• Nachdem die strengsten Eltern der Welt etwas auf sich warten haben lassen, kehren sie nun noch härter zurück – kein Wunder bei der Jugend von heute.
    Jennifer Mex (15) aus Leverkusen ist nämlich so eine Rotzgöre, die ständig ihre Eltern ankackt und mit ihrer Freundin wahllos Menschen anpöbelt. Zeit für einen Friseur hat sie scheinbar auch nicht, denn ihre rotblond gefärbten Haare sehen aus, als kämen sie aus einer schmierigen Pastaküche, wie ich finde.
    Ihr zur Seite steht dieses Mal Dennis Dallmann (14) aus Berlin, auch genannt die Checker-Vokuhila. Er widersetzt sich immer seiner Mutter und baut nur Scheiße mit seinen Freunden, damit soll jetzt Schluss sein.  Jenny und er werden nach Namibia zu den strengsten Eltern der Welt geschickt.
    Dachte man früher noch, es wäre eine Strafe für die Kids, auf eine bayrische Alm geschickt zu werden, geht es nun für die Kids zurück in die Steinzeit, denn die Himba, ein Volksstamm in Namibia, lebt genau so. Häuser aus einem Lehm-Kuhsch…-Gemisch, Kacken im Busch – all das erwartet unsere Rotzgören.

    Noch nicht einmal richtig angekommen, stellt Jenny fest, dass hier wohl im Busch keine Disco gibt… Tanzen könnte sie aber, denn die Himbas laden Jenny und Dennis gleich zu Beginn zu einem Stamm-Tanz ein… Tja in der Disco ihren Popo wackeln zu lassen, darauf steht sie, aber nun vor diesen Fremden ein bisschen herum zu hüpfen? Das geht natürlich gar nicht und sie fängt erst einmal an zu heulen und alle lachen über sie – geschieht ihr recht, wie ich finde!

    Was mich aber wunderte – Jenny beklagte sich zunächst gar nicht darüber, dass sie mit ihren hochhackigen Schuhen in dem lehmigen Boden voller Vieh-Scheiße (die Himbas leben mit ihren Vieh zusammen) langsam einsinkt…

    Wie dem auch sei – als Nächstes lernen Dennis und Jenny ihre Schlafgelegenheit für die nächsten Tage kennen. Eine Lehmhütte ohne Matratzen ohne alles, dafür aber mit einer Mutter, die ihr Kind vor den Augen der beiden stillt – was bei Dennis unserem Oberchecker, der bestimmt schon ganz viele Frauenbrüste gesehen hat, zu einem kindlichen Kicheranfall sorgt – ja, du bist so ein Checker!!!

    Natürlich klappt das mit dem Schlafen gar nicht und die beiden Campen draußen in Schlafsäcken – dabei kuschelt sich Jenny ganz eng an Dennis, wie ich finde. Kein Wunder denn sie verriet uns anfangs dass sie ihn ganz süß findet – er leider sie nicht…

    Morgens macht sich Jenny dann auf die Suche nach einer Steckdose -  “zum Haare machen”… Leider ohne Erfolg, dafür mit viel Gelächter der Stammes-Mitglieder – hehe ;-)
    Jenny nimmt es aber den Himbas inzwischen nicht mehr so übel, denn sie stellt für sich selbst fest, dass die Himbas gar nichts für ihre Situation können – sie haben ja so wenig Geld – oh, Mann, die lebt ja immer noch in ihrer Traumwelt…
    Dass Jenny manchmal Dinge sagt, die sie nicht so meint – ich hoffe es zumindest – wird auch deutlich, als sie dazu eingeladen, wird ein bisschen Ziegenmilch zu trinken… Jenny quittiert dieses Angebot nach dem ersten Schluck mit: “Da trinke ich ja lieber meine Pisse!”.  Bitte doch gerne, sag ich da nur – Kabel1 würde es freuen.

    Zum Glück gibt es noch Wasser zu trinken – ähm ich meine, gäbe – denn bevor man Wasser trinken kann, muss man es aus einer drei Kilometer entfernten Pfütze holen. Ist ja klar, wer das heute machen darf und so werden Jenny und Dennis losgeschickt. Natürlich passt das unserer Zicke gar nicht und sie bekommt schon den einen oder anderen Ausraster auf dem Hinweg. Endlich angekommen, wird Jenny alles zu viel und sie macht das, was sie am Besten kann – Heulen!!! Dennis dagegen integriert sich immer mehr und hilft mit.

    Und nun kommen wir zu meinem Lieblingscamping-Thema (ich persönlich bin außerdem kein Camping-Freund):  Was ist, wenn ich mal muss? Tja Jenny stellt sich auch diese Frage bzw. fragt mal die anderen und die Antwort war ja so klar: “Dann geh in den nächsten Busch”. Jenny traut sich aber nicht und so muss Dennis zum Aufpassen mit. Als Jenny dann aber loslegen will, bekommt sie wieder ihren Zickenausraster und jagt Dennis, der natürlich ganz genau aufgepasst hat ;-) , davon!

    Nun begeht Jenny aber einen großen Fehler – sie soll das Dorf putzen. Darauf hat sie aber keine Lust, haut ab und raucht erst einmal eine. Leider wird sie sofort erwischt. Da die Stammesälteste glaubt, dass Jenny keine der Himba-Strafen überleben würde, dürfen Jenny und auch Dennis ihre Lieblingssachen dem Häuptling schenken. Von nun an sind beide gebrochene Rotzgören und sind “verhältnismäßig” brav, denn als Jenny mithelfen soll, mit ihren Händen Lehm und Kuhscheiße zu verkneten für den Hausbau, macht sie sogar mit.

    Zum Schluss dürfen die beide noch eine Ziege verkaufen. Natürlich schickt Kabel1 unsere beiden Gören ohne Sprachkenntnisse in die nächste Stadt – trotzdem packen sie es. Vom Erfolg verwöhnt, wollen die beiden nun ihrer Gastfamilie auch etwas Gutes tun und beschließen, von dem erworbenen Geld, Zutaten für einen Pfannkuchen zu kaufen,  denn die Himbas sollen doch auch mal etwas Schmackhaftes essen finden die beiden – süß oder? ;-)
    Leider hat der Regengott wohl was dagegen, denn auf dem Rückweg werden die beiden von einer Sintflut überrascht und verlieren alles… Pfannkuchen und Geld! Der Häuptling verzeiht den beiden aber am Ende (zum Glück wusste er wohl nichts vom Pfannkuchen).

    Obwohl die beiden nun nach Hause müssen, hat besonders Dennis Schwierigkeiten, sich zu trennen. Er ist Ziegenchef geworden! So eine Karriere wird ihm in der Leistungsgesellschaft Deutschlands sicher nicht vergönnt sein. Trotz dessen haben beide endlich gelernt, dass Egoismus kein Weg ist, um ein glückliches Leben zu leben.

  • Liebe Fans der Romantik und der Landwirtschaft,

    heute ist der große Tag, auf den wir alle schon seit dem letzten Herbst hingebibbert haben: Im “malerischen” Chiemgau heiraten Josef und Narumol! Genau genommen ist das alles schon vor einer Woche passiert, aber RTL hat es mit übermenschlichen Anstrengungen fertig gekriegt, die weltbewegenden Bilder noch für ein paar Tage unter Verschluss zu halten, bis die Quoten-verderbende Fußballweltmeisterschaft endlich vorbei ist. Aber nun, heute Abend, hat man dieses tränentriefende Stück echter Romantik endlich über den Äther gejagt und man kann nur sagen: Was die Fußballer knapp verpasst haben, kriegen Josef und Narumol glatt gebacken, nämlich das deutsches Sommermärchen 2010.

    Schon zu Beginn stimmt uns Inka Bause in einem passend schweinchenrosa Dirndl auf diese Spezialausgabe von “Bauer sucht Frau” ein. Um auch den telemedial Zurückgebliebenen den Einstieg in die heutige Wonnestunde zu ermöglichen, sehen wir zunächst die wichtigsten Szenen aus dem komplett gescripteten Leben des “frommen” Milchbauern Josef und seiner “fröhlichen” thailändischen Wuchtbrumme Narumol, danach erleben wir sie quasi live beim Zusammenstellen einer Liste mit den noch zu erledigenden Dingen, wie etwa “Braukleid kaufe” und “Anzug fuh Jozeff” (O-Ton Narumölchen). Da beide Protagonisten des Hochdeutschen bis heute nicht mächtig sind, müssen alle Texte komplett untertitelt werden. (Man bedenke, dass unsere beiden diesen Service selbst natürlich nicht genießen können, also häufig im sprachlichen Blindflug agieren.)

    Selbstverständlich hat RTL dafür gesorgt, dass auch die vorzeigbarsten anderen Bauernpaare der Staffel zur Hochzeit eingeladen werden, z.B. der angeblich “lustige” Ziegenwirt Willi und seine unübersehbare Freundin Karola aus dem “schönen” Hessen. Sie drohen in einem Extra-Einspieler ihre Teilnahme an und wollen als Hochzeitsgeschenk eine kleine Ziege mitbringen, haben sich die Drehbuchautoren überlegt. Das bedauernswerte Viech wird auf den Namen “Narumol” getauft und kneift dann postwendend aus, was zu einigen Jagdszenen zwischen dem moppeligen Willi und seiner Geschenk-Ziege führt (3 Action-Punkte). Der Klügere gibt nach, die Ziege “Narumol” lässt sich einfangen und damit steht der Reise ins malerische Chiemgau wohl nichts mehr im Wege. Später gibt es noch eine Szene, wie sich Willi und seine ebenfalls Kalorien-affine Freundin Karola mit Gewalt in Lederhosen und Dirndl quetschen. Dieses Vorhaben fand ich aber so unästhetisch, dass ich ehrlich gesagt den Vorspul-Knopf betätigt habe…

    In Bayern beginnt derweil der nächste Akt, nämlich der Kauf des Hochzeitskleides. Narumol (nicht die Ziege) wird vom verklemmt grinsenden Josef über die Schwelle eines Brautmodengeschäfts geschoben und mit einem flüchtigen Kuss verabschiedet, denn bekanntlich darf ja der Bräutigam vor der Hochzeit das Kleid nicht sehen. Gut, dass die Kameraleute von RTL da aus anderem Holz geschnitzt sind, die warten nämlich schon in der Umkleidekabine. Zunächst sieht es so aus, als passe die pummelige kleine Thailänderin in keines der bajuwarischen Tüllgebilde, nur am Bauch sitzen sie eng, ansonsten schlabbert überall der Stoff. Aber schließlich findet sie mit Hilfe der Verkäuferin doch noch den passenden weißen Fummel für ihren Ehrentag. Wegen der fehlenden Ärmel kommt darin das bunte Tattoo auf Narumols Oberarm besonders schön zur Geltung.

    Noch ein paar lästige Störenfriede, die das Brautpaar allerhöchstens flüchtig kennen können, sagen sich zur Hochzeit an: Maurizio, der unechte italienische Holzbauer, dem RTL offenbar zwischenzeitlich die kleinen Hochstapeleien verziehen hat, bastelt mit seiner rothaarigen Zweitbesetzung Claudia an einem geschmacklosen Geschenk, nämlich zweien als Brautpaar verkleideten Weinflaschen. Oh Mann, würde ich so etwas kriegen, gälte mein erster Gedanke der Schaufel (zum Vergraben der Scheußlichkeit). Sehenswert übrigens, wie das Paar zur Autofahrt in das Chiemgau aufbricht: Der drahtig-kleine Maurizio nimmt im schicken grauen Anzug und mit cooler Mafia-Sonnenbrille auf dem Beifahrersitz Platz. Seine einen halben Kopf größere Begleiterin hat sich offenbar insgesamt um ein paar Kleidernummern nach unten vertan, zumindest sehen ihre schwarzen Hochwasserhosen, das viel zu enge Top und der silberne Glitzer-Pailetten-Alptraum dazwischen so aus.

    Jetzt kommen wir zu den Humorpunkten dieser Ausgabe, denn Josef und Narumol werden vom Drehbuch zum Besuch einer Tanzschule gezwungen, etwas, das beide in ihrem bisherigen Leben erfolgreich vermieden hatten. Der Thailänderin von der Ostseeküste fehlt ganz offenbar die nötige sittliche Reife; sie lacht sich jedenfalls beim langsamen Walzer scheckig. Der arme Josef hingegen erledigt auch diesen Programmpunkt mit heiligem Ernst, wie eine weitere Prüfung, die ihm der Herrgott auf dem Weg zu einer “normalen” Familie auferlegt hat.

    Während das Brautpaar ziemlich talentfrei das Tanzen übt, kommen wir zu einem weiteren Gast, den RTL zur Teilnahme an der katholischen Bauernhochzeit verdonnert hat: In Ostfriesland macht sich Jungbauer Carsten daran, sein phantasievolles Geschenk einzupacken, ein (lebendiges) Kalb. Dem fräst er mit dem Kuhrasierer dann auch noch ein albernes Herz in die Seite und tauft das Tier auf den Namen “Treue”. Im Auto ist auch genügend Platz für das Rindvieh, denn Carsten ist wegen seiner ungeschickt-glücklosen Frauenwahl bei BsF wieder Single.

    Zurück im Chiemgau, bekommen wir staunenden Zuschauer ein Stück längst verloren geglaubten Brauchtums präsentiert, das hier, auf der Rückseite des Mondes, noch immer lebendig ist: Es erscheint Connie, der Hochzeitslader. Sein Job ist es, von Hof zu Hof zu gehen und den Termin der Hochzeit bekannt zu geben. Vermutlich gibt es dafür auch noch jedes Mal einen “Kurzen”, aber darüber schweigt sich RTL wegen der frühen Sendezeit aus. In der restlichen Welt sind solche Leute wie Connie seit Erfindung des Postwesens und spätestens mit Einführung des Telefons längst ausgestorben. Hier aber, in Josefs malerisch rückständiger Puppenwelt, haben sie noch eine Existenzberechtigung und sei es, um im Fernsehen als exotisches Urviech begafft zu werden. Wie auch immer, jedenfalls gehört es zum Ritual der Hochzeitsladerei, das Brautpaar zunächst mit einem Schwall bayerischen Gebrabbels zu überschütten; offenbar zählt er die gegenseitigen Pflichten der zukünftigen Eheleute auf. Wie man sich vorstellen kann, geht das an Narumol komplett vorbei und auch der Untertitel-Mensch muss Schwerstarbeit leisten. Danach wird es beschaulicher und wir begleiten Connie, die Fleisch gewordene Einladungskarte, bei seinem Gang durch die – ja – malerische Umgebung, immer auf der Suche nach Opfern, die er in Reimform zur Teilnahme an der Hochzeit überreden kann.

    Aus dem 19. zurück ins 21. Jahrhundert: Josef und Narumol fahren zum Münchener Flughafen, denn RTL hat sich nicht lumpen lassen, Narumols Vater und die Stiefmutter aus Thailand einfliegen zu lassen. Josef ist gespannt, “wie die reagieren”. Hä, wissen die etwa noch gar nicht, dass sich ihre Tochter in Deutschland mit einem bayerischen Hallodri eingelassen hat? Josef lässt sich von Narumol in letzter Sekunde noch schnell in die thailändischen Begrüßungsriten einweisen und begrüßt die Schwiegereltern in spe dann ganz kosmopolitisch mit “Sawaddi khrap!”. Danach war wohl sein Text zu Ende und der Bauer agiert wieder wie gewohnt hölzern, als er den Schwiegervater zur Umarmung wortlos zu sich heranzieht.

    Später auf dem heimischen Hof, den der Schwiegervater in spe wohlwollend mustert, werden Geschenke ausgetauscht. Keine Ahnung, was die Gäste da aus Thailand mitgebracht haben, irgend welche quietschebunten Plastikblumen in durchsichtigen Plastikzylindern. Von hinten souffliert Narumol ihrem Josef die korrekte Dankesformel in ihrer Muttersprache “khop khun krap”, aber offenbar ist sein Vokabellernvermögen für heute erschöpft, denn er radebrecht eher so etwas wie “kon gubb tag” und “kon gut tiab”. Dann kommen noch ein paar exotische Früchte, Mango und Ananas, deren thailändischer Namen “Sapalot” Josef an sein Lieblingswort “Zapperlott” erinnert und bei ihm zu einem ansonsten unverstandenen Heiterkeitsausbruch führt.

    In der Pfalz bereiten sich mit Markus und Tobias zwei weitere noch unbeweibte Veteranen der letzten Staffel auf ihren Einsatz im Chiemgau vor. Wir begleiten sie unfreiwillig beim Kauf von Lederhosen in einem merkwürdigen Trachtenladen in der tiefsten Provinz und man gewinnt so langsam den Eindruck, dass das Drehbuch dieses Mal von einem Amerikaner verfasst wurde, der glaubt, alle Deutschen trügen Krachlederne mit Gamsbarthut oder Dirndl. Ackerbauer Markus muss leider im Laden erkennen, dass sein eher Osterei-förmiger Bauch trotz Anwendung von Gewalt und Luftanhalten nicht in die Hose passt. Er sieht aus wie eine Presswurst und kapituliert zunächst. Dann eben doch im gewohnten grünen Tankwartlook. Aber immerhin finden die beiden Junggesellen beim Trachten-August noch ein passendes Hochzeitsgeschenk, nämlich eine billige bayerische Flagge. Wie gesagt: Schaufel!

    Wir treten nun in die heiße Phase ein: Während Narumols Frisur von einem Heiteitei-Coiffeur mit Unmengen von Spray in Turmform gestylt wird, treffen draußen die von RTL shanghaiten Gäste ein. Angeblich sind unsere beiden Pfälzer Junggesellen den ganzen Weg mit ihren altersschwachen Museumstreckern gefahren, möchte das Fernsehen uns Glauben machen. Die beiden Lederhosen-Deppen – es hat wohl am Ende doch noch geklappt – hissen an Josefs Hof die mitgebrachte weiß-blaue Fahne des Freistaats. Komischerweise hatte Josef schon immer einen Fahnenmast, allerdings keine einzige bayerische Fahne, sagt RTL – und die müssen es ja wohl wissen, denn sie haben Josef selbst erfunden.

    Josef hat sowieso wichtigeres zu tun, denn er kriegt nun zum ersten Mal seine Braut im Hochzeitskleid zu sehen (”wie ein Engel im Himmel”) und übergibt Narumol sein Geschenk, eine Herzchen-Halskette. Danach geht’s mit einer Hochzeitskutsche aus dem RTL-Kitschfundus zur Dorfkirche. Übrigens hat sich bei dieser Gelegenheit auch Jenny, die selten zu sehende Tochter von Narumol eingefunden. Apropos “eingefunden”: Vor der Kirche scheinen neben den zwangsverpflichteten Dörflern auch ganze Horden freiwillig angereister Gaffer von Außerhalb zu stehen, Kameras mit fettesten Objektiven im Anschlag. Vermutlich hat sie Neugier oder Schadenfreude hierher geführt, diese peinlichen Fremdschämtouristen… ;-) Man kann sie leicht daran erkennen, dass sie keine Lederhosen tragen, das Erkennungszeichen der hiesigen Eingeborenenmännchen. Ja, Josef und Narumol sind eben dank Fernsehen und Stefan Raab zu überregionalen Berühmtheiten geworden.

    Nun wird es wirklich Ernst, nach einer letzten Instruktion von der verdirndelten Inka Bause schreiten Josef und Narumol in die festlich geschmückte Kirche. Aus dem Off dröhnt Johann Sebastian Bachs “Air” – ganz offensichtlich von Konserve, denn ein Orchester kann ich nirgends entdecken. (Kleiner Rüffel für das RTL-Scriptgirl: Maurizio trägt in der Kirche plötzlich gar nicht mehr seinen Mafia-Look von vorhin, sondern ordinäre Straßenkleidung!) Dann kommt ein echtes Highlight, nämlich der Pfarrer-Darsteller. Im RTL-Perückenlager hat man sich vermutlich etwas in der Kiste vergriffen, der weiß-blonde Pelzfifi passt eher zu einem wuscheligen Gärtner als zum Geistlichen. Naja, ist eh Wurscht, die Veranstaltung ist sowieso nicht ganz echt, wie ich an dieser Stelle mal eben stimmungstötend einflechten muss: Bekanntlich gibt es keine amtliche Trauung, weil Narumol ihre schöne Witwenrente von Josefs Vorgänger nicht aufs Spiel setzen will. Damit kann es dann auch keine kirchliche Trauung geben und die heutige Show ist also eher als eine Art “Segnung” aufzufassen.

    Nun denn, also zurück zu dem Priesterimitatoren, dem mit der wüst-weißen Gärtnermatte. Von weitem und ohne Brille besehen, erinnert er mich sogar etwas an Hella von Sinnen – in Verkleidung. Vielleicht genau deshalb kriegt Narumol beim Höhepunkt der Veranstaltung bedauerlicherweise einen Lachanfall, gerade in dem Moment, als ihr der fast schon angetraute Milchbauer den Ring an den Finger stecken will. Während Josef mit den feierlichen Worten “ich stecke Dir den Ring an im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes” an den Patschegriffeln seiner Perle herumfingert, prustet diese wenig ergriffen und Lachtränen laufen ihr die roten Bäckchen herab. Aber die kleinen Sünden bestraft der Liebe Gott bekanntlich sofort: Als die Reihe nun an Narumol kommt, versemmelt sie nicht nur total den obigen Segensspruch, sondern kriegt auch den Hochzeitsring ihres Bräutigams nicht über dessen derb-bäuerlichen Finger. “Gehk nich’ raain” lautet ihr unüberhörbarer Stoßseufzer, doch dann flutscht die Sache am Ende doch noch. Die Gemeinde lacht amüsiert und der Pfarrer erlaubt Josef nun, zum Ende des Gottesdienstes die Braut zu küssen.

    Die Gemeinde verlässt die Kirche, Inka stellt sich dem Brautpaar noch mit ein paar lapidaren Fragen für das Fernsehpublikum in den Weg und dann besteigen unsere beiden Frischvermählten die Hochzeitskutsche. Narumol kann das alles noch nicht richtig fassen und initiiert den folgenden denkwürdigen Dialog: “Ick bin Babaala!” “Was heißt das?”, fragt Josef. “Datt heiß’ uuberglucklick”, erhält er zur Antwort. “Auf Thailändisch?” “Neee, auf Deutsch!”. Oh Mann, das kann ja noch lustig werden.

    Hinterher geht’s direkt zum Festzelt, das das Fernsehen hat aufstellen lassen. Hier treffen wir auch alle anderen Bauern wieder und Inka, die dann als Riesen-Hochzeitsgeschenk von RTL verkündet: Josef und Narumol bekommen eine zweiwöchige Reise in die Flitterwochen nach Thailand, in Narumols Heimat. An dieser Stelle ahnen wir natürlich alle schlagartig, woher das nächste BsF-Special kommen wird…

    Anschließend dürfen auch die so genannten “befreundeten” Bauern, gemeint sind die BsF-Leidensgenossen, ihre Geschenke abgeben. Wenn man einander so lange und innig kennt, wie Narumol und Josef die beiden Nervbolde Willi und Karola (nämlich genau einmal beim Scheunenfest gesehen), versteht man auch die Großzügigkeit ihrer Mitbringsel. Wie oben schon angedeutet, haben die dauerlachenden Hessen ein Zicklein auf den Namen “Narumol” getauft und übergeben dieses jetzt mit großem Brimborium an die frischgebackenen Eheleute. Das Tier bedankt sich für die Aufmerksamkeit auf seine eigene Weise und strullert hingebungsvoll eine große Pfütze auf die Festzeltbühne. (Was für ein Glück, dass sie keinen Elefanten geschenkt bekommen haben.) Danach kommt Friesenkopp Carsten mit seinem schwarz-weißen Lebendgeschenk, der zukünftigen Wurstlieferantin namens “Treue”. Carsten wirkt übrigens wie ein Alien zwischen all den anderen Gästen, denn er trägt beinahe als einziger Mann keine Lederhosen. Die heutige Sendung klingt aus mit dem Ehrenwalzer von Josef und Narumol, den man uns wohlwissend nur in Zeitlupe und mit anderer Musik unterlegt vorführt. Danach geht es feucht-fröhlich weiter, wir sehen unsere Bauern schunkelnd, tanzend und singend die Nacht zum Tag machen.

    Und damit schließt sich der Kreis der 2009er-Staffel vom Scheunenfest vor gefühlten 100 Jahren bis hin zum heutigen Hochzeitsfest im malerischen Chiemgau. Wer denkt, es gäbe keine Romantik mehr oder Bauern seien schlauer als ihr Ruf, sieht sich spätestens heute Abend widerlegt. RTL hat sich diesmal selbst übertroffen und mit Josef und Narumols Eheschließung eine komplett am Schreibtisch der Drehbuchautoren entstandene Kunstwelt zusammengeklöppelt. Aber ehrlich gesagt können wir ja angesichts der zahlreichen Krisen der letzten Wochen auch mal eine kurze Auszeit von Ölpest, Bundespräsidentenflucht und WM-Halbfinale-Versemmelung gebrauchen und da kommt uns diese schamlos-kitschige Verfilmung von Omas Poesiealbum gerade recht.

    So wie ich die Gier der RTL-Bauernfänger einschätze, werden sie unbedingt noch ein Thailand-Special dranhängen, in dem wir erleben können, wie sich Josef in Narumols Heimat zum Volldepp macht und damit bei uns Fremdschäm-Junkies vor den Fernsehapparaten für wohlige Schauer sorgt. Ich melde mich dann natürlich wieder, bis dahin noch einen schönen Sommer…

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  • Liebe Freundinnen und Freunde der rustikalen Unterhaltung,

    urlaubsbedingt komme ich leider erst heute dazu, den Jahrgang 2010 an Möchtegern-Kandidaten der Agrar-Kuppelshow “Bauer sucht Frau” durchzuhecheln. Inka Bause schämt sich diesmal nicht, ganze 14 bedauernswerte Exemplare der Spezies “Lonesome Farmer” aus ihren Höhlen ins Scheinwerferlicht der erstaunten Öffentlichkeit zu ziehen. In der heutige “Spezialausgabe” von BsF präsentieren sich die Bauern von ihrer angeblichen Schokoladenseite, es handelt sich quasi um verfilmte Kontaktanzeigen. Welche Frau bzw. welcher Mann mediengeil genug ist, auf die Avancen zu reagieren und was am Ende daraus wird, sehen wir dann vermutlich im Herbst dieses Jahres, “gleiche Welle, gleiche Stelle”. Genug gelabert, nun wollen wir doch mal sehen, welchen Unsinn sich die Schreiberlinge von RTL ausgedacht haben und öffnen das Panoptikum der Landeier.

    Inka Bause ergeht sich zunächst in einer Schulterklopfarie in eigener Sache, denn sie zählt die größten Kuppel-Erfolge der letzten Jahre auf: Ackerbauer Jürgen und seine Julia haben bereits Nachwuchbäuerchen produziert und der fromme Milchbauer Josef lebt mit seiner Narumol weiterhin glücklich im malerischen Chiemgau.

    Bei einem dritten Landwirt macht sie es spannender, denn den singenden Schäfer Heinrich aus dem Sauerland, einen Restposten aus einer früheren Staffel, erleben wir zunächst nur in Rückblenden. Nach zwei Fehlschlägen gewährt ihm RTL diesmal noch eine letzte Chance. Obwohl Heinrich modetechnisch mit seinem schräg-karierten Polyacryl-Pollunder und der fadenscheinigen Specktolle eigentlich eher Fluchtreflexe wecken müsste, scheint sein stockend und in rührender Einfalt vorgetragener Aufruf an die Holden dieser Welt bei Raumpflegerin Melanie tatsächlich verfangen zu haben. Und nicht nur das: Wir haben Glück, dass RTL offenbar vor kurzem die Zeitreise erfunden hat, denn das Fernsehteam ist zufällig dabei, als Melanie die Sendung sieht und wir können ihr über die Schulter schauen, wie sie die Postkarte an RTL schreibt, aufgrund derer später das Fernsehteam bei ihr erscheint um zu filmen, wie sie die Karte schreibt aufgrund derer das Team bei ihr erscheint… usw. Ja, um sich hier als Zuschauer nicht fortwährend mit der flachen Hand vor die Stirn zu schlagen, sollte man entweder volltrunken oder Vollidiot sein.

    Wie auch immer, jedenfalls sehen wir in der nächsten Szene, wie Schäfer Heinrich ziemlich gehemmt mit Melanie auf einer Parkbank sitzt, auf dem Kopf eine unsäglich dämlich aussehenden Trachtenkappe. Im Hintergrund spielt RTL die bekannte Miss-Marple-Melodie, während die beiden Laiendarsteller durch den vorgegebenen Text holpern. Der zur Belohnung von RTL organisierte Besuch von Melanie im Sauerland fällt natürlich derb-rustikal aus, eben nach BsF-Standard und ohne Rücksicht darauf, dass die Protagonisten eventuell an diesem Ort weiterhin leben wollen. Heinrich holt Melanie selbstverständlich in vollem Schäfer-Ornat mit Schäferhund und Bollerwagen von der Bushaltestelle ab. Wenigstens haben die Fernsehfuzzis nicht auf das Mitbringen der gesamten Schafherde bestanden… Ebenfalls schon BsF-Standard ist die ältliche Mutter des Bauern, die die Möchtegern-Schwiegertochter kritisch beäugt, um dann im geeigneten Moment anzugreifen und die Liaison mit drei, vier Silben zu beenden. (Wir erinnern uns dankbar an die Küchenszene von Dieter und Heike in der letzten Staffel.)

    Diesmal läuft es für die Bewerberin besser, denn Melanie hat für Heinrichs Mutter ein selbstgesticktes Kitschbild dabei und kriegt von dieser postwendend bescheinigt, sie mache einen “akkuraten” und “sauberen” Eindruck. Na, da ist das Happy-End ja schon vorprogrammiert… In einer nicht enden wollenden Folge weiterer Szenen erleben wir Melanie dann vor, während und nach dem Probekochen unter den milden Augen ihrer möglicherweise zukünftigen Schwiegermutter. Es gibt Wurstgulasch und jede Menge völlig sinnfreies Gelaber aller Beteiligten, dessen Wiedergabe ich mir schenke. Die Drehbuchschreiber lassen das Ganze in dem inszenierten Versuch des singenden Bauern gipfeln, sich seine Auserwählte mit einem Glas Schampus gefügig zu machen. Das geht zunächst etwas nach hinten los, denn Heinrich zeigt sich dem Umgang mit Schaumwein nicht gewachsen und Melanie muss die Sache in die Hand nehmen. (Vielleicht sollte man beim nächsten Mal lieber ein Getränk mit Schraubverschluss nehmen.) Hinterher, so hat RTL es beschlossen, dürfen die beiden etwas miteinander kuscheln und Heinrich überreicht Melanie dafür zur Entschädigung ein zusammengerolltes Schafsfell. Lauf, Melanie, lauf, lauf, LAUF!!!! (BTW: Wieso eigentlich “singender” Schäfer, habe ich da etwas verpasst bzw. ist da ein Kelch an mir vorüber gegangen?)

    Schnell geht es zum ersten Neubewerber, dem 28jährigen Milchbauern Volker aus Ostfriesland. Die Rolle des beknackten Friesen wurde in der letzten Staffel von Claus Clausen gespielt, der damals übrigens nur aufgrund einer Wette seinen Allerwertesten in die Kamera geschubbert hatte, wie sich nachträglich herausstellte. Volker wird wohl versuchen, den Ruf der Nordlichter wieder etwas gerade zu rücken. Er wirkt eigentlich ganz freundlich, hat aber die bedenkliche Angewohnheit, alle seine Kühe beim Namen zu nennen. Seine Vision von Romantik ist es, mit seiner Traumfrau ein Picknick am Strand zu machen und sich dabei den Sonnenuntergang anzusehen. Ach ja, sportlich-schlank soll die Betreffende sein und kochen und tanzen soll sie auch können, darauf legt sich Volker schon mal fest. Zuschriften bitte an den RTL-Landfunk.

    Jetzt springen wir in den “herrlichen” Odenwald, wo der unbeweibte “romantische” Bio-Bauer Johannes haust, dem nicht nur die richtige Frau, sondern offenbar auch der Frisör fehlt. Zusammen mit ihm, seinem Vater und dem Hund Rex leben zahlreiche Pferde, Rinder, Schafe, Gänse, Enten, Hühner, Tauben und Karnickel auf dem Hof. Die Anforderungen an die Bewerberinnen sind recht konkret: Groß, naturverbunden, 30 bis 40 Jahre alt, humorvoll, aber nicht streitsüchtig. Also alle Frauen aufgepasst, die mal einen sesshaft gewordenen Späthippie entlausen wollen, der Johannes wirkt nicht unsympathisch…

    Weiter geht’s nach Nordhessen zum sportlichen, unternehmungslustige, aber einsamen Kleinbauern Norbert. Was ist denn bloß ein “Kleinbauer”, etwa so ein laufender Meter wie Dieter aus der letzten Staffel? Norbert ist mit 60 Jahren jedenfalls schon ein paar Semester älter und sensibel, wie RTL eben ist, kriegt er deswegen als Hintergrundmusik einen der letzten, schon etwas altersschwach klingenden Titel des seligen Johnny Cash. Aber eigentlich wirkt Norbert ganz nett, auch wenn der erste und zweite Lack (und die Haarpracht) schon etwas ab ist. Wie hörte ich doch gerade neulich in einer der Heidi-Kabel-Gedächtnis-Wiederholungen vom Ohnsorg-Theater: “Auch der Herbst hat noch ein paar warme Tage.”

    Und wieder retour in den Süden, nach Oberbayern, wo der “gemütliche” Gemüsebauer Markus bislang vergeblich nach Liebe und Zärtlichkeit sucht. Stattdessen steckt er seine Energie vor allem in die Aufzucht von Salat, Paprika, Tomaten usw. Hier und da scheint er auch ein paar ungesünderen Genüssen nicht ganz widerstehen zu können, worauf seine – sagen wir mal – eher knuffige Gesamterscheinung schließen lässt. Vollmondgesicht, unmodische Brille und hautenges Karohemd tun ihr übriges, so dass Markus bereits im eher zarten Alter von 24 Jahren den frauentechnischen Offenbarungseid leisten und Inka Bause zu Hilfe rufen muss.

    Eher originell mutet der nächste Bewerber an, der hier nur unter seinem Künstlernamen Lämmes auftritt und auch ansonsten einen, hmmm, eher speziellen Eindruck macht. RTL betitelt den 39jährige als “ehrlichen” Schäfer, womit ja dann im Umkehrschluss wohl alle anderen Schäfer generell als unehrlich zu gelten haben. Lämmes wohnt in der Eifel mit 100 Schafen und 20 Hasen, die lt. Inkas Off-Kommentar aber nicht die Sehnsucht in seinem Herzen stillen. Das wäre ja auch noch schöner. Also, Frauen dieser Welt, vielleicht ist Lämmes ja genau der ungeschliffene Rohdiamant mit einem Schuss Exotik und leichtem Stich ins Sonderbare, auf den Ihr immer gewartet habt.

    Als nächster Kandidat kriegt nun der – man ahnt es – “lustige” Ackerbauer Willy aus der nordhessischen Provinz die Chance, sein Leben nachhaltig durch eine Beziehung zu vermurksen. Willy könnte man getrost als Spätentwickler bezeichnen, denn jetzt, im gesegneten Alter von 48 Jahren, fühlt er sich endlich reif genug für seine erste Freundin. Aber auch bei RTL läuft in diesem Fall wohl etwas quer, denn wir sehen den angeblichen “Ackerbauern” bei der Arbeit im Kuhstall – bei seiner Berufsbezeichnung hätte ich eigentlich eher mit Rüben oder Kartoffeln gerechnet. So kann man sich irren als blöder Städter… Übrigens gestattet das Fernsehen Willy noch einen Bonustrack, der darf nämlich eigenhändig noch ein paar liedähnliche Tonfolgen aus dem Akkordeon absondern, allerdings bezweifle ich, dass er damit bei hörenden Damen sonderlich Eindruck schindet, eher im Gegenteil. Sehenswert sind allerdings die kulinarischen Fähigkeiten des Bauern: Er schmiert sich das wahrscheinlich dickste Wurstbrot aller Zeiten und mümmelt es direkt vor der Kamera auf. Mahlzeit! Mit einem schiefen Grinsen verabschiedet sich Willy einstweilen und wir ziehen weiter in der ultimativen Chartshow für grenzdebile Dorftrottel.

    Nun kehren wir zurück in die Eifel, eine in Beziehungsfragen offenbar besonders notleidende Region (siehe oben “Lämmes”). Diesmal trifft es die Quad-fahrende Kuhbäuerin Karina. Mit 26 Jahren noch unbemannt, da macht sich frau schon so langsam Gedanken. Von ihrem Traumprinzen hat sie ziemlich konkrete Vorstellungen: Sie sucht einen lieben, treuen, netten, tierlieben, großen, ggf. kräftigen Mann, unbedingt mit “vollem Haar”.

    Die Beschreibung passt gleich auf unseren nächsten Kandidaten, den “charmanten”, dauergrinsenden 43jährigen Schweinebauern Harald aus dem “idyllischen” Mittelfranken. Zwar wartet der schon seit 15 Jahren auf eine holde Maid und ist demzufolge auch schon leicht angegraut, hat allerdings tatsächlich noch eigene Haare und ist schon berufsbedingt sehr tierlieb. Was es mit den 15 Jahren Wartezeit genau auf sich hat, erklärt uns RTL nicht, aber man muss und will ja auch nicht alles wissen. Harald behauptet jedenfalls, tierisch gut drauf zu sein, holt zum Beweis sein Motorrad aus dem Stall und brettert damit einmal quer durchs Bild hinein in die mittelfränkische Pampa.

    Und wieder zurück ins “schöne” Sauerland. Man sollte eigentlich denken, Bauer Heinrich, der angeblich singende, habe sämtliche RTL-Bonuspunkte für diesen Landstrich auf Jahre hinaus verbraucht. Aber das geht wohl nach anderen Kriterien, jedenfalls kommen wir jetzt zum erst 21jährigen Rinderwirt Lukas. Der wohnt zwar noch mit seinen Eltern unter einem Dach fühlt sich aber, so behauptet Inka aus dem Off, tief in seinem Herzen einsam. Seine zukünftige Partnerin sollte aufgeschlossen gegenüber anderen Menschen sein und “gepflegt rüberkommen”. Da scheinen wohl die Eltern ein nicht unerhebliches Wörtchen bei der Partnerwahl mitreden zu wollen, das hört sich für mich jedenfalls nicht nach den Eigenschaften an, mit denen andere 21jährige ihre Freundinnen aussuchen. Mal sehen, wie viele “gepflegt aussehende” Damen es sich mit dem Rinderwirt vor dem Kamin in seinem vollvertäfelten Jungszimmer gemütlich machen wollen…

    Auch Ostfriesland kommt nun schon zum zweiten Mal, denn hier lebt der “fesche” Rinderwirt Holger, der uns gleich alle relevanten Daten aufnötigt: 42 Jahre alt, 182cm groß, 85kg schwer, 50 Kühe und 60 Jungtiere. Toll. Ach ja, seine Zukünftige soll schlank und tierlieb sein und seinem Fortpflanzungswunsch (”Ableger”) möglichst aufgeschlossen gegenüber stehen.

    Der “treue” Getreidebauer Christian stammt aus Niederbayern, steht in seiner etwas zu engen knallroten Jacke vor einem blühenden Rapsfeld und sagt sein auswendig gelerntes Sprüchlein in die Kamera. Hinterher knattert er dann noch mit einem leicht museal aussehenden Trecker über die Felder. Dochdoch, er wirke zwar äußerlich etwas tough, habe aber innen drin einen butterweichen Keks Kern, versichert der 37jährige. Seine Traumfrau solle schlank sein, einen Bauch habe er schon selbst, lacht der Landmann. Mein Finger auf der Fernbedienung zuckt unwillkürlich…

    Der “herzliche” Nordhesse Marcel ist 28 Jahre alt, züchtet Schafe und sucht – wen überrascht es noch? – die Frau fürs Leben. “Herzlich” ist bei RTL immer ein Synonym für undürr, um nicht zu sagen: mopsig. Marcel teilt sich seine Bleibe mit den Eltern und einem Opa; die Zukünftige sollte also nicht nur tierlieb sein, sondern auch etwas für äh, sagen wir mal “Nestwärme” übrig haben.

    Und JAAAAAAA, nun kommt ganz unverhofft ein kurzes Zwischenspiel im “malerischen” Chiemgau beim verstockt-katholischen Josef und seiner fernöstlichen Perle Narumol, den unangefochtenen Superstars der letzten BsF-Staffel. Kurz vor der im Juli geplanten Hochzeit geht es heute um den weltbewegenden Epochalvorgang des Weißwurstkochens. Leider hat die RTL-Patte noch immer nicht für den Volkshochschulkurs “Deutsch für Anfänger” gereicht, aber das würde ja andererseits auch den Dolmetscher arbeitslos machen, der das unverständliche Gebrabbel der beiden Protagonisten als Untertitel ins Bild tippt. Josef hat wohl irgendwie die Regieanweisungen des Fernsehens missverstanden, denn er hantiert völlig overdressed im grünlichen Abendanzug in seiner Küche herum und auch Narumol sieht mit ihrem lebhaft blauen Kleid nicht unbedingt so aus, wie ich mir die typische Kuhbäuerin in einem Kaff am Rande der bewohnten Welt vorstellen würde.

    Nach einem in heiligstem Ernst vorgetragenen Stoßgebet nehmen die beiden am bäuerlichen Küchentisch Platz und beginnen mit der Einnahme des aus je einer (!) Wurst bestehenden Mittagessens. Josef betreibt weiterhin Narumols möglichst vollständige Assimilierung der seit Jahrhunderten bewährten bayerischen Lebensart. Heute bringt er ihr den korrekten, aber unappetitlich anzusehenden Verzehr der Wurst bei, indem er die Wurstmasse aus dem Darm lutscht und saugt (der Bayer sagt “zuzelt”). Gut, dass ich heute Abend schon gegessen habe – im Gegensatz zur armen Narumol. Für Josef haben die RTL-Schreiberlinge hinterher noch einen Text zusammengeklöppelt, der komplett untertitelt werden muss und nicht nur linguistisch grenzwertig bleibt. Während im Hintergrund mal wieder die Titelmusik von “Dick und Doof” spielt, dankt Josef nämlich dem Lieben Gott dafür, eine bayerische Freundin gefunden zu haben. Hä??? Also weniger bayerisch, als eine in Kiel lebende Thailänderin, die Weißwurst hasst, geht es doch kaum noch.

    Zurück zum Alltagsgeschäft, es geht ins “beschauliche” Baden-Württemberg zum “schüchternen” Schwaben Martin. Ach, ich liebe bei dieser Sendung die inflationäre Verwendung euphemistischer Adjektive, die gelegentlich einen Aszendenten ins Groteske haben. Besonders die Dopplung der Anfangsbuchstaben kommt immer gut: der “fesche Friese”, der “herzliche Hesse”, der “gemütliche Gemüsebauer”, der “singende Schäfer” und jetzt eben der “schüchterne Schwabe”. Dagegen warte ich noch immer auf den “widerlichen Westfalen”, den “fetten Franken”, einen “renitenten Rheinländer” oder den “dämlichen Dithmarscher”. Aber das kommt vielleicht noch mal irgendwann. Zuerst aber kommt, wie gesagt, der “schüchterne” Schwabe Martin. Mit Schüchternheit allein kann man nicht viel Geld verdienen, deshalb hat sich der 29jährige den hoch angesehenen Job des Hühnerbauern zugelegt. Gemüse züchtet er eigentlich auch, aber das liefert nicht so tolle Bilder, wie der Umgang mit dem Federvieh. Ob seine etwas gehemmt wirkende Vorstellung zu positiver Resonanz bei der Damenwelt führen wird, scheint mir fraglich, zu wünschen wäre es ihm aber.

    Der letzte Kandidat ist der “rüstige” Hühnerwirt Gerhard aus der Oberlausitz, der mit seinen 67 Jahren möglicherweise den Allzeit-Rekord für den ältesten BsF-Bewerber aufstellt. Aus naheliegenden Gründen verzichtet Gerhard auf eine Spezifikation seiner Möchtegern-Partnerin, er nimmt im Grunde genommen alles, was auf zwei Beinen daherkommt.

    Das war’s, das sind die Bauern der 2010er-Staffel von Inkas Kuppelshow. Irgendwann im Spätherbst sehen wir uns wieder, wenn es draußen ungemütlich kalt wird und das Weihnachtsfest in greifbare Nähe rückt. Kurz vor dem Fest der Liebe kommt das Fest des Fremdschämens, bei RTL auch “Scheunenfest” genannt. Dann sitzen wir Zuschauer für ein paar Wochen gebannt bis amüsiert vor den Bildschirmen und wärmen Herzen und Zwerchfell an den rührend-naiven Versuchen der Bauern, ihrem Schicksal als Single zu entfliehen. In der Regel geht das ja aus wie das Hornberger Schießen, wenn man sich mal die Abschlussbilanz der 2009er-Staffel ansieht.

    Eine Ausnahme gibt es allerdings, hier hat Gott Amor himself die Hand im Spiel gehabt und zwei wahrhaft Liebende zusammengeführt, deren Schicksal zeigt, dass die Globalisierung auch ihr Gutes hat: Josef und Narumol. Wie ich schon vor langer Zeit (aber IRONISCH) vermutet hatte, werden die beiden nun tatsächlich am 12. Juli 2010 vor laufenden Kameras im – hatte ich das schon gesagt? – malerischen Chiemgau in den heiligen Stand der Ehe treten. Ich werde natürlich an dieser Stelle meinen lästerhaften Segen zu dieser Verbindung geben. Und selbstverständlich etwas zeitnäher als bei der Sendung vom 24.05.2010, versprochen.

    Erst Kronprinzessin Viktoria von Schweden und ihr Fitnesstrainer Daniel, nun Josef und Narumol, welche romantischen Überraschungen hält das Jahr wohl noch für uns bereit, vielleicht eine Hochzeit im Hause Ludolf??? Wer weiß…

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  • DSDS (RTL) 18.04.2010 3 Comments

    Fanfare und feierlicher Tusch!!!

    Da ist er nun also, der Abend aller Abende, das donnernde Finale dieser merkwürdig farb- und lieblosen siebten Staffel von “Deutschland sucht den Superstar”. Dieter Bohlen hat geladen und alle, alle sind gekommen… wobei: genau genommen sind doch nicht alle gekommen, denn Nina Eichinger war unvorsichtigerweise zu Papis Geburtstagsfeier in L.A. und wegen der Geschichte mit der Island-Lavawolke hat es nun ihre Rückflugpläne zerbröselt. Und was lernen wir daraus? Klar, bucht niemals eine Fernreise, ohne vorher den Vulkanologen Eures Vertrauens zu konsultieren! Seitdem Kachelmann eingebuchtet wurde, geht beim Wetter echt alles schief… ;-)

    Apropos Knast: Auch für den kommenden Superstar Menowin ziehen bedrohliche Wolken am Firmament auf, denn lt. Bild-Zeitung, die ja bekanntlich alles (besser) weiß, liegt gegen Bohlens musikalischen Ziehsohn eine Anzeige wegen Vergehens nach dem Betäubungsmittelgesetz vor. Soll heißen: Angeblich hat der gute Mann größere Mengen Kokain besessen, angeblich auch vertickert, vielleicht sogar im DSDS-Loft!!! Was Helmut in Rekordzeit und zu Recht den Kopf gekostet hat, entlockt Menowin nur ein müdes Arschrunzeln, denn er ist auf Du und Du mit Dieter, dem Paten. Der wird mit Sicherheit alle Hebel in Bewegung setzen, damit die Staatsanwaltschaft erst nach der Sendung so richtig zu ermitteln beginnt. Bei Bohlen rattert  im Hinterkopf schon die Geldzählmaschine, deshalb ist er wild entschlossen, alle und alles hinwegzufegen, was sich zwischen ihn, Menowin und die Penunze stellen könnte. Wir werden heute Abend sehen, wie weit er dabei zu gehen bereit ist, Vorhang auf!

    Der nervige Marco Schreyl, der nach dem heutigen Finale hoffentlich wieder schön lange in der medialen Versenkung verschwindet, hat offensichtlich ausgiebig in seinem Poesiealbum nach gewalttätigen Vokabeln für seine letzte Eröffnungsansage geblättert. Er schwadroniert etwas über die ehemals innige Freundschaft zwischen Mehrzad Marashi und Menowin Fröhlich, aus der im Laufe der Mottoshows eine erbitterte Feindschaft geworden sei, so episch, dass Deutschland in seiner Zuneigung für den einen oder anderen der beiden wieder zur geteilten Nation wurde. Der Kampf dieser zwei Erzfeinde sei sooooo persönlich, es gehe wirklich “Mann gegen Mann”.  Wir sehen die zwei Typen mit “unbedingtem Kampfes- und Siegeswillen”, die in kleinen Einspielsequenzen ankündigen, heute könne ALLES passieren und sie seien bereit, ALLES für den Sieg zu tun. Mehrzad droht, er wolle die Furcht im Auge seines Gegners sehen, der wiederum vergleicht sich mit einem Kampfstier in der Arena, der mit den Hufen stampft und auf das Öffnen der Gitter wartet. Das muss man, glaube ich, zumindest bei Menowin für bare Münze nehmen, der hat Erfahrung mit dem Leben hinter Gittern. Daniel Schumacher, der übrigens am Bühnenrand sitzt, kann von Glück sagen, dass er nicht heute, sondern schon letztes Jahr im Finale war, so ein liebes Weichei wie ihn hätte Menowin doch bereits vor dem Frühstück inhaliert – und Benny Kieckhäben gleich hinterher.

    Zu den Klängen von Dieters akustischem Abführmittel “Real Love” kommt die Jury ins Studio. Wir erinnern uns: In der letzten Woche wurde uns der diesjährige Ballermann-Soundtrack von Bohlens eigenem Geschöpf Mark Medlock in höchsteigener Person serviert – und nun kriegen die beiden dafür sogar gleich noch mal GEMA-Tantiemen. Die beiden Herren der Schöpfung, Dieter Bohlen und Volker Neumüller, haben sich in mehr oder weniger (Volker) gut passende schwarze Anzügen gezwängt und sich Krawatten umgehängt – oder das, was sie (Volker) dafür halten. In ihrer Mitte schleppen sie Sylvie van der Vaart mit auf die Bühne, eine Jury-Imitatorin mit chronischem Lachzwang aus dem Heimatland von Rudi Carrell, wo Genever und Käse fließen. Sylvie wird Nina Eichinger vertreten, die aus den oben genannten Gründen heute Abend von der Teilnahme am DSDS-Finale befreit ist.

    Nach dem großen Gelaber startet endlich der musikalische Teil des Abends. Zur Verzierung hat man für das Anfangslied tatsächlich alle bisher ausgeschiedenen Top-10-Kandidaten exhumiert – mit Ausnahme von Helmut Orosz, der vermutlich gerade auf Entzug ist. Wie schon in der allerersten Mottoshow am 20.02.2010 singen sie zusammen “I gotta feeling” von den Black Eyed Peas. Marcel “Plüschi” Pluschke tanzt wie immer konsequent gegen den Takt und hat offenbar noch immer nicht seine Affinität zu bäuerlich wirkenden Karohemden überwunden, während Thomas “der Checker” Karaoglu wohl weiterhin sein eigener größter Fan ist. Größte Überraschung ist, dass die drei Mädels Steffi Landerer, Ines Redjeb und Kim Debkowski (entsprechend dem Niveau der Sendung absteigend nach Oberweite sortiert) keinen einzigen Ton versemmeln. Angesichts des zu erwartenden Gemetzels der beiden Hauptprotagonisten des heutigen Abends war das nur eine harmlose Fingerübung. Das Publikum will jetzt eigentlich Blut sehen und spendet nur einen lauwarmen Applaus.

    Während sich die früh verblichenen sieben Ex-Kollegen verdrücken, kommen dann endlich Mehrzad, mit grüner Jacke und Basecap und Menowin in blauen Klamotten auf die Bühne. Sie liefern sich mit “I came for you” von den Disco Boys ein aggressives Posingduell. Dieser Auftritt scheint direkt vom Band zu kommen, jedenfalls stimmen Ton und Mundbewegungen nicht überein und bei dem irrsinnigen Gehüpfe dürfte man eigentlich auch gar nicht mehr singen können. Tatsächlich singen werden die beiden heute jeder drei Mal, nämlich zuerst mit einem “Herzenssong”, danach mit ihrem individuellen “Staffel-Highlight” und zum Schluss müssen beide – quasi als ultimativer Härtetest für Stimmbänder und Mägen – einen brandneuen Titel von Dieter Bohlen zu Gehör bringen.

    Nach einem inhaltsleeren Interview von Marco mit Mehrzads Schwester, die sich überraschend als Fan ihres Bruders outet und einem Einspieler von seiner zukünftigen Ex-Freundin, die ihrem Gatten in spe viel Glück wünscht, tritt Mehrzad Marashi mit seinem Herzenssong “Endless Love” von Lionel Richie auf. RTL hat tief in den Spesentopf gegriffen und lässt für diesen Auftritt jede Menge echt brennende Ringe in Herzform springen. Der Titel ist eher langsam und langweilig, wie ich finde, die perfekte Musik für romantische Stunden im Autokino, aber nicht wirklich der Bringer für das DSDS-Finale. Da kann Mehrzad nicht viel falsch machen, wie er da so im schwarzen Anzug mit rotem Hemd, schwarzer Fliege und dem obligatorischen Lederhut, aber ohne wesentliche Choreografie singt. Der Jury ist es egal, das war ein “supertoller” Auftritt, hören wir nacheinander von Dieter, Sylvie und Volker.

    Ein weiteres Interview mit Marco im intellektuellen Vakuum folgt. Diesmal erklärt Menowins Mama, was an der Stimme ihres Filius denn so einzigartig sei: Ja, dass die einzigartig sei, sei eben das einzigartige. Uiuiui, nicht so schnell, das muss man erst mal verdauen. Später greint sie dann noch in einem Einspieler, bittet ihren Sohn um Verzeihung, denn er habe bisher durch ihre Schuld kein gutes Leben gehabt. Wie das wohl die Leute sehen, denen Menowin im Laufe seiner kriminellen Karriere das Leben schwer gemacht hat, da gäbe es bestimmt etliche…

    Menowin Fröhlich quittiert die Einlassung seiner Erzeugerin mit einem cool-knappen “Entschuldigung angenommen” und steigt dann auf die Bühne. Komplett in weiß gekleidet, inklusive eines albern aussehenden Huts, gibt er in der ersten Runde Dionne Warwicks Titel “That’s what Friends are for”. Auch hier zeigt sich RTL generös: Während der angestrengt wirkende Menowin sich im wabernden Bühnennebel einen abknödelt, hüpfen zahlreiche Mädchen in weißen Kleidchen um ihn herum. Erst dachte ich, das wäre irgendwie ein Kinderchor und da käme noch ein Einsatz, aber nein, keine Angst, die hüpfen wirklich nur. Ganz am Ende gibt es dann ein rührendes Bild, wie sie alle zusammen winken, der Möchtegern-Superstar mittendrin. Volker muss diesmal für Dieter den Büttel machen und darf Menowin bis zum Erbrechen loben: hammergeil, unfassbar, hunderttausend Prozent Respekt (!) Sylvie will es ihm gleich tun, macht sich dann aber zum Gespött der Halle mit “ich bekomme ein Weichei”.

    In seinem nächsten Titel, dem Staffel-Highlight, wiederholt Mehrzad Marashi “Fresh” von Kool & the Gang. Also, ich mag es ja fast nicht schreiben, aber irgendwie wirkt der Kandidat auf mich heute gebremst, nicht voll konzentriert und etwas emotionslos. Auch die Tänzer, die mit ihm zusammen auf der Bühne stehen, machen einen müden Eindruck und scheinen die Choreografie rätselhafterweise nicht voll zu beherrschen. Ich kriege so langsam ein dumpfes Gefühl in der Magengegend, dass Mehrzad heute nur zweiter Sieger wird… Die Jury ist trotzdem des Lobes voll, auch wenn Dieter so ein kleines bisschen Unsicherheit herausgehört haben will, womit er wohl nicht ganz Unrecht hat.

    Dagegen läuft bei Menowin Fröhlich auch in Runde Zwei alles nach Plan. Er performt “Billie Jean” des seligen Michael Jackson, trägt dafür die passende goldbetresste schwarze Zirkusuniform und verfügt darüber hinaus auch über wache Tänzer. Und zwischendurch ist da wieder der kämpferisch-aggressive Gesichtsausdruck einer Muräne, den Menowin immer dann zeigt, wenn er Ninas mehrfach geäußerte Ermahnung vergisst, doch nicht immer so fies zu gucken. Klar, dass Dieter und die ihm treu ergebenen Jury-Vasallen sich auf die Seite der Menowinisten-Sprechchöre stellen und die gerade gelaufene Nummer in sich überschlagenden Superlativen abfeiern. Dieter Bohlen lässt alle Neutralität fahren und bemüht sogar seinen direkten Draht zum Lieben Gott, mit dem er vermutlich auf Augenhöhe parliert: “Michael Jackson hat gerade im Himmel gesessen mit Daumen hoch! Das war absoluter Wahnsinn!!!”

    Runde Drei. “Don’t believe” heißt das von Bohlen extra für das DSDS-Finale fabrizierte Machwerk. Er selbst ist superstolz auf den Titel, der habe einen Stimmumfang von zwei Oktaven, sei deshalb “megaschwer” zu singen und verlange den Künstlern alles ab. Da muss er sich wohl selbst mal was beweisen, als ob das ein Gütesiegel für einen Titel ist, dass man ihn nur schwer singen kann! Update 19.04.2010: Blog-Leserin Jola schrieb mir als bekennender Daniel-Schuhmacher-Fan, dass Bohlen den Titel genau genommen für den letztjährigen DSDS-Gewinner kreiert hatte und wegen des öffentlichen Zerwürfnisses zwischen den beiden dann in der Schublade verschwinden ließ, um ihn jetzt für das Finale 2010 zu reanimieren. Komisch, wieso der Aufwand mit der Schublade, die Ergüsse aus Tötensen hören sich doch sowieso alle völlig gleich an, oder? Erst die Tatsache, dass Onkel Dieter seinen Dreck überhaupt auseinander halten kann, stellt doch die eigentliche künstlerische Leistung dar… :-)

    Mehrzad Marashi macht wieder den Anfang. Er trägt mittlerweile komplett tannengrüne Klamotten, auch einen grün glitzernden Hut, womit er insgesamt etwas an einen Waldschrat auf Speed erinnert. Dieters angebliches Knochenbrecherlied entpuppt sich als hundertzwanzigster Aufguss seiner üblichen Drei-Akkorde-Mucke mit wahllos aneinandergeklatschten englischen Vokabeln. Ein so simpel gestricktes Lied hätte Mehrzad unter normalen Umständen bestimmt nicht mal im Casting gesungen. Wenn man bedenkt, dass der DSDS-Gewinner hinterher mit diesem Stück, seinem “Gewinnersong”, auftreten muss, dürften die Finalisten echte Zweifel kriegen, ob sie heute nicht besser verlieren sollten. Bohlen ist jedenfalls verzückt, ihm fielen zu Mehrzads Interpretation seines Liedchens nur Komplimente ein, sagt er. Sylvie hat ihren Vertrag gut gelesen, insbesondere die Schleimklausel, und dankt zuerst Dieter für diesen “tollen Song”, danach aber auch Mehrzad. Selbst Volker bekennt sich zu einer Gänsehaut, das sei ein Supertitel gewesen. Oh Mann, ich wette, der hat Zuhause keine einzige Modern-Talking-CD und muss jetzt seinem Arbeitgeber Bohlen Honig um den Bart schmieren, damit er auch in der achten Staffel wieder mitspielen darf.

    Nun kommt der selbe blöde Titel nochmal, jetzt mit Menowin Fröhlich, dem übelblickenden Kinderschreck. Und nein, der Song wird bei mehrmaligem Hören nicht besser, sondern eher noch langweiliger. Menowin zuck-tanzt im blauen Anzug im Nebel und vor einem grünen Lasertunel. Die Pro-Menowin-Sprechchöre verhindern danach fast die Urteilsverkündung, so sehr scheinen sie sich zu freuen, dass ihr Idol an Bohlens einfältiger Nummer nicht gescheitert ist. Dessen Verursacher gibt wieder den Tenor für die restliche so genannte Jury vor: Das sei ein Knaller gewesen, genial gesungen und überhaupt. Sylvie und Volker ergehen sich in Komplimenten, bei Volker überschlägt sich sogar die Stimme, als er seine vermutlich sorgfältig vor dem Spiegel geprobten Lobeshymnen aufsagt. Schade, von dem hatte ich echt mal einen besseren Eindruck, aber heute hat er scheinbar sein Rückgrat in der Garderobe stehen gelassen.

    Nicht besonders überraschend, dass die Jury dann zum Ende der Show ihre Tages- und Staffelsiegschätzung zugunsten von Menowin abgibt. Das hätte man als geneigter Zuschauer schon vor gut zwei Monaten ahnen können. Man konnte sich nur nicht vorstellen, dass Dieters Staffel-Dramaturgie ähnlich beschränkt ist, wie sein musikalischer Einfallsreichtum, von dem wir ja gerade eben wieder mal Zeuge geworden sind.

    Etwa eine Stunde später wird es Ernst, nachdem die hoffentlich allerletzte Ätherverpestung mit den doofen Mädchen, oder wie sich diese aus präpubertären Rülps- und Pups-Pointen bestehende Sendung schimpft, zu Ende ist. Der in der Top-8-Show ausgeschiedene Nelson Sangaré kommt kurz zu Worte und darf die ganz offensichtlich zugunsten von Menowin vorgefasste Jurymeinung kritisieren. Dann müssen beide Finalisten zur Strafe für ihre impertinente Langlebigkeit noch einmal den Inner-Circle-Titel “Sweat (A la la la la long)” aus dem Karibik-Recall wiederholen.

    Und schließlich geht es endgültig ans Eingemachte, denn nun kommt Marcos quälend langsame Urteilsverkündung. Okay, das muss man auch wieder verstehen, er will das auskosten, denn das ist der einzige Moment, wo er wirklich etwas zu sagen hat. Danach kann er sich wieder bis zur nächsten Staffel aufs Ohr hauen und wir sollten alle die Daumen drücken, dass RTL bis dahin jemanden findet, der die Moderation etwas weniger selbstverliebt erledigt.

    Beide Kandidaten stehen minutenlang unbeweglich auf der Bühne, während Marco labert und labert und labert. Vermutlich zieht währenddessen noch einmal ihr gesamtes Leben mehrfach an ihnen vorbei. Plötzlich aber kommt die lang erwartete Formel “…und Superstar 2010 ist… MEHRZAD MARASHI“. :-)

    Upps, äh, nanu, wie jetzt, verhört? Nochmal zurückgespult und tatsächlich: Hurra, Mehrzad ist Superstar und Menowin ist es NICHT! Interessant übrigens dessen Reaktion. Er hat schon halb den Arm zur Siegerfaust hochgereckt, als er realisiert, dass er ja gar nicht Mehrzad heißt und dann entgleitet ihm völlig das Gesicht, die Muräne ist wieder da. Während Mehrzad von seinem Vater und anderen Fans auf den Schultern herumgetragen wird, steht Menowin komplett apathisch, ja geradezu traumatisiert am Rand der Bühne und stiert wüst vor sich hin. Wenn Blicke töten könnten, lebte in der Halle jetzt niemand mehr. Offensichtlich war er völlig unerschütterlich davon ausgegangen, dass er den Sieg hundertprozentig in der Tasche hat, immer schon und ganz besonders nach der Lobhudelei der Jury von heute Abend. Auch ich hätte nach der heutigen Show auf Mehrzad keinen Pfifferling mehr gewettet, Gott sei Dank lag ich damit verkehrt.

    Mehrzad ist ähnlich sprachlos wie sein Kontrahent und umarmt diesen sogar zum Trost. Nun öffnen sich bei Menowin die Schleusen, er vergräbt seinen rasierten Kopf im grünen Jackett des neuen Superstars und fängt an zu weinen. Weil er auch keine sinnvollen Antworten mehr ins Mikrofon stammeln kann, wird er dann schließlich von Marco von der Bühne gezogen. Die wird nämlich gebraucht für Mehrzads Wiederholung des Bohlenschen Siegertitels, den man – geschäftstüchtig, wie RTL ist – auch ab sofort downloaden kann. Neinneinnein, auch wenn die das noch hundert Mal spielen, das Lied ist Mist und sollte schleunigst wieder vergessen werden.

    Keine Ahnung, wie Mehrzads Karriere weitergeht. Vermutlich wird das Siegerlied ein kurzer Erfolg, der aber mehr dem Sänger, als dem Komponisten geschuldet sein dürfte. Sicherlich kommt dann in Kürze noch eine CD mit mittleren Verkaufszahlen und erst dann wird sich zeigen, ob Mehrzads Stimme einen hohen Wiedererkennungsfaktor hat, der die Leute zum Öffnen ihrer Portmonees veranlasst. Ich fürchte eher nein, die Stimme ist zwar gut und Mehrzad kann absolut was, ist ein echter Profi, aber unverwechselbar ist die Stimme wohl nicht. Doch drücken wir ihm einfach mal trotzdem die Daumen, verdient hätte er den Erfolg auf jeden Fall.

    Und ich bin etwas versöhnt, dass die Staffel doch nicht so vorhersagbar ausgegangen ist, wie bis gerade eben noch vermutet. Bohlen hat sich offensichtlich verspekuliert und auf das falsche Pferd gesetzt. Übrigens hat man die gesamte Jury seit der Urteilsverkündung nicht mehr gesehen, vielleicht weint sich Dieter ja auch gerade bei Volker aus? Das wäre ein schöner, erheiternder Gedanke zum Ende der Staffel. ;-)

    Ich danke bei dieser Gelegenheit für das große Interesse unserer Blog-Leser und die zumeist netten Kommentare. Mal sehen, wenn sich wieder etwas Geeignetes ergibt, lesen wir uns an dieser Stelle wieder, Müll genug gibt es im Fernsehen jedenfalls…

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  • DSDS (RTL) 11.04.2010 10 Comments

    Oh Mann,

    noch eine Woche und wir wissen endlich, wer Deutschlands Superstar 2010 wird. Soviel ist klar, er ist männlich und sein Vorname beginnt mit “M”. Das ist nämlich Dieter Bohlens Lieblingsbuchstabe, wie auch Mark Medlock und Menderes bestätigen können! An manchen Tagen, so wie heute, gibt es so viele andere, wichtigere Nachrichten als das inszenierte Gerangel dreier ambitionierter Amateursänger um eine nichtswerte Auszeichnung. Insbesondere, weil die Musik, um die es bei DSDS ursprünglich mal ging, mittlerweile völlig an den Rand gedrängt wird von den überbordenden Homestories, die von RTL im Wochentakt über Bohlens Lieblingssprachrohr Bildzeitung in die Welt posaunt werden. Klar, wie gehabt macht die “Bild” damit natürlich ebenfalls ihren Reibach und spielt sich gleichzeitig als Moralinstanz erster Güte auf, echt schizophren!

    Was gab es also diese Woche zu vermelden? Nun, lt. Bild-Online ist die kriminelle Biografie von Menowin noch um einige Facetten bunter, als eh schon vermutet. Mit seinen gerade 22 Jahren hat er bereits mehr als 30 Verfahren am Hals; herausragende Leistungen sind mehrere gefährliche Körperverletzungen. Glückwunsch, RTL, Onkel Dieters Kandidaten sind doch immer eine Klasse für sich, davon sollten sich diese Waschlappen aus den ganzen anderen Casting-Shows erst mal eine Scheibe abschneiden! Lena Meyer-Landgut ist doch in ihrem ganzen behüteten Leben bestimmt noch nicht mal bei Rot über die Ampel gegangen. Bevor die nicht mindestens wegen Schwarzfahrens vor dem Kadi gestanden hat, würde ich mir von der nie eine CD kaufen.

    Was noch? Ach ja, nette schlüpfrige Geschichte zu unserem Schwiegermutterliebling Manuel. Über den gab es in der vorigen Woche so eine komische Meldung, dass er von einem unbekannten männlichen Fan verfolgt würde, aber nicht wisse, warum und er sich deshalb bedroht fühle. In dieser Woche hat der Stalker nun in einem Brief an die Bildzeitung die Hosen runter gelassen – und zwar wörtlich: Demnach sei er kurzzeitig mit Manuel zusammen gewesen und hat als Beweis dafür auch gleich ein paar gemeinsame textilfreie Bettfotos beigelegt. Die Bildzeitung war darüber moralisch so entrüstet, dass sie die Fotos und dazu einen reißerischen Text sofort am nächsten Tag abgedruckt hat. Tja, den Sympathiewert bei den Bravo-Girls und im Bekanntenkreis von Manuels Oma dürfte das wohl nicht erhöht haben, aber wenigstens kriegt seine Homestory jetzt ein wenig Tiefgang, mal sagen.

    Einzig Mehrzad hat außer einer pünktlich zur Mottoshow drohenden Erkältung mal wieder nichts zu melden gehabt. Aber wir werden noch sehen, was sich seine PR-Berater stattdessen überlegt haben…

    Genug der Vorrede, die Show beginnt! Marco Schreyl wurde wieder für ein paar Stunden aus dem Zwinger gelassen und mimt auch beim heutigen Halbfinale den Conférencier. Seine zunehmend arroganten Auftritte sind einer der Gründe, weshalb ich mich auf das Ende der Staffel freue. Heute behauptet er ganz am Anfang der Sendung doch glatt, die 2010er-Staffel von “Deutschland sucht den Superstar” sei ein Novum, denn diesmal gäbe es nicht einen oder zwei, sondern sogar gleich drei Favoriten. Wo war der Typ eigentlich vor zwei Jahren, als die letzten drei Kandidaten Lina Teodosio, Fady Maalouf und Thomas Godoj hießen? Damals hätte rein stimmlich jeder von den dreien siegen können und – das muss ich an dieser Stelle mal ganz subjektiv sagen – die waren ALLE besser und wesentlich sympathischer als sämtliche Teilnehmer der diesjährigen Staffel. Ohne jede Ausnahme! Und von wegen “drei Favoriten”, es zweifelt doch wohl niemand ernsthaft daran, dass der Sieg von Menowin schon seit dem Casting eine abgemachte Sache ist?

    Unter erschreckend frenetischem Beifall des Hallenpublikums betreten die drei Juroren ohne Stimmrecht das Podium: Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller. Freundlicherweise warnt uns Marco bereits an dieser Stelle vor dem heute drohenden Auftritt von Bohlens Sängerknaben Mark Medlock. Damit gibt er uns eine faire Chance, schon mal die Notausgängen zu öffnen und prophylaktisch ein paar Kotztüten bereit zu legen. Wie jedes Jahr, wird es wohl auch diesmal einen Sommer geben und was wäre die warme Jahreszeit ohne einen von Onkel Dieter persönlich handgeklöppelten Sommerhit? Man muss das ja auch mal rein menschlich sehen: Vielleicht trägt Dieters Freundin nun schon seit sechs Wochen die selben Klunker und braucht deshalb von ihrem 30 Jahre älteren Lover dringend mal ein paar neue Brillis für die Disse? Und was wäre zu deren Finanzierung besser geeignet, als ein kräftiger Schluck aus der GEMA-Pulle für ein Lied, dessen Komponist und Produzent Dieter Bohlen heißt, welches in einer Sendung vorgestellt wird, für die er allein schon für seine Anwesenheit extrem dicke Penunze bezieht und das von einem DSDS-eigenen Geschöpf vorgetragen wird, das sich in undurchsichtigen Verträgen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag an ebendiesen Dieter Bohlen verkauft hat… (Ach, tut das gut, das wollte ich mir schon immer mal von der Seele schreiben…)

    Der Oberjuror und Meister des bekannten Universums trägt heute ein weißes Sakko und quittiert die ihm geltenden “Dieter, Dieter”-Sprechchöre mit einem anerkennenden “Jawollo”. Danach erklärt er den mehrheitlich offenbar komplett verblödeten RTL-Zuschauern nochmal genau die Bedeutung des heutigen Halbfinales: “Es geht jetzt darum, wer ins Finale kommt.” Aha, so ist das also, danke für diese wichtige Klarstellung. In diesem Sinne geht es auch gleich weiter, denn Nina wird von Marco gefragt, worauf sie heute besonders achten wird. “Auf den Gesang und die Performance”, lautet ihre doch ziemlich überraschende Antwort. Und darum geht es heute wirklich: Die Halbfinalisten müssen in der Show jeweils drei Titel singen, nämlich einen von einer Boy Group, einen von einem persönlichen Musikhelden (was auch immer das sei) sowie einen Nummer-Eins-Hit.

    Bei ihrem schon traditionellen gemeinsamen ersten Auftritt performen die drei Kandidaten “Love is gone” von David Guetta. Trotz aller gern praktizierten Häme muss ich den dreien aber an dieser Stelle bescheinigen, dass ihr Robot-Dance und der Gesang wirklich professionell wirken, wobei Mehrzad und Manuel noch ein klein bisschen besser sind als Menowin. Und das sage ich nicht nur, weil ich Menowin nicht mag.

    Die Boy-Group-Runde eröffnet Manuel Hoffmann mit “Human” von The Killers. Das war sicherlich zu Recht einer der meistgespielten Hits des letztes Jahres, die Subsummierung dieser genialen Gruppe zu den Boy Bands finde ich allerdings ziemlich abenteuerlich. Manuel macht seine Sache ganz ordentlich, aber seine Performance könnte noch ein wenig lebendiger sein, gerade bei einer solchen Abtanzhymne. Und spätestens seit der letzten Show wissen wir ja auch, dass der Kandidat sich durchaus gut bewegen kann. Dieter spricht von einer grundsoliden Leistung und hofft auf noch mehr Power bei den nächsten beiden Titeln.

    Von Mehrzad Marashi hören wir anschließend den R&B-Titel “End of the Road”, der ursprünglich von Boys II Men eingespielt wurde. Eingedenk der angeblichen Erkältung bringt Mehrzad die Nummer aber ganz gut rüber, wenn auch ohne seine gewohnten Glanzlichter. Die Jury gibt ihm inkl. Krankheitsbonus wieder gute Noten, auch wenn Dieter bei diesem Titel noch ein wenig mehr Gefühl erwartet hätte.

    Nach seinem letztwöchigen Totaldurchhänger (zumindest im ersten Titel) läuft es heute wieder etwas besser für Menowin Fröhlich. Er singt “No Matter what” von Boyzone. Ich habe mir gemeinerweise mal den Spaß gemacht, den Songtext mitzulesen und dabei gemerkt, dass unser Freund mit der speckigen blauen Plastik-Schirmmütze an vielen Stellen frei improvisiert hat. Das Lied ist ja von Hause aus introvertiert, gelinde gesagt, da passen Menowins gelegentlich bei Intrumentaltakten eingeschobenen Kung-Fu-Übungen gar nicht, finde ich. Den mitgebrachten Menowinianern im Saal ist das herzlich egal, sie klatschen und johlen eh aus Prinzip, da hätte ihr Idol auch genauso gut auf der Trillerpfeife blasen können, der Jubel wäre derselbe gewesen. Dieter Bohlen feuert den Trubel dann noch weiter an mit seinem Urteil “Manowin is back” und Nina behauptet gar frech “der Text sitzt”. Schade, das hätte sie besser wissen können (siehe oben), wer lesen kann, ist eben doch im Vorteil.

    Jetzt kommen wir zu den Heroen der Popgeschichte, zumindest nach DSDS-Lesart. Wieder macht Manuel Hoffmann den Anfang. Zuvor dürfen wir aber in einem Einspielfilmchen seinen triumphalen Empfang im heimischen Fachwerknest Braunfels bei Wetzlar miterleben. Hier ist scheinbar der ganze Ort zusammengelaufen, um seinen Superstar einmal live sehen zu dürfen. Man glaubt es kaum, aber trotz aller Kaffigkeit gibt es noch einen anderen (Beinahe-)Weltstar in dieser Stadt: Vanessa Jean Dedmon, Dritte der 2006er-DSDS-Staffel, stammt ebenfalls aus Braunfels. Soweit ich mich erinnere, war das die, die damals ihren Verlobten in den Wind schoss und mit dem späteren Vizegewinner Mike Leon Grosch ein Techtelmechtel anfing, weil das so eine schöne romantische Geschichte für die Einspieler gab. Nach DSDS ging ihre Karriere dann übrigens typisch weiter, nämlich direkt in die Tonne. Zurück zu Manuel, der diesen Teil der Karriere noch vor sich hat. Er darf sich unter dem Gekreische seiner Mitbewohner in das goldene Buch von Braunfels eintragen, was Oma, Mutter und Vater emotional sehr mitzunehmen scheint. Danach wird er im offenen Auto durch den Ort gefahren und abschließend dopt ihn seine Oma mit Grillwürstchen, deren Reste er nachher in seinen DSDS-Knast mitnehmen soll.

    Im zweiten Durchgang singt Manuel den “Englishman in New York” von Sting. Aha, Letzterer ist demnach also ein Held der Popgeschichte. Na gut, das kann man durchgehen lassen. Tatsächlich gibt es diesmal eine kleine Tanzperformance: Manuel trägt als “Engländer” eine rot-karierte Weste, hat einen schwarzen Bowler auf dem Kopf und schwenkt außerdem den für die britischen Inseln immer empfehlenswerten Schirm. So präpariert tanzt er mit einer Formation ähnlich kostümierter Damen auf der Bühne. Gesanglich ist das ebenfalls eine überwiegend gute Performance. Dieter ist heute leider wieder voll auf seinen Alles-für-Menowin-Kurs eingeschwenkt und macht Manuels Titelauswahl nieder. Mit dem Song könne man ja nichts zeigen, der brächte keine Gefühle rüber, er fand die ganze Nummer nicht gut. Oh Mann, Dieter ist ja sowas von berechenbar, das ist wirklich zum Kotzen.

    Auch Mehrzad Marashi hatte in der vergangenen Woche Heimaturlaub. Er macht in Hamburg mit seiner Freundin eine Bootstour und absolviert einen sogenannten Spontanauftritt in seiner ehemaligen Schule, so richtig viel Berichtenswertes ist dabei aber nicht passiert. Er singt heute den fast fünfzig Jahre alten Titel “Runaway” von Del Shannon und tanzt dazu mit einem Haufen Pettycoat-Trägerinnen. Nachher gibt noch drei Gefühlspunkte extra, als Mehrzad erzählt, dass dies das Lieblingslied seines im Vorjahr verunglückten Bruders gewesen sei. Dieter Bohlen hat offenbar inzwischen auch die selbstverständlich völlig souverän agierende Restjury pro Menowin eingeschworen, denn die ganze Bande äußert sich nur mau zu der gerade gehörten Nummer, dabei war die m.E. gar nicht schlecht. Bohlen spricht sogar von Unprofessionalität und bemüht auch wieder sein derzeitiges Lieblingsschimpfwort “Hühnerkacke”. Ich rate mal so ins Blaue: Den nächsten Titel von Menowin finden die drei Clowns wieder herzallerliebst.

    Auch beim Freigang von Menowin Fröhlich war die Kamera dabei. Wir sehen kitschig-romantische Bilder von ihm und seinem getrennt von ihm bei der Ex lebenden Sohn in einem Park und auf dem Spielplatz. Danach ist Familientreffen bei den Menowins, soweit die gerade nicht einsitzen (sagt die “Bild”). Zuletzt dann auch noch Eindrücke von einer Autogrammstunde mit Schulmädchen, die buchstäblich bei ihm am Tisch mit Weinkrämpfen zusammenbrechen, was für seine ohnehin schon ausgeprägte Arroganz mit Sicherheit verheerende Folgen haben dürfte. Menowin singt “You are the Sunshine of my Life” von Stevie Wonder und gibt dabei seinem Affen trotz des eigentlich ruhigen Songs wieder reichlich Zucker. Er zuckt und hüpft in seinem glitzerndem Jäckchen und erinnert mich dabei etwas an den seligen Holger Göpfert aus DSDS 2009. Wenn ich seinen Auftritt in einem Wort charakterisieren sollte, wäre das “Überperformance”. Dass die Jury das anders sieht, ja geradezu euphorisch schwelgt, war vorauszusehen. Und als von Dieter und Nina schon alle Superlative über Menowins dickem Kopf ausgegossen sind, fällt Volker nur noch ein, er fühle sich von dem Lied “total geflasht”, worunter ich mir nichts vorstellen kann. Vielleicht hat er jetzt ‘ne feuchte Hose?

    Dritte und letzte Runde, jetzt kommen die Nummer-Eins-Titel. Manuel Hoffmann greift tief in den Honigtopf und fördert leider Richard Sandersons “Reality” zutage, ein Lied, bei dem Diabetiker lieber weghören sollten, weil es so klebrig-zuckrig daherkommt. Ja, da ist der Junge dann aber doch irgendwie selbst schuld, wenn die Jury ihn dafür fertig macht, das Lied mag doch keiner, oder? Er steht wieder wie vor seinem ersten Rausschmiss recht stocksteif und im eklig-ordentlichen Anzug (genau Dieters Outfit!) vor dem Mikrofon und singt ganz ruhig seinen Song runter. Ciao Manuel, das war es dann wohl. Überraschenderweise sieht die Jury das total anders, gute Songauswahl, prima Outfit, super gesungen, weiter so… Hmmm, glaube trotzdem nicht, dass es für ihn so ins Finale geht.

    Mehrzad Marashis letzter Titel ist “Ich kenne nichts” vom obercoolen Xavier Naidoo. Mehrzad und Xavier, das passt natürlich wie Arsch auf Eimer, das Lied könnte für den DSDS-Kandidaten geschrieben worden sein. Seine Performance ist so gut wie immer, klamottentechnisch auch keine Überraschung (Stichwort schwarzer Lederhut), aber da passiert es, er holt seine Anti-Menowin-Geheimwaffe raus: Nach den letzten Tönen geht Mehrzad mit dem Mikrofon zu seiner Freundin Denise und fragt sie für die gesamte Halle hörbar, ob sie seine Frau werden wolle. Als er dann auch noch den passenden Verlobungsring dazu aus der Tasche holt und ihr ansteckt, ist die Gute hin und weg und sagt offenbar ja. Allgemeine Begeisterung, das ist Romantik pur, selbst der zweimal verheiratete (und geschiedene) Dieter hat bestimmt Tränen in den Augen. Genialer Coup, vielleicht bringt das ein paar Prozente gegen den Knastologen. Und zu dem gerade gehörten Song gibt es von der Jury dann auch nur noch Bestnoten.

    Mit “I swear” von All-4-One lässt Menowin Fröhlich den Abend ausklingen. Auch bei diesem Titel genehmigt er sich wieder einige textliche Freiheiten, wie ich beim Mitlesen des Originaltexts feststellen konnte. Dieter lässt alle Hemmungen fallen, lobt Menowin über den grünen Klee und dann platzt es aus ihm heraus: “Du hast heute dreimal titanisch abgeliefert, dreimal Volltreffer. Die ganzen Geschichten aus Deiner Vergangenheit, da scheiß’ ich drauf, hier geht es nur darum, was Du auf dieser Bühne ablieferst. Das war heute dreimal mega-hammer-geil.”, fasst er den Abend für Menowin in Straßendeutsch zusammen. Besser kann man gar nicht illustrieren, dass DSDS im Endeffekt ausschließlich mit den konkreten wirtschaftlichen Interessen eines Herrn Bohlen zu tun hat und mit sonst gar nichts. Der Oberjuror hat fetteste Dollarzeichen im Auge, ihn interessieren nur Vermarktbarkeit und Kommerzialität der Sänger, nicht deren Musikalität oder Kreativität. Dieter, das muss mal wieder gesagt werden, ist kein Künstler, sondern ein geldgeiler Kaufmann. Und der ganze Wettbewerb “Deutschland sucht den Superstar” ist aus seiner Perspektive gesehen lediglich eine Akquise-Veranstaltung riesigsten Ausmaßes mit dem Ziel, seinen Reichtum zu mehren, so sehe ich das jedenfalls.

    In diesem Sinne ist auch der nun folgende Auftritt von Mark Medlock mit “Real Love” zu verstehen, Dieter will fettestmöglich absahnen und platziert daher in seiner Sendung seinen Superstar mit seinem Lied. Das ist eine echte Win-Win-Win-Situation, wobei alle Beteiligten Dieter Bohlen heißen und in Tötensen wohnen. Der Medlock kann einem fast Leid tun, dass er schon wieder mit so einem merkwürdigen Bohlen-Song auftreten muss, aber der will das ja nicht anders. Er schubbert sich im weißen Anzug auf die Bühne, sieht dabei wie immer etwas verhungert aus und chronisch ungesund sonnengebräunt. Musikalisch ist das wieder Fließbandware, Bohlen verbraucht schon im Intro alle seine drei Akkorde, dazu eine Prise spanisch klingende Gitarren (wegen Sommerhit) und ein paar geflüsterte Stimmen in fremden Sprachen. Jetzt kommt Medlocks Einsatz, der gleich mit einem epochalen, elektronisch verfremdeten Refrain startet: “Nananananananananananananaaaaaaa, real Love”. Der Rest ist auch nicht viel besser und stammt wohl aus der üblichen Bohlenschen Streusandtextbüchse, z.B. Heart, Love, burning Desire usw. Eigentlich müsste dieser Auftritt eine Warnung an alle DSDS-Teilnehmer sein, was dabei herauskommt, wenn man die Sache mit dem Superstar wirklich Ernst nimmt. Grässliches Lied, aber Bohlen klatscht selbstredend begeistert, was seine sämtlichen Kritiken an anderen Künstlern natürlich relativiert. Hinterher fraternisiert Medlock noch mit Menowin (”bin stolz auf Dich”) und veranlasst mich damit endgültig, alle seine Titel auf meinem Rechner zu löschen… Das ist natürlich nur so hypothetisch dahingesagt, denn Medlock-MP3s hätte mein Virenscanner längst als Bedrohung erkannt und gefressen!

    Zeitsprung dank Festplattenrekorder, ich erspare mir die Untiefen des bösen deutschen Humors und die endlose Schreylsche Kandidatenfolter und blende mich direkt ein in die Urteilsverkündung. Wie wohl nicht anders zu erwarten, fliegt Manuel Hoffmann nun zum zweiten und letzten Mal raus, der Weg ist frei für das epische Finale zwischen Menowin und Mehrzad am nächsten Sonnabend. Ich kann beim besten Willen nicht sagen, dass ich mich darauf freue oder gar gespannt bin, mit welchem Abstand Menowin gewinnt. Dieter hat diesmal schon frühzeitig die Spannung gekillt und seine Voreingenommenheit für einen Kandidaten offen zur Schau gestellt. So macht ein Wettbewerb keinen Spaß.

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  • Ach Du dickes Ei!

    Pünktlich zu Ostern sendet RTL ein Lebenszeichen der bräsigen Bauern aus der 2009er-Staffel. Inka Bause glaubt offenbar nach wie vor an ihre Mission, Landwirte mit Partnerinnen bzw. Partnern zu versorgen. Heute will sie zusammen mit den Zuschauern erkunden, welchen Erfolg ihre Bemühungen vom Herbst letzten Jahres langfristig gezeitigt haben.

    Der heutige Mischmasch aus Rückblenden und aktuellen Spielszenen des Bauerntheaters beginnt in Mecklenburg-Vorpommern bei der “treuen” Pferdewirtin Berit und ihrem “liebevollen” Fernsehpartner Stefan, der sie heute lt. Drehbuch mit einem romantischen Heiratsantrag überraschen wird. (BTW: Warum sie immer als “Pferdewirtin” tituliert wird, obwohl sie vor allem Schweine zu besitzen scheint, verstehe ich nicht ganz.) Stefan wohnt seit Jahresbeginn mit auf dem Hof und hat sich bereits weitgehend in den bäuerlichen Tagesablauf integriert. Ach, was muss Liebe schön sein, wenn man so Händchen haltend durch den Schweinestall schlendert, wie unsere norddeutsch-drögen Protagonisten…

    Mit einem romantischen Abschiedskuss im Stall trennen sich die beiden, Berit geht links rum und schrubbt die Sau Rosalie, während Stefan rechts abbiegt und Hengst Flori mit einer Striegeleinheit beglückt. Dabei flüstert der Neubauer seinem Zossen ein paar Geheimnisse ins Ohr, gerade laut genug für die Kamera: Er wolle seiner Berit einen Heiratsantrag machen, was er (das Pferd! DAS PFERD!!!) davon halte? Flori wiehert auch sofort eine vermeintlich zustimmende Antwort – in Wirklichkeit hat er wohl außerhalb des Bildes vom Regieassistenten einen Tritt bekommen. Auweia, so ein Schwachsinn, dagegen ist ja “Flipper” reinstes Bildungsfernsehen! Wenn das so weitergeht, sollte man die nächste BsF-Staffel wohl lieber im Kinderkanal senden.

    Der Heiratsantrag findet dann später in der Scheune statt; Stefan hat ihn mit Hilfe des Fernsehens zu einem Event mit größtmöglichem Kitschfaktor aufgepimpt. Er führt seine Berit mit verbundenen Augen auf den bunt dekorierten Heuboden und stellt ihr zwischen Strohballen, Luftballons und anderen Dekoteilen dann die Frage aller Fragen. Klar sagt sie JA, was sonst? Bezeichnend für diese Serie, dass ausgerechnet eines der langweiligsten Paare wohl tatsächlich in den Hafen der Ehe einlaufen wird. Da, wo wir Zuschauer am meisten (Fremdschäm-)Spaß hatten, dauert das Heiraten entweder mindestens noch ein paar Monate oder fällt komplett flach wegen is’ nich’.

    Der in Hessen residierende “lustige” Ziegenwirt Willi ist, Inka sei Dank, ebenfalls nicht mehr unbeweibt. Mit der dauergrinsenden Karola hat er zumindest gewichtsmäßig einen Hauptgewinn gezogen. Und nicht nur das, man ist sogar schon zu dritt! Nein, nicht was ihr denkt, so schnell schießen die Hessen nicht! Aber Karola hat aus früheren Zeiten eine 15jährige Tochter, die hat sie gleich mitgebracht. Das in der letzten regulären Folge mit der Familienplanung befasste Eselpaar Harry und Sally ist da übrigens schon ein bisschen weiter: Sally hat inzwischen einen dicken Bauch und frisst für drei.

    Vor laufender Kamera gibt Willi den Familienclown und heckt einen neckischen Osterspaß aus: Er legt ein paar bemalte Eier in den Hühnerstall zu den “echten” Eiern und beömmelt sich minutenlang darüber, als Karola sie beim Eiersammeln findet. Jaja, am vielen Lachen erkennt man den Narren, wie das Sprichwort sagt. Später dürfen wir virtuell noch an dem familiären Großereignis des Ostereierfärbens teilnehmen, einer Tätigkeit, die für Außenstehende auf den ersten Blick trivial wirkt, hier in Hessen jedoch für arges Kopfzerbrechen sorgt. Schon das Herausfinden der richtige Temperatur für die Lebensmittelfarbe scheint ein kaum lösbares Mysterium zu sein, das umfangreiche Diskussionen bei allen drei teilnehmenden Generationen auslöst.

    Das seit der Auflösung von Cindy & Bert beliebteste Paar des deutschen Fernsehens sind zweifellos Josef aus dem “malerischen” Chiemgau und seine aus dem fernen Asien stammende, zuletzt aber in Kiel wohnende Perle Narumol. Der Bayer und die Thailänderin sprechen ungefähr gleich gut – oder besser: gleich schlecht – Hochdeutsch und müssen infolgedessen weitgehend untertitelt werden. Insbesondere die von Narumol unabsichtlich, aber liebevoll zerbröselten Deutschreste haben Dank der Mithilfe von Stefan Raab inzwischen Kultcharakter bekommen, z.B. das “ich bin fick und fertig” anlässlich ihrer ersten Seilbahnfahrt. Josef und Narumol halten sich eisern an das Drehbuch, machen jeden von RTL erdachten Schwachsinn mit und sind infolgedessen seit dem Herbst quasi verlobt. Für die nächsten Monate ist mit der kirchlichen Trauung zu rechnen, die dann garantiert medial bis zum Erbrechen ausgeschlachtet werden dürfte.

    Eine standesamtliche Trauung wird es hingegen nicht geben, weil Narumol derzeit eine Witwenrente bekommt, auf die sie dann verzichten müsste. Tja, ganz so beschränkt, wie uns ihre Rolle glauben machen soll, ist sie in Wirklichkeit wohl nicht. Und ganz so nett auch nicht, wie kürzlich ein Boulevardblatt mit großer Schrift und kurzem Namen vermeldete: Angeblich hat Narumol während ihrer Lustreisen ins malerische Chiemgau die 10jährige Tochter aus der o.g. Ehe in Kiel allein zurückgelassen, was dann das Jugendamt und die besagte Skandal-Postille auf den Plan rief. Wie auch immer, in der heutigen Sendung ist das natürlich kein Thema, alles hat seine beste Ordnung und Tochter Jenny lebt inzwischen “selbstverständlich” auch mit auf Josefs Hof. Übrigens braucht Jenny als einzige Person im Haushalt nicht untertitelt zu werden!

    In der nächsten Szene sehen wir der Patchworkfamilie im mittlerweile verschneiten, aber immer noch malerischen Chiemgau bei der Nahrungsaufnahme zu. Narumol beherrscht neben der asiatischen inzwischen auch die bajuwarische Küche und hat heute dankenswerterweise eine Art Rinderbraten fabriziert. Dessen Vertilgung verschlechtert allerdings vorübergehend die sprachliche Kommunikation von Josef mit seiner Außenwelt nochmal erheblich, als er mit vollem Mund die im Drehbuch vorgegebenen Sätze aufzusagen versucht. Plötzlich, schon mitten im Kauen, kriegt der Bayer einen Riesenschreck, springt von der reich gedeckten Tafel auf und herrscht auch die Damen an, es ihm gleichzutun: Trotz tiefer Verwurzelung im katholischen Glauben hat er diesmal doch tatsächlich das Tischgebet vergessen! Als er mit seiner länglichen Bitte um Segnung der Nahrungsmittel fertig ist, dürfte der Braten wohl schon fast kalt sein. Narumol scheint sich an derlei Riten gewöhnt zu haben und wartet den Religionsanfall ihres Gatten in spe einfach wortlos ab, während Töchterlein Jenny am Tisch sitzen bleibt und weiter isst. Die wird das Tischgebet aber irgendwann auch noch mitsprechen, hat sich Josef vorgenommen. Narumol zieht hinterher noch ein nettes Fazit, das ich wörtlich wiedergeben muss, weil ich es nämlich nicht ganz verstehe: “Josef hat sick total veränder. Er blöht sick auf. Er is vor unalles Verantwortung ubernehm. Jede Frau träum davon; ick bin au eine davon!”

    Die letzte J&N-Szene spielt mal wieder in der Kirche, ganz offenbar ein Mittelpunkt des Josefschen Alltags. Er rattert vor der Kamera das katholische Glaubensbekenntnis herunter, als habe er ein schlechtes Gewissen, unverheiratet mit einer Frau unter einem Dach zu wohnen und müsse das nun durch plakativ zur Schau gestellte Frömmigkeit wieder wettmachen. Narumol glänzt auch hier durch routiniertes Abwarten, Tochter Jenny sieht dagegen eher etwas verschreckt aus. Das wird auch nicht besser, als die anderen Dorfbewohner sie nach der Kirche befragen, was sie denn vom Osterhasen bekommen habe. (Unter uns: Der ganze Quatsch stammt von vorn bis hinten aus dem Drehbuch, die Szenen sind garantiert schon mehrere Wochen alt, es liegt nämlich noch hoch Schnee im malerischen Chiemgau und Ostern ist weit…)

    Nun geht es weiter in ostfriesische Gefilde, zum Jungbauern Carsten. Der hatte sich  ja bekanntlich trotz meiner Warnung für die Lehramtsstudentin Lilja und damit gegen die blonde Annika entschieden. Wer nicht hören will, muss fühlen: Als die Kameras ausgeschaltet wurden, hatte sich auch Lilja vom Hof gemacht und Carsten allein gelassen. Der will sich im Hinblick auf seine erst 23 Lenze noch nicht ganz mit einem Leben als Junggeselle abfinden und nutzt deswegen Inka Bauses erneuten Hausbesuch für eine zweite Chance. Zusammen mit einem Kumpel wühlt er sich durch einen Haufen mit Zuschriften beziehungswilliger Möchtegern-Bäuerinnen. Freimütig bekennt er, dabei nur auf die Fotos zu achten, der Frauenversteher. Weshalb er nicht bei Annika anruft, kleinlaut um Verzeihung bittet und sie zurückzuholen versucht, bleibt allerdings sein Geheimnis. Und woher der so geschwind herbeigezauberte Posthaufen stammt, verrät uns RTL übrigens auch nicht!

    Nach nur einer Werbepause steht plötzlich eine neue Bewerberin auf seiner bäuerlichen Schwelle, nämlich die langmähnige blonde Sarah aus Schleswig-Holstein, die auf mich auch sofort einen sehr positiven Eindruck macht. Gute Wahl, Carsten, vermassle das Ding aber nicht noch einmal!!! Keine Angst, diesmal geht er professionell ran und zeigt dem Mädel gleich seine Sammlung mit Tierschau-Pokalen. Anschließend erfolgt die namentliche Vorstellung der schwarz-weiß gefleckten Stallbewohner. Die Kühe seien seine “Angestellten, Freunden und Familie zugleich”, gibt uns Carsten einen unerwünscht tiefen Einblick in sein Seelenleben. Leider kann er den romantischen Wunsch seiner möglichen Zukünftigen nicht erfüllen, mit dem Kuh-Rasierer einen Stern in die Seitenwand seines Lieblingsrinds zu fräsen, aber bis zum nächsten Treffen mit Sarah wolle er das üben, verspricht er.

    Die Story um den “feurigen” Holzbauern Maurizio aus Baden-Württemberg war insgesamt eher eine Lügennummer, wie man hinterher aus der Blödzeitung erfuhr: In Wirklichkeit war er nämlich gar kein Bauer mit eigenem Wald, sondern lediglich ein Forstarbeiter. Und sein Winzbauernhaus mit den offenbar von einem Farbenblinden ausgesuchten Tapeten gehörte auch gar nicht ihm, sondern war nur für die Sendung gecastet worden. Vermutlich spricht Maurizio normalerweise noch nicht mal mit italienischem Akzent, heißt eigentlich Erwin und kommt aus Wanne-Eickel… Aber in Inka Bauses heiler Fernsehwelt gibt es keine Lügen, die paar kleinen Schwindelgeschichten werden heute schnell umgedichtet. Demnach sind Maurizio (”In meine Leben hat sich gewaltig verändert”) und seine Claudia mittlerweile in ein größeres Haus (”unser Liebesnest”) mit angebautem Ziegenstall umgezogen. Das erscheint angesichts der eher barocken Ausmaße der rothaarigen Dame auch dringend angeraten… :-)

    Eine zweite Szene führt uns in die Küche des dauerkichernden Pärchens, wo der immer noch leicht diabolisch wirkende Maurizio gerade mit seinen Pizza-Fertigungstalenten angibt. Während er mit dem Teig jongliert, erklärt die Stimme aus dem Off, dass er sich so in das Herz (und den Magen) seiner Claudia gekocht habe. Dass die ein gutes Essen zu schätzen weiß, ist offensichtlich. Anschließend futtern die beiden vor der Kamera die frische Pizza, da haben sich die Drehbuchschreiber noch eine Überraschung von Maurizio für Claudia ausgedacht: Er hat im Schlafzimmer knallrote Bettwäsche aufgezogen, das ist es schon. Hmm, na und? Ist die neu gekauft oder frisch gewaschen oder was soll da die Überraschung sein? Verstehe einer die Fernsehfuzzis.

    Der “fröhliche” Claus Clausen ist mit 59 Jahren der älteste BsF-Kandidat und wohnt im ansonsten schönen Nordfriesland, wo man ganz offenbar eine Alternative für die lästige Differenzierung in Vor- und Nachnamen gefunden hat. Auch die von RTL im letzten Jahr kolportierte Homestory zu Großbauer Clausen war nicht ganz koscher, denn eigentlich ist er längst anderweitig lädiert liiert und hat an der Sendung nur aufgrund einer (wohl verlorenen) Wette teilgenommen. Ja, die Friesen sind schon ein komisches Volk. Das hat auch die von Clausen geschossene, etwas späte Braut Andrea nach einiger Zeit gemerkt. Zuvor durfte sie bei ihm allerdings ein paar Tage in der renovierungsreifen Abseite residieren, die Gästezimmer zu nennen er sich erdreistete.

    Bezeichnenderweise besucht das Fernsehen diesmal statt Claus Clausen lieber seine Andrea – und zwar nicht bei den Fischköppen, sondern in ihrer hessischen Heimat. Dort kommt heute eine Freundin zum Kaffee und mit der wird lt. Drehbuch der Fall Clausen nochmal aufgearbeitet. Ach, wie erstaunt sie doch gewesen sei, als sie aus der einschlägigen Presse von der Promiskuität des juvenilen Friesen erfuhr, vor Ort hätte nämlich “nichts drauf schließen lassen, dass da ständiger Verkehr von einer anderen Frau ist”. Oh, wieder so ein schöner Satz im korrekten Amtsdeutsch, das fand ich schon immer an Andrea so toll; vermutlich ist sie von Beruf Politesse.

    Kurze Wasserstandsmeldung aus der Pfalz: Eher gähnende Unterhaltung lieferten seinerzeit der “patente” (RTL-Slang für “dicke”) Markus und seine Münchener Tierpflegerin Yvonne. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an die Bilder, als die beiden auf zu klein wirkenden Pferden durch die Pfälzer Pampa ritten und hinterher beim Picknick beschlossen, sich etwas Zeit zum Nachdenken zu genehmigen. Die Bedenkzeit wurde mittlerweile auf unendlich ausgedehnt, denn leider ist aus den beiden nichts geworden, Yvonne ist und bleibt weg und man sieht Markus allein beim Holzhacken. Später resümiert er mit seiner ebenfalls pfundigen Mutti nochmal über den Ausflug in die Damenwelt und die beiden kommen zu der beruhigenden Erkenntnis, dass Yvonne eigentlich sowieso nicht richtig gepasst hätte. Markus will aber nicht aufgeben und plant für heute Abend noch den Besuch einer Tanzveranstaltung, “mal sehen, was sich so ergibt”.

    In puncto Action war beim romantischen Rheinhessen-Weinbauern Tobias und seiner Gespielin Kerstin ebenfalls nicht viel los, die drei Erotik-Punkte für die Brusthaarentfernung (bei ihm) sind inzwischen schon arg verblasst. Zwar gab es eine vom Fernsehen fast mitverfolgte gemeinsame Nacht, aber trotzdem ist aus den beiden kein richtiges Paar geworden. Vorbei der Enthusiasmus, Tobias ist (wieder) Single und wirkt darob leicht deprimiert, als der RTL-Landfunk ihn beim Gläserspülen in der Küche überrascht. Aber Partnervermittlerin Inka Bause versucht buchstäblich alles, um ihn dennoch glücklich zu machen. Heute Abend, zufällig gerade beim Besuch des Fernsehteams, kriegt er nämlich lieben Besuch aus der Pfalz: Es ist der ebenfalls sitzen gelassene Bauer Markus von der vorherigen Szene… Naja, warum auch nicht, wir sind schließlich ein aufgeklärtes Publikum und gehen mit der Zeit…

    Nein, Scherz, aber die beiden wollen heute Abend zusammen auf die Piste. Nach einem “strammen Max” zur Stärkung versuchen sie sich aufzubrezeln, was ich mir bei Markus mit seiner Ausmiste-Latzhose aber nur schwer vorstellen kann. Ihm selbst scheint es ähnlich zu gehen. Fieserweise spielt RTL dazu auch noch die “Dick und Doof”-Titelmelodie – ich spare mir mal den auf der Hand liegenden Witz. Später sieht man die beiden Herren in der Dorfdisko beim Aufreißen der Eingeborenen-Weibchen. Sie liegen beide mindestens 15 Jahre über dem Altersdurchschnitt der übrigen Gäste, stören sich daran aber kaum. Ist eh schon alles ziemlich peinlich, wie die beiden da mit z.T. runden Bäuchen in zu engen Hemden im Scheinwerferlicht und vor den Fernsehkameras am Thresen sitzen und auf lässig machen.

    Fehlt noch unser kleiner Unglückswurm Dieter aus dem Schwabenland. Er hatte sich beim Scheunenfest zu Beginn der Staffel mit albtraumwandlerischer Sicherheit die falschestmögliche Partnerin geangelt: Heike, die sich vor Kühen, Kuhmist, Melken, Milch, Bauern und Landwirtschaft im Allgemeinen ekelte. Mit Dieters Mutter geriet sie bei der Benutzung der bäuerlichen Küche dann auch noch akustisch eindrucksvoll aneinander und verließ kurz darauf den Hof. Angeblich wolle sie etwas in Mode machen, sagte Heike zum Abschied, der keinem schwer fiel. Heute bringt Inka als Postbotin neue Briefe von weiteren unerschrockenen Bewerberinnen, die sich angeblich bei RTL für Dieter gemeldet haben. Der ist etwas zurückhaltend, will natürlich – gerade vor der Kamera – nicht noch einmal enttäuscht werden. Ob’s was wird, wird heute nicht gesagt, vermutlich hat sich da aber noch nicht so schrecklich viel getan.

    So, das war nun erst mal das Neueste von unseren herzensbrechenden Landwirten. Vermutlich gibt es dann zur Hochzeit von Josef und Narumol eine Sondersendung direkt aus dem Malerischenchiemgau. Dann melde ich mich natürlich wieder, versprochen!

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