• Frohe Weihnachten gehabt zu haben, liebe Bauernfreundinnen und -freunde,

    gerade herrscht die komische Zeit “zwischen den Jahren”, es ist nicht mehr ganz Weihnachten, aber auch noch nicht Neujahr. Viele Unternehmen machen jetzt Inventur und auch RTL wühlt mal die Regale im Archiv durch nach Konserven, die man jetzt entweder endlich mal senden oder gleich wegschmeißen könnte. Und so ganz bin ich mir auch nicht sicher, ob sich Inka Bause heute richtig entschieden hat. Angekündigt war die zweistündige “Spezialausgabe” als Berichterstattung von Josef und Narumols Flitterwochen, tatsächlich ist es aber eine Collage von Lebenszeichen der Marke “Was macht eigentlich…?” mit diversen echten Landwirten und unechten Darstellern der 2009er-Staffel von “Bauer sucht Frau”. Schade, wer sich also als Romantikfan auf eine veritable Verschnaufpause auf der kalendarisch halben Strecke zwischen der Hochzeit von Prinzessin Victoria von Schweden und ihrem Fitnesstrainer im Sommer 2010 und der bevorstehenden Hochzeit von Liesbets Enkel William mit seiner Kate im Frühjahr 2011 gefreut hatte, sieht sich getäuscht. Mogelpackung! Aber in diesem Format war ja noch nie alles so, wie man es den Zuschauern glauben machen wollte.

    Wie versprochen, beginnt die heutige Spezialausgabe im idyllischen Chiemgau beim weltfernen Rinderbauern und seiner neuerdings kirchlich angetrauten Frau Narumol. Zu einer amtlichen Hochzeit war es bekanntlich aus ökonomischen Gründen nicht gekommen, denn Narumol wollte den Bezug ihrer Witwenrente nicht gefährden. Ganz so doof, wie die gebürtige Thailänderin von RTL wegen ihres schlechten Deutsch dargestellt wird, ist sie denn doch nicht. Josef hingegen, scheint mir einigermaßen authentisch rüberzukommen…

    Also nochmal, die heutige Sendung beginnt auf Josefs Anwesen, wir sehen den Protagonisten eilig und wortlos von rechts über seinen Hof flitzen und im Kuhstall verschwinden. Neuerdings trägt er einen Blaumann mit Schirmmütze, die er sich vermutlich vom Fernsehhonorar gekauft hat. Er ist etwas gehetzt, denn in Kürze will er mit Narumol auf Hochzeitsreise gehen und zuvor muss er seinen beiden Vertretern “Anita und Sepp” noch die Modalitäten des Rinderfütterns verklugfiedeln. Alles, was hier im Stall gesprochen wird, passiert in Chiemgauer Idiom und muss deshalb komplett untertitelt werden.

    RTL schaltet um in die schöne Pfalz, wo der patente (sprich: rundliche) Bauer Markus aus der 2009er-Staffel noch immer allein ist, seitdem er sich von seiner auserwählten Yvonne “in Freundschaft” getrennt hat. Bis er eine neue weibliche Begleitung findet, “verbringt der 45jährige seine Freizeit mit dem Hofhund Troll”. Keine Ahnung, ob Inka Bause den von ihr vorgetragenen Text vorher mal gelesen oder gar selbst verzapft hat, es ist jedenfalls bemerkenswert, welchen Schwachsinn das Fernsehen hier unwidersprochen zu einer Homestory zusammenkocht. Stefan Raabs “TV Total” hat wohl gerade Sendepause, also kriegt Markus vielleicht eine faire Chancen, für diesen Satz nicht öffentlich an den Medienpranger gestellt zu werden.

    Der knuddelige Pfälzer hat auch so schon genug zu leiden, denn er wurde bereits zur Hochzeit von Josef und Narumol vom Drehbuch in deren intimen Freundeskreis eingemeindet – obwohl sich die drei davor nur ein einziges Mal kurz zum damaligen Scheunenfest gesehen haben können und danach nie wieder. RTL hält seine Zuschauer jedoch offenbar für komplett umnachtet, die schlucken den Heimatstuss ohne nachzudenken und man kann beliebig viele Nebenhandlungen hinzuerfinden, egal wie unwahrscheinlich die für alle Menschen auch sein mögen, die mit einem höheren IQ als ein Badeschwamm gesegnet sind. Wie auch immer, jedenfalls sollen Josef und Narumol ihren angeblichen guten Freund Markus “zum Ausspannen” auf ihren Hof ins – malerische – Chiemgau eingeladen haben. Vor der Abreise wird er von Mutter Ingrid noch einmal deftig bekocht, auf dass Sohnemann seinen BMI von 40+ nicht verliere. Gleichzeitig gibt sie ihm mit auf den Weg, er solle sich doch dort in Bayern mal nach etwas “fürs Herz” umsehen, es werde ja nun langsam Zeit.

    In einer völlig abwegigen Nebenstory zum Füllen überschüssiger Sendezeit sehen wir in zahlreichen Sequenzen die 2009er-Stars Willi und Karola, wie sie in Vorbereitung auf das Weihnachtsfest einen viel zu großen Christbaum schlagen. Was daran jetzt überhaupt berichtenswert sein soll, ist für mich nicht nachvollziehbar, es sei denn, man wollte damit Willis mangelhaftes Augenmaß dokumentieren, denn er fällt eine etwa 10m hohe Tanne, um dann nur deren obersten 3m mitzunehmen, den Rest lässt er einfach am Waldrand liegen. Im heimischen Wohnzimmer sägt er dann später auch noch die Spitze ab, allerdings wiederum zu viel, so dass am Ende eine stark gewöhnungsbedürftige Baumruine übrig bleibt. Der 42jährige Ziegenwirt lacht dabei noch immer genau so viel und unmotiviert wie im letzten Jahr und seine Freundin ist auch noch immer genau so rund wie damals.

    Übrigens wurden die völlig verzichtbaren Szenen der dilettantischen Laienholzhacker offenbar weit vor Weihnachten gedreht, denn bekanntlich liegt in ganz Deutschland seit Anfang Dezember Schnee und hier, im lustigen aber grauen Hessen, sieht man nicht mal eine einzige Flocke! Die arme Tanne wurde also wohl ganz umsonst dahingemeuchelt, nur aus Kommerzgründen, bis zum echten Weihnachtsfest ist die längst im Häcksler verschwunden. Einzig der echt wirkende Streit darüber, wie ein richtiger Christbaum auszusehen habe (Er: Lametta, Lametta, Lametta; Sie: nur Strohsterne und rote Kugeln), rechtfertigt meine für das Ansehen dieser dämlichen Geschichte vertane Lebenszeit. Hinterher haben die beiden einen bemerkenswert hässlichen und total asymmetrischen Baum zusammengeschmückt, oben nur ein paar kahle, schräg hochragende Ästchen und dazu die abgerupst aussehende Ex-Spitze, unten ein großer Klumpen dicker Tannenzweige, in dem die Kugeln und Sternchen locker untergehen. Karola und Willi haben erhebliche Zweifel, was die Mutter und der Nikolaus (!) dazu sagen werden, die man beide am Abend erwartet. Der Bauer schlägt vor, sich den Baum mit ordentlich Punsch schönzutrinken, was vielleicht auch eine gute Empfehlung für diese ganze Sendung wäre.

    Willis Rat scheinbar befolgend, sitzt die kleine vorweihnachtliche Runde, bestehend aus Karola, ihrer Tochter Carmen und Mutter Irmgard, am Abend unnatürlich laut lachend um den Baum. Der Bauer verkleidet sich als Nikolaus, zieht dazu einen roten Mantel über sein Karohemd und klebt sich einen weißen Rauschebart in die Visage, höchst originell! Allerdings wird der Spaß ein wenig getrübt, als offenbar ungeprobt und von der Kamera daher nur notdürftig eingefangen der Familienweihnachtsbaum das Übergewicht kriegt und umkippt. Das folgende allgemeine Gelächter ist wohl seit Karolas Einzug das normale Betriebsgeräusch auf Willis Hof, grausig!

    Noch mehr Quatsch am Wegesrand dieser sich etwas zäh dahinschleppenden Sondersendung: Wir haben eine ungebetene Begegnung mit Maurizio, dem 50jährigen angeblich italienisch-stämmigen Holzbauern aus Baden-Württemberg, der, wie die “Bild” herausgefunden hatte, im richtigen Leben Erwin heißt und Finanzbeamter in Hamburg ist. (Nein, das ist ein Scherz, aber Maurizio ist in Wahrheit “nur” Forstarbeiter, ihm gehört der Wald nicht, in dem er arbeitet und “sein” Bauernhaus ist auch nur von einem Freund angemietet!) Maurizio nutzt die Gelegenheit, dass endlich mal wieder eine Kamera auf ihn gerichtet ist und RTL vermutlich den einen oder anderen Schein oben drauflegt, um seiner extrem rothaarigen Freundin Claudia einen hochpeinlichen Heiratsantrag zu machen. Dazu muss Letztere zunächst in das Cabrio von Maurizios sonnenbrillentragenden Kumpel Roland steigen, der sie zu einem kleinen See chauffiert, wo Maurizio sein Verführer-Equipment aufgebaut hat. Nach einer kurzen, pannenreichen Rudertour erreichen die beiden ein kleines Inselchen, wo ein Tisch mit Sektflasche und Gläsern wartet. Maurizio geht auf die Knie, stellt die erwartete Frage, Claudia gibt die erwartete positive Antwort und die Sonne geht hinter dem sich pausenlos küssenden Paar in strahlenden Farben unter.

    Und noch mehr teure Sendezeit wartet auf eine billige Füllung durch Inkas Bauerntheater: Weil die anderen Geschichtchen wohl noch immer nicht ausreichen, hat RTL nun auch noch die von den Zuschauern längst gnädig verdrängte “Lovestory” zwischen Pferdewirtin Berit aus Meckpomm und ihrem stämmigen Schweißer Stefan exhumiert. Mal nachsehen, ob da inzwischen nicht irgend etwas passiert ist – und falls nicht, kann man ja immer noch schnell etwas erfinden. Das Thema “peinlicher Heiratsantrag” ist hier allerdings schon abgehakt und damit scheint die Phantasie der Drehbuchautoren momentan denn doch erschöpft zu sein. Das Fernsehen behilft sich damit, die beiden beim Verzehr harter Kekse und eines Christstollens abzulichten. Wahnsinn, atemberaubend, drei Action-Punkte, ich bin begeistert und warte dringend auf das BsF-Osterspecial, in dem wir Berits Gummibaum beim Wachsen zusehen können. Langweiliger als das heutige Kondensat gepflegter Nichthandlung kann das eigentlich kaum noch werden.

    Eine weitere Nebenhandlung lasse ich hier nun aber ganz unter den Tisch fallen: Ein gewisser schüchterner Bauer Jürgen aus der Staffel von 2007 hat damals eine alleinerziehende Julia kennengelernt und muss jetzt dringend aus irgend einem Grund noch mal ins Fernsehen. Das Rätsel wird auch sofort gelöst: Die beiden hatten seinerzeit mediengerecht gemeinsamen Nachwuchs in die Welt gesetzt und der einjährige Yannik sitzt nun schon Schnuller-lutschend unter dem Tannenbaum im schönen Schleswig-Holstein. Daneben seine dicke Mutter, die ist nämlich bereits wieder hochschwanger und das ist wohl auch der einzige Grund, warum dieses Paar hier noch einmal vor die Linse gezerrt wird. Ich spul’ dann aber mal vor, diese Story interessiert mich nicht…

    Jetzt geht es endlich weiter mit der Haupthandlung: Ungerührt von den atemberaubenden Nebenhandlungen, bereitet Narumol derweil die Flitterwochen vor, die sie, ihren Josef, das Fernsehteam und uns alle in ihre Heimat Thailand führen sollen. Zunächst versucht sie, Josef für die Feinheiten ihrer Sprache zu begeistern, mit denkbar geringem Erfolg, er kann ja noch nicht einmal Hochdeutsch. Das merkt Narumol allerdings nicht, sie resümiert schon schnell: “Josef interessier sick sääär ob thailändische Sprache, paar Wort kann er noch nich so gutt – ich bring ihm auch bei!”

    Danach holt Josef einige kleine, prähistorisch anmutende Koffer vom Boden, in denen Narumol auch prompt eine Zeitung von 1980 findet – und schon damals waren die Koffer antik zu nennen. Sehr peinlich geht es dann auch weiter, Narumol lehnt die Mitnahme von Josefs Sammlung kurzer Hosen aus der Zeit des ersten Weltkriegs rigoros ab und zeigt ihm stattdessen, was für tolle Unterwäsche sie sich selbst für die Reise gekauft hat. Leider verfehlt das Herumfuchteln mit den feschen Höschen vor Josefs Nase die beabsichtigte Wirkung, wie sie später ungeniert zu Protokoll gibt: “Ick hab meine Unnwäsche ihn gezaig unn dann hab ick beobacht wie er sick erigiert.” [Pause, resigniertes Kopfschütteln] “Fuhr ihn iss wurss, interessier ihn nich, er hat keine Ahnung von sowas…” Mit anderen Worten: Tote Hose im Chiemgau!

    Am letzten Abend vor ihrer Abreise laden Josef und Narumol alle ihre guten Bekannten aus dem namenlosen kleinen Dorf zu sich ein. Neben Narumols Tochter Jenny lernen wir jetzt auch Hans kennen, den Zwillingsbruder von Josef (der ihm auch tatsächlich so ähnlich sieht, dass RTL ihn problemlos gegen den “echten” Bauern einwechseln könnte, wenn der mal keinen Bock mehr auf den ganzen Quatsch haben sollte) und natürlich sind auch Anita und Sepp da, die Vertretungsbauern. Es gibt eine thailändische Version von Spanferkel, Sauerkraut und Knödeln – und hinterher freuen sich bestimmt einige der Beteiligten, dass Narumol und ihr Kochbuch nun erst mal wegfahren… Übrigens berichtet Inka aus dem Off bei dieser Gelegenheit, dass Narumol in Bangkok einen bereits 28 Jahre alten Sohn hat und sich sehr auf das Wiedersehen mit ihm freut. Hmm, kleine Jugendsünde des heimlichen Stars dieses Formats? “Mein Sohn ist Reise-Reiter”, berichtet die Mutter stolz, aber unverständlich. Vermutlich ist “Reiseleiter” gemeint oder etwa doch ein “reisender Reiter”?

    Am nächsten Tag richtet Josef, der wegen oder trotz seiner großen Frömmigkeit zuvor noch nie geflogen ist, ein schnelles Stoßgebet zum Himmel, in dem er um eine glückliche Rückkehr aus Thailand bittet. Sicherheitshalber nimmt er aber auch noch zwei Rosenkränze mit auf den Flug, man weiß ja nie… Dann geht es endgültig los, unser Bäuerlein lernt wirklich fliegen und RTL nimmt jede seiner Lebensäußerungen im Flugzeug auf. Obwohl, soooo schrecklich spannend ist es auch nicht, Josef, Narumol und Tochter Jenny dabei zuzusehen, wie sie sich in 11.000m Höhe eine gute Nacht wünschen und dann den Flug nach Bangkok weitgehend verpennen.

    Während die RTL-Redakteure mit den Flitterwöchnern auf Tour sind, müssen auch die Schreiberling-Azubis und Kameraleute der B-Garnitur beschäftigt werden. Deshalb hat man die hanebüchene Story an den Haaren herbeigezerrt, dass ein gewisser Bernhard, der bei der Hochzeit den Friseur von Narumol gespielt hatte, auf Josefs Hof während dessen Abwesenheit das Regiment übernimmt. Und was dort dann passiert (wenn überhaupt), plustert das Fernsehen zu einer angeblich berichtenswerten Story auf: Der vom Drehbuch zum besten Freund des Flitterwochenpaares aufgebaute unbeweibte Ackerbauer Markus will sich auf dem verwaisten Hof nämlich mal so richtig erholen und dabei schön vor der Kamera präsentieren. Vielleicht ist das gar nicht mal eine so abwegige Idee, wenn es mit den Damen beim fülligen Pfälzer nicht so recht klappt, hat ja vielleicht der tuffig blondierte Bernhard einen gaaaanz heißen Tipp, was man denn sonst so anstellen könnte… :-) Irgendwie ist mir diese Nebenstory aber echt zu blöd, die lenkt total vom versprochenen Thema ab und deswegen werde ich sie komplett ignorieren. Auch wenn im weiteren Verlauf Friseur Bernhard mehr oder weniger deutlich einen Flirt mit Markus beginnt, für ihn kocht, ihm sogar ein neues Nicht-Karohemd besorgt und dann auch noch seine Frisur auf den Stand des 21. Jahrhunderts bringt. Olala, sage ich nur, olala! Aber wir sind ja alle tolerant, gell? Hinterher gehen die beiden dann aber zu einem (Hetero-)Tanzschuppen und der Pfälzer baggert nach anfänglicher Schüchternheit eine Frau im Dirndl an. Sehr schöne Szene übrigens auch, als alle vorgenannten Chiemgau-Protagonisten in der kleine Dorfkapelle für die gesunde Rückkehr von Josef und Narumol beten (!). In der Kirche herrscht noch immer die mittelalterlich anmutende Geschlechtertrennung, wie wir ja bereits von einer früheren Folge wissen, und witzigerweise setzt sich Friseur Bernhard dabei neben Anita auf die Frauenseite…

    Zurück zum Ernst des Lebens: In Bangkok landet Josef und Narumols Flieger und am Airport wartet bereits die ganze Mischpoke inklusive Narumols bis heute dem Publikum verschwiegenen Sohn Jack, der dann auch heftig begrüßt wird (von Josef verständlicherweise eher nicht so überschwänglich, schließlich haben sich die beiden bisher noch nie gesehen). Josef hat ganz schnell die Lage komplett gepeilt und gibt sein weltmännisches Urteil zu Protokoll: “Der (Jack) ist auch so ein Mensch, wie wir alle in Bayern sind.” Danach geht es in die Honeymoon-Suite eines Luxushotels, Narumol ist begeistert von dem kitschigen Herz auf dem Bett, während Josef die Aussicht genießt, so hoch war er noch nie. Später schleift die Thailänderin ihren Milchbauern (im Karohemd) zur Mani- und Pediküre, was Josef sichtlich unangenehm ist (“davon kriege ich Gänsehaut im Kopf”), auch wenn er hinterher das Gegenteil behauptet.

    Danach geht es zu einem kleinen Tempel, wo Josef eine Lotusblume überreicht wird. “Das ist ein Zeichen für die Erleuchterung”, erklärt ihm der neue Stiefsohn, wobei RTL in den Untertiteln auch immer schön sämtliche Fehler mitprotokolliert, damit die Zuschauer wenigstens ein klein wenig zu lachen haben, sofern sie denn überhaupt noch wach sind. Wie die anderen, kniet Josef mit der Blume in der Hand vor ein Buddha-Statue und brabbelt die thailändischen Worte nach, die Jack ihm vorsagt. Spirituelle Rituale liegen ihm ja schon von Haus aus, wir erinnern uns dankbar an seine Betanfälle vor dem Essen. Apropos Essen, als nächstes besuchen die Brautleute – nun offensichtlich wieder allein – die Garküchen im nächtlichen Bangkok. Josef vermisst bayerische Spezialitäten, dafür gibt es aber andere Leckereien, z.B. gebratene Ameisen und Heuschrecken. Nach einer kurzen Ekelphase überwindet sich der Milchbauer, einen kleinen Löffel voller Insekten mit Kräutertunke zu essen. Narumol ist über diesen Liebesbeweis begeistert und revanchiert sich in einer Karaokebar mit einem schmachtenden Lied für ihren Bräutigam. Man kann ja über Narumol viel Gutes sagen, aber das Singen ist eindeutig nicht ihr Begabungsschwerpunkt, um das mal vorsichtig auszudrücken.

    Die eigentlichen Flitterwochen finden dann im thailändischen Urlaubsparadies Phuket statt. Hier endlich wollen sich Josef und Narumol den lange gehegten Traum von einem gemeinsamen Wannenband erfüllen! Wie schön, dass sie dafür nur um die halbe Welt reisen mussten und jetzt auch noch das Fernsehteam dabei haben, so macht dieser intime Moment doch erst so richtig Spaß. :-) Im schaumigen Wasser erneuern die beiden ihr im Chiemgau abgelegtes Ehegelübte und Josef bekräftigt: “Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen”, was angesichts der dampfenden Wanne allerdings etwas an Feierlichkeit einbüßt. Anschließend gehen unsere beiden Nichtschwimmer an den Strand und Josef lässt sich dabei von Narumol seine grell-weiße Alabasterhaut eincremen. Weiter als bis zu den Knien wagen sie sich aber nicht in die Wellen.

    Und mit Angst hat auch die nächste Station zu tun, man besucht nämlich eine Elefantenfarm. Neinneinein, reiten wolle sie auf keinen Fall, erklärt Narumol, sie habe nämlich “Muff” vor den Dickhäutern. Freimütig berichtet sie dann auch noch unnötigerweise ein Schlüsselerlebnis aus ihrer Kindheit: “Die erschte Mal ick Elefant reitet war, ick hab’  in die Hose gepiescht. Nick viel, aber bischen.” Nichtsdestotrotz oder vielleicht auch gerade wegen dieses Geständnisses zwingt der RTL-Redakteur die kleine Frau, zusammen mit ihrem Josef auf dem schwankenden Rücken eines der Tiere Platz zu nehmen. Bei jedem Schritt kreischt Narumol laut, aber es hilft ihr nichts und niemand. Dann muss der Elefant während des Ausritts mal für kleine Königstiger und Josef begutachtet das Verdauungsergebnis von oben aus dem Sattel fachmännisch: “Geschissen hat er!” Narumol pflichtet ihm bei mit einigen sehr farbenfrohen Äußerungen zur Darmtätigkeit und der begleitenden Gasproduktion des Rüsseltiers, die ich aber aus Rücksicht auf etwaige gerade essende Blog-Leser hier lieber nicht wiedergeben möchte. Man merkt aber deutlich: Mist und Dung, das sind ihre Themen, da werden unsere beiden Frischverliebten so richtig wach.

    Die heutige Folge geht zu Ende mit Josefs 50. Geburtstag, der genau in die Flitterwochenzeit fällt. Narumol hat für die beiden einen Tisch auf einem Restaurantschiff reserviert und zu einigen gestelzten Dialogen erklären sie sich noch einmal ihre Liebe, nebenbei wird gespachtelt, als gäbe es kein Morgen. Als Geschenk bekommt der Bauer von seiner Braut ein kleines Kruzifix, das er sich vom Pfarrer weihen lassen soll, meint Narumol.

    So, das war nun also die Hochzeitsreise des Bauerntraumpaars aus dem Chiemgau. Dazu ist nun aber wirklich alles gesagt worden, was irgendwie wichtig war und sogar noch ein bisschen mehr, finde ich. Die restlichen Storys von den anderen Bauern hätte Inka leicht weglassen können, so interessant waren die alle nicht. Plätzchenbacken bei Berit und Stefan, alberne Nikolausspiele in Hessen oder Balztänze pfundiger Pfälzer… mit so einem Quatsch verpestet RTL unsere kostbaren Weihnachtsstunden! Reduziert auf das Wesentliche, nämlich die Flitterwochen unserer beiden weltfremden Aliens, hätte das vielleicht eine normale einstündige Sendung ergeben. Josef und Narumol werden aber vom Fernsehen bis zum Gehtnichtmehr ausgeschlachtet und müssen als Zugpferde für die blutleeren Geschichten anderer Bauern herhalten, da ist RTL gnadenlos.

    Also Fazit: Das war heute eine Mogelpackung mit haufenweise “Bauer”, aber wenig “Josef & Narumol”, die weder beim Ansehen noch beim Bloggen sonderlich viel Spaß gemacht hat. Wenn ich hinterher im Spiegel-Online lese, dass die BsF-Flitterwochen-Spezialausgabe mehr Zuschauer hatte, als die von den GEZ-Gebühren finanzierte Neuverfilmung der “Buddenbrooks”, für deren Romanvorlage Thomas Mann seinerzeit immerhin den Literatur-Nobelpreis bekommen hat, dann schaudert es mich aber doch etwas…

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  • Liebe Mitleser und Freunde des schlechten Geschmacks,

    wir alle haben es wohl schon kommen sehen, aber nicht wirklich wahr haben wollen. Nun ist es also doch passiert: Inka Bause hat mit ihrer landwirtschaftlichen Beziehungsbörse gerade noch vor dem Weihnachtsfest die Kurve gekriegt und die Ziellinie überquert. Die Staffel 2010 ist aus, nichts geht mehr, die Ställe sind geschlossen, Abpfiff! Während wir heute noch von den allerletzten Handlungszuckungen berichten, die übrigens noch immer im Sommer spielen, sortieren die Bauern in Wirklichkeit vermutlich längst ihre zerzausten Frisuren (so vorhanden), beruhigen ihre empörten Mamis und Nachbarn und reiben sich die Augen, was RTL in den vergangenen hektischen Wochen aus ihren bisherigen Leben gemacht hat. Wie im letzten Jahr, so will ich auch heute, im Jahr 1 nach Josef und Narumol, wieder für jedes Paar Bilanz ziehen und tippen, ob da auch “in Echt” was geht, wenn die Kameras nicht mehr laufen und bei den idyllischen, lustigen und liebenswerten Bauern der garstige Alltag Einzug hält.

    Los geht es heute mal wieder in Nordhessen, nämlich im Schlafzimmer des ehemals schüchternen Ackerbauern Willy und seiner noch nie schüchtern gewesenen Imbissbräterin Rosi. Das RTL-Team ist sich für nichts zu schade, denn heute hat man das frisch gebackene Pärchen offenbar während der ganzen Nacht gefilmt und Inka wartet mit der Erkenntnis auf, die beiden hätten “eng aneinander geschmiegt” von der gemeinsamen Zukunft geträumt. Willy könne angeblich kaum glauben, dass sein Traum nun wahr geworden ist, aber “die liebevolle Köchin an seiner Seite ist wirklich aus Fleisch und Blut”. Ja, besonders aus Fleisch, viel Fleisch! Das dürfen wir dann nach dem Aufstehen (reinstes Schülertheater!) in der nächsten gestellten Szene bewundern: Die beiden können wohl gar nicht mehr voneinander lassen und müssen nun auch schon gemeinsam Zähne putzen. Sehr sehenswert, wie Willy im aufregend violetten Pyjama neben der prall verpackten Rheinländerin am Waschbecken steht und über die Ähnlichkeit beider Zahnbürsten philosophiert. Während ihm dabei Spucke und Zahnpasta aus dem Mund kleckern, kriegt Rosi wieder einen ihrer schwer nachvollziehbaren Lachanfälle. Alles bebt und schaukelt, ach es ist eine Freude (sofern man Adipositas mag).

    Später sucht Rosi dann in Willys Kleiderschränken nach Platz für ihre Klamotten, damit sie bei ihren häufigen Besuchen in Nordhessen nicht jedes Mal ihren gesamten Hausstand mitbringen muss. Sie wundert sich, dass die Schränke bisher alle nur halb voll sind – übrigens sehe ich dabei schon wieder zahlreiche Karohemden und auch ein paar Modesünden aus den 80ern, die hier auf dem Lande wohl gerade erst vorbei sind. Die resolute Rosi fackelt nicht lange, sondern stopft Willys Sachen aus dem einen halben Schrank einfach in den halbleeren anderen Schrank und räumt dann ihren eigenen Klimbim in die freigewordenen Lücken. Bei der Gelegenheit bietet ihr der Bauer fast beiläufig an, doch ganz bei ihm einzuziehen, nicht immer nur besuchsweise. Rosi gibt sich baff, aber erfreut: “Mensch, Willy!”

    Die Turteleien von Willy und Rosi gehen zu Ende mit einer Szene auf dem dekorierten Heuboden. Hier überreicht der Bauer seiner pfundigen Freundin eine extra gravierte Halskette mit Herzchen, mit dem er seine immerwährende Liebe ausdrücken möchte. Klar, dass das bei Rosi mal wieder eine kleine Gesichtsüberschwemmung auslöst, so kennt man sie. Und das ist dann wohl auch der bleibende Eindruck dieser Beziehung, hier geht ganz klar was! :-)

    Runde Frauen gibt es auch im idyllischen Schwabenland: Bei Martin, dem notorischen Dauergrinser und Gemüsebauern, zieht die Niedersächsin Jennifer wieder ein – dabei hatte sie sich erst in der letzten Woche vom Hof gemacht. Diesmal soll es für immer sein. Die zukünftige Bäuerin ist genau so simpel gestrickt wie ihr Hobby, das “Malen nach Zahlen”. Und damit passt sie auch bestens zu ihrem Martin. Der freut sich auf Schwäbisch über die Rückkehr seiner Traumfrau: “Mich freut es riesig, dasch die Jenny jetsch zu mir zieht, weil da simma einfach mehr beisamme und des Hin un Her isch weg.” Der Landwirt hat neuerdings wohl die Loseblattsammlung “Romantik für Anfänger” abonniert und daraus gleich den Tipp für besonders schwülstige Begrüßungen in die Praxis umgesetzt: Als Jenny zusammen mit ihren Eltern Silke und Holger (im Auto) auf den Hof rollt, liegt dort alles voller Rosenblüten. Entsprechend herzig fällt auch Martins Umarmung seiner neuen Schwiegereltern aus, die übrigens beide einen Kopf größer sind als er. Als Geschenk für Hilde, Martins Mutter, hat die gelernte Bäckerin Jenny eine selbst gebaute und lecker aussehende Sahnetorte mitgebracht, die dann in der nächsten Szene vor meinen neidischen Augen von der Gesellschaft verputzt wird. Aber natürlich nicht, ohne dass Jennys Eltern zuvor noch einen peinlich pathetischen Segensspruch auf das junge Glück in die Kamera salbadern.

    Später erläutert Martin seinen staunenden Schwiegereltern, die noch nie zuvor einen Kuhstall von innen gesehen (und gerochen) haben, an einem praktischen Beispiel, wie beim Rindvieh die Verdauungsendprodukte ausgeschieden werden. Zu Deutsch: Die nächststehende Kuh hebt den Schwanz und kackt dem weißbärtigen Städter ohne Vorwarnung direkt einen Schwall vor die Füße, was bei diesem zwar stinkende braune Sprenkel auf den Klamotten hinterlässt, aber trotzdem zur allgemeinen Erheiterung dient. RTL verstärkt die Heimatfilm-Atmosphäre noch mit einem Trallalla-Soundtrack aus der 70er-Jahre-Familienfilm-Kiste (ich tippe mal auf irgend einen Dreck mit Hansi Kraus oder Rudi Carrell). In ihrer letzten Szene verabschieden sich Jennifer und ihre Eltern unter großer Tränenausschüttung voneinander. Während Silke und Holger nach Norddeutschland zurückkehren, lassen sie ihre Tochter in Schwaben,es sind also vermutlich auch ein paar heimliche Lachtränen mit dabei… Martin kriegt dabei leider kein angemessen trauriges Gesicht hin, seine mimische Kernkompetenz liegt eben beim schiefen Dauergrinsen, nichts zu machen.

    Martin und Jenny sind ein ziemlich merkwürdiges Paar, besonders er, aber das merken sie bestimmt nicht, denn als damals das Aufgewecktheitsgen verteilt wurde, haben offensichtlich beide nicht besonders laut “hier!” geschrien. Martin ist ein bedauernswerter Grenzfall, der muss eigentlich froh sein, überhaupt eine Braut abgekriegt zu haben, die keinen Zettel am Zeh hat. Daher ahne ich hier mal einen weiterhin positiven Ablauf der ganzen Geschichte, gebe also passenderweise einen Grinsesmiley :-)

    Das Thema “undürre Menschen” verfolgt uns weiter, jetzt geht es wieder nach Hessen zum “kräftigen” Schafsbauern Marcel. Zusammen mit seiner Katja, die ausnahmsweise normalgewichtig zu sein scheint, widmet er sich heute der Wollproduktion, soll heißen: Die Schafe müssen geschoren werden. Das sieht alles ziemlich brutal aus, wie Marcel die kleinen Tiere bei seinem Kumpel, dem Tierfrisör, auf den Drehtisch knallt und der die Viecher dann ohne viel Federlesens nackig macht. Katja kriegt die kurze Anweisung, einen der Schafsböcke nach der Schur wieder in sein Gatter zu bringen. In Ermangelung einer besseren Einweisung setzt sie sich dann mehr oder weniger auf das arme Geschöpf und zieht es mit Gewalt zurück in den heimischen Stall. Marcel hatte seine Befehle vermutlich bewusst etwas im Unklaren gelassen und scheint sich auch heute an der Unerfahrenheit seiner Braut zu ergötzen. Im Interview, das er in der Uniform aller BsF-Landwirte gibt, dem grobgemusterten Karohemd, freut er sich erkennbar über Katjas “Tolpatschigkeit” und “Unbeholfenheit”.

    Hinterher probieren die RTL-Schreiberlinge mal eine ganz neue Idee aus, es gibt eine Kanufahrt. Woher die wohl ein zu Marcels Maßen passendes Boot bekommen? Egal, zwar fallen die beiden nicht in den Bach, aber es gibt wegen einiger ungeplanter Begegnungen mit Hindernissen im Fluss viel Gelache von Katja. Etwas nervig, die Frau. Wenn ich so überlege, hätten die beiden vor der Kamera doch wenigstens mal eine Eskimorolle versuchen können, vielleicht hätte das aber andererseits auch Überschwemmungen verursacht, man weiß es nicht…  Nach der erfolgreich überlebten Schiffstour reden die beiden etwas beiläufig, fast emotionslos über ihre Zukunft. Ja, man will tatsächlich zusammen bleiben! In ihrer letzten Szene greifen Marcel und Katja ein altes Thema vom italienischen Pseudobauern Maurizio aus der letzten Staffel auf: Das Übernachtung unter freiem Himmel. Marcel hat dazu weit draußen vom Fernsehteam ein Zelt aufbauen lassen mit integrierter Luftballontraube und brennendem Lagerfeuer. Katja gibt sich becirct und erweckt den Eindruck, hier geht noch etwas. Übrigens ist hier heute keiner auf den naheliegenden Spruch vom “Schäferstündchen” gekommen…

    Zeitsprung, ein paar Monate später, der erste Raureif liegt auf den hessischen Dächern: Marcel hat das RTL-Team wieder gerufen, er ist nämlich endlich bereit, seiner Braut die alles entscheidende Frage zu stellen! Der runde Bauer will im Kreise seiner Schafe (!) und im Karohemd (!!!!) feierlich um Katjas Hand anhalten. Warum auch immer, sie sagt jedenfalls ja, heult sich dann die Augen aus und beschert uns damit einen weiteren positiven Smiley. :-)

    Auch im Odenwald herrscht Romantik pur, Biobauer Johannes bekommt seine Anja zurück. Dem Strickmuster dieser Staffel folgend, ist Letztere zwar auch ziemlich rund, jedoch ist das nur temporär, denn die Blondine ist bekanntlich schwanger. Allerdings kann sich RTL das werdende Kind nicht als Erfolg auf die Fahnen heften, denn Johannes hatte da seine Finger – oder was auch immer – nicht im Spiel, das Kind entstammt einer anderen Beziehung. Nichtsdestotrotz will der Biobauer an der sich harmonisch entwickelnden Beziehung zu Anja festhalten und freut sich sogar auf den Nachwuchs. Er selbst hätte da übrigens auch noch eine kleine, etwas ähnliche Sache zu beichten, mal sehen, ob er das heute endlich hinkriegt…

    Zunächst plant man nun aber die Verteilung der Räumlichkeiten, insbesondere für den anstehenden Nachwuchs muss gesorgt werden. Johannes liegt vor allem eine Verbesserung der Isolierung der Hauswände am Herzen, hier könne es im Winter nämlich ziemlich kalt werden, erklärt er seiner Freundin. Anja kann sich das zum Zeitpunkt der Aufnahme, höchstens Spätsommer, bestimmt noch nicht vorstellen. Aber wenn ich jetzt aktuell mal aus dem Fenster auf die tief verschneite Winterlandschaft sehe, hoffe ich sehr, Johannes hat seinerzeit die Planung in die Tat umgesetzt. Apropos Nachwuchs, nun endlich sieht das Drehbuch die Zeit für gekommen, dass Johannes seiner Holden beim Kaffeetisch verklickert, dass auch er vor kurzem – ohne Anja – mit der aktiven Familienplanung begonnen hat und seine Ex ein Kind von ihm erwartet. Bei seiner aktuellen Freundin hält sich die Begeisterung über diese Neuigkeit in überschaubaren Grenzen, Anja ist direkt sprachlos. Vielleicht dachte die 28jährige Lageristin bisher, sie sei die erste Frau im Leben des Biobauern? Auf jeden Fall ist dieses kleine Geheimnis finanziell nicht ganz unbedeutend, Johannes wird für sein eigenes Kind wohl Unterhalt zahlen müssen. Nach ein paar Minute hat sich Anja wieder gefangen und sie akzeptiert diese neue Wendung offensichtlich. Ganz klar, hier gehört auch ein Grinse-Gesicht hin. :-)

    Nachtrag (21.12.2010): Die Bildzeitung, das Zentralorgan aller Wahrheitsliebenden, berichtet dazu in ihrer heutigen Ausgabe, dass unser lieber Biobauer Johannes charakterlich wohl doch ein paar Webfehler aufweist. So hat er angeblich seine geschwängerte Freundin nur wegen der Aussicht verlassen, seine Visage in die RTL-Kamera halten zu können. Das Versprechen, nach der Filmerei wieder zu seiner Freundin zurückzukommen, hat er ganz offensichtlich nicht eingelöst, sondern ist mit Anja zusammen geblieben. Letztere ist inzwischen Mutter einer Tochter geworden, wie man dem Artikel ebenfalls entnehmen kann.

    Der Picknickkorb ist so etwas wie der Wanderpokal dieser Serie, immer muss eines der Pärchen mit dem ungeliebten Utensil draußen eine Mahlzeit zu sich nehmen. Jedes Mal behauptet Inka aus dem Off, das tolle Wetter habe den jeweiligen Bauern zu dieser originellen Idee inspiriert. Und genau so regelmäßig sieht das Wetter in Wirklichkeit grau und kühl aus, aber das Drehbuch ist unerbittlich. Diesmal hat Volker aus dem platten Ostfriesland die glorreiche Eingebung, er und Verena könnten sich am letzten gemeinsamen Tag ihrer Hofwoche doch mal zwecks Verzehrs von Lebensmitteln mit einer alten Wolldecke auf den windigen Nordseedeich setzen. Die Dialoge kommen genau so authentisch daher: “Magst Du ‘ne Traube?” Die bayerische Schuhverkäuferin gibt sich trotzdem schwer verliebt, Volker käme ihrem Traummann “schon sehr nahe”. Auch Volker brabbelt dauernd was von wegen ihrer tollen Augen, in die er schon beim Lesen des Bewerbungsbriefs verschossen war. Lt. Inka kann sich der Ostfriese – nach nur einer Woche – ein Leben ohne seine Verena nicht mehr vorstellen. Die beiden verabreden schon gleich ihre Rückkehr und den permanenten Umzug nach Norddeutschland. Im Hintergrund dröhnt 80er-Ikone Jennifer Rush mit “The Power of Love”. Recht emotional sagen sich die beiden am (weggepixelten) Bahnhof Adieu, aber wie gesagt, wird das nur von kurzer Dauer sein, das Happyend erscheint auch hier unabwendbar. :-)

    So, das waren nun also die noch aktiven Bauern,was aber sagt Inka zu den Kandidaten, deren Hofwochen schon länger vorüber sind?

    Da fällt uns zunächst die herrliche Oberlausitz ein, die Schauplatz der Streitereien zwischen dem fossilen Gerhard und seiner Erstbesetzung Barbara wurde. Wir erinnern uns, Barbara hatte Gerhard vor die Wahl gestellt: “Deine Teppiche oder ich!” und der Bauer hatte sich weise für das nächstliegende, nämlich den Fußbodenbelag, entschieden. Danach hatte RTL ihm Sigrun als Backup-Frau auf den Hals geschickt, die aber in jeder Beziehung besser passte. Sicherlich ist das keine ganz große Liebesromanze, aber für ein solides “Vielleicht” reicht es doch. :-|

    In der Eifel wurden wir Zeugen, wie das Leben von Schäfer Lämmes von der gelernten und tätowierten Fleischwarenverkäuferin Moni auf den Kopf gestellt wurde. Die Frau überzeugte mit ihren Kochkünsten (Stichwort “Spätzle”) sogar Lämmes Mutter – damit scheint einem dauerhaften Verbleib von Moni in der Eifel nichts mehr im Wege zu stehen. Achja, auch nicht ganz unwichtig: Lt. Inka hat der Schäfer seine Braut fest ins Herz geschlossen. Also: :-)

    “Im Sauerland ist’s auch ganz schön.” Diese alte Weisheit von Bundespäsident Heinrich Lübke (im Angesicht des indischen Tempels Taj Mahal geäußert!) stimmt noch immer. Hier hat nämlich die Romanze zwischen dem früh verzweifelten Jungbauern Lukas und seiner Flamme Stina begonnen,die durch das unerbittliche Drehbuch vorübergehend getrennt wurde. Also wenn das nicht eine echte, unsterbliche Liebesgeschichte wird, dann weiß ich auch nicht. :-)

    Wir landen schließlich beim Schweinebauern Harald im schönen Frankenland. Auf seinen Hof hatte sich die Kubanerin  Janet verirrt, wohl in der Hoffnung, auf Narumols Planstelle als rudimentär Deutsch sprechende Exotin punkten zu können. Bei Harald hat das vielleicht auch zunächst geklappt, der war ja nunmal auch unerfahren und verzweifelt. Allein bei der Nachhaltigkeit dieser Beziehung habe ich so meine Zweifel. Ich ahne mal, dass das Interesse von Janet so schnell erlischt wie die Scheinwerfer, wenn das Fernsehteam einpackt. So leid es mir auch für Harald tut, hier gebe ich gefühlsmäßig mal einen Negativ-Punkt. :-(

    Insgesamt kommen wir damit auf sieben :-) und je ein :-| und :-( . Eine Wahnsinnsbilanz für Inka Bause und ihr doch schon reichlich abgenudeltes Sendeformat. Und wenn meine Theorie stimmt, dass die Moderatorin für jedes erfolgreich verkuppelte Paar eine Fangprämie kassiert, dann kann – und sollte – sie sich jetzt erst mal ein wenig auf die faule Haut legen.

    Aber womit ist diese Harmoniehäufung wohl zu erklären? Vielleicht liegt es an der Gemütlichkeit, die dicke Menschen (und Typen mit Karohemden) ausstrahlen. Und diese Staffel war auffällig voll von Leuten mit einem BMI jenseits der 30. Die können natürlich nicht mehr so schnell weglaufen und sind vielleicht auch insgesamt schon viel verzweifelter als Normalgewichtige. Außerdem kann man als Zuschauer besser über sie lachen, oft reicht schon allein der Anblick eines solchen Wonneproppens,wie er oder sie sich aus dem Trecker schält oder die entsetzt auseinanderstiebenden Kühe, wenn ein Menschenklopps die Wiese betritt. Ich möchte meinen Ausführungen noch die wissenschaftlich bislang unbewiesene Theorie hinzufügen, dass von der häufigen Darstellung von Menschen und Bauern in Karohemden ebenfalls eine gemütliche, verharmlosende und einlullende Wirkung ausgeht.

    Wie auch immer, der sensationelle Erfolg dieses eher einfältigen Sendeformats ist insgesamt schwer zu erklären, insbesondere im Hinblick auf die scheinbar einem Poesiealbum entsprungenen Moderatorin Inka Bause. Manche Dinge muss man aber auch gar nicht erklären, die bleiben halt mystisch und machen das Leben damit ein bisschen aufregender. Wollen wir hoffen, dass sich auch im nächsten Jahr genügend (echt und gefühlt) Kontaktgestörte bei RTL melden, damit es im Herbst im Fernsehen und hier bei Mülltv wieder heißt: “Bauer sucht Frau”.

    Bis denne!

    P.S.: Soweit ich weiß, läuft am 27.12.2010 ein Bericht über die Hochzeitsreise von Josef und Narumol in die Heimat der Braut. Ein hinterwäldlerischer Bayer in Thailand, wenn das man nicht nach Fremdschämpotenzial riecht… Falls dabei etwas für unseren Blog abfällt, melde ich mich spontan wieder, versprochen!

  • Liebe Mitleser,

    langsam, ganz langsam heißt es Abschied nehmen von den töffeligen Landwirten, die uns Inka Bause und ihr Heimatsender RTL Woche für Woche zum Begaffen vorsetzen. Und vor dem großen Finale in der nächsten Woche geben die Bauern heute noch einmal alles… alles, was im Drehbuch steht.

    Die krudeste Story hat auch in dieser Woche wieder Martin abbekommen. Der pathologisch schüchterne Rinder- und Gemüsebauer aus dem idyllischen Schwaben hat, so behauptet Inka aus dem Off, die Nacht bei seiner Flamme Jennifer im Gästebett verbracht. Ist also tatsächlich genau das passiert, was ich nach der ekligen Massage in der letzten Woche schon vermutet hatte? Buäh, das kann man eigentlich kaum glauben, zumal das Fernsehteam die ganze Zeit dabei gewesen zu sein scheint. Immerhin busseln die beiden morgens unter ihren (zwei) Laken herum und der Bauer grinst bis zur Gesichtslähmung. Ich mag mir nicht vorstellen, was da vorher passiert ist, hoffentlich gibt es gleich appetitlichere Szenen, z.B. von der Gülleproduktion oder meinetwegen auch von plattgefahrenen Igeln. Stattdessen zeigt uns RTL, wie sich die beiden “Turteltauben” aus ihrem “warmen Nest” quälen, was bei der drallen Jenny optisch eher einem Stapellauf gleicht. Selbst im Badezimmer können die beiden nicht voneinander lassen. Martin beim Zähneputzen zuzusehen, wie ihm der Zahnpastaschaum aus dem Mund tropft, ist ein ganz besonderes Vergnügen, auf das ich gern verzichtet hätte.

    Die nächste Szene der tappsigen Beziehungsnovizen ist mal wieder komplett durchchoreografiert. Jennifer sitzt draußen in einem zitronengelben hautengen T-Shirt in der Sonne und frönt ihrem (bis zur letzten Nacht) Lieblingshobby, dem Malen nach Zahlen. Angesichts der schnell ablaufenden Zeit auf dem schwäbischen Bauernhof will sie unbedingt noch ein wichtiges Pferdegemälde aus der Kinderkitschabteilung zu Ende pinseln. Doch wie gemein, Martin hat andere Pläne: Er hat überraschend eine Kutsche kommen lassen und lädt seine Herzallerliebste zu einer kleinen Rundfahrt ein. Der Wagen schwankt bedrohlich, als sich die partout nicht untergewichtige Bächereifachverkäuferin auf der Sitzbank niederlässt und die armen Pferdchen mit qualmenden Hufen das Gefährt mühsam auf Touren bringen. Eng umschlungen hockt das verliebte Paar, lässt sich durch die von RTL bis zum Horizont täuschend echt nachgebaute Bilderbuchlandschaft kutschieren, kriegt davon aber gar nichts mit, denn lt. Drehbuch müssen sie schon wieder orale Körperflüssigkeiten austauschen. Später sitzen sie dann irgendwo in der Pampa auf Martins Lieblingsbank und unterhalten sich. Die Dialoge sind größtenteils untertitelt, es dreht sich aber um die gemeinsame Zukunft der beiden. Offenbar soll Jenny zu Martin auf den Hof ziehen, Kinder wollen sie auch noch haben und dann in Ruhe zusammen alt werden. Wenn das jetzt tatsächlich eine festere Beziehung wird, würde ich an Martins Stelle aber noch mal einen Statiker zu Rate ziehen, das Bauernhaus sah nämlich hier und da schon etwas altersschwach aus und ist bestimmt nur an halbe Portionen wie unseren rinderzüchtenden Gemüsebauern gewöhnt.

    Martins dominante Mutter Hilde stellt Jenny ein gutes Zeugnis aus und würde sich freuen, wenn die Niedersächsin später wieder – und dann für immer – auf den schwäbischen Hof zurückkäme. Martin und Jenny verabschieden sich am Bahnhof tränentriefend voneinander, aber Spielregeln sind Spielregeln und die runde Frau muss nun weg.

    Auf nach Hessen, einem der wunderschönsten Bundesländer in Inka Bauses Bauernwelt. Hier hat der füllige Marcel in der letzten Folge die blonde Katja eingefangen und in eine Umlaufbahn um seinen elterlichen Hof gezwungen. Auch in seinem Fall holen sich die Drehbuchautoren ihre Inspiration offensichtlich bei der Einnahme verschreibungspflichtiger Betäubungsmittel. Ihr neuester Einfall ist der Blumenstrauß, mit dem Marcel seine Freundin am Bett weckt; die zugehörigen Dialoge sind genau so künstlich. Katja beim Blick auf die Blumen: “Das ist ja süß, machst Du das jeden Morgen?” Er: “Wenn Du das möchtest, bringe ich Dir jeden Morgen Blumen ans Bett.” Mann, wenn ich so einen Bullshit sehen wollte, würde ich mir Rosemunde-Pilcher-Filme im Gerontenkanal ZDF ansehen. :-) Hinterher wird eine Szene aus der 70er-Jahre-Kult-Familienserie “Waltons” nachgespielt, als Katja zum Frühstück in die Küche kommt und dort neben Marcel (im Karohemd) noch Mami, Papi (auch mit Karohemd) und Opa (mit Karohemd und Hosenträgern) am Tisch hocken, wie die Hühner auf der Stange. Sie beäugen ihre potenzielle neue Hausgenossin neugierig und die Mami stellt dann die wichtigste Frage zuerst: “Kannst Du denn auch kochen?” Als Katja dies bejaht und dann behauptet, nebenher auch noch backen zu können, ist die Erleichterung groß, denn Marcel, der kleine 150kg-Wonneproppen, futtert überraschenderweise für sein Leben gerne Kuchen, wie Mami offenherzig in die Kamera posaunt. Dann wirft sie, an die Blondine gewandt, einen unschlagbaren Köder aus: “Wenn Du noch einmal wieder zu uns auf den Hof kommst, mache ich Dir meinen leckeren Schmandkuchen.” Das sollte ja wohl als Verlobungsgrund allemal ausreichen, gell? Marcel spielt den Empörten: “Ja werde ich da denn gar nicht mehr gefragt, macht ihr das unter euch Frauen allein aus?” Wie gesagt, der Text klingt wie abgelesen, so spricht keine normale Familie am Frühstückstisch, aber dass bei BsF irgend etwas normal ist, hat ja auch keiner behauptet.

    Nach dem Frühstück kommt nun aber der harte Teil des Tages: Unter den Klänge von Gitti und Erikas Idiotenhymne “Heidi” muss Katja den Ziegenstall ausmisten. Das Zusehen scheint dem runden Bauern offenbar ungeheuer viel Spaß zu machen, dabei könnte er ruhig mal mithelfen, der karierte Sack. Er freut sich diebisch daran, dass sie ihre rosa Turnschuhe mit den Hinterlassenschaften der stinkenden Viecher einsaut. Als sie völlig fertig innehält, verkündet Marcel ungerührt und feist lächelnd, diese Prozedur müsse nun wöchentlich wiederholt werden. Katja ist stehend k.o. und ihr ist wohl übel vom Gestank der Tiere und Bauern, dennoch zwingt Marcel sie nun auch noch, eine der Ziegen zu melken, was ihr sichtlich schwer fällt. Es ist für mich ein völliges Rätsel, dass dieser attraktive und umgängliche Mann noch nicht unter der Haube ist, das ist doch ein echtes Juwel, nach dem sich jede halbwegs normale Frau die Finger lecken würde… Natürlich erst, wenn alle anderen Männer (ausgenommen Grinse-Martin) gestorben sind. ;-)

    Marcel scheint die Szene im Ziegenstall gut gefallen zu haben, man sei sich näher gekommen, meint er beobachtet zu haben. Ich würde mal sagen: Katja ist nur nicht weggelaufen, mehr war da nicht. Hinterher bietet der Bauer seiner Sklavin Freundin ein Glas euterwarme Ziegenmilch an, doch seine Herzdame schüttelt sich und verweigert das Geschenk. “Mein Opa ist damit aber groß geworden”, behauptet Marcel, worauf ihm Katja kess antwortet: “Ich will aber nicht so groß und haarig werden, wie Dein Opa!” Schöner kleiner Dialog und offenbar sogar frei improvisiert.

    Später hockt sie in der Küche mit der Fast-Schwiegermutter beim Schnapps zusammen und heckt den Plan für die nächsten Tage aus. Dann nimmt sie einen vorbereiteten Picknickkorb und geht damit aufs Feld zu Marcel, damit dieser obligatorische Programmpunkt jeder Hofwoche endlich abgehakt werden kann. Das Ganze geht unspektakulär über die Bühne, Gott sei Dank hat man auf die sonst übliche Badeszene verzichtet, vermutlich konnte man keinen ausreichend großen Teich finden…

    Im malerischen Odenwald besprechen der ehemals bärtige Biobauer Johannes und seine (nicht von ihm) schwangere Freundin Anja beim Frühstück nichts weniger als ihre weitere Lebensplanung, denn die so genannte Hofwoche neigt sich ihrem Ende zu. Kurz gesagt: Sie soll mitsamt Pferd und Katze und dem im Bau befindlichen Nachwuchs zu ihm auf den Biohof ziehen, die Box (für das Pferd) sei immer frei. Die nächsten Kinder möchte Johannes dann aber schon selbst machen, stellt er nebenbei klar. Und damit sie ihn nicht vergisst, schenkt ihr der Bauer eine goldene Halskette mit springendem Pferdchen, vermutlich irgendwo aus dem GZSZ-Fundus.

    Als Abschiedsgeschenk will Johannes für seine Anja einen Schafskäse herstellen – das ist für ihn und den zuständigen Skriptautoren auch eine Premiere. Der Biobauer hat dazu ein antikes Rezept hervorgezaubert, kommt aber zunächst mit der Dosierung der Labessenz zur Eiweißgerinnung nicht zurecht. Schließlich kippt er aufs Geratewohl ein paar Schlucke hinein und sofort klumpt die Milch im Topf. Das gelblich-weiße Gebräu mit den darin schwimmenden Brocken sieht in seiner Konsistenz so richtig schön ekelig aus, etwa so, wie das Abendbrot, wenn es beim versehentlichen Zappen auf eine Volksmusiksendung mit Florian Silbereisen halbverdaut wieder zum Vorschein kommt… :-)

    Der Abschied wird dann herzlich und ist wohl auch nur für kurze Zeit. Begleitet von einem frühen Epos der Kelly Family (“David’s Song”) steigt Anja in den Zug. “Pass gut auf – auf Dich… und auf das Baby!”, ruft ihr Johannes noch hinterher, dann schließen sich die Türen und ihre Hofwoche ist definitiv vorbei.

    Und es geht noch einmal nach Nordhessen, einem offenbar so hässlichen Landstrich, dass nicht einmal die RTL-Phrasenschmiede ein passendes Attribut zusammenlügen konnten, also lässt man es einfach weg. Hier hausen der Ackerbauer Willy und neuerdings auch seine Eroberung Rosi, die lt. Inka zusammen passen wie Topf und Deckel – ich ahne mal, wer von den beiden der Topf ist… Dieses Paar ist irgendwie nicht totzukriegen, obwohl die Hofwoche schon sei Äonen vorbei ist. Nachdem das Fernsehteam die resolut-rundliche Rheinländerin vor drei Wochen eigentlich schon glücklich ins Taxi geschoben hatte, erschien sie vor 14 Tagen erneut auf der bäuerlichen Bildfläche und hat sich bisher auch nicht wieder vertreiben lassen. Ihr Attentat auf den Cholesterinspiegel der Nachbarn (-Darsteller) mittels Einflößung von Nudelsalat in der letzten Woche hat ebenfalls nicht zum Visum-Entzug geführt.

    In dieser Woche nun wird der Trecker gewaschen, hat Rosi beschlossen. Einen Eimer in der Hand und den Bauern im Schlepptau, marschiert sie über den Hof. In Windeseile hat man das völlig versiffte Fahrzeug eingeseift, offenbar das erste Mal seit der Adenauer-Zeit. Zum Feierabend (der Tag scheint nur aus Treckerputzen zu bestehen) zeigt Willy seiner Rosi endlich mal das heimische Dorf, das mit den vielen gemütlichen Fachwerkhäusern bei näherer Betrachtung eher einer kleinen Stadt gleicht. Mit dem Instinkt eines Trüffelschweins findet die Imbissköchin sogleich eine Konditorei mit Tischen auf der Straße und zwängt sich in einen der Stühle. Passt genau, vielleicht sollte sie nun aber nichts mehr essen, sonst bleibt sie nachher noch im Stuhl hängen. Wie auch immer, jedenfalls will Rosi heute mal über die Familienplanung reden. Aus einer früheren Ehe hat sie schon einen Sohn, ist nun Mitte 40 und glaubt, ihren Beitrag zum Fortbestehen der Menschheit damit bereits geleistet zu haben. Ob der Bauer sich vorstellen könne, mit ihr ohne eigene Kinder zusammenzuleben? Jau, kein Problem, er ist ja nun selber auch nicht mehr direkt taufrisch (49) und hat diesbezügliche Pläne mangels Gelegenheit vermutlich sowieso schon lange in der Schublade verschwinden lassen. Gut, dass man drüber gesprochen hat, nun kann man sich endlich wieder voll und ganz der Kalorienzufuhr widmen.

    Das geht dann auch noch zum Abendessen weiter, das Rosi wieder Zuhause zubereitet. Wurst in Herzform, das ist mal eine ganz neue Idee. Der Bauer zieht sich ein weißes Hemd an, die Imbissbräterin ein schwarzes T-Shirt und dann genießen sie zusammen die “romantische Brotzeit”. Zwischen den Bissen gestehen sich Rosi und Willy gegenseitig ihre Liebe – ohne Wenn und Aber. Mannomann, fast ein bisschen zu viel Harmonie diesmal.

    Was ist eigentlich bei Volker und seiner bayerischen Verena im schönen Ostfriesland los? Nun, die Milchkühe melken sich heute offenbar mal allein und geben den beiden Liebenden Gelegenheit, einen Ausflug ans Meer zu machen. Allerdings ist das Meer selbst auch gerade unterwegs, es herrscht nämlich Ebbe und das Watt liegt trocken. Eine Supergelegenheit, sich einmal wie ein Schwein von oben bis unten mit Schlick einzusauen, das findet auch Volker, nimmt seine Verena bei der Hand und stiefelt mit ihr durch den tiefen Matsch, der ein paar Stunden zuvor noch Meeresboden war und in ein paar Stunden auch wieder sein wird. Viel Sinnvolles passiert hier heute nicht und am Ende sind beide Protagonisten komplett verdreckt.

    Abends hat Volker dann ganz selbstlos eine kleine Massage für Verena geplant. Sie legt sich auch bereitwillig hin, allerdings kriegt der Ostfriese das Öffnen ihres BH zunächst nicht auf die Reihe. Die Kamera blendet kurz weg, der Regisseur hilft wohl und in der nächsten Szene ist der Bauer schon beim Durchkneten seiner Traumfrau. Mit einem Gutenachtkuss verabschiedet er sich dann von ihr und die Folge geht unspektakulär zu Ende.

    So, das war es für diesmal, nur noch eine Woche, dann kommt das große Finale und wir ziehen Bilanz. Mit neun Bauern ist Inka diesmal gestartet und ihre Erfolgsquote scheint verdächtig hoch. Vermutlich nimmt sie seit den Reinfällen der letzten Staffel nur noch Extremfälle auf, die garantiert und auf jeden Fall so verzweifelt sind, dass sie einfach JEDEN Partner akzeptieren… ;-)

    Bis denne!

  • Hallo Leute,

    bei Peter Zwegat geht es nun zum zweiten – und hoffentlich letzten – Mal nach Delmenhorst. Hier hatten wir in der Vorwoche drei bemerkenswerte Deppen (O-Ton Zwegat) kennen gelernt, die Anfang 2010 zusammen eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet und inzwischen restlos vermurkst haben. Die drei handeln dabei getreu dem Orwell’schen Motto aus dem Roman “1984″ Unwissenheit ist Stärke – und in diesem Sinne sind sie bärenstark!

    Wer geglaubt hatte, was der RTL-Teaser am Ende der letzten Folge für diesmal suggerierte, nämlich dass die GbR-Menschen auch noch ihren Restbestand an gesundem Menschenverstand in die Erdumlaufbahn schießen und dabei spektakuläre Katastrophen produzieren, sieht sich getäuscht. Etwa so, wie sich Kinder ärgern, wenn die Feuerwehr einen schönen Brand zu früh löscht, so kann man Zwegat vorwerfen, uns diesmal etwas um den Spaß gebracht zu haben, denn er zieht sozusagen den Docht aus der ganzen Sache. Nichtsdestotrotz ist Manuel, Jessica und Stephan ein Platz im ewigen Olymp des Fremdschämens sicher, nämlich als wohl dümmste Klienten, die Peter Zwegat jemals zu betreuen hatte. Doch seht selbst…

    Die letzte Folge endete mit den extrem ratlosen Gesichtern der drei GbR-Mitglieder, als nämlich Peter Zwegat ihnen ihre Einnahmen und Ausgaben vorrechnete und dabei zu dem überraschenden Ergebnis kam, dass scheinbar gut 1.200 Euro im Monat Überschuss gemacht werden. Das konnte nun beim besten Willen nicht angehen, denn die drei Ahnungslosen nagen ja sozusagen am Hungertuch. Ergo fehlten da noch Ausgabeposten oder die Einnahmen stimmten nicht oder was auch immer. Fazit: Keiner weiß was, niemand hat den Überblick, es herrscht Chaos. Und über allem hörte man das fassungslose Schnauben von Peter Zwegat, der sich maßlos darüber ärgerte, wie achtlos diese Nichtsnutze mit seiner kostbaren Lebenszeit umgingen.

    Die heutige Folge beginnt unmittelbar danach, wir bleiben an Zwegats liebstem Folterinstrument, der Flipchart. Der Meister hat nämlich DOCH schon einen ersten Eindruck von den Schulden der Bande! Superprofessionell und gnadenlos raffiniert wie er ist, hat er einfach die ihm hingeworfenen Rechnungen und Mahnungen addiert. Das ist ein Trick, den man erst nach einem ordentlichen BWL-Studium und 20 Jahren Berufserfahrung beherrscht, so etwas kann man von unseren drei Baumschulabsolventen natürlich nicht erwarten.

    Okay, Ladies first, fangen wir an bei Jessica. Sie schätzt ihre privaten Außenstände auf 5.000 bis 6.000 Euro. Zwegat überrascht sie, wenn auch unangenehm, mit 12.000 Euro. Ungläubiger, nervöser Blickwechsel mit ihrem Freund und Lebenspartner Manuel. Ha, das ist noch nicht alles, einen hat Zwegat noch im Ärmel: Dazu kommen noch 5.400 Euro Schulden der GbR. Macht also zusammen 17.400 Euro. Allein auf die Deutsche Telekom entfallen davon 6.350 Euro, wie man so etwas hinkriegt, ist mir echt schleierhaft, telefoniert die denn den ganzen Tag oder surft etwa im Internet?

    Nun ist die Reihe an Manuel, der rein äußerlich auf mich immer einen etwas zermatschten Eindruck macht, so als würde er gelegentlich mal gegen eine Wand laufen. Der 28jährige Chefmanager des Delmenhorster Weltkonzerns ist durch Jessicas großzügige Schuldenvermehrung mutig geworden und legt sich in seinem Fall auf 50.000 Euro Miese fest. Wie immer fehlt ihm auch hier der Durchblick! Und genau wie bei seiner Freundin, schießt der Posten “Deutsche Telekom” den Vogel ab: Hier hat “Manu” noch einen offenen Deckel von 26.800 Euro, verteilt auf 19 verschiedene Aktenzeichen!!! Er verdreht die Augen nach hinten und begegnet dem respektvollen Blicke seiner Freundin. Alle Achtung, noch etwas mehr und René Obermann bringt ihm persönlich die goldene Rechnung vorbei. Die 19 Aktenzeichen deuten, vorsichtig ausgedrückt, darauf hin, dass hier nicht alles ohne Beschiss gelaufen ist – und so etwas kann Peter Zwegat, der ohne Honorar und nur für Luft und Liebe arbeitet, nun gar nicht leiden. Gnadenlos addiert er weiter und kommt inklusive der GbR-Schulden auf einen Gesamtbetrag von 85.200 Euro bei 105 Gläubigern mit zusammen 151 Forderungen. Und dabei fehlt noch der unsortierte Zettelkasten, den Zwegat sich in der letzten Folge zu bearbeiten geweigert hatte.

    Weil Manuel noch nicht schluchzend am Boden kauert, tritt der humorige Berliner noch einmal nach: “Von ordnungsgemäßer Buchführung kann bei Ihnen keine Rede sein, die Buchhaltung sieht aus wie neulich Ihr Badezimmer.” Und wie das aussah, werden wir Außenstehenden bestimmt nicht so schnell vergessen, man denke nur an die Badewanne, in der sich ein Berg mit Schmutzwäsche halb bis zur Decke stapelte. Man roch den Siff fast aus dem Fernseher. Aber nein, der Chef weint immer noch nicht, nächster Versuch von Zwegat: “Was mir auch Bauchschmerzen macht, sind die vielen Bestellungen, bei denen man vielleicht einen Betrug konstruieren könnte.” Manu bleibt teilnahmslos: “Dann geh’ch’n’ Knast.” Im nächsten Moment überlegt er laut, den Betrag durch die Gewinne der GbR abzuzahlen. “Das ist nicht ihr Ernst, wie wollen sie denn 80.000 abzahlen?”, fährt ihm der Schuldnerberater brüsk über den Mund. Hinterher verklickert Zwegat das für uns Zuschauer noch einmal mit einer plastischen Analogie: “Herr B. verkennt die Situation, der Kahn der GbR ist nicht nur leck, der ist schon gesunken! So viel Geld lässt sich nicht einfach abarbeiten, ich bin schon froh, wenn ich hier eine saubere Insolvenz hinkriege.” (Über Stephans Schulden wird übrigens gar nicht gesprochen!)

    Ein paar Tage später, das Fernsehteam ist rein zufällig gerade am Drehen, bekommt die GbR Post: Ein großer Kunde hat einen fetten Auftrag in Aussicht gestellt. Es geht um eine Schwimmbadreinigung größeren Ausmaßes mit einer fünfstelligen Umsatzerwartung, aber Chefstratege Manuel muss das erst mal in Ruhe durchkalkulieren (“da sitze ich die nächsten zwei Tage rund um die Uhr dran”). Offensichtlich hat er Zwegat nicht richtig zugehört und glaubt noch immer, er könne “mit Bordmitteln” die drohende Pleite aufhalten. Abgesehen davon läuft mir ein Schauer den Rücken herunter, wenn ich mir vorstelle, dass so ein Reinigungsauftrag ausgerechnet von diesen drei Experten übernommen werden soll, die in ihrer Wohnung die Geschichte der Hygiene mal eben glatt um 200 Jahre zurückgeworfen haben und bei denen es vermutlich mehr Ungeziefer gibt, als in der RTL-Dschungelshow.

    Der schnell fortschreitende Realitätsverlust ist dann wohl auch Ursache der nächsten Szene: Manuel fühlt sich durch die drohende Insolvenz beflügelt, den lang gehegten Traum von einem Haus im Grünen in die Realität umzusetzen. Schon bisher wohnten Manuel und Jessica – und eine Straße weiter auch Stephan – nur in Delmenhorst, das hier etwas wirkt, wie der Planet Tatooine in der Star Wars Saga: “Wenn die Galaxis ein großes, leuchtendes Zentrum hat, dann ist dies die Welt, die am weitesten davon entfernt ist.” Jetzt aber wollen die drei Hartz-IV-Empfänger zusammen ein viel zu großes, etwa 20 Kilometer entfernt völlig einsam im Wald liegendes Häuschen mieten, weiß der Teufel, warum und mit welchem Geld. Der sprachlich etwas verunglückte Kommentar von Manuel, dem Gehirn der Truppe, sagt eigentlich alles:  “Wenn wir die Firma weitermachen können, haben wir hier viel mehr Platz und wenn nicht, haben wir hier viel mehr Freizeitaktivitäten”. Vor allem viel mehr Platz zum Vollmüllen, würde ich mal sagen… :-)

    Wenn es um das Kassieren von Sozialhilfe geht, ist Manuel doch überraschend gut informiert. Er geht zur Delmenhorster ARGE und bittet um einen Zuschuss für den Umzug in das Hexenhaus im Wald. Den kriegt er auch tatsächlich, was mich zunächst erstaunt. Hinterher allerdings nicht mehr, denn im weiteren Verlauf der Sendung wird klar, dass die drei Sozialhilfeempfänger damit aus der kreisfreien Stadt Delmenhorst nach Ganderkesee im Landkreis Oldenburg übersiedeln, zukünftig also einer anderen Kommune auf der Tasche liegen. Wäre ich für die Finanzen von Delmenhorst zuständig, würde ich Leuten wie Manu, Jessi und Stephan auch dafür Geld geben, dass sie aus meiner Stadt verschwinden.

    Mit knapp 100.000 Euro Pleite zu gehen, reicht Manuel offenbar noch nicht, jetzt fährt er größere Geschütze auf: Er hat aus einer dubiosen Quelle ein Kreditangebot über 250.000 Euro erhalten. Das müsste allerdings, so die kleine Nebenbedingung, über Stephan laufen, denn dem droht ja bekanntlich als einzigem GbR-Mitglied noch keine Kontenpfändung. Großkotzig wedelt Manuel mit dem Schreiben und gibt Stephan bis morgen Früh Zeit, darüber nachzudenken. Netter Typ, will mal eben seine fetten Schulden auf den unbedarften Freund abwälzen. Dem schwant irgendwie nichts Gutes; er ruft bei Peter Zwegat in Berlin an und erzählt ihm von den aktuellen Entwicklungen. Dessen Freude hält sich in allerengsten Grenzen, er empfiehlt Stephan, jetzt Tabula rasa zu machen, keinesfalls den Kreditantrag zu unterschreiben und auch den Kiosk zu schließen. Dann macht sich der Schuldnerberater sofort ein weiteres Mal auf den Weg nach Delmenhorst.

    Tatsächlich hat Stephan einen lichten Moment, hört auf den erfahrenen Berliner und macht seinen Kiosk dicht. Die dortigen Vorräte will er nach und nach selbst verbrauchen – viel Spaß mit den vielen Lollis und Bonbons. Dem angereisten Peter Zwegat berichtet er von den neuesten Entwicklungen und dass er von Manuel immer nur als Laufbursche und Fußabtreter behandelt würde. Als er von den Umzugsplänen, dem Kreditangebot und dem neuen Großauftrag erfährt, platzt dem Schuldnerberater endlich mal wieder so richtig schön der Kragen. Jetzt wird es persönlich, er oder Manuel, einer muss dran glauben, diese Sendung ist zu klein für sie beide!

    Peter Zwegat läuft zur Hochform auf und plant nun die völlige Vernichtung der Lebensform GbR. Geschickt setzt er zunächst den Hebel von der Seite an, nämlich bei Jessica. Er spricht mit ihr allein und überzeugt sie, dass ohne Hilfe von Außen ihre Kinder vor die Hunde gehen würden. Die hat das wohl schon irgendwie selbst gemerkt und ist auch ganz geknickt. Danach rennt Zwegat  zum Jugendamt und arrangiert den kurzfristigen Besuch eines Sozialarbeiters. Damit ist ein erster Keil zwischen Manuel und Jessica getrieben.

    Nun geht es weiter bei Stephan. Zwegat holt dessen Mama aus Hannover und fädelt ein, dass sie ihrem Sohn die Rückkehr in die mütterliche Wohnung anbietet, sein Zimmer stünde dort noch zur Verfügung. Stephan stimmt irgendwie erleichtert zu. Und Zwegat erreicht auch, dass der 22jährige erklärt, aus der GbR austreten zu wollen. Dazu treffen sich die drei Hanseln und der Schuldnerberater ein letztes Mal gemeinsam. Der Showdown findet im Hexenhaus im Wald statt, denn inzwischen sind Manuel und Jessica tatsächlich umgezogen. Und schon sind die ersten Ecken im Haus verschlampt, man hält es nicht für möglich! Manuel eröffnet das Gespräch mit der Information, er selbst habe sich bei der GbR “abgemeldet”, die ARGE hätte ihm zu diesem Schritt geraten. Parallel dazu überlege er aber auch gerade, einen Wirtschaftsförderungskredit bei der Stadt zu beantragen, dazu fehle ihm aber noch der Businessplan. Zwegat ist perplex über soviel Doofheit, wittert gar Betrug, Wirtschaftsförderung zu beantragen, dann aber für die Schulden nicht mehr gerade stehen zu wollen, das rieche nach Beschiss.

    Die GbR ist aber im nächsten Moment sowieso mausetot, als Stephan seinen Austritt erklärt. Manuel motzt laut herum, er habe sich den Arsch aufgerissen für Stephan und nun haue der einfach in den Sack. Was er denn mit “Arsch aufreißen” genau meine, fragt Zwegat spitz. Nun, sagt der ehemalige Firmenchef, er habe zum Beispiel “den Steuerberater gemacht” und “die Papiere” (gemeint ist wohl Buchhaltung, der Steuerberater ist ganz jemand anderes, aber davon hat Chefexperte Manuel natürlich keine Ahnung). Zwegat wirft kurz ein, zu beiden Dingen sei er, Manuel, ja ganz offenbar nicht fähig gewesen, habe nur “Scheiße gemacht”. Danach gibt es noch ein heftig eskalierendes persönliches Geplänkel direkt zwischen Manuel und Stephan darüber, wer wann wem warum welchen Gefallen getan und sich für den anderen soundso doll “den Arsch aufgerissen” habe, aber unterm Strich ist der Drops gelutscht, das Ende der GbR ist beschlossene Sache, Terminator Zwegat hat sich durchgesetzt.

    Die Doppelfolge geht zu Ende. Zwegat gibt das Mandat zunächst auf, stellt den Protagonisten aber anheim, ihn wieder zu rufen, wenn die Papiere klar sind und die jeweilige Privatinsolvenz eingeleitet werden soll. Im Stillen weiß der Berliner natürlich, dass die drei Chaoten ihre Unterlagen niemals zusammen kriegen werden und er sich deshalb in diesem Leben nicht noch einmal mit diesem garstigen Fall beschäftigen muss. Fast schon mit dem Abspann wird berichtet, dass Stephan jetzt bei seiner Mutter in Hannover lebt und nach Arbeit sucht. Jessica hat sich inzwischen von Manuel getrennt und wohnt nun mit ihren drei Kindern allein in dem langsam verwahrlosenden Hexenhäuschen. Alle drei GbR-Mitglieder haben keinen Kontakt mehr zueinander.

    So, das war nun also mal eine Peter-Zwegat-Doppelfolge mit furiosem Anfang und etwas lahmendem zweiten Teil. Mit etwas gutem Willen hätte RTL die Geschichte auch in das übliche Stundenformat quetschen können, aber die Protagonisten waren wohl so verführerisch bunt, dass man sie lieber über zwei Wochen auslutschen wollte. Eine richtige Schuldnerberatung war das ganze auch nicht, dazu fehlte es an allem. Und vermutlich war das ursprünglich auch gar nicht die Absicht der drei Delmenhorster Schlauköpfe, die wollten bestimmt nur jemanden, der ihnen nebenbei mal die Schulden aufaddiert, weil sie selbst dazu nicht fähig waren. Und wenn sie bei dieser Gelegenheit auch noch ihre Rübe in die Kamera halten und dabei kostenlos Werbung für ihr in allen Branchen umtriebiges Unternehmen machen könnten, umso besser. Diese Idee ging aber Dank Peter Zwegat gründlich nach hinten los, wie eigentlich so ziemlich alles, was Manuel, Jessica und Stephan angefasst haben.

    Bis zur nächsten Woche auf diesem Kanal!

    Nachtrag (15.12.2010): Hat sich was mit “nächste Woche”, lt. der Fernsehzeitung meines Vertrauens macht Peter Zwegat nun erst mal eine Winterpause. Die hat er sich nach dem letzten Fall aber auch verdient…

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  • Frohen Nikolausabend, liebe Bauernfans!

    Während es bei uns eisekalt und dunkel ist, scheinen bei den RTL-Bauern noch immer sommerliche Temperaturen zu herrschen, unglaublich, aber wahr! Und wie jede Woche, so schafft es Inka Bause auch heute, die Wärme aus den Kuhställen unserer liebgewonnenen Landwirte über die Mattscheiben in die Stuben und Herzen der Fernsehzuschauer zu transportieren.

    Nebenher könnte “Bauer sucht Frau” auch noch glatt als Bildungsfernsehen durchgehen, denn wir lernen doch so einiges über die wirkliche, reale, völlig authentische, total ungeschminkte Welt unserer wackeren Landwirte. Und mit diesem neu gewonnenen Wissen kann man dann auch gleich noch haufenweise Geld verdienen, nämlich im RTL-Telefonquiz zu Beginn der Pinkelpause. Josef und Narumol lesen in einem Herzchen-förmigen Bild die Expertenfrage vor, für deren richtige Beantwortung man 3.000 Euro kassieren kann. Josef: “Wer bringt dem Volksmund nach die Kinder?” Und dann O-Ton Narumol: “Aaah: Schtoooach odda Bäääh: Nikolau?” (Alles verstanden?)

    Und da geht es auch gleich los im schönen Schwabenland. Während sich Gemüsebauer Martin für die Kamera noch schlafend stellt, hat seine Jenny am frühen Morgen bereits ein spontanes Treffen mit ihrer Vielleicht-Schwiegermutter Hilde im Kuhstall. Wir erinnern uns: Jennys innere Uhr ist seit ihrer Bäckerlehre nachhaltig lädiert, deswegen machen ihr auch einstellige Weckzeiten keine Probleme. Erleichternd kommt noch hinzu, dass die ganze Szene offensichtlich sowieso mitten am Tag gedreht wurde, wie man an den Schatten sehen kann… ;-) Hilde nutzt das arrangierte Stelldichein und verhört die Eventuell-Schwiegertochter, wie das besorgte Mütter eben so tun: “Wie gefällt es Dir bei uns und wie kommst Du mit Martin zurecht?” Offenbar ist sie mit Jennys Antworten zufrieden und jetzt kommt der konspirative Teil des Gesprächs in untertiteltem Schwäbisch: “Musch’te Madiehn abunnzu mal’ n bischle aufwegge, er isch e bischle verschlafe, dasch er mal ‘n bischle mehr Munterkeit krickt.” Sehr schön, hat die Mutter also auch schon gemerkt, dass ihr Sohnemann als Kind wohl mal in den Topf mit Valium gefallen ist. Und Jenny ist auch froh: “War schön, mal so von Frau zu Frau zu reden.”, behauptet sie dreist.

    Aber ach, nun wendet sich das Glück, denn auch Martin und Jenny, dieses in vielerlei Beziehung bemerkenswerte Paar, wird vom Picknickvirus ereilt, soll heißen: RTL schickt die beiden bei angeblich schönem Wetter per Fahrrad in die Natur, damit man dort speise und bade. Diese Story ist uns schon vielfach vorgekommen und wird bei RTL immer wieder gern exhumiert, wenn die von den Autoren zusammengestellten Paarungen sonst nicht richtig “zu Potte kommen”. Wir dürfen Martin dabei beobachten, wie er “liebevoll” (bausischer O-Ton) leckere Brötchen vorbereitet. In Wirklichkeit quetscht der 29jährige gerade Käse aus der Packung zwischen zwei Brötchenhälften und grinst dabei, als habe er soeben den Seeweg nach Indien entdeckt. Seine Braut beschäftigt sich derweil ebenfalls hochgeistig, nämlich mit ihrem geliebten “Malen nach Zahlen”. Bei deutlich verhangenem Himmel besteigen die beiden dann ihre Räder, wobei Jenny heftig schlingert und einen absolut nicht fahrtüchtigen Eindruck macht (“Ogottogottogott!”). Immerhin kann sie sich während der mehrsekündigen Kameravorbeifahrten auf dem Drahtsesel halten. Tatsächlich erreichen unsere zwei – wie alle Picknick-Bauern, die diese Szene schon zuvor gespielt haben – einen braunen Tümpel, an dem sie ungestört sind und mal so richtig auf peinlich machen können. Aus naheliegenden Gründen verzichtet die propere Jenny dabei auf das Ablegen ihrer rosa-geringelten, körperbetonten Bluse und überlässt Martin den nun fälligen Striptease bis auf die Badehose. Ich möchte hier nicht auf Einzelheiten eingehen und beschränke mich auf die Bemerkung, dass mir die beiden Protagonisten umso besser gefallen, je mehr sie anhaben.

    Jenny wurde wohl vom Regisseur instruiert, mit Martin zu kuscheln, denn das tut sie nach dem Bade ausgiebig und unnatürlich. Der Gemüsebauer (wurde übrigens auch schon als Rinderbauer tituliert) grinst nun schon wieder ziemlich pathologisch, entblößt dabei seine Hasenzähne… upps, Verzeihung, das darf man bestimmt nicht sagen, also nur “Zähne”. Und es würde mich auch nicht wundern, wenn er beim Anblick seiner etwas leicht bekleidet auf der Wiese hockenden Freundin gleich zu sabbern anfinge. Ganz klar, aus seiner Sicht sind das drei Erotikpunkte, mein Beileid. Zu allem Überfluss hören wir im Hintergrund auch noch Roy Black, den früh verblichenen König des Schnulzenschlagers, mit seiner bedenklich jungen Freundin Anita und dem fast 40 Jahre alten akustischen Brechmittel “Schön ist es auf der Welt zu sein”.

    In ihrer letzten Szene überspannen die beiden Liebenden dann aber den Bogen nach meinem Geschmack. Jenny hat sich aus unerfindlichen Gründen überlegt, ihrem Martin eine Massage bei Kerzenschein angedeihen zu lassen. Sie schmückt dazu das Bett in seinem Zimmer über und über mit Rosenblüten (wo hat sie die her?) und schickt sich dann an, den kleinen Bauern dort mit nacktem Oberkörper (ER!!!!) durchzukneten. Gut, okay, mein Abendessen ist schon weit genug verdaut, als ich die Szene sehe, aber eine Warnung hätte RTL schon einblenden können, finde ich, es sehen ja auch Kinder zu und Leute mit sensibleren Magennerven. Die Massageszene sollte eigentlich nur im Radio übertragen werden, finde ich, aber mich fragt ja keiner. Entweder trifft Jenny versehentlich Martins G-Punkt oder der Regisseur gibt das vereinbarte Zeichen, jedenfalls dreht sich der rinderzüchtende Gemüsebauer unvermittelt von der Bauchlage in die optisch noch unangenehmere Rückenlage und zieht seine wonneproppige Masseuse zu sich auf die Matratze. Was dann folgt, ist in einem Blog ohne Altersbeschränkung nur schwer zu erklären. Es ist jedenfalls schrecklich und wird umspielt von einem einschlägigen französischen Chanson. Fragt nicht. Ich werde jetzt erst mal meine Augen mit Seife ausspülen gehen.

    Energieüberschuss im schönen Ostfriesland, der plattdeutsche Milchbauer Volker startet quietschfidel in den Tag. Kein Wunder, hat er doch seit dem Vortag Besuch von seiner blonden bayerischen Traumfrau Verena. Die beiden sitzen am Frühstückstisch und langweilen uns Zuschauer mit der etwas drögen Tagesplanung, aber Gott sei Dank gibt es ja noch die Drehbuchschreiberlinge, die sich um solche Sachen kümmern können. Als unsere beiden Helden wenig später über den Hof gehen, werden sie durch einen spontan einsetzenden Regenschauer überrascht und flüchten in den Stall zu dem dort bereits auf sie wartenden Fernsehteam. Volker nützt die günstige Gelegenheit und stellt die Braut seinen Kühen vor oder die Kühe seiner Braut, so genau nimmt man das in Ostfriesland nicht. Beim Anblick der kleinen Kälbchen geht der blauäugigen Bayerin das Herz über, Muttergefühle? Auf jeden Fall ein guter Tipp für alle bloglesenden Herzensbrecher mit Ladehemmung: Ein wenige Wochen altes Kalb könnte vielleicht das Eis brechen! :-) Unerklärlich heiter wird es, als Verena sich für einen der niedlichen zukünftigen Wurstlieferanten einen Namen ausdenken soll und auf “Xenia” verfällt. Volker platzt fast vor Lachen und versucht mehrmals erfolglos, diesen ultrakomplizierten Namen nachzusprechen. Naja, für Menschen, deren Nationalheiliger Otto Waalkes heißt, ist das vielleicht ein Top-Joke, ich sitze dagegen etwas fassungslos vor dem Bildschirm und kratze mich am Kopf. Interessante Beobachtung am Rande: Obwohl die BsF-Kandidaten hier fast buchstäblich die Hosen fallen lassen, schützt RTL an anderen Stellen mit allen Mitteln ihre Privatsphäre. Bei Volkers Kühen werden sogar die Ohrmarken verpixelt!

    In einer weiteren Szene muss Verena ihre Qualitäten als Kuhtreiberin unter Beweis stellen. Klug, wie sie ist, hat sie dabei eine rote Jacke an, bekanntermaßen eine Lieblingsfarbe spanischer Rinder. Es passiert natürlich nichts, wie enttäuschend.

    Bei Gerhard in der herrlichen Oberlausitz herrscht wieder Trauerstimmung, denn auch seine zweite Hofwoche geht heute bereits zu Ende. Komisch, haben wir doch Sigrun, die rundliche Ersatzfrau für die ungemütlich-neumodische Barbara, erst letzte Woche kennen gelernt. War wohl eher ein Hofwochenende, vermutlich ist der RTL-Spesentopf leer. Gerhard und Sigrun trinken noch ein letztes Mal zusammen Kaffee und besprechen ihre Zukunft, wenn es denn eine solche gibt. Und warum eigentlich nicht, man hat sich ja ganz gut verstanden, scheint es. Die gebürtige Schwäbin gibt ihrem grauhaarigen Galan an der Haustür noch ein scheues Küsschen auf die Wange, kriegt dafür ein paar bunte Nelken und rauscht in ihrem Auto von dannen. Was Gerhard hinterher noch zu Protokoll gibt, kann ich nicht verstehen, entweder liegt es an seinem Dialekt oder den fehlenden Zähnen. Ich nehme mal an, er hat angekündigt, sich aus seinen Bewerbungsbriefen nun die dritte Frau herauszusuchen, der alte Thai-Ginseng-Casanova.

    Im zauberhaften Odenwald steht Biobauer Johannes ein in vielerlei Hinsicht schwieriger Tag bevor, was er aber am Morgen noch nicht weiß, denn er hat das Drehbuch nicht bis zum Ende gelesen, der Sepp. Vielleicht hätte er dann darauf verzichtet, sich den über viele Jahre herangezüchteten Schnurrbart abzurasieren, nur weil seine herzallerliebste Anja bevorzugt rasierte Männer küsst. Zur Belohnung für diesen Akt der Selbstentmannung macht die Blondine dann mit dem Ex-Bartträger einen länglichen Spaziergang zum Odenwälder Felsenmeer. Bauer müsste man sein, dann hätte man offenbar immer viel Freizeit. Und dann fangen die beiden Fastverliebten auch noch mit der Busselei an, mitten auf den Mund und direkt vor der Kamera, dass die sich nicht schämen, diese Ferkel! Noch ist die Biobauernwelt in Ordnung…

    Später will Johannes mit Anjas Hilfe die Schafe melken, was er bis heute auch noch nicht gemacht hat. Die Frau soll den Tieren zur Ablenkung Weizenkörner geben, verwechselt das aber mit Hühnerfutter, worauf die gar nicht mal so blöden Schafe sich mit gezielten Tritten revanchieren. Beim anschließenden gemeinsamen Ausritt kommt es dann zur längst fälligen Aussprache der beiden. Als Frauenversteher Johannes zur Einstimmung auf das, was noch kommen soll, eine Flasche Champagner öffnen will, gesteht sie ihm aus dem Nichts heraus ihre Schwangerschaft. Er spielt den völlig Erstaunten, was mich wiederum erstaunt, denn selbst ein ziemlich einfältiger Zuschauer hätte die Ansätze für Anjas Babybauch bemerkt, spätestens in der letzten Folge, als sich die Protagonisten leichter bekleidet vor dem bäuerlichen Badezimmer trafen. Johannes fühlt sich wohl betuppst, behauptet aber ganz schnell, die Schwangerschaft natürlich schon längst bemerkt zu haben, sogar schon beim Scheunenfest (als Anja es selbst noch nicht wusste). “Dasch hab’ ich gemerkt, dasch da a Brat’n in der Röhre isch”, erklärt er sehr einfühlsam. Dennoch habe er sie gewollt, auch mit dem Kind. Anja ist baff, das hat sie nun nicht erwartet. Und wie sie sich erst freuen wird, wenn sie erfährt, was wir Bildzeitungsleser auch schon längst wissen, dass nämlich der bartlose Biobauer ebenfalls reproduktionstechnisch aktiv war und seine (Ex-?)Freundin auch in anderen Umständen ist. Ob Johannes Ehefrau (!) das auch schon weiß, ist mir allerdings nicht bekannt…

    Im attributlosen Nordhessen hat die robuste rothaarige Rosi schon völlig das Regiment bei Ackerbauer Willy übernommen. Heute will sie einen weiteren Schritt machen auf dem Weg zur perfekten Bäuerin und das Treckerfahren lernen. (Genau genommen sagen die immer “Schlepper”, aber “Trecker” finde ich schöner.) Willy fährt ihr das Teil irgendwo weit draußen aufs Feld und dann steigt die resolute Rheinländerin vom Sozius, oder wie der Beifahrerplatz bei Treckern heißt, mit einem wenig eleganten Ausfallschritt und unter heftigem Schnaufen auf den Fahrersitz um. Meine Güte, hoffentlich hat Willy zur Sicherheit noch irgendwo einen Ersatztraktor stehen, wie sie sich da in’s enge Führerhaus quetscht, das ist schon gar nicht mehr feierlich. Rosi ist das aber offenbar herzlich egal, sie lässt sich unter fortwährendem Gegackere in die dunklen Geheimnisse des Fahrens ohne Führerschein einweihen. Leider kann ich hier von keinen besonderen Vorkommnisse berichten, weder würgt sie den Motor ab, noch überfährt sie eine Kuh oder wirft den Bauern bei einer zu engen Kurve ab.

    Zur Belohnung für die Fahrstunde gibt’s hinterher Streicheleinheiten für Willy. Sie legt ihre Hand auf sein Bein und hofft wohl, dass er diese aufreizende Geste erwidert, aber natürlich klappt das nicht, denn Willy ist viel zu schüchtern. Was Wunder, genau deswegen spielt er ja auch in dieser Sendung mit und hat es nötig, vor einem Millionenpublikum mit einer nudeligen Köchin den Bauerndepp zu mimen. Rosi ist da viel direkter und herrscht ihren Verehrer an: “Hör mal, Du kannst Deine Hand ruhig auch auf meine legen, wenn ich die da drauf lege. Wenn ich meine Hand da hinlege, ist das soviel wie ein Freifahrtschein für Dich.” Ahhhhhh, meine dringende Empfehlung für Willy: Renn’, renn’, renn’!!! Renn’, was Du kannst, lass den blöden Trecker stehen, sieh’ zu, dass Du Dich so schnell wie möglich zum nächsten Flughafen durchschlägst, kauf ein One-Way-Ticket nach Timbuktu oder noch weiter, verbrenn’ dort Deinen Ausweis und fang’ eine neue Existenz als Ananaszüchter an…

    …zu spät, Rosis Gift wirkt bereits und hat Willy paralysiert. Er legt seine schwielige braune Bauernpranke auf ihre käsige Köchinnenhand – das ist bedauerlicherweise wohl der erotische Höhepunkt in seinem bisherigen 49jährigen Leben. Nachher im Interview ist er noch ganz benommen, schluckt mehrmals trocken und kriegt kaum ein Wort heraus: “Ja, diese Berührung war natürlich etwas überraschend für mich… (schluck, schluck) …klar, gefällt mir natürlich, wenn mich auch mal jemand berührt. (schluck)”

    Die neuesten, von den RTL-Autoren beschlossenen Wendungen in seiner Biografie muss Bauer Willy unbedingt in seinem Heimatkraal herumposaunen. Dazu lädt er seine Nachbarn, Freunde und die anderen Eingeborenen, denen nicht rechtzeitig eine Ausrede einfiel, zu einem gemütlichen Grillabend ein. Rosi, die gelernte Imbissköchin, zaubert für diesen Anlass in der Küche raue Mengen deftigen Nudelsalat und will sich damit wohl in die verschworene Dorfgemeinschaft einschleimen. “Liebe geht durch den Magen”, wiederholt sie noch einmal ihr Lebensmotto und das sieht man ihr auch wirklich an. Das Fernsehen hat dann tatsächlich ein paar Laiendarsteller herbeigeschafft, die sonst wohl als “Publikum” in Gerichtsshows ihr Geld verdienen. Die sondern ein paar komplett abgelesene Sprüche ab (“Du Willy, die Rosi ist doch bestimmt eine gute Frau für Dich, oder?”) und Rosi stößt mit ihnen auf den Beginn einer wunderbaren Freundschaft an. O-Ton Inka Bause: “Willy und Rosi spüren, dass sie für einander geschaffen sind.” (Mageninhalt ade!)

    Heute wird der letzte neue Bauer aus der Gruft geholt, in der er seit dem Scheunenfest sein Dasein fristete: Marcel, der herzliche Hesse. Wie schön öfters erklärt, sind solche Worte wie “herzlich”, “fröhlich”, “lustig”, “robust” usw. bei BsF häufig nur ein Synonym für Korpulenz. Und Marcel ist sogar ziemlich… herzlich. In einer Rückblende sehen wir noch einmal, wie er beim Scheunenfest die blonde Katja auswählt und mich dabei etwas an Jabba the Hutt erinnert, wie er da so auf seinem Sessel halb sitzt und halb liegt. Wir blenden durch in die Jetztzeit (also Sommer!) und treffen den Schäfer Marcel, wie er im Garten versonnen einen Begrüßungsblumenstrauß für seine neue Freundin zusammenrupft. Derweil ist Letztere angeblich schon unbemerkt am Bestimmungsort eingetroffen; sie steht mit ihrem Reisegepäck und einer überaus peinlich wirkenden großen Traube knallbunter, gasgefüllter Luftballons ziemlich verloren an der Haltestelle, wo sie vom Linienbus abgesetzt wurde. Soll wohl heißen: Marcel ist zu blöd zum Lesen des Busfahrplans, suggeriert RTL. Endlich erscheint der Kavalier, aber nach einem flüchtigen Begrüßungskuss beginnen für die 27jährige Kellnerin nun erst die Peinlichkeiten: Sie wird vom Fernsehen gezwungen, mit ihrem lila Rock und den Luftballons in der Baggerschaufel von Marcels Trecker auf einem Heuballen Platz zu nehmen und sich in dieser saudämlichen Position durch den ganzen gaffenden Ort kutschieren zu lassen. Bestimmt hat Katja sich dabei mehr als einmal in den Arm gekniffen, um endlich aufzuwachen, aber denkst’e: Das ist echt!!! Während sie die erniedrigende Prozedur mit versteinertem Gesicht über sich ergehen lässt und dabei irgendwie wie eine verurteilte Hexe auf dem Weg zum Scheiterhaufen wirkt, verkündet Inka Bause aus dem Off euphorisch, dass Katja schon jetzt das Leben auf dem Lande in vollen Zügen genieße. Wie bereits in einem früheren Blog vermutet, kassiert die RTL-Profikupplerin wohl für jeden erfolgreich unter die Haube gebrachten Bauern (wo also die Braut nicht schon während der Hofwoche getürmt ist) eine fette Fangprämie des Bundeslandwirtschaftsministers.

    Zuhause angekommen, zeigt Marcel seiner Katja zunächst das Haus. Sein Zimmer sei “irgendwie speziell”, kommentiert der Damenbesuch das etwas aus der Mode gekommene, weitgehend holzvertäfelte Jungszimmer ihres 27jährigen Bauern. Sie selbst residiert nun für eine Woche, oder wie lange sie es aushält, im gegenüberliegenden Gästezimmer. Dessen knarzige Ledergarnitur lässt uns die Wirtschaftswunderzeit erahnen und “duftet” beinahe aus dem Fernseher. In der Mitte des Raumes lässt Marcel das Gepäck seiner Braut und die von ihr mitgebrachte Luftballontraube auf einem unaussprechlich hässlich gemusterten Teppich fallen. (Was hat es mit den blöden Ballons eigentlich auf sich? Warum schleppt die Besucherin die Dinger mit, wo hat sie die im Bus gelagert und wieso verschenkt sie sie nicht endlich an Marcel oder lässt sie fliegen oder was auch immer? Diesen schwachsinnigen Einfall hat bestimmt der junge Assistent verbockt, als er den Regisseur nach einem durchzechten Wochenende am Montag vertreten musste…)

    Nachdem sie den Begrüßungsschock einigermaßen überwunden hat und wieder feste Nahrung zu sich nehmen kann, darf sich Katja auch noch den Hof des Hessen ansehen. Es geht in den Hühnerstall, was mich wiederum etwas verwirrt, denn bislang firmierte Marcel als Schäfer. Ist vermutlich sowieso alles Wurscht, wie bereits in der letzten Staffel (Stichwort: Maurizio), hat RTL bestimmt auch diesmal die Identitäten inklusive der Häuser wahllos zusammengecastet. Beruflich ist Marcel in Wirklichkeit vermutlich Günter-Strack-Imitator, Hinkelsteinlieferant oder Gegengewicht, wohnt in Gelsenkirchen und sieht “seinen” Hof in diesem Moment selbst auch zum ersten Mal. Wie auch immer, im Hühnerstall darf Katja jedenfalls einen noch namenlosen Hahn taufen und nennt ihn “Horst”, was bei Marcel einen unerklärlichen Lachanfall bis zum Ende seines heutigen Auftritts auslöst. Wie heißt es doch immer so schön: “Am vielen Lachen erkennt man den Narren.” Und einen passenden Bibelspruch gibt es auch noch: “Selig sind die geistig Armen.”

    Mannomann, so viel gequirlter, geskripteter Gefühlskitsch in einer einzigen Folge war selten. Mehr als einmal pro Woche halte ich das nicht aus, davon kriegt man ja Hirnsausen!

    Mal schnell abschalten, bis denne also!

    P.S. @Heikson aus LE(ipzig): Ich weiß, Muddi wartet auf Blogfutter, aber am Montag hatte ich es einfach nicht mehr geschafft, Inkas Schlumpfparade zu kommentieren, war zu müde. Dafür ist es heute aber etwas länger geworden. Ich hoffe, Ihr bleibt unserem Blog trotzdem treu… ;-)

  • Liebe Leute,

    ja ist denn heute schon Weihnachten?!? Bei Peter Zwegat ist nämlich jetzt schon Bescherung, er präsentiert den wohl bloggenswertesten Fall aller Zeiten, nie war Lästern leichter als diesmal! Und weil dieses Bacchanal des Fremschämens so üppig ausfällt, hat RTL den neuesten Fall des Schuldnerberaters in zwei Hälften geteilt, Teil 1 sehen wir heute, Teil 2 in der nächsten Woche. Apropos “Hälften”, bitte diesen Begriff schon mal im Sinn behalten, da kommt noch was…

    Und schon geht’s los: Wir wagen uns heute in die norddeutsche Tiefebene in die Nähe von Bremen, nämlich nach Delmenhorst, das bei Eingeweihten auch als Krasnosibirsk des Nordwestens bekannt ist. Hier treffen wir auf drei Prachtexemplare der Gattung Homo Sapiens, Manuel B. (28), Jessica H. (34.) und Stephan R. (22). Sie alle waren Hartz-IV-Empfänger und gründeten Anfang 2010 gemeinsam eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) mit dem Ziel, ihre jeweiligen Schulden aus früheren Zeiten abzuzahlen. Manuel und Jessica sind liiert, wobei Letztere drei Kinder aus ihrer vermurksten Ehe mit in die aktuelle Beziehung gebracht hat. Das Geschäftsfeld der Firma ist schwer zu beschreiben, man macht etwas in Gebäudereinigung, Garten- und Landschaftsbau, Einzelhandel für Möbel (?), Observation (???), trägt Zeitungen aus und schiebt Mülltonnen hin und her. Außerdem betreiben die drei einen Lebensmittelkiosk in Delmenhorst und im Internet eine Erotikseite, die aber im Laufe der heutigen Folge schon wieder aufgegeben wird.

    Manuel wirkt zwar insgesamt etwas langsam, spielt aber trotzdem den Chef der Gruppe: “Ich wollte ganz gern immer ‘ne leitende Position irgendwo haben, ich wusste aber, dass das mit meinem Hauptschulabschluss nicht so hinhauen wird.” Stephan ist der “Computerfachmann” der Gruppe und weist offenbar einige branchenübliche Defizite auf, z.B. eine ausgeprägte Rechtschreibschwäche, einen etwas nach hinten verschobenen Biorhythmus und leicht autistische Umgangsformen. Andererseits ist Stephan aber für die GbR unentbehrlich, denn das Geschäftskonto läuft auf seinem Namen; Manuel und Jessica möchten ihre Konten wegen bestehender Kontenpfändungen lieber nicht benutzen, weil jeder hier vorbeikommende Euro vom Amtsgericht gnadenlos eingezogen wird.

    So ganz klar wird eigentlich nicht, warum die drei von der GbR überhaupt bei Peter Zwegat um Hilfe gerufen haben, vielleicht wollen sie einfach nur mal ins Fernsehen, genau wie er. Wie auch immer, jedenfalls stapft der Berliner in der nächsten Szene durch eine öde Betonlandschaft in Delmenhorst, das seinem Ruf als hässliche Stadt damit voll gerecht wird. Dieser Eindruck setzt sich auch in der Wohnung von Manuel und Jessica fort. Obwohl das Fernsehen heute nicht gerade unangemeldet erscheint, macht die Bude den Eindruck, seit Ostern vor drei Jahren nicht mehr aufgeräumt worden zu sein. Auf dem Balkon steht die Waschmaschine, drumherum liegen einzelne Wäschestücke chaotisch auf dem Fußboden. Die Küche ist mit dem unabgewaschenem Geschirr der letzten Wochen vollgemüllt, mir ein Rätsel, dass man da überhaupt die Kamera reinlässt. Vielleicht sollte die Familie mal komplett auf Pappteller und Plastikbesteck umstellen und statt abzuwaschen nach dem Essen einfach alles wegwerfen. Zwegat ekelt sich fürchterlich, als er mit seinen schwarzen Schuhen am Küchenfußboden festklebt. “Haben Sie nicht gesagt, Sie machen Gebäudereinigung?”, herrscht er den schulterzuckenden Manuel an.

    Aber das ist noch nicht der hygienische Tiefpunkt, der folgt nämlich erst jetzt im Badezimmer. Hier ist die gesamte Badewanne weit über den Rand vollgestopft mit Dreckwäsche. Zwegat erkundigt sich einigermaßen fassungslos, ob man denn überhaupt noch etwas Sauberes zum Anziehen habe – man habe, versichert Manuel, es seien noch drei Schränke voll. Zuletzt kommt das sogenannte Büro, das aussieht, als habe dort nach einem Bombeneinschlag jahrelang eine Pavianherde gehaust. Auf die Frage, wie lange die Papiere denn schon so ungeordnet herumlägen, erhält Zwegat von Manuel die wenig glaubwürdige Antwort, das habe seine Freundin am letzten Wochenende “durcheinandergemacht”. Anerkennend betrachtet der Berliner stumm eine prallvolle Kiste mit ungeöffneten Briefen, nimmt ein paar Umschläge heraus, guckt kurz hinein und legt sie dann sichtlich betäubt zurück. So viele Rechnungen und Mahnungen muss man erst mal zusammenkriegen, das schafft nicht jeder. So langsam dämmert ihm wohl die Ungeheuerlichkeit seiner heutigen Mission.

    Das Wort “Schweinestall” trifft es bei weitem noch nicht und wäre eine Beleidigung für jedes Borstenviech. Manuel und Jessicas lassen in puncto Chaos mühelos alle Messies links liegen. Ihre Wohnung sieht aus, als hätten die beiden von RTL eine Prämie dafür gekriegt, ihren gesamten Hausstand und noch einige Extrafuhren Sperrmüll gleichmäßig in ihren vier Wänden zu verteilen. Ich hätte an Stelle unserer Protagonisten davor Schiss, dass das Jugendamt Delmenhorst die Sendung sieht und die Kinder zu ihrem eigenen Schutz aus der Familie herausholt. Wir werden später sehen, dass sich der nicht mal ansatzweise ausgeprägte Ordnungssinn der Wohnungsbesitzer auch genau so in der Organisation ihrer GbR wiederfindet.

    Zur Abwendung eines drohenden Herzkaspers verlässt Zwegat diese Wohnung genannte Müllhalde schnell und lässt sich den Kiosk der GbR zeigen, wo Stephan gerade Dienst schiebt, den der Schuldnerberater auch gern noch kennen lernen möchte. Er kommt zu dem 22jährigen hinter den Tresen und sieht sich um. Merkwürdigerweise sind bestimmte Bereiche des Raums von RTL verpixelt worden, z.B. ein Ständer mit Zeitschriften. Keine Ahnung, wessen Privatsphäre das schützen soll, die drei Hauptprotagonisten werden jedenfalls stets mit vollständigem Namen genannt, die Telefonnummer auf dem Werbelogo ihres Autos kann man auch erkennen.

    Wie lange er denn so pro Woche arbeiten müsse, will Zwegat von Stephan wissen. Soso, 72 Stunden pro Woche, das seien in vier Wochen also 288 Stunden. Bei einem angepeilten – aber längst noch nicht erreichten – Monatslohn von 800 Euro käme man also auf einen Stundenlohn von gerade einmal 2,77 Euro. Es entsteht ein beredtes Schweigen, irgendwo flackern hinter Stephans Stirn wohl noch ein paar Synapsen. Hmmm, so detailliert hat er sich das wohl noch nie überlegt, aber für’s Nachdenken ist ja eigentlich auch Manuel zuständig.

    Nun will Zwegat endlich mal etwas tun. Er lässt sich von Stephan, dem Computerwunderkind, die Beschreibungen der 14 (!) Geschäftsfelder ausdrucken, die die GbR beackert, und lümmelt sich damit im Außenbereich des Kiosks in einen Stuhl. Zur Kamera gewandt, bekundet er schon kurze Zeit später sein Entsetzen: Er schwanke zwischen (Aus-)Lachen und Weinen, die Beschreibung der Firma sei totaler Kokolores und lese sich wie das Branchenbuch, denn offenbar sei man omnipotent, könne einfach alles. Zu allem Überfluss komme das auch noch in einem grottigen, jeder Beschreibung spottenden Deutsch daher. Kühnste Träume habe die GbR, ganz Deutschland wolle man aufmischen, doch so werde das nichts, urteilt Zwegat. “Nicht mal in Delmenhorst!”, setzt der Berliner mit einem Seitenhieb auf das scheinbar ohnehin schon niedrige Anspruchsniveau der Heimatstadt des Trios noch hinzu.

    Bevor er wieder gen Hauptstadt entschwindet, konfirmiert Peter Zwegat noch einmal seine drei Pappenheimer. Er sehe ja guten Willen, aber Sie müssten da dringend noch ‘ne Schippe drauflegen. Als Hausaufgabe sollen sie endlich ihre bisher ungeöffnete Post sortieren und ihm hinterher schicken. Und eine Extramahnung geht an Manuel und Jessica: Sie sollen unbedingt ihre Wohnung aufräumen (kernsanieren?), und sei es nur um der Kinder willen.

    Wieder allein, verfallen die Jungunternehmer gleich wieder in den gewohnten Trott. Erst mal reden sie sich die geschäftlichen und privaten Aufräumaktionen klein, das wird schon nicht so schlimm werden. Die harte Realität schlägt dann allerdings auch noch zu, ein Kunde hat nämlich nach mehreren Beschwerden seinen Zustellungsauftrag bei der GbR gekündigt. Manuel macht gleich wieder auf Chefmanager, gibt Stephan die Schuld, der habe die Zeitungen nicht sorgfältig genug ausgetragen und morgens gern mal verpennt. Großspurig verkündet er, wenn das mit dem pünktlichen Aufstehen nicht besser werde, müsse Stephan eben nachts wach bleiben. Und das sagt einer, der auf der Müllhalde wohnt…

    14 Tage später steht Peter Zwegat wieder in Delmenhorst vor der Tür. Die Zeit müsse genügen, um Grund in das Chaos zu kriegen, meint der latent miesepetrige Schuldnerberater, das müsse man schon von einem erwarten können, der eine GbR habe. Tatsächlich sieht es in der Wohnung wesentlich besser aus als beim letzten Mal und das ist einzig Jessica zu verdanken, die hat nämlich alles aufgeräumt. Manuels Anteil an dem Fortschritt scheint dagegen nicht messbar zu sein. Zwegat quittiert das mit hochgezogenen Augenbrauen. Der GbR-Chefmanager berichtet voller Selbstmitleid, er habe beim Sortieren der Papiere die Krise gekriegt, bedauerlicherweise sei er damit aber noch nicht fertig – welche Überraschung! Zwegat unterbricht ihn genervt: “Und was gibt’s Neues?”. Ja, der Zustellauftrag der Post sei nun futsch und Stephan habe Schuld, der sei psychisch ein bisschen labil. Toll, wie sie den abwesenden Kollegen vor einem Millionenpublikum in die Pfanne hauen. Nun kommt Old Knitterface langsam in Fahrt, wer sich denn bitte dieses bekloppte Tätigkeitsportfolio ausgedacht habe, so etwas fiele doch höchstens einem Betrunkenen nach dem 11. Stonsdorfer in der Bahnhofskneipe ein. Manuel wird bei diesen Worten eines wirklichen Experten erfreulich kleinlaut. Das soll es für heute sein, Zwegat klemmt sich den Kasten mit der sortierten Hälfte der Post unter den Arm und flieht Richtung Berlin.

    Zuvor stattet er aber auch Stephan noch einen angeblich unangekündigten Besuch ab (wir sehen von drinnen, wie der die Tür öffnet…). Man spricht über dies und das, z.B. den Kontostand der GbR (60 Euro) oder die Höhe der Altschulden von Stephan (er hat keine!). Mir bleibt völlig schleierhaft, weshalb der hier überhaupt mitarbeitet, Lohn kriegt er ja offenbar nicht (s.o.) und eine wesentliche Verbesserung der Geschäftssituation ist auch nicht in Sicht. Dabei rackern alle drei fast rund um die Uhr wie die Blöden. Zwegat fragt, was denn passieren würde, wenn noch ein weiterer Auftrag hinzu käme, wer den denn bitte noch erledigen wolle? Tja, da kann Stephan, der Labile, wieder nur mit den Schultern zucken. Manuel denke wohl beim Akquirieren nicht über solche Nebensächlichkeiten nach, der sei doch froh, überhaupt einen Auftrag bekommen zu haben.

    Wieder ein Zeitsprung, jetzt sehen wir Peter Zwegat beim Anlaufnehmen zu seinem ersten Schlaganfall: Er hat in seinem Berliner Büro die versprochene Postlieferung aus Delmenhorst bekommen, einen verknautschten Karton mit den sortierten Rechnungen und Mahnungen. Genau genommen ist nur ein Teil davon sortiert, der andere Teil der Briefe ist noch schön zweimal gefaltet, original so, wie sie aus dem Umschlag genommen wurden. Darüber packt Zwegat nun die Wut (“schade, dass ich kein Feuerzeug habe”) und er fährt schnurstracks wieder zurück in die trostlose Heimat der drei Möchtegerngeschäftsleute. Stinkesauer sitzt er bei Manuel und Jessica auf dem Sofa: “Sagt Ihnen die Bezeichnung 3D etwas?” Schweigen. Jessica räuspert sich: “Ist das nicht so ‘ne Sichtweise?” (Manuel: “Wollte ich auch gerade sagen.”) “JAAA”, trumpft Zwegat auf, “das ist meine Sichtweise auf Sie, 3D heißt bei mir nämlich: Drei Deppen aus Delmenhorst!”. Er hat nicht nur die unsortierte Post im Paket wieder mitgebracht, sondern auch die Erkenntnis, dass die drei vom Tuten und Blasen aber so was von keine Ahnung haben, dass es mit Worten kaum noch auszudrücken ist. Der GbR-Vertrag, den Zwegat mit viel Mühe und einigem Hin und Her einsehen konnte, enthält die Klausel, dass die Gewinne des Unternehmens in drei Hälften geteilt werden sollen. Drei Hälften, wer so etwas verzapft, sollte normalerweise wegen fehlender Geschäftsfähigkeit nicht mal allein zum Einkaufen geschickt werden, geschweige denn eine eigene Firma aufmachen. Zwegat ist fuchsteufelswütend und entsetzt, fühlt sich verarscht und will den Fall hinschmeißen. Andererseits lebt seine Sendung vom Fremschämen und das weiß auch Zwegat, er liebt natürlich die Quote und also hält er durch.

    Der nächste Tag bringt dann weitere Katastrophen, Zwegat schleppt die Flipchart an. Den Stand der Schulden kann man bekanntlich nicht darstellen, denn den weiß in diesem Universum kein sterbliches Wesen. Ergo geht man gleich zu den Einnahmen und Ausgaben über. Hier ergibt sich ein überraschendes Ergebnis, denn den Einnahmen der drei von monatlich 4.638 Euro stehen Ausgaben von 3.357 Euro gegenüber. Hurra, alles ist gut, man hat eigentlich gar kein Problem, denn es bleibt kräftig was übrig, lasst uns feiern. Oder? Nein, natürlich nicht, die drei kopflosen GbR-Mitglieder haben offenbar nicht mal einen Schimmer, wohin sich ihr Geld bis zum Monatsende immer verdünnisiert, die Ausgaben sind weit höher, aber wie viel und wofür ist allen schleierhaft. Chaos!!! Zwegat fragt, warum sie keinen Haushaltsplan haben. “Dann hätte ich noch mehr Arbeit!”, kommt die ultraschlaue Antwort von Manuel, dem CEO und Gottkönig der GbR. Zwegat verdreht die Augen, das ist heute für ihn schwer verdientes Geld.

    Mit dieser Erkenntnis beschließen wir den ersten Teil dieser Doppelfolge. In der nächsten Woche wird es lt. Vorankündigung noch viel schräger: Manuel scheint komplett dem Wahnsinn zu verfallen, mietet ein großes Haus an und hält plötzlich ein Kreditangebot über 250.000 Euro in Händen. Der arme Peter Zwegat, für solche Klienten kann sein Honorar gar nicht hoch genug ausfallen, die diesmal verkochten Nerven sind mit Geld nicht aufzuwiegen.

    Man sieht sich!

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