• Hallo Fans,

    heute hat es Peter Zwegat, unser liebster Schuldnerberater, mit zwei wirklich infantilen Klienten zu tun. Die Angelegenheit bringt ihn tatsächlich mal hart an die Grenze eines richtigen Wutanfalls – und das macht ihn sehr sympathisch, denn wer würde beim Ansehen der aktuellen Folge den Hauptprotagonisten nicht mal gern so richtig mit Schmackes in den Hintern treten?

    Diesmal verschlägt es den Berliner, der – wie Superman – die Rufe von in Not Geratenen auf geheimnisvolle Weise aus vielen hundert Kilometern Entfernung vernehmen kann, ins westfälische Lüdenscheid. Seine Klienten sind der 21jährige Marco Siek und seine ein Jahr jüngere Freundin Marina Dick (eine Unkenntlichmachung der Namen haben die beiden Spacken nicht verdient). Marco ist ein ziemlicher Losertyp, hat bislang im Leben außer der Geschlechtsreife noch nichts ereicht – und letzteres leider gründlich, denn seine Freundin ist von ihm im sechsten Monat schwanger (sie kennen sich gerade neun Monate). Das Kind soll übrigens lt. Off-Stimme “Allesandro” heißen; vermutlich hat man sich dabei an Lady Gagas aktuellem Hit “Alejandro” orientiert – wie gut, dass das Kind nicht früher entstanden ist, sonst hätte es womöglich “Poker Face” gehießen… :-)

    Also, nochmal zurück zu unserem heutigen Hauptdarsteller Marco. Der hat vor eineinhalb Jahren eine von den Eltern organisierte Wohnung bezogen, für die er allerdings seit einigen Monaten keinen Cent Miete mehr berappt. Stattdessen hat er als verantwortungsvoller angehender Vater kurz nach dem Bekanntwerden der Schwangerschaft wegen fortgesetzten unentschuldigten Fehlens seinen Ausbildungsplatz als Frittenbräter bei McDonald’s verloren. (Ja, das sei dumm gelaufen und nicht seine Schuld, behauptet Marco, er sei irgendwie krank gewesen…) Das ist ökonomisch gesehen eher ungünstig, denn außer dem Kindergeld für Marina in Höhe von 187 Euro haben die beiden null Einkünfte, weder aus irgendwelcher Arbeit, noch aus Arbeitslosen- oder Sozialhilfe. Anspruch hätten sie wohl, sind allerdings zu dämlich, die Anträge auszufüllen und abzugeben. Viel lieber lümmeln sie im Internet herum und geben ihr nicht vorhandenes Geld aus für Handy, Fernseher, Playstation, Verstärker, DVD-Player, Boxen, ein Sky-Abo, zwei Laptops und ein iPhone. Wie jedes Kindergartenkind weiß, kostet so etwas Geld, aber diese Basiserkenntnis ist an unseren zwei Schlaumeiern leider vorübergegangen. Rechnungen und Mahnungen, ganz besonders solche mit dem Aufdruck “dringend”, schmeißen sie stets ungeöffnet in den Müll, “weil sich das sonst immer so ansammelt”. Das erklärt, weshalb Marco nicht mal ansatzweise weiß, wie hoch seine Schulden sind. Ähnlich verfahren die beiden bei der Wohnungsmiete, die sie bislang komplett schuldig geblieben sind. Das stinkt nun nach einigen Monaten den leer ausgehenden Vermietern und ihnen wurde nach diversen Mahnungen nunmehr gekündigt und die Räumungsklage steht ins Haus.

    Marco und Marina hocken nun total lahm in ihrem Wohnzimmer und geben altkluge Sprüche zum Besten, sie würden es schon schaffen und das sei doch alles gar nicht so schlimm. Super die Einlassung von Marina, man habe ihr geraten, aus Rücksicht auf das ungeborene Kind jeden Stress zu vermeiden und deshalb denke sie einfach über ihre momentane Situation gar nicht nach. Marcos Mutter und sein Stiefvater haben nach zahlreichen Finanzspritzen von zusammen etwa 5.000 Euro die weitere Subvention ihres Sprösslings eingestellt. Muttern weiß nicht mehr weiter, hat deswegen die RTL-Kummernummer gewählt und um Unterstützung durch den Finanzguru aus Berlin gebeten.

    Und schwupps sitzt Peter Zwegat nach seinem üblichen Spruch von wegen … Sie haben gerufen… ich habe es gehört… wie kann ich helfen… auf dem Sieg/Dickschen Sofa und lässt sich die Story aus Sicht von Marco verklickern. Nachdem der erzählt hat, wie er bevorzugt dringende Mahnungen in den Müll entsorgt hat, fragt Zwegat mit einem Seitenblick Marina, was sie denn von der Sache hielte: “Also ich finde Schulden nicht so toll.”, lautet ihre nobelpreisverdächtige Antwort, die unbedingt in das Zwegat-Highlights-Archiv gehört. Ansonsten entpuppt sich Marco als großer Geschichtenerzähler, z.B. was seine Erklärung für den Rausschmiss im Spezialitätenrestaurant Mäckes angeht. Da habe er nämlich eine Schulterverletzung gehabt, zugezogen beim Thai-Boxen, einer Sportart, bei der er deutscher Meister sei oder war. Bei einem Blick auf das schmächtige Bübchen kommen selbst mir als Laien da schon erhebliche Zweifel. Zu Recht, wie wir später noch sehen werden.

    Was das Arbeiten angeht, hat es Marina vergleichsweise ruhig angehen lassen. Nach ihrem Hauptschulabschluss vor zwei Jahren hat sie sich bis auf weiteres aus dem Berufsleben zurückgezogen und konzentriert sich anscheinend eher auf eine Karriere im Hartz-IV-Sektor. “Was hindert Sie denn, irgendwas zu tun?”, lautet Zwegats deutlich kritische Frage, auf die er nur ein mehr oder weniger hilfloses Schulterzucken als Antwort bekommt. Wir als alte Fans des Berliner Urgesteins wähnen da im Hintergrund schon ein entferntes Blubbern des Zwegatschen Kessels. Und er legt nach, will wissen, weshalb die beiden Möchtegerneltern denn weder Arbeitslosengeld, noch Sozialhilfe beantragt haben. Wieder kriegt er nur gestammelte Sülzantworten mit fadenscheinigen Ausreden auf Grundschulniveau. Nun will er es wissen: “Wie sieht denn ihr Tagesablauf aus?”. Dabei erfahren wir, dass Marco immer eher so gegen elf Uhr aufsteht, Marina sogar noch später. Trotzdem meint die ganz frech, sie habe eigentlich nicht so das Problem mit dem Aufstehen… ;-) Dem Berliner schwillt sichtbar der Kamm, bestimmt musste er selbst früher als Kind immer schon um sechs Uhr morgens aufstehen zum Kühemelken oder so. Und dann später im Krieg war es sicherlich auch Essig mit dem Ausschlafen, deshalb fehlt dem Schuldnerberater ganz offensichtlich jegliches Verständnis für den eher lässigen Biorhythmus seiner Klienten.

    Zwegat geht bei Marcos Mutter auf Ursachenforschung, was bei ihrem Sohn denn wohl schief gelaufen sei. Die ist allerdings selbst ratlos, ihr Stammhalter sei ein großer Geschichtenerzähler, habe für alles Erklärungen und Entschuldigungen, könne Fremde leicht täuschen, lebe aber selbst in einer “Parallelwelt”. Zu allem Überfluss sei er auch noch jähzornig und leicht aufbrausend. Gerade Letzteres alarmiert den Schuldnerberater, er sieht Marina und das ungeborene Kind in Gefahr und ruft eine Psychologin aus Hamburg hinzu, die Marcos Gewaltpotenzial ausloten soll. (Weshalb es in Lüdenscheid keine Experten gibt, die das ermitteln könnten, sagt uns RTL allerdings nicht.) Die Psychologin gibt später Entwarnung, der Junge sei doof aber harmlos, um das mal auf den Punkt zu bringen.

    Als nächstes schnappt sich Zwegat den zukünftigen Papi und geht mit ihm zusammen zu einer staatlichen Zeitarbeitsfirma (“START NRW”), die genau solche hoffnungslosen Fälle wie Marco vermitteln können soll. Der gibt sich hier auch kooperationsbereit, behauptet, Zuhause vollständige Bewerbungsunterlagen zu haben, verspricht, diese noch am selben Tag nachzureichen und man glaubt, alles würde sich jetzt zum Besseren wenden. Aber ach, da haben wir den Geschichtenerzähler unterschätzt. Nicht nur, dass er Zuhause die fehlenden Zeugnisse und den Lebenslauf nicht griffbereit hat, er weiß noch nicht einmal, wo die sein könnten. Zwegat durchstöbert mit dem Delinquenten die gesamte Wohnung bis hin zu den Umzugskartons im Keller, aber vergebens.

    Nun sind wir beim Schuldnerberater stimmungsmäßig schon auf einem sehr interessanten Niveau, eine eine Woche später kocht er dann endgültig über: Marco hat nämlich auch in der Zwischenzeit seine Unterlagen bei START NRW  nicht eingereicht, angeblich wegen des Todes seiner Großtante. Wohngeld oder Arbeitslosengeld haben die beiden Flachpfeifen auch noch nicht beantragt. “Wo ist denn hier der nächste Fluss?”, fragt der Berliner. Völlig verständnislos sehen ihn Marco und Marina an, fahren mit ihm dann aber doch zu einer Brücke am nächstgelegenen Gewässer. Ja, das sollten sie beide sich schon mal gut ansehen, hier würden sie nämlich demnächst leben müssen, sobald sie aus der Wohnung herausgeflogen seien, verkündet der erheblich angenervte Peter Zwegat dem antriebslosen Elternpaar in spe. Mit der “Scheiß-Schufa-Auskunft” würden sie keine neue Wohnung mehr kriegen und ihre “Kack-Ausreden” könne er auch schon nicht mehr hören, davon seien 80 Prozent “Schrott”. Nebenbei deutet er auch noch an, dass es durchaus möglich sein könnte, dass das Jugendamt den beiden das Kind wegnehmen könne, wenn sich die Lage nicht bessere. Nönö, das werde schon nicht passieren, mischt sich Marco in den Redefluss des Berliners ein, da fliegt bei dem endgültig die letzte Sicherung raus: “Egal was ist, sie haben immer eine Kack-Ausrede!!!”, brüllt er den Jungen an. Uiuiui, in den USA hätte man da zum Schutz der minderjährigen Zuschauer wohl ein paar Piepstöne drunter gelegt, aber das deutsche Fernsehen ist da gnadenlos und zeigt das ungeschminkte Leben in seiner ganzen brutalen Härte.

    Normalerweise hätte man Marco an dieser Stelle einen so kolossalen Arschtritt geben müssen, dass er bis zum Ende der Folge fliegt, aber die RTL-Drehbuchschreiber sehen das anders. Zwegat muss weitere – natürlich fruchtlose – Bemühungen anstellen, den Typ auf eine halbwegs normale Bahn zu bringen. Der soll jetzt nämlich ein einwöchiges unbezahltes Praktikum bei einem Lebensmittelmarkt um die Ecke machen. Das geht fünf Tage gut, am sechsten Tag fehlt der Seppel und hat damit den anfänglich guten Eindruck völlig ruiniert. Eine sehr hübsche Szene kommt dann, als Zwegat zusammen mit Marco im Bus in die Nachbarortschaft zur Sparkasse fährt, weil für den Wohngeldantrag nämlich ein Kontoauszug benötigt wird. Warum er das denn bisher noch nicht allein geschafft habe, sich diesen blöden Auszug zu holen, fragt der Berliner den 21jährigen dann vor der Sparkasse. “Ich fahre hier eben nicht so gern her.”, kriegt er zur Antwort. “Ich auch nicht – und schon gar nicht in ihrer Begleitung”, schnauzt Zwegat zurück und schaltet dann auf Orkan-Brüllstufe um: “Sie wollen Vater eines Kindes werden und sind unfähig, sich einen Kontoauszug zu holen! Weil Sie hier nicht gerne herfahren… Sie haben ja nicht alle auf dem Sender!!!” Später beklagt sich Marco vor der Kamera ziemlich empört über den Berliner, der sei immer so unfreundlich zu ihm… :-)

    Dieses Zerwürfnis bestimmt auch den Tenor für die restliche Sendung. Angeblich hat die Hamburger Psychologin einen Karatelehrer in (oder in der Nähe von) Lüdenscheid ausgemacht, der ein Anti-Aggressionstrainung anbietet, was für Gelegenheitscholeriker wie Marco geeignet erscheint. Dorthin schleppt Zwegat seinen ungeliebten Schützling nun und der darf dann auch gleich im Karate-Dojo beim Training mitmachen. Sein Turnzeug  hat er nämlich “zufällig” gerade dabei. Der Karatelehrer guckt sich Marco bei der Gelegenheit eher geringschätzig an, das schmale Hemd soll mal ein Thai-Boxer gewesen sein? Da platzt wohl gerade eine weitere Geschichte… Egal, wie auch immer, auf jeden Fall gefällt dem 21jährigen das Training und er verspricht, das jetzt regelmäßig zu machen. Muss man überhaupt noch berichten, dass er selbstverständlich NIEMALS  mehr wiedergekommen ist und der Trainer sich enttäuscht zeigt, wie alle, mit denen Marco zu tun hat?

    Peter Zwegat, der bekanntlich nicht für seinen Profit arbeitet, sondern nur aus Gutmenschentum, hat inzwischen alle Gläubiger von Marco und Marina durchtelefoniert und kommt insgesamt auf Außenstände von 5.000 Euro. Wohlgemerkt ohne die privaten Schulden bei Muttern, die kann man wohl getrost als uneinbringlich vergessen. In einem Kraftakt schafft er es tatsächlich sogar, dass die Erzeugerin für ihren Sprössling dann nochmal etwas Geld nachschießt, so dass es für einen Vergleich reichen könnte. Und den Antrag auf Wohngeld und Sozialhilfe kriegt er auch angeschoben und unter diesen verbesserten Umständen findet er sogar eine neue Wohnung für das Paar.

    Dann aber patzt unser Hauptdarsteller noch direkt an der Ziellinie im Abschlussgespräch: Zwegat hat die werdenden Eltern und Marcos Mutter zusammengeholt und will nun die weiteren Schritte besprechen. Natürlich kann er sich dabei ein paar Seitenhiebe auf den 21jährigen nicht verkneifen. Der verschränkt die Arme und stiert sauer vor sich hin. Ob er denn nicht auch mal etwas sagen wolle, reizt ihn der Berliner? Nö, er sage gar nichts mehr, er wolle Zwegat keinen Ansatzpunkt für weitere Kritik mehr liefern, giftet Marco überraschend klar formuliert. Als dann auch noch seine Mami weiterbohrt, platzt dem Jüngelchen der Kragen, er schreit herum, er ließe sich nicht dauernd so unfreundlich abfertigen und habe jetzt die Schnauze voll. Damit springt er auf und entschwindet durch die Tür. Nach einer kurzen Schrecksekunde schwört Zwegat dann wenigstens Marina und ihre Quasi-Schwiegermutter per Handschlag darauf ein, für das Baby zusammenzuhalten, egal ob zukünftig mit oder ohne Marco.

    Sehr nachdenklich verlässt Peter Zwegat Lüdenscheid, ob seine Anstrengungen letztlich Erfolg gebracht haben, darf zumindest bezweifelt werden. Manche Leute sind eben dazu verdammt, immer voll Karacho in der Matsche zu landen und wenn man ihnen helfen will, dann werden sie auch noch frech. Das war eine Folge, bei der man auch als Zuschauer ein Antiaggressionstraining bräuchte, so sehr animiert einen die Hauptperson zu physischer Gewalt…

    Tags:

  • Hallodriho, liebe Freunde des Landfunks,

    das Jahr ist um und die notorische Agrarkupplerin Inka Bause hat ihre Drohung wahr gemacht, uns auch 2010 mit einer neuen Staffel von “Bauer sucht Frau” zu beglücken. Eine Show, so einfältig und harmlos wie ihre Moderatorin, wobei letztere übrigens immerhin 2008 die Auszeichnung “Goldene Henne” gewonnen hat (echt!). Die Anspruchslosigkeit dieser Sendung hat Methode und wahrscheinlich macht genau dies ihren Reiz aus: Hier kann der stressgeplagte Städter nach getaner Arbeit mal abschalten, im heimischen Wohnzimmer beim Feierabendbier die Füßchen hochlegen und sich genüsslich an den ungelenken Balzversuchen dummbräsiger Dösköppe auf der anderen Seite der Mattscheibe (so man denn noch ein Röhrengerät besitzt) delektieren.

    Sich über die Unbedarftheit anderer Menschen lustig zu machen, mit dem Finger auf sie zu zeigen und daraus die eigene Überlegenheit zu begründen, ist ein sehr angenehmes Gefühl, das allerdings von vielen angeblich gut erzogenen Zeitgenossen als asoziales Verhalten missdeutet wird. So richtig ungestört kann man sich diesem Vergnügen im normalen Alltag daher leider nur heimlich vor dem Fernseher hingeben, mit Fremdschämorgien wie “Bauer sucht Frau”. Was bedeutet eigentlich “Fremdschämen”? Nun, dieses angenehm unangenehme Gefühl ist eine der Segnungen des Privatfernsehens und spielt sich irgendwo zwischen Zwerchfell und Magengrube ab, als Zwitter aus Mitleid und Schadenfreude, allerdings mit deutlichem Aszendenten zum Letzteren. Typischer Ausdruck beim Fremdschämen ist ein “Auweia” mit gleichzeitigem Hand-vor-die-Stirn-Klatschen.

    An dieser Stelle richte ich im Namen aller Leute, die bevorzugt im stillen Kämmerlein über Mitmenschen lachen, sich aber gern auch mal gepflegt fremdschämen, einen ganz herzlichen Dank an Inkas Klasse von 2010. Danke, dass Ihr Euch in diesem Jahr für unser kollektives Wohlgefühl zum Deppen macht! Bitte stellt Euch nach Kräften hölzern und tölpelig an, wählt die unpassendsten, schrillsten Frauen, umso besser, wenn sie einen Kopf größer sind als ihr, zieht vielleicht noch Eure restliche buckelige Verwandschaft aus den Löchern und vor die Kamera, denkt Euch die beknacktesten Rendezvous aus, die unwahrscheinlichsten Beweise Eurer echten, absolut ungekünstelten Liebe, aber vor allem: Seid nicht langweilig! Gern dürft ihr in unverständlichen Idiomen sprechen, am besten linguistisch diametral zu den Euch vom Drehbuchschreiber zugedachten Frauen. Fordert von den Damen schlicht alles. Normaltätigkeiten wie Backen, Melken, Treckerfahren und Kühebesamen hatten wir schon im letzten Jahr, diesmal sollte es schon eine Spur origineller sein. Habt keine Angst vor Peinlichkeit, denn bei uns habt ihr eh schon jeden Respekt verloren, warum also jetzt auf halber Strecke anhalten? Wieso sollte man sich mit dem Ausrutschen auf einer läppischen Bananenschale begnügen, wenn man per Köpper ins Jauchefass springen könnte? In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine vergnügliche Staffel, lasset die Spiele beginnen!

    Inka Bause begrüßt uns gleich zu Anfang vor einer knallbunten, lebendigen Bauernhof-Fototapete und erklärt die Großartigkeit ihrer Mission: Wegen der vielen, vielen harten Arbeit bliebe den armen, armen Bauern ja keine Zeit für die Liebe. Und dabei bräuchten doch gerade sie mal eine Abwechslung von ihrem entsetzlich anstrengenden und eintönigen Alltag. Und genau deshalb haben sich Inka und RTL jetzt mal wieder aufgemacht, die Hormonhaushalte auf dem platten Land auf Vordermann zu bringen. “Mann” ist übrigens gleich das richtige Stichwort, wir haben es nämlich diesmal – im Gegensatz zu 2009 – tatsächlich nur mit Männern zu tun, mit neun Stück, um genau zu sein. Und wie im Vorjahr, werde ich die von RTL aus dramaturgischen Gründen in viele kleine Fetzen zerlegten Storys nach Landwirten sortiert beschreiben, sofern es Sinn macht.

    Los geht es gleich mit dem lustigen Willy aus Hessen. Upps, hallo, Déjà-vu? Einen ziemlich nervigen hessischen Bauern mit diesem Namen und nämlichem Attribut hatten wir doch bereits im Vorjahr! Nö, nicht ganz, der 2010er-Willy ist ein “lustiger” Ackerbauer, der ebenfalls lustige 2009er-Willy war dagegen Ziegenwirt. Aha, aber schon ein komischer Zufall – oder heißen alle Hessen Willy und sind automatisch lustig? Der Ackerbau-Willy zählt 49 Lenze und berichtet freimütig, dass bei ihm bislang noch kein Liebesleben stattgefunden habe. Jetzt sei es aber an der Zeit, dass “in Sachen Beziehungsaufbau” mal was “in die Gänge kommt”. Warum er trotzdem – oder vielleicht sogar genau deswegen – so ein “lustiger” Typ ist, bleibt offen. Im Mai 2010 hatte RTL in einer BsF-Sondersendung einen Aufruf an alle leidenswilligen, unbemannten Frauen der Republik gerichtet, in dem auch Willys verfilmte Kontaktanzeige vorkam. Heute nun bringt Inka Bause ihm einen kleinen Korb voller Bewerberinnenbriefe mit den Früchten dieser Peinlichkeit. Mal sehen, welche beiden der hoffnungsvollen Damen er auserwählt, mit ihm zum Scheunenfest zu kommen, dem von RTL alljährlichen inszenierten Kontakthof für verklemmte Landeier.

    Weiter ins Sauerland, wo wir den gerade erst 21jährigen Rinderwirt Lukas kennen lernen, dem zunächst noch kein dämliches Adjektiv vorangestellt wird. Nach drei Jahren ohne Freundin reicht dem schüchternen “Naturburschen” das Bravo-Abo offensichtlich nicht mehr aus, so dass er mit Hilfe des Fernsehens seine hormonelle Notlage zu beseitigen trachtet. Ich sprach oben ja schon von Peinlichkeit: Also wer es mit 21 Jahren bereits nötig hat, den telemedialen Offenbarungseid zu leisten und vor einem Millionenpublikum die Hosen herunterzulassen, nur damit ihm Inka Bauses Fernsehteam eine passende Braut castet, der macht sich natürlich selbst zum Horst und ist daher herzlichst willkommen in dieser Show. Mal sehen, wie viele Frauen auf den rotbäckigen Karohemdenträger mit der hohen Stirn abfahren. Lukas Mutti setzt sich zusammen mit ihrem Sohnemann an einen Tisch, um die eingegangene Post zu sortieren. Mal sehen, wie brav die Frau ist, die Mami ihm aussucht…

    Der rüstige Gerhard wohnt in der Oberlausitz auf einem winzigen Hühnerhof. Mit seinen 67 Jahren ist der knorrige Bauer eigentlich aus dem Gröbsten raus, will sich aber 34 Jahren nach seiner Scheidung angeblich noch mal verlieben. Diesmal soll es “für die Ewigkeit” sein, was angesichts seines Alters gar nicht mal unrealistisch klingt. Wie RTL an diesen Exoten gekommen ist, fragt man sich unwillkürlich, aber immerhin kriegt er 12 Briefe, die ihm Liebesbotin Inka mangels Brille auch noch vorlesen muss. “Sehr geehrter Herr Gerhard”, fängt der erste an und ein Bild der Autorin liegt offenbar auch noch bei, was dem so Angesprochenen ein feistes Grinsen entlockt. Die dabei entblößte dentale Großbaustelle, in dem, was mal ein Gebiss war, könnte einen Zahnarzt auf Wochen beschäftigen. Was manche Leute doch alles unternehmen, um ihre Visage einmal in eine Kamera halten zu können…

    Auch die Ostfriesen haben scheinbar Blut geleckt und beteiligen sich erneut an Inkas Bauerncasting. (O-Ton “hoher Norden” – sagt mal, habt ihr eigentlich keine Atlanten bei RTL???) Der muntere Milchbauer Volker kriegt vom Alleinsein vermutlich langsam einen Tennisarm und sehnt sich deshalb nach weiblicher Bekanntschaft. Der 28jährige mit der übersichtlichen Frisur träumt von einer “Frau für alle Jahreszeiten, mit der er eine Familie gründen kann”. Daraus muss man wohl schließen, dass Volkers  bisherigen Techtelmechtel immer nur eine Jahreszeit lang hielten. Ist ja auch viel praktischer, so eine Allwetterfrau, äh Ganzjahresfrau. Lt. Inka aus dem Off hat der bodenständige Milchbauer die meisten Briefe bekommen. Mal sehen, mit welchem kolossalen Fehlgriff er beim Scheunenfest glänzen wird.

    Als nächstes klingelt Liebesbotin Inka im “herrlichen” Odenwald beim romantischen Biobauern Johannes. Er sieht mit seinen 40 Jahren, den lässig-langen Haaren und im T-Shirt etwas retro aus, wie ein abgedankter Althippie. Oder etwas wie Konny Reimann, dem nach Texas ausgewanderten mediengeilen Spacken, fehlt nur die Sonnenbrille. Johannes, der “hühnenhafte Hobbysänger”, hat ganz konkrete Vorstellungen, was er von seiner Zukünftigen erwartet, nämlich vier Kinder! Also richtig neue Kinder, so von ihm mit zusammengebastelt, nicht schon fertig mitgebracht, is’ klar, nä? Zusammen mit Freund Jochen gönnt er sich zunächst noch einen “Äbbelwoi”, um in Stimmung zu kommen, danach gehen sie gemeinsam an die Auswahl einer geeigneten Zuchtmaschine für den Aufbau der zukünftigen Biobauerndynastie. Na dann mal “Gutes Gelingen”!

    Nochmal Hessen, wir kommen zum herzlichen Marcel, der sich mit seinen 29 Jahren nach Liebe und Geborgenheit sehnt. Schafe allein – und offensichtlich gutes Essen – machen auf Dauer wohl nicht glücklich, deshalb soll auch hier RTL helfen. Das grüne Karohemd kommt mir sehr bekannt vor, das hatte m.E. auch schon der Sauerländer Lukas an. Aber vielleicht haben Bauern ja auch alle einen ähnlichen Geschmack und kaufen sich deshalb die selben Klamotten, wer weiß das schon? :-) Auch Marcel plant von Anfang an recht handfest: Sobald er die gesuchte Frau gefunden habe, werde er “die einsamen Stunden an den Nagel hängen” (schöne Metapher!) und “die Familienplanung in Angriff nehmen”. Aber aufgepasst, die künftige Mutti sollte nicht allzu zart gebaut sein, Marcel könnte man nämlich mit Fug und Recht als “Wonneproppen” bezeichnen (wenn man fiesere Worte vermeiden will). RTL hat früher mit Intellektuellen-Shows wie “Tutti-Frutti” angefangen, deshalb lässt man die Szenen mit dem Schafbauern Marcel auch nicht ohne einen Witz über “Schäferstündchen” zu Ende gehen.

    Vom molligen Marcel zum schüchternen Schwaben Martin, der mit 29 Jahren ebenfalls noch auf die erste Liebe wartet und nunmehr kräftig den Panik-Knopf drückt. Auch der Hühnerbauer will gleich Nägel mit Köpfen machen und in die Reproduktionsphase eintreten, scheint in diesem Sektor aber bislang eher nur über theoretische Erfahrungen zu verfügen. Im Interview grinst er einige Male so quer von unten links nach oben ungewiss und sieht dabei mit seinen Hasenzähnen ein bisschen merkwürdig aus, so als hätte er gerade gegen einen elektrischen Weidezaun gepieselt.

    Der “charmante Schweinebauer Harald“, welcher Redakteur kommt beim Fernsehen nur immer auf solche bekloppten Adjektive? Na egal, der Harald drückt sich jedenfalls in Mittelfranken herum, aktuell offensichtlich mit dem Fokus Borstenvieh. Der 44jährige wartet still grinsend auf die große Liebe, die bisher aber noch nicht den verschlammten Weg zu seinem Heimatdorf gefunden hat… Karohemd, was sonst, natürlich trägt er ein grobes Karohemd! Und grinst und grinst und grinst. Wo bleiben die Untertitel, man versteht ihn nicht ganz, entweder liegt’s an der fränkischen Mundart oder am Nuscheln, vermutlich letzteres. O, da bin ich aber echt mal gespannt, was für eine Art von Frau Harald aus seinen Briefen hervorzaubert, der Schuss geht garantiert volle Kante in den Ofen!!! Und dann, oh ja, RTL kann meine Gedanken lesen, wird schon mal ein Name genannt, der es Harald lt. Drehbuch besonders angetan hat: Jeanette aus Kuba! Gehemmter Dauergrinser mit Karohemd trifft feurige Rumbatänzerin aus der Karibik, haha, ich lach’ mich scheckig! Josef und Narumol sind tot, es leben Harald und Jeanette.

    Lämmes, ist das echt ein Vorname? Der idyllische Schäfer aus der ehrlichen Eifel (bzw. anders herum) hat aus nahe liegenden Gründen noch keine Frau fürs Leben gefunden, denn welche halbwegs normale Frau will schon einen Mann mit so einem komischen Namen wie Lämmes? Tatsächlich bekommt der 39jährige lediglich drei Briefe von Inka, da hatte ja der olle Gerhard aus der Lausitz noch mehr Bewerberinnen – und das fast ganz ohne Zähne… Somit ist wenigstens die Qual der Wahl nicht gar so schlimm, welche beiden Holden der Zwei-Meter-Mann zum Scheunenfest buchen darf.

    Das waren unsere neun diesjährigen Delinquenten, nun geht’s also ab zum Schweinefest, äh Scheunenfest. Wir sehen noch ein paar läppische Füllszenen vom Kofferpacken, Geschenkepacken und Verabschieden, auf deren Kommentierung man aber getrost verzichten kann. Außer, dass mir wieder haufenweise Karohemden auffallen!

    Die kurze Werbepause wird mit einem schwierigen Quizspiel für schlappe 3.000 Euro eingeleitet: “Was macht die Kuh? a) Kuhfladen oder b) Fladenbrot”. Man bewegt sich bei RTL also passend zum Sujet auch intellektuell sehr nahe an der Grasnarbe…

    Das Scheunenfest beginnt mit einer Ansprache von Inka – im Dirndl – an die elf Bauern und eine Bäuerin. Hä? Ja, tatsächlich habe ich beim Standbild mal durchgezählt, da sind wirklich zwölf Personen zu sehen, darunter eine kleine schwarzhaarige Frau mit Zöpfen. Wir vergleichen mal eben mit der BsF-Vorstellungssendung im Mai und bemerken zu unserem Erstaunen, dass der nordhessische Kleinbauer Norbert, Markus, der bayerische Gemüsebauer und eben die Kuhbäuerin Karina aus der Eifel wohl zwischenzeitlich medial ins Gras gebissen haben. Und zwar ohne jegliche Erklärung von Oberbäuerin Inka Bause. Vielleicht haben die drei keine Fanpost gekriegt, zu hohe Gagen gefordert oder sind einfach nur rechtzeitig vor der Ausstrahlung zur Vernunft gekommen und RTL konnte die Landwirte dann nicht mehr aus allen Szenen herausschnippeln. (Da hätten die ja mal bei Google nachfragen sollen, die kennen sich doch mit dem Wegpixeln aus…)

    Nun geht alles recht flott, ein Schwall bunt zurechtgemachter Frauen, häufig im Dirndl, betritt den Raum und wird nun auf die wackeren Bäuerchen verteilt. Ostfriese Volker schleppt mit Maya und Verena gleich zwei auffallend blonde Sirenen ab, der Staffelsenior Gerhard hat sich für Sigrun (im feuerwehrroten Zeltkleid) und Barbara entschieden und der moppelige Marcel geht mit Tanja und Katja, die gewichtsmäßig nicht ganz in seiner Liga spielen. Der schüchterne Martin hat mit Sina und Jennifer gleich zwei Vertreterinnen der Wuchtbrummen-Abteilung auserwählt, der lustige Ackerbau-Willy geht mit Claudia und Rosemarie (noch eine XL-Frau) und Harald lässt es mit Ursula und Jeanette krachen. (Ja, Jeanette, die Kubanerin…) Der Bio-Johannes “mit dem Pferdeschwanz” (Versuch eines Herrenwitzes von Inka!) schleppt die sehr blonde Moni und Anja im Fidschi-Sonnenuntergang-Revival-Kleid ab, fehlen noch der ehrliche Lämmes mit Anjelka und Anne (mindestens zwei Köpfe kleiner als der Schäfer) und schließlich Rinderwirt Lukas mit Regina und Kerstin, die ihn längenmäßig beide überragen.

    Das weitere Scheunenfest ist – wie immer – recht belanglos, es wird getanzt und angeblich geflirtet, sagt das Drehbuch. Labaluba und Ringelpiez mit Anfassen, peinliche Stotterkonversation, ultrablöde Geschenke werden ausgetauscht. Immerhin schaltet Jeanette schon mal ihren Temperamentgenerator ein… da geht noch was beim Harald, das wird garantiert was zum Schämen.

    So, nun heißt es für die Bauern, sich auf (jeweils) eine der Frauen festzulegen: Marcel nimmt die Blonde (Name wird nicht gesagt), Harald kriegt natürlich die Kubanerin Jeanette, Gerhard bekommt Barbara (die rote Sigrun war denn doch etwas zu… groß), Lukas lädt Regina zur Hofwoche ein, Bio-Johannes entscheidet sich für die blonde Anja (und reicht seine kaum gebrauchte Moni spontan an Lämmes weiter), Volker nimmt Verena (Konkurrentin Maya rennt flennend aus dem Bild), Lämmes kriegt wie gesagt völlig außer der Reihe Moni (die vom Bio-Johannes vor wenigen Minuten abgelegte Alternativbraut) und jagt damit beide Original-Bewerberinnen zum Teufel, Martin gerät an Jennifer und Willy entscheidet sich schließlich für die XL-Rosi (die hinterher beim Karaoke ganz passabel als Weather-Girl-Körperdouble durchgeht).

    Interessant wird es eigentlich erst in den nächsten Wochen, wenn die Bauern ihre Beute in die heimischen Höfe schleppen. Naja, genau genommen kommen die Bräute aus eigener Kraft bis zum nächstgelegenen Bahnhof und lassen sich in irgend welchen verkitschten Vehikeln von ihrem Traumbauern abholen. Das sehen wir uns dann ab der nächsten Woche an, bis Montag also!

  • Hallo Fremdschäm-Süchtige,

    Peter Zwegat, der beste Schuldnerberater der Welt, hat offenbar eine Auszeit genommen und stattdessen von RTL eine Konserve aus dem letzten Jahr senden lassen: Heute kam nämlich noch einmal der Fall der Familie Krapfl, bei der die Schulden dank der spielsüchtigen Mutter noch schneller wachsen als die Anzahl ihrer Mitglieder. Und das will etwas heißen.

    Viel Vergnügen also beim Lesen unseres letztjährigen Blogeintrags. Übrigens hat sich dort auch die leicht erboste Mutter Krapfl mit einem Kommentar verewigt. Dabei hatten wir das doch alles soooo nett gemeint… ;-)

    Tags:

  • Liebe Freunde der gepflegten Reality-Soap,

    heute geht es um alles in Christian Rachs öffentlicher Restaurantschule für sozial Benachteiligte: Die erste Staffel dieses erfolgreichen Formats soll mindestens für einige der verbliebenen 9 Schüler mit einem Ausbildungsvertrag beim Hamburger Meisterkoch enden.

    Wären wir bei DSDS, müssten die letzten Kandidaten jetzt um die Wette kochen, während Dieter Bohlen sie nach Lust und Laune herunterputzen würde. Eindeutiger Gewinner wäre dann garantiert Tim, denn der hat ja bekanntlich schon mal im Knast gesessen und das zieht bei Bohlen immer, siehe Menowin. (Abgesehen davon, ist Tim aber zufällig auch wirklich der beste Kochschüler – Kunststück, er hat ja auch schon eine Kochausbildung im Gefängnis hinter sich.)

    Bei Rach im Restaurant “Slowman” läuft das natürlich alles viel humaner. Er nimmt sich einige Schüler einzeln vor und testet noch ein letztes Mal ihre Motivation. Als erstes kommt Jonny, der gelegentlich mal aneckende Hamburger aus dem Service-Team. Rach fragt ihn zunächst über sein Techtelmechtel mit Kollegin Nina aus. Nönö, er könne Dienstliches und Privates gut trennen, erklärt der Jugendliche, das hätte er mit seiner Freundin abgesprochen. So nenne sie ihn auf der Arbeit immer nur “Jonny”… [Pause, Rach stutzt] “…und privat wohl immer »Schatzi«?”, vermutet der Meister und trifft damit voll ins Schwarze. Jonny und sein möglicher zukünftiger Chef lachen heftig. Danach macht Rach ihm aber noch einmal klar, dass er jetzt alles geben müsse, wenn er wirklich einen Ausbildungsplatz wolle.

    Das anschließende Gespräch mit Nina geht da sehr schnell sehr viel tiefer, denn die wird auf einmal ganz ernst und berichtet dem Sternekoch, wie sehr das Praktikum ihr Leben verändert habe und dass sie das alles auch für ihren einjährigen Sohn mache. Schluck, da kommt der gutherzige Rach ja nachher wohl kaum um einen Ausbildungsplatz herum, möchte ich meinen.

    Nun gibt es aber zunächst mal wieder eine echte Bewährungsprobe à la Rach. Der hat nämlich ein paar hungrige Bekannte mit ausgeprägter Kritikfähigkeit zum Testessen gecastet. Die Leute sollen in die Rolle von meckerigen Querulanten schlüpfen und die Küchenschüler an ihre Grenzen bringen. Die denken nämlich, es handele sich um zufällig angesprochene Passanten. Es kommt, wie es kommen muss: Die Gästemeute mäkelt schon beim Reinkommen über den Farbgeruch im “Slowman”, einem Graukopf hat das Bier zu wenig Schaum, Rena weiß nicht, ob es alkoholfreies Bier gibt und so weiter. In der Küche trifft eine riesige Bestellung quer durch die Speisekarte ein und hinten in der Ecke reibt sich ein höllisch vergnügter Rach die Hände wie ein Erstklässler beim Klingelstreich.

    Die Küche brummt und läuft, hingegen hängt es mal wieder etwas beim Service. Rena hat prompt vergessen, welcher ihrer Gäste eigentlich was bestellt hatte, aber immerhin war der Tisch richtig getroffen. Jasminas Graukopf will wohl seinen – hoffentlich – einmaligen Fernsehauftritt voll auskosten, reklamiert erst den zu warmen Wein und mimt dann einen Fischallergiker, der Flusskrebse in seinem Essen entdeckt hat und empört den Teller zurückgehen lässt. Warum er sich mit einer solchen Diagnose überhaupt Sushi bestellt, bleibt allerdings sein Geheimnis.

    Am Ende löst Rach die Situation auf, lässt die gesamte Service- und Küchencrew im Gastraum antreten und bittet um Manöverkritik vom Publikums. Die fällt sehr milde aus, man habe zwar hier und da noch ein paar Unregelmäßigkeiten entdeckt, aber die seien durch den Charme und die Einsatzfreude der Praktikanten wettgemacht worden. Besonders Jonny wird dabei gelobt, was Christian Rach sicherlich insgeheim vermerkt hat. Der zieht ein positives Fazit dieses Abends, die Vor-Vorpremiere habe gut geklappt und das sei heute “nicht mal ein blaues Auge”  gewesen.

    Auch mit Can und Nourrdine führt der Meister “zwischen Tür und Angel” kurze Gespräche. Beide wollen unbedingt einen Ausbildungsplatz haben, Rach ist sich angeblich aber unsicher, ob Nourddine nicht doch noch etwas zu jung ist für den Job. Uhhhhh, betretenes Schweigen, dramatische Hintergrundmusik…. Wir werden sehen….

    Der nächste Tag gehört der Öffentlichkeitsarbeit. Zunächst schickt der Küchenmeister seine Eleven mit Werbeflyern in die gesamte Umgebung des Chilehauses. Der Eröffnungstag naht nämlich schnell, am Freitag um 12 Uhr geht es unwiderruflich los. Mittags fallen die Hamburger Journalisten im “Slowman” ein, werden von Christian Rach begrüßt und dürfen anschließend Nasen, Mikrofone und Kameras in jeden Winkel des neuen Restaurants stecken. Küche und Service laufen derweil auf Hochtouren und versorgen die Pressemenschen mit allen Menüs der Speisekarte. Überall herrscht gute Stimmung, das Essen scheint anzukommen, die Reporter sehen zufrieden aus, die gute Laune überträgt sich auch auf den Service und von dort in die Küche. So langsam kann ich mich des Eindrucks nicht ganz verwehren, dass Chef Rach wohl irgendwie ein goldenes Händchen für Gastronomie haben muss. Was er anfasst, scheint zu klappen, der Mann ist phänomenal.

    Am folgenden Tag gibt Christian Rach seine Entscheidung bekannt, wer einen der begehrten Ausbildungsplätze bekommen soll. Die Praktikanten, ihr Lehrmeister und seine zwei Gehilfen Hanno und Frank, die zukünftigen Restaurantchefs, setzen sich an einen der schönen neuen Tische im komplett renovierten Restaurant. Man riecht förmlich die frische Farbe aus dem Fernseher – und den Angstschweiß bei den 9 Schülern. Um es kurz zu machen: niemand muss gehen, die allermeisten bekommen Ausbildungsplätze im “Slowman”. Tim hatte ja schon im Knast eine Kochlehre gemacht und wird deswegen ohne weiteres Federlesen und zu einem normalen Gehalt für die Küche eingestellt. Angelika will man mit ihren 45 Jahren keine reguläre Ausbildung in der Berufsschule mehr zumuten (da wäre sie vermutlich auch irgendwie ein Paradiesvogel im negativen Sinn). Stattdessen wird sie ebenfalls für ein normales Gehalt angestellt und bekommt eine rein betriebliche Ausbildung in der Küche. Nourddine und Rena erhalten so eine Art Bewährung für ein halbes Jahr. In der Zeit sollen sie Motivation (Nourddine) und körperliches Durchhaltevermögen (Renas Füße) beweisen. Falls das gut geht, dürfen sie dann im Winter mit der regulären Ausbildung beginnen. Na, das sind doch gute Nachrichten! Alle sind mehr oder weniger zufrieden und feiern mit Schampus und Musik draußen vor dem Slowman.

    Letzter Tag, donnerndes Finale und Happy-End: Die Eröffnung kommt und wird von den bisherigen Praktikanten, die nunmehr alle zu Azubis oder Angestellten geworden sind, souverän bewältigt, “als hätten sie nie etwas anderes gemacht”, wie die Off-Stimme vermerkt. Die Gäste sitzen draußen im Sonnenschein unter den gelben Schirmen und mümmeln scheinbar zufrieden die 5-Euro-Eröffnungsmenüs. Zufrieden ist auch Gutmensch und Meisterkoch Christian Rach, dass sein Plan aufgegangen ist, ein paar Menschen mit mehr oder weniger entgleisten Biografien eine (ggf. letzte) Chance für ein normales Berufsleben zu geben. Und das auch noch vor der Kamera, wo es in den letzten Wochen jeder RTL-Zuschauer sehen konnte. SUPER! Das Bundesverdienstkreuz scheint ihm sicher.

    Wie geht es nun weiter mit Christian Rach? Auf RTL laufen schon die Casting-Aufrufe für verzweifelte Gastwirte, ab Januar 2011 wird es nämlich eine neue “Restauranttester”-Staffel geben. Vielleicht klappt ja aber auch irgendwann mal so ein Crossover, von dem ich immer geträumt habe: Rach goes Zwegat! Die beiden heilen als “Dynamisches Duo” quasi ganzheitlich die unfähigsten Restaurantbesitzer der Republik. Während Zwegat kopfschüttelnd die Schulden addiert, ekelt sich Rach in der Küche den Wolf. Der eine besorgt dann frische Knete, derweil der andere die Speisekarte auf Vordermann bringt. Am Ende geben sie sich dann immer “High five” und schlendern Arm in Arm in den Sonnenuntergang.

    Und zu Weihnachten könnte ja noch mal ein ganz anderes Küchen-Special in Erfüllung gehen, das wäre dann allerdings sogar ein Sender-Crossover (vielleicht liest das ja mal ein RTL-Mensch): Christian Rach besucht im Westerwald ganz überraschend den Schrottverwerter-Clan der Ludolfs. Dort zaubern er und der dicke Peter in der versifften Drecksküche deftige Menüs aus dem Ludolfschen Konservenfundus und hinterher wird Rach unter dem Plastiktannenbaum feierlich als Ehrenbruder in die Familie aufgenommen. Ach, was könnte das schön sein…

    Aber nun ist Schluss, die erste Staffel der Restaurantschule ist bereits Geschichte und muss ganz schnell den Sendeplatz räumen, denn bereits in der nächsten Woche sehen wir an dieser Stelle Inka Bause mit einem Neuaufguss ihrer derb-debilen Agrarkuppelshow “Bauer sucht Frau”. Natürlich auch hier auf Mülltv!

    Bis dann, man liest sich!

    Tags:

  • Hallo Leute,

    direkt vor Peter Zwegat kommt bei RTL immer die Super-Nanny. Und wenn man den heutigen Fall sieht, erkennt man viele Gemeinsamkeiten, denn der Berliner Schuldnerberater hat es diesmal mit einem ausgesprochen naiven Kindskopf zu tun, dem seine Eltern in der Jugend offenbar etwas zu viel durchgehen ließen. Und das rächt sich jetzt, wie Zwegat feststellen muss, der übrigens noch immer nicht für seinen Profit arbeitet, sondern nur aus Altruismus. Wobei… als ich neulich zufällig in einem bekannten Online-Versandhaus blätterte, fiel mir doch tatsächlich ein Buch in die Hände, bei welchem der Schuldnerberater immerhin als Co-Autor fungiert. Soviel zur Selbstlosigkeit.

    Zurück zum Hier und Jetzt: Der 29jährige Oliver Sch. lebt in Zürich, der größten Stadt unseres geschätzten Nachbarlands Schweiz. Insbesondere geschätzt von begüterten Leuten, die – legal oder illegal – ihr Vermögen dort anlegen wollen. Wie passt das denn nun zu Zwegat, der hat doch sonst nur mit armen Schluckern zu tun, die ihr Vermögen bereits hinter sich haben?! Nun, eigentlich ist Oliver auch ein armer Schlucker, den es nur wegen einer temporären Herzensangelegenheit in die reiche Finanzmetropole verschlagen hatte. Inzwischen ist sein Freund aber über alle Berge (das passt hier gut) und hat Oliver bankrott und arbeitslos zurückgelassen. Der will jetzt wieder zurück nach Deutschland, am liebsten nach Hessen, in die Nähe seiner Eltern.

    Oliver ist ein Meister im sorglosen Geldausgeben. Er selbst führt das zurück auf seine AIDS-Erkrankung, von der er seit 10 Jahren weiß. Seit diesem Zeitpunkt hat er so eine gewisses Scheißegal-Einstellung, was die Kontrolle des eigenen Kaufverhaltens angeht. Carpe Diem – jeden Tag so leben, als wenn’s der letzte wäre, ist sein Motto. Die Sorgen machen sich dafür Mutter Marion und Vater Horst Dieter Sch. Bei denen im Haus trifft Peter Zwegat zum ersten Mal auf seinen neuen Mandanten (“Sie haben mich gerufen, was kann ich für sie tun?”). Er nimmt später haufenweise Unterlagen, Mahnungen und unbezahlte Rechnungen mit nach Berlin, um sich daraus einen groben Überblick der Schulden zu verschaffen. Oliver selbst rechnet übrigens mit 20 bis 25 Tausend Euro Miesen, ist aber wohl keine übermäßige Leuchte im Kopfrechnen und hat sowieso schon vor Jahren die Kontrolle verloren.

    Zwei Tage nach dem Hausbesuch in Hessen sehen wir Oliver in Köln bei einer Wohnungsbesichtigung wieder. Zusammen mit einer Internetbekanntschaft will er in ein Neubauviertel der Karnevalsstadt ziehen. Und zwar wie gewohnt planlos, denn er weiß noch gar nicht, wie viel Geld er überhaupt für die Miete ausgeben kann. In Deutschland hat er nämlich noch keine Arbeit, nicht mal der Antrag auf Arbeitslosengeld ist gestellt. Carpe diem…

    Noch ein paar Tage später kommt in Hessen der beliebte Zwegatsche Kassensturz an der Flip-Chart. Mutter Marion ist tierisch aufgeregt, konnte zuletzt schon gar nicht mehr schlafen. Sohnemann hingegen ist das alles wie immer etwas egaler, er grinst noch zwischendurch, während seine Mutter das Gesicht in den Händen vergräbt. Das Grinsen sollte aber nun eigentlich vergehen, denn Zwegat hat am Ende eine Schuldensumme von 28.600 Euro zusammengerechnet. Dazwischen ein paar “haarige” Posten, z.B. die Arge Limburg wegen des versehentlich zu Unrecht bezogenem Arbeitslosengelds. Oliver hatte  dort irgendwie “verpennt”, die Aufnahme eines Beschäftigungsverhältnisses mitzuteilen. Naja, kann ja mal passieren, aber Zwegat gibt sich vor der Kamera politisch korrekt leicht empört. Noch so ein kitzliger Gläubiger ist die Staatsanwaltschaft Limburg mit immerhin 1.700 Euro Forderungen, wofür auch immer. Auch an das Sozialamt muss er noch 1.400 Euro zu viel erhaltene Sozialhilfe zurückzahlen, da hatte er ebenfalls vergessen, eigenes Einkommen anzumelden. Ist halt ein wenig vergesslich, der Oliver. Peter Zwegat hat immer eine Gandhi-hafte Ruhe, fängt nun aber doch leicht zu granteln an, richtig redlich sehe anders aus, meint er.

    Nach den Schulden analysiert Zwegat traditionell die Einnahmen und Ausgaben seiner Delinquenten. Auf der Zugangsseite steht lediglich das Schweizer Arbeitsamt, auf der Ausgabenseite wird es dafür umso bunter. Oliver nennt als festen Posten etwas beiläufig 580 Euro, die pro Monat für einen Kredit in der Schweiz zurückzuzahlen sind. Hier wird Zwegat ziemlich sauer, denn von Schulden in der Schweiz war bisher noch nie die Rede und die sind auch nicht in den 28.600 Euro enthalten, die der Spree-Mahatma gerade eben noch zusammengerechnet hatte. Naja, das hatte Oliver wohl einfach vergessen. Hausaufgabe für Sch.: bis zur nächsten Sitzung soll er alle seine schweizerischen Außenstände zusammenrechnen.

    Bis dahin menschelt es zwischendurch etwas in der Schuldenshow, denn Oliver hat seine Umzugspläne nochmal geändert, will nun nicht mehr nach Köln, sondern zieht als Untermieter bei einem Ex-Freund in einer hessischen Kleinstadt ein. Peter Zwegat will dabei angeblich gleich Ungemach gewittert haben, in der Wohnung gibt es nämlich nur ein gemeinsames Wohnzimmer und vor allem ein gemeinsames Schlafzimmer. Und siehe da, seine prophetischen Gaben sind phänomenal: Der Ex-Freund will angeblich nebenher auch noch mit Oliver kuscheln, dieser will das aber nicht und sucht sich gleich schon wieder eine neue Bleibe, diesmal “definitiv allein”.

    Hinterher kommt noch ein weiterer Ex-Lebensgefährte ins Spiel, der Sch. mal Geld gepumpt, dieses jedoch niemals wieder gesehen hat. Außerdem erzählt dieser Zwegat von einer eher üblen Geschichte, die Oliver bis jetzt zu berichten vergessen hat: Im Rahmen der Trennung hat er dem Freund die EC-Karte geklaut und innerhalb zweier Tage um mehr als 3.000 Euro erleichtert, zumeist in der Spielothek. Darüber gibt es ein gültiges Gerichtsurteil, zurückgezahlt wurde das Geld jedoch nicht. Wo der Freund gerade schon mal am Lästern ist, gibt er schnell auch noch die Einschätzung kund, dass Oliver in beruflicher Hinsicht wohl eher eine Niete ist. Zwegat hat das vermutlich schon irgendwie geahnt, macht jedenfalls keinen sonderlich überraschten Eindruck.

    Nächster Hausbesuch in Hessen, Flip-Chart Teil II. Nun geht es an die Außenstände bei den Eidgenossen. Jaja, das hatte Oliver wohl im ersten Anlauf nicht ganz ohne Absicht vergessen, denn mit den neuen Beträgen kommt Zwegat jetzt auf ganze 46.000 Euro! Die ursprüngliche Schätzung von 20 bis 25 Tausen Euro hat sich damit schon verdoppelt. Mutter Marion (“ich bin geplättet”) rutscht mit jedem Posten tiefer in den Sessel, während Oliver eher grinst wie ein Schüler, der beim Abschreiben erwischt wurde.

    Vor der Kamera liest Mutter Sch. ihrem Sohn dann die Leviten, kann aber ihre Erziehungsversäumnisse nun auch nicht mehr ausbügeln und vor allem kann sie Oliver nicht helfen, denn die Eltern haben auch nicht viel Geld. Erschwerend kommt Olivers Uneinsichtigkeit hinzu, ihm ist das im Grunde offensichtlich alles herzlich egal. Nur in die Privatinsolvenz will er nicht, da ist er sich sicher. Für einen eventuellen Vergleich bräuchte Zwegat jedoch einen nennenswert fünfstelligen Betrag, woher der aber kommen könnte, ist völlig unklar. Die Eltern haben nichts und die Schwester hat sich gerade selbstständig gemacht und ist deswegen auch nicht liquide.

    Nach einer letzten Sitzung mit dem Sch.’schen Familienrat passiert etwas sehr Seltenes, Zwegat erklärt nämlich seine Mission für gescheitert. Oliver sei mindestens momentan ein hoffnungsloser Fall. Kein Geld, keine Ahnung, wo welches herkommen könnte, kein Job und nun brabbelt er plötzlich auch noch etwas von Reha-Maßnahme, was ja dann die Job-Suche auch wieder sinnlos machen würde. Zwegat ist entnervt und verordnet sich und seinem Mandanten nun erstmal ein halbes Jahr Bedenkzeit. Dann will er angeblich wieder kommen und einen zweiten Versuch starten.

    Haha, wer’s glaubt wird selig. In sechs Monaten ist doch diese Staffel längst zu Ende und die nächste noch lange nicht in Sicht. Warum sollte Zwegat da aus seinem gemütlichen Büro in die hessische Provinz fahren und einem notorischen Luftikus helfen wollen. Und womöglich noch ohne Kamera? Nee, das kann ich mir nicht mal bei St. Peter, dem Schutzheiligen aller ökonomisch Minderbemittelten vorstellen!

    Hmmmm, komische Folge diesmal, außer der Addition an der Flip-Chart hat Zwegat heute nichts tun müssen oder können. Trotzdem hat das 45 Minuten Sendezeit gefüllt, auch ‘ne Leistung. Egal, bis zur nächsten Woche!

    Tags:

  • Hi Fans,

    bevor es losgeht, bitte ich um eine kurze Schweigesekunde für den Meister: Christian Rach, das Gastrogenie von der Elbe, hat nämlich mit seinen Serien “Rach – Der Restauranttester” und  “Rachs Restaurantschule” den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie “Bestes Dokutainment” abgeräumt. Das sollen ihm Peter Zwegat, die Ludolfs oder wie sie alle heißen mögen, erst mal nachmachen!

    Der so Ausgezeichnete kommt mit seinen zehn verbliebenen Kochpraktikanten so langsam in die kritische Phase. Es sind nur noch zwei Wochen bis zur Eröffnung ihres Restaurants “Slowman” im Hamburger Chilehaus (gleich beim Hauptbahnhof um die Ecke). So wenig Zeit und soooo viel noch zu lernen.

    Nourddine kocht heute unter Frank oder Hannos gestrengen Augen Pak-Choi mit Tofu und Sesam-Vinaigrette. (Tut mir Leid, die beiden Nebenköche kann ich einfach nicht auseinander halten, also der mit den Koteletten ist gemeint.) Vielleicht hätte Nourddine das Rezept mal in Ruhe in des Meisters Evangelium “Das Kochgesetzbuch” nachlesen sollen. Hat er aber nicht, denn Lesen ist bekanntlich Knochenarbeit. Prompt eckt er an, weil er mit dem Knoblauch zu großzügig umgeht und Scheiben und Zehen verwechselt. Die Pfanne kann er direkt in den Mülleimer leeren. Im zweiten Versuch wird bei ihm aus dem geforderten einen Spritzer Zitrone gleich die halbe Limette, das Gemüse ist völlig sauer, der hinzugekommene Rach ebenfalls und Nourddine darf den Krempel Stante pede wieder entsorgen. Die sind aber auch pingelig, diese Weißkittel…  :-)

    Rach, der Hochdekorierte, kommt andrenalinmäßig so langsam wieder auf Touren. Eben noch stinkig mit Nourddine, der doch glatt sein (Rachs) Meisterwerk nicht gelesen hat, geiert er sofort auf den nächsten Tiefschlag. Dafür sind die  Service-Praktikanten immer gut. Wir erinnern uns schadenfroh an die letzte Woche, als Nina bei der Herkunft des Weines Cháteau Lagrange doch glatt Bordeaux und Beirut verwechselte. Naja, fängt beides mit “B” an. Diesmal examiniert Rach wieder Marco, eines seiner Lieblingsopfer. Der ist nicht gerade das, was man eine Rampensau nennt, lieber würde er sich vermutlich beim Erscheinen des ersten Gastes im Schrank verstecken. Er spricht so leise, dass Rach direkt mehrmals nachfragen muss, bis er ihn richtig versteht. Und das, was er dann versteht, will er sicher lieber gar nicht gehört haben. Marco verheddert sich nämlich hoffnungslos beim kleinen Salat-Einmaleins. Caesar Salad, Slowman-Salat, Römersalat, boah, da soll noch einer durchsteigen. Das steht zwar alles schon seit 14 Tagen auf der neuen Speisekarte, aber für Marco ist das offenbar doch alles viel zu kompliziert.

    Gott sei Dank folgt an dieser Stelle eine Ablenkung durch Paul, der erst jetzt mit gehöriger Verspätung aus dem Wochenende zurückkommt. Er war Zuhause noch bei seinem “Leib- und Magendoktor”, hat angeblich so komische Stiche hier und da, die Schmerzen strahlen hierhin und dorthin aus und das Ganze könne vielleicht am Stress liegen, Genaues weiß man nicht. Rach pflegt nebenher offenbar auch noch einen Faible für ganzheitliche Medizin und Psychosomatik und ist sofort angetan von dieser komplexen Diagnostik. Paul bittet den Meister für den nächsten Tag zu einer Aussprache und alle ahnen: Da kommt was!

    Tatsächlich eröffnet der pausbäckige Wonneproppen aus Köln am anderen Morgen der Ausbildungscrew, dass er das Projekt verlassen wird. Er fühle sich insgesamt nicht wohl, habe zu viel Stress und wolle lieber etwas anderes machen. Was das genau sein wird, weiß er noch nicht, aber das wird sich wohl noch von selbst ergeben. Paul wird mit einem gemütlichen gemeinsamen Mittagessen im gerade eingetroffenen neuen Mobiliar des “Slowman” verabschiedet. Bei der Gelegenheit examiniert Christian Rach auch die Zukunftspläne seiner anderen Praktikanten. Von Nourddine wolle er noch mehr Einsatz sehen. Und den “Glanz in den Augen”, so wie vorhin, als er Nourddine gerade für sein professionelles Gurkenschnibbeln gelobt hatte. “Nur wenn Ihr strahlt, bezaubert Ihr die Gäste… [Kunstpause] …stimmt das, Jonny?” Upps, da hat Rach den gerade etwas wegdösenden Youngster kalt erwischt. “Richtig”, stammelt der rein instinktiv, aber völlig hohl. “Was hab’ ich denn gesagt?”, bohrt Rach weiter. “Ausstrahlung, man muss Ausstrahlung haben, Ausstrahlung überstimmt die Gäste!” Mit dieser verblüffenden Aussage erweist sich Jonny als idealer Kandidat für die Ein-Personen-Version von Stille-Post. Sein albernes Kichern macht den Gastropapst dann erst so richtig wütend: “Gib mir einen Grund, warum ich Dich nicht auch nach Hause schicken soll! Wo ist bei Dir die Ernsthaftigkeit?”, herrscht er ihn an. Dramatische Hintergrundmusik, betretenes Schweigen, der Boden tut sich auf, verschlingt Jonny aber nicht. Im Gegenteil, der fühlt sich verkannt, mault herum und kotzt sich draußen vor der Kamera aus: “Ich find’s Scheiße, dass Herr Rach mich so einschätzt.” Das ist schon eine echte Tragik mit Leuten wie Jonny. Immer werden sie von allen Leuten um sie herum falsch eingeschätzt. Wie hat doch mal jemand Schlaues gesagt: “Wenn einem auf der Autobahn immerzu Autos entgegenkommen, sollte man sich fragen, ob man nicht vielleicht selbst ein Geisterfahrer ist!” So ein bisschen Selbstreflexion könnte Jonny nicht schaden, genug Momente zum Innehalten dürfte er doch eigentlich schon gehabt haben, wenn ich mal an die Sache mit dem Gericht denke.

    Rach beschließt, seinen Praktikanten keine Ruhepause zu gönnen und lädt flugs für den nächsten Abend seine Handwerker zu einer Party ins “Slowman” ein. Bei dieser Gelegenheit sollen in der geschützten Umgebung mit “freundlichen” Gästen noch einmal alle Rezepte und Handgriffe geprobt werden, bevor dann in gut einer Woche die tatsächliche Eröffnung stattfinden wird. Die Service-Crew geht noch einmal zum Frisör und bekommt ein etwas cooleres Outfit, die neuen Tische, Stühle und Sofas werden richtig positioniert und schönere Lampen installiert.

    Bei der Handwerkerparty am nächsten Abend zeigt sich dann, wo es noch kneift. Marco ist im Umgang mit Gästen noch immer sehr gehemmt und flüstert sich die Getränkekarte nur leise in den nicht vorhandenen Bart. Am Ende verstehen die Gäste dann aber, dass es momentan nur Wasser, O-Saft und Bier zu trinken gibt. Auch das restliche Team ist ziemlich aufgeregt. So lässt Angelika beim Sushi-Rollen versehentlich die Hälfte weg, was Frank als anerkannter Experte für toten Fisch mit Algen aber sofort erkennt. Im Service geraten Jasmina und Rena aneinander, weil die eine der anderen nicht Bescheid gesagt hat, dass in der Küche ein paar Teller Sushi zum Raustragen fertig sind. Dann kriegen sich Jasmina und Marco in die Klotten, weil der nämlich verschlafen hat, dass sein Tisch noch nicht bedient wurde. “Wieso mein Tisch, das ist nicht mein Tisch, das ist Renas Tisch!”, kommt die Replik. “Gut, dass das jetzt passiert.”, sagte bei Loriot der Staubsaugervertreter – und der Spruch passt auch hier. Echte Gäste hätten sich vermutlich schon längst beschwert, aber die eingeladenen Handwerker nehmen alle Verzögerungen und Unzulänglichkeiten mit Gleichmut hin. Immerhin sind sie bei der Gelegenheit ja auch im Fernsehen, muss man bedenken. Und einem geschenkten Gaul guckt man bekanntlich auch nicht ins Maul, gell?

    Angesichts zweier in der Küche nicht abgeholter, langsam welk werdender Sushi-Teller kriegt Großmeister Rach aber nun doch wieder die Krise. Er lässt alle Kellner-Praktikanten in der Küche antreten und liest ihnen schnell nochmal ambulant die Leviten. Dann geht es weiter mit dem nächsten Gang: Nudeln im Pergament. Ofenexperte Can vermackelt zwischendurch eine Ladung Chilehaus-Pizza, weil er die Tomatensauce zu früh auf den Teig gestrichen hat und der dann eklig durchsifft. Rachs Magengeschwüre fangen an zu klingeln: “Kinder, jetzt haben wir schon die erste Verzögerung, macht hinne, macht hinne!” Aber das Antreiben macht sich bezahlt, alle spuren und geben Gas und die 20 Gäste sind am Ende zufrieden. Rach auch, er entlässt seine Praktikanten mit einem Dankeschön für den guten Einsatz in den verdienten Feierabend. Aber der Weg ist noch lang, unkt er später privat in die Kamera und wedelt dabei passend mit den Armen, sonst wäre ja auch die Spannung für die nächsten Folgen im Eimer.

    Schon am nächsten Tag kommt die nächste Herausforderung, denn Christian Rach hat fieserweise gleich noch eine Abendparty angesetzt. Und zwar mit den Familien der Praktikanten als Überraschungsgäste – aber die wissen da noch gar nichts von. Zwischendurch gibt es ein kleines Kriseninterventionstreffen von Rach und Rena, deren Füße machen nämlich mal wieder Probleme. Auch wenn die übergewichtige Praktikantin schon 10 Kilo abgenommen hat, bleiben immerhin noch 125 Kilo übrig und das ist eben auf Dauer doch etwas viel für nur zwei Füße. Auf die Schnelle lässt sich da aber nichts dran machen und Rena bleibt nur, die Zähne zusammenzubeißen. Nach ein paar warmen Worten vom Meister trocknet sie ihre Tränen und macht wieder mit.

    Als die Überraschungsgäste um 19 Uhr plötzlich ins “Slowman” strömen, herrscht dort riesige Freude und es gibt auf allen Seiten feuchte Augen. Diesmal klappt alles noch viel besser als am Vortag bei der Handwerkerparty, auch wenn haufenweise störende Verwandte unbedingt die Küche besichtigen und dort ein Erinnerungsfoto mit den Praktikanten schießen müssen. Am Ende des Abends sind alle glücklich, es herrscht Friede, Freude, Eierkuchen, eine Stimmung etwa so wie damals bei den Waltons. Und Gutmensch Rach mittendrin, der fühlt sich offensichtlich wie ein stolzer Papi von neun Kindern gleichzeitig. Naja, irgendwie hat er damit ja auch Recht.

    In der nächsten Folge kommt nun wirklich der Endspurt. So langsam muss ausgewürfelt werden, wer einen der begehrten Ausbildungsplätze im “Slowman” abkriegt und ob so kurz vor dem Ziel noch jemand das Handtuch wirft. Werden Renas Füße noch so lange durchhalten? Wird Jonny endlich mal richtig wach? Behält Nourddine den Glanz in den Augen und kann er damit auch Marco anstecken? Wir werden es erleben in der nächsten Folge von “Rachs Restaurantschule”.

    Bis dahin Guten Appetit!

    Tags: