Guten Abend, liebe Fans der gepflegten Samstagabend-Unterhaltung,
heute läuft auf RTL die erste Mottoshow im Rahmen von “Deutschland sucht den Superstar”. Welches Motto eigentlich? Nun, es lautet nicht “Dabeisein ist alles”, sondern man hat sich auf die auch nicht viel intelligentere Kategorie “Megahits” festgelegt, wobei mir der Unterschied zu den bisher im Recall oder der Top-15-Show gebrachten Titel nicht so ganz klar ist, das waren doch eigentlich schon alles “Megahits”. Aber egal, sei’s drum.
Marco Schreyl macht seinem Nachnamen jedenfalls wieder alle Ehre, begrüßt das Publikum gönnerhaft mit ausladenden Armbewegungen und behauptet großspurig, der Liebe Gott (meint er damit Dieter Bohlen?) habe den Samstagabend nur für DSDS erfunden. Danach zieht unter dem Beifall der Massen die Jury ein. Fernanda Brandao hat im Vergleich zur letzten Sendung die von Kleidung bedeckte Körperoberfläche noch einmal halbiert, der Rücken ist komplett frei und auch vorn bleibt der Phantasie der männlichen Zuschauer nicht allzu viel überlassen. Offenbar leidet die gelernte Tänzerin unter akutem Bewegungsdrang und versucht auf dem Weg zum Jurytisch möglichst viele Umwege zu laufen. Nach ihr kommt Patrick Nuo, der verzweifelt seine Coolness-Attitüde kultiviert und Marco Schreyl mit High five abklatscht. Der Jubel kennt dann kein Halten, als auch noch Poptitan und Jury-Heesters Dieter Bohlen auf der Bühne erscheint. Die drei Kollegen begrüßen sich so überschwänglich, als hätten sie einander seit einem halben Jahr nicht mehr gesehen, dabei dürften in Wirklichkeit keine 60 Sekunden vergangen sein, seitdem der Tyrann von Tötensen seine beiden Statisten aus der Kulisse ins Rampenlicht geschubst hat.
Die Hauptdarsteller des heutigen Abends, die Top 10, starten dann wieder mit einem gemeinsamen Song: “Club can’t handle me” von Flo Rida feat. David Guetta. Alle sind bereits im Outfit für ihre heutigen Einzeltitel, wobei besonders die laubfroschgrüne Schlabberjacke vom “verhaltensauffälligen” (O-Ton Dieter) Choreografieverweigerer Marvin Cybulski ins Auge sticht.
Den Auftakt macht heute der vom Schreyl als “Medizinmann vom Stamme der Ösi” vorgestellte angehende österreichische Arzt Marco Angelini. In seinem Einspieler geistert er im weißen Kittel und mit Stethoskop bewaffnet durch die DSDS-Kandidatenvilla und untersucht seine Mitgefangenen. Offenbar hat er vorher ein wenig am Lachgas geschnüffelt, denn er kriegt keinen vernünftigen Satz ohne Pruster hin. Wenigstens diesen “tollen” Ärztewitz kann man aber verstehen: “Wo macht der Zahnarzt Urlaub? — Na auf der Bohrinsel!” Ha. Marco Angelini singt heute Abend “Dance with somebody” von Mando Diao. Erstmals trägt er dabei keinen artigen Anzug, sondern ein für seine Verhältnisse rockiges Outfit mit Jeans und Lederjacke, lässt also etwas seine “dreckige Seite” heraushängen, wie er es Fernanda versprochen hatte. Wegen seiner Ringellöckchen und der braunen Rehaugen sieht das ganze aber ziemlich unauthentisch aus, eher wie ein aufmüpfiger Millionärssohn, der seine spießigen Eltern mal etwas erschrecken will, indem er sich morgens nicht rasiert. Auch finde ich seine Stimme nicht knarzig genug für diesen Titel, aber der Jury gefällt es trotzdem. Fernanda hat sogar extra im Fremdwörterduden geblättert und den Ausdruck “optische Metamorphose” gefunden, den sie nun stolz herausposaunt, als sie Marcos äußerliche Veränderung beschreibt. Dieter hat sich offenbar auch heute Abend vorgenommen, jeden Kandidaten zu tadeln. Bei diesem Auftritt fehlt ihm die “Personality”, aber Marco sei ja ein “intelligentes Kerlchen”, das werde er schon noch hinkriegen.
Wir bleiben in den Alpen, denn jetzt kommt Zazou Mall, die gutaussehende Schweizerin mit dem Exotic-Touch. Nach einem nichtssagenden Einspielfilmchen kommt sie live mit Rihannas Dancefloor-Knaller “Don’t stop the Music”, den es auch als jazziges Cover von Jamie Cullum gibt. Die Performance ist wie immer klasse, Zazou im kurzen Elektroröckchen mit eingebauten Leuchteffekten, aber die Stimme klingt dagegen leider wieder etwas verhalten. Dieter prophezeit ihr ein schnelles Ende bei DSDS, wenn sie nicht endlich mehr aus sich herauskäme. Ein Zwischenrufer von den billigen Plätzen stört Bohlens Standpauke mit “Du hast auch nicht immer die Töne getroffen!” und die Halle lacht beifällig. Das täte hier heute Abend nichts zur Sache, Dieter sei schließlich kein Kandidat, springt Moderationsfaktotum Marco Schreyl seinem Chef eilfertig zur Seite.
Nach einer kurzen Werbepause meldet sich der Moderator direkt aus dem Publikum zurück, neben ihm sitzt die “Granatengranate” Menderes Bagci mit einem selten dämlichen Hut auf der Omme, so einer Art Michael-Jackson-Gedächtnis-Dunstkiepe. Bevor ihm Schreyl auch nur eine einzige Frage stellen kann, bricht Menderes passenderweise mit seinem Stuhl zusammen und muss sich schnell improvisiert mit auf die Treppe setzen. Er ist mal wieder intellektuell komplett überfordert, kriegt selbst auf einfachste, vermutlich abgesprochene, Fragen nur gestammelte Wortfetzen heraus. Was für ein Gefühl es denn gewesen sei, bei dieser Staffel endlich in der Recall gekommen zu sein, will Marco wissen. Der Gefragte fängt fünf Sätze an und beendet zehn, kurz hört man etwas von “hammergeil” und dass sein Live-Auftritt nicht mehr zu übertreffen gewesen sei. Womit er aber, das versteht man erst nach einigen weiteren Satzfragmenten, den 31.03.2007 meint, als er mit “Beat it” als Rahmenprogramm in einer Mottoshow aufgetreten war. Dass er damals als Casting-Zombie präsentiert wurde und die Leute nicht mit, sondern über ihn gelacht haben, hat der arglose Menderes offensichtlich bis heute nicht geschnallt. OSettingsb er denn nun (endlich) in DSDS-Rente gehen wolle oder ob wir auch 2012 mit ihm rechnen müssten, stellt ihm Marco nun keck die Gretchenfrage. Menderes antwortet ganz schlau: “Fragen wir mal die Leute: Also, soll ich aufgeben oder was?” Applaus brandet auf, den er, naiv wie er ist, als Zustimmung für weitere Auftritte wertet, obwohl er gerade genau das Gegenteil gefragt hat. Ergo verspricht er, weiterzumachen und kommt dabei ins Brabbeln: “Ich bin halt ein Mensch, ähmm… der Weg ist das Ziel und… ich bleib’ immer dabei und… ich arbeit’ weiter an mir und ich geb’ niemals auf und ich bedank’ mich auch nochmal bei Dieter Bohlen, dass er immer so korrekt war…” Der so öffentlich Arschgekrochene fasst sich an die Stirn und schüttelt den Kopf, was für ein peinlicher Auftritt dieser einsamen unmusikalischen Gehirnzelle, denkt er vermutlich. Damit wird ein Einspieler der Top 10 des Casting-Grauens eingeleitet, in dem wir z.B. den schwabbelig-obertuntigen Jan-Hendrik als Britney-Spears-Parodie wiedersehen oder Jeanette mit der Klopapierstimme.
Der nächste Liveauftritt gehört Nina Richel. Vorweg gibt es ein paar Bilder von dem Bikini-Shooting aller DSDS-Top-10-Frauen, das mittlerweile jeder Bildzeitungsleser schon gesehen haben dürfte. Okay, Nina hat vielleicht nicht direkt die Top-Strandfigur, aber sie hat trotzdem mitgespielt, Hut ab! Sie präsentiert heute Abend in einem schwarzen Kleid “Breakaway” von Kelly Clarkson; insgesamt ein unspektakulärer Auftritt mit einer sehr ruhigen Performance. Patrick sieht seine hohen Erwartungen enttäuscht, Fernanda will dagegen ein “Über-sich-Herauswachsen” entdeckt haben. Dieter Bohlen ist wie immer charmant: “Ich glaube, dass Du abgenommen hast… aber an der falschen Stelle, nämlich an den Stimmbändern.” Er ahnt, dass es heute “megaeng” für sie werden wird.
Ardian Bujupi hat in der letzten Woche mit seinem Machogehabe eine Menge Staub aufgewirbelt und sich damit den Zorn von Übergott Bohlen zugezogen. Auch seine Familie hat ihm wohl nach der Top-15-Show intensiv ins Gewissen geredet, berichtet der Kandidat etwas zerknirscht. Trotz gehöriger Irritationen sind seine Mutter und seine Schwester heute Abend wieder im Studio und können auf Marcos Nachfragen sogar erfreulich eloquent antworten, warum sie nach wie vor zu ihrem Sohn und Bruder halten. Ardian singt nun “In my Head” von Jason Derulo. Stimmlich überzeugt er heute – erstmals – nicht so ganz und die Performance ist okay, mehr aber auch nicht. Die Jury ist denn auch nur verhalten optimistisch, ob Ardian hier weiterkommt. Onkel Dieter bringt noch einmal das Macho-Thema zur Sprache: “Jeder Furz in der Sauna war letzte Woche beliebter als Du.” Nun aber solle man es damit gut sein lassen und dem Kandidaten noch eine zweite Chance geben, findet er.
Die Reinkarnation von Roy Black und Rex Gildo im 21. Jahrhundert heißt Norman Langen. Er fährt momentan bei DSDS voll auf der Schlagermasche und konnte damit gerade letzte Woche die Jury komplett überzeugen (Bohlen: “Du warst heute der Beste.”). Vor dem Auftritt erfahren wir in seinem Einspielfilmchen, dass Norman häufig die Schminkutensilien seiner Schwester mitbenutzt, sich regelmäßig die Augenbrauen zupft und deswegen von vielen für schwul gehalten wird. (Kurzes Macho-Statement von Ardian Bujupi: “Männer, die sich schminken, finde ich abartig.”) Heute Abend bleibt Norman seinem Image treu und singt “Wahnsinn” (Hölle, Hölle…) von Wolfgang Petry, dem mittlerweile abgedankten Stimmungssänger Nummero Uno… wer’s mag. Der Kandidat trägt einen Plastikanzug im Schlangenhautdekor, macht auf cooler Profisänger und wagt sich direkt unten ins Publikum. Hochmut kommt vor dem Fall, denn an zwei Stellen versagen ihm die Nerven und er vergisst den Text – obwohl er den Titel in seiner Vor-DSDS-Karriere als Partysänger garantiert schon ein paar hundert Mal dargeboten hat. Die Jury hat die Texthänger auch bemerkt, Patrick findet’s nicht schlimm, Fernanda auch nicht, aber Dieter Bohlen verzeiht nicht so leicht. Ob ihm denn das uneingeschränkte Lob von der Vorwoche so schnell zu Kopfe gestiegen sei, wird Norman gefragt. Und er sei doch noch gar nicht souverän genug für einen Ausflug runter von der Bühne ins Publikum. Und man dürfe sich dabei schon gar nicht ablenken lassen, weder von jubelnden Fans, geworfenen Blumen noch von den Tänzerinnen. “Das geht nicht, Norman, also das geeeeht nicht, ganz ehrlich! Ich hab’ dem deutschen Schlager mit Dir die Türen bei DSDS aufgemacht. Du hast eine Wahnsinnsverantwortung und darfst mich nicht mehr enttäuschen!!!” Wie ein begossener Pudel schleicht Norman nach dieser Standpauke vom Meister zurück zu den anderen Kandidaten. Schwer lastet die Verantwortung für das Wohl und Wehe des Deutschen Schlagers auf seinen Schultern, da hatte er sich vor ein paar Monaten einfach mal, nur so aus Spaß, bei diesem Superstar-Casting beworben und zunächst war auch alles gut gegangen, bis dann heute Abend urplötzlich aus einem lockeren Spiel tödlicher Ernst wurde. Die Verantwortung für den deutschen Schlager… Meine Güte, mir zittern schon die Knie, wenn ich nur daran denke, dass dieses wichtige, ach was: wichtigste Kulturgut jetzt in den Händen eines unerfahrenen jungen Mannes ruht, der heute Abend essenzielle Textpassagen unserer zweiten Nationalhymne einfach mal so vergessen hat und der vermutlich noch nicht mal einen Wolfgang-Petry-Starschnitt besitzt. Ja, bei DSDS, da lernt man das Beten.
Auf Startplatz 6 finden wir heute die Balladenqueen Sarah Engels, von manchen nach diversen Vorkommnissen sicherlich auch als arrogante Schnepfe tituliert. Sie selbst ist ihr größter Fan, sie weiß und sagt, dass sie toll aussieht, schön singen kann und sich die Superstar-Krone redlich verdient hat, aber bis die anderen das endlich auch kapieren, muss sie leider Woche für Woche wieder auf der DSDS-Bühne erscheinen. Schon bei der Nennung ihres Namens in der Ansage gellen Buhrufe durch die Halle, ihre Beliebtheit ist offensichtlich seit der letzten Woche nicht merklich gestiegen, um das mal freundlich auszudrücken. Und besonders wenig geliebt wird sie von Mitkandidatin Anna-Carina, wie wir noch sehen werden. Sarah singt heute Abend “When you believe” von Mariah Carey. Sie trägt ein oben herum hübsches weißes Kleid, das unmittelbar unter dem Bürzel abrupt in einem Tüllhaufen endet, so als hätte das eigentlich ein langes (Hochzeits-?)Kleid werden sollen und man hätte es sich mittendrin anderes überlegt, aber sich nicht getraut, den Stoff ganz abzuschneiden. Ihr Lied trägt sie trotz einiger Eierstellen einigermaßen gut vor, der Applaus übertönt die Pfiffe. Die Jury ist mehrheitlich auch zufrieden, Dieter kommt nach ein paar kritischen Sätzen auf den Punkt: “Du heißt Engel, Du hast gesungen wie ein Engel, ich hoffe, dass Du mit solche einer phantastischen Leistung auch weiterkommst. Du warst bisher die Beste.”
Justin Bieber hospitiert derzeit bei DSDS in der Verkleidung eines 16jährigen Schülers mit Backpfeifengesicht. Er nennt sich dort Sebastian Wurth, ist aber eigentlich sehr einfach zu erkennen, er hat noch nicht einmal zur Tarnung seine Frisur geändert. Komisch, dass noch keiner gemerkt hat, dass Justin und Sebastian niemals gleichzeitig am selben Ort zu sehen sind… (Übrigens genau wie Alfred Biolek und Desmond Tutu, die sehen sich auch verdächtig ähnlich und keiner außer mir hat’s bisher gemerkt. Aber das ist eine andere Geschichte.) Spätestens seit seinem genialen Auftritt mit Michael Bublés “Home” in der letzten Woche gehört Justin, äh Sebastian zu den ganz heißen Finalaspiranten, ehrlich. Und, RTL will nicht zu viel versprechen, vielleicht geht er demnächst auch noch mit Fernanda ein Eis essen. Zwischen den beiden hat’s ja letztes Mal mächtig gefunkt… Im Einspieler besuchen wir kurz Sebastian Schule und beim Blick auf seine Mitschüler wird mir schlagartig klar, dass heutzutage alle Jungs in seinem Alter angeklebte Haare haben, die aussehen, als hätte man bei großer Hitze drei Tage lang den Mofahelm aufbehalten. Uns Baschti singt heute Abend “You raise me up” von Westlife, eine Ballade, die für seine Stimme maßgeschneidert zu sein scheint. Da steht er, ganz klein mit blauem Jäckchen wie ein Schuljunge mitten auf der von dutzenden Scheinwerfern angestrahlten Bühne und singt mit genialer Stimme sein Lied. Und an dieser Stelle muss ich mal ganz unironisch das stets bestens agierende DSDS-Orchester lobend erwähnen und die Leute, die für die tolle Bühnenbeleuchtung und die professionelle Choreografie der Liveshows zuständig sind. Die machen wirklich schon seit Jahren einen Spitzenjob und schaffen es mit jeder Staffel, noch eine Schippe draufzulegen! Respekt!!! Sebastian wird nach seinem Auftritt begeistert beklatscht. Patrick und Fernanda mäkeln etwas an seiner Körperhaltung herum, die sei noch nicht selbstbewusst genug, meinen sie. Dieter fährt ihnen aber über den Mund, der Kandidat solle nicht auf die beiden Vorredner hören, er sei gerade erst 16 Jahre alt und solle sich gefälligst auch so benehmen und genau das täte er doch bestens. Kein Anlass also zur Kritik aus Sicht des Königs der Geldverdiener.
Nach einer zweiten Werbepause werden weitere Loser-Auftritte aus dem Casting wiederholt. Wir erleben noch einmal den trotz teuer bezahltem Vocal-Coach untalentiert gebliebenen Sascha bei seinen “Geburtsvorbereitungen”, die tabu- und teilweise leider auch hüllenlose Hendrikje, dann Ralph Maria Rainer, den Spross eines zumindest musikalisch etwas degenerierten Adelsgeschlechts, dessen spontan von der Straße aufgelesene kugelrunde Gehilfin seinem Auftritt (~ “Time to say Goodbye”) den Gnadenschuss verpasst, Andreas Gerlich, einen in vielerlei Hinsicht gestörten und notorisch erfolglosen Scooter-Imitator(“Wickeeeeeett!!! Hartkoah!!! Lett sä Triehm kamm truh!!!”) und schließlich Shole, die schweißglänzende, arbeitslose Visagistin, die aussieht, als sei sie gerade aus der Fritteuse gestiegen. Und der eigentliche Hammer ist, dass die Leute teilweise heute Abend live hier vor Ort in der Halle sind. Marco spricht kurz mit der heute trocken aussehenden Shole und bedankt sich bei ihr dafür, dass es solche gruseligen Kandidaten wie sie gibt. (Hinter ihr sitzt übrigens Menderes, der es in der halben Stunde seit seinem eigenen Auftritt offenbar geschafft hat, seinen Stuhl wieder zusammenzubauen. Hey, hätte ich ihm gar nicht zugetraut, cleveres Bürschchen…) Jeder normale Mensch würde sich an Stelle der oben genannten Grusel-Kandidaten jetzt für die nächsten Monate nur noch nachts für kurze Momente aus dem Haus trauen, aber diese armen Zeitgenossen haben offenbar nicht einmal ansatzweise gepeilt, dass sie von RTL als Freaks vermarktet werden. Wo sind wir denn da eigentlich inzwischen im Alphabet, wenn Dieter Bohlen ein A-Promi ist, Patrick, Fernanda und – wenn es sein muss – Marco so etwas wie B-Promis auf Zeit und von mir aus Menderes ein D-Promi, weil er regelmäßig von einem A-Promi verkloppt wird. Was ist denn dann jemand wie dieser Andreas Gerlich, der vermutlich als Lebensziel hat, mal so eine Karriere hinzulegen wie Menderes? Vielleicht ein F-Promi?
Schnell zurück zu den vorübergehenden C-Promis, es geht weiter bei Pietro Lombardi, der nach einem belangslosen Einspieler mit “With you” von Chris Brown auftritt. Bemerkenswert ist dabei höchstens die Basecap, die bei Pietro mittlerweile schon zum festen Repertoire gehört. Ansonsten spielt er weiter die Rolle eines ziemlich verwirrten, aber irgendwie sympathischen Sängers mit mittelgroßem Tanz- und Gesangstalent. Aber das Publikum mag ihn, vielleicht gerade deshalb, weil er im Vergleich zu solchen Ausnahmetalenten wie Sarah Engels oder Marco Angelini ein Stück Normalität darstellt, quasi ein bisschen so ist, wie wir alle. Nach dem Song blubbert er ein wenig verpeilt herum, als Marco ihn interviewt, sagt nach Aufforderung seinen Trademark-Spruch “Jackpot!”, lüftet auf Bitten von Fernanda die Mütze, um seinen Mecki-Haarschnitt zu präsentieren und kassiert von Dieter Bohlen wieder Bargeld, weil er auch diesmal seinen Text konnte. Zwischendurch bohrt er sich ungeniert in der Nase, was Dieter fast etwas neidisch zur Kenntnis nimmt.
Als Zweitletzte sehen wir Anna-Carina Woitschack, gelernte Puppenspielerin und bekennende Jungfrau. Außerdem hasst sie Sarah Engels, wie sie in einem schwachen Moment – angeblich längst vorbei – in die Kamera gerufen hat. Diese Rivalität wird von RTL vor dem Auftritt im Einspieler und hinterher auch noch einmal im Interview genüsslich im Lichte der Öffentlichkeit seziert. Mit irgend etwas muss man schließlich seine Sendezeit füllen und da DSDS in dieser Staffel unter den Top 10 keine Knackis, Tunten oder Heulsusen aufbieten kann, werden halt andere Themen bis zum Gehtnichtmehr aufgeblasen. Letztes Mal die Streitereien mit Ardian und heute eben die Rivalität zwischen Sarah und Anna-Carina. Zurück zum Business, die blonde Puppenspielerin singt von Whitney Houston “I will always love you”. Auch bei ihr läuft es heute nicht komplett rund und glänzend wie ehedem. Besonders am Ende des Titels versemmelt Anna-Carina massenhaft Töne, auch wenn sie natürlich trotzdem eine tolle Stimme hat. Naja gut, Whitney Houston selbst kriegt das heute vermutlich auch nicht mehr so gut hin, aber das ist ja kein Freibrief für tonale Vergehen. Patrick ist kritisch, Sarah sei heute von den beiden Konkurrentinnen die bessere gewesen, keine Frage. Irgendwo sei gerade eben der Wurm drin gewesen. Dieter fragt sie direkt, was los sei, ob mit ihr irgend etwas nicht stimme, sie Heimweh habe oder was sonst?
Den Abschluss macht heute Marvin Cybulski – nein, den klar auf der Hand liegenden Kalauer mit dem “dicken Ende” spare ich mir. Marvin ist ein absoluter Bewegungsmuffel, er weigert sich bisher vehement, bei seine Titeln viel mehr als die Lippen zu bewegen, er tanzt nicht, wackelt nicht mal mit den Hüften und zieht auch keine sogenannten “coolen” Klamotten an. Was bei anderen Kandidaten als fehlender Starappeal gebrandmarkt würde, gilt bei Marvin als liebenswerte Schrulle, die den wuchtigen Mann aus Hannover nur noch authentischer macht. Wie schon zu Beginn bemerkt, hat er sich sein heutiges Outfit offenbar aus einem Altkleidersack besorgt und dabei wohl im Dunkeln zugegriffen. Er trägt eine unsäglich billig aussehende grüne Stoffkutte mit Kapuze, die etwas an Filme aus den angeblich goldenen 70er-Jahren erinnert. Marvins Frau ist nach dem peinlichen Schweige-Auftritt in der Vorwoche vom Reden befreit worden. Sie begnügt sich mit einem kleine Winkewinke und dann singt ihr Göttergatte “We’ve got tonight” von Kenny Rogers (eigentlich war das ein Duett mit Sheena Easton). Marvin liefert den Titel in gewohnter Stimmqualität, aber ohne jeglichen sonstigen Energieaufwand ab. Er steht unbeweglich auf einem Steg, unter dem der Trockeneisnebel wabert. Nach der Nummer setzt er sich einfach auf das Ende des Stegs, lässt die Beine baumeln und wartet auf das Urteil der Jury. Patrick und Fernanda reden Marvin ins Gewissen, sich doch endlich mal zu bewegen. Was aus ihm herauskäme, sei so schön anzuhören, aber so schlecht “verpackt”. Bohlen pflichtet ihnen bei, er wolle den Kandidaten demnächst mal mit Lederjacke und als Rocker sehen, sein heutiges Outfit sehe ja eher nach IKEA-Kinderland aus.
So, besonderer Service von mir, ich spare Euch das Ansehen des RTL-Comedy-Blocks und springe gleich zur Urteilsverkündung: Marco macht es wieder unerträglich spannend und überall in Deutschland dürften die Rettungsdienste Sonderschichten einlegen, als er Norman Langen, Nina Richel und Sarah Engels zunächst noch zittern lässt, ob sie weiterkommen. Ganz am Ende fliegt dann Sarah Engels raus, dabei war sie nach dem Urteil der Jury heute eine der stärksten Kandidatinnen. Aber das hilft eben nicht, wenn man in der öffentlichen Wahrnehmung eher als arrogant gilt. Sarah verabschiedet sich aus der Staffel mit dicken Tränen.
Bis zur nächsten Woche, wenn wir die Top 9 in der nächsten Mottoshow erleben dürfen.





