• Hallo Leute,

    gerade so eben noch im meteorologischen Winter, begleiten wir den Hamburger Sternekoch und bekennenden Gutmenschen Christian Rach nach Erftstadt in Nordrhein-Westfalen, so etwa zwischen Köln und Bonn gelegen. Dort kämpft der jahrhundertealte “Esserhof” um die Existenz, der Besitzer Guido Schwarz hat dabei den RTL-Fernsehkoch zu Hilfe gerufen.

    Christian Rach hat sich diesmal einen grandiosen, brandneuen, nobelpreisverdächtig durchtriebenen Trick überlegt, um bei seinem Besuch in Erftstadt die ungeschönte Wahrheit zu sehen zu bekommen und keine Potemkinschen Dörfer. Achtung, Spoiler-Warnung: Wer die Folge noch nicht gesehen hat und sich die Spannung erhalten will, der möge jetzt beim nächsten Absatz weiterlesen. Also, hier nun das Geheimnis: Rach erscheint einfach ein wenig früher, als eigentlich mit dem Wirt verabredet und überrascht ihn damit kalt. Tja, Ideen muss man haben, unser Chrischan ist und bleibt nun mal ein Schlaufuchs, das muss man neidlos anerkennen. Wahnsinn, ich bin noch immer ganz beeindruckt von dieser Raffinesse… ;-)

    Wie mit dem Regisseur geprobt, tut Guido erstaunt ob des vorzeitigen Auftritts unseres Hauptdarstellers. Gott sei Dank ist aber auf den ersten Blick hin alles in Ordnung, der Laden blitzt und glänzt, fast so, als habe man das Fernsehen schon erwartet. Der Vorteil ausbleibender Gäste ist, dass Christian Rach so die freie Auswahl hat, wo er sitzen möchte. Und zwar buchstäblich die freie Auswahl, das Restaurant ist nämlich total leer. Rach wundert sich über die komplett mit Stoffservietten und Gläsern eingedeckten Tische. Guido Schwarz erzählt, er habe als gelernter Gastronom auch den Anspruch, seinen Laden ordentlich zu präsentieren. Der Sternekoch quittiert das wohlwollend, oft genug hatte er es in seiner Serie mit ungelernten Kochbanausen und Küchendilettanten zu tun. Um das kleine Gastro-Einmaleins wird es also in der heutigen Folge nicht gehen, soviel ist schon an dieser Stelle klar. Oder…?

    Im “Esserhof” liegt der Schwerpunkt auf deutsch-französischer Küche, besonders Schmorgerichte haben es dem Wirt angetan, sagt er. Christian Rach ist dann aber leicht irritiert, als er beim Studieren seiner Lieblingslektüre, der Speisekarte, Schnitzel Hawaii, Schnitzel andalusisch, Tagliatelle mit Knoblauch und Olive usw. erspäht. Guido windet sich, er habe den Laden inklusive der (seitdem unveränderten) Speisekarte übernommen und damals hätte das Geschäft gebrummt, daran könnten die aktuellen Probleme also nicht liegen. Rach wird aufmerksam: “Läuft es erst schlecht, seitdem Sie den Laden haben?”, fragt er ahnungsvoll und erhält sofort die Bestätigung: “Ja, auf jeden Fall”. Im Hintergrund erklingt dramatische Pianomusik, vielleicht hat der Sternekoch ja bereits hier, nur wenige Minuten nach dem Beginn der Episode, den Kasus Knactus gefunden, dabei lag es ja eigentlich auch auf der Hand: der Wirt ist schuld!

    Der Hamburger lässt sich von dieser Entdeckung aber nicht den Appetit verderben, vielmehr bestellt er alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Zunächst kommt ein Salat, der sich aber als extrem süß (!) herausstellt und umgehend an die Küche retourniert wird. Das selbstgebackene Brot entpuppt sich im Gegensatz dazu als lecker und entgeht dem Schicksal des Salates – Rach will es persönlich verputzen. Sicher ist sicher, denn wer weiß,  ob heute überhaupt noch etwas Genießbares kommt. Gang Nummer 2 fällt schon mal durch: Reibekuchen aus der Tüte und Apfelmus aus dem Glas, Pfui Deibel!

    Ganz anders der Zander mit hausgemachten Kroketten: Hier wurde alles selbst hergestellt und dies ist ein ortsübliches, lokales Gericht. Rach schmeckt’s und weiter geht’s. Wir kommen nun zum “Esserhofpfännchen” mit drei Stücken Fleisch auf einem großen Teller. Wo denn die dazu versprochenen Bratkartoffeln geblieben seien, erkundigt sich der Sternemaestro. Nun, die seien doch da, allerdings versteckt unter dem Fleisch, erklärt Guido diesen Gang. Okay, genug gegessen, Rach nimmt das “tolle” Brot und den “beschissenen” Salat und schleppt sie zurück zu ihrem Entstehungsort in die Küche. Hier werkelt Koch Karsten Lindler ganz allein und hat um sich herum ein ziemliches Chaos geschaffen. Überall liegt dreckiges Geschirr und besonders der Herd sieht ranzig aus. Karsten scheint das aber schon zu wissen und verspricht, den Sauhaufen ohne Wenn und Aber kurzfristig aufzuräumen. Ansonsten kriegt er aber das höchstmögliche Lob des Hamburgers: “Der kann kochen.” Damit verabschiedet sich Christian Rach bis zum nächsten Morgen in die Verdauungspause.

    Am anderen Tag schlägt Rach im “Esserhof” mit neuer Energie auf. Leider hat Karsten die Nacht nicht im Sinne des Gastropapstes genutzt, bei Tageslicht betrachtet, sieht die Küche sogar noch viel spackiger aus als am Abend zuvor. Einzig der Schülerpraktikant Ronny putzt gerade, während um ihn herum schon wieder gekocht und damit neuer Dreck produziert wird. Der Sternekoch verbirgt sein Missfallen darüber nicht und geht mit dem hiesigen Kollegen alle wunden Punkte durch. Hier klebt der Herd, dort stehen dreckige Pfannen herum, da hinten würde ein Eimer Seifenwasser helfen usw. Ausreden kann Rach gar nicht gut hören, er befiehlt Karsten, bis zum Ende des Hausrundgangs erste Ergebnisse zu produzieren, sonst… :-0

    Die Besichtigung des Esserhofs, insbesondere des Saales, frustriert Rach, den erklärten Nippes- und Stehrumchenhasser. Guido Schwarz scheint ein passionierter Schränkchensammler zu sein, an allen möglichen und unmöglichen Stellen hat er diese Möbel platziert, meist völlig sinnlos. Der im rustikalen Fachwerkstil gehaltene Hauptgastraum gefällt Rach hingegen, er weiß nur nicht, was man damit anstellen soll. Tja, der Sternekoch wird immer ratloser, kann sich eigentlich auch nicht so richtig erklären, weshalb die Publikumsresonanz auf dieses Lokal so bescheiden ist. Das Essen ist gut, das Ambiente stimmt und die Küche sehen die Gäste ja nicht. Hmmm. Auch die Inaugenscheinnahme der gastronomischen Umgebung gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass Erftstädter kategorische Nichtesser sind, im Gegenteil: Die benachbarten italienischen, chinesischen, thailändischen und sonstigen Restaurants sind gut bis sehr gut gefüllt. Grübel, grübel, grübel. Rach schlägt nun vor, die streng spitz nach oben gefalteten Servietten anders hinzulegen, die wirkten irgendwie feindselig. Und mehr Licht von draußen wäre gut, meint er und reißt zur Bekräftigung in der Küche gleich die ganze Gardinenstange runter, was Guido Schwarz wortlos, aber mit deutlich sichtbarem Unbehaben zur Kenntnis nimmt. Hausaufgabe der Crew bis morgen ist ein Aufsatz zum Thema “Wir gehen in den Esserhof, weil…” Rach hat schon wieder Feierabend und entfleucht in das pulsierende Nachtleben von Erftstadt – the City that never sleeps.

    Tag Drei, Rach kontrolliert die Hausaufgaben. Guido ist stolz wie Oskar, man habe an einem neuen Konzept für den “Esserhof” herumgedacht und außerdem noch viel mehr Gardinen abgehängt. Nach einer ganzen Weile kristallisiert sich beim Sterne-Christian endlich heraus, was den Esserhof von den anderen Restaurants in der Nähe abheben könnte: Die konsequente Verwendung von in dieser Region hergestellten landwirtschaftlichen Produkten aus gesundem, kontrolliertem Anbau, dazu fällt ihm dann auch noch der neue Slogan ein: “Esserhof schmeckt natürlich besser”. Ein kleines, harmloses Wortspiel mit dem Begriff “natürlich”, aber immerhin! Jetzt fehlt zu der ganzen Sache nur noch eine passende Speisekarte.

    Während Rach sich wegen dieser tollen Idee innerlich vermutlich schon selbst auf die Schulter klopft, lenken ihn seine Schritte unglücklicherweise mal wieder in die Küche. Karsten hat noch immer nicht “Klar Schiff” gemacht, der Siff ist genau so dick wie vor zwei Tagen, überall stehen Essensreste herum. Nun platzt dem Hamburger aber echt der Kragen: “Wo ist Deine Ehre?”, herrscht er den jungen Koch an. Der stellt sich begriffsstutzig: “Wieso, wo habe ich denn versagt?” Eine solche Chance zur Intensivbetrachtung der ekelerregendsten Stellen lässt sich Freund Rach natürlich nicht entgehen und so kommen wir in den zweifelhaften Genuss einer Spezialführung durch die Küche mit den Schwerpunkten Staub, Dreck, Fett und versteinerte Soßenreste. Höhepunkt des Schreckens sind die völlig verkeimte Abtropfrinne im Eisschrank und ein mit Müll verstopftes Ausgussbecken. Bei dieser Gelegenheit verkündet der Sternekoch lautstark, dass er schon rückwirkend seit Staffelbeginn keinen Bock mehr hat, in dieser, seiner eigentlich sauberen Serie nochmal irgendwo mit putzen zu müssen. Und diese Ansage gilt ganz klar auch für alle Gastronomiebetrieb im Rhein-Erft-Kreis, besonders solche, die sich auf “doof” reimen.

    Rach beruft eine spontane Teambesprechung ein mit Guido, Karsten und der Aushilfskellnerin Franka. Er vermisse Leidenschaft, er sehe auch keinen Chef, also jemanden, der durch seine Autorität den Laden führe und vorturne und, am allerschlimmsten: “Wo ist die Vision, wo ist der Traum?” Schweigen, keiner sagt was. Rach redet vor allem Guido ins Gewissen, versucht, die ausgegangene Flamme der Leidenschaft bei ihm neu zu entzünden: “Ich möchte die schwitzen sehen, ich möchte, dass Du kämpfst! Es geht bei Dir um die Wurst!!!” Schichtende, Rach hat Feierabend und gibt sich erneut den Reizen von Erftstadt bei Nacht hin.

    Der nächste Tag beginnt mit einer Einkaufstour von Rach und seinem Dreck-affinen Kollegen Karsten zum ortsansässigen Biobauern um die Ecke. Hier kaufen sie im Hofladen nicht gerade billig, dafür aber hochwertig ein, so wie es das neue Konzept vorsieht. Zurück im “Esserhof”, finden sie Guido und einige Helfer im Saal beim Anstreichen der Wände. Das war früher mal ein Pferdestall und soll es jetzt dem Ambiente nach auch wieder werden. Rach träumt schon von Sätteln und Zaumzeug an der Wand. Leicht angeknirscht ist er allerdings, als Guido auf Nachfrage den neuen Slogan “Wir gehen in den Esserhof, weil es dort natürlich besser schmeckt” vor der Kamera nicht fehlerfrei aufsagen kann. Rach erfindet für Karsten (“los, schreib’ das auf!”) ein paar bodenständige Menüs für den neuen “Esserhof” und kocht das dann zur Probe gleich einmal durch.

    Guido entwickelt sich vom Ignoranten immer mehr zum Bremser. Er verzettelt sich mit der neuen Sitzordnung im umgebauten Saal, dann wirkt er über die neuen Gerichte nicht sonderlich begeistert und nervt Rach schließlich mit der trivialen Frage, wie er denn zukünftig eindecken solle. “Eindecken ist ganz wichtig, ist gaaaanz wichtig!”, gibt der Sternekoch ironisch zurück, mit einem Gesichtsausdruck, als spreche er mit einem geistig Minderbemittelten. Guido entwickelt tatsächlich einmal Emotionen und regt sich an dieser Stelle erstmals auf: “Mir doch egal, ich kann auch zur Frittenbude gehen und mir da Plastikbesteck holen.” Mit einem recht laut gemurmelten “Arschloch!” an die Adresse des Hamburgers verlässt der Wirt seine Küche. Rach lacht,jetzt hat er wenigstens ein paar Action-Szenen für den Trailer zu dieser Folge.

    Tag Fünf, wir sind auf der Schlussgeraden, dies ist traditionell der Möbel- und Dekotag. Rach schleppt ein neues Schild “Esserhof schmeckt natürlich besser” herbei und außerdem einen ganzen Korb mit passenden Accessoires und ein paar Ersatzteile für den ramponierten Herd in der Küche. Dort läuft jetzt übrigens tatsächlich eine neue Aushilfe herum. Guido Schwarz hat sich scheinbar wieder beruhigt, sei angeblich auch neu motiviert, behauptet er von sich selbst, alles laufe wie geplant, Rach müsse auch gar nicht mehr fragen. Die Sendung hat noch zehn Minuten, plätschert aber hinsichtlich der Action ein wenig vor sich hin, blöde RTL-Drehbuchschreiberlinge, völlig überbezahlter Berufsstand. Deshalb nimmt Rach die Sache selbst in die Hand und improvisiert abseits vom Skript einen kleinen Wutanfall. Der ideale Moment dafür kommt, als Guido im Saal anfängt, die Tische mit Weingläsern und steifen Servietten einzudecken, was Rach ja bekanntlich schon immer genervt hatte und jetzt zudem auch noch gegen das neue Restaurantmotto “Natürlichkeit” verstößt. Der Schwarz habe nichts kapiert, kaum etwas getan, das unausgesprochene Wort “Nichtsnutz” liegt in der Luft.

    Die “Neueröffnung” des “Esserhof” läuft trotzdem wie geschmiert. Eine verdächtig große Anzahl von Gästen treibt sich in dem Etablissement herum, da hat RTL wohl mal wieder einen ganzen Bus voller Statisten eingefangen oder vielleicht auch einen Aufruf in der lokalen Presse gestartet, dass es da eine Gelegenheit gebe, seine Rübe für lau in die Kamera zu halten. “Sensationell”, “ich bin begeistert”, “sehr, sehr lecker”, “hervorragend” und “erstklassig” sind die überhaupt nicht künstlich wirkenden Kommentare der “Gäste”. Klar, alle wollen wieder kommen, am liebsten gleich für immer hier bleiben, sagen sie. Rach verabschiedet sich von der Crew des “Esserhof” und fragt dabei noch einmal den korrekten Sitz des neuen Mottos bei Guido ab: “Wir gehen in den Esserhof, weil es dort…” die Antwort kommt dann leider etwas stockend: “… einfach ähhh, nee natürlich besser schmeckt.”

    Vier Wochen später steht Rach wieder im “Esserhof”. Die Kücheninspektion ergibt nur geringe Mängel, das bestellte Essen sieht – bis auf eine verbrannte Stelle – gut aus und schmeckt dem Restauranttester auch bestens. Guido Schwarz behauptet, seinen Laden jetzt besser im Griff zu haben. Ob er mehr Umsatz macht, scheint mir aber zweifelhaft, denn neben Rach sehe ich keine anderen Gäste. Und das verdammte Motto kann der Wirt auch immer noch nicht: “Wir gehen in den Esserhof, weil es besser schmeckt.” Das war’s, Christian Rach kann hier nicht mehr machen, die Küche hat er auf Vordermann gebracht, aber Guido Schwarz bleibt ein Problemfall…

    … im Nachspann kommt dann eine Schrifteinblendung, dass der Erfolg nur von kurzer Dauer war: Schwarz hat aufgegeben und arbeitet jetzt wieder als angestellter Kellner. Der “Esserhof” in Erftstadt steht zum Verkauf. :-( Da hat der arme Christian Rach viel Energie investiert und geholfen hat es nichts. Wenigstens hat er damit die 43 Minuten Sendezeit gefüllt.

    Bis zur nächsten Woche!

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  • DSDS (RTL) 28.02.2011 1 Comment

    Guten Abend, liebe Fans der gepflegten Samstagabend-Unterhaltung,

    heute läuft auf RTL die erste Mottoshow im Rahmen von “Deutschland sucht den Superstar”. Welches Motto eigentlich? Nun, es lautet nicht “Dabeisein ist alles”, sondern man hat sich auf die auch nicht viel intelligentere Kategorie “Megahits” festgelegt, wobei mir der Unterschied zu den bisher im Recall oder der Top-15-Show gebrachten Titel nicht so ganz klar ist, das waren doch eigentlich schon alles “Megahits”. Aber egal, sei’s drum.

    Marco Schreyl macht seinem Nachnamen jedenfalls wieder alle Ehre, begrüßt das Publikum gönnerhaft mit ausladenden Armbewegungen und behauptet großspurig, der Liebe Gott (meint er damit Dieter Bohlen?) habe den Samstagabend nur für DSDS erfunden. Danach zieht unter dem Beifall der Massen die Jury ein. Fernanda Brandao hat im Vergleich zur letzten Sendung die von Kleidung bedeckte Körperoberfläche noch einmal halbiert, der Rücken ist komplett frei und auch vorn bleibt der Phantasie der männlichen Zuschauer nicht allzu viel überlassen. Offenbar leidet die gelernte Tänzerin unter akutem Bewegungsdrang und versucht auf dem Weg zum Jurytisch möglichst viele Umwege zu laufen. Nach ihr kommt Patrick Nuo, der verzweifelt seine Coolness-Attitüde kultiviert und Marco Schreyl mit High five abklatscht. Der Jubel kennt dann kein Halten, als auch noch Poptitan und Jury-Heesters Dieter Bohlen auf der Bühne erscheint. Die drei Kollegen begrüßen sich so überschwänglich, als hätten sie einander seit einem halben Jahr nicht mehr gesehen, dabei dürften in Wirklichkeit keine 60 Sekunden vergangen sein, seitdem der Tyrann von Tötensen seine beiden Statisten aus der Kulisse ins Rampenlicht geschubst hat.

    Die Hauptdarsteller des heutigen Abends, die Top 10, starten dann wieder mit einem gemeinsamen Song: “Club can’t handle me” von Flo Rida feat. David Guetta. Alle sind bereits im Outfit für ihre heutigen Einzeltitel, wobei besonders die laubfroschgrüne Schlabberjacke vom “verhaltensauffälligen” (O-Ton Dieter) Choreografieverweigerer Marvin Cybulski ins Auge sticht.

    Den Auftakt macht heute der vom Schreyl als “Medizinmann vom Stamme der Ösi” vorgestellte angehende österreichische Arzt Marco Angelini. In seinem Einspieler geistert er im weißen Kittel und mit Stethoskop bewaffnet durch die DSDS-Kandidatenvilla und untersucht seine Mitgefangenen. Offenbar hat er vorher ein wenig am Lachgas geschnüffelt, denn er kriegt keinen vernünftigen Satz ohne Pruster hin. Wenigstens diesen “tollen” Ärztewitz kann man aber verstehen: “Wo macht der Zahnarzt Urlaub? — Na auf der Bohrinsel!” Ha. Marco Angelini singt heute Abend “Dance with somebody” von Mando Diao. Erstmals trägt er dabei keinen artigen Anzug, sondern ein für seine Verhältnisse rockiges Outfit mit Jeans und Lederjacke, lässt also etwas seine “dreckige Seite” heraushängen, wie er es Fernanda versprochen hatte. Wegen seiner Ringellöckchen und der braunen Rehaugen sieht das ganze aber ziemlich unauthentisch aus, eher wie ein aufmüpfiger Millionärssohn, der seine spießigen Eltern mal etwas erschrecken will, indem er sich morgens nicht rasiert. Auch finde ich seine Stimme nicht knarzig genug für diesen Titel, aber der Jury gefällt es trotzdem. Fernanda hat sogar extra im Fremdwörterduden geblättert und den Ausdruck “optische Metamorphose” gefunden, den sie nun stolz herausposaunt, als sie Marcos äußerliche Veränderung beschreibt. Dieter hat sich offenbar auch heute Abend vorgenommen, jeden Kandidaten zu tadeln. Bei diesem Auftritt fehlt ihm die “Personality”, aber Marco sei ja ein “intelligentes Kerlchen”, das werde er schon noch hinkriegen.

    Wir bleiben in den Alpen, denn jetzt kommt Zazou Mall, die gutaussehende Schweizerin mit dem Exotic-Touch. Nach einem nichtssagenden Einspielfilmchen kommt sie live mit Rihannas Dancefloor-Knaller “Don’t stop the Music”, den es auch als jazziges Cover von Jamie Cullum gibt. Die Performance ist wie immer klasse, Zazou im kurzen Elektroröckchen mit eingebauten Leuchteffekten, aber die Stimme klingt dagegen leider wieder etwas verhalten. Dieter prophezeit ihr ein schnelles Ende bei DSDS, wenn sie nicht endlich mehr aus sich herauskäme. Ein Zwischenrufer von den billigen Plätzen stört Bohlens Standpauke mit “Du hast auch nicht immer die Töne getroffen!” und die Halle lacht beifällig. Das täte hier heute Abend nichts zur Sache, Dieter sei schließlich kein Kandidat, springt Moderationsfaktotum Marco Schreyl seinem Chef eilfertig zur Seite.

    Nach einer kurzen Werbepause meldet sich der Moderator direkt aus dem Publikum zurück, neben ihm sitzt die “Granatengranate” Menderes Bagci mit einem selten dämlichen Hut auf der Omme, so einer Art Michael-Jackson-Gedächtnis-Dunstkiepe. Bevor ihm Schreyl auch nur eine einzige Frage stellen kann, bricht Menderes passenderweise mit seinem Stuhl zusammen und muss sich schnell improvisiert mit auf die Treppe setzen. Er ist mal wieder intellektuell komplett überfordert, kriegt selbst auf einfachste, vermutlich abgesprochene, Fragen nur gestammelte Wortfetzen heraus. Was für ein Gefühl es denn gewesen sei, bei dieser Staffel endlich in der Recall gekommen zu sein, will Marco wissen. Der Gefragte fängt fünf Sätze an und beendet zehn, kurz hört man etwas von “hammergeil” und dass sein Live-Auftritt nicht mehr zu übertreffen gewesen sei. Womit er aber, das versteht man erst nach einigen weiteren Satzfragmenten, den 31.03.2007 meint, als er mit “Beat it” als Rahmenprogramm in einer Mottoshow aufgetreten war. Dass er damals als Casting-Zombie präsentiert wurde und die Leute nicht mit, sondern über ihn gelacht haben, hat der arglose Menderes offensichtlich bis heute nicht geschnallt. OSettingsb er denn nun (endlich) in DSDS-Rente gehen wolle oder ob wir auch 2012 mit ihm rechnen müssten, stellt ihm Marco nun keck die Gretchenfrage. Menderes antwortet ganz schlau: “Fragen wir mal die Leute: Also, soll ich aufgeben oder was?” Applaus brandet auf, den er, naiv wie er ist, als Zustimmung für weitere Auftritte wertet, obwohl er gerade genau das Gegenteil gefragt hat. Ergo verspricht er, weiterzumachen und kommt dabei ins Brabbeln: “Ich bin halt ein Mensch, ähmm… der Weg ist das Ziel und… ich bleib’ immer dabei und… ich arbeit’ weiter an mir und ich geb’ niemals auf und ich bedank’ mich auch nochmal bei Dieter Bohlen, dass er immer so korrekt war…” Der so öffentlich Arschgekrochene fasst sich an die Stirn und schüttelt den Kopf, was für ein peinlicher Auftritt dieser einsamen unmusikalischen Gehirnzelle, denkt er vermutlich. Damit wird ein Einspieler der Top 10 des Casting-Grauens eingeleitet, in dem wir z.B. den schwabbelig-obertuntigen Jan-Hendrik als Britney-Spears-Parodie wiedersehen oder Jeanette mit der Klopapierstimme.

    Der nächste Liveauftritt gehört Nina Richel. Vorweg gibt es ein paar Bilder von dem Bikini-Shooting aller DSDS-Top-10-Frauen, das mittlerweile jeder Bildzeitungsleser schon gesehen haben dürfte. Okay, Nina hat vielleicht nicht direkt die Top-Strandfigur, aber sie hat trotzdem mitgespielt, Hut ab! Sie präsentiert heute Abend in einem schwarzen Kleid “Breakaway” von Kelly Clarkson; insgesamt ein unspektakulärer Auftritt mit einer sehr ruhigen Performance. Patrick sieht seine hohen Erwartungen enttäuscht, Fernanda will dagegen ein “Über-sich-Herauswachsen” entdeckt haben. Dieter Bohlen ist wie immer charmant: “Ich glaube, dass Du  abgenommen hast… aber an der falschen Stelle, nämlich an den Stimmbändern.” Er ahnt, dass es heute “megaeng” für sie werden wird.

    Ardian Bujupi hat in der letzten Woche mit seinem Machogehabe eine Menge Staub aufgewirbelt und sich damit den Zorn von Übergott Bohlen zugezogen. Auch seine Familie hat ihm wohl nach der Top-15-Show intensiv ins Gewissen geredet, berichtet der Kandidat etwas zerknirscht. Trotz gehöriger Irritationen sind seine Mutter und seine Schwester heute Abend wieder im Studio und können auf Marcos Nachfragen sogar erfreulich eloquent antworten, warum sie nach wie vor zu ihrem Sohn und Bruder halten. Ardian singt nun “In my Head” von Jason Derulo. Stimmlich überzeugt er heute – erstmals – nicht so ganz und die Performance ist okay, mehr aber auch nicht. Die Jury ist denn auch nur verhalten optimistisch, ob Ardian hier weiterkommt. Onkel Dieter bringt noch einmal das Macho-Thema zur Sprache: “Jeder Furz in der Sauna war letzte Woche beliebter als Du.” Nun aber solle man es damit gut sein lassen und dem Kandidaten noch eine zweite Chance geben, findet er.

    Die Reinkarnation von Roy Black und Rex Gildo im 21. Jahrhundert heißt Norman Langen. Er fährt momentan bei DSDS voll auf der Schlagermasche und konnte damit gerade letzte Woche die Jury komplett überzeugen (Bohlen: “Du warst heute der Beste.”). Vor dem Auftritt erfahren wir in seinem Einspielfilmchen, dass Norman häufig die Schminkutensilien seiner Schwester mitbenutzt, sich regelmäßig die Augenbrauen zupft und deswegen von vielen für schwul gehalten wird. (Kurzes Macho-Statement von Ardian Bujupi: “Männer, die sich schminken, finde ich abartig.”) Heute Abend bleibt Norman seinem Image treu und singt “Wahnsinn” (Hölle, Hölle…) von Wolfgang Petry, dem mittlerweile abgedankten Stimmungssänger Nummero Uno… wer’s mag. Der Kandidat trägt einen Plastikanzug im Schlangenhautdekor, macht auf cooler Profisänger und wagt sich direkt unten ins Publikum. Hochmut kommt vor dem Fall, denn an zwei Stellen versagen ihm die Nerven und er vergisst den Text – obwohl er den Titel in seiner Vor-DSDS-Karriere als Partysänger garantiert schon ein paar hundert Mal dargeboten hat. Die Jury hat die Texthänger auch bemerkt, Patrick findet’s nicht schlimm, Fernanda auch nicht, aber Dieter Bohlen verzeiht nicht so leicht. Ob ihm denn das uneingeschränkte Lob von der Vorwoche so schnell zu Kopfe gestiegen sei, wird Norman gefragt. Und er sei doch noch gar nicht souverän genug für einen Ausflug runter von der Bühne ins Publikum. Und man dürfe sich dabei schon gar nicht ablenken lassen, weder von jubelnden Fans, geworfenen Blumen noch von den Tänzerinnen. “Das geht nicht, Norman, also das geeeeht nicht, ganz ehrlich! Ich hab’ dem deutschen Schlager mit Dir die Türen bei DSDS aufgemacht. Du hast eine Wahnsinnsverantwortung und darfst mich nicht mehr enttäuschen!!!” Wie ein begossener Pudel schleicht Norman nach dieser Standpauke vom Meister zurück zu den anderen Kandidaten. Schwer lastet die Verantwortung für das Wohl und Wehe des Deutschen Schlagers auf seinen Schultern, da hatte er sich vor ein paar Monaten einfach mal, nur so aus Spaß, bei diesem Superstar-Casting beworben und zunächst war auch alles gut gegangen, bis dann heute Abend urplötzlich aus einem lockeren Spiel tödlicher Ernst wurde. Die Verantwortung für den deutschen Schlager… Meine Güte, mir zittern schon die Knie, wenn ich nur daran denke, dass dieses wichtige, ach was: wichtigste Kulturgut jetzt in den Händen eines unerfahrenen jungen Mannes ruht, der heute Abend essenzielle Textpassagen unserer zweiten Nationalhymne einfach mal so vergessen hat und der vermutlich noch nicht mal einen Wolfgang-Petry-Starschnitt besitzt. Ja, bei DSDS, da lernt man das Beten. :-)

    Auf Startplatz 6 finden wir heute die Balladenqueen Sarah Engels, von manchen nach diversen Vorkommnissen sicherlich auch als arrogante Schnepfe tituliert. Sie selbst ist ihr größter Fan, sie weiß und sagt, dass sie toll aussieht, schön singen kann und sich die Superstar-Krone redlich verdient hat, aber bis die anderen das endlich auch kapieren, muss sie leider Woche für Woche wieder auf der DSDS-Bühne erscheinen. Schon bei der Nennung ihres Namens in der Ansage gellen Buhrufe durch die Halle, ihre Beliebtheit ist offensichtlich seit der letzten Woche nicht merklich gestiegen, um das mal freundlich auszudrücken. Und besonders wenig geliebt wird sie von Mitkandidatin Anna-Carina, wie wir noch sehen werden. Sarah singt heute Abend “When you believe” von Mariah Carey. Sie trägt ein oben herum hübsches weißes Kleid, das unmittelbar unter dem Bürzel abrupt in einem Tüllhaufen endet, so als hätte das eigentlich ein langes (Hochzeits-?)Kleid werden sollen und man hätte es sich mittendrin anderes überlegt, aber sich nicht getraut, den Stoff ganz abzuschneiden. Ihr Lied trägt sie trotz einiger Eierstellen einigermaßen gut vor, der Applaus übertönt die Pfiffe. Die Jury ist mehrheitlich auch zufrieden, Dieter kommt nach ein paar kritischen Sätzen auf den Punkt: “Du heißt Engel, Du hast gesungen wie ein Engel, ich hoffe, dass Du mit solche einer phantastischen Leistung auch weiterkommst. Du warst bisher die Beste.”

    Justin Bieber hospitiert derzeit bei DSDS in der Verkleidung eines 16jährigen Schülers mit Backpfeifengesicht. Er nennt sich dort Sebastian Wurth, ist aber eigentlich sehr einfach zu erkennen, er hat noch nicht einmal zur Tarnung seine Frisur geändert. Komisch, dass noch keiner gemerkt hat, dass Justin und Sebastian niemals gleichzeitig am selben Ort zu sehen sind… (Übrigens genau wie Alfred Biolek und Desmond Tutu, die sehen sich auch verdächtig ähnlich und keiner außer mir hat’s bisher gemerkt. Aber das ist eine andere Geschichte.) Spätestens seit seinem genialen Auftritt mit Michael Bublés “Home” in der letzten Woche gehört Justin, äh Sebastian zu den ganz heißen Finalaspiranten, ehrlich. Und, RTL will nicht zu viel versprechen, vielleicht geht er demnächst auch noch mit Fernanda ein Eis essen. Zwischen den beiden hat’s ja letztes Mal mächtig gefunkt… Im Einspieler besuchen wir kurz Sebastian Schule und beim Blick auf seine Mitschüler wird mir schlagartig klar, dass heutzutage alle Jungs in seinem Alter angeklebte Haare haben, die aussehen, als hätte man bei großer Hitze drei Tage lang den Mofahelm aufbehalten. Uns Baschti singt heute Abend “You raise me up” von Westlife, eine Ballade, die für seine Stimme maßgeschneidert zu sein scheint. Da steht er, ganz klein mit blauem Jäckchen wie ein Schuljunge mitten auf der von dutzenden Scheinwerfern angestrahlten Bühne und singt mit genialer Stimme sein Lied. Und an dieser Stelle muss ich mal ganz unironisch das stets bestens agierende DSDS-Orchester lobend erwähnen und die Leute, die für die tolle Bühnenbeleuchtung und die professionelle Choreografie der Liveshows zuständig sind. Die machen wirklich schon seit Jahren einen Spitzenjob und schaffen es mit jeder Staffel, noch eine Schippe draufzulegen! Respekt!!! Sebastian wird nach seinem Auftritt begeistert beklatscht. Patrick und Fernanda mäkeln etwas an seiner Körperhaltung herum, die sei noch nicht selbstbewusst genug, meinen sie. Dieter fährt ihnen aber über den Mund, der Kandidat solle nicht auf die beiden Vorredner hören, er sei gerade erst 16 Jahre alt und solle sich gefälligst auch so benehmen und genau das täte er doch bestens. Kein Anlass also zur Kritik aus Sicht des Königs der Geldverdiener.

    Nach einer zweiten Werbepause werden weitere Loser-Auftritte aus dem Casting wiederholt. Wir erleben noch einmal den trotz teuer bezahltem Vocal-Coach untalentiert gebliebenen Sascha bei seinen “Geburtsvorbereitungen”, die tabu- und teilweise leider auch hüllenlose Hendrikje, dann Ralph Maria Rainer, den Spross eines zumindest musikalisch etwas degenerierten Adelsgeschlechts, dessen spontan von der Straße aufgelesene kugelrunde Gehilfin seinem Auftritt (~ “Time to say Goodbye”) den Gnadenschuss verpasst, Andreas Gerlich, einen in vielerlei Hinsicht gestörten und notorisch erfolglosen Scooter-Imitator(“Wickeeeeeett!!! Hartkoah!!! Lett sä Triehm kamm truh!!!”) und schließlich Shole, die schweißglänzende, arbeitslose Visagistin, die aussieht, als sei sie gerade aus der Fritteuse gestiegen. Und der eigentliche Hammer ist, dass die Leute teilweise heute Abend live hier vor Ort in der Halle sind. Marco spricht kurz mit der heute trocken aussehenden Shole und bedankt sich bei ihr dafür, dass es solche gruseligen Kandidaten wie sie gibt. (Hinter ihr sitzt übrigens Menderes, der es in der halben Stunde seit seinem eigenen Auftritt offenbar geschafft hat, seinen Stuhl wieder zusammenzubauen. Hey, hätte ich ihm gar nicht zugetraut, cleveres Bürschchen…) Jeder normale Mensch würde sich an Stelle der oben genannten Grusel-Kandidaten jetzt für die nächsten  Monate nur noch nachts für kurze Momente aus dem Haus trauen, aber diese armen Zeitgenossen haben offenbar nicht einmal ansatzweise gepeilt, dass sie von RTL als Freaks vermarktet werden. Wo sind wir denn da eigentlich inzwischen im Alphabet, wenn Dieter Bohlen ein A-Promi ist, Patrick, Fernanda und – wenn es sein muss – Marco so etwas wie B-Promis auf Zeit und von mir aus Menderes ein D-Promi, weil er regelmäßig von einem A-Promi verkloppt wird. Was ist denn dann jemand wie dieser Andreas Gerlich, der vermutlich als Lebensziel hat, mal so eine Karriere hinzulegen wie Menderes? Vielleicht ein F-Promi?

    Schnell zurück zu den vorübergehenden C-Promis, es geht weiter bei Pietro Lombardi, der nach einem belangslosen Einspieler mit “With you” von Chris Brown auftritt. Bemerkenswert ist dabei höchstens die Basecap, die bei Pietro mittlerweile schon zum festen Repertoire gehört. Ansonsten spielt er weiter die Rolle eines ziemlich verwirrten, aber irgendwie sympathischen Sängers mit mittelgroßem Tanz- und Gesangstalent. Aber das Publikum mag ihn, vielleicht gerade deshalb, weil er im Vergleich zu solchen Ausnahmetalenten wie Sarah Engels oder Marco Angelini ein Stück Normalität darstellt, quasi ein bisschen so ist, wie wir alle. Nach dem Song blubbert er ein wenig verpeilt herum, als Marco ihn interviewt, sagt nach Aufforderung seinen Trademark-Spruch “Jackpot!”, lüftet auf Bitten von Fernanda die Mütze, um seinen Mecki-Haarschnitt zu präsentieren und kassiert von Dieter Bohlen wieder Bargeld, weil er auch diesmal seinen Text konnte. Zwischendurch bohrt er sich ungeniert in der Nase, was Dieter fast etwas neidisch zur Kenntnis nimmt.

    Als Zweitletzte sehen wir Anna-Carina Woitschack, gelernte Puppenspielerin und bekennende Jungfrau. Außerdem hasst sie Sarah Engels, wie sie in einem schwachen Moment – angeblich längst vorbei – in die Kamera gerufen hat. Diese Rivalität wird von RTL vor dem Auftritt im Einspieler und hinterher auch noch einmal im Interview genüsslich im Lichte der Öffentlichkeit seziert. Mit irgend etwas muss man schließlich seine Sendezeit füllen und da DSDS in dieser Staffel unter den Top 10 keine Knackis, Tunten oder Heulsusen aufbieten kann, werden halt andere Themen bis zum Gehtnichtmehr aufgeblasen. Letztes Mal die Streitereien mit Ardian und heute eben die Rivalität zwischen Sarah und Anna-Carina. Zurück zum Business, die blonde Puppenspielerin singt von Whitney Houston “I will always love you”. Auch bei ihr läuft es heute nicht komplett rund und glänzend wie ehedem. Besonders am Ende des Titels versemmelt Anna-Carina massenhaft Töne, auch wenn sie natürlich trotzdem eine tolle Stimme hat. Naja gut, Whitney Houston selbst kriegt das heute vermutlich auch nicht mehr so gut hin, aber das ist ja kein Freibrief für tonale Vergehen. Patrick ist kritisch, Sarah sei heute von den beiden Konkurrentinnen die bessere gewesen, keine Frage. Irgendwo sei gerade eben der Wurm drin gewesen. Dieter fragt sie direkt, was los sei, ob mit ihr irgend etwas nicht stimme, sie Heimweh habe oder was sonst?

    Den Abschluss macht heute Marvin Cybulski – nein, den klar auf der Hand liegenden Kalauer mit dem “dicken Ende” spare ich mir. Marvin ist ein absoluter Bewegungsmuffel, er weigert sich bisher vehement, bei seine  Titeln viel mehr als die Lippen zu bewegen, er tanzt nicht, wackelt nicht mal mit den Hüften und zieht auch keine sogenannten “coolen” Klamotten an. Was bei anderen Kandidaten als fehlender Starappeal gebrandmarkt würde, gilt bei Marvin als liebenswerte Schrulle, die den wuchtigen Mann aus Hannover nur noch authentischer macht. Wie schon zu Beginn bemerkt, hat er sich sein heutiges Outfit offenbar aus einem Altkleidersack besorgt und dabei wohl im Dunkeln zugegriffen. Er trägt eine unsäglich billig aussehende grüne Stoffkutte mit Kapuze, die etwas an Filme aus den angeblich goldenen 70er-Jahren erinnert. Marvins Frau ist nach dem peinlichen Schweige-Auftritt in der Vorwoche vom Reden befreit worden. Sie begnügt sich mit einem kleine Winkewinke und dann singt ihr Göttergatte “We’ve got tonight” von Kenny Rogers (eigentlich war das ein Duett mit Sheena Easton). Marvin liefert den Titel in gewohnter Stimmqualität, aber ohne jeglichen sonstigen Energieaufwand ab. Er steht unbeweglich auf einem Steg, unter dem der Trockeneisnebel wabert. Nach der Nummer setzt er sich einfach auf das Ende des Stegs, lässt die Beine baumeln und wartet auf das Urteil der Jury. Patrick und Fernanda reden Marvin ins Gewissen, sich doch endlich mal zu bewegen. Was aus ihm herauskäme, sei so schön anzuhören, aber so schlecht “verpackt”. Bohlen pflichtet ihnen bei, er wolle den Kandidaten demnächst mal mit Lederjacke und als Rocker sehen, sein heutiges Outfit sehe ja eher nach IKEA-Kinderland aus.

    So, besonderer Service von mir, ich spare Euch das Ansehen des RTL-Comedy-Blocks und springe gleich zur Urteilsverkündung: Marco macht es wieder unerträglich spannend und überall in Deutschland dürften die Rettungsdienste Sonderschichten einlegen, als er Norman Langen, Nina Richel und Sarah Engels zunächst noch zittern lässt, ob sie weiterkommen. Ganz am Ende fliegt dann Sarah Engels raus, dabei war sie nach dem Urteil der Jury heute eine der stärksten Kandidatinnen. Aber das hilft eben nicht, wenn man in der öffentlichen Wahrnehmung eher als arrogant gilt. Sarah verabschiedet sich aus der Staffel mit dicken Tränen.

    Bis zur nächsten Woche, wenn wir die Top 9 in der nächsten Mottoshow erleben dürfen.

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  • DSDS (RTL) 20.02.2011 3 Comments

    Guten Abend allerseits,

    da sind wir nun bei der aktuellen Staffel von “Deutschland sucht den Superstar” also in der zweiten, interessanteren Hälfte angekommen, denn heute gibt es die erste Live-Show. Aus den fünfzehn Überlebenden des Malediven-Recall werden heute die zehn besten Kandidaten herausgesiebt, für die anderen fünf ist dagegen das Leben als Superstar zu Ende. Mal sehen, wen es heute trifft…

    Es gibt nur einen Typ bei DSDS, der mich noch mehr nervt als die Peinlichkeitsfetischisten Menderes und Cosimo und das ist Marco Schreyl, der Moderator des heutigen Abends. Leider hat Übervater Dieter Bohlen es immer noch nicht hingekriegt, diesen selbstgefälligen Laberheini dauerhaft abzuschalten. Vermutlich ist der so günstig zu haben, dass man dafür bei RTL die vielen Nachteile mit in Kauf nimmt. Der muss aber dann schon ziemlich günstig sein… Also ehrlich, wenn man dafür anrufen könnte, dass Marco Schreyl per Katapult aus der Sendung geschossen würde, ich hätte jetzt garantiert schon einen wunden Daumen von den vielen Wahlwiederholungen! :-)

    Nun denn, zurück zum eigentlichen Thema der Sendung, der Vernichtung von Karriereträumen. Unter dem mehr oder weniger lauten Dauergekreische der ausverkauften Halle kommen die 15 Delinquenten nun zum ersten Mal auf die Bühne, jeder einzelne von Marco Schreyl angekündigt wie ein Weltstar. Sie singen und performen zusammen “Higher” von Taio Cruz/Kylie Monogue, wobei man schon erste Qualitätsunterschiede in der Stimme hören und beim Tanz sehen kann. Insgesamt funktioniert der Auftritt aber ziemlich gut.

    Nun kommt der Einmarsch der Jury-Götter, vorneweg Fernanda Brandao, die sich passend zum bevorstehenden Karneval in ihrer brasilianischen Heimat mit einem recht sparsam geschnittenen Kostümchen begnügt, das ihr gutes Aussehen maximal zur Geltung bringt. Und das ist ja vermutlich auch der Grund, weshalb Dieter sie überhaupt in die Jury geholt hat, tiefer gehende musikalische Fachkenntnisse sollte man bei ihr eher nicht vermuten. Auch Patrick Nuo verspricht sich von der Kollaboration in der DSDS-Jury vermutlich eine Neubelebung seiner momentan etwas dahindümpelnden Musikerkarriere. Seinem Image als Mädchenschwarm entsprechend, kommt er heute mal wieder nach dem Motto “viel zu cool für diese Welt” auf die Bühne. Und sein Frisör scheint momentan übrigens arbeitslos zu sein. Schließlich der Auftritt von Dieter Bohlen, der sich von der ganzen Halle wie gehabt minutenlang als Stellvertreter Gottes im Popsektor abfeiern lässt.

    Dann geht es richtig los, wir beginnen heute mit dem Buchstaben Z, nämlich mit Zazou Mall (26) aus der malerischen Schweiz, einer ausgesprochenen Bohlen-Favoritin. Sie singt “One Love” von David Guetta, alles klappt perfekt und sie tanzt absolut professionell. Also wenn sie damit nicht unter die Top 10 kommt, dann weiß ich auch nicht. Die Jury zeigt sich begeistert, auch wenn Dieter stimmlich noch Optimierungspotenzial ausmacht.

    Sebastian Wurth, mit 16 Jahren Staffelküken und bereits mehrfach als deutscher Justin Bieber tituliert (ist das eher negativ oder positiv gemeint?), startet von Position Nummer Zwei. Weil er auf den Malediven so großes Heimweh hatte, sagt Alleswisser Schreyl, singt Sebastian heute “Home” von Michael Bublé. Hahaha, Spitzenwitz. Der Gesang ist – wie bei ihm gewohnt – wirklich sehr gut, eigentlich viel zu reif für sein Alter und das Publikum bricht dann und wann in spontanen Beifall aus. An der etwas steifen Choreografie könnte man sicherlich noch arbeiten, andererseits, wer mal ein Konzert von Michael Bublé gesehen hat, der ist wahrlich nicht verwöhnt, denn der Typ kann sich ja nun gar nicht bewegen und ist trotzdem ein Superstar. Die Jury ist mit Sebastians Leistung einhellig sehr zufrieden und Bohlen unkt etwas von Bravo-Kompatibilität und garantiert vielen Anrufen.

    Auf Startnummer Drei präsentiert sich die blonde Nina Richel (17), die zuletzt im Recall auch Kritik einstecken musste, was sie Dieter ziemlich übel nahm. Sie präsentiert heute Abend “There you’ll be” von Faith Hill (von Wundertüte Schreyl übrigens als “You’ll be there” angekündigt). Sie singt ihre eher ruhige Nummer ganz ordentlich und mit weeeeeeit ausholenden Gesten. Wie bei ihren beiden Vorgängern, ist die Jury auch von Nina begeistert. Die Entscheidung, wer heute fliegt, dürfte noch ziemlich schwierig werden.

    Gemessen am Auftrittsapplaus, scheint Norman Langen (25) bereits jetzt über eine stabile Fanbasis zu verfügen. Er besetzt bei DSDS die Rolle des Schlageronkels, hat Zuhause vermutlich Bilder von Jürgen Drews und Wolle Petry im Wohnzimmer hängen und fährt auch heute Abend auf dieser Schiene mit dem Titel “Ich bau’ Dir ein Schloss” des selbsternannten Mallorca-Königs Drews. Der Auftritt wirkt ziemlich routiniert, kein Wunder: Norman ist in seiner Freizeit schon seit Jahren in den Dorfdissen der Republik mit deutschen Schlagern unterwegs. Und die Jury urteilt wieder nur positiv, allen voran Onkel Dieter: “Absolut perfekter Auftritt, da werden Zuhause viele denken, das war Vollplayback, war es aber nicht. Du warst der beste bisher!”

    Als deutsche Rihanna wird die wegen ihrer roten Stehfrisur aufgefallene Awa Corrah (18) schon seit den Malediven eingestuft. Im kurzen Einspieler erfahren wir, dass die Bremerin großen Wert auf Styling legt und während eines Schminkanfalls schon mal ein komplettes Zimmer verwüsten kann. Ach ja, acht Geschwister hat sie übrigens auch noch, wird also gelernt haben, sich durchzusetzen. Heute Abend bringt sie “Only Girl (in the World)” von Rihanna, welche übrigens lt. Dieter Bohlen nur mit Computerhilfe gut singen kann. Awa hat keine Rechnerunterstützung und das hört man hier und da auch, hundertprozentig sauber klingt der Song nicht. Darüber tröstet ihr Outfit etwas hinweg, sie trägt ein ultraknappes rotes Babydoll-Kleid, was ihre langen Beine noch mehr betont. Und auch ansonsten ist alles zu sehen, was man als Mann zu sehen erwartet. Die Jury hat die gesanglichen Defizite bemerkt, Dieter findet ihre Titelauswahl nicht sonderlich gelungen, ruhigere Nummern stünden ihr besser als so ein “Rabbelzabbel”.

    Ardian Bujupi (19) hat eine tolle Stimme, dazu noch Gefühl und eine positive Ausstrahlung. das beweist er auch heute Abend bei “Sway” von – schon wieder – Michael Bublé. Seine gekonnte Tanzperformance hätte so auch in jede Top-5-Show gepasst, den Gesang fand ich allerdings in der zweiten Hälfte nicht mehr ganz sauber. Patrick und Fernanda sind aber völlig zufrieden – wie immer und bei jedem – doch Dieter hat scheinbar ein echtes Problem mit Ardian: “Ich hab’ gehört, was da wohl hinter den Kulissen abgegangen ist, wenn Du jetzt schon auf dicken Macker machst, dann garantiere ich Dir, wirst Du das hier nicht gewinnen!”. Damit wir Zuschauer wissen, wovon er spricht, wird nun in einem Einspieler ein Streit zwischen den Kandidaten thematisiert, in dem Ardian seine Mitbewerberin Nicole “Kiki” Kandziora als “Schlampe” und noch schlimmeres bezeichnet haben soll. Er spiele sich intern schon als Obermotz auf, habe Starallüren, wird ihm von mehreren Frauen bescheinigt. Ja, dass passt ein bisschen zum ersten Einspieler, in dem wir seinen Machismo erleben durften, z.B. im Fitness-Studio, beim Fahren schneller Autos und bei seinen Sprüchen über seine Qualitäten als Frauenbeglücker. Das Publikum pfeift, entweder aus Verachtung oder weil es “seinen” Star beschädigt sieht.

    Startplatz sieben gehört der zuvor beleidigten Nicole Kandziora (17), die in ihrem Einspieler berichtet, dass sie Polizistin werden wolle, wenn es mit dem Singen nichts würde. Typmäßig fällt sie in die Schublade “blonde Röhre mit Temperament und Selbstbewusstsein”.  Ihr Titel “Foreworks” von Katy Perry gelingt musikalisch nur so einigermaßen, vielleicht habe sie ihre Stimme auf den Malediven vergessen, vermutet Patrick. Auch Dieter entdeckt ein paar “Rohrkrepierer” im Feuerwerk von Nicoles Song, was das offenbar unmusikalische Publikum sofort mit Buhen quittiert.

    Der Kölner Straßenfeger Mike Müller ist mit seinen 24 Jahren schon fast ein DSDS-Senior. Nach einem langweiligen Einspieler, in dem es eigentlich nur um Fußball und die Müllabfuhr geht, bringt er eine Weise aus seinen Jugendtagen zu Gehör: “Show me the Meaning of being lonely” von den Backstreet Boys. Damit scheint er sich keinen Gefallen getan zu haben, die Ballade vermurkst er einigermaßen, so mancher Ton geht in die Beinkleider und ich denke, Mike wird der Müllabfuhr noch lange erhalten bleiben. Das Kölner Publikum feiert den Lokalmatador frenetisch, doch Dieter ist kritisch, er sei viel zu unkonzentriert gewesen – und das finde ich noch zivil, angesichts der schwachen Leistung.

    Die 18jährige Puppenspielerin Anna-Carina Woitschack hatte Dieter auf den Malediven völlig verzaubert. Im Einspieler berichtet sie freimütig über ihre totale Unerfahrenheit mit dem anderen Geschlecht, sie sei noch Jungfrau und habe noch nicht einmal einen Jungen geküsst. Na, da haben wir ja schon mal ein schönes Thema für die nächsten Wochen, das wird RTL bestimmt nicht auslassen. Heute kommt sie mit Alica Keys “If I ain’t got you” und macht ihre Sache trotz des schweren Titels sehr gut, selbst Dieter ist weitgehend zufrieden. Ihr darf man wohl durchaus gerechtfertigte Ambitionen auf den Superstar-Titel zutrauen.

    Der zum schüchternen Strahlemann aufgebaute Christopher Schwab (18) startet mit dem Song “Hey there Delilah” von den Plain White T’s. Das wird ein echter Gänsehaut-Auftritt, wie er da so mutterseelenallein mit seiner Gitarre auf der großen, dunklen Bühne steht, vom Orchester nur ganz zart begleitet. Nach den zufriedenen Patrick und Fernanda muss Dieter wieder alles kaputt machen. Jaja, der Auftritt sei musikalisch ganz okay gewesen, aber nichts besonderes, weswegen jemand für ihn anrufen würde. Christopher kontert ganz cool, er wisse ja schon von Dieters ihm gegenüber kritischen Einstellung, das habe man ja auch in der heutigen Bildzeitung lesen können (Christopher sei sein “Flop Nummer Drei”, soll da dringestanden haben). Vor diesem Hintergrund ziehe ich meinen Hut, wie der Kandidat da noch so gut singen konnte! Logisch, dass Dieter ihn jetzt unabhängig von der tatsächlich erbrachten Leistung runterputzen muss, sonst würde er ja sein eigenes öffentliches Vor-Urteil in Frage stellen. Gott, ist das arm…

    Der “Arzt, dem die Frauen vertrauen” kommt aus Österreich und trägt bereits seit seiner 26 Jahre zurückliegenden Geburt einen karrierekompatiblen Namen: Marco Angelini. Auf Platz 11 startet er mit “Stark” von Ich+Ich und liefert einen ruhigen, fehlerlosen Auftritt ab. Beinahe langweilig finde ich ihn, der ganze Typ strahlt irgendwie eine totale Unaufgeregtheit aus mit einem Aszendenten zum Schläfrigen, aber Dieter mag ihn (“bester männlicher Auftritt heute”), weil er einfach verlässlich abliefert.

    Als Styling-Gott und Prince Charming wird unser nächster Kandidat vom Schreyl vorgestellt: Felix Hahnsch, 18, hat sich heute eine auffällig bunt-gestreifte Hose aus dem Schrank gesucht, die so eng ist, dass er vermutlich eine Oktave höher singen kann. Ob das was nützt, ist die Frage, denn bisher fiel Felix eher nicht wegen einer besonders guten Stimme, sondern vor allem wegen seiner Selbstverliebtheit auf. Mit blonder Schmachttolle (4 Dosen Haarspray im Monat!), Sixpack und Schlafzimmerblick ist er ganz klar als Anlaufstelle für alle Bravo-Mädchen gedacht, denen Justin… äh Sebastian Wurth noch zu jung ist. Felix kommt heute Abend mit “The Man who can’t be moved” von The Script auf die DSDS-Bühne. Für den Song ist seine Stimme letztlich doch etwas zu dünn, sorry. Patrick und Fernanda loben ihn gewohnheitsmäßig über den grünen Klee, Dieter ist dagegen – auch gewohnheitsmäßig – kritisch, aber wohl auch ehrlich. In der zweiten Hälfte des Titels habe ihm die Stimme gar nicht mehr gefallen, sagt er, vielleicht läge es ja an der zu engen Hose.

    Der Staffelclown Pietro Lombardi (18) kommt als nächster dran. Nach einem nichtssagenden Einspieler mit Maledivenfragmenten tritt er mit Travie McCoys “Billionaire” auf, das wir auch schon vom Recall kennen. Der kurze Text kommt dem Gehirnakrobaten Pietro sehr entgegen und so kann er sich auf seine Performance konzentrieren, was sich auch durchaus lohnt. In seinem quietschgelben Outfit mit der silbernen Jacke und der Schirmmütze wird er sofort zum Publikumsliebling und erhält heftigen Schlussapplaus. Die Jury ist natürlich wieder zufrieden (Fernanda: “Selbst Deine Dusseligkeit kommt sympathisch rüber.”), auch Onkel Dieter fühlt sich gut unterhalten und überreicht dem Kandidaten sogar einen 50-Euro-Schein – als Anzahlung auf das viele Geld, dass er mit dem verpeilten Halbitaliener noch einzunehmen gedenkt…

    Auf Startplatz 14 sehen wir nun den Staffelopa Marvin Cybulski (29), der sich bisher gegenüber allen RTL-Choreografieversuchen als therapieresistent erwies. Soll heißen: Er kann und mag und wird nicht tanzen, basta! Sein angeknackstes Selbstbewusstsein wird vom Gelegenheitspsychologen Marco Schreyl noch einmal öffentlich zur Sprache gebracht und Marvins im Saal anwesende Ehefrau gebeten, etwas Aufmunterndes zu sagen. Leider war das wohl nicht abgesprochen, sie stammelt kurz und dann muss Marco der Guten noch vorsagen, so überfordert ist sie mit dieser überraschenden Aufgabe. Als dann Marco die Anfeuerung des Kandidaten kurzerhand selbst übernimmt, mischt sich von links außerhalb des Bildes auch noch eine aufgedonnerte Dame ein, angeblich Marvins Mutter, die sich in den vorangegangenen peinlichen zwei Minuten wohl ein paar schlaue Sätze überlegt hat, aber nun will sich Marco nicht mehr stören lassen und bringt die Störerin etwas rüde zum Schweigen. Okay, Schwamm drüber, hier geht’s ja ums Singen. Aus der beliebten Balladenecke bringt Marvin, der “Schmusebär”, heute “Midnight Lady” von Chris Norman, dem ehemaligen Smokie-Leadsänger. Der Titel stammt übrigens aus Onkel Dieters eigener Hitkopierstraße, bringt also beim heutigen Abend so ganz nebenbei ein paar gern gesehene GEMA-Einnahmen für den Poptitanen. Marvin singt gut, wie immer, und seine Stimme passt fast beängstigend perfekt zu dem Titel. Ob er besser gesungen habe, als seinerzeit Chris Norman, wird Bohlen gefragt. Nein, das denn wohl doch nicht, aber sehr gut sei das trotzdem gewesen, soviel ist klar. Die Choreografie war allerdings unterirdisch: Marvin steht wegen seines Übergewichts und allgemeiner Bewegungsunlust ziemlich stocksteif auf der Bühne und brummelt den Titel ohne sichtbaren Energieeinsatz ins Mikro, aber wenn man nicht hinguckt, kann das wohl reichen.

    Letzte Kandidatin ist Sarah Engels (18), deren Hauptproblem jedenfalls nicht fehlender Ehrgeiz ist, eher im Gegenteil. Sie höre ihrem eigenen Gesang sehr gern zu, erzählt sie ohne rot zu werden, nebenher sehe sie auch noch “verdammt gut” aus, findet sie. Ihr Titel heute Abend ist “One Moment in Time” von Whitney Houston, den sie natürlich wieder divenhaft fehlerlos abliefert. Hier und da fehlt ihrer Stimme aber dann doch merklich das Volumen, der Jury ist es jedoch egal, die loben heute ja nun wirklich jeden. Allerdings nicht Bohlen, er bescheinigt ihr zwar, brilliant gesungen zu haben, bemäkelt aber eine gewisse Verbissenheit, sie solle nicht permanent über sich schwadronieren (O-Ton: “Hau’ nicht immer so auf die Kacke!”).

    So, nach einem Kurzdurchlauf der wichtigsten Takte aller Auftritte entlässt uns RTL in die Comedy-Pause, die heute von der “Bülent Ceylan Show” gefüllt wird. Die muss man mögen wollen, um sie mögen zu können, geringe Ansprüche und erhöhter Alkoholpegel mögen dabei von Nutzen sein.

    Schnell beamen wir uns auf Mitternacht vor, die Stunde der Entscheidung. Und wie immer spare ich mir auch das endlose Geblubber des Moderationspraktikanten Marco Schreyl, sondern springe gleich zu den entscheidenden Augenblicken. Insgesamt sollen heute zehn Kandidaten für die Mottoshows ausgewählt werden, sieben davon werden direkt vom Publikum und weitere drei von der Jury bestimmt.

    Der kultige RTL-Aufsichtsbeamte Dr. Fleischhauer bringt wie gewohnt den Umschlag mit den Namen. Das Publikumsvotum gewinnen auf Anhieb und in dieser Reihenfolge: Norman Langen, Marvin Cybulski, Marco Angelini, Sebastian Wurth, Pietro Lombardi, Ardian Bujupi und Anna-Carina Woitschack. Das sind sechs “Jungs” und nur ein “Mädchen”! Skandal, das kann natürlich nicht so bleiben und so nominiert die Jury ausschließlich weibliche Kandidatinnen, nämlich Sarah Engels, Zazou Mall und als allerletzte Nina Richel. Die sehen wir also alle am nächsten Sonnabend wieder, dagegen haben bei DSDS entsprechend den Regeln jetzt auf Lebenszeit keine neue Bewerbungschance: Mike Müller, Felix Hahnsch, Awa Corrah, Christopher Schwab und Nicole Kandziora. Ciao, zusammen!

    Wir Zuschauer dürfen dagegen unbegrenzt oft wiederkommen und sehen uns deshalb in einer Woche bei der ersten Mottoshow. Bis denne!

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  • DSDS (RTL) 17.02.2011 1 Comment

    Liebe Leute,

    heute heißt es Abschied nehmen von den Malediven, den Inseln des Glücks oder des Todes, je nachdem, wen man fragt. Bei “Deutschland sucht den Superstar” werden heute jene 15 Kandidaten benannt, die am nächsten Sonnabend in der ersten Liveshow auftreten dürfen. Noch einmal kann die Jury aus Dieter Bohlen, Fernanda Brandao und Patrick Nuo ihre diabolischen Triebe ausleben und die Bewerber nach Herzenslust vor einem Millionenpublikum schikanieren. Wir werden Zeuge, wie sich zuvor noch aufrecht gehende Möchtegernstars in einen Haufen zitternde Götterspeise verwandeln, sobald sie vor den Jurytisch treten, kaum fähig, ihre Körperfunktionen zu kontrollieren. Und wie sie dann nach einem positiven Urteilsspruch in einer Supernova neuen Selbstbewusstseins erstrahlen und die ganze Welt inklusive des Fernsehteams gleichzeitig zu umarmen versuchen. Oder aber, wenn Dieters Daumen nach unten zeigt in Richtung Verdammnis, wie sich Menschen schlagartig der ganzen Mickrigkeit ihrer Existenz bewusst werden und in Millisekunden zu einem heulenden Haufen Homo-Sapiens-Asche mutieren. Ihr ganzes Leben war sowieso schon immer ein einziges Scheitern, alle Freunde und vor allem alle Feinde hatten Recht, sie waren, sind und bleiben nichtswerte Loser. Das weitere Schicksal der DSDS-Verlierer ist klar vorgezeichnet: Sie drücken sich, sobald die unbarmherzigen RTL-Kameras sie freigeben, mit gesenktem Blick und im Schutz der Nacht an Bord des nächsten Fliegers gen Heimat… mit der Aussicht, die kommenden drei Jahre versteckt im Keller ihrer Eltern verbringen zu dürfen. Naja, es hat ja auch keiner behauptet, dass die berühmten Warhol’schen “15 Minutes of Fame” nichts kosten…

    Die Sendung selbst ist eigentlich nicht sonderlich interessant, von den vorher als dramatisch und alles entscheidend angekündigten Einzelauftritten werden nur eine Hand voll gezeigt, alle ziemlich positiv. Wir erleben nacheinander Anna-Carina Woitschack mit “A Woman’s Worth” von Alicia Keys, Ardian Bujupi mit “Der ewige Kreis” aus dem Musical “Der König der Löwen”, Nicole Kandziora mit “Homeless” von Leona Lewis, Pietro Lombardi in einem wachen Moment und erstmals ohne Mütze mit “Can you feel the Love tonight” (ebenfalls aus Elton Johns “König der Löwen”), Mike Müller mit “All I have to give” von den Backstreet Boys sowie Sebastian Wurth mit “Home” von Michael Bublé. Die Jury sagt nicht viel, im Grunde genommen immer nur einfach “Danke”.

    Dann folgt die Urteilsverkündung am Strand. Als erster erscheint der dickliche Marvin Cybulski mit Nervenflattern vor dem Richtertisch und wirkt dabei auf mich wie ein Fleisch gewordener Minderwertigkeitskomplex – was er ja angesichts seines Talents gar nicht nötig hätte. Dieter zieht den Spruch unerträglich in die Länge und schließt mit: “Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass es nicht einen Grund gibt, Dich hier weiterzulassen…” Der Kandidat stirbt tausend Tode, wendet sich zutiefst getroffen ab und schlägt schon den Rückweg ein, da ruft ihm Bohlen das Ende seines Satzes nach: “…sondern es gibt tausend Gründe, Dich weiterkommen zu lassen!” Marvin ist fast empört über diese dramatische Finte des Poptitanen, droht ihm sogar lachend mit dem Zeigefinger: “Mensch Du, mach das nicht nochmal, ich bin herzkrank und sensibel, Mann!” :-)

    Ähnlich dramatisch verläuft Dieters Verkündung für Pietro Lombardi: Er sei ja immer der Klassenclown der ganzen Gruppe gewesen, habe sich aber an einigen Stellen auch durchaus etwas getraut und so manchem Titel seinen Stempel aufgedrückt. Besonders sein “Qué Será, Será” sei diesbezüglich noch in frischer Erinnerung (alle grinsen sich eins). Nach einigem Hin und Her wolle nun auch die Jury ihren Mut beweisen, indem sie ihn in die Top 15 weiterlasse. Pietro hatte offenbar überhaupt nicht mit diesem Ergebnis gerechnet, ist unfähig, auch nur ein vernehmliches Wort zu sprechen, drückt weinend allen Jurymitgliedern die Hand und bricht dann schluchzend auf dem Strand zusammen. :-)

    Die Drecksarbeit lässt Dieter gern mal andere für sich machen, den Urteilsspruch für Maxime Dassen verkündet deshalb Patrick Nuo. Er schwurbelt etwas herum, ihre Stimme habe bei den letzten Titeln irgendwie “einen Tick aufgesetzt” gewirkt, unauthentisch, deshalb sei ihr Weg hier jetzt zu Ende. Die drei Richter geben ihr noch ein lahmes “Tschüss, mach’s gut” mit auf den Weg und damit versinkt ihr Leben unabänderlich im Nebel der Bedeutungslosigkeit, in dem auch wir, die wir diesen Blog schreiben oder lesen, uns aufhalten. :-(

    Der Off-Mann philosophiert: “Aus Träumen werden bittere Tränen” und wir sehen in einer schnellen Sequenz das Verlöschen der Hoffnungen von Denise Lorenz (weint heftig), Shahin Radmand, Albresha Iljazi, Tobias Wojczewski und Nicole Ferreira de Rocha. :-(

    Weiter ist dagegen Norman Langen, der sich lautstark freut und schon auf dem Rückweg ins Camp die Zuschauer bittet, für ihn anzurufen. Der Stoffel, wir kennen ja die Nummer noch gar nicht… :-)

    Sarah Engels geht schon selbstbewusst bis arrogant zu ihrer Urteilsverkündung. Sie wisse ja, dass sie es verdient habe, in die Top 15 einzuziehen, gut singen könne und super aussehe und sie wolle unbedingt, dass bei DSDS endlich mal eine Frau gewinne. Dieter macht es ihr schwer “Leider muss ich Dir sagen, dass wir keine Hoffnung haben, dass Du Dich in den Mottoshows durchsetzt.” Kaltes Schweigen auf beiden Seiten. Endlich fragt Sarah feindselig “und wieso?” Dieter rückt nun mit der ganzen Antwort heraus: “Wir haben keine Hoffnung, sondern wir sind uns absolut sicher, dass Du Dich durchsetzen wirst.” Puh, große Erleichterung, es gibt Bussi-Bussi für die ganze Jury, bei jeder anderen Entscheidung wäre es ihnen aber auch schlecht ergangen, nehme ich an. :-)

    Danach steht Nina Richel, Sarahs Intimfeindin, vor Dieter Bohlen und seinen beiden Jury-Statisten. Bei ihr geht es ganz schnell, Fernanda darf ihr die positive Nachricht überbringen. Ein hochfrequenter Kreischton ist Ninas Reaktion, dann wird wieder gebusselt, bloß schnell weiter… :-)

    Selam Araya muss dagegen einpacken, sei zwar ein toller Teamplayer und wachse anderen Leuten schnell ans Herz, aber leider reiche die Stimme nicht, verkündet ihm Fernanda. Sie selbst, die so berufen über andere urteilt, war übrigens nicht nur Tänzerin in einigen Modern-Talking-Videos, nein, sie kann auch als Sängerin auf eine jahrzehntelange erfolgreiche Solokarriere zurückblicken und erreichte 2002 mit dem Welthit “Wherever you are” sogar für eine Woche Platz 66 der deutschen Single-Charts. Applaus, Applaus! Selam hingegen wankt nach Empfang der schlechten Nachricht als schwer-depressiver Haufen Elend über den Strand und erweckt den zwingenden Eindruck, er würde sich sofort an Ort und Stelle einbuddeln, wenn er denn nur eine Schaufel hätte. :-(

    Nicole Kandziora kriegt von Patrick einen Berg Komplimente für ihre tolle Stimme und ihre Power und freut sich über das Ticket in die Liveshows. Auch Ardian Bujupi kommt weiter, Zazou Mall sowieso (Bohlen guckt ihr lechzend nach, als sie über den Stand davonhüpft), der angehende Doktor aus Österreich mit dem eingebauten Künstlernamen Marco Angelini natürlich auch, ebenso wie Staffelküken Sebastian Wurth, Profifeger Mike Müller und die Wischmoppfrisurträgerin Awa Corrah. Nicht gezeigt, aber trotzdem weiter sind außerdem noch Puppenspielerin Anna-Carina Woitschack und der lt. Drehbuch schüchterne Christopher Schwab. :-)

    Vierzehn von fünfzehn Liveshow-Plätzen sind bisher vergeben, nur eine einzige Planstelle ist noch frei, allerdings gibt es dafür zwei Bewerber, die fieserweise gemeinsam vor die Jury geladen werden: Die gerade aufkeimende Männerfreundschaft zwischen dem ach so schönen Dünnstimmenbesitzer Felix Hahnsch und seinem Gspusi und Zimmerkumpel Maik Dehn nimmt ein jähes Ende. Vermutlich wegen der besseren Vermarktbarkeit bei vorpubertären Bravo-Leserinnen lässt man Felix mit dem Jahresabo für’s Fitness-Studio in die Liveshows, die Karriere seines Freundes zerschellt dagegen hier und jetzt in der Schlussgerade, unmittelbar vor dem Ziel und dass, obwohl er doch eigentlich die bessere Stimme hatte. Wie schade, Felix mimt zunächst den Betroffenen und freut sich eher nach innen, als man aber Maik endlich aus dem Bild geschoben hat, reckt er doch noch die Siegerfaust und lässt Jubelgeschrei hören. :-) :-(

    Nach ein paar pathetischen Schlussworten von Onkel Dieter geht die Sendung mit einem allerersten Durchlauf der Gesichter und Namen unserer 15 neuen Superhelden zu Ende, im Hintergrund ein dramatischer Chor mit Feuerwerk und jede Menge elektronisches Konfetti aus dem RTL-Arsenal.

    Man sieht sich am Sonnabend zur ersten Liveshow!

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  • Frohen Valentinstag allerseits,

    am Feiertag der Blumenhändler beglückt uns Küchengott Christian Rach nach einer Woche Pause wieder mit einer neuen Restauranttester-Folge. Diesmal schickt ihn die RTL-Redaktion zu Willi Dietrich (61) ins “Laternchen” im malerischen Mainz. Dort angekommen, hat der Wirt am ersten Abend kaum Zeit für den Fernsehonkel aus Hamburg, denn der Laden brummt und Willi muss in der Küche wirbeln. Der legt dabei ein Tempo vor, dass die Kamera ihm kaum folgen kann. Hektik-Elektrik in Reinkultur, Louis de Funès war im Vergleich dazu eine lahme Schnecke. Auf den ersten Blick sieht das eigentlich nicht nach einem Problemfall aus, warum also hat man den Gourmetkünstler hierher in die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt beordert?

    Dass man keine Zeit für ihn hat, ist Christian Rach auch noch nicht so oft passiert, vielleicht liegt es an seiner Angewohnheit, immer einen Tag früher als verabredet zu erscheinen? Andererseits ist diese Macke ja wohl mittlerweile hinlänglich bekannt, bis auf ein paar versprengte Amazonas-Indianer ohne Kabelfernsehen sollte auf diesem Planeten darauf niemand mehr hereinfallen. Aus Frust über diesen wenig schmeichelhaften Empfang kriegt Rach nun einen Fressanfall. Er setzt sich wie ein gewöhnlicher Gast – man mag es kaum glauben – an einen ordinären Tisch und bestellt sich einen Chefsalat und eine Kürbissuppe. Sogleich doziert er süffisant seinen ersten Befund in die Kamera: Alle Menüs auf der Speisekarte atmeten den Geist der 60er Jahre, ha! Was ja wohl bedeutet, sie sind noch in schwarz-weiß… oder was will er uns damit sagen? ;-) Schon nach kurzer Zeit schleppt die Bedienung eine Elefantenportion Chefsalat herbei; Rach lässt sich davon aber nicht schocken und bestellt gleich noch ein Cordon bleu und einen Rotwein hinterher. Dann mümmelt er vor laufender Kamera den Salat auf und meckert dabei, die 8 Euro 50 könnten ja wohl nicht kostendeckend sein. Ihm schmeckt’s aber und das gilt auch für die kurze Zeit später eintreffende Kürbissuppe. Also am Essen liegt es schon mal nicht, wenn es hier im “Laternchen” ein Problemchen geben sollte.

    Die Ursachenforschung kann dann auch gleich losgehen, Chef-Hektologe Willi Dietrich findet nämlich zwischen zwei Bestellungen endlich Zeit, den Meister in seinem Etablissement zu begrüßen. Ja, okay, momentan liefe der Laden wegen des (damals) Vorweihnachtsgeschäfts ganz gut, aber normalerweise sei hier eher tote Hose. Dass er in der Küche ganz allein sei, alarmiert Christian Rach dann aber gewaltig. Und nebenbei ist Willy dann auch noch alleinerziehender Vater einer neunjährigen Tochter – seitdem seine Frau mit dem Kellner durchgebrannt ist… Er sei mittlerweile psychisch ziemlich platt, habe in den letzten Monaten sehr abgenommen und nehme wegen seiner Bandscheibenbeschwerden ständig Schmerzmittel, beichtet der Mainzer in die Kamera. Das hört sich für meine laienhaften Ohren doch sehr nach einem drohenden oder sogar schon stattfindenden Burn-out an.

    Am nächsten Morgen treffen sich die beiden Köche in Willis “Laternchen”, das übrigens ein bisschen abseits liegt und bei Tageslicht von außen längst nicht mehr so gemütlich aussieht wie am vorherigen Abend. Rach spricht gleich noch einmal die Gesundheit an, das sei schließlich das höchste Gut für diesen Beruf – wie wohl auch für die meisten anderen. Seine leichthin geäußerte Diagnose “das wirkt hier alles depressiv, Du siehst geschlagen und verprügelt aus” ist ein Stoß ins Wespennest, Willi kann minutenlang nicht sprechen, ist den Tränen nahe und will das Thema wechseln. Dass er mal ein humoriges Mainzer Original gewesen sein soll, scheint aus heutiger Sicht kaum zu glauben. Die beliebte Ortsbesichtigung ergibt hier keine Auffälligkeiten, der Laden ist in Ordnung, ja geradezu liebevoll gepflegt. Rach möchte die schwankende Kundenzahl über eine Grundrenovierung der Speisekarte stabilisieren. Bis morgen wollen beide darüber nachdenken. Obwohl kaum etwas passiert ist, herrscht draußen schon wieder Dunkelheit. Entweder haben die in Mainz gerade Sonnenfinsternis (eher unwahrscheinlich) oder RTL hat hier ganz viel herausgeschnippelt.

    An Tag Drei rückt man der Speisekarte zu Leibe. Willi schlägt sofort wahllos Streichkandidaten vor, aber Rach will dazu erst einmal ein Konzept, schlägt vor, ihn, den Wirt, in den Mittelpunkt zu stellen. Dazu solle der Gastraum insgesamt heller und freundlicher gestaltet werden und irgendwo müsse es dann die ultimative Willi-Ecke mit den zahlreichen gerahmten Zeitungsartikeln und signierten Mainz-05-Trikots des stadtbekannten Originals geben. Willis sagt zu allem Ja und Amen. Dann geht es zum gemeinsamen Einkauf in den Großmarkt; der Hamburger hat nämlich Ideen, die dem Mainzer zukünftig das Arbeiten etwas erleichtern sollen. Hilfe könnte z.B. die Umstellung auf Speisen bringen, die man besser vorbereiten kann, z.B. Schweinebauch, gebeizter Lachs oder Huhn. Wieder daheim im “Laternchen” werden dann die ersten neuen Rezepte ausprobiert, die beiden Männer haben sichtlich Gefallen aneinander gefunden, obwohl Willis Hektik das ruhigere “Nordlicht” fast in den Wahnsinn treibt. Und dabei sei er eher noch im Ruhemodus, behauptet der Mainzer. Wieder herrscht Sonnenfinsternis, als Rach den Laden verlässt.

    Der nächste Tag fängt gleich wieder in der Küche an, Willi wirbelt in bekannter Manier. Da kommt Hilfe, eine gewisse Anne hat Urlaub genommen, um ihrem Freund bei der Lokalrenovierung zu helfen. Die Bilder werden umgehängt, der Zigarettenautomat verschoben. Zwischendrin probieren sie die neuesten Küchenergüsse des Meisters, den riesenhaften Chefsalat hat er aus den Sechzigern in die Zehner (oder wie nennen wir unsere Dekade?) geholt und zum Scampi-Salat umgemodelt. Willi muss sich an solch radikale Veränderungen erst gewöhnen und sitzt etwas erschlagen in seinem eigenen Gastraum. Sonnenfinsternis…

    Am letzten Tag seines Mainz-Besuchs eröffnet Rach seinem Clienten, dass nach den Weihnachtsfeiertagen der Maler kommen und alles etwas heller gestalten werde. Sofort wird dagegen der Austausch von Stühlen, Tischwäsche und Accessoires in Angriff genommen. Alles wird auf betont bunt und lebendig getrimmt, so wie der Original-Willi hoffentlich bald auch wieder sein wird. Rach empfiehlt ihm außerdem, bei größeren Gruppen zukünftig nur noch ein oder zwei Menüs anzubieten, zehn Essen à la carte würden auch einen gesunden Koch schon umbringen. Rach entfleucht über die Feiertage ins heimatliche Hamburg, verspricht aber, gleich im neuen Jahr wieder in Mainz vorbeizuschauen. Die beiden Köche sind inzwischen so etwas wie Freunde geworden und verabschieden sich herzlich voneinander.

    Vier Wochen später ist Christian Rach wirklich wieder im “Laternchen”. Der Gastraum ist erkennbar heller geworden, überall hängen verrückte Lampen (Laternchen eben), jeder Tisch sieht anders aus, alles ist bunt. Aber dann findet Trüffelschwein Rach in der neu gestalteten und verkleinerten Speisekarte wieder das Reizmenü “Chefsalat”. Wieso, was soll das, warum nun diese Inkonsequenz? Der Hamburger redet seinem neuen Freund noch einmal kräftig ins Gewissen, mehr an sich zu denken und dazu sei eine Verschlankung des Essenangebots nun mal unumgänglich. Das bleibt dann aber auch der einzige Wermutstropfen, alles andere gefällt unserem Sternekoch ausnehmend gut. Das bestellte Essen schmeckt (wie immer) bestens, der Laden brummt jetzt auch außerhalb der Weihnachtszeit und nach eigenen Angaben braucht Willi momentan kaum noch Schmerzmittel. Sollte sein “Laternchen” es wirklich geschafft haben? Zu wünschen wäre es dem grundsympathischen Mainzer jedenfalls von Herzen. :-)

    Mit dieser erfreulichen Sendung, die endlich auch mal wieder häufiger in der Küche spielt und wo es kräftig menschelt, ist Christian Rach ein weiterer Sahnebonbon in seiner Restauranttester-Serie gelungen, Glückwunsch!

    Bis zur nächsten Woche!

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  • DSDS (RTL) 15.02.2011 No Comments

    Hallo Leute,

    wie der Titel unseres heutigen Beitrags schon nahe legt, geht es bei “Deutschland sucht den Superstar” diesmal primär um Äußerlichkeiten. So langsam bewegen wir uns in Richtung auf die erste Liveshow, bei der am kommenden Sonnabend die Top 15 der diesjährigen DSDS-Staffel auftreten soll. Bis dahin müssen Dieter Bohlen, Fernanda Brandao und Patrick Nuo aber noch dringend ein paar zu unmusikalische oder zu hässliche Störenfriede aus der Sendung werfen und in der heutigen zweieinhalbstündigen Folge kommen sie damit auch ein ganzes Stück voran. Die scheinbar idyllische Malediven-Trauminsel verwandelt sich für immer mehr Kandidaten in ein Terror-Eiland.

    Einst begründete Mao Tse-Tung, u.a. Erfinder der blutigen chinesischen Kulturrevolution, die Sinnhaftigkeit öffentlicher Exekutionen so ehrlich wie brutal: “Einen bestrafen, um damit hundert zu erziehen!” Dieser Maxime folgte in der letzten Woche gewissermaßen auch Onkel Dieter, indem er Fatima Aarrad und Vidina Popov in einer Art Tribunal vor allen Augen aus der Menge der angetretenen Kandidaten herausrief und auf den direkten Heimweg schickte, sie hatten sich nämlich für seine Zwecke als untauglich erwiesen. Dermaßen eingeschüchtert, lernen sich die Texte für die heutigen Titel vermutlich wie geschmiert…

    Die erste Gruppe besteht aus Awa Corrah, Maxime Dassen, Albresha Iljazi. Awa trägt mittlerweile eine orange-rote Löwenmähne und verweigert anfänglich das Interview (“Eure Kamera ist blöd”) – wenn das Bohlen erfährt, ist sie so gut wie tot. Die drei Mädels proben leicht geschürzt unter den Palmen und wackeln dabei mit allen geeigneten Extremitäten. Der johlend gaffenden Jünglingsmeute gefällt das ausnehmend gut, man gerät allgemein in Balzlaune und insgeheim werden untereinander wahrscheinlich schon die Claims abgesteckt, wer da später mit welcher mal flirten darf und so weiter. Das eine oder andere T-Shirt fliegt beiseite und Felix Hahnsch zeigt öffentlich, wozu er sein Jahresabo im Fitnesscenter braucht, er hat sich dort nämlich ein Sixpack gebastelt, das er nun stolz in die Kamera reckt. Hätte er man ähnlich viel für seine Stimme getan… Awa, Maxime und Albresha haben nun also ihren Auftritt vor der Jury mit “When Love takes over” von David Guetta und Kelly Rowland und machen ihre Sache sehr gut. Sie singen prima und die recht tänzerische Choreografie passt zur Umgebung (Palmen, Strand und türkisfarbenes Meer) wie Arsch auf Eimer. Nur Awa kriegt von Dieter einen eingeschenkt (“faule Bratze”), weil sie für den Text einen kleinen Spickzettel braucht.

    Danach kommen drei “Jungs”, nämlich Tobias Wojczewski, Marvin Cybulski und Nils Jörissen. Ääääh, nun gibt es allerdings eine echte Enttäuschung für die Damenwelt: Der blonde Muskelmann Nils hat nach seinem Fiasko mit Vidina nicht nur bei Dieter die Favoritenrolle eingebüßt, sondern wohl auch die Lust verloren, überhaupt an diesem Wettbewerb teilzunehmen. Mitten in der Nacht, noch während er mit Tobias und Marvin zusammen probt, beschließt er seinen DSDS-Ausstieg, lässt sich von seinen Partnern auch nicht mehr umstimmen und nimmt das nächste Wasserflugzeug gen Heimat! In aller Eile zimmern die beiden Zurückgebliebenen ihren Titel “Please forgive me” von Bryan Adams auf die neue Gruppenstärke um und treten so morgens vor Bohlens Jurygericht. Onkel Dieter nimmt Nils Abschied mit einem knappen Spruch zur Kenntnis und zeigt sich auch ansonsten eher kurz angebunden. Die Strophen sitzen alle noch nicht so richtig und mittendrin ist plötzlich das Playback zu Ende, wo die Kandidaten offenbar noch weiter singen wollen. Marvin ist darüber sichtlich entsetzt, was ihm Dieter dann wiederum als unprofessionell ankrittelt. Ein Star müsse eben mit allem rechnen. Und überhaupt, seine Stimme sei natürlich genial, aber wie er die Nummer verkaufe, das sei “Scheiße hoch hundert”, er stünde da herum “wie ein angeschossener Bär”. Tobias kriegt dann von Patrick und Dieter auch noch unisono sein Fett weg, das sei ein total unkonzentrierter Auftritt gewesen. Auweia!

    Noch drei Herren der Schöpfung: Felix Hahnsch, Phillip Allar und Norman Langen dürfen Wolfgang Petrys Alkoholikerhymne “Verlieben, verloren, vergessen, verzeih’n” zu Gehör bringen. Bunt kostümiert bzw. (Felix) oben ohne treten die drei vor die Jury. Gesanglich klappt alles, aber hinterher kriegt vor allem Phillip von Dieter den Kopf gewaschen: “Star Appeal hast Du zero, die Stimme ist besser als das, was Du da ansonsten fabrizierst”. Sein Comic-T-Shirt vom KiK-Grabbeltisch stinkt völlig ab neben dem stylischen Outfit von Gelhaarträger Norman und Felix mit seinem eingeölten Waschbrettbauch, die ihn zu allem Überfluss beide um einen Kopf überragen. Norman bekommt vom Poptitan zum Abschied noch den Titel “Schlageronkel von DSDS” verliehen. Nett gemeint, hört sich aber in meinen Ohren echt böse an…

    Kurzes Zwischenspiel: Wir werden zwangsweise mit in den Bungalow von Albresha und Anna-Carina genommen und dürfen das dortige Chaos besichtigen. Sie sind scheinbar beide Messies, haben ihre Bude in Rekordzeit komplett vermüllt und dabei auch die Betten mit allen möglichen und unmöglichen Schmink- und Hygieneresten garniert. Höhe- bzw. Tiefpunkt ist der Besuch der Kamera im Klo, wo eine der Damen ganz offensichtlich im Eifer des Gefechts vergessen hat, nach der Verrichtung des großen Geschäfts die Spülung zu betätigen. Und so schwimmt das, was man eigentlich herunter zieht (und das übrigens nebenbei zum unverzichtbaren Bestandteil der meisten Sätze von Dieter Bohlen gehört) munter, aber wenigstens leicht verpixelt, im Toilettenbecken. Jaja, wir sind halt bei RTL, hier rutscht die Schamgrenze von Jahr zu Jahr tiefer und nichts ist zu peinlich, um es nicht doch noch mit irgendeiner bekloppten Drehbuchfinte in die Sendung zu quetschen. Für’s nächste Jahr erwarte ich dann mindestens mal eine öffentliche Darmspiegelung… ;-)

    Marco Angelini und Denise Lorenz versteht man nicht, solange sie sich in ihrem heimatlichen Idiom unterhalten – und das ist bei Denise eigentlich immer. Was unsereiner als schwere Sprachbehinderung empfindet und von RTL mühsam untertitel werden muss, ist für den Österreicher und die Bayerin gewohnter Alltag. Denise bildet heute zusammen mit Anna-Carina Woitschack und Zazou Mall ein Mädchentrio. Sie ist dabei etwas im Nachteil, denn das Tanzen ist nicht ihre Sache, im Gegensatz zu den anderen beiden, die nicht nur das Talent, sondern auch die Figur dafür haben. Neben ihnen sieht Denise verloren und – man muss es so sagen – klein und pummelig aus. Die drei Damen performen zu Katy Perrys “California Gurls”. (Wieso heißt das eigentlich nicht “Girls”, wie sich das gehört?) Die beiden “Großen” machen ihre Sache superprofessionell, als hätten sie ihr junges Leben lang nichts anderes gemacht, bewegen sich grazil und flirten mit Jury und Kamera. Dagegen fällt Denise optisch ganz klar ab, Dieter bringt es mal wieder auf den Punkt: “Du erinnerst mich immer an den iPod nano, klein, komisches Design und es kommen Töne raus. Du bist sehr unauffällig und gesungen hast Du auch nicht besonders gut.” Anna-Carina bekommt dagegen sein allerhöchstes, fast schon schwelgerisches Lob: “Ich sehe das mit den Augen eines Mannes, ich hätte nie gedacht, das Du Dich so geil bewegen kannst. Mein Lieber Scholli, Begeisterung pur, ich kann mich nicht erinnern, dass irgendein Mädchen bei DSDS schon vorher mal so eine Ausstrahlung hatte, megageil!” Gut, dass zwischen uns Zuschauern und Dieter Bohlen noch die Monitorscheibe ist, sonst würde er mit seinen feuchten Männerträumen den einen oder anderen Wohnzimmerteppich überschwemmen. Wenn ich seine Freundin daheim in Tötensen wäre, würde ich schon mal so langsam den Koffer vom Boden holen, denn viel intensiver kann man ja wohl öffentlich nicht flirten. Und altersmäßig würde Anna-Carina auch gut in sein Beuteschema passen, sie ist sweet seventeen und noch komplett unbemannt, wie wir aus dem Casting memorieren. Die aktuelle Bohlengespielin ist lt. Wikipedia dagegen schon stolze 27 Jahre alt, müsste also dringend mal wieder ausgewechselt werden. :-)

    Nun wieder drei Männer, Fernanda soll ja auch etwas zum Gucken haben: Shahin Radmand, Daniel Neumann und Selam Araya treten mit Sean Kingstons Reggae-Hit “Beautiful Girls (Suicidal)” an. Sie liefern den Song musikalisch makellos ab, bewegen sich dazu super und das auch noch als Gruppe. “Cool und geil”, ist Dieter Bohlens verbaler Ritterschlag, mit diesem Urteil brauchen sich die drei noch keine Gedanken um ihren baldigen Rückflug zu machen.

    Als nächstes kommen gleich vier Girls, darunter Nicole Kandziora und Yalda Moghni, alle im knappen Beach-Outlook mit schwarzen Bikini-Oberteilen. Sie performen “Loca” von Shakira, auch mit ziemlich guter Choreografie, die Jury nickt zufrieden und die Mädchen sind von sich selbst begeistert.

    Zwischendurch mal wieder ein kleiner Exkurs. Wir sehen in kurzen Sequenzen Mike Müller, den Straßenkehrer aus Köln, der auch auf den Malediven nicht so ganz aus seiner Haut kann und tatsächlich anfängt, die Insel zu fegen. Wir lernen daraus: In tropischen Gefilden sollte man in der sengenden Sonne immer schön die Mütze aufsetzen, sonst schmurgelt es in der Denkmurmel. Apropos “Denkmurmel”: Danach sehen wir einmal mehr Felix Hahnsch beim Trainieren seiner Bauchmuskeln. Neben ihm macht Maik Dehn ebenfalls Liegestütze und beide zusammen philosophieren darüber, dass Fitness zu den Anforderungen des Popstar-Berufs gehört, nicht jedoch zu denen des Politikers. Gut, dass das endlich mal so in dieser Klarheit gesagt wurde, wir hätten ja sonst alle dumm sterben müssen. Wo wir gerade schon einmal dabei sind, über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens zu sprechen, kommen wir nun auch noch zu dem ungeklärten, ja mir bisher noch nicht einmal aufgefallenen Phänomen, dass man Christopher Schwab niemals oben ohne am Strand sieht. Dabei gehört der 18jährige Blondschopf doch lt. Dieter Bohlen zu den “hübschen Jungs” bei DSDS und könnte es sich bestimmt leisten, für die Damenwelt sein T-Shirt zu lüften. Aber genau da liegt der Hase im Pfeffer, der gute Christopher will nicht als Schönling gelten, sondern nur durch seine Musik überzeugen, daher geizt er mit den Reizen. Na, da hat er es uns allen aber echt gegeben, das RTL-Management wird sich freuen. Mit dieser sonderbaren Einstellung wird das aber bestimmt nichts bei DSDS, damit endet er höchstens als Vorgruppe zu Menderez, wenn der mal wieder morgens um 4 Uhr irgendwo in der Pampa einen Auftritt in einer Dorfdisse absolviert.

    Okay, nun sehen wir also unseren Möchtenichtgern-Schönling Christopher Schwab zusammen mit Mike Müller, dem Inselkehrer und Maik Dehn, dem Hobbyphilosophen. Sie versuchen sich an “Wavin’ Flag” von K’naan, einer der WM-Hymnen von 2010. Leider hat Maik heute wohl seine ganze Kraft ins Bauchmuskeltraining gesteckt und darüber das Gedächtnis vernachlässigt. Die Folge ist ein böser Texthänger schon gleich am Anfang seiner Strophe. Christopher hat dagegen eher technische Probleme, er kommt nicht ganz an den richtigen Ton heran und leider merkt Bohlen so etwas ziemlich schnell. Ansonsten war er aber leidlich zufrieden mit dieser Gruppe und sieht von weiterer Schelte ab.

    Kurze Szene vom Jurytisch während der Schminkpause zwischen zwei Gruppenauftritten: Unter den entsetzten Blicken von Patrick, Fernanda und Dieter taucht aus den Fluten ein unfassbar moppeliger Mann auf und wälzt sich aus dem Wasser an Land, direkt vor den Kameras, die RTL geistesgegenwärtig weiterlaufen lässt. Ohne sich über die Öffentlichkeitswirkung seines Handelns klar zu sein, kratzt der Mann sich den weit über die Badehose hinausragenden behaarten Schmerbauch und schubbert dann weiterhin völlig unbeteiligt langsam nach links aus dem Bild. Also Sachen gibt’s…

    Marco Angelini singt zusammen mit Nicole Ferreira de Rocha im Duett “Stadt” von Cassandra Steen und Adel Tawil. Das klappt allerbestens, die Jury ist einhellig sehr zufrieden, insbesondere mit der ungewohnten “Ernsthaftigkeit” von Marco. Auch Dieter lobt ihn besonders: “Kompliment, das war Hammer!”

    Nun folgen DSDS-Staffelküken SebastianWurth, Superhirn Pietro Lombardi und Ardian Bajupi mit dem Song “Down” von Jay Sean, was seinerzeit, vor gefühlt hundert Jahren, auch Pietros Casting-Titel war. Die drei Jungs performen nur in Bermudas, was Fernanda zu dem Spruch “da kommen die Beach Boys angedackelt” animiert. Übrigens trägt Fernanda heute (auch, nicht nur, haha) eine riesengroße Plastiksonnenbrille aus der Nana-Muskouri-Gedächtniskollektion. Der Auftritt läuft ziemlich gut und eindeutiger Matchwinner ist der kleine Sebastian. Er sieht ja aus wie ‘n Schluck Wasser in der Kurve, steckt die beiden größeren Kollegen stimmlich aber mit Leichtigkeit in den Sack. Und flirtet dabei mit der Jury, dass es Fernanda fast die Schuhe auszieht. Dieter findet doch aber auch hier wieder einen Grund zum meckern, denn er hat beobachtet, wie Pietro sich zwischendrin den Text aus der Handfläche ablas. “Du musst Deine zwei Gehirnzellen echt mal auf Trab bringen!”, herrscht er ihn an. Und weiter geht’s “Adrian… Adrian… äh, wie wird Dein Name nochmal ausgesprochen?” “Ardian”, sagt Ardian. “Okay, Adrian…”, macht Bohlen ziemlich verwirrt weiter, “eben ist ein Wunder passiert, der abgebrochene Gartenzwerg [er deutet auf Sebastian] hat Euch die Show gestohlen. Mit seiner Stimme. Er ist drei Lichtjahre besser als ihr anderen beiden. Die ganze Gruppe war gut, aber Sebastian, Du bist’n Volltreffer!”

    Stutenbissigkeit pur: Sarah Engels und Nina Richel glauben und sagen beide von sich, die bessere, wenn nicht gar die beste Stimme zu haben. “Nönö, Zickenkrieg gibt es nicht zwischen uns”, behaupten sie, aber man muss kein Tiefenpsychologe sein, um das Gegenteil zu erkennen. Sie in ein Duett zusammenzustecken, ist schon eine ziemlich perfide Leistung der RTL-Regie. Die beiden Alphaweibchen kommen mit “A Moment like this” von Kelly Clarkson auf die Strandbühne. Nina hat schon am Vorabend bei der DSDS-Party herumgenörgelt, sie kriege das nicht richtig hin, das klinge bei ihr alles viel zu krass, sie habe nicht das richtige Feeling für den Song usw. Dementsprechend ungünstig läuft auch ihr Auftritt am nächsten Morgen. Sie singt den Titel irgendwie seelenlos, sieht dabei auch noch etwas ungünstig aus in ihrem Beach-Outfit und verliert sowohl optisch als auch akustisch an ihre Konkurrentin. Sarah nutzt die Chance, sich gut in Szene zu setzen, bewegt sich gut, röhrt an den richtigen Stellen und schmachtet an den anderen. Das sieht auch die Jury so und mit jedem Lob für Sarah zerbröselt es Nina vor unseren Augen ein Stückchen weiter. Fernanda macht dann das Maß voll, als sie Nina empfiehlt, sich doch auch äußerlich ein wenig anzuhübschen, z.B. mit Öl auf der Haut, so wie es Sarah gemacht habe. Hinterher, weitab von der Jury, kriegt sie dann einen Heulkrampf, von wegen “Öl auf die Haut schmieren, dann sehe ich aus wie ein Krebs, ey!”.

    Unangemessen fröhlich singend ziehen jetzt alle Kandidaten zum Jurytisch um das Urteil abzuholen, denn eigentlich sollen jetzt wieder ein paar Namen von Heimflugkandidaten genannt werden. Aber Onkel Dieter hat es sich anders überlegt, er war so zufrieden mit den heutigen Gruppenauftritten, dass er vorerst alle am Leben lässt. Abends herrscht dann allgemeine Feierstimmung, alle tanzen und trinken zusammen. Alle? Nein, zwei Kandidaten kommen zu spät und verbringen auch sonst viel Zeit miteinander, wie die allwissende Off-Stimme geheimnisvoll raunt: Es handelt sich um die gerade eben noch hoch gelobte Sarah Engels und den verpeilten König der Gedächtnisakrobaten Pietro Lombardi. Geht da was? Meine Fresse, sind wir hier in der fünften Klasse im Schullandheim? Geht da was??? Mir doch egal, sollen die machen, was sie wollen, ich spule diesen Klatschquatsch jetzt einfach vor.

    Am nächsten Tag ist Balladentag, d.h. es werden Mädchen-Jungs-Pärchen gebildet und am Abend im Dunkeln vor dem Lagerfeuer werden die Liebeslieder vor der gesamten Gruppe vorgetragen. Ich beschränke mich hier aus Platzgründen mal auf ein paar Stichworte:

    Zazou und Ardian mit “Russian Roulette” (Rihanna): Sehr intensive Choreografie, alle sind sprachlos, die Jury begeistert, toller Auftritt. :-)

    Anna-Carina und Norman mit “Über sieben Brücken” (Karat): Desaströs, Anna-Carina hat einen völligen Aussetzer, singt immer in einer viel zu tiefen Lage, Bohlen bricht nach drei Versuchen entnervt ab, das Riesenlob vom Vortag ist verspielt, Enttäuschung! :-(

    Pietro und Yalda mit “Qué Será, Será” (u.a. Doris Day): Staffelclown Pietro hat die Melodie nicht verstanden und den Text vergessen, seine eigenwillige Interpretation des Lieds bleibt wenigstens als unterhaltsame Lachnummer im Gedächtnis. ;-)

    Ricardo und Linai mit “Make you feel my Love” (Adele): Nach gutem Anfang kommen die beiden völlig aus dem Konzept, Linai zickt beim zweiten Versuch, streitet sich mit Bohlen auf offener Bühne und kann anschließend schon mal Koffer packen gehen. Katastrophe! :-o

    Awa und Selam mit “Wenn das Liebe ist” (Glashaus): Totales Kontrastprogramm, schwieriger Titel, genial performt – besonders von Awa – und zu Recht von der Jury hoch gelobt. (Bohlen: “Dreifaches Wow”) :-)

    Katharina und Dominik ebenfalls mit “Qué Será, Será” (u.a. Doris Day): Dominik nimmt man den Lover nicht ab, den Text kann er auch nicht, Nervosität besorgt den Rest und schließlich bricht die Jury die Nummer ab. Katharina versucht noch zu handeln (“ich würde alles machen”), aber Bohlen lehnt dankend ab. Adios Amigos! :-(

    Marco und Melissa (hä, wer ist das denn, nie zuvor gesehen!!!) mit einem unbekannten Song: Wie üblich macht Marco seine Sache ordentlich, Bohlen ist zufrieden. :-)

    Denise und Mike mit “Home” (Michael Bublé): Nicht überragend, aber ganz okay, sagt Dieter. :-)

    Phillip, Sebastian und Christopher mit “Fields of Gold” (Sting): Hier überzeugt vor allem der gefühlvolle Part von Christopher. :-)

    Felix und Nicole auch mit “Home” (Michael Bublé): “Schönes Duett”, findet der Poptitan, “alles richtig gemacht!” :-)

    Sarah und Tobias schon wieder mit “Make you feel my Love” (Adele): Wohl kein besonders gelungener Auftritt, besonders Sarah enttäuscht, nachdem sie noch am Vortag gegen/mit Nina so überzeugte. :-(

    Marvin und Nina mit “Sailing” (Rod Stewart): Marvin kriegt zu Beginn einen Tequila und dann wird es sein Glücksauftritt, er überzeugt auf ganzer Linie, seine Stimme ist wie gemacht für den Titel, auch wenn er sich immer noch nicht richtig bewegen kann. Nina ist nur so lala. :-)

    Jetzt kommt am Mittwoch nur noch das Einzelsingen, dann stehen die 15 Kandidaten für die erste Liveshow am nächsten Sonnabend fest. Dies bedeutet aber auch, dass nun einige Leute gehen müssen oder wie Dieter, der Diplomat, es ausdrückt: “Bei einigen von Euch war die Leistung so Scheiße, dass es hier zu Ende ist.” Und nun bittet der Tyrann von Tötensen die Teilnehmer Ricardo, Linai, Dominik, Katharina, Sarah, Pietro, Marvin und Awa nach vorn. Marvin und Awa werden für ihre herausragenden Leistungen heute gelobt, Pietro und Sarah sollen nur einen Schreck kriegen (“Verwarnung”), der Rest darf jetzt nach der persönlichen Entbeinung durch Don Dieter nach Hause fahren. Tschüss, Ricardo, Linai, Dominik und Katharina!

    So, das waren eine überlange Sendung und ein überlanger Blog (will mich bessern), schon am Mittwoch geht es weiter bei DSDS 2011.

    Bis denne!

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