Für Meister Christian Rach kommt es heute Abend dicke, denn seine in der letzten Woche nach medialer Verwertbarkeit zusammengecastete Küchencrew tut nicht so, wie er will. Zwar sehen seine 12 Schüler jetzt mit weißen Kochuniformen einigermaßen manierlich aus, aber bei einem unangekündigten mündlichen Kurztest versagen fast alle kläglich: Die wissen zum größten Teil nicht mal, wie man richtig ein Hühnchen kocht. Rach ist fassungslos. Dabei steht das doch auf Seite 3 der von ihm selbst verfassten Küchenbibel mit dem unsäglich spannungsfreien Titel “Das Kochgesetzbuch – Grundregeln erfolgreichen Kochens“. Das Buch hatte Rach seinen Eleven in der Vorwoche marketingwirksam vor laufender Kamera in die Hand gedrückt und sie eindringlich zum Lesen dieses Machwerks ermahnt. Tja, Pech gehabt, außer Streber Tim weiß keiner die Lösung (kaltes Wasser, Hähnchen rein und dann langsam erwärmen, damit sich die Poren des Vogels öffnen und der Geschmack rauszieht).
Rach fühlt sich offensichtlich durch die mangelnde Aufmerksamkeit für sein großherzig verschenktes Buch persönlich beleidigt und schaltet um in den Diven-Modus. Nichts kann man ihm mehr Recht machen. Die undürre Rena findet nicht sofort ein Schneidebrettchen und wird deshalb erst mal angeranzt. Marco erzählt nebenbei, und zwar ganz freundlich, er habe früher mal eine Kochlehre angefangen und sei dann nach einem halben Jahr rausgeflogen, daraufhin verhört ihn Rach vor allen Mitschülern aufs Peinlichste, weshalb er denn die Lehre beendet musste. Nourddine macht sich zum Gespött der Gruppe, als er sich binnen weniger Minuten zwei Mal mit dem Messer schneidet und Pflaster benötigt.
Damit in der Küche überhaupt mal etwas Positives passiert, kochen Christian Rach und seine Koch-Ausbilder Hanno und Frank mal eben eine Portion Nudeln mit Basilikumsauce, Tomaten und Scampi. Das soll dann in zwei Monaten eines der Stammgerichte für das neue Restaurant im Chilehaus werden. Und was die Schüler noch nicht wissen: Morgen kommt ein weiterer unangekündigter Kurztest, sie müssen nämlich alle einzeln unter den Augen des Meisters dieses Gericht vorkochen.
Aber genug über Küchenkrempel gelabert, nun kommen wir zum heimlichen Mittelpunkt der Sendung, nämlich zum Drumherum. Rach hat ja nicht umsonst nur schwer vermittelbare Restposten des Arbeitsmarktes für seine Sendung gecastet, nun wollen wir unsere Herzen auch etwas an deren Problemen erwärmen. Vorab kommen ein paar Szenen von und mit Jonny. Der hat nämlich heute einen potenziell schicksalsschweren Gang zum Harburger Amtsgericht anzutreten, übrigens nicht sein erster. Sein Anwalt nuschelt (Untertitel!) etwas von Vergehen wie Diebstahl, Einbruch und Drogenbesitz und dass das nun besser werden müsse. Während Jonny mit Bewährung davon kommt, wohl weil er dem Richter etwas von seinem neuen Job bei Rach erzählt hat, geht sein Kumpel für eineinhalb Jahre in den Bau.
In der Unterkunft der Küchenkinder hat es seit der letzten Woche schon erhebliche Probleme gegeben, nicht ganz unerwartet. Die Jungen machen ordentlich Terz in ihrer Butze, die Polizei war wegen des nächtlichen ruhestörenden Lärms auch schon zu Besuch. Die “Mädchen” beschweren sich vor der Kamera über den vielen Lärm und häufige uneingeladene Besuche der Jungen; insgesamt macht das alles zusammen den Eindruck, als wenn vorpubertierende Fünftklässler ins Schullandheim fahren, zum ersten Mal ohne Mami und Papi. Wartet nur, bis der Rach das mitkriegt, dann Gnade Euch Gott!
Auch am gestrigen Abend gab es wieder reichlich Anlass zur Einnahme alkoholischer Getränke, denn Jasmina, die mit dem abgefallenen Auspuff, war erkrankungsbedingt etwas verspätet auch in der WG eingezogen. Heute morgen kommt dann das bittere Erwachen, so ziemlich die ganze Bande ist schwer verkatert. Angelika ist mit 45 Jahren bei weitem die Seniorin der Gruppe und hat wegen der Türenknallerei und zahlreicher Herrenbesuche in ihrer Wohnung angeblich gar nicht geschlafen, was in ihrem Alter schon ein erhebliches Problem zu sein scheint. Sie ist schwer vergrätzt und beschwert sich vor dem Fernsehteam über die doofen Jungen. Die wiederum fühlen sich pauschal diffamiert, offenbar haben sie doch mehrheitlich im Bett gelegen und verstehen die Vorwürfe gar nicht (und haben wohl auch Angst vor Rachs Rache). Paul, der Junge aus bestem Hause, der eigentlich sowieso etwas “intellektueller” ist als alle anderen und deswegen wohl auch eine dämliche karierte Mütze tragen muss, macht sich zum Wortführer der Anti-Angelika-Fraktion. Can versucht etwas zu sagen, was ich aber nicht verstehe, vielleicht ist er noch etwas alkoholisiert, jedenfalls fetzen sie sich alle wunderschön und RTL ist mittendrin. Vielleicht sollte man schon mal bei der Supernanny oder Annegret Nobel wegen eines Hausbesuchs vorfühlen?
Irgendwer muss Christian Rach einen Tipp gegeben haben, denn er ist heute besonders fies zu seinen Schülern. Während sie sich daran machen, das gestern vorgeführte Gericht Nudeln mit Basilikumsauce, Tomaten und Scampi nachzukochen, fährt der Küchenpapst unvermittelt Nourddine an: “Soll ich Dir mal sagen, dass Du Scheiße aussiehst heute?!” Der so Angesprochene stutzt “Warum?” – Rach: “Das weiß ich nicht, ‘warum’!” Dann wendet er sich der nur knapp in ihre Schürze passenden Rena zu: “Man kann so eine Sauce auch tot mixen!”. Gleichzeitig hat er mit seinen trainierten Argusaugen bei Nourddine schon das nächste Küchenvergehen entdeckt, als der gerade mit seinen Tomaten hantiert: “Warum legst Du das in die kalte Pfanne?” – “Wieso, das brutzelt doch.” – “Ne, das brutzelt nicht!” – “Doch, das brutzelt!” . Rach wird wütend, holt mit der bloßen Hand das Gemüse aus Nourddines wohl doch noch nicht so heißen Pfanne und schnauzt ihn an: “Diskutier’ jetzt nicht mit mir, verdammte Scheiße!”.
Mal ganz ehrlich, trotz aller Antipathie mit den versoffen-disziplinlosen Kochschülern frage ich mich als unbeteiligter Zuschauer schon, woher die mit einem Mal alle kochen können sollen. Allein durch das Einatmen der selben Luft können doch Rachs gastronomische Fähigkeiten nicht auf seine Eleven überspringen. Da scheint es bei Ihnen aber didaktisch noch ein wenig Optimierungspotenzial zu geben, Herr Oberrestaurantlehrer.
Und Rach kommt gerade erst so richtig in Fahrt. Rena kriegt im Vorbeigehen einen Anschiss, weil sie nach einer halben Stunde als Letzte noch immer an ihren Scampis herumdoktort. Dann werden die namentlich gekennzeichneten Teller vom Meister einzeln seziert. Hier sind die Krebse noch zu roh, dort fehlt die Sauce, auf dem nächsten Teller ist hingegen zu viel Sauce und Rena hat vor Aufregung das Würzen vergessen. Marco ist recht selbstkritisch: “Totale Scheiße, ich hab das voll verkackt.” Rach stimmt zu und erlaubt ihm großzügig, seinen heutigen Beitrag direkt in die Tonne zu entsorgen. Der Geschmackstest verläuft eher unbefriedigend und Rach zeigt sich ziemlich miesepetrig: “Ihr könnt das von mir aus aufessen oder wegwerfen, ist mir egal, aber in vier Minuten ist die Küche sauber!”. Und als dann keine Antwort kommt, platzt ihm der Kragen: “»JAWOLL, CHEF!« HEISST DAS!!!” Damit hat er sein akustisches Tagessoll erreicht und lässt es für heute gut sein. Feierabend.
Dem nächsten Morgen scheint wieder eine anstrengende Nacht vorausgegangen zu sein, die ihre Opfer fordert: Von den ursprünglich mal zwölf Kochpraktikanten kommen gerade noch vier pünktlich (um zehn Uhr!) im Chilehaus an, der Rest folgt ein paar Minuten zu spät und präsentiert als blöde Ausrede nur, dass man den Busfahrplan falsch gelesen habe. Er, der Meister, ist noch nicht da, aber die beiden Hilfsrachs (Hanno und Frank) stellen unter Beweis, dass sie bei ihrem Chef auch die Inszenierung cholerischer Anfälle gelernt haben und ihn in dieser Hinsicht gut vertreten können. Abwechselnd brüllen sie die verdatterten Schüler an: “Erst in der zweiten Woche und Ihr kommt schon zu spät! Es ist zehn Uhr, mitten am Tag, normalerweise haben wir um diese Zeit schon 15 Kriege gewonnen oder verloren!!!” Keine Ahnung, was dieser letzte Spruch sollte, aber bei Leuten, die den ganzen Tag mit den Köpfen im Küchendunst hängen, sollte man vielleicht nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Und Mikrowellen sind ja auch nicht ganz ungefährlich, sagt man. “Mit den vier kochen wir gleich, die anderen können ja den Fahrplan abschreiben, fünftausend Mal, oder so!!!”, poltert der Vizechef noch, verliert die Fassung vollends und schmeißt die Tür hinter sich zu.
Als Strafarbeit müssen die Zuspätkommer nun die Kippen vom Kopfsteinpflaster vor dem Chilehaus aufsammeln. Christian Rach erscheint auf der Straße und zeigt sich verwundert, erkundigt sich scheinheilig nach dem Grund für ihr Tun (als wenn er das Drehbuch nicht gelesen hätte). Er versammelt drinnen seine weiß beschürzten Schüler um sich und warnt sie noch einmal dringend, den Job nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Und wer gestern sein Probeessen “verhauen” habe, müsse es heute noch einmal kochen. Das ist Marcos zweite Chance, aber wieder verzettelt er sich mit seinem toten Krebsgetier. Als die von Rach gesetzte Zeit zu Ende geht, zählt der dicke Tim höhnisch aus dem Hintergrund laut die restlichen Sekunden. “Halt die Schnauze jetzt, Du machst ihn doch verrückt!”, fährt Rach ihn völlig zu Recht an. Das nennt man wohl Kameradenschwein.
Rach hat aber auch wieder ein paar neue Ideen ausgebrütet: Mit vereinten Kräften hauen sie eine Zwischenwand weg und vergrößern die Küche damit erheblich. Überall wird gehämmert, gefegt und gewienert, dazu passt Rachs Weisheit des Tages: “30 Prozent der Arbeitszeit in der Gastronomie entfällt auf das Putzen.” Zwischenzeitlich kommt Jonny mit seinem Besen bei Rach vorbei und sagt einfach nur, dass er gerade glücklich sei. Papi ist leicht perplex, freut sich aber wohl über den Erfolg seiner Politik, hart aber herzlich. Die Freude währt nicht lange, denn gleich im nächsten Raum sitzt Rena zusammengesunken auf einem Tisch und heult. In einer sehr durchsichtig inszenierten Szene lässt sie ihr Schluchzen von der neuen besten Freundin Jennifer für die Außenwelt übersetzen. Demnach tun Rena die Füße weh, sie muss pausieren, hat aber nun Angst, dass die Gruppe sie deswegen als Faulpelz disst. Christian Rach, immer umschwebt vom Hauch des Göttlichen, scheint in einer Sekundärbegabung auch noch Orthopäde mit Röntgenblick zu sein, erkennt durch pures Ansehen, dass Rena neue Schuhe braucht, gibt ihr Geld dafür und schickt sie zum nächsten Schuhladen. Parallel verordnet er ihr eine Diät, ihre Figur sei doch etwas arg kräftig. Ob sie damit – wie gewünscht – im Service arbeiten könne, bezweifelt er. Freundin Jennifer hat auch nicht gerade das, was man eine Wespentaille nennt, um mal sehr freundlich zu bleiben, und wird von Rach ebenfalls zur Diät verdonnert. Wo sie denn arbeiten wolle… soso, in der Küche, ob sie dafür aber schnell genug sei, daran habe er noch Zweifel. (Dramatische Musik im Hintergrund)
Am Ende der heutigen Folge stellt sich allgemeines Schwächeln ein, Rena hat’s mit den Füßen, bei Jennifer ist die Nase geschwollen und sie kriegt keine Luft, aber den Vogel schießt Collin ab, der ja bisher noch gar nicht nennenswert in Erscheinung getreten ist: Er kommt am letzten Tag nicht zum Dienst, ruft auch nicht an und hat ganz offenbar die letzte Nacht nicht in seiner WG verbracht. Rach ist stinkesauer, droht vor versammelter Mannschaft, den werdenden Vater rauszuwerfen, sollte der keinen triftigen Grund für sein Fernbleiben präsentieren. Als Collin dann später doch noch – einigermaßen derangiert – eintrifft, bittet ihn Rach flugs zu einem Gespräch “unter vier Augen”, natürlich plus Kamera. Collin zeigt sich völlig zerknirscht: Seine Ex-Freundin, die werdende Mami, habe ihm gestern schon mal per SMS pränatal angekündigt, dass er sein Kind niemals sehen werde. Daraufhin habe er sich besoffen, aber heute Morgen sei ihm plötzlich klar geworden, dass Alkohol ja keine Lösung sei und das werde niemals wieder vorkommen, Hand drauf. Rach schlägt ein, droht aber, damit sei der Kredit verspielt, beim nächsten Patzer fliege Collin hochkant aus dem “Experiment”.
Ob Collin wieder trinkt, Jonny weiter glücklich ist, Paul arrogant bleibt, Marco endlich essbar kocht, Rena neue Einlagen bekommt, Jennifer auch ohne Nasenatmung auskommt, sich sonstige neue Wehwehchen bei den Schülern einstellen, ob sie zukünftig den Hamburger Busfahrplan und die WG-Hausordnung beherrschen, das alles sehen wir nächsten Montag in der dritten Folge von Rachs Rasselbande hier auf RTL.





