• Liebe Leute,

    ganz üble Nachricht aus der Küche: Die aktuelle Restauranttester-Staffel geht heute zu Ende, Christian Rach zieht sich nach dieser Folge in die verdienten Ferien zurück. Und traditionell besucht er zum Staffelende immer ein paar alte Klienten aus früheren Jahren und sieht dort nach, ob seine Veränderungen noch Bestand haben. Das ist für ihn angenehm, denn er muss keine neuen Ideen entwickeln und auch RTL liebt aus nahe liegenden Gründen solche Folgen, die man im Wesentlichen billig aus dem eigenen Archiv zusammenpfriemeln kann.

    Heute startet die “Was macht eigentlich…?”-Runde im malerischen Kappeln an der Schlei. Rückblende: Rach kommt in die “Alte Schiffsgalerie” und ärgerte sich sofort vor allem über die Speisekarte. Pangasiusfilet, tiefgefroren aus Vietnam importiert, serviert in einem norddeutschen Hafenrestaurant, so etwas mag der Meister ganz und gar nicht. Und der tatsächlich hier bei uns heimische Dorsch schmeckt ihm ebenso wenig, nach dem letzten Gang, “Rosis Pfeffertopf”, balanciert er gar den Teller mit der Gaumenbeleidigung auf drei Fingern zurück in die Küche. Also alles wie gehabt, hundert Mal gesehen, aber immer wieder schön. In der Küche kommt dann die Überraschung, Wirtsfamilie Ludwig praktiziert nämlich Rollentausch: Vater und Mutter spielten Koch und Köchin, haben das aber nie gelernt, der Sohn hingegen mimt den Kellner, ist aber eigentlich Koch von Beruf. Verkehrte Welt. Kein Wunder, dass es in der “Alten Schiffsgalerie” fast nur Dosenfutter gibt, was anderes kann die Küche nicht. Rach organisiert ein Wettkochen zwischen Mutter und Sohn, dass klar zugunsten des Sohnes ausgeht. Er schlägt vor, der 28jährige Markus solle die Leitung der Restaurantküche übernehmen und die Mutter dafür den Service, aber das will die Dame zunächst nicht. Nach einigen Tränen setzt sich der Hamburger schließlich durch, und statt Pulver und Dosenfraß gibt es nun viel mehr frische Zutaten, was die Gäste zur “Wiedereinweihung” drehbuchgerecht mit einem heftigen Applaus belohnen.

    Zurück im Hier und Jetzt und in der “Alten Schiffsgalerie”: Christian Rach kommt zu Besuch und kontrolliert in der Küche, dass tatsächlich Sohn Markus und nicht wieder die Mutter kocht. Dem ist so und auch die fangfrische Ostseescholle schmeckt ihm. Mutter grummelt zwar noch ein bisschen über den wohl noch immer ungeliebten Wechsel in der Verantwortung, aber das Restaurant brummt inzwischen wieder und gibt dem genialen Sternekoch damit Recht.

    Das war ja fast zu leicht, gleich weiter zu Fall Numero Zwo und in die Rückblende: In Fischen im malerischen Allgäu besucht Rach nun das Hotel-Restaurant “Inselperle” von Thomas und Susanne Gast. “Zu Gast beim Gast”, was für ein Spitzenkalauer mir hier doch gleich wieder einfällt, ich bin selber ganz verblüfft, Beruf verfehlt… :-) Genug gelacht, zurück zur “Inselperle”, die übrigens gar nichts mit irgend einer Insel zu tun hat. Und eine echte Perle ist es bislang auch nicht. Hier herrschen neben den beiden Gästen (Achtung, Gag!) auch noch Susannes Eltern Peter und Ingrid sowie insbesondere ihre Oma Gertraud, die den ganzen Laden finanziert – denn aus eigener Kraft trägt sich das Etablissement nicht, sonst wäre Rach ja auch nicht hier. Der Besuch des Sternekochs beginnt wie immer mit der Kritik an der Speisekarte (“sieht aus wie Sau”), danach wird das Essen besprochen (“da fehlt alles”) und schließlich geht’s in die Küche, wo es aussieht wie bei den Ludolfs unterm Sofa. Der Hamburger bemerkt außerdem eine völlig zerschranzte Kinder-Spielecke, in der man nicht einmal seinen Hund Gassi gehen lassen würde.

    Rach ordnet eine Neuverteilung der Zuständigkeiten in der Küche an, zukünftig soll hier Thomas das Regiment führen, statt wie bisher seine Frau Susanne, die Enkelin der Geldgeberin. Das wiederum ärgert Susannes Papi, den stinkstiefeligen Peter. Er mosert so lange herum, bis Christian Rach, dem begnadeten Gelegenheits-Choleriker, der Kragen platzt. Vor der versammelten Familie inklusive Über-Oma liest er Peter mutig die Leviten und als der dann auch noch feist aus seiner Ecke grinst, wirft er die Brocken hin und geht: “Du hast den Laden in die Scheiße geritten, mir reicht’s, auf Wiedersehen!” Miss Elli, äh Oma Gertraud bekommt nun wohl aber doch etwas Muffensausen wegen ihrer investierten Millionen und beginnt, in nicht-untertitelter bayerischer Mundart auf ihren Sohn (oder Schwiegersohn, man weiß es nicht) einzuplärren. Draußen vor dem Restaurant haben die Drehbuchschreiber dann eine leidenschaftliche Szene zwischen Susanne und Chrischan inszeniert, sie bettelt ihn an, doch nicht zu gehen, sie brauche ihn so sehr. Und natürlich lässt sich Rach, der innerlich ein reines Goldstück ist, nicht lange bitten, außerdem ist die Sendezeit ja noch nicht verbraucht. Der Hamburger sinniert und entwickelt das Konzept von der Inselperle als kinderfreundlichem Hotel-Restaurant für den schmalen Geldbeutel. (Ich wette, Peter hasst Kinderlärm und Christian Rach will ihm damit nur eins auswischen.)

    Wir schalten um ins Jahr 2011, Rach ist wieder in Fischen. Susanne empfängt ihn am Eingang mit ihrem frisch geschlüpften Nachwuchs und so wie sie aussieht, ist bereits ein Geschwister unterwegs. In der “Inselperle” läuft es dagegen nicht so rund, der erhoffte Gästeansturm ist ausgeblieben, das Restaurant wurde “vorübergehend” sogar geschlossen, nur der Hotelbetrieb geht weiter. Rach fördert aus ungenannter Quelle ein paar “Liebesbriefe” zutage, die er zwischenzeitlich von Besuchern der “Inselperle” bekommen haben will. Augenscheinlich wurden sie alle von Querulanten verfasst und Susanne kann jede darin geäußerte Kritik erklären. Nur die Meckerfuzzis schrieben Briefe, die Zufriedenen genössen still, behauptet sie. Rach schaut sich im Laden um, sieht sein Konzept grundsätzlich befolgt und ermuntert Thomas und Susanne, so weiterzumachen. Von der restlichen Mischpoke ist übrigens nichts zu sehen, vermutlich verkehren die mit dem Sternekoch nur noch per Anwalt.

    Der dritte Fall in seiner Erinnerungsshow bringt Christian Rach zurück ins “Maroush” nach Recklinghausen, einem hier im Blog besprochenen Fall vom Februar 2010. Wir erinnern uns: In einem Kellergelass unter der Ruhrpott-Erdoberfläche betreibt der siebenköpfige libanesische Gebrüder-Clan der Omirate ein Restaurant mit Spezialitäten aus ihrer Heimat. Organisatorisch katastrophal, zaubern die Brüder aber erstaunlich leckere Gerichte in ihrer merkwürdigen unterirdischen, leicht spackigen Küche. Rach schmeckt es, am Kochen selbst kann der momentane Misserfolg also nicht liegen. Der Grund ist aber schnell gefunden: Totales Missmanagement. Es gibt keinen Chef unter den Brüdern, die Buchhaltung in der schrankgroßen Bürokarikatur ist mit Worten nicht zu beschreiben und der ganze Laden hätte dringend eine Renovierung nötig. Rach bestimmt einen der Omirates als Häuptling, ordnet einen großen Frühjahrsputz in der Küche an und lässt vor allem den ganzen Kitsch- und Stehrumchen-Trödel aus dem Laden entfernen. Außerdem besorgt er den Brüdern von seinem RTL-Spesenkonto einen kleinen, roten Lieferwagen, mit dem sie zukünftig auf den Märkten in der Umgebung ihre libanesischen Spezialitäten auch ambulant vertickern sollen, quasi als zweites Standbein, falls das Kellerloch mal aufgegeben werden müsste. Zum Abschluss wird Rach ehrenhalber als achter Bruder  in den Omirate-Clan aufgenommen. Es menschelt sehr.

    Jetzt springen wir zurück in die Gegenwart. Christian Rach besucht seine “Brüder” unter der Erde und schon am Eingang wird klar: Hier ist es gut gelaufen, die Omirates haben alles richtig gemacht, der Laden brummt und hat sich lt. Off-Stimme sogar zu einem gastronomischen Highlight dieser malerischen Stadt entwickelt. Die Küche glänzt tipptopp und auch das Büro ist einigermaßen ansehnlich. “Gut, Bravo!”, applaudiert der Sternekoch und lässt sich danach von den Kochkünsten seiner Brüder kräftig verwöhnen. Wären alle Restaurants so in Ordnung, müsste er wohl Arbeitslosengeld beantragen.

    Auch der nächste Fall stammt aus der letzten Staffel, es geht um das “Bundeskegelzentrum” in Augsburg, einem riesigen Laden, der den Pächter Thomas Preißler völlig überfordert. Der ist weniger Chef als Hausmeister und setzt überall im Gebäude mit Verbotsschildern persönliche “Duftmarken”. Das “Bundeskegelzentrum” hat den Charme einer ollen Turnhalle, man ahnt den Geruch des schwitzigen Gummifußbodens in der Anlage. Als Restaurantbesucher sollte man sich auf jeden Fall die Nase zuhalten – und die Ohren am besten auch. Rach schließt schnell Freundschaft mit Küchenperle Vera, die zwar nicht überragend kocht, aber den Hamburger mit ihrer mütterliche Art anrührt. Rach fängt an zu denken, was könnte man hier tun? Als erste Maßnahme soll eine (ziemlich teure) Lärmschutzwand her, die die Kegelbahnen vom Restaurant trennt. Rach spricht deswegen mit den durchweg deutlich angejahrten Vorsitzenden der hier praktizierenden Kegelvereine und macht auch im Radio einen Aufruf, ihn mit sachdienlichen Spenden zu unterstützen. Sobald die Wand steht, wird das Koch-Know-how der Küchencrew von Christian Rach persönlich auf den Stand des 21. Jahrhunderts gebracht. Ab jetzt gibt’s hier zahllose leckere Kleinigkeiten, abseits des Trubels der Kegelbahn, behauptet der Off-Mensch. Und der Name ändert sich auch, aus dem “Bundeskegelzentrum” wird die nach viiiiel mehr Spaß klingende “Kegelburg”.

    Und heute? Die “Kegelburg” sieht bei Christian Rachs Besuch in dieser Staffel noch immer top aus. Zwar ist das Restaurant wegen der frühen Stunde noch leer, aber unten auf der – akustisch abgetrennten – Kegelanlage tummeln sich bereits zahlreiche Mittagsgäste in spe. Vera, Rachs Lieblingsköchin, gibt es auch noch und sie kredenzt dem Sternekoch gleich einen leckeren Mexiko-Burger – hier ist nämlich gerade “Burger-Woche”. Thomas Preißler ist vom Hausmeister wirklich zum Gastronomen geworden, veranstaltet andauernd irgend welche Aktionen, wie eben die Burger-Woche. Rach ist begeistert, hier hat sich alles großartig entwickelt. Und mit “Ich liebe es, wenn ein Plan gelingt” entschwindet der Gastropapst zu seinem letzten Kontrollbesuch.

    Die heutige Folge endet im malerischen Lengerich, einem Epizentrum für alle Anhänger ungesunder Ernährung, das den Mülltv-Blog-Lesern ebenfalls aus der letzten Staffel bekannt ist. Hier nämlich hat Thomas Windmöller in seinem ungünstig in einer etwas toten Einkaufspassage gelegenen “Hexenhäuschen” eine Methode entwickelt, wie seine Gäste ohne große Mühe ihren Cholesterin-Spiegel in rekordverdächtige Höhen katapultieren können: Er tunkt einfach alles, was man hier bestellen kann, bis über beide Ohren entweder in Sauce Hollandaise oder Bolognese oder auch in beides, wenn gewünscht. Letzteres ergibt dann das Kultprodukt “Hollo-Bollo”, eine Erfindung, die dem Wirt vermutlich inzwischen den Ehrenpreis der Bundesärzteschaft eingebracht haben dürfte. Für ganz Hartgesottene gibt es übrigens auch noch Sauce Hollandaise ohne alles, also einfach nur pure gelbe Schlonze aus dem Tetrapak, dazu ein paar Brötchen. Ach ja, das hätte ich noch sagen müssen: Hier ist nichts, aber auch absolut gar nichts frisch, nicht einmal die Bratkartoffeln, alles kommt aus Tüten, Dosen, Tetrapaks oder Gläsern. Kein Wunder also, dass hier die Gäste ausbleiben, die sind vermutlich inzwischen alle an akuter Herzverfettung gestorben.

    Rach kommt vorbei, stellt nach einiger Zeit aber resignierend fest, dass er weder gegen die blöde Lage des Restaurants noch gegen das kategorische Festhalten der Küchencrew an der bisherigen Hollo-Bollo-geprägten Speisekarte etwas ausrichten kann. Wenn Du einen Feind nicht besiegen kannst, musst Du Dich mit ihm verbünden. Dieser alten Weisheit folgend, ergreift Christian Rach in einem Moment des Irrsinns Partei für das “Hexenhäuschen” und beteiligt sich fortan an der Zersetzung der Gesundheit seiner Mitmenschen durch Vergiftung mit künstlichen Soßenimitationen. Der Sternekoch stellt Hollo-Bollo nun ganz ins Zentrum seines neuen Konzepts, macht das “Hexenhäuschen” gar zu einer Art Tempel für diese ungewöhnliche Droge. Die Bezeichnung “Restaurant” erkennt er dem Laden allerdings ab und degradiert ihn zur “Kneipe”. Wer ernsthaft “Pizza mit Gyros und Hollo” oder “Lasagne mit Doppelt-Hollo” anbietet, der hat seinen Ruf unter den Weißkitteln dauerhaft verwirkt und darf sich nicht mehr in einem Atemzug mit echten Restaurants nennen. Nach dieser Erkenntnis schaltet Christian Rach einfach seine für das Kochen zuständige Gehirnhälfte ab und gibt sich ganz der heiteren Seite des Hollo-Bollo-Kults hin. Es wird eine wunderbare, sehr komische Folge ohne jeden Sinn und Verstand und mit der höchsten je bei Rach gemessenen Einschaltquote.

    Die Rückkehr in die Kneipe “Hexenhäuschen” verläuft genauso erfolgreich, wie alle anderen Visiten der heutigen Folge. Thomas Windmöller zelebriert nach wie vor seinen unheiligen Hollo-Bollo-Kult, spricht gar von einer zeitweiligen Belagerung durch Hollo-Fans aus ganz Deutschland, als diese Rach-Folge zum ersten Mal ausgestrahlt wurde. Der Laden brummt tatsächlich auch heute noch und – man glaubt es kaum – es gibt auch Dinge ohne gelbe Soße auf der Speisekarte. Sicherheitshalber bestellt Christian Rach aber zum Bier nur einen Hollo-freien Teller mit Pommes und Steak, er hängt doch zu sehr am Leben. Zum Schluss überreicht ihm der rundliche Hexenmeister persönlich ein T-Shirt mit Hollo-Bollo-Aufschrift und lacht sich kringelig, als es beim Anprobieren etwas knapp ausfällt, Rach sei wohl nicht dünner geworden, frotzelt er frech in die Kamera.

    So, mit diesem wunderbaren Sahnehäubchen auf einer rundum gelungenen Folge endet die Staffel und Christian Rach verabschiedet sich in die verdiente Sommerpause. Ich tippe mal, wir sehen ihn – abgesehen von Wiederholungen – das nächsten Mal in seiner “Restaurantschule” wieder. Bis dann also! :-)

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  • DSDS (RTL) 21.03.2011 2 Comments

    Hallo Leute,

    heute ist Sonnabend und das heißt natürlich momentan Bohlen-Time. Die Feuerwehr hat Anna-Carinas Tränenflut vom letzten Wochenende soweit abgepumpt, es kann also losgehen. Diesmal startet “Deutschland sucht den Superstar” mal ganz international, denn RTL hat den bekannten US-Ringansager Michael Buffer – mit sicherlich nicht allzu wenig Geld – dazu überreden können, hier heute den Conférencier zu mimen. (Ich hoffe das bedeutet, dass uns Marco Schreyl ausnahmsweise mal verschont… jaja, die Hoffnung stirbt immer zuletzt. Aber man wird doch wohl noch mal träumen dürfen…) Übrigens konnte ich Wikipedia entnehmen, dass der Amerikaner mit nichts weiter als der Vermarktung seines Markenzeichenspruchs “Let’s get ready to rumble” bis heute schon 400 Millionen US-Dollar verdient hat… wie viel hat eigentlich Dieter Bohlen, der Poptitan aus Tötensen, bisher mit seinen beiden Akkorden eingenommen? Pro überlebter DSDS-Staffel kriegt er jedenfalls 1,2 Millionen Euro Schmerzensgeld, muss dafür allerdings auch alles aus der ersten Reihe ertragen und kann nicht einfach mal so vorspulen oder wegzappen, so wie unsereins.

    Michael Buffer sagt die Jurymitglieder der Reihe nach an und zieht dabei die letzte Silbe des Nachnamens immer in die Länge und in die Höhe – das ist ja eben sein Markenzeichen. Nach Fernanda Brandao, die mit einem für ihre Verhältnisse beinahe unscheinbaren silbern-spacigen Kleid ins Studio kommt, wird Patrick Nuo, “…the He-Man from Switzerland”, angekündigt. Beim Applaus ist ihm heute ein Mitleidsbonus sicher, denn bestimmt haben die meisten im Publikum ja immer schön fleißig die Blödzeitung gelesen und wissen daher, dass Patricks Ehe Auflösungserscheinungen zeigt. Schließlich kommt er, dessen Namen man kaum zu sagen wagt, himself und in höchsteigener Person ins Studio: Dieter Bohlen trägt Sonnenbrille und schreitet hinter einer sehr spärlich bekleideten Blondine, die einen fiktiven Boxer-Gürtel in die Höhe hält. Das Publikum gerät schon zu diesem frühen Zeitpunkt vorübergehend in Ekstase. Dabei dienen die Verpflichtung Michael Buffers und alle Anspielungen auf Profi-Ringveranstaltungen nur dem einen Zweck, für den Live-Boxkampf Klitschko gegen Solis zu werben, der gleich im Anschluss an den Hauptteil der heutigen vierten Mottoshow hier bei RTL stattfinden wird. Welcher dieser Klitschko-Brüdern ist denn bloß heute wieder dran? Die Klitschkos sind genau wie die Jacob-Sisters: Es gibt eine unübersehbare Anzahl davon und man weiß nie, wie der heißt, den man gerade vor sich hat. Okay, ich gebe zu, dass der Vergleich bei genauerer Betrachtung etwas hinkt, aber sei’s drum.

    Als letzte Amtshandlung eröffnet nun Michael Buffer mit “Let’s get ready to rumbleeeeeeee!!!!!” den musikalischen Teil des Abends, der übrigens passend zum Libyen-Krieg unter dem Motto “Partykracher” steht. Die sieben verbliebenen DSDS-Kandidaten springen bzw. humpeln (Pietro) auf die Bühne und performen zusammen den Titel “Yeah 3x” von Chris Brown… Hmmm, Chris Brown, da war doch was…? Aber klar, jetzt fällt mir’s wieder ein, das war doch der Typ, der seine Freundin, die Sängerin Rihanna, verhauen hatte und deswegen vor Gericht stand. [Grübel, lange Kunstpause] Wo wir gerade beim Thema sind: Wie ist das eigentlich mit dem Kachelmann-Prozess weitergegangen? Wegen dem Japan-Erdbeben, dem drohenden Super-GAU und den diversen arabischen Revolutionen ist das so ein bisschen hinten runter gefallen. Mir fällt nur noch ein, dass Alice Schwarzer als Gerichtsreporterin darüber in einer festen Kolumne in der Blödzeitung berichtete, aber vermutlich brauchen die den knappen Platz in ihrem Intelligenzblatt jetzt sowieso für wichtigere Meldungen, immerhin ist ja heute auch noch Eisbär Knut gestorben.

    Und dann macht Michael Buffer alle meine Hoffnungen zunichte, er sagt nämlich Marco Schreyl an (“your host tonight”), welcher dann auch gleich auf die Bühne stürmt und brabbelt wie ein Wasserfall. Als ersten Kandidaten sehen wir heute Mister Ö, Marco Angelini. Dem waren in den letzten Woche gelegentlich mal fehlende Ecken und Kanten vorgeworfen worden, was latent zu Langeweile führen kann und damit zu ausbleibenden Anrufer(inne)n. Heute will er deshalb unbedingt seine “dreckige Seite” zeigen. Dazu lässt er sich eine schwarz-weiße Gesichtsmaske à la 70er-Jahre-Hard-Rock-Band Kiss aufmalen und tritt dann mit der Robbie-Williams-Nummer “Let me entertain you” auf. Er gibt alles, mehr Dreck geht nicht, sagt er hinterher. Hier finde ich die bombastischen Kamerafahrten durchs ganze Studio nicht so sinnvoll, ich hätte lieber von nahem gesehen, was Marco auf der Bühne veranstaltet. Patrick nennt dies die beste Performance aller Auftritte sämtlicher DSDS-Staffeln auf dem ganzen Planeten, wenn nicht gar im Universum, seit Anbeginn der Zeiten und fordert das Publikum – vergeblich – zu Standing Ovations auf. Auch Fernanda ist begeistert, nicht hingegen Dieter, dem das zu viel Kopie von Robbie Williams und zu wenig Original Angelini war.

    Auf Startplatz Zwei sehen wir heute Abend Norman Langen, den DSDS-Schlagerfuzzi. Um seine möglicherweise etwas müde hinter dem Ofen liegende Anhängerschaft zu wecken, sehen wir in seinem Einspieler, wie Norman sich aus einem Hochhaus abseilt. Mit interessanteren Dingen wie Beinbrüchen, Zickenterror, hausinternen Affären oder Konflikten mit dem Jugendschutzgesetz kann er wohl nicht dienen. Und schlimmer noch, jetzt in der Liveshow beleidigt er die nicht-komatösen Zuschauer mit dem Titel “Hey Baby” von DJ Ötzi, einem Künstler, den ich nach wie vor nicht mag. Tja, wie soll man Normans Kostüm nur nennen, es ist eine Art gelbes Cape und gelbe Hose, die von weitem etwas nach Regenbekleidung aussehen. Und drei Streifen haben die Klamotten auch, sind also wohl von Adidas. Der Auftritt selbst verläuft wie geplant, manche Menschen schunkeln irgendwie mit, andere übergeben sich still in ihre Handtaschen und der Rest ärgert sich über die vertanen drei Minuten Lebenszeit. Norman schmettert seine Deppenhymne mit Inbrunst und Dauergrinsen, welche Oma hätte nicht liebend gern so einen Enkel? Patrick Nuo hinterher jedenfalls nicht. Der findet den Auftritt zu unpersönlich und nutzt die Chance des offenen Mikrofons, indem er seine eigene PR-Geilheit befriedigt und Norman und dem Publikum vorsingt, wie der epochale, titelgebende Refrain “Hey Baby” richtig” geklungen haben sollte. Dieter findet den Titel zwar grundsätzlich okay, warnt aber davor, zu sehr die Ballermann-Fraktion zu bedienen, sonst kriegte er am Ende vielleicht nicht genügend Anrufe.

    Nummer Drei ist Ardian Bujupi mit einer echten Premiere: Zum ersten Mal haben Marco Schreyl und alle Jury-Mitglieder seinen Vornamen richtig ausgesprochen, Tusch! In seinem Einspieler erfahren wir dagegen betrübliche Neuigkeiten: Ardian hat wegen überhöhter Geschwindigkeit gerade seinen Führerschein eingebüßt, was bei seinem Machismo wohl fast einer Kastration gleicht, und auch in Sachen Zazou läuft angeblich nichts. Dabei hatte doch die Blödzeitung weltexklusiv die Information verbreitet, die Schweizerin und der Kosovare seien heimlich ein Paar… Heute Abend singt der Kandidat “Beautiful Monster” von Ne-Yo. Während sich im Hintergrund die halbnackte DSDS-Tanztruppe nach Kräften abrackert, wirkt Ardian dabei auf mich fast etwas unbeteiligt und emotionslos. Die Jury ist aber trotzdem zufrieden, Bohlen meint gar, er sei der “modernste” Sänger und groove am besten von allen verbliebenen Kandidaten.

    Als nächste tritt die Vielleicht- oder Vielleicht-Nicht-Freundin von Ardian auf, nämlich Zazou Mall. Die hatte in der vergangenen Woche gewichtigen Besuch von Maite Kelly, die ihr quasi als Kollegin Mut zusprechen wollte. Nachher im Interview sieht sie bei Zazou durchaus noch Entwicklungspotenzial, die könne viel mehr, als sie bisher bei DSDS gezeigt habe. Das sieht Dieter bekanntlich diametral entgegengesetzt. Gleich kann er seine Einschätzung wieder überprüfen, Zazou singt “Hot n Cold” von Katy Perry. Die Show ist wie immer spitzenmäßig choreografiert und beginnt mit ein paar klassischen Takten des Hochzeitsmarsches von Felix Mendelssohn Bartholdy (der sich deswegen vermutlich im Grabe umdreht)! Zazou erscheint im kurzen rosa Faltenkleidchen mit riesigem Schleier und geht durch ein Spalier von Tänzern in weißen Anzügen, die sich alle Masken mit Ardians Gesicht vorhalten. Hut ab, das nenne ich Selbstironie! Der eigentliche Titel zerfällt wieder in einen überragenden optischen und einen vielleicht durchschnittlichen gesanglichen Teil. Ihre Stimme sei zu dünn, bemäkeln im Anschluss die Jury-Menschen, allen voran Dieter: “Zazou ist mit Abstand die schlechteste Sängerin hier im Wettbewerb und langsam kann ich dieses Gequake auch nicht mehr ertragen, das hat mit Gesang wenig zu tun.” und “Sie kann nicht singen, ich brauch’ das nicht mehr!”

    Zwischendurch haben altgediente DSDS-Zuschauer ein Déjà-vu-Erlebnis, denn plötzlich sitzt Marco Schreyl neben dem Vorjahres-”Checker” Thomas Karaoglan. Der tritt am Mittwoch in der RTL-Show “Let’s dance” auf und darf deshalb heute Abend Crossover-Promotion betreiben, kostet ja nichts. So richtig viel zu sagen hat er auch nicht und schwupps sind wir schon wieder im Hier und Jetzt und zwar bei Kandidat Nummer fünf.

    Sebastian Wurth muss neuerdings bekanntlich bis 22 Uhr fertig gesungen haben, ansonsten rückt RTL der Jugendschutz auf die Pelle. Für den nicht ganz unrealistischen Fall, dass der 16jährige ins Finale kommen sollte, plant der Sender lt. allwissender Blödzeitung, die letzte Show in die liberaleren Niederlande zu verlegen, wo Kinderarbeit offensichtlich noch immer erlaubt ist. Apropos Arbeit: Im Einspieler zeigt man einen geschäftstüchtigen Bäcker, der eine neu kreierte Sorte süßer Brötchen “Wurthies” getauft hat und nun wohl damit rechnet, alle Welt würde deswegen seine Teigflatschen kaufen. Spitze übrigens dessen Sprössling und eigentlicher Wurthie-Erfinder, der unter dem brüllenden Gelächter des ganzen Saales die erschütternde Feststellung macht: “Ich bin der Sohn meines Vaters.” Der echte Baschti hospitiert für einen Tag in der Bäckerei und hilft bei der Wurthie-Produktion, kann aber wohl besser singen als backen. Heute Abend kommt er mit “Monsta” von Culcha Candela”, übrigens einem Titel, den besagter Thomas Karaoglan seinerzeit in Staffel 7 auch schon gesungen hatte. Sebastian singt – wie immer – bestens, hat – auch wie immer – zwei verschiedene Schuhe an und muss sich während des ganzen Lieds den physischen Annäherungsversuchen eines ganzen Rudels “Monsta”-Tänzerinnen erwehren, die sich an ihm schubbern und sein Haar verwuscheln. Die Jury ist natürlich begeistert, obwohl Dieter die Songauswahl nicht hundertprozentig geglückt findet. Um seinen Verbleib im Wettbewerb macht sich niemand Sorgen und ich sehe in Sebastian Dnak des Bravo-Rückhalts einen absoluten Favoriten auf die DSDS-Krone von Staffel 8.

    Als zweitletzten sehen wir nun Pietro Lombardi, den Clown und Tollpatsch, der aufgrund seiner Fußverletzung auch auf der Bühne auf Krücken angewiesen ist und deswegen für alle noch kommenden Shows eine Tanzbefreiung besitzt. Dabei würde er sich offensichtlich ganz gern mal bewegen, denn beim gemeinsamen Eröffnungstitel fuchtelte er aus der zweiten Reihe heftigst mit seinen Krücken herum. Die mediale Verwertbarkeit von Pietro ist extrem einfach, man muss ihn einfach nur in eine für ihn ungewohnte Situation bringen und mit der Kamera draufhalten – es passiert garantiert etwas Lustiges. Diesmal sind die Drehbuchschreiber auf die Idee verfallen, den Kandidaten zusammen mit Kumpel Ardian in ein piekfeines Restaurant zu verschleppen und zuzusehen, was er dabei alles verkehrt macht. Zunächst behält er die Kappe auf, dann weiß er nicht, wozu die Serviette da ist, kennt weder gesalzene Butter noch “Amuse-Gueule” und fragt zu guter Letzt, was denn bitte “Dessert” sei. Der Besuch hat sich fürs Fernsehen gelohnt und festigt Pietros Ruf als völlig verpeilter, aber liebenswerter Spinner. Heute Abend versucht er es noch einmal mit seinem im Recall grandios verunglückten “Qué Será, Será”. Während er selbst aus den bekannten Gründen nur auf einer bunten Tonne sitzen kann, hüpft eine Kinderschar um ihn herum und sorgt so wenigstens für etwas Bewegung. Tolle Idee von RTL, also an Professionalität mangelt es dort jedenfalls nicht! Die Jury ist sehr angetan, Dieter bescheinigt dem Kandidaten, bereits ein kleiner Star zu sein, Originalität könne man nicht kaufen, aber Pietro habe sie. “Wenn das so weitergeht, gehörst Du hier zu den absoluten Favoriten!”

    Den Abschluss des ersten Teils der heutigen Show liefert schließlich Sarah Engels; sie singt “Release me” von Agnes. Zuvor sehen wir im Einspieler, dass sie für den fußkranken Pietro im DSDS-Knast so eine Art Supernanny geworden ist – sie kommt sogar auf Klingelzeichen. Ihre heutige Performance lebt wieder vor allem von den Tänzerinnen und Tänzern, Sarah selbst ist eher statisch und bewegt sich für einen “Partykracher” wenig. Der Jury gefällt es trotzdem, obwohl sie erkennbar mehr eine “Balladenqueen” sei, sagr Bohlen – und der muss es wissen.

    Das war’s zunächst einmal, jetzt schaltet RTL um zum Boxkampf eines der Klitschko-Brüder gegen einen gewissen Herrn Solis aus dem malerischen Kuba. Nach endlosem Vorgeplänkel, gegen das selbst die DSDS-Ergebnisverkündung wie ein Schnellvorlauf wirkt, zerlegt es den Herausforderer von der Zuckerrohrinsel in Rekordgeschwindigkeit und die ganzen enttäuschten Zuschauer, die eigentlich auf eine gehörige Rauferei gewartet hatten, sehen sich verprellt und pfeifen. Wie schön, wenn man das Ganze nur als Aufzeichnung sieht und einfach weiterspulen kann. Denn so geht es sofort weiter mit der DSDS-Verliererehrung, ich mache es kurz: In die Zitterrunde müssen diesmal Ardian Bujupi (schon wieder), Zazou Mall und Norman Langen. Und die Rote Karte bekommt dann letztendlich Norman Langen, für ihn ist hier und heute Schluss, DJ Ötzi hat ihm kein Glück gebracht – was mich auch nicht besonders wundert. Ein weiterer sympathischer Kandidat verlässt damit den Wettbewerb, nun sind noch vier Herren und zwei Damen an Bord. Wäre mal spannend zu wissen, für wen die nunmehr verwaisten Schlagerfans ab der nächsten Sendung stimmen werden. Ich tippe mal auf Sebastian.

    Nächste Woche ist übrigens Pause, zur Top-6-Show sehen wir uns dann erst am 02.04.2011 wieder. Bis denne!

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  • DSDS (RTL) 14.03.2011 No Comments

    Hallo Leute,

    scheiß’ was auf Kernschmelze und 10.000 Tote in Fernost, bei “Deutschland sucht den Superstar” geht es heute um das Motto “Frühlingsgefühle”! Auch wenn auf dem Losersender ARD wegen der aktuellen Lage nach dem Erdbeben in Japan allgemein Betroffenheit herrscht und deswegen sogar das Hochamt der deutschen Gemütlichkeit, der Musikantenstadl, abgesetzt wurde, geht auf RTL das Leben weiter, denn hier bestimmt der Kommerz den Takt. Dieter Bohlen und seine Spießgesellen lassen sich doch von so einer weit entfernten Naturkatastrophe nicht vom Geldverdienen abhalten, wo kämen wir denn da hin?!

    Außerdem haben wir ja bei DSDS unser eigenes Erdbeben gehabt – oder wie soll man den Ausstieg von Nina Richel in dieser Woche sonst bezeichnen? Die Gute hatte in der letzten Show und den Tagen davor zahllose Zusammenbrüche (immer nur) vor laufender Kamera erlitten und da hatte sie ihr Papa nach der Top-9-Show einfach aus dem Wettbewerb genommen. Und dass, obwohl er doch die Seele seiner Tochter eigentlich laut Vertrag an RTL und die Blödzeitung verkauft hatte. Hoffentlich ist er rechtschutzversichert…

    RTL hat prompt reagiert und Sarah Engels exhumiert, die in der Top-10-Show bereits von uns gegangen war, die Altvorderen erinnern sich. Gut, dass es die DSDS-Regel gibt, dass bei einem unregelmäßigen Ausscheiden immer ein Kandidat gleichen Geschlechts als Ersatz geholt wird, sonst käme jetzt womöglich unser Brummbär Marvin Cybulski zurück, den man in der Vorwoche gerade erst mühevoll losgeworden war. Und Sarah ist ja auch viel praktischer, denn mit der hatte sich Anna-Carina Woitschack, die diesjährige Staffelhexe, auch schon gefetzt, sie ist also in jeder Hinsicht eine optimale Ablösung für Nina.

    Die dritte Mottoshow beginnt bedauerlicherweise wieder mit Marco Schreyl und einer reißerischen Ansage: “Heute Abend treten wir dem Frühling mal gepflegt in den Hintern!” Unter dramatischer Diskomucke betreten dann nacheinander Fernanda Brandao im papageienbunten Karnevalsoutfit, Patrick Nuo auf einem Fahrrad sitzend und Dieter Bohlen mit minutenlangen Standing Ovations die DSDS-Bühne. Bei dieser frenetischen Huldigung der Jury erscheint der Gedanke, es könne außerhalb des Scheinwerferkegels oder gar außerhalb der Halle in der Welt noch irgend etwas Wichtiges vor sich gehen, lächerlich, ja geradezu obszön.

    Der musikalische Teil des Abends startet mit einem gemeinsamen Auftritt der acht verbliebenen Kandidaten (d.h. Sarah statt Nina) mit dem Titel “Turn around” von Flo Rida. Dabei humpelt Pietro Lombardi wegen einer Fußverletzung mit einer Krücke auf die Bühne, bewegt sich aber trotz dieses Handicaps wesentlich mehr, als Marvin in allen seinen Auftritten zusammen. Übrigens kommt dieser Song wohl komplett vom Band, denn unser Ösi Marco Angelini “singt” versehentlich eine halbe Strophe ohne sein Mikro an den Mund zu nehmen und ohne dass das akustisch etwas auszumachen scheint. Danach kommt ein Einspieler, in dem RTL noch mal auf die Ereignisse rund um Nina eingeht und deren Ausscheiden mit einer zu hohen psychologischen Belastung erklärt. Vom durch das Fernsehen selbst inszenierten und geförderten Zickenkrieg in der DSDS-WG ist selbstverständlich keine Rede.

    Kandidat Nummer Eins ist heute Zazou Mall. Sie hat sich bisher aus dem Zickenkrieg gut herausgehalten, sieht immer noch prima aus und kann so einigermaßen singen. Nach einem 08/15-Einspielfilmchen mit Kindern, die sie alle sehr gern mögen, tritt die Schweizerin mit “Umbrella” von Rihanna auf. Passend dazu trägt sie einen Regenschirm und ein Kleidchen, das im unteren Bereich auch wie ein Regenschirm aussieht, beides in Briefkastengelb. Die Performance mit dem DSDS-Fernsehballett kommt bei der Jury nur verhalten gut an, Dieter bringt’s auf den Punkt: “Visuell Bombe, für die Ohren aber Eieieieiei!” Er sehe keine Steigerung mehr bei Zazou, dies sei bereits ihr Maximum – und damit wohl nicht gut genug für den Superstar.

    Ardian Bujupi ist lt. Marco auf dem (guten?) Weg vom harten Macho zum Schmusesoftie. Im Einspieler macht er sich über häufig weinende Männer wie Pietro lustig, die trotzdem – oder gerade deswegen – bei Frauen gut ankommen. Er hat in der letzten Woche Tanzunterricht bei Zazou genommen, um etwas von seinem zu aggressiven Bewegungsstil wegzukommen, hin zu mehr Gefühlen – und damit weiblichen Fans, die für ihn auch anrufen. Er singt heute Abend “Grenade” von Bruno Mars. Warum ist das nun ein Frühlingslied? Keine Ahnung! Vielleicht, weil das gerade ein aktueller Hit ist und wir ja meteorologisch gesehen bereits Frühling haben? Optisch finde ich Ardian heute mindestens gewöhnungsbedürftig. Unten herum trägt er bis zu den Knien herabhängende, schlabberige Baggy Pants, die an grau gefärbte lange Opa-Unterhosen erinnern, oben hat er nur eine schwarze Weste an und einen ganzen Satz Ketten um den Hals. Die Juryherren äußern sich nachher recht kritisch zur Songauswahl, Dieter unkt gar, heute werde es eng werden für den Kosovaren.

    Marco Angelini hatte in der letzten Woche als Stimmungssänger im Seppeloutfit reüssiert. Im Einspieler berichtet er von seinem auch in den Internetforen durchschlagenden Erfolg. Papi Angelini, der übrigens ebenfalls Marco mit Vornamen heißt, philosophiert dann live in der Halle über Marco Juniors Zukunft: “Medizin ist seine Berufung, Singen seine Leidenschaft. Momentan wandelt er auf den Pfaden der Leidenschaft und da unterstützen wir ihn.” Schön gesagt und los geht’s mit dem Sohnemann und seinem Titel “Shame” (Robbie Williams & Gary Barlow). Wieder bleibt die Frage nach der Motto-Relevanz unbeantwortet. Egal, das Publikum in der völlig abgedunkelten Halle schunkelt und wedelt mit den ausgeteilten Leuchtstäben. Der Auftritt ist komplett unaufgeregt, gesanglich fehlerlos und Patrick hat hinterher Mühe, die gewünschten Kritikpunkte zu finden. Ja, die englische Aussprache könnte noch etwas verbessert werden, mäkelt der in den USA lebende Sänger etwas von oben herab, mehr fällt ihm aber auch schon nicht mehr ein. Die anderen Juroren finden ebenfalls kein richtiges Haar in der Suppe.

    Norman Langen ist bei DSDS exklusiv für den deutschen Schlager zuständig, soll heißen: Nur er singt dieses Zeug und er singt auch nichts anderes. Im Einspieler erleben wir seinen 26. Geburtstag mit, als “Geschenk” darf er am Rosenmontagabend auf dem Kölschfest vor mehreren tausend besoffenen Karnevalisten im Zelt auftreten. Zusammen mit Olaf Henning, einem in Szenekreisen offenbar weithin bekannten Interpreten grenzdebiler Trinkerlyrik, singt er dessen Hit “Cowboy und Indianer” und gibt der wüst feiernden Meute damit weiteren Anlass, dem Alkohol zuzusprechen. Aber zurück in die Gegenwart! Auch in die heutige Sendung geht Norman wieder mit einem Titel, den man in dieser Staffel schon mehrmals gehört zu haben glaubt, wovon er aber auch nicht besser wird: “Verlieben, verloren, vergessen, verzeih’n” von Wolfgang Petry, dem Freundschaftsbänder-tragenden Dieter Bohlen des deutschen Schlagers. Normans Performance war auch schon mal agiler, er hält sich fast nur vor dem Jurytisch auf, ohne die dauernden Kamerafahrten durch das gesamte Studio wäre der Auftritt geradezu öde. Immerhin hat er auch diesmal den Text nicht vergessen. Patrick Nuo kommt sich wieder ganz schlau vor, lobt zwar den heutigen Auftritt, rät Norman aber dazu, mal etwas ganz anderes zu singen, vielleicht eine Nummer von den Stones oder von Elton John. “Oder was meinst Du, Dieter?” Der so Befragte reagiert wie gewohnt knapp und ehrlich: “Nö! Der Künstler sollte singen, wofür er steht.” Und Bohlen ist in jeder Beziehung zufrieden mit seinem Sternchen, möchte ihn gar zum regulären Nachfolger von Wolfgang Petry aufbauen, denn letzterer sei endgültig und dauerhaft in die Künstlerrente abgetaucht, tratscht er brühwarm von einem privaten Gespräch mit dem Sänger.

    Nach einem Werbeblock finden wir Marco Schreyl auf der Studiotreppe sitzend vor, rechts und links neben sich hat er die arg zerschranzt aussehenden Schauspieler Erdogan Atalay und Tom Beck aus der für ihre feinsinnigen Dialoge und subtile Handlung bekannten RTL-Serie “Alarm für Cobra 11″. Die beiden haben offenbar das Kleingedruckte in ihren Verträgen übersehen und müssen jetzt hier vor dem riesigen Samstagabendpublikum Werbung in eigener Sache machen. Der angebliche Mädchenschwarm Beck hat außerdem gerade eine eigene CD herausgebracht, auf die er bei dieser Gelegenheit gleich auch noch verweist. Mir fehlt hier die Einblendung “Dauerwerbesendung”.

    Das DSDS-Küken Sebastian Wurth wird im Einspieler bei der Fan-Basisarbeit gezeigt. Er hat in einem Forum seine Telefonnummer gepostet und nimmt nun eine Stunde lang die wichtigen Anrufe seiner Anhänger entgegen. “Hallo, hallo!” – “Wie geht es Dir? Mir geht es gut.” – “Wie alt bist Du, 16? Das ist ja toll, ich auch.” – “Bist Du aufgeregt? Macht nichts, ich auch.” – “Hallo, wer bist Du, Jana? Äh, hast Du’n Freund? Nicht? Och, achso.” Diese und ähnliche weltbewegende Kommunikation ergibt sich dabei. Doch gut, dass RTL wegen des läppischen Erdbebens nicht auf die Ausstrahlung der heutigen Sendung verzichtet hat, was wäre uns doch sonst alles durch die Lappen gegangen… Sebastian geht heute Abend mit Milows “You don’t know” auf die Bühne. Er sitzt klampfend auf einem motorisiert gedrehten Hocker mitten in der ansonsten dunklen Halle und macht sein Ding. Wie immer, geht auch heute alles gut, die Jury lobt ihn und er grinst dafür. Die nächste Bravo-Titelstory ist ihm wohl sicher.

    Kandidatin Nummer Sechs ist Anna-Carina Woitschack. Gemessen an den Buhrufen und Pfiffen, ist sie vermutlich momentan die meistgehasste Kandidatin. Viele haben ihr den Zickenterror nicht verziehen, den sie seit Wochen unter den Frauen im DSDS-Haus verbreitet. Ihr erstes Opfer war Sarah, das zweite Nina. Das hat sie die Sympathien des Publikums gekostet und die der anderen Kandidaten. Marvin hatte seinen Mitgefangenen beim Auszug in der letzten Woche ein (bestimmt ziemlich großes) T-Shirt hinterlassen, auf das er ohne überragende Duden-Kenntnisse einen Abschiedsgruß geschrieben hatte: “Ihr seit [sic!] die besten ich liebe euch, ausser Anna! Zeigt es ihr, Euer Papabär.” Anna-Carina gibt sich ob dieses hinterhältigen Anschlags sehr empört, sie habe bei DSDS auf richtige Freunde gehofft und dann das. Aber wenigstens unter ihren Fans scheine es treue Anhänger zu geben, manche kämen sogar zum DSDS-Haus, um ihr Süßigkeiten “als Nervennahrung” zu bringen. Überhaupt scheint Essen ein wichtiger Lebensinhalt von Anna-Carina zu sein. Wir sehen in kurzer Schnittfolge, was sie an einem typischen Superstar-Tag alles in sich hineinschaufelt, die anderen Kandidaten schieben ihr sogar die Reste von ihren Tellern herüber. Wo sie das alles lässt, bleibt allerdings ihr kleines Geheimnis… Heute Abend singt sie das bekannte Frühlingslied “Für Dich” von Yvonne Catterfeld. Vielleicht liegt es an den unüberhörbar negativen Rufen aus dem Publikum, jedenfalls hat Anna-Carina heute nicht ihren besten Tag. Ihre Stimme klingt viel zu hauchig, die Intonation ist nicht immer sicher, das grüne Kleid sieht langweilig aus – und das gilt auch für ihre leicht statische Performance inmitten von ganzen Plastik-Sonnenblumenfeldern auf der Bühne. Oberjuror Dieter Bohlen geht mit ihr hart ins Gericht, immerhin hat er den Softie-Titel selbst geschrieben. Sie sei wie das E10-Benzin, es stecke was Gutes drin, doch keiner liebe das Zeugs. Sie käme irgendwie immer komisch rüber, auch wenn ihr Auftritt eben gerade musikalisch gut gewesen sei.

    Kuriosum am Rande, es ist 22 Uhr und deswegen darf Sebastian aus Gründen des Jugendschutzes neuerdings ab dieser Uhrzeit nicht mehr auf der Bühne stehen, sondern muss neben seiner Mutti im Publikum sitzen. Marco Schreyl darf ihn nicht mal mehr etwas fragen, Interviews gibt jetzt nur noch seine Erziehungsberechtigte. Tja, da macht sich die NRW-Jugendschutzbehörde kräftig lächerlich, indem sie das ansonsten sicherlich sinnvolle Gesetz gnadenlos und buchstabengetreu durchsetzt. Wir sind halt in Deutschland, nicht vergessen!

    Pietro Lombardi, der DSDS-Clown, hat die vergangene Woche genutzt, um sich beim Fitnesstraining im Haus den Knöchel zu brechen, Glanzleistung! Mit dieser Diagnose geben ihm die Ärzte für die nächsten Shows Tanzverbot. Was hätte doch Marvin für eine solche Krankschreibung gegeben… Und dennoch zappelt Pietro auch mit einer Krücke mehr, als seinerzeit der hannoversche Brummbär mit zwei gesunden Füßen, wie wir schon am Anfang der Sendung gesehen haben. Im Einspieler wird noch über die Kochversuche der DSDS-Wohngemeinschaft berichtet, die ohne Pietros tatkräftige Unterstützung logischerweise im Desaster enden mussten, dann betritt unser tragischer Held höchstpersönlich die Bühne. Es gibt “Down” von Jay Sean, einen Titel, den er bereits aus dem Recall kennt, weshalb möglicherweise das Textlernen etwas leichter fiel. Aber nur möglicherweise, das ist nämlich “in Echt” schon ein paar Monate her und mit dem Gedächtnis hat es unser Pietro ja bekanntlich nicht so schrecklich doll. Als sein Auftritt beginnt, humpelt der Schwerverletzte schnell zu einem Hocker mitten auf der Bühne und trällert unbeschwert sein Lied. Nachher will Patrick wissen, wie das denn so ginge, mit Krücken und im Sitzen zu singen. Pietros Antwort ist ohne Simultandolmetscher kaum verständlich, er fängt wieder unheimlich viele Sätze an, die am Ende alle als verwaiste Sprachruinen im Raum zurückbleiben und man kratzt sich als Zuhörer verwirrt am Kopf. Dieter ist aber gnädig, trotz geringer Textunsicherheiten überreicht er dem Kandidaten unter großem Brimborium die ausgelobte zweite Hälfte des 200-Euro-Scheins aus der letzten Sendung.

    Den Abschluss macht “die Neue”, eigentlich alte Kandidatin Sarah Engels. Wegen des außerplanmäßigen Abgangs von Nina bekommt sie heute eine zweite Chance. Der völlig lächerliche Einspieler zeigt sie angeblich beim Entgegennehmen des Anrufs von Fernanda, in dem ihr die Rückkehr zu DSDS mitgeteilt wird. Welcher Mensch mit einem IQ über 60 würde denn so etwas glauben, dass die vor zwei Woche rausgeflogene Kandidatin “zufällig” gerade Zuhause von einem RTL-Team gefilmt wird, als das Telefon klingelt? Okay, vielleicht würde Pietro das glauben und bestimmt auch Menderes, aber sonst??? Wie auch immer, Sarahs Comeback ist vor allem für Anna-Carina eine echte Gefahr, denn “die Neue” will auch in Ninas Namen “weiterkämpfen” und das heißt ganz klar gegen Anna-Carina, die Puppenspielerin. Sarah singt heute “I wanna dance with somebody” von Whitney Houston, einen starken Titel von einer ehemals starken Frau. Und sie macht ihre Sache prima, singt sehr sicher und bewegt sich in der Choreografie mit der halbnackten Tanztruppe, als habe sie das wochenlang geübt, dabei hatte sie in Wirklichkeit nur ein, zwei Tage Zeit zum Einstudieren. Und Spaß scheint es ihr dabei auch noch zu machen. Die Jury ist unisono begeistert und hofft sehr, dass die Zuschauer diesen professionellen Einsatz zu würdigen wissen.

    Unmittelbar vor dem Ende des ersten Teils der heutigen Show darf Bülent Ceylan als Anstandsfeigenblatt von RTL öffentlich erklären, warum seine nun folgende Comedy-Sendung angesichts der Ereignisse in Japan nicht ausfällt. Ja, hier wird man hellhörig, denn für die viel größere DSDS-Sendung hat niemand eine solche Erklärung für nötig gehalten. Bülent also berichtet, entschuldigt sich fast, man habe sich zusammen mit RTL überlegt, dass die vielen besorgten Menschen in Deutschland ein wenig auf andere Gedanken gebracht werden sollten und deshalb könne man ja wohl ruhig ein bisschen Comedy – oder was er dafür hält – veranstalten. Schöne Erklärung, das ist ja dann wohl ein Freibrief für immer und alles. Meine Güte, wenn ich mich erinnere, wie 2009 beim Selbstmord von Robert Enke die halbe Nation vor Trauer zum Stillstand kam, dann erkenne ich doch angesichts der heutigen zehntausendfach größeren Katastrophe eine gewisse, sagen wir mal, Leichtigkeit im Umgang mit dem Tod – wenn er denn nur weit genug weg ist und keine Deutschen betrifft.

    So, ganz schnell zum Ergebnis des heutigen Abends. Sebastian hat inzwischen in einem riesigen Sessel in der ersten Zuschauerreihe Platz genommen und bekommt sozusagen aus der Ferne das Ticket in die nächste Mottoshow. Alle anderen Kandidaten springen von der Bühne und umarmen ihren jungen Kollegen. Danach geht es weiter mit dem Ernst des Lebens: In die Zitterrunde kommen heute Ardian Bujupi (wie von Bohlen vorhergesagt), Anna-Carina Woitschack und Schlagerkönig Norman Langen. Und dauerhaft verabschieden dürfen wir uns schließlich von Anna-Carina. Die nach RTL-Drehbuch intrigant veranlagte Kandidatin beendet an dieser Stelle ihre Gesangskarriere und kann fortan wieder als Puppenspielerin die Strippen ziehen. Unter dem hämischen Jubel des Publikums bricht Anna-Carina heftig schluchzend an Marcos Seite zusammen. “Warum weinste?”, fragt der hochsensible Möchtegernmoderator und verabschiedet gleichzeitig das Publikum bis zur nächsten Woche.

    Und dem schließe ich mich an, bis zur Top-7-Show! Mal sehen, welches hirnlose, allgemeingültige Motto den DSDS-Machern dann wieder einfällt…

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  • Liebe Rachianer,

    Ihr müsst ganz stark sein, denn an diesem Montag gibt es wieder nur Konservenkost, soll heißen: Sternekoch Christian Rach legt heute die Füße hoch und serviert uns ein Schmankerl aus seinen Jugendtagen.

    Im malerischen Güstrow will sich die ostig-unterkühlt, zickige Restaurantbesitzerin und Namenspatronin “Eisheidi” anfangs gar nicht so recht helfen lassen, kultiviert lieber ihren patzigen MITROPA-Charme und kommt erst gegen Ende der Folge etwas auf den Geschmack. Diese Episode ist schon mindestens zwei Jahre alt und die wichtigsten Szenen wurden bereits im letzten Jahr mal im Rahmen einer “Was wurde eigentlich aus…?”-Sendung aufgewärmt, bei der man sich von der Nachhaltigkeit der Rachschen Ratschläge überzeugen konnte.

    Deshalb schließe ich mich heute von Ferne dem Meister an, mache gemütlich Pause und verweise lediglich auf unseren Blogeintrag vom 22.02.2010. In der nächsten Woche sehen wir dann wieder eine frische Folge. :-)

    Wohl bekomm’s!

  • DSDS (RTL) 07.03.2011 No Comments

    Liebe Leute, Freunde der besinnlichen Samstagabendunterhaltung,

    mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa, manchmal tun einem die eigenen Worte im Nachhinein Leid. So geht es mir bei meinem Blog-Beitrag zur Top 10 von “Deutschland sucht den Superstar” am letzten Sonnabend. Ich bitte um Entschuldigung, dass ich so unbesonnen war, das harmlose Herumgefrotzel der Kandidatinnen Sarah Engels und Anna-Carina Woitschack im Titel “Zickenterror” zu nennen. Ich konnte ja nicht wissen, was uns in dieser  Woche bevorstehen würde! Die Auseinandersetzung zwischen “Puppenspielerin” Anna-Carina und der bei DSDS inzwischen verseligten Sarah war ja noch beinahe ein freundschaftliches Geplänkel im Vergleich zu dem schon körperverletzende Ausmaße annehmenden Kampf mit ihrer neuen Gegnerin Nina Richel. Ich hoffe, mit dem heutigen Blogtitel der eingetretenen Gewalt-Eskalation Rechnung getragen zu haben. Ich wage allerdings nicht, mir vorzustellen, wie die Überschrift für die Top 8 bei einer weiteren Verschärfung der Lage lauten müsste, vielleicht “Kandidatin auf offener Bühne mit Mikrofon verprügelt” oder “Patrick Nuo verliert Zahn bei Schlichtungsversuch” oder gar “Marco Schreyl sprachlos”. Was wir aber garantiert nicht lesen werden, ist “Bohlen wirft Streitnudeln aus dem Wettbewerb”, denn dazu ist die Sache aus Quotensicht doch wieder zu interessant…

    Der heutige Abend steht unter dem Motto “Après-Ski-Hits”, wir werden also Musik serviert bekommen, von der RTL denkt, dass man sie nach dem Ski-Fahren hören könnte. Gut, würde ich als bösartiger Flachlandtiroler da sagen, welche Musik kann ich denn NICHT nach dem Sport hören? Nun ja, gemeint sind wohl eingängige Melodien, so simpel gestrickt, dass man sie trotz oder gerade bei erhöhtem Alkoholpegel auf der Hütte mitgrölen kann, auch wenn die Beine schon längst den Dienst versagen, genau wie die Kontrolle über die Körperöffnungen, und sich der Intelligenzquotient (hoffentlich) temporär in Richtung Gummibaumniveau bewegt.

    Nach der gehörigen Begrüßung der Jurymitglieder Fernanda Brandao, Patrick Nuo und vor allem Dieter Bohlen (frenetischer Applaus) ruft Moderator Marco Schreyl die verbliebenen Kandidaten auf die Bühne. Die neun performen gemeinsam (bitte dieses Wort für später vormerken!) “The Time” von den Black Eyed Peas, dem elektronifizierten Cover eines auch nicht viel besseren Titels von Bill Medley und Jennifer Warnes. Upps, hatte ich “neun” gesagt? Es hätte “acht” heißen müssen, denn “Tanzmaus” Marvin Cybulski hat sich wieder in eine Ecke am Bühnenrand verzogen. Bekanntlich lehnt er ja jegliche rhythmischen Bewegungen vor den Kameras kategorisch ab und bastelt damit beharrlich an seinem Image als DSDS-Opa, was für die Akzeptanz in der Bravo-Anrufklientel nicht besonders förderlich sein dürfte.

    Auf Startplatz Nummer Eins finden wir heute “Strahlemann” Norman Langen. Er hat als Propagandist des deutschen Schlagers sicherlich keine Probleme mit der Suche nach einem Motto-kompatiblen Titel. Zuvor erleben wir im Einspieler noch einmal seine Zerknirschtheit, als er in der letzten Show gleich zwei Texthänger hatte und von Onkel Dieter entsprechend angezählt wurde. Von dem eigentlich geplanten Suizidversuch hat Norman nun aber doch wieder Abstand genommen, denn das wäre zu leicht gewesen. Stattdessen hat er sich für eine langsamere Variante der Selbsttötung entschieden, nämlich den Verbleib im Wettbewerb… Bis es soweit ist, leistet er neben dem DSDS-Training unter der Woche auch noch freiwillige Sozialstunden ab: Ein Altersheim (echt!) hatte ihn eingeladen, doch einmal für die Bewohner zu singen und dazu ließ er sich nicht zwei Mal bitten. Wir sehen Norman, wie er als Enkelersatz zwischen Rollstühlen und Gehböcken den Welthit “Wahnsinn” (Refrain: “Hölle, Hölle, Hölle!”) von Wolfgang Petry aufführt, um sich herum schunkelnde, mitklatschende Greise und frenetische Altenpflegerinnen in weißen Kitteln. Eigentlich aus Marketingsicht gar nicht mal so dumm, immerhin erschließt er damit für DSDS eine ganz neue, attraktive Fangruppe: Dank der demografischen Schieflage hier im Lande gibt es ja viel mehr alte als junge Leute und für die Anruferei ist es schließlich egal, wie alt jemand ist, Hauptsache er oder sie oder die Pflegerin können das Telefon bedienen und bringen RTL die gewünschten Einnahmen!

    Norman hat als Titel “Ein Stern, der Deinen Namen trägt” von DJ Ötzi gewählt. Ich frage mich bei dieser Gelegenheit übrigens mal wieder erfolglos, weshalb sich ein Sänger freiwillig den Namen einer 5000 Jahre alten Gletscherleiche gibt. Ich finde keine andere Erklärung, als dass unsere südlichen, ansonsten sympathischen Nachbarn da wohl vom Humor her anders gestrickt sind. Man denke nur an DJ Bobo, den eidgenössischen Hüpfwichtel… Wie dem auch sei, jedenfalls macht Norman seine Sache heute Abend gut. Inmitten von leicht bekleideten Damen und Herren der Tanzgruppe Bohlen singt er mit fester Stimme, als gebe es kein Morgen, vergisst nicht einmal den Text oder das scheinbar festgetackerte Zahnpastagrinsen. Okay, er könnte vielleicht mal im “Großen Buch der Schlagerposen” eine Seite weiterblättern und seine Choreografie variieren, aber so lange Leute wie Marvin ungestraft in dieser Sendung herumlungern, darf man das wohl nicht ernsthaft fordern. Die Jury zeigt sich begeistert, Normans habe die Scharte vom letzten Mal wieder ausgewetzt. Als Marco ihn dann fragt, warum er – auch beruflich – so einen Faible für ältere Menschen habe, kommt eine Antwort aus dem Poesiealbum der Jungen Union, die Normans Verbleib im Wettbewerb für einige Wochen sichern sollte: “Alte Menschen haben Geschichte geschrieben, die haben dieses Land zu dem gemacht, was es ist, denen sollte man dankbar sein und ohne die wären wir auch nicht hier.” Meine Güte, man sollte nie bei offener Mikrowelle schlafen! Selbst der hartgesottene, sich ansonsten für jeden Dreck verkaufende Marco lacht an dieser Stelle über so viel aufgesetztes Pathos…

    Als nächste kommt Zazou Mall an die Reihe. In Ermangelung schlauerer Geschichten, schickt die RTL-Redaktion sie im Einspieler zu Fuß auf den Kölner Dom (533 Stufen): Zum Workout, angeblich habe sie nämlich seit Beginn der Staffel zwei Kilo zugenommen und die wolle sie, sagt die Off-Stimme, nun auch wieder abtrainieren. Ihr Titel heute Abend ist “Born this Way” von Lady Gaga, den sie zusammen mit den bereits bei Norman in Erscheinung getretenen halbnackten DSDS-Tänzerinnen und -Tänzern in knietiefem Bühnennebel absolviert. Patrick nennt den Auftritt “sexy-bombastisch” und ist sichtlich stolz auf seine schweizerische Landsmännin, Fernanda kann wie gewöhnlich nichts Substanzielles beisteuern und der Schlagertitan aus Tötensen ist zumindest zufrieden (“Weg in die richtige Richtung, visuell toller Auftritt”). Auch sei sie, Zazou, schlau wie alle Schweizer, sie habe sich nämlich aus dem Zickenkrieg im DSDS-Haus herausgehalten, so wie sich eben die Schweizer immer schön aus allen Kriegen herausgehalten hätten. Diesen, bei näherer Betrachtung nicht unproblematischen, Vergleich unseres Hobbyhistorikers, möchte ich hier einfach mal so unkommentiert stehen lassen.

    Auf Platz Drei kommt die erste unserer beiden Diven, Nina Richel. Im Einspieler dürfen wir erleben, wie sie in der DSDS-Villa vor laufender Kamera den Putzteufel mimt. Angeblich habe sie zweieinhalb Stunden lang das Badezimmer putzen müssen, nachdem Mit-Diva Anna-Carina sich dort aufgehalten hatte.  Nina schimpft wie ein Rohrspatz, nennt ihre Zimmergenossin immer nur “diese Person”, brüllt mit dieser um die Wette und pfeffert den Inhalt ihres Koffers (“alles nicht meine Sachen”) auf den Fußboden. Am Ende des Filmchens stehen ihr Tränchen in den Augen und man hört im Hintergrund das höhnisch-mitleidige “Oooooh” des Saalpublikums. Ob ihre Tochter denn einen Sauberkeitsfimmel habe, fragt Marco Ninas Mutter, die jedoch verneint, ihre Familie sei lediglich “normal reinlich”. Die Diva #1 singt Cascadas Stampfhit “Everytime we touch” in einem recht gewagten hautengen, beinfreien Dingsbums, das aussieht, als habe sie eine Tüte in den texanischen Nationalfarben angezogen. Wenn man lästern wollte, und genau das tun wir hier ja, hätte eigentlich Nina statt Zazou zum Abnehmen auf den Kölner Dom laufen müssen – und zwar mehrfach. Sie ist ausgesprochen propper, was wohl auch die Tänzer davon abhält, mir ihr eine Hebefigur zu machen, so wie mit der schlanken Schweizerin. Die Jury reagiert hinterher verhalten positiv, das Outfit sei “gewagt”, der Zickenkrieg der letzten Woche habe aber erkennbar seine Spuren hinterlassen. Dieter Bohlen macht aber dann aus seinem Herzen keine Mördergrube und zieht voll vom Leder: “Du bist mittlerweile in den Medien die Oberzicke, 99 Komma 9 Prozent Eurer Zeit habt Ihr nur in Scheiße investiert anstatt zu üben, wohin ich auch gucke in den Medien: ‘ich hab’ hier geputzt, ich hab’ da geputzt’, wir sind doch hier nicht bei den Dixie-Klos. Letzte Woche war Sarah dran, nun ist Anna-Carina dran…” Die so gescholtene Nina kommt nun voll in Brast, motzt auf offener Bühne zurück: “Dieter, ich glaub’, Du verdrehst hier gerade die Tatsachen! Guck mal, wer da sitzt.” Und zeigt irgendwo ins Publikum. Tja, da hätte eigentlich Sarah in Ninas Fanblock sitzen sollen, aber blöderweise erfährt unsere Diva genau zu diesem dramaturgisch unpassenden Zeitpunkt, dass dem nicht so ist, Sarah hatte wohl Dringenderes zu tun. Dieter schließt die peinliche Pause ab mit: “Also konzentriert Euch aufs Singen!”

    Nein, das Thema “Zickenkrieg” ist damit noch lange nicht ausgestanden, jetzt präsentiert Marco den emotionalen Höhepunkt des heutigen Abends, nämlich einen Einspielfilm über die Ereignisse der Woche im Frauentrakt der DSDS-Villa. Kapitel eins heißt “Donnerstag – Ninas Zusammenbruch”. Wir erleben Nina und Anna-Carina beim Mittagessen, sie sitzen an den diametral entgegengesetzten Plätzen eines sehr langen Tisches, zwischen ihnen haufenweise freie Plätze. Nina fängt trotz eines Beschwichtigungsversuchs von Mitesser Marvin sofort an zu motzen, dabei scheint die Anwesenheit der Kamera sehr befruchtend zu wirken. Man hört etwas von “hinterhältigen Machtspielchen”, dann verkrümelt sich die Diva mitsamt ihrem Teller in den hinteren Teil des Hauses. Noch während Anna-Carina und Marvin ihre Drehbuch-Dialoge abspulen, hört man mit einem Male aus dem Off ein Rumpeln und dann ein hysterisches Geschluchze: Nina hat spontan einen Nervenzusammenbruch gekriegt, liegt heulend und nach Luft schnappend auf dem Rücken und wird von diversen Mitgliedern des Aufnahmeteams umringt. Mitbewohner Marco Angelini, immerhin angehender Arzt, diagnostiziert leichthin in die Kamera: “Sie hat jetzt wieder einen Krampfanfall.” Vielleicht sollte er doch besser Tierarzt werden, wie ein Krampfanfall sieht mir dieses theatralische Getue jedenfalls nun wirklich nicht aus.

    Wir spulen vor zum zweiten Kapitel der Saga. Das heißt “Freitag – Annas Zusammenbruch” und unterscheidet sich bis auf die Hauptdarstellerin nicht von den Szenen vom Vortag. Wieder glänzt Marco Angelini mit einer sicheren Lagebeurteilung: “Das ist auf keinen Fall geschauspielert, die war echt kreidebleich.” Um noch etwas mehr Öl ins Feuer zu gießen, darf Mutter Woitschack am Ende des Einspielers ihre absehbar negative Meinung zu Nina in die Kamera posaunen: “Meine Tochter soll sich nicht von diesem gewöhnlichen Mädel unterkriegen lassen. Für mich ist die asozial.” Der Nina-Fanblock im Saalpublikum quittiert diese Einlassung mit lauten Buhrufen und Pro-Nina-Sprechchören. Wenig überraschend, dass die beiden Kontrahentinnen sich auch im anschließenden Liveinterview mit Marco Schreyl unversöhnlich zeigen. Ursprünglicher Stein des Anstoßes war wohl übrigens, dass Anna-Carina im Mädchenklo – währenddessen? – eine Banane verputzt und die Schale einfach unentsorgt dort zurückgelassen hatte. Zumindest las ich das so in der Blödzeitung in einem Artikel, der in Aufmachung und Größe den anderen wichtigen Dingen des Zeitgeschehens in nichts nachstand, also z.B. der Guttenberg-Demission, dem Völkermord in Libyen und dem Attentat im Frankfurter Flughafen. Anna-Carina zeigt sich uneinsichtig, sie sei nun mal nicht die “Superputzfrau” und wenn man Streit suche, da finde man bestimmt auch etwas. Nina ist sauer, dass “bestimmte Leute” ihre Fehler nicht einsehen können, “Lebensmittel haben im Bad nichts zu suchen”. Tja, die Lage scheint mir ziemlich verfahren, Südfrüchte auf der Toilette, das ist natürlich DER Klassiker für langanhaltenden Streit. Dagegen wirkt ja die Lösung des Palästina-Problems wie die Organisation eines Kindergeburtstags.

    Zurück zur leichten Muse, es erscheint Marco Angelini, der scheinbar alle Daheim entbehrlichen Österreicher zur Unterstützung in der Halle hat. Deren Anreise und leicht debiles Herumirren vor dem Kölner Dom ist Inhalt seines Einspielfilmchens. Marco selbst erscheint heute in einem Deppenkostüm mit Latzhosen, Bauern-Karohemd und  Sepplmütze und singt das “Fliegerlied” der Zillertaler Dirndljäger. Was er genau singt, ist nur schwer zu verstehen, es handelt sich offenbar um ein Lied in seinem heimatlichen Idiom. Auf jeden Fall ist alles recht fröhlich, regt die Halle zum Mitsingen an und erfüllt damit genau die Kriterien für die heutige Après-Ski-Mottoshow. Ach, was für eine Befreiung nach den ganzen depressiven Themen der vorangegangenen Minuten! O-Ton Dieter: “Perfekter Auftritt, Du machst das toll!”

    Platz Fünf gehört heute Sebastian Wurth, der inzwischen schon seine erste Bravo-Titelstory hinter sich hat. Im Einspieler sehen wir ihn in Köln auf der Suche nach einer Eisdiele, in die er Fernanda – wie versprochen – einladen könnte, die sei nämlich auch noch Single, genau wie er. Dabei wird er heftig umringt von seinen weiblichen Fans, was ihn erkennbar freut. Sebastian singt heute Abend den Udo-Jürgens-Klassiker “Ich war noch niemals in New York” in der Version der Sportfreunde Stiller. Ein 16jähriger, artig frisierter Junge, man gerade aus dem Stimmbruch, singt ein Lied von der Midlife Crisis… irgendwie passt der Interpret nicht so recht zum Song und der Song auch nicht zum Thema “Après Ski”, aber sei’s drum. Das war heute nicht Sebastians bester Auftritt und die verhaltene Kritik der Jury stößt auf das lautstarke Missfallen der Bravo-Fans, auch wenn Fernanda zum Trost die Eiseinladung noch etwas erweitert: “Sollen wir in New York Eisessen gehen?” Bohlen bescheinigt dem Justin-Bieber-Klon überragende Nervenstärke und konstante Bodenhaftung, also professionelle Eigenschaften, die viele seiner Hausgenossen eben nicht hätten.

    Auf Platz Nummer Sechs finden wir Diva #2, Anna-Carina Woitschack. Nach einem nichtssagenden Einspielfilmchen, in dem sie etwas von Spuk in der DSDS-Villa fabuliert, von geheimnisvollen Lichtern und Schatten, und sich die Mitkandidaten darüber etwas mitleidig lustig machen, erscheint sie live und wahrhaftig mit “I will survive” von Gloria Gaynor. Anna, wie sie allgemein kurz genannt wird, trägt ein goldenes Glitzerkleidchen, wohingegen ihre Tänzer schon wieder ohne Oberbekleidung auskommen müssen. “I will survive”, das Überleben-Wollen, scheint momentan auch im Alltag der DSDS-Wohngemeinschaft ihr Motto zu sein. Während im Hintergrund die Nina-Fans herumpöbeln und buhen, gibt ihr Patrick ein bisschen unfreiwillig komische Lebenshilfe: “Ein Tipp: Beteilige Dich nicht am Zickenkrieg, mach’ lieber Joghurt – äh Joga.” Dieter erweist sich wieder als treuer Freund, sie sei die beste Sängerin im Wettbewerb und das mit der Spukerei, das könne durchaus sein, er glaube auch an so etwas und Künstler hätten doch das Recht, etwas bescheuert zu sein.

    Der Auftritt von Marvin Cybulski steht wie immer unter dem Mikado-Motto, d.h. wer sich zuerst bewegt, der verliert. Bei seinem Tempo muss er aber echt aufpassen, dass er nicht mal irgendwo im Grundbuch als Immobilie eingetragen wird. Der Künstler selbst versteht die Kritik nicht, man könne sich doch zu einer Ballade auch gar nicht bewegen. Und Styling sei wohl auch nur etwas für Schwächlinge. Dennoch zwängt er sich heute in eine Lederjacke und performt – nein singt – darin “Tausend und eine Nacht” von Klaus Lage. Der Titel dürfte eher für den Refrain “…und es hat Zoooom gemacht!” bekannt sein, allerdings wohl kaum in der Altersklasse der Bravo-Leser, sondern wohl nur bei den “etwas reiferen Teenies” bis Baujahr 1970. Stimmlich okay, ist der Marvin-Auftritt optisch wie immer katastrophal – der Techniker, der den Verfolger-Scheinwerfer bedient, kann jedenfalls  eine ruhige Kugel schieben. Nicht mal, als Marvin auf der umgehängten Gitarre spielt, kommt er auch nur ansatzweise in Schweiß. Fernanda ist nachher wunderbar ironisch: “Ich bin so stolz auch Dich… Du hast Deinen Arm hochgehoben, es ist fantastisch!!!” Auch Bohlen gibt sich Mühe mit den Komplimenten: “Du bist endlich weg von den Rollator-Auftritten, aber nimm Dir doch mal ein Beispiel an Johannes Heesters, der ist 107, aber der geht ab wie ein Zäpfchen, wenn er auf der Bühne steht! Das Entscheidende ist, dass die Zuschauer draußen sehen, dass Du kämpfst, um die Nummer zu verkaufen.”

    Ardian Bujupi wird weiterhin als megacooler Womanizer aufgebaut. Der Einspieler begleitet ihn mit den anderen (volljährigen) DSDS-Jungs und ein paar Begleiterinnen aus der Tussi-Abteilung in einer Stretch-Limo zur Disko. Heute Abend singt er passenderweise “Tonight I’m lovin’ you” von Enrique Iglesias, einen insgesamt langweiligen Titel ohne erkennbare Höhen und Tiefen, der wenig von der Persönlichkeit des Sängers transportiert. Trotzdem kocht die Stimmung im Saal, man hört haufenweise “Ardian”-Sprechchöre. Die Jury vermisst etwas die Gefühle, die Leidenschaft, Enrique würde bei dieser Nummer viel mehr schluchzen… Immerhin kann Bohlen mittlerweile Ardians Vornamen fehlerfrei aussprechen!

    Den Abend beschließt unser Meisterdenker und Gedächtniskünstler Pietro Lombardi. Schon während des ganzen Abends hält ihm Marco Schreyl immer mal wieder für eine spontane Reaktion das Mikro unter die Nase und bei Pietro wird er nie enttäuscht: Es kommt immer Schwachsinn! Der Typ scheint permanent zu pennen oder vielleicht bereitet er sich auch durch stilles Meditieren auf seinen eigenen Auftritt vor, wer weiß. “Verpeilt”, sagt man dazu ja wohl. Im Einspieler erleben wir ihn als dankbares Opfer des Löffelspiels, bei dem er kräftige Schläge mit einem Holzlöffel auf den Kopf bekommt – einem von ihm ohnehin nur selten benutzten Körperteil. Vielleicht war das aber doch der eine oder andere Schlag zu viel, denn bei seinem Titel “Freaky like me” von Madcon fällt im zweiten Teil die interne Beleuchtung in seinem Oberstübchen aus und er kann den Text nicht mehr lesen. Geschickt improvisiert er und singt einfach die erste Hälfte noch einmal, gewusst wie! Auch dieses Mal kassiert er von Dieter Bohlen, einer zweiwöchigen Tradition folgend, wieder Bargeld für den Auftritt. Aber wegen der vergeigten zweiten Strophe kriegt er auch nur die Hälfte, nämlich genau eine Hälfte eines 200-Euro-Scheins, den der vielfache Schlager-Millionär unter dem entsetzten Aufstöhnen der mehrheitlich wohl nicht oberreichen Zuschauer einfach durchreißt. Den Rest des Scheins gibt’s dann vielleicht nächste Woche, befindet der Titan. Von 200 Euro muss eine Hartz-IV-Familie mehrere Wochen auskommen und für Onkel Dieter sind das nur Peanuts, die man mal eben durchreißen kann. So herablassend mag man ihn, das ist wirklich authentisch, im Andere-Kleinmachen ist Bohlen ganz groß! Pietro versucht noch, den Textfehler irgendwie zu erklären, verhaspelt sich aber unrettbar in einem komplizierten Gewirr halb angefangener, abgebrochener Sätze, man ahnt, was für ein Chaos in seinem Kopf herrschen muss. Armer Typ, er ist und bleibt unfreiwillig komisch, der sympathisch-hilflose DSDS-Clown. Mal sehen, wie weit ihn diese Masche noch tragen wird.

    Das war es mit dem ersten Teil der Sendung, wir blenden gleich über die Bülent-Ceylan-Comedyshow hinweg zur Verkündung des Urteils. Inzwischen gab es, welch Überraschung, schon wieder einen Zusammenbruch: Donnerstag war Nina, Freitag Anna-Carina, dann ist folgerichtig am heutigen Sonnabend wieder Nina Richel dran. Und richtig, die Diva sitzt nach überlebter Reanimation durch die RTL-Sanitäter auf einem Stuhl auf der Bühne, denn sie hat es nur in die Trost-Runde geschafft. Neben ihr stehen die verhasste Konkurrentin Anna-Carina und der Bewegungsmuffel Marvin Cybulski und zittern, welches Schicksal die Zuschauer ihnen zugedacht haben. Und Tusch: Die miese Stimmung im DSDS-Gefängnis bleiben uns und der Quote noch mindestens eine weitere Woche erhalten, beide Damen sind in der Top-8-Show, stattdessen fliegt Marvin! Es erhebt sich ein Chor von Buhrufen, dazwischen hört man das Flennen der überwältigten Nina. Marvins Rauswurf geht wohl in Ordnung, immerhin handelt es sich ja um eine Fernseh- und keine Radiosendung und da muss man sich Wohl oder Übel auch mal bewegen, eine tolle Stimme allein reicht da leider nicht aus. Bemerkenswert sind aber Marcos Abschiedsfragen und Marvins letzte Antworten im Lichte der Fernsehkameras. Marco: “Was hast’e gelernt bei uns?” Marvin: “Ne Menge, ist nicht alles Gold, was glänzt, hier, neh!” Nochmal Marco: “Wirst Du Zuhause ab und an jetzt mal’n bisschen vor Dich hintanzen?” und dazu Marvin: “Das kannst’e vergessen, aber ich geh’ meinen Weg, hundertprozentig!!!”

    Bis zur nächsten Woche – und mein ganz besonderer Gruß geht heute mal an Emma! :-)

    Nachtrag (07.03.2011):
    Aus der heutigen Blödzeitung erfahren wir, dass Nina am Sonnabend nach der Sendung noch einen weiteren “Zusammenbruch” inszeniert erlitten hat und daraufhin von ihrem Papi aus dem Wettbewerb genommen wurde. RTL würde die ganzen Querelen künstlich erzeugen und aufbauschen, er habe nun die Schnauze voll, lasse seine Tochter vom Fernsehen nicht weiter kaputtmachen. Ob das jetzt sein letztes Wort ist oder Nina morgen schon wieder auf der Matte vor der DSDS-Villa steht, lässt man offen.

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  • Hallo Leute,

    gerade so eben noch im meteorologischen Winter, begleiten wir den Hamburger Sternekoch und bekennenden Gutmenschen Christian Rach nach Erftstadt in Nordrhein-Westfalen, so etwa zwischen Köln und Bonn gelegen. Dort kämpft der jahrhundertealte “Esserhof” um die Existenz, der Besitzer Guido Schwarz hat dabei den RTL-Fernsehkoch zu Hilfe gerufen.

    Christian Rach hat sich diesmal einen grandiosen, brandneuen, nobelpreisverdächtig durchtriebenen Trick überlegt, um bei seinem Besuch in Erftstadt die ungeschönte Wahrheit zu sehen zu bekommen und keine Potemkinschen Dörfer. Achtung, Spoiler-Warnung: Wer die Folge noch nicht gesehen hat und sich die Spannung erhalten will, der möge jetzt beim nächsten Absatz weiterlesen. Also, hier nun das Geheimnis: Rach erscheint einfach ein wenig früher, als eigentlich mit dem Wirt verabredet und überrascht ihn damit kalt. Tja, Ideen muss man haben, unser Chrischan ist und bleibt nun mal ein Schlaufuchs, das muss man neidlos anerkennen. Wahnsinn, ich bin noch immer ganz beeindruckt von dieser Raffinesse… ;-)

    Wie mit dem Regisseur geprobt, tut Guido erstaunt ob des vorzeitigen Auftritts unseres Hauptdarstellers. Gott sei Dank ist aber auf den ersten Blick hin alles in Ordnung, der Laden blitzt und glänzt, fast so, als habe man das Fernsehen schon erwartet. Der Vorteil ausbleibender Gäste ist, dass Christian Rach so die freie Auswahl hat, wo er sitzen möchte. Und zwar buchstäblich die freie Auswahl, das Restaurant ist nämlich total leer. Rach wundert sich über die komplett mit Stoffservietten und Gläsern eingedeckten Tische. Guido Schwarz erzählt, er habe als gelernter Gastronom auch den Anspruch, seinen Laden ordentlich zu präsentieren. Der Sternekoch quittiert das wohlwollend, oft genug hatte er es in seiner Serie mit ungelernten Kochbanausen und Küchendilettanten zu tun. Um das kleine Gastro-Einmaleins wird es also in der heutigen Folge nicht gehen, soviel ist schon an dieser Stelle klar. Oder…?

    Im “Esserhof” liegt der Schwerpunkt auf deutsch-französischer Küche, besonders Schmorgerichte haben es dem Wirt angetan, sagt er. Christian Rach ist dann aber leicht irritiert, als er beim Studieren seiner Lieblingslektüre, der Speisekarte, Schnitzel Hawaii, Schnitzel andalusisch, Tagliatelle mit Knoblauch und Olive usw. erspäht. Guido windet sich, er habe den Laden inklusive der (seitdem unveränderten) Speisekarte übernommen und damals hätte das Geschäft gebrummt, daran könnten die aktuellen Probleme also nicht liegen. Rach wird aufmerksam: “Läuft es erst schlecht, seitdem Sie den Laden haben?”, fragt er ahnungsvoll und erhält sofort die Bestätigung: “Ja, auf jeden Fall”. Im Hintergrund erklingt dramatische Pianomusik, vielleicht hat der Sternekoch ja bereits hier, nur wenige Minuten nach dem Beginn der Episode, den Kasus Knactus gefunden, dabei lag es ja eigentlich auch auf der Hand: der Wirt ist schuld!

    Der Hamburger lässt sich von dieser Entdeckung aber nicht den Appetit verderben, vielmehr bestellt er alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Zunächst kommt ein Salat, der sich aber als extrem süß (!) herausstellt und umgehend an die Küche retourniert wird. Das selbstgebackene Brot entpuppt sich im Gegensatz dazu als lecker und entgeht dem Schicksal des Salates – Rach will es persönlich verputzen. Sicher ist sicher, denn wer weiß,  ob heute überhaupt noch etwas Genießbares kommt. Gang Nummer 2 fällt schon mal durch: Reibekuchen aus der Tüte und Apfelmus aus dem Glas, Pfui Deibel!

    Ganz anders der Zander mit hausgemachten Kroketten: Hier wurde alles selbst hergestellt und dies ist ein ortsübliches, lokales Gericht. Rach schmeckt’s und weiter geht’s. Wir kommen nun zum “Esserhofpfännchen” mit drei Stücken Fleisch auf einem großen Teller. Wo denn die dazu versprochenen Bratkartoffeln geblieben seien, erkundigt sich der Sternemaestro. Nun, die seien doch da, allerdings versteckt unter dem Fleisch, erklärt Guido diesen Gang. Okay, genug gegessen, Rach nimmt das “tolle” Brot und den “beschissenen” Salat und schleppt sie zurück zu ihrem Entstehungsort in die Küche. Hier werkelt Koch Karsten Lindler ganz allein und hat um sich herum ein ziemliches Chaos geschaffen. Überall liegt dreckiges Geschirr und besonders der Herd sieht ranzig aus. Karsten scheint das aber schon zu wissen und verspricht, den Sauhaufen ohne Wenn und Aber kurzfristig aufzuräumen. Ansonsten kriegt er aber das höchstmögliche Lob des Hamburgers: “Der kann kochen.” Damit verabschiedet sich Christian Rach bis zum nächsten Morgen in die Verdauungspause.

    Am anderen Tag schlägt Rach im “Esserhof” mit neuer Energie auf. Leider hat Karsten die Nacht nicht im Sinne des Gastropapstes genutzt, bei Tageslicht betrachtet, sieht die Küche sogar noch viel spackiger aus als am Abend zuvor. Einzig der Schülerpraktikant Ronny putzt gerade, während um ihn herum schon wieder gekocht und damit neuer Dreck produziert wird. Der Sternekoch verbirgt sein Missfallen darüber nicht und geht mit dem hiesigen Kollegen alle wunden Punkte durch. Hier klebt der Herd, dort stehen dreckige Pfannen herum, da hinten würde ein Eimer Seifenwasser helfen usw. Ausreden kann Rach gar nicht gut hören, er befiehlt Karsten, bis zum Ende des Hausrundgangs erste Ergebnisse zu produzieren, sonst… :-0

    Die Besichtigung des Esserhofs, insbesondere des Saales, frustriert Rach, den erklärten Nippes- und Stehrumchenhasser. Guido Schwarz scheint ein passionierter Schränkchensammler zu sein, an allen möglichen und unmöglichen Stellen hat er diese Möbel platziert, meist völlig sinnlos. Der im rustikalen Fachwerkstil gehaltene Hauptgastraum gefällt Rach hingegen, er weiß nur nicht, was man damit anstellen soll. Tja, der Sternekoch wird immer ratloser, kann sich eigentlich auch nicht so richtig erklären, weshalb die Publikumsresonanz auf dieses Lokal so bescheiden ist. Das Essen ist gut, das Ambiente stimmt und die Küche sehen die Gäste ja nicht. Hmmm. Auch die Inaugenscheinnahme der gastronomischen Umgebung gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass Erftstädter kategorische Nichtesser sind, im Gegenteil: Die benachbarten italienischen, chinesischen, thailändischen und sonstigen Restaurants sind gut bis sehr gut gefüllt. Grübel, grübel, grübel. Rach schlägt nun vor, die streng spitz nach oben gefalteten Servietten anders hinzulegen, die wirkten irgendwie feindselig. Und mehr Licht von draußen wäre gut, meint er und reißt zur Bekräftigung in der Küche gleich die ganze Gardinenstange runter, was Guido Schwarz wortlos, aber mit deutlich sichtbarem Unbehaben zur Kenntnis nimmt. Hausaufgabe der Crew bis morgen ist ein Aufsatz zum Thema “Wir gehen in den Esserhof, weil…” Rach hat schon wieder Feierabend und entfleucht in das pulsierende Nachtleben von Erftstadt – the City that never sleeps.

    Tag Drei, Rach kontrolliert die Hausaufgaben. Guido ist stolz wie Oskar, man habe an einem neuen Konzept für den “Esserhof” herumgedacht und außerdem noch viel mehr Gardinen abgehängt. Nach einer ganzen Weile kristallisiert sich beim Sterne-Christian endlich heraus, was den Esserhof von den anderen Restaurants in der Nähe abheben könnte: Die konsequente Verwendung von in dieser Region hergestellten landwirtschaftlichen Produkten aus gesundem, kontrolliertem Anbau, dazu fällt ihm dann auch noch der neue Slogan ein: “Esserhof schmeckt natürlich besser”. Ein kleines, harmloses Wortspiel mit dem Begriff “natürlich”, aber immerhin! Jetzt fehlt zu der ganzen Sache nur noch eine passende Speisekarte.

    Während Rach sich wegen dieser tollen Idee innerlich vermutlich schon selbst auf die Schulter klopft, lenken ihn seine Schritte unglücklicherweise mal wieder in die Küche. Karsten hat noch immer nicht “Klar Schiff” gemacht, der Siff ist genau so dick wie vor zwei Tagen, überall stehen Essensreste herum. Nun platzt dem Hamburger aber echt der Kragen: “Wo ist Deine Ehre?”, herrscht er den jungen Koch an. Der stellt sich begriffsstutzig: “Wieso, wo habe ich denn versagt?” Eine solche Chance zur Intensivbetrachtung der ekelerregendsten Stellen lässt sich Freund Rach natürlich nicht entgehen und so kommen wir in den zweifelhaften Genuss einer Spezialführung durch die Küche mit den Schwerpunkten Staub, Dreck, Fett und versteinerte Soßenreste. Höhepunkt des Schreckens sind die völlig verkeimte Abtropfrinne im Eisschrank und ein mit Müll verstopftes Ausgussbecken. Bei dieser Gelegenheit verkündet der Sternekoch lautstark, dass er schon rückwirkend seit Staffelbeginn keinen Bock mehr hat, in dieser, seiner eigentlich sauberen Serie nochmal irgendwo mit putzen zu müssen. Und diese Ansage gilt ganz klar auch für alle Gastronomiebetrieb im Rhein-Erft-Kreis, besonders solche, die sich auf “doof” reimen.

    Rach beruft eine spontane Teambesprechung ein mit Guido, Karsten und der Aushilfskellnerin Franka. Er vermisse Leidenschaft, er sehe auch keinen Chef, also jemanden, der durch seine Autorität den Laden führe und vorturne und, am allerschlimmsten: “Wo ist die Vision, wo ist der Traum?” Schweigen, keiner sagt was. Rach redet vor allem Guido ins Gewissen, versucht, die ausgegangene Flamme der Leidenschaft bei ihm neu zu entzünden: “Ich möchte die schwitzen sehen, ich möchte, dass Du kämpfst! Es geht bei Dir um die Wurst!!!” Schichtende, Rach hat Feierabend und gibt sich erneut den Reizen von Erftstadt bei Nacht hin.

    Der nächste Tag beginnt mit einer Einkaufstour von Rach und seinem Dreck-affinen Kollegen Karsten zum ortsansässigen Biobauern um die Ecke. Hier kaufen sie im Hofladen nicht gerade billig, dafür aber hochwertig ein, so wie es das neue Konzept vorsieht. Zurück im “Esserhof”, finden sie Guido und einige Helfer im Saal beim Anstreichen der Wände. Das war früher mal ein Pferdestall und soll es jetzt dem Ambiente nach auch wieder werden. Rach träumt schon von Sätteln und Zaumzeug an der Wand. Leicht angeknirscht ist er allerdings, als Guido auf Nachfrage den neuen Slogan “Wir gehen in den Esserhof, weil es dort natürlich besser schmeckt” vor der Kamera nicht fehlerfrei aufsagen kann. Rach erfindet für Karsten (“los, schreib’ das auf!”) ein paar bodenständige Menüs für den neuen “Esserhof” und kocht das dann zur Probe gleich einmal durch.

    Guido entwickelt sich vom Ignoranten immer mehr zum Bremser. Er verzettelt sich mit der neuen Sitzordnung im umgebauten Saal, dann wirkt er über die neuen Gerichte nicht sonderlich begeistert und nervt Rach schließlich mit der trivialen Frage, wie er denn zukünftig eindecken solle. “Eindecken ist ganz wichtig, ist gaaaanz wichtig!”, gibt der Sternekoch ironisch zurück, mit einem Gesichtsausdruck, als spreche er mit einem geistig Minderbemittelten. Guido entwickelt tatsächlich einmal Emotionen und regt sich an dieser Stelle erstmals auf: “Mir doch egal, ich kann auch zur Frittenbude gehen und mir da Plastikbesteck holen.” Mit einem recht laut gemurmelten “Arschloch!” an die Adresse des Hamburgers verlässt der Wirt seine Küche. Rach lacht,jetzt hat er wenigstens ein paar Action-Szenen für den Trailer zu dieser Folge.

    Tag Fünf, wir sind auf der Schlussgeraden, dies ist traditionell der Möbel- und Dekotag. Rach schleppt ein neues Schild “Esserhof schmeckt natürlich besser” herbei und außerdem einen ganzen Korb mit passenden Accessoires und ein paar Ersatzteile für den ramponierten Herd in der Küche. Dort läuft jetzt übrigens tatsächlich eine neue Aushilfe herum. Guido Schwarz hat sich scheinbar wieder beruhigt, sei angeblich auch neu motiviert, behauptet er von sich selbst, alles laufe wie geplant, Rach müsse auch gar nicht mehr fragen. Die Sendung hat noch zehn Minuten, plätschert aber hinsichtlich der Action ein wenig vor sich hin, blöde RTL-Drehbuchschreiberlinge, völlig überbezahlter Berufsstand. Deshalb nimmt Rach die Sache selbst in die Hand und improvisiert abseits vom Skript einen kleinen Wutanfall. Der ideale Moment dafür kommt, als Guido im Saal anfängt, die Tische mit Weingläsern und steifen Servietten einzudecken, was Rach ja bekanntlich schon immer genervt hatte und jetzt zudem auch noch gegen das neue Restaurantmotto “Natürlichkeit” verstößt. Der Schwarz habe nichts kapiert, kaum etwas getan, das unausgesprochene Wort “Nichtsnutz” liegt in der Luft.

    Die “Neueröffnung” des “Esserhof” läuft trotzdem wie geschmiert. Eine verdächtig große Anzahl von Gästen treibt sich in dem Etablissement herum, da hat RTL wohl mal wieder einen ganzen Bus voller Statisten eingefangen oder vielleicht auch einen Aufruf in der lokalen Presse gestartet, dass es da eine Gelegenheit gebe, seine Rübe für lau in die Kamera zu halten. “Sensationell”, “ich bin begeistert”, “sehr, sehr lecker”, “hervorragend” und “erstklassig” sind die überhaupt nicht künstlich wirkenden Kommentare der “Gäste”. Klar, alle wollen wieder kommen, am liebsten gleich für immer hier bleiben, sagen sie. Rach verabschiedet sich von der Crew des “Esserhof” und fragt dabei noch einmal den korrekten Sitz des neuen Mottos bei Guido ab: “Wir gehen in den Esserhof, weil es dort…” die Antwort kommt dann leider etwas stockend: “… einfach ähhh, nee natürlich besser schmeckt.”

    Vier Wochen später steht Rach wieder im “Esserhof”. Die Kücheninspektion ergibt nur geringe Mängel, das bestellte Essen sieht – bis auf eine verbrannte Stelle – gut aus und schmeckt dem Restauranttester auch bestens. Guido Schwarz behauptet, seinen Laden jetzt besser im Griff zu haben. Ob er mehr Umsatz macht, scheint mir aber zweifelhaft, denn neben Rach sehe ich keine anderen Gäste. Und das verdammte Motto kann der Wirt auch immer noch nicht: “Wir gehen in den Esserhof, weil es besser schmeckt.” Das war’s, Christian Rach kann hier nicht mehr machen, die Küche hat er auf Vordermann gebracht, aber Guido Schwarz bleibt ein Problemfall…

    … im Nachspann kommt dann eine Schrifteinblendung, dass der Erfolg nur von kurzer Dauer war: Schwarz hat aufgegeben und arbeitet jetzt wieder als angestellter Kellner. Der “Esserhof” in Erftstadt steht zum Verkauf. :-( Da hat der arme Christian Rach viel Energie investiert und geholfen hat es nichts. Wenigstens hat er damit die 43 Minuten Sendezeit gefüllt.

    Bis zur nächsten Woche!

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