Hallo zusammen, liebe Freunde des gastro-pädagogischen Fremdschämens,
schon wieder ist eine Woche verflogen und aus den Tiefen des RTL-Programmuniversums strahlt uns eine neue Folge mit Onkel Chrischans Gastronovizen entgegen.
Der optimistische Schwung, der Christian Rach beim Hören seiner eigenen Titelmelodie immer ergreift, verfliegt diesmal im Nu. Renas Quadratlatschen machen weiter Probleme und jetzt muss sie heute auch noch ein weiteres Mal zum Orthopäden. Warum denn das, fragt Rach sie vor der versammelten Mannschaft und ist mit der Antwort noch unzufriedener: Sie habe beim ersten Arztbesuch das Geld für die Praxisgebühr nicht dabei gehabt und müsse das nun noch nachliefern. Dem Gastropapst schwillt schon hier bedenklich die Stirnader, da erfährt er (keine Ahnung, von wem eigentlich) ein weiteres Desaster: Nicht alle seine Schäflein haben nämlich das letzte Wochenende im Sinne des Meisters genutzt, die Ultracoolies Jonny und Nourddine ließen sich beim Schwarzfahren in der S-Bahn erwischen und haben dort nun für die nächsten zwei Jahre “Hausverbot”. Jonny, der ja in der letzten Folge man so gerade eben dem Knast von der Schippe gesprungen war, ist auf Bewährung und sollte sich echt vorsehen, sonst hat sein nächster Arbeitsplatz vergitterte Fenster.
Damit nicht genug, macht jetzt auch noch die Location Probleme, denn in der Küche seines neuen Restaurants im Hamburger Chilehaus sitzen die Handwerker und zwingen Christian Rach zur Improvisation: Er lässt sich nicht lumpen und fährt mit der ganzen Bande für zwei Tage auf die Ostseeinsel Fehmarn. Von hier tuckern die angehenden Weißkittel mit einem Fischkutter auf kleine Fahrt und erleben dabei sozusagen aus erster Hand, wie gerade eben noch glückliche, quicklebendige Fischlein zu Futter für die Homo Sapiens werden. Rach versucht seinen Eleven darüber klar zu machen, dass sie die Tiere wertschätzen sollen, die sie später zu Essen verarbeiten, damit die nicht “umsonst” gestorben sind, wie er sich ausdrückt.
Wieder daheim an der Elbe kommt der nächste Ärger: Der Vermieter der drei RRS-Wohngemeinschaften hat sich über den vielen Lärm in seinem Haus beschwert. Rach platzt endgültig der Kragen “ich verstehe das nicht, diesen Kinderscheiß” und er beschließt, durchzugreifen. Er teilt seine Schüler in zwei Gruppen à sechs Personen auf, die halbwegs Begabten dürfen in die Küche und die Deppen müssen in den Service. Zu Letzteren gehören Rena, Marco, Jennifer, Jasmina, Nina und Jonny.
In der Küche sollen nun die von Fehmarn mitgebrachten frischen Fische filetiert werden. Das wird ein Gemetzel und das Ergebnis könnte man höchstens noch mit Fisch-Nuggets umschreiben. Bei dieser Gelegenheit mischen auch die stets gniesgnaddelig wirkenden Nebenausbilder Hanno und Frank wieder mit. Nourddine kriegt dabei den ersten Anraunzer “Ey, hast Du gestern gesoffen? Du hast ‘ne gute Fahne!”. Der Angesprochene errötet blitzschnell – wie gut, dass Rach gerade nicht im Raum ist…
Der kümmert sich nämlich um die andere Hälfte seiner Gruppe, die Service-Menschen. Zunächst kriegt Rena die Aufgabe, für sich einen Ernährungs- und Bewegungsplan aufzustellen, damit sie von ihren olympischen Maßen wegkommt. (Wir erinnern uns, die Gute neigt etwas zur Moppeligkeit: 135 Kilo bei 175 cm.) Rach verordnet ihr zunächst, in der nächsten halben Stunde zehn Mal mit vollem Tablett die Treppe vom Erdgeschoss in den oberen Gästeraum und retour zu gehen. Er setzt sich dazu oben gemütlich an einen Tisch, spielt Gast und bringt damit auch noch Renas kleine grauen Zellen zum Schwitzen: Er wolle einen Kaffee trinken, was sie denn da so für eine Auswahl habe? Stotternd und errötend deklamiert sie ein paar der Angebote, kichert mal und zuckt dann wieder die Schultern, ist das absolute Gegenteil von souverän. Nach einer Weile schleppt sie dann schweißtriefend das Tablett mit dem bestellten Bohnentrunk die Treppe hoch, wird aber vom Meister gleich wieder zurückgeschickt: Der Kaffee befindet sich höchstens noch zur Hälfte in der Tasse, der Rest schwappt als kleiner See auf der Untertasse und verziert ansonsten das Tablett. “Dabei hatte ich das eben schon einmal komplett trocken gemacht!”, wundert sich die wuchtige Service-Schülerin, steigt aber folgsam die Treppe wieder hinunter. In der Küche angekommen erklärt sie in die Kamera “Als Schikane sehe ich das nicht, ich bin nun mal kompulenter.” (sic!) Rach ist bedient, der Nächste bitte!
Das ist Marco. Der sympathische Berliner soll den “Gast” Christian Rach mal bei der Salatwahl beraten. Nach kurzem Zögern fällt ihm immerhin der “Salat mit Nuss-Vinaigrette und geräuchertem Lachs” ein, den Preis dafür hat er allerdings nicht parat und legt sich nach einigem Zögern unerklärlicherweise auf 3,50 Euro fest. Rach grinst schief, bei dem Preis käme er gleich mit allen seinen Freunden vorbei, Marco solle schon mal 35 Portionen machen.
Rach muss nun in sein eigenes Restaurant und überlässt die Züchtigung seiner Schüler für heute den Hilfsausbildern. Die scheinen nur auf eine Gelegenheit für neue Wutausbrüche zu warten und werden auch nicht enttäuscht: Paul stellt einen heißen Topf auf ein Plastikbrett, was ihm angeblich vorher schon verboten worden war, nur hatte er wohl gerade nicht zugehört und betrachtet sich als unschuldig. Der bärtige Hilfskoch – keine Ahnung, ob das nun Frank oder Hanno ist – produziert einen sehenswerten Zornesausbruch, der in den gebrüllten Worten kulminiert “Man muss nicht zu allem einen Kommentar geben, man kann einfach mal die Schnauze halten und sagen: Ja, sorry, war’n Fehler. Diese Scheiß-Diskutiererei, echt! Jeder hat immer noch’n schlauen Spruch hinterher, super!!!” (Zitat ohne Gewähr, Hanno/Frank ist nämlich nicht nur ein großer Freund der Cholerik, sondern auch des Nuschelns und Silbenverschluckens.)
Übrigens kommt in der nächsten Szene die Namenseinblendung: Das Vulkantemperament nennt sich im echten Leben Frank Bertram. Und er brodelt auch gleich weiter, als die sechs Service-Leute sich in der Küche die falschen, teilweise leeren (!) Teller schnappen und in den Gastraum schleppen. Auf einer Skala von 1 bis 10 seien sie erst bei 0,5 – aber damit sei ja nach oben noch alles offen, gibt er sich später im Interview verblüffend hoffnungsvoll.
Als nächsten Programmpunkt haben die Drehbuchautoren mangels anderweitiger Action ein paar Labaluba-Einheiten zum Füllen der Sendezeit eingefügt: Christian Rach bestellt sich seine Problemkinder nacheinander zur Individualvergatterung in den leeren Gästeraum. Mit Nourddine fängt er an, der sei momentan sein schlimmster Wackelkandidat, behauptet er. Vermutlich ist er noch stinkig wegen der S-Bahn-Geschichte. Der 18jährige solle mehr tun, seine locker-flockige Art reiche nicht für den Job. Ab, Nächster!
Das ist Can. Der halte sich viel zu sehr im Hintergrund, meint Rach und denkt dabei bestimmt auch etwas an seine Quoten. Can ist in dieser Hinsicht echt eine Enttäuschung, er stellt keine heißen Töpfe auf Plastikunterlagen, fährt nicht schwarz (lässt sich jedenfalls nicht erwischen), verkauft keine Salate für 3 Euro 50 und hat auch keine Probleme mit seinem Schuhwerk. Aber Can ist schlau und sagt genau das, was Rach hören will, nämlich dass er momentan noch zu unsicher sei und lieber beobachte, wie göttlich er (Rach ist gemeint) und seine Crew Essen kochten, wie toll sie mit den Zutaten umgingen, das sei für ihn “wie reiner, purer Sex”. Dem Gastropapst sind in seinem Leben sicherlich schon viele Komplimente gemacht worden, aber kaum einer dürfte sich dabei dermaßen schamlos eingeschleimt haben, wie Can. Völlig benommen grinsend schickt er den Schüler wieder raus und doziert in die Kamera: “Das ist die Einstellung, die ich brauche, der brennt und das ist gut so.”
Nun geht er zu Tim, der im Knast nicht nur in die Breite, sondern auch in die Koch-Lehre ging. Der Typ ist für Rach noch immer etwas undurchschaubar, hat so einen komisch-ironischen Blick von schräg oben. Er kriegt die Order: “Führe! Gib den anderen Motivation, aber auch mal ‘nen Arschtritt!”
Die Sitzung mit Rena fördert wenig Sensationelles zutage, sie ist gegenüber dem Job erkennbar positiv eingestellt und wird nur noch einmal darin bestärkt, auch weiter an sich selbst (also z.B. am Abschmelzen überflüssiger Kilos) zu arbeiten. Ob sie denn die Praxisgebühr für den Orthopäden bezahlt habe, mimt Rach den Sozialarbeiter. “Sensationell” lautet sein sarkastischer Kommentar, als sie bejaht.
Übrigens finde ich eine Angewohnheit von Christian Rach ziemlich widerlich: Am Ende solcher Szenen, wie den gerade erlebten, die für die Beteiligten bestimmt sehr unangenehm sind, dreht sich Rach häufig zur Kamera um und zieht für uns Zuschauer ein Resümee – direkt aus der Szene heraus und ohne jeden Schnitt. Das macht er so, als wären die gerade Getadelten gar nicht mehr in der Nähe und könnten dies nicht hören. Beim Theater spricht man da vom Durchbrechen der vierten Wand, also die Ansprache von Zuschauern, während des laufenden Stücks. Ich finde das nicht sehr wertschätzend und würde mich als Teammitglied gegenüber den Fernsehzuschauern zurückgesetzt fühlen. Aber Rach wird ja wohl wissen, was richtig ist, der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel und der Erfolg gibt dem Hamburger vermutlich Recht. Ich würde nur halt nicht gern mit jemandem zusammenarbeiten, der zwischendurch immer mit einer Kamera brabbelt.
Zurück in die Küche, hier läuft gerade der große Obsterkennungstest. Kiwi, Pfirsich, Papaya, den Rest hat Jennifer vergessen. A propos vergessen: Paul hat seine Messer nicht “am Mann”, was für einen Koch offenbar eine Todsünde darstellt und einen schweren Tadel von Rach nach sich zieht (übrigens ohne anschließende Hinwendung zum Publikum). Während Paul im ganzen Haus vergeblich nach den Schneidewerkzeugen sucht und dabei durch Ungeschick auch ein paar Gläser vom Tisch reißt (zwei Action-Punkte), nimmt sich Rach das Gruppen-Küken Jennifer zur Brust. Warum sie immer so schweigsam sei? Schweigen. Dann wird sie verdonnert, sie solle ihn in den nächsten Tagen durch Leistung überzeugen, sonst… (Rätsel am Rande: Warum siezt er wohl ausgerechnet Jennifer, während alle anderen geduzt werden?)
Die heutige Folge geht zu Ende mit diversen Katastrophen: Trotz mehrfacher Ansage sind alle Schürzen ungebügelt und dreckig, das geht ja gar nicht. Paul kann seine Messer wohl endgültig abschreiben und leiht sich die von Marco, der ja im Service auch keine Verwendung dafür hat. Um sich bei den Regisseuren als Action-Darsteller beliebt zu machen, wirft Paul später auch noch einen Teller runter, dessen Scherben in das Gemüse fliegen, zum größten Missfallen der Rachschen Hilfssheriffs. Dann hat irgend jemand einen Eimer mit Brühe für den Eimer mit dreckigem Wischwasser gehalten und einen Schwamm hineingeworfen, was Hanno/Frank einen weiteren Anlass für die Aufzählung von Verbalinjurien gibt. Schließlich halten drei der Damen ein Referat über deutsche Weine und verhaspeln sich dabei total in der Geografie. Wo denn die “hessische Bergstraße” sei, unterbricht Rach den Vortrag. Nourddine weiß die Antwort ganz genau: “Das ist in Thüringen!”. Pisa lässt grüßen.
Rach ist – wie eigentlich am Ende jeder Episode – ziemlich gefrustet, besonders über die ungebügelten Schürzen, und droht für die nächste Folge seinen himmlischen Zorn an, sollte sich das nicht ändern, “ein Mann ein Wort”.
Ob Rach wirklich durchgreift und tatsächlich einen oder gar mehrere seiner Schüler rauswirft, wage ich zu bezweifeln. Nächste Woche sind wir schlauer. Genauer gesagt nur Ihr, denn ich komme urlaubsbedingt erst in zwei Wochen wieder an die Tastatur und muss den Blog der nächsten Folge leider ausfallen lassen. Bis denne!