• Hallo Leute,

    bei Peter Zwegat geht es nun zum zweiten – und hoffentlich letzten – Mal nach Delmenhorst. Hier hatten wir in der Vorwoche drei bemerkenswerte Deppen (O-Ton Zwegat) kennen gelernt, die Anfang 2010 zusammen eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet und inzwischen restlos vermurkst haben. Die drei handeln dabei getreu dem Orwell’schen Motto aus dem Roman “1984″ Unwissenheit ist Stärke – und in diesem Sinne sind sie bärenstark!

    Wer geglaubt hatte, was der RTL-Teaser am Ende der letzten Folge für diesmal suggerierte, nämlich dass die GbR-Menschen auch noch ihren Restbestand an gesundem Menschenverstand in die Erdumlaufbahn schießen und dabei spektakuläre Katastrophen produzieren, sieht sich getäuscht. Etwa so, wie sich Kinder ärgern, wenn die Feuerwehr einen schönen Brand zu früh löscht, so kann man Zwegat vorwerfen, uns diesmal etwas um den Spaß gebracht zu haben, denn er zieht sozusagen den Docht aus der ganzen Sache. Nichtsdestotrotz ist Manuel, Jessica und Stephan ein Platz im ewigen Olymp des Fremdschämens sicher, nämlich als wohl dümmste Klienten, die Peter Zwegat jemals zu betreuen hatte. Doch seht selbst…

    Die letzte Folge endete mit den extrem ratlosen Gesichtern der drei GbR-Mitglieder, als nämlich Peter Zwegat ihnen ihre Einnahmen und Ausgaben vorrechnete und dabei zu dem überraschenden Ergebnis kam, dass scheinbar gut 1.200 Euro im Monat Überschuss gemacht werden. Das konnte nun beim besten Willen nicht angehen, denn die drei Ahnungslosen nagen ja sozusagen am Hungertuch. Ergo fehlten da noch Ausgabeposten oder die Einnahmen stimmten nicht oder was auch immer. Fazit: Keiner weiß was, niemand hat den Überblick, es herrscht Chaos. Und über allem hörte man das fassungslose Schnauben von Peter Zwegat, der sich maßlos darüber ärgerte, wie achtlos diese Nichtsnutze mit seiner kostbaren Lebenszeit umgingen.

    Die heutige Folge beginnt unmittelbar danach, wir bleiben an Zwegats liebstem Folterinstrument, der Flipchart. Der Meister hat nämlich DOCH schon einen ersten Eindruck von den Schulden der Bande! Superprofessionell und gnadenlos raffiniert wie er ist, hat er einfach die ihm hingeworfenen Rechnungen und Mahnungen addiert. Das ist ein Trick, den man erst nach einem ordentlichen BWL-Studium und 20 Jahren Berufserfahrung beherrscht, so etwas kann man von unseren drei Baumschulabsolventen natürlich nicht erwarten.

    Okay, Ladies first, fangen wir an bei Jessica. Sie schätzt ihre privaten Außenstände auf 5.000 bis 6.000 Euro. Zwegat überrascht sie, wenn auch unangenehm, mit 12.000 Euro. Ungläubiger, nervöser Blickwechsel mit ihrem Freund und Lebenspartner Manuel. Ha, das ist noch nicht alles, einen hat Zwegat noch im Ärmel: Dazu kommen noch 5.400 Euro Schulden der GbR. Macht also zusammen 17.400 Euro. Allein auf die Deutsche Telekom entfallen davon 6.350 Euro, wie man so etwas hinkriegt, ist mir echt schleierhaft, telefoniert die denn den ganzen Tag oder surft etwa im Internet?

    Nun ist die Reihe an Manuel, der rein äußerlich auf mich immer einen etwas zermatschten Eindruck macht, so als würde er gelegentlich mal gegen eine Wand laufen. Der 28jährige Chefmanager des Delmenhorster Weltkonzerns ist durch Jessicas großzügige Schuldenvermehrung mutig geworden und legt sich in seinem Fall auf 50.000 Euro Miese fest. Wie immer fehlt ihm auch hier der Durchblick! Und genau wie bei seiner Freundin, schießt der Posten “Deutsche Telekom” den Vogel ab: Hier hat “Manu” noch einen offenen Deckel von 26.800 Euro, verteilt auf 19 verschiedene Aktenzeichen!!! Er verdreht die Augen nach hinten und begegnet dem respektvollen Blicke seiner Freundin. Alle Achtung, noch etwas mehr und René Obermann bringt ihm persönlich die goldene Rechnung vorbei. Die 19 Aktenzeichen deuten, vorsichtig ausgedrückt, darauf hin, dass hier nicht alles ohne Beschiss gelaufen ist – und so etwas kann Peter Zwegat, der ohne Honorar und nur für Luft und Liebe arbeitet, nun gar nicht leiden. Gnadenlos addiert er weiter und kommt inklusive der GbR-Schulden auf einen Gesamtbetrag von 85.200 Euro bei 105 Gläubigern mit zusammen 151 Forderungen. Und dabei fehlt noch der unsortierte Zettelkasten, den Zwegat sich in der letzten Folge zu bearbeiten geweigert hatte.

    Weil Manuel noch nicht schluchzend am Boden kauert, tritt der humorige Berliner noch einmal nach: “Von ordnungsgemäßer Buchführung kann bei Ihnen keine Rede sein, die Buchhaltung sieht aus wie neulich Ihr Badezimmer.” Und wie das aussah, werden wir Außenstehenden bestimmt nicht so schnell vergessen, man denke nur an die Badewanne, in der sich ein Berg mit Schmutzwäsche halb bis zur Decke stapelte. Man roch den Siff fast aus dem Fernseher. Aber nein, der Chef weint immer noch nicht, nächster Versuch von Zwegat: “Was mir auch Bauchschmerzen macht, sind die vielen Bestellungen, bei denen man vielleicht einen Betrug konstruieren könnte.” Manu bleibt teilnahmslos: “Dann geh’ch’n’ Knast.” Im nächsten Moment überlegt er laut, den Betrag durch die Gewinne der GbR abzuzahlen. “Das ist nicht ihr Ernst, wie wollen sie denn 80.000 abzahlen?”, fährt ihm der Schuldnerberater brüsk über den Mund. Hinterher verklickert Zwegat das für uns Zuschauer noch einmal mit einer plastischen Analogie: “Herr B. verkennt die Situation, der Kahn der GbR ist nicht nur leck, der ist schon gesunken! So viel Geld lässt sich nicht einfach abarbeiten, ich bin schon froh, wenn ich hier eine saubere Insolvenz hinkriege.” (Über Stephans Schulden wird übrigens gar nicht gesprochen!)

    Ein paar Tage später, das Fernsehteam ist rein zufällig gerade am Drehen, bekommt die GbR Post: Ein großer Kunde hat einen fetten Auftrag in Aussicht gestellt. Es geht um eine Schwimmbadreinigung größeren Ausmaßes mit einer fünfstelligen Umsatzerwartung, aber Chefstratege Manuel muss das erst mal in Ruhe durchkalkulieren (“da sitze ich die nächsten zwei Tage rund um die Uhr dran”). Offensichtlich hat er Zwegat nicht richtig zugehört und glaubt noch immer, er könne “mit Bordmitteln” die drohende Pleite aufhalten. Abgesehen davon läuft mir ein Schauer den Rücken herunter, wenn ich mir vorstelle, dass so ein Reinigungsauftrag ausgerechnet von diesen drei Experten übernommen werden soll, die in ihrer Wohnung die Geschichte der Hygiene mal eben glatt um 200 Jahre zurückgeworfen haben und bei denen es vermutlich mehr Ungeziefer gibt, als in der RTL-Dschungelshow.

    Der schnell fortschreitende Realitätsverlust ist dann wohl auch Ursache der nächsten Szene: Manuel fühlt sich durch die drohende Insolvenz beflügelt, den lang gehegten Traum von einem Haus im Grünen in die Realität umzusetzen. Schon bisher wohnten Manuel und Jessica – und eine Straße weiter auch Stephan – nur in Delmenhorst, das hier etwas wirkt, wie der Planet Tatooine in der Star Wars Saga: “Wenn die Galaxis ein großes, leuchtendes Zentrum hat, dann ist dies die Welt, die am weitesten davon entfernt ist.” Jetzt aber wollen die drei Hartz-IV-Empfänger zusammen ein viel zu großes, etwa 20 Kilometer entfernt völlig einsam im Wald liegendes Häuschen mieten, weiß der Teufel, warum und mit welchem Geld. Der sprachlich etwas verunglückte Kommentar von Manuel, dem Gehirn der Truppe, sagt eigentlich alles:  “Wenn wir die Firma weitermachen können, haben wir hier viel mehr Platz und wenn nicht, haben wir hier viel mehr Freizeitaktivitäten”. Vor allem viel mehr Platz zum Vollmüllen, würde ich mal sagen… :-)

    Wenn es um das Kassieren von Sozialhilfe geht, ist Manuel doch überraschend gut informiert. Er geht zur Delmenhorster ARGE und bittet um einen Zuschuss für den Umzug in das Hexenhaus im Wald. Den kriegt er auch tatsächlich, was mich zunächst erstaunt. Hinterher allerdings nicht mehr, denn im weiteren Verlauf der Sendung wird klar, dass die drei Sozialhilfeempfänger damit aus der kreisfreien Stadt Delmenhorst nach Ganderkesee im Landkreis Oldenburg übersiedeln, zukünftig also einer anderen Kommune auf der Tasche liegen. Wäre ich für die Finanzen von Delmenhorst zuständig, würde ich Leuten wie Manu, Jessi und Stephan auch dafür Geld geben, dass sie aus meiner Stadt verschwinden.

    Mit knapp 100.000 Euro Pleite zu gehen, reicht Manuel offenbar noch nicht, jetzt fährt er größere Geschütze auf: Er hat aus einer dubiosen Quelle ein Kreditangebot über 250.000 Euro erhalten. Das müsste allerdings, so die kleine Nebenbedingung, über Stephan laufen, denn dem droht ja bekanntlich als einzigem GbR-Mitglied noch keine Kontenpfändung. Großkotzig wedelt Manuel mit dem Schreiben und gibt Stephan bis morgen Früh Zeit, darüber nachzudenken. Netter Typ, will mal eben seine fetten Schulden auf den unbedarften Freund abwälzen. Dem schwant irgendwie nichts Gutes; er ruft bei Peter Zwegat in Berlin an und erzählt ihm von den aktuellen Entwicklungen. Dessen Freude hält sich in allerengsten Grenzen, er empfiehlt Stephan, jetzt Tabula rasa zu machen, keinesfalls den Kreditantrag zu unterschreiben und auch den Kiosk zu schließen. Dann macht sich der Schuldnerberater sofort ein weiteres Mal auf den Weg nach Delmenhorst.

    Tatsächlich hat Stephan einen lichten Moment, hört auf den erfahrenen Berliner und macht seinen Kiosk dicht. Die dortigen Vorräte will er nach und nach selbst verbrauchen – viel Spaß mit den vielen Lollis und Bonbons. Dem angereisten Peter Zwegat berichtet er von den neuesten Entwicklungen und dass er von Manuel immer nur als Laufbursche und Fußabtreter behandelt würde. Als er von den Umzugsplänen, dem Kreditangebot und dem neuen Großauftrag erfährt, platzt dem Schuldnerberater endlich mal wieder so richtig schön der Kragen. Jetzt wird es persönlich, er oder Manuel, einer muss dran glauben, diese Sendung ist zu klein für sie beide!

    Peter Zwegat läuft zur Hochform auf und plant nun die völlige Vernichtung der Lebensform GbR. Geschickt setzt er zunächst den Hebel von der Seite an, nämlich bei Jessica. Er spricht mit ihr allein und überzeugt sie, dass ohne Hilfe von Außen ihre Kinder vor die Hunde gehen würden. Die hat das wohl schon irgendwie selbst gemerkt und ist auch ganz geknickt. Danach rennt Zwegat  zum Jugendamt und arrangiert den kurzfristigen Besuch eines Sozialarbeiters. Damit ist ein erster Keil zwischen Manuel und Jessica getrieben.

    Nun geht es weiter bei Stephan. Zwegat holt dessen Mama aus Hannover und fädelt ein, dass sie ihrem Sohn die Rückkehr in die mütterliche Wohnung anbietet, sein Zimmer stünde dort noch zur Verfügung. Stephan stimmt irgendwie erleichtert zu. Und Zwegat erreicht auch, dass der 22jährige erklärt, aus der GbR austreten zu wollen. Dazu treffen sich die drei Hanseln und der Schuldnerberater ein letztes Mal gemeinsam. Der Showdown findet im Hexenhaus im Wald statt, denn inzwischen sind Manuel und Jessica tatsächlich umgezogen. Und schon sind die ersten Ecken im Haus verschlampt, man hält es nicht für möglich! Manuel eröffnet das Gespräch mit der Information, er selbst habe sich bei der GbR “abgemeldet”, die ARGE hätte ihm zu diesem Schritt geraten. Parallel dazu überlege er aber auch gerade, einen Wirtschaftsförderungskredit bei der Stadt zu beantragen, dazu fehle ihm aber noch der Businessplan. Zwegat ist perplex über soviel Doofheit, wittert gar Betrug, Wirtschaftsförderung zu beantragen, dann aber für die Schulden nicht mehr gerade stehen zu wollen, das rieche nach Beschiss.

    Die GbR ist aber im nächsten Moment sowieso mausetot, als Stephan seinen Austritt erklärt. Manuel motzt laut herum, er habe sich den Arsch aufgerissen für Stephan und nun haue der einfach in den Sack. Was er denn mit “Arsch aufreißen” genau meine, fragt Zwegat spitz. Nun, sagt der ehemalige Firmenchef, er habe zum Beispiel “den Steuerberater gemacht” und “die Papiere” (gemeint ist wohl Buchhaltung, der Steuerberater ist ganz jemand anderes, aber davon hat Chefexperte Manuel natürlich keine Ahnung). Zwegat wirft kurz ein, zu beiden Dingen sei er, Manuel, ja ganz offenbar nicht fähig gewesen, habe nur “Scheiße gemacht”. Danach gibt es noch ein heftig eskalierendes persönliches Geplänkel direkt zwischen Manuel und Stephan darüber, wer wann wem warum welchen Gefallen getan und sich für den anderen soundso doll “den Arsch aufgerissen” habe, aber unterm Strich ist der Drops gelutscht, das Ende der GbR ist beschlossene Sache, Terminator Zwegat hat sich durchgesetzt.

    Die Doppelfolge geht zu Ende. Zwegat gibt das Mandat zunächst auf, stellt den Protagonisten aber anheim, ihn wieder zu rufen, wenn die Papiere klar sind und die jeweilige Privatinsolvenz eingeleitet werden soll. Im Stillen weiß der Berliner natürlich, dass die drei Chaoten ihre Unterlagen niemals zusammen kriegen werden und er sich deshalb in diesem Leben nicht noch einmal mit diesem garstigen Fall beschäftigen muss. Fast schon mit dem Abspann wird berichtet, dass Stephan jetzt bei seiner Mutter in Hannover lebt und nach Arbeit sucht. Jessica hat sich inzwischen von Manuel getrennt und wohnt nun mit ihren drei Kindern allein in dem langsam verwahrlosenden Hexenhäuschen. Alle drei GbR-Mitglieder haben keinen Kontakt mehr zueinander.

    So, das war nun also mal eine Peter-Zwegat-Doppelfolge mit furiosem Anfang und etwas lahmendem zweiten Teil. Mit etwas gutem Willen hätte RTL die Geschichte auch in das übliche Stundenformat quetschen können, aber die Protagonisten waren wohl so verführerisch bunt, dass man sie lieber über zwei Wochen auslutschen wollte. Eine richtige Schuldnerberatung war das ganze auch nicht, dazu fehlte es an allem. Und vermutlich war das ursprünglich auch gar nicht die Absicht der drei Delmenhorster Schlauköpfe, die wollten bestimmt nur jemanden, der ihnen nebenbei mal die Schulden aufaddiert, weil sie selbst dazu nicht fähig waren. Und wenn sie bei dieser Gelegenheit auch noch ihre Rübe in die Kamera halten und dabei kostenlos Werbung für ihr in allen Branchen umtriebiges Unternehmen machen könnten, umso besser. Diese Idee ging aber Dank Peter Zwegat gründlich nach hinten los, wie eigentlich so ziemlich alles, was Manuel, Jessica und Stephan angefasst haben.

    Bis zur nächsten Woche auf diesem Kanal!

    Nachtrag (15.12.2010): Hat sich was mit “nächste Woche”, lt. der Fernsehzeitung meines Vertrauens macht Peter Zwegat nun erst mal eine Winterpause. Die hat er sich nach dem letzten Fall aber auch verdient…

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  • Liebe Leute,

    ja ist denn heute schon Weihnachten?!? Bei Peter Zwegat ist nämlich jetzt schon Bescherung, er präsentiert den wohl bloggenswertesten Fall aller Zeiten, nie war Lästern leichter als diesmal! Und weil dieses Bacchanal des Fremschämens so üppig ausfällt, hat RTL den neuesten Fall des Schuldnerberaters in zwei Hälften geteilt, Teil 1 sehen wir heute, Teil 2 in der nächsten Woche. Apropos “Hälften”, bitte diesen Begriff schon mal im Sinn behalten, da kommt noch was…

    Und schon geht’s los: Wir wagen uns heute in die norddeutsche Tiefebene in die Nähe von Bremen, nämlich nach Delmenhorst, das bei Eingeweihten auch als Krasnosibirsk des Nordwestens bekannt ist. Hier treffen wir auf drei Prachtexemplare der Gattung Homo Sapiens, Manuel B. (28), Jessica H. (34.) und Stephan R. (22). Sie alle waren Hartz-IV-Empfänger und gründeten Anfang 2010 gemeinsam eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) mit dem Ziel, ihre jeweiligen Schulden aus früheren Zeiten abzuzahlen. Manuel und Jessica sind liiert, wobei Letztere drei Kinder aus ihrer vermurksten Ehe mit in die aktuelle Beziehung gebracht hat. Das Geschäftsfeld der Firma ist schwer zu beschreiben, man macht etwas in Gebäudereinigung, Garten- und Landschaftsbau, Einzelhandel für Möbel (?), Observation (???), trägt Zeitungen aus und schiebt Mülltonnen hin und her. Außerdem betreiben die drei einen Lebensmittelkiosk in Delmenhorst und im Internet eine Erotikseite, die aber im Laufe der heutigen Folge schon wieder aufgegeben wird.

    Manuel wirkt zwar insgesamt etwas langsam, spielt aber trotzdem den Chef der Gruppe: “Ich wollte ganz gern immer ‘ne leitende Position irgendwo haben, ich wusste aber, dass das mit meinem Hauptschulabschluss nicht so hinhauen wird.” Stephan ist der “Computerfachmann” der Gruppe und weist offenbar einige branchenübliche Defizite auf, z.B. eine ausgeprägte Rechtschreibschwäche, einen etwas nach hinten verschobenen Biorhythmus und leicht autistische Umgangsformen. Andererseits ist Stephan aber für die GbR unentbehrlich, denn das Geschäftskonto läuft auf seinem Namen; Manuel und Jessica möchten ihre Konten wegen bestehender Kontenpfändungen lieber nicht benutzen, weil jeder hier vorbeikommende Euro vom Amtsgericht gnadenlos eingezogen wird.

    So ganz klar wird eigentlich nicht, warum die drei von der GbR überhaupt bei Peter Zwegat um Hilfe gerufen haben, vielleicht wollen sie einfach nur mal ins Fernsehen, genau wie er. Wie auch immer, jedenfalls stapft der Berliner in der nächsten Szene durch eine öde Betonlandschaft in Delmenhorst, das seinem Ruf als hässliche Stadt damit voll gerecht wird. Dieser Eindruck setzt sich auch in der Wohnung von Manuel und Jessica fort. Obwohl das Fernsehen heute nicht gerade unangemeldet erscheint, macht die Bude den Eindruck, seit Ostern vor drei Jahren nicht mehr aufgeräumt worden zu sein. Auf dem Balkon steht die Waschmaschine, drumherum liegen einzelne Wäschestücke chaotisch auf dem Fußboden. Die Küche ist mit dem unabgewaschenem Geschirr der letzten Wochen vollgemüllt, mir ein Rätsel, dass man da überhaupt die Kamera reinlässt. Vielleicht sollte die Familie mal komplett auf Pappteller und Plastikbesteck umstellen und statt abzuwaschen nach dem Essen einfach alles wegwerfen. Zwegat ekelt sich fürchterlich, als er mit seinen schwarzen Schuhen am Küchenfußboden festklebt. “Haben Sie nicht gesagt, Sie machen Gebäudereinigung?”, herrscht er den schulterzuckenden Manuel an.

    Aber das ist noch nicht der hygienische Tiefpunkt, der folgt nämlich erst jetzt im Badezimmer. Hier ist die gesamte Badewanne weit über den Rand vollgestopft mit Dreckwäsche. Zwegat erkundigt sich einigermaßen fassungslos, ob man denn überhaupt noch etwas Sauberes zum Anziehen habe – man habe, versichert Manuel, es seien noch drei Schränke voll. Zuletzt kommt das sogenannte Büro, das aussieht, als habe dort nach einem Bombeneinschlag jahrelang eine Pavianherde gehaust. Auf die Frage, wie lange die Papiere denn schon so ungeordnet herumlägen, erhält Zwegat von Manuel die wenig glaubwürdige Antwort, das habe seine Freundin am letzten Wochenende “durcheinandergemacht”. Anerkennend betrachtet der Berliner stumm eine prallvolle Kiste mit ungeöffneten Briefen, nimmt ein paar Umschläge heraus, guckt kurz hinein und legt sie dann sichtlich betäubt zurück. So viele Rechnungen und Mahnungen muss man erst mal zusammenkriegen, das schafft nicht jeder. So langsam dämmert ihm wohl die Ungeheuerlichkeit seiner heutigen Mission.

    Das Wort “Schweinestall” trifft es bei weitem noch nicht und wäre eine Beleidigung für jedes Borstenviech. Manuel und Jessicas lassen in puncto Chaos mühelos alle Messies links liegen. Ihre Wohnung sieht aus, als hätten die beiden von RTL eine Prämie dafür gekriegt, ihren gesamten Hausstand und noch einige Extrafuhren Sperrmüll gleichmäßig in ihren vier Wänden zu verteilen. Ich hätte an Stelle unserer Protagonisten davor Schiss, dass das Jugendamt Delmenhorst die Sendung sieht und die Kinder zu ihrem eigenen Schutz aus der Familie herausholt. Wir werden später sehen, dass sich der nicht mal ansatzweise ausgeprägte Ordnungssinn der Wohnungsbesitzer auch genau so in der Organisation ihrer GbR wiederfindet.

    Zur Abwendung eines drohenden Herzkaspers verlässt Zwegat diese Wohnung genannte Müllhalde schnell und lässt sich den Kiosk der GbR zeigen, wo Stephan gerade Dienst schiebt, den der Schuldnerberater auch gern noch kennen lernen möchte. Er kommt zu dem 22jährigen hinter den Tresen und sieht sich um. Merkwürdigerweise sind bestimmte Bereiche des Raums von RTL verpixelt worden, z.B. ein Ständer mit Zeitschriften. Keine Ahnung, wessen Privatsphäre das schützen soll, die drei Hauptprotagonisten werden jedenfalls stets mit vollständigem Namen genannt, die Telefonnummer auf dem Werbelogo ihres Autos kann man auch erkennen.

    Wie lange er denn so pro Woche arbeiten müsse, will Zwegat von Stephan wissen. Soso, 72 Stunden pro Woche, das seien in vier Wochen also 288 Stunden. Bei einem angepeilten – aber längst noch nicht erreichten – Monatslohn von 800 Euro käme man also auf einen Stundenlohn von gerade einmal 2,77 Euro. Es entsteht ein beredtes Schweigen, irgendwo flackern hinter Stephans Stirn wohl noch ein paar Synapsen. Hmmm, so detailliert hat er sich das wohl noch nie überlegt, aber für’s Nachdenken ist ja eigentlich auch Manuel zuständig.

    Nun will Zwegat endlich mal etwas tun. Er lässt sich von Stephan, dem Computerwunderkind, die Beschreibungen der 14 (!) Geschäftsfelder ausdrucken, die die GbR beackert, und lümmelt sich damit im Außenbereich des Kiosks in einen Stuhl. Zur Kamera gewandt, bekundet er schon kurze Zeit später sein Entsetzen: Er schwanke zwischen (Aus-)Lachen und Weinen, die Beschreibung der Firma sei totaler Kokolores und lese sich wie das Branchenbuch, denn offenbar sei man omnipotent, könne einfach alles. Zu allem Überfluss komme das auch noch in einem grottigen, jeder Beschreibung spottenden Deutsch daher. Kühnste Träume habe die GbR, ganz Deutschland wolle man aufmischen, doch so werde das nichts, urteilt Zwegat. “Nicht mal in Delmenhorst!”, setzt der Berliner mit einem Seitenhieb auf das scheinbar ohnehin schon niedrige Anspruchsniveau der Heimatstadt des Trios noch hinzu.

    Bevor er wieder gen Hauptstadt entschwindet, konfirmiert Peter Zwegat noch einmal seine drei Pappenheimer. Er sehe ja guten Willen, aber Sie müssten da dringend noch ‘ne Schippe drauflegen. Als Hausaufgabe sollen sie endlich ihre bisher ungeöffnete Post sortieren und ihm hinterher schicken. Und eine Extramahnung geht an Manuel und Jessica: Sie sollen unbedingt ihre Wohnung aufräumen (kernsanieren?), und sei es nur um der Kinder willen.

    Wieder allein, verfallen die Jungunternehmer gleich wieder in den gewohnten Trott. Erst mal reden sie sich die geschäftlichen und privaten Aufräumaktionen klein, das wird schon nicht so schlimm werden. Die harte Realität schlägt dann allerdings auch noch zu, ein Kunde hat nämlich nach mehreren Beschwerden seinen Zustellungsauftrag bei der GbR gekündigt. Manuel macht gleich wieder auf Chefmanager, gibt Stephan die Schuld, der habe die Zeitungen nicht sorgfältig genug ausgetragen und morgens gern mal verpennt. Großspurig verkündet er, wenn das mit dem pünktlichen Aufstehen nicht besser werde, müsse Stephan eben nachts wach bleiben. Und das sagt einer, der auf der Müllhalde wohnt…

    14 Tage später steht Peter Zwegat wieder in Delmenhorst vor der Tür. Die Zeit müsse genügen, um Grund in das Chaos zu kriegen, meint der latent miesepetrige Schuldnerberater, das müsse man schon von einem erwarten können, der eine GbR habe. Tatsächlich sieht es in der Wohnung wesentlich besser aus als beim letzten Mal und das ist einzig Jessica zu verdanken, die hat nämlich alles aufgeräumt. Manuels Anteil an dem Fortschritt scheint dagegen nicht messbar zu sein. Zwegat quittiert das mit hochgezogenen Augenbrauen. Der GbR-Chefmanager berichtet voller Selbstmitleid, er habe beim Sortieren der Papiere die Krise gekriegt, bedauerlicherweise sei er damit aber noch nicht fertig – welche Überraschung! Zwegat unterbricht ihn genervt: “Und was gibt’s Neues?”. Ja, der Zustellauftrag der Post sei nun futsch und Stephan habe Schuld, der sei psychisch ein bisschen labil. Toll, wie sie den abwesenden Kollegen vor einem Millionenpublikum in die Pfanne hauen. Nun kommt Old Knitterface langsam in Fahrt, wer sich denn bitte dieses bekloppte Tätigkeitsportfolio ausgedacht habe, so etwas fiele doch höchstens einem Betrunkenen nach dem 11. Stonsdorfer in der Bahnhofskneipe ein. Manuel wird bei diesen Worten eines wirklichen Experten erfreulich kleinlaut. Das soll es für heute sein, Zwegat klemmt sich den Kasten mit der sortierten Hälfte der Post unter den Arm und flieht Richtung Berlin.

    Zuvor stattet er aber auch Stephan noch einen angeblich unangekündigten Besuch ab (wir sehen von drinnen, wie der die Tür öffnet…). Man spricht über dies und das, z.B. den Kontostand der GbR (60 Euro) oder die Höhe der Altschulden von Stephan (er hat keine!). Mir bleibt völlig schleierhaft, weshalb der hier überhaupt mitarbeitet, Lohn kriegt er ja offenbar nicht (s.o.) und eine wesentliche Verbesserung der Geschäftssituation ist auch nicht in Sicht. Dabei rackern alle drei fast rund um die Uhr wie die Blöden. Zwegat fragt, was denn passieren würde, wenn noch ein weiterer Auftrag hinzu käme, wer den denn bitte noch erledigen wolle? Tja, da kann Stephan, der Labile, wieder nur mit den Schultern zucken. Manuel denke wohl beim Akquirieren nicht über solche Nebensächlichkeiten nach, der sei doch froh, überhaupt einen Auftrag bekommen zu haben.

    Wieder ein Zeitsprung, jetzt sehen wir Peter Zwegat beim Anlaufnehmen zu seinem ersten Schlaganfall: Er hat in seinem Berliner Büro die versprochene Postlieferung aus Delmenhorst bekommen, einen verknautschten Karton mit den sortierten Rechnungen und Mahnungen. Genau genommen ist nur ein Teil davon sortiert, der andere Teil der Briefe ist noch schön zweimal gefaltet, original so, wie sie aus dem Umschlag genommen wurden. Darüber packt Zwegat nun die Wut (“schade, dass ich kein Feuerzeug habe”) und er fährt schnurstracks wieder zurück in die trostlose Heimat der drei Möchtegerngeschäftsleute. Stinkesauer sitzt er bei Manuel und Jessica auf dem Sofa: “Sagt Ihnen die Bezeichnung 3D etwas?” Schweigen. Jessica räuspert sich: “Ist das nicht so ‘ne Sichtweise?” (Manuel: “Wollte ich auch gerade sagen.”) “JAAA”, trumpft Zwegat auf, “das ist meine Sichtweise auf Sie, 3D heißt bei mir nämlich: Drei Deppen aus Delmenhorst!”. Er hat nicht nur die unsortierte Post im Paket wieder mitgebracht, sondern auch die Erkenntnis, dass die drei vom Tuten und Blasen aber so was von keine Ahnung haben, dass es mit Worten kaum noch auszudrücken ist. Der GbR-Vertrag, den Zwegat mit viel Mühe und einigem Hin und Her einsehen konnte, enthält die Klausel, dass die Gewinne des Unternehmens in drei Hälften geteilt werden sollen. Drei Hälften, wer so etwas verzapft, sollte normalerweise wegen fehlender Geschäftsfähigkeit nicht mal allein zum Einkaufen geschickt werden, geschweige denn eine eigene Firma aufmachen. Zwegat ist fuchsteufelswütend und entsetzt, fühlt sich verarscht und will den Fall hinschmeißen. Andererseits lebt seine Sendung vom Fremschämen und das weiß auch Zwegat, er liebt natürlich die Quote und also hält er durch.

    Der nächste Tag bringt dann weitere Katastrophen, Zwegat schleppt die Flipchart an. Den Stand der Schulden kann man bekanntlich nicht darstellen, denn den weiß in diesem Universum kein sterbliches Wesen. Ergo geht man gleich zu den Einnahmen und Ausgaben über. Hier ergibt sich ein überraschendes Ergebnis, denn den Einnahmen der drei von monatlich 4.638 Euro stehen Ausgaben von 3.357 Euro gegenüber. Hurra, alles ist gut, man hat eigentlich gar kein Problem, denn es bleibt kräftig was übrig, lasst uns feiern. Oder? Nein, natürlich nicht, die drei kopflosen GbR-Mitglieder haben offenbar nicht mal einen Schimmer, wohin sich ihr Geld bis zum Monatsende immer verdünnisiert, die Ausgaben sind weit höher, aber wie viel und wofür ist allen schleierhaft. Chaos!!! Zwegat fragt, warum sie keinen Haushaltsplan haben. “Dann hätte ich noch mehr Arbeit!”, kommt die ultraschlaue Antwort von Manuel, dem CEO und Gottkönig der GbR. Zwegat verdreht die Augen, das ist heute für ihn schwer verdientes Geld.

    Mit dieser Erkenntnis beschließen wir den ersten Teil dieser Doppelfolge. In der nächsten Woche wird es lt. Vorankündigung noch viel schräger: Manuel scheint komplett dem Wahnsinn zu verfallen, mietet ein großes Haus an und hält plötzlich ein Kreditangebot über 250.000 Euro in Händen. Der arme Peter Zwegat, für solche Klienten kann sein Honorar gar nicht hoch genug ausfallen, die diesmal verkochten Nerven sind mit Geld nicht aufzuwiegen.

    Man sieht sich!

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  • Hallo Leute,

    Mittwochabend, Zwegat-Time. Der Kult-Schuldnerberater aus Berlin ist wieder unterwegs und diesmal macht es für uns Fremschämfreunde etwas mehr Spaß als in der traurigen Folge vom letzten Mal (die ich quasi nicht gebloggt hatte).

    Peter Zwegat muss diesmal nach München reisen und trifft dort auf Andrija P. (26) und dessen Freundin Sanja S. (21) Man erkennt  schon an den Namen: Unsere heutigen Protagonisten stammen ursprünglich aus Kroatien, wohnen aber seit vielen Jahren in der bayerischen Landeshauptstadt. Dort lebt außerdem auch noch Andrijas großer (2,10m!) Bruder Hrvoje. Der gelernte Gas- und Wasserinstallateur ist sozusagen der Dreh- und Angelpunkt dieser Folge, denn er hat seinem kleinen Bruder (1,85m) einen Berg Schulden angehängt, von dem dieser nun nicht mehr herunterkommt und deshalb bei RTL um Hilfe gerufen hat.

    Hintergrund ist die Tatsache, dass Hrvoje wegen einiger Delikte, z.B. wegen Führerscheinfälschung, im Gefängnis saß und seitdem nicht mehr als Selbstständiger in seinem Gewerbe tätig sein darf. Als dann aber ein seeehr lukrativer Installationsauftrag für mehrere Wohnungen des Wegs kam, konnte Hrvoje den kleinen Bruder Andrija überreden, doch seinerseits zum Schein ein Gewerbe anzumelden und den Auftrag zu übernehmen. Die eigentliche Arbeit würde Hrvoje dann machen und seinen Bruder, den Strohmann in diesem Deal, dafür großzügig entlohnen. Natürlich ging die Sache völlig schief, Hrvoje bezahlte seine Lieferanten nicht und die liefen sofort zum Gericht und beantragten Mahnbescheide gegen… genau, gegen Andrija, denn der war juristisch gesehen zuständig. So kam der kleine Bruder schwuppdiwupp zu gut 80.000 Euro Schulden, von denen er erst erfuhr, als ihm plötzlich sein Gehalt weggepfändet wurde. Die Beziehung zu seinem Bruder ist seitdem denkbar gespannt; obwohl sie in derselben Stadt wohnen, sieht man sich gerade noch ein, zwei Mal pro Jahr und schweigt sich bei diesen Gelegenheit auch nur an.

    Peter Zwegat, der Engel der Hoffnungslosen, erscheint in Andrija und Sanjas 45qm-Einzimmerwohnung. Mit einer verkürzten Version seines Standardbegrüßungsspruchs kommt er ohne große Umschweife zur Sache: Wie es denn sein könne, wie ein Mensch allein denn so naiv sein könne, dem als unzuverlässig bekannten Bruder dermaßen auf den Leim zu gehen! Andrija windet sich, er habe seinem Vater auf dem Sterbebett versprechen müssen, immer auf Hrvoje aufzupassen. Okay, damit hätten wir ja schon mal einen Schuldigen, der sich nicht mehr so richtig wehren kann. Und Sanja ereifert sich auch gleich: Sie habe Andrija vorher gewarnt, aber der habe nicht auf sie gehört, sondern den Verlockungen seines Bruders nachgegeben und siehste, siehste, sie habe es ja gleich gesagt… Die Gute kommt richtig gut in Fahrt, offensichtlich hat sie dieses Thema schön des öfteren mit ihrem Menne “diskutiert”. Jaja, in ihrer Beziehungknistere es auch schon gehörig, gibt Andrija dann noch zu Protokoll. Eine doppelte Beziehungskiste also, Funkstille zwischen den Brüdern und dann auch noch die Krise bei seinem Mandantenpaar; Zwegat grummelt etwas, packt zwei Taschen voller Unterlagen und verabschiedet sich einstweilen.

    Sein nächster Besuch gilt Hrvoje, dem schwer auszusprechenden und ansonsten riesenhaft wirkenden Bruder. Ja, der gibt auch zu, die 80.000 Euro durch Misswirtschaft verloren zu haben, aber Andrija habe bei der Strohmann-Sache freiwillig mitgemacht und anfangs auch ordentlich Geld dabei abkassiert. Okay, als er den Auftrag nicht termingerecht hinkriegte und die ersten Rechnungen platzten, hätte er vielleicht mal den Finger heben und warnen können, anstatt noch ein paar Monate lustig weiterzumachen, aber passiert ist passiert und die Penunze ist nun mal den Bach runter gegangen. Warum Andrija deswegen so stinkig ist, kann Hrvoje nicht so ganz nachvollziehen.

    Zeitsprung, Peter Zwegat hat Zuhause fleißig die Unterlagen sortiert und alle Schulden zusammengetragen. Mitsamt seiner geliebten Flipchart rückt er nun wieder in München bei Andrija und Sanja an. Nach wenigen Minuten steht die Zahl 87.600,- Euro auf dem Blatt und zwar in roter Schrift. Weshalb keiner seiner Klienten es jemals allein fertig gekriegt hat, so ein paar kümmerliche Zahlen zu addieren, bleibt das große Geheimnis des Berliner Schuldnerberaters. Aber ohne diesen Akt völliger Erniedrigung wäre die Sendung auch nur halb so schön und eigentlich gar nicht vorstellbar – genau wie ohne seine völlig abgenudelten Sprüche bei der ersten Begrüßung. Zurück zu Andrija: Der schüttelt ob dieser Summe etwas benommen mit dem Kopf. Damit die Sache so richtig schön zwirbelt, erzählt ihm Zwegat jetzt auch noch, dass Hrvoje, der Verursacher des ganzen Dilemmas, mit weniger als 30.000 Euro verschuldet ist.

    Die Einnahmen- und Ausgabenrechnung ergibt für Andrija und Sanja einen hauchdünnen monatlichen Überschuss von 35,- Euro. Vermutlich bleibt in Wirklichkeit nicht mal dieser Betrag übrig, denn zum Monatsende hin ist erfahrungsgemäß das Portmonee komplett leer. Zwegat schlägt vor, einfach ins Insolvenzverfahren zu gehen, dann zahlte Andrija innerhalb von etwa sechs Jahren insgesamt um die 25.000 Euro und wäre dann durch mit dem Thema Schulden. Will er aber nicht, Insolvenz ist nicht das Richtige, das muss doch auch anders gehen. Klar, dann wäre der Fall ja auch zu simpel und was sollte man sonst mit den verbleibenden 35 Minuten Sendezeit anstellen? Etwa Peter Zwegat liest aus Mario Barths gesammelten Werken oder singt Karaoke die Hits von Lady Gaga? Gott behüte… Nein, bei RTL geht man nicht einfach so pleite, da muss immer noch ein bisschen Action gemacht werden. Deshalb versucht Zwegat jetzt einfach “Plan B”, den Vergleich. Dafür braucht er allerdings so ca. 25.000 Euro, sonst machen die Gläubiger vermutlich nicht mit.

    Peter Zwegat, der Mann mit der Lizenz zum Helfen,  braucht dringend Geld und greift dafür zum Äußersten: Er vermittelt ein Treffen der verfeindeten Brüder. In einem Park führt er Andrija und Hrvoje zusammen und spielt dabei den Moderator, denn von allein sprechen die beiden nicht miteinander. Außer gegenseitigen Anschuldigen wie “…Du hast doch gewusst…” oder “…ich bin enttäuscht…” kommt dabei aber nicht viel rüber. Egal, bevor sie sich wieder trennen, kriegen beide Brüder von Zwegat die Hausaufgabe, in ihrem umfangreichen Verwandten- und Bekanntenkreis um finanzielle Unterstützung zu bitten. Ja, unbedingt, Hrvoje will seinem immer noch stocksauren Bruder helfen. Er sieht ein, dass er das Schlamassel angerichtet hat. Wie er das Geld zusammen kriegen will, sagt er aber nicht. Hauptsache, er macht jetzt nichts Unüberlegtes, etwa eine Barabhebung mit Skimaske oder so… ;-)

    Peter Zwegat läuft unterdessen los und interviewt eine Unzahl von Gläubigern zu seinem Plan mit dem Vergleich. Dabei bekommt er den gesammelten Frust der von Hrvoje verprellten Geschäftsleute zu spüren. Dennoch stimmen im Endeffekt alle der Vergleichslösung zu – bei der Alternativlösung Insolvenz würden sie auch nicht mehr bekommen, müssten darauf aber noch länger warten. Bemerkenswert das Gespräch mit dem leicht schmierigen Herrn von der R+V-Versicherung, der Zwegats Besuch mit Kamera für einen offensichtlich abgelesenen Vortrag über das scheinbar ziemlich philanthropische Geschäftsgebaren seines Hauses nutzt. Haha, wer’s glaubt, aber wenn es der Sache dient…

    Das Gespräch mit dem Gläubiger Finanzamt München bringt dann noch etwas Verdruss für den Schuldnerberater, er kommt nach eigenen Angaben “ein bisschen unschlauerer” (sic!) als zuvor wieder heraus. Die Behörde erwartet nämlich nicht nur Geld, sondern auch noch diverse Steuererklärungen von Andrija und droht damit, die fälligen Beträge einfach zu schätzen. So etwas kann Zwegat gar nicht gut verknusen, das vermasselt ihm etwas die Planung und darum muss er da erstmal ein bisschen mit seinem Mandanten schimpfen. So ein Anschiss passt sowieso gerade ganz gut, denn Andrija hat seine Hausaufgaben noch nicht gemacht und bisher kein Geld aufgetrieben. Und bei Hrvoje hat er auch noch nicht nachgebohrt, das macht der Gutmensch aus Berlin dann hinterher selbst, allerdings mit nachhaltig negativem Ergebnis, denn der 2,10m-Mann ist ziemlich kleinlaut geworden, will jetzt selbst ins Insolvenzverfahren und hat deshalb begreiflicherweise keinen Cent mehr übrig.

    Selbst ist der Mann, Andrija wartet zum Schluss der heutigen Folge mit einer Überraschung auf: Er hat von der Mutter, von seinem Arbeitgeber und von einer geheimnisvollen anonymen Quelle Zusagen für einen namhaften Betrag zusammenbekommen und kann nun voraussichtlich tatsächlich ins Vergleichsverfahren. Etwas unbefriedigend, dass der edle Spender (genauer: Kreditgeber) nicht genannt werden will, aber was soll man machen. Nebenbei hat Zwegat offensichtlich auch noch die Beziehung von Andrija und Sanja repariert und die beiden winken ihm noch lange nach, als sein Taxi gen Flughafen davonprescht.

    Tja, was lernen wir aus dieser Folge? Keine Ahnung, vielleicht, dass nicht alle Zwegat-Folgen automatisch megaspannend sind, nur weil unser Schuldenguru mitspielt? Gegen leicht langweilige Hauptdarsteller, egal ob auf der bösen oder guten Seite, denen irgendwie der Pep fehlt, kann auch Old Knitterface nicht anspielen. Es gibt diesmal nichts von den so beliebten Ingredienzen guter Folgen, z.B. cholerische Wutanfälle, richtige Tränen, überragende Dämlichkeit, impertinente Klugscheißerei, schwere Erkrankungen oder kleine Kinder, ja nicht mal puschelige Haustiere oder überdimensionierte Plasmabildschirme kommen heute vor. Irgendwie enttäuschend. Wir hoffen dann mal auf die nächste Woche… :-(

    Bis denne!

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  • Hallo Leute,

    der heutige Abend fiel bei Gevatter Zwegat wieder in die Rubrik “darüber macht man keine Witze”. Die Krankenschwester Sandra R. aus Babenried bei München ist Mutter von kleinen Zwillingen, der Vater der Kinder ist US-Soldat und gerade zum dritten Mal im Irak. Der Krieg hat ihn verbittert und aggressiv werden lassen, die Beziehung ist gescheitert und Sandra damit alleinerziehend. Die heutige Folge zeigt ihren verzweifelten Kampf gegen die Schulden, für die es eigentlich nur den Ausweg der Privatinsolvenz gibt, die sie aber um jeden Preis verhindern will, weil sie sonst ihr Auto und damit auch ihren Job in einem Münchener Klinikum verlöre. Am Ende gelingt Peter Zwegat das Wunder, genügend Geld für einen Vergleich mit den Gläubigern zusammenzubringen und Sandra damit den Weg zu einem einigermaßen “normalen” Leben zu ebnen, soweit man das Leben einer berufstätigen alleinerziehenden Mutter von Zwilligen überhaupt als normal bezeichnen kann.

    Ansatzpunkte für Witze oder Gehässigkeiten bietet diese Folge überhaupt nicht. Weder kann ich über Sandra lästern, die ihr sicherlich nicht so leichtes Leben mit Entschlossenheit meistert und ihren Zwillingen die Geborgenheit geben will, die sie selbst als Kind nicht bekommen hat. Noch will ich über ihren Ex-Freund und Vater ihrer Kinder urteilen, den der Irak-Krieg zu einem völlig fremden, aggressiven Menschen gemacht hat, dessen Beziehung daran gescheitert ist und der trotzdem gegen Ende der Sendung auftaucht und der Mutter seiner Kinder mit einer unerwarteten Geldspritze aus der Patsche hilft. Und über Peter Zwegat kann man diesmal beim besten Willen auch kein schlechtes Wort verlieren, denn er hat sich trotz eigener Bedenken auf Sandras Kurs eingelassen, die Privatinsolvenz zu vermeiden, hat nach Sponsoren für die Vergleichssumme gesucht, mit ihrer Freundin und dem entfremdeten Vater gesprochen und am Ende auch noch die Citibank für den Vergleich gewinnen können.

    Tja, liebe Leute, dies ist mein erster Blogeintrag ohne eine einzige Pointe, aber die kann ich gern bis zum nächsten Montag zurückhalten, wenn Inka Bauses Bauern mal wieder Freigang haben.

    Bis dann also!

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  • Hallo zusammen,

    die heutige Folge von Zwegat ist, nun ja, also nett und leidlich unterhaltsam, mehr aber auch nicht. Es gab keine großen Streitereien und auch nichts zum Fremdschämen. Bei Licht betrachtet war die Folge vielleicht sogar ein bisschen langweilig, jedenfalls für mich. Und ganz am Ende habe ich mich auch noch geärgert. Deswegen werde ich mich heute ganz gegen meine Gewohnheit mal ein wenig kürzer fassen.

    Also, diesmal hat es unser Finanzgenie von der Spree mit einem echten Ruhrpottoriginal zu tun. Norbert M. (52) aus Gladbeck ist irgendwie knuffig, so eine Art domestizierter Käpt’n Langstrumpf mit Piratenbart, Pferdeschwanz und Bauchansatz. Und irgendwie ein bisschen arglos, verträumt oder ignorant, wie man will. Jedenfalls hat er seit Menschengedenken Schulden für die bei ihm seit 17 Jahren diverse Pfändungen laufen, aber warum das eingehaltene Geld nirgendwo ankommt, weiß er nicht und interessiert ihn tief innen drin wohl auch nicht wirklich. Er hat sich irgendwann damit abgefunden, dass ihm jeden Monat von Amts wegen der Lohn gekürzt wird, so wie man sich mit schlechtem Wetter abfindet – oder mit schlechtem Fernsehen.

    Die heutige Folge ist insofern ein Unikat, als dass der Schuldnerberater erstmals vom Arbeitgeber angefordert wurde und nicht vom eigentlich Betroffenen. Wie gesagt, der steht dem ganzen Treiben eher ratlos und resigniert gegenüber, den Überblick über seine diversen Schulden hat er schon seit Jahren verloren.

    Trotz der eher ungewöhnlichen Benachrichtigungswege rauscht Peter Zwegat mit seinen üblichen Begrüßungsfloskeln bei Norbert im Ruhrpott an. Zwischen den beiden Männern hat es sofort gefunkt, Norbert erkennt Zwegats Autorität augenblicklich an und der Berliner hat wohl schon bauseitig eine Beißhemmung bei originellen Menschen. Und das ist Norbert unter Garantie. Er war drei Mal verheiratet, die dritte Scheidung läuft, und er hat insgesamt vier Kinder, davon zwei unter 18 Jahren. Die wohnen bei ihrer Mutter, seiner letzten Ex. Unterhalt kriegen sie aber keinen von ihm, weil er irgendwie dunkel ahnt, dass das “Kuckuckskinder” sind, also nicht ganz von ihm. Genauer hat er das aber nicht erforscht, vermutlich ist es ihm tief innen drin auch wieder egal, denn er schickt den Kindern merkwürdigerweise Taschengeld.

    Norbert erklärt Peter Zwegat, dass er nach seiner vorsichtiger Rechnung in den 17 Jahren über Lohnpfändungen gut 30.000 Euro für seine Schulden berappt hat. Da diese nur gut 20.000 D-Mark – also etwa 10.000 Euro – ausmachen, sollte nach Adam Riese schuldentechnisch so langsam Land in Sicht sein. Eine halbherzige Anfrage beim Amtsgericht Gladbeck, wie, wo und was da jetzt genau abgeht, war seinerzeit allerdings etwas im Sand verlaufen, Norbert hat auch nicht mehr nachgehakt. Ist ihm wohl irgendwie egal, scheint es. Andererseits wäre es aber auch gut, endlich von den Schulden herunterzukommen, denn Norberts aktuelle Freundin Bärbel würde gern zu Ehefrau Nummer vier werden, will aber keinesfalls für die Schulden aufkommen, was man rein menschlich auch gut nachvollziehen kann.

    Norberts Arbeitgeber, für den Lohnpfändungen eher lästig sind, empfindet eine Art Fürsorgepflicht für den Mitarbeiter und hat ihn angestachelt, dem vielen einbehaltenen Geld doch mal nachzugehen. Weil man wohl um dessen eher begrenzte Agilität weiß, hat man schließlich auch noch den RTL-Schuldnerberater angefordert, der soll allen Beteiligten inkl. Norbert Dampf unter den Hintern machen.

    Der Berliner startet wie so häufig mit einer Wohnungsbesichtigung. Die verläuft ohne Befund, insbesondere gibt es keinen Riesen-Plasmafernseher, über den sich Zwegat andernfalls gern mal aufregt. Etwas ungelegen scheint der Besuch des Fernsehteams aber trotzdem zu kommen, denn Norbert renoviert gerade seine Butze und das Schlafzimmer sieht aus wie nach einem Besuch der al-Qaida.

    Zwegat nimmt sich alle greifbaren Unterlagen mit in sein Berliner Büro und fräst sich in die Thematik Norbert M. ein. Kurze Zeit später ist er mit seiner Flipchart zurück im Pott und setzt seinen Mandanten über dessen Vermögensverhältnisse ins Bild. Unterm Strich kommt er dabei auf einen Betrag von 22.480 Euro, ohne Zinsen, wohlgemerkt. Da schimmert für einen Moment die Hoffnung durch, Norbert M. sei eigentlich schon längst schuldenfrei und habe es nur nicht bemerkt. Warum er dann aber immer noch diverse Lohnpfändungen laufen hat, fragt sich. Und warum die Gläubiger offensichtlich noch immer kein Geld bekommen haben.

    Wie üblich macht Zwegat danach, bei der Aufstellung der monatlichen Ausgaben, etwas auf Oberlehrer. Wieso Marx denn 300 Euro pro Monat für’s Rauchen ausgeben müsse, fragt er. (Übrigens genau so viel wie für die Wohnungsmiete!) Und die 250 Euro für die Betriebskantine, tut das denn Not? Aha, das ist für die 10 bis 15 Kaffee, die sich Norbert pro Tag auf der Arbeit genehmigt. Ob denn da nicht die Anschaffung einer eigenen Kaffeemaschine billiger käme, stellt Zwegat zur Debatte. Schweigen.

    Zwegats Besuch im Amtsgericht bringt dann erhebliche Ernüchterung, Norbert ist natürlich noch immer nicht schuldenfrei, hatte das wirklich jemand geglaubt? Des Rätsels Lösung sind diverse alte Unterhaltsschulden, die das Gericht gleich von den gepfändeten Beträgen abgezogen hat, was aber an Norbert unbemerkt vorbeigegangen ist. Somit hat er von seinen bekannten Schulden nicht schon 30.000 Euro, sondern in Wirklichkeit nur 19.000 Euro beglichen. Die wären auch schon vor einigen Jahren an die Gläubiger ausgezahlt worden, hätte Norbert seinerzeit nicht Widerspruch eingelegt, weil ihm ein paar der offenen Beträge spanisch vorkamen. Aus unerfindlichen Gründen kam damit das Räderwerk des Amtsgerichts dauerhaft zum Stehen, damals und auch später wurde kein Geld ausgezahlt, denn Norbert hatte sich nicht noch einmal gemeldet. Vielleicht war ihm das Ganze doch nicht mehr so schrecklich wichtig, man weiß es nicht.

    Trotzdem, immerhin, wenn man die inzwischen aufgelaufenen Zinsen hinzurechnet, muss Norbert aktuell “nur” noch etwa 6.000 Euro löhnen, dann ist er schuldenfrei. Zwegat versucht nun, für den Restbetrag einen Vergleich zu organisieren. Das Kapital dafür kriegt er nach einigem Betteln “mit Bauchschmerzen” als Kredit von Norberts Arbeitgeber. Klar, den muss er natürlich auch noch wieder zurückzahlen, aber wenigstens ist er damit die Pfändungen los.

    Hurra, der Fall ist damit einigermaßen befriedigend zu Ende gegangen, Zwegat hat es wieder einmal geschafft und das ganz ohne Wutausbrüche und Fremdschämen.

    Ey, wo bleibt der Abspann, die Sendung ist fertig, oder? Oder??? ODER???!!!

    Nein, diesmal kommt es leider anders als gedacht, Künstlerpech! Warum muss Peterle auch immer so penibel recherchieren, kann er nicht einfach mal den Aktenkoffer zuklappen und gemütlich in den Feierabend gehen, so wie alle anderen Schuldnerberater auf dieser Welt? Warum muss er immer weiter bohren, bis er eine Leiche im Keller findet, der alte preußische Beamtensack?

    Zwegat besucht Ehefrau Nummer 3, die mit den beiden unterhaltsberechtigten Kindern, von denen Norbert nicht so ganz genau weiß, ob sie wirklich seine Chromosomen tragen und für die er deswegen auch nicht löhnt. Tja, zumindest juristisch sind das nun mal seine Kinder und damit haben sie gegenüber ihrem Papi auch Anspruch auf zusammen gut 500 Euro Unterhalt im Monat. Damit sie nicht verhungern, zahlt das Sozialamt einen Unterhaltsvorschuss in dieser Höhe an die Mutter aus, aber natürlich will die Behörde das Geld von Norbert zurück haben. Ein Besuch beim “Fallmanager” (im Altrockeroutfit mit Lederweste) bringt dann die bittere Erkenntnis, dass sich diese Forderungen bis heute bereits auf 19.000 Euro addieren.

    Bumm, das sprengt natürlich alle zuvor mit dem Vergleich noch gehegten Hoffnungen, von diesen neuen Schulden wird Norbert bis zur Rente nicht mehr herunterkommen, das ist Zwegat sofort klar. Er rät seinem Klienten nun direkt zur Privatinsolvenz, dann müsse er vielleicht insgesamt noch 7.000 Euro von den Schulden zahlen, sei etwa im Jahr 2017 durch mit dem Thema und könne finanziell neu beginnen. Extrem ärgerlich, dass Zwegat das mit dem Unterhaltsvorschuss nicht schon vorher herausgekriegt hat. (Obwohl Norbert eigentlich schon ganz zu Anfang erzählt hatte, dass er auf eigenen Beschluss keinen Unterhalt mehr zahle!) Dann hätte er sich die ganze Mühe mit dem Vergleich schenken können. Und Norbert hätte auch keine neuen Schulden bei seinem Arbeitgeber gemacht – denn die bleiben ja nun bestehen, oder etwa nicht?

    Und bei längerem Nachdenken finde ich es auch irgendwie pervers, dass Zwegat aus öffentlichen Mitteln (er nimmt ja bekanntlich kein Honorar) dafür bezahlt wird, seinem Mandanten einen Weg zu ebnen, dass der die Schulden gegenüber dem Sozialamt nur noch in geringem Umfang bezahlen muss. Norberts Insolvenz kostet die öffentliche Hand (sprich: die Steuerzahler) also ca. 12.000 Euro. Zwegats Gehalt wird ebenfalls aus Steuermitteln finanziert, das muss man noch oben drauf rechnen. Gewinner der ganzen Chose ist dagegen der kommerzielle Fernsehsender RTL, der verdient sich mit diesem Beitrag nämlich ‘ne goldene Nase. Da fühle ich mich als Steuerzahler doch gleich mehrfach gekniffen! :-(

    In diesem Sinne Tschüss bis zur nächsten Runde in Zwegats Pleitenpanoptikum…

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  • Liebe Leute,

    immer wenn den Fernsehmokeln bei RTL nichts mehr einfällt oder wenn sie Geld sparen wollen, dann gehen sie ins Archiv und backen sich aus alten Serienkonserven neue Folgen ihrer Quotenhits. “Soundso besucht seine alten Fälle”, wobei das “Soundso” z.B. für den Sterneinhaber und Restauranttester Christian Rach stehen kann oder eben – seit heute – auch für Peter Zwegat.

    “Wenn schon insolvent, dann wenigstens mit Zwegat”, wer hätte das in einem schwachen Moment nicht schon einmal still und heimlich bei sich gedacht? Und angeblich gehen viele Leute doch absichtlich pleite, nur um einmal mit dem Berliner Kultschuldnerberater sprechen zu dürfen. Kann ich alles verstehen, warum auch nicht, Mediengeilheit ist schließlich nicht strafbar. Aber selbst ein Superstar braucht mal eine kleine Auszeit, warum sollte es Peter Zwegat anders gehen?

    Heute tritt Opa Zwegat jedenfalls entschieden kürzer, die neueste Folge seines televisionären Schuldenprangers behandelt nämlich drei längst archivierte Fälle aus früheren Staffeln, wo es lt. Drehbuchautoren doch noch irgend etwas zu regeln gibt. Natürlich garniert RTL die wenigen Augenblicke, die tatsächlich im Hier und Heute spielen, mit reichlich Rückblenden aus Peterles Ablage.

    Die Folge beginnt in Krefeld mit Horst Kratz, einem überzeugten Anhänger der No-Money-Bewegung, sprich: Erst ist schon seit Jahren chronisch bankrott. Wie er die 50.000 Euro Schulden angehäuft hat, spielt für die heutige Folge fast keine Rolle. Die Drehbuchschreiber hatten im Jahr 2009 ganze Arbeit geleistet: Horst war nicht nur pleite und schlampig, sondern auch noch arbeitslos, hatte seine Frau betrogen und war deswegen aus der gemeinsamen Wohnung geflogen. Außerdem hatte er seinen Führerschein verloren und zu guter Letzt drohte ihm auch noch eine Gefängnisstrafe, weil er innerhalb einer zuvor für eine andere Straftat verhängten Bewährung auch noch eine Körperverletzung begangen hatte. Aber wofür hat man schließlich Mahatma Zwegat? Der brachte damals die Eheleute wieder zusammen, besorgte ihnen eine neue Wohnung, holte Horsts Lappen zurück (inkl. Idiotentest), schaffte den Vergleich mit den Gläubigern und konnte dann auch noch erreichen, dass das Gericht statt der drohenden Haftstrafe doch “nur” eine Geldstrafe verhängte.

    Alles gut, damit könnten die Kratzens in Ruhe alt werden, wenn bloß nicht das Fernsehen wäre: RTL hat jetzt, ein Jahr nach dem oben geschilderten Fall, einen akuten Mangel an neuen Schuldnergeschichten und besinnt sich deshalb wieder auf Hotte Kratz. Die Drehbuchschreiber konstruieren eine neue hanebüchene Geschichte vom schluderigen Horst, der eine Rate für irgendein dubioses Bußgeld nicht bezahlt hat und dafür nun Post vom Staatsanwalt bekommt, dass er zur Strafe 100 Tage in den Knast einfahren soll. Mannomann, die Krefelder sind ja wohl ganz scharfe Hunde, für einmal die Rate nicht bezahlen wandert man hier gleich 100 Tage in den Bau! Wer da bei Rot über die Ampel geht, findet sich vermutlich sofort in Guantanamo wieder…

    Zwegat wird gerufen und erscheint natürlich auch prompt, das ist ja schließlich sein Job, jedenfalls so eine Art. Er schimpft ein bisschen mit seinem längst erledigt gewähnten Klienten und redet danach mit dem extra-böse dreinblickenden Staatsanwalt, der seinen Kurzauftritt als Dudu-Mann aber sichtlich genießt. Natürlich, wie kann es anders sein, lässt sich der Jurist durch den Berliner Gutmenschen erweichen und Horst Kratz darf weiter ungesiebte Luft atmen. Das war schon alles, für so einen Pillepalle lassen die den alten Mann eigens aus Berlin anreisen, man glaubt es nicht. Wir sehen uns dann wohl 2011 wieder, wenn Peter Zwegat erneut nach Krefeld gerufen wird, weil sein Mandant die Zahnpastatube nicht alleine aufkriegt.

    Nächster Fall, jetzt geht’s in die Nähe von Potsdam in Brandenburg. Hier benötigt Ramona Koch dringend die Unterstützung durch das Fernsehen, denn noch immer drücken sie hohe Schulden. Rückblende: Wir erfahren, wie Ramona und ihr damaliger Ehemann sich ohne Eigenkapital ein teures Haus andrehen lassen, dann durch Arbeitslosigkeit nicht mehr die Kreditraten bezahlen können und deswegen sogar am Ende die Ehe in die Brüche geht. Damals ging es um etwa 170.000 Euro Außenstände, die Peter Zwegat in der 2009er-Staffel durch Handauflegen (und einen Vergleich) wesentlich zusammenschmelzen ließ. Das Haus musste damals allerdings verkauft werden. Nun (2010) wohnt die mittlerweile alleinerziehende Ramona mit ihren drei Kindern in einer Wohnung und sitzt noch auf gut 38.000 Euro Restschulden. Da ihr zukünftiger Ex-Mann dazu nichts beiträgt, drücken die monatlichen Raten doch sehr.

    Kein Problem für Super-Peter, er spricht mit der Commerzbank und erzielt prompt eine Einigung, über die er aber ärgerlicherweise im Fernsehen nicht sprechen darf. Die beiden anderen Gläubiger lassen sich auf einen Vergleich ein. Summa summarum wird Ramone die neue Rate schaffen können, muss aber in den nächsten Jahren immer pünktlich zahlen, sonst wird die gesamte Einigung hinfällig, sagt der Berliner. Das ging ja schon wieder alles viel zu einfach, wo bleiben denn die erhofften Wutanfälle auf Seiten von Zwegat oder (idealerweise: “und”) seinen Klienten?

    Letzter Versuch, der dritte Fall führt uns auf die Insel Fehrmarn zum “Piratennest” im Ort Orth (was für ein doofer Name!). Hier half Peter Zwegat Anfang 2008, als er noch ein jung-dynamischer Schuldnerberater-Azubi war, dem Fischrestaurant von Volker Sönnichsen und Erika Heilmann wieder auf die Beine. Finanzamt, Energieversorger und Banken trieben den Laden fast in den Ruin und die Besitzer hatten damals bei einem Kontostand von 466.000 Euro Miesen schlotternd den Anruf bei RTL getätigt, mit dem sie den Schuldnerberater alarmierten. Insgesamt sieben Mal war er seinerzeit auf die Insel gefahren, behauptet die Stimme aus dem Off. Nach einigen organisatorischen Änderungen bis hin zur runderneuerten Speisekarte (Rach lässt grüßen!) läuft der Laden erschreckend besser und man atmet auf: Gäste und Einnahmen sind wieder da, man kann schon erhebliche Teile des Kredits abstottern. Dann der Rückschlag: Der Sparkasse Holstein reicht das alles noch nicht, sie kündigt aus angeblich unklaren Gründen den Kreditvertrag, obwohl alle Raten wie vereinbart bezahlt wurden. Schweinebande! Zwegat kriegt es aber hin, dass die Deutsche Bank dem “Piratennest” einen neuen Kredit gewährt. Damit ist alles gerettet.

    Bleibt nur die Frage, aus welchem Grund Peter Zwegat in dieser Revival-Folge dem “Piratennest” einen Besuch abstattet. Und die Antwort: ES GIBT KEINEN!!! Hier läuft weiterhin alles gut, Volker und Erika sind bald schuldenfrei und es geht ihnen prächtig. Diese dritte Episode innerhalb der heutigen Folge ist eine reine Mogelpackung und besteht fast nur aus Rückblenden, in Not ist hier niemand. Stattdessen dürfen wir Zwegat und die Piratennestbetreiber bei einem kleinen Bootstörn um die Insel begleiten. Mehr ist nicht. Frechheit!!!

    Ich bin so empört über diese Verschwendung von Sendezeit und Blogplatz, dass ich diesen Eintrag nun hier beende. Sowas aber auch, mein lieber Scholli, das muss nächste Woche aber wieder besser werden… :-)

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