• DSDS (RTL) 09.05.2011 3 Comments

    Liebe Fans, Freunde und Leidtragende von “Deutschland sucht den Superstar”,

    heute heißt es Abschied nehmen von Dieter Bohlen und seinem RTL-Talentschuppen, denn wir befinden uns nach 8 Casting-Sendungen, 5 Recalls und 11 Liveshows (inklusive der wiederholten Top-6-Mottoshow) endlich im Finale. Und ganz ehrlich: Ich habe die Schnauze auch bis oben hin gestrichen voll. Diese achte Staffel quälte sich und die Zuschauer in den letzten Wochen doch ziemlich lahm durch die Wochenenden, finde ich. Dieters Sammlung neuer, bösartigen Kommentare fällt diesmal für seine Verhältnisse bedenklich dünn aus, wenn auch nicht so dünn, wie das Archiv seiner guten musikalischen Einfälle… :-) Und seine Position als Chefjuror wird immer fetter, ja man hat fast den Eindruck, die gesamte Sendung wurde eigens um ihn herum konstruiert.

    König Dieter von eigenen Gnaden umgibt sich mit einem Gefolge bedeutungsloser, austauschbarer Schranzen, Prügelknaben und Hofnarren. Dazu gehören die auf ihre Funktion als Stichwortgeber reduzierten Co-Juroren, deren eigenes Urteil völlig bedeutungslos ist, ja geradezu stört und dementsprechend bei Nichtgefallen von Dieter brüsk korrigiert wird. In dieser Staffel spielt diese undankbare Rolle u.a. der teilweise hyperkritische und etwas profilneurotisch wirkende Ex-Teeniepopsänger Patrick Nuo, der gelegentlich mal mit einer eigenen, dann meist negativen Meinung herauskommt, aber dabei so gut wie immer von Oberguru Bohlen gestoppt wird. Der schätzt den Schweizer offenbar nicht besonders und lässt ihn und uns das auch kräftig spüren. Dass zwischenzeitlich auch Patricks zerbröselnde Ehe ein Thema für die Blöd-Zeitung wurde, hat ihm den Job sicherlich auch nicht einfacher gemacht. Jurorin Nummer zwei ist bei dieser Staffel die abgedankte Girlie-Band-Sängerin Fernanda Brandao. Die Mittäterschaft bei der Seichtpop-Formation Hot Banditoz, die den Soundtrack so mancher Ballermann-Besäufnisse geliefert haben dürfte, hat man ihr wohl inzwischen verziehen. Sie fiel in der aktuellen Staffel auch eher nicht durch musikalische Kompetenz auf, sondern vor allem durch die mit jeder Show knapper werdenden Kostüme, was aus Bohlens Sicht vermutlich auch der ausschlaggebende Einstellungsgrund gewesen sein dürfte. Fernanda wirkt ziemlich konfliktscheu, was dazu führt, dass sie so ziemlich jedem Auftritt etwas Positives abgewinnen kann und wenn es nur ein schickes Kostüm ist oder der Anflug eines Dance-Move. Die heutige Blöd-Zeitung vermeldet übrigens, dass sich Papa Bohlen bereits jetzt dazu entschlossen hat, für die nächste DSDS-Staffel mal wieder neue Jurystatisten zu casten. Eine “nette” Geste, so unmittelbar vor der letzten Sendung seinen “Kollegen” öffentlich den Stuhl vor die Tür zu stellen, aber so ist er, der Master of the Universe aus Tötensen. Wenigstens nimmt das Patrick und Fernanda die Unsicherheit, wann genau das unvermeidliche Feilbeil auf sie herabsausen wird, nun kommt es also bereits vor dem Staffelende.

    Bedauerlicherweise gibt es für den nervigen Selbstdarsteller Marco Schreyl, der sich bei DSDS offiziell Moderator nennt, noch keinen Abschaltzeitpunkt. Von Jahr zu Jahr hofft man, dass die Quasselstrippe endlich mal Auslandskorrespondent am Südpol wird oder wenigstens ein Schweigegelübde ablegt und ins Männerkloster geht, aber die Hoffnungen zerplatzen dann stets mit der ersten Mottoshow der Staffel. Marcos größter Auftritt ist traditionell sein berühmter Foltermonolog im Finale, wenn er die Verkündung des endgültigen Abstimmungsergebnisses unerträglich in die Länge zieht, immer noch einen unnützen Satz einschiebt, noch ein weiteres Superlativ für die überragende Bedeutung der Superstar-Entscheidung erfindet, während die Kandidaten auf der Bühne in Tränen und Schweiß baden und alle herzkranken Zuschauer nur hoffen können, dass Marco schneller ist als der Sensenmann.

    Ach ja, noch ein Wort zu den eigentlichen Hauptdarstellern, den Kandidaten. Jedes Jahr vermeldet RTL hier neue Beteiligungsrekorde, diesmal gab es im Vorfeld gar 35.000 mediengeile Möchtegernsänger, wovon mindestens 34.900 durch einen halbwegs musikalischen Freundeskreis an der Teilnahme hätten gehindert werden sollen. Aber offenbar trickst das übergroße Ego vieler Leute ihren gesunden Menschenverstand aus und lässt sie in der objektiv völlig unwahrscheinlichen Erwartung einer bevorstehenden Musikerkarriere vor der Kamera Dinge tun, die sie anschließend ihr Leben lang bereuen werden. Was haben wir nicht wieder für Knallschoten kennen gelernt, die z.B. ihre Schulausbildung abgebrochen haben, in der sicheren Erwartung, bei DSDS mindestens in den Recall zu kommen. Schlimm und extrem nervig finde ich die Spezies Mensch, die genau wegen einer möglichst spektakulären Abfuhr durch Poptitan Bohlen Jahr für Jahr immer wieder ins Casting kommt, nur um sich erneut bestätigen zu lassen, lediglich mit dem musikalische Vermögen eines Pantoffeltierchens gesegnet zu sein. Angefangen mit dem grenzdebilen Falsettsänger Menderes, ist hier mittlerweile ein ganzer Zoo von Panoptikumsfiguren entstanden, deren Erscheinen zu DSDS gehört, wie “Dinner for One” zu Silvester. Da gibt es den absolut talentfreien Scooter-Imitator Andreas Gerlich, der mit seinem ostzonal-eingefärbten “Englisch” glänzt oder den selbstverliebten, stets gewaltbereiten Ex-Friseur Cosimo, der sich nie ohne seine Bodyguards ins Studio traut und fehlendes Großhirn mit großer Fresse zu kompensieren versucht. Übrigens erwarte ich heute einen Auftritt einiger dieser DSDS-Zombies…

    Die Kandidaten, die den Recall überleben und in die Mottoshows kommen, kann man mittlerweile auch schon in mehr oder weniger enge Schubladen sortieren. Da gibt es den Typus der Femme fatale, Frauen mit vorzugsweise üppiger Oberweite, die alle im Fernsehen aufkommenden Phantasien mit freizügigen Fotosessions in der Blödzeitung befriedigen. Unter den Mitkandidaten sorgt diese Art medialer Bevorzugung natürlich immer für Spannungen und solche Kandidatinnen rafft dann oft eine zu schnelle Sättigung der Fans dahin. Diese Sorte Kandidaten hatten wir diesmal allerdings nicht dabei, soweit ich mich erinnere, im letzten Jahr war das klar Steffi Landerer und im Jahr davor Annemarie Eilfeld. Dann gibt es da den Typus Gangsta oder Möchtegern-Gangsta mit Migrationshintergrund, also Leute, die vor allem mit ihrem polizeilichen Führungszeugnis beeindrucken und mit Hilfe ihrer bereits in jungen Jahren verkorksten Biografie problemlos tränentriefende Homestories liefern. Davon hatten wir in der siebten Staffel mit Menowin Fröhlich und Mehrzad Marashi gleich zwei Exemplare im Finale und diesmal bediente Ardian Bujupi diese Schiene zum Teil. Dann gibt es da noch den Part des Stimmungssängers, den 2009 Vanessa Neigert, letztes Mal Helmut Orosz und diesmal Norman Langen übernahm und der immer dann rausfliegt, wenn Dieter Bohlen keinen Bock mehr auf Schlagermucke hat. Und den ganz jungen, etwas stillen Kleinmädchenschwarm, den spielte in Staffel 6 Dominik Büchele, im Vorjahr Marcel Pluschke und dieses Mal Sebastian Wurth. Was gibt es noch? Klar, die Balladen-Diven mit der Riesenstimme natürlich. Diesmal waren das Sarah Engels, Nina Richel und Anna-Carina Woitschack und im Jahr 2009 Sarah Kreuz. Oder den Typus Klassenclown, zu dem 2011 Pietro Lombardi gehörte, im Vorjahr Thomas Karaoglan, 2009 Benny Kieckhäben. Und schließlich fehlt noch der Freak, der todsicher nicht ins Finale kommt, aber ein wenig Würze in die DSDS-Suppe bringt: Marvin Cybulski fällt mir hier ein und 2009 Holger Göpfert, das Tier.

    Aber nun genug der Vorreden, springen wir hinein in die heutige letzte Ausgabe von DSDS in der achten Staffel. In einem länglichen Trailer sehen wir die beiden Finalisten Sarah Engels und Pieterro Lombardi, die privat ein Paar sind, wie sie sich in ihrem Kandidatenhaus angeblich böse zoffen, erst nur verbal, dann sogar physisch inklusive der Verbrennung von Garderobeninventar des jeweils anderen. Naja, das ist natürlich alles nur (schlecht) gespielt, in Wirklichkeit sind die beiden langweilig einträchtig. Wir schalten um, befinden uns nun live in der Halle und blicken in das etwas feist gewordene Gesicht von Marco Schreyl, der den Abend gewohnheitsmäßig mit einer Kolossalansage startet. Er nennt DSDS dabei “die Mutter aller Samstagabendshows”, was wohl Rudi Carrell, Peter Frankenfeld und Hans-Joachim Kulenkampff im Grabe rotieren lassen dürfte. Fernanda Brandao und Patrick Nuo zelebrieren ihren jeweiligen Einzug als vorerst letzten Auftritt in der Öffentlichkeit, dem nach Dieters heutiger Ansage per Blödzeitung zumindest hier bei DSDS auch keine weiteren mehr folgen dürften. Fernanda kommt im knappen Kleid durch ein Spalier riesiger Fächer, sehr cool, während Patrick wie immer im jugendliche Leichtsinn auf die Bühne gerannt kommt, dabei aber diesmal ins Straucheln gerät, ungünstigerweise direkt vor der Kamera. Die RTL-Regie schaltet sofort um auf die Totale und so sieht man nicht genau, ob er wirklich auf die Nase fällt oder nicht. Jedenfalls war das eher ein nicht so gelungener letzter Auftritt. Dieter Bohlen kommt hinterher mit Jeans und Frackjacke bei dramatischer Musik und Feuerwerk ins Studio, das Publikum spendet ihm stehend Applaus.

    Nun sehen wir alle unsere verflossenen Mottoshow-Kandidaten dieser Staffel wieder; sie singen und performen zusammen den Titel “Higher” von Taio Cruz und Kylie Minogue. Dies ist eine 1:1-Wiederholung der Anfangsnummer der ersten Liveshow (Top 15). Schön zu sehen und zu hören ist dabei übrigens die stark unterschiedliche Beliebtheit der Kandidaten: bei Strophen von Ardian Bujupi oder Sebastian Wurth kreischt das Publikum, Anna-Carina Woitschack hingegen wird dagegen ohne jede akustische Regung zur Kenntnis genommen (aber wenigstens nicht ausgebuht). Die Puppenspielerin hat halt vom RTL-Drehbuch die Rolle des intriganten Luders bekommen, Pech gehabt…

    Danach erscheinen endlich die heutigen Finalisten, Pietro Lombardi und Sarah Engels. Sie singen zu einer atemberaubenden grünen Lasershow gemeinsam eine blöde Diskoversion von “Time of my Life” aus dem Heul-Film “Dirty Dancing”, wobei Pietros Strophen eher ungewöhnlich klingen, vorsichtig ausgedrückt (“… Time of my li-hi-hi-hi-ve…”). Beide kommen heute in schwarz-roten Klamotten, sie im geringelten Kleid, er im quietscheroten “Spielanzug” mit schwarzem Shirt und Basecap.

    In der ersten von drei Runden singen beide Finalisten ihren “Herzenssong”. Bei Sarah Engels ist das “How will I know” von Whitney Houston, der mir auch aufgrund ihrer Nicht-Performance eher nur durchschnittlich gefällt. Egal, Patrick Nuo, demnächst arbeitslos, hat es “gigantisch” gefallen und er säuselt etwas von Weltkarriere und “Queen of Pop”. Auch Fernanda kann sich vor Lob kaum noch auf dem Stuhl halten. Dieter lästert dann zunächst etwas über Whitneys Drogenprobleme und kann sich dann angeblich vorstellen, dass Sarah selbst “eine kleine Whitney Houston” werden könne, wobei er vermutlich nur deren musikalische Qualitäten im Auge hat.

    Pietro Lombardis Herzenssong “Dance with my Father” von Luther Vandross finde ich auch wieder… na, sagen wir: anstrengend. Das, was die Jury “Pietros Interpretation” oder kurz “Lombardisierung” nennt, könnte man auch Vermackelung nennen. Der Kandidat ist offenbar nicht in der Lage, lange Töne zu singen, eiert bei jedem Ton um die richtige Note herum und scheint seine Intonation auch gar nicht steuern zu können. Also richtig Respekt hätte ich, wenn Pietro mal einen einzigen Titel ohne seine Verschnörkelungen singen würde, nur um zu zeigen, dass er auch so etwas auch kann. Wenn er das schaffte, würde ich ihm sofort zubilligen, dass seine Eiereien wirklich eine Art Interpretation darstellen und die Klappe halten. So aber bin ich überzeugt, dass Pietro gar nicht richtig singen kann. Punkt. Jury und Publikum sind anderer Ansicht, nach Dieters lobender Kritik gibt es minutenlange “Pietro”-Sprechchöre.

    In der zweiten Runde folgen olle Kamellen: Jeder darf seinen Lieblingstitel aus der Staffel noch einmal zu Gehör bringen. Sarah Engels beginnt mit “Run” von Leona Lewis, den wir bereits aus der von RTL verpatzten Top-6-Show kennen. Der Auftritt ist allererste Sahne, hier passt einfach alles: Stimme, Musik, Kostüm, Bühnenbild, Beleuchtung. Zum Ende des Songs hin wird die Sängerin auf einer Hebebühne 5m in die Höhe gefahren und sieht dort mit ihrem von Ventilatoren durchgepusteten weißen Flatterkleid so aus, wie sich Dieter einen Engel vorstellt. Das Publikum feiert sie frenetisch und fordert lautstark eine Zugabe, zu der es aber natürlich nicht kommt. Patrick urteilt nachher, dies sei “die brutalste Nummer aller Zeiten” gewesen, was er durchaus als Lob meint. Fernanda spricht ebenfalls von ihrem “schönsten Auftritt jemals bei DSDS”, es sei einfach unfassbar. Und auch Onkel Dieter spricht von einem himmlischen Auftritt.

    Pietro Lombardis zweite Nummer ist… man kann es fast nicht mehr hören… “Qué Será, Será”, das wir damit in dieser Staffel bereits zum dritten Mal hören müssen. Das sowieso schon sehr bunte Bühnenbild wird dabei zusätzlich durch einen Haufen Kinder bevölkert, die neckisch um den singenden Swarovskisteine-Kleber herumtollen. Doris Day würde ihren 50er-Jahre-Hit in der lombardischen Version vermutlich nicht mehr erkennen, aber das Publikum und die Jury lieben die 2011er-Fassung offenbar. Dieter ergeht sich in Lobeshymnen, als er Pietros Weg vom Loser ins DSDS-Finale für die vergesslichen Zuschauer in einem Satz zusammenfasst.

    Vor der dritten und letzten Runde gibt es eine Zusammenstellung der sogenannten Staffelhöhepunkte der beiden Kandidaten. RTL versucht mit allen Mitteln, die heutige Show zu strecken, denn mit den sechs Titeln allein kann man ja schlecht zweieinhalb Stunden Sendezeit füllen. In einer eingespielten Sequenz sucht Pietro zunächst lange nach dem Begriff “Schmetterlinge” und grübelt dann ernsthaft darüber nach, ob diese zu den Vögeln gehörten oder Insekten seien. Man hört das Saalpublikum im Hintergrund lachen und prusten, aber für diese Verpeiltheit liebt man den Halbitaliener. Seine naive, weltfremde Art ist es, die mich so sehr an den unbedarften Big-Brother-Helden Zlatko erinnert, wie in der letzten Woche beschrieben. (Hier übrigens eine kleine Reiseempfehlung: Wer mal so richtig die Beine baumeln und den Verstand komplett ausschalten will, sollte nach Karlsruhe fahren. In seiner Heimatstadt seien alle so wie er, da fiele er gar nicht auf, erzählt Pietro nämlich freimütig…)

    Als Bonus-Publikumsbeglückung singen die Kandidaten nun im Duett “We’ve got tonight” von Kenny Rogers. RTL will damit wohl so subtil wie möglich auf die Romanze der beiden anspielen. Auf der Bühne erkennt man im wabernden Trockeneisnebel einen mannshohen goldenen Ring, Pietro trägt einen Zylinder (zur Adidas-Trainingsjacke!), Sarah hat noch immer ihr langes weißes Kleid an und eine weiße Tüllblume im Haar, die von Ferne die Assoziation eines Brautschleiers erlaubt. Und ich bleibe dabei: Pietro kann nicht singen, jedenfalls nicht auf Befehl. Die Jury, insbesondere Dieter, wirkt hinterher sehr ergriffen. Der Poptitan verspricht in einer emotionalen Aufwallung, er werde bei einer möglichen Hochzeit von Sarah und Pietro gern Trauzeuge sein und würde ihnen auch die Ringe bezahlen. Das ist ja ganz großes Kino, der ansonsten immer recht geizig wirkende Bohlen hat also in einem verschrumpelten Winkel seiner Seele doch noch einen Rest Romantik gefunden. Vielleicht können sich Patrick und Fernanda ja an diesem Gedanken wärmen, wenn sie am Montag in der Schlange vorm Arbeitsamt stehen…

    Und wo Dieter gerade mal in Fahrt gekommen ist, wirbt er schon jetzt für die Teilnahme an der nächsten DSDS-Staffel, bei der dann übrigens der Gewinner 500.000 Euro “bar auf die Kralle” kriegen soll. Dieser Betrag werde aber für den heutigen Gewinner oder die Gewinnerin allein durch die Plattenverkäufe auch minimal drin sein, eher mehr, meint er. Und man werde im nächsten Jahr die Altersgrenze von bisher 30 Lenzen auch nicht mehr ganz so streng sehen, zwinker, zwinker. (Und damit ergeben sich auch neue Perspektiven für Dauerkandidat Menderes, wie er sein ohne Castingreinfälle sinnentleertes Leben bis zur Rente noch füllen könnte…)

    In der letzten Runde erfolgt traditionell der musikalische Stapellauf für ein neues Werk von Dieter Bohlen. Ja, der Titan von Tötensen lässt sich alljährlich herab, seine beiden Akkorde neu durchzuquirlen und frech umetikettiert als “Siegertitel” herauszubringen. Beide Finalisten müssen das betreffende Stück einmal vorsingen und Dieter darf gerührt tun, wenn sich sein musikalischer Genius und das vermeintliche Talent des neuen Superstars hier erstmals auf der Bühne vereinen. Seine Freude hat nebenbei auch noch ganz irdische Gründe, denn die GEMA-Gebühren für das mehrmalige Absingen in der heutigen Sendung (und auch in den Wiederholungen) sowie vor allem die Einnahmen aus der daraus produzierten Single wandern samt und sonders in den eh schon prallvollen Geldspeicher von Dagobert Bohlen. Und wenn man dann auch noch an seine vermutlich ebenfalls nicht unerhebliche Gage als Juror denkt, kriegt man wirklich Tränen in den Augen.

    Onkel Dieters Titel heißt diesmal “Call my Name” und ist genau so seicht, wie ich vorher schon vermutet hatte. Die Melodie flutscht Gott sei Dank schneller wieder aus dem Ohr, als ich sie mir merken kann. Glück gehabt! Nur dass das Lied eine verdächtige Ähnlichkeit hat zu “Marchin’ on” von OneRepublik, das habe ich behalten… Sarah Engels steht dazu auf der Bühne in einem sich drehenden, mit Lichterketten umwickelten Gestell, das mich sofort an eine Qualle erinnert. Patrick und Fernanda bemühen hinterher noch einmal alle positiven Floskeln, derer sie habhaft werden können, um den gerade gesehenen Auftritt angemessen beschreiben zu können. Dieter brabbelt etwas von “Gänsehaut, volle Kanone”, welch Wunder…

    Der anschließende Auftritt von Pietro Lombardi mit demselben Lied fördert für mich keine neuen, womöglich hörenswerten Aspekte des Bohlenschen Machwerks zutage. Und auch nicht von den begrenzten musikalischen Fähigkeiten des Delinquenten. Aber um solche Kleinigkeiten, wie z.B. “Können”, geht es bei DSDS ja auch gar nicht und das offenbar ebenso unmusikalische Publikum jubelt hinterher wie bekloppt. Patrick und Fernanda verbrauchen in ihrer allerletzten Kritik in diesem Format alle noch übrig gebliebenen Lobesworte und bleiben damit als weichgespülte, gekaufte Claqueure von Bohlens Gnaden in Erinnerung, die in der nächsten Staffel leicht ersetzt werden können. Das abschließende Live-Interview von Marco mit Pietro auf offener Bühne geht wieder in die Hose. Der Kandidat versteht die einfach formulierten Fragen offenbar nicht und antwortet ziemlich verquer, sofern man ihn überhaupt verstehen kann (“Ja, ich denk’ hier, äh, keine Ahnung”).

    Nun ist alles gesagt und gesungen worden, springen wir weiter in die Ergebnisverkündung. Also, der Sieger ist… Upps, nö, zurück, so schnell geht es dann doch nicht, vorher müssen wir noch eine Prüfung der besonderen Art über uns ergehen lassen, denn Menderes Bagci tritt auf, der Lieblingsfußabstreifer von Dieter Bohlen. Er hat das Ausscheiden im Recall wohl noch nicht ganz verwunden und darf sich deshalb hier heute Abend vor den wehrlosen Zuschauern noch einmal an seinem damaligen Genickbruch-Titel “Yummy, Yummy, Yummy” von Ohio Express versündigen. Das Ergebnis seiner mehrmonatiger Überei ist zwar für die Ohren recht dürftig, jedoch entschädigt Menderes dafür Augen und Zwerchfell mit einer wilden Performance zwischen Discodance und Moon Walk in Karaoke-Qualität. Die DSDS-Tänzer bemühen sich erkennbar – aber vergeblich – mit dem Sänger im Rhythmus zu bleiben. Der läuft dann auch noch mittendrin zum Jurytisch und schüttelt Fernanda die Hand, warum auch immer. Hinterher ist die Erleichterung über das Ende des Titels im Publikum groß, es wird anerkennend geklatscht und Dieter Bohlen verpasst dem ewigen Loser dann einen fulminanten Ritterschlag: Er habe noch niemanden mit so einem Kämpferherz gesehen wie Menderes – und dafür habe er ihn lieb! Diese Stelle der Show wird sich Menderes bestimmt als Dauerschleife immer und immer wieder ansehen bis die Augen bluten. Und Mark Medlock vielleicht auch, denn entgegen der Tradition tritt Bohlens Geschöpf heute nicht mit einem neuen Sommerhit auf.

    Dann ist es endlich soweit, Doktor Fleischhauer kommt mit einem goldenen Umschlag aus der RTL-Telefonzentrale und liefert Marco Schreyl darin das Ergebnis der Zuschaueranrufe. Der genießt den Moment der Macht, etwas zu wissen, was sonst noch kein Zuschauer weiß. Er lässt die Kandidaten auf der anderen Bühnenseite Aufstellung nehmen und dann beginnt sein verbales Waterboarding. Während Marco die Sätze unerträglich in die Länge ziiiiiiieht, sterben Sarah und Pietro schwer atmend tausend Tode und vergießen vor Aufregung das eine oder andere Tränchen. Die Halle ist in dramatisches blaues Licht getaucht, im Hintergrund hört man wortlose, elektronische Chöre und vorne labert Marco und labert und labert. Er rekapituliert die DSDS-Lebensgeschichte beider Finalisten, beginnend beim Urknall des Casting über den Recall bis hin zu den Mottoshows. Und labert und labert und labert. Zwischendrin blendet man das Publikum ein. Die Angehörigen leiden mindestens so viel wie die Kandidaten und wenn das noch lange weitergeht, kann Pietro in der nächsten Woche wohl zur Beerdigung seiner Oma fahren, die sieht nämlich echt fertig aus. Und Marco labert und labert und labert. Und noch ein unnützer Satz und noch eine sprachliche Pirouette und schließlich, nach unendlichen 9 Minuten und 45 Sekunden (persönlich mitgestoppt!), rückt er mit dem Ergebnis raus: Pietro Lombardi gewinnt die Staffel mit 51,9% aller abgegebenen Stimmen!

    Meine Güte, was bin ich überrascht, das konnte man ja beim besten Willen nicht voraussehen, dass Bohlens Liebling gewinnen würde… es sei denn, man hätte in den letzten Wochen DSDS geguckt oder diesen Blog gelesen. Sofort stürzen die anderen Mottoshow-Kandidaten auf die Bühne und umarmen den restlos verdatterten neuen Superstar, dem laut RTL-Inszenierung offenbar einzigen Menschen im Universum, der das Ergebnis nicht vorher geahnt hatte. Aus dem anschließenden Interview mit Marco Schreyl wird leider nichts, weil Pietros Gehirnzellen beide streiken und die Speichererweiterung unter der Basecap muss wohl auch neu gebootet werden. Als erste “Belohnung” für den Staffelgewinn darf er nun noch einmal den Bohlenschen Siegertitel singen, der in den Online-Downloadcharts in der Stunde zwischen Mottoshow und Ergebnisblock bereits aus dem Stand auf den ersten Platz gestiegen ist. (Es macht sich schon bezahlt, dass Mama Bohlen in Oldenburg von ihrem stinkereichen Sohnemann zu Weihnachten einen Internetanschluss bekommen hat…) Sarah erscheint dazu mit einem großen Blumenstrauß auf der Bühne, Pietro legt ihr den Arm um die Schulter und gemeinsam vermitteln sie ein brechreizerregendes Gefühl großer, aber total aufgesetzter Harmonie. Dieter nickt mit dem Kopf hin und her und freut sich anscheinend auch über die jetzt hereinbrechende Penunzeflut.

    Mit den letzten Tönen des Liedes kommt der Abspann und damit geht diese Sendung und damit die ganze Staffel zu Ende. Endlich! Ich muss ehrlich sagen, das war leider einer der schwächeren DSDS-Jahrgänge – und ich habe fast alle gesehen. Keine großen Stars oder wenigstens Sternchen in Sicht, keine epischen Auseinandersetzungen zwischen den Kandidaten oder mit Dieter, dafür viel Langeweile und ein seit Monaten vorhersagbares Ergebnis mit einem musikalisch sehr schwachen Sieger. Und ein Chefjuror, der aus seiner Befangenheit und Voreingenommenheit für einzelne Kandidaten keinen Hehl macht und auch nicht aus seiner Missbilligung von abweichenden Meinungen anderer Jury-”Kollegen”. DSDS als One-Man-Personality-Show eines professionellen Casting-Show-Richters (bald kommt wieder “Deutschland sucht das Supertalent”), das macht auf die Dauer keinen Spaß!

    So, damit ist jetzt auch dieser überlange Beitrag am Ende angelangt. Ich wünsche Euch allen einen schönen Sommer und vielleicht liest man sich hier ja mal wieder!

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  • DSDS (RTL) 01.05.2011 No Comments

    Schöne Walpurgisnacht gehabt zu haben, liebe Hexen unter den DSDS-Fans,

    falls Ihr Euch heute tatsächlich auf den Besen geschwungen und eine nächtliche Reise zum Blocksberg im Harz unternommen haben solltet, dann war das eine gute Wahl, denn vom Halbfinale von “Deutschland sucht den Superstar” kann man diesmal nur wenig interessantes berichten. Vielleicht ist das auch kein Wunder, denn die ganze DSDS-Maschine läuft schon seit Beginn der Mottoshows bestens geölt nach dem altbekannten Muster. Hier ein Skandälchen in der Blöd-Zeitung, dort ein kleiner Aufreger wegen angeblich versehentlich falsch eingeblendeter Anrufnummern, Ekstase mit Verletzten bei der Autogrammstunde, Antipathien und Liebeleien unter den Kandidaten, auf der Bühne Bewegungsmuffel in Leichenstarre, Leute mit pathologischem Zappeldrang und schlimme Textvergesser, im Publikum peinliche Freunde und Verwandte und stolze Omas, eine ungerechte Jury aus Dieter Bohlen und zwei austauschbaren Laienrichtern ohne relevante Meinung, Dieter hingegen hat und bevorzugt völlig ungeniert seine Lieblinge, als Moderator fungiert ein nerviger Wichtigtuer mit chronischem Sprechdurchfall, der eigentlich gar nichts zu sagen hat, es aber immer noch nicht merkt, usw. usf., halt das übliche Programm.

    Kennst Du eine Staffel, kennst Du alle. Das Schlimme ist: am Ende kommt immer das selbe dabei heraus, nämlich KEIN Superstar, sondern nur ein naiver Gewinner mit bemitleidenswert großen Hoffnungen auf eine echte Karriere im Musikbusiness, die in den Wochen nach dem Finale als heiße Luft verpuffen. Wenn der oder die Staffelgewinner(in) ganz viel Glück hat, springt dabei eine kurzzeitige Top-Platzierung des Siegertitels heraus, danach geht’s abwärts und wir sehen uns wieder in der großen RTL-Recyclinganlage, wo die abgenudelten Beinahestars dann für Sekunden als Stichwortgeber unten links in der Bildschirmecke bei der “ultimativen Chartshow” (schon der Titel dieser Serie ist ein Widerspruch in sich) erscheinen und bei den Zuschauern ein kurzes Grübeln nach dem Motto “war das nicht…?” hervorrufen.

    Okay, okay, für Mark Medlock gilt das offensichtlich nur teilweise. Der hat seine Seele vor einigen Jahren an den Teufel aus Tötensen verkauft und muss seitdem als Untoter in jedem Jahr beim DSDS-Finale auftreten und einen von Dieter Bohlen selbst verfassten Aufguss aller beiden ihm bekannten Akkorde als Sommerhit-Persiflage vortragen. Den Medlock sehen wir nächste Woche bestimmt auch wieder, hört auf meine Worte…

    Normalerweise wäre heute das Finale dieser Staffel gewesen, aber Papa Bohlen bekam vor einigen Wochen beim Blättern in der Programmzeitung wohl gehöriges Fracksausen, denn da sah er doch plötzlich nebenan in der Spalte “ZDF” die Ankündigung der letzten regulären Ausgabe von “Wetten, dass…?” mit Thomas Gottschalk auf dem Festland. (Eine allerletzte Ausgabe folgt noch im Sommer irgendwo auf einer der Deutschen liebsten Insel.) Auch wenn ich persönlich nicht glaube, dass Menschen, die sich ernsthaft für Typen wie Pietro oder Ardian begeistern, wegen der Abdankung eines 60jährigen Show-Mummelgreises mit Frisöraversionen auf den Gerontenkanal wechseln, so wollte Onkel Dieter vermutlich trotzdem auf Nummer Sicher gehen. Man inszenierte deshalb bekanntlich bei der Top-6-Show die Nummernverwechslung und wiederholte dann den ganzen Quatsch mit allen Protagonisten eine Woche später, womit sich alle nachfolgenden Shows um eine Woche verschoben.

    Heute nun also ist der Kreis der Superstar-Aspiranten auf drei zusammengeschrumpelt. Noch im Rennen sind Pietro Lombardi, ein leicht debiler Hallodri, der beweist, dass man auch mit einem zweistelligen IQ noch gut drauf sein kann, Ardian Bujupi, der trotz seiner sorgfältig kultivierten Macho-Allüren nicht müde wird, sich gleichzeitig als Frauenversteher aufzuplustern und dessen überheblich-stolzes Gehabe bei einem möglichen Finalsieg ich mir schon jetzt bildlich vorstellen kann. Und dann gibt es noch Sarah Engels, die bereits ausgeschieden war, aber wie Phönix aus der Asche zwei Wochen später zu DSDS zurückkehrte und seitdem offenbar unverwundbar jede Mottoshow verdient überlebt hat.

    Normalerweise ist für jeden mit der Bravo einigermaßen Vertrauten klar, dass Pietro diese Staffel gewinnen wird, denn seine Anhängerschaft ist einerseits schon im wahlfähigen Alter (äh, ich meine natürlich die Bedienung eines Handy, keine politische Wahl), darf aber andererseits Samstagabend noch nicht allein auf die Piste. Da bleibt ja nur noch das Anhimmeln von Jungs aus der Ferne per Telefon. Aber, so hat jetzt die Blöd-Zeitung spitzfindig verkündet, die Anhängerschaft des in der letzten Woche (ziemlich beleidigt) ausgeschiedenen DSDS-Opas Marco Angelini (26 Jahre!!!) bestehe wohl überwiegend aus jungen Frauen oberhalb des Teeniealters und suche nun nach einem neuen Star. Da böte sich vermutlich eher der (aber nur etwas) reifer wirkende Ardian an, als der niedlich-schusselige Teletubbie Pietro. Und außerdem spreche gegen den notorischen Basecap-Träger, dass er und Sarah sich in der letzten Woche als Liebespaar geoutet hätten, was ja naturgemäß alle schwärmerisch veranlagten Fans vor den Kopf schlagen dürfe. Und so könne es sein, dass sich die Waage heute zugunsten des Kosovo-Deutschen senke, sagt das Hamburger Intelligenzblatt mit den großen Buchstaben und der vielen Farbe. Mal sehen, ob diese Rechnung aufgeht.

    Marco Schreyl stellt wie immer das Jury-Team vor, als werde er nach Dezibel bezahlt. “Fernanda Brandao“, brüllt er, “die hauseigene Sexbombe”. Die so Angekündigte erscheint – wie immer – mit einem noch knapperen Kleid als in der letzten Show, mal sehen, wann der Rocksaum oberhalb des Bauchnabels landet… Patrick Nuo kommt – ebenfalls wie immer – laufend auf die Bühne und klatscht Marco mit High five ab, wohl um seine überbordende, jugendliche Vitalität unter Beweis zu stellen, dabei geht er auch schon langsam auf die 30 zu, der Gute. Für Dieter Bohlen, den RTL-Übermenschen, bricht die bisherige Musik ab, die Beleuchtung wechselt auf dunkelblau und der Poptitan marschiert durch ein Spalier roter Bengalfackeln in die Halle. Gemessen an diesem Tammtamm, erscheint das altbackene schwarz-weiß-karierte Sakko ein paar Nummern zu profan für einen Superhelden seines Kalibers, aber das ist ihm vermutlich total Wurscht, denn wo er ist, da ist oben und was er tut, das ist wohlgetan.

    Mit David Guettas “When Love takes over” erscheinen nun endlich die drei Hauptakteure des heutigen Abends auf der Bildfläche. In einem wahren Gewitter grüner Laserstrahlen werden sie in Kästen auf die Bühne herabgelassen und trällern dabei ihr Liedchen. Das Publikum verzeiht seinem Liebling Pietro dabei auch einige schräge Töne. Übrigens habe ich nicht mitgekriegt, ob und wenn welches Motto die heutige Show hat, ist aber eigentlich auch egal.

    Ardian Bujupi macht diesmal den Anfang und singt die Fußballhymne “Wavin’ Flag” von K’naan, wobei die RTL-Regie wieder ein optisch sehr beeindruckendes buntes Bühnenbild liefert, in dem die DSDS-Tänzer dann auch noch bunte Fahnen schwenken dürfen. Die Jury ist zufrieden und verrät dann auch noch, dass der Kandidat gerade in dieser Woche seinen 20. Geburtstag feierte, worauf die Halle – natürlich völlig spontan – “Happy Birthday” anstimmt.

    Nummer Zwei ist Sarah Engels. Sie bringt heute mit “Lady Marmalade” von Labelle (und diversen Cover-Künstlerinnen) einen textlich nicht ganz jugendfreien Knaller aus den 70ern. Passend dazu trägt sie ein kurzes rotes Kleid und auch die gesamte Bühne ist in rotes Licht getaucht. Der Auftritt läuft grandios, die Jury lobt hinterher besonders ihren Gesang, vermisst aber mal wieder ein paar Bewegungen. Dieter macht ihr dann jedoch ein ganz ungewohntes Kompliment: “Das hatte Niveau und Du hast das toll verkauft.”

    Als Dritter betritt Pietro Lombardi die Bühne. Auch wenn er das zu Beginn ausdrücklich vermeiden wollte, so ist er mittlerweile doch der erklärte DSDS-Clown, den kein Zuschauer wirklich Ernst nimmt. Heute beginnt er mit Elton Johns König-der-Löwen-Titel “Can you feel the Love tonight”, den wir von ihm übrigens schon aus dem Recall kennen. Tja, wenn ich ehrlich bin, verhunzt er den Song nach Strich und Faden, kaum ein Ton ist in Höhe und Länge wirklich richtig und sein Englisch bemerkenswert schlecht, aber was macht das schon, solange dies von Bohlen & Co. als Ausdruck künstlerischer Interpretation betrachtet wird. Patrick Nuo bemerkt die technischen Probleme in seiner Kritik und wird dafür vom Publikum gnadenlos ausgebuht. Dieter Bohlen dreht das dann unter dem großen Jubel des Saalpöbels genau um, bezweifelt gar, dass er und Patrick überhaupt dieselbe Show sähen. Die darauf folgenden zustimmenden Sprechchöre dauern mehrere Minuten und lassen betrübliche Rückschlüsse über den Geisteszustand der Anwesenden und erhebliche Zweifel bezüglich einer Verlängerung von Patricks Vertrag für die nächste Staffel aufkommen.

    Vor dem nächsten Block sehen wir in einem Einspieler, wie Ardian und Marco in der letzten Woche mit einem Kunstflieger zusammen einen Flug absolvieren. Genauer gesagt, ist der bei Marco bereits auf der Startbahn zuende, denn der Pizzabäcker schreit beim ersten Gasgeben schon panisch “Stopp, stopp!!!” und der Pilot bricht daraufhin tatsächlich den Start ab. Buttermemme! Ardian ist natürlich ein cooler Macker (“isch liebe Risiko!”) und zeigt sich seinen weiblichen Fans als ganzer Mann, den auch so ein rasanter Kunstflug nicht wirklich aus der Ruhe bringt. Naja, wer weiß, den Füllstand seiner Kotztüte bzw. Unterhose zeigt uns RTL jedenfalls nicht… Später im Studio ist Joel, einer der megacoolen Gang-Kumpel von Ardian, zum Interview da und zeigt Marco Schreyl stolz wie Oskar seine schicke Sonnenbrille, über die er sich ganz offensichtlich definiert. Ich habe ein Déjà-vu, in der letzten Woche kam doch schon so ein kurz- bis gar-nicht-haariger Typ und laberte nur über seine verspiegelte Sehhilfe, haben die Bujupi-Blutsbrüder denn alle ‘ne Brillenmacke???

    Nachdem nun also dem Ego von Ardian Bujupi ausführlich gehuldigt wurde, singt er den Titel “Loving you is killing me” von Aloe Blacc. Okay, der Auftritt ist ganz passabel, sowohl stimmlich, als auch von der Performance her. Ardian hat musikalisch wirklich was drauf, auch wenn mich die vielen anderen Facetten seiner Persönlichkeit eher abstoßen, aber ich muss ja schließlich nicht für ihn anrufen. Patrick und Fernanda sind von dem Auftritt begeistert, Dieter sieht das aber mal wieder anders, der Titel habe gut angefangen, sei später im Abgang aber langweilig geworden, urteilt der Überexperte.

    Auch Sarah Engels hatte in der letzten Woche ein spannendes Erlebnis, sie durfte nämlich beim Eishockeyspiel Deutschland gegen Weißrussland vor gefühlt 100 Milliarden Menschen live die Nationalhymne singen. Schadenfroh erinnern wir uns an das Fiasko ihrer Namensschwester Sarah Connor (“Brüh’ im Lichte dieses Glückes”) und registrieren deshalb anerkennend und ein klein wenig enttäuscht, wie souverän und ohne jegliche Textpatzer “unsere” Sarah heute ihren Job erledigt. Dafür, dass Deutschland das Spiel hinterher verlor, kann sie wohl nichts… Wieder im Hier und Jetzt singt Sarah “One Day in your Life” von Anastacia, wieder völlig ohne Fehl und Tadel, Respekt! Die Jury ist des Lobes voll; vielleicht sollten wir uns schon mal langsam an den Gedanken gewöhnen, dass Sarah uns auch im Finale erhalten bleibt – welches sie dann selbstredend gegen Pietro verlieren wird.

    Bevor Pietro Lombardi seinen zweiten Titel “Wenn das Liebe ist” (von Glashaus) singt, dürfen wir ihm in einem Film beim Besuch auf einem Männerspielplatz zusehen. Der Pizzabäcker und Glassteinchenkleber darf ‘ne Runde im Bagger fahren, weil das ja angeblich der Traum aller kleinen Jungen sei. Nö, stimmt gar nicht, er habe immer Fußballer werden wollen, berichtigt der Kandidat. Trotzdem steigt er ein und bewegt unter fortwährendem Gejohle die Schaufel seines Arbeitsgeräts. Danach ist Quad-Fahren angesagt, wobei Pietro erneut viele Nebengeräusche produziert, allerdings versteht man meist nicht, was er so nuschelt und brabbelt. Ganz schön mutig übrigens von RTL, dass sie ihn hier heute trotz seiner gerade erst verheilten Fußverletzung durchjagen, aber Kommerz ist alles und da hat sich die Gesundheit im Zweifelsfall unterzuordnen. Den zweiten Titel performt der Kandidat in einer klebrig warm aussehenden Jacke aus durchsichtigem Plastikmaterial, die im Laufe des Titels ekelig beschlägt. Und in seinen ebenfalls durchsichtigen Schuhe schwappt am Ende buchstäblich und ungelogen der Schweiß! Es ist eine sehr langsame, beinahe depressive Ballade, die nicht so recht zum Clown-Image passt. Patrick bescheinigt ihm hinterher viel Gefühl, Fernanda ist sowieso immer mit allem zufrieden und Onkel Dieter hat bei Pietro nur noch blinde Flecken.

    Der dritte Durchgang startet wieder mit Ardian Bujupi. Sein letzter Titel heute ist Michael Bublés Gute-Laune-Song “Feeling good”. Er bringt ihn zwar etwas atemlos, aber dennoch souverän rüber. Ardian beherrscht seine Stimme und ist dem Kollegen Pietro damit um Lichtjahre voraus, denn er ist gut, wo der andere nur niedlich oder lustig ist. Die Jury überschlägt sich vor Begeisterung. Dieter Bohlen: “Ich habe mich bei diesem Titel nicht gut gefühlt…” [Schrecksekunde] “…, sondern fantastisch! Das war sensationell!!!”

    Sarah Engels letzter Auftritt kommt mit der Ballade “Beautiful” von Christina Aguilera. Wieder brilliert sie mit ihrer glockenklaren Stimme, ist völlig sicher in den Höhen und reißt Publikum und Jury gleichermaßen zu Beifall hin. Also, wenn die heute nicht ins Finale kommt… dann haben wohl zu viele Fans zu Gottschalk rübergezappt. Nach dem positiven Urteil verdrückt sie vor Rührung ein, zwei Tränchen an der Seite von Marco Schreyl – gerade als sie ihm und uns berichtet, dass sie jetzt alles viel leichter nehme, als vor ihrem ersten Rauswurf. Geschicktes Timing, weinende Frauen kommen beim Publikum natürlich gut an…

    Pietro Lombardi hat sich für seinen letzten Auftritt in ein rot-weiß-gestreiftes Eisverkäuferkostüm mit Strohhut geworfen und memoriert auf der Kandidatencouch vermutlich intern nochmal den Text, als ihm der Moderator plötzlich das Mikrofon unter die Nase hält. Als Marco Schreyl ihn nach dem Namen seines gleich folgenden Titels fragt, kriegt Pietro die Antwort wie immer nur gerade so eben hin, wirkt dabei total verträumt oder verwirrt und macht keinesfalls den Eindruck völliger Orientiertheit. Der seit einigen Mottoshows etablierte Running Gag, dass Pietro die Werbung ansagt, klappt auch erst im dritten Anlauf, obwohl er buchstäblich nur das Zwei-Silben-Wort “Werbung” fehlerfrei aufsagen muss.

    Überhaupt erinnert er mich in seiner Naivität und Unbedarftheit sehr an Zlatko, den prollig-verpeilten Helden der ersten Big-Brother-Staffel aus dem Jahr 2000. Der hatte keine Ahnung von irgend etwas, lebte nur für den Augenblick und vor allem hatte er leider auch keine Scheu, seine Beschränktheit öffentlich zu machen. Im Gegenteil, das ungläubige Entsetzen seiner Umwelt schien er sogar zu genießen. Seine Unkenntnis von Shakespeare (hatte den Namen wohl noch nie gehört) machte damals schon lange vor der ersten PISA-Studie jedem Zuschauer klar, dass es beim deutschen Bildungssystem noch Optimierungspotenzial gibt, um das mal freundlich auszudrücken. Aber die Zuschauer mochten das seinerzeit, endlich war da mal einer noch blöder, als sie selbst, der seine Unbildung hoffähig und auch noch zu Geld machte. Eine Welle der Sympathie schwappte durch die Medienwelt, ein Aufatmen aller, die bis dato versucht hatten, ihre Ignoranz zu verbergen. Deren Idol Zlatko hatte sogar einen Top-10-Hit, obwohl er für jeden hörbar nicht singen konnte. Erst bei dem Versuch, einen Film zu produzieren, der dann hinterher wegen des ebenfalls fehlenden Schauspieltalents nicht veröffentlicht werden konnte, begann Zlatkos Stern zu sinken. Sein Waterloo hatte er dann übrigens beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2001, als er zu Recht von der Bühne gebuht wurde und sich mit “Ihr Fotzköppe” pöbelnd, aber authentisch, von der Öffentlichkeit verabschiedete.

    Nun zurück zum DSDS-Halbfinale: Pietro singt “Mambo No. 5″ von Lou Bega, einen belanglosen, in intellektueller Hinsicht unverdächtigen Titel. Seine Fans bejubeln den Auftritt hinterher frenetisch, dabei gäbe es objektiv nicht mehr Positives zu sagen, als dass Pietro den gesamten Text behalten hat und während des Gesangs nicht von der Bühne gepurzelt ist. Wie schon öfters bemerkt, gelten für ihn hier spezielle Regeln: Er könnte auch einfach auf den Fingern pfeifen, das Ergebnis beim Publikum wäre das selbe. Und auch bei der Jury, denn Dieter hat hinter den Kulissen vermutlich jedem einen schmerzvollen Tod angedroht, der seinem Pietro etwas tut. Marco fragt den Kandidaten hinterher noch, was sich durch DSDS bei ihm verändert habe, aber leider ist die Fragestellung zu komplex, als dass Herr Lombardi darauf etwas für Außenstehende Verständliches äußern könnte. Hier meine Mitschrift seiner epochalen, zlatkoesken Antwort: “Ich habe ein bisschen … Dings… also, wer mein Casting gesehen hat… also bisschen… also die Stimme ist bisschen gebessert hat.” Kein Kommentar.

    So, Schnellvorlauf durch die Comedy-Stunde und vorbei an der XXXL-Cindy gehen wir direkt in die Urteilsverkündung. Fernanda ahnt auf Marcos hartnäckiges Befragen, dass wir diesmal ein Liebes-Pärchen oder ein Freundespaar im Finale haben werden. Tolle Vorhersage, die Frau sollte Lotto spielen… Und sie behält tatsächlich Recht, denn zuerst kommt Sarah ins Finale und dann, nachdem die Feuerwehr ihre Freudentränen von der Bühne gepumpt hat, ihr derzeitiger Freund Pietro. Und damit fliegt heute im Halbfinale Ardian Bujupi aus dem Wettbewerb. So kurz vor Schluss hat es für den charmanten Chauvi doch nicht ganz gereicht gegen den Fleisch gewordenen Bubblegum Pietro.

    Dann also bis zum großen Pärchen-Finale – und wir alle wissen ja schon, wer gewinnen wird, nicht wahr? :-)

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