Gutes neues Jahr, liebe Fremdschämfans,
2011 beginnt gleich mit dem Postskriptum zu einem Quotenhit im vergangenen Herbst: Christian Rach zelebriert “Das große Wiedersehen” in seiner Restaurantschule. Im echten Leben ist seit der letzten Folge etwa ein halben Jahr vergangen und RTL ist natürlich scharf darauf zu sehen, was aus den damals noch 9 verbliebenen Restaurantschülern geworden ist … und ob überhaupt. Solche Nachfassfolgen sind für das Fernsehen auch immer eine Spitzengelegenheit, haufenweise Filmschnipsel aus dem Archiv als Rückblenden einzustreuen, man will ja schließlich, dass auch neu hinzugekommene Zuschauer die Zusammenhänge kapieren. Die Wiederholung von Konserven kostet natürlich viel weniger als eine Neuproduktion, was die Beliebtheit dieses Themas bei Rachs Restaurantschule, seinem Restauranttester, Peter Zwegats Schuldnerberatung, Bauer sucht Frau usw. erklärt.
Nach einigen endlosen Minuten mit den wichtigsten Szenen aus dem RTL-Archiv geht es schließlich doch los, Noch-Sterne-Koch Christian Rach betritt seine Neugründung “Slowman” im Hamburger Chilehaus, das angeblich immer schon monatelang im Voraus ausgebucht ist. In der Küche sind nur Jonny und Tim zu sehen, die anderen hätten Schichtdienst und seien deshalb unsichtbar, so der Meister.
Moment, kurz mal anhalten, Jonny in der Küche? Der war doch früher immer im Service, zusammen mit seiner Flamme Nina! Während wir noch auf eine Erklärung vom Rach hoffen, wird erst mal eine längliche Verfilmung der wichtigsten Stationen aus Jonnys Kriminalkarriere eingeschoben, natürlich auch wieder von Konserve. Dann folgt so eine Art Interview, der Meister in Zivil, Jonny in weißer Kochschürze. Ja, ihm sei die Arbeit im Service zu langweilig gewesen, erzählt der junge Mann, da sei zu wenig Adrenalin bei, zu wenig Stress. Deshalb sei er nun in die Küche gewechselt. Rach reicht das als Motiv nicht und er bittet Hanno, einen der beiden Chefs des “Slowman” hinzu und man geht zu einer genaueren Examinierung des Falls in den oberen Gastraum. In Wirklichkeit habe es nämlich haufenweise Beschwerden von Gästen, Kollegen und Lehrern über den aggressiven und impulsiven Jonny gegeben, sagt die allwissende Stimme aus dem Off, und dem wolle Christian Rach nun nachgehen. So schlimm, wie vermutet, wird es dann aber doch nicht, Jonny wird nur vergattert, zukünftig noch mehr Gas zu geben, mehr für die Sache zu brennen. Und das war es dann auch schon, kein Rausschmiss, keine Degradierung zum Putzlappen, Rach ist und bleibt eben immer ein Gutmensch.
Nächster ist Tim, der Ex-Knacki mit dem grünen Küchen-Daumen, der von Christian Rach am Ende des Praktikums gleich als vollwertiger Koch eingestellt wurde. Hier scheint weiterhin alles gut zu laufen, trotz privater Schicksalsschläge und gesundheitlicher Probleme hat Tim sein Leben offensichtlich gut im Griff. Rach ist rundum zufrieden und stellt ihm sogar eine Gehaltserhöhung im nächsten Jahr (2011) in Aussicht.
Nicht so gut ist es dagegen bei Jasmina gelaufen. Schon bei ihrem ersten Auftritt in der Restaurantschule kam sie wegen eines abgefallenen Auspuffs volle fünf Stunden zu spät zum Vorstellungstag und irgendwie ist sie ihrer Unzuverlässigkeit wohl treu geblieben. Nach diversen “Verfehlungen und Vorkommnisse” (leider keine Details) hat man sich im “Slowman” mittlerweile von ihr trennen müssen.
Zwar noch da, aber irgendwie auch halb weg, ist Nina. Christian Rach trifft die 19jährige ziemlich in sich gekehrt, wenn nicht gar depressiv, beim Serviettenfalten. Ach, es sei alles so doof, die Restaurantchefs Hanno und Frank seien immer so grob zu ihr und hielten sie für blöd, weil sie so oft nachfragen müsse. Rach kitzelt aus ihr heraus, dass sie sich momentan sehr um ihr einjähriges Kind sorgt, das bei seinen Großeltern, also ihren Eltern, aufwächst. Sie sieht den Sohn nur noch am Wochenende, kriegt seine Entwicklung nur noch etappenweise mit und neulich habe der Kleine zu seiner Oma sogar schon “Mami” gesagt. Als sie das erzählt, bricht Nina heftig in Tränen aus und Rach muss sie erst einmal väterlich in den Arm nehmen. Warum sie das denn nicht auch mal Hanno und Frank erzählt habe, fragt der Meisterkoch, Außenstehende sähen immer nur ihre toughe, arrogante, perfekt geschminkte Fassade und nicht das Unglück dahinter. Okay, verspricht Nina, sie will zukünftig ihre Probleme offener mit den Vorgesetzten besprechen. Rach gibt sich zufrieden, ich ahne aber seine Zweifel, ob die Sache damit wirklich schon geklärt ist.
Nun geht es leider sehr betrüblich weiter. Hanno und Frank berichten ihrem Oberchef Rach, dass Can und Nourddine momentan nur noch durch entschuldigte und unentschuldigte Abwesenheiten glänzen, die hätten seit dem Sommer noch nicht zwei Wochen am Stück ohne Fehltage hingekriegt und hätten sich auch heute gerade krank gemeldet. Christian Rach beschließt, die beiden Zuhause aufzusuchen, natürlich mit dem Fernsehteam. “Zufällig” trifft er vor Ort an einer Bushaltestelle Marco (der eigentlich in der Berufsschule sein sollte) und Can. Letzterer rennt sofort weg, obwohl sein Arbeitgeber ihm hinterher ruft, stehen zu bleiben. Und das war es dann mit dem Pizza-Experten, Rach spricht sofort das vernichtende Urteil, den Ausbildungsplatz ist Can los.
Nun also zu Marco, der sich mit ein paar halbgaren Ausflüchten verhaspelt, weshalb er jetzt gerade hier und nicht in der Schule sei. Der Rach runzelt die meisterliche Stirn, schimpft in die Kamera etwas von wegen Riesenchance verspielt, Ernsthaftigkeit vermisst etc. und bestellt den Sünder für den Nachmittag ins “Slowman” ein.
Dann betritt der Fernsehkoch die leicht heruntergekommene Mietskaserne, in der Nourddine, sein ehemaliger Hoffnungsträger residiert. Dessen Durchhaltevermögen hatte Rach schon im Sommer in Frage gestellt und ihm deswegen noch keinen festen Ausbildungsplatz angeboten, sondern erst einmal das Praktikum um ein halbes Jahr verlängert, danach wollte man weitersehen. Die Ahnung hat offenbar nicht getrogen, Nourddine macht heute nach Rachs Klingeln noch nicht einmal die Tür auf, obwohl man dahinter durchaus Geräusche hört. Diese Missachtung nimmt uns Chrischan nun aber doch ziemlich mit, schwer enttäuscht spricht er noch ein paar deprimierte Sätze in die Kamera und steigt tief gebeugt die Treppe wieder hinunter. Auch Nourddine habe damit sein Beschäftigungsverhältnis im “Slowman” verspielt, ergänzt die Off-Stimme.
Am Nachmittag erscheint Marco ziemlich kleinlaut zum verordneten Anschiss beim Chefchef im “Slowman”. Der wirft ihm vor allem seine extremen Stimmungsschwankungen vor, wenn er gute Laune habe, übertrage sich sein Grinsen wie ein Sonnenschein auf alle Kollegen und Gäste, aber wenn er mies drauf sei, ziehe er damit alle runter. Marco erklärt, bei dem Projekt bleiben zu wollen und verspricht, sich zukünftig mehr Mühe zu geben. Hand drauf, der Ex-Berliner und der Hamburger sehen sich in die Augen und wollen es weiterhin miteinander versuchen.
Nun zu einer echten Erfolgsstory: Angelika, mit 45 Jahren die älteste Projektteilnehmerin, weiß wohl am besten, was ihr ohne diesen Job droht, nämlich Hartz IV. Dementsprechend ernst nimmt sie ihre Aufgabe und wird von Rach als “Fleißbiene” bezeichnet, die man häufig wegen ihres selbstlosen Einsatzes bremsen müsse, damit sie sich nicht völlig verausgabe. Sie tut genau das, was der Küchenchef eigentlich auch von seinen jüngeren Praktikanten erwartet hätte, sie brennt ohne Ende für das “Slowman”. Schon allein wegen ihr, Angelika, habe sich das ganze Projekt gelohnt, egal was auch immer bei den anderen noch geschehe. Applaus, tiefer kann man sich eigentlich nicht mehr verneigen!
Nun fehlt nur noch eine: Christian Rachs ganz besonderes Sorgenkind Rena. Wir erinnern uns, sie hatte wegen ihrer Korpulenz schlimme Probleme mit ihren Plattfüßen, die viele Lauferei im Service machte ihr schwer zu schaffen und deshalb bekam sie – wie Nourddine – zunächst nur einen Bewährungsvertrag für ein halbes Jahr. Inzwischen ist sie aber eine der ganz zuverlässigen, unermüdlichen Stützen des Restaurants geworden und der Gastropapst übrbringt ihr beim Besteckpolieren die frohe Botschaft, dass er ihr Praktikum zum Jahresbeginn in ein richtiges Ausbildungsverhältnis umwandeln will. So gibt es denn am Ende dieser Sendung noch ein paar Freudentränchen.
Wie die Gallier am Ende jedes Asterix-Abenteuers, so sitzen auch unsere “Slowman”-Helden zum Schluss dieser Sendung in einer gemütlichen Runde zusammen. Christian Rach verkündet dem Team das Ausscheiden von Can und Nourddine, dankt aber gleichzeitig auch allen, die sich so viel Mühe geben, auch Hanno und Frank, den Restaurantleitern. Das “Slowman” sei auf einem betriebswirtschaftlich guten Kurs und biete damit eben auch Bewerbern vom dritten Arbeitsmarkt eine Chance, die anderswo niemals eingestellt würden. Man werde weiterhin das Personal auch in diesem Bereich akquirieren, so dass wir wohl mit einer Fortsetzung dieses Serie in einer zweiten Staffel rechnen dürfen.
Zunächst geht es aber schon am nächsten Montag weiter mit Christian Rach, dem Restauranttester, unterwegs als Einzelkämpfer gegen den schlechten Geschmack. Wir sind mal gespannt, welche gastronomischen Perlen und schwarzen Löcher er uns in der fünften Staffel seines Quotenrenners präsentieren wird.
Bis denne!





