Liebe Fans der gepflegten Montagabendunterhaltung,
wie schade, dass es noch kein Geruchsfernsehen gibt, sonst hätte heute zwischen 21:15 und 22:15 Uhr über dem ganzen Land ein leichter Hauch von Eau de Kuhstall gelegen, der Duftnote von Inka Bause. Diesmal geht die Enthüllungsjournalistin in die Vollen und führt Kamerateam, Laiendarsteller und Zuschauer an ihre Grenzen… und dann noch ein Stückchen weiter. Heute zeigt RTL nämlich alles: Dreck, Salsa, Mist, Kuhscheiße, fossile Teppichläufer, handgeschrubbelte Spätzle, dicke unmusikalische Frauen, zahnlose Männer, Dauergrinser und Schlechtsänger, also alles, was “Bauer sucht Frau” so liebenswert macht.
Apropos “liebenswert”, in eigener Sache muss ich mal etwas loswerden: Herzlichen Dank für die vielen netten Kommentare, da freue ich mich immer sehr drüber, wenn ich am Dienstagmorgen etwas verschlafener als sonst ins Netz komme, weil ich mir für den Blog mal wieder die Nacht um die Ohren gehauen habe. Wenn ich dann lese, dass manche von Euch ungeduldig jede Woche auf den Mülltv-Kommentar zu den auf RTL gesendeten Ungeheuerlichkeiten warten, macht einen das schon stolz. Und wenn einzelne sich sogar die eigentliche Sendung zugunsten des Blogs sparen: bestens. An dieser Stelle geht mein besonderer Gruß an “mouhkouh” aus der Oberpfalz, die fast unseren gesamtes Eintrag vom 01.11.2010 wortwörtlich und kommentarlos in das Bäuerinnentreff-Forum von agrar.de gepostet hat – allerdings ohne uns vorher zu fragen. Das ist nicht nett, liebe “mouhkouh”, auch lästerliche Blogger haben Gefühle…
Ansonsten finde ich es aber toll, dass wir scheinbar auch dort gelesen werden, wo BsF sicherlich die gemischtesten Gefühle weckt. Denn nicht alle Bauern sind doof, das möchte ich hier nochmal herausstellen, RTL hat sich da schon ein ganz besonders unfotogenes, nicht-repräsentatives Panoptikum zusammengecastet. Und mit dieser Vorrede gebe ich ab an Inka Bause vom Landfunk!
Über den Feldern Nordhessens geht die Sonne auf, im Hintergrund trällert Nana Mouskouri ihr waffenscheinpflichtig-vergnügtes Lied “Guten Morgen, Sonnenschein” und der lustige Bauer Willy erscheint in einer lila Schlafanzug-Karikatur bei seiner pfundigen Braut Rosi im Gästezimmer. Er bringt der “rheinischen Frohnatur” das Frühstück auf einem Tablett direkt ans Bett, natürlich ganz spontan. Ich tippe mal, das ist ungefähr die zehnte Klappe, so abgelesen klingt der Text. Der Bauer bedankt sich sehr hölzern für die Offenheit, mit der sie ihm in der letzten Folge öffentlich erklärt hatte, dass sein Kuhstall aussehe wie ein Schweinestall und dass er beim Essen gefälligst nicht so schmatzen solle. Er gelobt Besserung in allen Punkten und ahnt dabei wohl dunkel, dass das sonst der letzten Damenbesuch auf seinem Hof in diesem Jahrhundert sein wird. How low can you go? Nicht nur ihre Matratze, auch Rosi ist schwer beeindruckt, nämlich von Willys Worten und sie gibt seinem Affen Zucker: “Hier kannst du punkten auf ganzer Linie”. Was ist denn das für eine apokalyptische Prophezeiung, ich mag gar nicht daran denken, was Rosi wohl mit “punkten” gemeint hat?
Panik im Kuhstall, ein großer runder Schatten verfinstert die Sonne als Rosi das Gebäude betritt. Wieder trägt sie ihr kleines Rotes, wie ich es mal nennen möchte, obwohl… bei ihr sieht eigentlich jedes Kleidungsstück klein aus. Möglicherweise ist die rote Bluse auch schon irgendwie festgewachsen. Aber egal, wollen wir mal lieber nicht so genau drüber nachdenken, jetzt kommen wir nämlich zu den drei Ekelpunkten der heutigen Folge: Rosi hält ihrem ehemals lustigen Willy eine kurze Vorlesung zum Thema Sauberkeit im Kuhstall, dann schnappen sich beide Mistforken und machen sich an’s Eingemachte. Zu den fröhlichen Klängen von Boney M’s “Brown Girl in the Ring” (ein Schelm, wer böses dabei denkt) schaufeln die beiden eine gefühlte Wochenproduktion von Kuhfladen beiseite. Danach holt Willy seinen Hochdruckreiniger und spritzt seine braun-weißen Rinder porentief sauber. Lehmverkrustete Euter in Großaufnahme, lecker! Dass er dabei – natürlich ganz aus Versehen – auch ein, zwei Mal die gelernte Imbissbräterin trifft, mag seinen schlechten Augen geschuldet sein, denn wie könnte man Rosi wohl mit einer Kuh verwechseln, die tragen doch gar keine roten Blusen? Als geborene Rheinländerin hat sie aber Humor und lacht, dass beide Doppelkinne wackeln.
Ich weiß nicht, wieso Willy und Rosi mich so sehr zu bösartigen Bemerkungen reizen, aber ich kann nicht anders, sie schreien geradezu nach Bestrafung. Jetzt zerrt Willy nämlich eine dunkle Seite aus Rosis Vergangenheit ans Licht, die wir auch eigentlich lieber im Dunkeln gelassen hätten, sie war nämlich früher mal Akkordeonspielerin. Und Willy auch… und damit ist auch das nächste Verhängnis klar, wir werden nämlich nun mit dem Ergebnis jahrzehntelang kultivierter Unmusikalität gefoltert! Die beiden treten als gemischtes Duo auf, er spielt sozusagen und sie singt sozusagen. Beim ersten Lied scheinen einige Töne auf den berühmten Bierzeltklassiker “Rosamunde” hinzudeuten, den man normalerweise nur im Vollsuff ertragen kann. Wenn man denkt, Willys unegales Gefiepe sei schlimm, wird man bei Rosis Gesang eines Besseren belehrt,es geht nämlich immer noch schlimmer. Wenigstens kann dafür niemand GEMA-Gebühren kassieren, denn das Lied ist im Grunde genommen nicht als solches zu erkennen. Rosi dilettiert ins Sofa hingegossen und hat bei dieser Gelegenheit endlich mal etwas anderes als die rote Bluse an, nämlich einen quergestreiften Sweater, der ihre Figur noch etwas mehr betont.
Oh ja, den beiden ist wohl wirklich gar nichts mehr peinlich. Sie tauschen dann noch die Rollen, mit verheerendem Ergebnis: Rosi kann scheinbar überhaupt nicht Akkordeon spielen, nicht mal zwei Töne, und das deckt sich auch ideal mit Willys Gesangsfähigkeiten, die allerhöchstens als “unterirdisch” zu beschreiben sind. Nur bei DSDS hat man manchmal Kandidaten mit noch weniger Talent…
Im schönen Sauerland tun die Hormone üble Dinge mit dem rolligen Rinderwirt Lukas. Hier hat Liebesgott Amor es letzte Nacht ordentlich krachen lassen, sagt Inka, und nun morgenmuffelt sich der abgekämpft aussehende Jungbauer etwas scheintot durchs Bild. Er bringt seiner Herzallerliebsten mit einem Obstteller ein paar dringend benötigte Vitamine zur Stärkung ans Bett. Die braucht sie auch, denn nach der Liebe steht nun eine handfeste Depression im Drehbuch, weil nämlich Stinas Hofwoche jetzt zu Ende geht und damit auch ihre Aufenthaltsgenehmigung erlischt. Das sind eben die Spielregeln im RTL-Land, wenn von einem Bauern alles gesagt und gezeigt worden ist, muss er Platz machen für den nächsten verzweifelten Landwirt. Das Thema Lukas wurde in den letzten Sendungen hinreichend beleuchtet, die Verdauungsendprodukte seiner Rindviecher sind republikweit bekannt und alles, was jetzt im zwischenmenschlichen Bereich noch kommen könnte, wäre nicht jugendfrei. Damit heißt es Bye-bye, schönes Sauerland!
Als letztes Leckerli gibt es vom Fernsehen noch eine kostenlose Fahrstunde für Stina auf dem Trecker, etwas, was sie sich angeblich immer schon sehnlichst gewünscht hatte. Irgendwo auf einer der bäuerlichen Kuhweiden darf sie dann auch wirklich mal ans Steuer, was die umstehenden Rinder zur heillosen Flucht veranlasst. Heute gibt es dann wohl Schlagsahne statt Milch und RTL hat Schuld. Lukas ist aber ganz zufrieden mit den Fahrkünsten seiner Zukünftigen, auch in dieser Hinsicht steht also einer lebenslänglichen Verbindung der zwei nichts im Wege. Inka schwelgt aus dem Off, die beiden hätten sich unsterblich ineinander verliebt. Ein letzter Abschiedskuss zwischen der schnuckeligen Blondine und dem Karohemdfetischisten und Teil Eins ihrer Lovestory ist Vergangenheit.
Auch im heute ungewohnt attributlosen (!) Frankenland wird gefrühstückt, der schüchterne Schweinebauer Harald sitzt grandios gehemmt mit seinem kubanischen Wirbelwind Janet vor dem Haus und mümmelt Marmeladenbrote. Janet möchte den Tag lt. RTL-Drehbuch nicht gänzlich sinnlos verplempern und fragt deshalb ihren neuen Freund im Karohemd, was er sich denn diesmal für sie beide ausgedacht habe. “Wir gehen heute zu die Rüben”, kriegt sie wie abgelesen (haha!) zur Antwort. Na, das kann ja spannend werden, welche Karibikschönheit mit Zahnpastalächeln hätte nicht Lust, mit einem gerade mal 18 Jahre älteren, leicht verhaltensauffälligen, dauergrinsenden Landwirt Unkrautrüben aus dem Acker zu zupfen? “Ich bin ssson gespannt”, behauptet Janet kackfrech. Harald macht daraufhin gleich wieder auf Womanizer und zieht einen echten Trumpf aus dem Ärmel bzw. aus der Scheune: RTL hat ihm zu Balzzwecken leihweise ein Tandem-Fahrrad überlassen, mit dem das unwahrscheinliche Paar dann auf der Stelle losbraust, quer durch die Felder zum Rübenacker.
Schon erstaunlich, was für tolle Radwege es doch in der fränkischen Pampa so zu geben scheint. Und hinter jeder zweiten Ecke hockt offenbar ein Fernsehteam. Die hinten sitzende Janet nutzt die Gelegenheit und zeigt bei zahlreichen Kameravorbeifahrten ihr akrobatisches Talent, indem sie sich ganz spontan auf den Sattel stellt und den wackeren Harald währenddessen allein treten lässt. Das ist allerdings auch schon der schönere Teil des Tages, denn am Feld angekommen, muss die 26jährige sofort in den ungleichen Kampf mit den Unkrautrüben. Der erste Versuch, ein solches Teil aus der Erde zu reißen, geht gründlich schief und die Kubanerin landet sehr fotogen auf ihren vier hinteren Buchstaben zwischen den siegreichen Rüben. Dort bleibt sie dann auch gleich liegen und weigert sich sogar, von Harald wieder hochgezogen zu werden. Scheinbar ist sie noch ein wenig in der Pubertät, die Gute. Beim Interview im Karohemd redet sich der Bauer hinterher diese Arbeitsverweigerung auch noch schön: “Ich habe immer gesagt, ich such’ eine Frau für’s Herz und nicht für die Arbeit. Und die Janet ist eine Frau für mein Herz und das reicht mir.”
Nach der Arbeit das Vergnügen! Wie bei Bauers scheinbar allgemein üblich, besteht die zweite Tageshälfte nur noch aus Rumgammeln und Eierschaukeln, jedenfalls wenn man RTL glauben darf.
Somit bleibt nach der Unkrautjäterei noch genügend Zeit für ein längeres Picknick, ein bei BsF immer wieder gern gebrachtes Versatzstück, wenn die Story sonst nicht genügend Verwertbares hergibt. Harald hat, selbstverständlich unbemerkt von der hilfreichen Janet, auf dem Tandem noch einen großen Picknickkorb mit Trauben, Wurst und einem Laib Brot geschmuggelt, den er jetzt plötzlich hervorzaubert. Er schneidet der Kubanerin eine Scheibe Brot ab und sie äußert sich anerkennend über diese epochale Leistung. “Wenn man Brot schneiden kann, dann kann man auch heiraten”, zitiert Harald daraufhin keck ein mir völlig unbekanntes Sprichwort und bekommt es hinterher im Interview schon fast ein bisschen mit der Angst, so etwas cooles überhaupt gesagt zu haben. Janet fragt dann auch später tatsächlich nach, ob er sich denn vorstellen könne, dass sie zu ihm zöge und ob er denn dann auch bereit sei, alles, also wirklich ALLES auf dem Hof zu verändern? Klarklarklar, der Bauer kann gar nicht so schnell nicken, wie er zustimmen möchte, das ist DIE Chance in seinem Leben, das merkt sogar er. Ob Janet das allerdings wirklich ehrlich meint, wage ich denn doch zu bezweifeln, mit ihren 26 Jahren will die bestimmt nicht lebenslänglich mit einem Karohemd-tragenden Dauergrinser zusammengesperrt werden…
Zum Abend revanchiert sich Janet mit einem ebenfalls völlig spontanen “kubanischen Abend” mit Bananenchips und Hochprozentigem. Und mit einer Salsa-CD, denn der Regisseur hat beschlossen, dass Harald heute das Tanzbein schwingen muss. Zuvor bekommt unser wackeres Bäuerlein aber ein gerüttelt Maß Alkohol eingetrichtert, um die Stimmungsdefizite mit einem Schwips zu kompensieren, danach folgt eine peinliche Tanzstunde, bei der wir Zeugen des fehlenden Rhythmusgefühls des Franken werden dürfen – und im Hintergrund dudelt der viel zu oft gehörte Ex-Hit “Lambada”. Fatal, dass mit jedem weiteren Glas das Grinsen von Harald noch breiter wird als eh schon. Nach dem akrobatischen Teil des Abends sitzen beide Kandidaten leicht betäubt auf dem Sofa und versuchen vermutlich krampfhaft, sich trotz der aufsteigenden Alkoholisierung noch an das Drehbuch zu erinnern. Janet schafft das als erste, denn plötzlich gibt das karibische Temperamentsbündel ihrem teutonischen Hobbit einen kleinen Schmatzer auf die Wange, was bei Harald wirkt, als habe man bei ihm die Sicherung herausgezogen (es war wohl sein erster Kuss…). Völlig erstarrt sitzt der Bauer da und stiert verdattert an seiner Braut vorbei. Nach einigen endlos erscheinenden Sekunden kriegt Janet einen Lachanfall; vermutlich hat sie die Harmlosigkeit des charmanten Schweinewirts doch noch weit unterschätzt.
In der ansonsten recht idyllischen Eifel neigt sich die romantische Hofwoche von Lämmes und seiner tätowierten Moni dem Ende entgegen. Im donnernden Finale dieser immer haarscharf am Fremdschämen angesiedelten Geschichte kommen wir zur Königsdisziplin, bei der schon viele hoffnungsvolle Jungbäuerinnen auf der Strecke geblieben sind, nämlich dem Kochen für Mama! Moni hat sich dazu ein Rezept aus ihrer schwäbischen Heimat mitgebracht und auch das passende Werkzeug, einen “Spätzle-Schaber”. In einer etwas unappetitlich anzusehenden Prozedur quetscht sie den Nudelteig tropfenweise durch ein kleines Sieb in das kochende Wasser, immer unter den argwöhnischen Augen von Lämmes Mutti Änni. Letztere staunt über das Kochtalent ihrer Beinahe-Schwiegertochter und schmeckt mit sichtlichem Genuss das Geschnetzelte ab, das Moni zeitgleich in einem anderen Topf anbrät. Jaja, liebe Tierfreunde, wir erinnern uns: In der letzten Folge hoppelte das Geschnetzelte noch als niedliches Karnickel durch den heimischen Stall und futterte Möhrchen… und heute verputzen die bösen Homo sapiens den kleinen Rammler (Oryctolagus cuniculus) im bäuerlichen Wohnzimmer ratzekahl und spülen auch noch mit einem Gläschen Rotwein nach. Lämmes ist stolz darauf, dass seine Braut diese letzte, schwierigste Prüfung mit so viel Bravour bewältigt hat.
Abschied in der Eifel, die körperbemalte Fleischwarenverkäuferin packt ihre Siebensachen. Der kleine rote Koffer wird schon allein von Lämmes Geschenk, einem eher kleinen Stoffschäfchen, völlig ausgefüllt. Lämmes, Moni und Änni kämpfen abwechselnd mit den Tränen, aber die Regeln des Fernsehens sind unerbittlich, Moni muss weg! Die verspricht jedoch, bald wiederzukommen und verabschiedet sich in einer tränentriefenden Szene auf dem Bahnsteig mit einem letzten innigen Kuss aus dieser Staffel.
Kommen wir zum greisen Gerhard aus der Oberlausitz. Er hat es Barbara nicht leicht gemacht mit seinem weitgehenden Verzicht auf die technischen Errungenschaften des 20. und 21. Jahrhunderts. Er lebt halt lieber so, wie er es von Jugend an gewöhnt ist und damals gab es eben noch keinen Strom – und den “Bundeskanzler” nannte man zu seiner Zeit “Kaiser”. (An Bundeskanzlerinnen war natürlich schon gar nicht zu denken…) Einen Vorteil hat Gerhards vorgerücktes Alter übrigens: Barbara muss seine Mutter nicht bekochen… Dafür hat sie aber mit der Hausreinigung Pech, denn die steht zufällig gerade während ihrer Hofwoche an… wie jedes Jahr mit einer Null am Ende. Ihr erster Einsatz führt Barbara ins antike Badezimmer, zu einem Waschbecken aus der Zeit Karls des Großen. “Jesses, des soll ma noch sauberkrieche… ich weeß ja nich… total verkeimt…” Mit einer Riesendosis Ata-Scheuerpulver rückt sie dem über Jahre gezüchteten Schmutzrand zu Leibe, hat allerdings nur mäßigen Erfolg. Bei der ähnlich gut erhaltenen Badewanne überkommt sie dann das große Ekeln und sie gibt dieses Zimmer verloren. “Do hilft ooch keen Putzen und keen Machen, den Keim kriech ma nich mehr ob!”, gibt sie hinterher im Karohemd zu Protokoll.
Na gut, dann eben nicht, nun zwingt das Fernsehen die 59jährige Thüringerin ins Wohnzimmer. Hier bewahrt der Hühnerwirt offenbar seine Sammlung fossiler Teppichbrücken und Läufer auf, einer grässlicher gemustert als der andere und das teilweise in mehreren Lagen übereinander. “Na, das Gelumpe!”, entfährt Barbara ein unwillkürlicher Fluch und mich haut es vor Lachen fast aus dem Sessel. Die arme Frau hantiert völlig chancenlos mit einem heulenden Vorkriegsstaubsauger (1. Weltkrieg, wohlgemerkt), der anderswo längst in den Museen für Vor- und Frühgeschichte verschwunden sein dürfte. Das altersschwache Gerät saugt gemeinerweise immer die fadenscheinigen Teppichstücke an und sorgt für viele Falten auf dem Boden und im Gesicht der schwer frustrierten Thüringerin. “So ein Scheißendreck, blödes Gefummele, so viel Arbeit mit dem Dreckzeug.” Barbara nutzt einen kurzen Besuch des Bauern, um Dampf abzulassen und vorzuschlagen, doch die blöden Teppichstückchen wegzuwerfen, dann hätte sie es viel einfacher mit dem Wischen. Och nö, das mag Gerhard ja nun gar nicht hören, die Teppiche wären schon immer da gewesen und blieben “vorerst” auch dort liegen. Punktum! Mit einem Schütteln seines grauen Kopfes rollt er die von Barbara schon entsorgungsfertig zusammengedrehten Läufer wieder auseinander. In der nächsten Szene sitzen die beiden draußen an einem Tisch, schweigend, sie links, er rechts, Fleisch gewordene Depression. Ist dies das Ende einer irgendwie schon immer hoffnungslosen Story?
Nein, natürlich nicht, wofür hat man bei RTL schließlich die sündhaft teuren Drehbuchschreiber eingekauft?! Wie weiland MacGyver, finden die auch in den verzweifeltsten Momenten noch immer Drehungen und Wendungen, damit die ohnehin hanebüchene Storyline noch unglaubwürdiger wird. Diesmal ist der Bauer angeblich urplötzlich zu der Einsicht gelangt, dass er auch ohne seine mittelalterlichen Teppiche leben kann. Wir sehen den 67jährigen, wie er die Lumpen zusammenrollt. Doch, doch, ihm seien Veränderungen wichtig, Barbara soll sich bei ihm wohlfühlen, behauptet er. In Wirklichkeit geht der Anblick des nun nackten Parketts aber doch über seine Kräfte, die Kamera zeigt ihn unbarmherzig beim heimlichen Weinen in der gekachelten Küche. Barbara oder die Teppiche, auf diese einfache Formel läuft es wohl hinaus und wir ahnen schon, wer da die in jeder Beziehung älteren Rechte hat… Kurze Zeit später liegen die Teppiche jedenfalls wieder an ihrem gewohnten Ort.
Dafür will Gerhard jetzt aber an anderer Stelle glänzen: Er telefoniert einen Bekannten herbei, der mit einem Hochdruckreiniger das total verkeimte Badezimmer ein wenig auf Vordermann bringt. Ein paar Stangen Dynamit wären vermutlich zielführender… Hinterher zeigt der Hühnerwirt seiner Barbara das aufgehübschte Badezimmer, stolz wie Oskar. Sie nickt anerkennend, “hätte ich gar nicht gedacht, dass das wieder so helle wird”. Aber so richtig begeistert klingt das nicht, innerlich hat die Melkerin sich offenbar schon gegen das Leben auf dem Hühnerhof entschieden, tippe ich mal.
So, das war es für heute. Bei zwei Bauern ist die Hofwoche jeweils viel versprechend zu Ende gegangen, also kriegen wir in der nächsten Woche ein paar neue Gesichter zu sehen. Was das mit dem eher wenig innovationsfreudigen Gerhard und seiner schon arg frustriert wirkenden Barbara werden soll, weiß ich nicht, ich ahne Schlimmes. Bei Willy und Rosi bin ich bereits über die Ahnung hinaus, die sind schon jetzt schlimm, passen darin aber gut zusammen. Und Harald und Janet sind in ihrer Künstlichkeit verheerend, er merkt nichts mehr und sie genießt einfach nur die Zeit im Rampenlicht.
Für heute reicht mir der Bauernquatsch, ich melde mich ab in die Heia! Tschüss!!!





