• Liebe Trash-TV-Fans,

    auch eine der meistgesehenen Serien des Formats “Reality Soap” ist gut durch das Sommerloch gekommen und meldet sich heute gleich mit einem absoluten Highlight zurück: “Raus aus den Schulden” spielt diesmal in Perleberg im malerischen Brandenburg. In den Hauptrollen in dieser Pleitenposse sehen wir Judith M. als naive Krankenschwester und Stefan M. als verschlagenen Bruder. Den hilfreichen, leicht grantelnden älteren Herrn spielt der bekannte Laiendarsteller Peter Zwegat aus Berlin. Vorhang auf zum ersten Akt!

    (Anmerkung: Zwar wurde in der Sendung der volle Familienname genannt, aber nach einigen sehr unfreundlichen Kommentar-Mails der Protagonisten zu meinen vorangegangenen Zwegat-Blogs gehe ich hier mal in Vorleistung und schütze deren Rest von Privatsphäre. Eigentlich selbst Schuld, denn wer ins Fernsehen geht, muss damit rechnen, dass man ihn sieht und über ihn spricht.)

    Es geht gleich los beim Kern der ganzen Sendung: Krankenschwester Judith M. lebt in Hannover und hat sich vor drei Jahren mitten in ihrer alten Heimatstadt Perleberg ein Fachwerkhaus gekauft. Offenbar etwas unbedacht, denn hinter der einigermaßen ordentlichen Fassade ist das Gebäude völlig im Eimer, die Fernsehfuzzis sprechen sogar von einer Schrottimmobilie. Die Tapeten, wenn überhaupt noch vorhanden, hängen in Fetzen, die Decke bröselt bedenklich, viele Kabel sind aus der Wand gerissen, überall am Boden liegt Schutt, es gibt Beulen an den nassen Wände, kurz: Das Ding ist eine Ruine, für Menschen völlig unbewohnbar. Selbst als Ratte würde ich mich vor den anderen Ratten draußen auf der Straße schämen, wenn ich hier mein Loch hätte. Judith und ihr Vater steigen mühsam und sich heftig am Kopf kratzend durch die Trümmerlandschaft. Die allwissende Stimme aus dem Off weiß sogar noch ein paar mehr Details: Judith hat für den Erwerb dieser Bruchbude einen Bankkredit über 80.000 Euro aufgenommen – zu einem Zeitpunkt, als sie 1.400 Euro netto verdiente. Wir Zuschauer fragen uns natürlich unwillkürlich, wie ein Mensch so dämlich sein kann, so viel Geld für so wenig Haus zu bezahlen und welche Bank bekloppt oder gerissen genug ist, dafür auch noch einen solchen Kredit auszuspucken. Nun, das werden wir heute alles erfahren.

    Nicht nur, dass Judith ihre geliehenen 80.000 Talerchen für nichts verpulvert hat, ihre Schulden wachsen sogar immer noch weiter, denn die Hütte gammelt lustig vor sich hin, das Dach macht wohl bald den Schlappmann und Kreditraten, Grunderwerbssteuer, Grundsteuer und Versicherungsprämien sind längst überfällig. Auf der Einnahmenseite gähnt ebenfalls ein großes Loch, die erhofften Mieteinnahmen blieben natürlich aus, denn wer will schon in so einem Dreckloch hausen? Und womöglich auch noch dafür bezahlen??? Inzwischen sind Judiths Außenstände sechsstellig, sie sieht keine andere Lösung mehr und greift zum Äußersten, nämlich zum Hörer, und ruft das Fernsehen: “Hilfe, hilfe, lieber RTL, ich weiß nicht mehr weiter, bitte schickt den Zwegat!!!”

    Der kommt natürlich auch sofort und dass, obwohl er doch lt. Vorspann dafür keinen Cent kassiert. Es ist die pure Menschenliebe, die den alten Mann antreibt, er ist ein reiner Guter, wie Dittsche sagen würde. Nun denn, Zwegat kommt also zu Besuch bei Judith M. und lässt sich alles, was er natürlich insgeheim schon längst aus dem Drehbuch weiß, nochmal haarklein vor der Kamera verklickern. Aha, aha, für 80.000 Tacken hat sie also das ominöse Haus gekauft. Und zwar von ihrem Bruder, dem gelernten Banker Stefan (M. natürlich, die heißen alle M.). Stefan ist genau so ein Banker, wie sich Nicht-Banker wohl den typischen Banker vorstellen, nämlich gerissen und geldgeil. Stefan hatte das Haus nur ein paar Tage zuvor selbst für gerade mal 30.000 Euronen erworben. Zwischen An- und Verkauf hat die Prachtvilla also innerhalb kürzester Zeit eine Wertsteigerung um sage und schreibe 167% erfahren. Oder mit anderen Worten: Stefan hat aus der Blödheit seiner naiven (damals 24jährigen) Schwester 50.000 Euro Gewinn geschlagen. Angeblich hatte er zuvor den Kauf als lukrative Investition und Altersabsicherung dargestellt und selbstlos versprochen, die Kreditraten zu übernehmen, bis die Schwester den ersten Mieter gefunden hat. Daraus wurde nichts, Bruder M. stellte nach dem Verkauf seiner Immobilie die Unterstützung von Schwester M. ziemlich bald ein und zog sich in der Folgezeit aus nachvollziehbaren Gründen überhaupt etwas aus der Familie M. zurück, der Kontakt zwischen den Geschwistern ist sozusagen abgerissen.

    Was Zwegat ein respektvolles Kopfnicken abnötigt, ist die Tatsache, dass Judith sich das Fachwerkhaus vor ihrer Unterschrift unter den Kaufvertrag nicht ein einziges Mal angesehen hat, obwohl es nur einen Steinwurf vom Haus ihrer Eltern entfernt liegt. Respekt, so naiv und hirnverbrannt waren in seiner Sendung nur wenige, wenn überhaupt. Diesen Tag sollte man sich als Fan des Schuldnerberaters rot im Kalender anstreichen. Hier sitzt tatsächlich eine Frau auf dem Sofa, die es hinsichtlich ihrer Geschäftstüchtigkeit gerade mal mit einem Gummibaum aufnehmen könnte. Wäre ich Zwegat, würde ich die Adresse von Judith M. unter allen windigen Schlawinern dieser Welt meistbietend versteigern und mich von dem Geld zur Ruhe setzen.

    Der Berliner ist aber auch etwas Masochist, denn nun will er das fragliche Haus doch gern einmal selbst in Augenschein nehmen. In der nächsten Szene sehen wir Peter Zwegat also durch die ziemlich abgewrackten, leeren Kopfsteinpflasterstraßen Perlebergs laufen, vorbei an Häusern ohne Putz, die womöglich älter sind als er selbst und im Hintergrund leise, aber sehr passend, das Mundharmonikathema aus “Spiel mir das Lied vom Tod”. (Wie schon in einigen Blog-Einträgen angemerkt, liefert die RTL-Musikredaktion immer wieder subtile Soundtracks, deren wunderbare Ironie sich erst beim genauen Hinhören voll erschließt. Großartig!)

    Perleberg, die Hauptstadt der Prignitz, ist, wie man so sagt, auf den Hund gekommen. Die nächste Autobahn ist zwei Stunden entfernt, die Jugend flüchtet, sobald sie eine Fahrgelegenheit kriegt und zurück bleiben alte Leute und leere Häuser. Die Immobilienpreise bewegen sich dementsprechend auf Kellerniveau. Schwester Judith hat in einem wachen Moment mal von einem Gutachter den realen Preis ihres Traumhauses schätzen lassen und… man mag es ja kaum schreiben… der liegt bei gerade mal 5.000 bis 10.000 Euro.

    Ob das Gebäude unter Denkmalschutz stehe, will Zwegat wissen. Ja, vermutlich ja, kommt wenig verbindlich zurück. Der Berliner ist schon wieder perplex, dass Judith diese für alle Renovierungs- und Abrissfragen wichtige Information nicht wirklich parat hat. Im Haus verschlägt es ihm dann ganz die Sprache, auf die Besichtigung des Dachgeschosses verzichtet er sogar aus Rücksicht auf seine sonst vergeblich angesparte Rente. Stattdessen geht er gleich rüber zu Judiths Eltern, den Ms. Hier will er mal in den Familieninterna nach den Motiven des skrupellosen Bruders Stefan forschen. Die Eltern sind genau so ratlos wie Zwegat selbst, stehen fassungslos vor dem schwarzen Loch, in dem auch von ihnen bereits 15.000 bis 18.000 Euro verschwunden sind, weil sie beide Kinder nach Kräften finanziell unterstützt haben. Damit stünden sie jetzt selbst kurz vor der Pleite, berichten die rührigen Ms.

    Nun kommen wir zu dem beliebten Ritual aller Zwegat-Folgen, der Addition der Schulden an der Flip-Chart. Neben dem eigentlichen Hauskredit hat Judith auch noch mehrere andere Konten komplett überzogen und sich trotzdem in dem ganzen Chaos auch noch ein Auto für 12.000 Euro geleistet, man gönnt sich ja sonst nichts. Summa summarum nennt die 27jährige 122.680 Euro Schulden ihr Eigen. Nochmal Respekt! Den monatlichen Einnahmen aus Job und Nebenjob in Höhe von 2.000 Euro stehen Ausgaben von 1.465 Euro gegenüber. Das sieht auf den ersten Blick ja fast positiv aus, allerdings bedient sie momentan ihre Kreditraten fast gar nicht. Würde sie das tun, machte sie etwa 180 Euro Miese pro Monat. Zeit für ein paar Gespräche, Zwegat läuft so langsam warm.

    Eigentlich bliebe nur die Privatinsolvenz, sagt der Schuldnerberater aus seiner langen Erfahrung mit Pleitiers. Schwester Judith behagt das aber gar nicht, nein, ins Insolvenzverfahren will sie partout nicht, “da bleibt von meinem Geld ja gar nichts übrig”. Irgendwie hat die Gute noch immer nicht geschnallt, dass schon jetzt von “ihrem Geld” gar keine Rede mehr sein kann, das ist allerhöchstens noch das Geld der Bank, sie ist nach ökonomischen Maßstäben völlig abgebrannt. Aber Mahatma Zwegat will immer nur das Beste für seine Kunden und fängt deshalb tatsächlich an, mit der Bank zu verhandeln.

    Währenddessen in Perleberg: Mutter M. feiert ihren sechzigsten Geburtstag und hat alle ihre beiden Kinder eingeladen. Alle? Ja alle, auch den fiesen Bruder. Es kommt also zum Geschwister-Showdown und wir sind dank RTL mittendrin!!! Offenbar hat ihn das Team schon vorab interviewt: Stefan M. redet sich mit einem Haufen Bankergebrabbel aus der Affäre, er hätte eigentlich die Renovierung von Judiths Haus bezahlen wollen, dann seien bei ihm aber Probleme mit der Steuerfahndung aufgetreten, “Kontendichtmachen, Kontenlöschen, Guthaben runterziehen, also das volle Programm”. Danach war bei ihm Ebbe und seine Schwester konnte er auch nicht mehr unterstützen. Angeblich habe er aber immer wieder versucht, einen Käufer für das Haus zu finden.

    Nach dem Kaffeetrinken bei Muttern gehen Judith und Stefan zur Aussprache runter auf die Straße, die Kamera natürlich immer dabei. Judith sagt zunächst überraschend ruhig, später aber doch noch sehr bewegt ihren Text mit den Vorwürfen auf und Stefan windet sich aalglatt und eiskalt mit Ausreden der Marke “kann ich nicht mehr ändern” und “ich hatte soviel andere Dinge im Kopf” heraus. Am Ende schweigen sich beide an, Judith weint, sie kenne ihren Bruder nicht mehr wieder und Stefan wirkt genervt, weil er ja immerhin nach den Pfändungen auch nur noch 990 Euro Gehalt im Monat hat. Das sei ja für ihn noch ein viel größerer Abstieg, wo er doch früher als Single ein riesiges Haus hatte und mehrere dicke Autos fuhr… Das Verhältnis der Geschwister dürfte sich mit diesem “Gespräch” nicht wesentlich verbessert haben, aber wenigstens hatte diese Folge ihren emotionalen Höhepunkt.

    Wenden wir uns wieder dem ehrlichen Handwerker Peter Zwegat zu. Der hat inzwischen mit der Hypothekenbank einen Deal eingefädelt, nach dem Judith ihr verdammtes Haus wesentlich unter dem Kreditwert verkaufen darf. Dann spricht er selbst einmal mit Bruder Stefan, der zur Zeit als Immobilienhändler tätig ist (auch wenn ihm, wie gesagt, das Finanzamt alle Einnahmen oberhalb von 990 Euro wegpfändet). Der findet angeblich tatsächlich nach einigen Wochen einen Käufer, der sage und schreibe 5.000 Euro für das vormals 80.000 Euro teure Haus auf den Tisch legen will. Damit die Hypothekenbank Judith endgültig vom Haken lässt, muss nun noch ein (ungenannter) fünfstelliger Vergleichsbetrag zusammengebracht werden. Judith bekommt von ihrem zweiten Arbeitgeber einen Arbeitnehmerkredit, die Eltern schießen auch noch etwas Geld zu (aus dem Verkauf von Sammlerpuppen) und dann kriegt Zwegat per Fax das Okay der Bank: Die gut 90.000 Euro Hypothekenkredit inklusive aufgelaufener Verzugszinsen usw. wären mit dem Vergleich erledigt. Die restlichen etwa 30.000 Euro und den neuen Arbeitnehmerkredit kann Judith bei bescheidener Haushaltsführung in absehbarer Zeit voraussichtlich ohne fremde Hilfe abstottern.

    Eigentlich sollte Judith darüber sehr glücklich sein, aber bei ihr bleiben Zweifel, denn die ganze Lösung steht und fällt mit ihrem Bruder. Wenn der Käufer abspringt, ist der Vergleich Essig und es bleibt wohl nur der bittere Gang ins Insolvenzverfahren. Zwegat kann sie da auch nur bedingt beruhigen. Die Erlösung für unsere gepeinigten Nerven kommt aber mit dem Abspann: Aus dem Off erfahren wir, dass der unterschriebene Kaufvertrag inzwischen der Bank vorliegt und damit wohl der Vergleich zustande kommt.

    Juhu, das war eine Spitzenfolge, Supermann Zwegat hat es mal wieder geschafft, aus 90.000 Euro hat er im Handumdrehen einen kleinen fünfstelligen Betrag gemacht, eine verzweifelte Krankenschwester kann wieder lächeln und vielleicht kommt ja sogar das Verhältnis der entfremdeten Geschwister wieder etwas ins Reine. Wir sind gespannt, zu welchen Wohltaten der Schuldnermessias in der nächsten Woche aufbricht! :-)

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  • Hallo Leute,

    auch in der zweiten Folge der neuen Staffel von “Mein neues Leben” kommen keine echten Auswanderer vor. Aus der Vorwoche kennen wir bereits Lothar und Hans-Jürgen, die es auf Mallorca seit einigen Jahren mehr oder weniger freiwillig in eine Höhle verschlagen hat. Sie ernähren sich hauptsächlich aus den Mülltonnen eines benachbarten Supermarkts. Warum man ihr Schicksal in diese Auswandererserie gequetscht hat, weiß nur der zuständige Redakteur im Sender, ich jedenfalls nicht. Besser passen da schon Jürgen und Phoo Füller. Das Ehepaar ist von Deutschland in den Norden von Thailand ausgewandert und hat dort ein Hotel-Resort aufgebaut. Auch hier kann man nicht mehr direkt von einem “neuen Leben” sprechen, immerhin leben Füllers schon seit drei Jahren in Thailand. Mal sehen, wen uns Kabel 1 heute als dritten Handlungsfaden serviert. Der unsympathische Immobilienprotz Thomas Kramer, der in Miami maßgeblich für das Bild vom hässlichen Deutschen verantwortlich zeichnet, ist diesmal jedenfalls nicht dabei. Und das ist auch gut so!

    Tja, etwas zu früh gefreut, wir starten gleich schon wieder in Miami. Wo Kabel 1 mit seinem Filmteam gerade mal hier ist, nutzt man die Gelegenheit, einfach alle abzulichten, die ihre Visage immer schon dringend in eine Kamera halten wollten. Und davon gibt es hier offenbar mehr als genug. Nun denn, heute ist es eine Frau, die uns ihre erfolgreiche Karriere in der amerikanischen Metropole nahe bringen will. Uschi Winter (50) war früher mal Playmate und durchsucht heute als Modefotografin die Straßen Floridas nach neuen Models. Das Fernsehteam begleitet sie, wie sie im offenen Cadillac im Art Deco-Viertel von Miami Beach herumfährt, albern winkend und jeden Passanten grüßend. Währenddessen parliert sie mit offensichtlich sorgfältig gepflegtem amerikanischen Akzent über die Vorzüge der Oberflächlichkeit und unverbindlichen Freundlichkeit in ihrer neuen Heimat. Seit 20 Jahren lässt sie sich dort nun schon die Sonne auf ihren Alabasterkörper brennen, da haut es hier und da wohl auch mal eine Synapse im Sprachzentrum aus der Umlaufbahn. Textprobe: “Hier ist schon easy, you know, Leben ist schon schöner.”

    (Bemerkung am Rande: Was, um Himmels Willen, hat das bloß mit dem Titel der Sendung “Mein neues Leben” zu tun, die Frau ist seit zwanzig Jahren hier in Florida, das ist kein NEUES Leben, sondern ein schon mittelmäßig bejahrtes!)

    Heute macht Uschi das Casting für das Foto-Shooting einer neuen Bademoden-Kollektion. In der Modelagentur ist sie wegen ihrer hohen Ansprüche gefürchtet, behauptet die Stimme aus dem Off. Und tatsächlich zeigt sie sich dort recht wählerisch, was Größe, Teint, Augenfarbe und Ernährungszustand der Bewerberinnen für die Bikinifotos angeht. Sie scheint schon ziemlich genau zu wissen, was sie will, über mangelnde Professionalität kann ich an dieser Stelle beim besten Willen nicht lästern. Hilfreich ist, dass Uschi früher selbst Model war (und immer noch gut beieinander ist), da sieht sie schon auf den ersten Blick, ob eine Bewerberin passt. 50 bis 100 “Mädchen” sichtet die Deutsche an so einem Tag. Was für mich zunächst nach einem traumhaften Job klingt, scheint aber bei Licht betrachtet doch echte Arbeit zu sein – für alle Beteiligten.

    Noch sind keine Models ausgewählt, da macht die “Location” für das Shooting Probleme: Eigentlich sollte das ganze im Swimming Pool von Uschis Villa stattfinden, doch in Miami herrschen momentan nur 17° Celsius und Gänsehaut macht sich auf Bademodenfotos nicht gut. Also wird kurzfristig umdisponiert, vielleicht könnte man ja auch auf einen Hotelpool ausweichen, die sind nämlich windgeschützt. Das nächste Debakel droht, als sich Uschi endlich auf das blonde Model Mareike festgelegt hat und die dann aber postwendend krank wird, kaum dass ein zweites Probeshooting auf einer gemieteten Yacht ansteht. Aber so dramatisch, wie vom Off-Sprecher ausgemalt, ist die Sache dann doch nicht, Uschi bestellt einfach eine andere Schöne und kriegt doch noch ihre Bilder auf dem Schiff.

    Das eigentliche Shooting am nächsten Tag beginnt ebenfalls unter leicht dramatischen Vorzeichen, der “Junge” erscheint nämlich nicht rechtzeitig. Später kommt er dann doch noch zum Set, lässt sich willig von den Damen eincremen, alles wird gut und Uschi kriegt endlich ihre gewünschten Motive am Strand und am Pool. Happy End, als die Sonne untergeht, hat sie das Shooting im Kasten und ist zufrieden.

    Okay, das war zwar auch wieder keine richtige Auswandererstory, aber im Gegensatz zur letzten Woche kamen die Akteure in Miami diesmal wenigstens sympathisch rüber und waren ansehbar.

    Nun aber von den Reichen und Schönen zu den Armen und Hässlichen: Die mallorquinischen Obdachlosen Lothar und Hans-Jürgen sind momentan etwas abgebrannt, ihr liquides Gesamtvermögen beläuft sich auf die überschaubare Summe von 4 Cent. Da schrillen natürlich die Alarmsirenen und es treibt die beiden aus ihrer Höhle, dringend muss ein Job her! Zunächst geben die beiden in der Nachbarkatakombe ihren neuen Hund “Bello” (klasse Einfall) bei den dortigen tschechischen Bewohnern ab und gehen dann zum Hafen von Palma, wo sie das schnelle Geld wittern. Und tatsächlich, die Drehbuchautoren haben sich nicht geirrt, werden sie für einen Tag zum Deckschrubben auf einer niederländischen Yacht angeheuert, was cash 13 Euro einbringt. Lothar gönnt sich bei der Arbeit ein paar nachdenkliche Momente, als er in die Kamera sinniert, wie die Besitzer der vielen teuren Boote hier wohl an ihre Knete gekommen sind. Übrigens war Lothar selbst auch mal ziemlich reich, allerdings nur sehr kurz und nicht ganz legal: Er hatte eine Bank überfallen, wurde erwischt und zu 18 Jahren Gefängnis verknackt.

    Die 13 Euro reichen nur für kurze Zeit und schon wieder dominiert der Hunger den Alltag von Lothar und seinem introvertierten Kumpel Hans-Jürgen. Nun versuchen sie ihr Glück auf der fast menschenleeren Strandpromenade von Arenal, doch niemand hat einen Job für sie, ist halt gerade keine Touristensaison. Da bleibt als letzter Ausweg wieder nur der Müllcontainer vom Supermarkt. Lothar beißt die Zähne zusammen, steckt den ganzen Arm in den Dreckhaufen und angelt dann tatsächlich eine dicke Packung abgelaufenes Schweinefilet. Auf Mallorca ist damit das Abendessen für zwei Tage gesichert, aber mir vergeht einstweilen der Appetit!

    Am nächsten Morgen kommt mal wieder eine der gefürchteten Kontrollen: Miguel ist so eine Art Hausmeister bei den dicken Millionärsvillen oben über den Höhlen. Und er hat für alle Höhlen die Oberaufsicht, guckt nach, ob Müll herum liegt oder die Bewohner Feuer machen oder sonst wie gegen die ungeschriebenen Höhlenhausordnungen verstoßen. Wen Miguel nicht mag oder wer ihm quer kommt, dem entzieht er die Duldung und die Grottenolme müssen sich mitsamt Inventar ad hoc eine neue Bleibe suchen. Aber Lothar ist geschickt und weiß genau, wann er buckeln muss, nämlich jetzt. Miguel hat nichts zu beanstanden bei den ordentlichen Deutschen, die können erst mal bleiben.

    Anschließend machen Lothar und Hans-Jürgen den wöchentlichen Bade-Besuch bei einem befreundeten Ehepaar, ebenfalls aus Deutschland, aber vermögend. Und großzügig, denn hier dürfen die Höhlenmenschen ihre Wäsche und sich selbst waschen. Und die Haare werden ihnen bei Bedarf auch gleich geschnitten. Hans-Jürgen startet am Ende dieser Folge noch einen Arbeitsversuch als Gärtner, sägt den ganzen Tag Palmen und verpflanzt Oleander, kriegt den angebotenen Job aber am Ende nicht, weil er kein Wort Spanisch spricht. Also zurück in die Höhle… Grottenolm forever?

    Phoo (gesprochen “Boh”) und Jürgen Füller erwarten in ihrem Hotel-Resort in Thailand-Nord heute wichtigen Besuch aus Deutschland: Ein Investorenpaar hat sich angesagt, das eventuell mit einer namhaften Summe in das junge Unternehmen einsteigen will. Und nicht nur das: Brigitte und Reinhard wollen vielleicht sogar selbst ganz in Thailand bleiben, so gut hat ihnen der letztjährige Urlaub im Reisfeld-Resort bei den Füllers gefallen. Das wäre natürlich auch für diese Sendung ein Kracher, denn dann hätten wir endlich die ersten richtigen neuen Auswanderer dieser Serie. Und für Füllers wäre das auch gut, denn die bräuchten mal ein bisschen tatkräftige Unterstützung nach den Jahren ohne Urlaub und Pause.

    Gleich am nächsten Morgen könnte Jürgen die Hilfe gebrauchen, er muss allein das Frühstück für alle Gäste zubereiten weil Phoo zum Arzt ist, da fällt das Gas aus und der Herd bleibt kalt. Ohne Herd gibt’s kein Rührei, es ist aber noch kein Angestellter aufgetaucht, also muss sich Jürgen höchstselbst um die neue Gasflasche bemühen. Er kriegt vor laufender Kamera die Krise und entschwindet dann laut fluchend mit dem Auto in Richtung Gasmann. Später gibt es dann für sein irgendwann doch noch erschienenes Personal eine Standpauke. Verspätet kommen, aber pünktlich gehen, das funktioniert nicht. Allzu krass darf Jürgen seinen Anschiss aber nicht formulieren, entsprechend der hiesigen Kultur verlieren die Thailänder sonst ihr Gesicht und verdrücken sich dann auf Nimmerwiedersehen. Jürgen hat es schon nicht leicht als pingeliger Deutscher, der er im Herzen natürlich immer noch geblieben ist.

    Erschwerend kommt hinzu, dass Brigitte und Reinhard, das potenzielle Investorenpaar, von der Personal-Malesche nichts mitbekommen sollen, sonst hauen die womöglich auch mitsamt ihrem Geld auf Nimmerwiedersehen ab. Zum Glück merken die aber nichts (spätestens wenn sie diese Sendung sehen, dürften sie aber ziemlich sparsam gucken) und es bahnt sich tatsächlich der Einstieg der beiden Schwaben im Füllerschen Imperium an. Brigitte und Reinhard sind von Hause aus Fahrradhändler und wollen das nach Möglichkeit auch hier in Asien wieder werden. Jürgen hat dazu gleich frech behauptet, die Thailänder seien neuerdings Fahrrad-verrückt und so ein Laden wäre ein glatter Selbstläufer. Sogar ein Fahrradverleih direkt hier im Hotel wird angedacht. Schließlich wird man sich bei einem gemütlichen Umtrunk zum Sonnenuntergang draußen auf der Hotelterrasse einig: Brigitte und Reinhard machen ihre Ankündigung wahr, werden ihren Laden in Deutschland verkaufen und kommen dann in einem halben Jahr dauerhaft nach Thailand zu Jürgen und Phoo. Hurra!

    Damit ist diese Story wohl endgültig ausgelutscht und Kabel 1 schiebt deshalb schnell noch eine weitere unpassende Geschichte nach. Die spielt schon wieder auf Mallorca und dreht sich um Markus Redlich, der hierher ausgewandert ist und seinen Lebensunterhalt als Immobilienmakler bestreitet. Sein heutiger Fall sind zwei russische Damen, Mutter und Tochter, die sich erfreulicherweise ohne Budgetbeschränkung für eine standesgemäße Bleibe auf der spanischen Ferieninsel interessieren. Der Deutsche hat dicke Dollar- oder Rubelzeichen in den Augen und holt die beiden Frauen samt Bodyguard persönlich im dicken Daimler vom Flughafen ab. Das war es dann aber auch schon, denn dieser Handlungsfaden ist ein so genannter Cliffhanger. Erst in der nächsten Folge erfahren wir, ob und wie Markus es schafft, den Russinnen seine 11-Millionen-Finca anzudrehen und was für ein toller Typ er doch ist.

    Puh, das war schon wieder eine echt langweilige Folge, was haben die nur aus dieser früher so spannenden Serie gemacht? Eine allerletzte Chance gebe ich Kabel 1 noch in der nächsten Woche. Wenn da wieder nur Hängengebliebene und längst Etablierte vorkommen, gucke ich mir die Sendung nicht mehr an, dazu ist mir meine Zeit zu schade!!! :-(

    Nachtrag vom 01.09.2010

    Habe mir die Vorschau für die nächste Folge angesehen: Es bleibt alles wie gehabt, Makler schwänzeln um stinkreiche Kundschaft und unsympathische Deutsche protzen mit ihren geilen Karrieren im Ausland. Dazwischen versucht eine vor 15 Monaten ausgewanderte Familie, mit einem Wechsel der Behausung auch ihre internen Konflikte in den Griff zu kriegen. Schade, schade, schade. Keine Sprach-ignoranten Skandinavien-Auswanderer mit Prollallüren, keine entnervten Büromenschen, die sich ihren Lebenstraum erfüllen und unter der spanischen Sonne einen Grillimbiss eröffnen, ohne jemals zuvor eine Wurst in die Pfanne gehauen zu haben und ähnliche Glanzlichter. Unter diesen Umständen sage ich der Serie “Mein neues Leben” erst mal Adieu… :-(