• Liebe Leute,

    ganz üble Nachricht aus der Küche: Die aktuelle Restauranttester-Staffel geht heute zu Ende, Christian Rach zieht sich nach dieser Folge in die verdienten Ferien zurück. Und traditionell besucht er zum Staffelende immer ein paar alte Klienten aus früheren Jahren und sieht dort nach, ob seine Veränderungen noch Bestand haben. Das ist für ihn angenehm, denn er muss keine neuen Ideen entwickeln und auch RTL liebt aus nahe liegenden Gründen solche Folgen, die man im Wesentlichen billig aus dem eigenen Archiv zusammenpfriemeln kann.

    Heute startet die “Was macht eigentlich…?”-Runde im malerischen Kappeln an der Schlei. Rückblende: Rach kommt in die “Alte Schiffsgalerie” und ärgerte sich sofort vor allem über die Speisekarte. Pangasiusfilet, tiefgefroren aus Vietnam importiert, serviert in einem norddeutschen Hafenrestaurant, so etwas mag der Meister ganz und gar nicht. Und der tatsächlich hier bei uns heimische Dorsch schmeckt ihm ebenso wenig, nach dem letzten Gang, “Rosis Pfeffertopf”, balanciert er gar den Teller mit der Gaumenbeleidigung auf drei Fingern zurück in die Küche. Also alles wie gehabt, hundert Mal gesehen, aber immer wieder schön. In der Küche kommt dann die Überraschung, Wirtsfamilie Ludwig praktiziert nämlich Rollentausch: Vater und Mutter spielten Koch und Köchin, haben das aber nie gelernt, der Sohn hingegen mimt den Kellner, ist aber eigentlich Koch von Beruf. Verkehrte Welt. Kein Wunder, dass es in der “Alten Schiffsgalerie” fast nur Dosenfutter gibt, was anderes kann die Küche nicht. Rach organisiert ein Wettkochen zwischen Mutter und Sohn, dass klar zugunsten des Sohnes ausgeht. Er schlägt vor, der 28jährige Markus solle die Leitung der Restaurantküche übernehmen und die Mutter dafür den Service, aber das will die Dame zunächst nicht. Nach einigen Tränen setzt sich der Hamburger schließlich durch, und statt Pulver und Dosenfraß gibt es nun viel mehr frische Zutaten, was die Gäste zur “Wiedereinweihung” drehbuchgerecht mit einem heftigen Applaus belohnen.

    Zurück im Hier und Jetzt und in der “Alten Schiffsgalerie”: Christian Rach kommt zu Besuch und kontrolliert in der Küche, dass tatsächlich Sohn Markus und nicht wieder die Mutter kocht. Dem ist so und auch die fangfrische Ostseescholle schmeckt ihm. Mutter grummelt zwar noch ein bisschen über den wohl noch immer ungeliebten Wechsel in der Verantwortung, aber das Restaurant brummt inzwischen wieder und gibt dem genialen Sternekoch damit Recht.

    Das war ja fast zu leicht, gleich weiter zu Fall Numero Zwo und in die Rückblende: In Fischen im malerischen Allgäu besucht Rach nun das Hotel-Restaurant “Inselperle” von Thomas und Susanne Gast. “Zu Gast beim Gast”, was für ein Spitzenkalauer mir hier doch gleich wieder einfällt, ich bin selber ganz verblüfft, Beruf verfehlt… :-) Genug gelacht, zurück zur “Inselperle”, die übrigens gar nichts mit irgend einer Insel zu tun hat. Und eine echte Perle ist es bislang auch nicht. Hier herrschen neben den beiden Gästen (Achtung, Gag!) auch noch Susannes Eltern Peter und Ingrid sowie insbesondere ihre Oma Gertraud, die den ganzen Laden finanziert – denn aus eigener Kraft trägt sich das Etablissement nicht, sonst wäre Rach ja auch nicht hier. Der Besuch des Sternekochs beginnt wie immer mit der Kritik an der Speisekarte (“sieht aus wie Sau”), danach wird das Essen besprochen (“da fehlt alles”) und schließlich geht’s in die Küche, wo es aussieht wie bei den Ludolfs unterm Sofa. Der Hamburger bemerkt außerdem eine völlig zerschranzte Kinder-Spielecke, in der man nicht einmal seinen Hund Gassi gehen lassen würde.

    Rach ordnet eine Neuverteilung der Zuständigkeiten in der Küche an, zukünftig soll hier Thomas das Regiment führen, statt wie bisher seine Frau Susanne, die Enkelin der Geldgeberin. Das wiederum ärgert Susannes Papi, den stinkstiefeligen Peter. Er mosert so lange herum, bis Christian Rach, dem begnadeten Gelegenheits-Choleriker, der Kragen platzt. Vor der versammelten Familie inklusive Über-Oma liest er Peter mutig die Leviten und als der dann auch noch feist aus seiner Ecke grinst, wirft er die Brocken hin und geht: “Du hast den Laden in die Scheiße geritten, mir reicht’s, auf Wiedersehen!” Miss Elli, äh Oma Gertraud bekommt nun wohl aber doch etwas Muffensausen wegen ihrer investierten Millionen und beginnt, in nicht-untertitelter bayerischer Mundart auf ihren Sohn (oder Schwiegersohn, man weiß es nicht) einzuplärren. Draußen vor dem Restaurant haben die Drehbuchschreiber dann eine leidenschaftliche Szene zwischen Susanne und Chrischan inszeniert, sie bettelt ihn an, doch nicht zu gehen, sie brauche ihn so sehr. Und natürlich lässt sich Rach, der innerlich ein reines Goldstück ist, nicht lange bitten, außerdem ist die Sendezeit ja noch nicht verbraucht. Der Hamburger sinniert und entwickelt das Konzept von der Inselperle als kinderfreundlichem Hotel-Restaurant für den schmalen Geldbeutel. (Ich wette, Peter hasst Kinderlärm und Christian Rach will ihm damit nur eins auswischen.)

    Wir schalten um ins Jahr 2011, Rach ist wieder in Fischen. Susanne empfängt ihn am Eingang mit ihrem frisch geschlüpften Nachwuchs und so wie sie aussieht, ist bereits ein Geschwister unterwegs. In der “Inselperle” läuft es dagegen nicht so rund, der erhoffte Gästeansturm ist ausgeblieben, das Restaurant wurde “vorübergehend” sogar geschlossen, nur der Hotelbetrieb geht weiter. Rach fördert aus ungenannter Quelle ein paar “Liebesbriefe” zutage, die er zwischenzeitlich von Besuchern der “Inselperle” bekommen haben will. Augenscheinlich wurden sie alle von Querulanten verfasst und Susanne kann jede darin geäußerte Kritik erklären. Nur die Meckerfuzzis schrieben Briefe, die Zufriedenen genössen still, behauptet sie. Rach schaut sich im Laden um, sieht sein Konzept grundsätzlich befolgt und ermuntert Thomas und Susanne, so weiterzumachen. Von der restlichen Mischpoke ist übrigens nichts zu sehen, vermutlich verkehren die mit dem Sternekoch nur noch per Anwalt.

    Der dritte Fall in seiner Erinnerungsshow bringt Christian Rach zurück ins “Maroush” nach Recklinghausen, einem hier im Blog besprochenen Fall vom Februar 2010. Wir erinnern uns: In einem Kellergelass unter der Ruhrpott-Erdoberfläche betreibt der siebenköpfige libanesische Gebrüder-Clan der Omirate ein Restaurant mit Spezialitäten aus ihrer Heimat. Organisatorisch katastrophal, zaubern die Brüder aber erstaunlich leckere Gerichte in ihrer merkwürdigen unterirdischen, leicht spackigen Küche. Rach schmeckt es, am Kochen selbst kann der momentane Misserfolg also nicht liegen. Der Grund ist aber schnell gefunden: Totales Missmanagement. Es gibt keinen Chef unter den Brüdern, die Buchhaltung in der schrankgroßen Bürokarikatur ist mit Worten nicht zu beschreiben und der ganze Laden hätte dringend eine Renovierung nötig. Rach bestimmt einen der Omirates als Häuptling, ordnet einen großen Frühjahrsputz in der Küche an und lässt vor allem den ganzen Kitsch- und Stehrumchen-Trödel aus dem Laden entfernen. Außerdem besorgt er den Brüdern von seinem RTL-Spesenkonto einen kleinen, roten Lieferwagen, mit dem sie zukünftig auf den Märkten in der Umgebung ihre libanesischen Spezialitäten auch ambulant vertickern sollen, quasi als zweites Standbein, falls das Kellerloch mal aufgegeben werden müsste. Zum Abschluss wird Rach ehrenhalber als achter Bruder  in den Omirate-Clan aufgenommen. Es menschelt sehr.

    Jetzt springen wir zurück in die Gegenwart. Christian Rach besucht seine “Brüder” unter der Erde und schon am Eingang wird klar: Hier ist es gut gelaufen, die Omirates haben alles richtig gemacht, der Laden brummt und hat sich lt. Off-Stimme sogar zu einem gastronomischen Highlight dieser malerischen Stadt entwickelt. Die Küche glänzt tipptopp und auch das Büro ist einigermaßen ansehnlich. “Gut, Bravo!”, applaudiert der Sternekoch und lässt sich danach von den Kochkünsten seiner Brüder kräftig verwöhnen. Wären alle Restaurants so in Ordnung, müsste er wohl Arbeitslosengeld beantragen.

    Auch der nächste Fall stammt aus der letzten Staffel, es geht um das “Bundeskegelzentrum” in Augsburg, einem riesigen Laden, der den Pächter Thomas Preißler völlig überfordert. Der ist weniger Chef als Hausmeister und setzt überall im Gebäude mit Verbotsschildern persönliche “Duftmarken”. Das “Bundeskegelzentrum” hat den Charme einer ollen Turnhalle, man ahnt den Geruch des schwitzigen Gummifußbodens in der Anlage. Als Restaurantbesucher sollte man sich auf jeden Fall die Nase zuhalten – und die Ohren am besten auch. Rach schließt schnell Freundschaft mit Küchenperle Vera, die zwar nicht überragend kocht, aber den Hamburger mit ihrer mütterliche Art anrührt. Rach fängt an zu denken, was könnte man hier tun? Als erste Maßnahme soll eine (ziemlich teure) Lärmschutzwand her, die die Kegelbahnen vom Restaurant trennt. Rach spricht deswegen mit den durchweg deutlich angejahrten Vorsitzenden der hier praktizierenden Kegelvereine und macht auch im Radio einen Aufruf, ihn mit sachdienlichen Spenden zu unterstützen. Sobald die Wand steht, wird das Koch-Know-how der Küchencrew von Christian Rach persönlich auf den Stand des 21. Jahrhunderts gebracht. Ab jetzt gibt’s hier zahllose leckere Kleinigkeiten, abseits des Trubels der Kegelbahn, behauptet der Off-Mensch. Und der Name ändert sich auch, aus dem “Bundeskegelzentrum” wird die nach viiiiel mehr Spaß klingende “Kegelburg”.

    Und heute? Die “Kegelburg” sieht bei Christian Rachs Besuch in dieser Staffel noch immer top aus. Zwar ist das Restaurant wegen der frühen Stunde noch leer, aber unten auf der – akustisch abgetrennten – Kegelanlage tummeln sich bereits zahlreiche Mittagsgäste in spe. Vera, Rachs Lieblingsköchin, gibt es auch noch und sie kredenzt dem Sternekoch gleich einen leckeren Mexiko-Burger – hier ist nämlich gerade “Burger-Woche”. Thomas Preißler ist vom Hausmeister wirklich zum Gastronomen geworden, veranstaltet andauernd irgend welche Aktionen, wie eben die Burger-Woche. Rach ist begeistert, hier hat sich alles großartig entwickelt. Und mit “Ich liebe es, wenn ein Plan gelingt” entschwindet der Gastropapst zu seinem letzten Kontrollbesuch.

    Die heutige Folge endet im malerischen Lengerich, einem Epizentrum für alle Anhänger ungesunder Ernährung, das den Mülltv-Blog-Lesern ebenfalls aus der letzten Staffel bekannt ist. Hier nämlich hat Thomas Windmöller in seinem ungünstig in einer etwas toten Einkaufspassage gelegenen “Hexenhäuschen” eine Methode entwickelt, wie seine Gäste ohne große Mühe ihren Cholesterin-Spiegel in rekordverdächtige Höhen katapultieren können: Er tunkt einfach alles, was man hier bestellen kann, bis über beide Ohren entweder in Sauce Hollandaise oder Bolognese oder auch in beides, wenn gewünscht. Letzteres ergibt dann das Kultprodukt “Hollo-Bollo”, eine Erfindung, die dem Wirt vermutlich inzwischen den Ehrenpreis der Bundesärzteschaft eingebracht haben dürfte. Für ganz Hartgesottene gibt es übrigens auch noch Sauce Hollandaise ohne alles, also einfach nur pure gelbe Schlonze aus dem Tetrapak, dazu ein paar Brötchen. Ach ja, das hätte ich noch sagen müssen: Hier ist nichts, aber auch absolut gar nichts frisch, nicht einmal die Bratkartoffeln, alles kommt aus Tüten, Dosen, Tetrapaks oder Gläsern. Kein Wunder also, dass hier die Gäste ausbleiben, die sind vermutlich inzwischen alle an akuter Herzverfettung gestorben.

    Rach kommt vorbei, stellt nach einiger Zeit aber resignierend fest, dass er weder gegen die blöde Lage des Restaurants noch gegen das kategorische Festhalten der Küchencrew an der bisherigen Hollo-Bollo-geprägten Speisekarte etwas ausrichten kann. Wenn Du einen Feind nicht besiegen kannst, musst Du Dich mit ihm verbünden. Dieser alten Weisheit folgend, ergreift Christian Rach in einem Moment des Irrsinns Partei für das “Hexenhäuschen” und beteiligt sich fortan an der Zersetzung der Gesundheit seiner Mitmenschen durch Vergiftung mit künstlichen Soßenimitationen. Der Sternekoch stellt Hollo-Bollo nun ganz ins Zentrum seines neuen Konzepts, macht das “Hexenhäuschen” gar zu einer Art Tempel für diese ungewöhnliche Droge. Die Bezeichnung “Restaurant” erkennt er dem Laden allerdings ab und degradiert ihn zur “Kneipe”. Wer ernsthaft “Pizza mit Gyros und Hollo” oder “Lasagne mit Doppelt-Hollo” anbietet, der hat seinen Ruf unter den Weißkitteln dauerhaft verwirkt und darf sich nicht mehr in einem Atemzug mit echten Restaurants nennen. Nach dieser Erkenntnis schaltet Christian Rach einfach seine für das Kochen zuständige Gehirnhälfte ab und gibt sich ganz der heiteren Seite des Hollo-Bollo-Kults hin. Es wird eine wunderbare, sehr komische Folge ohne jeden Sinn und Verstand und mit der höchsten je bei Rach gemessenen Einschaltquote.

    Die Rückkehr in die Kneipe “Hexenhäuschen” verläuft genauso erfolgreich, wie alle anderen Visiten der heutigen Folge. Thomas Windmöller zelebriert nach wie vor seinen unheiligen Hollo-Bollo-Kult, spricht gar von einer zeitweiligen Belagerung durch Hollo-Fans aus ganz Deutschland, als diese Rach-Folge zum ersten Mal ausgestrahlt wurde. Der Laden brummt tatsächlich auch heute noch und – man glaubt es kaum – es gibt auch Dinge ohne gelbe Soße auf der Speisekarte. Sicherheitshalber bestellt Christian Rach aber zum Bier nur einen Hollo-freien Teller mit Pommes und Steak, er hängt doch zu sehr am Leben. Zum Schluss überreicht ihm der rundliche Hexenmeister persönlich ein T-Shirt mit Hollo-Bollo-Aufschrift und lacht sich kringelig, als es beim Anprobieren etwas knapp ausfällt, Rach sei wohl nicht dünner geworden, frotzelt er frech in die Kamera.

    So, mit diesem wunderbaren Sahnehäubchen auf einer rundum gelungenen Folge endet die Staffel und Christian Rach verabschiedet sich in die verdiente Sommerpause. Ich tippe mal, wir sehen ihn – abgesehen von Wiederholungen – das nächsten Mal in seiner “Restaurantschule” wieder. Bis dann also! :-)

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  • Liebe Rachianer,

    Ihr müsst ganz stark sein, denn an diesem Montag gibt es wieder nur Konservenkost, soll heißen: Sternekoch Christian Rach legt heute die Füße hoch und serviert uns ein Schmankerl aus seinen Jugendtagen.

    Im malerischen Güstrow will sich die ostig-unterkühlt, zickige Restaurantbesitzerin und Namenspatronin “Eisheidi” anfangs gar nicht so recht helfen lassen, kultiviert lieber ihren patzigen MITROPA-Charme und kommt erst gegen Ende der Folge etwas auf den Geschmack. Diese Episode ist schon mindestens zwei Jahre alt und die wichtigsten Szenen wurden bereits im letzten Jahr mal im Rahmen einer “Was wurde eigentlich aus…?”-Sendung aufgewärmt, bei der man sich von der Nachhaltigkeit der Rachschen Ratschläge überzeugen konnte.

    Deshalb schließe ich mich heute von Ferne dem Meister an, mache gemütlich Pause und verweise lediglich auf unseren Blogeintrag vom 22.02.2010. In der nächsten Woche sehen wir dann wieder eine frische Folge. :-)

    Wohl bekomm’s!

  • Hallo Leute,

    gerade so eben noch im meteorologischen Winter, begleiten wir den Hamburger Sternekoch und bekennenden Gutmenschen Christian Rach nach Erftstadt in Nordrhein-Westfalen, so etwa zwischen Köln und Bonn gelegen. Dort kämpft der jahrhundertealte “Esserhof” um die Existenz, der Besitzer Guido Schwarz hat dabei den RTL-Fernsehkoch zu Hilfe gerufen.

    Christian Rach hat sich diesmal einen grandiosen, brandneuen, nobelpreisverdächtig durchtriebenen Trick überlegt, um bei seinem Besuch in Erftstadt die ungeschönte Wahrheit zu sehen zu bekommen und keine Potemkinschen Dörfer. Achtung, Spoiler-Warnung: Wer die Folge noch nicht gesehen hat und sich die Spannung erhalten will, der möge jetzt beim nächsten Absatz weiterlesen. Also, hier nun das Geheimnis: Rach erscheint einfach ein wenig früher, als eigentlich mit dem Wirt verabredet und überrascht ihn damit kalt. Tja, Ideen muss man haben, unser Chrischan ist und bleibt nun mal ein Schlaufuchs, das muss man neidlos anerkennen. Wahnsinn, ich bin noch immer ganz beeindruckt von dieser Raffinesse… ;-)

    Wie mit dem Regisseur geprobt, tut Guido erstaunt ob des vorzeitigen Auftritts unseres Hauptdarstellers. Gott sei Dank ist aber auf den ersten Blick hin alles in Ordnung, der Laden blitzt und glänzt, fast so, als habe man das Fernsehen schon erwartet. Der Vorteil ausbleibender Gäste ist, dass Christian Rach so die freie Auswahl hat, wo er sitzen möchte. Und zwar buchstäblich die freie Auswahl, das Restaurant ist nämlich total leer. Rach wundert sich über die komplett mit Stoffservietten und Gläsern eingedeckten Tische. Guido Schwarz erzählt, er habe als gelernter Gastronom auch den Anspruch, seinen Laden ordentlich zu präsentieren. Der Sternekoch quittiert das wohlwollend, oft genug hatte er es in seiner Serie mit ungelernten Kochbanausen und Küchendilettanten zu tun. Um das kleine Gastro-Einmaleins wird es also in der heutigen Folge nicht gehen, soviel ist schon an dieser Stelle klar. Oder…?

    Im “Esserhof” liegt der Schwerpunkt auf deutsch-französischer Küche, besonders Schmorgerichte haben es dem Wirt angetan, sagt er. Christian Rach ist dann aber leicht irritiert, als er beim Studieren seiner Lieblingslektüre, der Speisekarte, Schnitzel Hawaii, Schnitzel andalusisch, Tagliatelle mit Knoblauch und Olive usw. erspäht. Guido windet sich, er habe den Laden inklusive der (seitdem unveränderten) Speisekarte übernommen und damals hätte das Geschäft gebrummt, daran könnten die aktuellen Probleme also nicht liegen. Rach wird aufmerksam: “Läuft es erst schlecht, seitdem Sie den Laden haben?”, fragt er ahnungsvoll und erhält sofort die Bestätigung: “Ja, auf jeden Fall”. Im Hintergrund erklingt dramatische Pianomusik, vielleicht hat der Sternekoch ja bereits hier, nur wenige Minuten nach dem Beginn der Episode, den Kasus Knactus gefunden, dabei lag es ja eigentlich auch auf der Hand: der Wirt ist schuld!

    Der Hamburger lässt sich von dieser Entdeckung aber nicht den Appetit verderben, vielmehr bestellt er alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Zunächst kommt ein Salat, der sich aber als extrem süß (!) herausstellt und umgehend an die Küche retourniert wird. Das selbstgebackene Brot entpuppt sich im Gegensatz dazu als lecker und entgeht dem Schicksal des Salates – Rach will es persönlich verputzen. Sicher ist sicher, denn wer weiß,  ob heute überhaupt noch etwas Genießbares kommt. Gang Nummer 2 fällt schon mal durch: Reibekuchen aus der Tüte und Apfelmus aus dem Glas, Pfui Deibel!

    Ganz anders der Zander mit hausgemachten Kroketten: Hier wurde alles selbst hergestellt und dies ist ein ortsübliches, lokales Gericht. Rach schmeckt’s und weiter geht’s. Wir kommen nun zum “Esserhofpfännchen” mit drei Stücken Fleisch auf einem großen Teller. Wo denn die dazu versprochenen Bratkartoffeln geblieben seien, erkundigt sich der Sternemaestro. Nun, die seien doch da, allerdings versteckt unter dem Fleisch, erklärt Guido diesen Gang. Okay, genug gegessen, Rach nimmt das “tolle” Brot und den “beschissenen” Salat und schleppt sie zurück zu ihrem Entstehungsort in die Küche. Hier werkelt Koch Karsten Lindler ganz allein und hat um sich herum ein ziemliches Chaos geschaffen. Überall liegt dreckiges Geschirr und besonders der Herd sieht ranzig aus. Karsten scheint das aber schon zu wissen und verspricht, den Sauhaufen ohne Wenn und Aber kurzfristig aufzuräumen. Ansonsten kriegt er aber das höchstmögliche Lob des Hamburgers: “Der kann kochen.” Damit verabschiedet sich Christian Rach bis zum nächsten Morgen in die Verdauungspause.

    Am anderen Tag schlägt Rach im “Esserhof” mit neuer Energie auf. Leider hat Karsten die Nacht nicht im Sinne des Gastropapstes genutzt, bei Tageslicht betrachtet, sieht die Küche sogar noch viel spackiger aus als am Abend zuvor. Einzig der Schülerpraktikant Ronny putzt gerade, während um ihn herum schon wieder gekocht und damit neuer Dreck produziert wird. Der Sternekoch verbirgt sein Missfallen darüber nicht und geht mit dem hiesigen Kollegen alle wunden Punkte durch. Hier klebt der Herd, dort stehen dreckige Pfannen herum, da hinten würde ein Eimer Seifenwasser helfen usw. Ausreden kann Rach gar nicht gut hören, er befiehlt Karsten, bis zum Ende des Hausrundgangs erste Ergebnisse zu produzieren, sonst… :-0

    Die Besichtigung des Esserhofs, insbesondere des Saales, frustriert Rach, den erklärten Nippes- und Stehrumchenhasser. Guido Schwarz scheint ein passionierter Schränkchensammler zu sein, an allen möglichen und unmöglichen Stellen hat er diese Möbel platziert, meist völlig sinnlos. Der im rustikalen Fachwerkstil gehaltene Hauptgastraum gefällt Rach hingegen, er weiß nur nicht, was man damit anstellen soll. Tja, der Sternekoch wird immer ratloser, kann sich eigentlich auch nicht so richtig erklären, weshalb die Publikumsresonanz auf dieses Lokal so bescheiden ist. Das Essen ist gut, das Ambiente stimmt und die Küche sehen die Gäste ja nicht. Hmmm. Auch die Inaugenscheinnahme der gastronomischen Umgebung gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass Erftstädter kategorische Nichtesser sind, im Gegenteil: Die benachbarten italienischen, chinesischen, thailändischen und sonstigen Restaurants sind gut bis sehr gut gefüllt. Grübel, grübel, grübel. Rach schlägt nun vor, die streng spitz nach oben gefalteten Servietten anders hinzulegen, die wirkten irgendwie feindselig. Und mehr Licht von draußen wäre gut, meint er und reißt zur Bekräftigung in der Küche gleich die ganze Gardinenstange runter, was Guido Schwarz wortlos, aber mit deutlich sichtbarem Unbehaben zur Kenntnis nimmt. Hausaufgabe der Crew bis morgen ist ein Aufsatz zum Thema “Wir gehen in den Esserhof, weil…” Rach hat schon wieder Feierabend und entfleucht in das pulsierende Nachtleben von Erftstadt – the City that never sleeps.

    Tag Drei, Rach kontrolliert die Hausaufgaben. Guido ist stolz wie Oskar, man habe an einem neuen Konzept für den “Esserhof” herumgedacht und außerdem noch viel mehr Gardinen abgehängt. Nach einer ganzen Weile kristallisiert sich beim Sterne-Christian endlich heraus, was den Esserhof von den anderen Restaurants in der Nähe abheben könnte: Die konsequente Verwendung von in dieser Region hergestellten landwirtschaftlichen Produkten aus gesundem, kontrolliertem Anbau, dazu fällt ihm dann auch noch der neue Slogan ein: “Esserhof schmeckt natürlich besser”. Ein kleines, harmloses Wortspiel mit dem Begriff “natürlich”, aber immerhin! Jetzt fehlt zu der ganzen Sache nur noch eine passende Speisekarte.

    Während Rach sich wegen dieser tollen Idee innerlich vermutlich schon selbst auf die Schulter klopft, lenken ihn seine Schritte unglücklicherweise mal wieder in die Küche. Karsten hat noch immer nicht “Klar Schiff” gemacht, der Siff ist genau so dick wie vor zwei Tagen, überall stehen Essensreste herum. Nun platzt dem Hamburger aber echt der Kragen: “Wo ist Deine Ehre?”, herrscht er den jungen Koch an. Der stellt sich begriffsstutzig: “Wieso, wo habe ich denn versagt?” Eine solche Chance zur Intensivbetrachtung der ekelerregendsten Stellen lässt sich Freund Rach natürlich nicht entgehen und so kommen wir in den zweifelhaften Genuss einer Spezialführung durch die Küche mit den Schwerpunkten Staub, Dreck, Fett und versteinerte Soßenreste. Höhepunkt des Schreckens sind die völlig verkeimte Abtropfrinne im Eisschrank und ein mit Müll verstopftes Ausgussbecken. Bei dieser Gelegenheit verkündet der Sternekoch lautstark, dass er schon rückwirkend seit Staffelbeginn keinen Bock mehr hat, in dieser, seiner eigentlich sauberen Serie nochmal irgendwo mit putzen zu müssen. Und diese Ansage gilt ganz klar auch für alle Gastronomiebetrieb im Rhein-Erft-Kreis, besonders solche, die sich auf “doof” reimen.

    Rach beruft eine spontane Teambesprechung ein mit Guido, Karsten und der Aushilfskellnerin Franka. Er vermisse Leidenschaft, er sehe auch keinen Chef, also jemanden, der durch seine Autorität den Laden führe und vorturne und, am allerschlimmsten: “Wo ist die Vision, wo ist der Traum?” Schweigen, keiner sagt was. Rach redet vor allem Guido ins Gewissen, versucht, die ausgegangene Flamme der Leidenschaft bei ihm neu zu entzünden: “Ich möchte die schwitzen sehen, ich möchte, dass Du kämpfst! Es geht bei Dir um die Wurst!!!” Schichtende, Rach hat Feierabend und gibt sich erneut den Reizen von Erftstadt bei Nacht hin.

    Der nächste Tag beginnt mit einer Einkaufstour von Rach und seinem Dreck-affinen Kollegen Karsten zum ortsansässigen Biobauern um die Ecke. Hier kaufen sie im Hofladen nicht gerade billig, dafür aber hochwertig ein, so wie es das neue Konzept vorsieht. Zurück im “Esserhof”, finden sie Guido und einige Helfer im Saal beim Anstreichen der Wände. Das war früher mal ein Pferdestall und soll es jetzt dem Ambiente nach auch wieder werden. Rach träumt schon von Sätteln und Zaumzeug an der Wand. Leicht angeknirscht ist er allerdings, als Guido auf Nachfrage den neuen Slogan “Wir gehen in den Esserhof, weil es dort natürlich besser schmeckt” vor der Kamera nicht fehlerfrei aufsagen kann. Rach erfindet für Karsten (“los, schreib’ das auf!”) ein paar bodenständige Menüs für den neuen “Esserhof” und kocht das dann zur Probe gleich einmal durch.

    Guido entwickelt sich vom Ignoranten immer mehr zum Bremser. Er verzettelt sich mit der neuen Sitzordnung im umgebauten Saal, dann wirkt er über die neuen Gerichte nicht sonderlich begeistert und nervt Rach schließlich mit der trivialen Frage, wie er denn zukünftig eindecken solle. “Eindecken ist ganz wichtig, ist gaaaanz wichtig!”, gibt der Sternekoch ironisch zurück, mit einem Gesichtsausdruck, als spreche er mit einem geistig Minderbemittelten. Guido entwickelt tatsächlich einmal Emotionen und regt sich an dieser Stelle erstmals auf: “Mir doch egal, ich kann auch zur Frittenbude gehen und mir da Plastikbesteck holen.” Mit einem recht laut gemurmelten “Arschloch!” an die Adresse des Hamburgers verlässt der Wirt seine Küche. Rach lacht,jetzt hat er wenigstens ein paar Action-Szenen für den Trailer zu dieser Folge.

    Tag Fünf, wir sind auf der Schlussgeraden, dies ist traditionell der Möbel- und Dekotag. Rach schleppt ein neues Schild “Esserhof schmeckt natürlich besser” herbei und außerdem einen ganzen Korb mit passenden Accessoires und ein paar Ersatzteile für den ramponierten Herd in der Küche. Dort läuft jetzt übrigens tatsächlich eine neue Aushilfe herum. Guido Schwarz hat sich scheinbar wieder beruhigt, sei angeblich auch neu motiviert, behauptet er von sich selbst, alles laufe wie geplant, Rach müsse auch gar nicht mehr fragen. Die Sendung hat noch zehn Minuten, plätschert aber hinsichtlich der Action ein wenig vor sich hin, blöde RTL-Drehbuchschreiberlinge, völlig überbezahlter Berufsstand. Deshalb nimmt Rach die Sache selbst in die Hand und improvisiert abseits vom Skript einen kleinen Wutanfall. Der ideale Moment dafür kommt, als Guido im Saal anfängt, die Tische mit Weingläsern und steifen Servietten einzudecken, was Rach ja bekanntlich schon immer genervt hatte und jetzt zudem auch noch gegen das neue Restaurantmotto “Natürlichkeit” verstößt. Der Schwarz habe nichts kapiert, kaum etwas getan, das unausgesprochene Wort “Nichtsnutz” liegt in der Luft.

    Die “Neueröffnung” des “Esserhof” läuft trotzdem wie geschmiert. Eine verdächtig große Anzahl von Gästen treibt sich in dem Etablissement herum, da hat RTL wohl mal wieder einen ganzen Bus voller Statisten eingefangen oder vielleicht auch einen Aufruf in der lokalen Presse gestartet, dass es da eine Gelegenheit gebe, seine Rübe für lau in die Kamera zu halten. “Sensationell”, “ich bin begeistert”, “sehr, sehr lecker”, “hervorragend” und “erstklassig” sind die überhaupt nicht künstlich wirkenden Kommentare der “Gäste”. Klar, alle wollen wieder kommen, am liebsten gleich für immer hier bleiben, sagen sie. Rach verabschiedet sich von der Crew des “Esserhof” und fragt dabei noch einmal den korrekten Sitz des neuen Mottos bei Guido ab: “Wir gehen in den Esserhof, weil es dort…” die Antwort kommt dann leider etwas stockend: “… einfach ähhh, nee natürlich besser schmeckt.”

    Vier Wochen später steht Rach wieder im “Esserhof”. Die Kücheninspektion ergibt nur geringe Mängel, das bestellte Essen sieht – bis auf eine verbrannte Stelle – gut aus und schmeckt dem Restauranttester auch bestens. Guido Schwarz behauptet, seinen Laden jetzt besser im Griff zu haben. Ob er mehr Umsatz macht, scheint mir aber zweifelhaft, denn neben Rach sehe ich keine anderen Gäste. Und das verdammte Motto kann der Wirt auch immer noch nicht: “Wir gehen in den Esserhof, weil es besser schmeckt.” Das war’s, Christian Rach kann hier nicht mehr machen, die Küche hat er auf Vordermann gebracht, aber Guido Schwarz bleibt ein Problemfall…

    … im Nachspann kommt dann eine Schrifteinblendung, dass der Erfolg nur von kurzer Dauer war: Schwarz hat aufgegeben und arbeitet jetzt wieder als angestellter Kellner. Der “Esserhof” in Erftstadt steht zum Verkauf. :-( Da hat der arme Christian Rach viel Energie investiert und geholfen hat es nichts. Wenigstens hat er damit die 43 Minuten Sendezeit gefüllt.

    Bis zur nächsten Woche!

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  • Frohen Valentinstag allerseits,

    am Feiertag der Blumenhändler beglückt uns Küchengott Christian Rach nach einer Woche Pause wieder mit einer neuen Restauranttester-Folge. Diesmal schickt ihn die RTL-Redaktion zu Willi Dietrich (61) ins “Laternchen” im malerischen Mainz. Dort angekommen, hat der Wirt am ersten Abend kaum Zeit für den Fernsehonkel aus Hamburg, denn der Laden brummt und Willi muss in der Küche wirbeln. Der legt dabei ein Tempo vor, dass die Kamera ihm kaum folgen kann. Hektik-Elektrik in Reinkultur, Louis de Funès war im Vergleich dazu eine lahme Schnecke. Auf den ersten Blick sieht das eigentlich nicht nach einem Problemfall aus, warum also hat man den Gourmetkünstler hierher in die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt beordert?

    Dass man keine Zeit für ihn hat, ist Christian Rach auch noch nicht so oft passiert, vielleicht liegt es an seiner Angewohnheit, immer einen Tag früher als verabredet zu erscheinen? Andererseits ist diese Macke ja wohl mittlerweile hinlänglich bekannt, bis auf ein paar versprengte Amazonas-Indianer ohne Kabelfernsehen sollte auf diesem Planeten darauf niemand mehr hereinfallen. Aus Frust über diesen wenig schmeichelhaften Empfang kriegt Rach nun einen Fressanfall. Er setzt sich wie ein gewöhnlicher Gast – man mag es kaum glauben – an einen ordinären Tisch und bestellt sich einen Chefsalat und eine Kürbissuppe. Sogleich doziert er süffisant seinen ersten Befund in die Kamera: Alle Menüs auf der Speisekarte atmeten den Geist der 60er Jahre, ha! Was ja wohl bedeutet, sie sind noch in schwarz-weiß… oder was will er uns damit sagen? ;-) Schon nach kurzer Zeit schleppt die Bedienung eine Elefantenportion Chefsalat herbei; Rach lässt sich davon aber nicht schocken und bestellt gleich noch ein Cordon bleu und einen Rotwein hinterher. Dann mümmelt er vor laufender Kamera den Salat auf und meckert dabei, die 8 Euro 50 könnten ja wohl nicht kostendeckend sein. Ihm schmeckt’s aber und das gilt auch für die kurze Zeit später eintreffende Kürbissuppe. Also am Essen liegt es schon mal nicht, wenn es hier im “Laternchen” ein Problemchen geben sollte.

    Die Ursachenforschung kann dann auch gleich losgehen, Chef-Hektologe Willi Dietrich findet nämlich zwischen zwei Bestellungen endlich Zeit, den Meister in seinem Etablissement zu begrüßen. Ja, okay, momentan liefe der Laden wegen des (damals) Vorweihnachtsgeschäfts ganz gut, aber normalerweise sei hier eher tote Hose. Dass er in der Küche ganz allein sei, alarmiert Christian Rach dann aber gewaltig. Und nebenbei ist Willy dann auch noch alleinerziehender Vater einer neunjährigen Tochter – seitdem seine Frau mit dem Kellner durchgebrannt ist… Er sei mittlerweile psychisch ziemlich platt, habe in den letzten Monaten sehr abgenommen und nehme wegen seiner Bandscheibenbeschwerden ständig Schmerzmittel, beichtet der Mainzer in die Kamera. Das hört sich für meine laienhaften Ohren doch sehr nach einem drohenden oder sogar schon stattfindenden Burn-out an.

    Am nächsten Morgen treffen sich die beiden Köche in Willis “Laternchen”, das übrigens ein bisschen abseits liegt und bei Tageslicht von außen längst nicht mehr so gemütlich aussieht wie am vorherigen Abend. Rach spricht gleich noch einmal die Gesundheit an, das sei schließlich das höchste Gut für diesen Beruf – wie wohl auch für die meisten anderen. Seine leichthin geäußerte Diagnose “das wirkt hier alles depressiv, Du siehst geschlagen und verprügelt aus” ist ein Stoß ins Wespennest, Willi kann minutenlang nicht sprechen, ist den Tränen nahe und will das Thema wechseln. Dass er mal ein humoriges Mainzer Original gewesen sein soll, scheint aus heutiger Sicht kaum zu glauben. Die beliebte Ortsbesichtigung ergibt hier keine Auffälligkeiten, der Laden ist in Ordnung, ja geradezu liebevoll gepflegt. Rach möchte die schwankende Kundenzahl über eine Grundrenovierung der Speisekarte stabilisieren. Bis morgen wollen beide darüber nachdenken. Obwohl kaum etwas passiert ist, herrscht draußen schon wieder Dunkelheit. Entweder haben die in Mainz gerade Sonnenfinsternis (eher unwahrscheinlich) oder RTL hat hier ganz viel herausgeschnippelt.

    An Tag Drei rückt man der Speisekarte zu Leibe. Willi schlägt sofort wahllos Streichkandidaten vor, aber Rach will dazu erst einmal ein Konzept, schlägt vor, ihn, den Wirt, in den Mittelpunkt zu stellen. Dazu solle der Gastraum insgesamt heller und freundlicher gestaltet werden und irgendwo müsse es dann die ultimative Willi-Ecke mit den zahlreichen gerahmten Zeitungsartikeln und signierten Mainz-05-Trikots des stadtbekannten Originals geben. Willis sagt zu allem Ja und Amen. Dann geht es zum gemeinsamen Einkauf in den Großmarkt; der Hamburger hat nämlich Ideen, die dem Mainzer zukünftig das Arbeiten etwas erleichtern sollen. Hilfe könnte z.B. die Umstellung auf Speisen bringen, die man besser vorbereiten kann, z.B. Schweinebauch, gebeizter Lachs oder Huhn. Wieder daheim im “Laternchen” werden dann die ersten neuen Rezepte ausprobiert, die beiden Männer haben sichtlich Gefallen aneinander gefunden, obwohl Willis Hektik das ruhigere “Nordlicht” fast in den Wahnsinn treibt. Und dabei sei er eher noch im Ruhemodus, behauptet der Mainzer. Wieder herrscht Sonnenfinsternis, als Rach den Laden verlässt.

    Der nächste Tag fängt gleich wieder in der Küche an, Willi wirbelt in bekannter Manier. Da kommt Hilfe, eine gewisse Anne hat Urlaub genommen, um ihrem Freund bei der Lokalrenovierung zu helfen. Die Bilder werden umgehängt, der Zigarettenautomat verschoben. Zwischendrin probieren sie die neuesten Küchenergüsse des Meisters, den riesenhaften Chefsalat hat er aus den Sechzigern in die Zehner (oder wie nennen wir unsere Dekade?) geholt und zum Scampi-Salat umgemodelt. Willi muss sich an solch radikale Veränderungen erst gewöhnen und sitzt etwas erschlagen in seinem eigenen Gastraum. Sonnenfinsternis…

    Am letzten Tag seines Mainz-Besuchs eröffnet Rach seinem Clienten, dass nach den Weihnachtsfeiertagen der Maler kommen und alles etwas heller gestalten werde. Sofort wird dagegen der Austausch von Stühlen, Tischwäsche und Accessoires in Angriff genommen. Alles wird auf betont bunt und lebendig getrimmt, so wie der Original-Willi hoffentlich bald auch wieder sein wird. Rach empfiehlt ihm außerdem, bei größeren Gruppen zukünftig nur noch ein oder zwei Menüs anzubieten, zehn Essen à la carte würden auch einen gesunden Koch schon umbringen. Rach entfleucht über die Feiertage ins heimatliche Hamburg, verspricht aber, gleich im neuen Jahr wieder in Mainz vorbeizuschauen. Die beiden Köche sind inzwischen so etwas wie Freunde geworden und verabschieden sich herzlich voneinander.

    Vier Wochen später ist Christian Rach wirklich wieder im “Laternchen”. Der Gastraum ist erkennbar heller geworden, überall hängen verrückte Lampen (Laternchen eben), jeder Tisch sieht anders aus, alles ist bunt. Aber dann findet Trüffelschwein Rach in der neu gestalteten und verkleinerten Speisekarte wieder das Reizmenü “Chefsalat”. Wieso, was soll das, warum nun diese Inkonsequenz? Der Hamburger redet seinem neuen Freund noch einmal kräftig ins Gewissen, mehr an sich zu denken und dazu sei eine Verschlankung des Essenangebots nun mal unumgänglich. Das bleibt dann aber auch der einzige Wermutstropfen, alles andere gefällt unserem Sternekoch ausnehmend gut. Das bestellte Essen schmeckt (wie immer) bestens, der Laden brummt jetzt auch außerhalb der Weihnachtszeit und nach eigenen Angaben braucht Willi momentan kaum noch Schmerzmittel. Sollte sein “Laternchen” es wirklich geschafft haben? Zu wünschen wäre es dem grundsympathischen Mainzer jedenfalls von Herzen. :-)

    Mit dieser erfreulichen Sendung, die endlich auch mal wieder häufiger in der Küche spielt und wo es kräftig menschelt, ist Christian Rach ein weiterer Sahnebonbon in seiner Restauranttester-Serie gelungen, Glückwunsch!

    Bis zur nächsten Woche!

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  • Mahlzeit zusammen,

    heute begleiten wir Christian Rach, den guten Geist der Gastronomie, nach Mannheim. Hier schreien die Besitzer des Restaurants “Flic-Flac” um Hilfe, die Gäste bleiben aus, die Umsatzzahlen sind im Keller, aber keiner hat eine Erklärung dafür und man wendet sich also an RTL. Ein Fall für Rach oder besser gleich Zwegat? Das Los fiel auf den Hamburger und da ist er nun.

    Originellerweise kommt Christian Rach wieder einen Tag früher als angekündigt, wohl um die Wirtsleute zu erschrecken, der selbe Trick wie immer… Welcher Mensch, der auch nur eine einzige Folge dieser Serie gesehen hat, fällt denn da noch drauf rein? Hmmm, also ein paar davon lernen wir jetzt gleich kennen. Rach steht nämlich im schummrig-dämmrigen Gastraum, quasi noch im Eingang, und fragt sich zu den Besitzern durch. Finden kann er allerdings nur die Mama der Kompanie, Sylvia Zygmund. Ihre beiden Kinder Katja und Jarek, denen das Etablissement gehört, sind gerade nicht da. Plötzlich scheppert die Tür (die ist nämlich kaputt und scheppert während der ganzen Sendung), Jarek kommt rein, sieht seine Mutter mit dem überraschend angereisten Sternekoch plaudern, peilt sofort die Lage und verdrückt sich. Aber zu spät, Rachs Adleraugen haben ihn schon erspäht und Jarek wird von seiner Mami vor die Kamera gewunken: “Das ist Chef!”. Rach erkundigt sich zuerst, wieso es denn hier so dunkel sei. Tja, da seien wohl ein paar Halogenlampen defekt, die könne man nicht reparieren. Genau genommen könne man sich die Reparatur nicht leisten, präzisiert er dann auf Drängen der Mutter. “Ich bin aber nicht zum Glühlampenwechseln hier!”, droht der Sternekoch mit erhobener Stimme, für seine Verhältnisse ein neuer Geschwindigkeitsrekord für Verstimmungen, immerhin ist er erst zwei Minuten im Laden.

    Das Restaurant ist geradezu riesenhaft, hat 300 Plätze, die allerdings zumeist im Dunkeln verschwinden. Und das scheint auch gut so, denn hier oder da ist wohl in den letzten 20 Jahren mal die Renovierung vergessen worden, soweit man erkennen kann. Katja, die Co-Besitzerin und Schwester von Jarek , kommt nun auch hinzu und berichtet von der Geschichte des “Flic-Flac”. Früher hätten die beiden hier beim Vorbesitzer gearbeitet und dann vor einem Jahr das Restaurant selbst übernommen, übrigens zum Nulltarif, was die Geschwister damals komischerweise nicht weiter beunruhigte. Und nun ist man trotz dieses günstigen Kaufpreises wirtschaftlich am Ende: “Herr Rach, sie sind unsere letzte Hoffnung”, fleht Katja. Der Angesprochene ist bass erstaunt “Ihr habt das erst vor einem Jahr übernommen und schon ‘letzte Hoffnung’?”

    Traditionell startet Christian Rach mit der praktischen Erprobung der Speisekarte. Das Essen im “Flic-Flac” steht unter dem Motto “Gute Hausfrauenküche” und wird im Wesentlichen von Mama Zygmund verantwortet. Schon beim Hinsetzen in einer der helleren Ecken des Restaurants stutzt der Gastropapst, wischt mit der Hand über den Tisch und verkündet angewidert “Der Tisch ist klebrig!”. Katja hat aber gleich eine Erklärung, die Tische seien nämlich nicht wirklich klebrig, sondern eine Kollegin habe sie so “beschichtet”, dass man das leider auch mit viel Scheuern nicht mehr abbekomme. Rach schüttelt den Kopf und rät ironisch: “Macht hier doch’n Zettel auf den Tisch für die anderen Gäste, dass der Tisch nicht schmutzig ist.” Nun kommt der Hamburger in Fahrt, fragt nach, wieso denn die Speisekarte eigentlich “Speisekarte” hieße, es stünden ja eigentlich nur Getränke drin. Erst ganz am Ende käme das Essen. Aber dann sind es ihm wiederum zu viele verschiedene Gerichte, was denn Spaghetti, Pizza, Baguette, Nachos, Griechischer Salat, überbackener Schafskäse & Co. mit der angekündigten “Hausfrauenküche” zu tun hätten, die Hausfrau müsse aber weit gereist sein. Kurz zusammengefasst, sei das ein “Kabinett der Langweiligkeiten und Grausamkeiten”, nichts spräche ihn wirklich an.

    Mama Zygmund schaltet in der Küche den Turbo ein und wirbelt zwischen Töpfen, Herd und Kühlschrank. Derweil hocken sich ihre beiden Kinder neben den Restauranttester und erwarten demütig die Dinge, die da nun gleich unweigerlich auf sie einprasseln werden. Gleich beim ersten Salat entbrennt eine Diskussion zwischen Rach und Katja, ob abgepackter Tütenmozzarella dem frischen Mozzarella vorzuziehen sei. Die Besitzerin zeigt sich uneinsichtig, der Hamburger auch und man ahnt schon dunkel, in welche Richtung es in der heutigen Folge gehen wird. Auch der überbackene Toast mit Nachos bietet Anlass für Meinungsverschiedenheiten, nicht einmal die Spaghetti mit extra-stinkiger Knoblauchsauce können vor Rachs kritischem Auge bestehen. Das sei alles zusammen eine Parade der Belanglosigkeiten, resümiert der Experte von der Elbe. “Liefert mir den Grund, hierher zu kommen!”, gibt er den Geschwistern als Hausaufgabe bis morgen und entschwindet in die Dunkelheit.

    Am nächsten Morgen kracht Christian Rach beim Eintreten in das “Flic-Flac” gegen die noch immer klemmende Tür (siehe oben). Leider ist inzwischen die Sonne aufgegangen und enthüllt jetzt unbarnherzig, was die Dunkelheit am Vorabend noch zu verbergen half: Der gesamte Schuppen ist siffig, marode und pfeift substanziell auf dem allerletzten Loch. Viele der 300 Sitzplätze haben kaputte, zerrissene Polster, die Wände sind schrundig und löchrig, der Fußboden unansehnlich, ausrangierte Küchengeräte liegen hinter dem Tresen und der Innenhof sieht eher nach Werkstatt als nach Gästebereich aus. Aber das alles war erst die Ouvertüre, jetzt geht es nämlich in die Küche und da kennt Rach keinen Spaß mehr. Warum die Verstopfung in dem Fußboden-Gulli nicht beseitigt werde und wie lange es die schon gebe? Eineinhalb Monate, der Hamburger ist sprachlos. Was das dahinten für ein nerviges Piepgeräusch sei, erkundigt er sich bei Janek. Das sei bloß der Temperaturalarm vom Kühlschrank, kein Anlass zur Besorgnis. Rach scheint innerlich schon eine Alarmierung des Gewerbeaufsichtsamts in Erwägung zu ziehen, das ist ja alles ungeheuerlich! Warum die Kacheln so gelb seien? Warum die Abzugshauben über und über versifft seien? Absolutes Ekel-Highlight ist aber der an der Decke hängende Eimer, in den das aus der Lüftung laufende Fett tropft. Vermutlich kippen die Zygmunds die dabei  gesammelte Masse gleich postwendend wieder in die Friteuse… “Der Laden ist verwarzt, das ist unter aller Sau!”, zieht Rach eine vernichtende Bilanz des bisher Gesehenen.

    Tag drei beginnt mit einer echten Überraschung: Die Katja und Jarek haben mit zahlreichen helfenden Händen inzwischen die gröbsten Dreckhaufen beseitigt. Mama Zygmund hat einfach die Zähne zusammengebissen und durchgemacht, mit Erfolg: Die Küche glänzt auf einmal und die Kacheln sind jetzt tatsächlich weiß. Christian Rach staunt und lobt Sylvia und ihre Küchenhilfe Bahira, so eine schnelle Verbesserung in so kurzer Zeit habe er noch nie erlebt. Ein weiteres Hobby von Rach ist die Inspektion von Messie-Kellern. Auch diesmal wird er fündig, hier in der Unterwelt des “Flic-Flac” herrscht das blanke Chaos, das böse Wort “Hirnfurz” fällt. Auf Kosten von RTL will er nun einen Container herbeischaffen.

    Zurück im Gastraum fällt ihm an der Wand folgendes Sonderangebot ins Auge “montags bis freitags zwischen 12 und 18 Uhr alle Speisen für 5,- Euro”. Wenn man da noch die Mehrwertsteuer abziehe, dann bliebe doch nur 4 Euro pro Gericht übrig, vielleicht sei das ja eine Ursachen für die finanzielle Misere hier im Haus? Rach, der früher mal Mathematik studierte, nimmt sich eine Tafel von der Wand und ein Stück Kreide und fängt an, den Zygmunds das kleine Einmaleins der Betriebswirtschaftslehre beizubringen. Wie hoch den die Raummiete pro Monat sei, will er wissen. Als er die Antwort “8.800 Euro” erfährt, ist Rach schlagartig klar, dass er diesen Fall nicht mehr lösen kann. Die Raummiete dürfe in der Gastronomie nicht höher als ungefähr 10 Prozent des Gesamtumsatzes liegen, alles andere sei nicht mehr zu erwirtschaften. Das “Flic-Flac” müsse also über den Daumen gepeilt 100.000 Euro im Monat abwerfen, um die hohe Raummiete tragen zu können. Pro Tag seien das also etwa 4.000 Euro, bei günstig geschätzten 200 Gästen also eine Umsatzerwartung von 20,- Euro pro Gast. Und das ist absolut unrealistisch hier in diesem heruntergekommenen Laden. Insbesondere, wenn man an das oben erwähnte Sonderangebot denkt… Christian Rach rät den beiden Besitzern, dringend mit dem Vermieter zu sprechen. Falls die Pacht auf diesem Niveau bleibe, sollten sie besser ganz schnell den Laden abwickeln (sonst werden sie ein Fall für den Zwegat).

    Katja spricht tatsächlich gleich am nächsten Morgen mit ihrem Vermieter und der geht auf 5.500 Euro pro Monat herunter. Damit läge der täglich zu erwirtschaftende Betrag bei 2.500 Euro. Alle drei Zygmunds behaupten aus dem Bauch heraus, das sei schaffbar, aber Rach bleibt skeptisch und fordert, den Steuerberater hinzuzuziehen. Auch der sieht kaum eine Chance, hier im Laden läge so vieles im Argen, es gebe nicht einmal eine ordentliche Buchführung…

    Rach lässt sich nicht entmutigen und beschließt, heute endlich mal zu kochen. Zusammen mit Mama Sylvia und zwei weiteren grauhaarigen Damen beginnt er mit den Koch-Basics. Der Tomaten-Mozzarella-Salat wird jetzt mal so zusammengebaut, wie der Sterneinhaber sich so etwas vorstellt und – O Wunder – es schmeckt sogar der herbeigerufenen Katja. Christian Rach nun aber gerade zu richtig großer Form auflaufen will, bricht Katja den ganzen Zirkus ab, sie habe heute Abend Reservierungen für 55 Personen angenommen und deswegen sei nun keine Zeit mehr für den Kochkurs. Punkt. “Dann nehme ich mir für heute Abend frei”, entgegnet Rach verbittert. Kurz darauf kommt von Katja dann noch ein Befehl an ihre Küchencrew, die dem Hamburger komplett gegen die Berufsehre geht: Heute Abend sollen nur Fertig-Bratkartoffeln serviert werden. Er schnauzt die beiden Besitzer an: “Ihr habt nichts gelernt!” Mit dem Bewusstsein, dass er eigentlich gar nicht mehr gebraucht wird, enteilt Rach aus dem “Flic-Flac”.

    Am letzten Tag in Mannheim wurschtelt Rach kurz mit den drei Grauköppen in der Küche an einem neuen Schokoladendessert, kann den aber wegen allgemeiner Zeitknappheit nicht mal mehr in den Kühlschrank stellen, der Laden wird nämlich schon wieder geöffnet und er ist Katja im Grunde genommen im Wege. Mit einer schnellen Umarmung verabschiedet sich der Sternekoch herzlich von Mama Zygmund und überlässt das “Flic-Flac” einer sehr ungewissen Zukunft. Und tatsächlich, als er einige Wochen später wieder in Mannheim ist, existiert das “Flic-Flac” schon nicht mehr, die Zygmunds haben aufgegeben und Christian Rach damit Recht behalten. Viel zu viele Leute würden sich ohne Ahnung und Verstand in der Gastronomie selbstständig machen, zieht er ein letztes Fazit.

    Das war eine sehr unerfreuliche Folge, es blieb buchstäblich etwas im Dunkeln, weshalb die Restaurantbesitzer ihn eigentlich gerufen hatten. Weder in der Küche, noch in der Buchhaltung waren die Ratschläge von Christian Rach wirklich erwünscht. Aber wenn das Schicksal des “Flic-Flac” auch nur für einen einzigen Möchtegern-Gastronomen eine Warnung ist, sich nicht unbedarft in das Risiko der Selbstständigkeit zu begeben, hat diese Sendung schon einen Sinn gehabt.

    Nachtrag (07.02.2011): Liebe Rachianer, heute bleibt die Küche kalt… RTL muss heute dringend den Zweiteiler über die Luftschiffkatastrohe der “Hindenburg” zeigen und suspendiert Christian Rach deswegen für diese Woche. Bis zum nächsten Montag!

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  • Prost Mahlzeit,

    rechtzeitig vor der “Nacht der langen Messer” im RTL-Dschungelcamp können wir zusammen mit Starkoch Christian Rach schon einmal unsere Tränen- und Adrenalindrüsen in Gang bringen. Er ist heute zu Gast in der “Weinstube Dietz” im zauberhaften Mindelheim im Unterallgäu. Hier hat Ursula Hoyer (45) bei RTL um Hilfe gerufen, sie rackert in ihrem Restaurant rund um die Uhr, kommt aber finanziell dabei nicht vom Fleck, eher im Gegenteil.

    Beim Eintreffen des Hamburger Sternebesitzers im Unterallgäu bleibt der Chefin komplett der Atem weg. Ob das damit zusammenhängt, dass Rach mal wieder sein altes Zu-früh-komm-Spielchen durchgezogen hat, erfahren wir nicht, überrascht scheint Ursula in jedem Fall zu sein. Sie klagt ihm in dürren Worten ihr Leid, obwohl sie an sieben Tagen in der Woche in der Küche und im Gastraum arbeite, komme sie auf keinen grünen Zweig, die Gäste blieben einfach aus und keiner wisse, woran es liegt. Christian Rach wundert sich sofort über die Arbeitszeiten, sieben Tage hintereinander arbeitet nicht mal er – und er ist immerhin ein anerkannter Workoholic.

    Es folgt die Serien-übliche Bestellorgie, Rach ordert auf der Speisekarte alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Ursula Hoyer kriegt schon im Voraus das große Flattern, sie ist nämlich gar keine gelernte Köchin und fürchtet, vor dem Meistergastronom nicht zu bestehen. Aber keine Angst, der ist im Grunde seines Herzens ein Gutmensch und kriegt bei schutzlosen Opfern automatisch ‘ne Beißhemmung. Zuerst kommt eine kleine Reminiszenz an “Rachs Restaurantschule“, deren erste Staffel im Herbst lief: Der Meister fragt die Bedienung Vera, was denn eigentlich “Müller-Thurgau” sei, vielleicht der Name des Winzers? Upps, die Antwort “ein Anbaugebiet” kann er nicht gelten lassen. Nächste Frage: “Was ist denn ein Riesling?” Achselzucken, dann die bestürzende Information: “Das weiß bei uns kein Mensch!”. O lala, in der Weinstube keine Ahnung von den Grundbegriffen des Traubensafts, Rach schwadroniert sein Unverständnis in die Kamera.

    Beim Essen, das die Chefin selbst zubereitet hat, gibt es dann auch einiges zu bemäkeln, der “gegrillte Fisch” komme in Wirklichkeit aus der Tiefkühltruhe, der Baguetteteller mit Karottenschnitzeln ist “nicht sexy” genug und so weiter. Ursula, die Täterin, hüllt sich bei diesem Befund in Schweigen und flieht aus dem Gastraum. Rach wundert sich, denn immerhin hatte sie ihn ja gerufen, nun will sie einfach nicht mit ihm sprechen, merkwürdig! Den letzten Teller auf drei Fingern balancierend, folgt ihr Rach in die Küche nach. Das ist eines seiner Standardrituale, kommt beim Publikum aber immer wieder gut an. Weil Ursula nach wie vor nur in Ein-Wort-Sätzen (meist “Ja.”, manchmal auch “Hmmm.”) antwortet, gibt ihr der Meister als Hausaufgabe für morgen, sich mindestens ein einziges Argument zu überlegen, weshalb ein Gast in die “Weinstube Dietz” kommen sollte. Was ist das Besondere dieses Lokals? (Die Aufgabe reißt sie übrigens, ihr fällt kein triftiger Grund für einen Besuch in ihrem Etablissement ein…)

    Am nächsten Tag kommt wieder die hochnotpeinliche Visitation der gesamten Örtlichkeiten – das ist der Preis, wenn man sich bei RTL für dieses Format meldet. Ursula Hoyer muss Christian Rach alle hässlichen Nebenzimmer und ungenutzten Abstellräume zeigen. Highlight ist die spackig geflieste Damentoilette, aus der eine Tür zum Lebensmittellager führt. Sehr praktisch und auch unter hygienischen Aspekten bemerkenswert, wie das Gewerbeaufsichtsamt nach Ausstrahlung dieser Sendung sicherlich feststellen wird. Nebenbei examiniert Rach die Weinstubenbesitzerin spontan, wofür denn bitte “Bordeauxwein” bekannt sei. Sauerei, finde ich, woher soll sie denn solche Spezialinformationen haben, sie betreibt den Laden doch gerade erst seit 15 Jahren, also ehrlich. Sie bleibt denn auch die Antwort schuldig. Rach urteilt gnaden- und fassungslos: “15 Jahre in der Weinstube und null Ahnung von Wein!” Im Hintergrund erklingt die Loserfanfare aus Thomas Gottschalks neuerdings lebensgefährlicher Wettsendung vom Mumienkanal. Die Rotweine stehen in der Küche auf dem Fußboden “natürlich viel zu warm”, wie der Meister sogleich bemerkt. “Ja, die standen da halt schon immer so…”, kommt Ursulas schwache Entschuldigung. Und wieso sie denn lt. Speisekarte 29 offene Weine bereit halte? Die müssten, so wie sie hier gelagert werden, nach einem Tag weggeschüttet werden, ansonsten schmecke der Wein doch gar nicht mehr. Offenbar trinkt Ursula ihr Zeugs ohnehin nicht selbst, sie zuckt wieder nur still mit den Schultern.

    Rach hat genug gesehen und zieht die Besitzerin hinter sich her nach draußen unter einen der Sonnenschirme (die Folge wurde im Sommer gedreht). Wieder stockt das Gespräch, da kommt plötzlich von der Straße, ganz spontan, nicht abgesprochen, welch ein Zufall, Ursulas gute Freundin und Angestellte Karin Schulz daher. Die hat es besser als Ursula, denn sie hat seinerzeit sprechen gelernt und übernimmt deshalb für den Moment die Kommunikation mit dem Fernsehen. Von ihr erfährt Christian Rach, dass Ursula Angst vor jeglicher Konfrontation habe, sie wolle es allen Recht machen und könne deshalb auch nicht mit dem Personal schimpfen, wenn das mal nötig sei. Stattdessen sammelt sie Magengeschwüre wie andere Leute Briefmarken, muss öfters mal ins Krankenhaus und brabbelt unter Tränen etwas von Burnout. Ursula bietet ein Bild des hilflosen Jammers. Schlimmer noch, weil finanziell trotz 90-Stunden-Woche kein Cent übrig bleibt, muss der Lebensgefährte ihren Unterhalt bestreiten. Rach schlägt sofort vor, an zwei Tagen in der Woche den Laden dicht zu machen, in so einem Kaff wie Mindelheim müsse kein Restaurant täglich geöffnet sein.

    Christian Rach lässt eine Personalversammlung einberufen, vor der Ursula erklärtermaßen Angst hat. Kein Wunder, es ist ja auch die erste in 15 Jahren! Und Recht hat sie, die Veranstaltung ist nichts für Harmoniesüchtige: Die mürrischen Angestellten und ihre weinende Chefin kriegen sich wegen irgendwelcher nicht erfüllter Putzpflichten und übermäßiger Privattelefoniererei in der Dienstzeit so sehr in die Haare, dass der Hamburger eingreifen muss. Man besinnt sich und beginnt im ganzen Haus mit einem Putzmarathon. Rach flieht, bevor er noch mitmachen muss, dafür wird er nun wirklich nicht bezahlt…

    Nächster Tag, die konstruktive Stimmung in Ursulas Kollektiv hat nächtens angehalten und auch auf Hilfskoch Stefan übergegriffen. Der hat in einem kreativen Anfall das Küchenmobiliar neu sortiert und Ideen für weitere Gerätschaften entwickelt. Christian Rach macht sich derweil über einen bisher nur als Stuhllager genutzten Nebenräume mit Zugang zur Straße her. Wenn man das ganze Gelumpe dort wegräume und einen Verkaufstresen hineinstelle, wäre das ein Weinbistro für die Laufkundschaft, die mal eben auf die Schnelle einen Schoppen und ‘ne Quiche Lorraine haben wolle. Aus dem Nichts heraus organisiert er ein großes Weinregal, das sogleich im neuen Verkaufsraum aufgestellt wird. Wo das mit einem Mal herkommt? Das ist RTL-Betriebsgeheimnis! Man fragt ja auch nicht, woher bei Inka Bauses Bauern die wohlgefüllten Picknickkörbe stammen, die diese bei den Fahrradtouren mit ihren Gespielinnen immer so plötzlich aus dem Gebüsch ziehen.

    Tag 5 in Mindelheim. Genug herumpsychologisiert, heute zieht der Meister die Kochschürze an. Während in der Küche schon ein Braten im Topf brutzelt, hält Rach für die unwissende Belegschaft eine Vorlesung in Weinkunde inklusive Verkostung nach dem Motto “man kann nur empfehlen, was man kennt”. Auch wir staunenden Zuschauer vor den Bildschirmen können dabei noch einiges lernen. Zwischendurch bespricht er mit Ursula, dass sie mindestens am Sonntag jetzt immer schließen soll, das ist nämlich der umsatzschwächste Tag in der “Weinstube Dietz”. Am Ende des Tages sind sowohl die Küchenmenschen als auch die Quiches und Tartes fertig. Nach Redaktionsschluss, der Meister nächtigt bereits, kommt ein Spediteur und bringt einen riesigen Profikühlschrank, einen Küchenofen und eine Vitrine für das Weinbistro. Auch hier scheint RTL die Rechnung zu bezahlen, denn Ursula war ja bekanntlich blitzeblank. Der letzte Tag bringt die wenig spektakuläre Eröffnung des umgestalteten Weinhauses, für die das Fernsehen wie gewohnt eine Horde gecasteter Kunden durch das Restaurant treibt. Rach ist gerührt ob seines eigenen Erfolgs, Ursula sagt wieder “Ja.” und mit der Drohung seiner baldigen Rückkehr entschwindet der Meister einstweilen.

    Die Chefvisite findet dann ein paar Wochen später statt. So richtig nachhaltig war die Meisterwoche wohl nicht, das Weinbistro läuft erkennbar schlecht, in der Glasvitrine liegt nur eine einzige Quiche und Kunden sieht man gar nicht. Rach rät, geduldig zu bleiben, das käme schon noch. Gemeinsam mit Ursula verputzt er die lecker aussehende letzte Quiche und erkundigt sich dabei, wie es sonst so läuft. Tja, den Ruhetag hat man eingeführt und gleich wieder abgeschafft, irgendwie glaubt man nämlich, den Mindelheimer Eingeborenen keinen Quiche-freien Tag zumuten zu können. Rach schimpft etwas, hat aber keine Sendezeit mehr für größere Vergatterungsaktionen übrig. Stattdessen nimmt er die noch immer ziemlich schweigsame Ursula in die Arme und behauptet in die Kamera, er habe ein gutes Gefühl bei der “Weinstube Dietz”.

    Na dann, das war aus Sicht eines Rach-Fans gute Hausmannskost, wenn auch ohne echte Aufreger oder Ekelmomente. Aber wenn ich so etwas will, gucke ich eben die Dschungelshow. Guten Appetit und bis zur nächsten Woche!

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