Die vier putzigen Ludolfs haben den Winterschlaf überlebt und zeigen sich in einer neuen Staffel wieder auf ihrem Haussender DMAX. Gottseidank ist in ihrem komplett verspackten Haus und dem Schrottplatz alles beim Alten geblieben. Nicht auszudenken, welche Zuschauerproteste es gegeben hätte, wenn sie in der Sendepause neu tapeziert oder auch nur die Fettflecken an der Wand hinter Peter überpinselt hätten.
Das Konzept für eine Folge mit Peter, Uwe, Manni und Günter Ludolfs ist seit Anbeginn der Zeiten denkbar einfach und erinnert mich irgendwie an eine Affenherde im Zoo, denen man etwas zum Spielen gibt: Die Drehbuchautoren werfen unseren Helden in jeder Folge ein mehr oder weniger originelles Thema über den Zaun und halten dann einfach mit der Kamera drauf, wenn die Ludolfs sich einzeln oder zusammen damit auseinandersetzen. Trotz aller Naivität sind die vier inzwischen Profis genug, dass sie mit jedem Thema klar kommen – und sei es noch so künstlich. Bis auf Sauberkeit, deutsche Sprache und Atomphysik haben sie mittlerweile wohl alles durch.
Diesmal dauert es eine gute Viertelstunde, bis endlich klar wird, welches Thema sich die Schreiberlinge von DMAX für heute aus den Fingern gesaugt haben: Ludolfs go Hip-Hop. Inspiriert von Uwes Sohn Tommy, kommt der Firmenboss Peter ins Philosophieren, dass jede Generation die Musik der nachfolgenden Generationen nicht versteht. Die staunenden Zuschauer erhalten einen kurzen Exkurs in die neuere Musikgeschichte aus der Perspektive des drallen Ludolf-Chefs. Demnach ging die Entwicklung von Peter Kraus über Elvis und die Beatles direkt zur Rap-Musik. Schnell hat Peter mit dem Hip-Hop-Virus auch Uwe und Manni angesteckt und beide entblöden sich nicht, vor der Kamera ihre Breakdance-”Künste” vorzuführen. So dolle ist das nicht, aber wenigstens wischen sie auf diese Weise mal den total versifften Fußboden…
Keine Ludolfs-Folge ohne Autos: Manni beschließt, eine Schrottkarre in einen Hip-Hop-Schlitten zu verwandeln. Nach einem Irrtum beim Farbenmischen bekommt der Wagen allerdings eine ziemlich beknackt aussehende schweinchenrosa Lackierung. Manni wollte aber nunmal “keine Farbe von der Stange” und kein “Acht-Null-Fünfzehn”-Auto, das hat er jetzt davon. Mit einer Batterie Spraydosen wird die Kiste dann Außen und Innen so bemalt, wie sich Manni ein Hip-Hop-Auto eben vorstellt. Bei der abschließenden Beschriftung hapert es leider etwas mit der Rechtschreibung: Auf der linken Seite vergisst er das erste “P” in Hip-Hop, auf der rechten Seite wird der Familienname versehentlich zu “Lubolf”.
Derweil sind die anderen Brüder auch nicht untätig: Uwe unterstützt Manni verbal, meist mit Bemerkungen zu irgendwelchen Blondinen, mit denen er mal was gehabt zu haben glaubt oder gern gehabt hätte. (Hat der Mann eigentlich keine Angst, dass seine gut einen Kopf größere Frau die Folge später mal in der Glotze sieht?)
Günter kümmert sich noch immer hauptberuflich um das jämmerlich quäkende Telefon. Seit der letzten Staffel hat er offenbar erfolgreich daran gearbeitet, die lästige Grußformel noch mehr auf das Wesentliche zu verkürzen. Statt wie in der ersten Staffel “Ludolf… Guten Tag!” oder später wenigstens “Guten!”, sagt er mittlerweile nur noch so etwas wie “Guuun…”.
Auch Peters Sprachfertigkeit nimmt eher ab als zu, seine Stärke liegt wohl eher in der Verdauung. In fast jedem Satz ist ein fetter Klopfer, manchmal ist echt alles verkehrt. Wenn er versucht, seine sowieso schon krausen Gedanken in komplizierte Worte zu fassen, kommt manchmal wirklich nur noch unverständlicher Blödsinn raus. Aber das macht ihm knapp die Hälfte, er ist ein Mann der Tat und organisiert für die vier Brüder Baseballcaps und Basketballtrikots. Eines davon zieht er sich sofort über und sieht jetzt aus, wie eine Kuh im Trainingsanzug. Günter bemerkt taktvoll “Passt gut!”, meint damit aber wohl nur, dass das Shirt nicht sofort geplatzt ist.
Während Günter die Ludolfsche Telekommunikationszentrale beaufsichtigt, fahren seine drei Brüder mit ihrer grotesk bemalten Karre zu einem Basketball-Court, um stilecht als Hip-Hopper verkleidet ein paar Körbe zu werfen. Peter beschränkt sich natürlich wieder auf die Rolle des Schiedsrichters und Einpeitschers, ist aber trotzdem als erster erschöpft! Einen richtigen Sinn macht diese letzte Szene nicht, aber wenigstens hören wir wieder Peters irre Lache.
Die Vorschau für die nächste Folge lässt Weltbewegendes ahnen: Manni interessiert sich (lt. Drehbuch) plötzlich für die Raumfahrt und baut eine Rakete. Dass Peter dabei als erster Dernbacher ins All geschossen wird – nennen wir das mal “Kugelblitz” – halte ich allerdings für ein unbewiesenes Gerücht…
P.S.: Nicht, dass das jetzt beim Lästern falsch rüberkommt: Ich mag die Ludolfs sehr, ich mag ihre (scheinbar) ungespielte Einfachheit und rührende Arglosigkeit. Sie sind wie eine kleine, stille Insel in einem tobenden Meer voller Kommerz, Selbstdarstellung und Gewalt, das wir Fernsehen nennen. Die Ludolfs sind ein Affront gegen die Oberflächlichkeit der meisten anderen Programme, sie spotten jedem Schönheitsideal und ihre vergammelte Bude ist der Alptraum aller Innenarchitekten. Gäbe es Geruchsfernsehen, wären die Ludolfs ein Grund, es sofort wieder abzuschaffen. Wäre schlechtes Deutsch strafbar, säßen sie in der Todeszelle.
Aber genau das macht sie so sympathisch, denn in einem verschrobenen Winkel unserer Seele haben wir vermutlich alle auch Ludolfsche Wesenszüge – oder hätten sie wenigstens gern. Irgendwie stehen sie auf unserer Seite der Mattscheibe, ihr Erfolg ist unser aller Erfolg. Wenn sie es schaffen, könnten wir das auch, wenn man uns nur ließe. Und so schlecht kann die Welt da draußen dann wohl doch nicht sein, wenn so etwas wie die Ludolfs darin überlebt…