• DSDS (RTL) 31.01.2011 No Comments

    Hallo zusammen,

    das siebte Casting war in den vorangegangenen Staffeln auch immer das letzte – diesmal ist es anders: “Deutschland sucht den Superstar” benötigt diesmal ganze acht Folgen zur Sichtung des neuen Bewerbermaterials. Ob das daran liegt, dass diesmal so viel tolle Kandidaten dabei sind oder ob das große Heer der musikalischen Vollplinsen die Suche nach den wenigen Juwelen erschwert?

    Heute beginnen wir mit einem Kandidaten der zweiten Kategorie: Bastian ist 19 und ultracool. So cool, dass er passend zu seiner Adidas-Trainingsjacke mit einer fetten Sonnenbrille ins Studio kommt, die wesentliche Teile seines schmalen, käsigen Gesichts verdeckt. Sein weiterer Lebensweg steht ihm schon klar vor den (unsichtbaren) Augen: Er will in die DSDS-Mottoshows, danach einen Plattenvertrag kriegen, damit Geld verdienen und so ein “Mädchen abbekommen”. Nun ja, zunächst aber tritt Bastian dunkel bebrillt vor die Jury aus Dieter Bohlen, Fernanda Brandao und Patrick Nuo. “Eijaijai”, entfährt es dem Poptitan beim Anblick des vor Kraft fast nicht mehr normal gehen könnenden Kandidaten. “Hast’n Sehfehler?”, erkundigt er sich brüsk nach der Ursache für das seltsame Heino-Utensil. Bastian verneint, kündigt sein Lied “Alors on danse” von Stromae an und drückt sich den Ohrenstöpsel seines MP3-Players in den rechten Gehörgang. Ob er das nicht ohne könne, fragt Patrick und erhält zur Antwort “Nö, dann verkackt meine Stimme”. Sprach’s und fängt auf Französisch an zu rappen bzw. singen. “Verkacken” tut er allerdings trotz Player im Ohr, eine Melodie ist auch beim besten Willen nicht zu erkennen. “Welches Lied ist das?”, fragt Fernanda, aber Bohlen zuckt nur die Schulter: “Keine Ahnung”. Als schon alles verloren ist, schiebt Bastian noch seine Version von Travis Hit “Sing” nach, ein einziges langgestrecktes Gejaule in einem grottenschlechten Englisch. Endlich beendet Dieter das Trauerspiel: “Du hast bei DSDS oder Superstar keine Chance. Das einzige, was Du hier zu suchen hast, ist der Ausgang.” Nach einem Abschiedskuss von Fernanda tut er das dann auch. :-(

    Linai Tardivo, 20, kommt aus Zürich, ist von den Eltern her jeweils zur Hälfte Italienerin und Brasilianerin und warnt deshalb im Einspieler schon einmal vor ihrem Temperament. Wegen ihrer dunkleren Hautfarbe passt sie prächtig ins Dieters Beuteschema; als sie ins Studio kommt, reißt er erkennbar die Augen auf. Vor dem ersten gesungenen Ton  muss sie aber zunächst beweisen, dass sie tanzen kann, was ihr aber natürlich keine Schwierigkeiten macht (inklusive Spagat!). Beyoncés Titel “Listen” sei sehr schwierig, warnt Bohlen noch, aber Linai lässt sich nicht beirren und legt einen erstklassigen, wenn auch seeeehr lauten Auftritt hin. “Dich nehmen wir mit, sowas von hundertprozentig!”, urteilt die beeindruckte Jury und überreicht ihr die gelbe Recall-Eiladung. :-)

    Als Kontrast kommt nun die 19jährige Jennifer, von Beruf Holzmechanikerin, die von sich selbst ebenso überzeugt ist, wie Linai. Allerdings unterscheiden sich die beiden sehr im Talent… RTL zeigt uns im Einspielfilmchen, wie sie mit ihrem wesentlich älter wirkenden Freund knutschend durch einen (sommerlichen) Park läuft. Der Freund hat ihr wegen der angeblich tollen Stimme offensichtlich gut zugeredet, am DSDS-Casting teilzunehmen. Liebe macht bekanntlich blind – und wohl auch taub. Im Studio ist ihr Glück aber schnell zu Ende: Dummerweise hat sie sich als Titel das Bohlensche Machwerk “We have a Dream” aus der ersten DSDS-Staffel ausgesucht. Der anwesende Komponist sieht aus, als habe er in eine Zitrone gebissen und sein Gesicht wird im Verlauf von Jennifers Darbietung immer länger, denn sie ist musikalisch völlig unbegabt, kann kein Englisch, vergisst nebenbei auch noch den Rest vom Text, verliert dann komplett den Faden, fängt neu an und dilettiert sich stotternd durch eine akustische Karikatur des Nummer-Eins-Hits von 2003. Bohlen leidet sichtlich und stoppt sie dann: “Auch wenn ich manchmal sehr hart bin, das habe ich aber nicht verdient, finde ich. Du hast meinen Song in’n Arsch gemacht, deswegen bin ich jetzt ‘n bisschen traurig.” Jennifer guckt etwas bedrabbelt mit ihren bäuerlich roten Wangen, versteht die Kritik aber letztlich wohl und wird draußen von ihrem Freund getröstet. :-(

    Nun schwingt das Pendel wieder in die Gegenrichtung, wir kommen nämlich zu Asana Mohammed, die 17 ist, aber aussieht wie 25 und aus Nigeria stammt. Dunkelhäutig mit Endlosbeinen und ein strahlendes Lächeln… beim Anblick der angehenden Krankenschwester reißt es Dieter schon wieder vom Stuhl. Genau wie Linai (s.o.), muss Asana das wegen ihrer exotischen Erscheinung vermutete Tanztalent unter Beweis stellen, was ihr auch glänzend gelingt. Danach singt sie Aretha Franklins “Respect”, nicht hundertprozentig textsicher, aber dafür umso energischer. Bohlen bemerkt, dass Asana lispelt und fragt , wieso sie sich dann einen Titel mit dem gefährlichen “s” ausgesucht hat. Ist aber alles egal, ihr “Style” kommt gut an, um die stimmlichen Defizite soll sich später der Vocal Coach kümmern und damit winkt die Jury sie durch in die nächste Runde. Ihre draußen vor dem Studio wartende Mutter fällt voller Dankbarkeit buchstäblich auf die Knie, kreischt heiser “Thank you, God” und gerät dann völlig außer Fasson. Asana kommt hinzu, die Recall-Einladung in der Hand, und schleppt dann ihre noch immer vor Freude wimmernde Mutter zurück ins Studio zur Jury, damit sie sich dort bedanken könne. Dieter Bohlen versteckt sich zunächst hinter der Tresen, mit lauten, unkontrollierten Frauen hat er schon schlechte Erfahrungen gemacht. Mutter Mohammed ist aber nur eine harmlose Irre, sobald die größten Tränenlachen aufgewischt sind, kann die Sendung wohl fortgesetzt werden. :-)

    In einer kurzen Sequenz wird ein merkwürdiger Typ ohne Alters- oder Namensangabe gezeigt, der sich hustend und schniefend vor der Jury aufbaut. “Bist Du krank, ist das ansteckend?”, fragt Dieter fast schon hysterisch und hält sich während des restlichen Auftritts ein Blatt Papier vor das Gesicht. Er singt das merkwürdige mittelalterlich anmutende Lied “Maria” von Subway to Sally, das mit “Ein Nebel schleicht vom Sumpf herauf” beginnt. Bohlen guckt kurz über das vorgehaltene Papier und scheucht den Kandidaten mit den Worten “Das ist nichts, das ist völlig unauthentisch” aus dem Studio. Hinterher bittet er, man möge doch dringend mal den Raum durchlüften, aber da steht bereits der nächste – namenlose – Bewerber vor dem Jurytisch, mit speckigen schwarzen Haaren, Hornbrille und einer weißen Kapitänsmütze auf dem Kopf. Ob er nicht mal ganz tief einatmen könne, schlägt Bohlen vor und hofft dabei völlig egoistisch, dass der neue Kandidat dabei die “Millionen” von ausgehusteten Bakterien seines Vorgängers aufsaugt und hinaus befördert…

    Die nächste Bewerberin ist Nina Richel und berichtet, sie wohne noch bei ihren Eltern, sei aber wegen ihrer “voluminösen” Stimme in den Keller verbannt worden. Ja, sie sei eine Rampensau, könne mit ihrer positiven Energie alle Leute um den Finger wickeln, behauptet die 17jährige. Den Titel “Because of you” von Kelly Clarkson singt sie eindrucksvoll laut, danach ist die Jury stumm vor Erstaunen. Bohlen mäkelt etwas von “lautem Geschrei” und “auf der Strecke gebliebenem Gefühl”, hofft, dass sie ihre Stimme etwas mehr unter Kontrolle kriegt. Selbstverständlich kommt sie in den Recall und gehört sogleich zu den erklärten Favoritinnen der Jury. :-)

    Und noch ein positiver Auftritt schließt sich an: Paul Stuchlik ist nicht nur 21, sondern auch Straßenmusiker in Thüringen. Er trägt lange Haare und Ziegenbart und kommt mit kunterbuntem Hemd, Schiebermütze sowie natürlich seiner Gitarre zum Vorsingen. Er erinnert mich insgesamt an eine Mischung aus Thomas Godoj und Max Buskohl, wem das noch etwas sagt. Zuerst legt Paul, wie wohl bei allen seinen Auftritten, seine Mütze zum Geldeinsammeln vor sich auf den Boden. Fernanda versucht, einige Münzen von ihrem Platz aus in der Kopfbedeckung zu platzieren. Dabei brabbelt der Kandidat etwas von einem seiner Titel namens “New Shoes” und führt dabei seine völlig zerlatschten Schuhe vor, deren Sohlen sich schon lösen. Welche Schuhgröße er denn habe, will Bohlen wissen, zieht nach der Auskunft “42″ seine angeblich erst zehn Minuten lang getragenen weißen Turnschuhe aus und überreicht sie dem Straßenmusiker als Geschenk. Die Treter passen auf Anhieb und stehen Paul sogar. Der singt dann “Like a Hobo” von Charlie Winston und kommt damit in Rekordzeit zu einer Recall-Einladung, die ihm Fernanda in seine Mütze legt. Zugegebenermaßen fand ich persönlich seine Stimme etwas arg gepresst, knödelig und dünn, aber vermutlich zählt auch hier wieder das berühmte “Gesamtpaket”. :-)

    Ardian Bujupi ist 19, stammt ursprünglich aus dem Kosovo und hat trotz einigermaßen schlechter Deutschkenntnisse gerade das Abitur geschafft. Er will DSDS nutzen, um es “allen zu zeigen, die nicht an mich geglaubt haben”. Das wirkt etwas wie die Ansage eines Macho aus der Menowin- oder Mehrzad-Schublade, aber möglicherweise ist Ardian ja trotzdem ein Netter, zumindest zeigt er mit Xavier Naidoos “Und wenn ein Lied” seine weiche Seite. Die Stimme ist wirklich sehr schön, fast introvertiert, und keinesfalls zu vergleichen mit denen der beiden oben genannten DSDS-Vorjahresfinalisten. Klar kommt er damit in den Recall, Bohlen nennt seine Stimme sogar “sensationell”. :-)

    Zum Schluss gibt es wie immer einen musikalischen Bauchklatscher. Diesmal besorgt den Artjum, 29, der aus Estland stammt, momentan u.a. Informatik studiert und nebenher auch als DJ arbeitet. Im Einspieler berichtet er u.a. von seinem Kinderwunsch, zu dessen Erfüllung ihm nur noch die passende Frau fehle. Die nachfolgende Beschreibung seiner Traumpartnerin könnte grob auf Fernanda passen, eine Anmaßung, die dann mit haufenweise Trickanimationen während seines ganzen Auftritts (Mount Rushmore “You better”) geahndet wird. So berühmt ist der übrigens nicht, er versemmelt so ziemlich alle Töne. “Talentfreiheit hoch hundert”, ruft ihm Dieter Bohlen noch beim Rausgehen hinterher. :-(

    Nur noch eine Sendung, dann ist das Casting vorbei und wir kommen in den Recall. Mit einem kurzen Teaser macht uns RTL schon mal lecker auf ein paar sehr schräge Töne vom Dauerloser Menderes. Bin mal gespannt, ob Dieter ihn wirklich bis zur Top 15 überleben lässt… Bis denne!

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  • DSDS (RTL) 28.01.2011 No Comments

    Hallo Fans,

    ja, Ihr habt die Überschrift richtig gelesen, schlimme Dinge stehen uns heute bevor: Ein besonders untoter Kandidaten aus der grauen Vorzeit von “Deutschland sucht den Superstar” findet einfach keine Ruhe und nervt uns Jahr für Jahr mit einem grenzdebilen Deppenauftritt. Mal sehen, welche bekloppte Geschichte sich RTL diesmal wieder ausgedacht hat, um Kultversager MENDERES ein paar unverdiente Minuten im Abglanz von Dieter Bohlen, Fernanda Brandao und Patrick Nuo zu ermöglichen.

    Los geht der heutige Reigen mit Barbara vom Bodensee, die voin einem Bauernhof stammt und in ihren 22 Lebensjahren bereits in 3 Chören gesungen hat, also fast schon automatisch für den Recall qualifiziert ist. Ihre so genannte Fröhlichkeit, man könnte es ansonsten auch als pathologischen Lachzwang bezeichnen, hilft ihr indes im Studio auch nicht weiter, denn sie begeht einen Kardinalfehler: Sie singt “It’s oh so quiet” von Björk und leider hasst Dieter Bohlen Björk – Pech für Barbara. Schon nach wenigen Augenblicken unterbricht er ihr zugegeben anstrengendes Liedchen, wie man sich denn bloß mit so einem Stück zum Casting vorstellen könne? Nö, die Nummer sei “Scheiße”, befindet der Meister und dreht beleidigt den Kopf zur Seite. Das Lied klinge nach Betonmischer und die Stimme sei “voll für’n Arsch im Moment”. Nach den drei Neins weint Barbara draußen vor der Studiotür ein paar bitterliche Tränen; auch der zum Trösten hinausbeorderte Patrick Nuo kann sie nicht beruhigen. :-(

    Norman Langen ist 26 Jahre alt und schon etwas wie ein kleiner Profi, denn er singt häufig auf Veranstaltungen wie Stadtfesten und Hochzeiten, allerdings vor allem deutsche Schlager aus der Mallorca-Abteilung. Im Einspieler erklärt der ziemlich fit aussehende Blondschopf die Wichtigkeit von Styling und bekennt etwas überraschend, er sei “absoluter Hämorrhoidenfetischist”. Hä? Auch RTL hat wohl an der Stelle nur “Bahnhof” verstanden und noch einmal nachgefragt. Gemeint war eigentlich “Hämorrhoidensalbenfetischist”, was die Sache für mich nicht wirklich besser macht. Norman erläutert dann aber, dass er besagte Salbe verwende, wenn morgens beim Aufstehen seine Augen zu dick verschwollen seien. Sachen gibt’s. Bei Bohlens Jury kommt er trotz oder wegen seiner Hämorrhoidengeschichte gut an, trotz des gewählten Lieds “Ich bau’ Dir ein Schloss” von Jürgen Drews – wobei der ja thematisch wiederum auch gut zu der Salbe passt. (Und ich muss bei beiden an denselben Körperteil denken…)  Normans Stimme, Ausstrahlung und Selbstvertrauen kommen gut an und die Jury schickt ihn einstimmig – wie so oft – in den Recall. :-)

    Der nächste Kandidat, Robin aus Frankfurt/Oder, hätte heute lieber im Bett bleiben sollen oder wo auch immer, jedenfalls war das Erscheinen vor Onkel Dieters Tribunal eine Entscheidung, die der 19jährige noch einige Zeit bedauern dürfte. Schon im Einspieler kann man über seine schwarze Popo-Scheitel-Frisur lachen, die er zu allem Überfluss mit so einer merkwürdigen Schlumpfmütze verdeckt. Er erzählt freimütig, seine Eltern hätten ihn früher als Kind schon sehr häufig gebeten, um Gotteswillen doch bloß mit dem Singen aufzuhören, aber was ein echter Superstar werden will, der lässt sich vom musikalischen Sachverstand der Altvorderen nicht von der ihm eigentlich zustehenden Weltkarriere abbringen. Unter diesen eher gemischten Vorzeichen betritt Robin die alles entscheidenden Bretter, die die DSDS-Welt bedeuten, hat aber die Rechnung ohne seine Hose gemacht. Ja, dort hat sich nämlich ein Problem ergeben, das die Amis seit Janet Jacksons und Justin Timberlakes Super-Bowl-Debakel von 2004 als “Wardrobe Malfunction” bezeichnen würden, zu Deutsch: Der Hosenstall ist offen. Genau genommen ist der Reißverschluss nur im obersten Drittel nicht geschlossen, aber das genügt Dieter Bohlen als Zielmarkierung für einen Schwall derber Bemerkungen. Man muss etwas an Marcel, den Pipi-Kandidaten aus der letzten DSDS-Staffel denken. Als Robins tapfere Bemühungen zur Wiederherstellung der Hosenintegrität nicht fruchten, kommt Dieter Bohlen himself hinter einem Jurytresen hervorgekrochen und fängt an, an den Beinkleidern seines Kandidaten herumzuwerkeln, immer auf der Suche nach möglichst originellen Bildern für die Fernsehkameras. Und aus Sicht des Poptitanen sieht es bestimmt superlustig aus, wenn ein – mit Verlaub gesagt -  alter Sack sich an der Hose eines noch darin steckenden Jünglings zu schaffen macht. Als der Kampf von Mensch gegen Material trotz minutenlangen Gezuppels doch mit dem Sieg der Jeans endet, verzichtet die Jury endgültig auf eine korrekte Bekleidung des Kandidaten, worauf Robin endlich seinen mit Spannung erwarteten Gesang anstimmen kann. Es gibt “Through Glass” von Stone Sour. Jedenfalls so eine Art von… Wir werden nie erfahren, ob es an den vorausgegangenen megapeinlichen Szenen liegt oder seine Eltern mit der vermuteten Unmusikalität doch Recht haben, er singt jedenfalls wie ein halskranker Lurch. “Der Sound der Stimme ist Scheiße, Du verkaufst Dich Scheiße, Gefühl Zero. Ich kann nicht aus nichts etwas machen, ich bin ja nicht der Liebe Gott.”, gibt sich Bohlen heute bescheiden. Die anderen Jury-Granaten schließen sich dem Urteil ihres Vorturners an und  Robin darf sich trollen. :-(

    Danach kommt als nächster Kandidat der 18jährige Pietro Lombardi ins Studio, der schwer an seinem Keyboard und vor allem dem zugehörigen unhandlichen Gestellt schleppt. “Puh, ich bin jetzt richtig froh, hier zu sein, seit 12 Stunden mit dem Ständer…” Dummerweise liefert er mit dieser harmlos gemeinten Bemerkung Dieter Bohlen eine Steilvorlage, so dass dieser einen ganzen Stapel deutlich überlagerter Herrenwitze zum Thema “Ständer” anbringen kann. Pietro arbeitet momentan als Swarovski-Steineleger, d.h. er beklebt Gegenstände mit kleinen Glasstückchen. Ja, okay, sowas muss es ja auch geben. Der Kandidat bringt “Down” von Jay Sean zu Gehör, allerdings hätte er wegen der paar leisen Akkorde das Keyboard nicht extra mitschleppen müssen, finde ich. Das Lied fängt gut an, dann aber bricht er ab, seine Stimme sei so kratzig. “Wenn’s kratzt, musst’e jucken”, steuert Bohlen mal wieder ein Bonmot aus seiner reichhaltigen Lebenserfahrung bei. Ist aber alles nicht so schlimm, die Jury hat genug gesehen, der Junge gefällt, sei voll der süße Bravo-Typ mit seiner lockeren, frischen Art, dem Strahlemannlächeln und der nach hinten gedrehten lila Basecap. Und ganz klar kriegt Pietro die Einladung zum Recall. :-)

    Jennifer wird schon im Einspieler verarscht mit ruckeligen, auf alt getrimmten Bildern von ihr auf einem Spielplatz, dazu kräht sie in die Kamera: “Ich will einfach das Beste vom Besten sein!”. So etwas schafft keine Sympathien, besonders, wenn man mit seiner Oma-Brille aussieht, wie die Streberin vom Dienst. Die 20jährige kommt barfuß ins Studio, kann aber auf Nachfragen der Jury nicht genau erklären, warum. Der dann folgende Gesang ist supergrottenschlecht, einfach nur Mist. Sie zieht jeden Ton so ganz merkwürdig jauchzend nach oben, ich kenne gar kein passendes Wort für so etwas. Übrigens hat Jennifer vorher auch nicht erzählt, welches Lied sie performen will, es hätte aber vermutlich den Wiedererkennungswert sowieso nicht gesteigert. Die Jury guckt leicht betreten und grinst sich an, dann beenden sie die Darbietung mit drei Neins. “O nöö, bitte, bitte, bitte”, bettelt die Kandidatin die Jury an. Bohlen fragt dann auch noch die Regie- und Kameraleute im Raum, alle schütteln den Kopf. “Neun Mal Nein”, fasst der Poptitan das ziemlich niederschmetternde Ergebnis zusammen und endlich verzieht sich Jennifer. “Das Leben geht weiter”, ist draußen ihr Fazit nach dieser kurzen Karriere als Sängerin. :-(

    Direkt in die Sauna begleiten wir die nächste Kandidatin in ihrem Einspieler:  Sarah Engels aus Fürth ist 18 Jahre alt, legt viel wert auf ihr Äußeres und besitzt offensichtlich auch eine Dauerkarte für das Solarium. Ob es für die weitere Vermarktung superschlau ist, sich ausführlich mit dem Freund beim Knutschen im Park filmen zu lassen, sei allerdings dahingestellt. Übrigens war Sarah auch im letzten Jahr bei DSDS und kam damals sogar bis in den Recall. Dort allerdings kriegte sie das große Nervenflattern, vergaß ihren Text und flog achtkantig aus der Sendung. Mal sehen, ob sie diesmal wenigstens wieder bis zum Recall kommt. Sie singt von Leona Lewis “Run” und imitiert jeden Schluchzer des Originals, wie Dieter bemängelt. Trotzdem kommt sie durch, die Jury gibt ihr tatsächlich die erhoffte zweite Chance. :-)

    Nun folgt eine schnelle Abfolge von Lowlights aus dem DSDS-Panoptikum. Zuerst sehen wir René, einen Typ hart an der 30-Jahre-Altersgrenze mit Schwabbelgesicht, intensivrotem T-Shirt und schwarzem Hut, der noch schlechter singt, als er aussieht. Dieter: “Jede Kartoffel hat mehr Stärke, als Deine Stimme.” Dann kommt Dennis, ungesund aschfahl mit grauer Strickmütze auf dem Kopf, der auch angesichts seiner hohlen Grabesstimme insgesamt an eine Moorleiche erinnert. Melanie bekommt von Bohlen den Rat, zukünftig als Domina zu arbeiten, sie brauche nämlich keine Peitsche, sondern könne dafür einfach ihre Stimme nehmen. Roberto nuschelt beim Singen extrem, hält zusätzlich auch noch die Hand vor den Mund und kassiert dafür von Bohlen einen Vergleich mit den Kuhstallbewohnern seines Opas. Zuletzt kommt Jens, der sich stimmlich und körperlich ziemlich verausgabt und als Lohn einen neuen Fäkalspruch von Dieter hören darf: “Das reicht für’n Urintest, aber nicht für DSDS.”

    So, wenn wir nun dachten, das war schlimm und schlimmer kann es eigentlich nicht mehr werden, dann haben wir uns gründlichst getäuscht. Nach sieben zu Recht vergeblichen Versuchen, trotz fehlenden Talents an Dieter Bohlen vorbei in den Recall zu kommen, steht heute zum achten Mal Menderes Bagci vor der Studiotür. Ein Mensch, dessen Lebensinhalt darin besteht, vom Poptitan einmal im Jahr verbal auf Links gezogen zu werden und der die verbleibenden 364 Tage bis zum nächsten Versuch als Freak-Act in Diskotheken und bei Möbelhauseröffnungen verbringt. Seine Prominenz besteht in nichts anderem, als KEIN Talent zu haben und dabei von Jahr zu Jahr seinem inzwischen verstorbenen Idol Michael Jackson immer ähnlicher zu werden, zumindest was die Skurrilität betrifft. Leider ist dieser Mensch erst 25, hätte also theoretisch noch fünf weitere Gelegenheiten, uns in den DSDS-Castings mit seiner Gegenwart zu quälen.

    Diesmal hat sich Menderes in ein weißes Jäckchen gezwängt und kommt leicht gehemmt ins Studio. Bohlen erklärt seinen Mit-Juryisten erst mal die Bedeutung des Dauerkandidaten: “Ich glaube, dass Menderes mehr Leute kennen, als Euch beiden.” Im Gegensatz zu vielen früheren Jahren, singt dieser nun keinen Jacko-Song, sondern “Fresh” von Kool & The Gang. Seine Stimme ist leider nach wie vor kein Bringer und Bohlen pöbelt nach dem Ende der unseligen Nummer gleich los: “Das klingt wie auf dem anatolischen Ziegenmarkt, das klingt nicht wie ein Mensch, eher ganz froschartig.” Warum er sich nicht einen Duettpartner suche, zum Beispiel Thomas Anders (den Bohlen demnach immer noch hasst). Die doofe Fernanda hat offenbar Mitleid mit dem bedrabbelt aussehenden Menderes und sagt plötzlich, sie würde ihm eigentlich ein “Ja” geben wollen… aber jeder bisher Weitergekommene sei besser war als er und den Recall würde er nicht überleben… und deswegen kriegte er im Endeffekt nun doch ein “Nein” von ihr. Puh, Glück gehabt! Von wegen: Der noch dööfere Patrick will seine Hartnäckigkeit belohnen und legt sich tatsächlich auf ein “Ja” fest, Menderes fallen fast die Augen raus, er grinst bis zu seiner Zahnlücke. Nach acht Jahren der Enttäuschungen und Niederlagen nun das erste “Ja”… Und dann geschieht es: Auch Dieter wird wohl langsam weich in der Birne, nach einer letzten Pöbelei (“ich hätt’ Dich in der ersten Staffel mit ‘ner Dynamitstange entsorgen sollen”) lässt er sich aus Jux und Dollerei dazu hinreißen, Menderes ebenfalls ein “Ja” zu geben! Zuerst vermute ich, Bohlen hätte wohl gehofft, der Kandidat würde vor Schreck oder Freude tot umfallen, aber nein, sein Plan ist noch viel perfider: Wer bei DSDS einmal in den Top 15 war, darf niemals wieder am Casting teilnehmen, so sind die unerbittlichen RTL-Spielregeln. Der verschlagene Poptitan aus Tötensen will nun also Menderes in den Recall und dann in die Top 15 bringen und dann müsste der auf Nimmerwiedersehen aus diesem Format verschwinden. Immerhin, nur drei Recalls und die Top 15-Show, also vier Sendungen, dann wäre die Oberpfeife Geschichte und in den nächsten Staffeln hätten wir Ruhe. Guter Plan. Menderes ist völlig verdattert, grinst noch leerer als sonst: “Wirklich jetzt? Boh, ich freu’ mich voll, das iss’ Hammer jetzt!!!” Erst draußen wird ihm die ganze Tragweite dieses Erfolgs bewusst und er weint hemmungslos: “Ich habe immer geträumt und jetzt ich habe geschafft!” :-D

    Den Abend rundet eine 24jährige Zamira ab, die Medientechnik studiert, in der Freizeit Hip-Hop tanzt und außerdem einen Hund besitzt, den sie zur Freude der Jury gleich mit ins Studio bringt, vielleicht gibt das ja Extrapunkte. Während sie “Almost Lover” von A Fine Frenzy singt, spielen Fernanda und Dieter auf ihrem Tisch mit dem niedlichen Hündchen. Extrem schlimm ist der Gesang nicht, aber so richtig toll auch nicht und so einigt man sich darauf, dass Zamira den Hund zurückbekommt und die Jury dafür die Recall-Einladung behält. Ciao! :-(

    So, die Schau der talentlosen Loser ist vorüber, aber schon am Sonnabend geht es weiter, bis denne!

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  • Prost Mahlzeit,

    rechtzeitig vor der “Nacht der langen Messer” im RTL-Dschungelcamp können wir zusammen mit Starkoch Christian Rach schon einmal unsere Tränen- und Adrenalindrüsen in Gang bringen. Er ist heute zu Gast in der “Weinstube Dietz” im zauberhaften Mindelheim im Unterallgäu. Hier hat Ursula Hoyer (45) bei RTL um Hilfe gerufen, sie rackert in ihrem Restaurant rund um die Uhr, kommt aber finanziell dabei nicht vom Fleck, eher im Gegenteil.

    Beim Eintreffen des Hamburger Sternebesitzers im Unterallgäu bleibt der Chefin komplett der Atem weg. Ob das damit zusammenhängt, dass Rach mal wieder sein altes Zu-früh-komm-Spielchen durchgezogen hat, erfahren wir nicht, überrascht scheint Ursula in jedem Fall zu sein. Sie klagt ihm in dürren Worten ihr Leid, obwohl sie an sieben Tagen in der Woche in der Küche und im Gastraum arbeite, komme sie auf keinen grünen Zweig, die Gäste blieben einfach aus und keiner wisse, woran es liegt. Christian Rach wundert sich sofort über die Arbeitszeiten, sieben Tage hintereinander arbeitet nicht mal er – und er ist immerhin ein anerkannter Workoholic.

    Es folgt die Serien-übliche Bestellorgie, Rach ordert auf der Speisekarte alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Ursula Hoyer kriegt schon im Voraus das große Flattern, sie ist nämlich gar keine gelernte Köchin und fürchtet, vor dem Meistergastronom nicht zu bestehen. Aber keine Angst, der ist im Grunde seines Herzens ein Gutmensch und kriegt bei schutzlosen Opfern automatisch ‘ne Beißhemmung. Zuerst kommt eine kleine Reminiszenz an “Rachs Restaurantschule“, deren erste Staffel im Herbst lief: Der Meister fragt die Bedienung Vera, was denn eigentlich “Müller-Thurgau” sei, vielleicht der Name des Winzers? Upps, die Antwort “ein Anbaugebiet” kann er nicht gelten lassen. Nächste Frage: “Was ist denn ein Riesling?” Achselzucken, dann die bestürzende Information: “Das weiß bei uns kein Mensch!”. O lala, in der Weinstube keine Ahnung von den Grundbegriffen des Traubensafts, Rach schwadroniert sein Unverständnis in die Kamera.

    Beim Essen, das die Chefin selbst zubereitet hat, gibt es dann auch einiges zu bemäkeln, der “gegrillte Fisch” komme in Wirklichkeit aus der Tiefkühltruhe, der Baguetteteller mit Karottenschnitzeln ist “nicht sexy” genug und so weiter. Ursula, die Täterin, hüllt sich bei diesem Befund in Schweigen und flieht aus dem Gastraum. Rach wundert sich, denn immerhin hatte sie ihn ja gerufen, nun will sie einfach nicht mit ihm sprechen, merkwürdig! Den letzten Teller auf drei Fingern balancierend, folgt ihr Rach in die Küche nach. Das ist eines seiner Standardrituale, kommt beim Publikum aber immer wieder gut an. Weil Ursula nach wie vor nur in Ein-Wort-Sätzen (meist “Ja.”, manchmal auch “Hmmm.”) antwortet, gibt ihr der Meister als Hausaufgabe für morgen, sich mindestens ein einziges Argument zu überlegen, weshalb ein Gast in die “Weinstube Dietz” kommen sollte. Was ist das Besondere dieses Lokals? (Die Aufgabe reißt sie übrigens, ihr fällt kein triftiger Grund für einen Besuch in ihrem Etablissement ein…)

    Am nächsten Tag kommt wieder die hochnotpeinliche Visitation der gesamten Örtlichkeiten – das ist der Preis, wenn man sich bei RTL für dieses Format meldet. Ursula Hoyer muss Christian Rach alle hässlichen Nebenzimmer und ungenutzten Abstellräume zeigen. Highlight ist die spackig geflieste Damentoilette, aus der eine Tür zum Lebensmittellager führt. Sehr praktisch und auch unter hygienischen Aspekten bemerkenswert, wie das Gewerbeaufsichtsamt nach Ausstrahlung dieser Sendung sicherlich feststellen wird. Nebenbei examiniert Rach die Weinstubenbesitzerin spontan, wofür denn bitte “Bordeauxwein” bekannt sei. Sauerei, finde ich, woher soll sie denn solche Spezialinformationen haben, sie betreibt den Laden doch gerade erst seit 15 Jahren, also ehrlich. Sie bleibt denn auch die Antwort schuldig. Rach urteilt gnaden- und fassungslos: “15 Jahre in der Weinstube und null Ahnung von Wein!” Im Hintergrund erklingt die Loserfanfare aus Thomas Gottschalks neuerdings lebensgefährlicher Wettsendung vom Mumienkanal. Die Rotweine stehen in der Küche auf dem Fußboden “natürlich viel zu warm”, wie der Meister sogleich bemerkt. “Ja, die standen da halt schon immer so…”, kommt Ursulas schwache Entschuldigung. Und wieso sie denn lt. Speisekarte 29 offene Weine bereit halte? Die müssten, so wie sie hier gelagert werden, nach einem Tag weggeschüttet werden, ansonsten schmecke der Wein doch gar nicht mehr. Offenbar trinkt Ursula ihr Zeugs ohnehin nicht selbst, sie zuckt wieder nur still mit den Schultern.

    Rach hat genug gesehen und zieht die Besitzerin hinter sich her nach draußen unter einen der Sonnenschirme (die Folge wurde im Sommer gedreht). Wieder stockt das Gespräch, da kommt plötzlich von der Straße, ganz spontan, nicht abgesprochen, welch ein Zufall, Ursulas gute Freundin und Angestellte Karin Schulz daher. Die hat es besser als Ursula, denn sie hat seinerzeit sprechen gelernt und übernimmt deshalb für den Moment die Kommunikation mit dem Fernsehen. Von ihr erfährt Christian Rach, dass Ursula Angst vor jeglicher Konfrontation habe, sie wolle es allen Recht machen und könne deshalb auch nicht mit dem Personal schimpfen, wenn das mal nötig sei. Stattdessen sammelt sie Magengeschwüre wie andere Leute Briefmarken, muss öfters mal ins Krankenhaus und brabbelt unter Tränen etwas von Burnout. Ursula bietet ein Bild des hilflosen Jammers. Schlimmer noch, weil finanziell trotz 90-Stunden-Woche kein Cent übrig bleibt, muss der Lebensgefährte ihren Unterhalt bestreiten. Rach schlägt sofort vor, an zwei Tagen in der Woche den Laden dicht zu machen, in so einem Kaff wie Mindelheim müsse kein Restaurant täglich geöffnet sein.

    Christian Rach lässt eine Personalversammlung einberufen, vor der Ursula erklärtermaßen Angst hat. Kein Wunder, es ist ja auch die erste in 15 Jahren! Und Recht hat sie, die Veranstaltung ist nichts für Harmoniesüchtige: Die mürrischen Angestellten und ihre weinende Chefin kriegen sich wegen irgendwelcher nicht erfüllter Putzpflichten und übermäßiger Privattelefoniererei in der Dienstzeit so sehr in die Haare, dass der Hamburger eingreifen muss. Man besinnt sich und beginnt im ganzen Haus mit einem Putzmarathon. Rach flieht, bevor er noch mitmachen muss, dafür wird er nun wirklich nicht bezahlt…

    Nächster Tag, die konstruktive Stimmung in Ursulas Kollektiv hat nächtens angehalten und auch auf Hilfskoch Stefan übergegriffen. Der hat in einem kreativen Anfall das Küchenmobiliar neu sortiert und Ideen für weitere Gerätschaften entwickelt. Christian Rach macht sich derweil über einen bisher nur als Stuhllager genutzten Nebenräume mit Zugang zur Straße her. Wenn man das ganze Gelumpe dort wegräume und einen Verkaufstresen hineinstelle, wäre das ein Weinbistro für die Laufkundschaft, die mal eben auf die Schnelle einen Schoppen und ‘ne Quiche Lorraine haben wolle. Aus dem Nichts heraus organisiert er ein großes Weinregal, das sogleich im neuen Verkaufsraum aufgestellt wird. Wo das mit einem Mal herkommt? Das ist RTL-Betriebsgeheimnis! Man fragt ja auch nicht, woher bei Inka Bauses Bauern die wohlgefüllten Picknickkörbe stammen, die diese bei den Fahrradtouren mit ihren Gespielinnen immer so plötzlich aus dem Gebüsch ziehen.

    Tag 5 in Mindelheim. Genug herumpsychologisiert, heute zieht der Meister die Kochschürze an. Während in der Küche schon ein Braten im Topf brutzelt, hält Rach für die unwissende Belegschaft eine Vorlesung in Weinkunde inklusive Verkostung nach dem Motto “man kann nur empfehlen, was man kennt”. Auch wir staunenden Zuschauer vor den Bildschirmen können dabei noch einiges lernen. Zwischendurch bespricht er mit Ursula, dass sie mindestens am Sonntag jetzt immer schließen soll, das ist nämlich der umsatzschwächste Tag in der “Weinstube Dietz”. Am Ende des Tages sind sowohl die Küchenmenschen als auch die Quiches und Tartes fertig. Nach Redaktionsschluss, der Meister nächtigt bereits, kommt ein Spediteur und bringt einen riesigen Profikühlschrank, einen Küchenofen und eine Vitrine für das Weinbistro. Auch hier scheint RTL die Rechnung zu bezahlen, denn Ursula war ja bekanntlich blitzeblank. Der letzte Tag bringt die wenig spektakuläre Eröffnung des umgestalteten Weinhauses, für die das Fernsehen wie gewohnt eine Horde gecasteter Kunden durch das Restaurant treibt. Rach ist gerührt ob seines eigenen Erfolgs, Ursula sagt wieder “Ja.” und mit der Drohung seiner baldigen Rückkehr entschwindet der Meister einstweilen.

    Die Chefvisite findet dann ein paar Wochen später statt. So richtig nachhaltig war die Meisterwoche wohl nicht, das Weinbistro läuft erkennbar schlecht, in der Glasvitrine liegt nur eine einzige Quiche und Kunden sieht man gar nicht. Rach rät, geduldig zu bleiben, das käme schon noch. Gemeinsam mit Ursula verputzt er die lecker aussehende letzte Quiche und erkundigt sich dabei, wie es sonst so läuft. Tja, den Ruhetag hat man eingeführt und gleich wieder abgeschafft, irgendwie glaubt man nämlich, den Mindelheimer Eingeborenen keinen Quiche-freien Tag zumuten zu können. Rach schimpft etwas, hat aber keine Sendezeit mehr für größere Vergatterungsaktionen übrig. Stattdessen nimmt er die noch immer ziemlich schweigsame Ursula in die Arme und behauptet in die Kamera, er habe ein gutes Gefühl bei der “Weinstube Dietz”.

    Na dann, das war aus Sicht eines Rach-Fans gute Hausmannskost, wenn auch ohne echte Aufreger oder Ekelmomente. Aber wenn ich so etwas will, gucke ich eben die Dschungelshow. Guten Appetit und bis zur nächsten Woche!

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  • DSDS (RTL) 23.01.2011 No Comments

    Hallo Leute,

    quasi als Anheizer zur Dschungelshow jagt Dieter Bohlen bei “Deutschland sucht den Superstar” auch am heutigen Sonnabend ein paar musikalisch unterbelichtete Fraggles vor die Kamera. Mittlerweile hat man sich auch an seine beiden Jury-Puppen namens Fernanda Brandao und Patrick Nuo gewöhnt. Die sind nett anzusehen, stören kaum durch eigene Beiträge und nicken stets zu des Meisters Urteil, was will man mehr?

    Der erste Kandidat – fast müsste man die erste Kandidatin sagen – ist Jan-Hendrik, ein 16jähriger Schüler. Dass das Casting in Köln stattfindet passt gut, denn die Domstadt hat sich in den letzten Jahren wohl zu so einer Art Schwulen-Hauptstadt entwickelt und damit sind wir auch genau beim Thema. Jan-Hendrik geht nie ohne Lipgloss und Makeup auf die Straße und findet das auch normal, jeder müsse aus seinem Gesicht doch das Maximum herausholen. Und Gesicht hat er reichlich, zumal die Haare nach hinten weggegelt sind und er auch ein paar schwabbelige Kilos zu viel auf die Waage bringen dürfte. Er wolle mal Entertainer werden, erklärt Jan-Hendrik der Jury vor der eigentlichen Gesangsnummer. Schön blöd, jetzt darf er ein paar unbeholfen tuntige Tanzschritte vorführen, die ihn konditionell an den Rand eines Kreislaufzusammenbruchs bringen. “Du siehst ein bisschen unfit aus”, meint Onkel Dieter beim Anblick des japsend auf dem Studioboden sitzenden Teenagers. Dann kommt Jan-Hendrik wieder auf die Beine, streicht sich sehr feminin von vorn durch die Haare (ich meine, für diese Bewegung habe ich mal irgendwo “Diadem-Griff” gehört) und singt dann von Britney Spears “Baby one more time”.

    Gut, dass sein Gesang unter aller Sau ist, sonst hätte die Jury noch Probleme bei der Erklärung des nun fälligen Rausschmisses gekriegt. Doof allerdings, dass Jan-Hendrik offenbar unter einer völlig verzerrten Selbstwahrnehmung leidet und das Urteil der Experten, äh der unvoreingenommenen Fremden gar nicht erst abwartet. Seine arrogante Einschätzung “Eigentlich war ich heute gut genug” kontert Bohlen sofort mit einem vernichtenden “Nee, Du hast Dich hier richtig volle Kanone blamiert!”. Eine plötzliche Finsternis legt sich über Jan-Hendriks Vollmondgesicht: “Wieso, ich habe doch alles gemacht, hier?!”, worauf der Titan aus Tötensen ihm den Todesstoß versetzt: “Ja, Du hast alles gemacht, aber alles unheimlich mies. Was Du hier abgeliefert hast, war tanzmäßig ‘ne Lachnummer und der ganze Auftritt war so’n bisschen Schweinchen Blöd.” Jan-Hendrik ist fassungslos, wendet sich an die anderen Jurymitglieder, die hätten ihn doch wohl gut gefunden. Patrick Nuo glaubt offenbar, seinem Ruf als Hetero dadurch besonders gerecht zu werden, dass er dem tuntigen Schüler jetzt den Rest gibt: “Du solltest Zuhause mal Deinen Spiegel reparieren, Du kannst nicht singen und nicht tanzen!” Von diesem Spruch ist der Kandidat nun ganz und gar beleidigt und gibt deshalb beim Rausgehen demonstrativ nur Dieter und Fernanda die Hand. Den Bravo-Starschnitt von Patrick Nuo, der bisher über seinem Bett hing, wird er jetzt wohl demontieren… :-(

    DSDS lebt von Kontrasten, nun kommen die Mädchen wieder auf ihre Kosten: Sebastian Wurth aus Wipperfürth zählt zwar ebenfalls 16 Lenze, ist aber ein “richtiger Junge”, der Fußball spielt, anstatt sich Makeup und Lipgloss ins Gesicht zu knallen. Er hatte auch mal eine Freundin, erzählt er im Einspieler, momentan sei er aber solo. Insofern passt er bestens ins RTL-Drehbuch. Okay, dass er nah am Wasser gebaut ist, muss nicht unbedingt schlecht sein, Emotionen kommen bei den Zuschauern immer ganz gut an, nur bitte nicht zu viele Tränen. (Man denke nur an Stephan Darnstaedt aus der dritten DSDS-Staffel, der insgeheim wohl für Tempo-Taschentücher Schleichwerbung machte.) Sebastian singt zur Gitarre “I’m yours” von Jason Mraz und die Jury ist – völlig zu Recht – begeistert über seine klare, kräftige und angenehme Stimme. Er soll sich aber mal um seine etwas “angeklatscht” aussehende Frisur kümmern, kriegt er als Hausaufgabe für den Recall mit auf den Weg. :-)

    Nun kommen wir zum höchstwahrscheinlichen Sieger dieser Superstar-Staffel! Mohamad, ein 21jähriger Schüler aus Berlin-Neukölln, hätte alle DSDS-Finalsongs aller bisherigen Staffeln besser singen können, als die späteren Gewinner, sagt er, ins Finale käme er diesmal auf jeden Fall locker. In seiner Freizeit ist er Parkour-Fan, er hüpft also von Dach zu Dach, das sei ähnlich wie “Tetris”, meint er, man wolle mit jeder Runde mehr Punkte. Aha, toller Vergleich. Mit einem Salto betritt Mohamad standesgemäß das Studio. Patrick Nuo, wohl immer auf der Suche nach neuen spektakulären Aufreißertricks, lässt sich die Übung gleich noch einmal richtig erklären und versucht es dann mit manueller Unterstützung und einigermaßen Erfolg selbst. Soweit zum angenehmen Teil des Tages, nun kommt der Gesang. Der doch eigentlich trainiert und “kernig” aussehende Mohamad bringt eine überraschend dünne und hohe Stimme zu Gehör. Das merkt auch Bohlen: “Du singst ja immer mit Kopfstimme, das ist doch keine Stimme!?!” Mit drei Neins geht Mohamed aus dem Studio, erregt sich darüber schon im Vorraum so sehr, dass RTL Teile seiner Hasstiraden wegpiepsen muss und draußen auf der Straße kriegt er dann einen regelrechten Wutanfall. Er hält sein Scheitern für den Beweis von Ausländerfeindlichkeit (“…weil ich Kanake bin…”), dabei habe er doch der Jury vorher so schön den Salto beigebracht… :-(

    Mit einer enormen blonden Afrolook-Mähne kommt Awa Corrah ins Casting. Die Bremerin ist 17, ihre Mutter ist Deutsche und ihr Vater stammt aus Gambia, was ihr zu einem für Dieter Bohlen sofort interessanten Teint verhilft. Er will auch unbedingt ihre Haare anfassen, ob die von Natur aus so seien. Hinterher macht er Awa das wohl nicht ernst gemeinte Angebot: “Wenn Du die Frisur mal nicht mehr brauchst, kannst Du sie mir geben, ich stricke mir da Hausschuhe draus.” So eine Gaga-Unterhaltung, der kann doch garantiert überhaupt nicht stricken… Egal, wie auch immer, sie singt jedenfalls von Glashaus den sprachlich einigermaßen rüden Titel “Wenn das Liebe ist”. Hmmm, ihre Stimme ist etwas zittrig und dünn, von Patrick kassiert sie ein Nein, aber für Fernanda und vor allem Dieter überwiegt das “gute Gesamtpaket” und deshalb kriegt Awa die Einladung zum Recall. :-)

    Denise Lorenz ist 16 Jahre alt, 1 Meter 55 groß bzw. klein und kommt aus Waldkirchen im “boarisch’n Woad”. Was sie im Einspieler so sagt, muss komplett untertitelt werden, solch einen starken bayerischen Akzent hat die Altenpflegerin. Auch die Jury kriegt erst nach mehrmaligen Nachfragen heraus, wie ihr Wohnort eigentlich heißt. Denise spielt Gitarre und singt dazu “Hallelujah” von Alexandra Burke und das sogar ziemlich gut. Dieter, Fernanda und Patrick gucken einigermaßen platt, dass die kleine Kandidatin so eine tolle, selbstbewusste Stimme hat. Manchmal kann der Poptitan auch richtig nett sein: “Denise, das war echt super, Du bist richtig goldig, zum Abknutschen”. Auch von den anderen beiden Jury-Figuren gibt es ein Ja, damit sehen wir die Bayerin im Recall wieder. :-)

    Aus der Abteilung “durchgeknallte Zicke” kommt dann Stamatia Tsompanidou (16), die bereits im Einspieler einen schwer erträglichen, endlosen Redeschwall auf Kamera und Zuschauer niederprasseln lässt. Einen Künstlernamen hat die leidenschaftliche Shopperin und Telefoniererin auch schon, nämlich “Melody”. Und damit sie ihn nicht vergisst, hat sie sich den Namen auf die Hüfte tätowieren lassen. Im Studio quirlt sie grenzwertig gut gelaunt zu Dieter und schenkt ihm ein kleines Püppchen, weil er doch eigentlich ein Lieber sei und gar nicht so böse, wie er immer tue. Doch, meint Dieter aber, er sei doch ein Böser. Bei genauerem Hinsehen handelt es sich bei dem geschenkten Püppchen um eine Miniaturversion von Darth Vader aus Star Wars, wieso er den denn kriege, der sei doch nun wirklich böse, bemäkelt der Poptitan nachvollziehbar. Um seinem negativen Ruf gerecht zu werden, stellt er dann noch die Hypothese auf “Ich glaube, Du kannst nicht singen.” Belastet mit diesem Vorurteil, geht Stamatia mit “Soulmate” von Natasha Bedingfield ins Rennen. Ich bin nicht so begeistert, weil die Frau mich nervt, aber die Jury mag sie, irgendwie passt sie wohl ins diesjährige Showkonzept, also kriegt sie auch drei Mal das begehrte Ja. (Dieter: “Das war besser als erwartet.”) Hinterher bekommen alle drei Juryisten noch ein Küsschen, die Kandidatin flippt siegestrunken in den Studiokulissen herum und lässt die Ahnung aufkommen, dass sich Dieter, Fernanda und Patrick über ihre heutige Entscheidung noch mal ärgern werden. :-)

    Den heutigen Rausschmeißer übernimmt Dennis, auch 16, der schon im sehr redseligen Einspieler nervt und dann im Studio die Jury mit der Vermutung verblüfft, er könne nicht singen. Nach seiner Version von Simply Reds “If you don’t know me by now” kann sich die ganze RTL-Nation dieser Vermutung anschließen. Dieter erklärt es dann noch mit den elaborierten Worten des erfahrenen Musikexperten: “Scheiße wäre gelobt, also die Stimme ist schon echt schlimm, aber am schlimmsten ist die Rhythmik, Du.” Hurra, der Anschiss ist wie erwartet ausgefallen, damit darf Dennis zurück zu seinen Eltern und kann sich nun für die absehbare Zukunft schämen. :-(

    Diesmal waren auffallend viele junge Kandidaten dabei (16 ist die untere DSDS-Altersgrenze), es sind auch verhältnismäßig viele in den Recall gekommen. Und Dieter ist noch immer erstaunlich friedlich, den haben wir in anderen Staffeln schon wesentlich aggressiver gesehen. Tja, auch er wird älter…

    Bis Mittwoch!

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  • DSDS (RTL) 20.01.2011 No Comments

    Liebe Musikfreunde,

    schade, schade, nun ist bei “Deutschland sucht den Superstar” die lustige Zeit des Casting auch schon zur Hälfte vorbei. Man hat so ein bisschen das Gefühl, Dieter Bohlen hat mit seinen berühmten Kandidatenbeschimpfungen noch gar nicht richtig angefangen, jedenfalls quält er die angehenden Superstars diesmal gefühlt gar nicht so schlimm. Wie gesagt: Schade! Aber vielleicht kommt er ja heute ein bisschen mehr in Stimmung, wollen wir doch mal sehen…

    Heute geht es los mit Jeanette, 16 aus Köln. Sie kommt etwas zickig rüber, ihre Hobbys sind “zum Frisör und Nägel machen”. Sie beglückt die Jury zunächst mit ihrem Kölsche Dialekt (“watt, habisch’n Akzent, nä?”) und danach mit “Unbreak my Heart” von Toni Braxton. Das Glück ist beim ersten Ton ihrer gepressten Knödelstimme aber sofort zu Ende, Patrick Nuo guckt sie etwas ratlos an und Bohlen, der alte Teufel, verlangt nach einer Zugabe. Die kommt in Form von “Buttons” der Pussycat Dolls, leider auch nicht viel besser. “Hast Du nicht irgendwas mit Gefühl?”, fragt Onkel Dieter. “MIT GEFÜHL????”, brüllt Jeanette ihn verständnislos an. “Ach so, mit Emotionen?”, nun dämmert es ihr, sie schiebt von Mariah Carey “We belong together” hinterher und verschwendet damit ihre, unsere und vor allem die Lebenszeit der Jury. Glücklicherweise spult RTL den Beitrag vor, so dass wir gleich zur Wertung kommen: Von Patrick gibt es ein süffisant in die Länge gezogenes “schönes, definitives Nein”. Dieter Bohlen läuft zu alter Form auf: “Das einzige was Du mit Deiner Stimme machen kannst: Wenn die nicht fusselt, kannst Du die als Klopapier benutzen. Schnuckelchen, Du hast keinen einzigen Ton getroffen in keinem einzigen Lied.” Und als die Kandidatin dann noch immer verständnislos guckt, erklärt der Poptitan ihr die Sachlage noch einmal mit einem liebevoll formulierten Gleichnis: “Stevie Wonder hat sich ja auch nicht als Sportschütze beworben bei der Olympiade. Das hat er mit gutem Grund gemacht, der wusste nämlich, dass er dabei nichts treffen kann…” Nun endlich ist die Botschaft angekommen in Jeanettes etwas verwirrtem Oberstübchen und mit dem etwas unfreundlichen Hinweis, dass Dieter Bohlen ja auch nicht singen könne, trollt sie sich aus dem Studio. Draußen wird sie dann deutlicher mit ihrer Meinung über Dieter: “Das der da was zu sagen hat und schon so viele Jahre da sitzt.” Purer Neid, Bohlen ist doch gerade der lebende Beweis dafür, dass überragendes musikalische Können für eine Karriere in der Musik-Industrie gar nicht vonnöten ist, insofern stünden Jeanette ja alle Türen offen. :-(

    Der nächste Kandidat wird mit viel Tamtam vorgestellt: Felix Hahnsch aus Lengede ist 18 Jahre alt und fällt aufgrund seiner Größe, der Modelfigur, seiner blonden Haare und des Schlafzimmerblicks in die Kategorie Frauentyp. Der Abiturient wirkt schon fast unangenehm eitel, gibt es auch zu, nennt das aber “stylisch”. Er singt mit ziemlich rauchiger, nicht immer sauberer Stimme von Snow Patrol “Chasing Cars” und begleitet sich dabei auf der Gitarre. Okay, Dieter gibt ihm wegen seines guten Aussehens sofort die gelbe Recall-Einladung, aber die Klampfe solle er zukünftig lieber weglassen. Fernanda Brandao lobt zwar auch seine blauen Augen, ist aber von seiner musikalischen Leistung nicht so angetan. (Wie dumm, sich eine von Dieter abweichende Meinung zu gestatten, diese Staffel wird wohl ihre letzte sein…) Dennoch winkt sie ihn durch zum Recall, vermutlich stimmt mal wieder das viel zitierte “Gesamtpaket”. Patrick schließt sich der Meinung seiner Vorredner an. :-)

    Freakshow: Ein Chris (25) aus Immenstadt, der in seiner Freizeit lt. Einspieler am liebsten Gänseblümchen sammelt (!!!), wird ins Studio geschoben. Er steht da mit seiner verbeulten Hose etwas belämmert vor der Jury und erzählt auf Nachfrage, er sei Koch von Beruf. Am liebsten mache er Paprika mit Hackfleisch und Reis, setzt er noch hinzu. Das ist schlecht, denn zu Hackfleisch fällt Dieter Bohlen ein erstklassiger Schüttelreim aus dem unabsehbar weiten Feld des Anal-Fäkal-Humors ein: “Aus Hackepeter wird Kacke später.” Na gut, das kommt in der Raffinesse nicht ganz an Loriots “Zickezacke, Hühnerkacke” heran, ist aber als spontaner kultureller Beitrag für eine Mittwochabendshow des Kommerzfernsehens doch eine wirklich positive Überraschung, Hut ab, Dieter! Leider überstrahlt dieses wunderschöne Gedicht die Leistung von Chris doch etwas, sein “You raise me up” (zuletzt von Westlife gecovert) stinkt dagegen grottig ab. Auch der Zweittitel “Like a Prayer” von Madonna kann nicht überzeugen. Und wenn man ehrlich ist, singt er auch schauderlös, wirkt mit seiner linkisch, unbeholfenen Art beinahe etwas beschränkt. Traurig, wenn man niemanden hat, der einen im Vorfeld daran hindert, sich vor einem Millionenpublikum lächerlich zu machen. Nach einem kurzen Vergleich mit den Fröschen in seinem Garten und dem Tipp, es eher beim Kochen zu belassen, verabschiedet Dieter den Kandidat. Der bekommt dann sogar noch das erbetene Gruppenfoto von ihm und der Jury und verschwindet dann wieder in der Versenkung. :-(

    Danach kommt die 19jährige Jenna Jacob ins Studio. Sie steht musikalisch auf Rock und Metal, trägt Lederklamotten inklusive hoher Stiefel und hat sich total käsig-hell geschminkt, was ihr insgesamt ein etwas vampirhaftes Aussehen verleiht. “Bist Du in den Mehlsack gefallen?”, erkundigt sich Bohlen einfühlsam nach ihrer ungesunden Hautfarbe. Und dann natürlich Thema Nummer Eins: “Hast Du’n Freund?” Als die Kandidatin verneint, kommt dann auch gleich “das liegt bestimmt am Makeup”. Nun singt Jenna von W.A.S.P. “The Idol” und spielt dazu Gitarre. Ihre Stimme ist außergewöhnlich, nämlich tief, kräftig und kehlig – was bei der zierlichen Frau doch etwas komisch wirkt. Patrick kann damit nichts anfangen und gibt ihr gleich ein “Nein”. Bohlen sieht dagegen Vermarktungschancen, wittert Geld und will sie deshalb im Recall wiedersehen. Fernanda lässt sich von Dieter überzeugen. :-)

    Nicole Kandziora aus Lauf bei Nürnberg ist erst 17 Jahre alt, hat aber schon eine ziemliche Röhre. Sie singt von Pink “Nobody knows” und Dieter hält es dabei fast nicht mehr hinter dem Jurytisch, so sehr freut er sich über die potenziellen Vermarktungschancen der sympathischen Blondine mit der Zahnklammer. Zuvor wurde die Kandidatin noch wegen ihres Aussehens aufgezogen, die Fellweste ist denn doch etwas ungewöhnlich, freundlich umschrieben. Obwohl sie zwischendurch den Text vergisst, zieht Nicole mit drei Mal “Ja” mit fliegenden Fahnen in den Recall ein. :-)

    Nun ist aber dringend wieder Zeit für Loser: Eine gewisse Guxime singt – oder besser grölt – ein unverständliches Lied, gestikuliert dabei wild herum, greift immer wieder in die Luft, als zöge sie an unsichtbaren Lokusspülungen und animiert damit vermutlich Dieter Bohlen zu einem neuen Spruch aus der Sudelecke: “Im Recall würdest Du nicht länger überleben als ein Tampon im Piranha-Becken.” :-(

    Nun kommt Mister Obercool, Nico Raecke (23) aus Berlin-Wedding. Der Typ sieht aus wie der kleine Bruder von Menowin Fröhlich, wirkt bullig, aggressiv und hat kalte, bedrohliche Knopfaugen. “Ich bin der Beste in Deutschland, es gibt kein besseren wie ich – stimmlich bin ich um Klassen besser wie Xavier Naidoo oder Grönemeyer”, lautet seine sprachlich leicht unsaubere und ansonsten ziemlich arrogant klingende Selbsteinschätzung. In der 2007er-Staffel war er schon einmal bei DSDS, gab aber im Recall auf, weil er (mal wieder) ins Gefängnis musste. “Ich war früher Berufsdieb gewesen, war bei den Banditos und einer der bekanntesten Leute in Berlin und Deutschland”, stellt er sein glänzendes Selbstmarketing unter Beweis. Aber genau wie Menowin, kann auch Nico wirklich gut singen. Seine Interpretation von Laith Al-Deens “Bilder von dir” ist musikalisch überzeugend. Da hat der Liebe Gott wohl einen echt ironischen Tag gehabt, als er diesem kaputten Typen so ein geniales Talent verpasste. Die Jury zeigt sich von den Knast- und Drogenerfahrungen des 23jährigen negativ beeindruckt, honoriert aber gleichzeitig sein überragendes Können. Es gibt drei “Ja”, Dieter Bohlen hält Nico aber schon mal prophylaktisch eine Standpauke. Er werde ihn während der nächsten Monate genau im Auge behalten, wenn da irgendwie nur ansatzweise etwas mit Drogen passiere, würde er ihn schneller rauswerfen, als er gucken könne. Wenn das man reicht, schon draußen vor dem Studio kommentiert Nico die Drohung des Poptitans: “Den Spruch kann er sich sonstwohin schieben, da kann ich drauf scheißen!” :-)

    Nachtrag (22.01.2011): Die Bildzeitung vermeldete kurz nach der Ausstrahlung dieser Sendung, dass Nico inzwischen (das Casting fand im letzten Herbst statt) wieder von der Staatsanwaltschaft per Haftbefehl gesucht wird und deshalb nicht mehr bei DSDS auftritt. Am nächsten Tag ruderte sie dann leicht zurück und relativierte die Aussage vom Vortag ein wenig. Daraus können wir wohl messerscharf schließen, dass Nico mit dem Eisblick den noch nicht gesendeten Recall überlebt hat, sonst müsste man über seinen Verbleib im Wettbewerb ja nicht spekulieren.

    Als letzte Kandidatin kommt eine namentlich nicht vorgestellte Frau (lfd. Nr. 33945), die sich als Teufelin verkleidet hat, im Gesicht total rot geschminkt, Hörnchen auf dem Kopf und einen langen Schwanz hat sie auch. Sie singt “Black Velvet” von Alannah Myles, wobei sie ihren Schwanz an den Mund hält und quasi als Mikrofon benutzt, was etwa bekloppt aussieht. Letztere Idee findet Bohlen noch ganz witzig, die Stimme ist ihm aber viel zu “Musical-mäßig” und damit passt die Teufelin einfach nicht in den Wettbewerb. Der alte Mann ist heute wohl schon etwas müde und so delegiert er die Entscheidung an Patrick, der dann verkündet: “Bei DSDS hast Du hiermit offiziell verkackt.” Während sich die gesamte Jury über diesen Spruch tierisch beömmelt, schleicht die Teufelin leicht geknickt durch die Studiotür zurück in die Unterwelt. Warte nur, Bohlen, eines Tages wirst Du die Frau in der Hölle wieder treffen und dann bereust Du die heutige Abfuhr… :-(

    So, das war es für heute, weiter geht es wie gewohnt am nächsten Sonnabend, bis denne!

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  • Hallo Feinschmecker,

    heute führt uns Wunderkoch Christian Rach auf seiner Mission wider den gastronomischen Dilettantismus nach Ludwigshafen. In der Küche des Restaurants “Fellini al Teatro” doktern zwei wahrhafte Künstler, allerdings ziemlich erfolglos, denn der Laden bleibt Abend für Abend gähnend leer. Michele Pennella (gesprochen “Mikeele”) und Michael Meier Di Santi (gesprochen “Mikaeel”) stammen nicht nur beide aus Italien und heißen vorne fast gleich, sie sind auch beide Geschäftsführer im “Fellini”. Das Restaurant liegt direkt gegenüber einem großen Theater, deswegen waren die Michels auf die glorreiche Idee gekommen, hier keinen traditionellen Italiener aufzumachen, sondern ein Haus mit gehobenem, wenn nicht gar verschrobenem künstlerischen Anspruch. Offenbar scheint das nur niemand aus der Theatergängerszene zu honorieren und so blieb nach einer langen wirtschaftlichen Durststrecke nur der Anruf beim Hamburger Meisterkoch.

    Christian Rach erscheint und die einzigen Menschen in dem Laden, nämlich die beiden Geschäftsführer, tun überrascht. Ob Rach wieder einen Tag früher als angekündigt angekommen ist, wird allerdings nicht verraten. Auf jeden Fall hat er kräftigen Hunger mitgebracht und bestellt zum leichten Entsetzen des Küchenchefs Michele die halbe Karte rauf und runter. Während der zu brutzeln anfängt, berichtet Michael von der Geschichte dieses Hauses. Es habe hier bis heute schon 70 Pächter gegeben, die hätten alle das Problem gehabt, keine Gastronomen zu sein. “Bist Du ein Gastronom?”, fragt Rach und erhält zur Antwort: “Nein, ich bin Künstler”. Tja, hier kräuseln sich dem Sternekoch vermutlich schon die Nackenhaare. Während der gelernte Designer Michael mit seinen leicht ungepflegten, zotteligen Haaren etwas von “Essen ist eine vergängliche Kunst” faselt, fliegt hinten im Off in der Küche perfekt getimet ein Tablett mit Tellern und Weinflasche zu Boden. Ungerührt brabbelt er weiter “Essen ist dreidimensional, Essen ist Kultur, Essen ist Kommunikation…” Blablabla. Rach guckt etwas unglücklich, was hat seine Redaktion ihm denn da diesmal für einen Spinner rausgesucht? Nach minutenlangem Starren auf eine aufgespießte Olive platzt ihm schließlich der Kragen und er unterbricht den endlosen Redeschwall: “Entschuldigung, bitte nicht böse sein, Laberrhabarber, das ganze ist Hirnscheiße, Ihr müsst Geld verdienen! Das alles nutzt gar nichts, wenn am Ende keiner kommt!” Apropos “nicht kommen”: Das Essen braucht mehr als eine halbe Stunde und dann kommt es auch nur tröpfchenweise und nicht parallel, wie eigentlich bestellt. “Was machst Du, wenn mehrere Personen gleichzeitig essen wollen?”, erkundigt sich der Sternekoch. “Ja, das ist ein Problem…”, gibt der schwarz bemützte Michele zu. Dabei schmeckt es dem Hamburger sogar sehr gut, am Können liegt es hier also nicht.

    Am nächsten Morgen besieht sich Rach den Laden mal bei Tageslicht: Die Räumlichkeiten sehen aus wie ein Trödelladen oder eine Galerie, überall Stehrumchen und Nippes, dazwischen einzelne Tischchen mit insgesamt gerade mal zehn Gästeplätzen. Als er erfährt, dass er am gestrigen Abend der einzige Gast geblieben ist, erkundigt sich Rach verwundert, wovon die beiden Michels eigentlich leben. Tja, im Grunde genommen nur noch von Krediten von den Freunden, ist die beunruhigende Antwort. Bei ganzen zehn Plätzen müssten sie eigentlich tierische Preise haben, um den Laden finanzieren zu können, ob sie dafür auch gut genug kochen, wagt der Gastropapst zu bezweifeln. Nun gut, setzen wir die Besichtigung fort. Weshalb die eine Säule da vorn mit Stoff bespannt ist, will er wissen. Michael hebt zu einer nicht enden wollenden künstlerischen Erklärung über durchbrochene und verschleierte Realitäten usw. an, bei der sowohl Michele als auch der Hamburger erkennbar abschalten. Irgend etwas von “Gesamtkunstwerk” bleibt hängen, Rach lacht. Weiter hinten gibt es plötzlich überhaupt keine Tische mehr, nur noch Schnickschnack und Firlefanz mit bombastischen Erklärungen. Ja, die Konzession für das Restaurant sei leider so teuer gewesen, dass man nur einen Teil des Raumes habe anmelden können, gesteht Michele kleinlaut. Rach guckt nur noch sparsam.

    Nun kommen wir in die mit sieben Quadratmetern extrem kleine Küche, so mancher Camper kann da in seinem Wohnwagen mit mehr Platz aufwarten. Nö, die Spülmaschine funktioniere nicht mehr, da sei mal eine Dichtung kaputt gegangen. Einen Dunstabzug gibt es erst gar nicht, ebenso wenig einen Gasanschluss – Michele benutzt eine Propangasflasche. Gibt’s hier kein Regal? Nö, solche “Kleinigkeiten” habe man auch noch nicht. Rach zupft an der Plastikverpackung eines Küchengeräts, warum sie das noch nicht ausgepackt hätten? Weil das eventuell noch an den Händler zurückgegeben werden müsse, dafür seien nämlich noch 450 Euro offen. Wenigstens lacht Rach jetzt nicht mehr, sondern ist damit beschäftigt, seinen Fluchtreflex zu unterdrücken. Irgendwo in einem kleinen Schränkchen steht der gesamte Tellerbestand von 12 Exemplaren, außerdem besitzt man stolze sechs Biergläser. Rach ist konsterniert: “Ich glaube, ihr wollt gar nicht mehr machen?! Ihr wollt immer nur zwei Gäste pro Abend, die 500 Euro hinlegen und dann ist gut, oder? Kein Widerspruch seitens der Michels.

    Im Keller ist dann aber plötzlich jede Bescheidenheit zu Ende, hier herrscht ein heilloses Durcheinander von buchstäblich hunderten Pappkartons, es sieht aus wie bei Messies unterm Sofa. Rach lacht mal wieder hysterisch und erkundigt sich nach dem Inhalt des Pappgebirges. Ja, da sei unter anderen viel Glas aus Venedig zwischen, erfährt er. Nun ist der Meisterkoch irgendwie stinkig: Oben kann man die Teller fast an einer Hand abzählen und hier unten im Keller quillt alles über vor teurem Geschirr. Zwischendrin finden sich dann auch noch ein Edelstahlregal (das oben in der Küche so fehlte) und auch noch Lebensmittel. “Ihr habt doch echt einen an der Marmel”, fasst Rach seine Gefühle zusammen.

    Genug gelacht, nun geht es zurück in die Winzküche, Michele soll unter den gestrengen Blicken des Meisters mal etwas kochen. Schon nach wenigen Handgriffen weiß der, warum im “Fellini” Bestellungen immer so lange dauern: “Du kochst wie ‘ne Hausfrau”. Nichts ist vorbereitet, nichts wird parallel gemacht, jedes Gericht erfordert die völlige Aufmerksamkeit der gesamten, nur aus Michele bestehenden Küchencrew. Auch Michael kriegt sein Fett weg, als er korkigen Wein anschleppt und Christian Rach ihm erst mal erklären muss, wie man das auch im Vorfeld hätte erkennen können. Hier fehlt es an fast allem, was einen richtigen Gastronomen ausmacht. Aber die Kombination aus den durchaus vorhandenen Kochkünsten von Michele und dem etwas spleenigen Service von Michael und dem irren Design des ganzen Ladens, das sei etwas Besonderes, für das sich vielleicht ein Besuch von zahlenden Gästen lohne, meint der Hamburger. Leider stört Michael dessen Gedanken mit einer weiteren ausschweifenden künstlerischen Erklärung, er brabbelt etwas von “Restaurant als Brücke von der Tradition, die in die Zukunft transformiert wird…” Zack, da schlief ich ein und Rach ging es ähnlich. Also Michael hat ganz eindeutig schlimmen Sprechdurchfall, lateinisch etwas vornehmer auch als “Logorrhoe” bezeichnet.

    Am nächsten Tag bringt Rach gleich ein paar Expterten mit, die sich mit dem Küchenbau in der Gastronomie auskennen. Die sollen Regale, eine funktionierende Spülmaschine und vor allem einen richtigen Gasherd installieren. Wer das bezahlt? Keine Ahnung, vermutlich wird RTL das subventionieren müssen, das “Fellini” ist bekanntlich pleite. Der Tag endet mit dem klaren Befehl von Christina Rach an beide Michels, jetzt gefälligst den Keller aufzuräumen: “Wasser zu Wasser, Nudel zu Nudel und Öl zu Öl.”

    Dieser Auftrag war wohl doch etwas zu umfangreich, die beiden Chaosgastronomen haben scheinbar bis in die Morgenstunden geräumt und gewerkelt und sind darüber so müde geworden, dass sie am nächsten Morgen erst glatt zwei Stunden später als abgemacht erscheinen. Die bestellten Handwerker wollen vor der verschlossenen Eingangstür nicht länger warten und fahren zum nächsten Kunden weiter, der Sternekoch verzieht sich schmollend in ein Café. Als Michele und Michael dann ziemlich schlaftrunken gegen Mittag doch noch erscheinen, macht Rach sie nach allen Regeln der Kunst vor der Kamera zur Sau, schimpft über ihre Weicheiigkeit, sie hätten jahrelang verpennt und könnten nun nicht mal eine Nacht durcharbeiten und er droht etwas rückwirkend, eigentlich die Sache abgebrochen haben zu wollen. Nur seine übermenschliche Güte und das RTL-Drehbuch nebst Gage haben ihn offensichtlich davon abgehalten. Die Tatsachen, dass die beiden kleinen Italiener im Keller so schön aufgeräumt haben und dass der Küchenheini am Ende doch noch zurückkommt, heben die  leicht lädierte Stimmung des Elbestädters und er beschließt, den Fall fortzuführen. Zwischendurch war Rach übrigens auch noch auf der Behörde und hat die Konzession auf den ganzen Schankraum erweitern lassen. Sagte ich übrigens schon, dass die Michaels auch einen ganz erheblichen Teil des Kunstmülls aus dem Restaurant geschafft haben und man nun tatsächlich wieder die Tische sehen kann?

    Noch einen Tag weiter hat Christian Rach auch Ideen für die Küche mitgebracht. Wegen Micheles offenbar nicht vollständig behebbaren Tempoprobleme soll es von nun an zur Überbrückung der Wartezeiten eine Antipasti-Platte geben. Dazu hat das Fernsehen einige Holzbrettchen springen lassen. Auch den Grafiker, der draußen am Schaufenster gerade den Schriftzug “Fellini al Teatro – Trattoria” anbringt, zahlt wohl RTL. Die Speisekarte wird radikal vereinfacht, so dass Michele weniger Individualanfertigungen fabrizieren muss. Auch in der Küche soll er nun eine strikte Ordnung halten. Beim ersten Probeessen ist dann auch Micheles Schwester dabei. Michael erleidet dabei erneut einen schlimmen Anfall von Logorrhoe, faselt sich etwas Philosophisches zusammen wie “Du bist der Künstler, das Essen ist Dein Werkzeug usw.” Rach verdreht die Augen und flüchtet dann mit einem absolut sehenswerten Blick in die Kamera aus dem Schankraum in die Küche. Besonders manche Künstler haben echt einen Sockenschuss…

    Der letzte Tag gehört beim Restauranttester traditionell der Wiedereröffnung des umgebauten Restaurants. Rach kriegt noch einen kleinen cholerischen Anfall, als er einmal mehr die völlig fehlende Systematik in Micheles Küche bemerkt. Trotz vorheriger Ansage hat der etwas verschlafen wirkende Möchtegerngastronom sein Reich nicht aufgeräumt, der Sternkoch findet zu Hauf Dinge im Kühlschrankl, die dort nicht hingehören und dafür stehen draußen Sachen, die dringend mit Folie abgedeckt sein müssten usw. Zu der Eröffnung kommen wieder verdächtig viele “Kunden” und alle scheinen mir der Leistung der Küche zufrieden zu sein. Man ahnt also, dass RTL hier mal wieder ein paar Komparsen vorbeigeschickt hat, die sich statt Gage im “Fellini” kostenlos die Wampe vollschlagen dürfen. Rach ist noch nicht überzeugt, ob seine Mission hier wirklich nachhaltig erfolgreich war und droht schon bei Weggehen mit seiner Chefvisite in ein paar Wochen.

    Die findet auch tatsächlich statt, das “Fellini al Teatro” steht noch, beide Köche sind an Bord, die Küche ist weiterhin aufgeräumt, das bestellte Essen kommt in vertretbarer Zeit und Qualität… allein, es fehlen schon wieder die Gäste. Aha, das Eröffnungspublikum war wohl wirklich nur gecastet. Während Christian Rach sich noch am Kopf kratzt, betritt ein offenbar freiwilliges Gästepaar den Schankraum und steuert auf einen Tisch zu. Rach sieht das als Wende – oder möchte es wenigstens so sehen – und verlässt das Restaurant nun endgültig mit einer vagen Hoffnung, vielleicht wird ja wirklich noch alles gut. Immerhin kommt während des Nachspanns keine Schrifteinblendung, die über die Insolvenz des Restaurants und die Zwangseinweisung eines seiner Besitzer in eine Einrichtung für chronische Labertaschen informiert… :-)

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