Hi Leute,
heute startet Gastropapst Christian Rach mit einem neuen Format in den Fernsehherbst: In “Rachs Restaurantschule” zeigt der Gutmensch aus Hamburg einem Dutzend Menschen ohne Job oder ohne Ausbildung, wo im Restaurant der Hammer hängt. Wenn sie sich gut anstellen, sind vielleicht ein festes Arbeitsverhältnis oder ein Ausbildungsvertrag drin, wenn nicht, bleiben immerhin die 15 Minuten Berühmtsein, auf die lt. Andy Warhol jeder Mensch ein Anrecht hat. Muss ja nicht unbedingt positive Berühmtheit sein, vollständiges Blamieren kann schließlich auch bekannt machen…
Die Sache startet im Chilehaus in Hamburg. Hier will Rach innerhalb von 2 Monaten aus dem Nichts ein Restaurant aufbauen – nur mit seinem überragenden Talent und 12 Lernwilligen, um die der Erfolg bisher eine Kurve gemacht hat. Zunächst castet der Meisterkoch aus hunderten von Bewerbern seine neue Küchencrew zusammen. Während er die Bewerbungsmappen durchblättert, erfahren wir die wichtigsten Facts:
Angelika ist die Seniorin der Gruppe und hat mit ihren 44 Jahren schon drei Ausbildungen hinter sich, das war aber wohl alles nichts und sie lebt von Hartz IV. Zuhause beschäftigt sie sich vorrangig mit der Aufzucht von Plüschbären.
Tim war drei Jahre im Urlaub auf Staatskosten in Vechta und hat dort im Knast eine Kochausbildung gemacht, findet aber keinen Job. Mal sehen, wenn es hier nichts wird, kann er es mit seiner Vita bestimmt noch mal bei DSDS versuchen…
Nina (19) hat zwar noch keine Ausbildung, aber dafür schon ein eineinhalbjähriges Kind – und damit wiederum keine Zeit mehr für eine Ausbildung. Trotzdem legt sie gesteigerten Wert auf ihr Äußeres und erinnert mich auch sonst sehr an Kim Debkowski aus der letzten DSDS-Staffel.
Rena “hat vieles probiert” (unfreiwilliger Joke!), findet aber “aufgrund ihrer Körperlichkeit” keine Anstellung, soll heißen: Sie ist ziemlich mollig geraten, passt mit 135 Kilogramm bei 175cm Größe vom Format her zwar gut in einen 16:9-Fernseher, aber schlecht in eine Küche – jedenfalls bisher. Nach meinen Trash-TV-Erfahrungen würde ich Rena ohne zu zögern in die Schublade “Nervensägen ab hundert Dezibel” einordnen. Die kriegt im Verlauf der Serie bestimmt noch einen Wutanfall und wird dann seeeeehr laut.
Das blonde Bauernkind Jasmina arbeitet seit 5 Jahren als Aushilfe in der Gastronomie und möchte den Job jetzt mal richtig von der Pike auf lernen. Typmäßig wäre auch sie gut bei DSDS aufgehoben, mit ihrer positiven Ausstrahlung käme sie garantiert in den Recall.
Gymnasiast Paul hält sich für ziemlich intellektuell, kommt aus “sehr gutem Elternhaus”, hat aber die Schule abgebrochen. Aus irgend einem Grund glaubt er, der geborene Küchenmeister zu sein und will später – ganz bescheiden – sogar ein eigenes Restaurant führen. Die Figur dafür hat er jedenfalls schon…
Rapper Nourddine ist eigentlich zu cool für diese Welt, hat die Hauptschule abgebrochen und kann nichts außer Musik. Warum er dann ausgerechnet in dieser Sendung auftaucht, bleibt das Geheimnis der Drehbuchschreiber.
Der Berliner Marco wittert nach über 100 vergeblichen Bewerbungen eine Chance an der Waterkant, ist aber ansonsten zunächst noch ziemlich still.
Küken Jennifer (17) möchte unbedingt Köchin werden, aber Rach hält sie für zu jung und darum darf sie natürlich gern in der Sendung mitspielen.
Can kocht für sein Leben gern und weil Rach gern einen Kandidaten “mit Migrationshintergrund” dabei haben möchte, gehört er ab heute in den RTL-Montag.
Jonny war schon früher Lehrling im Chilehaus, hat bei der Polizei trotz jugendlichen Alters schon eine ansehnliche Akte und das befähigt ihn lt. Drehbuch heftigst zur Teilnahme an Rachs Restaurantschule.
Der 28jährige Collin bekommt sogar einen eigenen Einspieler, so bunt ist sein verpfuschtes Leben. Gerade ist er bei seiner schwangeren Freundin rausgeflogen, vagabundiert nun auf der Suche nach einem Schlafplatz über die Reeperbahn und berichtet währenddessen dem Fernsehteam in schwer verständlichen Worten (Untertitel!) von seinem freudlosen Alltag.
Zunächst müssen sich die 11 (Jasmina fehlt anfangs) bei Rach in seinem Hauptrestaurant, dem Tafelhaus an der Elbe, vorstellen und zwei Probetage überstehen. Dort gibt es gleich die erste Aufgabe, nämlich Warenkunde. Ein Haufen Grünzeugs wird den Neulingen im Rohzustand (als Pflanze im Topf) präsentiert und durch Riechen, Schmecken und Fühlen sollen sie herausbekommen, worum es sich handelt. Danach geht es weiter mit Fisch, der tot, aber namenlos vor den Kandidaten liegt und bestimmt werden soll. Und wem das noch zu leicht war, der kriegt jetzt auch noch rohes Fleisch und muss das zugehörige Tier raten. Das ist wieder DIE Gelegenheit für den Meister, die Hände über dem Kopf zusammen zu schlagen, denn die meisten Ergebnisse sind Kokolores.
Rach ist in seinem Element und ordnet nun ein Diktat, einen kleinen Mathetest und eine Prüfung des Allgemeinwissens an. Bei Marco führt die vermeintlich leichte Frage “An welchem Fluss liegt Frankfurt am Main?” zu ratlosem Kopfkratzen und der traurigen Antwort “Elbe”, was Can dann auch noch schadenfroh in die Kamera posaunt. Da fragt man sich natürlich insgeheim, wie solch ein Kandidat es überhaupt unbeschadet von Berlin nach Hamburg schaffen konnte, normalerweise dürfte der ja nicht mal allein zum Einkaufen gehen.
Als der erste Tag schon fast gelaufen ist, kommt Jasmina doch noch in die Tür: Ihr sei auf dem Weg von Sachen-Anhalt nach Hamburg der Auspuff abgefallen, aber nun sei sie ja trotzdem da, hallo zusammen. Rach ist sichtlich angepisst, hält den Ball für seine Verhältnisse aber noch flach und droht der permanent grinsenden Blondine nur, er werde sich bis morgen noch überlegen, ob er das durchgehen lassen könne. Nach einem abschließenden gemeinsamen Eisessen sind die nunmehr 12 Schüler für den Tag entlassen und können sich bis morgen erholen.
Der zweite Tag beginnt, Jasmina darf natürlich bleiben. Heute geht es gleich in die Küche vom Tafelhaus. Hier müssen die Schüler nun ihre Gaumen testen, es gilt, die vier Grundgeschmacksrichtungen zu erkennen: süß, salzig, sauer und bitter. Für Rena wird es gleich doppelt bitter, denn sie sträubt sich, die vier Häppchen auf ihrem Teller zu probieren und weckt damit Rachs Zorn. Sie sei falsch in dieser Veranstaltung, wenn sie das nicht mal könne, wird ihr attestiert. Danach müssen Rot- und Weißwein unterschieden werden, serviert in dunklen, undurchsichtigen Gläsern. Gar nicht mal so einfach. In der Küche geht der Stress dann weiter, hier werden heute Pfannkuchen hergestellt mit allem, was dazugehört: Teig anrühren, Zwiebeln schneiden und anbraten. Rena ignoriert den Tipp vom Küchenausbilder Frank, durch den Mund zu atmen, atmet stattdessen wie gewohnt durch die Nase und heult plötzlich. Ja, sie könne nunmal nicht durch den Mund atmen, behauptet die Schülerin mit der Rubensfigur.
Dann kochen sie sich alle zusammen ihr heutiges Mittagessen: Brathähnchen. Paul und Collin wollen beim Zerteilen der Vögel glänzen, scheinen dabei aber eher Hackfleisch zu produzieren. Auch Angelika versucht bei dieser Gelegenheit, Rach für sich einzunehmen: Sie zieht eine Tupperdose mit medizinisch aussehendem Inhalt aus ihrem Rucksack, behauptet, das sei ihr Lieblingsgericht Fischsuppe und überreicht das ganze dem leicht angeekelt wirkenden Küchenchef als Geschenk. Upps, äh, danke, wie alt das denn sei und ob sie das auch immer gut gekühlt habe, fragt er, wohl sehr um seine Gesundheit besorgt. Aha, naja, dann wolle er das nachher gleich mal probieren, gibt sich Rach vorsichtig. Ich wette, die graue Glibberbrühe findet sich spätestens in 5 Minuten in der Hamburger Kanalisation wieder. Und siehe da: Ein paar Szenen später öffnet er die Dose hinten in der Küche wie ein Bombenentschärfer einen gefährlichen Blindgänger, hält kurz sein wertvolles Riechorgan in Richtung Fischsuppe, zuckt entsetzt zurück und verkündet: “Das stinkt, das werde ich NICHT essen.” (Angelika zeigt sich nachher einigermaßen beleidigt von des Meisters Urteil.)
Während nun alles anfängt zu mümmeln, zieht Rach eine erste Zwischenbilanz: Seine Schüler sollten alle viel mehr Gas geben, er will “Feuer” sehen, wer das nicht könne, solle sich lieber etwas anderes vornehmen. Daraus wird ein allgemeines Gesinnungsgespräch, alle bekennen sich zu dem gesteckten Ziel. Can verspricht, sein Leben werde sich um 360° ändern… womit er dann ja wieder dort wäre, wo er anfing! Rena ist unzufrieden mit sich, aber Papa Rach baut sie auf, hat gemerkt, dass sie ihre Piercings abgenommen hat und wertet das als gutes Zeichen für ihren Veränderungswillen. Nachdem auch der Rest der Truppe verbal die Hosen heruntergelassen hat, verkündet Rach seine Entscheidung: Alle 12 haben die Probetage überstanden und dürfen nun in den nächsten 2 Monaten um eine Festanstellung bzw. einen Ausbildungsplatz kämpfen. Als kleine Hausaufgabe verteilt der Gastropapst nun sein eigenes Buch; das sollen alle in den nächsten zwei Tagen durchlesen.
Der Ernst des Lebens beginnt mit einem ersten Besuch in der zukünftigen Wirkungsstätte im Chilehaus. Das zuvor dort bestehende Restaurant “Weinhexe” wurde aufgegeben und steht seit einiger Zeit leer. Die Einrichtung ist völlig versifft und verstaubt, das sieht nach einem Arsch voll Arbeit aus für die 12 Schüler. Rach freut sich offensichtlich, dass seine Eleven es nicht allzu einfach haben werden. Einen weiteren Dämpfer verpasst er der Bande in der nächsten Szene, denn jetzt beziehen sie ihre gemeinsame Unterkunft (“gemeinsam” heißt natürlich nicht, dass auch Rach dort einzieht, logo). Vom Fernsehen werden zwei 5er- und eine 2er-Wohnung gestellt, die Aufteilung müssen die Schüler selbst organisieren, was ihnen nach einigem Hin und Her auch gelingt. Die neuen “dicken” (kein Kommentar) Freunde Tim und Paul teilen sich dabei die begehrte 2er-Wohnung. Rach macht klar, dass das hinterher genau so aussehen muss, wie jetzt am Anfang. Mal sehen, ich ahne Schlimmes, als die ersten Jungs auf dem Balkon erscheinen und mit lautem Grölen ihr neues Revier markieren. Aber noch viel schlimmer: Die 44jährige Angelika schleppt beim Einzug wie selbstverständlich ihr fast lebensgroßes Stoffpony hinter sich die Treppe hinauf, ohne das sie nach eigenen Angaben nicht schlafen kann. Nach dem Fischsuppenattentat ist das schon der zweite Negativpunkt auf ihrem Konto und ein echter Moment zum Fremdschämen.
Am letzten Tag dieser Folge beginnt das große Aufräumen im Restaurant im Chilehaus. Schnell machen unsere Jungköche Bekanntschaft mit der norddeutschen Tierwelt, z.B. mit Spinnen und Kakerlaken, allerdings toten. Es folgt ein gemeinsames Nudelessen, dessen Zutaten die Pferdefreundin Angelika und Ex-Knacki Tim aus dem nahen Supermarkt besorgt haben. Rach weigert sich, die Tiefkühlkräuter auch nur anzusehen, der eingeschweißte Gouda wird ebenfalls heftig kritisiert. Die Tischmanieren der Anwesenden geben ebenfalls Anlass zur Beschwerde und eröffnen dem Meister für die nächsten Wochen ein weites Betätigungsfeld.
Ach, was hat er sich doch für eine übermenschliche Aufgabe ausgesucht, der Gute…
Aber Mitleid durch die Fernsehzuschauer ist nicht angebracht, der Mann wird dafür bezahlt. Und außerdem wissen wir aus seinen vorherigen Sendungen, dass er die Herausforderungen liebt: Wenn es einen Menschen gibt im Universum, der das schaffen kann, dann ist das Christian Rach! In diesem Sinne freuen wir uns also auf die nächste Woche.





