Frohe Weihnachten gehabt zu haben, liebe Bauernfreundinnen und -freunde,
gerade herrscht die komische Zeit “zwischen den Jahren”, es ist nicht mehr ganz Weihnachten, aber auch noch nicht Neujahr. Viele Unternehmen machen jetzt Inventur und auch RTL wühlt mal die Regale im Archiv durch nach Konserven, die man jetzt entweder endlich mal senden oder gleich wegschmeißen könnte. Und so ganz bin ich mir auch nicht sicher, ob sich Inka Bause heute richtig entschieden hat. Angekündigt war die zweistündige “Spezialausgabe” als Berichterstattung von Josef und Narumols Flitterwochen, tatsächlich ist es aber eine Collage von Lebenszeichen der Marke “Was macht eigentlich…?” mit diversen echten Landwirten und unechten Darstellern der 2009er-Staffel von “Bauer sucht Frau”. Schade, wer sich also als Romantikfan auf eine veritable Verschnaufpause auf der kalendarisch halben Strecke zwischen der Hochzeit von Prinzessin Victoria von Schweden und ihrem Fitnesstrainer im Sommer 2010 und der bevorstehenden Hochzeit von Liesbets Enkel William mit seiner Kate im Frühjahr 2011 gefreut hatte, sieht sich getäuscht. Mogelpackung! Aber in diesem Format war ja noch nie alles so, wie man es den Zuschauern glauben machen wollte.
Wie versprochen, beginnt die heutige Spezialausgabe im idyllischen Chiemgau beim weltfernen Rinderbauern und seiner neuerdings kirchlich angetrauten Frau Narumol. Zu einer amtlichen Hochzeit war es bekanntlich aus ökonomischen Gründen nicht gekommen, denn Narumol wollte den Bezug ihrer Witwenrente nicht gefährden. Ganz so doof, wie die gebürtige Thailänderin von RTL wegen ihres schlechten Deutsch dargestellt wird, ist sie denn doch nicht. Josef hingegen, scheint mir einigermaßen authentisch rüberzukommen…
Also nochmal, die heutige Sendung beginnt auf Josefs Anwesen, wir sehen den Protagonisten eilig und wortlos von rechts über seinen Hof flitzen und im Kuhstall verschwinden. Neuerdings trägt er einen Blaumann mit Schirmmütze, die er sich vermutlich vom Fernsehhonorar gekauft hat. Er ist etwas gehetzt, denn in Kürze will er mit Narumol auf Hochzeitsreise gehen und zuvor muss er seinen beiden Vertretern “Anita und Sepp” noch die Modalitäten des Rinderfütterns verklugfiedeln. Alles, was hier im Stall gesprochen wird, passiert in Chiemgauer Idiom und muss deshalb komplett untertitelt werden.
RTL schaltet um in die schöne Pfalz, wo der patente (sprich: rundliche) Bauer Markus aus der 2009er-Staffel noch immer allein ist, seitdem er sich von seiner auserwählten Yvonne “in Freundschaft” getrennt hat. Bis er eine neue weibliche Begleitung findet, “verbringt der 45jährige seine Freizeit mit dem Hofhund Troll”. Keine Ahnung, ob Inka Bause den von ihr vorgetragenen Text vorher mal gelesen oder gar selbst verzapft hat, es ist jedenfalls bemerkenswert, welchen Schwachsinn das Fernsehen hier unwidersprochen zu einer Homestory zusammenkocht. Stefan Raabs “TV Total” hat wohl gerade Sendepause, also kriegt Markus vielleicht eine faire Chancen, für diesen Satz nicht öffentlich an den Medienpranger gestellt zu werden.
Der knuddelige Pfälzer hat auch so schon genug zu leiden, denn er wurde bereits zur Hochzeit von Josef und Narumol vom Drehbuch in deren intimen Freundeskreis eingemeindet – obwohl sich die drei davor nur ein einziges Mal kurz zum damaligen Scheunenfest gesehen haben können und danach nie wieder. RTL hält seine Zuschauer jedoch offenbar für komplett umnachtet, die schlucken den Heimatstuss ohne nachzudenken und man kann beliebig viele Nebenhandlungen hinzuerfinden, egal wie unwahrscheinlich die für alle Menschen auch sein mögen, die mit einem höheren IQ als ein Badeschwamm gesegnet sind. Wie auch immer, jedenfalls sollen Josef und Narumol ihren angeblichen guten Freund Markus “zum Ausspannen” auf ihren Hof ins – malerische – Chiemgau eingeladen haben. Vor der Abreise wird er von Mutter Ingrid noch einmal deftig bekocht, auf dass Sohnemann seinen BMI von 40+ nicht verliere. Gleichzeitig gibt sie ihm mit auf den Weg, er solle sich doch dort in Bayern mal nach etwas “fürs Herz” umsehen, es werde ja nun langsam Zeit.
In einer völlig abwegigen Nebenstory zum Füllen überschüssiger Sendezeit sehen wir in zahlreichen Sequenzen die 2009er-Stars Willi und Karola, wie sie in Vorbereitung auf das Weihnachtsfest einen viel zu großen Christbaum schlagen. Was daran jetzt überhaupt berichtenswert sein soll, ist für mich nicht nachvollziehbar, es sei denn, man wollte damit Willis mangelhaftes Augenmaß dokumentieren, denn er fällt eine etwa 10m hohe Tanne, um dann nur deren obersten 3m mitzunehmen, den Rest lässt er einfach am Waldrand liegen. Im heimischen Wohnzimmer sägt er dann später auch noch die Spitze ab, allerdings wiederum zu viel, so dass am Ende eine stark gewöhnungsbedürftige Baumruine übrig bleibt. Der 42jährige Ziegenwirt lacht dabei noch immer genau so viel und unmotiviert wie im letzten Jahr und seine Freundin ist auch noch immer genau so rund wie damals.
Übrigens wurden die völlig verzichtbaren Szenen der dilettantischen Laienholzhacker offenbar weit vor Weihnachten gedreht, denn bekanntlich liegt in ganz Deutschland seit Anfang Dezember Schnee und hier, im lustigen aber grauen Hessen, sieht man nicht mal eine einzige Flocke! Die arme Tanne wurde also wohl ganz umsonst dahingemeuchelt, nur aus Kommerzgründen, bis zum echten Weihnachtsfest ist die längst im Häcksler verschwunden. Einzig der echt wirkende Streit darüber, wie ein richtiger Christbaum auszusehen habe (Er: Lametta, Lametta, Lametta; Sie: nur Strohsterne und rote Kugeln), rechtfertigt meine für das Ansehen dieser dämlichen Geschichte vertane Lebenszeit. Hinterher haben die beiden einen bemerkenswert hässlichen und total asymmetrischen Baum zusammengeschmückt, oben nur ein paar kahle, schräg hochragende Ästchen und dazu die abgerupst aussehende Ex-Spitze, unten ein großer Klumpen dicker Tannenzweige, in dem die Kugeln und Sternchen locker untergehen. Karola und Willi haben erhebliche Zweifel, was die Mutter und der Nikolaus (!) dazu sagen werden, die man beide am Abend erwartet. Der Bauer schlägt vor, sich den Baum mit ordentlich Punsch schönzutrinken, was vielleicht auch eine gute Empfehlung für diese ganze Sendung wäre.
Willis Rat scheinbar befolgend, sitzt die kleine vorweihnachtliche Runde, bestehend aus Karola, ihrer Tochter Carmen und Mutter Irmgard, am Abend unnatürlich laut lachend um den Baum. Der Bauer verkleidet sich als Nikolaus, zieht dazu einen roten Mantel über sein Karohemd und klebt sich einen weißen Rauschebart in die Visage, höchst originell! Allerdings wird der Spaß ein wenig getrübt, als offenbar ungeprobt und von der Kamera daher nur notdürftig eingefangen der Familienweihnachtsbaum das Übergewicht kriegt und umkippt. Das folgende allgemeine Gelächter ist wohl seit Karolas Einzug das normale Betriebsgeräusch auf Willis Hof, grausig!
Noch mehr Quatsch am Wegesrand dieser sich etwas zäh dahinschleppenden Sondersendung: Wir haben eine ungebetene Begegnung mit Maurizio, dem 50jährigen angeblich italienisch-stämmigen Holzbauern aus Baden-Württemberg, der, wie die “Bild” herausgefunden hatte, im richtigen Leben Erwin heißt und Finanzbeamter in Hamburg ist. (Nein, das ist ein Scherz, aber Maurizio ist in Wahrheit “nur” Forstarbeiter, ihm gehört der Wald nicht, in dem er arbeitet und “sein” Bauernhaus ist auch nur von einem Freund angemietet!) Maurizio nutzt die Gelegenheit, dass endlich mal wieder eine Kamera auf ihn gerichtet ist und RTL vermutlich den einen oder anderen Schein oben drauflegt, um seiner extrem rothaarigen Freundin Claudia einen hochpeinlichen Heiratsantrag zu machen. Dazu muss Letztere zunächst in das Cabrio von Maurizios sonnenbrillentragenden Kumpel Roland steigen, der sie zu einem kleinen See chauffiert, wo Maurizio sein Verführer-Equipment aufgebaut hat. Nach einer kurzen, pannenreichen Rudertour erreichen die beiden ein kleines Inselchen, wo ein Tisch mit Sektflasche und Gläsern wartet. Maurizio geht auf die Knie, stellt die erwartete Frage, Claudia gibt die erwartete positive Antwort und die Sonne geht hinter dem sich pausenlos küssenden Paar in strahlenden Farben unter.
Und noch mehr teure Sendezeit wartet auf eine billige Füllung durch Inkas Bauerntheater: Weil die anderen Geschichtchen wohl noch immer nicht ausreichen, hat RTL nun auch noch die von den Zuschauern längst gnädig verdrängte “Lovestory” zwischen Pferdewirtin Berit aus Meckpomm und ihrem stämmigen Schweißer Stefan exhumiert. Mal nachsehen, ob da inzwischen nicht irgend etwas passiert ist – und falls nicht, kann man ja immer noch schnell etwas erfinden. Das Thema “peinlicher Heiratsantrag” ist hier allerdings schon abgehakt und damit scheint die Phantasie der Drehbuchautoren momentan denn doch erschöpft zu sein. Das Fernsehen behilft sich damit, die beiden beim Verzehr harter Kekse und eines Christstollens abzulichten. Wahnsinn, atemberaubend, drei Action-Punkte, ich bin begeistert und warte dringend auf das BsF-Osterspecial, in dem wir Berits Gummibaum beim Wachsen zusehen können. Langweiliger als das heutige Kondensat gepflegter Nichthandlung kann das eigentlich kaum noch werden.
Eine weitere Nebenhandlung lasse ich hier nun aber ganz unter den Tisch fallen: Ein gewisser schüchterner Bauer Jürgen aus der Staffel von 2007 hat damals eine alleinerziehende Julia kennengelernt und muss jetzt dringend aus irgend einem Grund noch mal ins Fernsehen. Das Rätsel wird auch sofort gelöst: Die beiden hatten seinerzeit mediengerecht gemeinsamen Nachwuchs in die Welt gesetzt und der einjährige Yannik sitzt nun schon Schnuller-lutschend unter dem Tannenbaum im schönen Schleswig-Holstein. Daneben seine dicke Mutter, die ist nämlich bereits wieder hochschwanger und das ist wohl auch der einzige Grund, warum dieses Paar hier noch einmal vor die Linse gezerrt wird. Ich spul’ dann aber mal vor, diese Story interessiert mich nicht…
Jetzt geht es endlich weiter mit der Haupthandlung: Ungerührt von den atemberaubenden Nebenhandlungen, bereitet Narumol derweil die Flitterwochen vor, die sie, ihren Josef, das Fernsehteam und uns alle in ihre Heimat Thailand führen sollen. Zunächst versucht sie, Josef für die Feinheiten ihrer Sprache zu begeistern, mit denkbar geringem Erfolg, er kann ja noch nicht einmal Hochdeutsch. Das merkt Narumol allerdings nicht, sie resümiert schon schnell: “Josef interessier sick sääär ob thailändische Sprache, paar Wort kann er noch nich so gutt – ich bring ihm auch bei!”
Danach holt Josef einige kleine, prähistorisch anmutende Koffer vom Boden, in denen Narumol auch prompt eine Zeitung von 1980 findet – und schon damals waren die Koffer antik zu nennen. Sehr peinlich geht es dann auch weiter, Narumol lehnt die Mitnahme von Josefs Sammlung kurzer Hosen aus der Zeit des ersten Weltkriegs rigoros ab und zeigt ihm stattdessen, was für tolle Unterwäsche sie sich selbst für die Reise gekauft hat. Leider verfehlt das Herumfuchteln mit den feschen Höschen vor Josefs Nase die beabsichtigte Wirkung, wie sie später ungeniert zu Protokoll gibt: “Ick hab meine Unnwäsche ihn gezaig unn dann hab ick beobacht wie er sick erigiert.” [Pause, resigniertes Kopfschütteln] “Fuhr ihn iss wurss, interessier ihn nich, er hat keine Ahnung von sowas…” Mit anderen Worten: Tote Hose im Chiemgau!
Am letzten Abend vor ihrer Abreise laden Josef und Narumol alle ihre guten Bekannten aus dem namenlosen kleinen Dorf zu sich ein. Neben Narumols Tochter Jenny lernen wir jetzt auch Hans kennen, den Zwillingsbruder von Josef (der ihm auch tatsächlich so ähnlich sieht, dass RTL ihn problemlos gegen den “echten” Bauern einwechseln könnte, wenn der mal keinen Bock mehr auf den ganzen Quatsch haben sollte) und natürlich sind auch Anita und Sepp da, die Vertretungsbauern. Es gibt eine thailändische Version von Spanferkel, Sauerkraut und Knödeln – und hinterher freuen sich bestimmt einige der Beteiligten, dass Narumol und ihr Kochbuch nun erst mal wegfahren… Übrigens berichtet Inka aus dem Off bei dieser Gelegenheit, dass Narumol in Bangkok einen bereits 28 Jahre alten Sohn hat und sich sehr auf das Wiedersehen mit ihm freut. Hmm, kleine Jugendsünde des heimlichen Stars dieses Formats? “Mein Sohn ist Reise-Reiter”, berichtet die Mutter stolz, aber unverständlich. Vermutlich ist “Reiseleiter” gemeint oder etwa doch ein “reisender Reiter”?
Am nächsten Tag richtet Josef, der wegen oder trotz seiner großen Frömmigkeit zuvor noch nie geflogen ist, ein schnelles Stoßgebet zum Himmel, in dem er um eine glückliche Rückkehr aus Thailand bittet. Sicherheitshalber nimmt er aber auch noch zwei Rosenkränze mit auf den Flug, man weiß ja nie… Dann geht es endgültig los, unser Bäuerlein lernt wirklich fliegen und RTL nimmt jede seiner Lebensäußerungen im Flugzeug auf. Obwohl, soooo schrecklich spannend ist es auch nicht, Josef, Narumol und Tochter Jenny dabei zuzusehen, wie sie sich in 11.000m Höhe eine gute Nacht wünschen und dann den Flug nach Bangkok weitgehend verpennen.
Während die RTL-Redakteure mit den Flitterwöchnern auf Tour sind, müssen auch die Schreiberling-Azubis und Kameraleute der B-Garnitur beschäftigt werden. Deshalb hat man die hanebüchene Story an den Haaren herbeigezerrt, dass ein gewisser Bernhard, der bei der Hochzeit den Friseur von Narumol gespielt hatte, auf Josefs Hof während dessen Abwesenheit das Regiment übernimmt. Und was dort dann passiert (wenn überhaupt), plustert das Fernsehen zu einer angeblich berichtenswerten Story auf: Der vom Drehbuch zum besten Freund des Flitterwochenpaares aufgebaute unbeweibte Ackerbauer Markus will sich auf dem verwaisten Hof nämlich mal so richtig erholen und dabei schön vor der Kamera präsentieren. Vielleicht ist das gar nicht mal eine so abwegige Idee, wenn es mit den Damen beim fülligen Pfälzer nicht so recht klappt, hat ja vielleicht der tuffig blondierte Bernhard einen gaaaanz heißen Tipp, was man denn sonst so anstellen könnte…
Irgendwie ist mir diese Nebenstory aber echt zu blöd, die lenkt total vom versprochenen Thema ab und deswegen werde ich sie komplett ignorieren. Auch wenn im weiteren Verlauf Friseur Bernhard mehr oder weniger deutlich einen Flirt mit Markus beginnt, für ihn kocht, ihm sogar ein neues Nicht-Karohemd besorgt und dann auch noch seine Frisur auf den Stand des 21. Jahrhunderts bringt. Olala, sage ich nur, olala! Aber wir sind ja alle tolerant, gell? Hinterher gehen die beiden dann aber zu einem (Hetero-)Tanzschuppen und der Pfälzer baggert nach anfänglicher Schüchternheit eine Frau im Dirndl an. Sehr schöne Szene übrigens auch, als alle vorgenannten Chiemgau-Protagonisten in der kleine Dorfkapelle für die gesunde Rückkehr von Josef und Narumol beten (!). In der Kirche herrscht noch immer die mittelalterlich anmutende Geschlechtertrennung, wie wir ja bereits von einer früheren Folge wissen, und witzigerweise setzt sich Friseur Bernhard dabei neben Anita auf die Frauenseite…
Zurück zum Ernst des Lebens: In Bangkok landet Josef und Narumols Flieger und am Airport wartet bereits die ganze Mischpoke inklusive Narumols bis heute dem Publikum verschwiegenen Sohn Jack, der dann auch heftig begrüßt wird (von Josef verständlicherweise eher nicht so überschwänglich, schließlich haben sich die beiden bisher noch nie gesehen). Josef hat ganz schnell die Lage komplett gepeilt und gibt sein weltmännisches Urteil zu Protokoll: “Der (Jack) ist auch so ein Mensch, wie wir alle in Bayern sind.” Danach geht es in die Honeymoon-Suite eines Luxushotels, Narumol ist begeistert von dem kitschigen Herz auf dem Bett, während Josef die Aussicht genießt, so hoch war er noch nie. Später schleift die Thailänderin ihren Milchbauern (im Karohemd) zur Mani- und Pediküre, was Josef sichtlich unangenehm ist (“davon kriege ich Gänsehaut im Kopf”), auch wenn er hinterher das Gegenteil behauptet.
Danach geht es zu einem kleinen Tempel, wo Josef eine Lotusblume überreicht wird. “Das ist ein Zeichen für die Erleuchterung”, erklärt ihm der neue Stiefsohn, wobei RTL in den Untertiteln auch immer schön sämtliche Fehler mitprotokolliert, damit die Zuschauer wenigstens ein klein wenig zu lachen haben, sofern sie denn überhaupt noch wach sind. Wie die anderen, kniet Josef mit der Blume in der Hand vor ein Buddha-Statue und brabbelt die thailändischen Worte nach, die Jack ihm vorsagt. Spirituelle Rituale liegen ihm ja schon von Haus aus, wir erinnern uns dankbar an seine Betanfälle vor dem Essen. Apropos Essen, als nächstes besuchen die Brautleute – nun offensichtlich wieder allein – die Garküchen im nächtlichen Bangkok. Josef vermisst bayerische Spezialitäten, dafür gibt es aber andere Leckereien, z.B. gebratene Ameisen und Heuschrecken. Nach einer kurzen Ekelphase überwindet sich der Milchbauer, einen kleinen Löffel voller Insekten mit Kräutertunke zu essen. Narumol ist über diesen Liebesbeweis begeistert und revanchiert sich in einer Karaokebar mit einem schmachtenden Lied für ihren Bräutigam. Man kann ja über Narumol viel Gutes sagen, aber das Singen ist eindeutig nicht ihr Begabungsschwerpunkt, um das mal vorsichtig auszudrücken.
Die eigentlichen Flitterwochen finden dann im thailändischen Urlaubsparadies Phuket statt. Hier endlich wollen sich Josef und Narumol den lange gehegten Traum von einem gemeinsamen Wannenband erfüllen! Wie schön, dass sie dafür nur um die halbe Welt reisen mussten und jetzt auch noch das Fernsehteam dabei haben, so macht dieser intime Moment doch erst so richtig Spaß.
Im schaumigen Wasser erneuern die beiden ihr im Chiemgau abgelegtes Ehegelübte und Josef bekräftigt: “Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen”, was angesichts der dampfenden Wanne allerdings etwas an Feierlichkeit einbüßt. Anschließend gehen unsere beiden Nichtschwimmer an den Strand und Josef lässt sich dabei von Narumol seine grell-weiße Alabasterhaut eincremen. Weiter als bis zu den Knien wagen sie sich aber nicht in die Wellen.
Und mit Angst hat auch die nächste Station zu tun, man besucht nämlich eine Elefantenfarm. Neinneinein, reiten wolle sie auf keinen Fall, erklärt Narumol, sie habe nämlich “Muff” vor den Dickhäutern. Freimütig berichtet sie dann auch noch unnötigerweise ein Schlüsselerlebnis aus ihrer Kindheit: “Die erschte Mal ick Elefant reitet war, ick hab’ in die Hose gepiescht. Nick viel, aber bischen.” Nichtsdestotrotz oder vielleicht auch gerade wegen dieses Geständnisses zwingt der RTL-Redakteur die kleine Frau, zusammen mit ihrem Josef auf dem schwankenden Rücken eines der Tiere Platz zu nehmen. Bei jedem Schritt kreischt Narumol laut, aber es hilft ihr nichts und niemand. Dann muss der Elefant während des Ausritts mal für kleine Königstiger und Josef begutachtet das Verdauungsergebnis von oben aus dem Sattel fachmännisch: “Geschissen hat er!” Narumol pflichtet ihm bei mit einigen sehr farbenfrohen Äußerungen zur Darmtätigkeit und der begleitenden Gasproduktion des Rüsseltiers, die ich aber aus Rücksicht auf etwaige gerade essende Blog-Leser hier lieber nicht wiedergeben möchte. Man merkt aber deutlich: Mist und Dung, das sind ihre Themen, da werden unsere beiden Frischverliebten so richtig wach.
Die heutige Folge geht zu Ende mit Josefs 50. Geburtstag, der genau in die Flitterwochenzeit fällt. Narumol hat für die beiden einen Tisch auf einem Restaurantschiff reserviert und zu einigen gestelzten Dialogen erklären sie sich noch einmal ihre Liebe, nebenbei wird gespachtelt, als gäbe es kein Morgen. Als Geschenk bekommt der Bauer von seiner Braut ein kleines Kruzifix, das er sich vom Pfarrer weihen lassen soll, meint Narumol.
So, das war nun also die Hochzeitsreise des Bauerntraumpaars aus dem Chiemgau. Dazu ist nun aber wirklich alles gesagt worden, was irgendwie wichtig war und sogar noch ein bisschen mehr, finde ich. Die restlichen Storys von den anderen Bauern hätte Inka leicht weglassen können, so interessant waren die alle nicht. Plätzchenbacken bei Berit und Stefan, alberne Nikolausspiele in Hessen oder Balztänze pfundiger Pfälzer… mit so einem Quatsch verpestet RTL unsere kostbaren Weihnachtsstunden! Reduziert auf das Wesentliche, nämlich die Flitterwochen unserer beiden weltfremden Aliens, hätte das vielleicht eine normale einstündige Sendung ergeben. Josef und Narumol werden aber vom Fernsehen bis zum Gehtnichtmehr ausgeschlachtet und müssen als Zugpferde für die blutleeren Geschichten anderer Bauern herhalten, da ist RTL gnadenlos.
Also Fazit: Das war heute eine Mogelpackung mit haufenweise “Bauer”, aber wenig “Josef & Narumol”, die weder beim Ansehen noch beim Bloggen sonderlich viel Spaß gemacht hat. Wenn ich hinterher im Spiegel-Online lese, dass die BsF-Flitterwochen-Spezialausgabe mehr Zuschauer hatte, als die von den GEZ-Gebühren finanzierte Neuverfilmung der “Buddenbrooks”, für deren Romanvorlage Thomas Mann seinerzeit immerhin den Literatur-Nobelpreis bekommen hat, dann schaudert es mich aber doch etwas…





