• DSDS (RTL) 10.04.2011

    Liebe Leute,

    seltsame Dinge passieren derzeit auf der Welt. Neinnein, ich spreche nicht von Japan, Libyen oder China und nicht von Atomkraftwerken, Doktortiteln oder mit Bechern beworfenen Linienrichtern, sondern von dem merkwürdigen Umstand, dass in Köln eine komplette große Samstagabendshow wiederholt werden muss, nur weil irgend so eine Torfnase in der RTL-Redaktion für einen Moment nicht aufgepasst hat. Ja richtig, “Deutschland sucht den Superstar” geht heute ein zweites Mal mit den Top 6 an den Start, denn am letzten Samstag wurden für einen kurzen Moment die Anrufnummern von Marco Angelini und Zazou Mall vertauscht angezeigt. Vermutlich hatte RTL dabei das Muffensausen gekriegt und diplomatische Verwicklungen befürchtet. Immerhin kommen die beiden Kandidaten aus unseren geschätzten südlichen Nachbarländern, da will man die – trotz Eurovision Song Contest – über Jahrzehnte mühsam aufgebaute kulturelle Verbundenheit nicht einfach so aufs Spiel setzen, nur weil ein Fernsehpraktikant bei RTL zur falschen Zeit ein Nickerchen gemacht hat. Papa Bohlen hat also entschieden, dass DSDS diesmal in die Verlängerung geht, die Top-6-Show wiederholt und das Finale vom 30.04.2011 um eine Woche auf den 07.05.2011 verschoben wird. “Zufällig” löst er damit noch ein zweites Problem, denn am 30.04.2011 präsentiert Opa Gottschalk im ZDF (mal wieder) seine letzte “Wetten, dass…?”-Sendung. Auch wenn das normalerweise nur ein Event für die Kukident-Fraktion ist, die den vom Zivi angeknipsten Fernseher nicht mehr allein auskriegt, könnte es vielleicht doch sein, dass der eine oder andere aus der DSDS-Zielgruppe an diesem besonderen Abend mal im Gerontenkanal fremdsieht. Sicher ist sicher, hat Übergotttitan Dieter Bohlen sich gedacht und dabei nicht zuletzt wohl auch ein wenig die pekuniären Aspekte der Sache betrachtet: Der Mann geht so langsam auf die Rente zu und ist gerade zum fünften Mal Vater geworden. Kinder kosten viel Geld, Freundinnen, Ex-Freundinnen und Ex-Gattinnen auch und andererseits hat er die erste Milliarde Euro noch immer nicht ganz zusammen, da kommt man echt ins Grübeln und vielleicht auch auf komische Gedanken: Eine Show mehr bedeutet nämlich auch einmal Honorar mehr! Wollen wir also mit Onkel Dieter heute nicht so streng sein, auch wenn die Begründung für die heutige Show-Wiederholung noch so fadenscheinig wirkt, es ist für eine gute Sache, nämlich für die Bohlensche Rentenkasse.

    RTL hat auf die Ereignisse der letzten Woche superflexibel reagiert und die interne Denkfabrik angeworfen. Nach tagelangem Grübeln hat man wie aus dem Nichts ein hochinnovatives Motto für diese eigentlich ungeplante Show zusammengezimmert, das einem allergrößten Respekt abnötigt: Hieß es beim missglückten Erststart der Top 6 in der Vorwoche noch “England gegen Deutschland”, so ist man diesmal auf das Motto “Europa gegen Amerika” verfallen. Superidee. Mal sehen, was die nächste Woche machen, wenn das heute nochmal schief geht, “Australien gegen Afrika” würde mich mal interessieren…

    Der neuerdings immer etwas ranzig-unrasiert aussehende Marco Schreyl ist leider heute Abend auch wieder dabei und stellt sich vor als “Lieblingsprügelknabe aller Hobbykritiker” – upps, ich fühle mich ertappt… ;-) Dann begrüßt er die Jury-Menschen, allen voran die “Venus von DSDS”, mit bürgerlichem Namen Fernanda Brandao, und als zweiten “Mister Fantastic” Patrick Nuo. Beide kommen zur Befriedigung ihres cool-jugendlichen Egos fahnenschwingend als Sozius auf Motorrädern auf die Bühne. Dieter Bohlen ist über derlei juvenile Eskapaden schon seit Jahrzehnten hinweg und steht zu seinem biblischen Alter. Wenn man den Geschichtsbüchern der angeblich goldenen Achtziger trauen darf, hat er seine erste Million noch in D-Mark gemacht, als dauergrinsender, stummer und völlig talentfreier Gitarrist zusammen mit einer langhaarigen Indianer-Squaw mit komischer NORA-Halskette in einem Pop-Duo namens “Modern Talking”. Ja, damals war die Musik im Radio noch schwarz-weiß und vor allem öffentlich-rechtlich. Vom RTL-Fernsehen weit und breit keine Spur und Marco, Fernanda und Patrick waren zu diesem Zeitpunkt noch Quark im Schaufenster. Wie ein übriggebliebenes Fossil hat sich Dieter Bohlen aus dieser dunklen Vorzeit ins Jahr 2011 hinübergerettet. Das Publikum zollt ihm Respekt, wie er so ganz schlicht ins Studio kommt, eine Hand lässig in der Hosentasche, mit der anderen den Zuschauern freundlich zuwinkend.

    Der musikalische Teil des Abends beginnt mit dem traditionellen Gruppengesang der DSDS-Überlebenden. Die sechs Kandidaten führen ihre sehr ansprechende Version von David Guettas “Wo’s that Chick?” auf. Abwechselnd übernehmen sie dabei für kurze Momente die Rolle des Lead Vocal und man kriegt anhand der jeweils aufbrandenden Begeisterungsstürme schnell mit, wer die größte – oder zumindest lauteste – Anhängerschaft im Saal hat. Das sind ganz klar Pietero und Ardian und etwas abgeschlagen Sebastian.

    Sebastian Wurth startet dann die erste, europäische Hälfte der Mottoshow. Er singt den Titel “You and me” des belgischen Singer-Songwriter Milow in College-Klamotten und mit Gitarre. Seine gesamte Choreografie besteht darin, dass Sebastian vor dem Mikrofon steht. Punkt. Der Gesang ist allerdings wie immer allererste Sahne, jede Note und der Text sitzen perfekt – und das gilt auch für das Welpen-Grinsen. Die Jury ist hochzufrieden, auch das ist bei Sebastian schon normal.

    Ardian Bujupi ist offensichtlich sehr von sich eingenommen und gibt nicht viel auf Kritik, jedenfalls nicht auf negative. Sein Song “Glow” stammt aus Norwegen von Madcon und läuft auch ziemlich gut. Es gibt eine fetzige Tanzchoreografie mit den DSDS-Hupfdolls und dabei bewegt sich Ardian auch heftig auf der Bühne mit, ganz im Gegensatz zu Sebastian vorher. Die Jury kann auch hier keine Kritikpunkte erkennen, Dieter nennt den Auftritt gar “hammermäßig”, irgendwie sei bei Ardian seit der letzten Woche wohl der Knopf geplatzt. (Und dabei kann er diesmal sogar den Vornamen des Kandidaten fehlerfrei aussprechen! Im Entscheidungsteil der Show nennt er ihn allerdings wieder “Adrian”.)

    Vor der Werbepause fängt Marco Schreyl noch ein paar wirre Worte unseres verpeilten Freundes Pietro Lombardi ein. Ob der wisse, was ein “Gig” sei. – “Hä?” – “Ein Gig!” – “Ein Dick?”… O Mann, diese Fast-Interviews sind immer an der Grenze zum Schwachsinn, diesmal sogar wieder mit einem Fuß übergetreten.

    Zazou Mall, die eidgenössische DSDS-Teilnehmerin, bringt danach eine sehr schön gesungene Version von Caro Emeralds “A Night like this”. Sie trägt ein sehr enges und kurzes Kleid im gestreiften Wespenlook und wird auf der Bühne von den mal wieder nur spärlich gekleideten Herren der Tanzgruppe Bohlen unterstützt. Patrick, Fernanda und der Rest der Welt finden den Auftritt wohl ganz gut, aber bei Dieter hat Zazou aus irgendwelchen Gründen bis in die Steinzeit verschissen. Er mag partout ihre Stimme nicht und spricht erneut von einem “ganz schlimmen Gequake”. Das Publikum buht, aber solche negativen Emotionen scheint Dieter geradezu zu lieben; er grinst fast triumphal.

    Marco Angelini, der angehende österreichische Arzt, kommt mit einem Landsmann: Er singt im weißen Anzug und mit ach-so-cooler Sonnenbrille “der Kommissar” vom seligen Falco. Den Wiener-Schmäh-Akzent kann er ja schon bauseitig und auch in der Tonlage hält er sich extrem eng an das Original. Das ist schon kein Marco-Titel mehr, sondern eher eine bestürzend gut gemachte Imitation, mehr aber auch nicht. Dieter ist entsprechend kritisch, Marcos Bonus als netter Akademiker sei verbraucht, er habe nunmal keinen Star-Appeal, was besonders im Vergleich zu Falco – den Bohlen selbstredend persönlich kannte – deutlich zu sehen sei. Oha, da beginnt nun also ein weiterer Stern zu sinken und wir alle wissen: Ohne Dieters Segen ist noch kaum jemand zum Superstar gewählt worden (geschweige denn, hinterher ein Superstar geblieben).

    Sarah Engels hat einen Titel aus Großbritannien mitgebracht: Katrina and the Waves mit “Walking on Sunshine”. Eine temperamentvolle Up-Tempo-Nummer, bei der mir heute zum ersten Mal Sarah nicht ganz souverän erscheint. Vielleicht wegen der anstrengenden Choreografie inklusive Hüftschwung wirkt ihre Stimme an vielen Stellen eine Nuance zu niedrig, was dem ganzen einen leichten Karaoke-Touch gibt. Fernanda hat das auch gemerkt und attestiert Unkonzentriertheit, auch seien der Hüftschwung und überhaupt alle Schritte mit den High Heels noch ausbaufähig. Dieter sieht wie immer alles anders. Er ist sowohl mit dem direkt vor seinem Jurytisch ausgeführten Hüftschwung hochzufrieden, als auch mit der gesanglichen Leistung.

    Pietro Lombardi beschließt mit seinem Auftritt die erste Runde der heutigen Show. Er singt “Don’t worry be happy” von der Hermes House Band, die aus den Niederlanden, also Europa, stammt. In Wirklichkeit ist das aber mal wieder eine kleine Mogelei von RTL, denn die Stimmungstruppe vom Gouda-Planeten hat den Song nur gecovert, das Original stammt von Bobby McFerrin und der ist ein waschechter US-Amerikaner aus New York City. Pietros Auftritte sind nichts für schwache Nerven, man zittert immer, ob er den Text drauf hat und die Melodie kann. Das gilt insbesondere seit dem katastrophalen Textaussetzer vom letzten Sonnabend. Angeblich hatte der Kandidat diesmal sogar seine DSDS-Karriere abbrechen wollen, wenn er den Text seiner beiden heutigen Lieder bis Freitag nicht drauf gehabt hätte. Sagt die Blöd-Zeitung – und die muss es wissen, denn bestimmt hat sie dieses Gelübde selbst erfunden. Wie auch immer, in den Sack gehauen hat Pietro nicht, sondern er steht zwar etwas ruhiger als früher, aber mittlerweile ohne Krücken, auf der Bühne und schmettert sein Lied. Auf dem Kopf trägt er die obligatorische Baseball-Dunstkiepe, bemerkenswert sind aber auch seine grasgrünen Gärtnerhosen, die ein wenig nach Clown aussehen. Musikalisch ist das nach meiner Meinung nicht gerade nobelpreisverdächtig, einige Male kann man im Refrain den Sänger nicht vom Backgroundchor unterscheiden. Dieter Bohlen hat an Pietro aber einen Narren gefressen, egal was und wie der singt, der Poptitan findet es gut und Amen. Es geht hier absolut nur noch um kommerzielle Verwertbarkeit. Der Kandidat hat großen Rückhalt bei den pubertierenden Bravo-Mädchen, ergo ist er auch für Bohlen interessant. Würde er für Zazou und Pietro die selben Maßstäbe anlegen, müsste er Pietro eigentlich anschreien. Stattdessen bastelt sich Dieter einen hanebüchenen Vergleich zusammen, der inhaltlich völlig dem Niveau des Kandidaten angepasst ist: “Jesus hatte Anhänger und Du hast Texthänger.” Die Erklärung, was er mit diesem Kalauer eigentlich sagen will, bleibt uns der Millionär aus Tötensen schuldig. Nettes Detail am Rande: Pietro erzählt Marco, dass er sich das Gipsbein selbst abmontiert habe. Eigentlich sei er noch gar nicht gesund und habe auch gelegentlich noch Schmerzen im Fuß. Ja, für die DSDS-Karriere muss man echt über Leichen gehen – und wenn es die eigene ist.

    Nun beginnt die zweite Runde, ab jetzt kommen nur noch amerikanische Songs, wobei allerdings nur die USA gemeint sind, alle übrigen Länder dieses Doppelkontinents fallen unter den Tisch. Bevor Staffelzwerg Sebastian Wurth auf die Bühne tritt, muss RTL in einem Einspieler noch mal dringend Werbung in eigener Sache machen, denn offenbar stimmen mittwochs die Quoten noch nicht: Wir sehen Sebastian und Pietro bei ihrem Besuch hinter den Kulissen von “Let’s dance”. Angeblich geiern sie vor allem auf ein Autogramm – und mehr – der Moderatorin Sylvie van der Vaart, treffen dort in der Garderobe bedauerlicherweise aber auch auf Nervbold Thomas Karaoglan. Diese DSDS-Altlast aus der letzten Staffel ist wegen seiner erfolglosen Gesangskarriere nun als C-Promi zu einer Odyssee durch die Niederungen des deutschen Kommerzfernsehens verdammt und muss sich dabei momentan als Tanzkandidat von einem gewissen Herrn Llambi verbal zu Brei schlagen lassen. Der Llambi ist quasi die wildgewordene Version von Bohlen und mimt bei “Let’s dance” den Oberjuror. Aber keine Sorge, Thomas wird für seine Erniedrigung bezahlt, vermute ich jedenfalls… Zurück zu DSDS 2011: Sebastian singt in der zweiten Runde den Titel “Hallelujah” von Rufus Wainwright. Auch der hat den Song nur gecovert, genau wie vor ihm – aber genialer – Jeff Buckley. Das Original stammt von Leonard Cohen. Sebastian steht (natürlich stocksteif) wie ein Konfirmant in einem etwas zu klein wirkenden weißen Anzug vor einem dramatisch beleuchteten Bombasto-Bühnenbild, das irgendwie nach Kirche aussieht. Aus nicht klar ersichtlichen Gründen scheint er diesmal unruhiger als sonst, das lang ausgehaltene “Halleluja” im Refrain muss er stets ein zweites Mal ansetzen, weil ihm offenbar zwischendrin die Puste ausgeht. Patrick und Fernanda sind trotzdem total beeindruckt, waren angeblich beinahe zu Tränen gerührt, aber Onkel Dieter muss die weihevolle Stimmung wieder mit Kritik zerstören. Er vermisse das Gefühl, die Nummer müsse eigentlich vor Schmalz triefen, doch davon habe er nichts gesehen, den ersten Titel fand er besser.

    Ardian Bujupi zeigt sich in seinem Einspieler mal wieder als ekeliger Gelegenheitsmacho, der immer gern einen sexistischen Spruch ablässt, wenn er ein offenes Mikro findet. Er bringt nun “I need a Dollar” von Aloe Blacc und macht seine Sache zum zweiten Mal an diesem Abend sehr gut. Die Jury spricht erneut von “Gänsehaut”, “Spaß beim Zugucken” und vor allem “Du bist die Überraschung des Abends”.

    Zazou Mall war in der letzten Woche zusammen mit Sarah beim Pferderennen und deswegen wird ihr Einspieler gefüllt mit langweiligen Bildern von Pferden und reichen Frauen mit Hut. Lustigerweise wettet Zazou 20 Euro auf einen Hengst namens Zazou, der dann hinterher aber nur auf dem fünften Platz landet. Sie will es bei DSDS aber weiterbringen, als nur bis zum 5. Platz, sagt sie. Ihr Titel “Waka-Waka” von Shakira wäre ohne Ton supertoll, sie trägt ein enges, kurzes Leopardenkleidchen und passt bestens zu den mit Tiermasken kostümierten DSDS-Tänzern. Mit Ton hört man allerdings ihre dünne Stimme, auch Dieter Bohlen tut das: “Das war nicht Waka-Waka, sondern Kacka-Kacka”, gibt er seinen Senf dazu.

    Marco Angelini singt im zweiten Durchlauf “Use somebody” von den Kings of Leon. Er performt die Hymne mit großen Gesten in einem dramatisch aussehenden Blitzlichtgewitter, da werden die Kölner Stadtwerke wohl kurzzeitig ihre Stromzähler als Ventilatoren benutzen können. Der Gesang war wieder sehr nahe am Original dran und überzeugt die Jury. Dennoch unkt Dieter herum, er sehe nachher in der Zitterrunde Zazou und Marco.

    Vor der nun folgenden Werbepause interviewt Marco Schreyl die Kandidaten auf ihrem Sofa. Offenbar haben die alle akute Anfälle von Schlafkrankheit, denn Pietro fällt nicht mehr ein, von wem sein nächster Song stammt, eine an Sarah gerichtete Frage schreckt diese offenbar aus einem kurzen Nickerchen hoch (“Hä?”) und dann versemmelt Pietro auch noch seine bereits zig-fach praktizierte Ansage der Reklamepause. Auf Marcos Stichwort “Und nun kommt…” reagiert Pietro mit “Ciao!” (richtig wäre “Werbung” gewesen). Marco schüttelt nur den Kopf über die ganzen Stümper um ihn herum.

    Sarah Engels war zur Füllung ihres Einspielfilmchens einen Vormittag als Praktikantin im Kölner Zoo. Wer bisher nicht wusste, wie sehr Pinguinscheiße am Beckenrand klebt, der hat heute bei DSDS wirklich was gelernt. Zum Beispiel auch, dass Sarah Angst vor Eulen hat und Erdmännchen dagegen süß findet, weil die angeblich ein wenig so aussehen wie Pietro, behauptet sie. Live singt sie heute Abend “Hurt” von Christina Aguilera, einen schweren, langsamen Song, den sie aber prima meistert. Im Hintergrund dreht sich ein Karussell auf der Bühne, Feuerwerk sprüht und die Streicher im Orchester machen Überstunden.Die Jury findet kaum noch Superlative: “grandios”, “gigantisch”, “wunderschön”, “ganz große Klasse”, “Gänsehaut pur” usw. Nur Dieterchen muss ein wenig die Euphorie bremsen, es sei zwar alles toll gewesen, er vermisse aber Originalität, das da eben sei zu sehr Kopie und zu wenig Sarah gewesen, findet er.

    Pietro Lombardi macht den Ausputzer mit “Mad World” von Gary Jules. Ganz ursprünglich stammt der Song von Tears for Fears, die übrigens aus Großbritannien kommen, welches – jedenfalls geografisch – nicht zu Amerika gehört, liebe RTL-Musikredaktion, ich hab’s gerade bei Google-Earth nachgesehen. Ich würde vorschlagen, wir verrechnen diesen neuerlichen Geografie-Fauxpas mit dem umgekehrten Problem aus der Hinrunde, als Bobby McFerrin den Europäern zugeschlagen wurde. Bevor der Gesang startet, wird es erst mal wieder peinlich, denn als Ouvertüre zu Pietros Auftritten darf bekanntlich immer jemand aus seiner Familie peinliche Interna über den Kandidaten ausposaunen. Nachdem in der Vorwoche sein Bruder beim Interview durch Marco mit unverständlichen Sätzen und einem klingelnden Handy glänzte, hat RTL diesmal Oma Lombardi vorgeladen. Sie berichtet auch wirklich treudoof, dass ihr Enkel ziemlich schusselig sei und “immer irgendwo ‘ne Macke” habe, wie sie sich ausdrückt. Dann kommt live endlich Pietros Lied. Er steht dabei mutterseelenallein mit seiner silbrig glänzenden Basecab in einem Lichtkegel auf der Bühne und schafft es tatsächlich, das ganze “Mad World” ohne Texthänger abzuliefern – auch wenn sein Englisch an einigen Stellen noch ungewöhnlicher ist, als das von Lena Müller-Klappstuhl, oder wie die Eurovisionsfrau heißt. Patrick Nuo ist nicht hundertprozentig zufrieden, der Titel sei vielleicht doch eine Nummer zu groß gewesen. Dagegen ist Fernanda zufrieden, so wie eigentlich sowieso immer. Dieter bekennt: “Du schluchzt und wimmerst wirklich hervorragend, das ist Dein eigener Style und ich finde den Pietro-Style einfach geil, das weißt Du.” Klar weiß er das, alle wissen es, wenn Dieter sich mal wieder einen Lieblingskandidaten erkoren hat, dem er durch dick und dünn die Treue hält, egal wie er singt. Wir erinnern uns in diesem Zusammenhang an den grässlichen, etwas verhungert aussehenden Mark Medlock (den ich übrigens als Gast im Finale erwarte), an den weinerlichen Daniel Schumacher und gerade in der letzten Staffel natürlich an Dackelblickträger Marcel “Plüschi” Pluschke. Dieses Mal heißt Bohlens musikalischer Adoptivsohn also Pietro Lombardi.

    So, Bühne frei für das Telefonvoting. Diesmal geht alles gut, keine Nummernvertauschereien, RTL hat gelernt. Wir spulen mal ganz schnell vor, vorbei an Bülent Ceylan, der heute Abend mit einem hässlichen Gag-Assistenten im handgestrickten Pullunder erneut seine drei Grundpointen variiert und denkt, keiner merkt was. Wir kommen nun also direkt zur Bekanntgabe des heutigen Rauswurfs: In die Zitterrunde müssen Zazou, Marco (Angelini, leider nicht Schreyl) und Sarah und am Ende muss Zazou Mall die Koffer packen. Ich denke, die Entscheidung geht nach musikalischen Gesichtspunkten in Ordnung, gerade der Schnelldurchlauf sämtlicher Titel hat deutlich ihre Schwächen gegenüber allen anderen Kandidaten gezeigt. Optisch wird sie aber fehlen, da hatte sie schon ganz klar Star-Appeal, mehr als alle anderen.

    Dieter Bohlen hat sich also auch in diesem Punkt mal wieder durchgesetzt, die von ihm am wenigsten geschätzte Kandidatin ist raus. Ab jetzt wird es sicherlich eng für Marco, dann Sarah und danach beginnt der Kampf der großen Drei, wobei ich Sebastian und Pietro im Finale sehe.

    Bis zur nächsten Show! Dann muss übrigens jeder Kandidat drei Songs singen, das wird ziemlich hart für Pietros graue Zellen…

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    Posted by TV-Glotzer @ 11:50 pm

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