• DSDS (RTL) 11.02.2011 No Comments

    Hallo zusammen,

    im Paradies herrscht heute ein rauer Ton, denn Schlagergott Dieter Bohlen muss auf den Malediven mal wieder allen beweisen, was für ein A… er doch bei Bedarf sein kann. Das gehört zu “Deutschland sucht den Superstar”, wie der Promi-Bauchklatscher zu Stefan Raabs Turmspringen. Die momentan noch 36 Kandidaten (bzw. 35, Knast-Nico scheint von der Staatsanwaltschaft schon vor der Aufzeichnung des DSDS-Klassenausflugs einkassiert worden zu sein) wissen noch nicht so recht, wo ihnen überhaupt der Kopf steht, da werden sie vom unbarmherzigen Diktat der RTL-Regie bereits in Grüppchen an den Strand gejagt. Hier hat man direkt unter den Palmen den Jurytisch von Dieter Bohlen, Fernanda Brandao und Patrick Nuo aufgestellt. Die beiden Letztgenannten könnten übrigens ohne wesentliche Texteinbußen auch einfach in ihren Bambushütten bleiben, denn Onkel Dieter plustert sich in dieser Folge wieder zu einem richtigen Inseldiktator auf, neben dem keine andere noch so kleine Lebensform auch nur die geringste Existenzberechtigung hat. Alle Entscheidungen scheint der Tyrann von Tötensen komplett allein zu treffen, Daumen hoch oder runter, so wie im alten Rom. Lassen wir also die Spiele, beginnen…

    Trotz der Kürze der heutigen Episode schiebt RTL haufenweise Füllstoff und sinnlose Rahmenhandlung zwischen die Auftritte. Es beginnt mit einem – Huch, wie aufregenden – Scherz, den sich einige der “Mädchen” mitten in der Nacht spielen, als sie die anderen wecken und behaupten, es gebe eine “Challenge” am Strand, alle sollten in fünf Minuten im Bikini unten am Strand sein, die Jury wolle eine Spontanauftritt sehen. Die Opfer fallen entweder gar nicht darauf herein oder verstehen den Schwindel schon nach kurzer Zeit, jedenfalls kommt keine unten am Strand an. Gähn, was für ein epochaler Scherz, da habe ich mich vor dem Testbild gelegentlich schon besser amüsiert.

    Der nächste Morgen, Sarah Engels, Anna-Carina Woitschack und Nicole Ferreira de Rocha liegen leicht bekleidet im seichten, türkisblauen Wasser und lassen ihre Luxuskörper von der Sonne bräunen, Onkel Dieter ist ja bekanntermaßen empfänglich für optische Reize. Die erst vor kurzem aufgegangene Sonne scheint durch die sich langsam im Morgenwind wiegenden Palmenblätter und wirft wunderschöne Schatten auf den goldfarbenen Strand. Plötzlich gellt ein spitzer Schrei “HAI!” aus dem Wasser: Ein höchstens armlanges Exemplar dieser Tiergattung hat sich vorwitzig bis in die Uferregionen gewagt und sorgt dort jetzt für helle Aufregung unter den Teilnehmerinnen einer deutschen Castingshow. Er riecht wohl Frischfleisch!!! Die Mädchen rennen aus dem Wasser, zeigen den Zuspätgekommenen aufgeregt die Stelle, wo sie gerade eben noch mit dem Leben davongekommen sind und sorgen damit für willkommene Actionbilder in der DSDS-Übertragung. Aber keine Angst, es passiert nichts, keines der Mädchen verschwindet mit einer roten Blutsput im Meer, nicht mal der eine oder andere Körperteil wird abgebissen, stattdessen schwimmt der Hai einfach weiter.

    Danach haben die drei ihren Auftritt vor der Jury. Die knappe Bekleidung wird von Patrick (“Chicas”) und Dieter (“wenigstens ‘n bisschen kürzer die Röcke…”) positiv aufgenommen, auch wenn der Poptitan sofort eine andere Sache zum Meckern findet: Wieso Sarah denn bitte schon so braun geworden sei, ob sie die Zeit etwa nicht zum Üben genutzt habe? Doch, das habe sie sehr wohl, behauptet sie, wobei RTL böserweise Bilder von ihrem Sonnenbad am Nachmittag einblendet. Die drei Grazien singen dann “Run to you” von Whitney Houston, deren Karriere momentan eher etwas in der Krise steckt, freundlich ausgedrückt. Im ersten Anlauf verliert Nicole nach drei Worten den Faden und lässt das Mikro sinken. Bohlen bricht den Song ab und erkundigt sich, was los sei. Nach einigen Sekunden rustikalen Zuspruchs (“musst nicht weinen, ist schon genug Salz im Wasser”) klappt es dann im zweiten Anlauf. Okay, Sarah, die Braungebrannte, vergeigt ein paar Töne und wird dafür hinterher etwas gescholten, aber im Großen und Ganzen klappt der Auftritt.

    Nun kommen Christopher Schwab, Shahin Radmand und Marvin Cybulski. Sie haben den Titel “Mad World” in der langsamen Version von Gary Jules bekommen (ursprünglich stammt der Titel von Tears for Fears). Ihre Darbietung wird durch die offenkundig tropische Hitze erschwert. Der nicht gerade gertenschlanke Marvin nennt das Wetter “Tauwetter für Dicke” und wischt sich den Schweiß von der Stirn, während am Horizont dicke Wolken aufziehen. Bohlen sagt zwar noch “konzentriert Euch voll, dann sind wir Freunde”, aber die Freundschaft geht schnell den Bach hinunter, denn gerade der als Favorit gehandelte Marvin lässt heute zu wünschen übrig. Er singt mit dünner Stimme, wohl unkonzentriert und vergisst schließlich sogar ganz den Text, obwohl er den eigentlich in der Hand hält. “Guck’ doch auf den Zettel, Schnucki”, feuert Bohlen ihn an und sie starten einen erfolgreichen zweiten Versuch. Hinterher bequemt sich der Übergott sogar höchstselbst hinter seinem Tisch hervor, geht zu den drei Typen am Strand und gibt Marvin noch einen freundlichen persönlichen Tipp: “Wenn man in’s Showgeschäft geht, ja… Du stehst da wie’n Haufen Scheiße! Du musst das Gefühl haben: »Ich will, ich will, ich will!” Du stehst da wie der letzte Pinsel bei Dir in der Werkstatt.” (Marvin ist übrigens tatsächlich gelernter Maler und Lackierer.) Er solle mehr an sich glauben, was denn bloß los sei bei ihm (Marvin: “keine Ahnung”), er habe doch eine der tollsten Stimmen im Wettbewerb und alle stünden hinter ihm. Bei diesen warmen Worten vergießt der so sehr an sich zweifelnde Marvin sogar noch ein paar Tränen. Aber er nimmt sich Bohlens Kompliment wohl wirklich zu Herzen, sagt jedenfalls die Stimme aus dem Off.

    Einen Griff in den Übelkübel gibt’s für die nächste Boy-Group, die aus Daniel Neumann, Felix Hahnsch, Pietro Lombardi besteht, denn sie müssen Barry Manilows musikalischen Plombenzieher “Mandy” aufführen. Zuvor hat Pietro seine inzwischen schon üblichen “Verkack”-Ängste, die wir schon aus dem ersten Recall-Teil kennen. Er paukt in der Nacht vor dem Auftritt den Text zu dieser Zuckerwatteballade wie wild, ahnt aber tief innen drinnen schon, dass er die Sache vergeigen wird. Nach ein paar kleineren vom Drehbuchautor eingestreuten Verwirrungen, wie Stromausfall und vergessenem Zimmerschlüssel, naht der große Moment, nämlich die Performance vor der Jury. Pietro kann den Text offenbar immer noch nicht und liest ihn komplett von einem Spickzettel ab. Dafür singt er aber wenigstens gut, was man von Daniel und Felix nicht bei jedem Ton behaupten kann. Patrick Nuo meckert anschließend auch gleich über Pietros schlechtes Gedächtnis, aber Dieter fällt ihm ins Wort “… aber der Mann hat’n Herz!”. Ein riesengroßes Grinsen erscheint auf Pietros Gesicht, er fühlt sich von Onkel Dieter richtig verstanden, denn eigentlich ist er ja ein Netter, kann sich eben bloß keine Texte merken. “Du hast 99 Prozent Müll im Kopf”, setzt Bohlen noch hinzu, aber das Grinsen bleibt.

    Marco Angelini, Philipp Allach und Ardian Bajupi kommen als nächster Act mit dem aktuellen Mode-Oldie “Somewhere over the Rainbow” von Iz Kamakawiwo’ole. Da stimmt einfach alles, nicht mal Dieter Bohlen findet einen begründeten Anlass für Kritik (wobei Halbgötter seines Kalibers ihre Wutabfälle sowieso nicht begründen müssen).

    Noch ein kurzer Beitrag, diesmal sehen wir Nina Richel, Katharina Demirkan und Awa Corrah. Katharina, die knallblonde Türkin in der Rolle der leicht drallen Femme fatale, hat den Text noch nicht hundertprozentig intus und kriergt vor ihrem Auftritt etwas das Schlottern. Dafür kann Awa schon vor dem ersten Ton mit ihrer neuen roten, etwas borstig aussehenden Frisur bei Dieter punkten. Die drei hyperaktiv-quirligen Damen singen “Ich bin ich” von Rosenstolz, wobei der mopsige Tanzstil von Katharina ziemlich an Maite Kelly erinnert. Dieter gefällt’s: “Ich fand Eure Gruppe fast bisher die beste”.

    Selam Araya, Sebastian Wurth und Ricardo Bielecki bilden das nächste Team, wobei insbesondere Selam auffällt, dessen Klamotten quietschgelb sind, als hätte er komplett in Textmarker-Farbe gebadet.  “Hast’e heute Morgen ‘nen Zitronenfalter überfallen?”, erkundigt sich Dieter denn auch gleich bei dem lebhaft bunt gewandeten Mann. Sie singen “Billionaire” von Trevie McCoy featuring Bruno Mars. Die Nummer klappt gut, alle sehen vergnügt aus, die Jury ist’s zufrieden und Sebastian kassiert sogar noch ein Dietersches Extralob: “das war Top!”

    Nun kommen Nils Jörissen und Vidina Popov als Duett. Eigentlich ein Selbstläufer, sollte man denken, optisch überzeugen die beiden sowieso und stimmlich haben sie es doch wohl auch drauf. Sollte man denken, aber diesmal haut die Sache nicht hin. Ihren Titel “Somewhere over the Rainbow” (wie oben) vermackeln sie, insbesondere Vidina haut einen schrägen Ton nach dem anderen raus, singt teilweise komplett gegen den Takt und verwirrt damit Nils gehörig. Die Jury schlägt die Hände vor dem Gesicht zusammen und Dieter bricht das Lied schließlich ab: “Leute, da passt nichts zusammen, das ist alles Hühnerkacke.” Beiden Kandidaten zieht er nun die Ohren lang: Nils sei bis gerade eben einer seiner Staffel-Favoriten gewesen, nun nicht mehr und Vidina hätte er mit dieser schwachen Leistung nicht mal in den Recall gelassen, geschweige denn auf die Malediven mitgenommen.

    Nicole Kandziora, Fatima Aarrad und Jo (der Nachname wird nicht genannt) bilden das nächste Frauentrio. Sie singen in einem aufziehenden tropischen Gewitter “Let’s get loud” von Jennifer Lopez. Bohlen schmerzt wohl vom vielen Sitzen der Hintern und er wird deshalb garstig zu seinen Kandidaten: “Ihr führt das auf wie meine Oma bei ‘ner Beerdigung”, mokiert er sich über die zu verhaltenen Tanzbewegungen der drei Damen.

    Weiter geht’s in einer Kurzvorstellung mit Bohlenschen Sorgenkindern, die nicht so spuren, wie der Meister es will, z.B. Dominik Kinast (“Du musst jetzt unbedingt mal ‘nen großen Auftritt hinlegen!”), Tobias Wojczewski (immer noch mit Idioten-Hut, aber diesmal ohne Fortune) oder Maik Dehn (liest den Text ohne jede Hemmung von einem DIN-A4-Blatt ab).

    Am Ende des Tages macht der Poptitan seine Drohung vom letzten Mal wahr: “Ich habe Euch immer wieder gesagt: Reißt Euch den Arsch auf… sonst mach’ ich das! Aber ich glaube, das ist nicht so richtig angekommen bei einigen. Und deshalb werden wir heute schon zwei nach Hause schicken. DSDS ist kein Linienbus, DSDS nimmt nicht jeden mit.” Nach einigen zittrigen Sekunden, die im Fernsehen wie Stunden wirken, nennt er dann die Namen von Fatima Aarrad und Vidina Popov, die wegen ihrer indiskutablen Fehlleistungen jetzt auf der Stelle per Katapult-Air wieder zurück ins dunkle Deutschland expediert werden sollen. “Sachen packen, hat nicht gereicht!”, sind die letzten Worte des Meisters, dann dürfen sie vorbei am Spalier ihrer etwas fassungslosen Kollegen in Richtung Hotel und verabschieden sich damit aus dieser Sendung.

    Und damit ist auch für uns jetzt Feierabend, am Sonnabend geht es mit einer langen Show weiter auf Dieter Bohlens Insel.

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  • DSDS (RTL) 06.02.2011 No Comments

    Liebe Freunde der gepflegten Samstagabendunterhaltung,

    und wieder schließt Dieter Bohlen für zwei Stunden sein Zauberreich “Deutschland sucht den Superstar” auf. Wir erleben auch heute Triumphe und  Schicksalsschläge aus nächster Nähe, mögliche Stars werden geboren, dafür stürzen andere ab in die Bedeutungslosigkeit…

    Los geht’s mit einer Altlast aus der letzten Sendung: Die Vierer-Boy-Group aus Ardian Bajupi, Cem Özdemir, Bekir Lika und Pietro Lombardi hat ihr Lied “Marchin’ On” von OneRepublic in der ersten Recall-Folge schlimmstmöglich versemmelt. Pietro, der alles schon vorher geahnt hatte und sich maßgeblich die Schuld an dem Desaster gibt, hängt mehr tot als lebendig über dem Treppengeländer, während die vier auf die Urteilsverkündung der Jury warten. Die fällt dann milder als verdient aus, Ardian und Pietro sind mit mehr oder weniger großen Bedenken weiter, die anderen beiden können sich allerdings verabschieden. Übrigens immer interessant zu sehen, wie eine verschworene Schicksalsgemeinschaft während der Bekanntgabe der Urteile in Sekundenbruchteilen in einerseits überglückliche, lautstark Ausflippende und andererseits zu Tode betrübt Gescheiterte auseinanderbricht. Die Loser sieht man meistens gar nicht mehr, während sich die Überlebenden von Ohr zu Ohr strahlend in die Arme fallen und das betrübliche Ende ihrer Kollegen völlig ignorieren. :-|

    Nicole Ferreira de Rocha, Nina Richel und Nicole Kandziora bilden ein Dreamteam und üben ihren Song “She said” (von Plan B) für den nächsten Tag. Da hat sich die Jury aus dramaturgischen Gründen entschieden, die Harmonie durch eine neu hinzunominierte Kandidatin zu stören. Es handelt sich um die schwer sehbehinderte Sibel Cam aus Wien. Weshalb man sie erst so spät über ihren Einzug in den Recall informiert hat, weiß der Teufel. An der Hand einer Freundin betritt sie das Zimmer mit dem probenden Mädchen-Trio, das angeblich nichts von dem Zuwachs weiß. Selbstverständlich ist alles von vorn bis hinten geskriptet, sowohl Sibel, als auch die anderen Mädchen werden von jeweils einem Kamerateam beobachtet, das von beiden Seiten genau draufhält, als nun an die Zimmertür im Hotel geklopft wird. Nach einer ziemlich unwirschen Begrüßung realisieren die drei o.g. Damen, dass sie nun ihre Proben und insbesondere die Choreografie unerwartet auf eine vierte Person erweitern müssen. Nach den Worten der sich sehr wichtig nehmenden Mädchen zu urteilen, ist das offenbar eine nahezu unlösbare Herkulesaufgabe, höchstens vergleichbar mit den Startvorbereitungen für einen Space-Shuttle-Flug, aber eher noch schwieriger. Dennoch liefert das Quartett am nächsten Morgen einen guten Auftritt ab und alle kommen weiter, bis auf Sibel, die von Dieter Bohlen schweren Herzens – sagt er – gleich wieder nach Hause geschickt wird. :-)

    Als nächstes sehen wir eine reine Männer-Truppe, bestehend aus Christian Koppers, Michael Hemmersbach und Marvin Cybulski, die von der Jury mit dem deutlich angestaubten Schmachtfetzen “Lady in Red” von Chris de Burgh (gibt’s den eigentlich noch, der muss doch auch schon über 70 sein?) betraut wird. Für Marvin, der durch den Fernseher immer ein bisschen nach Motorenöl “riecht”,  ist dieses Lied auch noch mit negativen Erinnerungen an eine Ex-Freundin verbunden, wie wir unfreiwillig erfahren müssen (“für mich war’s ‘ne Scheißtrennung”). Geahnt hat man es, wollte es aber eigentlich ebenfalls nicht wissen, dass Marvin so extrem laut schnarcht, dass seine Zimmergenossen nächtens lieber auf einer Couch im Keller pennen. Am nächsten Tag vor der Jury überzeugt er aber alle restlos: “gesungen wie ein junger Gott” und “besser als das Original”, urteilt Dieter. Natürlich kommt er sofort weiter – im Gegensatz zu seinen beiden Mitstreitern, denen fehlender Starappeal und zu wenig Ernsthaftigkeit bescheinigt wird. Damit kann man auch rückwirkend verstehen, weshalb Christian und Michael noch in keiner der vorherigen acht Folgen dieser Staffel in Erscheinung getreten sind: Sie waren bei ihrem ersten Casting-Auftritt nicht schlecht genug als Lachnummer und sind diesmal nicht gut genug, um auch nur in die zweite Recall-Runde zu kommen. Die Redaktion wusste natürlich beim Schneiden der Casting-Foilgen bereits, wer den Recall überlebt, deshalb wurden die beiden schlicht als uninteressant herausgeschnippelt. Das gleiche gilt natürlich auch für viele andere, die wir erst- und letztmalig im Recall erleben. :-|

    Nun wieder eine reine Frauengruppe, bestehend aus der quirligen Katharina Demirkan, der zurückhaltenden Denise Lorenz und der aparten Asana Mohammed. Außerdem gibt es wohl noch eine gewisse Sabina Bubani, die aber lieber mit ihrem Handy unten an der Straße steht, als sich mit solchen Profanitäten wie dem Üben abzugeben. Die Damen sind zunächst irritiert über die Musikauswahl der Jury: “Küss mich, halt mich, lieb mich” von Ella Endlich, ein ziemlich ruhiges Stück, fast tänzerisch. Schon nach wenigen Stunden stößt Sabina zu ihren Kolleginnen und man beginnt tatsächlich mit den Proben. Irgendwie kriegen sie es aber alle nicht so richtig gebacken, während des Singens auch noch auf die Choreografie zu achten. Immer lustig zu sehen, wie die Gruppenmitglieder dann bevorzugt vor der Kamera aufeinander los gehen, weil die anderen irgend etwas nicht richtig kapieren oder anders machen, als man selbst. Asana hat mit der Choreografie ohnehin ein grundsätzliches Problem: “wenn ich auf der Bühne bin, mach ich, wie ich mich fühle”.

    Ihr gemeinsamer Auftritt beginnt mit einer Ansage von Dieter Bohlen, wie er sich den Titel so vorstellt (innig, liebevoll), was Katharina zu der brüsken Bemerkung veranlasst, das könne er sich sparen, sie sei schließlich keine Schülerin mehr. Doofe Ziege! Danach geht es aber noch nicht gleich los, sondern Katharina rennt zunächst einmal um ihre Gruppe herum und verteilt “Feenstaub”, in Wahrheit Papierschnipselchen. Dieter ist, wohl auch wegen der vorherigen Unverschämtheit, ziemlich angefasst und herrscht die Möchtegerndamen an, sie seien hier nicht im Kindergarten und wenn das so weiterginge, könnten sie gleich wieder verschwinden. Den Titel vermurksen sie einigermaßen: Sabina, die statt zu üben lieber draußen an der Straße herumhing, vermasselt ihre beiden Solostrophen komplett, kann offenbar den Text nicht und guckt dafür bitterböse in Richtung Jury. Am Ende gibt es ein salomonisches Urteil: die freche Katharina mit der tollen Stimme und die niedliche Denise sind weiter, die anderen beiden nicht. Die Letztgenannten stelzen beleidigt auf ihren hochhackigen Schuhen aus dem Studio, während die beiden anderen sich und die Jury umarmen. Asana wird von den Kameras über mehrere Stockwerke verfolgt, schnaubt nur ein kurzes “Kein Kommentar” in die Linse und verflucht offensichtlich den Tag, als sie zusammen mit ihrer leicht durchgeknallten Mutti in Hamburg im Casting erschienen war. :-|

    Vidina Popov, Linai Tardivo, Zazou Mall und Fatima Aralt bilden die nächste Gruppe. Sie bekommen als Aufgabe Shakiras WM-Hymne “Waka Waka”, die den tanzwütigen Girls wie auf den Leib geschneidert ist. Die vier kaufen sich für den Auftritt einheitlich aussehende Kleider in blau und pink und üben dann, was das Zeug hält. Nach Dieters anfänglichem Gemeckere an den neuen Klamotten (“sieht aus wie Omas Rheumadecke”) läuft ihre Performance vor der Jury dann schlicht optimal, sie bewegen sich toll, sehen dabei gut aus und haben ziemlich bis sehr gute Stimmen. Dieter ist verzückt und verteilt Komplimente wie: “Du bist der Krümel, der uns am DSDS-Kuchen noch gefehlt hat” oder “Du bist so süß, wir kriegen hier bestimmt noch alle Diabetes.” Alle kommen absolut verdient weiter in die nächste Recall-Runde. :-)

    Richtig gut ist auch der nächste Auftritt. Den legen Tobias Wojczewski (mit dämlichem Hut) und Anna-Carina Woitschack, die Puppenspielerin aus der ersten Casting-Folge, hin. Aber davor gibt es noch ein Ständchen der gesamten DSDS-Crew, die darüber sehr gerührte Anna-Carina feiert nämlich heute ihren 18. Geburtstag! Die beiden Kandidaten bringen die Powerballade “Ohne Dich” von Selig und harmonieren optisch und musikalisch sehr gut. Sie haben angenehme, kräftige Stimmen mit hohem Wiedererkennungswert und selbst Dieter sagt in einem bei ihm völlig ungewohnt nicht-sarkastischen Tonfall: “Das war ein sehr professioneller Auftritt! Ohne Euch wollen wir hier nicht weitermachen.” Die beiden bleiben uns also im Recall erhalten. :-)

    Auch beim nächsten Duo hat die Jury garantiert wieder einen Drehbuchschreiber zum Aufpeppen einer ansonsten kreuzlangweiligen Gruppe bemüht: Selam Araya und Shahin Radmand proben in ihrem Zimmer von Ich + Ich die Nummer “Universum”, nicht wissend, dass draußen eine dunkle Gefahr auf sie lauert, jederzeit bereit, ihnen für ‘ne Rolle Drops den Kopf abzureißen. Warum er erst jetzt hinzukommt, wird nicht genau verraten, irgendeine “persönliche Angelegenheit”, jedenfalls plötzlich ist er da: Oberknacki und Menowin-Nachfolger Nico Raecke. Der behauptet von sich, er sei der beste deutsche Sänger nach Xavier Naidoo und blinzelt dazu aus seinen tiefkalten milchig-eisblauen Augen, mit denen er vermutlich brennende Kerzen ausgucken kann… Dementsprechend gefriert Selam und Shahin in Rekordzeit das Lächeln im Gesicht, als Nico zusammen mit dem Kamerateam in ihr Zimmer kommt und verkündet, er gehöre jetzt zu ihrer Gruppe. Genau genommen sehe er alle anderen nicht als Freunde, sondern als Konkurrenten, die er “wegbomben” müsse auf dem Weg zu der ihm gebührenden Weltkarriere. Nico ist in der glücklichen Lage, dass er wegen seines überragenden Naturtalents nicht üben muss und auch auf das lästige Textelernen verzichten kann. Stattdessen kippt er sich nach seiner verspäteten Ankunft am Abend erst vier bis zehn Flaschen Bier und pennt dann auf einem Sofa im Hotelfoyer ein, der Star.

    Am nächsten Morgen stellt Nico vor der Kamera erst mal klar, wie wenig er von dem Umweg der Gruppensingerei hält, er will doch eigentlich als Solokünstler berühmt werden und “die beiden Schwuletten” behinderten ihn dabei nur. Da fasst er einen – aus seiner Sicht – teuflischen Plan: Er will den anderen beim Auftritt einfach ihre Strophen klauen und sie so aus dem Konzept bringen. Das tut er dann auch, singt einfach an Stellen mit, an denen er eigentlich den Mund halten sollte, kriegt aber ansonsten gesanglich nicht viel auf die Reihe. Und mehr, als dass die beiden anderen ihn verwundert ansehen und weitersingen, passiert auch nicht. Alle drei kommen weiter, kriegen aber von Patrick und Dieter noch diverse Sprüche mit auf die Reise. Nico hat seinen Bonus wegen des unstrittig vorhandenen Talents wohl jetzt bis zum Anschlag verbraucht, darf aber zunächst noch im Recall bleiben. Bohlen redet ihm eindringlich ins Gewissen: “Das wäre doch wie Perlen vor die Säue, so ein Talent und Du müsstest hinterher von Hartz IV leben oder als Anstreicher…” Happy-End… beinahe: Eine Stimme aus dem Off verkündet dann aber, dass Nico inzwischen für einen länger dauernden Auftritt im Knast gebucht wurde, wegen Raub und Körperverletzung. Somit ist er für diese DSDS-Staffel bedauerlicherweise unabkömmlich, aber bekanntlich kommen manche Leute ja immer wieder zum Recall: See you in 2012, Nico… ;-)

    “Nun kommen wir zur absoluten Chaos-Truppe” (O-Ton Onkel Dieter): Trimo Davis, Kürshad Yildiz und… Trommelwirbel… Menderes Bagci. Sie kriegen zum Verhunzen den 70er-Jahre-Titel “Yummy, Yummy, Yummy” (Ohio Express) und das Ding wird ihr Waterloo! Menderes hat scheinbar seinen gesamten Grips bei der fortwährenden Imitation von Michael Jackson verbraucht und beim Ableben des Letzteren ausgeschaltet. Er vermag sich nicht mal einfachste Texte wie “Yummy, yummy, yummy, I’ve got love in my tummy” zu merken, die doch selbst minderbegabte Radiohörer im Vollrausch bei Gewitter auf der Achterbahn sogar rückwärts ohne sichtliche Anstrengung aufsagen könnten. Und erst der Gesang, sein quälend nöliges Organ hört sich nicht nur grässlich an, nein, er intoniert auch nicht richtig, macht also jenseits vom nicht existierenden Talent auch noch technische Fehler. Aber Menderes weiß einen Rat aus dem großen Buch der wirklich Verzweifelten: Man geht zum Proben in die – angeblich berühmte – Tiefgarage, in der im vergangenen Jahr auch Mehrzad und Menowin geübt hatten. Angeblich, so geht die Legende, ist das “viele Glück”, das die beiden seitdem bekanntlich hatten, teilweise in den Betonwänden der Garage hängen geblieben und könnte jetzt auf die aktuellen Kandidaten  überperlen – oder was denken die sich dabei? O Mann, schön, wenn das Gehirn so langsam nachgibt… Wenn ich den Kandidaten von DSDS 2012 schon mal einen Tipp geben darf: Das “Glück” der Tiefgarage ist seit dieser Staffel restlos verbraucht und die jetzt seit Menderes Proben dort gespeicherten Disharmonien würden sogar zum Verstimmen der Fischerchöre ausreichen, also singt lieber woanders!!!

    Der Auftritt von Trimo, Kürshad und Menderes wird zu einem grandiosen Desaster. Das fängt schon damit an, dass sie das Intro nicht hinkriegen, sie können einfach nicht synchron singen. Bohlen bricht wohlwollend ab und rät ihnen, besser aufeinander zu achten, damit sie gleichzeitig starten. Auch der nächste Versuch geht völlig in die Grütze. Menderes kriegt den Tipp, sich an seinem Rechtsaußen zu orientieren und tatsächlich kommt er diesmal richtig in das Lied hinein. Dann aber merken alle Zuhörer, dass der Jackson-Imitator schlicht und einfach schief singt, er hängt einen Halbton unter seinen Mitstreitern. Etwa zu dieser Zeit sind auch die letzten Reste der Choreografie über den Jordan gegangen, alle drei hampeln nach eigenem Gusto über die Bühne, nichts mehr mit Boygroup und Schrittfolge. Den Text vermackeln sie dann auch noch und setzten abwechselnd aus. Als der Titel nach endlos scheinenden zwei Minuten zu Ende ist, fängt Menderes sofort an, seine Leistung und die seiner Kollegen zu rechtfertigen. Das seien schwierige Einsätze gewesen, man habe sich aber super vorbereitet, bis morgens um vier Uhr, das sei genau ihr Titel gewesen und jede Menge weiterer Blödsinn aus dem unerschöpflichen Fundus der dämlichen Ausreden. Trimo sieht die Gruppenleistung realistischer: “Katastrophe, das war die allergrößte Lachnummer! Und das schlimmste ist, dass das jeder sieht!!!” Recht hat er, selbst die Blöd-Zeitung lacht heute über diese Blamage. Die Urteilsverkündung macht Bohlen zum Tribunal über Nichtskönner: “Trimo, Du hast toll gesungen und getanzt …” (20 Sekunden Pause, der Kandidat sagt schon ganz erstaunt “Danke”, dann schiebt Bohlen den Rest des Satzes nach) … im Casting!” Hier war das nichts und deswegen ist er auf der Stelle raus. Auch Kürshad hat die Jury enttäuscht und darf sich die restliche Staffel als Zuschauer im Fernsehen anschauen. Und nun kommt er zu Menderes: “Du hast Deinen Traum verwirklicht, einmal in den Recall zu kommen. Ab jetzt würde es ungerecht werden, denn die anderen waren einfach besser. Das wäre einfach nicht fair, Dich weiterzulassen und andere nicht. Deshalb hast Du es heute auch nicht weiter geschafft, Menderes.” Das klingt beinahe zärtlich und nachsichtig, so wie ein Vater mit seinem zurückgebliebenen Kind spricht. Alle Beteiligten schlucken und die Kandidaten vergießen Tränen der Wut und Enttäuschung. Vermutlich ist das Kapitel Menderes aber noch nicht zu Ende, er ist ja erst 25, kann also noch fünf Mal wiederkommen bei DSDS… :-(

    Nun werden noch ein paar kurze Sequenzen von Leuten gezeigt, die sich im Recall halten konnten, z.B. von Norman Langen, Dominik Kinast, Sarah Engels, Philipp Allach, Daniel Neumann, Mike Müller, Christopher Schwab, Sebastian Wurth, Maik Dehn und Albresha Iljasi. Damit sind es jetzt 36 Kandidaten, die nun in die nächste Runde des Recall dürfen und die findet traditionell irgendwo auf einer Trauminsel statt. Diesmal geht’s auf die Malediven, wie Dieter Bohlen dann ziemlich großkotzig verkündet, er sei schon auf der ganzen Welt gewesen, aber dort auf den Malediven sei es am allerschönsten, auch der Liebe Gott würde dort Urlaub machen.

    Wir sehen dann noch die Anreise, gepflastert mit ein paar Problemchen wie abgelaufenen Ausweisen und der wohl irrigen Hoffnung, dort entspannt Urlaub machen zu können. Der letzten Teil des Trips wird mit dem Wasserflugzeug zurückgelegt. Vor Ort beziehen die Jungs und Mädels ihre Bungalows direkt am Indischen Ozean, die ersten springen sofort in die ultrablauen Fluten. Der Sprecher im Off warnt allerdings, nur 15 der 36 Kandidaten werden diese Insel auch in guter Erinnerung behalten und in die Top-15-Show einziehen, mehr als die Hälfte wird noch im Recall scheitern. Das machen dann auch Dieter Bohlen, Fernanda Brandao und Patrick Nuo noch einmal allen klar, der Poptitan wie immer ziemlich plastisch: “Wenn hier einer total verkackt, fährt der heute Abend noch nach Hause. Wenn Ihr Eure Texte, Eure Melodien nicht könnt, fahrt Ihr morgen nach Hause, ich schwör’s Euch. Macht Euch interessant, verdammte Scheiße!”

    Schon als Vorgeschmack auf die nächste Folge zeigt uns RTL den ersten Open-Air-Auftritt einer leicht geschürzten Mädchentruppe vor dem Jurytisch, der direkt auf dem Strand unter Palmen aufgebaut wurde. Das sind Yalda, Zazou, Albresha und Maxime – man sieht, es gibt immer noch neue Namen. Sie bringen “Let’s get loud” von Jennifer Lopez. Bohlen wird leider immer kritischer, obwohl der Auftritt eigentlich okay war, findet er bei jeder Sängerin etwas zu meckern. “Am liebsten würde ich mir aus Euch vieren eine neue Sängerin zusammenbasteln, da würde bestimmt eine richtige Hammerbraut bei rauskommen.”

    Ob Dieter wirklich zum Skalpell greift oder doch lieber fertige Superstars bevorzugt, sehen wir in der nächsten Folge am Mittwoch. Bis dahin Tschö!

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  • DSDS (RTL) 04.02.2011 No Comments

    Hallo zusammen,

    nun ist es vorbei, “Deutschland sucht den Superstar” beendet heute die Casting-Phase und startet ab Sonnabend mit den 135 ausgewählten Kandidaten in den Recall! Die zahllosen Freaks, Vollspacken und Dorftrottel der Republik müssen sich jetzt wieder ein Jahr gedulden, bis RTL ihnen erneut eine Bühne für Talentlosigkeit und Anmaßung bietet und sie dafür im Gegenzug von Dieter Bohlen, Fernanda Brandao und Patrick Nuo vor einem feixenden Millionenpublikum verbal auf Mikrobengröße reduziert werden. Hmm, upps, naja, ob die beiden letztgenannten Jury-Mitglieder dieses Jahr überleben, wird sich erst noch zeigen müssen, denn wie jeder erfolgreiche Diktator tauscht auch Onkel Dieter öfters mal die Köpfe in der zweiten Reihe aus. Ja, das ist DSDS!

    Die heutige Folge beginnt passend mit einem unausstehlichen Exemplar aus der Schublade arroganter Nichtskönner: Patrick ist 27 Jahre alt und begeisterter Sammler von Hautunreinheiten und Segelohren, wie die (Zu-)Nahaufnahmen eindrucksvoll belegen. Über die Tatsache, dass er auch ansonsten aussieht wie Spucke, ist er aber wohl erhaben, denn mit seinem Talent wird er sowieso alle Mitbewerber in den Schatten stellen, das posaunt er schon mal siegessicher in die Kamera. Im Studio grabbelt Patrick sich während der Begrüßung der Jury an der Nase, was Dieter übel aufstößt, der daraufhin die Kurzfassung seiner Hausordnung zitiert: “Nicht popeln, wenn man hier reinkommt, keine Pissflecken…” Nächster Kolossalfehler des Kandidaten ist seine Titelauswahl: “Unbelievable” von Mark Madlock mit dem Urheber Dieter Bohlen. Der fühlt sich ob des dünnen Gesangs und mehrfach vergeigten Texts denn auch gleich persönlich beleidigt und bescheinigt Patrick, sein Gesang sei “aktive Sterbehilfe”. Ende der Karriere. :-(

    Es geht auch anders: Christopher Schwab (18), der äußerlich ein wenig an Prinz Harry von der Insel erinnert, bringt “New Shoes” von Paolo Nutini so überzeugend rüber, dass die Jury ihm schon nach wenigen Augenblicken den begehrten gelben Zettel mit der Recall-Einladung überreicht. “Die Stimme klingt geil, rhythmisch bist’e geil, alles perfekto…”, urteilt der Tötenser Schlagertitan und winkt ihn durch in den Recall. :-)

    Ebenfalls in den Recall kommt Janine Schmoll, die wir in einer weiteren Kurzvorstellung sehen. Die 17jährige, etwas dralle blonde Orthopädie-Technikerin bringt mit ihrer Gitarre “Summertime” aus der Oper (!) “Porgy and Bess” zu Gehör. Zwar machen die musikalisch etwas unreif wirkenden Jury-Herren dazu Western-Schnalzlaute, diese sind aber Beleg ihrer guten Laune und das liegt an Janines toller Stimme. :-)

    Nun wieder ein Stück aus dem DSDS-Panoptikum: Marcel (17) schleppt aufwendig ein Keyboard nebst Gestell herbei und rammt beim Hereinkommen den Türrahmen (Bohlen: “Ja, Musik ist ein schweres Geschäft.”). Ich ahne schon nichts Gutes, als er vorher im Einspieler berichtet, er schreibe selbst Lieder und Gedichte. Die hat er dann auch gleich im Hunderterpack mitgebracht, die Jury darf sich aus einer seitenlangen Liste etwas aussuchen. Dieter Bohlen fühlt sich tragischerweise von einem Titel namens “Mein Freund Struppi” magisch angezogen. Das Lied handelt von dem verstorbenen – strubbeligen – Hund des Delinquenten. Die etwas nasale Stimme und das Geklimpere auf der mitgebrachten Heimorgel erinnert etwas an die nervigen Künstler in Fußgängerzonen, die – besonders in der Weihnachtszeit – nur aus Mitleid Geld kriegen oder weil genervte Anwohner sie damit zum Weiterziehen animieren wollen. Marcel guckt beim Absingen seines Lieds selbst etwas wie ein sterbender Hund und die Jury traut sich aus Pietät nicht sofort, den Schmachtfetzen zu unterbrechen. Während der gefühlt siebten Strophe sieht man Fernanda lautlos hinter ihren Manuskriptpapieren lachen, aber Marcel fährt unbeirrt mit seiner Trauerballade fort. Endlich macht Dieter dem Treiben ein Ende und fragt den Kandidaten unverblümt, ob er mit seinem Gesang nicht vielleicht selbst Schuld am Tod des Hundes gewesen sein könne. “Die Komposition ist Müll, die Stimme ist Müll, ist alles Scheiße!” Marcel sieht aus, als ob er gleich heulen würde, besinnt sich dann aber eines Besseren und droht: “Ich komme wieder”. Bohlen kontert “Kannst’e machen, ich hab’ ja nichts gegen Dich, nur gegen Deine Musik.” Und damit geht der Kandidat ab, hoffentlich ohne Wiederkehr… :-(

    Aus Österreich kommt Vidina Popov (18). Die langhaarige, brünette 18jährige muss der Jury zunächst beweisen, dass sie tanzen kann (sie kann!) und singt dann von Christina Aguilera “Beautiful”. Patrick ist – wohl auch wegen ihres passablen Aussehens – sofort überzeugt, Fernanda gibt ein “Nein” und Dieter weiß nicht so genau, ihm fehlt das Gefühl. Nach einigem Hin und Her rückt er dann aber doch noch den Zettel raus. :-)

    In einer schnell geschnittenen Collage  sehen wir dann noch mehrere Kandidaten, die eine Runde weiter kommen, darunter Nils Jörissen (19) am Flügel, Maik Dehn (22) mit genialer Stimme und Franziska-Charlotte Klönne (17) auf der Suche nach einem Künstlernamen. :-)

    Jetzt kommt eine echte Überraschung, das Casting ist nämlich nach diesen Leuten zu Ende und wir steigen jetzt, mitten in der heutigen DSDS-Folge, unmittelbar in den Recall ein! Plötzlich befinden wir uns in einem größeren Saal, auf der Bühne stehen die 135 Recall-Auserwählten und begrüßen klatschend die einziehende Jury. Dieter sagt ein paar markige Worte, er sei besorgt, dass die Kandidaten alle so wenig gestylt aussähen, alle in grau oder schwarz, Beerdigungsgesellschaft! Einzig der unausrottbare Menderes fällt mit seinem Paillettenanzug à la Elvis etwas aus dem Rahmen, heute mal zu Dieters Freude, und darf deshalb kurz vor den anderen posen und ein Pirouettchen drehen. Heute ginge es um alles, erklärt Bohlen, “Jackpot oder Kackpott” seien angesagt (pflichtschuldiges Lachen der Angesprochenen). Der eigentliche Riesenschock kommt aber noch: Bevor sie auch nur den ersten Ton gesungen haben, dürfen 75 der 135 angetretenen Möchtegernstars gleich auf dem Absatz kehrtmachen und wieder nach Hause fahren, die Jury hat nämlich still und heimlich bereits 60 Leute rein nach äußerlichen Aspekten vorausgewählt. Tolle Idee, die Kandidaten nur zur Abholung der Ohrfeige einzubestellen… Einige sind denn auch erkennbar sauer und kotzen sich in die Kamera aus.

    Die verbliebenen Wettbewerbsteilnehmer werden von der Jury zu Duos und Trios zusammengestellt und müssen sich in diesen Gruppen beweisen. Das erste Trio besteht aus der offenbar am Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom leidenden Stamatia Tsompanidou, dem schwul-tuntigen Patrick Davoudi und der kratzhaarigen Awa Corrah. Sie bekommen als Titel “Hot n cold” von Katy Perry zugeteilt. Die drei harmonieren so gut wie Feuer und Wasser, Stamatia dreht völlig am Rad, freut sich unberechtigterweise schon extrem auf die am Ende des Recall anstehende Reise, kann aber offensichtlich keine Texte lernen. Ihre beiden Mitstreiterinnen sind sehr frustriert. Der gemeinsame Auftritt geht einigermaßen in die Hose, stimmlich sowieso, aber Stamatia vermackelt zusätzlich auch noch die Choreografie und zieht sich damit den Hass der anderen beiden zu. Nach dem Auftritt herrscht Zickenkrieg pur, nur Awa kommt eine Runde weiter, Stamatia und Patrick sind raus. :-(

    Nun stellt die Jury eine reine Boygroup zusammen aus Marco Angelini, Nils Jörissen und Felix Hahnsch. Jeder der drei würde typmäßig als Bravo-Coverboy durchgehen, sie harmonieren stimmlich und persönlich um Größenordnungen besser als die drei vorgenannten “Damen” und gehen deshalb abends gepflegt noch das eine oder andere Bierchen stemmen. Trotzdem klappt der Auftritt am nächsten Morgen recht gut, Marco, Nils und Felix haben sich auf die selbe T-Shirt-Farbe und ein unanständig nett aussehendes Zahnpastalächeln verständigt, was allein optisch schon einen guten Eindruck macht. Sie bringen eine ganz ordentliche Version von “Shame” von Robbie Williams und Gary Barlow und kommen damit letztlich alle weiter, wenn auch Felix ein paar Rüffler der Jury für diverse versemmelte Töne einstecken muss. :-)

    Eine weitere Boygroup besteht sogar gleich aus vier Teilnehmern, alle mit Migrationshintergrund. Ardian Bujupi, Cem Özdemir (nein, nicht der Grünen-Politiker) und Bekir Lika müssen sich zunächst als Motivatoren für ihren vierten Mann Pietro Lombardi betätigen. Der leidet unter erhebliche Selbstzweifeln, glaubt ganz fest daran, dass er in dem zugelosten Titel “verkacken” wird und damit alle anderen in die Katastrophe reißt. Ja, manchmal werden Träume wahr, auch Alpträume: Die vier Jungs haben während der Nacht offenbar vor Nervosität nicht geschlafen, kommen am Morgen völlig übernächtigt und euphorisiert ins Studio, kriegen einen peinlichen Lachflash und müssen sich erst mal auf den Boden setzen. Bohlen runzelt heftig die Stirn: “Habt ihr schon was getrunken?” Nönö, das hätten sie nicht und los geht’s… in den musikalischen Abgrund. Die vier beginnen ihr “Marchin’ on” von OneRepublic tatsächlich im Sitzen und haben alle Textzettelchen in der Hand. Pietro behält Recht mit seinem Minderwertigkeitskomplex und kommt schon nach zwei, drei (abgelesenen) Worten raus, bricht seinen Gesang ab. Die anderen sind verwirrt und stocken ebenfalls, Bohlen stoppt die Musik: “Ihr kommt hier rein und macht so auf dick. Ihr lacht Euch tot, Mensch lacht über Euch selber. Ihr seid wirklich die letzten Flitzpiepen.” Olala, bevor aber Obergott Bohlen noch dazu kommt, die vier mickrigen Zwerge zu bestrafen, die es gewagt haben, des Poptitanen wertvolle Lebenszeit mit ihrem Gelache zu vergeuden, kommt der Nachspann und lässt uns Zuschauer voller Fragen zurück. :-o

    Werden die vier noch eine zweite Chance bekommen? (lt. Teaser für die nächste Woche: Ja) Und werden sie es dann besser machen? (Teaser: Nein, nein) Diese und zahlreiche weitere weltbewegende Rätsel werden in der zweiten Recall-Folge am Sonnabend geklärt werden. Was sind wir aber mal gespannt… ;-)

    Bis denne!

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  • Mahlzeit zusammen,

    heute begleiten wir Christian Rach, den guten Geist der Gastronomie, nach Mannheim. Hier schreien die Besitzer des Restaurants “Flic-Flac” um Hilfe, die Gäste bleiben aus, die Umsatzzahlen sind im Keller, aber keiner hat eine Erklärung dafür und man wendet sich also an RTL. Ein Fall für Rach oder besser gleich Zwegat? Das Los fiel auf den Hamburger und da ist er nun.

    Originellerweise kommt Christian Rach wieder einen Tag früher als angekündigt, wohl um die Wirtsleute zu erschrecken, der selbe Trick wie immer… Welcher Mensch, der auch nur eine einzige Folge dieser Serie gesehen hat, fällt denn da noch drauf rein? Hmmm, also ein paar davon lernen wir jetzt gleich kennen. Rach steht nämlich im schummrig-dämmrigen Gastraum, quasi noch im Eingang, und fragt sich zu den Besitzern durch. Finden kann er allerdings nur die Mama der Kompanie, Sylvia Zygmund. Ihre beiden Kinder Katja und Jarek, denen das Etablissement gehört, sind gerade nicht da. Plötzlich scheppert die Tür (die ist nämlich kaputt und scheppert während der ganzen Sendung), Jarek kommt rein, sieht seine Mutter mit dem überraschend angereisten Sternekoch plaudern, peilt sofort die Lage und verdrückt sich. Aber zu spät, Rachs Adleraugen haben ihn schon erspäht und Jarek wird von seiner Mami vor die Kamera gewunken: “Das ist Chef!”. Rach erkundigt sich zuerst, wieso es denn hier so dunkel sei. Tja, da seien wohl ein paar Halogenlampen defekt, die könne man nicht reparieren. Genau genommen könne man sich die Reparatur nicht leisten, präzisiert er dann auf Drängen der Mutter. “Ich bin aber nicht zum Glühlampenwechseln hier!”, droht der Sternekoch mit erhobener Stimme, für seine Verhältnisse ein neuer Geschwindigkeitsrekord für Verstimmungen, immerhin ist er erst zwei Minuten im Laden.

    Das Restaurant ist geradezu riesenhaft, hat 300 Plätze, die allerdings zumeist im Dunkeln verschwinden. Und das scheint auch gut so, denn hier oder da ist wohl in den letzten 20 Jahren mal die Renovierung vergessen worden, soweit man erkennen kann. Katja, die Co-Besitzerin und Schwester von Jarek , kommt nun auch hinzu und berichtet von der Geschichte des “Flic-Flac”. Früher hätten die beiden hier beim Vorbesitzer gearbeitet und dann vor einem Jahr das Restaurant selbst übernommen, übrigens zum Nulltarif, was die Geschwister damals komischerweise nicht weiter beunruhigte. Und nun ist man trotz dieses günstigen Kaufpreises wirtschaftlich am Ende: “Herr Rach, sie sind unsere letzte Hoffnung”, fleht Katja. Der Angesprochene ist bass erstaunt “Ihr habt das erst vor einem Jahr übernommen und schon ‘letzte Hoffnung’?”

    Traditionell startet Christian Rach mit der praktischen Erprobung der Speisekarte. Das Essen im “Flic-Flac” steht unter dem Motto “Gute Hausfrauenküche” und wird im Wesentlichen von Mama Zygmund verantwortet. Schon beim Hinsetzen in einer der helleren Ecken des Restaurants stutzt der Gastropapst, wischt mit der Hand über den Tisch und verkündet angewidert “Der Tisch ist klebrig!”. Katja hat aber gleich eine Erklärung, die Tische seien nämlich nicht wirklich klebrig, sondern eine Kollegin habe sie so “beschichtet”, dass man das leider auch mit viel Scheuern nicht mehr abbekomme. Rach schüttelt den Kopf und rät ironisch: “Macht hier doch’n Zettel auf den Tisch für die anderen Gäste, dass der Tisch nicht schmutzig ist.” Nun kommt der Hamburger in Fahrt, fragt nach, wieso denn die Speisekarte eigentlich “Speisekarte” hieße, es stünden ja eigentlich nur Getränke drin. Erst ganz am Ende käme das Essen. Aber dann sind es ihm wiederum zu viele verschiedene Gerichte, was denn Spaghetti, Pizza, Baguette, Nachos, Griechischer Salat, überbackener Schafskäse & Co. mit der angekündigten “Hausfrauenküche” zu tun hätten, die Hausfrau müsse aber weit gereist sein. Kurz zusammengefasst, sei das ein “Kabinett der Langweiligkeiten und Grausamkeiten”, nichts spräche ihn wirklich an.

    Mama Zygmund schaltet in der Küche den Turbo ein und wirbelt zwischen Töpfen, Herd und Kühlschrank. Derweil hocken sich ihre beiden Kinder neben den Restauranttester und erwarten demütig die Dinge, die da nun gleich unweigerlich auf sie einprasseln werden. Gleich beim ersten Salat entbrennt eine Diskussion zwischen Rach und Katja, ob abgepackter Tütenmozzarella dem frischen Mozzarella vorzuziehen sei. Die Besitzerin zeigt sich uneinsichtig, der Hamburger auch und man ahnt schon dunkel, in welche Richtung es in der heutigen Folge gehen wird. Auch der überbackene Toast mit Nachos bietet Anlass für Meinungsverschiedenheiten, nicht einmal die Spaghetti mit extra-stinkiger Knoblauchsauce können vor Rachs kritischem Auge bestehen. Das sei alles zusammen eine Parade der Belanglosigkeiten, resümiert der Experte von der Elbe. “Liefert mir den Grund, hierher zu kommen!”, gibt er den Geschwistern als Hausaufgabe bis morgen und entschwindet in die Dunkelheit.

    Am nächsten Morgen kracht Christian Rach beim Eintreten in das “Flic-Flac” gegen die noch immer klemmende Tür (siehe oben). Leider ist inzwischen die Sonne aufgegangen und enthüllt jetzt unbarnherzig, was die Dunkelheit am Vorabend noch zu verbergen half: Der gesamte Schuppen ist siffig, marode und pfeift substanziell auf dem allerletzten Loch. Viele der 300 Sitzplätze haben kaputte, zerrissene Polster, die Wände sind schrundig und löchrig, der Fußboden unansehnlich, ausrangierte Küchengeräte liegen hinter dem Tresen und der Innenhof sieht eher nach Werkstatt als nach Gästebereich aus. Aber das alles war erst die Ouvertüre, jetzt geht es nämlich in die Küche und da kennt Rach keinen Spaß mehr. Warum die Verstopfung in dem Fußboden-Gulli nicht beseitigt werde und wie lange es die schon gebe? Eineinhalb Monate, der Hamburger ist sprachlos. Was das dahinten für ein nerviges Piepgeräusch sei, erkundigt er sich bei Janek. Das sei bloß der Temperaturalarm vom Kühlschrank, kein Anlass zur Besorgnis. Rach scheint innerlich schon eine Alarmierung des Gewerbeaufsichtsamts in Erwägung zu ziehen, das ist ja alles ungeheuerlich! Warum die Kacheln so gelb seien? Warum die Abzugshauben über und über versifft seien? Absolutes Ekel-Highlight ist aber der an der Decke hängende Eimer, in den das aus der Lüftung laufende Fett tropft. Vermutlich kippen die Zygmunds die dabei  gesammelte Masse gleich postwendend wieder in die Friteuse… “Der Laden ist verwarzt, das ist unter aller Sau!”, zieht Rach eine vernichtende Bilanz des bisher Gesehenen.

    Tag drei beginnt mit einer echten Überraschung: Die Katja und Jarek haben mit zahlreichen helfenden Händen inzwischen die gröbsten Dreckhaufen beseitigt. Mama Zygmund hat einfach die Zähne zusammengebissen und durchgemacht, mit Erfolg: Die Küche glänzt auf einmal und die Kacheln sind jetzt tatsächlich weiß. Christian Rach staunt und lobt Sylvia und ihre Küchenhilfe Bahira, so eine schnelle Verbesserung in so kurzer Zeit habe er noch nie erlebt. Ein weiteres Hobby von Rach ist die Inspektion von Messie-Kellern. Auch diesmal wird er fündig, hier in der Unterwelt des “Flic-Flac” herrscht das blanke Chaos, das böse Wort “Hirnfurz” fällt. Auf Kosten von RTL will er nun einen Container herbeischaffen.

    Zurück im Gastraum fällt ihm an der Wand folgendes Sonderangebot ins Auge “montags bis freitags zwischen 12 und 18 Uhr alle Speisen für 5,- Euro”. Wenn man da noch die Mehrwertsteuer abziehe, dann bliebe doch nur 4 Euro pro Gericht übrig, vielleicht sei das ja eine Ursachen für die finanzielle Misere hier im Haus? Rach, der früher mal Mathematik studierte, nimmt sich eine Tafel von der Wand und ein Stück Kreide und fängt an, den Zygmunds das kleine Einmaleins der Betriebswirtschaftslehre beizubringen. Wie hoch den die Raummiete pro Monat sei, will er wissen. Als er die Antwort “8.800 Euro” erfährt, ist Rach schlagartig klar, dass er diesen Fall nicht mehr lösen kann. Die Raummiete dürfe in der Gastronomie nicht höher als ungefähr 10 Prozent des Gesamtumsatzes liegen, alles andere sei nicht mehr zu erwirtschaften. Das “Flic-Flac” müsse also über den Daumen gepeilt 100.000 Euro im Monat abwerfen, um die hohe Raummiete tragen zu können. Pro Tag seien das also etwa 4.000 Euro, bei günstig geschätzten 200 Gästen also eine Umsatzerwartung von 20,- Euro pro Gast. Und das ist absolut unrealistisch hier in diesem heruntergekommenen Laden. Insbesondere, wenn man an das oben erwähnte Sonderangebot denkt… Christian Rach rät den beiden Besitzern, dringend mit dem Vermieter zu sprechen. Falls die Pacht auf diesem Niveau bleibe, sollten sie besser ganz schnell den Laden abwickeln (sonst werden sie ein Fall für den Zwegat).

    Katja spricht tatsächlich gleich am nächsten Morgen mit ihrem Vermieter und der geht auf 5.500 Euro pro Monat herunter. Damit läge der täglich zu erwirtschaftende Betrag bei 2.500 Euro. Alle drei Zygmunds behaupten aus dem Bauch heraus, das sei schaffbar, aber Rach bleibt skeptisch und fordert, den Steuerberater hinzuzuziehen. Auch der sieht kaum eine Chance, hier im Laden läge so vieles im Argen, es gebe nicht einmal eine ordentliche Buchführung…

    Rach lässt sich nicht entmutigen und beschließt, heute endlich mal zu kochen. Zusammen mit Mama Sylvia und zwei weiteren grauhaarigen Damen beginnt er mit den Koch-Basics. Der Tomaten-Mozzarella-Salat wird jetzt mal so zusammengebaut, wie der Sterneinhaber sich so etwas vorstellt und – O Wunder – es schmeckt sogar der herbeigerufenen Katja. Christian Rach nun aber gerade zu richtig großer Form auflaufen will, bricht Katja den ganzen Zirkus ab, sie habe heute Abend Reservierungen für 55 Personen angenommen und deswegen sei nun keine Zeit mehr für den Kochkurs. Punkt. “Dann nehme ich mir für heute Abend frei”, entgegnet Rach verbittert. Kurz darauf kommt von Katja dann noch ein Befehl an ihre Küchencrew, die dem Hamburger komplett gegen die Berufsehre geht: Heute Abend sollen nur Fertig-Bratkartoffeln serviert werden. Er schnauzt die beiden Besitzer an: “Ihr habt nichts gelernt!” Mit dem Bewusstsein, dass er eigentlich gar nicht mehr gebraucht wird, enteilt Rach aus dem “Flic-Flac”.

    Am letzten Tag in Mannheim wurschtelt Rach kurz mit den drei Grauköppen in der Küche an einem neuen Schokoladendessert, kann den aber wegen allgemeiner Zeitknappheit nicht mal mehr in den Kühlschrank stellen, der Laden wird nämlich schon wieder geöffnet und er ist Katja im Grunde genommen im Wege. Mit einer schnellen Umarmung verabschiedet sich der Sternekoch herzlich von Mama Zygmund und überlässt das “Flic-Flac” einer sehr ungewissen Zukunft. Und tatsächlich, als er einige Wochen später wieder in Mannheim ist, existiert das “Flic-Flac” schon nicht mehr, die Zygmunds haben aufgegeben und Christian Rach damit Recht behalten. Viel zu viele Leute würden sich ohne Ahnung und Verstand in der Gastronomie selbstständig machen, zieht er ein letztes Fazit.

    Das war eine sehr unerfreuliche Folge, es blieb buchstäblich etwas im Dunkeln, weshalb die Restaurantbesitzer ihn eigentlich gerufen hatten. Weder in der Küche, noch in der Buchhaltung waren die Ratschläge von Christian Rach wirklich erwünscht. Aber wenn das Schicksal des “Flic-Flac” auch nur für einen einzigen Möchtegern-Gastronomen eine Warnung ist, sich nicht unbedarft in das Risiko der Selbstständigkeit zu begeben, hat diese Sendung schon einen Sinn gehabt.

    Nachtrag (07.02.2011): Liebe Rachianer, heute bleibt die Küche kalt… RTL muss heute dringend den Zweiteiler über die Luftschiffkatastrohe der “Hindenburg” zeigen und suspendiert Christian Rach deswegen für diese Woche. Bis zum nächsten Montag!

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  • DSDS (RTL) 31.01.2011 No Comments

    Hallo zusammen,

    das siebte Casting war in den vorangegangenen Staffeln auch immer das letzte – diesmal ist es anders: “Deutschland sucht den Superstar” benötigt diesmal ganze acht Folgen zur Sichtung des neuen Bewerbermaterials. Ob das daran liegt, dass diesmal so viel tolle Kandidaten dabei sind oder ob das große Heer der musikalischen Vollplinsen die Suche nach den wenigen Juwelen erschwert?

    Heute beginnen wir mit einem Kandidaten der zweiten Kategorie: Bastian ist 19 und ultracool. So cool, dass er passend zu seiner Adidas-Trainingsjacke mit einer fetten Sonnenbrille ins Studio kommt, die wesentliche Teile seines schmalen, käsigen Gesichts verdeckt. Sein weiterer Lebensweg steht ihm schon klar vor den (unsichtbaren) Augen: Er will in die DSDS-Mottoshows, danach einen Plattenvertrag kriegen, damit Geld verdienen und so ein “Mädchen abbekommen”. Nun ja, zunächst aber tritt Bastian dunkel bebrillt vor die Jury aus Dieter Bohlen, Fernanda Brandao und Patrick Nuo. “Eijaijai”, entfährt es dem Poptitan beim Anblick des vor Kraft fast nicht mehr normal gehen könnenden Kandidaten. “Hast’n Sehfehler?”, erkundigt er sich brüsk nach der Ursache für das seltsame Heino-Utensil. Bastian verneint, kündigt sein Lied “Alors on danse” von Stromae an und drückt sich den Ohrenstöpsel seines MP3-Players in den rechten Gehörgang. Ob er das nicht ohne könne, fragt Patrick und erhält zur Antwort “Nö, dann verkackt meine Stimme”. Sprach’s und fängt auf Französisch an zu rappen bzw. singen. “Verkacken” tut er allerdings trotz Player im Ohr, eine Melodie ist auch beim besten Willen nicht zu erkennen. “Welches Lied ist das?”, fragt Fernanda, aber Bohlen zuckt nur die Schulter: “Keine Ahnung”. Als schon alles verloren ist, schiebt Bastian noch seine Version von Travis Hit “Sing” nach, ein einziges langgestrecktes Gejaule in einem grottenschlechten Englisch. Endlich beendet Dieter das Trauerspiel: “Du hast bei DSDS oder Superstar keine Chance. Das einzige, was Du hier zu suchen hast, ist der Ausgang.” Nach einem Abschiedskuss von Fernanda tut er das dann auch. :-(

    Linai Tardivo, 20, kommt aus Zürich, ist von den Eltern her jeweils zur Hälfte Italienerin und Brasilianerin und warnt deshalb im Einspieler schon einmal vor ihrem Temperament. Wegen ihrer dunkleren Hautfarbe passt sie prächtig ins Dieters Beuteschema; als sie ins Studio kommt, reißt er erkennbar die Augen auf. Vor dem ersten gesungenen Ton  muss sie aber zunächst beweisen, dass sie tanzen kann, was ihr aber natürlich keine Schwierigkeiten macht (inklusive Spagat!). Beyoncés Titel “Listen” sei sehr schwierig, warnt Bohlen noch, aber Linai lässt sich nicht beirren und legt einen erstklassigen, wenn auch seeeehr lauten Auftritt hin. “Dich nehmen wir mit, sowas von hundertprozentig!”, urteilt die beeindruckte Jury und überreicht ihr die gelbe Recall-Eiladung. :-)

    Als Kontrast kommt nun die 19jährige Jennifer, von Beruf Holzmechanikerin, die von sich selbst ebenso überzeugt ist, wie Linai. Allerdings unterscheiden sich die beiden sehr im Talent… RTL zeigt uns im Einspielfilmchen, wie sie mit ihrem wesentlich älter wirkenden Freund knutschend durch einen (sommerlichen) Park läuft. Der Freund hat ihr wegen der angeblich tollen Stimme offensichtlich gut zugeredet, am DSDS-Casting teilzunehmen. Liebe macht bekanntlich blind – und wohl auch taub. Im Studio ist ihr Glück aber schnell zu Ende: Dummerweise hat sie sich als Titel das Bohlensche Machwerk “We have a Dream” aus der ersten DSDS-Staffel ausgesucht. Der anwesende Komponist sieht aus, als habe er in eine Zitrone gebissen und sein Gesicht wird im Verlauf von Jennifers Darbietung immer länger, denn sie ist musikalisch völlig unbegabt, kann kein Englisch, vergisst nebenbei auch noch den Rest vom Text, verliert dann komplett den Faden, fängt neu an und dilettiert sich stotternd durch eine akustische Karikatur des Nummer-Eins-Hits von 2003. Bohlen leidet sichtlich und stoppt sie dann: “Auch wenn ich manchmal sehr hart bin, das habe ich aber nicht verdient, finde ich. Du hast meinen Song in’n Arsch gemacht, deswegen bin ich jetzt ‘n bisschen traurig.” Jennifer guckt etwas bedrabbelt mit ihren bäuerlich roten Wangen, versteht die Kritik aber letztlich wohl und wird draußen von ihrem Freund getröstet. :-(

    Nun schwingt das Pendel wieder in die Gegenrichtung, wir kommen nämlich zu Asana Mohammed, die 17 ist, aber aussieht wie 25 und aus Nigeria stammt. Dunkelhäutig mit Endlosbeinen und ein strahlendes Lächeln… beim Anblick der angehenden Krankenschwester reißt es Dieter schon wieder vom Stuhl. Genau wie Linai (s.o.), muss Asana das wegen ihrer exotischen Erscheinung vermutete Tanztalent unter Beweis stellen, was ihr auch glänzend gelingt. Danach singt sie Aretha Franklins “Respect”, nicht hundertprozentig textsicher, aber dafür umso energischer. Bohlen bemerkt, dass Asana lispelt und fragt , wieso sie sich dann einen Titel mit dem gefährlichen “s” ausgesucht hat. Ist aber alles egal, ihr “Style” kommt gut an, um die stimmlichen Defizite soll sich später der Vocal Coach kümmern und damit winkt die Jury sie durch in die nächste Runde. Ihre draußen vor dem Studio wartende Mutter fällt voller Dankbarkeit buchstäblich auf die Knie, kreischt heiser “Thank you, God” und gerät dann völlig außer Fasson. Asana kommt hinzu, die Recall-Einladung in der Hand, und schleppt dann ihre noch immer vor Freude wimmernde Mutter zurück ins Studio zur Jury, damit sie sich dort bedanken könne. Dieter Bohlen versteckt sich zunächst hinter der Tresen, mit lauten, unkontrollierten Frauen hat er schon schlechte Erfahrungen gemacht. Mutter Mohammed ist aber nur eine harmlose Irre, sobald die größten Tränenlachen aufgewischt sind, kann die Sendung wohl fortgesetzt werden. :-)

    In einer kurzen Sequenz wird ein merkwürdiger Typ ohne Alters- oder Namensangabe gezeigt, der sich hustend und schniefend vor der Jury aufbaut. “Bist Du krank, ist das ansteckend?”, fragt Dieter fast schon hysterisch und hält sich während des restlichen Auftritts ein Blatt Papier vor das Gesicht. Er singt das merkwürdige mittelalterlich anmutende Lied “Maria” von Subway to Sally, das mit “Ein Nebel schleicht vom Sumpf herauf” beginnt. Bohlen guckt kurz über das vorgehaltene Papier und scheucht den Kandidaten mit den Worten “Das ist nichts, das ist völlig unauthentisch” aus dem Studio. Hinterher bittet er, man möge doch dringend mal den Raum durchlüften, aber da steht bereits der nächste – namenlose – Bewerber vor dem Jurytisch, mit speckigen schwarzen Haaren, Hornbrille und einer weißen Kapitänsmütze auf dem Kopf. Ob er nicht mal ganz tief einatmen könne, schlägt Bohlen vor und hofft dabei völlig egoistisch, dass der neue Kandidat dabei die “Millionen” von ausgehusteten Bakterien seines Vorgängers aufsaugt und hinaus befördert…

    Die nächste Bewerberin ist Nina Richel und berichtet, sie wohne noch bei ihren Eltern, sei aber wegen ihrer “voluminösen” Stimme in den Keller verbannt worden. Ja, sie sei eine Rampensau, könne mit ihrer positiven Energie alle Leute um den Finger wickeln, behauptet die 17jährige. Den Titel “Because of you” von Kelly Clarkson singt sie eindrucksvoll laut, danach ist die Jury stumm vor Erstaunen. Bohlen mäkelt etwas von “lautem Geschrei” und “auf der Strecke gebliebenem Gefühl”, hofft, dass sie ihre Stimme etwas mehr unter Kontrolle kriegt. Selbstverständlich kommt sie in den Recall und gehört sogleich zu den erklärten Favoritinnen der Jury. :-)

    Und noch ein positiver Auftritt schließt sich an: Paul Stuchlik ist nicht nur 21, sondern auch Straßenmusiker in Thüringen. Er trägt lange Haare und Ziegenbart und kommt mit kunterbuntem Hemd, Schiebermütze sowie natürlich seiner Gitarre zum Vorsingen. Er erinnert mich insgesamt an eine Mischung aus Thomas Godoj und Max Buskohl, wem das noch etwas sagt. Zuerst legt Paul, wie wohl bei allen seinen Auftritten, seine Mütze zum Geldeinsammeln vor sich auf den Boden. Fernanda versucht, einige Münzen von ihrem Platz aus in der Kopfbedeckung zu platzieren. Dabei brabbelt der Kandidat etwas von einem seiner Titel namens “New Shoes” und führt dabei seine völlig zerlatschten Schuhe vor, deren Sohlen sich schon lösen. Welche Schuhgröße er denn habe, will Bohlen wissen, zieht nach der Auskunft “42″ seine angeblich erst zehn Minuten lang getragenen weißen Turnschuhe aus und überreicht sie dem Straßenmusiker als Geschenk. Die Treter passen auf Anhieb und stehen Paul sogar. Der singt dann “Like a Hobo” von Charlie Winston und kommt damit in Rekordzeit zu einer Recall-Einladung, die ihm Fernanda in seine Mütze legt. Zugegebenermaßen fand ich persönlich seine Stimme etwas arg gepresst, knödelig und dünn, aber vermutlich zählt auch hier wieder das berühmte “Gesamtpaket”. :-)

    Ardian Bujupi ist 19, stammt ursprünglich aus dem Kosovo und hat trotz einigermaßen schlechter Deutschkenntnisse gerade das Abitur geschafft. Er will DSDS nutzen, um es “allen zu zeigen, die nicht an mich geglaubt haben”. Das wirkt etwas wie die Ansage eines Macho aus der Menowin- oder Mehrzad-Schublade, aber möglicherweise ist Ardian ja trotzdem ein Netter, zumindest zeigt er mit Xavier Naidoos “Und wenn ein Lied” seine weiche Seite. Die Stimme ist wirklich sehr schön, fast introvertiert, und keinesfalls zu vergleichen mit denen der beiden oben genannten DSDS-Vorjahresfinalisten. Klar kommt er damit in den Recall, Bohlen nennt seine Stimme sogar “sensationell”. :-)

    Zum Schluss gibt es wie immer einen musikalischen Bauchklatscher. Diesmal besorgt den Artjum, 29, der aus Estland stammt, momentan u.a. Informatik studiert und nebenher auch als DJ arbeitet. Im Einspieler berichtet er u.a. von seinem Kinderwunsch, zu dessen Erfüllung ihm nur noch die passende Frau fehle. Die nachfolgende Beschreibung seiner Traumpartnerin könnte grob auf Fernanda passen, eine Anmaßung, die dann mit haufenweise Trickanimationen während seines ganzen Auftritts (Mount Rushmore “You better”) geahndet wird. So berühmt ist der übrigens nicht, er versemmelt so ziemlich alle Töne. “Talentfreiheit hoch hundert”, ruft ihm Dieter Bohlen noch beim Rausgehen hinterher. :-(

    Nur noch eine Sendung, dann ist das Casting vorbei und wir kommen in den Recall. Mit einem kurzen Teaser macht uns RTL schon mal lecker auf ein paar sehr schräge Töne vom Dauerloser Menderes. Bin mal gespannt, ob Dieter ihn wirklich bis zur Top 15 überleben lässt… Bis denne!

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  • DSDS (RTL) 28.01.2011 No Comments

    Hallo Fans,

    ja, Ihr habt die Überschrift richtig gelesen, schlimme Dinge stehen uns heute bevor: Ein besonders untoter Kandidaten aus der grauen Vorzeit von “Deutschland sucht den Superstar” findet einfach keine Ruhe und nervt uns Jahr für Jahr mit einem grenzdebilen Deppenauftritt. Mal sehen, welche bekloppte Geschichte sich RTL diesmal wieder ausgedacht hat, um Kultversager MENDERES ein paar unverdiente Minuten im Abglanz von Dieter Bohlen, Fernanda Brandao und Patrick Nuo zu ermöglichen.

    Los geht der heutige Reigen mit Barbara vom Bodensee, die voin einem Bauernhof stammt und in ihren 22 Lebensjahren bereits in 3 Chören gesungen hat, also fast schon automatisch für den Recall qualifiziert ist. Ihre so genannte Fröhlichkeit, man könnte es ansonsten auch als pathologischen Lachzwang bezeichnen, hilft ihr indes im Studio auch nicht weiter, denn sie begeht einen Kardinalfehler: Sie singt “It’s oh so quiet” von Björk und leider hasst Dieter Bohlen Björk – Pech für Barbara. Schon nach wenigen Augenblicken unterbricht er ihr zugegeben anstrengendes Liedchen, wie man sich denn bloß mit so einem Stück zum Casting vorstellen könne? Nö, die Nummer sei “Scheiße”, befindet der Meister und dreht beleidigt den Kopf zur Seite. Das Lied klinge nach Betonmischer und die Stimme sei “voll für’n Arsch im Moment”. Nach den drei Neins weint Barbara draußen vor der Studiotür ein paar bitterliche Tränen; auch der zum Trösten hinausbeorderte Patrick Nuo kann sie nicht beruhigen. :-(

    Norman Langen ist 26 Jahre alt und schon etwas wie ein kleiner Profi, denn er singt häufig auf Veranstaltungen wie Stadtfesten und Hochzeiten, allerdings vor allem deutsche Schlager aus der Mallorca-Abteilung. Im Einspieler erklärt der ziemlich fit aussehende Blondschopf die Wichtigkeit von Styling und bekennt etwas überraschend, er sei “absoluter Hämorrhoidenfetischist”. Hä? Auch RTL hat wohl an der Stelle nur “Bahnhof” verstanden und noch einmal nachgefragt. Gemeint war eigentlich “Hämorrhoidensalbenfetischist”, was die Sache für mich nicht wirklich besser macht. Norman erläutert dann aber, dass er besagte Salbe verwende, wenn morgens beim Aufstehen seine Augen zu dick verschwollen seien. Sachen gibt’s. Bei Bohlens Jury kommt er trotz oder wegen seiner Hämorrhoidengeschichte gut an, trotz des gewählten Lieds “Ich bau’ Dir ein Schloss” von Jürgen Drews – wobei der ja thematisch wiederum auch gut zu der Salbe passt. (Und ich muss bei beiden an denselben Körperteil denken…)  Normans Stimme, Ausstrahlung und Selbstvertrauen kommen gut an und die Jury schickt ihn einstimmig – wie so oft – in den Recall. :-)

    Der nächste Kandidat, Robin aus Frankfurt/Oder, hätte heute lieber im Bett bleiben sollen oder wo auch immer, jedenfalls war das Erscheinen vor Onkel Dieters Tribunal eine Entscheidung, die der 19jährige noch einige Zeit bedauern dürfte. Schon im Einspieler kann man über seine schwarze Popo-Scheitel-Frisur lachen, die er zu allem Überfluss mit so einer merkwürdigen Schlumpfmütze verdeckt. Er erzählt freimütig, seine Eltern hätten ihn früher als Kind schon sehr häufig gebeten, um Gotteswillen doch bloß mit dem Singen aufzuhören, aber was ein echter Superstar werden will, der lässt sich vom musikalischen Sachverstand der Altvorderen nicht von der ihm eigentlich zustehenden Weltkarriere abbringen. Unter diesen eher gemischten Vorzeichen betritt Robin die alles entscheidenden Bretter, die die DSDS-Welt bedeuten, hat aber die Rechnung ohne seine Hose gemacht. Ja, dort hat sich nämlich ein Problem ergeben, das die Amis seit Janet Jacksons und Justin Timberlakes Super-Bowl-Debakel von 2004 als “Wardrobe Malfunction” bezeichnen würden, zu Deutsch: Der Hosenstall ist offen. Genau genommen ist der Reißverschluss nur im obersten Drittel nicht geschlossen, aber das genügt Dieter Bohlen als Zielmarkierung für einen Schwall derber Bemerkungen. Man muss etwas an Marcel, den Pipi-Kandidaten aus der letzten DSDS-Staffel denken. Als Robins tapfere Bemühungen zur Wiederherstellung der Hosenintegrität nicht fruchten, kommt Dieter Bohlen himself hinter einem Jurytresen hervorgekrochen und fängt an, an den Beinkleidern seines Kandidaten herumzuwerkeln, immer auf der Suche nach möglichst originellen Bildern für die Fernsehkameras. Und aus Sicht des Poptitanen sieht es bestimmt superlustig aus, wenn ein – mit Verlaub gesagt -  alter Sack sich an der Hose eines noch darin steckenden Jünglings zu schaffen macht. Als der Kampf von Mensch gegen Material trotz minutenlangen Gezuppels doch mit dem Sieg der Jeans endet, verzichtet die Jury endgültig auf eine korrekte Bekleidung des Kandidaten, worauf Robin endlich seinen mit Spannung erwarteten Gesang anstimmen kann. Es gibt “Through Glass” von Stone Sour. Jedenfalls so eine Art von… Wir werden nie erfahren, ob es an den vorausgegangenen megapeinlichen Szenen liegt oder seine Eltern mit der vermuteten Unmusikalität doch Recht haben, er singt jedenfalls wie ein halskranker Lurch. “Der Sound der Stimme ist Scheiße, Du verkaufst Dich Scheiße, Gefühl Zero. Ich kann nicht aus nichts etwas machen, ich bin ja nicht der Liebe Gott.”, gibt sich Bohlen heute bescheiden. Die anderen Jury-Granaten schließen sich dem Urteil ihres Vorturners an und  Robin darf sich trollen. :-(

    Danach kommt als nächster Kandidat der 18jährige Pietro Lombardi ins Studio, der schwer an seinem Keyboard und vor allem dem zugehörigen unhandlichen Gestellt schleppt. “Puh, ich bin jetzt richtig froh, hier zu sein, seit 12 Stunden mit dem Ständer…” Dummerweise liefert er mit dieser harmlos gemeinten Bemerkung Dieter Bohlen eine Steilvorlage, so dass dieser einen ganzen Stapel deutlich überlagerter Herrenwitze zum Thema “Ständer” anbringen kann. Pietro arbeitet momentan als Swarovski-Steineleger, d.h. er beklebt Gegenstände mit kleinen Glasstückchen. Ja, okay, sowas muss es ja auch geben. Der Kandidat bringt “Down” von Jay Sean zu Gehör, allerdings hätte er wegen der paar leisen Akkorde das Keyboard nicht extra mitschleppen müssen, finde ich. Das Lied fängt gut an, dann aber bricht er ab, seine Stimme sei so kratzig. “Wenn’s kratzt, musst’e jucken”, steuert Bohlen mal wieder ein Bonmot aus seiner reichhaltigen Lebenserfahrung bei. Ist aber alles nicht so schlimm, die Jury hat genug gesehen, der Junge gefällt, sei voll der süße Bravo-Typ mit seiner lockeren, frischen Art, dem Strahlemannlächeln und der nach hinten gedrehten lila Basecap. Und ganz klar kriegt Pietro die Einladung zum Recall. :-)

    Jennifer wird schon im Einspieler verarscht mit ruckeligen, auf alt getrimmten Bildern von ihr auf einem Spielplatz, dazu kräht sie in die Kamera: “Ich will einfach das Beste vom Besten sein!”. So etwas schafft keine Sympathien, besonders, wenn man mit seiner Oma-Brille aussieht, wie die Streberin vom Dienst. Die 20jährige kommt barfuß ins Studio, kann aber auf Nachfragen der Jury nicht genau erklären, warum. Der dann folgende Gesang ist supergrottenschlecht, einfach nur Mist. Sie zieht jeden Ton so ganz merkwürdig jauchzend nach oben, ich kenne gar kein passendes Wort für so etwas. Übrigens hat Jennifer vorher auch nicht erzählt, welches Lied sie performen will, es hätte aber vermutlich den Wiedererkennungswert sowieso nicht gesteigert. Die Jury guckt leicht betreten und grinst sich an, dann beenden sie die Darbietung mit drei Neins. “O nöö, bitte, bitte, bitte”, bettelt die Kandidatin die Jury an. Bohlen fragt dann auch noch die Regie- und Kameraleute im Raum, alle schütteln den Kopf. “Neun Mal Nein”, fasst der Poptitan das ziemlich niederschmetternde Ergebnis zusammen und endlich verzieht sich Jennifer. “Das Leben geht weiter”, ist draußen ihr Fazit nach dieser kurzen Karriere als Sängerin. :-(

    Direkt in die Sauna begleiten wir die nächste Kandidatin in ihrem Einspieler:  Sarah Engels aus Fürth ist 18 Jahre alt, legt viel wert auf ihr Äußeres und besitzt offensichtlich auch eine Dauerkarte für das Solarium. Ob es für die weitere Vermarktung superschlau ist, sich ausführlich mit dem Freund beim Knutschen im Park filmen zu lassen, sei allerdings dahingestellt. Übrigens war Sarah auch im letzten Jahr bei DSDS und kam damals sogar bis in den Recall. Dort allerdings kriegte sie das große Nervenflattern, vergaß ihren Text und flog achtkantig aus der Sendung. Mal sehen, ob sie diesmal wenigstens wieder bis zum Recall kommt. Sie singt von Leona Lewis “Run” und imitiert jeden Schluchzer des Originals, wie Dieter bemängelt. Trotzdem kommt sie durch, die Jury gibt ihr tatsächlich die erhoffte zweite Chance. :-)

    Nun folgt eine schnelle Abfolge von Lowlights aus dem DSDS-Panoptikum. Zuerst sehen wir René, einen Typ hart an der 30-Jahre-Altersgrenze mit Schwabbelgesicht, intensivrotem T-Shirt und schwarzem Hut, der noch schlechter singt, als er aussieht. Dieter: “Jede Kartoffel hat mehr Stärke, als Deine Stimme.” Dann kommt Dennis, ungesund aschfahl mit grauer Strickmütze auf dem Kopf, der auch angesichts seiner hohlen Grabesstimme insgesamt an eine Moorleiche erinnert. Melanie bekommt von Bohlen den Rat, zukünftig als Domina zu arbeiten, sie brauche nämlich keine Peitsche, sondern könne dafür einfach ihre Stimme nehmen. Roberto nuschelt beim Singen extrem, hält zusätzlich auch noch die Hand vor den Mund und kassiert dafür von Bohlen einen Vergleich mit den Kuhstallbewohnern seines Opas. Zuletzt kommt Jens, der sich stimmlich und körperlich ziemlich verausgabt und als Lohn einen neuen Fäkalspruch von Dieter hören darf: “Das reicht für’n Urintest, aber nicht für DSDS.”

    So, wenn wir nun dachten, das war schlimm und schlimmer kann es eigentlich nicht mehr werden, dann haben wir uns gründlichst getäuscht. Nach sieben zu Recht vergeblichen Versuchen, trotz fehlenden Talents an Dieter Bohlen vorbei in den Recall zu kommen, steht heute zum achten Mal Menderes Bagci vor der Studiotür. Ein Mensch, dessen Lebensinhalt darin besteht, vom Poptitan einmal im Jahr verbal auf Links gezogen zu werden und der die verbleibenden 364 Tage bis zum nächsten Versuch als Freak-Act in Diskotheken und bei Möbelhauseröffnungen verbringt. Seine Prominenz besteht in nichts anderem, als KEIN Talent zu haben und dabei von Jahr zu Jahr seinem inzwischen verstorbenen Idol Michael Jackson immer ähnlicher zu werden, zumindest was die Skurrilität betrifft. Leider ist dieser Mensch erst 25, hätte also theoretisch noch fünf weitere Gelegenheiten, uns in den DSDS-Castings mit seiner Gegenwart zu quälen.

    Diesmal hat sich Menderes in ein weißes Jäckchen gezwängt und kommt leicht gehemmt ins Studio. Bohlen erklärt seinen Mit-Juryisten erst mal die Bedeutung des Dauerkandidaten: “Ich glaube, dass Menderes mehr Leute kennen, als Euch beiden.” Im Gegensatz zu vielen früheren Jahren, singt dieser nun keinen Jacko-Song, sondern “Fresh” von Kool & The Gang. Seine Stimme ist leider nach wie vor kein Bringer und Bohlen pöbelt nach dem Ende der unseligen Nummer gleich los: “Das klingt wie auf dem anatolischen Ziegenmarkt, das klingt nicht wie ein Mensch, eher ganz froschartig.” Warum er sich nicht einen Duettpartner suche, zum Beispiel Thomas Anders (den Bohlen demnach immer noch hasst). Die doofe Fernanda hat offenbar Mitleid mit dem bedrabbelt aussehenden Menderes und sagt plötzlich, sie würde ihm eigentlich ein “Ja” geben wollen… aber jeder bisher Weitergekommene sei besser war als er und den Recall würde er nicht überleben… und deswegen kriegte er im Endeffekt nun doch ein “Nein” von ihr. Puh, Glück gehabt! Von wegen: Der noch dööfere Patrick will seine Hartnäckigkeit belohnen und legt sich tatsächlich auf ein “Ja” fest, Menderes fallen fast die Augen raus, er grinst bis zu seiner Zahnlücke. Nach acht Jahren der Enttäuschungen und Niederlagen nun das erste “Ja”… Und dann geschieht es: Auch Dieter wird wohl langsam weich in der Birne, nach einer letzten Pöbelei (“ich hätt’ Dich in der ersten Staffel mit ‘ner Dynamitstange entsorgen sollen”) lässt er sich aus Jux und Dollerei dazu hinreißen, Menderes ebenfalls ein “Ja” zu geben! Zuerst vermute ich, Bohlen hätte wohl gehofft, der Kandidat würde vor Schreck oder Freude tot umfallen, aber nein, sein Plan ist noch viel perfider: Wer bei DSDS einmal in den Top 15 war, darf niemals wieder am Casting teilnehmen, so sind die unerbittlichen RTL-Spielregeln. Der verschlagene Poptitan aus Tötensen will nun also Menderes in den Recall und dann in die Top 15 bringen und dann müsste der auf Nimmerwiedersehen aus diesem Format verschwinden. Immerhin, nur drei Recalls und die Top 15-Show, also vier Sendungen, dann wäre die Oberpfeife Geschichte und in den nächsten Staffeln hätten wir Ruhe. Guter Plan. Menderes ist völlig verdattert, grinst noch leerer als sonst: “Wirklich jetzt? Boh, ich freu’ mich voll, das iss’ Hammer jetzt!!!” Erst draußen wird ihm die ganze Tragweite dieses Erfolgs bewusst und er weint hemmungslos: “Ich habe immer geträumt und jetzt ich habe geschafft!” :-D

    Den Abend rundet eine 24jährige Zamira ab, die Medientechnik studiert, in der Freizeit Hip-Hop tanzt und außerdem einen Hund besitzt, den sie zur Freude der Jury gleich mit ins Studio bringt, vielleicht gibt das ja Extrapunkte. Während sie “Almost Lover” von A Fine Frenzy singt, spielen Fernanda und Dieter auf ihrem Tisch mit dem niedlichen Hündchen. Extrem schlimm ist der Gesang nicht, aber so richtig toll auch nicht und so einigt man sich darauf, dass Zamira den Hund zurückbekommt und die Jury dafür die Recall-Einladung behält. Ciao! :-(

    So, die Schau der talentlosen Loser ist vorüber, aber schon am Sonnabend geht es weiter, bis denne!

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