Liebe Mitleserinnen und -leser,
draußen ist es nass, kalt und ungemütlich geworden, der November legt sich wie ein grauer Schleier über das Land und treibt die Menschen in die Häuser vor ihre Fernsehapparate, wo sie sich die klammen Herzen am Feuer bäuerlicher Liebe wärmen können: Ja, denn heute ist Montag und der gehört weiterhin Inka Bause mit ihrem Bauerntheater. Da sind wir doch mal sehr gespannt, welchen hanebüchenen Schwachsinn die RTL-Dichter ihren neun Protagonisten heute auf den Leib geschrieben haben.
Die Show beginnt im “wunderschönen Frankenland” beim dauergrinsenden Schweinebauern Harald und seiner kubanischen Eroberung Janet (ich dachte bisher immer, die schriebe sich “Jeanette”, aber egal, so spare ich Buchstaben). Wir erinnern uns, wie wir den Bauern in der letzten Folge zwangsweise dabei begleiten mussten, wie er seiner Angebeteten extrem unbeholfen einen Schlummertrunk ins Schlafzimmer brachte. Jetzt, am anderen Morgen, ist das Fernsehen noch immer – oder schon wieder – da. Harald muss sich seine RTL-Piepen echt sauer verdienen, denn laut Drehbuch zwingen ihn seine Hormone schon wieder zu einer albernen Balzhandlung, dem morgendlichen Wecken. Für alle Zuschauer mit einem höheren IQ als ein Badeschwamm wirkt das Ganze leicht gestellt, denn das Kamerateam befindet sich bereits in Janets Zimmer als draußen der Bauer an die Tür klopft, dann auf ein Grunzen seiner Holden den Raum betritt, sich zum Plausch auf ihre Bettkante setzt und ihr dann unvermittelt einen Duplo-Riegel (“die längste Praline der Welt”) auf einem Teller überreicht. Übrigens muss man bei diesen Bildern auch kleinen Kindern nicht die Augen zuhalten, etwas weniger erotisches als Haralds Bettgeschichten ist kaum vorstellbar. Hatte ich schon erwähnt, dass er ein grobes weiß-blaues Karohemd trägt, die Uniform aller RTL-Bauern?
Beim Frühstück gibt Harald die “Naschkatze”. Er trinkt morgens gewohnheitsmäßig eine Tasse Kakao, verfeinert mit einer Extraportion Zucker, dazu gibt es Kuchen mit viel Puderzucker. Sein übermäßiger Zuckerkonsum imponiert Janet, der gelernten Eisverkäuferin, offenbar sehr, vielleicht hilft ihr dieses neu entdeckte gemeinsame Hobby ja auch beim Überwinden der 18 Jahre Altersunterschied, die sie (26) und ihn (44) trennen.
Später geht es dann gemeinsam in den Kuhstall. Hier zeigt sich Harald als Charmeur alter Schule als er seine Rindviecher namentlich vorstellt und dann verkündet “… und die neue Kuh, wo ich dann bekomme, die heiße ich dann »Janet«!” Die so geehrte zeigt sich erstaunt, nicht aber erfreut. Janet ist angeblich sogar im anschließenden Interview noch leicht angesäuert: “Da habbe ich nich so ssöhn gefunnen, sehe ich wie eine Kuh oder bin ich sso dick?”. Harald, o Harald, dieses Kompliment ging voll nach hinten los…
Nach den Kühen kommen die Schweine. Harald und Janet ziehen sich dazu blaue Overalls an und setzen sich dann leuchtend grüne Hütchen auf, ein Hoch auf das Farbfernsehen. Während die beiden mit den Schnitzelvorprodukten kuscheln, dröhnt im Hintergrund als Soundtrack Penny McLeans Kulthymne “Lady Bump” aus dem Jahr 1975. Wie das genau zusammenpasst ist mir nicht ganz klar, vielleicht weil die Sängerin dabei kreischt wie ein abgestochenes Schwein? Egal, jedenfalls hat Janet Haralds Tipp, sich Gummistiefel anzuziehen, nicht beherzigt, vermutlich auch gar nicht verstanden, und das rächt sich jetzt bitter, denn die Ferkel knabbern ihr die Füße an. Für RTL machen die Leute einfach alles, lassen sich sogar von den Schweinen beißen, man fasst es nicht.
Später kommt mal wieder eine Reminiszenz an Josef und Narumol, denn es geht mit dem Trecker los. Janet macht zunächst eine Szene, weil sie unbedingt selbst vom Hof zum Feld fahren will – dabei hat sie gar keinen Führerschein. Was in Kuba offensichtlich scheißegal ist, führt hier fast zum Eklat: Janet stellt sich tödlich beleidigt, schmollt wie eine Sechsjährige und fast wäre Harald ohne sie losgebraust. In letzter Sekunde schwingt sie sich dann aber doch noch auf den Trecker und gemeinsam brettern die beiden auf den Acker. Dort darf die zöpfchentragende Lateinamerikanerin endlich ans Steuer, was ihr offensichtlich allergrößten Spaß macht.
Wir schalten um in die Oberlausitz und ins Jahr 1910: Gerhard, der rüstige Rentner, ist zusammen mit seinen Hühnern aufgestanden, während Barbara, die ihm zugelaufene moppelige Melkerin aus Thüringen, noch “in Sauer” liegt. Jeder normale Mensch hätte im Schutze der Nacht einen Fluchtversuch unternommen, aber RTL hat vermutlich alle Fenster zugenagelt und den Busfahrplan versteckt. Neumodische Erfindungen wie Telefon oder Kaffeemaschine kommen in Gerhards Paralleluniversum noch nicht vor und er heizt seinen Küchenherd mit Holz, so wie Anno Dunnemals die Neandertaler. Der beißende Brandgeruch – oder der Kaffeeduft – lockt Barbara in die Küche und sie geht dem Bauern ein wenig zur Hand. Die letztlich belanglose Konversation der beiden muss übrigens von den RTL-Linguisten mühsam ins Hochdeutsche transkribiert werden und verziert dann als Untertitel die archaisch anmutenden Bilder aus Gerhards Hauswirtschaftsmuseum namens Küche. Das anschließende Interview mit Barbara sollte man im Hinblick auf die hierzulande gerade geführte Migrationsdebatte als Beispiel für eine geglückte Integration werten: Die angehende Jungbäuerin trägt ein leuchtendes Karohemd und signalisiert damit ihre Bereitschaft, zugunsten des Hühnerbauern in Zukunft allen weltlichen Genüssen wie Strom, Fernsehen und eben normalen Klamotten zu entsagen.
In der nächsten Szene zeigen auch Gerhard und Barbara ihr Herz für Tiere: Sie schälen Kartoffeln und machen daraus Hühnerfutter. Zwischendrin philosophiert der Altbauer einigermaßen schwer verständlich (untertitelte) darüber, dass die Arbeit mit weiblicher Unterstützung schneller geht als allein. Ei der Daus und Donnerknispel! Dreisatz kann er also auch, das ist ja dann wohl die berühmte Bauernschläue, von der immer wieder berichtet wird, die ich aber in dieser Serie bisher noch nie selbst entdecken konnte. “Puttputtputtputtputt!” ruft Barbara dann die Hühner zum Essen, allerdings ohne sichtbaren Erfolg. “Kullekullekulle!” hieße das bei ihm, berichtigt sie der Bauer; offenbar sprechen seine Federviecher einen Oberlausitzer Dialekt. Und tatsächlich, auf Barbaras nächsten Versuch mit “Kullekullekulle” antwortet sogleich der Hahn vom Misthaufen. Sagt jedenfalls das RTL-Skript.
In ihrer dritten Szene präsentiert RTL in einer idyllischen Alltagsszene, wie Gerhard die Tageszeitung studiert, während seine Barbara in einem altertümlich gepunkteten Dingsbumms auf der Bildfläche erscheint, verkündet, dass ja nun bald Mittag sei und fragt, was er, der Bauer, denn zu essen beliebe. Gut, dass die Kühltruhe mit Gerhards Lebensmittelvorräten in Barbaras Gästezimmer steht. Sie wühlen in den tiefgefrorenen Tierkadavern und entscheiden sich für ein Paket “Schweinekamm”, aus dem Barbara ein Thüringisches Gericht (“Rostbrätel”) zu zaubern verspricht. Ich könnte mich wegekeln, aber Gerhard freut sich darauf, auch wenn es kurz darauf wegen falscher Zwiebeln noch ein kurzes Missverständnis der beiden Grauköppe gibt. Noch ein interessanter Moment zum Schluss dieser Szene: Barbara will zum Zwiebelscheiden (!) die bäuerliche Brotschneidemaschine (so etwas gibt es denn doch!) in Gang setzen, aber das gute Ding versagt komplett den Dienst. Der herbeigerufene rüstige Landwirt steckt seelenruhig den Stecker in die Dose und sofort funktioniert der Apparat klaglos. Da hat die gute Barbara wohl in ihrer Aufregung die Sache mit dem elektrischen Strom nicht ganz richtig verstanden.
Später geht der Kampf von Barbara gegen Gerhards Küchenequipment erst richtig los, der Kohleherd liefert nicht genug Wärme zum Anbraten der Rostbrätel, hinterher ist der Ofen heiß, aber das Fleisch schnurrt unerwartet zusammen. In der Lagebesprechung nach dem Essen bekennt sie gegenüber dem Bauern dann freimütig “also für mich wäre das nichts mehr, da geht man ja rückwärts” (gemeint ist wohl die Evolutionsgeschichte der Küchenherde).
Jetzt kommen wir wieder ins “schöne Sauerland”, wo auch beim Rinderwirt Lukas (Karohemd!) und seiner blonden Stina der Tag beginnt – und zwar gleich im Kuhstall. Hier kann Stina ordentlich zupacken und den Mist ihres fortwährend verdauenden Lieblingskalbs wegräumen, der Jungbauer sieht’s mit Entzücken. Die kackende Kuh ist dann auch Anlass für eine tiefsinnige Unterhaltung über die Familienplanung: Kinder ja, aber noch nicht sofort, erst mal die Staffel fertig drehen, dann sieht man weiter.
Es folgt eine Protztour mit dem Trecker über das bäuerliche Anwesen hin zu den Rindern. Jaja, Lukas muss seiner neuen Freundin irgendwie beweisen, dass er sie ernähren könnte und deshalb zeigt er ihr seinen Besitz. Die Kühe sollen von einer Weide auf eine andere verlegt werden. Im Gegensatz zu (manchen) Hühnern hören Kühe nicht auf “Puttputtputt” oder “Kullekullekulle”, sondern müssen von Lukas mit “Komm hier, komm hier, ja komm!!!” zum Gehen animiert werden. Bei dieser Gelegenheit überwindet der Sauerländer endlich seine Schüchternheit, behauptet Inka Bause aus dem Off, und nimmt seine Stina in den Arm. Romantik pur!
Und es wird noch schwülstiger, in der letzten Szene muss der Jungbauer für seine Stina ein Herz aus Rosenblättern und den Initialen “L + S” auf dem Boden des Schlafzimmers drapieren, was er lt. Inka noch für niemanden gemacht hat. (Na und, wer macht so etwas denn überhaupt?) Er hat sich nämlich angeblich “unsterblich” in die Blondine verliebt. Nachher sagt Lukas im Interview den schönen Satz “Jetzt muss ich Leidenschaft und Landwirtschaft miteinander verbinden.” Das wäre auch ein schöner Titel für diesen Blog gewesen, vielleicht nächstes Mal.
In der idyllischen Eifel geht es heute ebenfalls nur um das eine, nämlich die Viecher: Der ehrliche Schafsbauer Lämmes und seine “tätowierte Moni” (O-Ton RTL) füttern die kuscheligen Karnickel. Ihre Absichten sind nicht ganz selbstlos, denn schon am Sonntag wird eines der Tiere den Löffel abgeben müssen und auf dem bäuerlichen Mittagstisch landen. Lämmes startet einen schwer pornoverdächtigen Annäherungsversuch, als er auf der Wiese hinter die sensenschwingende Moni tritt und sie von beiden Seiten umfasst, angeblich, um ihr den richtigen Schwung zu zeigen (“hiermit tust Du so machen und mit der anderen Hand tust Du so machen…”). Haha, vom Billard kennt man(n) als Stadtmensch einen ähnlichen Trick ja schon, aber mit der Sense ist mir das neu. Drei Erotikpunkte!
Die zweite Szene zeigt Lämmes und Moni beim Schafetreiben von einer zur anderen Weide. Was zuerst einigermaßen idyllisch beginnt, entwickelt sich in Minutenschnelle zum Actiondrama, denn scheinbar verschreckt die Anwesenheit der tätowierten Braut (oder des Fernsehteams) die Tiere. Irgendwo biegt die Herde falsch ab, Lämmes kriegt einen mittelschweren Tobsuchtsanfall, blafft seinen Hund an, reckt die Arme zum Himmel, schlägt sich vor die Stirn, rennt hektisch den Schafen hinterher und das Ganze versinkt im Chaos. Alles rennet, rettet, flüchtet und Moni hinterher. Vielleicht reagieren Wollschafe ja allergisch auf Tattoos? Lämmes meint später, die Tiere seien wohl wegen Monis Schönheit verwirrt gewesen. Na ich weiß nicht, das schien mir eher echte Panik zu sein, die wittern bestimmt, dass die Schwäbin gelernte Fleischwarenfachfrau ist.
In Hessen, beim lustigen Ackerbauern Willy, geht es ebenfalls zum Ausmisten in den Kuhstall (wieso der sich dann überhaupt “Ackerbauer” nennt, frage ich mich). Erstmals ist er dabei nicht mehr allein, die “robuste Rosi” begleitet ihn heute. Letzte Woche hatte man sie noch mit “munter” tituliert, diesmal also sogar schon “robust”. Was kommt dann erst nächstes Mal, “rollig” oder “rund”? Alles stimmt und Rosi zwängt ihre Rubensfigur in einem heftigen Kampf gegen die Schwerkraft mühevoll in die bereitgestellten Gummistiefel. Korrespondierend zu ihren rot gefärbten Haaren trägt die rheinische Frohnatur eine schockrote, hautenge Bluse, was zumindest in Torero-Kreisen eher nicht als sonderlich beruhigend für den Umgang mit Rindviechern gilt. Leider wissen das die hessischen Kühe aber nicht und so verlaufen die Szenen in Willys Stall enttäuschend harmonisch. Rosi erkundigt sich beim Bauern vorsichtig, ob die Kühe denn beißen würden, aber wenn man die robuste Rheinländerin so sieht, würde ich es im Gegenteil eher als Kuh mit der Angst bekommen…
Der Kuhscheißepegel im Stall erregt ihren Unmut und nachdem die Mistgabel ein paar Mal im Boden steckengeblieben ist, macht Rosi ihrem Bäuerchen Vorwürfe, wieso er denn nicht täglich die Hinterlassenschaft seiner Herde beseitige und die Dinge so schleifen lasse. Willy druckst und murmelt so eine Art Entschuldigung, soweit ich das überhaupt verstehen konnte.
Später in der Küche nervt Rosi weiter, verpflichtet ihren Bauern in einem ziemlich schroffen Kommandoton zum Zwiebel- und Kartoffelschälen. Danach legt sie aber selbst los und fabriziert in Windeseile die Koteletts zum Mittagessen. Kunststück, sie ist ja auch gelernte Imbiss-Köchin. Willy spachtelt ordentlich und schmatzt dabei wohl auch ein wenig. Seine Braut ergreift die günstige Gelegenheit, ihren Bauern so richtig nach Strich und Faden vor einem Millionenpublikum zu blamieren: “Man hört, dass es Dir schmeckt, Du hast wohl noch nicht oft mit anderen Leuten gegessen? Ich finde, man muss sich am Tisch etwas benehmen, schneid’ Dir doch kleinere Stücke ab und schmatz’ nicht so beim Essen!”. Rummms, diese öffentliche Ohrfeige hat gesessen, wer hier wohl die Hosen anhat? Oder anhätte, wenn die beiden überhaupt zusammenkämen, was ich mir eigentlich nicht so ganz vorstellen kann. Und es geht auch sofort weiter, denn wo sie schon mal dabei ist, meckert Rosi gleich auch noch über die Sauberkeit in Willys Stall. Wenn das so bliebe, müsse sie sich überlegen, ob sie bei ihm bleiben könne…
So, ziehen wir die Tagesbilanz: Da köchelt es also allenthalben, während Lukas und Stina so langsam zur Sache kommen, bastelt Rosi heftig an ihrem Rauswurf. Und ob das mit Lämmes und Moni lange gut geht, kann man nach der heutigen Schafspanik zumindest bezweifeln. Ruhiger ist es dagegen bei Barbara und Gerhard, da köchelt höchstens der alte Kohleherd, aber meist nicht mal der. Gerhard schließlich ist jenseits von gut und böse, der merkt nichts mehr, aber solange Janet Spaß am Leben vor der Kamera hat, sehe ich noch keine Gefahr für die Romanze. (Danach ist sofort Sense, jede Wette.)
Bis zum nächsten Montag dann also, man liest sich!





