• In der heutigen Folge besucht Christian Rach, der gastronomischen Pannenhelfer, das Restaurant “Hexenhäuschen” in Lengerich zwischen Osnabrück und Münster. Der Laden liegt in einer dunklen Passage abseits der Verkehrsströme und gehört einem gewissen Thomas Windmöller, der gleichzeitig auch der Chefkoch ist. Rach gibt sich keine Mühe mehr mit Überraschungen, sondern kommt einfach zum vereinbarten Termin. Buh! Der wohlgenährte Oberhexer Windmöller begrüßt ihn und erklärt zunächst die kulinarischen Spezialitäten des Hexenhäuschens, das auf den ersten Blick nicht wie ein Restaurant, sondern eher nach Kneipe aussieht. “Lasagne Hollo Bollo” sei einer der Bestseller auf der Speisekarte, erfährt der Hamburger Sternekoch, dabei sei “Hollo” die Abkürzung für “Sauce Hollandaise” und “Bollo” stehe für “Bolognese”. Dass er eine starke Affinität für diese kleinen Kalorienmonster hat, wie wir noch erleben werden, sieht man dem undürren Windmöller sofort an. Momentan plagen ihn finanzielle Sorgen, trotz – oder wegen? – “Hollo Bollo” bleiben die Kunden weg und wenn sich das nicht ziemlich schnell ändert, gehen bald die Licht aus im Hexenhaus.

    Rach ist offenbar ein geiziger Schlaufuchs, isst unter der Woche gar nichts, schlägt nur noch montags zur Sendung zu und lässt dabei immer schön das Fernsehen zahlen. Anders sind die georderten Mengen nicht mehr zu erklären. ;-) Als Ouvertüre kommen heute die viel gepriesene Lasagne Hollo Bollo (küchenintern auch “Lasibollo” genannt) und ein Hexensalat. Während Rach sich noch weitere Wünsche überlegt, verschwindet der Oberhexer Windmöller schon mal in seiner Hexenküche und beginnt mit der Zubereitung. Was Rach – im Gegensatz zur Stimme aus dem Off – nicht mitbekommt, ist die besondere Art, wie hier gekocht wird: Windmöller schüttet auf alle Speisen literweise Sauce Hollandaise aus dem Tetrapak. Offenbar ist diese kalorienträchtige Methode im “Hexenhäuschen” schon immer gängige Praxis, behauptet der Off-Mensch. Hmmm, kurz mal reflektiert: Logisch, Gäste, die so etwas jahrelang in sich hineinschaufeln, bleiben zwangsläufig irgendwann mal aus, wenn sie nämlich wegen Herzverfettung der Sensenmann geholt hat.

    Rach beäugt stirnrunzelnd die ersten hereinbrechenden Speisen, die komplett in der gelben Sauce verschwunden sind, bestellt aber todesmutig weitere Köstlichkeiten: Hollo-Töpfchen, Jägerschnitzel und diverse Wraps. Als der Hollo-Topf kommt, ist er kurzzeitig fassungslos, denn dabei handelt es sich tatsächlich um einen mittelgroßen Topf warmer Sauce Hollandaise mit Kelle darin und dazu ein paar Brötchen, sonst nichts. Herzlichen Glückwunsch, mit dieser Kalorienbombe wandelt Windmöller klar im gastronomischen Niemandsland zwischen Frittenbude und Körperverletzung. Auch das Jägerschnitzel spottet jeder ordentlichen Beschreibung, die zugehörigen Champignons kommen aus der Dose, die Bratkartoffeln aus der Tüte. Rach erkennt das mit einem Blick am gleichmäßigen Schnitt der Kartoffelscheiben, der Hexer windet sich mit Ausreden heraus, aber erfolglos. Auch die Pilze sind sekundenschnell entlarvt und dann hält auch das Schnitzel dem kritischen Auge des Sternekochs nicht mehr stand: Es ist nur Formfleisch, die fehlenden Sehnen haben es verraten!

    Rach spürt die verheerende Wirkung der Überdosis Sauce Hollandaise, er fängt zwischen den Menügängen an zu rappen und quatscht Windmöller seltsam von der Seite an: “Kennst Du eigentlich das Hollo-Deck auf der Enterprise?”, will er wissen. Dann widmet er sich wieder dem Essen. Jetzt seziert er die Weizentortillas, die enttäuschenderweise ohne die Sauce Hollandaise auskommen müssen – die Packung ist wohl gerade alle. Einer alten RTL-Tradition folgend, nimmt Super-Chrischan den fast ungegessenen Teller mit der Hollo-Bollo-Lasagne, verlangt etwas lallig das Rezept (worauf er und der Wirt zusammen surreal lachen) und trägt das Zeug zurück in die Hollo-Abfüllstation des Etablissements. Die Küche des “Hexenhäuschens” ist schnell erkundet, ich kenne Gästeklos, die größer sind. Der Hamburger scheint unsicher, ob das ganze überhaupt in seine Sendung passt, im engeren Sinne fehlt “Rach, dem Restauranttester” hier das Restaurant - eigentlich ist das nur eine Kneipe mit Tütensoße. Für heute Abend hat er genug gesehen und gegessen. Der Sternekoch macht den Abgang und wird sich im Hotel vermutlich erstmal so richtig gemütlich übergeben.

    Am nächsten Morgen wirkt das Hollo-Bollo-Trauma noch nach, Rach ist böse vergnaddelt und besieht sich bei Tage die Passage, in der das Hexenhäuschen untergebracht ist. Genau genommen gibt es da gar kein Tageslicht und Passanten kommen auch nicht viele vorbei. Ist vielleicht auch besser bei der Küche… Rach reagiert erstmal seinen verstimmten Magen an Windmöller ab: So viel Fertigprodukte (100%) habe er noch in keinem Betrieb gesehen, das habe aber auch gar nichts mit Kochen zu tun, nicht mal “Null Komma Null Null Null Prozent”. Rach meckert über die bunkerartige Lage des Hexenhäuschens, ohne Tageslicht im Inneren einer dunklen Passage, findet die Dart-Apparate mitten im Schankraum problematisch (Windmöller stimmt zu) und begreift so langsam, welche Herausforderung dieser völlig vermurkste Laden darstellt. Tja, ist nichts mit der leicht verdienten RTL-Kohle, diesmal muss selbst der Meister tief in die Ideenschublade greifen. “Lage, Küche, Ambiente, Einrichtung… hier stimmt im Grunde gar nichts”, souffliert die RTL-Stimme haufenweise Gründe für eine ausgewachsene Depression. Vermutlich hat Rach intern schon die Sprengung des ganzen Wohnblocks ins Kalkül gezogen, aber das gibt sein Budget wohl nicht her.

    Die traditionelle Küchenbesichtigung ist im Hexenhäuschen schnell erledigt. Die garagengroße Küche ist sauber, wird ja aber auch kaum als solche gebraucht, sondern dient nur zum Aufreißen und Zusammenkippen von Tüten- und Doseninhalten. Im kleinen Lagerraum findet Rach eine Batterie von Sauce-Hollandaise-Tetrapaks und einen Haufen Bolognese-Tüten. “Selbst das Hackfleisch ist hier Fleischersatz, gibt es bei Euch überhaupt IRGENDWAS Frisches?”, will er wissen, kennt die Antwort aber wohl schon… Ansonsten verfällt er in tiefes Grübeln, will sich erst mal die Stadt Lengerich zeigen lassen, um zu sehen, was es dort gibt und wo vielleicht Nischen bestehen, die Windmöller mit seinem Soßenbunker erobern könnte. Gibt es aber nicht, bessere Restaurants als das Hexenhäuschen finden sich in der Stadt in Hülle und Fülle. Rach trommelt die gesamte Belegschaft zusammen, fragt hier nach Ideen für neue Gerichte und bekommt immer wieder seine Befürchtung bestätigt: Egal, was er macht, aber ohne Hollo-Bollo geht es absolut nicht.

    Nach vier depressiven Tagen in Lengerich kommt Meisterkoch Rach die Erleuchtung: Das Hexenhäuschen ist kein Restaurant und wird auch nie eines werden, lasst uns eine Kneipe daraus machen, in der der Spaß regiert. Thomas Windmöller muss wohl oder übel mitspielen, denn ihm bleiben nur noch drei Tage, dann ist der RTL-gesponserte Gastropapst wieder weg. Zusammen steigen Thomas und sein Gast aus Hamburg in den Windmöllerschen Keller und fördern Kitsch ohne Ende zutage, u.a. grässliche Ölschinken à la “Röhrender Hirsch”, Hexen-Stehrumchen und eine Art künstlichen Kamin mit Feuerimitation aus Plastik.

    Christian Rach, eigentlich weltweit als Feind von Deko und Nippes bekannt, macht aus dem bisher sehr kahlen und altmodischen Schuppen ein konsequent überzuckertes Retro-Lokal mit Kult-Charakter. Höchstselbst schwingt der Meister den Pinsel und übermalt eine fies orange Wand mit knall-laubfroschgrüner Farbe. Und damit es schön kultig bleibt, erlaubt Rach auch weiterhin die Herstellung von Hollo-Bollo und anderen Lebensmittel-Persiflagen. Er stellt sogar eine Packung Hollandaise-Schlotze auf einen kleinen Sockel an der Wand, links und rechts je eine Kerze, quasi als Altar im Soßentempel.

    Die von RTL gemieteten Eröffnungs”kunden” bevölkern am letzten Tag in großer Zahl das neu erstandene Etablissement, kosten auch mal von den leckeren Rumpsteaks à la Rach, bestellen aber doch überwiegend die Cholesterinbomben mit gelber Tunke. Rach ist irgendwie zufrieden mit sich, kann auch gut mit dem jetzt fröhlich wirkenden Besitzer und verspricht, sich in ein paar Wochen den Laden nochmal anzusehen. Ohne eine abschließenden Portion Hollo-Bollo entschwindet der Meister gen Hamburg.

    Nach sieben Wochen ist er wieder da, alles hat sich prächtig entwickelt, Windmöller spricht sogar von einer hundertprozentigen Umsatzsteigerung seit Rachs Einsatz. Tatsächlich sitzt trotz der frühen Tageszeit schon eine ganze Reihe (freiwilliger?) Gäste im Lokal. Neben Hollo-Bollo ist in der Speisekarte jetzt auch eine “Frikadelle mit Loch” aufgetaucht, angeblich wird die im Hexenhäuschen sogar selbst hergestellt, behauptet der Wirt. Einen neuen Pizzaofen hat er auch, in der Küche wirbelt die Köchin geschäftig hin und her und gießt gerade gelbe Soße auf eine fertige “Pizza mit Gyros und Hollo” (!). Rach ist zufrieden, so hat er es sich in seinen kühnsten Hollo-Bollo-Alpträumen wohl vorgestellt, gibt Windmöller einen Kuss auf die Backe und schwadroniert vor der Kamera noch etwas über seine tolle Idee mit dem Soßenkult.

    Eine etwas ungewöhnliche Folge, weil sie fast gar nicht in der Küche spielt und kaum richtiges Essen darin vorkommt. Aber ganz ehrlich gesagt, wenn ich mir die Online-Speisekarte des Hexenhäuschens so durchlese, kriege ich direkt Hunger auf eine Gyrostasche mit Hollo. Schade, dass ich nicht in Lengerich wohne…

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  • Ein Novum für Christian Rach, den Hamburger Sternekoch: Heute soll er in Augsburg gleich ein ganzes Kegelzentrum vor dem Fiasko retten. Nicht so neu ist hingegen sein Trick, einfach einen Tag früher als angekündigt zu kommen. Im Gegensatz zu uns Profi-Zuschauern kennt Geschäftsführer Thomas Preißler diese Finte angeblich noch nicht, zumindest tut er ziemlich überrascht. Vermutlich hat er auch besseres zu tun, als sich abends Müll-TV anzusehen, denn eigentlich fordert das Geschäft seine komplette Aufmerksamkeit, hier läuft es momentan nämlich überhaupt nicht rund.

    Rach stillt nach gewohntem Schema erst mal seinen üppigen Appetit – offenbar hat er seit der letzten Sendung nichts mehr gegessen! Heute bestellt er in einem Rutsch den Burger-Toast, Feinschmeckersalat, Allgäuer Rahmrostbraten und ein Schnitzel nach Art des Hauses. Während unser Meisterkoch dem Betrieb auf den 16 Kegelbahnen zusieht und mit Kellner Charlie schäkert, gibt Preißler die Riesenbestellung an die Küche weiter. Dort ist die 63-jährige Köchin Vera seit 20 Jahren der gute Geist und überhaupt besteht die ganze Küchencrew nur aus ihr. Die Stimme aus dem Off frotzelt schon mal los, als Vera anfängt, den Feinschmeckersalat zu kreieren, indem sie mit bloßen Händen die Inhalte mehrerer offener, ungekühlt auf der Erde stehender Tröge zusammenwirft. Mit “viel Liebe” gibt sie noch einen Löffel Dressing dazu und fertig ist das erste Gericht. Der Burger wird ebenfalls aus tiefgefrorenen Fertigteilen zusammengebastelt, mit Kochen im engeren Sinne hat das nicht viel zu tun. Mal sehen, was Rach gleich dazu sagt… Im Hintergrund hört man übrigens die Erkennungsmelodie von Miss Marple – ob RTL damit auf das vorgerückte Alter der serbischen Küchenfee anspielen will?

    Als die Ergüsse aus Veras Küche beim Gourmet-Papst ankommen, flüchtet Geschäftsführer Thomas Preißler ahnungsvoll in die Kulisse. Auch Kellner Charlie hat dringend am anderen Ende des Etablissements zu tun. Rach nimmt mit Todesverachtung immer nur wenige Bissen von den bestellten Gerichten, lacht zwischendurch hilflos, spült mit Bier nach, lässt eine fiese Bemerkung fallen und arbeitet sich weiter durch die “Köstlichkeiten”. Am Ende bleibt er bei den Pommes hängen, die es zum Schnitzel gab und trägt dann wie gewohnt den letzten Teller zurück zum Tatort Küche. Rach mag der mütterlich wirkenden Vera gar nicht die volle Wahrheit sagen und deutet seine Unzufriedenheit vergleichsweise zahm an.

    So schlimm kann es aber denn doch nicht gewesen sein, Rach hat die Nacht überlebt und steht am nächsten Tags schon wieder im Kegelzentrum. Heute will er die gesamte Anlage kennen lernen, Thomas soll ihm alles erklären. Der ist übrigens nicht nur Geschäftsführer, sondern nebenbei – oder hauptsächlich – auch noch zuständig für die Wartung von der Kegelanlage, der Außenanlage sowie aller Toiletten und Duschen. Bei der Besichtigung des Hauses kriegt der Hamburger das kalte Grausen. Überall hängen Verbotsschilder und von den berichteten Toilettengerüchen will ich hier gar nichts schreiben. Rach konstatiert, dass Preißler irgendwie unbeteiligt wirke, mehr wie ein Hausmeister und weniger wie der Geschäftsführer eines auf die Insolvenz zusteuernden Betriebes. Ein Besuch bei Vera in der leicht siffigen Küche zeigt auch bei ihr eine gewisse Resignation. Auch sie wirkt so, als habe sie den Kampf um den Laden bereits aufgegeben. Rach bohrt nochmal wegen des verhunzten Salats vom Vortag nach: Das sei Pech gewesen, normalerweise gerate der besser, behauptet die liebenswerte Köchin. Das lässt der Sternekoch diesmal so durchgehen, denn Vera genießt “Welpenschutz”, oder wie soll man das in ihrem Fall nennen?

    Tag Drei soll nun die Wende bringen: Rach hatte Preißler die Hausaufgabe gegeben, sich ein neues Konzept für den Laden zu überlegen, so dass er auch für junge Leute wieder attraktiver wird. Sicherheitshalber – der Hamburger kennt seine Kundschaft – hat er sich auch schon selbst ein paar Gedanken gemacht. Das “Kegelzentrum” soll ein Zentrum für “Sport, Spiel und Spaß” werden, das nicht nur Kegelrentner anzieht. Dazu gehören auch eine andere Beleuchtung, jugendliche Musik und insbesondere eine modernere Speisekarte. Unverblümt fragt Rach den Geschäftsführer, ob er bereit ist, dabei den “Vortänzer” zu machen. Thomas sagt ja und damit ist der Kurs für die nächsten Tage abgesteckt.

    Für die Werbepause haben die hochbezahlten Experten aus dem RTL-Quizlabor in jahrelanger Arbeit wieder eine knifflige Zuschauerfrage entwickelt, deren richtige Beantwortung mit Glück schlappe 3.000 Tacken bringt: “Wie heißen die kleinen Kuchen aus den USA? a) Knäckebrot oder b) Muffins” Ich will ja nicht zu viel verraten, aber in diesem Mülltv-Beitrag findet man das Lösungswort… :-)

    Am vierten Tag setzt sich Rach erstmal mit den bejahrten Vorständen der diversen Kegelvereine zusammen, die im “Kegelzentrum” aktiv sind. Man sieht schnell, was das eigentliche Problem ist: Hier gibt es gar keine jungen Leute, die Kundschaft von Preißler ist überwiegend im Rentenalter. Der Meisterkoch schafft es scheinbar, alle Anwesenden davon zu überzeugen, zum Erhalt der Anlage Kompromisse zu machen. Sie müssten sich damit arrangieren, dass zukünftig vermehrt junge Leute ins “Kegelzentrum” kommen, die einen anderen Musik- und Essgeschmack haben. Über einen lokalen Radiosender macht Rach dann einen Aufruf an alle Hörer, in dem er nach Sponsoren für die Baumaterialien sucht, mit denen aus dem “Kegelzentrum” die “Kegelburg” werden soll. Gemessen an den eintrudelnden E-Mails scheint das ein voller Erfolg zu sein. Weil die nun anstehenden Umbauarbeiten ein paar Wochen dauern werden, zieht sich der Meisterkoch erstmal in die heimischen Gefilde an der Elbe zurück und überlässt Preißler die Drecksarbeit.

    Aus geplanten drei Wochen werden drei Monate, aber dann ist Rach wieder in der “Kegelburg” am Eiskanal in Augsburg und will sich höchstselbst vom Ergebnis der Bauarbeiten überzeugen. Der Eingangsbereich versprüht weiterhin den Betoncharme einer 70er-Jahre-Hochhaussiedlung, aber drinnen hat sich wirklich was getan: Zwischen dem Restaurantbereich und den Kegelbahnen wurde eine verglaste Schallschutzwand eingezogen und dazu wurde das ganze Mobiliar inklusive des Tresens modernisiert. Hingegen hat sich beim Personal entgegen Rachs unausgesprochener Hoffnung nichts verändert. Er lässt sich von Charlie zwei Cocktails mischen und Vera soll ihm eine Pizza backen – beides gab es vor drei Monaten hier noch nicht. Der Hamburger ist einigermaßen zufrieden, auch wenn die Pizza doch arg klein ausfällt, so auf halbem Wege zwischen Normal- und Kräckergröße. Für den nächsten Tag setzt er verschärftes Küchentraining an, denn übermorgen soll die große Einweihung kommen (vermutlich sind dafür schon die üblichen RTL-Statisten gebucht).

    Der Küchentag kommt und Vera führt ihre neue Idee vor: Pizza-Happen für den kleinen Hunger zwischendurch – die sind nun wirklich nur noch so groß wie Kekse. Rach und Preißler probieren, wobei letzterer sagt, dass es ihm nicht so doll schmecke. Rach scheint das positiver zu sehen und springt Vera bei: Dann soll doch Preißler bitte selbst mal kochen. Gesagt, getan, springt der mit der Schürze durch die Küche und kämpft mit solchen Widrigkeiten wie klemmenden Backofentüren. Das wird also auch nichts und nun kommt The Rach himself! Er zeigt den beiden, wie man echt italienische Crostini zubereitet, natürlich gelingen die bestens.

    Während Vera und Charlie nun an der neuen Speisekarte feilen, schleppen der Gourmetpapst und Thomas neue Lounge-Möbel herein, die gerade angeliefert werden. Später kommt dann auch noch ein Lichtmokel und bringt grüne Strahler. Irgendwie fragt man sich, woher auf einmal das ganze Geld kommt, der Laden war doch schon ziemlich pleite. Vielleicht gibt RTL ja noch was dazu?

    Am Morgen des letzten Tags zieht Rach eine große Kiste mit neu-alten Retrolampen hinter sich her, die er in einem 70er-Jahre-Laden entdeckt hat. Die werden nun gleich angeschraubt und bringen ordentlich Farbe in die Bude. Der Maestro zieht seine Kochuniform an und übernimmt die Küche. Dann kommen die Gäste, futtern, kegeln und haben Spaß. Wie immer werden nur zufriedene Leute interviewt, die versprechen, garantiert wiederzukommen. Überraschend ist die Veränderung des Geschäftsführers: Wirkte Thomas Preißler am Anfang noch wie ein gleichgültiger Schlaffi, hat er am letzten Tag spürbar an Energie gewonnen und wirbelt durch seinen verjüngten Laden. Mal sehen, ob das hält…

    Ja, tut es: Als Rach acht Wochen später zum Kontrollbesuch wieder in Augsburg ist, findet er alles in bester Ordnung. Der Laden brummt und Preißler hat Oberwasser. Er kann sich auch nicht erklären, warum erst das Fernsehen kommen musste, damit es bei ihm “Klick” machte. Dann lässt sich der Sternekoch von Vera eines der überarbeiteten Gerichte bringen, zeigt sich begeistert und bringt den leergegessenen Teller zurück in die Küche. Eine rührende Szene, wie Rach der dankbaren Vera die Hand schüttelt, vermutlich hatte sie insgeheim mit einem Anschiss gerechnet. Mit Tränen in den Augen verabschiedet sich Rach von seinen neuen Freunden in Augsburg. Wieder eine eher harmlose Folge, in der es viel mehr menschelt als knallt. ;-)

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  • Vorweg meine Enttäuschung: Es gab heute schon wieder keine Spackenparade bei Rach! Die Protagonisten der neuesten Folge aus dem Rach’schen Schlemmeruniversum sind zum Knuddeln sympathisch, verstehen ihr Handwerk und haben einfach nur nicht genügend gute Ideen, um ohne professionelle Hilfe gegen die Konkurrenz bestehen zu können. Das vergrößert zwar die Aussicht auf ein menschlich zu gönnendes Happy-End, bringt uns aber um die Momente, in denen der Sternekoch am besten ist, nämlich wenn er unter dem Gejohle Fernseh-Deutschlands irgendwelche Küchen-Dilettanten vierteilt.

    Ja wo bleiben denn die ganzen Gastro-Anarchisten, deren verdientem Untergang man früher immer so gern zugesehen hat? Und die mit schöner Regelmäßigkeit einen Ausdruck blanken Entsetzens auf das Gesicht von Meisterkoch Christian Rach zauberten, wenn er mit dem Fernsehen im Schlepptau völlig versiffte Küchen besichtigte? Welcher besserwisserische Kochazubi legt sich heute noch mit dem Messias der Mägen an? Richtig: Keine Sau! Stattdessen ist in den deutschen Restaurantküchen scheinbar der Weltfriede ausgebrochen – und damit die große Langeweile. Ey, RTL, diese Sendung lebt eigentlich vom Aufeinanderprallen unterschiedlicher Charaktere, nämlich einerseits dem Koch des hilferrufenden Etablissements, der tief innen drin noch immer überzeugt ist, das Richtige zu tun, während andererseits plötzlich ein dahergelaufener Fernsehkoch seinem Millionenpublikum erklärt, wie schlimm doch das Versagen des bisherigen Küchenchefs ist. Dann kommt es entweder zum großen Knall oder aber der alte Chefkoch liegt winselnd auf den Knien und bittet den Hamburger um Gnade. Auf jeden Fall war das immer sehr unterhaltsam. Aber gut, so sei es, machen wir halt in Harmonie…

    Heute kocht Christian Rach jedenfalls im Restaurant Altes Brauhaus im – wie bei RTL fast jeder Ort – “malerischen” Marburg. Der Laden gehört seit 1997 Karsten und Beate Wetzlar – mit überschaubarem Erfolg, d.h. die Kunden bleiben weg. Bei seinem Besuch stolpert Rach vor der Eingangstür erstmal über ein rätselhaftes Schild: “Wir machen von 14:59 Uhr bis 17:49 Uhr Pause; Küchenschluss 14:13 Uhr” steht darauf. Kaum hat der Meisterkoch die sympathischen Wirtsleute gefragt, weshalb sie ihn denn überhaupt gerufen haben, laufen bei Beate Wetzlar bereits die Tränen – so sehr drängen die Probleme.

    Die Sache mit dem Schild wird erstmal hintangestellt, zunächst wird gespiesen. Rach hat wieder ein bisschen Hunger mitgebracht und er bestellt einen Salat und dazu parallel ein großes Wiener Schnitzel und ein Steak im Pfeffer-Cognac-Rahm. Als der Salat kommt, gibt’s gleich Mecker vom Meister: Der Salat ist viel zu groß, was sollen die komischen Orangenscheiben darin und beim Bier fehlt die Kohlensäure! Später ärgern ihn die mehligen Pommes, dafür mag er zur Abwechslung das Schnitzel. Dann kommen die so genannten Bratkartoffeln, die Rach mit einmal Draufsehen als Fälschung entlarvt: Sie stammen nämlich nicht aus der Bratpfanne, sondern von einer – dreckigen – Bratplatte, wie Karsten Wetzlar unter dem bohrenden Blick des Meisters gesteht. Der zerlegt nun die Reste des Wetzlar’schen Selbstbewusstseins gekonnt mit einem kurzen Satz: “Gib’ mir einen Grund, warum ich als Gast hier sein sollte.” Den bleibt das Besitzerehepaar schuldig und genau das sei das Problem, sagt die allwissende Stimme aus dem Off.

    Rach sieht sich in dem gesamten Laden um. Das Inventar scheint ein wenig in die Jahre gekommen zu sein, vor allem die speckigen Sitzbänke. Beate hat einen ausgeprägten Dekorationsfimmel und offenbar leider auch keine Angst vor Kitsch. In der kleinen Küche ist dann aber alles bestens in Ordnung – schon mal die halbe Miete, wenn der Meisterkoch beim Anblick der Küche nicht kotzen muss… “Alles nett, aber austauschbar”, lautet die Bilanz des ersten Tags. Hausaufgabe für die Wetzlars ist, sich bis morgen zu überlegen, wie das Alte Brauhaus “unverwechselbar” werden könnte.

    Am zweiten Tag geht Rach dann gleich ans Werk und nimmt die Wetzlars mit auf einen Rundgang durch die äh, na, ja klar malerische Marburger Altstadt. Man sieht sich die gastronomische Konkurrenz an und beschließt, dass das Brauhaus in Zukunft vor allem für rustikale Hausmannsküche stehen soll. Bei einem Gespräch mit der jungen Köchin Nadine äußert diese ganz erfrischend, sie fände den eigenen Laden und das angebotene Essen langweilig, sie selbst würde privat auf keinen Fall mit ihren Freunden herkommen und sowieso würde sie hier am liebsten eine Bombe zünden und alles wieder neu aufbauen. Rach ist begeistert und als die drei Küchengrazien dann auch noch anfangen, eine radikal rustikale neue Speisekarte zu entwickeln, schmilzt er nur so dahin. Lediglich Karsten, der Chef des Ganzen, scheint emotional auf der Bremse zu stehen und wirkt angesichts der geplanten Veränderungen skeptisch und viel zu ruhig, nach Rachs Geschmack.

    Nützt ihm nichts, am dritten Tag wird gebaut: Rach hat ein paar Handwerkerkumpels (wer’s glaubt) aktiviert und nun werden die Wände neu in rot gemalt, die Innenfenster mit gelben Butzenscheiben fliegen raus, die langweiligen Bänke werden durch rustikale Exemplare ersetzt und auch für den Tresen hat Rach irgendwelche Pläne, die er aber heute noch für sich behält. Karsten steht noch immer herum wie Falschgeld und beteiligt sich kaum. Das kann Rach, der Mensch gewordene Küchenquirl, nicht verknusen und er faltet Karsten bei der ersten sich bietenden Gelegenheit zusammen, als der nämlich das Prinzip der neuen “rustikalen” Speisekarte voll nicht verstanden hat: Es gibt fortan eigentlich nur noch ein Hauptgericht, gebackenes Schnitzel nach Brauhausart, dazu wahlweise Kartoffelsalat oder gemischten Salat.

    Tag vier steht im Zeichen der Küche: Rach will den drei Kochgrazien plus Karsten, ihrem Chef, mal verschärft über die Schultern sehen. Während die Damen sich einigermaßen geschickt anstellen, verheddert sich Karsten bei der Frikadellenfabrikation. Er wiegt Pfeffer, Salz und Muskat für das Mett in stoischer Ruhe ab, was den Meisterkoch auf die Palme bringt: “Du musst Gas geben mit den blöden Frikadellen, sonst wird das nichts!” Auch ansonsten fehlt überall elementares Wissen. Dass und wie man Bratkartoffeln richtig brät, müssen die Köchinnen sich erst vom Hamburger zeigen lassen. Als es Nacht wird und sich das Fernsehteam verzieht, blüht dann leider wieder Beates Dekomacke auf: In Nullkommanichts hat sie überall kitschige kleine Arrangements mit Servietten, Pfännchen und Kochlöffeln platziert, die Rach am nächsten Morgen stante pede wieder entfernen lässt.

    Der letzte Tag bringt wie in jeder Folge die Wiedereröffnung des überarbeiteten Restaurants. Vermutlich hat sie sich in der vergangenen Nacht mit ihren kleinen Kitschdekos zu sehr verausgabt, denn heute hat Beate einen ziemlichen Durchhänger beim Einrichten des neo-rustikalen Schankraums mit den neuen Holztischen. Es gibt diesmal eine kleine Auswahl der neuen Speisekarte, die Küche ist auf einen Mega-Ansturm vorbereitet und der kommt auch tatsächlich. Wie immer bleibt es ein Betriebsgeheimnis von RTL, wieso es am letzten Tag einer Folge im RTL immer so knackevoll ist, vermutlich wurden die Gäste alle als Statisten gecastet. Oder vielleicht ist das auch einfach der Christian-Rach-Fanclub, der dem Meister aus Hamburg im Bus hinterhergereist ist? Egal, jedenfalls schmeckt es allen und ein paar besonders anbiedernde Gäste kündigen sogar an, zukünftig öfter mal wiederkommen zu wollen.

    Ein paar Wochen später kommt der Sternebesitzer zur Kontrolle nochmal zurück nach Marburg, wird im “Alten Brauhaus” herzlich begrüßt und findet alles in bester Ordnung vor. Karsten erzählt, wie hart die erste Zeit mit der neuen radikal-rustikalen Speisekarte war. Er habe aber allen Anfechtungen widerstanden und trotz Bitten mancher Gäste keines der inzwischen abgeschafften Gerichte jemals wieder gekocht. Rach lässt sich nochmal das neue Hauptgericht “Brauhausschnitzel” mit Bratkartoffeln servieren, isst es komplett auf und zeigt sich rundum zufrieden. “Was man doch alles in einer Woche bewegen kann… um das ‘Alte Brauhaus’ mache ich mir jedenfalls keine Sorgen mehr”, resümiert er am Ende der heutigen Folge.

    Das war’s, keine Wut- und Schreianfälle, keine beleidigten Köche oder ausgepumpten Mägen. Die neue Staffel kommt sehr zahm daher, zu zahm für meinen Geschmack.

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  • Drei Hungermonate sind vorbei, endlich serviert uns Meisterküchenchef Christian Rach wieder Spezialitäten aus der Welt der Gastronomie.  Genau genommen dreht sich bei ihm alles um die Sorgenkinder seiner Branche, denn Rach ist für Gastwirte das, was Zwegat für Schuldner ist, nämlich der letzte Strohhalm vor der Pleite.

    Die heutige erste Folge der neuen Staffel führt uns ins malerische (upps, bin noch so im “Bauer sucht Frau”-Fieber), also führt uns nach Herzogenaurach, der Stadt von Adidas, Puma und Lodda Maddäus (sagt Wikipedia). Hier betreibt das sympathische, leicht angegraute Ehepaar Annemarie und Martin Lanthaler mit einigen Verwandten seit 37 Jahren den “Zum Tiroler”. Obwohl ich beim Namen eher an Österreich denken muss, gibt es hier vor allem italienisches Essen aller Art und jeder Größe. Des Rätsels Lösung: Die Lanthalers kommen aus Südtirol, das ja bekanntlich zu Italien gehört. In den letzten Jahren ist der Umsatz auf gerade noch ein Viertel gesunken, angeblich grundlos.

    Rach hat sich endlich abgewöhnt, immer einen Tag früher als angekündigt zu kommen – die Pointe war inzwischen aber auch sowas von abgelutscht. Dementsprechend unüberrascht sind die Lanthaler-Brüder. (Da wären “Junior” Albert, der Chef vom Service und “Senior” Martin, der Chefkoch, dessen Frau Annemarie das Restaurant offenbar leitet.) Der Gastropapst nimmt an einem der Tische im komplett leeren Restaurant platz und inspiziert zuerst die Speisekarte. Da begann ja in den früheren Staffeln meist das Unheil und auch diesmal ist es nicht anders: Es gibt mehr als 150 verschiedene Gerichte und jedes in diversen Varianten und Größen (und Preisen). Das macht zusammen gut 500 Preisangaben. Die Speisekarte sieht von weitem aus wie eine Excel-Tabelle und Rach kriegt ‘nen Föhn (“Muss man dafür Mathematiker sein, um bei Euch was zu bestellen?”).

    Dann startet ER den ersten Teil seiner Fressorgie: 2 Sorten Bruschetta, Spargelsuppe, Brokkolisuppe, Spaghetti al Tonno (klein) und Penne al Salmone (auch klein). “Junior”, der Service-Bruder, guckt etwas verzweifelt, läuft in die Küche und überbringt der versammelten Familie diese Megabestellung. Während nun alle gleichzeitig in Schweiß geraten, ertönt im Hintergrund nicht ohne Grund die Dick-und-Doof-Erkennungsmusik.

    Dann kommt wieder der typische Rach mit dem verwöhnten Gaumen, der mit nichts zufrieden ist: Die Bruschetta sind bröselig und schmecken ihm nicht, die beiden Suppen kann der “Junior” postwendend wieder in die Küche tragen “braucht die Welt nicht, das is’n Brei”, der Thunfisch und die Paprika stammen aus der Dose, in der Penne ist Räucherlachs “das geht ja gar nicht” und so weiter. Dann wirft er einen verhängnisvollen weiteren Blick in die Karte “Was heißt denn Pizza Spaghetti Bolognese?”, will er nun wissen. “Das ist eine Pizza mit Spaghetti und Soße und Käse”, kommt die wenig überraschende Auskunft. Rach ist begeistert: “Das finde ich ja ganz eklig, das möchte ich bitte haben.” Außerdem bestellt er sich für den kleinen Hunger zwischendurch auch noch ein Gorgonzolasteak.

    Zum martialischen “Imperial March” vom Krieg der Sterne werden wir Zeuge, wie flinke Hände in der Küche einen Topf Spaghetti auf einen Pizzateig ausleeren und in den Ofen schieben. Da grummelt einem der Magen schon beim Zusehen. Wird aber noch besser: Das arme Gorgonzolasteak wird in einem Eimer Soße ertränkt, nur notdürftig ausgewrungen auf den Teller geklatscht und so schwimmend dem Sternekoch serviert. Schade, dass dessen flammende Predigt gegen die mancherorts herrschende Versoßungspraxis, die er den Fernsehzuschauern gerade zwei Minuten zuvor gehalten hatte, nicht in die Küche übertragen wurde, das hätte den Brüdern den nächsten Anschiss erspart: “Das ist ‘ne fette Schlotze, die nach nichts schmeckt”, lautet Rachs vernichtendes Urteil. Dann kommt das Lanthaler’sche Meisterstück, die Pizza Spaghetti Bolognese. Rach zögert etwas, bevor er seine kostbaren Geschmacksnerven für dieses Machwerk aufs Spiel setzt, aber der Gedanke an den fetten RTL-Gagenscheck gibt wohl den Ausschlag und mit Todesverachtung führt er die Gabel zum Mund. Nach dem ersten Bissen lässt er die Gabel sinken, schüttelt langsam den Kopf und fragt völlig verständnislos in die Kamera “Warum bloß macht man so was?”…

    Nun folgt ein weiteres Rach’sches Ritual, der Gang zum Tatort. Auf spitzen Fingern trägt er die letzte Gaumenbeleidigung zu deren Urhebern in die Küche zurück und fordert Satisfaktion für seinen Magen. Kriegt er aber nicht, keiner will es mit ihm aufnehmen und sowieso wirken die Küchenmenschen irgendwie alle ganz sympathisch. Rachs Kampfeswillen ist vom vielen Essen wohl etwas abgestumpft und er vertagt das Standgericht auf den nächsten Morgen.

    Rach hat die Nacht wider erwarten überlebt und steht am nächsten Morgen um 10:30 Uhr erneut vor dem “Tiroler”. Heute ist sogar die erweiterte Familie da, auch die Nichte Patricia, die Rach zu Hilfe gerufen hat, weil sie nicht mehr mit ansehen kann, wie sich Onkel und Tante für nichts kaputtschuften. Rach schlägt vor, die Speisekarte auf 15 Gerichte zu reduzieren, “Senior” Martin behauptet, das sowieso schon immer gemacht haben zu wollen, die Nichte widerspricht, er sei in Wirklichkeit beratungsresistent. Alles brabbelt durcheinander, labaluba labaluba. Der Hamburger ist leicht genervt, wähnt Widerstand  gegen Neuerungen und verzieht sich schon wieder zum Essen (auswärts, nicht beim “Tiroler”). Solche Arbeitszeiten wie der möchte ich auch mal haben…

    Am Nachmittag haben sich der Chef-Lanthaler und seine Frau, die Oberchefin, dazu durchgerungen, Rachs Vorschlägen bedingungslos zu befolgen – so tief steckt der Karren mittlerweile im Dreck. Der Sternekoch macht eine Hausbegehung, mäkelt am Eingangsbereich herum und kommt dann zum Kernproblem: Der Küche. Also nicht die Küche als Raum, sondern vielmehr das, was dort produziert wird. Für den nächsten, den dritten Tag, vereinbart er ein Probekochen unter seinen meisterlichen Argusaugen. Es liegt was Bedrohliches in der Luft.

    Am nächster Tag ist der Tag der Wahrheit, es geht ins Allerheiligste. “Koch’ mir Dein bestes Gericht – und koch’ um Dein Leben!”, lautet Rachs Tagesbefehl an den “Senior”. Das wird dann ein Spaghetti al olio. Die auch bei Rach bestens aufgelegte Musikredaktion  lässt im Hintergrund die Titelmelodie von der “Sendung mit der Maus” erklingen – Lach- und Sachgeschichten für Kinder, was wollen die damit nur andeuten? Rach steht skeptisch guckend und mit verschränkten Armen neben der zischenden Pfanne und lässt Martin nicht aus den Augen. Der wirbelt mit Öl, Knoblauch und Nudeln, brutzelt das Zeugs kurz durch und kippt schließlich noch etwas Brühe oben drauf. Fertig.

    Fertig ist auch Rach – und zwar mit den Nerven. Wenn das das beste Gericht gewesen sein soll, das “Senior” kann, dann Gute Nacht, Tiroler. Er schleppt Chefkoch und Chefin in einen nahe gelegenen italienischen Supermarkt und kauft mit ihnen frische Lebensmittel ein. Während Dosenfetischist Martin noch den Kulturschock verdaut, tut Rach endlich mal was für seine Gage und fängt an zu kochen. Im Nullkommanichts zaubert er mit Birnen und Käse einen “Tiroler Herbstsalat”. Dann haut er unter den erstaunten Blicken von Addi, dem grünhaarigen (!) Kochazubi, Spargel mit gehobeltem Parmesan und Parmaschinken in die Pfanne und erntet erneut Zustimmung. Der Off-Kommentator überschlägt sich geradezu vor Begeisterung, aber der ist sicherlich voreingenommen. Nur einer macht nicht so recht mit: Albert, der Chef der Bedienung, aber das wird auch noch. Mit “Change” von “Tears for Fears” klingt der dritte Tag passend aus.

    Der vierte Tag bringt weitere Veränderungen: Patricia, die Nichte, zeigt die Homepage des “Zum Tiroler”, die sie mal eben schnell in der Nacht zusammengebastelt hat, wie uns RTL glauben machen will. Im hässlichen Vorraum hat sich ein Maler breit gemacht und Chefkoch Martin streicht in der Speisekarte herum. Aber nun geht es wieder an den Herd, denn jetzt sollen die “überlebenden” Gerichte gekocht werden. Und siehe da, ein altes Problem kommt wieder zum Vorschein, das Rach beseitigen muss: Martin ist ein absoluter Sahne- und Soßenfan; für zwei Pfannen, in denen Fleisch köchelt, hat er ungefähr einen halben Liter Sahne verbraucht. Der Off-Sprecher behauptet ungefragt, das Essen im “Tiroler” sei fett und ungesund und dieser Meinung schließt sich auch Rach an. Zu viel Sahne und Soße, zu fettige Pommes, Fleisch, das nur zufällig gar ist und so weiter. “Kocht man wirklich so in Tirol?” fragt er Martin – und dem geht das sichtlich an die Ehre. Als Rach die zahlreichen Teller einen nach dem anderen in die Mülltonne leert, blutet allen das Herz.

    Martin und der grüne Addi setzen sich zusammen und grübeln über wirklich neue, Tirol-typische Gerichte und verfallen dabei ausgerechnet auf Pangasius, einen südostasiatischen Zuchtfisch. Als Rach das mitkriegt, bekommt er den Koller und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Für ihn ist der Tag gelaufen, Künstler sind ja so zart besaitet, der arme Mann ist einfach zu sensibel für so einen harten Beruf. Hoffentlich wird Tag fünf der Bringer!

    Rach kommt am letzten Tag mit einem Geschenk vom Fernsehen: RTL lässt eine komplette neue Geschirrgarnitur springen. Bei Martin kullern die Tränen und er schämt sich, aber der Gute Mensch von Hamburg kann ihn mit etwas italienischer Musik wieder beruhigen. Oh, alles wird gut, die Sonne Italiens lacht aus jedem Knopfloch, ist das Leben nicht schön? Man müsste Christian Rach sofort heilig sprechen, wenn er es nicht schon wäre.

    Beim abschließenden Probekochen der gesamten neuen, entfetteten Speisekarte passieren Martin reihenweise Schnitzer. Mal vergisst er die Nüsse, dann die Tomaten. Kein Wunder, wenn man 37 Jahre lang den selben Kram gekocht hat…

    Letzte Werbepause vor dem großen Finale… und Mist: Gerade sehe ich die 3000-Euro-Gewinnfrage und glaube fast, ich hätte eine Chance gehabt: “Wie heißt eine italienische Süßspeise? a) Tiramisu oder b) Karate”. Blöd, dass ich das nur als Aufzeichnung sehe und der Gewinner längst gezogen ist. Mit dem Lohn für die klar zutage liegende Antwort “Karate” hätte ich meinen nächsten Urlaub finanzieren können. Na egal, blogge ich halt weiter…

    Keine Ahnung, wie RTL das immer schafft, aber am letzten Rach-Tag sind pünktlich alle Renovierungen fertig und abends strömen die Massen zur “Wiedereröffnung” der jeweiligen geretteten Spelunke. Vielleicht sperren die draußen alle Ausfallstraßen ab, versprechen einen Auftritt der Flippers oder unterbrechen im Ort das Kabelfernsehen? Jedenfalls im “Tiroler” brummt es heute wie noch nie. Die von RTL interviewten Ess-Statisten sind rundum zufrieden und versprechen hoch und heilig, wiederzukommen. Als seine Frau gerade nicht hinguckt, knutscht Martin in der Küche den Rach ab und will ihn vermutlich adoptieren. Das geht aber nicht, denn der wird ja auch anderswo dringend gebraucht und kann nicht in Herzogenaurach bleiben. Mit Stanfour’s “Wishing you well” veranschiedet sich Rach zufrieden vom “Tiroler”; nur selten hat er in so kurzer Zeit so viel positiven Schaden angerichtet.

    Sechs Wochen später folgt der “unangekündigte” Hausbesuch (ähem, die Kamera ist im Schankraum, als Rach “überraschend” in die Tür tritt). Die Speisekarte ist noch immer neu, Gott sei Dank kein Rückfall, und Martin scheint müde von der ungewohnt vielen Arbeit, denn die Umsätze sind seit Rachs Besuch tatsächlich um 40 Prozent gestiegen. Damit pfuscht der Gastropapst natürlich etwas dem Zwegat ins Handwerk, denn der lebt ja bekanntlich von den Insolventen, aber dann muss er halt woanders helfen, finde ich. Rach bestellt sich etwas von “seinen” neuen Gerichten und man sieht Martin und Addi, jetzt mit rosa Haaren, in der Küche herumfuhrwerken. Zwar gerät wieder ein Spritzer Sahne an die Kartoffeln und gewürzt ist es auch nicht ganz richtig, aber Rach ist insgesamt doch zufrieden.

    Das war die erste Folge aus der neuen Rach-Staffel, weitere sieben kommen noch. Die heutigen Protagonisten waren fast zu sympathisch, denen wünscht man wirklich viel Glück. Aber aus Gründen der Schadenfreude könnte beim nächsten Mal vielleicht wieder so ein richtiger Spackenladen mit Ekel-Essen und unfähigen Köchen kommen, das wäre toll… :-)

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  • Sorry, bei uns ragt die Sommerpause dieses Jahr leider etwas weit in den Herbst hinein. War halt immer noch etwas anderes zu tun, als ausgerechnet Trash-TV zu gucken. Nun aber treibt mich das nasse Wetter aus dem Garten wieder vor die Glotze und ich treffe dort einen alten Bekannten…

    Es ist Montag und da serviert uns RTL mal wieder den allseits beliebten 10-Sterne-Koch Christian Rach, der unermüdlich als Rächer der verdorbenen Mägen durch die deutschen Lande eilt. Heute schicken ihn die Drehbuchautoren nach Falkensee bei Berlin. Hier treiben Arno Müller und Horst Kremer ihr kulinarisches Unwesen in der “Kölschen Botschaft”. Sie haben sich mit ihrer tollen Idee, ein Stück rheinische Lebensart an Spree und Havel zu holen, offensichtlich etwas verkalkuliert, denn die Gäste bleiben aus und man steht kurz vor der Insolvenz.

    Rach hat diesmal die wahnsinnig originelle Idee, früher als angekündigt zu kommen. Es gibt auch tatsächlich immer noch ein paar Torfnasen, die wohl seine Sendung nicht kennen und von diesem Trick auch wirklich überrascht werden. Arno und Horst gehören augenscheinlich dazu, denn sie sind beim Eintreffen des Hamburgers gerade abgängig. So muss nun eine einsame Kellnerin des Meisters ersten Schlag einstecken, der sich traditionell gegen die Speisekarte richtet: “Champignon-Rahmschnitzel, ist das was Kölnerisches?”, fragt er mit sardonischem Grinsen und wir alle wissen natürlich die Antwort.

    Dann entdecken Rachs Argusaugen auf der Karte ein paar Speisen mit rätselhaften Kölner Namen. Wer sich einmal als Nicht-Jeck das Genöle von BAP ohne Gebärdendolmetscher angetan hat, weiß, dass man da als Normalmensch auch mit Phantasie nicht viel raten kann, was – oder ob überhaupt – das bedeutet. Tja, die Kellnerin ist nun mal leider nicht mit Rheinwasser getauft worden und bleibt die geforderte Übersetzung für die merkwürdigen Bezeichnungen schuldig. Aus dem Off lassen die Fernsehmacher hämisch den weithin gehassten Karnevalsschlager “M’r losse d’r Dom en Kölle” erklingen und Rach bestellt sich einen Speckpfannkuchen. Während er auf sein Essen wartet, doziert der Gastro-Messias in die Kamera, er fühle sich hier eher wie in der Toskana, als in Köln, das ganze Restaurant sei in sich nicht stimmig. Italien, Köln, Berlin, puh, da schwirrt dem normalblöden RTL-Zuschauer ganz schön der Kopf. Aber Rach wird die Sache schon richten, ganz sicher.

    Kurz danach, der Meisterkoch kämpft sich gerade durch seinen zähen Pfannkuchen, tauchen plötzlich und unerwartet doch noch die beiden Besitzer auf. (In diesem Moment ist gerade die Kamera auf die sich öffnende Tür gerichtet, Zufälle gibt’s!) Müller und Kremer sind nach eigener Diagnose eigentlich zwei rheinische Frohnaturen, aber angesichts der massiv ausbleibenden Gäste ist ihnen momentan nicht mehr so richtig nach Lachen zumute. Und allein kommen sie nicht dahinter, was sie verkehrt machen. Am Essen und dem Ambiente könne es nicht liegen, das fänden nämlich alle Besucher toll, behaupten sie. Als sie Rach die Höhe ihrer Schulden beichten, kriegt der einen Sentimentalen und lädt die beiden in ihrem eigenen Restaurant zum Essen ein!

    Die Gefühlsduselei ist aber schnell wieder zu Ende, denn schon beim Auftragen der bestellten Gerichte steckt Rach seinen meisterlichen Finger in den Sauerbraten und beginnt zu zetern, das sei die falsche Soße und das Fleisch sei viel zu trocken und überhaupt. Man ahnt schon, das gibt Mecker in der Küche. Aber heute Abend ist noch Schonzeit angesagt, mit einem “flauen” Gefühl entschwindet Rach in die Nacht. Der Koch sollte für morgen lieber seine schnellen Schuhe anziehen…

    Nächster Tag, die drei Protagonisten vom Vorabend treffen sich wieder in der “Kölschen Botschaft”. Rach stichelt, ob es denn wirklich so viel Terracotta gäbe in Köln, das erinnere ihn doch eher an die Toskana. Die beiden Geschäftsführer gestehen kleinlaut, dass sie die Fußböden und Vorhänge erst später eingebaut hätten, vorher sei das nämlich alles so kalt gewesen. “Ach – und seitdem brummt der Laden?”, ätzt Rach. Dann schreiten sie zur Besichtigung der restlichen Räume. Dem Hamburger entfährt dabei ein “auf Deutsch gesagt, sieht das hier Scheiße aus”. Upps!

    Und schließlich geht es in die Küche. Blöderweise kommen in diesem Moment gerade zwei Gäste und Ko-Geschäftsführer Horst Kremer muss sich unter Rachs kritischem Blick plötzlich als Koch beweisen. Da kommt erkennbar Stress auf, verständlich, zwei Gäste gleichzeitig hat man im Restaurant schließlich auch nicht jeden Tag. Gottseidank erscheint jetzt auch noch Kochlehrling Benjamin auf der Bildfläche und greift seinem Chef unter die Arme. Der hat inzwischen auch schon ganz andere Sorgen, denn gerade kam ein Brief mit der Nachricht, dass die Stadtwerke der Botschaft den Strom abstellen wollen. (Mich durchzuckt ein genialer Gedanke: Warum rufen die jetzt nicht Peter Zwegat, den 10-Sterne-Schuldenberater, der wohnt doch gleich nebenan in Berlin? Zwegat und Rach zusammen würden die Welt aus den Angeln heben, garantiert, aber dann wären die hier gezeigten Probleme ja schon bis zum ersten Werbeblock gelöst, auch nicht so gut… also vergessen wir diese Idee.)

    So geht es nicht weiter, Rach lässt sich von Arno und Horst eine Aufstellung ihrer Schulden geben (ca. 27.000 Euro) , ist entsetzt und fordert die beiden dann auf, sich ein tragfähiges Konzept und einen neuen Namen für ihren Laden zu überlegen, die “Kölsche Botschaft” sei jedenfalls tot! Leider fällt den beiden so auf die Schnelle und unter Druck nichts ein. Rach schlägt wieder die Hände vor’s Gesicht, pfeffert seine eigenen Namensvorschläge auf den Tresen und flüchtet erstmal aus dem Lokal. Trotz seiner offensichtlichen Depression ruft er ein paar Lieferanten und den Vermieter der “Botschaft” an und bittet um Stundung der diversen aufgelaufenen Forderungen. Das klappt auch tatsächlich und nun wittert man Morgenluft. Schnell ist ein neuer Name gefunden: Müller und Kremer wollen fortan unter “Müller & Kremer – Kreisbar” firmieren. Echt witzige Idee, haha!

    Nun wird der ganze Laden umgekrempelt und auch die Speisekarte muss dran glauben. Horst wird zum Probekochen der neuen Rezepte in die Küche abkommandiert, während Rach und Arno einen Bittgang zum Finanzamt machen um die Sache mit den Steuerschulden zu regeln. Das klappt und der Silberstreifen am Horizont wird heller. In der Küche fängt sogar der lt. Müller & Kremer nicht zu säubernde Herd wieder an zu glänzen und Rach kommt in Fahrt: “Den müsst Ihr ab jetzt jeden Tag sauber machen, nicht einmal im Monat, sondern jeden Tag, jeden Tag, JEDEN TAG!”.

    Der Rest der heutigen Folge verläuft absehbar: Nach einem intensiven Umbau von Lokal und Speisekarte wird der gesamte Ort zur Wiedereröffnung in die “Kreisbar” eingeladen. Die Leute stauen sich auch tatsächlich von der Eingangstür bis zum Horizont – die Erklärung dafür bleibt uns RTL allerdings schuldig. Das Fest gelingt und Rach läuft zu gewohnter Form auf, macht Horst in der Küche zur Minna und ist gleichzeitig in den Rollen Cheforganisator, Conferencier, Meisterkoch, Diktator, Motivator und Seelentröster zu sehen. Am liebsten aber brüllt er in der Küche Horst an.

    Zwei Monate später kommt Rach zurück in die “Kreisbar” und sieht nach, was von seinen Ideen hängen geblieben ist. Das ist diesmal leider auf den ersten Blick nicht allzu viel, beide Chefs sind nicht da, man sieht kaum Gäste, das wenige Personal hängt lustlos in der Gegend herum und die neue Einrichtung sieht auch schon wieder ungepflegt aus. Arno kommt aus seinem freien Tag herbeigeeilt und berichtet, dass Horst inzwischen ausgestiegen sei. Klar klar, in Freundschaft, das hätte eben nicht mehr gepasst. Rach ist ziemlich vergnatzt, er habe den beiden den Hintern gerettet und kaum sei er weg, würden sie die Segel streichen. Er lässt sich aber von Arno beruhigen, der habe alles im Griff und mache weiter, wie der Meister es befohlen habe.

    Rach verlässt die Szene und zieht ein etwas ängstlich-skeptisches Fazit, wünscht Arno aber einen langen Atem. Und offenbar ist tatsächlich bis dato alles gut gegangen, denn beim Abspann wird nicht die von mir befürchtete Hiobsbotschaft eingeblendet. Und gerade eben, wo ich dieses schreibe, finde ich die Kreisbar auch im Internet. Also Arno, halt durch und mach’s gut!

    Nachtrag (07.12.2009): Auch Horst Kremer, einer der Protagonisten dieser Folge, gehört zu unseren Lesern! Schaut Euch mal in den Kommentaren an, wie er die ganze Geschichte sieht.

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  • Jau, auch wir haben es jetzt gemerkt: RTL hat beim Aufräumen ein paar leicht angestaubte Vorjahresfolgen von Rach, dem Restauranttester gefunden und versüßt uns mit den Wiederholungen den meteorologisch eher durchwachsenen Sommer. Danke, danke, danke!

    Mal wieder ist Super-Christian unterwegs in einer Mission gegen Salmonellen und schlechten Geschmack, diesmal im Hotel-Restaurant “Mühlenhof” bei Büsum. Das liegt bekanntlich an der Nordsee und für die Geografie-Nieten spielt RTL im Hintergrund sicherheitshalber auch noch den epochalen Superhit “An der Nordseeküste” von Klaus & Klaus.

    Irgendein Mitarbeiter des “Mühlenhof” hat seinen Chef verpfiffen und das Fernsehen alarmiert, mit dem Laden ginge es bergab, die Gäste blieben aus und nun solle Rach helfen (wenn erst Zwegat oder Hagen vor der Tür stehen, ist es auch wirklich zu spät…).

    Rach kommt überraschend (gäääääääähn) einen Tag früher als angekündigt und lässt sich von Namensvetter Christian Wehrmann in die Geheimnisse seines Etablissements einweihen. Wehrmann ist vom Typ Hobbysmutje, statt einer weißen Kochjacke hat er seine rundlichen Formen in ein hautenges, quietschoranges Büsum-T-Shirt gezwängt. Der äußerlich gute Eindruck (des Gebäudes!!!) verpufft sofort, als Rach drinnen in der Bar die fehlende Beleuchtung bemerkt (O-Ton Wehrmann: “Wir hatten Stromausfall.”) und auf die Frage, wann das denn passiert sei, die Antwort bekommt “ist schon ein bisschen her, aber uns fehlt das nötige Kleingeld…”.

    Schade, wäre doch lieber das Licht in der Küche kaputt, dann müssten Rach und wir Fernsehzuschauer viele schlimme Dinge nicht sehen, die man lieber ganz schnell wieder vergessen möchte. Da stapeln sich dreckige Teller und unsachgemäß gelagerte Vorräte bis zur Decke und in Sekundenschnelle hat der Hamburger Sternekoch die Situation durchschaut. Mit “das machen wir dann lieber morgen” drückt er sich aus der Küche, Wehrmann setzt nach mit “ich bin kein gelernter Koch”, was Rach quittiert mit “warum machen Sie es dann?”. Vergiss es, Wehrmann, Du hast bei Rach schon jetzt bis zur Steinzeit verschissen.

    Mit Todesverachtung – und weil das Drehbuch es so will – bestellt Rach dann tatsächlich auch noch etwas zu essen, besteht aber darauf, dass nur die Pfanne und frisches Fett benutzt werden dürfen. Offensichtlich ekelt er sich maßlos, aber seine Gier auf die RTL-Gage bleibt Sieger. Die Doppelbestellung von Steinbeißer und Schlemmerpfanne scheint jetzt auch den sternlosen Koch Wehrmann in milde Panik zu versetzen. Zurück in seiner Küche fängt er an zu werkeln und verkündet dabei in die Kamera “dem mach’ ich eine Portion, dass er platzt”. Soweit kommt es natürlich nicht, denn Schlaufuchs Rach hängt natürlich am Leben und an seinen drei eigenen Restaurants, darum isst er von beiden Tellern nur ein paar Bissen. Für das vernichtende Urteil genügt das auch und wir lernen nebenbei: Der verwöhnte Rach mag weder tiefgefrorenes Gemüse noch Fertigsoße. Er fordert von Wehrmann bis zum nächsten Tag eine schonungslose Selbstanalyse der aktuellen Zustände im “Mühlenhof” und verzieht sich – wohl zum Magenauspumpen.

    Am nächsten Tag scheint die Sonne und ein aufgeräumter Rach betritt den “Mühlenhof”. Die Überlegungen von Wehrmann und seinem mittlerweile aufgetauchten “Oberkellner” (der einzige Angestellte) haben nichts wirklich Signifikantes ergeben. Möglicherweise sei die Speisekarte nicht dazu angetan, die Leute aus Büsum hierher zu locken. Vielleicht habe das aber auch mit dem vormals schlechten Ruf der Mühle zu tun. Blablabla.

    Rach ist genervt und beginnt einen Rundgang des Schreckens durch das ganze Haus. Fast überall stapelt sich Müll (Zeitschriften im Waschbecken, ein Haufen Klappstühle neben dem Büffet), es wackeln die Lampen und Stuhllehnen, aber erst in der Küche kriegt Rach dann so richtig die Wut: Mit einem beherzten Griff in die Umpa zeigt er Wehrmann, wie er die angeblich nicht sauberer hinzukriegende Abzugshaube reinigen kann, schimpft über einen Eimer mit altem Fett (“Frittenschlotze”) und redet sich dann so langsam in Rage. Überall klebt der Dreck in den Ritzen und Kanten. Mein persönliches “Highlight” ist eine Reihe fehlender Fußbodenkacheln mitten in der Küche, wo Wehrmann offenbar seine aufgerauchten Kippen entsorgt hat.

    Als nächstes geht es nun auch noch in das zugehörige Hotel, wo ebenfalls fast alles in Unordnung ist. Das Licht geht auch hier nicht, die Rauchmelder sind von der Decke gefallen, an den Wänden schimmelt es, der Fußbodenbelag fehlt seit einem Wasserrohrbruch, die Zimmer sind nicht gemacht. Aber wenigstens hat Wehrmann für alles eine Erklärung.

    Die Besichtigung muss beendet werden, denn zwei Gäste haben sich in den “Mühlenhof” verirrt. Wehrmann kramt tatsächlich seine weiße Schürze heraus, denn nun wird gekocht und Rach darf ihm dabei über die Schulter sehen. Das wird natürlich zum Spießrutenlaufen und natürlich geht fast alles schief. Wehrmann taut (!) viel zu viel Eierstich und Fisch auf, vergisst die Pfanne für die Bratkartoffeln anzuschalten und benutzt Vorräte, die seit dem Vortag offen herumgestanden haben. Rach kriegt die Platze und spricht sein Urteil: Ein neuer Koch muss her!

    Nun geht alles zackzack: Wehrmann überarbeitet seine Speisekarte und engagiert zwei befreundete Köche, Wehrmanns Freundin putzt mit einem Hochdruckreiniger die Küche und Rach besorgt frische (!) Lebensmittel. Man plant für die kommenden Tage ein Fest im “Neuen Mühlenhof”, fährt dazu mit einem Fischkutter nach Büsum und verteilt dort Häppchen und Werbeflyer. Im Garten wird ein Streichelzoo eingerichtet, das Fernsehen macht’s möglich… (Ich frage mich, wer für die Tiere sorgt und mit welchem Geld das Futter bezahlt wird. Beim zweiten Mal Drübernachdenken wird klar, dass das nur eine Aktion für die Kamera ist und die Tiere am Abend nach dem Fest wieder abgeräumt werden. Hoffentlich landen sie nicht in der Küche!)

    So, der Festtag  ist da und eine überraschend große – vermutlich gecastete – Gästeschar fällt im “Mühlenhof” ein. Rach übernimmt in der Küche das Kommando und degradiert den bisherigen Amtsinhaber Wehrmann zum Gemüsebewacher auf Probe. Draußen sitzen die Gäste auf Bierbänken im neuen Garten und äußern sich – völlig spontan – sehr positiv zum Ambiente. Klar, sie würden alle sofort wiederkommen. Das wäre ja nun alles so schön geworden und sogar der Rasen sei gemäht! :-)

    Wir sind beim Fernsehen, am Ende wird da meist alles gut, aber diesmal haben die Drehbuchschreiber wohl zuviel am Klebstoff geschnüffelt, denn nun kommt der Schleim knüppeldick: Wehrmann hält im Garten eine Rede und dankt Rach dafür, dass er ihm permanent “in den Arsch getreten” habe. Dafür kriegt er einen dicken Blumenstraß. Als nächstes geht der vormalige Koch und neue Streichelzoobesitzer vor seiner Freundin auf die Knie und macht ihr einen Heiratsantrag, den sie auch gleich annimmt. Die umstehenden Gäste klatschen Beifall und behalten, soweit man sehen kann, ihr Essen trotzdem bei sich.

    Fünf Wochen später macht Rach den Controletti. Einer der beiden neuen Köche ist noch immer da, der alte Schlendrian aber auch: Die Spuren von dem Fest wurden im Garten nicht beseitigt, überall liegen Bänke und Sonnenschirme herum und der ungemähte Rasen ist inzwischen kniehoch gewachsen. Der neue Koch ist gefrustet, weil er keine Hilfe hat und so geht Rach am Ende mit einem flauen Gefühl davon. Sein Gefühl soll sich bestätigen: im Nachspann erfahren wir, dass Wehrmann seinen Pachtvertrag inzwischen verloren und den “Mühlenhof” verlassen hat. Tja, außer Spesen nichts gewesen, sagt man dazu wohl.

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