der Aufregung, Kräuter auf die Sardinen zu streuseln. Rach beißt voller Vorfreude in den seligen Meeresbewohner und schiebt den Teller dann schnell beleidigt beiseite, dieser Fisch ist umsonst gestorben, denn er wurde nicht gewürzt. Mon Dieu, quel Malheure! Tanguy windet sich, tief in seiner Ehre als Chef de Cuisine getroffen, das sei ein einmaliges Versehen gewesen! Doch danach kommt ein Fauxpas, den man nicht mehr entschuldigen kann: Den als Dessert bestellten Crêpe mit Apfelfüllung fabriziert der Franzose nicht etwa frisch, sondern per Mikrowelle. Schwacher Versuch, so etwas merkt ein Sternekoch natürlich mit Lichtgeschwindigkeit – besonders dann, wenn er vorher das Drehbuch gelesen hat…

    Nach einer Nacht zur Verdauung des Erlebten kommt Christian Rach am nächsten Morgen zurück. Heute will er in Tanguys Restaurant nach der “Seele Frankreichs” suchen, findet aber einzig ein Schwarzweißfoto an der Wand, mit einer eleganten Dame vor dem Eiffelturm, der Rest der Einrichtung würde auch in einer Pizzeria nicht auffallen. Das ist auch kein Wunder, denn tatsächlich war hier vorher ein italienisches Restaurant und Tanguy hat die Einrichtung einfach übernommen. “Ich fühle mich nicht wie in Frankreich”, resümiert Rach. Dann muss es eben über die Küche gehen, wo denn die Lebensmittel herkämen, fragt er Tanguy. Hmmm, erklärt der, die hole er höchstpersönlich alle drei Wochen aus Straßburg, von “Metro”. Bei dieser Auskunft bricht der Hamburger mit diabolischem Lachen fast zusammen: Das kann doch wohl nicht wahr sein, eine Fahrt von 370 Kilometer, nur um dann hinter der französischen Grenze bei einem deutschen Großmarkt einzukaufen… Der Großmeister kriegt sich kaum wieder ein.

    Nach dieser erschütternden Erklärung für die wenig authentischen Speisen im “La Petite France” beschließt Christian Rach lt. Drehbuch jetzt völlig spontan, auf der Stelle mit Tanguy Doron nach Straßburg zu fahren und die echte französische Gemütlichkeit zu suchen, die er hier in Freising so schmerzlich vermisst. Die beiden Männer sehen sich dort einige passende Bistros an, flanieren durch die engen Gässchen, schnuppern gallische Luft und Tanguy behauptet, nun klar zu sehen. Rach entwickelt die Idee von einer französischen Brotzeit mit Käse und Baguette.

    Daheim in Freising sprüht Rach vor Ideen, holt sogar schon einen Maler, während der sensible Franzose nicht so recht zu Potte kommt. Er kann sich zu keinen Entscheidungen durchringen. Welche Farbe? Welche Deko? Oder sollte man vielleicht doch lieber das Restaurant ganz schließen? (Natürlich nicht, sonst wäre ja die Sendung zu Ende.) Später in der Küche läuft Rach zu ganz großer Form auf, bastelt an französischen Gerichten mit Fleisch und Pflaumen, die schon fast durch den Fernseher duften, während Tanguy bei dem Tempo des Hamburgers kaum mitkommt. Merde! Eine neue, hochkomplexe Entscheidung muss getroffen werden: Soll man heute Abend inmitten frisch gemalter Wände und total im Umbruch befindlicher Küche das Restaurant öffnen und damit den Sternekoch für heute nach Hause schicken? Tanguy ist völlig überfordert, kratzt sich den Kopf, läuft hierhin und dorthin, entscheidet sich dann halbherzig, den Laden heute zuzulassen, blättert im Telefonbuch und fängt an, die reservierten Gäste anzurufen. Leider erreicht er nicht alle bzw. ruft die falschen Leute an und überlegt sich nun, heute Abend doch zu öffnen, will aber andererseits auch Rach nicht wegschicken und versucht stattdessen vergeblich weiter, seine Gäste zu erreichen…

    Christian Rach ist schwer genervt vom hektisch-chaotischen Treiben des kleinen Franzosen. Mit aschfahlem Gesicht stellt er ihn zwischen zwei Anrufversuchen zur Rede, empfiehlt ihm, entwaige Gäste doch einfach mit einer Flasche Champagner auf den nächsten Tag zu vertrösten und zieht sich dann kopfschüttelnd wieder in die brodelnde Küche zurück. Leider brummt er im Weggehen etwas von “Dummheit”, was Tanguy endgültig komplett aus der Bahn wirft, denn, so erklärt der hinterher, er könne zwei Worte überhaupt nicht ausstehen, nämlich “Faulheit” und eben “Dummheit”. Nun also ist der Freisinger Restaurantbesitzer völlig vergrätzt, dem Heulen nahe und Rach muss ihn trösten, das sei doch alles gar nicht so gemeint gewesen! Oh Wunder, aus dem Nichts zaubert dies das Lächeln auf das Gesicht des Franzosen zurück und wir erleben den Beginn einer wundervollen Freundschaft, sagt die Off-Stimme. Irgendwie haben Künstler doch alle einen Hau… ;-)

    Apropos “Künstler”, am nächsten Tag bringt Chrischan seinem alten Kumpel Tanguy einen ganzen Rollwagen voller Utensilien aus dem RTL-Fundus mit, damit will er etwas französisches Flair in das weiterhin teutonisch-triste Restaurant bringen. Wir sehen haufenweise gerahmte Bilder für die Wand, Tonkrüge und blau-weiß karierte Servietten für die Tische, ein Fässchen und zahlreiche Weinflaschen für die Bar und im Hintergrund singt mit einmal Édith Piaf ihr berühmtes “Non, je ne regrette rien”. Danach serviert der Hamburger zum ersten Mal seine neu kreierte französische Brotzeit mit Elsässer Flammkuchen, alle sind begeistert.

    Am letzten Tag ist die Neueröffnung des frisch dekorierten und auch gastronomisch umgestalteten “kleinen Frankreichs”. Die von RTL gemieteten und bezahlten Gäste (angeblich alles freiwillige Freisinger) bevölkern in hellen Scharen das noch nach Farbe riechende Etablissement. Zuvor gibt es einmal mehr Komplikationen, weil Chefkoch Tanguy sich wieder in dem von ihm selbst verzapften Chaos verstrickt. Erst ist das Küchenteam nicht vollzählig, dann ist plötzlich unklar, wann und wie viele Gäste man eigentlich erwartet und ob die Vorräte dafür überhaupt reichen. Der cholerisch-wirr herumgestikulierende und beständig brabbelnde Tanguy erinnert mich dabei sehr an Louis de Funès, einen anderen großen kleinen Franzosen. Am Ende kriegen unsere beiden Küchengenies aber doch gemeinsam die Kurve, die Premiere klappt, die Gäste scheinen begeistert und applaudieren sogar. Das war es erst einmal…

    Acht Wochen später ist Christian Rach wieder da, natürlich “ohne Voranmeldung” und kontrolliert sein Werk. Alles sieht gut aus, man habe viele neue Stammgäste gewonnen und der Laden brummt, berichtet Tanguy. Die Testbestellung des Sternekochs ergibt keinen Anlass für Beschwerden, alles sei großartig, befindet er. Und damit geht eine gemütliche, ja wirklich appetitanregende Folge mit sympathischen Darstellern zu Ende, bei der Christian Rach auch mal wieder so richtig in der Küche gefordert war. Ein unspektakulärer, aber gelungener Auftakt für die fünfte Staffel von “Rach, der Restauranttester”. (Wer es übrigens einmal selbst probieren will, findet hier den Online-Auftritt zum “La Petite France”.)

    Bis denne!

    Tags:

  • Gutes neues Jahr, liebe Fremdschämfans,

    2011 beginnt gleich mit dem Postskriptum zu einem Quotenhit im vergangenen Herbst: Christian Rach zelebriert “Das große Wiedersehen” in seiner Restaurantschule. Im echten Leben ist seit der letzten Folge etwa ein halben Jahr vergangen und RTL ist natürlich scharf darauf zu sehen, was aus den damals noch 9 verbliebenen Restaurantschülern geworden ist … und ob überhaupt. Solche Nachfassfolgen sind für das Fernsehen auch immer eine Spitzengelegenheit, haufenweise Filmschnipsel aus dem Archiv als Rückblenden einzustreuen, man will ja schließlich, dass auch neu hinzugekommene Zuschauer die Zusammenhänge kapieren. Die Wiederholung von Konserven kostet natürlich viel weniger als eine Neuproduktion, was die Beliebtheit dieses Themas bei Rachs Restaurantschule, seinem Restauranttester, Peter Zwegats Schuldnerberatung, Bauer sucht Frau usw. erklärt.

    Nach einigen endlosen Minuten mit den wichtigsten Szenen aus dem RTL-Archiv geht es schließlich doch los, Noch-Sterne-Koch Christian Rach betritt seine Neugründung “Slowman” im Hamburger Chilehaus, das angeblich immer schon monatelang im Voraus ausgebucht ist. In der Küche sind nur Jonny und Tim zu sehen, die anderen hätten Schichtdienst und seien deshalb unsichtbar, so der Meister.

    Moment, kurz mal anhalten, Jonny in der Küche? Der war doch früher immer im Service, zusammen mit seiner Flamme Nina! Während wir noch auf eine Erklärung vom Rach hoffen, wird erst mal eine längliche Verfilmung der wichtigsten Stationen aus Jonnys Kriminalkarriere eingeschoben, natürlich auch wieder von Konserve. Dann folgt so eine Art Interview, der Meister in Zivil, Jonny in weißer Kochschürze. Ja, ihm sei die Arbeit im Service zu langweilig gewesen, erzählt der junge Mann, da sei zu wenig Adrenalin bei, zu wenig Stress. Deshalb sei er nun in die Küche gewechselt. Rach reicht das als Motiv nicht und er bittet Hanno, einen der beiden Chefs des “Slowman” hinzu und man geht zu einer genaueren Examinierung des Falls in den oberen Gastraum. In Wirklichkeit habe es nämlich haufenweise Beschwerden von Gästen, Kollegen und Lehrern über den aggressiven und impulsiven Jonny gegeben, sagt die allwissende Stimme aus dem Off, und dem wolle Christian Rach nun nachgehen. So schlimm, wie vermutet, wird es dann aber doch nicht, Jonny wird nur vergattert, zukünftig noch mehr Gas zu geben, mehr für die Sache zu brennen. Und das war es dann auch schon, kein Rausschmiss, keine Degradierung zum Putzlappen, Rach ist und bleibt eben immer ein Gutmensch. :-|

    Nächster ist Tim, der Ex-Knacki mit dem grünen Küchen-Daumen, der von Christian Rach am Ende des Praktikums gleich als vollwertiger Koch eingestellt wurde. Hier scheint weiterhin alles gut zu laufen, trotz privater Schicksalsschläge und gesundheitlicher Probleme hat Tim sein Leben offensichtlich gut im Griff. Rach ist rundum zufrieden und stellt ihm sogar eine Gehaltserhöhung im nächsten Jahr (2011) in Aussicht. :-)

    Nicht so gut ist es dagegen bei Jasmina gelaufen. Schon bei ihrem ersten Auftritt in der Restaurantschule kam sie wegen eines abgefallenen Auspuffs volle fünf Stunden zu spät zum Vorstellungstag und irgendwie ist sie ihrer Unzuverlässigkeit wohl treu geblieben. Nach diversen “Verfehlungen und Vorkommnisse” (leider keine Details) hat man sich im “Slowman” mittlerweile von ihr trennen müssen. :-(

    Zwar noch da, aber irgendwie auch halb weg, ist Nina. Christian Rach trifft die 19jährige ziemlich in sich gekehrt, wenn nicht gar depressiv, beim Serviettenfalten. Ach, es sei alles so doof, die Restaurantchefs Hanno und Frank seien immer so grob zu ihr und hielten sie für blöd, weil sie so oft nachfragen müsse. Rach kitzelt aus ihr heraus, dass sie sich momentan sehr um ihr einjähriges Kind sorgt, das bei seinen Großeltern, also ihren Eltern, aufwächst. Sie sieht den Sohn nur noch am Wochenende, kriegt seine Entwicklung nur noch etappenweise mit und neulich habe der Kleine zu seiner Oma sogar schon “Mami” gesagt. Als sie das erzählt, bricht Nina heftig in Tränen aus und Rach muss sie erst einmal väterlich in den Arm nehmen. Warum sie das denn nicht auch mal Hanno und Frank erzählt habe, fragt der Meisterkoch, Außenstehende sähen immer nur ihre toughe, arrogante, perfekt geschminkte Fassade und nicht das Unglück dahinter. Okay, verspricht Nina, sie will zukünftig ihre Probleme offener mit den Vorgesetzten besprechen. Rach gibt sich zufrieden, ich ahne aber seine Zweifel, ob die Sache damit wirklich schon geklärt ist. :-|

    Nun geht es leider sehr betrüblich weiter. Hanno und Frank berichten ihrem Oberchef Rach, dass Can und Nourddine momentan nur noch durch entschuldigte und unentschuldigte Abwesenheiten glänzen, die hätten seit dem Sommer noch nicht zwei Wochen am Stück ohne Fehltage hingekriegt und hätten sich auch heute gerade krank gemeldet. Christian Rach beschließt, die beiden Zuhause aufzusuchen, natürlich mit dem Fernsehteam. “Zufällig” trifft er vor Ort an einer Bushaltestelle Marco (der eigentlich in der Berufsschule sein sollte) und Can. Letzterer rennt sofort weg, obwohl sein Arbeitgeber ihm hinterher ruft, stehen zu bleiben. Und das war es dann mit dem Pizza-Experten, Rach spricht sofort das vernichtende Urteil, den Ausbildungsplatz ist Can los. :-( Nun also zu Marco, der sich mit ein paar halbgaren Ausflüchten verhaspelt, weshalb er jetzt gerade hier und nicht in der Schule sei. Der Rach runzelt die meisterliche Stirn, schimpft in die Kamera etwas von wegen Riesenchance verspielt, Ernsthaftigkeit vermisst etc. und bestellt den Sünder für den Nachmittag ins “Slowman” ein.

    Dann betritt der Fernsehkoch die leicht heruntergekommene Mietskaserne, in der Nourddine, sein ehemaliger Hoffnungsträger residiert. Dessen Durchhaltevermögen hatte Rach schon im Sommer in Frage gestellt und ihm deswegen noch keinen festen Ausbildungsplatz angeboten, sondern erst einmal das Praktikum um ein halbes Jahr verlängert, danach wollte man weitersehen. Die Ahnung hat offenbar nicht getrogen, Nourddine macht heute nach Rachs Klingeln noch nicht einmal die Tür auf, obwohl man dahinter durchaus Geräusche hört. Diese Missachtung nimmt uns Chrischan nun aber doch ziemlich mit, schwer enttäuscht spricht er noch ein paar deprimierte Sätze in die Kamera und steigt tief gebeugt die Treppe wieder hinunter. Auch Nourddine habe damit sein Beschäftigungsverhältnis im “Slowman” verspielt, ergänzt die Off-Stimme. :-(

    Am Nachmittag erscheint Marco ziemlich kleinlaut zum verordneten Anschiss beim Chefchef im “Slowman”. Der wirft ihm vor allem seine extremen Stimmungsschwankungen vor, wenn er gute Laune habe, übertrage sich sein Grinsen wie ein Sonnenschein auf alle Kollegen und Gäste, aber wenn er mies drauf sei, ziehe er damit alle runter. Marco erklärt, bei dem Projekt bleiben zu wollen und verspricht, sich zukünftig mehr Mühe zu geben. Hand drauf, der Ex-Berliner und der Hamburger sehen sich in die Augen und wollen es weiterhin miteinander versuchen. :-)

    Nun zu einer echten Erfolgsstory: Angelika, mit 45 Jahren die älteste Projektteilnehmerin, weiß wohl am besten, was ihr ohne diesen Job droht, nämlich Hartz IV. Dementsprechend ernst nimmt sie ihre Aufgabe und wird von Rach als “Fleißbiene” bezeichnet, die man häufig wegen ihres selbstlosen Einsatzes bremsen müsse, damit sie sich nicht völlig verausgabe. Sie tut genau das, was der Küchenchef eigentlich auch von seinen jüngeren Praktikanten erwartet hätte, sie brennt ohne Ende für das “Slowman”. Schon allein wegen ihr, Angelika, habe sich das ganze Projekt gelohnt, egal was auch immer bei den anderen noch geschehe. Applaus, tiefer kann man sich eigentlich nicht mehr verneigen! :-)

    Nun fehlt nur noch eine: Christian Rachs ganz besonderes Sorgenkind Rena. Wir erinnern uns, sie hatte wegen ihrer Korpulenz schlimme Probleme mit ihren Plattfüßen, die viele Lauferei im Service machte ihr schwer zu schaffen und deshalb bekam sie – wie Nourddine – zunächst nur einen Bewährungsvertrag für ein halbes Jahr. Inzwischen ist sie aber eine der ganz zuverlässigen, unermüdlichen Stützen des Restaurants geworden und der Gastropapst übrbringt ihr beim Besteckpolieren die frohe Botschaft, dass er ihr Praktikum zum Jahresbeginn in ein richtiges Ausbildungsverhältnis umwandeln will. So gibt es denn am Ende dieser Sendung noch ein paar Freudentränchen. :-)

    Wie die Gallier am Ende jedes Asterix-Abenteuers, so sitzen auch unsere “Slowman”-Helden zum Schluss dieser Sendung in einer gemütlichen Runde zusammen. Christian Rach verkündet dem Team das Ausscheiden von Can und Nourddine, dankt aber gleichzeitig auch allen, die sich so viel Mühe geben, auch Hanno und Frank, den Restaurantleitern. Das “Slowman” sei auf einem betriebswirtschaftlich guten Kurs und biete damit eben auch Bewerbern vom dritten Arbeitsmarkt eine Chance, die anderswo niemals eingestellt würden. Man werde weiterhin das Personal auch in diesem Bereich akquirieren, so dass wir wohl mit einer Fortsetzung dieses Serie in einer zweiten Staffel rechnen dürfen.

    Zunächst geht es aber schon am nächsten Montag weiter mit Christian Rach, dem Restauranttester, unterwegs als Einzelkämpfer gegen den schlechten Geschmack. Wir sind mal gespannt, welche gastronomischen Perlen und schwarzen Löcher er uns in der fünften Staffel seines Quotenrenners präsentieren wird.

    Bis denne!

    Tags:

  • Liebe Freunde der gepflegten Reality-Soap,

    heute geht es um alles in Christian Rachs öffentlicher Restaurantschule für sozial Benachteiligte: Die erste Staffel dieses erfolgreichen Formats soll mindestens für einige der verbliebenen 9 Schüler mit einem Ausbildungsvertrag beim Hamburger Meisterkoch enden.

    Wären wir bei DSDS, müssten die letzten Kandidaten jetzt um die Wette kochen, während Dieter Bohlen sie nach Lust und Laune herunterputzen würde. Eindeutiger Gewinner wäre dann garantiert Tim, denn der hat ja bekanntlich schon mal im Knast gesessen und das zieht bei Bohlen immer, siehe Menowin. (Abgesehen davon, ist Tim aber zufällig auch wirklich der beste Kochschüler – Kunststück, er hat ja auch schon eine Kochausbildung im Gefängnis hinter sich.)

    Bei Rach im Restaurant “Slowman” läuft das natürlich alles viel humaner. Er nimmt sich einige Schüler einzeln vor und testet noch ein letztes Mal ihre Motivation. Als erstes kommt Jonny, der gelegentlich mal aneckende Hamburger aus dem Service-Team. Rach fragt ihn zunächst über sein Techtelmechtel mit Kollegin Nina aus. Nönö, er könne Dienstliches und Privates gut trennen, erklärt der Jugendliche, das hätte er mit seiner Freundin abgesprochen. So nenne sie ihn auf der Arbeit immer nur “Jonny”… [Pause, Rach stutzt] “…und privat wohl immer »Schatzi«?”, vermutet der Meister und trifft damit voll ins Schwarze. Jonny und sein möglicher zukünftiger Chef lachen heftig. Danach macht Rach ihm aber noch einmal klar, dass er jetzt alles geben müsse, wenn er wirklich einen Ausbildungsplatz wolle.

    Das anschließende Gespräch mit Nina geht da sehr schnell sehr viel tiefer, denn die wird auf einmal ganz ernst und berichtet dem Sternekoch, wie sehr das Praktikum ihr Leben verändert habe und dass sie das alles auch für ihren einjährigen Sohn mache. Schluck, da kommt der gutherzige Rach ja nachher wohl kaum um einen Ausbildungsplatz herum, möchte ich meinen.

    Nun gibt es aber zunächst mal wieder eine echte Bewährungsprobe à la Rach. Der hat nämlich ein paar hungrige Bekannte mit ausgeprägter Kritikfähigkeit zum Testessen gecastet. Die Leute sollen in die Rolle von meckerigen Querulanten schlüpfen und die Küchenschüler an ihre Grenzen bringen. Die denken nämlich, es handele sich um zufällig angesprochene Passanten. Es kommt, wie es kommen muss: Die Gästemeute mäkelt schon beim Reinkommen über den Farbgeruch im “Slowman”, einem Graukopf hat das Bier zu wenig Schaum, Rena weiß nicht, ob es alkoholfreies Bier gibt und so weiter. In der Küche trifft eine riesige Bestellung quer durch die Speisekarte ein und hinten in der Ecke reibt sich ein höllisch vergnügter Rach die Hände wie ein Erstklässler beim Klingelstreich.

    Die Küche brummt und läuft, hingegen hängt es mal wieder etwas beim Service. Rena hat prompt vergessen, welcher ihrer Gäste eigentlich was bestellt hatte, aber immerhin war der Tisch richtig getroffen. Jasminas Graukopf will wohl seinen – hoffentlich – einmaligen Fernsehauftritt voll auskosten, reklamiert erst den zu warmen Wein und mimt dann einen Fischallergiker, der Flusskrebse in seinem Essen entdeckt hat und empört den Teller zurückgehen lässt. Warum er sich mit einer solchen Diagnose überhaupt Sushi bestellt, bleibt allerdings sein Geheimnis.

    Am Ende löst Rach die Situation auf, lässt die gesamte Service- und Küchencrew im Gastraum antreten und bittet um Manöverkritik vom Publikums. Die fällt sehr milde aus, man habe zwar hier und da noch ein paar Unregelmäßigkeiten entdeckt, aber die seien durch den Charme und die Einsatzfreude der Praktikanten wettgemacht worden. Besonders Jonny wird dabei gelobt, was Christian Rach sicherlich insgeheim vermerkt hat. Der zieht ein positives Fazit dieses Abends, die Vor-Vorpremiere habe gut geklappt und das sei heute “nicht mal ein blaues Auge”  gewesen.

    Auch mit Can und Nourrdine führt der Meister “zwischen Tür und Angel” kurze Gespräche. Beide wollen unbedingt einen Ausbildungsplatz haben, Rach ist sich angeblich aber unsicher, ob Nourddine nicht doch noch etwas zu jung ist für den Job. Uhhhhh, betretenes Schweigen, dramatische Hintergrundmusik…. Wir werden sehen….

    Der nächste Tag gehört der Öffentlichkeitsarbeit. Zunächst schickt der Küchenmeister seine Eleven mit Werbeflyern in die gesamte Umgebung des Chilehauses. Der Eröffnungstag naht nämlich schnell, am Freitag um 12 Uhr geht es unwiderruflich los. Mittags fallen die Hamburger Journalisten im “Slowman” ein, werden von Christian Rach begrüßt und dürfen anschließend Nasen, Mikrofone und Kameras in jeden Winkel des neuen Restaurants stecken. Küche und Service laufen derweil auf Hochtouren und versorgen die Pressemenschen mit allen Menüs der Speisekarte. Überall herrscht gute Stimmung, das Essen scheint anzukommen, die Reporter sehen zufrieden aus, die gute Laune überträgt sich auch auf den Service und von dort in die Küche. So langsam kann ich mich des Eindrucks nicht ganz verwehren, dass Chef Rach wohl irgendwie ein goldenes Händchen für Gastronomie haben muss. Was er anfasst, scheint zu klappen, der Mann ist phänomenal.

    Am folgenden Tag gibt Christian Rach seine Entscheidung bekannt, wer einen der begehrten Ausbildungsplätze bekommen soll. Die Praktikanten, ihr Lehrmeister und seine zwei Gehilfen Hanno und Frank, die zukünftigen Restaurantchefs, setzen sich an einen der schönen neuen Tische im komplett renovierten Restaurant. Man riecht förmlich die frische Farbe aus dem Fernseher – und den Angstschweiß bei den 9 Schülern. Um es kurz zu machen: niemand muss gehen, die allermeisten bekommen Ausbildungsplätze im “Slowman”. Tim hatte ja schon im Knast eine Kochlehre gemacht und wird deswegen ohne weiteres Federlesen und zu einem normalen Gehalt für die Küche eingestellt. Angelika will man mit ihren 45 Jahren keine reguläre Ausbildung in der Berufsschule mehr zumuten (da wäre sie vermutlich auch irgendwie ein Paradiesvogel im negativen Sinn). Stattdessen wird sie ebenfalls für ein normales Gehalt angestellt und bekommt eine rein betriebliche Ausbildung in der Küche. Nourddine und Rena erhalten so eine Art Bewährung für ein halbes Jahr. In der Zeit sollen sie Motivation (Nourddine) und körperliches Durchhaltevermögen (Renas Füße) beweisen. Falls das gut geht, dürfen sie dann im Winter mit der regulären Ausbildung beginnen. Na, das sind doch gute Nachrichten! Alle sind mehr oder weniger zufrieden und feiern mit Schampus und Musik draußen vor dem Slowman.

    Letzter Tag, donnerndes Finale und Happy-End: Die Eröffnung kommt und wird von den bisherigen Praktikanten, die nunmehr alle zu Azubis oder Angestellten geworden sind, souverän bewältigt, “als hätten sie nie etwas anderes gemacht”, wie die Off-Stimme vermerkt. Die Gäste sitzen draußen im Sonnenschein unter den gelben Schirmen und mümmeln scheinbar zufrieden die 5-Euro-Eröffnungsmenüs. Zufrieden ist auch Gutmensch und Meisterkoch Christian Rach, dass sein Plan aufgegangen ist, ein paar Menschen mit mehr oder weniger entgleisten Biografien eine (ggf. letzte) Chance für ein normales Berufsleben zu geben. Und das auch noch vor der Kamera, wo es in den letzten Wochen jeder RTL-Zuschauer sehen konnte. SUPER! Das Bundesverdienstkreuz scheint ihm sicher.

    Wie geht es nun weiter mit Christian Rach? Auf RTL laufen schon die Casting-Aufrufe für verzweifelte Gastwirte, ab Januar 2011 wird es nämlich eine neue “Restauranttester”-Staffel geben. Vielleicht klappt ja aber auch irgendwann mal so ein Crossover, von dem ich immer geträumt habe: Rach goes Zwegat! Die beiden heilen als “Dynamisches Duo” quasi ganzheitlich die unfähigsten Restaurantbesitzer der Republik. Während Zwegat kopfschüttelnd die Schulden addiert, ekelt sich Rach in der Küche den Wolf. Der eine besorgt dann frische Knete, derweil der andere die Speisekarte auf Vordermann bringt. Am Ende geben sie sich dann immer “High five” und schlendern Arm in Arm in den Sonnenuntergang.

    Und zu Weihnachten könnte ja noch mal ein ganz anderes Küchen-Special in Erfüllung gehen, das wäre dann allerdings sogar ein Sender-Crossover (vielleicht liest das ja mal ein RTL-Mensch): Christian Rach besucht im Westerwald ganz überraschend den Schrottverwerter-Clan der Ludolfs. Dort zaubern er und der dicke Peter in der versifften Drecksküche deftige Menüs aus dem Ludolfschen Konservenfundus und hinterher wird Rach unter dem Plastiktannenbaum feierlich als Ehrenbruder in die Familie aufgenommen. Ach, was könnte das schön sein…

    Aber nun ist Schluss, die erste Staffel der Restaurantschule ist bereits Geschichte und muss ganz schnell den Sendeplatz räumen, denn bereits in der nächsten Woche sehen wir an dieser Stelle Inka Bause mit einem Neuaufguss ihrer derb-debilen Agrarkuppelshow “Bauer sucht Frau”. Natürlich auch hier auf Mülltv!

    Bis dann, man liest sich!

    Tags:

  • Hi Fans,

    bevor es losgeht, bitte ich um eine kurze Schweigesekunde für den Meister: Christian Rach, das Gastrogenie von der Elbe, hat nämlich mit seinen Serien “Rach – Der Restauranttester” und  “Rachs Restaurantschule” den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie “Bestes Dokutainment” abgeräumt. Das sollen ihm Peter Zwegat, die Ludolfs oder wie sie alle heißen mögen, erst mal nachmachen!

    Der so Ausgezeichnete kommt mit seinen zehn verbliebenen Kochpraktikanten so langsam in die kritische Phase. Es sind nur noch zwei Wochen bis zur Eröffnung ihres Restaurants “Slowman” im Hamburger Chilehaus (gleich beim Hauptbahnhof um die Ecke). So wenig Zeit und soooo viel noch zu lernen.

    Nourddine kocht heute unter Frank oder Hannos gestrengen Augen Pak-Choi mit Tofu und Sesam-Vinaigrette. (Tut mir Leid, die beiden Nebenköche kann ich einfach nicht auseinander halten, also der mit den Koteletten ist gemeint.) Vielleicht hätte Nourddine das Rezept mal in Ruhe in des Meisters Evangelium “Das Kochgesetzbuch” nachlesen sollen. Hat er aber nicht, denn Lesen ist bekanntlich Knochenarbeit. Prompt eckt er an, weil er mit dem Knoblauch zu großzügig umgeht und Scheiben und Zehen verwechselt. Die Pfanne kann er direkt in den Mülleimer leeren. Im zweiten Versuch wird bei ihm aus dem geforderten einen Spritzer Zitrone gleich die halbe Limette, das Gemüse ist völlig sauer, der hinzugekommene Rach ebenfalls und Nourddine darf den Krempel Stante pede wieder entsorgen. Die sind aber auch pingelig, diese Weißkittel…  :-)

    Rach, der Hochdekorierte, kommt andrenalinmäßig so langsam wieder auf Touren. Eben noch stinkig mit Nourddine, der doch glatt sein (Rachs) Meisterwerk nicht gelesen hat, geiert er sofort auf den nächsten Tiefschlag. Dafür sind die  Service-Praktikanten immer gut. Wir erinnern uns schadenfroh an die letzte Woche, als Nina bei der Herkunft des Weines Cháteau Lagrange doch glatt Bordeaux und Beirut verwechselte. Naja, fängt beides mit “B” an. Diesmal examiniert Rach wieder Marco, eines seiner Lieblingsopfer. Der ist nicht gerade das, was man eine Rampensau nennt, lieber würde er sich vermutlich beim Erscheinen des ersten Gastes im Schrank verstecken. Er spricht so leise, dass Rach direkt mehrmals nachfragen muss, bis er ihn richtig versteht. Und das, was er dann versteht, will er sicher lieber gar nicht gehört haben. Marco verheddert sich nämlich hoffnungslos beim kleinen Salat-Einmaleins. Caesar Salad, Slowman-Salat, Römersalat, boah, da soll noch einer durchsteigen. Das steht zwar alles schon seit 14 Tagen auf der neuen Speisekarte, aber für Marco ist das offenbar doch alles viel zu kompliziert.

    Gott sei Dank folgt an dieser Stelle eine Ablenkung durch Paul, der erst jetzt mit gehöriger Verspätung aus dem Wochenende zurückkommt. Er war Zuhause noch bei seinem “Leib- und Magendoktor”, hat angeblich so komische Stiche hier und da, die Schmerzen strahlen hierhin und dorthin aus und das Ganze könne vielleicht am Stress liegen, Genaues weiß man nicht. Rach pflegt nebenher offenbar auch noch einen Faible für ganzheitliche Medizin und Psychosomatik und ist sofort angetan von dieser komplexen Diagnostik. Paul bittet den Meister für den nächsten Tag zu einer Aussprache und alle ahnen: Da kommt was!

    Tatsächlich eröffnet der pausbäckige Wonneproppen aus Köln am anderen Morgen der Ausbildungscrew, dass er das Projekt verlassen wird. Er fühle sich insgesamt nicht wohl, habe zu viel Stress und wolle lieber etwas anderes machen. Was das genau sein wird, weiß er noch nicht, aber das wird sich wohl noch von selbst ergeben. Paul wird mit einem gemütlichen gemeinsamen Mittagessen im gerade eingetroffenen neuen Mobiliar des “Slowman” verabschiedet. Bei der Gelegenheit examiniert Christian Rach auch die Zukunftspläne seiner anderen Praktikanten. Von Nourddine wolle er noch mehr Einsatz sehen. Und den “Glanz in den Augen”, so wie vorhin, als er Nourddine gerade für sein professionelles Gurkenschnibbeln gelobt hatte. “Nur wenn Ihr strahlt, bezaubert Ihr die Gäste… [Kunstpause] …stimmt das, Jonny?” Upps, da hat Rach den gerade etwas wegdösenden Youngster kalt erwischt. “Richtig”, stammelt der rein instinktiv, aber völlig hohl. “Was hab’ ich denn gesagt?”, bohrt Rach weiter. “Ausstrahlung, man muss Ausstrahlung haben, Ausstrahlung überstimmt die Gäste!” Mit dieser verblüffenden Aussage erweist sich Jonny als idealer Kandidat für die Ein-Personen-Version von Stille-Post. Sein albernes Kichern macht den Gastropapst dann erst so richtig wütend: “Gib mir einen Grund, warum ich Dich nicht auch nach Hause schicken soll! Wo ist bei Dir die Ernsthaftigkeit?”, herrscht er ihn an. Dramatische Hintergrundmusik, betretenes Schweigen, der Boden tut sich auf, verschlingt Jonny aber nicht. Im Gegenteil, der fühlt sich verkannt, mault herum und kotzt sich draußen vor der Kamera aus: “Ich find’s Scheiße, dass Herr Rach mich so einschätzt.” Das ist schon eine echte Tragik mit Leuten wie Jonny. Immer werden sie von allen Leuten um sie herum falsch eingeschätzt. Wie hat doch mal jemand Schlaues gesagt: “Wenn einem auf der Autobahn immerzu Autos entgegenkommen, sollte man sich fragen, ob man nicht vielleicht selbst ein Geisterfahrer ist!” So ein bisschen Selbstreflexion könnte Jonny nicht schaden, genug Momente zum Innehalten dürfte er doch eigentlich schon gehabt haben, wenn ich mal an die Sache mit dem Gericht denke.

    Rach beschließt, seinen Praktikanten keine Ruhepause zu gönnen und lädt flugs für den nächsten Abend seine Handwerker zu einer Party ins “Slowman” ein. Bei dieser Gelegenheit sollen in der geschützten Umgebung mit “freundlichen” Gästen noch einmal alle Rezepte und Handgriffe geprobt werden, bevor dann in gut einer Woche die tatsächliche Eröffnung stattfinden wird. Die Service-Crew geht noch einmal zum Frisör und bekommt ein etwas cooleres Outfit, die neuen Tische, Stühle und Sofas werden richtig positioniert und schönere Lampen installiert.

    Bei der Handwerkerparty am nächsten Abend zeigt sich dann, wo es noch kneift. Marco ist im Umgang mit Gästen noch immer sehr gehemmt und flüstert sich die Getränkekarte nur leise in den nicht vorhandenen Bart. Am Ende verstehen die Gäste dann aber, dass es momentan nur Wasser, O-Saft und Bier zu trinken gibt. Auch das restliche Team ist ziemlich aufgeregt. So lässt Angelika beim Sushi-Rollen versehentlich die Hälfte weg, was Frank als anerkannter Experte für toten Fisch mit Algen aber sofort erkennt. Im Service geraten Jasmina und Rena aneinander, weil die eine der anderen nicht Bescheid gesagt hat, dass in der Küche ein paar Teller Sushi zum Raustragen fertig sind. Dann kriegen sich Jasmina und Marco in die Klotten, weil der nämlich verschlafen hat, dass sein Tisch noch nicht bedient wurde. “Wieso mein Tisch, das ist nicht mein Tisch, das ist Renas Tisch!”, kommt die Replik. “Gut, dass das jetzt passiert.”, sagte bei Loriot der Staubsaugervertreter – und der Spruch passt auch hier. Echte Gäste hätten sich vermutlich schon längst beschwert, aber die eingeladenen Handwerker nehmen alle Verzögerungen und Unzulänglichkeiten mit Gleichmut hin. Immerhin sind sie bei der Gelegenheit ja auch im Fernsehen, muss man bedenken. Und einem geschenkten Gaul guckt man bekanntlich auch nicht ins Maul, gell?

    Angesichts zweier in der Küche nicht abgeholter, langsam welk werdender Sushi-Teller kriegt Großmeister Rach aber nun doch wieder die Krise. Er lässt alle Kellner-Praktikanten in der Küche antreten und liest ihnen schnell nochmal ambulant die Leviten. Dann geht es weiter mit dem nächsten Gang: Nudeln im Pergament. Ofenexperte Can vermackelt zwischendurch eine Ladung Chilehaus-Pizza, weil er die Tomatensauce zu früh auf den Teig gestrichen hat und der dann eklig durchsifft. Rachs Magengeschwüre fangen an zu klingeln: “Kinder, jetzt haben wir schon die erste Verzögerung, macht hinne, macht hinne!” Aber das Antreiben macht sich bezahlt, alle spuren und geben Gas und die 20 Gäste sind am Ende zufrieden. Rach auch, er entlässt seine Praktikanten mit einem Dankeschön für den guten Einsatz in den verdienten Feierabend. Aber der Weg ist noch lang, unkt er später privat in die Kamera und wedelt dabei passend mit den Armen, sonst wäre ja auch die Spannung für die nächsten Folgen im Eimer.

    Schon am nächsten Tag kommt die nächste Herausforderung, denn Christian Rach hat fieserweise gleich noch eine Abendparty angesetzt. Und zwar mit den Familien der Praktikanten als Überraschungsgäste – aber die wissen da noch gar nichts von. Zwischendurch gibt es ein kleines Kriseninterventionstreffen von Rach und Rena, deren Füße machen nämlich mal wieder Probleme. Auch wenn die übergewichtige Praktikantin schon 10 Kilo abgenommen hat, bleiben immerhin noch 125 Kilo übrig und das ist eben auf Dauer doch etwas viel für nur zwei Füße. Auf die Schnelle lässt sich da aber nichts dran machen und Rena bleibt nur, die Zähne zusammenzubeißen. Nach ein paar warmen Worten vom Meister trocknet sie ihre Tränen und macht wieder mit.

    Als die Überraschungsgäste um 19 Uhr plötzlich ins “Slowman” strömen, herrscht dort riesige Freude und es gibt auf allen Seiten feuchte Augen. Diesmal klappt alles noch viel besser als am Vortag bei der Handwerkerparty, auch wenn haufenweise störende Verwandte unbedingt die Küche besichtigen und dort ein Erinnerungsfoto mit den Praktikanten schießen müssen. Am Ende des Abends sind alle glücklich, es herrscht Friede, Freude, Eierkuchen, eine Stimmung etwa so wie damals bei den Waltons. Und Gutmensch Rach mittendrin, der fühlt sich offensichtlich wie ein stolzer Papi von neun Kindern gleichzeitig. Naja, irgendwie hat er damit ja auch Recht.

    In der nächsten Folge kommt nun wirklich der Endspurt. So langsam muss ausgewürfelt werden, wer einen der begehrten Ausbildungsplätze im “Slowman” abkriegt und ob so kurz vor dem Ziel noch jemand das Handtuch wirft. Werden Renas Füße noch so lange durchhalten? Wird Jonny endlich mal richtig wach? Behält Nourddine den Glanz in den Augen und kann er damit auch Marco anstecken? Wir werden es erleben in der nächsten Folge von “Rachs Restaurantschule”.

    Bis dahin Guten Appetit!

    Tags:

  • Hallo Leute,

    na, schon Appetit? Wäre gut, denn es geht jetzt wieder in Christian Rachs Kochinternat. Der von sich und seiner Mission sehr überzeugte Gutmensch aus Hamburg gibt 12 zu kurz gekommenen Jugendlichen die vielleicht einzige Chance ihres Lebens auf einen Ausbildungsplatz in seinem Etablissement “Slowman”. Hmmm, an dem Satz stimmt einiges nicht: Erstens hat Rach gar nicht mehr 12, sondern seit Janinas Abgang nur noch 11 Jünger Schüler und zweitens muss man den Begriff “Jugendliche” ein wenig dehnen, denn die übereifrige Angelika wandelt mit ihren biblischen 44 Jahren eher auf Heesters Spuren und auch Sorgenkind Collin ist immerhin schon 28 Jahre alt.

    Apropos Collin, da war ja aus der letzten Folge noch die Frage offen, wohin der Gute denn eigentlich so plötzlich verschwunden ist, ob etwa seine Freundin bereits ihr (bzw. auch sein) Kind gekriegt hat oder, falls nicht, welche Hinrichtungsart sich der Küchenchef für ihn überlegt hat. Wie der Zufall es will, filmen die RTL-Menschen gerade draußen vor dem “Slowman”, als plötzlich Collin wieder auf der Bildfläche erscheint, seine unübersehbar immer noch schwangere Freundin im Schlepptau. Er hatte wegen eines kurzen Intermezzos im Knast leider keine Gelegenheit, seinen Arbeitgeber zu informieren. Das Gespräch mit Christian Rach ist kurz, aber schmerzvoll, denn der verzeiht ihm nicht! Der mehrfach aufgestockte “Kredit” ist weit überzogen, es gibt keine Basis mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und er wünscht Collin nach nur wenigen Sätzen schlicht alles Gute für die Zukunft, das war’s. “Geh’ mit Gott, aber geh’!”, möchte man ihm zurufen. Nach einer kurzen Umarmung seiner von ihm enttäuschten Freundin trollt sich der nun wieder arbeitslose werdende Vater aus dem Licht der Öffentlichkeit.

    Rach hingegen ist heute eigentlich ganz gut drauf, denn endlich ist die Küche im “Slowman” fertig. Das wird auch Zeit, denn in drei Wochen soll das Restaurant im Chilehaus bereits eröffnet werden. Während die Schüler des Service-Bereichs die 2.000 Geschirr- und ebenso viele Besteckteile auspacken, wird in der Küche die neue Speisekarte rauf- und runtergekocht. Nebenkoch Frank, der zuweilen auch mit cholerischen Auftritten glänzt, hat dazu DIN-A4-Fotos aller angebotenen Menüs an die Wand getackert. Besonders Can freut sich über den kleinen Pizzaofen, für den er verantwortlich werden soll.

    Immer auf der Suche nach einem Wutanfall, ist Christian Rach wieder fündig geworden: Er fragt seine Schüler vom Service über die Speisekarte aus. Leider sind sie alle nicht in der Lage, die Zusammensetzung der sieben Hauptmenüs auch nur ansatzweise zu erklären. Rena verhaspelt sich beim Ziegenkäse-Spinat-Ravioli, Marco will ihr zu Hilfe kommen und gerät dabei voll in das Fadenkreuz des Meisters. Was Rindfleisch-Curry ist, will der nun von dem jungen Berliner wissen. Verlegenes Hüsteln, Schweigen, Fehlanzeige. Am Umfang der Speisekarte könne es nicht liegen, vielleicht seien sie ja auch einfach nur zu blöde für ihren Job, mutmaßt Rach, verzieht sich schnell in die Küche und kriegt dort einen seiner beliebten Wutanfälle. Nach einigen Minuten hat sich seine Laune soweit gebessert, dass er zu den Service-Eleven zurückkehren kann, ohne ihnen physische Gewalt anzutun.

    Die Gewalt tut sich dann kurze Zeit später Can selbst an, als er sich beim Hantieren mit einem Messer kräftig in die Hand sticht, stark blutet und zum Nähen ins Krankenhaus muss. Für die nächsten zwei Tage ist er vom Küchendienst suspendiert. Dabei bräuchte man ihn dort dringend, denn Rach hat sich mal wieder eine neue perfide Aufgabe ausgedacht: Die verbliebenen 10 Schüler sollen für ihn und die anderen drei Ausbilder in eigener Regie drei Menüs inkl. Vorspeisen und Desserts kochen. Tim übernimmt dabei recht professionell die Küchenregie, Marco leitet eher dilettantisch den Service. Letzterer wirkt einigermaßen überfordert, als er sich den Namen des Appetitanregers, der sog. Amuse-Gueule, zu merken versucht: Thailändischer Kokos-Cappuccino. Er verdreht die Augen, fragt bei Tim noch mal nach, was da drin ist, fragt saudämlich “schmeckt das denn?” und geht dann sichtlich verunsichert ab in Richtung Gästeraum. Todsicher wird Rach ihn wieder examinieren…

    Paul, der Abiturient aus “gutem Hause”,  ist permanent hungrig, obwohl (bzw. weshalb) er eigentlich ziemlich wohlgenährt aussieht. Wenn es ums Abschmecken, Vorkosten und Resteverspeisen geht, ist er immer vorn dabei. Und die Dauermümmelei schadet nicht nur seiner Linie, sondern könnte auch die heutige Aufgabe gefährden, denn Paul schielt verdächtig oft zu den Mustertellern mit den drei Menüs, die Tim in der Küche für seine Schülerbrigade als Vorlage hingestellt hat.

    Nach zweieinhalb Stunden kommen Christian Rach und die anderen “Gäste” und nehmen am einzigen gedeckten Tisch Platz. Der temporäre Service-Chef serviert ihnen hochgradig nervös einen Sekt als Aperitif. “Was?”, muss Rach nachfragen, als er Marcos Geflüster im ersten Anlauf nicht richtig versteht. Dann prasseln haufenweise Fragen auf Marco, Nina, Jonny und Jasmina ein. Was ist Salat mit gebackenen Scampi? Wo kommt der Wein Cháteau Lagrange her? (Nina Antwort “Libanon” lässt der Meister nicht gelten, den zweiten Versuch “Toskana” auch nicht, richtig wäre “Bordeaux” gewesen.) Ist in den Lammkoteletts viel Knoblauch? (Ninas Antwort: “nein” – richtig wäre “ja, extrem!” gewesen.)

    Während der Service nach wie vor nur mit Wissenslücken glänzt, punktet die Küche mit dem Kokos-Cappuccino als Appetitanreger. Der nächste Gang zaubert hingegen ein erstes Runzeln auf die meisterliche Stirn: Zu wenig Fisch, der Teller ist ja halb leer. Danach gibt die Küche alles, kreiert riesige Portionen vom Lammkotelett, insbesondere mit dem Knoblauch ist man großzügig. Nebenkoch Hanno zieht direkt am Esstisch ein erstes Fazit für die Kamera: “Von der Küche bin ich nicht so sehr enttäuscht wie vom Service.” Den umstehenden Service-Schülern klappt etwas die Kinnlade herunter. Nina versaut dann beim Dessert ihre Wertung weiter, als sie den Pflaumen-Crumble trotz mehrfachen Einschreitens von Rach beharrlich wie “Krammbieh” ausspricht. Blöderweise waren es dann noch nicht mal Pflaumen, sondern Zwetschgen, wie Hanno oder Frank fatalerweise bemerkt. “Schwetschen-Krammbieh” verschlimmbessert sich Nina und Rach platzt schon wieder der Kragen ob so viel Unverstand. Er schickt Nina runter in die Küche, sie soll sich das Menü von Tim & Co. noch mal erläutern lassen. Die kriegen bei ihrem Erscheinen aber ebenfalls die Wut, weshalb sich Nina das nicht merken könne, man habe es ihr doch schon ausführlich vor ein paar Stunden erklärt. Und wieso denn überhaupt sämtliche vier Service-Menschen plötzlich bei ihnen in der Küche herumlungerten, man sei schließlich kein Kontakthof und die Gäste säßen oben.

    Später gibt’s die Manöverkritik von Rach und seinen Schergen. Die Küchencrew kommt dabei gut weg, der Service erwartungsgemäß eher nicht, aber was dem Meister besonders missfällt, ist das Herumgezicke zwischen beiden Abteilungen, das habe er bis in den Gastraum gehört, behauptet er. (In Wirklichkeit hat er sich vermutlich einfach die Fernsehaufnahmen aus der Küche angesehen.) Das gesamte Team müsse noch besser zusammenarbeiten, ansonsten drohten später im Echtbetrieb Probleme. Ansonsten sind die “Gäste” aber fair und spenden ihren Schülern freundlichen Applaus; die Anstrengung hat sich also irgendwie doch gelohnt. Rach zeigt sich zum ersten Mal verhalten optimistisch, dass sie die Einweihung in nunmehr zwei Wochen hinkriegen werden.

    Die heutige Folge geht ebenso versöhnlich zu Ende. Es ist Sonnabend und Japan-Fan Frank weiht die Schüler in die Kunst der Sushi-Herstellung ein. Die ganze Gruppe schnitzelt mit Begeisterung an kaltem Reis, rohem Fisch und Seetang. Anschließend wird die gesamte Pruduktion gemeinsam verspeist. Marco isst dabei zum ersten Mal in seinem Leben Sushi und bekennt freimütig, Zuhause bislang immer nur “Döner und Fertigfressen” gefuttert zu haben. Da hat also Küchenmessias Christian Rach wieder eine Seele vor dem Fastfood-Teufel gerettet! Mal sehen, ob es auch in der nächsten Woche so optimistisch weitergeht. Wir bleiben dran!

    Tags:

  • Hallo Leute,

    bin wieder im Lande, musste aber urlaubsbedingt einmal mit dem Bloggen aussetzen. Am Rande habe ich mitbekommen, dass Kultkoch Christian Rach in der letzten Folge das “Küken” Janina wegen erwiesener Unreife aus der Serie gefeuert hat. Sie soll zunächst ein Jahr pausieren und darf es dann (in einer nächsten Staffel?) noch einmal bei ihm in Hamburg versuchen. Ob aber aus der zweiten Chance überhaupt etwas wird, ist fraglich, denn lt. RTL-Extra (oder wie diese Promibegaffersendung heißt) hat Janina die viele freie Zeit seit ihrem Rauswurf sozusagen produktiv genutzt, sie ist nämlich inzwischen schwanger. Herzlichen Glückwunsch, keine Ausbildung und zu blöd zum Kochen, aber das mit dem Kindermachen hat sie prima hingekriegt! Hartz IV ist dann ja wohl das Stichwort für ihre absehbare Zukunft…

    Auch die Renovierungsarbeiten der alten “Weinhexe” im Chilehaus haben eine Eigendynamik entwickelt, gegen die selbst Freund Rach nicht ankommt. An Kochen ist hier nicht zu denken, also quält der Meister seine Eleven stattdessen mit geistigen Tätigkeiten. Als Hausaufgabe vom letzten Mal sollten die verbliebenen 11 Schüler Vorschläge für die Speisekarte des “Slowman” machen. Übrigens ist die Namensfindung für den neuen Schuppen an mir vorüber gegangen, das muss wohl auch in der letzten Folge passiert sein. (Ich tippe mal “per order mufti” vom Chef persönlich, naja, der muss es ja auch bezahlen.)

    Also, wie gesagt, Nourddine macht – schon wieder – den Klassensprecher und trägt ziemlich stockend und irgendwie unbeteiligt die Menüideen der Gruppe vor. An der Aussprache der italienischen Vorspeise “Carpaccio” scheitert er kläglich und wird von Rach feixend korrigiert. Bei “Bärensuppe” kommt auf die Nachfrage, was das denn wohl sei, nur ein kläglicher Hinweis auf Angelika, die habe das vorgeschlagen, er wissen von gar nichts. Dann kann er “Edelfischragout” nicht erklären und schließlich bricht Rach bei “Pferdesauerbraten mit Lorbeerkartoffeln und Rotkohl” buchstäblich zusammen.

    Gleich darauf bekommt der Gastropapst den ersten Wutanfall der heutigen Sendung, als er den sichtlich müde wirkenden Collin vor versammelter Mannschaft fragt, ob er vielleicht noch einen Nachtjob mache und dieser daraufhin gesteht, sich “ab und zu spontan” als Türsteher einen Euro hinzuzuverdienen. Er nimmt den verschlafenen  jungen Mann beiseite und gibt ihm -  mal wieder – eine allerletzte Chance. Wir alle wissen natürlich, dass die Sendung auf den sentimentalen Handlungsstrang mit dem werdenden Vater Collin, der von seiner Freundin rausgeworfen wurde, angewiesen ist. Er würde deswegen auch noch hundert Mal Pardon kriegen, egal was für drakonische Strafen Rach jetzt auch androht.

    Okay, Collin steht also unter dem besonderen Schutz der Drehbuchautoren, dann muss eben jemand anders als Blitzableiter für Rachs Adrenalinschub herhalten, nämlich die dicke Rena. Spontaner mündlicher Test: Was denn “Country Potatoes” seien, wird sie vom Meister gefragt, das stünde übrigens in seinem Lehrbuch, das er ja bekanntlich in der ersten Folge werbewirksam allen seinen Schülern schenkte. “Weiß ich nicht”, lautet Renas wenig überraschende Antwort, die Rach, wie erhofft, sofort auf die Palme bringt. Die beiden diskutieren hitzig, ob er etwas so kompliziertes, wie innerhalb von vier Wochen ein Buch zu lesen, wirklich verlangen dürfe. Immerhin habe sie sich ja schon die Einlagen für ihre Schuhe besorgt und sei deswegen “verdammt nochmal stolz” auf sich. O ja, der Punkt geht klar an Rena, mehr als dass sie morgens aufsteht und sich die Schuhe anzieht, darf man wirklich nicht von einer Praktikantin verlangen. Falls sie dann auch noch die Schürze richtig herum zubindet, müsste sie eigentlich eine Prämie kriegen, finde ich… ;-)

    Rach rächt sich am nächsten Tag mit einer Sporteinlage: Man joggt durch den Hamburger Volkspark. Arme Rena, mit dem Tempo einer Wanderdüne schleicht sie der Gruppe hinterher, als schwitzender Alptraum der RTL-Maskenbildner. Nach dem Laufen kommen noch Dehnungsübungen, Liegestützen und Fußballspielen. Zu diesem Zeitpunkt liegen schon die ersten Fertigen im Gras, wobei Tim im (viel zu) engen T-Shirt wie der verlorene fünfte Ludolf-Sohn aussieht. :-)

    Die Drehbuchautoren haben sich als Verzeih-mir-Geste der Schüler ein “spontanes” Picknick ausgedacht, mit welchem sie ihren Übervater überraschen sollen. Während ein paar der halbgaren Jungs Rach mit dem selbst komponierten Rap “Chris aus dem Block” (womit der Topftitan himself gemeint ist) ablenken, breitet Angelika im Hintergrund die Decken auf dem Rasen aus. Nourddine ergreift mal wieder das Wort, oder was er dafür hält, und stammelt stellvertretend für alle Praktikanten eine Art von Essenseinladung zusammen. Schlimm, schlimm, wieso können die anderen denn nicht mal für sich selbst sprechen, Nourddines Begabungsschwerpunkt scheint jedenfalls nicht die freie Rede zu sein. Das peinliche Highlight dieser Folge setzt dann aber Angelika, die Rachs kurzen Moment der Rührung ausnutzt, um ihm das “Du” anzubieten. Betretenes Schweigen. Paul, der angeblich aus einem “guten Elternhaus” stammt und deswegen wohl Knigge-fest ist, berichtet später im Interview, wie sehr er sich in diesem Moment geschämt habe. Christian Rach hat natürlich im Umgang mit seinem Personal jahrelang bewährte Prinzipien und gestattet nach kurzem Überlegen lediglich, man dürfe ihn fortan mit seinem Vornamen, aber “Sie” anreden. Bitte in den Akten vermerken: Das war nach der unsäglichen Fischsuppe in der ersten Folge nun schon Angelikas zweiter Angriff auf Rachs Intimsphäre. Bin mal gespannt, wie weit ihre Anbiederungsversuche noch gehen…

    Nächster Tag, die Küche wird noch immer umgebaut, deshalb geht es auf Praxis-Exkursion zur Reeperbahn. Hier können die 11 Praktikanten Uwe Christiansen, dem lt. Rach besten Cocktailmixer der Stadt, bei der Arbeit über die Schulter sehen. Collin darf dabei mal mit seinen Kenntnissen als Aushilfsbartender angeben, die von ihm gebaute Caipirinha fällt aber auf ganzer Linie durch und der Profi Christiansen zeigt dann, wie es richtig und appetitlich gemacht wird. Nach der heutigen Lektion gehen einige Jungs noch auf die  Reeperbahn, um Nourddines 18. Geburtstag zu feiern. (Nach Janinas Abgang ist er das neue “Küken” der Gruppe.) Merkwürdigerweise hat das am nächsten Tag aber keine erkennbaren Ausfälle zur Folge. Da haben die Autoren m.E. eine erstklassige Gelegenheit für unreifes Verhalten der Praktikanten und einen sich daraus ergebenden Wutanfall von Rach oder seinen Schergen ausgelassen. :-)

    Das “Slowman” ist noch immer eine Großbaustelle, doch Rach erkennt hier und da schon erste Konturen und freut sich sichtlich darauf. Endlich macht da mal jemand das, was und wie er es will. Mit frischer Energie und händereibend trifft er auf seine elf verbliebenen Schülern. “Ihr…” fängt er seine Morgenbegrüßung an, die von Nourddine schnell mit “… Nichtsnutze” vollendet wird. Alle lachen, aber ein Körnchen Wahrheit steckt in der Bemerkung wohl drin. Oberlehrer Rach nutzt die noch gute Stimmung für einen Kurztest: “Was ist nochmal ‘Caipirinha’?” Nina weiß es, kann es aber nicht druckreif sagen und kriegt deswegen einen Rüffler. Sie müsse als Service-Kraft die angebotenen Menüs richtig verkaufen können, sonst sei sie nur ein “Teller-Taxi”. Danach sollen die Praktikanten in Eigenregie eine Speisekarte ausarbeiten. Rach kümmern sich unterdessen höchstpersönlich darum, dass morgen alle grüppchenweise zur Hospitation in andere Restaurants gehen können. Bei der Verkündung der Teams klappt bei Tim der Unterkiefer runter, als er erfährt, dass er im Duett mit Nourddine im “Rach & Ritchy” arbeiten soll, was offensichtlich ein weiterer Laden von Christian Rach ist. Der Tag wird aber gar nicht so schlimm und am Ende ist sogar ein wenig Sympathie beim Ex-Knasti für den leicht flippigen Nourddine spürbar. Paul kämpft in der “Cantina Milano” (gehört auch zum Rach’schen Imperium) gegen seine Müdigkeit und muss im Akkord Gräten zupfen.

    Can und Collin haben aus meiner Sicht den besten Job abgekriegt: Sie dürfen für einen Tag im Restaurant “Mamma Mia” in Hamburg-Altona einem echten Italiener beim Zaubern von Pizzas zusehen und auch eigene Kreationen versuchen. Das sieht nicht nur lecker aus, sondern scheint auch ziemlich lehrreich zu sein, jedenfalls schreiben die beiden wie die Weltmeister und später soll es im “Slowman” mal Minipizzas geben.

    Ach, alles könnte doch so schön und harmonisch sein, wäre da nicht der fiese Rach mit seinen gemeinen Hausaufgaben: Morgen steht ein Besuch auf dem Großmarkt an, dafür sollen alle Praktikanten aus der neuen Speisekarte mit Hilfe von Rachs Kochbibel eine Einkaufsliste zusammenstellen… Der allwissende Off-Sprecher unkt schon und tatsächlich kommt es am nächsten Tag im Großmarkt zum großen Knall, eigentlich sogar zu mehreren. Zunächst fehlen schon mal zwei Delinquenten beim Morgenappell: Tim kommt viel zu spät, er sei schlaftrunken in die falsche S-Bahn gestiegen und habe dort dann außerdem auch noch seine Hausaufgabe, die Einkaufsliste, liegen gelassen, sagt er. Hahaha, ich wäre an Rachs Stelle tödlich beleidigt, dass sich der Mann mit seinen 29 Jahren nicht mehr Mühe mit den dummen Ausreden gibt. Der zweite Vermisste ist Collin, der bereits mehrfach Verwarnte. Rach schäumt, er schmisse ihn raus, es sei denn, Collin wäre gerade heute Nacht Vater geworden, andere Ausreden ließe er nicht mehr gelten. (Das ist dann übrigens auch der “Cliffhanger” zur nächsten Folge: Collin kommt lt. Vorschau zwar noch, man weiß aber nicht, warum erst so spät. Wird er Rachs Wut überleben? Mein Tipp: Na klar, siehe oben!)

    Christian Rach ist nun schon arg angesäuert, die Lunte glüht und es braucht nur noch einen Funken, um sein emotionales Pulverfass zu zünden. Und der kommt, der kommt: Außer der eklig beflissenen Angelika hat nämlich niemand an die Erstellung der Einkaufsliste gedacht. (Tims angeblich in der S-Bahn verlorene Liste hat garantiert auch niemals existiert!) Das Küchengenie kriegt die Pimpernellen, rauft sich den spärlichen Haarkranz und schickt alle vor die Tür, die in das meisterliche Blickfeld geraten: Nourddine, Jonny und Rena. Danach gönnt er sich an der Bar, die es in diesem Einkaufsmarkt praktischerweise gibt, eine kurze Auszeit allein mit der Kamera. Er wütet noch ein wenig herum, fühlt sich “persönlich verarscht”, vermisst Ernsthaftigkeit und überlegt, ob er das ganze Projekt nicht einfach “als gescheitert” beenden soll. Hinterher im Chilehaus gibt es dann noch einen Generalanschiss, der sich gewaschen hat.

    Mit der Ungewissheit, ob Rach seinen Gefühlen nachgibt und das Handtuch schmeißt und ob Collin nun Vater ist oder ohne Job und ob Angelika eine weitere Schleimattacke fährt, müssen wir noch eine Woche leben. Dann hat sich Rach hoffentlich etwas abgeregt und es geht weiter in seiner “Restaurantschule”.

    Tags: