• DSDS (RTL) 11.02.2011

    Hallo zusammen,

    im Paradies herrscht heute ein rauer Ton, denn Schlagergott Dieter Bohlen muss auf den Malediven mal wieder allen beweisen, was für ein A… er doch bei Bedarf sein kann. Das gehört zu “Deutschland sucht den Superstar”, wie der Promi-Bauchklatscher zu Stefan Raabs Turmspringen. Die momentan noch 36 Kandidaten (bzw. 35, Knast-Nico scheint von der Staatsanwaltschaft schon vor der Aufzeichnung des DSDS-Klassenausflugs einkassiert worden zu sein) wissen noch nicht so recht, wo ihnen überhaupt der Kopf steht, da werden sie vom unbarmherzigen Diktat der RTL-Regie bereits in Grüppchen an den Strand gejagt. Hier hat man direkt unter den Palmen den Jurytisch von Dieter Bohlen, Fernanda Brandao und Patrick Nuo aufgestellt. Die beiden Letztgenannten könnten übrigens ohne wesentliche Texteinbußen auch einfach in ihren Bambushütten bleiben, denn Onkel Dieter plustert sich in dieser Folge wieder zu einem richtigen Inseldiktator auf, neben dem keine andere noch so kleine Lebensform auch nur die geringste Existenzberechtigung hat. Alle Entscheidungen scheint der Tyrann von Tötensen komplett allein zu treffen, Daumen hoch oder runter, so wie im alten Rom. Lassen wir also die Spiele, beginnen…

    Trotz der Kürze der heutigen Episode schiebt RTL haufenweise Füllstoff und sinnlose Rahmenhandlung zwischen die Auftritte. Es beginnt mit einem – Huch, wie aufregenden – Scherz, den sich einige der “Mädchen” mitten in der Nacht spielen, als sie die anderen wecken und behaupten, es gebe eine “Challenge” am Strand, alle sollten in fünf Minuten im Bikini unten am Strand sein, die Jury wolle eine Spontanauftritt sehen. Die Opfer fallen entweder gar nicht darauf herein oder verstehen den Schwindel schon nach kurzer Zeit, jedenfalls kommt keine unten am Strand an. Gähn, was für ein epochaler Scherz, da habe ich mich vor dem Testbild gelegentlich schon besser amüsiert.

    Der nächste Morgen, Sarah Engels, Anna-Carina Woitschack und Nicole Ferreira de Rocha liegen leicht bekleidet im seichten, türkisblauen Wasser und lassen ihre Luxuskörper von der Sonne bräunen, Onkel Dieter ist ja bekanntermaßen empfänglich für optische Reize. Die erst vor kurzem aufgegangene Sonne scheint durch die sich langsam im Morgenwind wiegenden Palmenblätter und wirft wunderschöne Schatten auf den goldfarbenen Strand. Plötzlich gellt ein spitzer Schrei “HAI!” aus dem Wasser: Ein höchstens armlanges Exemplar dieser Tiergattung hat sich vorwitzig bis in die Uferregionen gewagt und sorgt dort jetzt für helle Aufregung unter den Teilnehmerinnen einer deutschen Castingshow. Er riecht wohl Frischfleisch!!! Die Mädchen rennen aus dem Wasser, zeigen den Zuspätgekommenen aufgeregt die Stelle, wo sie gerade eben noch mit dem Leben davongekommen sind und sorgen damit für willkommene Actionbilder in der DSDS-Übertragung. Aber keine Angst, es passiert nichts, keines der Mädchen verschwindet mit einer roten Blutsput im Meer, nicht mal der eine oder andere Körperteil wird abgebissen, stattdessen schwimmt der Hai einfach weiter.

    Danach haben die drei ihren Auftritt vor der Jury. Die knappe Bekleidung wird von Patrick (“Chicas”) und Dieter (“wenigstens ‘n bisschen kürzer die Röcke…”) positiv aufgenommen, auch wenn der Poptitan sofort eine andere Sache zum Meckern findet: Wieso Sarah denn bitte schon so braun geworden sei, ob sie die Zeit etwa nicht zum Üben genutzt habe? Doch, das habe sie sehr wohl, behauptet sie, wobei RTL böserweise Bilder von ihrem Sonnenbad am Nachmittag einblendet. Die drei Grazien singen dann “Run to you” von Whitney Houston, deren Karriere momentan eher etwas in der Krise steckt, freundlich ausgedrückt. Im ersten Anlauf verliert Nicole nach drei Worten den Faden und lässt das Mikro sinken. Bohlen bricht den Song ab und erkundigt sich, was los sei. Nach einigen Sekunden rustikalen Zuspruchs (“musst nicht weinen, ist schon genug Salz im Wasser”) klappt es dann im zweiten Anlauf. Okay, Sarah, die Braungebrannte, vergeigt ein paar Töne und wird dafür hinterher etwas gescholten, aber im Großen und Ganzen klappt der Auftritt.

    Nun kommen Christopher Schwab, Shahin Radmand und Marvin Cybulski. Sie haben den Titel “Mad World” in der langsamen Version von Gary Jules bekommen (ursprünglich stammt der Titel von Tears for Fears). Ihre Darbietung wird durch die offenkundig tropische Hitze erschwert. Der nicht gerade gertenschlanke Marvin nennt das Wetter “Tauwetter für Dicke” und wischt sich den Schweiß von der Stirn, während am Horizont dicke Wolken aufziehen. Bohlen sagt zwar noch “konzentriert Euch voll, dann sind wir Freunde”, aber die Freundschaft geht schnell den Bach hinunter, denn gerade der als Favorit gehandelte Marvin lässt heute zu wünschen übrig. Er singt mit dünner Stimme, wohl unkonzentriert und vergisst schließlich sogar ganz den Text, obwohl er den eigentlich in der Hand hält. “Guck’ doch auf den Zettel, Schnucki”, feuert Bohlen ihn an und sie starten einen erfolgreichen zweiten Versuch. Hinterher bequemt sich der Übergott sogar höchstselbst hinter seinem Tisch hervor, geht zu den drei Typen am Strand und gibt Marvin noch einen freundlichen persönlichen Tipp: “Wenn man in’s Showgeschäft geht, ja… Du stehst da wie’n Haufen Scheiße! Du musst das Gefühl haben: »Ich will, ich will, ich will!” Du stehst da wie der letzte Pinsel bei Dir in der Werkstatt.” (Marvin ist übrigens tatsächlich gelernter Maler und Lackierer.) Er solle mehr an sich glauben, was denn bloß los sei bei ihm (Marvin: “keine Ahnung”), er habe doch eine der tollsten Stimmen im Wettbewerb und alle stünden hinter ihm. Bei diesen warmen Worten vergießt der so sehr an sich zweifelnde Marvin sogar noch ein paar Tränen. Aber er nimmt sich Bohlens Kompliment wohl wirklich zu Herzen, sagt jedenfalls die Stimme aus dem Off.

    Einen Griff in den Übelkübel gibt’s für die nächste Boy-Group, die aus Daniel Neumann, Felix Hahnsch, Pietro Lombardi besteht, denn sie müssen Barry Manilows musikalischen Plombenzieher “Mandy” aufführen. Zuvor hat Pietro seine inzwischen schon üblichen “Verkack”-Ängste, die wir schon aus dem ersten Recall-Teil kennen. Er paukt in der Nacht vor dem Auftritt den Text zu dieser Zuckerwatteballade wie wild, ahnt aber tief innen drinnen schon, dass er die Sache vergeigen wird. Nach ein paar kleineren vom Drehbuchautor eingestreuten Verwirrungen, wie Stromausfall und vergessenem Zimmerschlüssel, naht der große Moment, nämlich die Performance vor der Jury. Pietro kann den Text offenbar immer noch nicht und liest ihn komplett von einem Spickzettel ab. Dafür singt er aber wenigstens gut, was man von Daniel und Felix nicht bei jedem Ton behaupten kann. Patrick Nuo meckert anschließend auch gleich über Pietros schlechtes Gedächtnis, aber Dieter fällt ihm ins Wort “… aber der Mann hat’n Herz!”. Ein riesengroßes Grinsen erscheint auf Pietros Gesicht, er fühlt sich von Onkel Dieter richtig verstanden, denn eigentlich ist er ja ein Netter, kann sich eben bloß keine Texte merken. “Du hast 99 Prozent Müll im Kopf”, setzt Bohlen noch hinzu, aber das Grinsen bleibt.

    Marco Angelini, Philipp Allach und Ardian Bajupi kommen als nächster Act mit dem aktuellen Mode-Oldie “Somewhere over the Rainbow” von Iz Kamakawiwo’ole. Da stimmt einfach alles, nicht mal Dieter Bohlen findet einen begründeten Anlass für Kritik (wobei Halbgötter seines Kalibers ihre Wutabfälle sowieso nicht begründen müssen).

    Noch ein kurzer Beitrag, diesmal sehen wir Nina Richel, Katharina Demirkan und Awa Corrah. Katharina, die knallblonde Türkin in der Rolle der leicht drallen Femme fatale, hat den Text noch nicht hundertprozentig intus und kriergt vor ihrem Auftritt etwas das Schlottern. Dafür kann Awa schon vor dem ersten Ton mit ihrer neuen roten, etwas borstig aussehenden Frisur bei Dieter punkten. Die drei hyperaktiv-quirligen Damen singen “Ich bin ich” von Rosenstolz, wobei der mopsige Tanzstil von Katharina ziemlich an Maite Kelly erinnert. Dieter gefällt’s: “Ich fand Eure Gruppe fast bisher die beste”.

    Selam Araya, Sebastian Wurth und Ricardo Bielecki bilden das nächste Team, wobei insbesondere Selam auffällt, dessen Klamotten quietschgelb sind, als hätte er komplett in Textmarker-Farbe gebadet.  “Hast’e heute Morgen ‘nen Zitronenfalter überfallen?”, erkundigt sich Dieter denn auch gleich bei dem lebhaft bunt gewandeten Mann. Sie singen “Billionaire” von Trevie McCoy featuring Bruno Mars. Die Nummer klappt gut, alle sehen vergnügt aus, die Jury ist’s zufrieden und Sebastian kassiert sogar noch ein Dietersches Extralob: “das war Top!”

    Nun kommen Nils Jörissen und Vidina Popov als Duett. Eigentlich ein Selbstläufer, sollte man denken, optisch überzeugen die beiden sowieso und stimmlich haben sie es doch wohl auch drauf. Sollte man denken, aber diesmal haut die Sache nicht hin. Ihren Titel “Somewhere over the Rainbow” (wie oben) vermackeln sie, insbesondere Vidina haut einen schrägen Ton nach dem anderen raus, singt teilweise komplett gegen den Takt und verwirrt damit Nils gehörig. Die Jury schlägt die Hände vor dem Gesicht zusammen und Dieter bricht das Lied schließlich ab: “Leute, da passt nichts zusammen, das ist alles Hühnerkacke.” Beiden Kandidaten zieht er nun die Ohren lang: Nils sei bis gerade eben einer seiner Staffel-Favoriten gewesen, nun nicht mehr und Vidina hätte er mit dieser schwachen Leistung nicht mal in den Recall gelassen, geschweige denn auf die Malediven mitgenommen.

    Nicole Kandziora, Fatima Aarrad und Jo (der Nachname wird nicht genannt) bilden das nächste Frauentrio. Sie singen in einem aufziehenden tropischen Gewitter “Let’s get loud” von Jennifer Lopez. Bohlen schmerzt wohl vom vielen Sitzen der Hintern und er wird deshalb garstig zu seinen Kandidaten: “Ihr führt das auf wie meine Oma bei ‘ner Beerdigung”, mokiert er sich über die zu verhaltenen Tanzbewegungen der drei Damen.

    Weiter geht’s in einer Kurzvorstellung mit Bohlenschen Sorgenkindern, die nicht so spuren, wie der Meister es will, z.B. Dominik Kinast (“Du musst jetzt unbedingt mal ‘nen großen Auftritt hinlegen!”), Tobias Wojczewski (immer noch mit Idioten-Hut, aber diesmal ohne Fortune) oder Maik Dehn (liest den Text ohne jede Hemmung von einem DIN-A4-Blatt ab).

    Am Ende des Tages macht der Poptitan seine Drohung vom letzten Mal wahr: “Ich habe Euch immer wieder gesagt: Reißt Euch den Arsch auf… sonst mach’ ich das! Aber ich glaube, das ist nicht so richtig angekommen bei einigen. Und deshalb werden wir heute schon zwei nach Hause schicken. DSDS ist kein Linienbus, DSDS nimmt nicht jeden mit.” Nach einigen zittrigen Sekunden, die im Fernsehen wie Stunden wirken, nennt er dann die Namen von Fatima Aarrad und Vidina Popov, die wegen ihrer indiskutablen Fehlleistungen jetzt auf der Stelle per Katapult-Air wieder zurück ins dunkle Deutschland expediert werden sollen. “Sachen packen, hat nicht gereicht!”, sind die letzten Worte des Meisters, dann dürfen sie vorbei am Spalier ihrer etwas fassungslosen Kollegen in Richtung Hotel und verabschieden sich damit aus dieser Sendung.

    Und damit ist auch für uns jetzt Feierabend, am Sonnabend geht es mit einer langen Show weiter auf Dieter Bohlens Insel.

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    Posted by TV-Glotzer @ 1:30 am

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