• Liebe Anhängerinnen und Anhänger des Inka-Bause-Fanclubs (und auch alle anderen),

    etwa genau so alt wie Halloween, der Tag, an dem neuerdings eklig verkleidete Kinder unverschämt bettelnd durch unsere Straßen marodieren, ist auch eine zweite Zombie-Tradition: Immer so um diese Jahreszeit schickt Inka Bause den ersten Trupp unverzagter Jungfrauen auf die Höfe ihrer auserwählten untoten Bauern. Wobei man hier und da “untot” nochmal genau definieren sollte… Und ehrlich gesagt: “Jungfrauen” sind die womöglich auch nicht mehr alle…

    Den Anfang macht Harald, der scheußliche Schweinebauer, äh “charmante”, meinte ich. Der berichtet – wie immer grinsend – seinem Bruder Reiner über das angeblich gerade gewesene Scheunenfest. Wir erinnern uns, der nuschelige Mittelfranke hatte dort bei der Frauenlotterie den Hauptgewinn gezogen, nämlich Jeanette aus Kuba. Wegen der Unwahrscheinlichkeit einer solchen Paarung in freier Wildbahn erhofft sich RTL hier vermutlich wieder viel Publicity. Der Drehbuchautor dürfte wohl derselbe sein, der im letzten Jahr die noch etwas exotischere Lovestory von Josef und Narumol gedichtet hatte. Mit den beiden hat Harald übrigens die Unverständlichkeit der Sprache gemeinsam; auch sein fränkisches Idiom muss in großen Teilen untertitelt werden.

    Wir sehen Harald dann in einer Actionszene beim mühsamen Beziehen der Schweinebauerngästebetten für den Damenbesuch, dem ersten in seinen 44 Lebensjahren. Kurze Zeit später steht er mit einer roten Rose an einer Bushaltestelle im fränkischen Nichts, inmitten von leuchtenden Kornfeldern. Für Cineasten: Die Szene erinnert mich etwas an den Angriff des Sprühflugzeugs auf Cary Grant in Alfred Hitchcocks genialem Thriller “Der unsichtbare Dritte“. Der Dorfbus kommt und bringt Jeanette. Ehrlicherweise muss ich hier erwähnen, dass Jeanette schon seit einigen Jahren als Hausfrau im Ruhrgebiet lebt. Das hindert sie aber nicht an der Kultivierung eines putzigen Akzents, der auf ein paar hübsche Versprecher à la “fick und fertig” hoffen lässt.

    In der nächsten Szene erreichen sie das heimische Bauernhaus. Jeanette staunt und ich auch: Nämlich über Haralds Vorliebe für die Farbe Gelb. Der Flur ist gelb, die 70er-Jahre-Retro-Kacheln in der Küche sind gelb und sogar das speckige T-Shirt von Bruder Reiner, der wie selbstverständlich in Haralds Küche herumhantiert. Der Bruder wirkt auch etwas, nun ja, sonderbar, ist lt. Einblendung 38 Jahre alt und sieht auch keinen Tag älter aus als 50. Wohnen die beiden etwa zusammen und wenn ja, hat Jeanette “das Kleingedruckte” vorher gelesen? (Wie schon im Blogtitel angedeutet, war gestern Halloween…)

    Jeanette trinkt sich mit einem Maßkrug Bier Mut an und Jungbauer Harald klärt sie schnell über die heimischen Hygieneverhältnisse auf: Den Deckel auf dem Krug müsse sie nach dem Schluck schnell schließen, sonst gehen da Fliegen dran. Nur nicht drüber nachdenken, Gott sei dank sind gerade die Würstchen fertig, die Reiner auf dem Herd gebrutzelt hat und wieder lernt Jeanette eine fränkische Eigenheit: Die Bauern benutzen hier offenbar keine Teller, sondern servieren auch das warme Essen auf einem Holzbrettchen. Die Kubanerin nimmt das Ganze gelassen: “Iss habbe mich wirklich wohl gefühl, wie in ein richtige Familie.”

    Danach steht ein Besuch in Haralds Schlafzimmer an. Hier muss sie beim besten Willen nichts befürchten, der Mittelfranke hat nur ein einzelnes Bett und außerdem hängen überall Aufkleber aus seiner Jugendzeit, was ihn ganz besonders harmlos erscheinen lässt. Jeanette lacht beim Interview “iss wie ein Kinderssimmer”. Ihr eigenes Gästezimmer hat dafür ein Doppelbett: “iss nich’ für Kinder”, lautet ihr Expertenurteil und Harald grinst dazu etwas hilflos. Er hat wohl schon die nächsten Drehbuchseiten durchgelesen und weiß, was ihm hier noch droht: Zum Ende dieser Folge muss er Jeanette, die sich bereits für die Nacht zurückgezogen hat, mit einer Rose und zwei Gläsern Sekt die Aufwartung machen. Selbstverständlich ist das alles spontan und echt. Nur komisch, dass die Kamera schon drinnen im Gästezimmer ist, als der bräsige Bauer an Jeanettes Tür klopft. Und zufällig hat die Kubanerin auch gerade ein eingepacktes Geschenk für den dauergrinsenden Harald griffbereit, ein kleines Büchlein mit Lebensweisheiten, aus welchem sie ad hoc ein paar Verse deklamiert.

    Der urige Gerhard lebt nach wie vor auf einem rüstigen Hühnerhof in der Oberlausitz. Er ist einer der wenigen noch vorzeigbaren Schulkumpel von Jopi Heesters, hat allerdings hier und da auch schon leichte Ausfallserscheinungen, z.B. bei den Zähnen. Dennoch fühlt er sich noch fit für eine neue Damenbekanntschaft. Ihm hat es die gelernte Melkerin Barbara aus Thüringen angetan. In völlig unverständlichem Kauderwelsch, vermutlich Oberlausitzisch, erläutert Gerhard der dankbaren Zuseherschaft seine Vorbereitungen inkl. dem Staubsaugen. Danach macht er sich im Sonntagsanzug auf den Weg zum Bahnhof, wo gleich in der nächsten Szene seine Auserwählte eintrudelt.

    Der greise Gerhard zeigt der etwas betulichen Barbara (59) sein einem Heimatmuseum gleichendes Haus. Sie ist vom Fach, denn sie trägt natürlich eines der allseits beliebten groben Karohemden und bewundert die olle Lampe und den altertümlichen Küchenherd. Später im Einzelinterview gibt sie sich dann eher diplomatisch: “… wer das liebt…” Das Gästezimmer ist übrigens saupraktisch eingerichtet, außer den beiden antiken Gästebetten füllt ein riesiger Geschirrschrank den Raum, daneben steht Gerhards Kühltruhe mit den Fleischvorräten. Wenn die Holde des Nachts also mal der Hunger quält, reicht ein beherzter Griff ins Tiefkühlfach…

    Die Besichtigung des Hühnerhofs ergibt eine Gesamtzahl von 25 Puten, 90 Hühnern, 100 Tauben und 5 Schafen. Eines der letzteren erkennt in Barbara wohl einen besonders großen Leckerbissen mit Karomuster und knabbert sie an. “Ahh, die beißt mich in den Zieben!”, kreischt sie in ihrem Dialekt. Man sieht den Angriff nicht direkt und da auch die Untertitel und Wikipedia keine Erklärung anbieten, habe ich keine Ahnung, wo oder was der “Zieben” ist. Auf jeden Fall hat Barbara viel davon, das ist sicher. ;-)

    Ganz Deutschland steht noch immer unter Schock, dass der doch angeblich so “ehrliche” Schäferwirt Lämmes auf dem Scheunenfest in der letzten Woche kurzerhand seine eigentlich favorisierte Anne nach nur wenigen Minuten gegen die abgelegte Sekundärbraut Moni des Biobauern Johannes eingetauscht hat. :-o Zuhause in der idyllischen Eifel wartet Mutter Änni auf die Rückkehr ihres läufigen Sohnes vom Scheunenfest, der ihr denn auch gleich von seinen neu entdeckten Qualitäten als Schürzenjäger berichtet. Die Mutter lächelt stolz und vergießt sogar ein paar Tränen. Hinterher macht sie vor der Kamera das intime Geständnis, für den Erfolg ihres Sohnes beim anderen Geschlecht gebetet zu haben. Dann zeigt uns RTL, wie der 39jährige verzweifelt, aber vergeblich, sein Bett zu beziehen versucht. Wie gut, dass er mit Muttern zusammenlebt! Die richtet Lämmes Lümmelwiese perfekt her, nun kann Moni kommen, die auffällig tätowierte schwäbische Fleischwarenfachfrau.

    Moni kommt am Bahnhof an und für den 1,99m langen Schäfer geht die Sonne auf. Als Gastgeschenk überreicht sie Lämmes Mami einen praktischen Efeu im Topf – tolle Idee, falls man noch kein Unkraut im Garten hat. ;-) Nachher gibt Mutter Änni schon mal einen Zwischenkommentar zu Protokoll: Die Möchtegern-Schwiegertochter sei ja ein bisschen mollig, aber wenn das ihrem Sohn nichts ausmache, sie könne damit leben. Na, da haben wir ja noch mal Glück gehabt!

    Hinterher macht Lämmes den Härtetest mit Moni: Sie gehen zu seinem Kaninchenstall und sie sucht ohne Umschweife ein besonders kuschelig aussehendes Exemplar für den Sonntagsbraten aus. Hmm, das imponiert Lämmes, die Fleischwarenfachfrau ist genau seine Kragenweite.

    In Hessen bereitet sich der witzige lustige Ackerbauer Willy auf die Hofwoche vor. Auch hier hat RTL wohl die Grundversorgung mit Bettwäsche finanziert und zeigt Willy bei dem Versuch, diese aufzuziehen. Er erwartet die muntere Rosi. “Munter” ist ja bei BsF immer ein Euphemismus für undürr, rundlich oder gar moppelig. Rosi ist dabei sogar ziemlich munter, wenn Ihr wisst, was ich meine. :-) Das ist auch kein Wunder, die Rheinländerin ist nämlich von Haus aus Imbiss-Köchin und mag ihre Arbeit offensichtlich sehr. Außerdem ist sie der lebende Beweis, dass die karnevalsgestählten Rheinländer den Kubanern in puncto Temperament und Lautstärke in nichts nachstehen. Sie besichtigt erst ihr farbenfrohes, helles Gästezimmer und dann des Bauern eigene, etwas karge Bettstatt, die den Junggesellen erahnen lässt. “Dein Bett ist ja groß, da könnten auch zwei drin schlafen!”, macht Rosi ihrem Willy nur notdürftig getarnte Avancen.

    Der anschließende Besuch im Kuhstall wirkt doch arg geskriptet, die Dialoge sind noch hölzerner als ohnehin. Und Willy sagt seinen Text sowieso immer ganz besonders ungelenk auf, so spricht doch kein Mensch. Und Rosi, die Wuchtbrumme in der hautengen roten Bluse, wiederholt Szenen aus der letzten Staffel, als sie eine noch namenlosen Kuh auf den Namen “Sina” taufen darf. Willy: “Nun wollen wir aber wieder rüber zum Essen.” Rosi: “Ja, das ist aber mal eine gute Idee.” Ach Du meine Güte, was für ein künstlicher Dialog.

    In ihrer letzten Szene sehen wir die beiden beim Abendessen in Willy Küche, es gibt Milch und ein riesiges Stück Wurst. Rosi scheint es sehr zu schmecken, “mmmmh, wirklich lecker!”, kurz darauf ist die Wurst verschwunden. Landluft macht bekanntlich Appetit, was mich in diesem speziellen Fall allerdings etwas besorgt, denn ich habe keinen 16:9-Fernseher. :-) Mit einem Gute-Nacht-Küsschen für den Bauern verabschiedet sich Rosi aus der heutigen Folge.

    Im Sauerland hängt der Haussegen schief: Rinderwirt Lukas, den mit seinen stattlichen 21 Jahren heftigste Torschlusspanik plagt, hat von seiner auserwählten Regina im Nachklapp zum Scheunenfest einen Korb gekriegt. RTL unterlegt die Weltschmerzbilder von dem Jungbauern beim einsamen Schweinefüttern mit Phil Collins schwermütiger Ballade “Against all Odds”. Die beiden Fast-Liebenden seien doch nicht für einander geschaffen gewesen, behauptet Frau Bause aus dem Öfföff, äh Off. Aber Inka hat ja nicht umsonst die Zusatzausbildung als staatlich anerkannte Agrarkupplerin gemacht, sie hat für solche Notfälle selbstverständlich eine Idee in petto: Lukas wühlt (im grünen Karohemd) einfach nochmal seinen Bewerberinnenfundus durch und stößt – oh, welche Freude – auf die Ruhrpottlerin Stina. Besonders ihre großen… Augen haben es ihm sichtlich angetan.

    Schon eine Szene später trifft die bestellte Blondine im Sauerland ein. Im Gegensatz zu allen anderen Frauen wird sie nicht abgeholt, sondern muss im eigenen Auto auf den Hof rollen. Charmant, Lukas, Du alter Frauenversteher! Und natürlich trägt er wieder das grüne Karohemd! (“Never change a winning Team”, wie der Amerikaner sagt…)

    Also tutti paletti, noch sind alle Bauern im Rennen, die Staffel läuft bisher wunschgemäß. Okay, die sprachliche Verwirrung zwischen Harald und Jeanette könnte gern noch ein bisschen größer sein und die rotklamottige Rosi nervt mit ihrer lauten Fröhlichkeit doch etwas, aber wir sind ja auch noch ganz am Anfang aller Peinlichkeiten. Mit der freudigen Aussicht auf viele weitere Karohemdszenen und ultrakünstliche, hölzerne Dialoge verabschiede ich mich bis zum nächsten Montag, wenn es in den Kuhställen der Republik wieder heißt: “Kamera läuft!”

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    Posted by TV-Glotzer @ 1:39 am

  • One Response

    WP_Modern_Notepad
    • Heikson Says:

      Suuuuper ! Diese Kommentare sind (noch) besser und unterhaltsamer, als die Quellen, aus denen geschöpft wird…:-) Respekt und herzlichen Dank – auch im Namen meiner mitlesenden Kollegen..:-)
      VG aus LE

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