• DSDS (RTL) 16.01.2011 No Comments

    Hallo Leute,

    “Deutschland sucht den Superstar” und “Holt mich hier raus – Ich bin ein Star” an ein und demselben Abend, wie soll man als Fremdschämgourmet das bloß alles schaffen? Ich habe mich jedenfalls entschieden, die schlammige C-Promiverwertung in Australien nicht zu bloggen, da müsste man sich jeden Tag (!) stundenlang irgendwelche halbgaren Lebensweisheiten von gewesenen oder nie gewordenen Stars am Lagerfeuer anhören, zusehen, wie ein pathologisch schweigsamer, langhaariger Ex-Kommunarde und platonischer Haremswächter zusammen mit 30.000 Kakerlaken schon mal im Sarg Probe liegt (er ist 70 Jahre) oder miterleben, wie eine drei Jahre jüngere moppelige Oma, jüngstes Viertel eines sächsischen Singequartetts, einer ehemaligen Bro’sis-Sängerin das aus Palmenblättern gefertigte Regendach klaut und als Bettvorleger missbraucht (alles heute passiert).

    Nein, dann bleibe ich doch lieber bei Dieter Bohlen und seiner Pseudo-Jury aus Fernanda Brandao und Patrick Nuo, auch wenn sich mein Hauptärgernis der letzten Sendung gleich wiederholt: Man hat aus dem irrsinnigen Auftritt von Cosinus beim zweiten Casting nicht gelernt, irgend jemand hat nochmal die Käfigtür offen gelassen und die Fraggels sind erneut ausgekniffen. Einer davon hat sich ins DSDS-Studio verirrt und kommt vielleicht einigen überlebenden Zuschauern der siebten Staffel bekannt vor: Es ist Andreas Gerlich, der minderbegabte Scooter-Imitator aus Berlin, den ich hier zur Strafe mit vollem Namen nenne. Inzwischen ist er 30 Jahre alt und noch immer auf der Suche nach Talent und Verstand, leider vergeblich. Wenigstens dürfen wir hoffen, dass er im nächsten Jahr wegen Überschreitens der DSDS-Seniorengrenze an der Tür abgefangen wird. Heute aber ist er leider tatsächlich da. Im Einspieler suhlt er sich in seiner vermeintlichen Prominenz, angeblich geraten umstehende Passanten immer automatisch in Ekstase, sobald er in seinem miserablen Englisch “Wicketttt” oder “Heipaheipa” ruft. Er habe soundsoviele Facebook-Freunde und sei irgendwo auf Platz Eins der schrägsten DSDS-Kandidaten gewählt worden. Der arme Mann ist gelernter Maler und Lackierer und hat ganz offensichtlich in der Berufsschule beim Thema “schädliche Dämpfe” gepennt…

    Seinen Titel als Megaspacken will er heute mit der Nummer “Lett sä Triem kamm truh” von DJ Bobo verteidigen, zumindest klingt der Titel bei Andreas so. Dieter Bohlen vergräbt schon bei dieser Ankündigung das Gesicht in den Händen. Ungefragt erklärt der Kandidat dann auch noch, dass “Bobo” im Spanischen ja “Popo” hieße. Fernanda, die sich mit diesem Thema bestens auskennt und als Brasilianerin immerhin das verwandte Portugiesisch als Muttersprache hat, wirft ein, soweit sie wisse, bedeute das eher “Volltrottel”. Egal, welche Übersetzung korrekt ist, der schweizerische Tanzwichtel hätte sich keinen passenderen Namen ausdenken können. Bleiben wir beim Thema “Arsch”: Andreas Casting-Auftritt geht natürlich komplett in die Hose. Was im vorigen Jahr noch beispiellos bescheuert, grenzdebil und damit irgendwie in letzter Instanz doch originell war, ist dieses Mal einfach nur doof. Unter seiner heftigen Choreografie leidet der Gesang erheblich, wenn man das überhaupt so nennen darf. Bohlen gefriert das Lachen und er schimpft etwas von “Bewegungsneurotiker, Du bist hier der Loser, Feierabend und Auf Wiedersehen”. Als Andreas dann noch dreist um einen Gefallen bittet, fällt Onkel Dieter ihm etwas pietätlos mit dem Angebot ins Wort, er könne ihn in seinem Garten als Kompost für die Blumen vergraben. Ob dieser Aussicht verflüchtigt sich der schräge Vogel hoffentlich auf Nimmerwiedersehen. :-(

    Nun kommt eine exotische Schönheit mit bronzefarbenem Teint ins Studio: Zazou Mall ist 25 Jahre alt, lebt in der Schweiz und grinst süß wie Kinderschokolade. Dieter und Patrick schießt bei ihrem Anblick erkennbar das Testosteron in die Adern, insbesondere, als sie dann auch noch ein paar Tanzschritte wagt, was bei ihr einfach super aussieht. Die Jury strahlt schon, bevor Zazou auch nur den ersten Ton von “Right to be wrong” (Joss Stone) gesungen hat. Und danach haben sie sogar noch mehr Grund zur Freude, denn sie klingt wirklich, wirklich gut. “Wenn Du singst, siehst Du aus wie eine ganz junge Whitney Houston – aber in Edel”, platzt es aus dem selig lächelnden Dieter Bohlen heraus. Patrick wartet offenkundig noch darauf, dass bei ihm das Blut in den Kopf zurückfließt und darum schweigt er vorübergehend. Bis zum Wiedersehen im Recall hat er sich hoffentlich wieder eingekriegt. :-)

    Freakshowalarm, die Zweite: Celal (22), ein abgebrochener Lackierer (s.o.), hält sich für den “Auserwählten” und berichtet im Einspieler dazu langatmig, sein Vorbild sei Neo (Keanu Reeves) aus der Filmtrilogie “Matrix”. Was das mit seiner Berufung als Sänger zu tun haben könnte, erklärt er uns dann auch noch. “Es gibt nur wenige Stars, die nebeneinander Modeln, Singen und Schauspielern können. Ich will einer von diesen Stars werden.” Für diese Anmaßung wird er von RTL mit einigen nachgestellten Bullet-Time-Szenen durch den Kakao gezogen und wir ahnen dunkel, mindestens das Singen kann er sich nach seinem Besuch bei Onkel Dieter von der Backe schmieren. Der Auftritt beginnt schon mal denkbar schlecht. Celal erzählt von sich, er habe eine zweijährige Tochter, die lebe jetzt aber bei seiner Ex-Freundin. “Warum seid ihr nicht mehr zusammen?”, will Bohlen, der Frauenversteher und anerkannte Experte für langjährige Partnerschaften, wissen. “Dieter, Du weißt doch, wie Beziehungen laufen”, erklärt “der Auserwählte” da etwas kumpelhaft, was beim Poptitan nicht gut ankommt. Die anstehende Zerlegung fällt angesichts des dünnen, etwas an Menderes erinnernden Stimmchens leicht. Celal vergreift sich an Inner Circles “Sweat”, Englisch kann er übrigens auch nicht. Diesmal macht Fernanda den Vollstrecker: “Da gibt es soviel zu bemängeln, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.” Bohlen ist aber noch von der Anbiederung vorhin vergrätzt, er will weiter bohren, also soll der Kandidat noch ein Liedchen trällern. Nun verunstaltet dieser Alicia Keys “If I ain’t got you”, womit er sich endgültig die Schlinge um den Hals legt. “Ruf bei Google an und lass’ Deine Stimme wegpixeln”, rät ihm Dieter Bohlen, dann gibt es dreimal “Nein” und Celal ist Geschichte. :-(

    Marvin Cybulski aus Hannover ist mit 29 Jahren schon ein DSDS-Opa und – man glaubt es kaum – ebenfalls Maler und Lackierer. Das ist heute schon der Dritte, ist das denn neuerdings bei denen so eine Art Berufskrankheit? Der mit seinem etwas zu engen schwarz-weiß gestreiften Sträflingspullover ziemlich bullig aussehende Marvin ist von der Stimme und Gesinnung her eindeutig Rocker, das ist durchaus positiv gemeint. Was ihm äußerlich am Superstar fehlt, macht er mit einer erfreulich bunten Homestory wett: Er hat drei Töchter mit drei verschiedenen Frauen, wobei der Kontakt zur ältesten Tochter inzwischen ganz abgerissen ist. Wir ahnen schon, welche rührende Geschichte sich die RTL-Autoren da für die Mottoshows zusammenklöppeln würden… Marvins heutiger Auftritt mit Gitarre fällt in die Kategorie “laut, aber authentisch”. Nach etwas Feintuning von Bohlen (“das ist hier kein Stimmenimitatorenwettbewerb, sing’ mal nicht so schlecht wie Marius Müller-Westernhagen, sondern ganz normal”) stimmt er von Chris Norman “Midnight Lady” an und überzeugt auf ganzer Linie. Er schafft mit Leichtigkeit den Einzug in den Recall. :-)

    Die nächste Kandidatin warnt im Einspieler schon selbst vor ihrer kraftvollen Stimme. Gentiana ist 18, von Beruf Friseurin und kommt aus Eggenfelden. Alarm, bei diesem Ort denken Experten natürlich an den berühmtesten Sohn der Stadt, den begnadeten Sänger, Selbstdarsteller (auch im Dschungel) und talentierten Autofahrer (Stichwort “Gurkenlaster”) Daniel Küblböck aus der 1. DSDS-Staffel. Gentiana könnte man wohl mit einigem Recht in der Schublade mit der Aufschrift “eingebildete Zicke” ablegen. Was sie singen will, kriegt Bohlen auch nach zweimaligem Nachfragen nicht verständlich heraus (in Englisch ist sie wohl eher lau) und bohrt dann auch nicht weiter. Sie knödelt vor der Jury, kommt aber mittendrin ziemlich vom Kurs ab und hält etwas ratlos inne. Auch das zweite Lied, welches auch immer das sein soll, geht schief. “Hast Du Stromschwankungen im Gehirn?”, ätzt Dieter Bohlen. Schon böse angezählt, will sie unbedingt noch einen dritten Versuch. Diesmal versteht man wenigstens “Kelly Clarkson”, der Titel heißt aber offenbar “Ma Leif is wizz satsch wizzat juh” (eigentlich “My Life would suck without you”), was sie auch nach mehrfachem Vorsagen durch den in den USA lebenden Patrick Nuo nicht unfallfrei über die Lippen bringt. Die Jury lässt sie konsterniert singen, bis im Refrain die Stelle mit dem besagten Liedtitel kommt. Hier ist Schluss mit Lustig, es heißt “suck” und nicht “satsch”, Patrick unterbricht sie mit einem lauten “Nein!”, dem sich auch Dieter und Fernanda anschließen. “Scheiße”, ist der treffende Kommentar von Gentiana beim Schließen der Studiotür. :-(

    Danach kommt die 16jährige Katharina Demirkan, die man wegen ihres Vornamens und der extrem blonden Haare niemals für eine Türkin halten würde. Sie verhaltensauffällig zu nennen, wäre eine Untertreibung, “beknackt” trifft es schon eher. Bereits beim Betreten des Studios kichert und gluckst sie herum, bis Patrick fragt, ob sie sich nicht vielleicht eher als Comedian bewerben wolle, denn als Sängerin. Aber, das muss man der Verrückten zugestehen, sie hat eine tolle, unerwartet kräftige Stimme, wie sie bei “Listen” von Beyoncé unter Beweis stellt. Bohlen grinst, einen Kugelschreiber zwischen den Zähnen und Dollarzeichen im Auge, wie ein Goldschürfer, der nach Wochen der Plackerei inmitten Tonnen von Geröll endlich ein Nugget gefunden hat. Aber er lässt sie zappeln und betteln, so leicht soll sie das Ticket für den Recall nicht kriegen. Nach Patricks “Ja” und Fernandas “Nein” liegt die Entscheidung allein bei Bohlen. Winselnd verspricht Katharina das Blaue vom Himmel, sie würde alles tun, sich Mühe geben, noch weiter an ihrer Stimme arbeiten und so weiter und so fort. Na gut, endlich gibt der Titan von Tötensen nach und überreicht ihr den gelben Zettel. Wir alle wissen natürlich, dass sie mit dieser Einstellung und letztlich auch mit dieser Stimme niemals Superstar werden wird, aber wenigstens bringt sie Farbe in den Wettbewerb und eine bekloppte Blondine, die für ihre Karriere ALLES tun würde, ist allemal für Bildzeitungsschlagzeilen gut. :-)

    Den Abschluss der heutigen Folge macht ein gewisser Sven unklaren Alters, der scheinbar in Berliner gecastet wird, jedenfalls sieht man hinter ihm das Brandenburger Tor. Er trägt einen komischen Hut, was ihn etwas wie den “kontaktgestörten Milchbauern aus dem idyllischen Chiemgau” von “Bauer sucht Frau” aussehen lässt. Ansonsten schleppt er einen hölzernen Cajón ins Studio, auf den er sich dann setzt, und hat einige Schellen am Schuh und an der Hand befestigt. Leider kommt es aber nicht zu dem von Patrick erhofften Percussion-Happening, denn Sven hat das Temperament einer deutschen Schlaftablette, singt dazu grottig. Nach einem entsetzten “Das kann doch nicht Dein Ernst sein, das ist alles, was Du daraus machst?!” vom Meister kommt sogleich das vernichtende Urteil: “Du kannst überhaupt nicht singen und rhythmisch bist Du auch ‘ne Pfeife.” Diese wenig schmeichelhaften Worte klingen dem Kandidaten vermutlich noch im Ohr, lange nachdem er aus dem Studio geflogen ist.  :-(

    So, wieder eine Stunde geschafft, am Mittwoch ist schon Casting-Halbzeit. Und die Vorschau verspricht wieder Spannung, angekündigt wird nämlich so eine Art kleiner Bruder von Menowin, Knacki mit Stimme und offenbar am Ende stinkesauer auf Dieter Bohlen, wenn man die Szenenfetzen richtig interpretiert. Mal sehen, was die RTL-Drehbuchschreiber sich da ausgedacht haben. Bis dahin sehe ich mir aber zur Entspannung die elf Schlammcamper im australischen Dschungel an, die singen wenigstens nicht. Hoffe ich jedenfalls…

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  • DSDS (RTL) 13.01.2011 1 Comment

    Hallo Leute,

    schon ist es Mittwoch und das heißt momentan: It’s Dieter-Time! Dieter Bohlen, Fernanda Brandao und Patrick Nuo, zusammen auch bekannt als Jury von “Deutschland sucht den Superstar”, laden wieder ein zum Casting, Ring frei zur zweiten Runde…

    Es geht los mit einem etwas maulfaulen 16jährigen Sascha, der entweder vor Coolness oder wegen allgemeiner Kraftlosigkeit nur nuschelig spricht, dafür fummelt er sich pausenlos im Gesicht und am Kragen herum. Man versteht aber soviel, dass er der kommende Superstar ist, denn er habe Gesangsunterricht gehabt und sein Idol sei Mehrzad Marashi. Im Einspieler klaut er einer Oma im Park den Rollator, nicht ganz die feine Art, aber vielleicht braucht er den ja auch nötiger als die alte Dame – spätestens, wenn Dieter mit ihm fertig ist. Seine Performance im Casting-Studio ist sehr uncool, denn er steht schon beim lockeren Begrüßungslabaluba mit der Jury völlig unter Strom, schwitzt und zupft sich am Kragen. Schon vor dem ersten gesungenen Ton ist Dieter stinkig: ein richtiger Künstler sei nicht nervös, sondern fühle sich pudelwohl auf der Bühne, er, Sascha, wolle nur schnell “ablaichen” und dann verschwinden. Trotzdem fängt der so gescholtene an zu singen, es gibt “Twist and shout” von den Beatles, allerdings in einem etwas eigenwilligen Englisch und mit total gepresst-verkrampfter Stimme. Dabei geht er tief in die Knie, hockt sich fast hin, so als säße er auf einem Pferd, nur eben ohne das H0ttehüh, die Jury nennt es “Geburtshaltung”. Sascha kassiert drei “Nein” und versteht die Welt nicht mehr, er habe doch monatelang mit einem vom Vater teuer bezahlten “Vocal Coach” geübt, der Recall sei ihm quasi sicher, habe der immer gesagt… “Hau’ Deinem Coach was in die Fresse”, gibt der Gelegenheitspazifist Dieter Bohlen seinem Kandidaten mit auf den Weg, als der völlig am Boden zerstört durch die Ausgangstür kriecht. Gut, dass draußen kein Fenster offen steht, er wäre glatt gesprungen! :-(

    Danach geht’s weiter mit Mike Müller, dem singenden Straßenkehrer von der Kölner Müllabfuhr. Der 24jährige Kurzhaarträger kommt mit “All I have to give” von den Backstreet Boys. Ich finde seine Darbietung eher so lala, aber der Jury gefällt’s, vermutlich besonders wegen der interessanten Biografie, die ließe sich bestimmt noch richtig gut ausschlachten. Folgerichtig schafft es Mike in den Recall. Fernanda ist übrigens eindeutig zu lange weg aus ihrer brasilianischen Heimat: “Ich finde es schön, dass Du sauber machst, ich liebe Ordnung”, lautet ihr teutonisch-korrektes Urteil. :-)

    Nicht in den Recall kommt dagegen Tatjana (16), die mit großem Gefolge zum Casting angereist ist, mit Freundin, dem Freund, einem Freund und dem Vati. Zuhause gelassen hat sie dagegen jegliches musikalisches Talent, sie kann nämlich nicht mal für zehn Cent singen. Ihr dünnes, leises Stimmchen klingt schrecklich gequält, trifft keinen Ton von Christina Aguileras “Hurt” auch nur ansatzweise, was man Dieter und Patrick auch sehr ansieht. Nach diesem einen Liedchen glaubt man schon, die Vorstellung sei zu Ende, da fragt Patrick sadistisch – und für alle anderen außer Tatjana erkennbar ironisch, ob sie nicht noch eine Nummer singen wolle. Dieter guckt entsetzt und protestiert dann, das könne man doch nicht “Gesang” nennen, höchstens “Vortrag”. Das bisher Gehörte habe “Null Power”, die gleiche Intensität wie “Flohrülpsen”. Nach wenigen Takten der nächsten Nummer bricht er ab: “Wenn die Sendung ‘Deutschland sucht die Moorleiche für’n Tatort’ heißen würde, dann wärst Du genau dir Richtige, Deine Stimme ist ein Totalausfall.” Und das ist das Ende einer hoffnungsvollen 30-Sekunden-Karriere. :-(

    Nun als Kontrastprogramm wieder ein Mädchenschwarm mit Gitarre: Anton Zeller ist 18, kommt aus Landshut und erinnert von weitem so ein bisschen an Dominik Büchele aus der sechsten DSDS-Staffel. Bei seinem Erscheinen im Studio kriegt Fernanda gleich ganz große Augen, offenbar ist der schwarzhaarige Teenager genau ihr Typ. Als der Kandidat dann auch noch erzählt, dass er viel Sport mache, hält es die Brasilianerin nicht mehr im Jurystuhl und wir erhaschen beim Aufspringen einen kurzen Blick auf ihre noch viel kürzeren Shorts und die braunen Beine, derentwegen sie überhaupt nur in dieser Sendung ist. Sogleich nötigt sie Anton zum Ausziehen seiner Jacke, dann muss er ein bisschen herumposen und die Bizeps präsentieren. “Ah!” und “oh!”, Fernanda scheint recht zufrieden. Der ebenfalls vermutlich nur wegen seines annehmbaren Aussehens in die Jury gecastete Patrick Nuo wirkt dagegen etwas unentspannt, plötzlich ist seine führende Position in der Testosteronrangliste des Studios nicht mehr unumstritten. Und die Fleischbeschau geht weiter: Ob er nicht mal Liegestütze mit ihr auf dem Rücken machen könne, wird Anton gefragt. Natürlich kann er, schließlich will er in den Recall, auch wenn ihm das Ganze sichtlich peinlich ist. Aber wer zu DSDS geht, hat mit solchen Dingen ja eh abgeschlossen. Gesagt, getan, kurze Zeit später hat er begleitet von vielen anzüglichen Bemerkungen der eifersüchtigen Herren zehn Liegestütze mit Fernanda “im Sattel” geschafft und darf deshalb zur Belohnung schwer schnaufend seinen Titel “Wonderwall” von Oasis singen. Ja, Gesang und Begleitbeklampfung gehen in Ordnung, “das Gesamtpaket” stimmt, wie es immer so schön heißt, und deshalb sehen wir Anton auch demnächst wieder im Recall. Das war mal Sexismus anders herum. :-)

    Und dann kommt gleich noch so ein Typ: Heiko Faller (16) sieht etwas aus wie eine Mischung aus Harry Potter und Justin Bieber und singt passenderweise von letzterem das Seichtpopnümmerchen “Baby”. Er begleitet sich selbst auf der Gitarre und lässt mit seiner Stimme und dem Babyface die Jury in Nullkommanichts dahinschmelzen wie Butter auf der Heizung. Selbstredend kommt er in den Recall, wobei ich schon jetzt etwas gespannt bin auf mögliche Interviews mir seiner Familie (Mami, Papi, Stiefpapi), die wegen ihrer etwas prollig wirkenden Erscheinung von RTL schon hier im Casting mit der Titelmusik der “Feuersteins” unterlegt wird. :-)

    Während man sich noch das Grinsen vom letzten Auftritt aus dem Gesicht biegt, kommt gleich die kalte Dusche: Dirk aus Stralsund ist 20 Jahre alt, leicht untersetzt, trägt Karohemd und mag sich sehr. In diesem Fall ist RTL wieder gnadenlos, der Kandidat wird schon beim Reinkommen von Onkel Dieter auf seine eher unsportliche Figur angesprochen und muss vor der Kamera gestehen, dass er gern Süßigkeiten isst und deswegen auch keine Freundin hat. Kaum noch erwähnenswert, dass der Auftritt heute natürlich total floppt. Dieter schlägt sich schon die Hand vor die Stirn, als er vom Titel hört (“Durch den Monsun” von Tokyo Hotel) und seine Ahnungen werden auch komplett bestätigt: Dirk singt einfach nur grottig. “Das war Hühnerkacke”, befindet Dieter nach einem kurzen Blick in sein unerschöpfliches “Lexikon der persönlichen Beleidigungen” und schickt den Kandidaten ohne gelbe Recall-Einladung zurück nach Hause. :-(

    Und nun kommen wir zum wichtigsten Auftritt dieser Folge, zumindest gemessen an der dafür von RTL verballerten Sendezeit: Cosimo aus Stuttgart gibt sich leider ein weiteres Mal die Ehre, so wie ich es bei seinem Erscheinen in der letzten Staffel schon befürchtet hatte. Der “Checker vom Neckar” lässt sich offenbar auch durch wiederholte Reinfälle in den letzten drei Staffeln nicht von der Idee abbrechen, er habe eigentlich das Zeug zu einer Weltkarriere – wenn nur Dieter Bohlen es nicht regelmäßig verhindern würde. Mittlerweile ist der gegelte Nervbold 28 Jahre alt, kann also theoretisch noch zwei Mal wieder kommen. Und auch dieses Jahr traut sich der arbeitslose Frisör nicht allein ins Studio, er hat gleich drei Freunde (“Atzen”) im Rocker-Outfit mitgebracht – oder was die Redakteure dafür halten. Alle wirken nicht sonderlich helle, aber dann würden sie ja auch ihren Anführer Cosinus überstrahlen. Der verbrachte offenbar die gesamte Zeit seit seinem letzten DSDS-Rauswurf damit, eine neue Performance einzuüben und er hat dafür auch eigens ein Lied geschrieben: “Ketchup my Sandwich”. Das Lied besteht aus nichts anderem, als dem kurzen Refrain “Komm’ schon Baby, zieh’ Dich aus”. Ende. Gratulation, Casimir, das ist doch tatsächlich das erste Mal, dass es jemand geschafft hat, seinen kompletten Gehirninhalt in ein einziges Lied zu quetschen. Vielleicht hätte er damals bei der Friseurlehre doch lieber nicht so viele Bleichmitteldämpfe einatmen sollen, so etwas kann einem die Denkmurmel ruinieren, wie man hier deutlich sieht.

    Nach einigen Wiederholungen dieses epochalen Meisterwerks merkt offenbar sogar Cosima, dass das Käse war und er besinnt sich auf sein anderes Talent, nämlich das Stänkern, wie wir gleich sehen werden. Fernanda tut etwas pikiert und resümiert: “Für mich bist Du eine Mischung aus Menderes und Wendler” (wobei ich “Wendler” eben erst mal bei Wikipedia nachschlagen musste, den kannte ich gar nicht). Okay, damit hat sie sich mit einem einzigen Satz zu Colibris Feind Numero Uno gemacht. Und wie es der göttliche Zufall (oder das Drehbuch) so will, hat sein Intimfreund und Friseurkunde Bushido ihm eine wichtige Nachricht für Fernanda mitgegeben. (Für Uneingeweihte muss dazu bemerkt werden, dass der Rapper Bushido, der bei der Staatsanwaltschaft eher unter seinem Geburtsnamen Anis Ferchichi bekannt ist, früher angeblich mal mit Fernanda liiert war, bewiesen ist das aber nicht.) “Ich hör’ von anderen Leuten, dass Du nicht so gut im Bett bist”, platzt Cosmo nun mit seiner Botschaft heraus und hält dazu triumphierend eine Autogrammkarte seines Kumpels in die Höhe, wohl wissend, dass es Fernanda schwer fallen dürfte, diese Behauptung auf die Schnelle zu widerlegen. Dieter Bohlen dreht sich angewidert auf dem Jurystuhl um und guckt nur noch aus dem Fenster: “Mit Geistesgestörten unterhalte ich mich nicht”. Auch Fernanda und Patrick schweigen, worauf Cosinatz mit seinen Bodyguards das Studio wieder verlässt. Komisch, seine Auftritte werden von Jahr zu Jahr peinlicher, aber das kümmert RTL natürlich einen Dreck, Hauptsache, sie können ein paar dramatische Szenen zeigen, die sich auch in der Programmvorschau gut machen. :-(

    Fernanda behauptet später übrigens, nie etwas mit Bushido gehabt zu haben und der heutige “Angriff” sei niveaulos, frauenfeindlich und asozial. Aber natürlich ist das alles zusammen nicht glaubwürdig, machen wir uns nichts vor: Die gesamte Rahmenhandlung von “Deutschland sucht den Superstar” ist geskriptet und gerade die Aufreger sind alles andere als spontan, sondern werden sorgfältig choreografiert. Das gilt selbstverständlich auch für die alljährlichen Besuche des stetig wachsenden Bohlenschen Wanderzirkus pathologisch kamerageiler DSDS-Zombies. Deren einziger Lebensinhalt scheint der regelmäßige Anschiss des Poptitanen zu sein und wenn sie Glück haben und bekloppt genug sind, lässt man sie im Rahmen der traditionellen Freak-Nummer beim Finale vielleicht sogar noch ein zweites Mal kurz aus der Gruft. Außerhalb der DSDS-Saison fristen diese Fußabtreter von Dieter Bohlen dann das triste Leben eines Z-Promis, d.h. sie können sich freuen, wenn sie in einer heruntergekommenen Dorfdisko als Pausenclown engagiert werden. Als Glücksfall gilt dann schon, wenn sie bei einem solchen Einsatz von der besoffenen Landjugend krankenhausreif geprügelt werden und es mit einem Foto ihrer Blessuren auf die “Bunte Welt”-Seite der Blödzeitung schaffen.

    Insgeheim hat RTL mit diesen Leuten garantiert Verträge abgeschlossen und denkt sich für ihren Auftritt Jahr für Jahr neue und immer schwachsinnigere Gaga-Handlungen aus. Man denke bloß an Menderes Einschleichversuch als Fensterputzer vor zwei Jahren oder an Cosimos Pöbelattacke auf Onkel Dieter in Staffel Sieben. By the Way: Menderes, der vermutlich untalentierteste Michael-Jackson-Imitator der Welt, kommt hundertprozentig auch noch, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

    Bis Sonnabend, dann wird der Käfig wieder aufgeschlossen…

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  • Mahlzeit zusammen,

    Gastropapst Christian Rach ist vorzeitig aus dem Winterschlaf erwacht und präsentiert sich ab heute in einer neuen Staffel als Restauranttester. Eigentlich testet er die besuchten Restaurants nicht nur, sondern will sie vor dem Bankrott retten. So wie heute, wo er uns mitnimmt ins bayerische Freising. Hier betreibt Tanguy Doron sein Restaurant “La Petite France”, was bekanntlich auf Deutsch “Die kleine Fronkroisch” bedeutet. Wie man schon beim Namen ahnt, stammt Tanguy nicht aus dem Schwarzwald, sondern wirklich aus Frankreich. Zwar lebt er schon seit 25 Jahren in Deutschland, hat sich aber “eine szöne franszösiss Ackssoon” bewahrt, der im Fernsehen sicherheitshalber komplett untertitelt wird. Wie alle Franzosen, kann er selbstredend fabelhaft kochen, trotzdem läuft der Laden so schlecht, dass seine Frau Monika ihn mit ihrem eigenen Gehalt unterstützen muss. Letztere hat offenbar so langsam die Faxen dicke und ruft deshalb den weltbekannten Restaurantflüsterer aus Hamburg zu Hilfe.

    Schon die Anfahrt zum “La Petite France” offenbart ein, wenn nicht gar das Problem: Das Restaurant liegt ziemlich abseits in einem Wohngebiet und sieht von außen gelinde gesagt unscheinbar aus, geradezu stinklangweilig. Als Rach den Laden betritt, kommt der Besitzer Doron wie von der Tarantel gestochen hinter dem Tresen hervorgesprungen und gibt sich unendlich überrascht, dass der Meister ihn schon einen Tag früher beehrt, als eigentlich vereinbart. Gääääääähn, der Trick ist so alt, da sind seinerzeit nicht mal mehr die Neandertaler drauf reingefallen, aber bei unserem unwissenden kleinen Franzosen hat es tatsächlich mal wieder geklappt, Applaus für Rach!

    Der Hamburger lässt sich seine Gage von RTL offenbar in Naturalien auszahlen und bestellt deswegen gleich ein umfangreiches Mahl von Tanguys Speisekarte. “Damit starte ich und dann sehen wir weiter”, kündigt Rach seine extraordinäre Fressorgie an: Die Champagner-Zwiebelsuppe gefällt ihm noch tadellos, die gegrillten Sardinen enttäuschen dagegen und das Fisch-Ragout wird später nicht mal mehr erwähnt. Tanguy scheint ein ziemlicher Hektologe zu sein, er flitzt in der Küche zwischen den dampfenden Töpfen hin und her, hat gleichzeitig ein Handy am Ohr um seinen Sohn Maximilian als Verstärkung herbeizurufen und vergisst dabei in der Aufregung, Kräuter auf die Sardinen zu streuseln. Rach beißt voller Vorfreude in den seligen Meeresbewohner und schiebt den Teller dann schnell beleidigt beiseite, dieser Fisch ist umsonst gestorben, denn er wurde nicht gewürzt. Mon Dieu, quel Malheure! Tanguy windet sich, tief in seiner Ehre als Chef de Cuisine getroffen, das sei ein einmaliges Versehen gewesen! Doch danach kommt ein Fauxpas, den man nicht mehr entschuldigen kann: Den als Dessert bestellten Crêpe mit Apfelfüllung fabriziert der Franzose nicht etwa frisch, sondern per Mikrowelle. Schwacher Versuch, so etwas merkt ein Sternekoch natürlich mit Lichtgeschwindigkeit – besonders dann, wenn er vorher das Drehbuch gelesen hat…

    Nach einer Nacht zur Verdauung des Erlebten kommt Christian Rach am nächsten Morgen zurück. Heute will er in Tanguys Restaurant nach der “Seele Frankreichs” suchen, findet aber einzig ein Schwarzweißfoto an der Wand, mit einer eleganten Dame vor dem Eiffelturm, der Rest der Einrichtung würde auch in einer Pizzeria nicht auffallen. Das ist auch kein Wunder, denn tatsächlich war hier vorher ein italienisches Restaurant und Tanguy hat die Einrichtung einfach übernommen. “Ich fühle mich nicht wie in Frankreich”, resümiert Rach. Dann muss es eben über die Küche gehen, wo denn die Lebensmittel herkämen, fragt er Tanguy. Hmmm, erklärt der, die hole er höchstpersönlich alle drei Wochen aus Straßburg, von “Metro”. Bei dieser Auskunft bricht der Hamburger mit diabolischem Lachen fast zusammen: Das kann doch wohl nicht wahr sein, eine Fahrt von 370 Kilometer, nur um dann hinter der französischen Grenze bei einem deutschen Großmarkt einzukaufen… Der Großmeister kriegt sich kaum wieder ein.

    Nach dieser erschütternden Erklärung für die wenig authentischen Speisen im “La Petite France” beschließt Christian Rach lt. Drehbuch jetzt völlig spontan, auf der Stelle mit Tanguy Doron nach Straßburg zu fahren und die echte französische Gemütlichkeit zu suchen, die er hier in Freising so schmerzlich vermisst. Die beiden Männer sehen sich dort einige passende Bistros an, flanieren durch die engen Gässchen, schnuppern gallische Luft und Tanguy behauptet, nun klar zu sehen. Rach entwickelt die Idee von einer französischen Brotzeit mit Käse und Baguette.

    Daheim in Freising sprüht Rach vor Ideen, holt sogar schon einen Maler, während der sensible Franzose nicht so recht zu Potte kommt. Er kann sich zu keinen Entscheidungen durchringen. Welche Farbe? Welche Deko? Oder sollte man vielleicht doch lieber das Restaurant ganz schließen? (Natürlich nicht, sonst wäre ja die Sendung zu Ende.) Später in der Küche läuft Rach zu ganz großer Form auf, bastelt an französischen Gerichten mit Fleisch und Pflaumen, die schon fast durch den Fernseher duften, während Tanguy bei dem Tempo des Hamburgers kaum mitkommt. Merde! Eine neue, hochkomplexe Entscheidung muss getroffen werden: Soll man heute Abend inmitten frisch gemalter Wände und total im Umbruch befindlicher Küche das Restaurant öffnen und damit den Sternekoch für heute nach Hause schicken? Tanguy ist völlig überfordert, kratzt sich den Kopf, läuft hierhin und dorthin, entscheidet sich dann halbherzig, den Laden heute zuzulassen, blättert im Telefonbuch und fängt an, die reservierten Gäste anzurufen. Leider erreicht er nicht alle bzw. ruft die falschen Leute an und überlegt sich nun, heute Abend doch zu öffnen, will aber andererseits auch Rach nicht wegschicken und versucht stattdessen vergeblich weiter, seine Gäste zu erreichen…

    Christian Rach ist schwer genervt vom hektisch-chaotischen Treiben des kleinen Franzosen. Mit aschfahlem Gesicht stellt er ihn zwischen zwei Anrufversuchen zur Rede, empfiehlt ihm, entwaige Gäste doch einfach mit einer Flasche Champagner auf den nächsten Tag zu vertrösten und zieht sich dann kopfschüttelnd wieder in die brodelnde Küche zurück. Leider brummt er im Weggehen etwas von “Dummheit”, was Tanguy endgültig komplett aus der Bahn wirft, denn, so erklärt der hinterher, er könne zwei Worte überhaupt nicht ausstehen, nämlich “Faulheit” und eben “Dummheit”. Nun also ist der Freisinger Restaurantbesitzer völlig vergrätzt, dem Heulen nahe und Rach muss ihn trösten, das sei doch alles gar nicht so gemeint gewesen! Oh Wunder, aus dem Nichts zaubert dies das Lächeln auf das Gesicht des Franzosen zurück und wir erleben den Beginn einer wundervollen Freundschaft, sagt die Off-Stimme. Irgendwie haben Künstler doch alle einen Hau… ;-)

    Apropos “Künstler”, am nächsten Tag bringt Chrischan seinem alten Kumpel Tanguy einen ganzen Rollwagen voller Utensilien aus dem RTL-Fundus mit, damit will er etwas französisches Flair in das weiterhin teutonisch-triste Restaurant bringen. Wir sehen haufenweise gerahmte Bilder für die Wand, Tonkrüge und blau-weiß karierte Servietten für die Tische, ein Fässchen und zahlreiche Weinflaschen für die Bar und im Hintergrund singt mit einmal Édith Piaf ihr berühmtes “Non, je ne regrette rien”. Danach serviert der Hamburger zum ersten Mal seine neu kreierte französische Brotzeit mit Elsässer Flammkuchen, alle sind begeistert.

    Am letzten Tag ist die Neueröffnung des frisch dekorierten und auch gastronomisch umgestalteten “kleinen Frankreichs”. Die von RTL gemieteten und bezahlten Gäste (angeblich alles freiwillige Freisinger) bevölkern in hellen Scharen das noch nach Farbe riechende Etablissement. Zuvor gibt es einmal mehr Komplikationen, weil Chefkoch Tanguy sich wieder in dem von ihm selbst verzapften Chaos verstrickt. Erst ist das Küchenteam nicht vollzählig, dann ist plötzlich unklar, wann und wie viele Gäste man eigentlich erwartet und ob die Vorräte dafür überhaupt reichen. Der cholerisch-wirr herumgestikulierende und beständig brabbelnde Tanguy erinnert mich dabei sehr an Louis de Funès, einen anderen großen kleinen Franzosen. Am Ende kriegen unsere beiden Küchengenies aber doch gemeinsam die Kurve, die Premiere klappt, die Gäste scheinen begeistert und applaudieren sogar. Das war es erst einmal…

    Acht Wochen später ist Christian Rach wieder da, natürlich “ohne Voranmeldung” und kontrolliert sein Werk. Alles sieht gut aus, man habe viele neue Stammgäste gewonnen und der Laden brummt, berichtet Tanguy. Die Testbestellung des Sternekochs ergibt keinen Anlass für Beschwerden, alles sei großartig, befindet er. Und damit geht eine gemütliche, ja wirklich appetitanregende Folge mit sympathischen Darstellern zu Ende, bei der Christian Rach auch mal wieder so richtig in der Küche gefordert war. Ein unspektakulärer, aber gelungener Auftakt für die fünfte Staffel von “Rach, der Restauranttester”. (Wer es übrigens einmal selbst probieren will, findet hier den Online-Auftritt zum “La Petite France”.)

    Bis denne!

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  • DSDS (RTL) 09.01.2011 1 Comment

    Liebe Freunde des guten Geschmacks,

    Ihr seid hier völlig verkehrt, schaltet ab, lest nicht weiter, diese Sendung und dieser Blog sind nichts für Euch!

    Alle anderen begrüße ich herzlich zu einer neuen Runde von “Deutschland sucht den Superstar”. Uns stehen in den nächsten Wochen wieder unaussprechliche Qualen für die Ohren und Mägen bevor, RTL verspricht wahre Orgien des Fremdschämens und bisher konnte man sich auf solche Ankündigungen auch immer verlassen. Es geht in dieser Sendung natürlich weiterhin nicht darum, wirklich einen neuen “Superstar” zu finden. Echte Superstars werden schon von selbst gefunden, dazu muss man nicht zehntausende tatsächliche und gefühlte Teenager durch den Eignungstest jagen. Nein, das eigentliche Ziel von DSDS ist die öffentliche Erniedrigung von Menschen, die entweder keine echten Freunde haben, die ihre Unmusikalität im Vorfeld richtig beurteilen können, oder die so selbstverliebt sind, dass sie unter allen Umständen wenigstens einmal im Leben für drei Minuten vor einem Millionenpublikum stehen wollen. Und sei es um den Preis, dass ihr Wimpernschlag im Licht der Kamera darin besteht, von einem satten Multimillionär aus Tötensen mit unflätigen Verbalinjurien öffentlich auf Amöbengröße reduziert zu werden.

    Das titelgebende Versprechen dieser Sendereihe hat sich in den vorangegangenen Staffeln nicht oder fast nicht erfüllt. Lassen wir mal ganz kurz Revue passieren: Der Gewinner der ersten Staffel hieß Alexander Klaws und ist heute immerhin Musicaldarsteller (Tarzan) in Hamburg. Die nächste Staffel gewann eine gewisse Elli Erl, die danach offenbar völlig in der Versenkung verschwand; nicht mal in der Star-Resteverwertung wie Oliver Geissens “ultimative Chartshow” oder als Opfer einer Promi-Koch- oder Dschungelsendung ist sie aufgetaucht. Sieger von Staffel Nr. 3 war Tobias Regner, eine zum Hardrocker aufgebauschte Luftnummer mit dem aktuellen Marktwert einer Tube Zahnpasta. Danach kam Dieter Bohlens Herzbube Mark Medlock, der aufgrund seiner notorischen Unsterblichkeit als Interpret seichtester Popnummern karrieretechnisch über Wasser blieb, aber trotzdem immer leicht verhungert aussieht. In der fünften Staffel gewann Thomas Godoj, wegen seiner unverwechselbaren Stimme und unabstreitbaren Musikalität auch noch so einigermaßen bekannt, obwohl der Ausdruck “Superstar” hier wohl fehl am Platze wäre und sein Plattenvertrag angeblich kürzlich über den Jordan ging. Daniel Schuhmacher gewann 2009 die sechste Staffel und bleibt vor allem wegen seiner hohen Stimme und der Integralhelmfrisur mit Poposcheitel im Gedächtnis, musikalisch tat sich da seit einem in der Bildzeitung breitgetretenen Zerwürfnis mit Übervater Bohlen eher wenig. Und im Vorjahr gewann schließlich Bad Boy Mehrzad Marashi gegen Worst Boy Menowin Fröhlich und verbrauchte bei dieser Gelegenheit offenbar die gesamte Energie, die er sich eigentlich für seine Superstar-Karriere hätte aufheben sollen…

    So, im knisternden Feuer der verglimmenden Karrierehoffnungen früherer “Superstars” wollen wir uns nun der achten Staffel zuwenden. Dieter Bohlen, der als DSDS-Heesters seit Anbeginn aller Zeiten die Jury leitet, hat rechts und links von sich mal wieder ausgemistet und die bisherigen Jury-Kollegen Nina Eichinger und Volker Neumüller in die mediale Wüste geschickt. Vermutlich haben die zu oft eine eigene, von seiner abweichende, Meinung geäußert oder wollten mehr Gage haben. Friede ihrer Asche. (Hoffentlich gilt das auch für Marco Schreyl, dem Moderationsfaktotum aus den Mottoshows.)

    Im Interesse eines stets konvergenten Auftretens der Jury hat Onkel Dieter zwei neue Ja-Sager aus der RTL-Wunderkiste gezogen: Fernanda Brandao, deren Eignung zum Casting-Richteramt darin besteht, vor 27 Jahren in Brasilien geboren und Teil des Girlie-Trios “Hot Banditoz” gewesen zu sein, damals unter dem Kampfnamen “Laava”. Auf den ersten Blick macht sie optisch einen sehr ansprechenden, intellektuell aber eher bescheidenen Eindruck, insofern passt sie bestens zum Meister. Eher um Äußerlichkeiten geht es wohl auch bei Patrick Nuo (28), einem sich sehr cool vorkommenden Seichtpop-Sänger für die Bravo-Clearasil-Fraktion leicht in Ohnmacht fallender Mädchen. Seine schnell verblassende Karriere scheint sich nach Auftritten bei Stefan-Raab-Events nun eher in Richtung Dschungelshow zu bewegen, mit Zwischenstation DSDS.

    Genug gelabert, jetzt geht es wirklich los!

    Den Anfang der ersten Casting-Sendung der achten Staffel macht ein bekloppter Ralph Joachim Rainer (30, mit ellenlangem österreichischem Adelstitel) aus Berlin, der sich selbst “Der Checker” nennt, obwohl dieser Beiname doch eigentlich seit der letzten Staffel für Thomas Karaoglan reserviert ist! Ralph sieht mit seinen dicken Backen und der auch ansonsten eher rundlichen Figur aus wie eine Mischung aus Stefan Raabs Geschöpf Elton und einem Biber. Leider glaubt er außerdem auch noch, er sei unwiderstehlich, lustig und musikalisch, womit er leider völlig daneben liegt, wie sich sogleich zeigt. Nach einem kurzen Techtelmechtel mit der Jury, bei dem Dieter dann schon die schiefen Füße des Kandidaten bemängelt (er hat “Senk-Spreiz-Knickfüße” oder so ähnlich), endet Ralphs Karriere bei dem Versuch, den Schmachtfetzen “Time to say Goodbye” vorzusingen. Er kann weder Melodie, noch Text und während er völlig hilflos auf der Bühne herumdilettiert, eilt ihm von draußen auch noch seine wartende Begleiterin Maria (max. 1,50m und kugelrund mit lila Strickpullover) zu Hilfe und besiegelt ebenfalls schief singend sein Schicksal. Die beiden treffen unabhängig voneinander nicht einen einzigen Ton, mir klappen sich die Fußnägel hoch. Dieter Bohlen beendet das Tonmassaker dann mit ein paar für seine Verhältnisse freundlichen Worten und entlässt die beiden Vortragenden ohne die sonst üblichen Verbalinjurien in die Freiheit. :-(

    Nach Flop kommt bei DSDS immer Top: Anna-Carina Woitschack ist 17 Jahre alt, groß und blond und von Beruf Puppenspielerin. Schon am sorgfältig gemachten Einspielfilmchen ohne Verarschungsmomente erkennen Eingeweihte dieser Sendung, dass sie später in den Recall kommen wird (und Eingeweihte dieses Blogs erkennen das am nicht weggelassenen Nachnamen). Sie erscheint mit ihrer Lieblingsmarionette beim Casting, das muss man sicher nicht extra erwähnen. Nach einigem Geplänkel über die Tatsache, dass sie mit immerhin schon 17 Jahren trotz ihres guten Aussehens noch keinen Freund hat und auch noch nie hatte und noch nicht mal in der Disco war, performt sie “Mercy” von Duffy. Schon beim ersten Ton dürfte jedem klar sein: Die Frau kann es, hat eine echte Rock-Röhre und muss dringend in den Recall, egal wie gut sie sowieso schon aussieht. Kommentar von Patrick Nuo, der sich aus hormonellen Gründen (sabbert!) sehr um Anna-Carinas fehlende Sozialkontakte gesorgt hatte: “Jetzt weiß ich, womit Du Dir die Zeit vertreibst…” Und damit kriegt sie den gelben Zettel mit der Recall-Einladung. :-)

    Und dann wieder Flop: Shole, eine 27jährige arbeitslose Visagistin aus Hamburg mit iranischen Wurzeln, kommt wie eine Speckschwarte glänzend ins Studio. Dieter kann es gar nicht fassen, wie ausgerechnet eine Frau vom Fach so dermaßen schwitzen kann. Doch, doch, sie habe sich vorher noch extra gepudert, behauptet Shole… Ihr Auftritt mit “Paparazzi” von Lady Gaga ist dann alles andere als glänzend, tut fast weh. “Bei dem Gesang laufen ja die Paparazzis davon”, sagt Patrick, Dieter formuliert es etwas härter: “Das ist musikalische Inkontinenz.” Die Gemeinte stürmt beleidigt aus den Studio und verkündet draußen, die Jury habe “Scheiße gelabert” und keine Ahnung von Musik, sie vermutet gar Eifersucht auf ihr Talent! Ach, es ist eine Freude, genau wegen solcher Ausflipper guckt man doch DSDS, oder? :-(

    Im Schnelldurchlauf sehen wir André, ein mickriges Michael-Jackson-Double ohne vernehmbare Stimme, der zu Musik in seinem Ohrstöpsel tanzt, die wir Außenstehenden nicht hören können, weshalb seine ganze Performance grenzdebil wirkt. :-(

    Dann kommt Marco Angelini (26) aus Österreich (mit italienischen Großeltern), der wegen seines Trachtenanzugs auffällt. Der Medizinstudent erscheint in zünftigen Lederhosen mit seiner Gitarre zum Casting und begeistert in der Sparte “Netter Typ von Nebenan” mit einer sehr angenehmen Stimme. Er singt von Paolo Nutini “These Streets”, danach einen selbst gebastelten Austro-Pop-Song. Das Gitarrespielen sollte er lieber lassen, aber singen kann er wirklich gut. Das findet auch die Jury und befördert Marco umgehend und völlig zu Recht in den Recall. :-)

    Aus der Abteilung “Darf man über sowas lachen?” kommt nun ein gewisser Stefan. Er sei 30 behauptet er, müsste aber garantiert in jedem Laden beim Bierkaufen den Ausweis zeigen, bei “Bauer sucht Frau” wäre er allerdings nicht weiter aufgefallen. Nicht nur, dass er merkwürdig aufgedunsen aussieht in seinem etwas zu engen schwarz-weißen Jogginganzug, er ist auch tatsächlich seltsam, wohnt zusammen mit einem Hund und seiner pflegebedürftigen Mutter. Die Dame ist schwer krebskrank und sitzt im Rollstuhl, der Vater ist bereits vor zehn Jahren verstorben. Das alles erzählt Stefan beim Reinkommen auch der Jury (unterlegt mit trauriger Musik), außerdem hat er Segelohren wie Dumbo, so dass er tränendrüsentechnisch mit einem eigentlich unschlagbaren Bonus ins Rennen geht. Normalerweise wäre jeder mit dieser Homestory schon vor dem ersten Ton so gut wie im Recall, es sei denn, er sänge dermaßen schlecht… Und genau das tut Stefan mit Robbie Williams “Angels”. Trotz knöchelhoch stehender Mitleidstränenflut schütteln Dieter, Brandao und Patrick unisono den Kopf. Auch der angeblich genossene klassische Gesangsunterricht hilft nicht, mit seinem nervig nasalen Organ wird er kein zweiter Paul Potts. Ciao und Gruß an die Mutter… Hinterher fasst Dieter Bohlen den Auftritt noch einmal treffend zusammen: “Hätte der die kranke Mutter nicht, ich hätt’ ihn fertig gemacht”. Hart aber ehrlich. :-(

    Die heutige erste Folge klingt aus mit liebem Besuch: Hendrikje aus Wolfsburg, selbsternannter größter Dieter-Bohlen-Fan aller Zeiten, ist aus der geschlossenen Abteilung entwichen und hat bedauerlicherweise den Weg ins Casting-Studio gefunden. Sie sei völlig in Dieter verliebt, möchte sich ihm gern oben ohne präsentieren und würde sich für ihn sogar von ihrem Ehemann scheiden lassen, gesteht sie treudoof der Kamera. Ich glaube allerdings nicht, dass es so weit kommen wird, denn Hendrikje entspricht weder äußerlich noch vom Alter her dem bekannten Beuteschema des Poptitanen. (BTW: Sie sieht eigentlich auch für DSDS zu alt aus, 30 Jahre waren da doch immer die Schallgrenze?) Irrerweise kommt die Durchgeknallte mit ihrem (Noch-)Ehemann zum Casting, der aus begreiflichen Gründen etwas dagegen hat, dass sich seine Herzallerliebste allzu freizügig vor der Kamera entblättert. Aber der Wahnsinn hat bekanntlich seine eigenen Regeln und hält sich nicht an Konventionen, höchstens an das von RTL gestrickte Drehbuch.

    Hendrikje kommt nun also mit Sombrero und tellergroßen Schwitzflecken ins Studio, gurrt und stammelt Dieter an und schenkt ihm dann ihren Hut, an dem sie ein paar selbst gemalte, leicht missglückte Porträts des Schlagergottkönigs befestigt hat. Der ist irgendwie gleichzeitig irritiert, gerührt und amüsiert und weiß scheinbar nicht so genau, was er mit Hendrikje machen soll. Die angebotenen “Küsschen auf die Wangen” verweigert er, seine Freundin sehe ja auch zu. Der Gesangspart “Er gehört zu mir” (Marianne Rosenberg) stammt aus der Kategorie “Hausfrauen-Karaoke” und ist wie erwartet unterirdisch schlecht. Danach fabriziert die ausgeflippte Frau auf offener Bühne aus unklaren Beweggründen noch einen Spagat vor dem Jurytisch (Dieter: “Pass’ auf, dass Du da jetzt nicht kleben bleibst…”) und einen Handstand und dann kommt es zum Äußersten: Hendrikje zieht blank und zeigt uns und dem Poptitanen sekundenlang den prallen Inhalt ihrer Bluse inklusive der aufgeklebten Pasties mit Quasten. Patrick ist das Entsetzen ins Gesicht geschrieben und als guter Katholik hält er sich verschämt die Augen zu, genau wie Hendrikjes Ehemann, der draußen vor dem Studio die peinliche Szene am Monitor miterlebt und wohl ab liebsten im Erdboden versinken würde. Ey, hallo Leute, wir sind hier bei RTL, die hatten früher mal “Tutti-Frutti” im Programm, da muss man mit sowas aber rechnen… Dieter beendet den Quatsch dann souverän mit “Gesanglich, Schnuckel, war das nichts” und erklärt ihr den Weg aus dem Studio. :-(

    So, das war also das erste Casting der achten Staffel. Im Grunde genommen alles wie gehabt, Peinlichkeiten, Pöbeleien, Tränen und hier und da auch mal eine gute Stimme. Noch ist alles nur Spaß, die echten Staranwärter sehen wir sowieso erst im Recall. Die nächste Folge kommt schon am Mittwoch, bis dahin noch ein schönes Restwochenende.

    Friede ihrer Asche.

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  • Gutes neues Jahr, liebe Fremdschämfans,

    2011 beginnt gleich mit dem Postskriptum zu einem Quotenhit im vergangenen Herbst: Christian Rach zelebriert “Das große Wiedersehen” in seiner Restaurantschule. Im echten Leben ist seit der letzten Folge etwa ein halben Jahr vergangen und RTL ist natürlich scharf darauf zu sehen, was aus den damals noch 9 verbliebenen Restaurantschülern geworden ist … und ob überhaupt. Solche Nachfassfolgen sind für das Fernsehen auch immer eine Spitzengelegenheit, haufenweise Filmschnipsel aus dem Archiv als Rückblenden einzustreuen, man will ja schließlich, dass auch neu hinzugekommene Zuschauer die Zusammenhänge kapieren. Die Wiederholung von Konserven kostet natürlich viel weniger als eine Neuproduktion, was die Beliebtheit dieses Themas bei Rachs Restaurantschule, seinem Restauranttester, Peter Zwegats Schuldnerberatung, Bauer sucht Frau usw. erklärt.

    Nach einigen endlosen Minuten mit den wichtigsten Szenen aus dem RTL-Archiv geht es schließlich doch los, Noch-Sterne-Koch Christian Rach betritt seine Neugründung “Slowman” im Hamburger Chilehaus, das angeblich immer schon monatelang im Voraus ausgebucht ist. In der Küche sind nur Jonny und Tim zu sehen, die anderen hätten Schichtdienst und seien deshalb unsichtbar, so der Meister.

    Moment, kurz mal anhalten, Jonny in der Küche? Der war doch früher immer im Service, zusammen mit seiner Flamme Nina! Während wir noch auf eine Erklärung vom Rach hoffen, wird erst mal eine längliche Verfilmung der wichtigsten Stationen aus Jonnys Kriminalkarriere eingeschoben, natürlich auch wieder von Konserve. Dann folgt so eine Art Interview, der Meister in Zivil, Jonny in weißer Kochschürze. Ja, ihm sei die Arbeit im Service zu langweilig gewesen, erzählt der junge Mann, da sei zu wenig Adrenalin bei, zu wenig Stress. Deshalb sei er nun in die Küche gewechselt. Rach reicht das als Motiv nicht und er bittet Hanno, einen der beiden Chefs des “Slowman” hinzu und man geht zu einer genaueren Examinierung des Falls in den oberen Gastraum. In Wirklichkeit habe es nämlich haufenweise Beschwerden von Gästen, Kollegen und Lehrern über den aggressiven und impulsiven Jonny gegeben, sagt die allwissende Stimme aus dem Off, und dem wolle Christian Rach nun nachgehen. So schlimm, wie vermutet, wird es dann aber doch nicht, Jonny wird nur vergattert, zukünftig noch mehr Gas zu geben, mehr für die Sache zu brennen. Und das war es dann auch schon, kein Rausschmiss, keine Degradierung zum Putzlappen, Rach ist und bleibt eben immer ein Gutmensch. :-|

    Nächster ist Tim, der Ex-Knacki mit dem grünen Küchen-Daumen, der von Christian Rach am Ende des Praktikums gleich als vollwertiger Koch eingestellt wurde. Hier scheint weiterhin alles gut zu laufen, trotz privater Schicksalsschläge und gesundheitlicher Probleme hat Tim sein Leben offensichtlich gut im Griff. Rach ist rundum zufrieden und stellt ihm sogar eine Gehaltserhöhung im nächsten Jahr (2011) in Aussicht. :-)

    Nicht so gut ist es dagegen bei Jasmina gelaufen. Schon bei ihrem ersten Auftritt in der Restaurantschule kam sie wegen eines abgefallenen Auspuffs volle fünf Stunden zu spät zum Vorstellungstag und irgendwie ist sie ihrer Unzuverlässigkeit wohl treu geblieben. Nach diversen “Verfehlungen und Vorkommnisse” (leider keine Details) hat man sich im “Slowman” mittlerweile von ihr trennen müssen. :-(

    Zwar noch da, aber irgendwie auch halb weg, ist Nina. Christian Rach trifft die 19jährige ziemlich in sich gekehrt, wenn nicht gar depressiv, beim Serviettenfalten. Ach, es sei alles so doof, die Restaurantchefs Hanno und Frank seien immer so grob zu ihr und hielten sie für blöd, weil sie so oft nachfragen müsse. Rach kitzelt aus ihr heraus, dass sie sich momentan sehr um ihr einjähriges Kind sorgt, das bei seinen Großeltern, also ihren Eltern, aufwächst. Sie sieht den Sohn nur noch am Wochenende, kriegt seine Entwicklung nur noch etappenweise mit und neulich habe der Kleine zu seiner Oma sogar schon “Mami” gesagt. Als sie das erzählt, bricht Nina heftig in Tränen aus und Rach muss sie erst einmal väterlich in den Arm nehmen. Warum sie das denn nicht auch mal Hanno und Frank erzählt habe, fragt der Meisterkoch, Außenstehende sähen immer nur ihre toughe, arrogante, perfekt geschminkte Fassade und nicht das Unglück dahinter. Okay, verspricht Nina, sie will zukünftig ihre Probleme offener mit den Vorgesetzten besprechen. Rach gibt sich zufrieden, ich ahne aber seine Zweifel, ob die Sache damit wirklich schon geklärt ist. :-|

    Nun geht es leider sehr betrüblich weiter. Hanno und Frank berichten ihrem Oberchef Rach, dass Can und Nourddine momentan nur noch durch entschuldigte und unentschuldigte Abwesenheiten glänzen, die hätten seit dem Sommer noch nicht zwei Wochen am Stück ohne Fehltage hingekriegt und hätten sich auch heute gerade krank gemeldet. Christian Rach beschließt, die beiden Zuhause aufzusuchen, natürlich mit dem Fernsehteam. “Zufällig” trifft er vor Ort an einer Bushaltestelle Marco (der eigentlich in der Berufsschule sein sollte) und Can. Letzterer rennt sofort weg, obwohl sein Arbeitgeber ihm hinterher ruft, stehen zu bleiben. Und das war es dann mit dem Pizza-Experten, Rach spricht sofort das vernichtende Urteil, den Ausbildungsplatz ist Can los. :-( Nun also zu Marco, der sich mit ein paar halbgaren Ausflüchten verhaspelt, weshalb er jetzt gerade hier und nicht in der Schule sei. Der Rach runzelt die meisterliche Stirn, schimpft in die Kamera etwas von wegen Riesenchance verspielt, Ernsthaftigkeit vermisst etc. und bestellt den Sünder für den Nachmittag ins “Slowman” ein.

    Dann betritt der Fernsehkoch die leicht heruntergekommene Mietskaserne, in der Nourddine, sein ehemaliger Hoffnungsträger residiert. Dessen Durchhaltevermögen hatte Rach schon im Sommer in Frage gestellt und ihm deswegen noch keinen festen Ausbildungsplatz angeboten, sondern erst einmal das Praktikum um ein halbes Jahr verlängert, danach wollte man weitersehen. Die Ahnung hat offenbar nicht getrogen, Nourddine macht heute nach Rachs Klingeln noch nicht einmal die Tür auf, obwohl man dahinter durchaus Geräusche hört. Diese Missachtung nimmt uns Chrischan nun aber doch ziemlich mit, schwer enttäuscht spricht er noch ein paar deprimierte Sätze in die Kamera und steigt tief gebeugt die Treppe wieder hinunter. Auch Nourddine habe damit sein Beschäftigungsverhältnis im “Slowman” verspielt, ergänzt die Off-Stimme. :-(

    Am Nachmittag erscheint Marco ziemlich kleinlaut zum verordneten Anschiss beim Chefchef im “Slowman”. Der wirft ihm vor allem seine extremen Stimmungsschwankungen vor, wenn er gute Laune habe, übertrage sich sein Grinsen wie ein Sonnenschein auf alle Kollegen und Gäste, aber wenn er mies drauf sei, ziehe er damit alle runter. Marco erklärt, bei dem Projekt bleiben zu wollen und verspricht, sich zukünftig mehr Mühe zu geben. Hand drauf, der Ex-Berliner und der Hamburger sehen sich in die Augen und wollen es weiterhin miteinander versuchen. :-)

    Nun zu einer echten Erfolgsstory: Angelika, mit 45 Jahren die älteste Projektteilnehmerin, weiß wohl am besten, was ihr ohne diesen Job droht, nämlich Hartz IV. Dementsprechend ernst nimmt sie ihre Aufgabe und wird von Rach als “Fleißbiene” bezeichnet, die man häufig wegen ihres selbstlosen Einsatzes bremsen müsse, damit sie sich nicht völlig verausgabe. Sie tut genau das, was der Küchenchef eigentlich auch von seinen jüngeren Praktikanten erwartet hätte, sie brennt ohne Ende für das “Slowman”. Schon allein wegen ihr, Angelika, habe sich das ganze Projekt gelohnt, egal was auch immer bei den anderen noch geschehe. Applaus, tiefer kann man sich eigentlich nicht mehr verneigen! :-)

    Nun fehlt nur noch eine: Christian Rachs ganz besonderes Sorgenkind Rena. Wir erinnern uns, sie hatte wegen ihrer Korpulenz schlimme Probleme mit ihren Plattfüßen, die viele Lauferei im Service machte ihr schwer zu schaffen und deshalb bekam sie – wie Nourddine – zunächst nur einen Bewährungsvertrag für ein halbes Jahr. Inzwischen ist sie aber eine der ganz zuverlässigen, unermüdlichen Stützen des Restaurants geworden und der Gastropapst übrbringt ihr beim Besteckpolieren die frohe Botschaft, dass er ihr Praktikum zum Jahresbeginn in ein richtiges Ausbildungsverhältnis umwandeln will. So gibt es denn am Ende dieser Sendung noch ein paar Freudentränchen. :-)

    Wie die Gallier am Ende jedes Asterix-Abenteuers, so sitzen auch unsere “Slowman”-Helden zum Schluss dieser Sendung in einer gemütlichen Runde zusammen. Christian Rach verkündet dem Team das Ausscheiden von Can und Nourddine, dankt aber gleichzeitig auch allen, die sich so viel Mühe geben, auch Hanno und Frank, den Restaurantleitern. Das “Slowman” sei auf einem betriebswirtschaftlich guten Kurs und biete damit eben auch Bewerbern vom dritten Arbeitsmarkt eine Chance, die anderswo niemals eingestellt würden. Man werde weiterhin das Personal auch in diesem Bereich akquirieren, so dass wir wohl mit einer Fortsetzung dieses Serie in einer zweiten Staffel rechnen dürfen.

    Zunächst geht es aber schon am nächsten Montag weiter mit Christian Rach, dem Restauranttester, unterwegs als Einzelkämpfer gegen den schlechten Geschmack. Wir sind mal gespannt, welche gastronomischen Perlen und schwarzen Löcher er uns in der fünften Staffel seines Quotenrenners präsentieren wird.

    Bis denne!

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