Nach dem Motto: "Am schönsten ist es immer noch Zuhause" versüßte uns Kabel1 bei "Mein neues Leben" den Abend mit blankem Horror:
Eine deutsche Familie war vor vier Jahren mit wenig Geld und noch weniger Ahnung auf eine venezolanische Insel ausgewandert. (Rückblende: Die noch wohlgenährten Neueinwanderer spazieren Hand in Hand am Meer und sinnieren über das geplante Strandcafé, das man sich von dem mitgebrachten Startkapital kaufen will.) Inzwischen haben sich Patte und Träume in Luft aufgelöst, alle sind arbeitslos, betteln, hungern offenbar und mussten zwischenzeitlich sogar unter freiem Himmel "leben". Der Mann arbeitet gelegentlich als Tagelöhner auf dem Bau, meist klappt das aber nicht, denn immer fehlt es auf der Baustelle an irgendwas, heute ist z.B. gerade der Sand alle! Ohne Sand keine Arbeit und damit auch kein Geld!
Aber jetzt geht’s aufwärts, jedenfalls finden sie das: Die sechs ausgemergelten Personen hausen neuerdings in einem fensterlosen Betonverschlag mit Wellblechdach, der in Deutschland nicht mal zur Viehhaltung zugelassen wäre. Kühlschrank und Herd sind total verspackt und ich meine TOTAL! Die Frau kriegt das mit Bordmitteln nicht mehr sauber und ist völlig resigniert. Den Absatz über den zweiten Raum, einer Zelle irgendwo zwischen Rohbau und Ruine und mit freistehender Kloschüssel in der Mitte (leider ohne Spülung), schenke ich mir aus Gründen der Pietät. Bis hierher ein Bild des absoluten Jammers; unwillkürlich wartet man auf die Einblendung des Spendenkontos…
Aber das ist gar nicht nötig, denn nun kommen die Freunde zu Besuch: Ein anderes deutsches Auswandererpaar, finanziell und auch vom Körperumfang her offensichtlich weit besser im Futter. Sie halten der Familie und insbesondere der Frau eine Strafpredigt ("wie sieht das denn hier aus", "so kann man doch nicht wohnen" usw.), die rennen daraufhin los, kaufen Scheuerzeugs und weiße Farbe im Gegenwert eines Wochenlohns und lackieren sich ihren Stall schön. Die Frau ist total begeistert, dass ihr Herd nach der Verwendung eines scharfen Reinigers unter der ca. 5 cm dicken schwarzen Kruste doch noch blank wird. Und zur Belohnung bekommen sie hinterher von dem fetten normalgewichtigen Paar auch noch einen hässlichen roten Plastikcampingtisch mit Wabbelstühlen geschenkt. Jaja, in der Not halten die Deutschen zusammen, das muss man ihnen lassen!
Aber nun der eigentliche Lichtblick, es gibt einen Strohhalm, vielleicht irgendwann mal aus dem Loch herauszukommen: Das Töchterlein kriegt die Gelegenheit für ein Praktikum in einem Luxushotel, eventuell mit anschließender – bezahlter – Ausbildung. Sie muss sich dazu nur bei dem etwas schmierig wirkenden (deutschen) Hoteldirektor bis zum Anschlag einschleimen ("Ich mag es, wenn die Leute Respekt vor mir haben!"), einem Typen, den ich mit meiner Tochter nicht mal allein über die Straße gehen lassen würde. Aber das kann sich die arme Auswandererfamilie ja leider nicht aussuchen, in ihrem schönen neuen Leben in Venezuela…





