• Michaela Helmecke (17) aus Hamburg ist ein versoffenes und vor allem faules Prinzesschen, wie ich finde. Ihr Lebensinhalt besteht darin, die Schule zu schwänzen und stattdessen ein Bierchen zu trinken. Tino Feldkamp (17) aus Köln ist ein stolzer Assi, wie er selbst sagt. Sein Leben: Kiffen, Trinken, Geldabziehen – das ist ja glatt schlimmer als bei Michaela.
    Bis auf die Pfunde auf den Hüften haben die beiden aber eins gemeinsam: – ihre Mütter schicken sie (unter dem Vorwand eines Partyurlaubs) zu den strengsten Eltern der Welt nach Rumänien.
    Die Carloantas betreiben einen Bergbauernhof in den Karpaten wie vor 100 Jahren. Ihr Erziehungskonzept: Liebe, Geduld und Strenge. Hoffentlich bringen Sie unsere Chaos-Teenager auf den rechten Pfad.

    Tja, den Partyurlaub haben sich die beiden irgendwie anders vorgestellt (wie doof muss man auch sein um auf so einen Trick rein zufallen). Stattdessen finden sich die beiden in mitten der Einöde wieder und finden das, wie sie selbst sagen, “Scheiße!” (Oh, Mann, die Jugend von heute sagt auch zu allem “Scheiße!”).

    Für Tino wird es noch schlimmer. als er sieh,t dass die Gastmutter Lucretia ein Kopftuch trägt – ist sie wohl möglich eine Türkin – so eine Muslima? – Tino befürchtet Schlimmstes…
    Dumitru, der Gastvater, ist von Tino auch nicht so begeistert. Der tut auf harten Kerl aber wir sollen keine Sorgen haben – das harte Leben hier wird ihn schon brechen, meint Dumitru.
    Noch schlimmer fällt Lucretias Urteil über Michaela aus – die sei ja fett und penetrant geschminkt – gibt sie vor der Kamera zu besten. Finde ich übrigens auch ;-)

    Nach der lange Reise drückt natürlich bei beiden die Blase und Zeit für eine Dusche wäre ja auch mal. Die Gasteltern zeigen Ihnen natürlich liebend gerne den Weg zur Dusche und zur Toilette. Dabei handelt es sich um einen Wassereimer und ein Plumpsklo – was die beiden Terror-Kids aber noch nicht wissen.
    Dass irgendwas faul ist, hätten die beiden eigentlich schon merken müssen, als sie der Weg in den Viehstall führt. Kühe und Pferden drängen sich dort und lassen einfach unter sich auf den Boden. Tino und Michaela halten sich die Nase zu, aber bei Tino reicht das nicht, er bekommt fast einen Brechanfall. Und dann noch das – die Gasteltern erklären, dass die beiden hier demnächst arbeiten sollen – beide verweigern sich mit den Worten: “Wir sind Stadtkinder und kommen nicht vom Bauernhof.”
    Tino, das vollschlanke Kind, hat übrigens – außer um sich die Nase zu zu halten,bisher nicht einmal die Hände  aus den Taschen genommen. Das nenne ich Motivation und Respekt gegenüber den Gasteltern.
    Endlich durch den Stall durch, geht es über einen schlammigen (könnte auch wieder Sch… sein…) Pfad auf ein Feld. Und wo ist jetzt das Bad, denken sich Tino und Michaela.
    Plötzlich zeigt Dumitru den beiden einen Wassereimer – damit könnten sie sich waschen, meint er zu den beiden.
    Tino und Michaela können es nicht fassen. Aber es kommt noch besser. Als nächstes geht es weiter zu einem Gartenhäuschen. Als Dumitru die Tür öffnet, entpuppt sich das Gartenhäuschen als Plumpsklo. Das ist nun wirklich zu viel für Michaela und Tino. Tino schmiedet sogar Mordpläne gegen seine Mutter, die ihm das eingebrockt hat, und Michaela will sofort ausziehen, wenn sie wieder daheim  ist.
    Wer so lebt, muss wohl behindert sein, denken und sagen die beiden auch später.
    Was die beiden aber nicht wissen – es gibt ein richtiges Bad. Dumitru und Lucretia finden aber, dass Tino und Michaela sich dieses erst einmal verdienen müssen.

    In der ersten Nacht können Tino und Michaela natürlich nicht schlafen und begeben sich auf Entdeckungstour mit einer Nachtsichtkamera (wahrscheinlich wurde sie dafür vom Fernseh-Team angestachelt – da frag ich mich auch – wo schlafen eigentlich die???) und entdecken ein geheimes voll Ausgestattetes und vor allem gefliestes Badezimmer.

    Am nächsten Tag stellen die beiden ihre Gasteltern zur Rede – diese erklären den beide,n dass sie erst ins Badezimmer dürfen, wenn sie artig und tüchtig sind. Natürlich halten die beiden sich daran nicht und benutzen es – um die Arbeit drücken sie sich übrigens auch!
    Da sie den Tag über nix mehr zu tun haben, gehen die beiden mit geklautem Geld auf Einkaufstour – ein bisschen Stoff, also  Alk – kaufen. Leider gibt es es das nur für Leute ab 18.” Scheißland!” befinden beide.

    Natürlich bleibt das ganze nicht ohne Strafe und die beiden müssen draußen essen.

    Am nächsten Tag fügen sich beide etwas – naja, nur Michaela. Sie hilft mit und es macht ihr sogar Spaß. Tino hingegen schläft lange und raucht auch noch, statt zu arbeiten. Dumitru versucht es auf vielerlei Art und Weise, ihn zu erreichen – ohne Erfolg.
    Als Michaela von der Arbeit gut gelaunt – voller Hoffnung auf eine Dusche wiederkommt – stellt sie fest, dass Tino nichts getan hat. Sie weiß was das bedeutet. Beide werden für Tinos Versagen bestraft… und die Strafe ist ziemlich heftig dieses Mal. Dumitru schmeißt die beiden raus!
    Voller Trotz freuen sich beide darüber, denn endlich können sie hier weg. Zumindest hält dieses Gefühl bis zur Hoftür, denn dann finden sich beide wieder in der Einöde der Karpaten ohne Geld. Aber Michaela hat eine geniale Idee. Sie kann ja Englisch und schreibt auf eine Stück Pappe “Airport”. Damit, denkt sie, kommen die beiden bestimmt zum Flughafen…
    Klappt sogar, wenigstens teilweise. Sie werden zwar mitgenommen, müssen aber für ihre Fahrten zu ihrer Überraschung bezahlen.
    Nach sechs Stunden der Flucht kehren beide wieder reumütig zurück. Die beiden beschließen, ab nun artig zu sein. Und es lohnt sich für beide. Tino wird ruhig und ausgeglichen durch die Arbeit. Besonders als Dumitru ihn lobt und ihm Aufgaben gibt, die er selbständig erfüllt, blüht er regelrecht auf. Er fühlt sich das erste Mal geliebt und gefördert. Michaela geht es ähnlich.
    Michaela beschließt, zu Hause auch mehr zu machen – Tino hingehen zieht zu Hause erst mal aus, da er seiner Mutter vorwirft ihn nicht zu lieben – die tut auch nicht viel dafür vor der Kamera – man bekommt als Zuschauer wirklich das Gefühl, ihr sei ihr Sohn egal. Hoffentlich wird das wieder besser.

  • Nachdem die strengsten Eltern der Welt etwas auf sich warten haben lassen, kehren sie nun noch härter zurück – kein Wunder bei der Jugend von heute.
    Jennifer Mex (15) aus Leverkusen ist nämlich so eine Rotzgöre, die ständig ihre Eltern ankackt und mit ihrer Freundin wahllos Menschen anpöbelt. Zeit für einen Friseur hat sie scheinbar auch nicht, denn ihre rotblond gefärbten Haare sehen aus, als kämen sie aus einer schmierigen Pastaküche, wie ich finde.
    Ihr zur Seite steht dieses Mal Dennis Dallmann (14) aus Berlin, auch genannt die Checker-Vokuhila. Er widersetzt sich immer seiner Mutter und baut nur Scheiße mit seinen Freunden, damit soll jetzt Schluss sein.  Jenny und er werden nach Namibia zu den strengsten Eltern der Welt geschickt.
    Dachte man früher noch, es wäre eine Strafe für die Kids, auf eine bayrische Alm geschickt zu werden, geht es nun für die Kids zurück in die Steinzeit, denn die Himba, ein Volksstamm in Namibia, lebt genau so. Häuser aus einem Lehm-Kuhsch…-Gemisch, Kacken im Busch – all das erwartet unsere Rotzgören.

    Noch nicht einmal richtig angekommen, stellt Jenny fest, dass hier wohl im Busch keine Disco gibt… Tanzen könnte sie aber, denn die Himbas laden Jenny und Dennis gleich zu Beginn zu einem Stamm-Tanz ein… Tja in der Disco ihren Popo wackeln zu lassen, darauf steht sie, aber nun vor diesen Fremden ein bisschen herum zu hüpfen? Das geht natürlich gar nicht und sie fängt erst einmal an zu heulen und alle lachen über sie – geschieht ihr recht, wie ich finde!

    Was mich aber wunderte – Jenny beklagte sich zunächst gar nicht darüber, dass sie mit ihren hochhackigen Schuhen in dem lehmigen Boden voller Vieh-Scheiße (die Himbas leben mit ihren Vieh zusammen) langsam einsinkt…

    Wie dem auch sei – als Nächstes lernen Dennis und Jenny ihre Schlafgelegenheit für die nächsten Tage kennen. Eine Lehmhütte ohne Matratzen ohne alles, dafür aber mit einer Mutter, die ihr Kind vor den Augen der beiden stillt – was bei Dennis unserem Oberchecker, der bestimmt schon ganz viele Frauenbrüste gesehen hat, zu einem kindlichen Kicheranfall sorgt – ja, du bist so ein Checker!!!

    Natürlich klappt das mit dem Schlafen gar nicht und die beiden Campen draußen in Schlafsäcken – dabei kuschelt sich Jenny ganz eng an Dennis, wie ich finde. Kein Wunder denn sie verriet uns anfangs dass sie ihn ganz süß findet – er leider sie nicht…

    Morgens macht sich Jenny dann auf die Suche nach einer Steckdose -  “zum Haare machen”… Leider ohne Erfolg, dafür mit viel Gelächter der Stammes-Mitglieder – hehe ;-)
    Jenny nimmt es aber den Himbas inzwischen nicht mehr so übel, denn sie stellt für sich selbst fest, dass die Himbas gar nichts für ihre Situation können – sie haben ja so wenig Geld – oh, Mann, die lebt ja immer noch in ihrer Traumwelt…
    Dass Jenny manchmal Dinge sagt, die sie nicht so meint – ich hoffe es zumindest – wird auch deutlich, als sie dazu eingeladen, wird ein bisschen Ziegenmilch zu trinken… Jenny quittiert dieses Angebot nach dem ersten Schluck mit: “Da trinke ich ja lieber meine Pisse!”.  Bitte doch gerne, sag ich da nur – Kabel1 würde es freuen.

    Zum Glück gibt es noch Wasser zu trinken – ähm ich meine, gäbe – denn bevor man Wasser trinken kann, muss man es aus einer drei Kilometer entfernten Pfütze holen. Ist ja klar, wer das heute machen darf und so werden Jenny und Dennis losgeschickt. Natürlich passt das unserer Zicke gar nicht und sie bekommt schon den einen oder anderen Ausraster auf dem Hinweg. Endlich angekommen, wird Jenny alles zu viel und sie macht das, was sie am Besten kann – Heulen!!! Dennis dagegen integriert sich immer mehr und hilft mit.

    Und nun kommen wir zu meinem Lieblingscamping-Thema (ich persönlich bin außerdem kein Camping-Freund):  Was ist, wenn ich mal muss? Tja Jenny stellt sich auch diese Frage bzw. fragt mal die anderen und die Antwort war ja so klar: “Dann geh in den nächsten Busch”. Jenny traut sich aber nicht und so muss Dennis zum Aufpassen mit. Als Jenny dann aber loslegen will, bekommt sie wieder ihren Zickenausraster und jagt Dennis, der natürlich ganz genau aufgepasst hat ;-) , davon!

    Nun begeht Jenny aber einen großen Fehler – sie soll das Dorf putzen. Darauf hat sie aber keine Lust, haut ab und raucht erst einmal eine. Leider wird sie sofort erwischt. Da die Stammesälteste glaubt, dass Jenny keine der Himba-Strafen überleben würde, dürfen Jenny und auch Dennis ihre Lieblingssachen dem Häuptling schenken. Von nun an sind beide gebrochene Rotzgören und sind “verhältnismäßig” brav, denn als Jenny mithelfen soll, mit ihren Händen Lehm und Kuhscheiße zu verkneten für den Hausbau, macht sie sogar mit.

    Zum Schluss dürfen die beide noch eine Ziege verkaufen. Natürlich schickt Kabel1 unsere beiden Gören ohne Sprachkenntnisse in die nächste Stadt – trotzdem packen sie es. Vom Erfolg verwöhnt, wollen die beiden nun ihrer Gastfamilie auch etwas Gutes tun und beschließen, von dem erworbenen Geld, Zutaten für einen Pfannkuchen zu kaufen,  denn die Himbas sollen doch auch mal etwas Schmackhaftes essen finden die beiden – süß oder? ;-)
    Leider hat der Regengott wohl was dagegen, denn auf dem Rückweg werden die beiden von einer Sintflut überrascht und verlieren alles… Pfannkuchen und Geld! Der Häuptling verzeiht den beiden aber am Ende (zum Glück wusste er wohl nichts vom Pfannkuchen).

    Obwohl die beiden nun nach Hause müssen, hat besonders Dennis Schwierigkeiten, sich zu trennen. Er ist Ziegenchef geworden! So eine Karriere wird ihm in der Leistungsgesellschaft Deutschlands sicher nicht vergönnt sein. Trotz dessen haben beide endlich gelernt, dass Egoismus kein Weg ist, um ein glückliches Leben zu leben.

  • Liebe Fans der Romantik und der Landwirtschaft,

    heute ist der große Tag, auf den wir alle schon seit dem letzten Herbst hingebibbert haben: Im “malerischen” Chiemgau heiraten Josef und Narumol! Genau genommen ist das alles schon vor einer Woche passiert, aber RTL hat es mit übermenschlichen Anstrengungen fertig gekriegt, die weltbewegenden Bilder noch für ein paar Tage unter Verschluss zu halten, bis die Quoten-verderbende Fußballweltmeisterschaft endlich vorbei ist. Aber nun, heute Abend, hat man dieses tränentriefende Stück echter Romantik endlich über den Äther gejagt und man kann nur sagen: Was die Fußballer knapp verpasst haben, kriegen Josef und Narumol glatt gebacken, nämlich das deutsches Sommermärchen 2010.

    Schon zu Beginn stimmt uns Inka Bause in einem passend schweinchenrosa Dirndl auf diese Spezialausgabe von “Bauer sucht Frau” ein. Um auch den telemedial Zurückgebliebenen den Einstieg in die heutige Wonnestunde zu ermöglichen, sehen wir zunächst die wichtigsten Szenen aus dem komplett gescripteten Leben des “frommen” Milchbauern Josef und seiner “fröhlichen” thailändischen Wuchtbrumme Narumol, danach erleben wir sie quasi live beim Zusammenstellen einer Liste mit den noch zu erledigenden Dingen, wie etwa “Braukleid kaufe” und “Anzug fuh Jozeff” (O-Ton Narumölchen). Da beide Protagonisten des Hochdeutschen bis heute nicht mächtig sind, müssen alle Texte komplett untertitelt werden. (Man bedenke, dass unsere beiden diesen Service selbst natürlich nicht genießen können, also häufig im sprachlichen Blindflug agieren.)

    Selbstverständlich hat RTL dafür gesorgt, dass auch die vorzeigbarsten anderen Bauernpaare der Staffel zur Hochzeit eingeladen werden, z.B. der angeblich “lustige” Ziegenwirt Willi und seine unübersehbare Freundin Karola aus dem “schönen” Hessen. Sie drohen in einem Extra-Einspieler ihre Teilnahme an und wollen als Hochzeitsgeschenk eine kleine Ziege mitbringen, haben sich die Drehbuchautoren überlegt. Das bedauernswerte Viech wird auf den Namen “Narumol” getauft und kneift dann postwendend aus, was zu einigen Jagdszenen zwischen dem moppeligen Willi und seiner Geschenk-Ziege führt (3 Action-Punkte). Der Klügere gibt nach, die Ziege “Narumol” lässt sich einfangen und damit steht der Reise ins malerische Chiemgau wohl nichts mehr im Wege. Später gibt es noch eine Szene, wie sich Willi und seine ebenfalls Kalorien-affine Freundin Karola mit Gewalt in Lederhosen und Dirndl quetschen. Dieses Vorhaben fand ich aber so unästhetisch, dass ich ehrlich gesagt den Vorspul-Knopf betätigt habe…

    In Bayern beginnt derweil der nächste Akt, nämlich der Kauf des Hochzeitskleides. Narumol (nicht die Ziege) wird vom verklemmt grinsenden Josef über die Schwelle eines Brautmodengeschäfts geschoben und mit einem flüchtigen Kuss verabschiedet, denn bekanntlich darf ja der Bräutigam vor der Hochzeit das Kleid nicht sehen. Gut, dass die Kameraleute von RTL da aus anderem Holz geschnitzt sind, die warten nämlich schon in der Umkleidekabine. Zunächst sieht es so aus, als passe die pummelige kleine Thailänderin in keines der bajuwarischen Tüllgebilde, nur am Bauch sitzen sie eng, ansonsten schlabbert überall der Stoff. Aber schließlich findet sie mit Hilfe der Verkäuferin doch noch den passenden weißen Fummel für ihren Ehrentag. Wegen der fehlenden Ärmel kommt darin das bunte Tattoo auf Narumols Oberarm besonders schön zur Geltung.

    Noch ein paar lästige Störenfriede, die das Brautpaar allerhöchstens flüchtig kennen können, sagen sich zur Hochzeit an: Maurizio, der unechte italienische Holzbauer, dem RTL offenbar zwischenzeitlich die kleinen Hochstapeleien verziehen hat, bastelt mit seiner rothaarigen Zweitbesetzung Claudia an einem geschmacklosen Geschenk, nämlich zweien als Brautpaar verkleideten Weinflaschen. Oh Mann, würde ich so etwas kriegen, gälte mein erster Gedanke der Schaufel (zum Vergraben der Scheußlichkeit). Sehenswert übrigens, wie das Paar zur Autofahrt in das Chiemgau aufbricht: Der drahtig-kleine Maurizio nimmt im schicken grauen Anzug und mit cooler Mafia-Sonnenbrille auf dem Beifahrersitz Platz. Seine einen halben Kopf größere Begleiterin hat sich offenbar insgesamt um ein paar Kleidernummern nach unten vertan, zumindest sehen ihre schwarzen Hochwasserhosen, das viel zu enge Top und der silberne Glitzer-Pailetten-Alptraum dazwischen so aus.

    Jetzt kommen wir zu den Humorpunkten dieser Ausgabe, denn Josef und Narumol werden vom Drehbuch zum Besuch einer Tanzschule gezwungen, etwas, das beide in ihrem bisherigen Leben erfolgreich vermieden hatten. Der Thailänderin von der Ostseeküste fehlt ganz offenbar die nötige sittliche Reife; sie lacht sich jedenfalls beim langsamen Walzer scheckig. Der arme Josef hingegen erledigt auch diesen Programmpunkt mit heiligem Ernst, wie eine weitere Prüfung, die ihm der Herrgott auf dem Weg zu einer “normalen” Familie auferlegt hat.

    Während das Brautpaar ziemlich talentfrei das Tanzen übt, kommen wir zu einem weiteren Gast, den RTL zur Teilnahme an der katholischen Bauernhochzeit verdonnert hat: In Ostfriesland macht sich Jungbauer Carsten daran, sein phantasievolles Geschenk einzupacken, ein (lebendiges) Kalb. Dem fräst er mit dem Kuhrasierer dann auch noch ein albernes Herz in die Seite und tauft das Tier auf den Namen “Treue”. Im Auto ist auch genügend Platz für das Rindvieh, denn Carsten ist wegen seiner ungeschickt-glücklosen Frauenwahl bei BsF wieder Single.

    Zurück im Chiemgau, bekommen wir staunenden Zuschauer ein Stück längst verloren geglaubten Brauchtums präsentiert, das hier, auf der Rückseite des Mondes, noch immer lebendig ist: Es erscheint Connie, der Hochzeitslader. Sein Job ist es, von Hof zu Hof zu gehen und den Termin der Hochzeit bekannt zu geben. Vermutlich gibt es dafür auch noch jedes Mal einen “Kurzen”, aber darüber schweigt sich RTL wegen der frühen Sendezeit aus. In der restlichen Welt sind solche Leute wie Connie seit Erfindung des Postwesens und spätestens mit Einführung des Telefons längst ausgestorben. Hier aber, in Josefs malerisch rückständiger Puppenwelt, haben sie noch eine Existenzberechtigung und sei es, um im Fernsehen als exotisches Urviech begafft zu werden. Wie auch immer, jedenfalls gehört es zum Ritual der Hochzeitsladerei, das Brautpaar zunächst mit einem Schwall bayerischen Gebrabbels zu überschütten; offenbar zählt er die gegenseitigen Pflichten der zukünftigen Eheleute auf. Wie man sich vorstellen kann, geht das an Narumol komplett vorbei und auch der Untertitel-Mensch muss Schwerstarbeit leisten. Danach wird es beschaulicher und wir begleiten Connie, die Fleisch gewordene Einladungskarte, bei seinem Gang durch die – ja – malerische Umgebung, immer auf der Suche nach Opfern, die er in Reimform zur Teilnahme an der Hochzeit überreden kann.

    Aus dem 19. zurück ins 21. Jahrhundert: Josef und Narumol fahren zum Münchener Flughafen, denn RTL hat sich nicht lumpen lassen, Narumols Vater und die Stiefmutter aus Thailand einfliegen zu lassen. Josef ist gespannt, “wie die reagieren”. Hä, wissen die etwa noch gar nicht, dass sich ihre Tochter in Deutschland mit einem bayerischen Hallodri eingelassen hat? Josef lässt sich von Narumol in letzter Sekunde noch schnell in die thailändischen Begrüßungsriten einweisen und begrüßt die Schwiegereltern in spe dann ganz kosmopolitisch mit “Sawaddi khrap!”. Danach war wohl sein Text zu Ende und der Bauer agiert wieder wie gewohnt hölzern, als er den Schwiegervater zur Umarmung wortlos zu sich heranzieht.

    Später auf dem heimischen Hof, den der Schwiegervater in spe wohlwollend mustert, werden Geschenke ausgetauscht. Keine Ahnung, was die Gäste da aus Thailand mitgebracht haben, irgend welche quietschebunten Plastikblumen in durchsichtigen Plastikzylindern. Von hinten souffliert Narumol ihrem Josef die korrekte Dankesformel in ihrer Muttersprache “khop khun krap”, aber offenbar ist sein Vokabellernvermögen für heute erschöpft, denn er radebrecht eher so etwas wie “kon gubb tag” und “kon gut tiab”. Dann kommen noch ein paar exotische Früchte, Mango und Ananas, deren thailändischer Namen “Sapalot” Josef an sein Lieblingswort “Zapperlott” erinnert und bei ihm zu einem ansonsten unverstandenen Heiterkeitsausbruch führt.

    In der Pfalz bereiten sich mit Markus und Tobias zwei weitere noch unbeweibte Veteranen der letzten Staffel auf ihren Einsatz im Chiemgau vor. Wir begleiten sie unfreiwillig beim Kauf von Lederhosen in einem merkwürdigen Trachtenladen in der tiefsten Provinz und man gewinnt so langsam den Eindruck, dass das Drehbuch dieses Mal von einem Amerikaner verfasst wurde, der glaubt, alle Deutschen trügen Krachlederne mit Gamsbarthut oder Dirndl. Ackerbauer Markus muss leider im Laden erkennen, dass sein eher Osterei-förmiger Bauch trotz Anwendung von Gewalt und Luftanhalten nicht in die Hose passt. Er sieht aus wie eine Presswurst und kapituliert zunächst. Dann eben doch im gewohnten grünen Tankwartlook. Aber immerhin finden die beiden Junggesellen beim Trachten-August noch ein passendes Hochzeitsgeschenk, nämlich eine billige bayerische Flagge. Wie gesagt: Schaufel!

    Wir treten nun in die heiße Phase ein: Während Narumols Frisur von einem Heiteitei-Coiffeur mit Unmengen von Spray in Turmform gestylt wird, treffen draußen die von RTL shanghaiten Gäste ein. Angeblich sind unsere beiden Pfälzer Junggesellen den ganzen Weg mit ihren altersschwachen Museumstreckern gefahren, möchte das Fernsehen uns Glauben machen. Die beiden Lederhosen-Deppen – es hat wohl am Ende doch noch geklappt – hissen an Josefs Hof die mitgebrachte weiß-blaue Fahne des Freistaats. Komischerweise hatte Josef schon immer einen Fahnenmast, allerdings keine einzige bayerische Fahne, sagt RTL – und die müssen es ja wohl wissen, denn sie haben Josef selbst erfunden.

    Josef hat sowieso wichtigeres zu tun, denn er kriegt nun zum ersten Mal seine Braut im Hochzeitskleid zu sehen (“wie ein Engel im Himmel”) und übergibt Narumol sein Geschenk, eine Herzchen-Halskette. Danach geht’s mit einer Hochzeitskutsche aus dem RTL-Kitschfundus zur Dorfkirche. Übrigens hat sich bei dieser Gelegenheit auch Jenny, die selten zu sehende Tochter von Narumol eingefunden. Apropos “eingefunden”: Vor der Kirche scheinen neben den zwangsverpflichteten Dörflern auch ganze Horden freiwillig angereister Gaffer von Außerhalb zu stehen, Kameras mit fettesten Objektiven im Anschlag. Vermutlich hat sie Neugier oder Schadenfreude hierher geführt, diese peinlichen Fremdschämtouristen… ;-) Man kann sie leicht daran erkennen, dass sie keine Lederhosen tragen, das Erkennungszeichen der hiesigen Eingeborenenmännchen. Ja, Josef und Narumol sind eben dank Fernsehen und Stefan Raab zu überregionalen Berühmtheiten geworden.

    Nun wird es wirklich Ernst, nach einer letzten Instruktion von der verdirndelten Inka Bause schreiten Josef und Narumol in die festlich geschmückte Kirche. Aus dem Off dröhnt Johann Sebastian Bachs “Air” – ganz offensichtlich von Konserve, denn ein Orchester kann ich nirgends entdecken. (Kleiner Rüffel für das RTL-Scriptgirl: Maurizio trägt in der Kirche plötzlich gar nicht mehr seinen Mafia-Look von vorhin, sondern ordinäre Straßenkleidung!) Dann kommt ein echtes Highlight, nämlich der Pfarrer-Darsteller. Im RTL-Perückenlager hat man sich vermutlich etwas in der Kiste vergriffen, der weiß-blonde Pelzfifi passt eher zu einem wuscheligen Gärtner als zum Geistlichen. Naja, ist eh Wurscht, die Veranstaltung ist sowieso nicht ganz echt, wie ich an dieser Stelle mal eben stimmungstötend einflechten muss: Bekanntlich gibt es keine amtliche Trauung, weil Narumol ihre schöne Witwenrente von Josefs Vorgänger nicht aufs Spiel setzen will. Damit kann es dann auch keine kirchliche Trauung geben und die heutige Show ist also eher als eine Art “Segnung” aufzufassen.

    Nun denn, also zurück zu dem Priesterimitatoren, dem mit der wüst-weißen Gärtnermatte. Von weitem und ohne Brille besehen, erinnert er mich sogar etwas an Hella von Sinnen – in Verkleidung. Vielleicht genau deshalb kriegt Narumol beim Höhepunkt der Veranstaltung bedauerlicherweise einen Lachanfall, gerade in dem Moment, als ihr der fast schon angetraute Milchbauer den Ring an den Finger stecken will. Während Josef mit den feierlichen Worten “ich stecke Dir den Ring an im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes” an den Patschegriffeln seiner Perle herumfingert, prustet diese wenig ergriffen und Lachtränen laufen ihr die roten Bäckchen herab. Aber die kleinen Sünden bestraft der Liebe Gott bekanntlich sofort: Als die Reihe nun an Narumol kommt, versemmelt sie nicht nur total den obigen Segensspruch, sondern kriegt auch den Hochzeitsring ihres Bräutigams nicht über dessen derb-bäuerlichen Finger. “Gehk nich’ raain” lautet ihr unüberhörbarer Stoßseufzer, doch dann flutscht die Sache am Ende doch noch. Die Gemeinde lacht amüsiert und der Pfarrer erlaubt Josef nun, zum Ende des Gottesdienstes die Braut zu küssen.

    Die Gemeinde verlässt die Kirche, Inka stellt sich dem Brautpaar noch mit ein paar lapidaren Fragen für das Fernsehpublikum in den Weg und dann besteigen unsere beiden Frischvermählten die Hochzeitskutsche. Narumol kann das alles noch nicht richtig fassen und initiiert den folgenden denkwürdigen Dialog: “Ick bin Babaala!” “Was heißt das?”, fragt Josef. “Datt heiß’ uuberglucklick”, erhält er zur Antwort. “Auf Thailändisch?” “Neee, auf Deutsch!”. Oh Mann, das kann ja noch lustig werden.

    Hinterher geht’s direkt zum Festzelt, das das Fernsehen hat aufstellen lassen. Hier treffen wir auch alle anderen Bauern wieder und Inka, die dann als Riesen-Hochzeitsgeschenk von RTL verkündet: Josef und Narumol bekommen eine zweiwöchige Reise in die Flitterwochen nach Thailand, in Narumols Heimat. An dieser Stelle ahnen wir natürlich alle schlagartig, woher das nächste BsF-Special kommen wird…

    Anschließend dürfen auch die so genannten “befreundeten” Bauern, gemeint sind die BsF-Leidensgenossen, ihre Geschenke abgeben. Wenn man einander so lange und innig kennt, wie Narumol und Josef die beiden Nervbolde Willi und Karola (nämlich genau einmal beim Scheunenfest gesehen), versteht man auch die Großzügigkeit ihrer Mitbringsel. Wie oben schon angedeutet, haben die dauerlachenden Hessen ein Zicklein auf den Namen “Narumol” getauft und übergeben dieses jetzt mit großem Brimborium an die frischgebackenen Eheleute. Das Tier bedankt sich für die Aufmerksamkeit auf seine eigene Weise und strullert hingebungsvoll eine große Pfütze auf die Festzeltbühne. (Was für ein Glück, dass sie keinen Elefanten geschenkt bekommen haben.) Danach kommt Friesenkopp Carsten mit seinem schwarz-weißen Lebendgeschenk, der zukünftigen Wurstlieferantin namens “Treue”. Carsten wirkt übrigens wie ein Alien zwischen all den anderen Gästen, denn er trägt beinahe als einziger Mann keine Lederhosen. Die heutige Sendung klingt aus mit dem Ehrenwalzer von Josef und Narumol, den man uns wohlwissend nur in Zeitlupe und mit anderer Musik unterlegt vorführt. Danach geht es feucht-fröhlich weiter, wir sehen unsere Bauern schunkelnd, tanzend und singend die Nacht zum Tag machen.

    Und damit schließt sich der Kreis der 2009er-Staffel vom Scheunenfest vor gefühlten 100 Jahren bis hin zum heutigen Hochzeitsfest im malerischen Chiemgau. Wer denkt, es gäbe keine Romantik mehr oder Bauern seien schlauer als ihr Ruf, sieht sich spätestens heute Abend widerlegt. RTL hat sich diesmal selbst übertroffen und mit Josef und Narumols Eheschließung eine komplett am Schreibtisch der Drehbuchautoren entstandene Kunstwelt zusammengeklöppelt. Aber ehrlich gesagt können wir ja angesichts der zahlreichen Krisen der letzten Wochen auch mal eine kurze Auszeit von Ölpest, Bundespräsidentenflucht und WM-Halbfinale-Versemmelung gebrauchen und da kommt uns diese schamlos-kitschige Verfilmung von Omas Poesiealbum gerade recht.

    So wie ich die Gier der RTL-Bauernfänger einschätze, werden sie unbedingt noch ein Thailand-Special dranhängen, in dem wir erleben können, wie sich Josef in Narumols Heimat zum Volldepp macht und damit bei uns Fremdschäm-Junkies vor den Fernsehapparaten für wohlige Schauer sorgt. Ich melde mich dann natürlich wieder, bis dahin noch einen schönen Sommer…

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