Hallo Leute,
bei Peter Zwegat geht es nun zum zweiten – und hoffentlich letzten – Mal nach Delmenhorst. Hier hatten wir in der Vorwoche drei bemerkenswerte Deppen (O-Ton Zwegat) kennen gelernt, die Anfang 2010 zusammen eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet und inzwischen restlos vermurkst haben. Die drei handeln dabei getreu dem Orwell’schen Motto aus dem Roman “1984″ Unwissenheit ist Stärke – und in diesem Sinne sind sie bärenstark!
Wer geglaubt hatte, was der RTL-Teaser am Ende der letzten Folge für diesmal suggerierte, nämlich dass die GbR-Menschen auch noch ihren Restbestand an gesundem Menschenverstand in die Erdumlaufbahn schießen und dabei spektakuläre Katastrophen produzieren, sieht sich getäuscht. Etwa so, wie sich Kinder ärgern, wenn die Feuerwehr einen schönen Brand zu früh löscht, so kann man Zwegat vorwerfen, uns diesmal etwas um den Spaß gebracht zu haben, denn er zieht sozusagen den Docht aus der ganzen Sache. Nichtsdestotrotz ist Manuel, Jessica und Stephan ein Platz im ewigen Olymp des Fremdschämens sicher, nämlich als wohl dümmste Klienten, die Peter Zwegat jemals zu betreuen hatte. Doch seht selbst…
Die letzte Folge endete mit den extrem ratlosen Gesichtern der drei GbR-Mitglieder, als nämlich Peter Zwegat ihnen ihre Einnahmen und Ausgaben vorrechnete und dabei zu dem überraschenden Ergebnis kam, dass scheinbar gut 1.200 Euro im Monat Überschuss gemacht werden. Das konnte nun beim besten Willen nicht angehen, denn die drei Ahnungslosen nagen ja sozusagen am Hungertuch. Ergo fehlten da noch Ausgabeposten oder die Einnahmen stimmten nicht oder was auch immer. Fazit: Keiner weiß was, niemand hat den Überblick, es herrscht Chaos. Und über allem hörte man das fassungslose Schnauben von Peter Zwegat, der sich maßlos darüber ärgerte, wie achtlos diese Nichtsnutze mit seiner kostbaren Lebenszeit umgingen.
Die heutige Folge beginnt unmittelbar danach, wir bleiben an Zwegats liebstem Folterinstrument, der Flipchart. Der Meister hat nämlich DOCH schon einen ersten Eindruck von den Schulden der Bande! Superprofessionell und gnadenlos raffiniert wie er ist, hat er einfach die ihm hingeworfenen Rechnungen und Mahnungen addiert. Das ist ein Trick, den man erst nach einem ordentlichen BWL-Studium und 20 Jahren Berufserfahrung beherrscht, so etwas kann man von unseren drei Baumschulabsolventen natürlich nicht erwarten.
Okay, Ladies first, fangen wir an bei Jessica. Sie schätzt ihre privaten Außenstände auf 5.000 bis 6.000 Euro. Zwegat überrascht sie, wenn auch unangenehm, mit 12.000 Euro. Ungläubiger, nervöser Blickwechsel mit ihrem Freund und Lebenspartner Manuel. Ha, das ist noch nicht alles, einen hat Zwegat noch im Ärmel: Dazu kommen noch 5.400 Euro Schulden der GbR. Macht also zusammen 17.400 Euro. Allein auf die Deutsche Telekom entfallen davon 6.350 Euro, wie man so etwas hinkriegt, ist mir echt schleierhaft, telefoniert die denn den ganzen Tag oder surft etwa im Internet?
Nun ist die Reihe an Manuel, der rein äußerlich auf mich immer einen etwas zermatschten Eindruck macht, so als würde er gelegentlich mal gegen eine Wand laufen. Der 28jährige Chefmanager des Delmenhorster Weltkonzerns ist durch Jessicas großzügige Schuldenvermehrung mutig geworden und legt sich in seinem Fall auf 50.000 Euro Miese fest. Wie immer fehlt ihm auch hier der Durchblick! Und genau wie bei seiner Freundin, schießt der Posten “Deutsche Telekom” den Vogel ab: Hier hat “Manu” noch einen offenen Deckel von 26.800 Euro, verteilt auf 19 verschiedene Aktenzeichen!!! Er verdreht die Augen nach hinten und begegnet dem respektvollen Blicke seiner Freundin. Alle Achtung, noch etwas mehr und René Obermann bringt ihm persönlich die goldene Rechnung vorbei. Die 19 Aktenzeichen deuten, vorsichtig ausgedrückt, darauf hin, dass hier nicht alles ohne Beschiss gelaufen ist – und so etwas kann Peter Zwegat, der ohne Honorar und nur für Luft und Liebe arbeitet, nun gar nicht leiden. Gnadenlos addiert er weiter und kommt inklusive der GbR-Schulden auf einen Gesamtbetrag von 85.200 Euro bei 105 Gläubigern mit zusammen 151 Forderungen. Und dabei fehlt noch der unsortierte Zettelkasten, den Zwegat sich in der letzten Folge zu bearbeiten geweigert hatte.
Weil Manuel noch nicht schluchzend am Boden kauert, tritt der humorige Berliner noch einmal nach: “Von ordnungsgemäßer Buchführung kann bei Ihnen keine Rede sein, die Buchhaltung sieht aus wie neulich Ihr Badezimmer.” Und wie das aussah, werden wir Außenstehenden bestimmt nicht so schnell vergessen, man denke nur an die Badewanne, in der sich ein Berg mit Schmutzwäsche halb bis zur Decke stapelte. Man roch den Siff fast aus dem Fernseher. Aber nein, der Chef weint immer noch nicht, nächster Versuch von Zwegat: “Was mir auch Bauchschmerzen macht, sind die vielen Bestellungen, bei denen man vielleicht einen Betrug konstruieren könnte.” Manu bleibt teilnahmslos: “Dann geh’ch’n’ Knast.” Im nächsten Moment überlegt er laut, den Betrag durch die Gewinne der GbR abzuzahlen. “Das ist nicht ihr Ernst, wie wollen sie denn 80.000 abzahlen?”, fährt ihm der Schuldnerberater brüsk über den Mund. Hinterher verklickert Zwegat das für uns Zuschauer noch einmal mit einer plastischen Analogie: “Herr B. verkennt die Situation, der Kahn der GbR ist nicht nur leck, der ist schon gesunken! So viel Geld lässt sich nicht einfach abarbeiten, ich bin schon froh, wenn ich hier eine saubere Insolvenz hinkriege.” (Über Stephans Schulden wird übrigens gar nicht gesprochen!)
Ein paar Tage später, das Fernsehteam ist rein zufällig gerade am Drehen, bekommt die GbR Post: Ein großer Kunde hat einen fetten Auftrag in Aussicht gestellt. Es geht um eine Schwimmbadreinigung größeren Ausmaßes mit einer fünfstelligen Umsatzerwartung, aber Chefstratege Manuel muss das erst mal in Ruhe durchkalkulieren (“da sitze ich die nächsten zwei Tage rund um die Uhr dran”). Offensichtlich hat er Zwegat nicht richtig zugehört und glaubt noch immer, er könne “mit Bordmitteln” die drohende Pleite aufhalten. Abgesehen davon läuft mir ein Schauer den Rücken herunter, wenn ich mir vorstelle, dass so ein Reinigungsauftrag ausgerechnet von diesen drei Experten übernommen werden soll, die in ihrer Wohnung die Geschichte der Hygiene mal eben glatt um 200 Jahre zurückgeworfen haben und bei denen es vermutlich mehr Ungeziefer gibt, als in der RTL-Dschungelshow.
Der schnell fortschreitende Realitätsverlust ist dann wohl auch Ursache der nächsten Szene: Manuel fühlt sich durch die drohende Insolvenz beflügelt, den lang gehegten Traum von einem Haus im Grünen in die Realität umzusetzen. Schon bisher wohnten Manuel und Jessica – und eine Straße weiter auch Stephan – nur in Delmenhorst, das hier etwas wirkt, wie der Planet Tatooine in der Star Wars Saga: “Wenn die Galaxis ein großes, leuchtendes Zentrum hat, dann ist dies die Welt, die am weitesten davon entfernt ist.” Jetzt aber wollen die drei Hartz-IV-Empfänger zusammen ein viel zu großes, etwa 20 Kilometer entfernt völlig einsam im Wald liegendes Häuschen mieten, weiß der Teufel, warum und mit welchem Geld. Der sprachlich etwas verunglückte Kommentar von Manuel, dem Gehirn der Truppe, sagt eigentlich alles: “Wenn wir die Firma weitermachen können, haben wir hier viel mehr Platz und wenn nicht, haben wir hier viel mehr Freizeitaktivitäten”. Vor allem viel mehr Platz zum Vollmüllen, würde ich mal sagen…
Wenn es um das Kassieren von Sozialhilfe geht, ist Manuel doch überraschend gut informiert. Er geht zur Delmenhorster ARGE und bittet um einen Zuschuss für den Umzug in das Hexenhaus im Wald. Den kriegt er auch tatsächlich, was mich zunächst erstaunt. Hinterher allerdings nicht mehr, denn im weiteren Verlauf der Sendung wird klar, dass die drei Sozialhilfeempfänger damit aus der kreisfreien Stadt Delmenhorst nach Ganderkesee im Landkreis Oldenburg übersiedeln, zukünftig also einer anderen Kommune auf der Tasche liegen. Wäre ich für die Finanzen von Delmenhorst zuständig, würde ich Leuten wie Manu, Jessi und Stephan auch dafür Geld geben, dass sie aus meiner Stadt verschwinden.
Mit knapp 100.000 Euro Pleite zu gehen, reicht Manuel offenbar noch nicht, jetzt fährt er größere Geschütze auf: Er hat aus einer dubiosen Quelle ein Kreditangebot über 250.000 Euro erhalten. Das müsste allerdings, so die kleine Nebenbedingung, über Stephan laufen, denn dem droht ja bekanntlich als einzigem GbR-Mitglied noch keine Kontenpfändung. Großkotzig wedelt Manuel mit dem Schreiben und gibt Stephan bis morgen Früh Zeit, darüber nachzudenken. Netter Typ, will mal eben seine fetten Schulden auf den unbedarften Freund abwälzen. Dem schwant irgendwie nichts Gutes; er ruft bei Peter Zwegat in Berlin an und erzählt ihm von den aktuellen Entwicklungen. Dessen Freude hält sich in allerengsten Grenzen, er empfiehlt Stephan, jetzt Tabula rasa zu machen, keinesfalls den Kreditantrag zu unterschreiben und auch den Kiosk zu schließen. Dann macht sich der Schuldnerberater sofort ein weiteres Mal auf den Weg nach Delmenhorst.
Tatsächlich hat Stephan einen lichten Moment, hört auf den erfahrenen Berliner und macht seinen Kiosk dicht. Die dortigen Vorräte will er nach und nach selbst verbrauchen – viel Spaß mit den vielen Lollis und Bonbons. Dem angereisten Peter Zwegat berichtet er von den neuesten Entwicklungen und dass er von Manuel immer nur als Laufbursche und Fußabtreter behandelt würde. Als er von den Umzugsplänen, dem Kreditangebot und dem neuen Großauftrag erfährt, platzt dem Schuldnerberater endlich mal wieder so richtig schön der Kragen. Jetzt wird es persönlich, er oder Manuel, einer muss dran glauben, diese Sendung ist zu klein für sie beide!
Peter Zwegat läuft zur Hochform auf und plant nun die völlige Vernichtung der Lebensform GbR. Geschickt setzt er zunächst den Hebel von der Seite an, nämlich bei Jessica. Er spricht mit ihr allein und überzeugt sie, dass ohne Hilfe von Außen ihre Kinder vor die Hunde gehen würden. Die hat das wohl schon irgendwie selbst gemerkt und ist auch ganz geknickt. Danach rennt Zwegat zum Jugendamt und arrangiert den kurzfristigen Besuch eines Sozialarbeiters. Damit ist ein erster Keil zwischen Manuel und Jessica getrieben.
Nun geht es weiter bei Stephan. Zwegat holt dessen Mama aus Hannover und fädelt ein, dass sie ihrem Sohn die Rückkehr in die mütterliche Wohnung anbietet, sein Zimmer stünde dort noch zur Verfügung. Stephan stimmt irgendwie erleichtert zu. Und Zwegat erreicht auch, dass der 22jährige erklärt, aus der GbR austreten zu wollen. Dazu treffen sich die drei Hanseln und der Schuldnerberater ein letztes Mal gemeinsam. Der Showdown findet im Hexenhaus im Wald statt, denn inzwischen sind Manuel und Jessica tatsächlich umgezogen. Und schon sind die ersten Ecken im Haus verschlampt, man hält es nicht für möglich! Manuel eröffnet das Gespräch mit der Information, er selbst habe sich bei der GbR “abgemeldet”, die ARGE hätte ihm zu diesem Schritt geraten. Parallel dazu überlege er aber auch gerade, einen Wirtschaftsförderungskredit bei der Stadt zu beantragen, dazu fehle ihm aber noch der Businessplan. Zwegat ist perplex über soviel Doofheit, wittert gar Betrug, Wirtschaftsförderung zu beantragen, dann aber für die Schulden nicht mehr gerade stehen zu wollen, das rieche nach Beschiss.
Die GbR ist aber im nächsten Moment sowieso mausetot, als Stephan seinen Austritt erklärt. Manuel motzt laut herum, er habe sich den Arsch aufgerissen für Stephan und nun haue der einfach in den Sack. Was er denn mit “Arsch aufreißen” genau meine, fragt Zwegat spitz. Nun, sagt der ehemalige Firmenchef, er habe zum Beispiel “den Steuerberater gemacht” und “die Papiere” (gemeint ist wohl Buchhaltung, der Steuerberater ist ganz jemand anderes, aber davon hat Chefexperte Manuel natürlich keine Ahnung). Zwegat wirft kurz ein, zu beiden Dingen sei er, Manuel, ja ganz offenbar nicht fähig gewesen, habe nur “Scheiße gemacht”. Danach gibt es noch ein heftig eskalierendes persönliches Geplänkel direkt zwischen Manuel und Stephan darüber, wer wann wem warum welchen Gefallen getan und sich für den anderen soundso doll “den Arsch aufgerissen” habe, aber unterm Strich ist der Drops gelutscht, das Ende der GbR ist beschlossene Sache, Terminator Zwegat hat sich durchgesetzt.
Die Doppelfolge geht zu Ende. Zwegat gibt das Mandat zunächst auf, stellt den Protagonisten aber anheim, ihn wieder zu rufen, wenn die Papiere klar sind und die jeweilige Privatinsolvenz eingeleitet werden soll. Im Stillen weiß der Berliner natürlich, dass die drei Chaoten ihre Unterlagen niemals zusammen kriegen werden und er sich deshalb in diesem Leben nicht noch einmal mit diesem garstigen Fall beschäftigen muss. Fast schon mit dem Abspann wird berichtet, dass Stephan jetzt bei seiner Mutter in Hannover lebt und nach Arbeit sucht. Jessica hat sich inzwischen von Manuel getrennt und wohnt nun mit ihren drei Kindern allein in dem langsam verwahrlosenden Hexenhäuschen. Alle drei GbR-Mitglieder haben keinen Kontakt mehr zueinander.
So, das war nun also mal eine Peter-Zwegat-Doppelfolge mit furiosem Anfang und etwas lahmendem zweiten Teil. Mit etwas gutem Willen hätte RTL die Geschichte auch in das übliche Stundenformat quetschen können, aber die Protagonisten waren wohl so verführerisch bunt, dass man sie lieber über zwei Wochen auslutschen wollte. Eine richtige Schuldnerberatung war das ganze auch nicht, dazu fehlte es an allem. Und vermutlich war das ursprünglich auch gar nicht die Absicht der drei Delmenhorster Schlauköpfe, die wollten bestimmt nur jemanden, der ihnen nebenbei mal die Schulden aufaddiert, weil sie selbst dazu nicht fähig waren. Und wenn sie bei dieser Gelegenheit auch noch ihre Rübe in die Kamera halten und dabei kostenlos Werbung für ihr in allen Branchen umtriebiges Unternehmen machen könnten, umso besser. Diese Idee ging aber Dank Peter Zwegat gründlich nach hinten los, wie eigentlich so ziemlich alles, was Manuel, Jessica und Stephan angefasst haben.
Bis zur nächsten Woche auf diesem Kanal!
Nachtrag (15.12.2010): Hat sich was mit “nächste Woche”, lt. der Fernsehzeitung meines Vertrauens macht Peter Zwegat nun erst mal eine Winterpause. Die hat er sich nach dem letzten Fall aber auch verdient…





