• Liebe Leute,

    bevor wir an der Hand von Inka Bause wieder in das Gartenzwergeland von “Bauer sucht Frau” gehen, möchte ich noch schnell ein paar Schweigesekunden für Maria Hellwig einlegen, die am Wochenende verstorbene Volksmusikerin und Jodelkönigin. Auch wenn ich selbst dieser Art von Musik eher nicht so sehr anhänge und sogar lange Zeit dachte, Maria und Margot Hellwig seien Geschwister, finden sich ihre CDs sicherlich auch in den Sammlungen vieler BsF-Fans und damit ist das auch ein Thema für diesen Blog. Hier nun also einige Gedenkbytes für Maria Hellwig:

    :-( :-( :-(

    So, zurück zu den Lebenden, unsere heutige Reise beginnt beim merkwürdigen Martin im schönen Schwabenland. Seine Jenny hat offensichtlich den Gutenachtkuss in der Vorwoche gut verkraftet und kann auch schon wieder sprechen. Bei Martin bin ich mir mit dem Sprechen nicht ganz so sicher, entweder ist das die Aufregung wegen des ungewohnten Damenbesuchs, allgemeine Nervosität oder sein säuselnd-schwäbischer Akzent, jedenfalls kann ich ihn ohne Untertitel nur schwer verstehen. Wir treffen den Bauern noch im kurzen Pyjama beim Zubereiten des ziemlich wurstlastigen Frühstücks, das er seiner Angehimmelten auf einem Tablett ans Bett bringen möchte.Nach der langen Nacht habe sie bestimmt viel Hunger, meint er. “Jennifer, bist Du schon wach?”, ruft er vor ihrer Tür nach einem eher rüden “Anklopfer” mit seinem Knie (die Hände werden ja für das Tablett gebraucht). Schnitt, andere Türseite: Jenny liegt im Bett und hebt den Kopf. “Jaaa”, beantwortet sie etwas müde, aber wahrheitsgemäß die an sie gerichtete Frage. Hmmmmmm, nach einigen Minuten intensiven Nachdenkens komme ich darauf, was mich an dieser Szene stört: Jenny wurde angeblich beim Wachwerden gefilmt, also muss das Fernsehteam ja wohl schon vor dem Bauern im Zimmer gewesen sein. Bestimmt hat die in Echt gar nicht mehr geschlafen. :-) Schweinebande, obwohl das alles so natürlich aussieht, ist die ganze Szene von vorn bis hinten gestellt. Man fasst es nicht, wie raffiniert RTL ist… und für wie blöd die uns halten!

    Okay, weiter im Text, Martin kommt also mit seinem großen Frühstückstablett ins Zimmer, wobei sein komischer kurzer Schlafanzug auf Frauen eher abtörnend wirken müsste. Dennoch setzt er sich zu Jenny auf die Bettkante. “War schön, die erste Nacht”, sagt sie unfreiwillig komisch. Dann folgen beiderseits ein paar scheue, geprobt wirkende Zärtlichkeiten, die mich in ihrer ängstlichen Unbeholfenheit sehr an kleine Kinder im Streichelzoo erinnern.  Jenny erkundigt sich, wie sie denn bei Hilde, Martins dominanter Mutter, angekommen sei. “Ihr hat es eigentlich gut gefallen, gestern Abend”, kommt die erhoffte Bestätigung zurück. Was wohl das “eigentlich” bedeutet, würde ich gern mal wissen, aber das kriegen wir bestimmt noch irgendwann im weiteren Verlauf der Staffel raus.

    In der nächsten Szene soll Jenny das Melken lernen. Die Idee ist uralt, das fanden sogar schon die Neandertaler nicht mehr spannend, aber RTL hält seine Zuschauer ja wie gesagt für debil und traktiert uns deswegen ständig mit denselben Drehbüchern. Jenny schlägt sich ganz ordentlich, kriegt aber von der Kuh ein paar Mal den Schwanz mitten durchs Gesicht gezogen. Gähn, auch dieses originelle Detail hatten wir gerade in der letzten Sendung. Hinterher kriegt sie dann vom Bauern die volle Punktzahl, das Melkabitur hat sie damit bestanden. Auch die heute ganz im Hintergrund bleibende graue Eminenz Hilde dürfte zufrieden sein und Jennys Aufenthaltsberechtigung auf dem Hof verlängern.

    Abends pflegt man bei Bauers seine Hobbys. Martins Steckenpferd wird nicht genannt und ich will das auch gar nicht wissen, ist bestimmt ekelig, so was wie Käfer sammeln oder Frösche aufpusten. Jenny hingegen hegt künstlerische Ambitionen. Nicht nur, dass sie eine Rubensfigur ihr Eigen nennt, sie malt auch selbst. Und jeder fängt mal klein an: Jenny malt nach Zahlen. Für ihre Hofwoche hat sie sich ein Bild mit Pferd vorgenommen, Martin darf dabei sogar mithelfen. Zuhause habe sie schon ganz viele dieser Bilder, erzählt sie, die lägen aber alle im Schrank, aufgehängt habe sie davon noch keines. Tolles Hobby! Währenddessen spielt Martin, der heimliche Charmeur, unter den wachsamen Augen der Kamera die vom Drehbuch verordneten erotischen Szenen und umarmt dabei seine Jenny. Naja, “umarmen” ist eigentlich zu viel gesagt, er fasst von  hinten so weit rechts um sie herum, wie sein Arm reicht. Jenny ist nun mal eine XL-Frau und der Bauer eher XS… Was Martin nebenbei noch brabbelt, ist leider unverständlich und scheinbar auch unübersetzbar. War wohl nicht so wichtig.

    Nächste Station ist der rustikale Hof vom Biobauern Johannes im schönen Odenwald. Weil er das Schlafzimmer züchtig seiner Traumfrau Anja überlassen hat, muss der Landwirt es sich in seinem Ecksofa im Wohnzimmer ungemütlich machen. Unter seiner mit Traktor-Motiven (!) verzierten Decke trägt er übrigens außer einem knappen Slip gar nichts – und zeigt damit beim Aufstehen mehr, als man eigentlich sehen will… Prompt begegnen sich der notdürftig bekleidete Bauer, die blonde Anja und die RTL-Fernsehkamera vor Johannes Badezimmer. Außer Johannes kann wohl jeder mit der weiblichen Anatomie einigermaßen vertraute Beobachter unter Anjas engem Schlafanzug ihren Babybauch erkennen, aber diese “Überraschung” wollen die Fernsehfritzen vermutlich bei anderer Gelegenheit so richtig auskosten. (Die Vorschau für die nächste Woche deutet schon darauf hin, dass Johannes dann vor laufender Kamera die liebesblinden Augen geöffnet werden…)

    Johannes und Anja haben offenbar ihren Text auswendig gelernt, so hölzern wie sie sich am Frühstückstisch geben. Auch hier wird übrigens schon morgens deftig gefuttert, es gibt Bierschinken, Kochschinken und Blutwurst. Hinterher im Interview motzt Anja dann über die etwas lieblos kredenzte Wurst, aber irgend etwas haben die Gäste ja eigentlich immer zu meckern. Zurück zum Frühstück, hier fällt dem Biobauern so aus dem Nichts plötzlich ein, dass er am Abend ja Chorprobe mit seinem Männergesangsverein hat. Oh, was das denn wohl sei, fragt Anja da, ob sie denn auch Gospels sängen? Nö, sagt da der Bio-Jo politisch völlig unkorrekt, er könne ja nicht singen wie ein “drei Zentner schwerer schwarzer Neger”. Sichtlich pikiert redet Anja weiter, die Stimme habe ja nun nichts mit der Hautfarbe zu tun, auch hellhäutige Menschen hätten manchmal tiefe Stimmen. Johannes setzt noch einmal nach, aha, sie spreche also von “weißen Negern”. Upps, nun fällt sie ihrem neuen Freund denn doch ins Wort, so etwas “darf man nicht mehr sagen”, nicht mal auf dem Land, auch nicht im Odenwald. Leicht irritiert wechselt Johannes das Thema, welche Musik Anja denn so Zuhause höre. Oha, Techno also, das sei doch dieses, “was sich immer so gleichmäßig anhört”, so wie beim Zahnarzt der Bohrer. Okay, der Biobauer ist also wohl tatsächlich eher ein Volksmusikfan und damit schlagen wir noch einmal den Bogen zu Maria Hellwig.

    So ein Biobauer lehnt offenbar moderne Landmaschinen ab, statt per Traktor pflügt er seinen Kartoffelacker nur mit Hilfe eines Pferdes um. Diesmal soll ihm Anja dabei helfen. Weil sie ihre Schwangerschaft noch nicht offiziell mitgeteilt hat, ist sie natürlich auch nicht von harter körperlicher Arbeit befreit. Gemeinsam mit dem Gaul ziehen die beiden mühsam ihren Pflug durchs Feld. Anja ist sowieso begeisterte Reiterin und liebt die Arbeit mit dem Pferd, Johannes wiederum mag die zupackende Art der großen Blonden. “Die Anja kann man gebrauchen”, ist seine pragmatische Einschätzung ihrer heutigen Vorstellung.

    Abends geht’s zum Auftritt von Johannes Männergesangsverein “Harmonie”. Toller Name, wenn das nicht alles echt wäre, würde man denken, da steckte ein Fernsehdrehbuch hinter, so voller Klischees ist das Leben des Biobauern. Im Kreise der Nussknacker-gesichtigen Sangesbrüder schaltet Tenor Johannes nun auf seinen richtigen Dialekt um und lässt uns Nicht-Odenwälder damit ziemlich ratlos zurück. Gott sei Dank laufen die Untertitel, enthüllen jedoch nur die erschreckende Belanglosigkeit einer Unterhaltung zwischen Männern, die unbedingt einmal im Leben ihre Grinsrübe in die Kamera halten wollen. Später erleben wir die Herren im schwarzen Anzug dann im Einsatz auf der Bühne mit “Die Sonne strahlt am Loch Lomond” und weiteren Gassenhauern ähnlichen Kalibers. Über Geschmack kann man bekanntlich nicht streiten.

    Mit der Oberlausitz waren wir  ja eigentlich in der letzten Sendung schon durch, der greise Gerhard (67) hatte seinen zum Heimatmuseum erstarrten Hof erfolgreich gegen die Angriffe der progressiven Barbara verteidigt und die 59jährige schweren Herzens wieder in den Zug gesetzt. Aber Inka Bause, die ja bekanntlich für jeden erfolgreich verbandelten Bauern eine fette Prämie von RTL kassiert, ahnt wohl, dass Gerhards Potenzial als Womanizer noch nicht ausgereizt ist. Ergo reaktiviert sie den alten Knaben für einen zweiten Durchlauf. Die seinerzeit beim Scheunenfest gegenüber Barbara unterlegene Sigrun ist offenbar noch immer rollig und reagiert gleich auf den angeblichen Brief des Bauern. In Nullkommanichts fährt die Städterin in der Oberlausitz vor und beeindruckt mich sogleich mit ihren üppigen Formen und der extrem undezenten Bluse oder Kittel oder wie man so etwas nennt. Ich musste etwas überlegen, woran mich das rot-schwarze Muster erinnert, doch dann ist es mir eingefallen: Es sieht aus wie die Schutzhülle der Hollywoodschaukel von meinen Nachbarn! Und größenmäßig kommt das auch ungefähr hin, Sigrun spielt nämlich mindestens in der Liga von Rosi, der Hofbekanntschaft von Willy, dem hessischen Ackerbauern.

    Und dazu hat die gut erhaltene 66jährige das zu ihrem Äußeren passende  Temperament: Sie umarmt gleich beim Hereinkommen den erschrockenen Gerhard so sehr, dass er sich darüber hinterher im Interview geradezu beklagt. Anders als Barbara, scheint Sigrun sich sogleich in Gerhards Sammlung mittelalterlicher Küchengeräte vernarrt zu haben. Warum er denn zum Wasserkochen den neumodischen Tauchsieder benutze, er könne doch dazu auch den heißen Kohlenherd nehmen, das koste dann auch keinen Strom, gibt die sparsame Schwäbin zu bedenken und schindet damit Eindruck. Gerhard fasst Mut und redet sich erst mal den Frust über die ungemütliche Barbara von der Seele. Die habe das viele Holz in seinem Haus nicht gemocht, hätte am liebsten alles rausreißen wollen, alles wollte sie verändern. Den rüstigen Rentner schüttelt es noch nachträglich bei dem Gedanken. Sigrun beruhigt ihn, sie werde ihm auf jeden Fall seinen Freiraum lassen. Nach dieser klärenden Einleitung ist der Bauer beruhigt und man wendet sich den schönen Dingen des Lebens zu, nämlich dem nachmittäglichen Tee und Kuchen. Ob sie Zucker in den Tee haben wolle, fragt Gerhard. Nein, lieber nicht, davon solle man angeblich dick werden, entgegnet die Schwäbin. Zu spät.

    In der nächsten Szene erkunden die beiden zusammen Gerhards rumpeliges Anwesen. Schön sei das alles, behauptet die kompakte Sigrun, auch das antike Gästezimmer mit der Kühltruhe für den kleinen Hunger zwischendurch gefalle ihr, das sei alles wunderschön gemütlich. Offenbar steht sie auf Antiquitäten, was sowohl das Inventar als auch den Bauern selbst betrifft. Mit ihrem schwarz-roten Blusenkittel sieht Sigrun jetzt irgendwie wie ein riesiger Marienkäfer aus. Gleich darauf zieht sie quietschegrüne Frosch-Gummistiefel (mit aufgemalten Augen!) an und eine rote Jacke, denn jetzt geht es in den Pferdestall. Auch hier mag sie einfach alles und würde gern auf Dauer bei Gerhard einziehen, das sagt sie nicht bloß einmal.

    Abends bringt Sigrun ihrem Bauern das simple Kartenspiel Mau-Mau bei, mit durchschlagendem Erfolg, denn er besiegt sie gleich. Beiden scheint es Spaß zu machen und tatsächlich haben sie wohl viel mehr gemein als Gerhard und Barbara, die Teppichhasserin. Auch als Köchin hat die Schwäbin Erfahrung, sie hat nämlich mal in der Kantine einer Zollhundeschule gearbeitet (das klingt echt, so eine komische Institution kann sich ein Drehbuchschreiber doch unmöglich ausdenken). Schnell lernt sie, dass der Oberlausitzer zum Brathähnchen “Broiler” sagt und zaubert einen ebensolchen in dem bejahrten Kohlenherd. Gerhard und Sigrun sind hochgradig zufrieden über den Beginn ihrer wunderbaren Freundschaft.

    Ein weiterer neuer Kandidat geht heute ins Rennen, es ist der muntere Milchbauer Volker aus dem platten Ostfriesland. Er erwartet am Bahnhof seine blonde, blauäugige Verena aus dem tiefsten Bayern. Der 28jährige hat sich fest vorgenommen, aus dem Abholen das Maximum an Peinlichkeit herauszuholen, was ihm wohl auch geglückt ist: Er hat so eine Art Buswartehäuschen, eingerichtet mit Sofa, Tischchen und hässlichen Blumen, am Frontlader einer riesigen Landmaschine befestigt und lässt sich damit zum Bahnhof chauffieren. Der Dorfsheriff seiner bedauernswerten Heimatstadt kneift vermutlich für das Fernsehen beide Augen zu, denn eine TÜV-Zulassung kriegt man für solch ein Gefährt mit Sicherheit nicht. Kaum ist Verena angekommen, muss sie zu ihrem Bauern aufs Sofa, wird angeschnallt, die Gabel des Traktors hebt sich und dann geht es in dieser peinlichen Aufmachung zurück auf Volkers Hof.

    Dort wartet bereits die gesamte Mischpoke, bestehend aus Vater, Mutter und Bruder, um die “Neue” aus Bayern zu begaffen. Danach schreitet Volker zur Führung durch das Hauptquartier des Familieclans. Im Badezimmer fällt Verena gleich eine große Dose “Euterpflege Spezial” ins Auge, was das denn wohl sei, will sie wissen. Nönö, das sei nur für die Hände, wirklich nur für die Hände, beteuert der Jungbauer, kriegt aber dabei einen roten Kopf. Und Verena kriegt ihren ersten Lachanfall. Kurz darauf nimmt sie ihr Gästezimmer in Augenschein. Ob sie das Bett lieber härter oder weicher haben wolle, fragt Volker eigentlich ganz harmlos, aber Verena muss schon wieder heftig lachen. Na, das kann ja heiter werden mit den beiden.

    Überraschende Wendung, wir schalten um nach Nordhessen zu Ackerbauer Willy. Der muss bekanntlich seit der letzten Woche ohne seine resolute Rosi auskommen und hat vom Alleinsein jetzt endgültig die Faxen dicke. Wie gut, dass RTL sich noch einmal in Kosten gestürzt und Rosi eine Busfahrkarte vom Rheinland in die Wallachei zu Willy spendiert hat. Letzterer steht nun bei Dauerregen mit dem Schirm in der einen und einem gelben Blumenstrauß in der anderen Hand an der Haltestelle des Dorfes und erwartet seine Braut zu ihrem zweiten – und endgültigen? – Hofbesuch. Die hat zur Feier des Tages statt der bekannten roten Bluse mal eine enge blaue Variante angezogen, ansonsten ist aber alles beim Alten, perfekt.

    Die fällige Hofbesichtigung ergibt für Rosi den erfreulichen Befund, dass Willy endlich mal im Stall aufgeräumt und ausgemistet hat, sie ist begeistert. Anschließend darf sie dann auch noch ein junges Kalb taufen, das heißt ab jetzt Lisa. In einem gewagten lila Alptraum von Pyjama bringt Willy abends seiner Rosi noch einen warmen Kakao als “Betthupferl” ins Gästezimmer. Dazu noch eine Schüssel mit “russisch Brot”. Aus den Buchstabenkeksen legen die beiden ihre Vornamen und futtern sie dann auf. Liebe geht eben durch den Magen, das ist Romantik pur, würde der große Literat und Menschenkenner Peter Ludolf dazu sagen.

    So, eine etwas langweilige Folge geht zu Ende, in der kaum Action war und kaum Potenzial zum Fremdschämen. Und viel zu viel Harmonie, denn ohne Streitereien wird das Bauerntheater schnell langweilig. Die genügsame Sigrun liebt vermutlich alte schlabberige Teppiche und arbeitet gern mit einem Staubsauger aus der napoleonischen Ära, Verena ist einfach nur knuffig, Anja ist durch ihre Östrogene ruhig gestellt, Jenny merkt sowieso nichts mehr und Rosi ist sogar freiwillig zurückgekommen, die Bräute sind alle pflegeleicht. Leider sind momentan auch kaum Konflikte am Horizont zu erkennen, nicht mal ein altes Keifweib von Mutter verdirbt einer der Möchtegernbräute die Tour. Puh, wie langweilig, Inka hilf, mit diesen Paarungen sind wir sonst bis Weihnachten alle weichgespült…

  • Hallo Leute,

    Mittwochabend, Zwegat-Time. Der Kult-Schuldnerberater aus Berlin ist wieder unterwegs und diesmal macht es für uns Fremschämfreunde etwas mehr Spaß als in der traurigen Folge vom letzten Mal (die ich quasi nicht gebloggt hatte).

    Peter Zwegat muss diesmal nach München reisen und trifft dort auf Andrija P. (26) und dessen Freundin Sanja S. (21) Man erkennt  schon an den Namen: Unsere heutigen Protagonisten stammen ursprünglich aus Kroatien, wohnen aber seit vielen Jahren in der bayerischen Landeshauptstadt. Dort lebt außerdem auch noch Andrijas großer (2,10m!) Bruder Hrvoje. Der gelernte Gas- und Wasserinstallateur ist sozusagen der Dreh- und Angelpunkt dieser Folge, denn er hat seinem kleinen Bruder (1,85m) einen Berg Schulden angehängt, von dem dieser nun nicht mehr herunterkommt und deshalb bei RTL um Hilfe gerufen hat.

    Hintergrund ist die Tatsache, dass Hrvoje wegen einiger Delikte, z.B. wegen Führerscheinfälschung, im Gefängnis saß und seitdem nicht mehr als Selbstständiger in seinem Gewerbe tätig sein darf. Als dann aber ein seeehr lukrativer Installationsauftrag für mehrere Wohnungen des Wegs kam, konnte Hrvoje den kleinen Bruder Andrija überreden, doch seinerseits zum Schein ein Gewerbe anzumelden und den Auftrag zu übernehmen. Die eigentliche Arbeit würde Hrvoje dann machen und seinen Bruder, den Strohmann in diesem Deal, dafür großzügig entlohnen. Natürlich ging die Sache völlig schief, Hrvoje bezahlte seine Lieferanten nicht und die liefen sofort zum Gericht und beantragten Mahnbescheide gegen… genau, gegen Andrija, denn der war juristisch gesehen zuständig. So kam der kleine Bruder schwuppdiwupp zu gut 80.000 Euro Schulden, von denen er erst erfuhr, als ihm plötzlich sein Gehalt weggepfändet wurde. Die Beziehung zu seinem Bruder ist seitdem denkbar gespannt; obwohl sie in derselben Stadt wohnen, sieht man sich gerade noch ein, zwei Mal pro Jahr und schweigt sich bei diesen Gelegenheit auch nur an.

    Peter Zwegat, der Engel der Hoffnungslosen, erscheint in Andrija und Sanjas 45qm-Einzimmerwohnung. Mit einer verkürzten Version seines Standardbegrüßungsspruchs kommt er ohne große Umschweife zur Sache: Wie es denn sein könne, wie ein Mensch allein denn so naiv sein könne, dem als unzuverlässig bekannten Bruder dermaßen auf den Leim zu gehen! Andrija windet sich, er habe seinem Vater auf dem Sterbebett versprechen müssen, immer auf Hrvoje aufzupassen. Okay, damit hätten wir ja schon mal einen Schuldigen, der sich nicht mehr so richtig wehren kann. Und Sanja ereifert sich auch gleich: Sie habe Andrija vorher gewarnt, aber der habe nicht auf sie gehört, sondern den Verlockungen seines Bruders nachgegeben und siehste, siehste, sie habe es ja gleich gesagt… Die Gute kommt richtig gut in Fahrt, offensichtlich hat sie dieses Thema schön des öfteren mit ihrem Menne “diskutiert”. Jaja, in ihrer Beziehungknistere es auch schon gehörig, gibt Andrija dann noch zu Protokoll. Eine doppelte Beziehungskiste also, Funkstille zwischen den Brüdern und dann auch noch die Krise bei seinem Mandantenpaar; Zwegat grummelt etwas, packt zwei Taschen voller Unterlagen und verabschiedet sich einstweilen.

    Sein nächster Besuch gilt Hrvoje, dem schwer auszusprechenden und ansonsten riesenhaft wirkenden Bruder. Ja, der gibt auch zu, die 80.000 Euro durch Misswirtschaft verloren zu haben, aber Andrija habe bei der Strohmann-Sache freiwillig mitgemacht und anfangs auch ordentlich Geld dabei abkassiert. Okay, als er den Auftrag nicht termingerecht hinkriegte und die ersten Rechnungen platzten, hätte er vielleicht mal den Finger heben und warnen können, anstatt noch ein paar Monate lustig weiterzumachen, aber passiert ist passiert und die Penunze ist nun mal den Bach runter gegangen. Warum Andrija deswegen so stinkig ist, kann Hrvoje nicht so ganz nachvollziehen.

    Zeitsprung, Peter Zwegat hat Zuhause fleißig die Unterlagen sortiert und alle Schulden zusammengetragen. Mitsamt seiner geliebten Flipchart rückt er nun wieder in München bei Andrija und Sanja an. Nach wenigen Minuten steht die Zahl 87.600,- Euro auf dem Blatt und zwar in roter Schrift. Weshalb keiner seiner Klienten es jemals allein fertig gekriegt hat, so ein paar kümmerliche Zahlen zu addieren, bleibt das große Geheimnis des Berliner Schuldnerberaters. Aber ohne diesen Akt völliger Erniedrigung wäre die Sendung auch nur halb so schön und eigentlich gar nicht vorstellbar – genau wie ohne seine völlig abgenudelten Sprüche bei der ersten Begrüßung. Zurück zu Andrija: Der schüttelt ob dieser Summe etwas benommen mit dem Kopf. Damit die Sache so richtig schön zwirbelt, erzählt ihm Zwegat jetzt auch noch, dass Hrvoje, der Verursacher des ganzen Dilemmas, mit weniger als 30.000 Euro verschuldet ist.

    Die Einnahmen- und Ausgabenrechnung ergibt für Andrija und Sanja einen hauchdünnen monatlichen Überschuss von 35,- Euro. Vermutlich bleibt in Wirklichkeit nicht mal dieser Betrag übrig, denn zum Monatsende hin ist erfahrungsgemäß das Portmonee komplett leer. Zwegat schlägt vor, einfach ins Insolvenzverfahren zu gehen, dann zahlte Andrija innerhalb von etwa sechs Jahren insgesamt um die 25.000 Euro und wäre dann durch mit dem Thema Schulden. Will er aber nicht, Insolvenz ist nicht das Richtige, das muss doch auch anders gehen. Klar, dann wäre der Fall ja auch zu simpel und was sollte man sonst mit den verbleibenden 35 Minuten Sendezeit anstellen? Etwa Peter Zwegat liest aus Mario Barths gesammelten Werken oder singt Karaoke die Hits von Lady Gaga? Gott behüte… Nein, bei RTL geht man nicht einfach so pleite, da muss immer noch ein bisschen Action gemacht werden. Deshalb versucht Zwegat jetzt einfach “Plan B”, den Vergleich. Dafür braucht er allerdings so ca. 25.000 Euro, sonst machen die Gläubiger vermutlich nicht mit.

    Peter Zwegat, der Mann mit der Lizenz zum Helfen,  braucht dringend Geld und greift dafür zum Äußersten: Er vermittelt ein Treffen der verfeindeten Brüder. In einem Park führt er Andrija und Hrvoje zusammen und spielt dabei den Moderator, denn von allein sprechen die beiden nicht miteinander. Außer gegenseitigen Anschuldigen wie “…Du hast doch gewusst…” oder “…ich bin enttäuscht…” kommt dabei aber nicht viel rüber. Egal, bevor sie sich wieder trennen, kriegen beide Brüder von Zwegat die Hausaufgabe, in ihrem umfangreichen Verwandten- und Bekanntenkreis um finanzielle Unterstützung zu bitten. Ja, unbedingt, Hrvoje will seinem immer noch stocksauren Bruder helfen. Er sieht ein, dass er das Schlamassel angerichtet hat. Wie er das Geld zusammen kriegen will, sagt er aber nicht. Hauptsache, er macht jetzt nichts Unüberlegtes, etwa eine Barabhebung mit Skimaske oder so… ;-)

    Peter Zwegat läuft unterdessen los und interviewt eine Unzahl von Gläubigern zu seinem Plan mit dem Vergleich. Dabei bekommt er den gesammelten Frust der von Hrvoje verprellten Geschäftsleute zu spüren. Dennoch stimmen im Endeffekt alle der Vergleichslösung zu – bei der Alternativlösung Insolvenz würden sie auch nicht mehr bekommen, müssten darauf aber noch länger warten. Bemerkenswert das Gespräch mit dem leicht schmierigen Herrn von der R+V-Versicherung, der Zwegats Besuch mit Kamera für einen offensichtlich abgelesenen Vortrag über das scheinbar ziemlich philanthropische Geschäftsgebaren seines Hauses nutzt. Haha, wer’s glaubt, aber wenn es der Sache dient…

    Das Gespräch mit dem Gläubiger Finanzamt München bringt dann noch etwas Verdruss für den Schuldnerberater, er kommt nach eigenen Angaben “ein bisschen unschlauerer” (sic!) als zuvor wieder heraus. Die Behörde erwartet nämlich nicht nur Geld, sondern auch noch diverse Steuererklärungen von Andrija und droht damit, die fälligen Beträge einfach zu schätzen. So etwas kann Zwegat gar nicht gut verknusen, das vermasselt ihm etwas die Planung und darum muss er da erstmal ein bisschen mit seinem Mandanten schimpfen. So ein Anschiss passt sowieso gerade ganz gut, denn Andrija hat seine Hausaufgaben noch nicht gemacht und bisher kein Geld aufgetrieben. Und bei Hrvoje hat er auch noch nicht nachgebohrt, das macht der Gutmensch aus Berlin dann hinterher selbst, allerdings mit nachhaltig negativem Ergebnis, denn der 2,10m-Mann ist ziemlich kleinlaut geworden, will jetzt selbst ins Insolvenzverfahren und hat deshalb begreiflicherweise keinen Cent mehr übrig.

    Selbst ist der Mann, Andrija wartet zum Schluss der heutigen Folge mit einer Überraschung auf: Er hat von der Mutter, von seinem Arbeitgeber und von einer geheimnisvollen anonymen Quelle Zusagen für einen namhaften Betrag zusammenbekommen und kann nun voraussichtlich tatsächlich ins Vergleichsverfahren. Etwas unbefriedigend, dass der edle Spender (genauer: Kreditgeber) nicht genannt werden will, aber was soll man machen. Nebenbei hat Zwegat offensichtlich auch noch die Beziehung von Andrija und Sanja repariert und die beiden winken ihm noch lange nach, als sein Taxi gen Flughafen davonprescht.

    Tja, was lernen wir aus dieser Folge? Keine Ahnung, vielleicht, dass nicht alle Zwegat-Folgen automatisch megaspannend sind, nur weil unser Schuldenguru mitspielt? Gegen leicht langweilige Hauptdarsteller, egal ob auf der bösen oder guten Seite, denen irgendwie der Pep fehlt, kann auch Old Knitterface nicht anspielen. Es gibt diesmal nichts von den so beliebten Ingredienzen guter Folgen, z.B. cholerische Wutanfälle, richtige Tränen, überragende Dämlichkeit, impertinente Klugscheißerei, schwere Erkrankungen oder kleine Kinder, ja nicht mal puschelige Haustiere oder überdimensionierte Plasmabildschirme kommen heute vor. Irgendwie enttäuschend. Wir hoffen dann mal auf die nächste Woche… :-(

    Bis denne!

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  • Liebe Leute,

    Montagabend in Deutschland, die Straßen sind wie leergefegt, denn Inka Bauses Bauerntruppe hat heute wieder Ausgang – und RTL hält mit der Kamera drauf.

    Alles hat einmal ein Ende, sogar die rundliche Rosi! Ihre Zeit beim Ackerbauern Willy in Nordhessen geht in die Schlussgerade und dafür hält das Drehbuch noch eine besondere Aufgabe für sie bereit: Unter den gestrengen Augen ihres leicht einfältig wirkenden Bauern muss Rosi, die propere Braut aus dem Rheinland, heute eine echte Kuh melken. Dazu montiert sie einen Satz Saugdüsen (“Melkbecher” im Bauernsprech) an eines der Rindviecher, das sich mit ein paar gut gezielten Schwanzschlägen ins Gesicht der moppeligen Melkerin rächt. Die Handgriffe klappen weitgehend problemlos, sehr zu Willys Freude und vermutlich zum Ärger der Fernsehcrew, die sich bestimmt ein paar Bilder von einer mit Milch und Kuhscheiße besudelten und laut schimpfenden Imbissbräterin erhofft hatte. Der Bauer scheint stolz auf seine Liebste und möchte sie eigentlich schon jetzt nicht mehr vom Hof lassen, was allerdings gegen die RTL-Spielregeln wäre.

    Die Idee des Picknicks ist schon mindestens so alt wie diese Sendung und wurde bereits mehrfach zu Tode geritten, warum also jetzt mit dieser Tradition brechen? Auch Willy möchte seine Angebetete zum Abschied nochmal so richtig verwöhnen. Wie könnte das aussehen, wie verwöhnt man so eine rheinische Wuchtbrumme? Neinnein, es wird kein 5kg-Nutella-Glas auf Ex weggefuttert und auch Elvis Presleys Banana Peanutbutter Sandwich bleibt heute ungeschmiert. Stattdessen packt der lustige Ackerbauer lediglich Kirschen, Trauben und Apfelsaft in einen Korb, dann schnappen sich beide (also jeder) ein Fahrrad und brausen los ins Grüne. Die Reifen von Rosis Drahtesel müssen aus Kryptonit sein, klarer Fall. Und das gilt wohl auch für ihre rote Bluse, die schon seit Staffelbeginn unkaputtbar und unbeschmutzbar scheint und heute im Farbton mit Rosis rosigen Bäckchen, äh Wangen, wetteifert. Macht alles nichts, Willy ist die Optik offenbar Wurscht, denn er fasst sich auf einer vorbeikommenden Bank ein Herz und gesteht der resoluten Freundin seine Sympathie. Die reagiert wie erhofft (und geskriptet), verspricht, nach der Hofwoche wiederzukommen und gibt dem hölzernen Willy einen Kuss.

    Später Zuhause kommt dann eine merkwürdige Szene, als Willy seiner Rosi einen Blumenstrauß zum Abschied schenken will, worauf die vom Tisch aufspringt und heulend aus dem Raum flieht; vermutlich haben sie die Gefühle für den lustigen Ackerbauern übermannt. Der guckt allerdings reichlich sparsam aus der Wäsche und wartet sichtlich auf eine Erklärung des Redakteurs, was er jetzt machen soll. Kurz darauf kommt Rosi zurück, erzählt, dass das nun ausgerechnet ihre Lieblingsblumen seien und sie deswegen so von der Rolle war. Gern würde sie wiederkommen, kann es kaum erwarten. Nun aber muss sie erst mal vom Hof, das Taxi wartet schon draußen. Tschüss Rosi, Du wirst auch mir sehr fehlen, denn Du warst eine Quelle der Inspiration für meine Lästereien!

    Im schweinischen Frankenland beim schönen Bauern Harald (bzw. anders herum) geht ebenfalls die Hofwoche zu Ende. Die Kamera zoomt sich aus einer Totale mit dem riesigen, aber hässlichen Bauernhaus in das Zimmer der karibischen Schönheit Janet. Die liegt bäuchlings auf dem Bett und studiert ein Buch, vermutlich über Kernphysik oder Hirnchirurgie oder ein anderes nahe liegendes Thema. Bauer Harald stört die Mußestunde mit dem nur mäßig gut vom Skript abgelesenen Vorschlag, wegen des schönen Wetters (in Wirklichkeit ist es ein grauer Tag!) doch einen Motorradausflug zum nächsten Badesee zu machen. Welch eine Überraschung, dass auch die Kubanerin dazu Lust hat…

    Unter den Klängen von Abbas “Super Trouper” knattern beide wenig später bis zur Unkenntlichkeit in Leder verpackt durch die fränkische Landschaft, Janet auf dem Sozius. Auf einer langweiligen Wiese mit einem ziemlich verdreckt aussehenden Schlammtümpel bringt Harald das Motorrad zum Stehen. In einer Einblendung gesteht der bekennende Karohemdenträger, dass er schon seit vielen Jahrzehnten mal mit einem weiblichen Wesen hierher wollte, was ja bekanntlich bisher daran gescheitert war, dass alle Frauen schneller laufen konnten als er. Für Janet gibt es diesmal allerdings kein Entrinnen, RTL zelebriert ihre Entblätterung als peinliche Provinz-Peep-Show in Slow Motion. Harald sieht bei dieser Gelegenheit wohl zum ersten Mal eine nicht vollständig bekleidete weibliche Person ohne die störende Mattscheibe zwischen sich und dem Objekt der Begierde. “Wow”, lautet denn auch im Wesentlichen seine Reaktion, “sehr sexy”.

    Nachher, beim züchtigen Sitzen auf der rot-karierten (!) Decke, stellt Harald die Frage aller Fragen, ob er in Zukunft mit einem weiteren Besuch seiner Traumfrau rechnen dürfe, er habe sich nämlich in sie verliebt. Die Körperhaltung des Bauern spricht Bände, er sitzt mit grotesk verknoteten Armen und Beinen am äußersten Rand der Decke, peinlichst darauf bedacht, die Frau nicht zu berühren. “Ich brauch’ Ssseit, dat geht bei mir nich’ so snell”, lautet Janets mittelmäßig erfreuliche Antwort. Im eingeblendeten Interview klingt das dann aber schon positiver, die Kubanerin will auf jeden Fall auf den Hof zurückkehren. Und natürlich wird sie kommen, immerhin ist dies doch die Neuverfilmung des 2009er-Drehbuchs von Josef und Narumol  und da weiß man doch republikweit, wie die Geschichte weitergeht: Die zwei werden natürlich wunderschön kitschig-romantisch heiraten (…und bei dieser Gelegenheit beichtet Janet dann, dass sie aus ihrer lockeren Jugendzeit schon drei halbwüchsige Kinder hat, die sie mit auf den Hof bringen will und dazu noch ihre erheblich angegrauten Eltern samt einigen weiteren Verwandten unklarer Genese. Aber wie gesagt, das kommt erst viel später.)

    Der Abschied verläuft tränenreich, jedenfalls auf Seiten der Zuschauer, wir sprechen natürlich von Lachtränen. Harald hat sich nämlich ein ultimativ blödes Geschenk für seine Janet ausgedacht, sie kriegt von ihm ein niedliches, aber lebendiges braun-weißes Kalb. Was sie damit im heimischen Ruhrgebiet anfangen soll, weiß der Teufel. In Wurstform wäre das Geschenk vielleicht noch passabel gewesen und hätte im Bus sogar ins Gepäckfach gepasst, aber so? Gott sei Dank hat der RTL-Tierschutzbeauftragte wohl auch noch ein Wörtchen mitzureden und flugs wird das Geschenk umgedeutet: Das Kalb bleibt bei Harald im Stall und soll fortan einen weiteren Anreiz für Janet bilden, ihren Bauern – und jetzt eben auch ihr Kalb – noch einmal zu besuchen. Gut, dass Harald noch ein zweites Abschiedsgeschenk “besorgt” hat: Er überreicht Janet ein Foto von sich und einer Kuh, ganz offensichtlich ist das eine Szene aus der Sendung, muss also wohl von RTL stammen. Janet freut sich trotzdem und sagt Lebewohl. Der Bus kommt und nimmt sie mit sich fort…

    Ebenfalls in die Schlussrunde geht es beim rustikalen Hühnerhofbesitzer Gerhard, der die Vermutung nahe legt, dass in der Oberlausitz zugebrachte Lebensjahre doppelt zählen, jedenfalls sieht er mit seinen 67 Jahren glatt 20 Jahre älter aus. Damit passt er aber gut zu seiner Temporär-Magd Barbara, die jeder Türsteher bei der Ü70-Party ohne Ausweiskontrolle passieren ließe – dabei ist sie mit gerade mal 59 Jahren eigentlich noch deutlich in der ersten Lebenshälfte. Auch für diese zwei Prachtexemplare haben die RTL-Schreiberlinge noch einen kleinen “spontanen” Ausflug inszeniert, Gerhard will der leicht unterkühlt wirkenden Barbara nämlich per Geländewagen die Umgebung in Sächsisch-Sibirien zeigen und sie so für sich erwärmen, sagt Inka, die allwissende Puppenspielerin dieses Bauerntheaters. Es geht zum Oberoderwitzer Spitzberg mit seiner – sagt Inka – wunderschönen Aussicht auf das Zittauer Gebirge.

    Barbara motzt schon beim Aufstieg, wahrscheinlich vermutet sie oben am Gipfel einen weiteren Putzjob oder ist einfach nur mies drauf. Wer versteht Frauen schon wirklich? Gerhard jedenfalls nicht. Im Hintergrund klingt dazu wieder eine schöne subtile Bösartigkeit der RTL-Musikredaktion, nämlich “Hurt” in der knarzig-genialen Coverversion des damals bereits so gut wie toten Johnny Cash. Auf der Bank vor der schönen Aussicht misanthropiert Barbara hemmungslos, will sofort wieder runter, möchte auch nicht durch Gerhards Fernglas sehen, sondern hat irgendwie die Schnauze voll. Gerhard ergreift diese vom Drehbuch vorgesehene Chance für ein klärendes Wort: “Barbara, Du bist immer so verhalten, ich habe das Gefühl, Dir fehlt die Zuneigung zu mir.” Die so Angesprochene hat ebenfalls ihren Text gelernt “Naja, sowas muss wachsen, ich bin halt ein bisschen kalt.” Das scheint mir doch arg untertrieben und auch Inka säuselt aus dem Off schon einen endgültig klingenden Nachruf auf diese Paarung: “Barbara kann Gerhard die ersehnte Zärtlichkeit nicht geben.”

    Ein letztes Mal versucht Gerhard (im roten Karohemd) seiner Barbara (im Sternenkittel auf blauem Grund) bei einem gemeinsamen Kaffee vor dem Stall beizukommen und in ihr eine Art menschlicher Emotion zu wecken. Warum sie ihn denn bloß immer so kalt abgewiesen habe, fragt er. Barbara legt alle vorhandene Liebe in ihre mitfühlende, fast zärtliche Antwort, ist aber bedauerlicherweise in diplomatischen Dingen doch eher unterdurchschnittlich begabt: “Hättst Dir halt erst mo die Zähne moche lasse solln, bevor Du uff Brautschau gehst. Unn die Fingernächel könnste ooch mol sauba moche… Man muss jo Abbediet uff de anderre Mensche krieche!” Da hat sie Gerhard aber bei der Ehre gepackt, der kriegt die Wut, auf die dreckigen Finger sei er stolz, die gehörten nun mal zu seinem Beruf. “Sogar die Kroftfohra wosche sich de Händ, bevor se bei de Frau gehn.”, hält Barbara dagegen, aber das Tischtuch ist sowieso schon endgültig zerschnitten. Barbara geht zum Kofferpacken und kurz darauf steht sie am Bahnhof. Sowohl der Landwirt als auch die Melkerin weinen, allerdings jeder für sich allein und wohl eher um sich als um die gerade geplatzte Beziehung, die keine war.

    Es gibt für uns Zuschauer aber einen Lichtblick, denn Hühnerwirt Gerhard bleibt uns wohl noch etwas erhalten: RTL stachelt ihn an, seiner beim Scheunenfest zweitplatzierten Sigrun zu schreiben. Vielleicht ist die ja scharf auf einen Besuch in Gerhards Hütte mit Originalinventar aus dem Dreißigjährigen Krieg und kann sich mit seinen musealen Haushaltsgeräten, fossilen Teppichen und dreckigen Händen arrangieren. Und hoffentlich sieht sie die Sache mit den fehlenden Zähnen etwas liberaler als die kalte Barbara. Friede ihrer Asche.

    Achtung, Fanfare, jetzt kommt unverbrauchtes Frischfleisch: Der schüchterne 29jährige Schwabe Martin erwartet seine auserwählte Jennifer (Kampfname “Jenny”) zur Hofwoche. Wenn man denkt, Schweinebauer Harald sei schon merkwürdig, sollte man jetzt sein Urteil überdenken: Auf der nach oben offenen Verklemmtheitsskala kommt Harald vielleicht auf einen Wert von 5 Bause-Einheiten, Gemüsebauer Martin schafft dagegen locker im Sitzen schon eine 10, mit deutlicher Tendenz nach oben. Wo Harald gelegentlich komisch grinst, grinst Martin nur gelegentlich nicht komisch. Ein Backpfeifengesicht zum Eierabschrecken, könnten übelmeinende Zeitgenossen über ihn sagen, was ich natürlich nicht tun würde, ich kenne ja noch nicht mal solche bösen Worte. Aus erster Hand kann ich mir kein richtiges Bild von ihm machen, denn bedauerlicherweise ist Martin des Hochdeutschen nicht einmal ansatzweise mächtig und muss komplett untertitelt werden. Interessanterweise, das muss man ihm echt als originellen Zug anrechnen, trägt er gar kein Karohemd. Ich wittere Verrat, ohne Karohemd kein Bauer, das habe ich aus den vorangegangenen Folgen eigentlich schon gelernt. Aber vielleicht ist auch einfach das passende Hemd im RTL-Requisitenfundus gerade dreckig, z.B. weil Lämmes Schafe seinerzeit beim Anblick von Inka Bause auf Blitzverdauung umschalteten und sein (Leih-)Hemd volläppelten?

    Wie dem auch sei, jedenfalls reaktiviert man für Jennifers Ankunft ein schön peinliches Motiv aus der letzten Staffel, Martin muss sie nämlich mit dem Trecker vom Bahnhof abholen. Das garantiert Aufmerksamkeit im ganzen Ort, aber vermutlich ist Martin das ganz egal, schließlich kann er mit Publicity gut umgehen, wo er doch in den letzten 14 Jahren ununterbrochen immer wieder zum Dorftrottel gewählt wurde. :-) Mit zwei unsäglichen Herz-Luftballons steht der arme Wicht nun also am Bahnhof und harrt der Dinge, die sich andere für ihn ausgedacht haben. Wie oft er wohl schon den Tag verfluchte, an dem seine Mutter ihn heimlich bei RTL für dieses Format denunziert hat.

    Rosi dankt ab, dafür bekommen wir jetzt in Jennifer eine etwas kleinere, aber viel freundlichere und mit 23 Jahren erheblich jüngere Version dieses Frauentypus vorgestellt. Die runde Rheinländerin trug so gut wie immer eine kräftig-rote Bluse, die, naja, kompakte Niedersächsin bevorzugt dagegen schreiendes Lila. Den Geschmack ihres Bauern hat sie damit offensichtlich sofort getroffen, denn er drückt sie fest an sich und lässt sie beinahe nicht mehr los. Seine Kommentare im Einspieler sind sprachlich und inhaltlich fast nicht zu verstehen und für einen gelernten Mackenklempner vermutlich höchst aufschlussreich. Hoffentlich war Jennifer so schlau, sich vom Fernsehen eine Rückfahrkarte ohne Zugbindung geben zu lassen, falls sie mal ganz spontan abreisen möchte, mit dem letzten Zug zurück in die Zivilisation.

    Jennys erste Prüfung kommt in Form von Martins Mutter Hilde. Letztere ist ähnlich gut zu verstehen wie ihr Sohnemann, nämlich gar nicht. Jetzt prasseln die Fragen auf die arme Braut ein, was isst Du gern, was magst Du nicht, was arbeitest Du, hast Du ein Problem mit dem frühen Aufstehen? Später begleiten wir Jennifer noch bis in ihr Bettchen. Gerade als sie es sich mit einem Liebesroman zwischen den Laken gemütlich gemacht hat und sich ungestört wähnt (abgesehen natürlich vom Kameramann, dem Ton-Fritzen, dem Skriptgirl, dem Regieassistenten und dem Regisseur), betritt Frauenversteher Martin ohne anzuklopfen und im modischen Shorty-Pyjama das Gästezimmer. Angeblich wollte er ihr noch einen Gute-Nacht-Kuss geben, hat sich RTL so ausgedacht.

    Und noch ein weiterer Landwirt erscheint quasi neu auf der Bildfläche: Der sensible, aber lebenslustige Biobauer Johannes (40) aus dem Odenwald, der beim Scheunenfest die blonde 28jährige Anja aus NRW gewählt hatte. Johannes kann lt. Bild-Online mit einer interessanten Homestory aufwarten, die dem Ausdruck “Patchwork-Familie” eine ganz neue Bedeutung gibt. Ich will das hier mal schnell auseinanderdröseln: Johannes ist verheiratet und gerade guter Hoffnung, d.h. er wird bald Vater. Die glückliche Mutter ist allerdings nicht seine Ehefrau und auch nicht die blonde Anja (kleiner Ausrutscher beim Scheunenfest?), sondern eine dritte Frau, nämlich seine Freundin. Das wirft natürlich leichte Fragen auf zum eigentlichen Ziel von “Bauer sucht Frau”. Denn an Frauen im Allgemeinen scheint es Johannes ja nicht direkt zu mangeln, was will er dann bloß mit Anja? Hmm, da kommen wir schon zum zweiten Problem, denn die landwirtesuchende Anja ist selbst gerade guter Hoffnung, auch sie wird nämlich bald Mutter. Und der zugehörige Vater ist diesmal nicht Johannes, sondern Anjas Freund. Klingt kompliziert und ist es auch.

    Nichtsdestotrotz beginnt der Bio-Jo sogleich mit dem Balzritual, Vertrag ist Vertrag. Er bekocht seine Anja und singt dabei zusätzlich, allerdings etwas schräg. Hoffentlich kocht er besser als er singt, sonst geht es nachher noch ans Magenauspumpen. Wie gesagt, die obigen Informationen zur Familienplanung stammen aus dem bekannten Intelligenzblatt “Bild”; in der Sendung wurden diese gefühlstechnischen Verwerfungen noch nicht thematisiert, schließlich gucken ja auch Kinder zu und wie soll man denen so ein Wirrwarr erklären? Wir Eingeweihten verstehen aber Inkas zarte Andeutung “Anja hat Appetit für zwei” ganz genau. ;-)

    So, das war’s für diese Woche. Wird Gerhard eine neue Alptraumfrau mit einem Hang zum Morbiden finden, schafft Martin auch eine 15 auf der Verklemmtheitsskala und wie viele weitere Kinder verheimlichen sich Johannes und Anja? Diese und noch mehr genau so sinnlose Fragen werden sicherlich auch in der nächsten Woche unbeantwortet bleiben. Egal, mehr erwarten wir ja auch nicht von Inka Bause!

    Bis denne!!!

  • Hallo Leute,

    der heutige Abend fiel bei Gevatter Zwegat wieder in die Rubrik “darüber macht man keine Witze”. Die Krankenschwester Sandra R. aus Babenried bei München ist Mutter von kleinen Zwillingen, der Vater der Kinder ist US-Soldat und gerade zum dritten Mal im Irak. Der Krieg hat ihn verbittert und aggressiv werden lassen, die Beziehung ist gescheitert und Sandra damit alleinerziehend. Die heutige Folge zeigt ihren verzweifelten Kampf gegen die Schulden, für die es eigentlich nur den Ausweg der Privatinsolvenz gibt, die sie aber um jeden Preis verhindern will, weil sie sonst ihr Auto und damit auch ihren Job in einem Münchener Klinikum verlöre. Am Ende gelingt Peter Zwegat das Wunder, genügend Geld für einen Vergleich mit den Gläubigern zusammenzubringen und Sandra damit den Weg zu einem einigermaßen “normalen” Leben zu ebnen, soweit man das Leben einer berufstätigen alleinerziehenden Mutter von Zwilligen überhaupt als normal bezeichnen kann.

    Ansatzpunkte für Witze oder Gehässigkeiten bietet diese Folge überhaupt nicht. Weder kann ich über Sandra lästern, die ihr sicherlich nicht so leichtes Leben mit Entschlossenheit meistert und ihren Zwillingen die Geborgenheit geben will, die sie selbst als Kind nicht bekommen hat. Noch will ich über ihren Ex-Freund und Vater ihrer Kinder urteilen, den der Irak-Krieg zu einem völlig fremden, aggressiven Menschen gemacht hat, dessen Beziehung daran gescheitert ist und der trotzdem gegen Ende der Sendung auftaucht und der Mutter seiner Kinder mit einer unerwarteten Geldspritze aus der Patsche hilft. Und über Peter Zwegat kann man diesmal beim besten Willen auch kein schlechtes Wort verlieren, denn er hat sich trotz eigener Bedenken auf Sandras Kurs eingelassen, die Privatinsolvenz zu vermeiden, hat nach Sponsoren für die Vergleichssumme gesucht, mit ihrer Freundin und dem entfremdeten Vater gesprochen und am Ende auch noch die Citibank für den Vergleich gewinnen können.

    Tja, liebe Leute, dies ist mein erster Blogeintrag ohne eine einzige Pointe, aber die kann ich gern bis zum nächsten Montag zurückhalten, wenn Inka Bauses Bauern mal wieder Freigang haben.

    Bis dann also!

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  • Liebe Fans der gepflegten Montagabendunterhaltung,

    wie schade, dass es noch kein Geruchsfernsehen gibt, sonst hätte heute zwischen 21:15 und 22:15 Uhr über dem ganzen Land ein leichter Hauch von Eau de Kuhstall gelegen, der Duftnote von Inka Bause. Diesmal geht die Enthüllungsjournalistin in die Vollen und führt Kamerateam, Laiendarsteller und Zuschauer an ihre Grenzen… und dann noch ein Stückchen weiter. Heute zeigt RTL nämlich alles: Dreck, Salsa, Mist, Kuhscheiße, fossile Teppichläufer, handgeschrubbelte Spätzle, dicke unmusikalische Frauen, zahnlose Männer, Dauergrinser und Schlechtsänger, also alles, was “Bauer sucht Frau” so liebenswert macht.

    Apropos “liebenswert”, in eigener Sache muss ich mal etwas loswerden: Herzlichen Dank für die vielen netten Kommentare, da freue ich mich immer sehr drüber, wenn ich am Dienstagmorgen etwas verschlafener als sonst ins Netz komme, weil ich mir für den Blog mal wieder die Nacht um die Ohren gehauen habe. Wenn ich dann lese, dass manche von Euch ungeduldig jede Woche auf den Mülltv-Kommentar zu den auf RTL gesendeten Ungeheuerlichkeiten warten, macht einen das schon stolz. Und wenn einzelne sich sogar die eigentliche Sendung zugunsten des Blogs sparen: bestens. An dieser Stelle geht mein besonderer Gruß an “mouhkouh” aus der Oberpfalz, die fast unseren gesamtes Eintrag vom 01.11.2010 wortwörtlich und kommentarlos in das Bäuerinnentreff-Forum von agrar.de gepostet hat – allerdings ohne uns vorher zu fragen. Das ist nicht nett, liebe “mouhkouh”, auch lästerliche Blogger haben Gefühle… ;-)

    Ansonsten finde ich es aber toll, dass wir scheinbar auch dort gelesen werden, wo BsF sicherlich die gemischtesten Gefühle weckt. Denn nicht alle Bauern sind doof, das möchte ich hier nochmal herausstellen, RTL hat sich da schon ein ganz besonders unfotogenes, nicht-repräsentatives Panoptikum zusammengecastet. Und mit dieser Vorrede gebe ich ab an Inka Bause vom Landfunk!

    Über den Feldern Nordhessens geht die Sonne auf, im Hintergrund trällert Nana Mouskouri ihr waffenscheinpflichtig-vergnügtes Lied “Guten Morgen, Sonnenschein” und der lustige Bauer Willy erscheint in einer lila Schlafanzug-Karikatur bei seiner pfundigen Braut Rosi im Gästezimmer. Er bringt der “rheinischen Frohnatur” das Frühstück auf einem Tablett direkt ans Bett, natürlich ganz spontan. Ich tippe mal, das ist ungefähr die zehnte Klappe, so abgelesen klingt der Text. Der Bauer bedankt sich sehr hölzern für die Offenheit, mit der sie ihm in der letzten Folge öffentlich erklärt hatte, dass sein Kuhstall aussehe wie ein Schweinestall und dass er beim Essen gefälligst nicht so schmatzen solle. Er gelobt Besserung in allen Punkten und ahnt dabei wohl dunkel, dass das sonst der letzten Damenbesuch auf seinem Hof in diesem Jahrhundert sein wird. How low can you go? Nicht nur ihre Matratze, auch Rosi ist schwer beeindruckt, nämlich von Willys Worten und sie gibt seinem Affen Zucker: “Hier kannst du punkten auf ganzer Linie”. Was ist denn das für eine apokalyptische Prophezeiung, ich mag gar nicht daran denken, was Rosi wohl mit “punkten” gemeint hat?

    Panik im Kuhstall, ein großer runder Schatten verfinstert die Sonne als Rosi das Gebäude betritt. Wieder trägt sie ihr kleines Rotes, wie ich es mal nennen möchte, obwohl… bei ihr sieht eigentlich jedes Kleidungsstück klein aus. Möglicherweise ist die rote Bluse auch schon irgendwie festgewachsen. Aber egal, wollen wir mal lieber nicht so genau drüber nachdenken, jetzt kommen wir nämlich zu den drei Ekelpunkten der heutigen Folge: Rosi hält ihrem ehemals lustigen Willy eine kurze Vorlesung zum Thema Sauberkeit im Kuhstall, dann schnappen sich beide Mistforken und machen sich an’s Eingemachte. Zu den fröhlichen Klängen von Boney M’s “Brown Girl in the Ring” (ein Schelm, wer böses dabei denkt) schaufeln die beiden eine gefühlte Wochenproduktion von Kuhfladen beiseite. Danach holt Willy seinen Hochdruckreiniger und spritzt seine braun-weißen Rinder porentief sauber. Lehmverkrustete Euter in Großaufnahme, lecker! Dass er dabei – natürlich ganz aus Versehen – auch ein, zwei Mal die gelernte Imbissbräterin trifft, mag seinen schlechten Augen geschuldet sein, denn wie könnte man Rosi wohl mit einer Kuh verwechseln, die tragen doch gar keine roten Blusen? Als geborene Rheinländerin hat sie aber Humor und lacht, dass beide Doppelkinne wackeln. :-)

    Ich weiß nicht, wieso Willy und Rosi mich so sehr zu bösartigen Bemerkungen reizen, aber ich kann nicht anders, sie schreien geradezu nach Bestrafung. Jetzt zerrt Willy nämlich eine dunkle Seite aus Rosis Vergangenheit ans Licht, die wir auch eigentlich lieber im Dunkeln gelassen hätten, sie war nämlich früher mal Akkordeonspielerin. Und Willy auch… und damit ist auch das nächste Verhängnis klar, wir werden nämlich nun mit dem Ergebnis jahrzehntelang kultivierter Unmusikalität gefoltert! Die beiden treten als gemischtes Duo auf, er spielt sozusagen und sie singt sozusagen. Beim ersten Lied scheinen einige Töne auf den berühmten Bierzeltklassiker “Rosamunde” hinzudeuten, den man normalerweise nur im Vollsuff ertragen kann. Wenn man denkt, Willys unegales Gefiepe sei schlimm, wird man bei Rosis Gesang eines Besseren belehrt,es geht nämlich immer noch schlimmer. Wenigstens kann dafür niemand GEMA-Gebühren kassieren, denn das Lied ist im Grunde genommen nicht als solches zu erkennen. Rosi dilettiert ins Sofa hingegossen und hat bei dieser Gelegenheit endlich mal etwas anderes als die rote Bluse an, nämlich einen quergestreiften Sweater, der ihre Figur noch etwas mehr betont. :-) Oh ja, den beiden ist wohl wirklich gar nichts mehr peinlich. Sie tauschen dann noch die Rollen, mit verheerendem Ergebnis: Rosi kann scheinbar überhaupt nicht Akkordeon spielen, nicht mal zwei Töne, und das deckt sich auch ideal mit Willys Gesangsfähigkeiten, die allerhöchstens als “unterirdisch” zu beschreiben sind. Nur bei DSDS hat man manchmal Kandidaten mit noch weniger Talent…

    Im schönen Sauerland tun die Hormone üble Dinge mit dem rolligen Rinderwirt Lukas. Hier hat Liebesgott Amor es letzte Nacht ordentlich krachen lassen, sagt Inka, und nun morgenmuffelt sich der abgekämpft aussehende Jungbauer etwas scheintot durchs Bild. Er bringt seiner Herzallerliebsten mit einem Obstteller ein paar dringend benötigte Vitamine zur Stärkung ans Bett. Die braucht sie auch, denn nach der Liebe steht nun eine handfeste Depression im Drehbuch, weil nämlich Stinas Hofwoche jetzt zu Ende geht und damit auch ihre Aufenthaltsgenehmigung erlischt. Das sind eben die Spielregeln im RTL-Land, wenn von einem Bauern alles gesagt und gezeigt worden ist, muss er Platz machen für den nächsten verzweifelten Landwirt. Das Thema Lukas wurde in den letzten Sendungen hinreichend beleuchtet, die Verdauungsendprodukte seiner Rindviecher sind republikweit bekannt und alles, was jetzt im zwischenmenschlichen Bereich noch kommen könnte, wäre nicht jugendfrei. Damit heißt es Bye-bye, schönes Sauerland!

    Als letztes Leckerli gibt es vom Fernsehen noch eine kostenlose Fahrstunde für Stina auf dem Trecker, etwas, was sie sich angeblich immer schon sehnlichst gewünscht hatte. Irgendwo auf einer der bäuerlichen Kuhweiden darf sie dann auch wirklich mal ans Steuer, was die umstehenden Rinder zur heillosen Flucht veranlasst. Heute gibt es dann wohl Schlagsahne statt Milch und RTL hat Schuld. Lukas ist aber ganz zufrieden mit den Fahrkünsten seiner Zukünftigen, auch in dieser Hinsicht steht also einer lebenslänglichen Verbindung der zwei nichts im Wege. Inka schwelgt aus dem Off, die beiden hätten sich unsterblich ineinander verliebt. Ein letzter Abschiedskuss zwischen der schnuckeligen Blondine und dem Karohemdfetischisten und Teil Eins ihrer Lovestory ist Vergangenheit.

    Auch im heute ungewohnt attributlosen (!) Frankenland wird gefrühstückt, der schüchterne Schweinebauer Harald sitzt grandios gehemmt mit seinem kubanischen Wirbelwind Janet vor dem Haus und mümmelt Marmeladenbrote. Janet möchte den Tag lt. RTL-Drehbuch nicht gänzlich sinnlos verplempern und fragt deshalb ihren neuen Freund im Karohemd, was er sich denn diesmal für sie beide ausgedacht habe. “Wir gehen heute zu die Rüben”, kriegt sie wie abgelesen (haha!) zur Antwort. Na, das kann ja spannend werden, welche Karibikschönheit mit Zahnpastalächeln hätte nicht Lust, mit einem gerade mal 18 Jahre älteren, leicht verhaltensauffälligen, dauergrinsenden Landwirt Unkrautrüben aus dem Acker zu zupfen? “Ich bin ssson gespannt”, behauptet Janet kackfrech. Harald macht daraufhin gleich wieder auf Womanizer und zieht einen echten Trumpf aus dem Ärmel bzw. aus der Scheune: RTL hat ihm zu Balzzwecken leihweise ein Tandem-Fahrrad überlassen, mit dem das unwahrscheinliche Paar dann auf der Stelle losbraust, quer durch die Felder zum Rübenacker.

    Schon erstaunlich, was für tolle Radwege es doch in der fränkischen Pampa so zu geben scheint. Und hinter jeder zweiten Ecke hockt offenbar ein Fernsehteam. Die hinten sitzende Janet nutzt die Gelegenheit und zeigt bei zahlreichen Kameravorbeifahrten ihr akrobatisches Talent, indem sie sich ganz spontan auf den Sattel stellt und den wackeren Harald währenddessen allein treten lässt. Das ist allerdings auch schon der schönere Teil des Tages, denn am Feld angekommen, muss die 26jährige sofort in den ungleichen Kampf mit den Unkrautrüben. Der erste Versuch, ein solches Teil aus der Erde zu reißen, geht gründlich schief und die Kubanerin landet sehr fotogen auf ihren vier hinteren Buchstaben zwischen den siegreichen Rüben. Dort bleibt sie dann auch gleich liegen und weigert sich sogar, von Harald wieder hochgezogen zu werden. Scheinbar ist sie noch ein wenig in der Pubertät, die Gute. Beim Interview im Karohemd redet sich der Bauer hinterher diese Arbeitsverweigerung auch noch schön: “Ich habe immer gesagt, ich such’ eine Frau für’s Herz und nicht für die Arbeit. Und die Janet ist eine Frau für mein Herz und das reicht mir.”

    Nach der Arbeit das Vergnügen! Wie bei Bauers scheinbar allgemein üblich, besteht die zweite Tageshälfte nur noch aus Rumgammeln und Eierschaukeln, jedenfalls wenn man RTL glauben darf. ;-) Somit bleibt nach der Unkrautjäterei noch genügend Zeit für ein längeres Picknick, ein bei BsF immer wieder gern gebrachtes Versatzstück, wenn die Story sonst nicht genügend Verwertbares hergibt. Harald hat, selbstverständlich unbemerkt von der hilfreichen Janet, auf dem Tandem noch einen großen Picknickkorb mit Trauben, Wurst und einem Laib Brot geschmuggelt, den er jetzt plötzlich hervorzaubert. Er schneidet der Kubanerin eine Scheibe Brot ab und sie äußert sich anerkennend über diese epochale Leistung. “Wenn man Brot schneiden kann, dann kann man auch heiraten”, zitiert Harald daraufhin keck ein mir völlig unbekanntes Sprichwort und bekommt es hinterher im Interview schon fast ein bisschen mit der Angst, so etwas cooles überhaupt gesagt zu haben. Janet fragt dann auch später tatsächlich nach, ob er sich denn vorstellen könne, dass sie zu ihm zöge und ob er denn dann auch bereit sei, alles, also wirklich ALLES auf dem Hof zu verändern? Klarklarklar, der Bauer kann gar nicht so schnell nicken, wie er zustimmen möchte, das ist DIE Chance in seinem Leben, das merkt sogar er. Ob Janet das allerdings wirklich ehrlich meint, wage ich denn doch zu bezweifeln, mit ihren 26 Jahren will die bestimmt nicht lebenslänglich mit einem Karohemd-tragenden Dauergrinser zusammengesperrt werden…

    Zum Abend revanchiert sich Janet mit einem ebenfalls völlig spontanen “kubanischen Abend” mit Bananenchips und Hochprozentigem. Und mit einer Salsa-CD, denn der Regisseur hat beschlossen, dass Harald heute das Tanzbein schwingen muss. Zuvor bekommt unser wackeres Bäuerlein aber ein gerüttelt Maß Alkohol eingetrichtert, um die Stimmungsdefizite mit einem Schwips zu kompensieren, danach folgt eine peinliche Tanzstunde, bei der wir Zeugen des fehlenden Rhythmusgefühls des Franken werden dürfen – und im Hintergrund dudelt der viel zu oft gehörte Ex-Hit “Lambada”. Fatal, dass mit jedem weiteren Glas das Grinsen von Harald noch breiter wird als eh schon. Nach dem akrobatischen Teil des Abends sitzen beide Kandidaten leicht betäubt auf dem Sofa und versuchen vermutlich krampfhaft, sich trotz der aufsteigenden Alkoholisierung noch an das Drehbuch zu erinnern. Janet schafft das als erste, denn plötzlich gibt das karibische Temperamentsbündel ihrem teutonischen Hobbit einen kleinen Schmatzer auf die Wange, was bei Harald wirkt, als habe man bei ihm die Sicherung herausgezogen (es war wohl sein erster Kuss…). Völlig erstarrt sitzt der Bauer da und stiert verdattert an seiner Braut vorbei. Nach einigen endlos erscheinenden Sekunden kriegt Janet einen Lachanfall; vermutlich hat sie die Harmlosigkeit des charmanten Schweinewirts doch noch weit unterschätzt.

    In der ansonsten recht idyllischen Eifel neigt sich die romantische Hofwoche von Lämmes und seiner tätowierten Moni dem Ende entgegen. Im donnernden Finale dieser immer haarscharf am Fremdschämen angesiedelten Geschichte kommen wir zur Königsdisziplin, bei der schon viele hoffnungsvolle Jungbäuerinnen auf der Strecke geblieben sind, nämlich dem Kochen für Mama! Moni hat sich dazu ein Rezept aus ihrer schwäbischen Heimat mitgebracht und auch das passende Werkzeug, einen “Spätzle-Schaber”. In einer etwas unappetitlich anzusehenden Prozedur quetscht sie den Nudelteig tropfenweise durch ein kleines Sieb in das kochende Wasser, immer unter den argwöhnischen Augen von Lämmes Mutti Änni. Letztere staunt über das Kochtalent ihrer Beinahe-Schwiegertochter und schmeckt mit sichtlichem Genuss das Geschnetzelte ab, das Moni zeitgleich in einem anderen Topf anbrät. Jaja, liebe Tierfreunde, wir erinnern uns: In der letzten Folge hoppelte das Geschnetzelte noch als niedliches Karnickel durch den heimischen Stall und futterte Möhrchen… und heute verputzen die bösen Homo sapiens den kleinen Rammler (Oryctolagus cuniculus) im bäuerlichen Wohnzimmer ratzekahl und spülen auch noch mit einem Gläschen Rotwein nach. Lämmes ist stolz darauf, dass seine Braut diese letzte, schwierigste Prüfung mit so viel Bravour bewältigt hat.

    Abschied in der Eifel, die körperbemalte Fleischwarenverkäuferin packt ihre Siebensachen. Der kleine rote Koffer wird schon allein von Lämmes Geschenk, einem eher kleinen Stoffschäfchen, völlig ausgefüllt. Lämmes, Moni und Änni kämpfen abwechselnd mit den Tränen, aber die Regeln des Fernsehens sind unerbittlich, Moni muss weg! Die verspricht jedoch, bald wiederzukommen und verabschiedet sich in einer tränentriefenden Szene auf dem Bahnsteig mit einem letzten innigen Kuss aus dieser Staffel.

    Kommen wir zum greisen Gerhard aus der Oberlausitz. Er hat es Barbara nicht leicht gemacht mit seinem weitgehenden Verzicht auf die technischen Errungenschaften des 20. und 21. Jahrhunderts. Er lebt halt lieber so, wie er es von Jugend an gewöhnt ist und damals gab es eben noch keinen Strom – und den “Bundeskanzler” nannte man zu seiner Zeit “Kaiser”. (An Bundeskanzlerinnen war natürlich schon gar nicht zu denken…) Einen Vorteil hat Gerhards vorgerücktes Alter übrigens: Barbara muss seine Mutter nicht bekochen… Dafür hat sie aber mit der Hausreinigung Pech, denn die steht zufällig gerade während ihrer Hofwoche an… wie jedes Jahr mit einer Null am Ende. Ihr erster Einsatz führt Barbara ins antike Badezimmer, zu einem Waschbecken aus der Zeit Karls des Großen. “Jesses, des soll ma noch sauberkrieche… ich weeß ja nich… total verkeimt…” Mit einer Riesendosis Ata-Scheuerpulver rückt sie dem über Jahre gezüchteten Schmutzrand zu Leibe, hat allerdings nur mäßigen Erfolg. Bei der ähnlich gut erhaltenen Badewanne überkommt sie dann das große Ekeln und sie gibt dieses Zimmer verloren. “Do hilft ooch keen Putzen und keen Machen, den Keim kriech ma nich mehr ob!”, gibt sie hinterher im Karohemd zu Protokoll.

    Na gut, dann eben nicht, nun zwingt das Fernsehen die 59jährige Thüringerin ins Wohnzimmer. Hier bewahrt der Hühnerwirt offenbar seine Sammlung fossiler Teppichbrücken und Läufer auf, einer grässlicher gemustert als der andere und das teilweise in mehreren Lagen übereinander. “Na, das Gelumpe!”, entfährt Barbara ein unwillkürlicher Fluch und mich haut es vor Lachen fast aus dem Sessel. Die arme Frau hantiert völlig chancenlos mit einem heulenden Vorkriegsstaubsauger (1. Weltkrieg, wohlgemerkt), der anderswo längst in den Museen für Vor- und Frühgeschichte verschwunden sein dürfte. Das altersschwache Gerät saugt gemeinerweise immer die fadenscheinigen Teppichstücke an und sorgt für viele Falten auf dem Boden und im Gesicht der schwer frustrierten Thüringerin. “So ein Scheißendreck, blödes Gefummele, so viel Arbeit mit dem Dreckzeug.” Barbara nutzt einen kurzen Besuch des Bauern, um Dampf abzulassen und vorzuschlagen, doch die blöden Teppichstückchen wegzuwerfen, dann hätte sie es viel einfacher mit dem Wischen. Och nö, das mag Gerhard ja nun gar nicht hören, die Teppiche wären schon immer da gewesen und blieben “vorerst” auch dort liegen. Punktum! Mit einem Schütteln seines grauen Kopfes rollt er die von Barbara schon entsorgungsfertig zusammengedrehten Läufer wieder auseinander. In der nächsten Szene sitzen die beiden draußen an einem Tisch, schweigend, sie links, er rechts, Fleisch gewordene Depression. Ist dies das Ende einer irgendwie schon immer hoffnungslosen Story?

    Nein, natürlich nicht, wofür hat man bei RTL schließlich die sündhaft teuren Drehbuchschreiber eingekauft?! Wie weiland MacGyver, finden die auch in den verzweifeltsten Momenten noch immer Drehungen und Wendungen, damit die ohnehin hanebüchene Storyline noch unglaubwürdiger wird. Diesmal ist der Bauer angeblich urplötzlich zu der Einsicht gelangt, dass er auch ohne seine mittelalterlichen Teppiche leben kann. Wir sehen den 67jährigen, wie er die Lumpen zusammenrollt. Doch, doch, ihm seien Veränderungen wichtig, Barbara soll sich bei ihm wohlfühlen, behauptet er. In Wirklichkeit geht der Anblick des nun nackten Parketts aber doch über seine Kräfte, die Kamera zeigt ihn unbarmherzig beim heimlichen Weinen in der gekachelten Küche. Barbara oder die Teppiche, auf diese einfache Formel läuft es wohl hinaus und wir ahnen schon, wer da die in jeder Beziehung älteren Rechte hat… Kurze Zeit später liegen die Teppiche jedenfalls wieder an ihrem gewohnten Ort.

    Dafür will Gerhard jetzt aber an anderer Stelle glänzen: Er telefoniert einen Bekannten herbei, der mit einem Hochdruckreiniger das total verkeimte Badezimmer ein wenig auf Vordermann bringt. Ein paar Stangen Dynamit wären vermutlich zielführender… Hinterher zeigt der Hühnerwirt seiner Barbara das aufgehübschte Badezimmer, stolz wie Oskar. Sie nickt anerkennend, “hätte ich gar nicht gedacht, dass das wieder so helle wird”. Aber so richtig begeistert klingt das nicht, innerlich hat die Melkerin sich offenbar schon gegen das Leben auf dem Hühnerhof entschieden, tippe ich mal.

    So, das war es für heute. Bei zwei Bauern ist die Hofwoche jeweils viel versprechend zu Ende gegangen, also kriegen wir in der nächsten Woche ein paar neue Gesichter zu sehen. Was das mit dem eher wenig innovationsfreudigen Gerhard und seiner schon arg frustriert wirkenden Barbara werden soll, weiß ich nicht, ich ahne Schlimmes. Bei Willy und Rosi bin ich bereits über die Ahnung hinaus, die sind schon jetzt schlimm, passen darin aber gut zusammen. Und Harald und Janet sind in ihrer Künstlichkeit verheerend, er merkt nichts mehr und sie genießt einfach nur die Zeit im Rampenlicht.

    Für heute reicht mir der Bauernquatsch, ich melde mich ab in die Heia! Tschüss!!!

  • Hallo zusammen,

    die heutige Folge von Zwegat ist, nun ja, also nett und leidlich unterhaltsam, mehr aber auch nicht. Es gab keine großen Streitereien und auch nichts zum Fremdschämen. Bei Licht betrachtet war die Folge vielleicht sogar ein bisschen langweilig, jedenfalls für mich. Und ganz am Ende habe ich mich auch noch geärgert. Deswegen werde ich mich heute ganz gegen meine Gewohnheit mal ein wenig kürzer fassen.

    Also, diesmal hat es unser Finanzgenie von der Spree mit einem echten Ruhrpottoriginal zu tun. Norbert M. (52) aus Gladbeck ist irgendwie knuffig, so eine Art domestizierter Käpt’n Langstrumpf mit Piratenbart, Pferdeschwanz und Bauchansatz. Und irgendwie ein bisschen arglos, verträumt oder ignorant, wie man will. Jedenfalls hat er seit Menschengedenken Schulden für die bei ihm seit 17 Jahren diverse Pfändungen laufen, aber warum das eingehaltene Geld nirgendwo ankommt, weiß er nicht und interessiert ihn tief innen drin wohl auch nicht wirklich. Er hat sich irgendwann damit abgefunden, dass ihm jeden Monat von Amts wegen der Lohn gekürzt wird, so wie man sich mit schlechtem Wetter abfindet – oder mit schlechtem Fernsehen.

    Die heutige Folge ist insofern ein Unikat, als dass der Schuldnerberater erstmals vom Arbeitgeber angefordert wurde und nicht vom eigentlich Betroffenen. Wie gesagt, der steht dem ganzen Treiben eher ratlos und resigniert gegenüber, den Überblick über seine diversen Schulden hat er schon seit Jahren verloren.

    Trotz der eher ungewöhnlichen Benachrichtigungswege rauscht Peter Zwegat mit seinen üblichen Begrüßungsfloskeln bei Norbert im Ruhrpott an. Zwischen den beiden Männern hat es sofort gefunkt, Norbert erkennt Zwegats Autorität augenblicklich an und der Berliner hat wohl schon bauseitig eine Beißhemmung bei originellen Menschen. Und das ist Norbert unter Garantie. Er war drei Mal verheiratet, die dritte Scheidung läuft, und er hat insgesamt vier Kinder, davon zwei unter 18 Jahren. Die wohnen bei ihrer Mutter, seiner letzten Ex. Unterhalt kriegen sie aber keinen von ihm, weil er irgendwie dunkel ahnt, dass das “Kuckuckskinder” sind, also nicht ganz von ihm. Genauer hat er das aber nicht erforscht, vermutlich ist es ihm tief innen drin auch wieder egal, denn er schickt den Kindern merkwürdigerweise Taschengeld.

    Norbert erklärt Peter Zwegat, dass er nach seiner vorsichtiger Rechnung in den 17 Jahren über Lohnpfändungen gut 30.000 Euro für seine Schulden berappt hat. Da diese nur gut 20.000 D-Mark – also etwa 10.000 Euro – ausmachen, sollte nach Adam Riese schuldentechnisch so langsam Land in Sicht sein. Eine halbherzige Anfrage beim Amtsgericht Gladbeck, wie, wo und was da jetzt genau abgeht, war seinerzeit allerdings etwas im Sand verlaufen, Norbert hat auch nicht mehr nachgehakt. Ist ihm wohl irgendwie egal, scheint es. Andererseits wäre es aber auch gut, endlich von den Schulden herunterzukommen, denn Norberts aktuelle Freundin Bärbel würde gern zu Ehefrau Nummer vier werden, will aber keinesfalls für die Schulden aufkommen, was man rein menschlich auch gut nachvollziehen kann.

    Norberts Arbeitgeber, für den Lohnpfändungen eher lästig sind, empfindet eine Art Fürsorgepflicht für den Mitarbeiter und hat ihn angestachelt, dem vielen einbehaltenen Geld doch mal nachzugehen. Weil man wohl um dessen eher begrenzte Agilität weiß, hat man schließlich auch noch den RTL-Schuldnerberater angefordert, der soll allen Beteiligten inkl. Norbert Dampf unter den Hintern machen.

    Der Berliner startet wie so häufig mit einer Wohnungsbesichtigung. Die verläuft ohne Befund, insbesondere gibt es keinen Riesen-Plasmafernseher, über den sich Zwegat andernfalls gern mal aufregt. Etwas ungelegen scheint der Besuch des Fernsehteams aber trotzdem zu kommen, denn Norbert renoviert gerade seine Butze und das Schlafzimmer sieht aus wie nach einem Besuch der al-Qaida.

    Zwegat nimmt sich alle greifbaren Unterlagen mit in sein Berliner Büro und fräst sich in die Thematik Norbert M. ein. Kurze Zeit später ist er mit seiner Flipchart zurück im Pott und setzt seinen Mandanten über dessen Vermögensverhältnisse ins Bild. Unterm Strich kommt er dabei auf einen Betrag von 22.480 Euro, ohne Zinsen, wohlgemerkt. Da schimmert für einen Moment die Hoffnung durch, Norbert M. sei eigentlich schon längst schuldenfrei und habe es nur nicht bemerkt. Warum er dann aber immer noch diverse Lohnpfändungen laufen hat, fragt sich. Und warum die Gläubiger offensichtlich noch immer kein Geld bekommen haben.

    Wie üblich macht Zwegat danach, bei der Aufstellung der monatlichen Ausgaben, etwas auf Oberlehrer. Wieso Marx denn 300 Euro pro Monat für’s Rauchen ausgeben müsse, fragt er. (Übrigens genau so viel wie für die Wohnungsmiete!) Und die 250 Euro für die Betriebskantine, tut das denn Not? Aha, das ist für die 10 bis 15 Kaffee, die sich Norbert pro Tag auf der Arbeit genehmigt. Ob denn da nicht die Anschaffung einer eigenen Kaffeemaschine billiger käme, stellt Zwegat zur Debatte. Schweigen.

    Zwegats Besuch im Amtsgericht bringt dann erhebliche Ernüchterung, Norbert ist natürlich noch immer nicht schuldenfrei, hatte das wirklich jemand geglaubt? Des Rätsels Lösung sind diverse alte Unterhaltsschulden, die das Gericht gleich von den gepfändeten Beträgen abgezogen hat, was aber an Norbert unbemerkt vorbeigegangen ist. Somit hat er von seinen bekannten Schulden nicht schon 30.000 Euro, sondern in Wirklichkeit nur 19.000 Euro beglichen. Die wären auch schon vor einigen Jahren an die Gläubiger ausgezahlt worden, hätte Norbert seinerzeit nicht Widerspruch eingelegt, weil ihm ein paar der offenen Beträge spanisch vorkamen. Aus unerfindlichen Gründen kam damit das Räderwerk des Amtsgerichts dauerhaft zum Stehen, damals und auch später wurde kein Geld ausgezahlt, denn Norbert hatte sich nicht noch einmal gemeldet. Vielleicht war ihm das Ganze doch nicht mehr so schrecklich wichtig, man weiß es nicht.

    Trotzdem, immerhin, wenn man die inzwischen aufgelaufenen Zinsen hinzurechnet, muss Norbert aktuell “nur” noch etwa 6.000 Euro löhnen, dann ist er schuldenfrei. Zwegat versucht nun, für den Restbetrag einen Vergleich zu organisieren. Das Kapital dafür kriegt er nach einigem Betteln “mit Bauchschmerzen” als Kredit von Norberts Arbeitgeber. Klar, den muss er natürlich auch noch wieder zurückzahlen, aber wenigstens ist er damit die Pfändungen los.

    Hurra, der Fall ist damit einigermaßen befriedigend zu Ende gegangen, Zwegat hat es wieder einmal geschafft und das ganz ohne Wutausbrüche und Fremdschämen.

    Ey, wo bleibt der Abspann, die Sendung ist fertig, oder? Oder??? ODER???!!!

    Nein, diesmal kommt es leider anders als gedacht, Künstlerpech! Warum muss Peterle auch immer so penibel recherchieren, kann er nicht einfach mal den Aktenkoffer zuklappen und gemütlich in den Feierabend gehen, so wie alle anderen Schuldnerberater auf dieser Welt? Warum muss er immer weiter bohren, bis er eine Leiche im Keller findet, der alte preußische Beamtensack?

    Zwegat besucht Ehefrau Nummer 3, die mit den beiden unterhaltsberechtigten Kindern, von denen Norbert nicht so ganz genau weiß, ob sie wirklich seine Chromosomen tragen und für die er deswegen auch nicht löhnt. Tja, zumindest juristisch sind das nun mal seine Kinder und damit haben sie gegenüber ihrem Papi auch Anspruch auf zusammen gut 500 Euro Unterhalt im Monat. Damit sie nicht verhungern, zahlt das Sozialamt einen Unterhaltsvorschuss in dieser Höhe an die Mutter aus, aber natürlich will die Behörde das Geld von Norbert zurück haben. Ein Besuch beim “Fallmanager” (im Altrockeroutfit mit Lederweste) bringt dann die bittere Erkenntnis, dass sich diese Forderungen bis heute bereits auf 19.000 Euro addieren.

    Bumm, das sprengt natürlich alle zuvor mit dem Vergleich noch gehegten Hoffnungen, von diesen neuen Schulden wird Norbert bis zur Rente nicht mehr herunterkommen, das ist Zwegat sofort klar. Er rät seinem Klienten nun direkt zur Privatinsolvenz, dann müsse er vielleicht insgesamt noch 7.000 Euro von den Schulden zahlen, sei etwa im Jahr 2017 durch mit dem Thema und könne finanziell neu beginnen. Extrem ärgerlich, dass Zwegat das mit dem Unterhaltsvorschuss nicht schon vorher herausgekriegt hat. (Obwohl Norbert eigentlich schon ganz zu Anfang erzählt hatte, dass er auf eigenen Beschluss keinen Unterhalt mehr zahle!) Dann hätte er sich die ganze Mühe mit dem Vergleich schenken können. Und Norbert hätte auch keine neuen Schulden bei seinem Arbeitgeber gemacht – denn die bleiben ja nun bestehen, oder etwa nicht?

    Und bei längerem Nachdenken finde ich es auch irgendwie pervers, dass Zwegat aus öffentlichen Mitteln (er nimmt ja bekanntlich kein Honorar) dafür bezahlt wird, seinem Mandanten einen Weg zu ebnen, dass der die Schulden gegenüber dem Sozialamt nur noch in geringem Umfang bezahlen muss. Norberts Insolvenz kostet die öffentliche Hand (sprich: die Steuerzahler) also ca. 12.000 Euro. Zwegats Gehalt wird ebenfalls aus Steuermitteln finanziert, das muss man noch oben drauf rechnen. Gewinner der ganzen Chose ist dagegen der kommerzielle Fernsehsender RTL, der verdient sich mit diesem Beitrag nämlich ‘ne goldene Nase. Da fühle ich mich als Steuerzahler doch gleich mehrfach gekniffen! :-(

    In diesem Sinne Tschüss bis zur nächsten Runde in Zwegats Pleitenpanoptikum…

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