• Liebe Leute,

    RTL ist kein philanthropisches Institut, sondern ganz aufs Geldverdienen ausgerichtet. Okay, wir leben halt im Kapitalismus, das sind nunmal die Spielregeln. Wir von Mülltv hingegen verlangen und kriegen für unser Geschreibsel keine Knete. Und darum nehmen wir uns auch die Freiheit, manche Sendungen einfach auszulassen, wenn es nicht angebracht ist, darüber bissig-ironische Kommentare zu verfassen.

    Die heutige Folge von Peter Zwegats Kreuzzug durch das Land der Bankrotteure und finanziellen Verlierer ist genau so ein Fall. Familie S. hat sich – natürlich mit Krediten – einen Hof in der Nähe von Gera gekauft und damit einen lang gehegten Traum vom Leben auf dem Land erfüllt. Inzwischen ist daraus allerdings ein absoluter Alptraum geworden, wobei die ökonomische Seite nur eine Facette ist. Hinzugesellt haben sich diverse Schicksalsschläge, wie schwere Erkrankungen der Familienmitglieder und vor allem der Tod der einen Tochter, der nach wie vor nicht bewältigt wurde.

    Und an dieser Stelle ist für uns Schluss mit lustig, Peter Zwegat wird die Sache wohl selbst etwas unheimlich (“einer der heikelsten Fälle meiner Karriere”), aber das Kommerzfernsehen hält ungerührt drauf. Mülltv hingegen schaltet ab, vielleicht bringt ja die nächste Zwegat-Folge wieder etwas zum Lästern.

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  • Hallo Leute,

    bin wieder im Lande, musste aber urlaubsbedingt einmal mit dem Bloggen aussetzen. Am Rande habe ich mitbekommen, dass Kultkoch Christian Rach in der letzten Folge das “Küken” Janina wegen erwiesener Unreife aus der Serie gefeuert hat. Sie soll zunächst ein Jahr pausieren und darf es dann (in einer nächsten Staffel?) noch einmal bei ihm in Hamburg versuchen. Ob aber aus der zweiten Chance überhaupt etwas wird, ist fraglich, denn lt. RTL-Extra (oder wie diese Promibegaffersendung heißt) hat Janina die viele freie Zeit seit ihrem Rauswurf sozusagen produktiv genutzt, sie ist nämlich inzwischen schwanger. Herzlichen Glückwunsch, keine Ausbildung und zu blöd zum Kochen, aber das mit dem Kindermachen hat sie prima hingekriegt! Hartz IV ist dann ja wohl das Stichwort für ihre absehbare Zukunft…

    Auch die Renovierungsarbeiten der alten “Weinhexe” im Chilehaus haben eine Eigendynamik entwickelt, gegen die selbst Freund Rach nicht ankommt. An Kochen ist hier nicht zu denken, also quält der Meister seine Eleven stattdessen mit geistigen Tätigkeiten. Als Hausaufgabe vom letzten Mal sollten die verbliebenen 11 Schüler Vorschläge für die Speisekarte des “Slowman” machen. Übrigens ist die Namensfindung für den neuen Schuppen an mir vorüber gegangen, das muss wohl auch in der letzten Folge passiert sein. (Ich tippe mal “per order mufti” vom Chef persönlich, naja, der muss es ja auch bezahlen.)

    Also, wie gesagt, Nourddine macht – schon wieder – den Klassensprecher und trägt ziemlich stockend und irgendwie unbeteiligt die Menüideen der Gruppe vor. An der Aussprache der italienischen Vorspeise “Carpaccio” scheitert er kläglich und wird von Rach feixend korrigiert. Bei “Bärensuppe” kommt auf die Nachfrage, was das denn wohl sei, nur ein kläglicher Hinweis auf Angelika, die habe das vorgeschlagen, er wissen von gar nichts. Dann kann er “Edelfischragout” nicht erklären und schließlich bricht Rach bei “Pferdesauerbraten mit Lorbeerkartoffeln und Rotkohl” buchstäblich zusammen.

    Gleich darauf bekommt der Gastropapst den ersten Wutanfall der heutigen Sendung, als er den sichtlich müde wirkenden Collin vor versammelter Mannschaft fragt, ob er vielleicht noch einen Nachtjob mache und dieser daraufhin gesteht, sich “ab und zu spontan” als Türsteher einen Euro hinzuzuverdienen. Er nimmt den verschlafenen  jungen Mann beiseite und gibt ihm -  mal wieder – eine allerletzte Chance. Wir alle wissen natürlich, dass die Sendung auf den sentimentalen Handlungsstrang mit dem werdenden Vater Collin, der von seiner Freundin rausgeworfen wurde, angewiesen ist. Er würde deswegen auch noch hundert Mal Pardon kriegen, egal was für drakonische Strafen Rach jetzt auch androht.

    Okay, Collin steht also unter dem besonderen Schutz der Drehbuchautoren, dann muss eben jemand anders als Blitzableiter für Rachs Adrenalinschub herhalten, nämlich die dicke Rena. Spontaner mündlicher Test: Was denn “Country Potatoes” seien, wird sie vom Meister gefragt, das stünde übrigens in seinem Lehrbuch, das er ja bekanntlich in der ersten Folge werbewirksam allen seinen Schülern schenkte. “Weiß ich nicht”, lautet Renas wenig überraschende Antwort, die Rach, wie erhofft, sofort auf die Palme bringt. Die beiden diskutieren hitzig, ob er etwas so kompliziertes, wie innerhalb von vier Wochen ein Buch zu lesen, wirklich verlangen dürfe. Immerhin habe sie sich ja schon die Einlagen für ihre Schuhe besorgt und sei deswegen “verdammt nochmal stolz” auf sich. O ja, der Punkt geht klar an Rena, mehr als dass sie morgens aufsteht und sich die Schuhe anzieht, darf man wirklich nicht von einer Praktikantin verlangen. Falls sie dann auch noch die Schürze richtig herum zubindet, müsste sie eigentlich eine Prämie kriegen, finde ich… ;-)

    Rach rächt sich am nächsten Tag mit einer Sporteinlage: Man joggt durch den Hamburger Volkspark. Arme Rena, mit dem Tempo einer Wanderdüne schleicht sie der Gruppe hinterher, als schwitzender Alptraum der RTL-Maskenbildner. Nach dem Laufen kommen noch Dehnungsübungen, Liegestützen und Fußballspielen. Zu diesem Zeitpunkt liegen schon die ersten Fertigen im Gras, wobei Tim im (viel zu) engen T-Shirt wie der verlorene fünfte Ludolf-Sohn aussieht. :-)

    Die Drehbuchautoren haben sich als Verzeih-mir-Geste der Schüler ein “spontanes” Picknick ausgedacht, mit welchem sie ihren Übervater überraschen sollen. Während ein paar der halbgaren Jungs Rach mit dem selbst komponierten Rap “Chris aus dem Block” (womit der Topftitan himself gemeint ist) ablenken, breitet Angelika im Hintergrund die Decken auf dem Rasen aus. Nourddine ergreift mal wieder das Wort, oder was er dafür hält, und stammelt stellvertretend für alle Praktikanten eine Art von Essenseinladung zusammen. Schlimm, schlimm, wieso können die anderen denn nicht mal für sich selbst sprechen, Nourddines Begabungsschwerpunkt scheint jedenfalls nicht die freie Rede zu sein. Das peinliche Highlight dieser Folge setzt dann aber Angelika, die Rachs kurzen Moment der Rührung ausnutzt, um ihm das “Du” anzubieten. Betretenes Schweigen. Paul, der angeblich aus einem “guten Elternhaus” stammt und deswegen wohl Knigge-fest ist, berichtet später im Interview, wie sehr er sich in diesem Moment geschämt habe. Christian Rach hat natürlich im Umgang mit seinem Personal jahrelang bewährte Prinzipien und gestattet nach kurzem Überlegen lediglich, man dürfe ihn fortan mit seinem Vornamen, aber “Sie” anreden. Bitte in den Akten vermerken: Das war nach der unsäglichen Fischsuppe in der ersten Folge nun schon Angelikas zweiter Angriff auf Rachs Intimsphäre. Bin mal gespannt, wie weit ihre Anbiederungsversuche noch gehen…

    Nächster Tag, die Küche wird noch immer umgebaut, deshalb geht es auf Praxis-Exkursion zur Reeperbahn. Hier können die 11 Praktikanten Uwe Christiansen, dem lt. Rach besten Cocktailmixer der Stadt, bei der Arbeit über die Schulter sehen. Collin darf dabei mal mit seinen Kenntnissen als Aushilfsbartender angeben, die von ihm gebaute Caipirinha fällt aber auf ganzer Linie durch und der Profi Christiansen zeigt dann, wie es richtig und appetitlich gemacht wird. Nach der heutigen Lektion gehen einige Jungs noch auf die  Reeperbahn, um Nourddines 18. Geburtstag zu feiern. (Nach Janinas Abgang ist er das neue “Küken” der Gruppe.) Merkwürdigerweise hat das am nächsten Tag aber keine erkennbaren Ausfälle zur Folge. Da haben die Autoren m.E. eine erstklassige Gelegenheit für unreifes Verhalten der Praktikanten und einen sich daraus ergebenden Wutanfall von Rach oder seinen Schergen ausgelassen. :-)

    Das “Slowman” ist noch immer eine Großbaustelle, doch Rach erkennt hier und da schon erste Konturen und freut sich sichtlich darauf. Endlich macht da mal jemand das, was und wie er es will. Mit frischer Energie und händereibend trifft er auf seine elf verbliebenen Schülern. “Ihr…” fängt er seine Morgenbegrüßung an, die von Nourddine schnell mit “… Nichtsnutze” vollendet wird. Alle lachen, aber ein Körnchen Wahrheit steckt in der Bemerkung wohl drin. Oberlehrer Rach nutzt die noch gute Stimmung für einen Kurztest: “Was ist nochmal ‘Caipirinha’?” Nina weiß es, kann es aber nicht druckreif sagen und kriegt deswegen einen Rüffler. Sie müsse als Service-Kraft die angebotenen Menüs richtig verkaufen können, sonst sei sie nur ein “Teller-Taxi”. Danach sollen die Praktikanten in Eigenregie eine Speisekarte ausarbeiten. Rach kümmern sich unterdessen höchstpersönlich darum, dass morgen alle grüppchenweise zur Hospitation in andere Restaurants gehen können. Bei der Verkündung der Teams klappt bei Tim der Unterkiefer runter, als er erfährt, dass er im Duett mit Nourddine im “Rach & Ritchy” arbeiten soll, was offensichtlich ein weiterer Laden von Christian Rach ist. Der Tag wird aber gar nicht so schlimm und am Ende ist sogar ein wenig Sympathie beim Ex-Knasti für den leicht flippigen Nourddine spürbar. Paul kämpft in der “Cantina Milano” (gehört auch zum Rach’schen Imperium) gegen seine Müdigkeit und muss im Akkord Gräten zupfen.

    Can und Collin haben aus meiner Sicht den besten Job abgekriegt: Sie dürfen für einen Tag im Restaurant “Mamma Mia” in Hamburg-Altona einem echten Italiener beim Zaubern von Pizzas zusehen und auch eigene Kreationen versuchen. Das sieht nicht nur lecker aus, sondern scheint auch ziemlich lehrreich zu sein, jedenfalls schreiben die beiden wie die Weltmeister und später soll es im “Slowman” mal Minipizzas geben.

    Ach, alles könnte doch so schön und harmonisch sein, wäre da nicht der fiese Rach mit seinen gemeinen Hausaufgaben: Morgen steht ein Besuch auf dem Großmarkt an, dafür sollen alle Praktikanten aus der neuen Speisekarte mit Hilfe von Rachs Kochbibel eine Einkaufsliste zusammenstellen… Der allwissende Off-Sprecher unkt schon und tatsächlich kommt es am nächsten Tag im Großmarkt zum großen Knall, eigentlich sogar zu mehreren. Zunächst fehlen schon mal zwei Delinquenten beim Morgenappell: Tim kommt viel zu spät, er sei schlaftrunken in die falsche S-Bahn gestiegen und habe dort dann außerdem auch noch seine Hausaufgabe, die Einkaufsliste, liegen gelassen, sagt er. Hahaha, ich wäre an Rachs Stelle tödlich beleidigt, dass sich der Mann mit seinen 29 Jahren nicht mehr Mühe mit den dummen Ausreden gibt. Der zweite Vermisste ist Collin, der bereits mehrfach Verwarnte. Rach schäumt, er schmisse ihn raus, es sei denn, Collin wäre gerade heute Nacht Vater geworden, andere Ausreden ließe er nicht mehr gelten. (Das ist dann übrigens auch der “Cliffhanger” zur nächsten Folge: Collin kommt lt. Vorschau zwar noch, man weiß aber nicht, warum erst so spät. Wird er Rachs Wut überleben? Mein Tipp: Na klar, siehe oben!)

    Christian Rach ist nun schon arg angesäuert, die Lunte glüht und es braucht nur noch einen Funken, um sein emotionales Pulverfass zu zünden. Und der kommt, der kommt: Außer der eklig beflissenen Angelika hat nämlich niemand an die Erstellung der Einkaufsliste gedacht. (Tims angeblich in der S-Bahn verlorene Liste hat garantiert auch niemals existiert!) Das Küchengenie kriegt die Pimpernellen, rauft sich den spärlichen Haarkranz und schickt alle vor die Tür, die in das meisterliche Blickfeld geraten: Nourddine, Jonny und Rena. Danach gönnt er sich an der Bar, die es in diesem Einkaufsmarkt praktischerweise gibt, eine kurze Auszeit allein mit der Kamera. Er wütet noch ein wenig herum, fühlt sich “persönlich verarscht”, vermisst Ernsthaftigkeit und überlegt, ob er das ganze Projekt nicht einfach “als gescheitert” beenden soll. Hinterher im Chilehaus gibt es dann noch einen Generalanschiss, der sich gewaschen hat.

    Mit der Ungewissheit, ob Rach seinen Gefühlen nachgibt und das Handtuch schmeißt und ob Collin nun Vater ist oder ohne Job und ob Angelika eine weitere Schleimattacke fährt, müssen wir noch eine Woche leben. Dann hat sich Rach hoffentlich etwas abgeregt und es geht weiter in seiner “Restaurantschule”.

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  • Hallo Leute,

    mitten in der Woche ist wieder Fremdschämzeit mit Schuldnerberater Peter Zwegat. Natürlich mache ich die Beteiligten hinsichtlich der Nachnamen wieder unkenntlich, obwohl sie im Fernsehen vollständig genannt werden. Diesmal scheint mir das aber fast unnötig zu sein, denn dem heute vorgestellten Pärchen ist wohl ohnehin alles egal, von Schamgefühl weit und breit keine Spur. Und wir werden Zwegat fast sprachlos erleben, was nicht alle Tage vorkommt!

    Beginnen wir also im wunderschönen Kempten im malerischen Allgäu, wo Familie S. wohnt. Sie zählt sechs Köpfe, nämlich Harry (46), Birgit (44), dazu zwei Söhne und zwei Töchter. Die Hauptpointe wird schon im Intro verraten: Die S. bringen es auf schlappe 350.000 Euro Schulden aus dem Bau von gleich zwei Eigenheimen innerhalb von nur zehn Jahren. Doch, doch, sie haben sich ja angestrengt, das Geld zusammenzubringen. Harry, ein Elektriker und Maurer erzählt fast stolz, dass er in den letzten 16 Jahren immer nur eine einzige Woche Urlaub gemacht hat (und damit sind wir schon beim Titel dieses Blog-Eintrags), ansonsten nur geackert und gerackert. Und zwar ohne Rücklagen für Rente oder Versicherung gegen Berufsunfähigkeit.

    Angefangen hat die ganze Misere mit dem Bau des ersten Hauses. Das sollte anfänglich eigentlich “nur” 200.000 D-Mark kosten, trotz erheblicher Eigenleistungen von Harry wurden daraus aber unerklärliche 400.000 D-Mark. Die S. zogen die Notbremse, verkauften das Haus gleich wieder, behielten davon jedoch ein nettes Andenken von 100.000 Euro Schulden. Sofort gingen sie daran, mit der teilweise wieder gewonnenen finanziellen Freiheit ein zweites, aber nur halb so großes Haus zu bauen. Leider verteuerte sich auch dieses Eigenheim während der Erstellung und im Endeffekt zahlten S. dafür genau so viel wie für das erste (Sockenschuss zum Zweiten!). Gut für RTL und Zwegat, aber bitter für Familie S.

    Mittlerweile hat man neben den 100.000 Euro Verlust aus dem ersten Haus für das zweite Haus bereits 250.000 Euro nur an Zinsen an die Bank gezahlt, ohne einen einzigen Cent Tilgung! Darin enthalten sind die bekanntermaßen schweinischen Dispozinsen für das mit 50.000 Euro (!!!) überzogene Girokonto. Weitere 60.000 Euro schuldet man Birgits Eltern, Karin und Peter H. Die fürchten nun inzwischen um ihre eigene Existenz, Karin hat sogar schon eine geplante Zahnbehandlung aus Geldmangel abgesagt.

    Als Kollateralschaden ist mittlerweile auch die S.sche Ehe im Eimer. Man wohne unter einem Dach, respektiere sich auch noch, gehe einander aber nach Möglichkeit aus dem Weg. Streitigkeiten sind nach Aussage der älteren Töchter Priscilla und Cynthia an der Tagesordnung. Vom Besuch des herbeigerufenen Finanzklempners Zwegat erwartet man sich nebenbei auch eine Verbesserung der ehelichen Situation.

    Es ist heiß in Süddeutschland. Trotzdem kommt der ältere, leicht verknitterte Herr aus Berlin zu Fuß nach Kempten, jedenfalls will das Fernsehen das immer irgendwie so darstellen. Auf dem Weg zu den S. betrachtet Zwegat in einer Fußgängerzone die Brunnen… Durst? Mann, RTL sollte sich was schämen, die könnten ihrem Star ruhig mal eine Flasche Sprudel ausgeben, da muss Zwegat in seinem Alter noch in der Fußgängerzone aus öffentlichen Brunnen trinken… Angekommen bei den S. will er denn auch gleich in den Schatten: “ich bekomme sonst einen Sonnenbrand”.

    Dann lässt er sich von Harry und Birgit in die ökonomischen Geheimnisse ihrer Welt einführen. Dabei erzählen sie, dass sie bereits seit einigen Jahren nach einem Käufer für ihr (zweites) Haus suchen, aber trotz des Schnäppchenpreises von 359.000 Euro noch keinen gefunden haben. Ob das vielleicht daran liegt, dass das zugehörige Grundstück den S. gar nicht gehört, sondern nur in Erbpacht für 250 Euro monatlich gemietet ist?

    Erschwerend kommt hinzu, dass Harry den Job als freischaffender Elektriker aufgeben und stattdessen eine feste Anstellung annehmen will. Das würde im Monat ca. 1.800 Euro weniger Einkommen bedeuten. Dazu passt überhaupt nicht, dass Harry sich in einem Anfall geistiger Umnachtung zeitgleich mit dem Hilferuf an Zwegat ein neues Auto für knapp 30.000 Euro gegönnt hat. Das ist übrigens sage und schreibe das Drittauto der Familie! (Sockenschuss Nr. 3) Birgit macht aus ihrem Zweifel an Harrys Zurechnungsfähigkeit keinen Hehl und auch bei Zwegat drängt sich wohl so langsam der Verdacht auf, dass Birgits Göttergatte in der Schule in der Mathestunde wohl öfter mal aus dem Fenster geguckt hat. Das sei ihm jedenfalls auch noch nicht vorgekommen, meint er einigermaßen perplex.

    Nach einer ersten Prüfung der Unterlagen in seinem Berliner Büro rückt der Schuldnerberater zum zweiten Allgäubesuch mit der Flip-Chart an: High Noon, jetzt geht’s ans Eingemachte. Zwegat hat das Übermenschliche fertig gebracht, was offenbar für alle seine Kunden viel zu schwierig ist: Er hat die offenen Posten zusammenaddiert. In diesem Fall ergibt sich dabei ein Betrag von 354.950 Euro. Die “gehören” komischerweise ausschließlich Peter, alle Kredite und sonstigen Außenstände laufen auf seinen Namen. Darüber scheint sich sogar Birgit zu wundern, die ja normalerweise schon einiges gewohnt ist. Nach der Aufstellung von Einnahmen und Ausgaben müssten pro Monat immerhin 186 Euro übrig bleiben. Tun sie aber nicht, allein in den letzten 12 Monaten hat Familie S. weitere 33.000 Euro neuer Schulden angehäuft.

    Plötzlich fällt  Birgit noch ein pikanter Posten ein, den sie eben vergessen hatte: Einmal im Jahr nimmt sich Harry Urlaub von seiner anstrengenden Mischpoke und fährt für eine lustige Woche – allein (nehmen wir mal an) – nach Mallorca. Birgit klingt ziemlich verbittert, denn sie selbst ist seit 18 Jahren nicht mehr im Urlaub gewesen. Hier tut sich mal wieder ein neues Betätigungsfeld auf für Zwegat, den Eheberater. Bevor der aber auch nur Pieps sagen kann, schießt Harry gleich volles Rohr dagegen: Natürlich brauche er einmal im Jahr dringendst die Erholung von seiner Frau, Birgit sei immer so aufgedreht, da müsse man eigentlich mal mit dem Arzt drüber reden, ob man da was gegen tun könne. Wie schön, dass die Kamera gerade läuft, das glaubt einem ja sonst wieder keiner. Das war also der heutige Moment zum Fremdschämen…

    Zwegat lässt sich aber nicht beirren und redet nun Klartext wegen der Schulden. Wenn er sich so das üppig ausgestattete Haus und die drei Autos ansehe, habe er nicht den Eindruck, Familie S. darbe sehr, eher im Gegenteil, man lebe wohl über die Verhältnisse. Und er, Zwegat, könne gar nicht verstehen, wieso Harry so verrückt sei, nun auch noch durch die Aufgabe der Selbstständigkeit auf weiter 1.800 Euro Einnahmen zu verzichten, wie er das denn bitte finanziell ausgleichen wolle? Und bevor er sich für die Sache überhaupt richtig engagiert, will er nun wissen, wie denn die Eheleute ihre beziehungstechnische Zukunft sehen. Naja gut, so ganz zerstört finden Harry und Birgit ihre Ehe denn doch noch nicht und sie wollen auf jeden Fall für die absehbare Zukunft zusammen bleiben. Prima, dann kann Peter, der Große ja endlich loslegen!

    Der erste Ortstermin ist gleich beim fiesesten Gläubiger, dem Finanzamt. Zwegat, wie immer im Anzug, macht dort zusammen mit den in kurzen Hosen, Schlabberhemden und Sandalen – sagen wir mal lässig – gekleideten Eheleuten S. einen Hausbesuch, muss aber leider die Kamera draußen lassen. Immerhin signalisiert das Finanzamt in dem Gespräch eine gewisse Bereitschaft, bei einem möglichen Vergleich auf einen Teil der Forderungen zu verzichten.

    Nun geht es auf Geldsuche für den Vergleich. Zwegat sitzt in der nächsten Szene bei Karin und Peter, Birgits Eltern, auf der Terrasse im Grünen. Karin hat schon soooooo einen Hals wegen des blöden Traumhauses ihrer Tochter, in das sie mehr oder weniger gezwungen immerhin auch schon 60.000 Euro investiert haben. Sie würden ja gern helfen, müssten aber dafür selbst eine Hypothek auf ihr eigenes Häuschen aufnehmen. Und was hätte man dafür als Sicherheit? Nichts, gibt Zwegat zu, das Traumhaus von Familie S. läuft ja bekanntlich zu 100% auf Harry, jeder dort investierte Cent wäre bei einem Auseinanderbrechen der Ehe futsch. Tja, damit dürfte es dann Essig sein mit einer weiteren Beteiligung der Schwiegereltern an Harrys Finanzdebakel.

    Zwegat rechnet trotzdem erstmal los. Die Bank signalisiert ein Entgegenkommen, man will dort die monatlichen Kreditraten um 500 Euro senken. Stolz verkündet der Berliner dieses Ergebnis den beiden Eheleuten. Kurzes Schweigen, dann kommt von Birgit ein relativ gefasstes und dann zweifelndes “super…, oder?” Zwegat packt wegen der fehlenden Anerkennung seines Erfolgs heftig die Wut “Ja, das müssen Sie doch wissen!?!” herrscht er Birgit an, natürlich ist das eine tolle Meldung! Auch an anderen Stellen geht es plötzlich voran, beide Eheleute haben Sparpläne gemacht, Harry verzichtet auf den Steuerberater und hat die Raten für sein neues Auto (der Drittwagen, um das noch mal zu sagen) gesenkt. Birgit will irgendwie im Haushalt sparen. Summa summarum kommt Zwegat nun auf ein Monatsplus von über 300 Euro, sollte Harry selbstständig bleiben, wären es sogar noch wesentlich mehr. Das funktioniert aber immer nur alles unter der Voraussetzung, dass Birgits Eltern doch noch mal Geld zuschießen, wovon bei seinem Besuch eigentlich keine Rede mehr war.

    Die andere Lösung wäre der Verkauf des Hauses. Zwegat bestellt einen Makler, der sich gleich mit einem Ultra-Gag vorstellt, nämlich mit einer Variante von Peterchens eigenem Lieblingsspruch: “Sie haben gerufen, also komme ich!” Der Experte besieht sich Harrys und Birgits Prachtbau, schätzt den aber eher auf ca. 300.000 Euro ein, die geforderten 359.000 Euro seien unrealistisch.

    Kein Zwegat ohne Happy-End: Zu guter Letzt entschließen sich Birgits Eltern tatsächlich doch noch zur Hilfe, nehmen zugunsten ihrer Tochter einen Hypothekenkredit über 25.000 Euro auf, verzichten auch noch auf die Rückzahlung ihre vorherigen Kredite und retten Birgit und Harrys Familie damit das Haus. Zwegat ist zufrieden, vergattert die Eheleute noch einmal, von jetzt an besser zusammenzuhalten und macht sich – natürlich zu Fuß – vom Acker.

    Tja, da hat Old Knitterface es also wieder einmal geschafft, in diesem eigentlich ausweglosen Fall hat er gerade noch das Ruder herumgerissen. Wir stehen staunend und ehrfürchtig vor dem Lebenswerk dieses Mannes. Und schlafen auch ein bisschen ruhiger, denn egal, was auch kommen mag, selbst wenn wir noch so unbedarft sein sollten in Gelddingen (so wie Familie S. eben), ein Anruf bei Zwegat in Berlin und uns wird geholfen.

    In diesem Sinne bis in zwei Wochen (nächste Woche muss der Blog leider ausfallen).

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  • Hallo zusammen, liebe Freunde des gastro-pädagogischen Fremdschämens,

    schon wieder ist eine Woche verflogen und aus den Tiefen des RTL-Programmuniversums strahlt uns eine neue Folge mit Onkel Chrischans Gastronovizen entgegen.

    Der optimistische Schwung, der Christian Rach beim Hören seiner eigenen Titelmelodie immer ergreift, verfliegt diesmal im Nu. Renas Quadratlatschen machen weiter Probleme und jetzt muss sie heute auch noch ein weiteres Mal zum Orthopäden. Warum denn das, fragt Rach sie vor der versammelten Mannschaft und ist mit der Antwort noch unzufriedener: Sie habe beim ersten Arztbesuch das Geld für die Praxisgebühr nicht dabei gehabt und müsse das nun noch nachliefern. Dem Gastropapst schwillt schon hier bedenklich die Stirnader, da erfährt er (keine Ahnung, von wem eigentlich) ein weiteres Desaster: Nicht alle seine Schäflein haben nämlich das letzte Wochenende im Sinne des Meisters genutzt, die Ultracoolies Jonny und Nourddine ließen sich beim Schwarzfahren in der S-Bahn erwischen und haben dort nun für die nächsten zwei Jahre “Hausverbot”. Jonny, der ja in der letzten Folge man so gerade eben dem Knast von der Schippe gesprungen war, ist auf Bewährung und sollte sich echt vorsehen, sonst hat sein nächster Arbeitsplatz vergitterte Fenster.

    Damit nicht genug, macht jetzt auch noch die Location Probleme, denn in der Küche seines neuen Restaurants im Hamburger Chilehaus sitzen die Handwerker und zwingen Christian Rach zur Improvisation: Er lässt sich nicht lumpen und fährt mit der ganzen Bande für zwei Tage auf die Ostseeinsel Fehmarn. Von hier tuckern die angehenden Weißkittel mit einem Fischkutter auf kleine Fahrt und erleben dabei sozusagen aus erster Hand, wie gerade eben noch glückliche, quicklebendige Fischlein zu Futter für die Homo Sapiens werden. Rach versucht seinen Eleven darüber klar zu machen, dass sie die Tiere wertschätzen sollen, die sie später zu Essen verarbeiten, damit die nicht “umsonst” gestorben sind, wie er sich ausdrückt.

    Wieder daheim an der Elbe kommt der nächste Ärger: Der Vermieter der drei RRS-Wohngemeinschaften hat sich über den vielen Lärm in seinem Haus beschwert. Rach platzt endgültig der Kragen “ich verstehe das nicht, diesen Kinderscheiß” und er beschließt, durchzugreifen. Er teilt seine Schüler in zwei Gruppen à sechs Personen auf, die halbwegs Begabten dürfen in die Küche und die Deppen müssen in den Service. Zu Letzteren gehören Rena, Marco, Jennifer, Jasmina, Nina und Jonny.

    In der Küche sollen nun die von Fehmarn mitgebrachten frischen Fische filetiert werden. Das wird ein Gemetzel und das Ergebnis könnte man höchstens noch mit Fisch-Nuggets umschreiben. Bei dieser Gelegenheit mischen auch die stets gniesgnaddelig wirkenden Nebenausbilder Hanno und Frank wieder mit. Nourddine kriegt dabei den ersten Anraunzer “Ey, hast Du gestern gesoffen? Du hast ‘ne gute Fahne!”. Der Angesprochene errötet blitzschnell – wie gut, dass Rach gerade nicht im Raum ist…

    Der kümmert sich nämlich um die andere Hälfte seiner Gruppe, die Service-Menschen. Zunächst kriegt Rena die Aufgabe, für sich einen Ernährungs- und Bewegungsplan aufzustellen, damit sie von ihren olympischen Maßen wegkommt. (Wir erinnern uns, die Gute neigt etwas zur Moppeligkeit: 135 Kilo bei 175 cm.) Rach verordnet ihr zunächst, in der nächsten halben Stunde zehn Mal mit vollem Tablett die Treppe vom Erdgeschoss in den oberen Gästeraum und retour zu gehen. Er setzt sich dazu oben gemütlich an einen Tisch, spielt Gast und bringt damit auch noch Renas kleine grauen Zellen zum Schwitzen: Er wolle einen Kaffee trinken, was sie denn da so für eine Auswahl habe? Stotternd und errötend deklamiert sie ein paar der Angebote, kichert mal und zuckt dann wieder die Schultern, ist das absolute Gegenteil von souverän. Nach einer Weile schleppt sie dann schweißtriefend das Tablett mit dem bestellten Bohnentrunk die Treppe hoch, wird aber vom Meister gleich wieder zurückgeschickt: Der Kaffee befindet sich höchstens noch zur Hälfte in der Tasse, der Rest schwappt als kleiner See auf der Untertasse und verziert ansonsten das Tablett. “Dabei hatte ich das eben schon einmal komplett trocken gemacht!”, wundert sich die wuchtige Service-Schülerin, steigt aber folgsam die Treppe wieder hinunter. In der Küche angekommen erklärt sie in die Kamera “Als Schikane sehe ich das nicht, ich bin nun mal kompulenter.” (sic!) Rach ist bedient, der Nächste bitte!

    Das ist Marco. Der sympathische Berliner soll den “Gast” Christian Rach mal bei der Salatwahl beraten. Nach kurzem Zögern fällt ihm immerhin der “Salat mit Nuss-Vinaigrette und geräuchertem Lachs” ein, den Preis dafür hat er allerdings nicht parat und legt sich nach einigem Zögern unerklärlicherweise auf 3,50 Euro fest. Rach grinst schief, bei dem Preis käme er gleich mit allen seinen Freunden vorbei, Marco solle schon mal 35 Portionen machen.

    Rach muss nun in sein eigenes Restaurant und überlässt die Züchtigung seiner Schüler für heute den Hilfsausbildern. Die scheinen nur auf eine Gelegenheit für neue Wutausbrüche zu warten und werden auch nicht enttäuscht: Paul stellt einen heißen Topf auf ein Plastikbrett, was ihm angeblich vorher schon verboten worden war, nur hatte er wohl gerade nicht zugehört und betrachtet sich als unschuldig. Der bärtige Hilfskoch – keine Ahnung, ob das nun Frank oder Hanno ist – produziert einen sehenswerten Zornesausbruch, der in den gebrüllten Worten kulminiert “Man muss nicht zu allem einen Kommentar geben, man kann einfach mal die Schnauze halten und sagen: Ja, sorry, war’n Fehler. Diese Scheiß-Diskutiererei, echt! Jeder hat immer noch’n schlauen Spruch hinterher, super!!!” (Zitat ohne Gewähr, Hanno/Frank ist nämlich nicht nur ein großer Freund der Cholerik, sondern auch des Nuschelns und Silbenverschluckens.)

    Übrigens kommt in der nächsten Szene die Namenseinblendung: Das Vulkantemperament nennt sich im echten Leben Frank Bertram. Und er brodelt auch gleich weiter, als die sechs Service-Leute sich in der Küche die falschen, teilweise leeren (!) Teller schnappen und in den Gastraum schleppen. Auf einer Skala von 1 bis 10 seien sie erst bei 0,5 – aber damit sei ja nach oben noch alles offen, gibt er sich später im Interview verblüffend hoffnungsvoll.

    Als nächsten Programmpunkt haben die Drehbuchautoren mangels anderweitiger Action ein paar Labaluba-Einheiten zum Füllen der Sendezeit eingefügt: Christian Rach bestellt sich seine Problemkinder nacheinander zur Individualvergatterung in den leeren Gästeraum. Mit Nourddine fängt er an, der sei momentan sein schlimmster Wackelkandidat, behauptet er. Vermutlich ist er noch stinkig wegen der S-Bahn-Geschichte. Der 18jährige solle mehr tun, seine locker-flockige Art reiche nicht für den Job. Ab, Nächster!

    Das ist Can. Der halte sich viel zu sehr im Hintergrund, meint Rach und denkt dabei bestimmt auch etwas an seine Quoten. Can ist in dieser Hinsicht echt eine Enttäuschung, er stellt keine heißen Töpfe auf Plastikunterlagen, fährt nicht schwarz (lässt sich jedenfalls nicht erwischen), verkauft keine Salate für 3 Euro 50 und hat auch keine Probleme mit seinem Schuhwerk. Aber Can ist schlau und sagt genau das, was Rach hören will, nämlich dass er momentan noch zu unsicher sei und lieber beobachte, wie göttlich er (Rach ist gemeint) und seine Crew Essen kochten, wie toll sie mit den Zutaten umgingen, das sei für ihn “wie reiner, purer Sex”. Dem Gastropapst sind in seinem Leben sicherlich schon viele Komplimente gemacht worden, aber kaum einer dürfte sich dabei dermaßen schamlos eingeschleimt haben, wie Can. Völlig benommen grinsend schickt er den Schüler wieder raus und doziert in die Kamera: “Das ist die Einstellung, die ich brauche, der brennt und das ist gut so.”

    Nun geht er zu Tim, der im Knast nicht nur in die Breite, sondern auch in die Koch-Lehre ging. Der Typ ist für Rach noch immer etwas undurchschaubar, hat so einen komisch-ironischen Blick von schräg oben. Er kriegt die Order: “Führe! Gib den anderen Motivation, aber auch mal ‘nen Arschtritt!”

    Die Sitzung mit Rena fördert wenig Sensationelles zutage, sie ist gegenüber dem Job erkennbar positiv eingestellt und wird nur noch einmal darin bestärkt, auch weiter an sich selbst (also z.B. am Abschmelzen überflüssiger Kilos) zu arbeiten. Ob sie denn die Praxisgebühr für den Orthopäden bezahlt habe, mimt Rach den Sozialarbeiter. “Sensationell” lautet sein sarkastischer Kommentar, als sie bejaht.

    Übrigens finde ich eine Angewohnheit von Christian Rach ziemlich widerlich: Am Ende solcher Szenen, wie den gerade erlebten, die für die Beteiligten bestimmt sehr unangenehm sind, dreht sich Rach häufig zur Kamera um und zieht für uns Zuschauer ein Resümee – direkt aus der Szene heraus und ohne jeden Schnitt. Das macht er so, als wären die gerade Getadelten gar nicht mehr in der Nähe und könnten dies nicht hören. Beim Theater spricht man da vom Durchbrechen der vierten Wand, also die Ansprache von Zuschauern, während des laufenden Stücks. Ich finde das nicht sehr wertschätzend und würde mich als Teammitglied gegenüber den Fernsehzuschauern zurückgesetzt fühlen. Aber Rach wird ja wohl wissen, was richtig ist, der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel und der Erfolg gibt dem Hamburger vermutlich Recht. Ich würde nur halt nicht gern mit jemandem zusammenarbeiten, der zwischendurch immer mit einer Kamera brabbelt. :-)

    Zurück in die Küche, hier läuft gerade der große Obsterkennungstest. Kiwi, Pfirsich, Papaya, den Rest hat Jennifer vergessen. A propos vergessen: Paul hat seine Messer nicht “am Mann”, was für einen Koch offenbar eine Todsünde darstellt und einen schweren Tadel von Rach nach sich zieht (übrigens ohne anschließende Hinwendung zum Publikum). Während Paul im ganzen Haus vergeblich nach den Schneidewerkzeugen sucht und dabei durch Ungeschick auch ein paar Gläser vom Tisch reißt (zwei Action-Punkte), nimmt sich Rach das Gruppen-Küken Jennifer zur Brust. Warum sie immer so schweigsam sei? Schweigen. Dann wird sie verdonnert, sie solle ihn in den nächsten Tagen durch Leistung überzeugen, sonst… (Rätsel am Rande: Warum siezt er wohl ausgerechnet Jennifer, während alle anderen geduzt werden?)

    Die heutige Folge geht zu Ende mit diversen Katastrophen: Trotz mehrfacher Ansage sind alle Schürzen ungebügelt und dreckig, das geht ja gar nicht. Paul kann seine Messer wohl endgültig abschreiben und leiht sich die von Marco, der ja im Service auch keine Verwendung dafür hat. Um sich bei den Regisseuren als Action-Darsteller beliebt zu machen, wirft Paul später auch noch einen Teller runter, dessen Scherben in das Gemüse fliegen, zum größten Missfallen der Rachschen Hilfssheriffs. Dann hat irgend jemand einen Eimer mit Brühe für den Eimer mit dreckigem Wischwasser gehalten und einen Schwamm hineingeworfen, was Hanno/Frank einen weiteren Anlass für die Aufzählung von Verbalinjurien gibt. Schließlich halten drei der Damen ein Referat über deutsche Weine und verhaspeln sich dabei total in der Geografie. Wo denn die “hessische Bergstraße” sei, unterbricht Rach den Vortrag. Nourddine weiß die Antwort ganz genau: “Das ist in Thüringen!”. Pisa lässt grüßen. :-)

    Rach ist – wie eigentlich am Ende jeder Episode – ziemlich gefrustet, besonders über die ungebügelten Schürzen, und droht für die nächste Folge seinen himmlischen Zorn an, sollte sich das nicht ändern, “ein Mann ein Wort”.

    Ob Rach wirklich durchgreift und tatsächlich einen oder gar mehrere seiner Schüler rauswirft, wage ich zu bezweifeln. Nächste Woche sind wir schlauer. Genauer gesagt nur Ihr, denn ich komme urlaubsbedingt erst in zwei Wochen wieder an die Tastatur und muss den Blog der nächsten Folge leider ausfallen lassen. Bis denne!

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  • Peter Zwegats heutigen Fall will ich mal im Schnelldurchgang abhandeln, nicht nur, weil ich wenig Zeit habe, sondern auch, weil es diesmal wenig zu lästern gibt. Und weil es den Protagonisten schon so schlecht geht, dass man da gar keine Witze mehr drüber reißen mag. Wie der Titel schon vermuten lässt, ist das tatsächlich ein ziemlich bedrückender Fall und der Berliner Schuldnerberater kann sich einmal mehr auch als Sozialarbeiter bewähren.

    Heiko T. hat nämlich das Pech abonniert. Der freundliche Mann aus Oberreuth im malerischen Franken hat mehrere Beziehungen hinter sich, die ihn finanziell und gefühlsmäßig völlig ausgelaugt haben. Seine Ehe ist gescheitert, die nächste Freundin war ein Biest und hat ihm das Leben zur Hölle gemacht, so dass Heiko vor zwei Jahren schließlich schwere Depressionen bekam und in einer psychiatrischen Einrichtung stationär behandelt werden musste. Die acht Monate Verdienstausfall hätten den selbstständigen Malermeister ruiniert – wenn er es nicht schon vorher gewesen wäre. Zuvor hatte er nämlich mit einem Kompagnon eine gemeinsame Firma gegründet. Leider konnte der Partner wohl nicht so gut mit Geld umgehen, hat Heiko erst abgezogen und sich dann verdünnisiert und ihn mit den Schulden allein gelassen.

    Mittlerweile sitzt Heiko auf einem Berg von amtlich durch Zwegat festgestellten 126.400 Euro Schulden, leider mit weiterhin steigender Tendenz. Der Maler arbeitet rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, teilweise bis zu 20 Stunden am Tag, schläft nächtens nur noch 3 Stunden, kommt aber trotzdem gegen die Außenstände nicht an. Heiko bekommt seine Aufträge über ein Internetportal und muss dann oft sehr weit fahren, ist also nur selten Zuhause. Einziger Lichtblick ist die neue Freundin Hildegard W., die er in der Therapie kennen gelernt hat, die aber selbst auch massiv Hilfe braucht, wie wir und Zwegat bald feststellen. Hildegard macht sich zunächst aber größte Sorgen um Heiko, der drauf und dran ist, sich buchstäblich totzuarbeiten.

    Peter Zwegat nimmt die weite Reise von Berlin auf sich und tobt sich dann im schönen Frankenland erst mal an der Flipchart aus. Die Schulden bei diversen Banken (und sogar beim Roten Kreuz!) belaufen sich wie gesagt auf 126.400 Euro. Die Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben offenbart einen monatlichen Fehlbetrag von immerhin nur 44 Euro, allerdings werden längst nicht alle Kreditraten bedient. Am liebsten hätte Heiko einen neuen Kredit, um sämtliche alten Gläubiger auszuzahlen, so dass es anschließend nur noch eine einzige Stelle gibt, der er Geld schuldet.

    Momentan halten bei Heiko alle Gläubiger still, daher kümmert sich Gutmensch Zwegat erst mal um die schwer depressive Hildegard. Die ist zwar eigentlich langfristig krank geschrieben, der Gesundheitsdienst der AOK hat aber nun seinem Namen alle Ehre gemacht und sie kurzerhand für genesen und arbeitsfähig erklärt. Basta! Tatsächlich kann Hilde aber keine Beschäftigung aufnehmen und ihr droht deshalb der Verlust des Arbeitslosengelds. Hartz IV würde sie danach vermutlich wegen des Einkommens ihres Lebensgefährten Heiko nicht bekommen, ein versuchter Rentenantrag wurde zurückgewiesen und so sitzt sie nun ziemlich in der Klemme. Zwegat weiß Rat bzw. wo er Rat bekommt und geht mit Hilde zum VdK, wo man sie nun bei Widerspruch gegen den Rentenbescheid unterstützen will. Danach schleppt er sie zum Tierheim in Lichtenfels, wo er ihr eine (unentgeltliche) Beschäftigung als Hundeausführerin verschafft. Sie darf gleich mal probekuscheln, das gibt ein paar schöne Bilder für die RTL-Kamera.

    Nun aber weiter mit dem eigentlichen Problem, Heikos Schulden: Zwegat telefoniert alle Gläubiger durch und erreicht zunächst nicht viel. Nur bei der Sparkasse in Coburg will man sich eventuell überlegen, Heiko einen neuen Kredit zu geben, damit er alle anderen Schulden abzahlen kann. Der Berliner sieht sich zusammen mit einer Maklerin das Einfamilienhaus an, welches Heiko während seiner Ehe gebaut hat, ihm auch noch gehört und gerade vermietet ist. Das Ding ist bestens in Schuss, liegt sehr verkehrsgünstig und würde dadurch sehr viel mehr einbringen, als von Heiko selbst vermutet. Mit diesen neuen Informationen gelingt es dann tatsächlich, von der Sparkasse den gewünschten Kredit über 100.000 Euro zu bekommen. Bis auf die Schulden bei seinen Eltern und einem Auto-Kredit scheint Heiko damit alle anderen Kredite abzahlen zu können. Monatlich stiegen dadurch die Belastungen zwar noch einmal um 50 Euro, aber dafür sind dann alle Gläubiger befriedigt.

    Zwegat nimmt seinem Klienten das Versprechen ab, zukünftig mehr Aufträge am Ort zu akquirieren und seine Preise leicht zu heben, damit er nicht mehr ganz so viel arbeiten muss und öfter mal bei Hilde in seinem Zuhause ist. Heikos Freund Josef wird dazu verdonnert, dem Maler auch noch einmal ins Gewissen zu reden, damit er kürzer tritt. Mehr kann man nicht machen, Zwegat erklärt den Fall für gelöst und verabschiedet sich aus Oberreuth. In der letzten Szene geht er zu Fuß am Ortsschild vorbei, neuen Taten entgegen.

    Hmmm, wie oben schon gesagt, für einen Lästerblog war diese Story nicht geeignet. Aber man muss ja auch nicht immer jeden und alles niedermachen, hier passte es jedenfalls mal nicht. Vielleicht sieht die Sache ja in der nächsten Woche schon wieder ganz anders aus, hoffen wir mal…

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  • Für Meister Christian Rach kommt es heute Abend dicke, denn seine in der letzten Woche nach medialer Verwertbarkeit zusammengecastete Küchencrew tut nicht so, wie er will. Zwar sehen seine 12 Schüler jetzt mit weißen Kochuniformen einigermaßen manierlich aus, aber bei einem unangekündigten mündlichen Kurztest versagen fast alle kläglich: Die wissen zum größten Teil nicht mal, wie man richtig ein Hühnchen kocht. Rach ist fassungslos. Dabei steht das doch auf Seite 3 der von ihm selbst verfassten Küchenbibel mit dem unsäglich spannungsfreien Titel “Das Kochgesetzbuch – Grundregeln erfolgreichen Kochens“. Das Buch hatte Rach seinen Eleven in der Vorwoche marketingwirksam vor laufender Kamera in die Hand gedrückt und sie eindringlich zum Lesen dieses Machwerks ermahnt. Tja, Pech gehabt, außer Streber Tim weiß keiner die Lösung (kaltes Wasser, Hähnchen rein und dann langsam erwärmen, damit sich die Poren des Vogels öffnen und der Geschmack rauszieht).

    Rach fühlt sich offensichtlich durch die mangelnde Aufmerksamkeit für sein großherzig verschenktes Buch persönlich beleidigt und schaltet um in den Diven-Modus. Nichts kann man ihm mehr Recht machen. Die undürre Rena findet nicht sofort ein Schneidebrettchen und wird deshalb erst mal angeranzt. Marco erzählt nebenbei, und zwar ganz freundlich, er habe früher mal eine Kochlehre angefangen und sei dann nach einem halben Jahr rausgeflogen, daraufhin verhört ihn Rach vor allen Mitschülern aufs Peinlichste, weshalb er denn die Lehre beendet musste. Nourddine macht sich zum Gespött der Gruppe, als er sich binnen weniger Minuten zwei Mal mit dem Messer schneidet und Pflaster benötigt.

    Damit in der Küche überhaupt mal etwas Positives passiert, kochen Christian Rach und seine Koch-Ausbilder Hanno und Frank mal eben eine Portion Nudeln mit Basilikumsauce, Tomaten und Scampi. Das soll dann in zwei Monaten eines der Stammgerichte für das neue Restaurant im Chilehaus werden. Und was die Schüler noch nicht wissen: Morgen kommt ein weiterer unangekündigter Kurztest, sie müssen nämlich alle einzeln unter den Augen des Meisters dieses Gericht vorkochen.

    Aber genug über Küchenkrempel gelabert, nun kommen wir zum heimlichen Mittelpunkt der Sendung, nämlich zum Drumherum. Rach hat ja nicht umsonst nur schwer vermittelbare Restposten des Arbeitsmarktes für seine Sendung gecastet, nun wollen wir unsere Herzen auch etwas an deren Problemen erwärmen. Vorab kommen ein paar Szenen von und mit Jonny. Der hat nämlich heute einen potenziell schicksalsschweren Gang zum Harburger Amtsgericht anzutreten, übrigens nicht sein erster. Sein Anwalt nuschelt (Untertitel!) etwas von Vergehen wie Diebstahl, Einbruch und Drogenbesitz und dass das nun besser werden müsse. Während Jonny mit Bewährung davon kommt, wohl weil er dem Richter etwas von seinem neuen Job bei Rach erzählt hat, geht sein Kumpel für eineinhalb Jahre in den Bau.

    In der Unterkunft der Küchenkinder hat es seit der letzten Woche schon erhebliche Probleme gegeben, nicht ganz unerwartet. Die Jungen machen ordentlich Terz in ihrer Butze, die Polizei war wegen des nächtlichen ruhestörenden Lärms auch schon zu Besuch. Die “Mädchen” beschweren sich vor der Kamera über den vielen Lärm und häufige uneingeladene Besuche der Jungen; insgesamt macht das alles zusammen den Eindruck, als wenn vorpubertierende Fünftklässler ins Schullandheim fahren, zum ersten Mal ohne Mami und Papi. Wartet nur, bis der Rach das mitkriegt, dann Gnade Euch Gott!

    Auch am gestrigen Abend gab es wieder reichlich Anlass zur Einnahme alkoholischer Getränke, denn Jasmina, die mit dem abgefallenen Auspuff, war erkrankungsbedingt etwas verspätet auch in der WG eingezogen. Heute morgen kommt dann das bittere Erwachen, so ziemlich die ganze Bande ist schwer verkatert. Angelika ist mit 45 Jahren bei weitem die Seniorin der Gruppe und hat wegen der Türenknallerei und zahlreicher Herrenbesuche in ihrer Wohnung angeblich gar nicht geschlafen, was in ihrem Alter schon ein erhebliches Problem zu sein scheint. Sie ist schwer vergrätzt und beschwert sich vor dem Fernsehteam über die doofen Jungen. Die wiederum fühlen sich pauschal diffamiert, offenbar haben sie doch mehrheitlich im Bett gelegen und verstehen die Vorwürfe gar nicht (und haben wohl auch Angst vor Rachs Rache). Paul, der Junge aus bestem Hause, der eigentlich sowieso etwas “intellektueller” ist als alle anderen und deswegen wohl auch eine dämliche karierte Mütze tragen muss, macht sich zum Wortführer der Anti-Angelika-Fraktion. Can versucht etwas zu sagen, was ich aber nicht verstehe, vielleicht ist er noch etwas alkoholisiert, jedenfalls fetzen sie sich alle wunderschön und RTL ist mittendrin. Vielleicht sollte man schon mal bei der Supernanny oder Annegret Nobel wegen eines Hausbesuchs vorfühlen?

    Irgendwer muss Christian Rach einen Tipp gegeben haben, denn er ist heute besonders fies zu seinen Schülern. Während sie sich daran machen, das gestern vorgeführte Gericht Nudeln mit Basilikumsauce, Tomaten und Scampi nachzukochen, fährt der Küchenpapst unvermittelt Nourddine an: “Soll ich Dir mal sagen, dass Du Scheiße aussiehst heute?!” Der so Angesprochene stutzt “Warum?” – Rach: “Das weiß ich nicht, ‘warum’!” Dann wendet er sich der nur knapp in ihre Schürze passenden Rena zu: “Man kann so eine Sauce auch tot mixen!”. Gleichzeitig hat er mit seinen trainierten Argusaugen bei Nourddine schon das nächste Küchenvergehen entdeckt, als der gerade mit seinen Tomaten hantiert: “Warum legst Du das in die kalte Pfanne?” – “Wieso, das brutzelt doch.” – “Ne, das brutzelt nicht!” – “Doch, das brutzelt!” . Rach wird wütend, holt mit der bloßen Hand das Gemüse aus Nourddines wohl doch noch nicht so heißen Pfanne und schnauzt ihn an: “Diskutier’ jetzt nicht mit mir, verdammte Scheiße!”.

    Mal ganz ehrlich, trotz aller Antipathie mit den versoffen-disziplinlosen Kochschülern frage ich mich als unbeteiligter Zuschauer schon, woher die mit einem Mal alle kochen können sollen. Allein durch das Einatmen der selben Luft können doch Rachs gastronomische Fähigkeiten nicht auf seine Eleven überspringen. Da scheint es bei Ihnen aber didaktisch noch ein wenig Optimierungspotenzial zu geben, Herr Oberrestaurantlehrer.

    Und Rach kommt gerade erst so richtig in Fahrt. Rena kriegt im Vorbeigehen einen Anschiss, weil sie nach einer halben Stunde als Letzte noch immer an ihren Scampis herumdoktort. Dann werden die namentlich gekennzeichneten Teller vom Meister einzeln seziert. Hier sind die Krebse noch zu roh, dort fehlt die Sauce, auf dem nächsten Teller ist hingegen zu viel Sauce und Rena hat vor Aufregung das Würzen vergessen. Marco ist recht selbstkritisch: “Totale Scheiße, ich hab das voll verkackt.” Rach stimmt zu und erlaubt ihm großzügig, seinen heutigen Beitrag direkt in die Tonne zu entsorgen. Der Geschmackstest verläuft eher unbefriedigend und Rach zeigt sich ziemlich miesepetrig: “Ihr könnt das von mir aus aufessen oder wegwerfen, ist mir egal, aber in vier Minuten ist die Küche sauber!”. Und als dann keine Antwort kommt, platzt ihm der Kragen: “»JAWOLL, CHEF!« HEISST DAS!!!” Damit hat er sein akustisches Tagessoll erreicht und lässt es für heute gut sein. Feierabend.

    Dem nächsten Morgen scheint wieder eine anstrengende Nacht vorausgegangen zu sein, die ihre Opfer fordert: Von den ursprünglich mal zwölf Kochpraktikanten kommen gerade noch vier pünktlich (um zehn Uhr!) im Chilehaus an, der Rest folgt ein paar Minuten zu spät und präsentiert als blöde Ausrede nur, dass man den Busfahrplan falsch gelesen habe. Er, der Meister, ist noch nicht da, aber die beiden Hilfsrachs (Hanno und Frank) stellen unter Beweis, dass sie bei ihrem Chef auch die Inszenierung cholerischer Anfälle gelernt haben und ihn in dieser Hinsicht gut vertreten können. Abwechselnd brüllen sie die verdatterten Schüler an: “Erst in der zweiten Woche und Ihr kommt schon zu spät! Es ist zehn Uhr, mitten am Tag, normalerweise haben wir um  diese Zeit schon 15 Kriege gewonnen oder verloren!!!” Keine Ahnung, was dieser letzte Spruch sollte, aber bei Leuten, die den ganzen Tag mit den Köpfen im Küchendunst hängen, sollte man vielleicht nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Und Mikrowellen sind ja auch nicht ganz ungefährlich, sagt man. “Mit den vier kochen wir gleich, die anderen können ja den Fahrplan abschreiben, fünftausend Mal, oder so!!!”, poltert der Vizechef noch, verliert die Fassung vollends und schmeißt die Tür hinter sich zu.

    Als Strafarbeit müssen die Zuspätkommer nun die Kippen vom Kopfsteinpflaster vor dem Chilehaus aufsammeln. Christian Rach erscheint auf der Straße und zeigt sich verwundert, erkundigt sich scheinheilig nach dem Grund für ihr Tun (als wenn er das Drehbuch nicht gelesen hätte). Er versammelt drinnen seine weiß beschürzten Schüler um sich und warnt sie noch einmal dringend, den Job nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Und wer gestern sein Probeessen “verhauen” habe, müsse es heute noch einmal kochen. Das ist Marcos zweite Chance, aber wieder verzettelt er sich mit seinem toten Krebsgetier. Als die von Rach gesetzte Zeit zu Ende geht, zählt der dicke Tim höhnisch aus dem Hintergrund laut die restlichen Sekunden. “Halt die Schnauze jetzt, Du machst ihn doch verrückt!”, fährt Rach ihn völlig zu Recht an. Das nennt man wohl Kameradenschwein.

    Rach hat aber auch wieder ein paar neue Ideen ausgebrütet: Mit vereinten Kräften hauen sie eine Zwischenwand weg und vergrößern die Küche damit erheblich. Überall wird gehämmert, gefegt und gewienert, dazu passt Rachs Weisheit des Tages: “30 Prozent der Arbeitszeit in der Gastronomie entfällt auf das Putzen.” Zwischenzeitlich kommt Jonny mit seinem Besen bei Rach vorbei und sagt einfach nur, dass er gerade glücklich sei. Papi ist leicht perplex, freut sich aber wohl über den Erfolg seiner Politik, hart aber herzlich. Die Freude währt nicht lange, denn gleich im nächsten Raum sitzt Rena zusammengesunken auf einem Tisch und heult. In einer sehr durchsichtig inszenierten Szene lässt sie ihr Schluchzen von der neuen besten Freundin Jennifer für die Außenwelt übersetzen. Demnach tun Rena die Füße weh, sie muss pausieren, hat aber nun Angst, dass die Gruppe sie deswegen als Faulpelz disst. Christian Rach, immer umschwebt vom Hauch des Göttlichen, scheint in einer Sekundärbegabung auch noch Orthopäde mit Röntgenblick zu sein, erkennt durch pures Ansehen, dass Rena neue Schuhe braucht, gibt ihr Geld dafür und schickt sie zum nächsten Schuhladen. Parallel verordnet er ihr eine Diät, ihre Figur sei doch etwas arg kräftig. Ob sie damit – wie gewünscht – im Service arbeiten könne, bezweifelt er. Freundin Jennifer hat auch nicht gerade das, was man eine Wespentaille nennt, um mal sehr freundlich zu bleiben, und wird von Rach ebenfalls zur Diät verdonnert. Wo sie denn arbeiten wolle… soso, in der Küche, ob sie dafür aber schnell genug sei, daran habe er noch Zweifel. (Dramatische Musik im Hintergrund)

    Am Ende der heutigen Folge stellt sich allgemeines Schwächeln ein, Rena hat’s mit den Füßen, bei Jennifer ist die Nase geschwollen und sie kriegt keine Luft, aber den Vogel schießt Collin ab, der ja bisher noch gar nicht nennenswert in Erscheinung getreten ist: Er kommt am letzten Tag nicht zum Dienst, ruft auch nicht an und hat ganz offenbar die letzte Nacht nicht in seiner WG verbracht. Rach ist stinkesauer, droht vor versammelter Mannschaft, den werdenden Vater rauszuwerfen, sollte der keinen triftigen Grund für sein Fernbleiben präsentieren. Als Collin dann später doch noch – einigermaßen derangiert – eintrifft, bittet ihn Rach flugs zu einem Gespräch “unter vier Augen”, natürlich plus Kamera. Collin zeigt sich völlig zerknirscht: Seine Ex-Freundin, die werdende Mami, habe ihm gestern schon mal per SMS pränatal angekündigt, dass er sein Kind niemals sehen werde. Daraufhin habe er sich besoffen, aber heute Morgen sei ihm plötzlich klar geworden, dass Alkohol ja keine Lösung sei und das werde niemals wieder vorkommen, Hand drauf. Rach schlägt ein, droht aber, damit sei der Kredit verspielt, beim nächsten Patzer fliege Collin hochkant aus dem “Experiment”.

    Ob Collin wieder trinkt, Jonny weiter glücklich ist, Paul arrogant bleibt, Marco endlich essbar kocht, Rena neue Einlagen bekommt, Jennifer auch ohne Nasenatmung auskommt, sich sonstige neue Wehwehchen bei den Schülern einstellen, ob sie zukünftig den Hamburger Busfahrplan und die WG-Hausordnung beherrschen, das alles sehen wir nächsten Montag in der dritten Folge von Rachs Rasselbande hier auf RTL.

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