• Hallo Feinschmecker,

    heute führt uns Wunderkoch Christian Rach auf seiner Mission wider den gastronomischen Dilettantismus nach Ludwigshafen. In der Küche des Restaurants “Fellini al Teatro” doktern zwei wahrhafte Künstler, allerdings ziemlich erfolglos, denn der Laden bleibt Abend für Abend gähnend leer. Michele Pennella (gesprochen “Mikeele”) und Michael Meier Di Santi (gesprochen “Mikaeel”) stammen nicht nur beide aus Italien und heißen vorne fast gleich, sie sind auch beide Geschäftsführer im “Fellini”. Das Restaurant liegt direkt gegenüber einem großen Theater, deswegen waren die Michels auf die glorreiche Idee gekommen, hier keinen traditionellen Italiener aufzumachen, sondern ein Haus mit gehobenem, wenn nicht gar verschrobenem künstlerischen Anspruch. Offenbar scheint das nur niemand aus der Theatergängerszene zu honorieren und so blieb nach einer langen wirtschaftlichen Durststrecke nur der Anruf beim Hamburger Meisterkoch.

    Christian Rach erscheint und die einzigen Menschen in dem Laden, nämlich die beiden Geschäftsführer, tun überrascht. Ob Rach wieder einen Tag früher als angekündigt angekommen ist, wird allerdings nicht verraten. Auf jeden Fall hat er kräftigen Hunger mitgebracht und bestellt zum leichten Entsetzen des Küchenchefs Michele die halbe Karte rauf und runter. Während der zu brutzeln anfängt, berichtet Michael von der Geschichte dieses Hauses. Es habe hier bis heute schon 70 Pächter gegeben, die hätten alle das Problem gehabt, keine Gastronomen zu sein. “Bist Du ein Gastronom?”, fragt Rach und erhält zur Antwort: “Nein, ich bin Künstler”. Tja, hier kräuseln sich dem Sternekoch vermutlich schon die Nackenhaare. Während der gelernte Designer Michael mit seinen leicht ungepflegten, zotteligen Haaren etwas von “Essen ist eine vergängliche Kunst” faselt, fliegt hinten im Off in der Küche perfekt getimet ein Tablett mit Tellern und Weinflasche zu Boden. Ungerührt brabbelt er weiter “Essen ist dreidimensional, Essen ist Kultur, Essen ist Kommunikation…” Blablabla. Rach guckt etwas unglücklich, was hat seine Redaktion ihm denn da diesmal für einen Spinner rausgesucht? Nach minutenlangem Starren auf eine aufgespießte Olive platzt ihm schließlich der Kragen und er unterbricht den endlosen Redeschwall: “Entschuldigung, bitte nicht böse sein, Laberrhabarber, das ganze ist Hirnscheiße, Ihr müsst Geld verdienen! Das alles nutzt gar nichts, wenn am Ende keiner kommt!” Apropos “nicht kommen”: Das Essen braucht mehr als eine halbe Stunde und dann kommt es auch nur tröpfchenweise und nicht parallel, wie eigentlich bestellt. “Was machst Du, wenn mehrere Personen gleichzeitig essen wollen?”, erkundigt sich der Sternekoch. “Ja, das ist ein Problem…”, gibt der schwarz bemützte Michele zu. Dabei schmeckt es dem Hamburger sogar sehr gut, am Können liegt es hier also nicht.

    Am nächsten Morgen besieht sich Rach den Laden mal bei Tageslicht: Die Räumlichkeiten sehen aus wie ein Trödelladen oder eine Galerie, überall Stehrumchen und Nippes, dazwischen einzelne Tischchen mit insgesamt gerade mal zehn Gästeplätzen. Als er erfährt, dass er am gestrigen Abend der einzige Gast geblieben ist, erkundigt sich Rach verwundert, wovon die beiden Michels eigentlich leben. Tja, im Grunde genommen nur noch von Krediten von den Freunden, ist die beunruhigende Antwort. Bei ganzen zehn Plätzen müssten sie eigentlich tierische Preise haben, um den Laden finanzieren zu können, ob sie dafür auch gut genug kochen, wagt der Gastropapst zu bezweifeln. Nun gut, setzen wir die Besichtigung fort. Weshalb die eine Säule da vorn mit Stoff bespannt ist, will er wissen. Michael hebt zu einer nicht enden wollenden künstlerischen Erklärung über durchbrochene und verschleierte Realitäten usw. an, bei der sowohl Michele als auch der Hamburger erkennbar abschalten. Irgend etwas von “Gesamtkunstwerk” bleibt hängen, Rach lacht. Weiter hinten gibt es plötzlich überhaupt keine Tische mehr, nur noch Schnickschnack und Firlefanz mit bombastischen Erklärungen. Ja, die Konzession für das Restaurant sei leider so teuer gewesen, dass man nur einen Teil des Raumes habe anmelden können, gesteht Michele kleinlaut. Rach guckt nur noch sparsam.

    Nun kommen wir in die mit sieben Quadratmetern extrem kleine Küche, so mancher Camper kann da in seinem Wohnwagen mit mehr Platz aufwarten. Nö, die Spülmaschine funktioniere nicht mehr, da sei mal eine Dichtung kaputt gegangen. Einen Dunstabzug gibt es erst gar nicht, ebenso wenig einen Gasanschluss – Michele benutzt eine Propangasflasche. Gibt’s hier kein Regal? Nö, solche “Kleinigkeiten” habe man auch noch nicht. Rach zupft an der Plastikverpackung eines Küchengeräts, warum sie das noch nicht ausgepackt hätten? Weil das eventuell noch an den Händler zurückgegeben werden müsse, dafür seien nämlich noch 450 Euro offen. Wenigstens lacht Rach jetzt nicht mehr, sondern ist damit beschäftigt, seinen Fluchtreflex zu unterdrücken. Irgendwo in einem kleinen Schränkchen steht der gesamte Tellerbestand von 12 Exemplaren, außerdem besitzt man stolze sechs Biergläser. Rach ist konsterniert: “Ich glaube, ihr wollt gar nicht mehr machen?! Ihr wollt immer nur zwei Gäste pro Abend, die 500 Euro hinlegen und dann ist gut, oder? Kein Widerspruch seitens der Michels.

    Im Keller ist dann aber plötzlich jede Bescheidenheit zu Ende, hier herrscht ein heilloses Durcheinander von buchstäblich hunderten Pappkartons, es sieht aus wie bei Messies unterm Sofa. Rach lacht mal wieder hysterisch und erkundigt sich nach dem Inhalt des Pappgebirges. Ja, da sei unter anderen viel Glas aus Venedig zwischen, erfährt er. Nun ist der Meisterkoch irgendwie stinkig: Oben kann man die Teller fast an einer Hand abzählen und hier unten im Keller quillt alles über vor teurem Geschirr. Zwischendrin finden sich dann auch noch ein Edelstahlregal (das oben in der Küche so fehlte) und auch noch Lebensmittel. “Ihr habt doch echt einen an der Marmel”, fasst Rach seine Gefühle zusammen.

    Genug gelacht, nun geht es zurück in die Winzküche, Michele soll unter den gestrengen Blicken des Meisters mal etwas kochen. Schon nach wenigen Handgriffen weiß der, warum im “Fellini” Bestellungen immer so lange dauern: “Du kochst wie ‘ne Hausfrau”. Nichts ist vorbereitet, nichts wird parallel gemacht, jedes Gericht erfordert die völlige Aufmerksamkeit der gesamten, nur aus Michele bestehenden Küchencrew. Auch Michael kriegt sein Fett weg, als er korkigen Wein anschleppt und Christian Rach ihm erst mal erklären muss, wie man das auch im Vorfeld hätte erkennen können. Hier fehlt es an fast allem, was einen richtigen Gastronomen ausmacht. Aber die Kombination aus den durchaus vorhandenen Kochkünsten von Michele und dem etwas spleenigen Service von Michael und dem irren Design des ganzen Ladens, das sei etwas Besonderes, für das sich vielleicht ein Besuch von zahlenden Gästen lohne, meint der Hamburger. Leider stört Michael dessen Gedanken mit einer weiteren ausschweifenden künstlerischen Erklärung, er brabbelt etwas von “Restaurant als Brücke von der Tradition, die in die Zukunft transformiert wird…” Zack, da schlief ich ein und Rach ging es ähnlich. Also Michael hat ganz eindeutig schlimmen Sprechdurchfall, lateinisch etwas vornehmer auch als “Logorrhoe” bezeichnet.

    Am nächsten Tag bringt Rach gleich ein paar Expterten mit, die sich mit dem Küchenbau in der Gastronomie auskennen. Die sollen Regale, eine funktionierende Spülmaschine und vor allem einen richtigen Gasherd installieren. Wer das bezahlt? Keine Ahnung, vermutlich wird RTL das subventionieren müssen, das “Fellini” ist bekanntlich pleite. Der Tag endet mit dem klaren Befehl von Christina Rach an beide Michels, jetzt gefälligst den Keller aufzuräumen: “Wasser zu Wasser, Nudel zu Nudel und Öl zu Öl.”

    Dieser Auftrag war wohl doch etwas zu umfangreich, die beiden Chaosgastronomen haben scheinbar bis in die Morgenstunden geräumt und gewerkelt und sind darüber so müde geworden, dass sie am nächsten Morgen erst glatt zwei Stunden später als abgemacht erscheinen. Die bestellten Handwerker wollen vor der verschlossenen Eingangstür nicht länger warten und fahren zum nächsten Kunden weiter, der Sternekoch verzieht sich schmollend in ein Café. Als Michele und Michael dann ziemlich schlaftrunken gegen Mittag doch noch erscheinen, macht Rach sie nach allen Regeln der Kunst vor der Kamera zur Sau, schimpft über ihre Weicheiigkeit, sie hätten jahrelang verpennt und könnten nun nicht mal eine Nacht durcharbeiten und er droht etwas rückwirkend, eigentlich die Sache abgebrochen haben zu wollen. Nur seine übermenschliche Güte und das RTL-Drehbuch nebst Gage haben ihn offensichtlich davon abgehalten. Die Tatsachen, dass die beiden kleinen Italiener im Keller so schön aufgeräumt haben und dass der Küchenheini am Ende doch noch zurückkommt, heben die  leicht lädierte Stimmung des Elbestädters und er beschließt, den Fall fortzuführen. Zwischendurch war Rach übrigens auch noch auf der Behörde und hat die Konzession auf den ganzen Schankraum erweitern lassen. Sagte ich übrigens schon, dass die Michaels auch einen ganz erheblichen Teil des Kunstmülls aus dem Restaurant geschafft haben und man nun tatsächlich wieder die Tische sehen kann?

    Noch einen Tag weiter hat Christian Rach auch Ideen für die Küche mitgebracht. Wegen Micheles offenbar nicht vollständig behebbaren Tempoprobleme soll es von nun an zur Überbrückung der Wartezeiten eine Antipasti-Platte geben. Dazu hat das Fernsehen einige Holzbrettchen springen lassen. Auch den Grafiker, der draußen am Schaufenster gerade den Schriftzug “Fellini al Teatro – Trattoria” anbringt, zahlt wohl RTL. Die Speisekarte wird radikal vereinfacht, so dass Michele weniger Individualanfertigungen fabrizieren muss. Auch in der Küche soll er nun eine strikte Ordnung halten. Beim ersten Probeessen ist dann auch Micheles Schwester dabei. Michael erleidet dabei erneut einen schlimmen Anfall von Logorrhoe, faselt sich etwas Philosophisches zusammen wie “Du bist der Künstler, das Essen ist Dein Werkzeug usw.” Rach verdreht die Augen und flüchtet dann mit einem absolut sehenswerten Blick in die Kamera aus dem Schankraum in die Küche. Besonders manche Künstler haben echt einen Sockenschuss…

    Der letzte Tag gehört beim Restauranttester traditionell der Wiedereröffnung des umgebauten Restaurants. Rach kriegt noch einen kleinen cholerischen Anfall, als er einmal mehr die völlig fehlende Systematik in Micheles Küche bemerkt. Trotz vorheriger Ansage hat der etwas verschlafen wirkende Möchtegerngastronom sein Reich nicht aufgeräumt, der Sternkoch findet zu Hauf Dinge im Kühlschrankl, die dort nicht hingehören und dafür stehen draußen Sachen, die dringend mit Folie abgedeckt sein müssten usw. Zu der Eröffnung kommen wieder verdächtig viele “Kunden” und alle scheinen mir der Leistung der Küche zufrieden zu sein. Man ahnt also, dass RTL hier mal wieder ein paar Komparsen vorbeigeschickt hat, die sich statt Gage im “Fellini” kostenlos die Wampe vollschlagen dürfen. Rach ist noch nicht überzeugt, ob seine Mission hier wirklich nachhaltig erfolgreich war und droht schon bei Weggehen mit seiner Chefvisite in ein paar Wochen.

    Die findet auch tatsächlich statt, das “Fellini al Teatro” steht noch, beide Köche sind an Bord, die Küche ist weiterhin aufgeräumt, das bestellte Essen kommt in vertretbarer Zeit und Qualität… allein, es fehlen schon wieder die Gäste. Aha, das Eröffnungspublikum war wohl wirklich nur gecastet. Während Christian Rach sich noch am Kopf kratzt, betritt ein offenbar freiwilliges Gästepaar den Schankraum und steuert auf einen Tisch zu. Rach sieht das als Wende – oder möchte es wenigstens so sehen – und verlässt das Restaurant nun endgültig mit einer vagen Hoffnung, vielleicht wird ja wirklich noch alles gut. Immerhin kommt während des Nachspanns keine Schrifteinblendung, die über die Insolvenz des Restaurants und die Zwangseinweisung eines seiner Besitzer in eine Einrichtung für chronische Labertaschen informiert… :-)

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  • Mahlzeit zusammen,

    Gastropapst Christian Rach ist vorzeitig aus dem Winterschlaf erwacht und präsentiert sich ab heute in einer neuen Staffel als Restauranttester. Eigentlich testet er die besuchten Restaurants nicht nur, sondern will sie vor dem Bankrott retten. So wie heute, wo er uns mitnimmt ins bayerische Freising. Hier betreibt Tanguy Doron sein Restaurant “La Petite France”, was bekanntlich auf Deutsch “Die kleine Fronkroisch” bedeutet. Wie man schon beim Namen ahnt, stammt Tanguy nicht aus dem Schwarzwald, sondern wirklich aus Frankreich. Zwar lebt er schon seit 25 Jahren in Deutschland, hat sich aber “eine szöne franszösiss Ackssoon” bewahrt, der im Fernsehen sicherheitshalber komplett untertitelt wird. Wie alle Franzosen, kann er selbstredend fabelhaft kochen, trotzdem läuft der Laden so schlecht, dass seine Frau Monika ihn mit ihrem eigenen Gehalt unterstützen muss. Letztere hat offenbar so langsam die Faxen dicke und ruft deshalb den weltbekannten Restaurantflüsterer aus Hamburg zu Hilfe.

    Schon die Anfahrt zum “La Petite France” offenbart ein, wenn nicht gar das Problem: Das Restaurant liegt ziemlich abseits in einem Wohngebiet und sieht von außen gelinde gesagt unscheinbar aus, geradezu stinklangweilig. Als Rach den Laden betritt, kommt der Besitzer Doron wie von der Tarantel gestochen hinter dem Tresen hervorgesprungen und gibt sich unendlich überrascht, dass der Meister ihn schon einen Tag früher beehrt, als eigentlich vereinbart. Gääääääähn, der Trick ist so alt, da sind seinerzeit nicht mal mehr die Neandertaler drauf reingefallen, aber bei unserem unwissenden kleinen Franzosen hat es tatsächlich mal wieder geklappt, Applaus für Rach!

    Der Hamburger lässt sich seine Gage von RTL offenbar in Naturalien auszahlen und bestellt deswegen gleich ein umfangreiches Mahl von Tanguys Speisekarte. “Damit starte ich und dann sehen wir weiter”, kündigt Rach seine extraordinäre Fressorgie an: Die Champagner-Zwiebelsuppe gefällt ihm noch tadellos, die gegrillten Sardinen enttäuschen dagegen und das Fisch-Ragout wird später nicht mal mehr erwähnt. Tanguy scheint ein ziemlicher Hektologe zu sein, er flitzt in der Küche zwischen den dampfenden Töpfen hin und her, hat gleichzeitig ein Handy am Ohr um seinen Sohn Maximilian als Verstärkung herbeizurufen und vergisst dabei in der Aufregung, Kräuter auf die Sardinen zu streuseln. Rach beißt voller Vorfreude in den seligen Meeresbewohner und schiebt den Teller dann schnell beleidigt beiseite, dieser Fisch ist umsonst gestorben, denn er wurde nicht gewürzt. Mon Dieu, quel Malheure! Tanguy windet sich, tief in seiner Ehre als Chef de Cuisine getroffen, das sei ein einmaliges Versehen gewesen! Doch danach kommt ein Fauxpas, den man nicht mehr entschuldigen kann: Den als Dessert bestellten Crêpe mit Apfelfüllung fabriziert der Franzose nicht etwa frisch, sondern per Mikrowelle. Schwacher Versuch, so etwas merkt ein Sternekoch natürlich mit Lichtgeschwindigkeit – besonders dann, wenn er vorher das Drehbuch gelesen hat…

    Nach einer Nacht zur Verdauung des Erlebten kommt Christian Rach am nächsten Morgen zurück. Heute will er in Tanguys Restaurant nach der “Seele Frankreichs” suchen, findet aber einzig ein Schwarzweißfoto an der Wand, mit einer eleganten Dame vor dem Eiffelturm, der Rest der Einrichtung würde auch in einer Pizzeria nicht auffallen. Das ist auch kein Wunder, denn tatsächlich war hier vorher ein italienisches Restaurant und Tanguy hat die Einrichtung einfach übernommen. “Ich fühle mich nicht wie in Frankreich”, resümiert Rach. Dann muss es eben über die Küche gehen, wo denn die Lebensmittel herkämen, fragt er Tanguy. Hmmm, erklärt der, die hole er höchstpersönlich alle drei Wochen aus Straßburg, von “Metro”. Bei dieser Auskunft bricht der Hamburger mit diabolischem Lachen fast zusammen: Das kann doch wohl nicht wahr sein, eine Fahrt von 370 Kilometer, nur um dann hinter der französischen Grenze bei einem deutschen Großmarkt einzukaufen… Der Großmeister kriegt sich kaum wieder ein.

    Nach dieser erschütternden Erklärung für die wenig authentischen Speisen im “La Petite France” beschließt Christian Rach lt. Drehbuch jetzt völlig spontan, auf der Stelle mit Tanguy Doron nach Straßburg zu fahren und die echte französische Gemütlichkeit zu suchen, die er hier in Freising so schmerzlich vermisst. Die beiden Männer sehen sich dort einige passende Bistros an, flanieren durch die engen Gässchen, schnuppern gallische Luft und Tanguy behauptet, nun klar zu sehen. Rach entwickelt die Idee von einer französischen Brotzeit mit Käse und Baguette.

    Daheim in Freising sprüht Rach vor Ideen, holt sogar schon einen Maler, während der sensible Franzose nicht so recht zu Potte kommt. Er kann sich zu keinen Entscheidungen durchringen. Welche Farbe? Welche Deko? Oder sollte man vielleicht doch lieber das Restaurant ganz schließen? (Natürlich nicht, sonst wäre ja die Sendung zu Ende.) Später in der Küche läuft Rach zu ganz großer Form auf, bastelt an französischen Gerichten mit Fleisch und Pflaumen, die schon fast durch den Fernseher duften, während Tanguy bei dem Tempo des Hamburgers kaum mitkommt. Merde! Eine neue, hochkomplexe Entscheidung muss getroffen werden: Soll man heute Abend inmitten frisch gemalter Wände und total im Umbruch befindlicher Küche das Restaurant öffnen und damit den Sternekoch für heute nach Hause schicken? Tanguy ist völlig überfordert, kratzt sich den Kopf, läuft hierhin und dorthin, entscheidet sich dann halbherzig, den Laden heute zuzulassen, blättert im Telefonbuch und fängt an, die reservierten Gäste anzurufen. Leider erreicht er nicht alle bzw. ruft die falschen Leute an und überlegt sich nun, heute Abend doch zu öffnen, will aber andererseits auch Rach nicht wegschicken und versucht stattdessen vergeblich weiter, seine Gäste zu erreichen…

    Christian Rach ist schwer genervt vom hektisch-chaotischen Treiben des kleinen Franzosen. Mit aschfahlem Gesicht stellt er ihn zwischen zwei Anrufversuchen zur Rede, empfiehlt ihm, entwaige Gäste doch einfach mit einer Flasche Champagner auf den nächsten Tag zu vertrösten und zieht sich dann kopfschüttelnd wieder in die brodelnde Küche zurück. Leider brummt er im Weggehen etwas von “Dummheit”, was Tanguy endgültig komplett aus der Bahn wirft, denn, so erklärt der hinterher, er könne zwei Worte überhaupt nicht ausstehen, nämlich “Faulheit” und eben “Dummheit”. Nun also ist der Freisinger Restaurantbesitzer völlig vergrätzt, dem Heulen nahe und Rach muss ihn trösten, das sei doch alles gar nicht so gemeint gewesen! Oh Wunder, aus dem Nichts zaubert dies das Lächeln auf das Gesicht des Franzosen zurück und wir erleben den Beginn einer wundervollen Freundschaft, sagt die Off-Stimme. Irgendwie haben Künstler doch alle einen Hau… ;-)

    Apropos “Künstler”, am nächsten Tag bringt Chrischan seinem alten Kumpel Tanguy einen ganzen Rollwagen voller Utensilien aus dem RTL-Fundus mit, damit will er etwas französisches Flair in das weiterhin teutonisch-triste Restaurant bringen. Wir sehen haufenweise gerahmte Bilder für die Wand, Tonkrüge und blau-weiß karierte Servietten für die Tische, ein Fässchen und zahlreiche Weinflaschen für die Bar und im Hintergrund singt mit einmal Édith Piaf ihr berühmtes “Non, je ne regrette rien”. Danach serviert der Hamburger zum ersten Mal seine neu kreierte französische Brotzeit mit Elsässer Flammkuchen, alle sind begeistert.

    Am letzten Tag ist die Neueröffnung des frisch dekorierten und auch gastronomisch umgestalteten “kleinen Frankreichs”. Die von RTL gemieteten und bezahlten Gäste (angeblich alles freiwillige Freisinger) bevölkern in hellen Scharen das noch nach Farbe riechende Etablissement. Zuvor gibt es einmal mehr Komplikationen, weil Chefkoch Tanguy sich wieder in dem von ihm selbst verzapften Chaos verstrickt. Erst ist das Küchenteam nicht vollzählig, dann ist plötzlich unklar, wann und wie viele Gäste man eigentlich erwartet und ob die Vorräte dafür überhaupt reichen. Der cholerisch-wirr herumgestikulierende und beständig brabbelnde Tanguy erinnert mich dabei sehr an Louis de Funès, einen anderen großen kleinen Franzosen. Am Ende kriegen unsere beiden Küchengenies aber doch gemeinsam die Kurve, die Premiere klappt, die Gäste scheinen begeistert und applaudieren sogar. Das war es erst einmal…

    Acht Wochen später ist Christian Rach wieder da, natürlich “ohne Voranmeldung” und kontrolliert sein Werk. Alles sieht gut aus, man habe viele neue Stammgäste gewonnen und der Laden brummt, berichtet Tanguy. Die Testbestellung des Sternekochs ergibt keinen Anlass für Beschwerden, alles sei großartig, befindet er. Und damit geht eine gemütliche, ja wirklich appetitanregende Folge mit sympathischen Darstellern zu Ende, bei der Christian Rach auch mal wieder so richtig in der Küche gefordert war. Ein unspektakulärer, aber gelungener Auftakt für die fünfte Staffel von “Rach, der Restauranttester”. (Wer es übrigens einmal selbst probieren will, findet hier den Online-Auftritt zum “La Petite France”.)

    Bis denne!

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  • Die aktuelle Staffel von Christian Rach, dem Restauranttester mit Michelinstern, geht mit der heutigen Folge zu Ende. Und sie geht eigentlich genau so zu Ende, wie sie anfing und wie sie zwischendrin war, nämlich mit einer weitgehend küchenlosen Episode.

    Nordlicht Christian Rach muss heute in den tiefsten Süden fahren, ins bayerische Kiefersfelden. Hier hat die Belegschaft vom Restaurant “Ludwig’s” um Hilfe gerufen, denn dem Laden laufen die Gäste weg und das Wasser steht finanziell bis zum Hals. Wie wir sehen werden, hätte man ebenso gut auch den Insolvenz-Apostel Peter Zwegat schicken können – wenn dessen Serie momentan nicht gerade pausieren würde.

    Ob Rach diesmal erst am vereinbarten Tag erscheint oder – wie häufig – bereits einen Tag früher, wird nicht erklärt. Jedenfalls wird er sofort bei der Ankunft in dem ziemlich abseits gelegenen Restaurant von der Besitzerin Karin Rippold sehr gefasst begrüßt. Sie hat auch viel Zeit für ihn, denn er ist buchstäblich der einzige Gast an diesem Abend, alle anderen Tische sind völlig leer. Und was Frau Rippold zu erzählen hat, ist eine schwer-verdauliche Tragödie, die auch den Sternekoch sichtlich mitnimmt. Sie ist 30 Jahre alt und hatte das “Ludwig’s” vor ein paar Jahren mit ihrem Ehemann zusammen übernommen. Die dreijährige Tochter war lange Zeit sehr schwer krank und musste von Frau Rippold betreut werden, so dass sie sich mit dem Tagesgeschäft im Etablissement eher weniger beschäftigte. Dann starb urplötzlich ihr Mann an einem Herzinfarkt und hinterließ ihr zusammen mit dem “Ludwig’s” – wie sich bald herausstellte – 300.000 Euro Schulden für ausstehende Löhne, Sozialversicherungsabgaben und beim Finanzamt. Nun ist guter Rat teuer, denn sie kennt sich in der Gastronomie überhaupt nicht aus. Intuitiv schlägt der Sternekoch vor, den Laden aufzugeben und den bitteren Gang in die Privatinsolvenz anzutreten, nach sieben Jahren sei Karin Rippold dann schuldenfrei, glaubt er. Leider ist die Sache in der Realität komplizierter, denn die Restaurantchefin ist Österreicherin, lebt dort auch weiterhin und in ihrer Heimat gibt es keine Privatinsolvenz; hier bleiben die Schulden ein Leben lang bestehen. (Der RTL-DJ fährt heute wieder eine Sonderschicht, als Hintergrund spielt jetzt Tokio Hotel mit “Rette mich”.)

    Ein echt schwieriger Fall für den Rach, der weiß offensichtlich zunächst auch nicht, wo er ansetzen soll. Am besten kennt er sich noch immer in der Küche aus. Er verlangt deshalb die Speisekarte, ärgert sich sofort über die vielen Nudelgerichte mit Sahnesoße und bestellt wie immer ein paar Vorspeisen und Hauptgerichte (im Hintergrund “The Show must go on” von Queen). Nach ein paar Bissen schiebt der Restauranttester seine angegessenen Vorspeisenteller rüber zu Karin, sie soll selbst mal probieren und urteilen. Die Vorspeisen gegrillter Mozzarella und Bohnensalat kommen schlecht weg, Küchenchef Pino geizt offenbar mit Essig, Öl und Pfeffer. Die Gnocchi mit Spinat und Gorgonzolasauce und die Penne mit Speck und Zwiebeln bestehen hingegen vor des Meisters Gaumen. Für heute lässt Rach es gut sein und bittet für den nächsten Tag um ein Gespräch mit dem Anwalt und dem Steuerberater und lässt außerdem eine Personalversammlung einberufen.

    Nach einer vermutlich eher unruhigen Nacht ist der Hamburger Erfolgskoch wieder da und beäugt das “Ludwig’s” erstmals bei Tageslicht. Für den Barbereich findet er anerkennende Worte, das sieht professionell aus. Sofort fällt ihm die idyllisch gelegene Terrasse auf, warum die nicht für Gäste genutzt werde, fragt er Karin Rippold und Karim, den Restaurantleiter. Hmm, tja, man wolle die Tische schonen, die sollten nachts lieber nicht draußen stehen, sonst würden sie feucht, kriegt er zur Antwort. Auf die Idee, die Tische morgens auf und abends wieder abzubauen, ist die Bande wohl von selbst noch nicht gekommen. Rach wundert sich. Er versammelt das Personal um sich und bittet um Vorschläge zur Veränderung. Die Diskussion läuft schnell aus dem Ruder, ganz offensichtlich herrscht zwischen Küchenchef Pino und Restaurantleiter Karim eine offene Animosität. Rach nimmt die Restaurantchefin beiseite und legt ihr nahe, hier viel mehr Führung zu zeigen, andernfalls würden sich ihre Mitarbeiter weiter wie ein Wolfsrudel benehmen.

    Am nächsten Tag kommen die Rechtsanwältin und der Steuerberater des “Ludwig’s”. In einer vierstündigen Sitzung kommen alle finanziellen Probleme auf den Tisch und danach ist der Rach noch viel skeptischer, ob er den Laden überhaupt retten kann, so schlimm sieht es aus. Das Finanzamt macht riesige Probleme, will sofort die ausstehenden Zahlungen haben. Es wird dringend neues Geld gebraucht, ohne einen solventen Finanzier steuert die Sache auf die Pleite zu. Rach telefoniert wild in der Gegend herum, versucht, seine Kontakte in die Kochszene spielen zu lassen, doch offenbar hilft alles nichts. RTL macht daraus eine superdramatische Szene, wie nach und nach alle Mitarbeiter die Köpfe hängen lassen und sich depressiv zusammenkauern und Christian Rach seine letzten Trümpfe ausspielt – alles ohne Erfolg. Da plötzlich, “zufällig” hält die Kamera gerade darauf, klingelt das Handy des Gastropapstes und ihm wird eine erlösende Nachricht übermittelt. Aus einer ominösen, nicht genannten Quelle werden nochmal 50.000 Euro in das “Ludwig’s” investiert und damit kann wenigstens erstmal das Finanzamt ruhig gestellt werden. Plötzlich ist bei der Belegschaft die Euphorie wieder da, den Laden dauerhaft zu retten. Pino führt ein paar neue Menükreationen vor, die sogar den kritischen Rach’schen Blicken standhalten. Offenbar absolut spontan – jedenfalls erklärt das niemand – wird dann von ein paar Leuten aus dem Ort ein riesiger Kronleuchter herbeigeschleppt, den man mit vereinten Kräften an die Decke bugsiert. Hier bewegt sich was, ein Anfang ist gemacht, aber es muss noch viel mehr passieren. Rach verschwindet erst mal und überlässt Karin die Neuorganisation des gesamten Ladens. Er selbst hilft aus der Ferne via Mail und Telefon und verspricht, in zwei Wochen wiederzukommen, zur Neueröffnung, wie er es ausdrückt.

    Wie versprochen, schneit der Hamburger nach 14 Tagen mit einer ganzen Palette neuem Geschirr als Gastgeschenk wieder herein und dreht gleich voll auf. Er stellt fest, dass noch gar keine Speisekarte existiert und niemand weiß, was am nächsten Tag zur Neueröffnung überhaupt angeboten werden soll! Dabei gibt es schon 180 Reservierungen!!! Ratlose Stille bei der Belegschaft. Schnell entscheidet Rach, was es geben wird und was demzufolge noch eingekauft werden muss. Chefkoch Pino und die anderen Küchenmenschen fangen gleich mit dem Probekochen an. Dann ist Karim beleidigt, als der Sternekoch den angebotenen Wein kritisiert und muss von ihn – vor der Kamera – in einer Einzelsitzung wieder auf Linie gebracht werden. Inzwischen hat sich das nächste Problem ergeben: Die 180 Gäste sind offenbar zu viel und passen gar nicht ohne Weiteres in das “Ludwig’s” hinein, aber ausladen kann man nun auch keinen mehr. Rach macht die Sitzordnung zur Chefsache. Typisch, wenn es hart auf hart kommt, sind Helden immer einsam. Das galt schon im Wilden Westen und ist scheinbar auch heute noch nicht anders.

    Am nächsten Tag ist Ultimo, Zahltag, die Neueröffnung. Innerhalb kürzester Zeit säuft der Laden ab, denn es kommen noch weit mehr Menschen, als eigentlich angekündigt. Viele müssen stehen und warten, bis mal ein Tisch frei wird. Zusammen mit Christian Rach und ein paar Aushilfen bewältigt die Küchencrew den Ansturm einigermaßen, kritischer wird es da aber im Service im Restaurant. Hier hakt es vorne und hinten, Karin und Karim verlieren völlig den Überblick, welche Tische was bestellt haben, wo noch Getränke fehlen usw. Dann gibt es einen ominösen “Tisch 8″, an dem entweder vier oder sechs Menschen zu sitzen scheinen, die aber für zehn futtern. Des Rätsels Lösung ist ganz einfach: Es gibt versehentlich zwei Tische mit der Nummer 8.

    Trotz des allgemeinen Chaos scheint es den Gästen zu schmecken. Sternekoch Christian Rach, wegen dessen Popularität es vermutlich überhaupt so voll ist, hält eine Rede und bedankt sich bei der Belegschaft des “Ludwig’s” und den vielen Unterstützern, der Brauerei und auch den zahlreichen Gästen. Und er bittet alle, auch die Fernsehzuschauer, doch recht oft wiederzukommen und dieses wunderschön gelegene Restaurant zu erhalten. Es folgt noch eine tränenreiche Verabschiedung zwischen Christian Rach und Karin Rippold, die jetzt zumindest noch eine Chance bekommen hat. Wollen wir mal alle hoffen, dass sie es schafft.

    Das war’s, die Folge ist aus. Auf den obligatorischen Besuch nach ein paar Monaten verzichtet Rach diesmal, das ganze ist vermutlich auch gerade erst in diesem Winter gedreht worden, denn überall lag Schnee. Ich habe mal ein bisschen gegoogelt und bin auf eine Diskussionsseite der Online-Ausgabe des “Oberbayerischen Volksblatt” gestoßen, auf der sich offenbar Einheimische über die Gastronomie in Kiefersfelden unterhalten. Demnach scheint das “Ludwig’s” noch zu existieren und gut zu laufen. Dank Rach.

    Das war die letzte Folge dieser Staffel. Was sich wie ein roter Faden durch sämtliche Episoden zog, war, dass Christian Rach kaum noch als Koch, sondern vor allem als Manager gefragt war. Früher war ja sowieso immer alles besser, ist klar, aber wirklich, so ein handfester Streit zwischen dem Sternekoch und einem schnöseligen Küchenazubi um die richtige Soßen-Konsistenz oder das Geschachere mit dem Wirt um einzelne, scheinbar unverzichtbare Menüs auf der antiquierten Speisekarte, das hatte auch etwas und kam in dieser Staffel definitiv zu kurz. Für mich war die kultigste Folge ganz klar die Sache mit dem Hollo-Bollo in dem versteckt in einer Passage liegenden Restaurant in Lengerich. Das war so ein richtiger Klassiker mit viel schrägen Vögeln und Spaß bei allen Beteiligten. Ich hoffe, in der nächsten Staffel passiert wieder mehr dieser Richtung. In diesem Sinne guten Appetit, bis bald mal wieder!

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  • Die heutige Folge vom restauranttestenden Christian Rach führt eine Tradition der vorherigen Staffeln fort: Der Sternekoch bearbeitet diesmal keinen neuen Fall, sondern besucht ein paar seiner früheren Kunden und guckt, ob sie seine Rosskur überlebt haben und wenn ja, was aus ihnen geworden ist. Das ist aus Sicht von RTL eine günstige Sache, denn die Sendung besteht überwiegend aus hektisch geschnittenen Rückblenden und jeweils nur ein paar kurzen aktuellen Szenen.

    Die erste Station der Rach’schen Erinnerungstour ist das “Alte Kloster” in Gelsenkirchen. Hier herrscht ein gewisser Herr Plinge als Geschäftsführer über ein Etablissement, das aussieht wie ein großer Schnellimbiss, aber gern ein Restaurant sein möchte. Plinge hat mal in Paris gearbeitet und hängt irgendwie an dem überzogenen Anspruch, in seiner Frittenbraterei französische Küche anbieten zu wollen (z.B. gibt Champagner für 99,- Euro pro Flasche!). Tatsächlich serviert man hier aber nur dürftige Fertigkost, von der Küchencrew lieblos zusammengepanscht nach Bauanleitungen vom Beinahe-Meisterkoch Plinge. Christian Rach zwingt den Geschäftsführer, selbst mal von dem gerade servierten zähen Stück Kabeljau zu probieren, der verzieht den Mund und behauptet, seine Mitarbeiter seien daran schuld. Der Sternekoch besichtigt die Küche, ekelt sich über Dreck, Essensreste und altes Fritteusenfett, findet ein paar Blätter mit Soßen-Bauanleitungen und will nun das Übel an der Wurzel packen. Das Hauptübel scheint allerdings der verhärmt wirkende Geschäftsführer selbst zu sein, der bei allen gezeigten Ausschnitten nur schlecht gelaunt in der Gegend herummisanthropiert und für den “Mitarbeiterführung” offenbar ein Fremdwort ist.

    Der Gutmensch aus Hamburg organisiert ein paar Pötte weiße Farbe und ganz viel Spülmittel und rückt dann mit der ganzen Belegschaft dem Dreck zu Leibe. Einzig Geschäftsführer Plinge steht teilnahmslos daneben und weiß nicht, was er tun soll. Das scheint symptomatisch zu sein, wie auch die nächste Szene zeigt: Es ist der Tag der Wiedereröffnung und Rach ist schwer enttäuscht, den Plinge missachtet nicht nur sämtliche Kochtipps des Hamburgers, sondern torpediert auch aktiv dessen Plan, draußen in der Fußgängerzone kleine Häppchen als Werbung für das “Alte Kloster” zu verteilen. Am liebsten soll alles so bleiben, wie es vorher war. Warum man dafür extra den Sternekoch bemühen musste, bleibt mir allerdings schleierhaft.

    Wenig überraschend ist dann das Ergebnis von Rachs Besuch etwa ein Jahr später: Plinge und sein unseliger Laden sind längst Geschichte, am selben Ort ist ein neues “Altes Kloster” unter anderer Leitung, mit neuem Konzept und mit einer völlig neuen Inneneinrichtung – schade um die von RTL gestiftete weiße Farbe…

    Der nächste Fall spielt in Brühl bei Heidelberg im Restaurant “Entenjakob”. Den Laden hatten wir damals hier in Mülltv schon besprochen, nun ist die Sache schon bald ein Jahr her und Rach will sehen, was weiter passiert ist. Der “Entenjakob” gehört Klaus und Gabriele Herm, die das Lokal seit vier Jahren mit schnell nachlassendem Erfolg betreiben und in ihrer Not nun RTL zu Hilfe gerufen haben. Sternekoch Christian Rach kommt vorbei und riskiert mal wieder Geschmackssinn und Gesundheit und tritt zum Selbstversuch an. Der ergibt auch schnell einen Anhaltspunkt für die Misere: Abgesehen davon, dass der Hamburger eh schon grantelt, weil es im “Entenjakob” nur Ente auf Vorbestellung gibt, schmecken ihm die ersatzweise aufgefahrenen Speisen nicht besonders. Das Ambiente passt ihm auch nicht, der Zaun ist zu hoch, wirkt wie ein Gefängnis. Rach spendiert einen Kamin für den Gastraum und einen Konvektomaten für die Küche, stutzt den Zaun und kreiert neue Gerichte – natürlich mit Entenbeteiligung. Die obligatorische Wiedereröffnung nach dem Umbau wird, wie immer, ein voller Erfolg und die als Gästeimitation eingeflogene Laienschauspielertruppe verbreitet gute Laune. Es hagelt Bestellungen und Anerkennung insbesondere für die neuen Entenmenüs, was Rach natürlich mit Befriedigung zur Kenntnis nimmt. Die vorher völlig verzweifelten Wirtsleute sind dem großen Kollegen aus Hamburg unendlich dankbar.

    Zehn Monate später ist die Stimmung immer noch euphorisch, der von Rach ausgelöste Boom ist geblieben, die Enten gehen weg wie “geschnitten Brot”, der “Entenjakob” ist aus der Krise und jedes weitere Wort wäre hier zu viel…

    Nun kommt die Werbepause mit dem allseits beliebten Gewinnspiel für Leute mit einem IQ über 130. Für die korrekte Antwort auf folgende, mir unlösbar scheinende, Frage rückt das Fernsehen tatsächlich 3.000 Euro raus: “Ein beliebtes Nudelgericht ist Spaghetti… a) Bolognese   b) Blankenese”. Aus dem Festnetz kostet ein Anruf 50 Cent, d.h. ab dem sechstausendsten Anrufer ist RTL in der Gewinnzone. Aber herrjemine, wo sollen denn so plötzlich 6.000 Anrufer herkommen, glauben die Fernsehleute etwa, heute Abend gucken nur Professoren und Nobelpreisträger zu? Wer sonst sollte denn so eine komplizierte Frage beantworten können???

    Ich bin wegen des Gewinnspiels noch ganz außer mir, da beginnt schon Fall Nummer 3. Der führt Christian Rach in ein Restaurant mit dem mystischen Namen “versunkene Glocke” in die aus Wende-Zeiten bekannte Stadt Wandlitz bei Berlin. (Soweit ich memoriere, wohnten hier mal die DDR-Bonzen in einem von der sozialistischen Außenwelt abgeschotteten piefigem Feriendorf.) Die “versunkene Glocke” ist ein Ausflugslokal im Grünen und wird von Vater Wolfgang und Sohn Martin Rakitin in Stil einer Männer-WG geführt. Alles ist ungepflegt, überall liegt Gerümpel herum, es sifft, mieft und fault und vermittelt insgesamt den Eindruck einer Müllhalde. “Im Prinzip müsste man ‘ne Abrissbirne nehmen und das Ding platt machen.”, ist Rachs gnadenloses Fazit. Leider gilt das auch für die Küche, der offenbar schon seit Jahren eine dringende Grundreinigung fehlt.

    Rach organisiert ein heftiges Großreinemachen, wobei Seniorchef Wolfgang durch kontinuierliches Nichtstun und In-der-Gegend-herumstehen negativ auffällt. Das setzt sich auch bei der Wiedereröffnung der “versunkenen Glocke” fort: Als Sternbesitzer Rach mitten im Akkordkochen für die offenbar wieder zahlreichen Gäste mal einen gehetzten Blick aus dem Fenster wirft, sieht er Wolfgang draußen in aller Gemütsruhe beim Lustwandeln im ungepflegten Garten und kriegt deswegen die Pimpernellen. Das schändliche Tun ahndet Rach mit ein paar üblen Verwünschungen direkt in die Kamera. Einziger Lichtblick ist heute Sohn Martin, der sich in der Küche bewährt.

    Ein Jahr später ist Chefvisite in der Männerwirtschaft. Das Geschäft läuft inzwischen tatsächlich besser, der Sommer brachte lt. Rakitin Senior und Junior gute Umsätze, die Schulden sind bezahlt. Zwar ist mittlerweile wieder etwas die Flaute ausgebrochen, aber für richtigen Pessimismus ist es wohl noch zu früh.

    Auch der nächste Fall spielt in der Ehemaligen, nämlich in Güstrow. Hier gab es bei Rachs erstem Besuch ein Eiscafé mit Behelfsküche und dem saukomischen Namen “Eisheidi”. Besitzerin Heidi Hamel pflegte damals selbst vor der Kamera einen rüden Umgangston mit ihren Gästen und Angestellten. Immerhin verprügelte die Kratzbürste ihre Kunden während der Bestellung nicht, aber das war an Service auch schon so ziemlich alles. Die Beziehung von Rach und Heidi beginnt sogleich mit Spannungen, denn der Hamburger korrigiert ihre falsche Aussprache von “Expresso”. Rach sitzt an einem klapperigen Campingtisch draußen in der Fußgängerzone vor dem Eiscafé (!) und ordert Bratkartoffeln mit Leber, zwar eine “Gaga-Bestellung”, wie er findet, aber komischerweise schmeckt es ihm. Während die Tische draußen gut frequentiert werden, herrscht drinnen im Laden tote Hose, ein Ambiente wie im Krematorium. Rach überzeugt die kühle Heidi davon, dass Konzept und Name geändert werden müssen.

    Gemeinsam entsorgen sie das bisherige Campingmobiliar draußen und schleppen dafür die Tische und Stühle vom Gästeraum auf die Straße. Heidi mäkelt, das passe alles nicht richtig, aber Rach lässt sich nicht beirren. Es beginnt der sendungsübliche Umbau des Etablissements, wobei die Chefin durch ausgedehnte Nichtanwesenheit glänzt. Der Sternekoch zeigt der Küchencrew ein paar neue Rezepte (u.a. Flammkuchen), spendiert eine neue Kaffeemaschine und denkt sich auch noch einen megaoriginellen neuen Namen für das Lokal aus: “Markt 7″. Die eigenwillige Heidi steht den Neuerungen durchaus kritisch gegenüber, ihre Begeisterung für Rachs Ideen beschränkt sich meist auf ein kurzes “aha!”. Das Eis schmilzt erst, als die Gäste – lt. RTL-Off-Stimme – die neuen Gerichte bestens annehmen, insbesondere der Flammkuchen geht ohne Ende.

    Der Besuch ein Jahr später offenbart die Göttlichkeit Christians Rachs, denn aus der einstigen Eisheidi ist eine glühende Verehrerin des Sternekochs geworden. Die ganze Belegschaft trägt schwarze T-Shirts mit der Aufschrift “Von Rach getestet und für gut befunden!”. Selbiger fühlt sich maßlos geschmeichelt. Der Laden läuft besonders wegen der Flammkuchen supergut, hier hat sein segensreiches Wirken wirklich Früchte getragen.

    Zum Finale fährt Christian Rach zur “Paulanerscheune” nach Nordhausen. Der Laden im bayerischen Landhausstil gehört Anett Woythe und Marcel Etzrot. Die Spezialität ist aufgetauter Mikrowellenfraß. Nichts schmeckt, alles ist hart, sauer oder schwimmt vor Fett. Rach fühlt sich in seiner Berufsehre als Koch beleidigt: “das ist nicht mal Imbiss-Niveau!” Er nimmt sich die ganze Küchenbelegschaft zur Brust und verdonnert sie zu einem intensiven mehrtägigen Strafkochen unter seinen meisterlich-strengen Augen. Es dürfen nur noch “echte” Zutaten verwendet werden. Stefan, der junge Paulanerscheunen-Koch, muss in den Garten gehen und selbst Majoran besorgen, wofür er ein Buch mit Pflanzenabbildungen dabei hat und 30 Minuten benötigt.

    Im Restaurant findet der obligatorische Umbau statt, neue Gerichte werden eingeübt und dann kommt wie immer die erfolgreiche Wiedereröffnung mit den zufriedenen Gästestatisten. 14 Monate später ist der Rach wieder da und bittet zum Rapport. Ja, es sei anfänglich gut gelaufen, erzählt Anett, aber dann sei das Gerücht aufgekommen, dass der Laden pleite sei und ab diesem Zeitpunkt liefe es nicht mehr richtig. Co-Besitzer Marcel und Küchenfee Adelheid sind über alle Berge, aber Stefan kocht weiter. Rach tröstet Anett, sie sei auf dem richtigen Weg, man müsse in der Branche einfach einen langen Atem haben. Das bestellte Essen schmeckt ihm gut, der Besuch in der Küche lässt ebenfalls hoffen und damit endet diese Folge einigermaßen optimistisch.

    Fazit: Immerhin vier von fünf Altfällen haben Rachs Besuch nicht nur ein Jahr überlebt, sondern sie gedeihen einigermaßen bis prächtig. Tusch und Fanfare!!! Eine 80-Prozent-Quote, das kann sich sehen lassen! Bin gespannt, was uns der Sternekoch in der nächsten Woche zum Abschluss dieser Staffel serviert. Hoffentlich wird endlich mal wieder richtig gekocht, Ambiente und Teambuilding war diesmal schon mehr als genug, finde ich.

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  • Während andere Jecken Karneval feiern, muss Sternekoch Christian Rach am Rosenmontag raus zu einem Einsatz: Passenderweise führt der ihn heute ins Ruhrgebiet nach Recklinghausen, in das notleidende libanesische Restaurant “Maroush”. Das im Keller gelegene Etablissement wird von einer unklaren Anzahl von Brüdern der Familie Omirate betrieben. Wer der Oberchef ist, fragt Rach und löst damit schon mal Ratlosigkeit aus: Alle sind irgendwie Boss für einen bestimmten Bereich und Entscheidungen treffen sie alle gemeinsam in einer Art demokratischen Palaver-Prozess. Hmmm, das kennt Rach normalerweise irgendwie anders.

    Wer denn der Koch sei, ist die nächste Frage. Einer der Brüder bekennt sich, hat aber zufällig gerade heute alle seine Kochutensilien irgendwie weggegeben, wie er sagt, steht stattdessen in Zivil und mit Schlabberlatschen im Laden und sucht nun auf die Schnelle wenigstens noch eine Gummischürze. Offenbar hat man den Gastropapst heute noch gar nicht erwartet – hat sein angestaubter Termin-Trick also mal wieder geklappt. Während die RTL-Redaktion im Hintergrund “das Lied der Schlümpfe” einspielt, högt sich der Hamburger und widmet sich schon mal der Speisekarte. Vorweg bestellt er sechs Vorspeisen, nämlich drei kalte und drei warme. Kurioser Stille-Post-Effekt: Bis zur Küche ist daraus eine Bestellung von jeweils vier kalten und warmen Vorspeisen geworden, die nun zwei der Omirate-Brüder etwas unorganisiert (weil ungelernt), aber sehr schnell zusammenfrickeln. Tatsächlich stehen kurz darauf sieben (und nicht sechs oder acht) Vorspeisen auf Christian Rachs Tisch, sehen lecker aus, sind es auch und beweisen damit, dass die Küche nicht das Problem des “Maroush” ist. Zur Sicherheit bestellt der Meisterkoch dann auch noch ein Kalbskotelett und eine Dorade, ist wieder begeistert und gleichzeitig frustriert, denn nun muss er tiefer in die Problemlage einsteigen. Dem geneigten Zuseher ist schon klar: Das wird heute wieder keine Koch-Sendung, sondern geht eher in Richtung Organisations- und Ambiente-Verbesserung.

    Am zweiten Tag kommt wieder die allseits beliebte Rubrik “Hausbesichtigung”; die fällt diesmal reichlich skurril aus. Rach lässt sich von den diversen Omirates alle Räumlichkeiten vorführen, stößt auf eine vollgemüllte Rumpelkammer und lacht sich dann über das so genannte Büro kaputt, eine Kleiderschrank-große Nische mit PC-Tischchen auf den nackten Fliesen. Mehrere Stapel Papiere liegen auf dem Tischchen und quellen aus einer Schublade: Das sei die Buchhaltung mit den offenen Rechnungen, erfährt der staunende Sternekoch. Nein, den Überblick habe man schon vor einiger Zeit verloren, gestehen die Omirates. In einem Seitenflur brennt kein Licht, man wisse leider nicht, warum es hier dunkel sei, erzählen die vier oder fünf oder sechs Brüder. Rach hat die Lösung nach einer halben Sekunde: In der Lampe ist keine Birne drin! Ja, an solchen Stellen können wir Normalbegabten vor dem Genie nur neidlos den Hut ziehen, der Mann ist uns einfach über…

    Schließlich erreicht die kleine Karawane die Küche; hier sieht es ziemlich spackig aus und Rach rümpft die berühmte Nase. Man habe nur gestern mal nicht geputzt, schon nach zwei Tagen sehe das immer so aus, behauptet der Koch-Bruder allen Ernstes. Das ist ganz offensichtlich eine ziemliche Untertreibung und obendrein noch reichlich dämlich, denn Rach kann man in puncto Küchendreck nichts vormachen, das ist sein Spezialgebiet. Er beginnt spontan, mit spitzen Fingern diverse vollgestaubte und fettige Gerätschaften aus den Küchenregalen zu pflücken, die eigentlich längst entsorgt oder geputzt gehören. Beim Anblick von ein paar unfachmännisch lose im Kühlschrank gelagerten Hähnchenkeulen gefriert Rach das Lachen, jetzt wird die Sache ekelig bis illegal. Er bittet die Herren kurz zum Gespräch, legt ihnen dringend nahe, mal aufzuräumen und schlägt außerdem vor, den ältesten Bruder Silat (?) ab jetzt zum Chef zu machen. Danach haut er schnell ab und lässt die Brüder allein in ihrem Chaos, genug zu tun haben sie ja jetzt.

    Als Rach am dritten Tag die orientalische Kellerhöhle betritt, sind die Brüder gerade wieder in trauter Runde am Palavern. Jaja, sauber gemacht hätten sie jetzt, die Küche sei fertig – bis auf die Dunstabzugshaube, die mache man aber auch noch. Der Hamburger glaubt das nicht und saust mit diversen Omirate-Brüdern im Schlepptau in die Küche. Eine schnelle Überprüfung zeigt: Die Arbeitsflächen sind weiterhin fettig, Küchengeräte liegen offen in staubigen Regalen, der Ofen riecht nach “toter Katze” und überall liegen speckige Drecklappen herum. Rach ordnet die sofortige Reinigung der gesamten Küche an, die restlichen Brüder werden hinzugerufen und – erstmals – übernimmt Silat das Kommando. Damit läuft angeblich alles besser, Rachs Einführung eines Chefbruders mache sich schon positiv bemerkbar, sagt die Off-Stimme. Ach, unser Chrischan ist schon ein Guter.

    Danach werden Ideen gesammelt, was man in Richtung Marketing machen könne. Silats toller Vorschlag, auf einem Kamel durch Recklinghausen zu reiten, wird von Rach direkt abgelehnt, keine Vierbeiner-Ideen mehr, bitte. Wie wäre es, wenn das “Maroush” ab sofort einen eigenen Stand auf dem Markt in der Stadt hätte, damit einerseits Geld verdiente und andererseits die Leute so auf das versteckte Restaurant aufmerksam machte? Die Brüder sind sofort Feuer und Flamme. Der Rest des Tages geht mit Putzarbeiten drauf. Die Omirates hängen mehrheitlich beim Schrubben in den Dunstabzugshauben in der Küche, währenddessen Rach eine von der Off-Stimme frenetisch bejubelte Epochal-Tat vollbringt: Er organisiert für das lächerlich kleine Büroloch einen neuen Schreibtisch und ist darauf offenbar so stolz, wie Justus von Liebig bei der Erfindung des Brühwürfels (um bei einem gastronomischen Vergleich zu bleiben).

    Der vierte Tag beginnt mal nicht Untertage, sondern Rach stattet den Besitzern des oberhalb des “Maroush” liegenden Hotels einen Besuch ab. Er erwärmt sie – warum auch immer – für den Vorschlag, die Hotelfassade neu zu gestalten und dabei den Restauranteingang mit einzubeziehen, so dass das mehr wie aus einem Guss aussieht. Mir ist schleierhaft, weshalb sich die etwas sprachlosen Hotelmenschen darauf einlassen – sie sehen für mich so aus, als ob sie selbst ein wenig Hilfe gebrauchen könnten, aber vielleicht täuscht das auch. Rach kommt richtig in Fahrt, zerrt die beiden Oberweltbewohner zu der langen Treppe in die libanesischen Katakomben, deutet hierhin und dorthin: “das muss weg”, “das geht so nicht” und “das ist ja ganz schlimm”. Seine Nippes-Stehrumchen-Allergie schlägt wieder voll durch und am Ende soll von dem orientalisch überladenen Treppenhaus außer der Treppe selbst nur noch der angestrahlte Name “Maroush” übrig bleiben, befiehlt er. Als die beiden Hotelbesitzer während der Predigt eine kurze Atempause zur Flucht nutzen, stiefelt der Meisterkoch allein hinunter in das Höhlenrestaurant und setzt seinen Kreuzzug gegen den Kitsch dort unverdrossen fort. Etwa ein halbes Dutzend erschreckter Omirates-Augenpaare verfolgt, wie er das Weinlaub-Imitat aus Plastik von den Wänden reißt und sich an den schmiedeeisernen Kerzen-Mobiles vergeht. Später helfen sie dem Mann sogar dabei, den unsäglichen Goldregen-Baum aus dem Treppenhaus zu schleppen.

    Nicht so gut läuft das mit der Kopfarbeit. Rach hatte sich 25 Vorschläge ausbedungen, was man denn in dem Marktstand so verkaufen könnte. Chefbruder Silat und Normalbruder Haider (?) setzen sich in der Küche an einen Tisch und warten auf eine Eingebung. Und warten. Und warten. Leider kommt keine Idee vorbei, stattdessen beginnen sie, an der Marktidee an sich zu zweifeln, wissen nicht, was und schon gar nicht wie sie das machen sollen. Rach wird wegen ihrer Lethargie sauer und spult mal so eben im Vorbeigehen zehn Ideen herunter. Derweil geht er nach hinten in einen der Nebenräume, kramt dort hörbar herum, während sich die Brüder verwundert ansehen und kommt nach kurzer Zeit schnaufend mit einigen Warmhaltekästen aus Metall zurück. “Ich kenn’ mich in Eurer Scheißküche schon besser aus als ihr!”, raunzt er sie ungehalten an. Der Hamburger “hat die Samthandschuhe ausgezogen” und kommt so langsam in den Kameltreibermodus.

    Mit einem kleinen roten Verkaufswagen fährt Rach am nächsten Tag beim “Maroush” vor. Das Auto kriegen die Omirates-Brüder für ein Jahr kostenlos (RTL zahlt) gestellt und sollen es für den Markt nutzen. Kenner der Serie wissen es, am fünften Tag wird traditionell immer gekocht, die heutige Folge ist keine Ausnahme: Man bereitet die Speisen für den ersten Markttag vor. Rach hat dazu körbeweise frische Lebensmittel mitgebracht, außerdem zwei weiße Kochmützen für die Küchen-Brüder. Ein dritter Bruder beömmelt sich darüber: “Die sehen aus wie Zwerge!” Egal, Rach duldet keine Schwachheiten, die Mützen müssen natürlich trotzdem aufgesetzt werden.

    Am nächsten Tag geht es dann tatsächlich zum Wochenmarkt und wir können drei Brüder plus einen Sternekoch dabei beobachten, wie sie den etwas misstrauisch wirkenden Recklinghausern die orientalischen Köstlichkeiten nahezubringen versuchen. Rach ist am Ende ganz zufrieden, es sind noch alle Brüder da, keiner wurde verprügelt und der Marktstand nicht abgefackelt, die Aktion wird zum Erfolg erklärt. Derweil ist mit RTL-Mitteln vor dem Eingang zum “Maroush” eine kleine Terrasse mit drei Tischen entstanden, an denen Gäste mit Vorliebe für Tageslicht sitzen können. Drinnen wurden die Gästeräume, wie von Rach vorgeschlagen, von diversem Schnickschnack befreit und sind bereit für die sogenannte Wiedereröffnung. (Ja war der Laden denn überhaupt zu, ich habe davon jedenfalls nichts mitgekriegt!)

    Der Abend klappt dann auch noch sehr gut und die übliche Busladung von Gäste-Statisten äußert sich positiv überrascht und verspricht geflissentlich, oft wiederzukommen. Rach schwebt ob der eigenen Genialität auf Wolke sieben und doziert mit kaum unterdrückter Selbstzufriedenheit in die Kamera. Danach gibt es einen tränenreichen Abschied von der Omirates-Brüderschar, in die Rach inzwischen offenbar ehrenhalber aufgenommen wurde.

    Acht Wochen später kommt der übliche Kontrollbesuch des gastronomischen Halbgotts. Erst sieht er sich den Marktstand an, alles bestens! Abends setzt sich Rach dann eine bekloppt aussehende rothaarige Perücke und eine Sonnenbrille auf und betritt in dieser Verkleidung das “Maroush”, um “seine Brüder” zu erschrecken. Mal wieder hält uns das Fernsehen dabei für geistig minderbemittelt, wir sehen von innen, wie die Brüder scheinbar ahnungslos ihrer Arbeit nachgehen, da tritt “völlig überraschend” Rach mit Eva-Pflug-Gedächtnisfrisur in die Küchentür. Ob sich nicht einer der Brüder vorher gefragt hat, warum da ein Kamerateam mit Tonmokel im Restaurant aufgebaut hat? Na, egal, spielen wir halt mal mit. Nach großem Hallo folgt der bange Moment, als Rach die Sauberkeit in der Küche prüft. Die neuralgischen Stellen sind tipptopp und der Sternekoch begeistert. Danach wird gefuttert, einmal quer durch die Speisekarte. Rach scheint es hier wirklich zu schmecken, auch privat. Und damit ist er nicht allein, denn der Laden ist voll heute Abend. Als Nachtisch gibt es anschließend sogar noch einen – angeblich nicht extra inszenierten – echt orientalischen Schleiertanz.

    Fazit: Die Wucht in Tüten, der Meister hat’s wieder geschafft und aus einem versifften Kellerloch ein angesagtes Restaurant für gehobene Ansprüche gemacht. Nach sechs von acht Folgen in dieser Staffel scheint der Heiligsprechung Christian Rachs nichts mehr im Wege zu stehen. Halleluja! :-)

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  • Heute begleiten wir Christian Rach bei einem Ausflug nach Hannover ins Café Tabac. Der ehemaligen Studentenkneipe geht’s schlecht, die zahlenden Gäste bleiben aus und angeblich weiß keiner, warum. Rach hat einen Trick ausgegraben, der schon im Fernsehen der Neandertaler nur noch Gähnen hervorgerufen hätte: Er kommt einfach einen Tag früher als angekündigt und überrascht damit die Café-Besitzer maßlos. (Die kennen ihn zwar aus dem Fernsehen, schließlich haben sie ihn selbst gerufen, aber sein Markenzeichen kennen sie nicht???)

    Der Küchenchef Jan Wahrmund begrüßt den Hamburger Meisterkoch standesgemäß in weißen Kochklamotten und holt erst mal die Chefin dazu. Die ist erst 25 Jahre alt und heißt ernsthaft Katerina Sklavinitis. Ihr Hauptproblem scheint ihre mangelnde Durchsetzungsfähigkeit zu sein, das Personal tanzt ihr auf der Nase herum, manchmal befolgt es ihre Anweisungen, dann wieder nicht. Sie weiß auch nicht, woran es liegt, vermutlich an ihrem Alter.

    Rach ist ein Gewohnheitstier und will nicht lange palavern, sondern erstmal richtig futtern. Er bestellt bei Katerina gleich drei Vorspeisen auf einmal. Die werden auch prompt geliefert, aber damit beginnt der Ärger des Gastropapstes. Die Muslitos mag er schon beim Ansehen gar nicht (“das ist Scheißdreck”). Warum der Salat denn frittiert sei, verlangt er zu wissen. Das sei eine Marotte vom Koch, erklärt Katerina. Den Rest lässt er gnädig passieren, gar so schlimm scheinen die Gaumenbeleidigungen nicht auszufallen. Das Gemüse ist knackig und frisch, bemerkt er erfreut.

    Für die Bestellung der Hauptmahlzeit kommt sogar extra der Chefkoch aus der Küche angesprintet, in der Hand ein Bund Lauch. Rach bestellt Pasta Liguria, Lamm und Pfannkuchen mit Spinat. “Echt, Du magst Spinat-Pfannkuchen?”, fragt Wahrmund ungläubig. “Nee, mag ich nicht, aber deswegen bestelle ich’s ja.”, ist des Meisterkochs etwas merkwürdige Erklärung. Die Kamera begleitet Wahrmund in die ziemlich spackige Küche und zeigt seinen Kampf gegen die Tücken der Technik, überall klemmt was oder geht nicht richtig.

    Kaum sind die bestellten Speisen draußen beim Meisterkoch angekommen, hagelt es auch schon wieder Kritik. Der Spinat – den er ja bekanntlich sowieso nicht mag – ist sauer, vielleicht liegt es an der Zitrone, vielleicht ist der Spinat aber auch alt, die Tomaten hätten in kleine Streifen geschnitten werden müssen und der Rosmarin stammt ganz klar aus der Dose. Rach ist genügend vergrellt, schnappt sich diesmal alle drei Teller und sucht die Küche auf. Im Hintergrund spielt die Mundharmonika-Melodie aus “Spiel mir das Lied vom Tod” und tatsächlich sehen sich die beiden Köche einige lange Sekunden direkt in die Augen. Dann zieht Rach… ein paar derbe Kritiken ab, besonders der Spinat-Pfannkuchen kommt schlecht weg. Jan sieht das nicht nur ein, nein, er selbst ist sogar noch viel strenger mit seiner Küche und führt Rach erstmal die zahllosen defekten 30 Jahre alten Küchengeräte vor. Der Hamburger ist geplättet und kann nicht verstehen, weshalb der Wahrmund  nicht schon längst entweder die Sachen repariert oder sich verdrückt hat. Schnell sucht der das Gespräch mit der jungen Chefin und fordert sie auf, sich zu entscheiden, ob sie zukünftig überhaupt noch eine Küche anbieten will oder das “Café Tabac” nicht lieber zur reinen Kneipe macht. Katerina gesteht dabei kleinlaut, dass sie so klamm ist, dass nicht mal Reparaturen der Küchengeräte drin sind. Das war’s für den ersten Tag, Rach ist völlig erschöpft und gönnt sich erstmal eine Nacht Pause. (passende Hintergrundmusik: “Rette mich” von Tokio Hotel)

    Am zweiten Tag steht bei Rach immer der traditionelle Rundgang durch das zu rettende Etablissement an. Katerina führt ihn zunächst in das “Raucherzimmer”, das passenderweise direkt vor der Küche liegt. Das Raucherzimmer ist eine glatte 9,0 auf der nach oben scheinbar offenen Ekelskala. Der Raum ist nicht nur orange-gelb vom Nikotin, es schimmelt auch an Decken und Fußbodenleisten. Auf ein paar Lautsprechern an der Wand wachsen sogar komische Dinger, falls das Zeugs lebt, müsste es taxonomisch irgendwo zwischen Beulenpest und Koralle eingeordnet werden. Ein weiterer Spezialfall ist der so genannte Personalraum, ebenfalls seit gefühlten 150 Jahren ungelüftet und seit dem Pleistozän nicht mehr renoviert. Sein anheimelnder Mittelpunkt ist die mumifizierte Kaffeemaschine, als zusätzliches Highlight gibt es Schimmelflecken und die sich abpellende Tapete an der Decke. Die Idee, diesen Raum mal frisch zu streichen, ist über das Projektstadium nie hinausgekommen, sagt Katerina und lacht hilflos.

    Danach geht Rach allein nochmal in die Küche und kriegt von Koch Jan die Hiobsbotschaft, dass er die ganze Situation nicht mehr mitmachen und in den Sack hauen möchte. Der zig-fache Gastronomie-Nobelpreisträger Rach ist geschockt, fädelt mit seinem immensen Einfühlungsvermögen aber schnell ein Gespräch zwischen Katerina und Jan ein. Beide reden dabei Tacheles und werden sich einig, dass sie MITEINANDER versuchen wollen, die Karre aus dem Dreck zu ziehen – was hier durchaus wörtlich gemeint ist.

    Mit neuer Zuversicht wird jetzt die Besichtigung in der Küche fortgesetzt und Rach kann nur konsterniert konstatieren, dass eigentlich das gesamte Inventar in den Schrott gehört, komplett und ausnahmslos. Der Laden existiert seit gut 30 Jahren und genau so alt sind auch sämtliche Geräte, die damit ein Mehrfaches ihrer normalen Lebenserwartung auf dem Buckel haben.

    Der dritte Tag beginnt mit einer großen Personalversammlung um sämtliche Mitarbeiter auf die anstehenden Veränderungen einzunorden. Schnell wittern die ersten eine Speisekartenrevolution und kämpfen um die Schale Milchkaffee und das belegte Baguette wie eine Löwenmutti um ihr Löwenjunges. Rach redet ihnen ins Gewissen, die Seele des Café Tabac sei nicht das Baguette, sondern das seien sie, die Mitarbeiter. Gerade die bisherige Speisekarte haben doch am Ende zu den bekannten Problemen geführt, darum müsse man auch hier Änderungen vornehmen, schließlich gehe es doch um die Arbeitsplätze aller Anwesenden.

    Rätselhafte und unerklärte Dinge geschehen in der Küche: Die alten Geräte inkl. Herd und Kühlkombination werden abgeholt und entsorgt. Dabei enthüllen die von der Wand gerückten Gerätschaften noch die eine oder andere widerliche Stelle auf dem Fußboden, die beim Zuschauen für einen heftigen Würgereflex sorgt. Später wird ein niegelnagelneuer Gasherd angeliefert, bei dem tatsächlich alle Flammen funktionieren und nicht nur zwei. (Hintergrundmusik: “Krieg der Sterne”) Das ist zugleich Freude und Verpflichtung für Küchenchef Jan, denn jetzt fällt für ihn eine wichtige Ausrede für schlechtes Kochen weg. Kurz darauf finden auch noch ein Lavasteingrill und ein neuer Kühlschrank den Weg ins Café Tabac. Was ja aus dem Blickwinkel der Hygiene durchaus zu begrüßen ist, erzeugt bei mir die leider unbeantwortet bleibende Frage, wer das alles bezahlt! Katerina ist blank, das hat sie mehrmals öffentlich erklärt, und eine Transplantation aus dem Rach’schen Restaurantimperium auf Geschenkebasis ist das bestimmt auch nicht, also hat doch vermutlich RTL ein bisschen zugeschustert. Ist ja auch o.k., Katerina und ihre Leute haben das verdient, keine Frage. Nur eine Erklärung für uns Zuschauer wäre doch trotzdem nett gewesen.

    Auch am vierten Tag wird umgebaut im Café Tabac; Katerina hat offenbar die Nacht durchgemacht und ist schon (oder noch) ziemlich gnatzig. Dieser Tag steht ganz im Zeichen von Christian Rach, denn er zeigt den Küchenkräften, wie man – also er – es richtig macht. Für jeden Mitarbeiter gibt es ein Stück Entrecôte vom neuen Lavasteingrill und frisches Gemüse und natürlich scheint es allen zu schmecken.

    Der letzte Tag sieht die Wiedereröffnung des flugs renovierten Café Tabac. Alles dauert länger als gedacht und der Zeitplan gerät böse in Schieflage. Die Eröffnungsgäste müssen erstmal draußen auf der Terrasse warten (gut, dass das im Sommer gedreht wurde) und als sie dann endlich ins Restaurant dürfen, “ertrinkt” die Küche schnell in Bestellungen. Rach gerät in einen hier offenbar ungewohnten Kommandierton. Er sieht alles und verzeiht nichts. Hier wird zu viel Speck genommen, da sind die Portionen zu groß, dort steht die Pfanne schief auf dem Herd… zu spät, der Pfannkuchen hat linksseitig Ähnlichkeit mit Holzkohle angenommen und muss entsorgt werden. Rach fühlt sich als Mittelpunkt des Wirbelwinds offensichtlich pudelwohl, alle anderen dürften wohl momentan den Tag verfluchen, an dem sie den Hamburger zu sich riefen. Die Gäste sind dagegen angeblich hochzufrieden, behauptet RTL. Für Christian Rach genau der richtige Zeitpunkt, um den Laden zu verlassen, er verabschiedet sich zunächst vom Café Tabac.

    Zwei Monate später ist “Zahltag”, Rach kommt zurück um nach dem Rechten zu sehen. Das Café ist gut besucht, aber Katerina berichtet ihm etwas ominös von Personalproblemen in der Küche. Sie helfe dort nun höchstselbst aus und mache gleichzeitig die Bedienung. Und ihre Mutter helfe auch noch dabei aus. Den bestellten Blaubeerpfannkuchen gäbe es nicht mehr, stattdessen enthalte der nun “dieses und jenes” Obst der Saison. Hmmm, ein Besuch in den Küchenräumen bringt dann leider nicht das erhoffte Wiedersehen mit Jan Wahrmund (der hat heute seinen freien Tag), stattdessen drücken sich zwei neue Weißkittel schnell aus dem Licht der Kamera. Profi Rach fährt mit seinem Finger über die Dunstabzugshaube: Alles o.k., die Küche ist sauber. Gleichzeitig mit dem bestellten Steak kommt auch der eigentlich dienstfreie Jan hinzu. Der wirkt ziemlich fertig, hat sich wohl in den letzten Wochen küchentechnisch ziemlich verausgabt. Rach macht ihm Mut, sie seien absolut auf dem richtigen Weg. Katerina und Jan bedanken sich artig beim Sternekoch und man scheidet als Freunde.

    Also, auch zur Halbzeit der aktuellen Rach-Staffel hält sich weiterhin die schon in den ersten Folgen beobachtete Tendenz: Es menschelt mehr als früher, wird weniger gestritten und das Ganze spielt kaum noch in der Küche. Stattdessen geht es fast immer um die möglichst richtige Platzierung und Dosierung des fehlenden Arschtritts, damit die Restaurantbetreiber in die richtige Richtung geschubst werden und danach allein weiter laufen können. Für Arschtritte ist Christian Rach bekanntlich genau der richtige Mann, aber sein preisgekröntes Kochtalent könnte meinetwegen gern mal wieder etwas öfter aufblitzen. :-)

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