• Liebe Mitleserinnen und -leser,

    draußen ist es nass, kalt und ungemütlich geworden, der November legt sich wie ein grauer Schleier über das Land und treibt die Menschen in die Häuser vor ihre Fernsehapparate, wo sie sich die klammen Herzen am Feuer bäuerlicher Liebe wärmen können: Ja, denn heute ist Montag und der gehört weiterhin Inka Bause mit ihrem Bauerntheater. Da sind wir doch mal sehr gespannt, welchen hanebüchenen Schwachsinn die RTL-Dichter ihren neun Protagonisten heute auf den Leib geschrieben haben.

    Die Show beginnt im “wunderschönen Frankenland” beim dauergrinsenden Schweinebauern Harald und seiner kubanischen Eroberung Janet (ich dachte bisher immer, die schriebe sich “Jeanette”, aber egal, so spare ich Buchstaben). Wir erinnern uns, wie wir den Bauern in der letzten Folge zwangsweise dabei begleiten mussten, wie er seiner Angebeteten extrem unbeholfen einen Schlummertrunk ins Schlafzimmer brachte. Jetzt, am anderen Morgen, ist das Fernsehen noch immer – oder schon wieder – da. Harald muss sich seine RTL-Piepen echt sauer verdienen, denn laut Drehbuch zwingen ihn seine Hormone schon wieder zu einer albernen Balzhandlung, dem morgendlichen Wecken. Für alle Zuschauer mit einem höheren IQ als ein Badeschwamm wirkt das Ganze leicht gestellt, denn das Kamerateam befindet sich bereits in Janets Zimmer als draußen der Bauer an die Tür klopft, dann auf ein Grunzen seiner Holden den Raum betritt, sich zum Plausch auf ihre Bettkante setzt und ihr dann unvermittelt einen Duplo-Riegel (“die längste Praline der Welt”) auf einem Teller überreicht. Übrigens muss man bei diesen Bildern auch kleinen Kindern nicht die Augen zuhalten, etwas weniger erotisches als Haralds Bettgeschichten ist kaum vorstellbar. Hatte ich schon erwähnt, dass er ein grobes weiß-blaues Karohemd trägt, die Uniform aller RTL-Bauern?

    Beim Frühstück gibt Harald die “Naschkatze”. Er trinkt morgens gewohnheitsmäßig eine Tasse Kakao, verfeinert mit einer Extraportion Zucker, dazu gibt es Kuchen mit viel Puderzucker. Sein übermäßiger Zuckerkonsum imponiert Janet, der gelernten Eisverkäuferin, offenbar sehr, vielleicht hilft ihr dieses neu entdeckte gemeinsame Hobby ja auch beim Überwinden der 18 Jahre Altersunterschied, die sie (26) und ihn (44) trennen.

    Später geht es dann gemeinsam in den Kuhstall. Hier zeigt sich Harald als Charmeur alter Schule als er seine Rindviecher namentlich vorstellt und dann verkündet “… und die neue Kuh, wo ich dann bekomme, die heiße ich dann »Janet«!” Die so geehrte zeigt sich erstaunt, nicht aber erfreut. Janet ist angeblich sogar im anschließenden Interview noch leicht angesäuert: “Da habbe ich nich so ssöhn gefunnen, sehe ich wie eine Kuh oder bin ich sso dick?”. Harald, o Harald, dieses Kompliment ging voll nach hinten los…

    Nach den Kühen kommen die Schweine. Harald und Janet ziehen sich dazu blaue Overalls an und setzen sich dann leuchtend grüne Hütchen auf, ein Hoch auf das Farbfernsehen. Während die beiden mit den Schnitzelvorprodukten kuscheln, dröhnt im Hintergrund als Soundtrack Penny McLeans Kulthymne “Lady Bump” aus dem Jahr 1975. Wie das genau zusammenpasst ist mir nicht ganz klar, vielleicht weil die Sängerin dabei kreischt wie ein abgestochenes Schwein? Egal, jedenfalls hat Janet Haralds Tipp, sich Gummistiefel anzuziehen, nicht beherzigt, vermutlich auch gar nicht verstanden, und das rächt sich jetzt bitter, denn die Ferkel knabbern ihr die Füße an. Für RTL machen die Leute einfach alles, lassen sich sogar von den Schweinen beißen, man fasst es nicht.

    Später kommt mal wieder eine Reminiszenz an Josef und Narumol, denn es geht mit dem Trecker los. Janet macht zunächst eine Szene, weil sie unbedingt selbst vom Hof zum Feld fahren will – dabei hat sie gar keinen Führerschein. Was in Kuba offensichtlich scheißegal ist, führt hier fast zum Eklat: Janet stellt sich tödlich beleidigt, schmollt wie eine Sechsjährige und fast wäre Harald ohne sie losgebraust. In letzter Sekunde schwingt sie sich dann aber doch noch auf den Trecker und gemeinsam brettern die beiden auf den Acker. Dort darf die zöpfchentragende Lateinamerikanerin endlich ans Steuer, was ihr offensichtlich allergrößten Spaß macht.

    Wir schalten um in die Oberlausitz und ins Jahr 1910: Gerhard, der rüstige Rentner, ist zusammen mit seinen Hühnern aufgestanden, während Barbara, die ihm zugelaufene moppelige Melkerin aus Thüringen, noch “in Sauer” liegt. Jeder normale Mensch hätte im Schutze der Nacht einen Fluchtversuch unternommen, aber RTL hat vermutlich alle Fenster zugenagelt und den Busfahrplan versteckt. Neumodische Erfindungen wie Telefon oder Kaffeemaschine kommen in Gerhards Paralleluniversum noch nicht vor und er heizt seinen Küchenherd mit Holz, so wie Anno Dunnemals die Neandertaler. Der beißende Brandgeruch – oder der Kaffeeduft – lockt Barbara in die Küche und sie geht dem Bauern ein wenig zur Hand. Die letztlich belanglose Konversation der beiden muss übrigens von den RTL-Linguisten mühsam ins Hochdeutsche transkribiert werden und verziert dann als Untertitel die archaisch anmutenden Bilder aus Gerhards Hauswirtschaftsmuseum namens Küche. Das anschließende Interview mit Barbara sollte man im Hinblick auf die hierzulande gerade geführte Migrationsdebatte als Beispiel für eine geglückte Integration werten: Die angehende Jungbäuerin trägt ein leuchtendes Karohemd und signalisiert damit ihre Bereitschaft, zugunsten des Hühnerbauern in Zukunft allen weltlichen Genüssen wie Strom, Fernsehen und eben normalen Klamotten zu entsagen.

    In der nächsten Szene zeigen auch Gerhard und Barbara ihr Herz für Tiere: Sie schälen Kartoffeln und machen daraus Hühnerfutter. Zwischendrin philosophiert der Altbauer einigermaßen schwer verständlich (untertitelte) darüber, dass die Arbeit mit weiblicher Unterstützung schneller geht als allein. Ei der Daus und Donnerknispel! Dreisatz kann er also auch, das ist ja dann wohl die berühmte Bauernschläue, von der immer wieder berichtet wird, die ich aber in dieser Serie bisher noch nie selbst entdecken konnte. “Puttputtputtputtputt!” ruft Barbara dann die Hühner zum Essen, allerdings ohne sichtbaren Erfolg. “Kullekullekulle!” hieße das bei ihm, berichtigt sie der Bauer; offenbar sprechen seine Federviecher einen Oberlausitzer Dialekt. Und tatsächlich, auf Barbaras nächsten Versuch mit “Kullekullekulle” antwortet sogleich der Hahn vom Misthaufen. Sagt jedenfalls das RTL-Skript.

    In ihrer dritten Szene präsentiert RTL in einer idyllischen Alltagsszene, wie Gerhard die Tageszeitung studiert, während seine Barbara in einem altertümlich gepunkteten Dingsbumms auf der Bildfläche erscheint, verkündet, dass ja nun bald Mittag sei und fragt, was er, der Bauer, denn zu essen beliebe. Gut, dass die Kühltruhe mit Gerhards Lebensmittelvorräten in Barbaras Gästezimmer steht. Sie wühlen in den tiefgefrorenen Tierkadavern und entscheiden sich für ein Paket “Schweinekamm”, aus dem Barbara ein Thüringisches Gericht (“Rostbrätel”) zu zaubern verspricht. Ich könnte mich wegekeln, aber Gerhard freut sich darauf, auch wenn es kurz darauf wegen falscher Zwiebeln noch ein kurzes Missverständnis der beiden Grauköppe gibt. Noch ein interessanter Moment zum Schluss dieser Szene: Barbara will zum Zwiebelscheiden (!) die bäuerliche Brotschneidemaschine (so etwas gibt es denn doch!) in Gang setzen, aber das gute Ding versagt komplett den Dienst. Der herbeigerufene rüstige Landwirt steckt seelenruhig den Stecker in die Dose und sofort funktioniert der Apparat klaglos. Da hat die gute Barbara wohl in ihrer Aufregung die Sache mit dem elektrischen Strom nicht ganz richtig verstanden. ;-)

    Später geht der Kampf von Barbara gegen Gerhards Küchenequipment erst richtig los, der Kohleherd liefert nicht genug Wärme zum Anbraten der Rostbrätel, hinterher ist der Ofen heiß, aber das Fleisch schnurrt unerwartet zusammen. In der Lagebesprechung nach dem Essen bekennt sie gegenüber dem Bauern dann freimütig “also für mich wäre das nichts mehr, da geht man ja rückwärts” (gemeint ist wohl die Evolutionsgeschichte der Küchenherde).

    Jetzt kommen wir wieder ins “schöne Sauerland”, wo auch beim Rinderwirt Lukas (Karohemd!) und seiner blonden Stina der Tag beginnt – und zwar gleich im Kuhstall. Hier kann Stina ordentlich zupacken und den Mist ihres fortwährend verdauenden Lieblingskalbs wegräumen, der Jungbauer sieht’s mit Entzücken. Die kackende Kuh ist dann auch Anlass für eine tiefsinnige Unterhaltung über die Familienplanung: Kinder ja, aber noch nicht sofort, erst mal die Staffel fertig drehen, dann sieht man weiter.

    Es folgt eine Protztour mit dem Trecker über das bäuerliche Anwesen hin zu den Rindern. Jaja, Lukas muss seiner neuen Freundin irgendwie beweisen, dass er sie ernähren könnte und deshalb zeigt er ihr seinen Besitz. Die Kühe sollen von einer Weide auf eine andere verlegt werden. Im Gegensatz zu (manchen) Hühnern hören Kühe nicht auf “Puttputtputt” oder “Kullekullekulle”, sondern müssen von Lukas mit “Komm hier, komm hier, ja komm!!!” zum Gehen animiert werden. Bei dieser Gelegenheit überwindet der Sauerländer endlich seine Schüchternheit, behauptet Inka Bause aus dem Off, und nimmt seine Stina in den Arm. Romantik pur!

    Und es wird noch schwülstiger, in der letzten Szene muss der Jungbauer für seine Stina ein Herz aus Rosenblättern und den Initialen “L + S” auf dem Boden des Schlafzimmers drapieren, was er lt. Inka noch für niemanden gemacht hat. (Na und, wer macht so etwas denn überhaupt?) Er hat sich nämlich angeblich “unsterblich” in die Blondine verliebt. Nachher sagt Lukas im Interview den schönen Satz “Jetzt muss ich Leidenschaft und Landwirtschaft miteinander verbinden.” Das wäre auch ein schöner Titel für diesen Blog gewesen, vielleicht nächstes Mal.

    In der idyllischen Eifel geht es heute ebenfalls nur um das eine, nämlich die Viecher: Der ehrliche Schafsbauer Lämmes und seine “tätowierte Moni” (O-Ton RTL) füttern die kuscheligen Karnickel. Ihre Absichten sind nicht ganz selbstlos, denn schon am Sonntag wird eines der Tiere den Löffel abgeben müssen und auf dem bäuerlichen Mittagstisch landen. Lämmes startet einen schwer pornoverdächtigen Annäherungsversuch, als er auf der Wiese hinter die sensenschwingende Moni tritt und sie von beiden Seiten umfasst, angeblich, um ihr den richtigen Schwung zu zeigen (“hiermit tust Du so machen und mit der anderen Hand tust Du so machen…”). Haha, vom Billard kennt man(n) als Stadtmensch einen ähnlichen Trick ja schon, aber mit der Sense ist mir das neu. Drei Erotikpunkte!

    Die zweite Szene zeigt Lämmes und Moni beim Schafetreiben von einer zur anderen Weide. Was zuerst einigermaßen idyllisch beginnt, entwickelt sich in Minutenschnelle zum Actiondrama, denn scheinbar verschreckt die Anwesenheit der tätowierten Braut (oder des Fernsehteams) die Tiere. Irgendwo biegt die Herde falsch ab, Lämmes kriegt einen mittelschweren Tobsuchtsanfall, blafft seinen Hund an, reckt die Arme zum Himmel, schlägt sich vor die Stirn, rennt hektisch den Schafen hinterher und das Ganze versinkt im Chaos. Alles rennet, rettet, flüchtet und Moni hinterher. Vielleicht reagieren Wollschafe ja allergisch auf Tattoos? Lämmes meint später, die Tiere seien wohl wegen Monis Schönheit verwirrt gewesen. Na ich weiß nicht, das schien mir eher echte Panik zu sein, die wittern bestimmt, dass die Schwäbin gelernte Fleischwarenfachfrau ist.

    In Hessen, beim lustigen Ackerbauern Willy, geht es ebenfalls zum Ausmisten in den Kuhstall (wieso der sich dann überhaupt “Ackerbauer” nennt, frage ich mich). Erstmals ist er dabei nicht mehr allein, die “robuste Rosi” begleitet ihn heute. Letzte Woche hatte man sie noch mit “munter” tituliert, diesmal also sogar schon “robust”. Was kommt dann erst nächstes Mal, “rollig” oder “rund”? Alles stimmt und Rosi zwängt ihre Rubensfigur in einem heftigen Kampf gegen die Schwerkraft mühevoll in die bereitgestellten Gummistiefel. Korrespondierend zu ihren rot gefärbten Haaren trägt die rheinische Frohnatur eine schockrote, hautenge Bluse, was zumindest in Torero-Kreisen eher nicht als sonderlich beruhigend für den Umgang mit Rindviechern gilt. Leider wissen das die hessischen Kühe aber nicht und so verlaufen die Szenen in Willys Stall enttäuschend harmonisch. Rosi erkundigt sich beim Bauern vorsichtig, ob die Kühe denn beißen würden, aber wenn man die robuste Rheinländerin so sieht, würde ich es im Gegenteil eher als Kuh mit der Angst bekommen… :-)

    Der Kuhscheißepegel im Stall erregt ihren Unmut und nachdem die Mistgabel ein paar Mal im Boden steckengeblieben ist, macht Rosi ihrem Bäuerchen Vorwürfe, wieso er denn nicht täglich die Hinterlassenschaft seiner Herde beseitige und die Dinge so schleifen lasse. Willy druckst und murmelt so eine Art Entschuldigung, soweit ich das überhaupt verstehen konnte.

    Später in der Küche nervt Rosi weiter, verpflichtet ihren Bauern in einem ziemlich schroffen Kommandoton zum Zwiebel- und Kartoffelschälen. Danach legt sie aber selbst los und fabriziert in Windeseile die Koteletts zum Mittagessen. Kunststück, sie ist ja auch gelernte Imbiss-Köchin. Willy spachtelt ordentlich und schmatzt dabei wohl auch ein wenig. Seine Braut ergreift die günstige Gelegenheit, ihren Bauern so richtig nach Strich und Faden vor einem Millionenpublikum zu blamieren: “Man hört, dass es Dir schmeckt, Du hast wohl noch nicht oft mit anderen Leuten gegessen? Ich finde, man muss sich am Tisch etwas benehmen, schneid’ Dir doch kleinere Stücke ab und schmatz’ nicht so beim Essen!”. Rummms, diese öffentliche Ohrfeige hat gesessen, wer hier wohl die Hosen anhat? Oder anhätte, wenn die beiden überhaupt zusammenkämen, was ich mir eigentlich nicht so ganz vorstellen kann. Und es geht auch sofort weiter, denn wo sie schon mal dabei ist, meckert Rosi gleich auch noch über die Sauberkeit in Willys Stall. Wenn das so bliebe, müsse sie sich überlegen, ob sie bei ihm bleiben könne… :-(

    So, ziehen wir die Tagesbilanz: Da köchelt es also allenthalben, während Lukas und Stina so langsam zur Sache kommen, bastelt Rosi heftig an ihrem Rauswurf. Und ob das mit Lämmes und Moni lange gut geht, kann man nach der heutigen Schafspanik zumindest bezweifeln. Ruhiger ist es dagegen bei Barbara und Gerhard, da köchelt höchstens der alte Kohleherd, aber meist nicht mal der. Gerhard schließlich ist jenseits von gut und böse, der merkt nichts mehr, aber solange Janet Spaß am Leben vor der Kamera hat, sehe ich noch keine Gefahr für die Romanze. (Danach ist sofort Sense, jede Wette.)

    Bis zum nächsten Montag dann also, man liest sich!

  • Liebe Leute,

    immer wenn den Fernsehmokeln bei RTL nichts mehr einfällt oder wenn sie Geld sparen wollen, dann gehen sie ins Archiv und backen sich aus alten Serienkonserven neue Folgen ihrer Quotenhits. “Soundso besucht seine alten Fälle”, wobei das “Soundso” z.B. für den Sterneinhaber und Restauranttester Christian Rach stehen kann oder eben – seit heute – auch für Peter Zwegat.

    “Wenn schon insolvent, dann wenigstens mit Zwegat”, wer hätte das in einem schwachen Moment nicht schon einmal still und heimlich bei sich gedacht? Und angeblich gehen viele Leute doch absichtlich pleite, nur um einmal mit dem Berliner Kultschuldnerberater sprechen zu dürfen. Kann ich alles verstehen, warum auch nicht, Mediengeilheit ist schließlich nicht strafbar. Aber selbst ein Superstar braucht mal eine kleine Auszeit, warum sollte es Peter Zwegat anders gehen?

    Heute tritt Opa Zwegat jedenfalls entschieden kürzer, die neueste Folge seines televisionären Schuldenprangers behandelt nämlich drei längst archivierte Fälle aus früheren Staffeln, wo es lt. Drehbuchautoren doch noch irgend etwas zu regeln gibt. Natürlich garniert RTL die wenigen Augenblicke, die tatsächlich im Hier und Heute spielen, mit reichlich Rückblenden aus Peterles Ablage.

    Die Folge beginnt in Krefeld mit Horst Kratz, einem überzeugten Anhänger der No-Money-Bewegung, sprich: Erst ist schon seit Jahren chronisch bankrott. Wie er die 50.000 Euro Schulden angehäuft hat, spielt für die heutige Folge fast keine Rolle. Die Drehbuchschreiber hatten im Jahr 2009 ganze Arbeit geleistet: Horst war nicht nur pleite und schlampig, sondern auch noch arbeitslos, hatte seine Frau betrogen und war deswegen aus der gemeinsamen Wohnung geflogen. Außerdem hatte er seinen Führerschein verloren und zu guter Letzt drohte ihm auch noch eine Gefängnisstrafe, weil er innerhalb einer zuvor für eine andere Straftat verhängten Bewährung auch noch eine Körperverletzung begangen hatte. Aber wofür hat man schließlich Mahatma Zwegat? Der brachte damals die Eheleute wieder zusammen, besorgte ihnen eine neue Wohnung, holte Horsts Lappen zurück (inkl. Idiotentest), schaffte den Vergleich mit den Gläubigern und konnte dann auch noch erreichen, dass das Gericht statt der drohenden Haftstrafe doch “nur” eine Geldstrafe verhängte.

    Alles gut, damit könnten die Kratzens in Ruhe alt werden, wenn bloß nicht das Fernsehen wäre: RTL hat jetzt, ein Jahr nach dem oben geschilderten Fall, einen akuten Mangel an neuen Schuldnergeschichten und besinnt sich deshalb wieder auf Hotte Kratz. Die Drehbuchschreiber konstruieren eine neue hanebüchene Geschichte vom schluderigen Horst, der eine Rate für irgendein dubioses Bußgeld nicht bezahlt hat und dafür nun Post vom Staatsanwalt bekommt, dass er zur Strafe 100 Tage in den Knast einfahren soll. Mannomann, die Krefelder sind ja wohl ganz scharfe Hunde, für einmal die Rate nicht bezahlen wandert man hier gleich 100 Tage in den Bau! Wer da bei Rot über die Ampel geht, findet sich vermutlich sofort in Guantanamo wieder…

    Zwegat wird gerufen und erscheint natürlich auch prompt, das ist ja schließlich sein Job, jedenfalls so eine Art. Er schimpft ein bisschen mit seinem längst erledigt gewähnten Klienten und redet danach mit dem extra-böse dreinblickenden Staatsanwalt, der seinen Kurzauftritt als Dudu-Mann aber sichtlich genießt. Natürlich, wie kann es anders sein, lässt sich der Jurist durch den Berliner Gutmenschen erweichen und Horst Kratz darf weiter ungesiebte Luft atmen. Das war schon alles, für so einen Pillepalle lassen die den alten Mann eigens aus Berlin anreisen, man glaubt es nicht. Wir sehen uns dann wohl 2011 wieder, wenn Peter Zwegat erneut nach Krefeld gerufen wird, weil sein Mandant die Zahnpastatube nicht alleine aufkriegt.

    Nächster Fall, jetzt geht’s in die Nähe von Potsdam in Brandenburg. Hier benötigt Ramona Koch dringend die Unterstützung durch das Fernsehen, denn noch immer drücken sie hohe Schulden. Rückblende: Wir erfahren, wie Ramona und ihr damaliger Ehemann sich ohne Eigenkapital ein teures Haus andrehen lassen, dann durch Arbeitslosigkeit nicht mehr die Kreditraten bezahlen können und deswegen sogar am Ende die Ehe in die Brüche geht. Damals ging es um etwa 170.000 Euro Außenstände, die Peter Zwegat in der 2009er-Staffel durch Handauflegen (und einen Vergleich) wesentlich zusammenschmelzen ließ. Das Haus musste damals allerdings verkauft werden. Nun (2010) wohnt die mittlerweile alleinerziehende Ramona mit ihren drei Kindern in einer Wohnung und sitzt noch auf gut 38.000 Euro Restschulden. Da ihr zukünftiger Ex-Mann dazu nichts beiträgt, drücken die monatlichen Raten doch sehr.

    Kein Problem für Super-Peter, er spricht mit der Commerzbank und erzielt prompt eine Einigung, über die er aber ärgerlicherweise im Fernsehen nicht sprechen darf. Die beiden anderen Gläubiger lassen sich auf einen Vergleich ein. Summa summarum wird Ramone die neue Rate schaffen können, muss aber in den nächsten Jahren immer pünktlich zahlen, sonst wird die gesamte Einigung hinfällig, sagt der Berliner. Das ging ja schon wieder alles viel zu einfach, wo bleiben denn die erhofften Wutanfälle auf Seiten von Zwegat oder (idealerweise: “und”) seinen Klienten?

    Letzter Versuch, der dritte Fall führt uns auf die Insel Fehrmarn zum “Piratennest” im Ort Orth (was für ein doofer Name!). Hier half Peter Zwegat Anfang 2008, als er noch ein jung-dynamischer Schuldnerberater-Azubi war, dem Fischrestaurant von Volker Sönnichsen und Erika Heilmann wieder auf die Beine. Finanzamt, Energieversorger und Banken trieben den Laden fast in den Ruin und die Besitzer hatten damals bei einem Kontostand von 466.000 Euro Miesen schlotternd den Anruf bei RTL getätigt, mit dem sie den Schuldnerberater alarmierten. Insgesamt sieben Mal war er seinerzeit auf die Insel gefahren, behauptet die Stimme aus dem Off. Nach einigen organisatorischen Änderungen bis hin zur runderneuerten Speisekarte (Rach lässt grüßen!) läuft der Laden erschreckend besser und man atmet auf: Gäste und Einnahmen sind wieder da, man kann schon erhebliche Teile des Kredits abstottern. Dann der Rückschlag: Der Sparkasse Holstein reicht das alles noch nicht, sie kündigt aus angeblich unklaren Gründen den Kreditvertrag, obwohl alle Raten wie vereinbart bezahlt wurden. Schweinebande! Zwegat kriegt es aber hin, dass die Deutsche Bank dem “Piratennest” einen neuen Kredit gewährt. Damit ist alles gerettet.

    Bleibt nur die Frage, aus welchem Grund Peter Zwegat in dieser Revival-Folge dem “Piratennest” einen Besuch abstattet. Und die Antwort: ES GIBT KEINEN!!! Hier läuft weiterhin alles gut, Volker und Erika sind bald schuldenfrei und es geht ihnen prächtig. Diese dritte Episode innerhalb der heutigen Folge ist eine reine Mogelpackung und besteht fast nur aus Rückblenden, in Not ist hier niemand. Stattdessen dürfen wir Zwegat und die Piratennestbetreiber bei einem kleinen Bootstörn um die Insel begleiten. Mehr ist nicht. Frechheit!!!

    Ich bin so empört über diese Verschwendung von Sendezeit und Blogplatz, dass ich diesen Eintrag nun hier beende. Sowas aber auch, mein lieber Scholli, das muss nächste Woche aber wieder besser werden… :-)

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  • Liebe Anhängerinnen und Anhänger des Inka-Bause-Fanclubs (und auch alle anderen),

    etwa genau so alt wie Halloween, der Tag, an dem neuerdings eklig verkleidete Kinder unverschämt bettelnd durch unsere Straßen marodieren, ist auch eine zweite Zombie-Tradition: Immer so um diese Jahreszeit schickt Inka Bause den ersten Trupp unverzagter Jungfrauen auf die Höfe ihrer auserwählten untoten Bauern. Wobei man hier und da “untot” nochmal genau definieren sollte… Und ehrlich gesagt: “Jungfrauen” sind die womöglich auch nicht mehr alle…

    Den Anfang macht Harald, der scheußliche Schweinebauer, äh “charmante”, meinte ich. Der berichtet – wie immer grinsend – seinem Bruder Reiner über das angeblich gerade gewesene Scheunenfest. Wir erinnern uns, der nuschelige Mittelfranke hatte dort bei der Frauenlotterie den Hauptgewinn gezogen, nämlich Jeanette aus Kuba. Wegen der Unwahrscheinlichkeit einer solchen Paarung in freier Wildbahn erhofft sich RTL hier vermutlich wieder viel Publicity. Der Drehbuchautor dürfte wohl derselbe sein, der im letzten Jahr die noch etwas exotischere Lovestory von Josef und Narumol gedichtet hatte. Mit den beiden hat Harald übrigens die Unverständlichkeit der Sprache gemeinsam; auch sein fränkisches Idiom muss in großen Teilen untertitelt werden.

    Wir sehen Harald dann in einer Actionszene beim mühsamen Beziehen der Schweinebauerngästebetten für den Damenbesuch, dem ersten in seinen 44 Lebensjahren. Kurze Zeit später steht er mit einer roten Rose an einer Bushaltestelle im fränkischen Nichts, inmitten von leuchtenden Kornfeldern. Für Cineasten: Die Szene erinnert mich etwas an den Angriff des Sprühflugzeugs auf Cary Grant in Alfred Hitchcocks genialem Thriller “Der unsichtbare Dritte“. Der Dorfbus kommt und bringt Jeanette. Ehrlicherweise muss ich hier erwähnen, dass Jeanette schon seit einigen Jahren als Hausfrau im Ruhrgebiet lebt. Das hindert sie aber nicht an der Kultivierung eines putzigen Akzents, der auf ein paar hübsche Versprecher à la “fick und fertig” hoffen lässt.

    In der nächsten Szene erreichen sie das heimische Bauernhaus. Jeanette staunt und ich auch: Nämlich über Haralds Vorliebe für die Farbe Gelb. Der Flur ist gelb, die 70er-Jahre-Retro-Kacheln in der Küche sind gelb und sogar das speckige T-Shirt von Bruder Reiner, der wie selbstverständlich in Haralds Küche herumhantiert. Der Bruder wirkt auch etwas, nun ja, sonderbar, ist lt. Einblendung 38 Jahre alt und sieht auch keinen Tag älter aus als 50. Wohnen die beiden etwa zusammen und wenn ja, hat Jeanette “das Kleingedruckte” vorher gelesen? (Wie schon im Blogtitel angedeutet, war gestern Halloween…)

    Jeanette trinkt sich mit einem Maßkrug Bier Mut an und Jungbauer Harald klärt sie schnell über die heimischen Hygieneverhältnisse auf: Den Deckel auf dem Krug müsse sie nach dem Schluck schnell schließen, sonst gehen da Fliegen dran. Nur nicht drüber nachdenken, Gott sei dank sind gerade die Würstchen fertig, die Reiner auf dem Herd gebrutzelt hat und wieder lernt Jeanette eine fränkische Eigenheit: Die Bauern benutzen hier offenbar keine Teller, sondern servieren auch das warme Essen auf einem Holzbrettchen. Die Kubanerin nimmt das Ganze gelassen: “Iss habbe mich wirklich wohl gefühl, wie in ein richtige Familie.”

    Danach steht ein Besuch in Haralds Schlafzimmer an. Hier muss sie beim besten Willen nichts befürchten, der Mittelfranke hat nur ein einzelnes Bett und außerdem hängen überall Aufkleber aus seiner Jugendzeit, was ihn ganz besonders harmlos erscheinen lässt. Jeanette lacht beim Interview “iss wie ein Kinderssimmer”. Ihr eigenes Gästezimmer hat dafür ein Doppelbett: “iss nich’ für Kinder”, lautet ihr Expertenurteil und Harald grinst dazu etwas hilflos. Er hat wohl schon die nächsten Drehbuchseiten durchgelesen und weiß, was ihm hier noch droht: Zum Ende dieser Folge muss er Jeanette, die sich bereits für die Nacht zurückgezogen hat, mit einer Rose und zwei Gläsern Sekt die Aufwartung machen. Selbstverständlich ist das alles spontan und echt. Nur komisch, dass die Kamera schon drinnen im Gästezimmer ist, als der bräsige Bauer an Jeanettes Tür klopft. Und zufällig hat die Kubanerin auch gerade ein eingepacktes Geschenk für den dauergrinsenden Harald griffbereit, ein kleines Büchlein mit Lebensweisheiten, aus welchem sie ad hoc ein paar Verse deklamiert.

    Der urige Gerhard lebt nach wie vor auf einem rüstigen Hühnerhof in der Oberlausitz. Er ist einer der wenigen noch vorzeigbaren Schulkumpel von Jopi Heesters, hat allerdings hier und da auch schon leichte Ausfallserscheinungen, z.B. bei den Zähnen. Dennoch fühlt er sich noch fit für eine neue Damenbekanntschaft. Ihm hat es die gelernte Melkerin Barbara aus Thüringen angetan. In völlig unverständlichem Kauderwelsch, vermutlich Oberlausitzisch, erläutert Gerhard der dankbaren Zuseherschaft seine Vorbereitungen inkl. dem Staubsaugen. Danach macht er sich im Sonntagsanzug auf den Weg zum Bahnhof, wo gleich in der nächsten Szene seine Auserwählte eintrudelt.

    Der greise Gerhard zeigt der etwas betulichen Barbara (59) sein einem Heimatmuseum gleichendes Haus. Sie ist vom Fach, denn sie trägt natürlich eines der allseits beliebten groben Karohemden und bewundert die olle Lampe und den altertümlichen Küchenherd. Später im Einzelinterview gibt sie sich dann eher diplomatisch: “… wer das liebt…” Das Gästezimmer ist übrigens saupraktisch eingerichtet, außer den beiden antiken Gästebetten füllt ein riesiger Geschirrschrank den Raum, daneben steht Gerhards Kühltruhe mit den Fleischvorräten. Wenn die Holde des Nachts also mal der Hunger quält, reicht ein beherzter Griff ins Tiefkühlfach…

    Die Besichtigung des Hühnerhofs ergibt eine Gesamtzahl von 25 Puten, 90 Hühnern, 100 Tauben und 5 Schafen. Eines der letzteren erkennt in Barbara wohl einen besonders großen Leckerbissen mit Karomuster und knabbert sie an. “Ahh, die beißt mich in den Zieben!”, kreischt sie in ihrem Dialekt. Man sieht den Angriff nicht direkt und da auch die Untertitel und Wikipedia keine Erklärung anbieten, habe ich keine Ahnung, wo oder was der “Zieben” ist. Auf jeden Fall hat Barbara viel davon, das ist sicher. ;-)

    Ganz Deutschland steht noch immer unter Schock, dass der doch angeblich so “ehrliche” Schäferwirt Lämmes auf dem Scheunenfest in der letzten Woche kurzerhand seine eigentlich favorisierte Anne nach nur wenigen Minuten gegen die abgelegte Sekundärbraut Moni des Biobauern Johannes eingetauscht hat. :-o Zuhause in der idyllischen Eifel wartet Mutter Änni auf die Rückkehr ihres läufigen Sohnes vom Scheunenfest, der ihr denn auch gleich von seinen neu entdeckten Qualitäten als Schürzenjäger berichtet. Die Mutter lächelt stolz und vergießt sogar ein paar Tränen. Hinterher macht sie vor der Kamera das intime Geständnis, für den Erfolg ihres Sohnes beim anderen Geschlecht gebetet zu haben. Dann zeigt uns RTL, wie der 39jährige verzweifelt, aber vergeblich, sein Bett zu beziehen versucht. Wie gut, dass er mit Muttern zusammenlebt! Die richtet Lämmes Lümmelwiese perfekt her, nun kann Moni kommen, die auffällig tätowierte schwäbische Fleischwarenfachfrau.

    Moni kommt am Bahnhof an und für den 1,99m langen Schäfer geht die Sonne auf. Als Gastgeschenk überreicht sie Lämmes Mami einen praktischen Efeu im Topf – tolle Idee, falls man noch kein Unkraut im Garten hat. ;-) Nachher gibt Mutter Änni schon mal einen Zwischenkommentar zu Protokoll: Die Möchtegern-Schwiegertochter sei ja ein bisschen mollig, aber wenn das ihrem Sohn nichts ausmache, sie könne damit leben. Na, da haben wir ja noch mal Glück gehabt!

    Hinterher macht Lämmes den Härtetest mit Moni: Sie gehen zu seinem Kaninchenstall und sie sucht ohne Umschweife ein besonders kuschelig aussehendes Exemplar für den Sonntagsbraten aus. Hmm, das imponiert Lämmes, die Fleischwarenfachfrau ist genau seine Kragenweite.

    In Hessen bereitet sich der witzige lustige Ackerbauer Willy auf die Hofwoche vor. Auch hier hat RTL wohl die Grundversorgung mit Bettwäsche finanziert und zeigt Willy bei dem Versuch, diese aufzuziehen. Er erwartet die muntere Rosi. “Munter” ist ja bei BsF immer ein Euphemismus für undürr, rundlich oder gar moppelig. Rosi ist dabei sogar ziemlich munter, wenn Ihr wisst, was ich meine. :-) Das ist auch kein Wunder, die Rheinländerin ist nämlich von Haus aus Imbiss-Köchin und mag ihre Arbeit offensichtlich sehr. Außerdem ist sie der lebende Beweis, dass die karnevalsgestählten Rheinländer den Kubanern in puncto Temperament und Lautstärke in nichts nachstehen. Sie besichtigt erst ihr farbenfrohes, helles Gästezimmer und dann des Bauern eigene, etwas karge Bettstatt, die den Junggesellen erahnen lässt. “Dein Bett ist ja groß, da könnten auch zwei drin schlafen!”, macht Rosi ihrem Willy nur notdürftig getarnte Avancen.

    Der anschließende Besuch im Kuhstall wirkt doch arg geskriptet, die Dialoge sind noch hölzerner als ohnehin. Und Willy sagt seinen Text sowieso immer ganz besonders ungelenk auf, so spricht doch kein Mensch. Und Rosi, die Wuchtbrumme in der hautengen roten Bluse, wiederholt Szenen aus der letzten Staffel, als sie eine noch namenlosen Kuh auf den Namen “Sina” taufen darf. Willy: “Nun wollen wir aber wieder rüber zum Essen.” Rosi: “Ja, das ist aber mal eine gute Idee.” Ach Du meine Güte, was für ein künstlicher Dialog.

    In ihrer letzten Szene sehen wir die beiden beim Abendessen in Willy Küche, es gibt Milch und ein riesiges Stück Wurst. Rosi scheint es sehr zu schmecken, “mmmmh, wirklich lecker!”, kurz darauf ist die Wurst verschwunden. Landluft macht bekanntlich Appetit, was mich in diesem speziellen Fall allerdings etwas besorgt, denn ich habe keinen 16:9-Fernseher. :-) Mit einem Gute-Nacht-Küsschen für den Bauern verabschiedet sich Rosi aus der heutigen Folge.

    Im Sauerland hängt der Haussegen schief: Rinderwirt Lukas, den mit seinen stattlichen 21 Jahren heftigste Torschlusspanik plagt, hat von seiner auserwählten Regina im Nachklapp zum Scheunenfest einen Korb gekriegt. RTL unterlegt die Weltschmerzbilder von dem Jungbauern beim einsamen Schweinefüttern mit Phil Collins schwermütiger Ballade “Against all Odds”. Die beiden Fast-Liebenden seien doch nicht für einander geschaffen gewesen, behauptet Frau Bause aus dem Öfföff, äh Off. Aber Inka hat ja nicht umsonst die Zusatzausbildung als staatlich anerkannte Agrarkupplerin gemacht, sie hat für solche Notfälle selbstverständlich eine Idee in petto: Lukas wühlt (im grünen Karohemd) einfach nochmal seinen Bewerberinnenfundus durch und stößt – oh, welche Freude – auf die Ruhrpottlerin Stina. Besonders ihre großen… Augen haben es ihm sichtlich angetan.

    Schon eine Szene später trifft die bestellte Blondine im Sauerland ein. Im Gegensatz zu allen anderen Frauen wird sie nicht abgeholt, sondern muss im eigenen Auto auf den Hof rollen. Charmant, Lukas, Du alter Frauenversteher! Und natürlich trägt er wieder das grüne Karohemd! (“Never change a winning Team”, wie der Amerikaner sagt…)

    Also tutti paletti, noch sind alle Bauern im Rennen, die Staffel läuft bisher wunschgemäß. Okay, die sprachliche Verwirrung zwischen Harald und Jeanette könnte gern noch ein bisschen größer sein und die rotklamottige Rosi nervt mit ihrer lauten Fröhlichkeit doch etwas, aber wir sind ja auch noch ganz am Anfang aller Peinlichkeiten. Mit der freudigen Aussicht auf viele weitere Karohemdszenen und ultrakünstliche, hölzerne Dialoge verabschiede ich mich bis zum nächsten Montag, wenn es in den Kuhställen der Republik wieder heißt: “Kamera läuft!”