Hallo zusammen,
das siebte Casting war in den vorangegangenen Staffeln auch immer das letzte – diesmal ist es anders: “Deutschland sucht den Superstar” benötigt diesmal ganze acht Folgen zur Sichtung des neuen Bewerbermaterials. Ob das daran liegt, dass diesmal so viel tolle Kandidaten dabei sind oder ob das große Heer der musikalischen Vollplinsen die Suche nach den wenigen Juwelen erschwert?
Heute beginnen wir mit einem Kandidaten der zweiten Kategorie: Bastian ist 19 und ultracool. So cool, dass er passend zu seiner Adidas-Trainingsjacke mit einer fetten Sonnenbrille ins Studio kommt, die wesentliche Teile seines schmalen, käsigen Gesichts verdeckt. Sein weiterer Lebensweg steht ihm schon klar vor den (unsichtbaren) Augen: Er will in die DSDS-Mottoshows, danach einen Plattenvertrag kriegen, damit Geld verdienen und so ein “Mädchen abbekommen”. Nun ja, zunächst aber tritt Bastian dunkel bebrillt vor die Jury aus Dieter Bohlen, Fernanda Brandao und Patrick Nuo. “Eijaijai”, entfährt es dem Poptitan beim Anblick des vor Kraft fast nicht mehr normal gehen könnenden Kandidaten. “Hast’n Sehfehler?”, erkundigt er sich brüsk nach der Ursache für das seltsame Heino-Utensil. Bastian verneint, kündigt sein Lied “Alors on danse” von Stromae an und drückt sich den Ohrenstöpsel seines MP3-Players in den rechten Gehörgang. Ob er das nicht ohne könne, fragt Patrick und erhält zur Antwort “Nö, dann verkackt meine Stimme”. Sprach’s und fängt auf Französisch an zu rappen bzw. singen. “Verkacken” tut er allerdings trotz Player im Ohr, eine Melodie ist auch beim besten Willen nicht zu erkennen. “Welches Lied ist das?”, fragt Fernanda, aber Bohlen zuckt nur die Schulter: “Keine Ahnung”. Als schon alles verloren ist, schiebt Bastian noch seine Version von Travis Hit “Sing” nach, ein einziges langgestrecktes Gejaule in einem grottenschlechten Englisch. Endlich beendet Dieter das Trauerspiel: “Du hast bei DSDS oder Superstar keine Chance. Das einzige, was Du hier zu suchen hast, ist der Ausgang.” Nach einem Abschiedskuss von Fernanda tut er das dann auch.
Linai Tardivo, 20, kommt aus Zürich, ist von den Eltern her jeweils zur Hälfte Italienerin und Brasilianerin und warnt deshalb im Einspieler schon einmal vor ihrem Temperament. Wegen ihrer dunkleren Hautfarbe passt sie prächtig ins Dieters Beuteschema; als sie ins Studio kommt, reißt er erkennbar die Augen auf. Vor dem ersten gesungenen Ton muss sie aber zunächst beweisen, dass sie tanzen kann, was ihr aber natürlich keine Schwierigkeiten macht (inklusive Spagat!). Beyoncés Titel “Listen” sei sehr schwierig, warnt Bohlen noch, aber Linai lässt sich nicht beirren und legt einen erstklassigen, wenn auch seeeehr lauten Auftritt hin. “Dich nehmen wir mit, sowas von hundertprozentig!”, urteilt die beeindruckte Jury und überreicht ihr die gelbe Recall-Eiladung.
Als Kontrast kommt nun die 19jährige Jennifer, von Beruf Holzmechanikerin, die von sich selbst ebenso überzeugt ist, wie Linai. Allerdings unterscheiden sich die beiden sehr im Talent… RTL zeigt uns im Einspielfilmchen, wie sie mit ihrem wesentlich älter wirkenden Freund knutschend durch einen (sommerlichen) Park läuft. Der Freund hat ihr wegen der angeblich tollen Stimme offensichtlich gut zugeredet, am DSDS-Casting teilzunehmen. Liebe macht bekanntlich blind – und wohl auch taub. Im Studio ist ihr Glück aber schnell zu Ende: Dummerweise hat sie sich als Titel das Bohlensche Machwerk “We have a Dream” aus der ersten DSDS-Staffel ausgesucht. Der anwesende Komponist sieht aus, als habe er in eine Zitrone gebissen und sein Gesicht wird im Verlauf von Jennifers Darbietung immer länger, denn sie ist musikalisch völlig unbegabt, kann kein Englisch, vergisst nebenbei auch noch den Rest vom Text, verliert dann komplett den Faden, fängt neu an und dilettiert sich stotternd durch eine akustische Karikatur des Nummer-Eins-Hits von 2003. Bohlen leidet sichtlich und stoppt sie dann: “Auch wenn ich manchmal sehr hart bin, das habe ich aber nicht verdient, finde ich. Du hast meinen Song in’n Arsch gemacht, deswegen bin ich jetzt ‘n bisschen traurig.” Jennifer guckt etwas bedrabbelt mit ihren bäuerlich roten Wangen, versteht die Kritik aber letztlich wohl und wird draußen von ihrem Freund getröstet.
Nun schwingt das Pendel wieder in die Gegenrichtung, wir kommen nämlich zu Asana Mohammed, die 17 ist, aber aussieht wie 25 und aus Nigeria stammt. Dunkelhäutig mit Endlosbeinen und ein strahlendes Lächeln… beim Anblick der angehenden Krankenschwester reißt es Dieter schon wieder vom Stuhl. Genau wie Linai (s.o.), muss Asana das wegen ihrer exotischen Erscheinung vermutete Tanztalent unter Beweis stellen, was ihr auch glänzend gelingt. Danach singt sie Aretha Franklins “Respect”, nicht hundertprozentig textsicher, aber dafür umso energischer. Bohlen bemerkt, dass Asana lispelt und fragt , wieso sie sich dann einen Titel mit dem gefährlichen “s” ausgesucht hat. Ist aber alles egal, ihr “Style” kommt gut an, um die stimmlichen Defizite soll sich später der Vocal Coach kümmern und damit winkt die Jury sie durch in die nächste Runde. Ihre draußen vor dem Studio wartende Mutter fällt voller Dankbarkeit buchstäblich auf die Knie, kreischt heiser “Thank you, God” und gerät dann völlig außer Fasson. Asana kommt hinzu, die Recall-Einladung in der Hand, und schleppt dann ihre noch immer vor Freude wimmernde Mutter zurück ins Studio zur Jury, damit sie sich dort bedanken könne. Dieter Bohlen versteckt sich zunächst hinter der Tresen, mit lauten, unkontrollierten Frauen hat er schon schlechte Erfahrungen gemacht. Mutter Mohammed ist aber nur eine harmlose Irre, sobald die größten Tränenlachen aufgewischt sind, kann die Sendung wohl fortgesetzt werden.
In einer kurzen Sequenz wird ein merkwürdiger Typ ohne Alters- oder Namensangabe gezeigt, der sich hustend und schniefend vor der Jury aufbaut. “Bist Du krank, ist das ansteckend?”, fragt Dieter fast schon hysterisch und hält sich während des restlichen Auftritts ein Blatt Papier vor das Gesicht. Er singt das merkwürdige mittelalterlich anmutende Lied “Maria” von Subway to Sally, das mit “Ein Nebel schleicht vom Sumpf herauf” beginnt. Bohlen guckt kurz über das vorgehaltene Papier und scheucht den Kandidaten mit den Worten “Das ist nichts, das ist völlig unauthentisch” aus dem Studio. Hinterher bittet er, man möge doch dringend mal den Raum durchlüften, aber da steht bereits der nächste – namenlose – Bewerber vor dem Jurytisch, mit speckigen schwarzen Haaren, Hornbrille und einer weißen Kapitänsmütze auf dem Kopf. Ob er nicht mal ganz tief einatmen könne, schlägt Bohlen vor und hofft dabei völlig egoistisch, dass der neue Kandidat dabei die “Millionen” von ausgehusteten Bakterien seines Vorgängers aufsaugt und hinaus befördert…
Die nächste Bewerberin ist Nina Richel und berichtet, sie wohne noch bei ihren Eltern, sei aber wegen ihrer “voluminösen” Stimme in den Keller verbannt worden. Ja, sie sei eine Rampensau, könne mit ihrer positiven Energie alle Leute um den Finger wickeln, behauptet die 17jährige. Den Titel “Because of you” von Kelly Clarkson singt sie eindrucksvoll laut, danach ist die Jury stumm vor Erstaunen. Bohlen mäkelt etwas von “lautem Geschrei” und “auf der Strecke gebliebenem Gefühl”, hofft, dass sie ihre Stimme etwas mehr unter Kontrolle kriegt. Selbstverständlich kommt sie in den Recall und gehört sogleich zu den erklärten Favoritinnen der Jury.
Und noch ein positiver Auftritt schließt sich an: Paul Stuchlik ist nicht nur 21, sondern auch Straßenmusiker in Thüringen. Er trägt lange Haare und Ziegenbart und kommt mit kunterbuntem Hemd, Schiebermütze sowie natürlich seiner Gitarre zum Vorsingen. Er erinnert mich insgesamt an eine Mischung aus Thomas Godoj und Max Buskohl, wem das noch etwas sagt. Zuerst legt Paul, wie wohl bei allen seinen Auftritten, seine Mütze zum Geldeinsammeln vor sich auf den Boden. Fernanda versucht, einige Münzen von ihrem Platz aus in der Kopfbedeckung zu platzieren. Dabei brabbelt der Kandidat etwas von einem seiner Titel namens “New Shoes” und führt dabei seine völlig zerlatschten Schuhe vor, deren Sohlen sich schon lösen. Welche Schuhgröße er denn habe, will Bohlen wissen, zieht nach der Auskunft “42″ seine angeblich erst zehn Minuten lang getragenen weißen Turnschuhe aus und überreicht sie dem Straßenmusiker als Geschenk. Die Treter passen auf Anhieb und stehen Paul sogar. Der singt dann “Like a Hobo” von Charlie Winston und kommt damit in Rekordzeit zu einer Recall-Einladung, die ihm Fernanda in seine Mütze legt. Zugegebenermaßen fand ich persönlich seine Stimme etwas arg gepresst, knödelig und dünn, aber vermutlich zählt auch hier wieder das berühmte “Gesamtpaket”.
Ardian Bujupi ist 19, stammt ursprünglich aus dem Kosovo und hat trotz einigermaßen schlechter Deutschkenntnisse gerade das Abitur geschafft. Er will DSDS nutzen, um es “allen zu zeigen, die nicht an mich geglaubt haben”. Das wirkt etwas wie die Ansage eines Macho aus der Menowin- oder Mehrzad-Schublade, aber möglicherweise ist Ardian ja trotzdem ein Netter, zumindest zeigt er mit Xavier Naidoos “Und wenn ein Lied” seine weiche Seite. Die Stimme ist wirklich sehr schön, fast introvertiert, und keinesfalls zu vergleichen mit denen der beiden oben genannten DSDS-Vorjahresfinalisten. Klar kommt er damit in den Recall, Bohlen nennt seine Stimme sogar “sensationell”.
Zum Schluss gibt es wie immer einen musikalischen Bauchklatscher. Diesmal besorgt den Artjum, 29, der aus Estland stammt, momentan u.a. Informatik studiert und nebenher auch als DJ arbeitet. Im Einspieler berichtet er u.a. von seinem Kinderwunsch, zu dessen Erfüllung ihm nur noch die passende Frau fehle. Die nachfolgende Beschreibung seiner Traumpartnerin könnte grob auf Fernanda passen, eine Anmaßung, die dann mit haufenweise Trickanimationen während seines ganzen Auftritts (Mount Rushmore “You better”) geahndet wird. So berühmt ist der übrigens nicht, er versemmelt so ziemlich alle Töne. “Talentfreiheit hoch hundert”, ruft ihm Dieter Bohlen noch beim Rausgehen hinterher.
Nur noch eine Sendung, dann ist das Casting vorbei und wir kommen in den Recall. Mit einem kurzen Teaser macht uns RTL schon mal lecker auf ein paar sehr schräge Töne vom Dauerloser Menderes. Bin mal gespannt, ob Dieter ihn wirklich bis zur Top 15 überleben lässt… Bis denne!





