• DSDS (RTL) 18.04.2010 3 Comments

    Fanfare und feierlicher Tusch!!!

    Da ist er nun also, der Abend aller Abende, das donnernde Finale dieser merkwürdig farb- und lieblosen siebten Staffel von “Deutschland sucht den Superstar”. Dieter Bohlen hat geladen und alle, alle sind gekommen… wobei: genau genommen sind doch nicht alle gekommen, denn Nina Eichinger war unvorsichtigerweise zu Papis Geburtstagsfeier in L.A. und wegen der Geschichte mit der Island-Lavawolke hat es nun ihre Rückflugpläne zerbröselt. Und was lernen wir daraus? Klar, bucht niemals eine Fernreise, ohne vorher den Vulkanologen Eures Vertrauens zu konsultieren! Seitdem Kachelmann eingebuchtet wurde, geht beim Wetter echt alles schief… ;-)

    Apropos Knast: Auch für den kommenden Superstar Menowin ziehen bedrohliche Wolken am Firmament auf, denn lt. Bild-Zeitung, die ja bekanntlich alles (besser) weiß, liegt gegen Bohlens musikalischen Ziehsohn eine Anzeige wegen Vergehens nach dem Betäubungsmittelgesetz vor. Soll heißen: Angeblich hat der gute Mann größere Mengen Kokain besessen, angeblich auch vertickert, vielleicht sogar im DSDS-Loft!!! Was Helmut in Rekordzeit und zu Recht den Kopf gekostet hat, entlockt Menowin nur ein müdes Arschrunzeln, denn er ist auf Du und Du mit Dieter, dem Paten. Der wird mit Sicherheit alle Hebel in Bewegung setzen, damit die Staatsanwaltschaft erst nach der Sendung so richtig zu ermitteln beginnt. Bei Bohlen rattert  im Hinterkopf schon die Geldzählmaschine, deshalb ist er wild entschlossen, alle und alles hinwegzufegen, was sich zwischen ihn, Menowin und die Penunze stellen könnte. Wir werden heute Abend sehen, wie weit er dabei zu gehen bereit ist, Vorhang auf!

    Der nervige Marco Schreyl, der nach dem heutigen Finale hoffentlich wieder schön lange in der medialen Versenkung verschwindet, hat offensichtlich ausgiebig in seinem Poesiealbum nach gewalttätigen Vokabeln für seine letzte Eröffnungsansage geblättert. Er schwadroniert etwas über die ehemals innige Freundschaft zwischen Mehrzad Marashi und Menowin Fröhlich, aus der im Laufe der Mottoshows eine erbitterte Feindschaft geworden sei, so episch, dass Deutschland in seiner Zuneigung für den einen oder anderen der beiden wieder zur geteilten Nation wurde. Der Kampf dieser zwei Erzfeinde sei sooooo persönlich, es gehe wirklich “Mann gegen Mann”.  Wir sehen die zwei Typen mit “unbedingtem Kampfes- und Siegeswillen”, die in kleinen Einspielsequenzen ankündigen, heute könne ALLES passieren und sie seien bereit, ALLES für den Sieg zu tun. Mehrzad droht, er wolle die Furcht im Auge seines Gegners sehen, der wiederum vergleicht sich mit einem Kampfstier in der Arena, der mit den Hufen stampft und auf das Öffnen der Gitter wartet. Das muss man, glaube ich, zumindest bei Menowin für bare Münze nehmen, der hat Erfahrung mit dem Leben hinter Gittern. Daniel Schuhmacher, der übrigens am Bühnenrand sitzt, kann von Glück sagen, dass er nicht heute, sondern schon letztes Jahr im Finale war, so ein liebes Weichei wie ihn hätte Menowin doch bereits vor dem Frühstück inhaliert – und Benny Kieckhäben gleich hinterher.

    Zu den Klängen von Dieters akustischem Abführmittel “Real Love” kommt die Jury ins Studio. Wir erinnern uns: In der letzten Woche wurde uns der diesjährige Ballermann-Soundtrack von Bohlens eigenem Geschöpf Mark Medlock in höchsteigener Person serviert – und nun kriegen die beiden dafür sogar gleich noch mal GEMA-Tantiemen. Die beiden Herren der Schöpfung, Dieter Bohlen und Volker Neumüller, haben sich in mehr oder weniger (Volker) gut passende schwarze Anzügen gezwängt und sich Krawatten umgehängt – oder das, was sie (Volker) dafür halten. In ihrer Mitte schleppen sie Sylvie van der Vaart mit auf die Bühne, eine Jury-Imitatorin mit chronischem Lachzwang aus dem Heimatland von Rudi Carrell, wo Genever und Käse fließen. Sylvie wird Nina Eichinger vertreten, die aus den oben genannten Gründen heute Abend von der Teilnahme am DSDS-Finale befreit ist.

    Nach dem großen Gelaber startet endlich der musikalische Teil des Abends. Zur Verzierung hat man für das Anfangslied tatsächlich alle bisher ausgeschiedenen Top-10-Kandidaten exhumiert – mit Ausnahme von Helmut Orosz, der vermutlich gerade auf Entzug ist. Wie schon in der allerersten Mottoshow am 20.02.2010 singen sie zusammen “I gotta feeling” von den Black Eyed Peas. Marcel “Plüschi” Pluschke tanzt wie immer konsequent gegen den Takt und hat offenbar noch immer nicht seine Affinität zu bäuerlich wirkenden Karohemden überwunden, während Thomas “der Checker” Karaoglu wohl weiterhin sein eigener größter Fan ist. Größte Überraschung ist, dass die drei Mädels Steffi Landerer, Ines Redjeb und Kim Debkowski (entsprechend dem Niveau der Sendung absteigend nach Oberweite sortiert) keinen einzigen Ton versemmeln. Angesichts des zu erwartenden Gemetzels der beiden Hauptprotagonisten des heutigen Abends war das nur eine harmlose Fingerübung. Das Publikum will jetzt eigentlich Blut sehen und spendet nur einen lauwarmen Applaus.

    Während sich die früh verblichenen sieben Ex-Kollegen verdrücken, kommen dann endlich Mehrzad, mit grüner Jacke und Basecap und Menowin in blauen Klamotten auf die Bühne. Sie liefern sich mit “I came for you” von den Disco Boys ein aggressives Posingduell. Dieser Auftritt scheint direkt vom Band zu kommen, jedenfalls stimmen Ton und Mundbewegungen nicht überein und bei dem irrsinnigen Gehüpfe dürfte man eigentlich auch gar nicht mehr singen können. Tatsächlich singen werden die beiden heute jeder drei Mal, nämlich zuerst mit einem “Herzenssong”, danach mit ihrem individuellen “Staffel-Highlight” und zum Schluss müssen beide – quasi als ultimativer Härtetest für Stimmbänder und Mägen – einen brandneuen Titel von Dieter Bohlen zu Gehör bringen.

    Nach einem inhaltsleeren Interview von Marco mit Mehrzads Schwester, die sich überraschend als Fan ihres Bruders outet und einem Einspieler von seiner zukünftigen Ex-Freundin, die ihrem Gatten in spe viel Glück wünscht, tritt Mehrzad Marashi mit seinem Herzenssong “Endless Love” von Lionel Richie auf. RTL hat tief in den Spesentopf gegriffen und lässt für diesen Auftritt jede Menge echt brennende Ringe in Herzform springen. Der Titel ist eher langsam und langweilig, wie ich finde, die perfekte Musik für romantische Stunden im Autokino, aber nicht wirklich der Bringer für das DSDS-Finale. Da kann Mehrzad nicht viel falsch machen, wie er da so im schwarzen Anzug mit rotem Hemd, schwarzer Fliege und dem obligatorischen Lederhut, aber ohne wesentliche Choreografie singt. Der Jury ist es egal, das war ein “supertoller” Auftritt, hören wir nacheinander von Dieter, Sylvie und Volker.

    Ein weiteres Interview mit Marco im intellektuellen Vakuum folgt. Diesmal erklärt Menowins Mama, was an der Stimme ihres Filius denn so einzigartig sei: Ja, dass die einzigartig sei, sei eben das einzigartige. Uiuiui, nicht so schnell, das muss man erst mal verdauen. Später greint sie dann noch in einem Einspieler, bittet ihren Sohn um Verzeihung, denn er habe bisher durch ihre Schuld kein gutes Leben gehabt. Wie das wohl die Leute sehen, denen Menowin im Laufe seiner kriminellen Karriere das Leben schwer gemacht hat, da gäbe es bestimmt etliche…

    Menowin Fröhlich quittiert die Einlassung seiner Erzeugerin mit einem cool-knappen “Entschuldigung angenommen” und steigt dann auf die Bühne. Komplett in weiß gekleidet, inklusive eines albern aussehenden Huts, gibt er in der ersten Runde Dionne Warwicks Titel “That’s what Friends are for”. Auch hier zeigt sich RTL generös: Während der angestrengt wirkende Menowin sich im wabernden Bühnennebel einen abknödelt, hüpfen zahlreiche Mädchen in weißen Kleidchen um ihn herum. Erst dachte ich, das wäre irgendwie ein Kinderchor und da käme noch ein Einsatz, aber nein, keine Angst, die hüpfen wirklich nur. Ganz am Ende gibt es dann ein rührendes Bild, wie sie alle zusammen winken, der Möchtegern-Superstar mittendrin. Volker muss diesmal für Dieter den Büttel machen und darf Menowin bis zum Erbrechen loben: hammergeil, unfassbar, hunderttausend Prozent Respekt (!) Sylvie will es ihm gleich tun, macht sich dann aber zum Gespött der Halle mit “ich bekomme ein Weichei”.

    In seinem nächsten Titel, dem Staffel-Highlight, wiederholt Mehrzad Marashi “Fresh” von Kool & the Gang. Also, ich mag es ja fast nicht schreiben, aber irgendwie wirkt der Kandidat auf mich heute gebremst, nicht voll konzentriert und etwas emotionslos. Auch die Tänzer, die mit ihm zusammen auf der Bühne stehen, machen einen müden Eindruck und scheinen die Choreografie rätselhafterweise nicht voll zu beherrschen. Ich kriege so langsam ein dumpfes Gefühl in der Magengegend, dass Mehrzad heute nur zweiter Sieger wird… Die Jury ist trotzdem des Lobes voll, auch wenn Dieter so ein kleines bisschen Unsicherheit herausgehört haben will, womit er wohl nicht ganz Unrecht hat.

    Dagegen läuft bei Menowin Fröhlich auch in Runde Zwei alles nach Plan. Er performt “Billie Jean” des seligen Michael Jackson, trägt dafür die passende goldbetresste schwarze Zirkusuniform und verfügt darüber hinaus auch über wache Tänzer. Und zwischendurch ist da wieder der kämpferisch-aggressive Gesichtsausdruck einer Muräne, den Menowin immer dann zeigt, wenn er Ninas mehrfach geäußerte Ermahnung vergisst, doch nicht immer so fies zu gucken. Klar, dass Dieter und die ihm treu ergebenen Jury-Vasallen sich auf die Seite der Menowinisten-Sprechchöre stellen und die gerade gelaufene Nummer in sich überschlagenden Superlativen abfeiern. Dieter Bohlen lässt alle Neutralität fahren und bemüht sogar seinen direkten Draht zum Lieben Gott, mit dem er vermutlich auf Augenhöhe parliert: “Michael Jackson hat gerade im Himmel gesessen mit Daumen hoch! Das war absoluter Wahnsinn!!!”

    Runde Drei. “Don’t believe” heißt das von Bohlen extra für das DSDS-Finale fabrizierte Machwerk. Er selbst ist superstolz auf den Titel, der habe einen Stimmumfang von zwei Oktaven, sei deshalb “megaschwer” zu singen und verlange den Künstlern alles ab. Da muss er sich wohl selbst mal was beweisen, als ob das ein Gütesiegel für einen Titel ist, dass man ihn nur schwer singen kann! Update 19.04.2010: Blog-Leserin Jola schrieb mir als bekennender Daniel-Schuhmacher-Fan, dass Bohlen den Titel genau genommen für den letztjährigen DSDS-Gewinner kreiert hatte und wegen des öffentlichen Zerwürfnisses zwischen den beiden dann in der Schublade verschwinden ließ, um ihn jetzt für das Finale 2010 zu reanimieren. Komisch, wieso der Aufwand mit der Schublade, die Ergüsse aus Tötensen hören sich doch sowieso alle völlig gleich an, oder? Erst die Tatsache, dass Onkel Dieter seinen Dreck überhaupt auseinander halten kann, stellt doch die eigentliche künstlerische Leistung dar… :-)

    Mehrzad Marashi macht wieder den Anfang. Er trägt mittlerweile komplett tannengrüne Klamotten, auch einen grün glitzernden Hut, womit er insgesamt etwas an einen Waldschrat auf Speed erinnert. Dieters angebliches Knochenbrecherlied entpuppt sich als hundertzwanzigster Aufguss seiner üblichen Drei-Akkorde-Mucke mit wahllos aneinandergeklatschten englischen Vokabeln. Ein so simpel gestricktes Lied hätte Mehrzad unter normalen Umständen bestimmt nicht mal im Casting gesungen. Wenn man bedenkt, dass der DSDS-Gewinner hinterher mit diesem Stück, seinem “Gewinnersong”, auftreten muss, dürften die Finalisten echte Zweifel kriegen, ob sie heute nicht besser verlieren sollten. Bohlen ist jedenfalls verzückt, ihm fielen zu Mehrzads Interpretation seines Liedchens nur Komplimente ein, sagt er. Sylvie hat ihren Vertrag gut gelesen, insbesondere die Schleimklausel, und dankt zuerst Dieter für diesen “tollen Song”, danach aber auch Mehrzad. Selbst Volker bekennt sich zu einer Gänsehaut, das sei ein Supertitel gewesen. Oh Mann, ich wette, der hat Zuhause keine einzige Modern-Talking-CD und muss jetzt seinem Arbeitgeber Bohlen Honig um den Bart schmieren, damit er auch in der achten Staffel wieder mitspielen darf.

    Nun kommt der selbe blöde Titel nochmal, jetzt mit Menowin Fröhlich, dem übelblickenden Kinderschreck. Und nein, der Song wird bei mehrmaligem Hören nicht besser, sondern eher noch langweiliger. Menowin zuck-tanzt im blauen Anzug im Nebel und vor einem grünen Lasertunel. Die Pro-Menowin-Sprechchöre verhindern danach fast die Urteilsverkündung, so sehr scheinen sie sich zu freuen, dass ihr Idol an Bohlens einfältiger Nummer nicht gescheitert ist. Dessen Verursacher gibt wieder den Tenor für die restliche so genannte Jury vor: Das sei ein Knaller gewesen, genial gesungen und überhaupt. Sylvie und Volker ergehen sich in Komplimenten, bei Volker überschlägt sich sogar die Stimme, als er seine vermutlich sorgfältig vor dem Spiegel geprobten Lobeshymnen aufsagt. Schade, von dem hatte ich echt mal einen besseren Eindruck, aber heute hat er scheinbar sein Rückgrat in der Garderobe stehen gelassen.

    Nicht besonders überraschend, dass die Jury dann zum Ende der Show ihre Tages- und Staffelsiegschätzung zugunsten von Menowin abgibt. Das hätte man als geneigter Zuschauer schon vor gut zwei Monaten ahnen können. Man konnte sich nur nicht vorstellen, dass Dieters Staffel-Dramaturgie ähnlich beschränkt ist, wie sein musikalischer Einfallsreichtum, von dem wir ja gerade eben wieder mal Zeuge geworden sind.

    Etwa eine Stunde später wird es Ernst, nachdem die hoffentlich allerletzte Ätherverpestung mit den doofen Mädchen, oder wie sich diese aus präpubertären Rülps- und Pups-Pointen bestehende Sendung schimpft, zu Ende ist. Der in der Top-8-Show ausgeschiedene Nelson Sangaré kommt kurz zu Worte und darf die ganz offensichtlich zugunsten von Menowin vorgefasste Jurymeinung kritisieren. Dann müssen beide Finalisten zur Strafe für ihre impertinente Langlebigkeit noch einmal den Inner-Circle-Titel “Sweat (A la la la la long)” aus dem Karibik-Recall wiederholen.

    Und schließlich geht es endgültig ans Eingemachte, denn nun kommt Marcos quälend langsame Urteilsverkündung. Okay, das muss man auch wieder verstehen, er will das auskosten, denn das ist der einzige Moment, wo er wirklich etwas zu sagen hat. Danach kann er sich wieder bis zur nächsten Staffel aufs Ohr hauen und wir sollten alle die Daumen drücken, dass RTL bis dahin jemanden findet, der die Moderation etwas weniger selbstverliebt erledigt.

    Beide Kandidaten stehen minutenlang unbeweglich auf der Bühne, während Marco labert und labert und labert. Vermutlich zieht währenddessen noch einmal ihr gesamtes Leben mehrfach an ihnen vorbei. Plötzlich aber kommt die lang erwartete Formel “…und Superstar 2010 ist… MEHRZAD MARASHI“. :-)

    Upps, äh, nanu, wie jetzt, verhört? Nochmal zurückgespult und tatsächlich: Hurra, Mehrzad ist Superstar und Menowin ist es NICHT! Interessant übrigens dessen Reaktion. Er hat schon halb den Arm zur Siegerfaust hochgereckt, als er realisiert, dass er ja gar nicht Mehrzad heißt und dann entgleitet ihm völlig das Gesicht, die Muräne ist wieder da. Während Mehrzad von seinem Vater und anderen Fans auf den Schultern herumgetragen wird, steht Menowin komplett apathisch, ja geradezu traumatisiert am Rand der Bühne und stiert wüst vor sich hin. Wenn Blicke töten könnten, lebte in der Halle jetzt niemand mehr. Offensichtlich war er völlig unerschütterlich davon ausgegangen, dass er den Sieg hundertprozentig in der Tasche hat, immer schon und ganz besonders nach der Lobhudelei der Jury von heute Abend. Auch ich hätte nach der heutigen Show auf Mehrzad keinen Pfifferling mehr gewettet, Gott sei Dank lag ich damit verkehrt.

    Mehrzad ist ähnlich sprachlos wie sein Kontrahent und umarmt diesen sogar zum Trost. Nun öffnen sich bei Menowin die Schleusen, er vergräbt seinen rasierten Kopf im grünen Jackett des neuen Superstars und fängt an zu weinen. Weil er auch keine sinnvollen Antworten mehr ins Mikrofon stammeln kann, wird er dann schließlich von Marco von der Bühne gezogen. Die wird nämlich gebraucht für Mehrzads Wiederholung des Bohlenschen Siegertitels, den man – geschäftstüchtig, wie RTL ist – auch ab sofort downloaden kann. Neinneinnein, auch wenn die das noch hundert Mal spielen, das Lied ist Mist und sollte schleunigst wieder vergessen werden.

    Keine Ahnung, wie Mehrzads Karriere weitergeht. Vermutlich wird das Siegerlied ein kurzer Erfolg, der aber mehr dem Sänger, als dem Komponisten geschuldet sein dürfte. Sicherlich kommt dann in Kürze noch eine CD mit mittleren Verkaufszahlen und erst dann wird sich zeigen, ob Mehrzads Stimme einen hohen Wiedererkennungsfaktor hat, der die Leute zum Öffnen ihrer Portmonees veranlasst. Ich fürchte eher nein, die Stimme ist zwar gut und Mehrzad kann absolut was, ist ein echter Profi, aber unverwechselbar ist die Stimme wohl nicht. Doch drücken wir ihm einfach mal trotzdem die Daumen, verdient hätte er den Erfolg auf jeden Fall.

    Und ich bin etwas versöhnt, dass die Staffel doch nicht so vorhersagbar ausgegangen ist, wie bis gerade eben noch vermutet. Bohlen hat sich offensichtlich verspekuliert und auf das falsche Pferd gesetzt. Übrigens hat man die gesamte Jury seit der Urteilsverkündung nicht mehr gesehen, vielleicht weint sich Dieter ja auch gerade bei Volker aus? Das wäre ein schöner, erheiternder Gedanke zum Ende der Staffel. ;-)

    Ich danke bei dieser Gelegenheit für das große Interesse unserer Blog-Leser und die zumeist netten Kommentare. Mal sehen, wenn sich wieder etwas Geeignetes ergibt, lesen wir uns an dieser Stelle wieder, Müll genug gibt es im Fernsehen jedenfalls…

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  • DSDS (RTL) 11.04.2010 10 Comments

    Oh Mann,

    noch eine Woche und wir wissen endlich, wer Deutschlands Superstar 2010 wird. Soviel ist klar, er ist männlich und sein Vorname beginnt mit “M”. Das ist nämlich Dieter Bohlens Lieblingsbuchstabe, wie auch Mark Medlock und Menderes bestätigen können! An manchen Tagen, so wie heute, gibt es so viele andere, wichtigere Nachrichten als das inszenierte Gerangel dreier ambitionierter Amateursänger um eine nichtswerte Auszeichnung. Insbesondere, weil die Musik, um die es bei DSDS ursprünglich mal ging, mittlerweile völlig an den Rand gedrängt wird von den überbordenden Homestories, die von RTL im Wochentakt über Bohlens Lieblingssprachrohr Bildzeitung in die Welt posaunt werden. Klar, wie gehabt macht die “Bild” damit natürlich ebenfalls ihren Reibach und spielt sich gleichzeitig als Moralinstanz erster Güte auf, echt schizophren!

    Was gab es also diese Woche zu vermelden? Nun, lt. Bild-Online ist die kriminelle Biografie von Menowin noch um einige Facetten bunter, als eh schon vermutet. Mit seinen gerade 22 Jahren hat er bereits mehr als 30 Verfahren am Hals; herausragende Leistungen sind mehrere gefährliche Körperverletzungen. Glückwunsch, RTL, Onkel Dieters Kandidaten sind doch immer eine Klasse für sich, davon sollten sich diese Waschlappen aus den ganzen anderen Casting-Shows erst mal eine Scheibe abschneiden! Lena Meyer-Landgut ist doch in ihrem ganzen behüteten Leben bestimmt noch nicht mal bei Rot über die Ampel gegangen. Bevor die nicht mindestens wegen Schwarzfahrens vor dem Kadi gestanden hat, würde ich mir von der nie eine CD kaufen.

    Was noch? Ach ja, nette schlüpfrige Geschichte zu unserem Schwiegermutterliebling Manuel. Über den gab es in der vorigen Woche so eine komische Meldung, dass er von einem unbekannten männlichen Fan verfolgt würde, aber nicht wisse, warum und er sich deshalb bedroht fühle. In dieser Woche hat der Stalker nun in einem Brief an die Bildzeitung die Hosen runter gelassen – und zwar wörtlich: Demnach sei er kurzzeitig mit Manuel zusammen gewesen und hat als Beweis dafür auch gleich ein paar gemeinsame textilfreie Bettfotos beigelegt. Die Bildzeitung war darüber moralisch so entrüstet, dass sie die Fotos und dazu einen reißerischen Text sofort am nächsten Tag abgedruckt hat. Tja, den Sympathiewert bei den Bravo-Girls und im Bekanntenkreis von Manuels Oma dürfte das wohl nicht erhöht haben, aber wenigstens kriegt seine Homestory jetzt ein wenig Tiefgang, mal sagen.

    Einzig Mehrzad hat außer einer pünktlich zur Mottoshow drohenden Erkältung mal wieder nichts zu melden gehabt. Aber wir werden noch sehen, was sich seine PR-Berater stattdessen überlegt haben…

    Genug der Vorrede, die Show beginnt! Marco Schreyl wurde wieder für ein paar Stunden aus dem Zwinger gelassen und mimt auch beim heutigen Halbfinale den Conférencier. Seine zunehmend arroganten Auftritte sind einer der Gründe, weshalb ich mich auf das Ende der Staffel freue. Heute behauptet er ganz am Anfang der Sendung doch glatt, die 2010er-Staffel von “Deutschland sucht den Superstar” sei ein Novum, denn diesmal gäbe es nicht einen oder zwei, sondern sogar gleich drei Favoriten. Wo war der Typ eigentlich vor zwei Jahren, als die letzten drei Kandidaten Lina Teodosio, Fady Maalouf und Thomas Godoj hießen? Damals hätte rein stimmlich jeder von den dreien siegen können und – das muss ich an dieser Stelle mal ganz subjektiv sagen – die waren ALLE besser und wesentlich sympathischer als sämtliche Teilnehmer der diesjährigen Staffel. Ohne jede Ausnahme! Und von wegen “drei Favoriten”, es zweifelt doch wohl niemand ernsthaft daran, dass der Sieg von Menowin schon seit dem Casting eine abgemachte Sache ist?

    Unter erschreckend frenetischem Beifall des Hallenpublikums betreten die drei Juroren ohne Stimmrecht das Podium: Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller. Freundlicherweise warnt uns Marco bereits an dieser Stelle vor dem heute drohenden Auftritt von Bohlens Sängerknaben Mark Medlock. Damit gibt er uns eine faire Chance, schon mal die Notausgängen zu öffnen und prophylaktisch ein paar Kotztüten bereit zu legen. Wie jedes Jahr, wird es wohl auch diesmal einen Sommer geben und was wäre die warme Jahreszeit ohne einen von Onkel Dieter persönlich handgeklöppelten Sommerhit? Man muss das ja auch mal rein menschlich sehen: Vielleicht trägt Dieters Freundin nun schon seit sechs Wochen die selben Klunker und braucht deshalb von ihrem 30 Jahre älteren Lover dringend mal ein paar neue Brillis für die Disse? Und was wäre zu deren Finanzierung besser geeignet, als ein kräftiger Schluck aus der GEMA-Pulle für ein Lied, dessen Komponist und Produzent Dieter Bohlen heißt, welches in einer Sendung vorgestellt wird, für die er allein schon für seine Anwesenheit extrem dicke Penunze bezieht und das von einem DSDS-eigenen Geschöpf vorgetragen wird, das sich in undurchsichtigen Verträgen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag an ebendiesen Dieter Bohlen verkauft hat… (Ach, tut das gut, das wollte ich mir schon immer mal von der Seele schreiben…)

    Der Oberjuror und Meister des bekannten Universums trägt heute ein weißes Sakko und quittiert die ihm geltenden “Dieter, Dieter”-Sprechchöre mit einem anerkennenden “Jawollo”. Danach erklärt er den mehrheitlich offenbar komplett verblödeten RTL-Zuschauern nochmal genau die Bedeutung des heutigen Halbfinales: “Es geht jetzt darum, wer ins Finale kommt.” Aha, so ist das also, danke für diese wichtige Klarstellung. In diesem Sinne geht es auch gleich weiter, denn Nina wird von Marco gefragt, worauf sie heute besonders achten wird. “Auf den Gesang und die Performance”, lautet ihre doch ziemlich überraschende Antwort. Und darum geht es heute wirklich: Die Halbfinalisten müssen in der Show jeweils drei Titel singen, nämlich einen von einer Boy Group, einen von einem persönlichen Musikhelden (was auch immer das sei) sowie einen Nummer-Eins-Hit.

    Bei ihrem schon traditionellen gemeinsamen ersten Auftritt performen die drei Kandidaten “Love is gone” von David Guetta. Trotz aller gern praktizierten Häme muss ich den dreien aber an dieser Stelle bescheinigen, dass ihr Robot-Dance und der Gesang wirklich professionell wirken, wobei Mehrzad und Manuel noch ein klein bisschen besser sind als Menowin. Und das sage ich nicht nur, weil ich Menowin nicht mag.

    Die Boy-Group-Runde eröffnet Manuel Hoffmann mit “Human” von The Killers. Das war sicherlich zu Recht einer der meistgespielten Hits des letztes Jahres, die Subsummierung dieser genialen Gruppe zu den Boy Bands finde ich allerdings ziemlich abenteuerlich. Manuel macht seine Sache ganz ordentlich, aber seine Performance könnte noch ein wenig lebendiger sein, gerade bei einer solchen Abtanzhymne. Und spätestens seit der letzten Show wissen wir ja auch, dass der Kandidat sich durchaus gut bewegen kann. Dieter spricht von einer grundsoliden Leistung und hofft auf noch mehr Power bei den nächsten beiden Titeln.

    Von Mehrzad Marashi hören wir anschließend den R&B-Titel “End of the Road”, der ursprünglich von Boys II Men eingespielt wurde. Eingedenk der angeblichen Erkältung bringt Mehrzad die Nummer aber ganz gut rüber, wenn auch ohne seine gewohnten Glanzlichter. Die Jury gibt ihm inkl. Krankheitsbonus wieder gute Noten, auch wenn Dieter bei diesem Titel noch ein wenig mehr Gefühl erwartet hätte.

    Nach seinem letztwöchigen Totaldurchhänger (zumindest im ersten Titel) läuft es heute wieder etwas besser für Menowin Fröhlich. Er singt “No Matter what” von Boyzone. Ich habe mir gemeinerweise mal den Spaß gemacht, den Songtext mitzulesen und dabei gemerkt, dass unser Freund mit der speckigen blauen Plastik-Schirmmütze an vielen Stellen frei improvisiert hat. Das Lied ist ja von Hause aus introvertiert, gelinde gesagt, da passen Menowins gelegentlich bei Intrumentaltakten eingeschobenen Kung-Fu-Übungen gar nicht, finde ich. Den mitgebrachten Menowinianern im Saal ist das herzlich egal, sie klatschen und johlen eh aus Prinzip, da hätte ihr Idol auch genauso gut auf der Trillerpfeife blasen können, der Jubel wäre derselbe gewesen. Dieter Bohlen feuert den Trubel dann noch weiter an mit seinem Urteil “Manowin is back” und Nina behauptet gar frech “der Text sitzt”. Schade, das hätte sie besser wissen können (siehe oben), wer lesen kann, ist eben doch im Vorteil.

    Jetzt kommen wir zu den Heroen der Popgeschichte, zumindest nach DSDS-Lesart. Wieder macht Manuel Hoffmann den Anfang. Zuvor dürfen wir aber in einem Einspielfilmchen seinen triumphalen Empfang im heimischen Fachwerknest Braunfels bei Wetzlar miterleben. Hier ist scheinbar der ganze Ort zusammengelaufen, um seinen Superstar einmal live sehen zu dürfen. Man glaubt es kaum, aber trotz aller Kaffigkeit gibt es noch einen anderen (Beinahe-)Weltstar in dieser Stadt: Vanessa Jean Dedmon, Dritte der 2006er-DSDS-Staffel, stammt ebenfalls aus Braunfels. Soweit ich mich erinnere, war das die, die damals ihren Verlobten in den Wind schoss und mit dem späteren Vizegewinner Mike Leon Grosch ein Techtelmechtel anfing, weil das so eine schöne romantische Geschichte für die Einspieler gab. Nach DSDS ging ihre Karriere dann übrigens typisch weiter, nämlich direkt in die Tonne. Zurück zu Manuel, der diesen Teil der Karriere noch vor sich hat. Er darf sich unter dem Gekreische seiner Mitbewohner in das goldene Buch von Braunfels eintragen, was Oma, Mutter und Vater emotional sehr mitzunehmen scheint. Danach wird er im offenen Auto durch den Ort gefahren und abschließend dopt ihn seine Oma mit Grillwürstchen, deren Reste er nachher in seinen DSDS-Knast mitnehmen soll.

    Im zweiten Durchgang singt Manuel den “Englishman in New York” von Sting. Aha, Letzterer ist demnach also ein Held der Popgeschichte. Na gut, das kann man durchgehen lassen. Tatsächlich gibt es diesmal eine kleine Tanzperformance: Manuel trägt als “Engländer” eine rot-karierte Weste, hat einen schwarzen Bowler auf dem Kopf und schwenkt außerdem den für die britischen Inseln immer empfehlenswerten Schirm. So präpariert tanzt er mit einer Formation ähnlich kostümierter Damen auf der Bühne. Gesanglich ist das ebenfalls eine überwiegend gute Performance. Dieter ist heute leider wieder voll auf seinen Alles-für-Menowin-Kurs eingeschwenkt und macht Manuels Titelauswahl nieder. Mit dem Song könne man ja nichts zeigen, der brächte keine Gefühle rüber, er fand die ganze Nummer nicht gut. Oh Mann, Dieter ist ja sowas von berechenbar, das ist wirklich zum Kotzen.

    Auch Mehrzad Marashi hatte in der vergangenen Woche Heimaturlaub. Er macht in Hamburg mit seiner Freundin eine Bootstour und absolviert einen sogenannten Spontanauftritt in seiner ehemaligen Schule, so richtig viel Berichtenswertes ist dabei aber nicht passiert. Er singt heute den fast fünfzig Jahre alten Titel “Runaway” von Del Shannon und tanzt dazu mit einem Haufen Pettycoat-Trägerinnen. Nachher gibt noch drei Gefühlspunkte extra, als Mehrzad erzählt, dass dies das Lieblingslied seines im Vorjahr verunglückten Bruders gewesen sei. Dieter Bohlen hat offenbar inzwischen auch die selbstverständlich völlig souverän agierende Restjury pro Menowin eingeschworen, denn die ganze Bande äußert sich nur mau zu der gerade gehörten Nummer, dabei war die m.E. gar nicht schlecht. Bohlen spricht sogar von Unprofessionalität und bemüht auch wieder sein derzeitiges Lieblingsschimpfwort “Hühnerkacke”. Ich rate mal so ins Blaue: Den nächsten Titel von Menowin finden die drei Clowns wieder herzallerliebst.

    Auch beim Freigang von Menowin Fröhlich war die Kamera dabei. Wir sehen kitschig-romantische Bilder von ihm und seinem getrennt von ihm bei der Ex lebenden Sohn in einem Park und auf dem Spielplatz. Danach ist Familientreffen bei den Menowins, soweit die gerade nicht einsitzen (sagt die “Bild”). Zuletzt dann auch noch Eindrücke von einer Autogrammstunde mit Schulmädchen, die buchstäblich bei ihm am Tisch mit Weinkrämpfen zusammenbrechen, was für seine ohnehin schon ausgeprägte Arroganz mit Sicherheit verheerende Folgen haben dürfte. Menowin singt “You are the Sunshine of my Life” von Stevie Wonder und gibt dabei seinem Affen trotz des eigentlich ruhigen Songs wieder reichlich Zucker. Er zuckt und hüpft in seinem glitzerndem Jäckchen und erinnert mich dabei etwas an den seligen Holger Göpfert aus DSDS 2009. Wenn ich seinen Auftritt in einem Wort charakterisieren sollte, wäre das “Überperformance”. Dass die Jury das anders sieht, ja geradezu euphorisch schwelgt, war vorauszusehen. Und als von Dieter und Nina schon alle Superlative über Menowins dickem Kopf ausgegossen sind, fällt Volker nur noch ein, er fühle sich von dem Lied “total geflasht”, worunter ich mir nichts vorstellen kann. Vielleicht hat er jetzt ‘ne feuchte Hose?

    Dritte und letzte Runde, jetzt kommen die Nummer-Eins-Titel. Manuel Hoffmann greift tief in den Honigtopf und fördert leider Richard Sandersons “Reality” zutage, ein Lied, bei dem Diabetiker lieber weghören sollten, weil es so klebrig-zuckrig daherkommt. Ja, da ist der Junge dann aber doch irgendwie selbst schuld, wenn die Jury ihn dafür fertig macht, das Lied mag doch keiner, oder? Er steht wieder wie vor seinem ersten Rausschmiss recht stocksteif und im eklig-ordentlichen Anzug (genau Dieters Outfit!) vor dem Mikrofon und singt ganz ruhig seinen Song runter. Ciao Manuel, das war es dann wohl. Überraschenderweise sieht die Jury das total anders, gute Songauswahl, prima Outfit, super gesungen, weiter so… Hmmm, glaube trotzdem nicht, dass es für ihn so ins Finale geht.

    Mehrzad Marashis letzter Titel ist “Ich kenne nichts” vom obercoolen Xavier Naidoo. Mehrzad und Xavier, das passt natürlich wie Arsch auf Eimer, das Lied könnte für den DSDS-Kandidaten geschrieben worden sein. Seine Performance ist so gut wie immer, klamottentechnisch auch keine Überraschung (Stichwort schwarzer Lederhut), aber da passiert es, er holt seine Anti-Menowin-Geheimwaffe raus: Nach den letzten Tönen geht Mehrzad mit dem Mikrofon zu seiner Freundin Denise und fragt sie für die gesamte Halle hörbar, ob sie seine Frau werden wolle. Als er dann auch noch den passenden Verlobungsring dazu aus der Tasche holt und ihr ansteckt, ist die Gute hin und weg und sagt offenbar ja. Allgemeine Begeisterung, das ist Romantik pur, selbst der zweimal verheiratete (und geschiedene) Dieter hat bestimmt Tränen in den Augen. Genialer Coup, vielleicht bringt das ein paar Prozente gegen den Knastologen. Und zu dem gerade gehörten Song gibt es von der Jury dann auch nur noch Bestnoten.

    Mit “I swear” von All-4-One lässt Menowin Fröhlich den Abend ausklingen. Auch bei diesem Titel genehmigt er sich wieder einige textliche Freiheiten, wie ich beim Mitlesen des Originaltexts feststellen konnte. Dieter lässt alle Hemmungen fallen, lobt Menowin über den grünen Klee und dann platzt es aus ihm heraus: “Du hast heute dreimal titanisch abgeliefert, dreimal Volltreffer. Die ganzen Geschichten aus Deiner Vergangenheit, da scheiß’ ich drauf, hier geht es nur darum, was Du auf dieser Bühne ablieferst. Das war heute dreimal mega-hammer-geil.”, fasst er den Abend für Menowin in Straßendeutsch zusammen. Besser kann man gar nicht illustrieren, dass DSDS im Endeffekt ausschließlich mit den konkreten wirtschaftlichen Interessen eines Herrn Bohlen zu tun hat und mit sonst gar nichts. Der Oberjuror hat fetteste Dollarzeichen im Auge, ihn interessieren nur Vermarktbarkeit und Kommerzialität der Sänger, nicht deren Musikalität oder Kreativität. Dieter, das muss mal wieder gesagt werden, ist kein Künstler, sondern ein geldgeiler Kaufmann. Und der ganze Wettbewerb “Deutschland sucht den Superstar” ist aus seiner Perspektive gesehen lediglich eine Akquise-Veranstaltung riesigsten Ausmaßes mit dem Ziel, seinen Reichtum zu mehren, so sehe ich das jedenfalls.

    In diesem Sinne ist auch der nun folgende Auftritt von Mark Medlock mit “Real Love” zu verstehen, Dieter will fettestmöglich absahnen und platziert daher in seiner Sendung seinen Superstar mit seinem Lied. Das ist eine echte Win-Win-Win-Situation, wobei alle Beteiligten Dieter Bohlen heißen und in Tötensen wohnen. Der Medlock kann einem fast Leid tun, dass er schon wieder mit so einem merkwürdigen Bohlen-Song auftreten muss, aber der will das ja nicht anders. Er schubbert sich im weißen Anzug auf die Bühne, sieht dabei wie immer etwas verhungert aus und chronisch ungesund sonnengebräunt. Musikalisch ist das wieder Fließbandware, Bohlen verbraucht schon im Intro alle seine drei Akkorde, dazu eine Prise spanisch klingende Gitarren (wegen Sommerhit) und ein paar geflüsterte Stimmen in fremden Sprachen. Jetzt kommt Medlocks Einsatz, der gleich mit einem epochalen, elektronisch verfremdeten Refrain startet: “Nananananananananananananaaaaaaa, real Love”. Der Rest ist auch nicht viel besser und stammt wohl aus der üblichen Bohlenschen Streusandtextbüchse, z.B. Heart, Love, burning Desire usw. Eigentlich müsste dieser Auftritt eine Warnung an alle DSDS-Teilnehmer sein, was dabei herauskommt, wenn man die Sache mit dem Superstar wirklich Ernst nimmt. Grässliches Lied, aber Bohlen klatscht selbstredend begeistert, was seine sämtlichen Kritiken an anderen Künstlern natürlich relativiert. Hinterher fraternisiert Medlock noch mit Menowin (“bin stolz auf Dich”) und veranlasst mich damit endgültig, alle seine Titel auf meinem Rechner zu löschen… Das ist natürlich nur so hypothetisch dahingesagt, denn Medlock-MP3s hätte mein Virenscanner längst als Bedrohung erkannt und gefressen!

    Zeitsprung dank Festplattenrekorder, ich erspare mir die Untiefen des bösen deutschen Humors und die endlose Schreylsche Kandidatenfolter und blende mich direkt ein in die Urteilsverkündung. Wie wohl nicht anders zu erwarten, fliegt Manuel Hoffmann nun zum zweiten und letzten Mal raus, der Weg ist frei für das epische Finale zwischen Menowin und Mehrzad am nächsten Sonnabend. Ich kann beim besten Willen nicht sagen, dass ich mich darauf freue oder gar gespannt bin, mit welchem Abstand Menowin gewinnt. Dieter hat diesmal schon frühzeitig die Spannung gekillt und seine Voreingenommenheit für einen Kandidaten offen zur Schau gestellt. So macht ein Wettbewerb keinen Spaß.

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  • Ach Du dickes Ei!

    Pünktlich zu Ostern sendet RTL ein Lebenszeichen der bräsigen Bauern aus der 2009er-Staffel. Inka Bause glaubt offenbar nach wie vor an ihre Mission, Landwirte mit Partnerinnen bzw. Partnern zu versorgen. Heute will sie zusammen mit den Zuschauern erkunden, welchen Erfolg ihre Bemühungen vom Herbst letzten Jahres langfristig gezeitigt haben.

    Der heutige Mischmasch aus Rückblenden und aktuellen Spielszenen des Bauerntheaters beginnt in Mecklenburg-Vorpommern bei der “treuen” Pferdewirtin Berit und ihrem “liebevollen” Fernsehpartner Stefan, der sie heute lt. Drehbuch mit einem romantischen Heiratsantrag überraschen wird. (BTW: Warum sie immer als “Pferdewirtin” tituliert wird, obwohl sie vor allem Schweine zu besitzen scheint, verstehe ich nicht ganz.) Stefan wohnt seit Jahresbeginn mit auf dem Hof und hat sich bereits weitgehend in den bäuerlichen Tagesablauf integriert. Ach, was muss Liebe schön sein, wenn man so Händchen haltend durch den Schweinestall schlendert, wie unsere norddeutsch-drögen Protagonisten…

    Mit einem romantischen Abschiedskuss im Stall trennen sich die beiden, Berit geht links rum und schrubbt die Sau Rosalie, während Stefan rechts abbiegt und Hengst Flori mit einer Striegeleinheit beglückt. Dabei flüstert der Neubauer seinem Zossen ein paar Geheimnisse ins Ohr, gerade laut genug für die Kamera: Er wolle seiner Berit einen Heiratsantrag machen, was er (das Pferd! DAS PFERD!!!) davon halte? Flori wiehert auch sofort eine vermeintlich zustimmende Antwort – in Wirklichkeit hat er wohl außerhalb des Bildes vom Regieassistenten einen Tritt bekommen. Auweia, so ein Schwachsinn, dagegen ist ja “Flipper” reinstes Bildungsfernsehen! Wenn das so weitergeht, sollte man die nächste BsF-Staffel wohl lieber im Kinderkanal senden.

    Der Heiratsantrag findet dann später in der Scheune statt; Stefan hat ihn mit Hilfe des Fernsehens zu einem Event mit größtmöglichem Kitschfaktor aufgepimpt. Er führt seine Berit mit verbundenen Augen auf den bunt dekorierten Heuboden und stellt ihr zwischen Strohballen, Luftballons und anderen Dekoteilen dann die Frage aller Fragen. Klar sagt sie JA, was sonst? Bezeichnend für diese Serie, dass ausgerechnet eines der langweiligsten Paare wohl tatsächlich in den Hafen der Ehe einlaufen wird. Da, wo wir Zuschauer am meisten (Fremdschäm-)Spaß hatten, dauert das Heiraten entweder mindestens noch ein paar Monate oder fällt komplett flach wegen is’ nich’.

    Der in Hessen residierende “lustige” Ziegenwirt Willi ist, Inka sei Dank, ebenfalls nicht mehr unbeweibt. Mit der dauergrinsenden Karola hat er zumindest gewichtsmäßig einen Hauptgewinn gezogen. Und nicht nur das, man ist sogar schon zu dritt! Nein, nicht was ihr denkt, so schnell schießen die Hessen nicht! Aber Karola hat aus früheren Zeiten eine 15jährige Tochter, die hat sie gleich mitgebracht. Das in der letzten regulären Folge mit der Familienplanung befasste Eselpaar Harry und Sally ist da übrigens schon ein bisschen weiter: Sally hat inzwischen einen dicken Bauch und frisst für drei.

    Vor laufender Kamera gibt Willi den Familienclown und heckt einen neckischen Osterspaß aus: Er legt ein paar bemalte Eier in den Hühnerstall zu den “echten” Eiern und beömmelt sich minutenlang darüber, als Karola sie beim Eiersammeln findet. Jaja, am vielen Lachen erkennt man den Narren, wie das Sprichwort sagt. Später dürfen wir virtuell noch an dem familiären Großereignis des Ostereierfärbens teilnehmen, einer Tätigkeit, die für Außenstehende auf den ersten Blick trivial wirkt, hier in Hessen jedoch für arges Kopfzerbrechen sorgt. Schon das Herausfinden der richtige Temperatur für die Lebensmittelfarbe scheint ein kaum lösbares Mysterium zu sein, das umfangreiche Diskussionen bei allen drei teilnehmenden Generationen auslöst.

    Das seit der Auflösung von Cindy & Bert beliebteste Paar des deutschen Fernsehens sind zweifellos Josef aus dem “malerischen” Chiemgau und seine aus dem fernen Asien stammende, zuletzt aber in Kiel wohnende Perle Narumol. Der Bayer und die Thailänderin sprechen ungefähr gleich gut – oder besser: gleich schlecht – Hochdeutsch und müssen infolgedessen weitgehend untertitelt werden. Insbesondere die von Narumol unabsichtlich, aber liebevoll zerbröselten Deutschreste haben Dank der Mithilfe von Stefan Raab inzwischen Kultcharakter bekommen, z.B. das “ich bin fick und fertig” anlässlich ihrer ersten Seilbahnfahrt. Josef und Narumol halten sich eisern an das Drehbuch, machen jeden von RTL erdachten Schwachsinn mit und sind infolgedessen seit dem Herbst quasi verlobt. Für die nächsten Monate ist mit der kirchlichen Trauung zu rechnen, die dann garantiert medial bis zum Erbrechen ausgeschlachtet werden dürfte.

    Eine standesamtliche Trauung wird es hingegen nicht geben, weil Narumol derzeit eine Witwenrente bekommt, auf die sie dann verzichten müsste. Tja, ganz so beschränkt, wie uns ihre Rolle glauben machen soll, ist sie in Wirklichkeit wohl nicht. Und ganz so nett auch nicht, wie kürzlich ein Boulevardblatt mit großer Schrift und kurzem Namen vermeldete: Angeblich hat Narumol während ihrer Lustreisen ins malerische Chiemgau die 10jährige Tochter aus der o.g. Ehe in Kiel allein zurückgelassen, was dann das Jugendamt und die besagte Skandal-Postille auf den Plan rief. Wie auch immer, in der heutigen Sendung ist das natürlich kein Thema, alles hat seine beste Ordnung und Tochter Jenny lebt inzwischen “selbstverständlich” auch mit auf Josefs Hof. Übrigens braucht Jenny als einzige Person im Haushalt nicht untertitelt zu werden!

    In der nächsten Szene sehen wir der Patchworkfamilie im mittlerweile verschneiten, aber immer noch malerischen Chiemgau bei der Nahrungsaufnahme zu. Narumol beherrscht neben der asiatischen inzwischen auch die bajuwarische Küche und hat heute dankenswerterweise eine Art Rinderbraten fabriziert. Dessen Vertilgung verschlechtert allerdings vorübergehend die sprachliche Kommunikation von Josef mit seiner Außenwelt nochmal erheblich, als er mit vollem Mund die im Drehbuch vorgegebenen Sätze aufzusagen versucht. Plötzlich, schon mitten im Kauen, kriegt der Bayer einen Riesenschreck, springt von der reich gedeckten Tafel auf und herrscht auch die Damen an, es ihm gleichzutun: Trotz tiefer Verwurzelung im katholischen Glauben hat er diesmal doch tatsächlich das Tischgebet vergessen! Als er mit seiner länglichen Bitte um Segnung der Nahrungsmittel fertig ist, dürfte der Braten wohl schon fast kalt sein. Narumol scheint sich an derlei Riten gewöhnt zu haben und wartet den Religionsanfall ihres Gatten in spe einfach wortlos ab, während Töchterlein Jenny am Tisch sitzen bleibt und weiter isst. Die wird das Tischgebet aber irgendwann auch noch mitsprechen, hat sich Josef vorgenommen. Narumol zieht hinterher noch ein nettes Fazit, das ich wörtlich wiedergeben muss, weil ich es nämlich nicht ganz verstehe: “Josef hat sick total veränder. Er blöht sick auf. Er is vor unalles Verantwortung ubernehm. Jede Frau träum davon; ick bin au eine davon!”

    Die letzte J&N-Szene spielt mal wieder in der Kirche, ganz offenbar ein Mittelpunkt des Josefschen Alltags. Er rattert vor der Kamera das katholische Glaubensbekenntnis herunter, als habe er ein schlechtes Gewissen, unverheiratet mit einer Frau unter einem Dach zu wohnen und müsse das nun durch plakativ zur Schau gestellte Frömmigkeit wieder wettmachen. Narumol glänzt auch hier durch routiniertes Abwarten, Tochter Jenny sieht dagegen eher etwas verschreckt aus. Das wird auch nicht besser, als die anderen Dorfbewohner sie nach der Kirche befragen, was sie denn vom Osterhasen bekommen habe. (Unter uns: Der ganze Quatsch stammt von vorn bis hinten aus dem Drehbuch, die Szenen sind garantiert schon mehrere Wochen alt, es liegt nämlich noch hoch Schnee im malerischen Chiemgau und Ostern ist weit…)

    Nun geht es weiter in ostfriesische Gefilde, zum Jungbauern Carsten. Der hatte sich  ja bekanntlich trotz meiner Warnung für die Lehramtsstudentin Lilja und damit gegen die blonde Annika entschieden. Wer nicht hören will, muss fühlen: Als die Kameras ausgeschaltet wurden, hatte sich auch Lilja vom Hof gemacht und Carsten allein gelassen. Der will sich im Hinblick auf seine erst 23 Lenze noch nicht ganz mit einem Leben als Junggeselle abfinden und nutzt deswegen Inka Bauses erneuten Hausbesuch für eine zweite Chance. Zusammen mit einem Kumpel wühlt er sich durch einen Haufen mit Zuschriften beziehungswilliger Möchtegern-Bäuerinnen. Freimütig bekennt er, dabei nur auf die Fotos zu achten, der Frauenversteher. Weshalb er nicht bei Annika anruft, kleinlaut um Verzeihung bittet und sie zurückzuholen versucht, bleibt allerdings sein Geheimnis. Und woher der so geschwind herbeigezauberte Posthaufen stammt, verrät uns RTL übrigens auch nicht!

    Nach nur einer Werbepause steht plötzlich eine neue Bewerberin auf seiner bäuerlichen Schwelle, nämlich die langmähnige blonde Sarah aus Schleswig-Holstein, die auf mich auch sofort einen sehr positiven Eindruck macht. Gute Wahl, Carsten, vermassle das Ding aber nicht noch einmal!!! Keine Angst, diesmal geht er professionell ran und zeigt dem Mädel gleich seine Sammlung mit Tierschau-Pokalen. Anschließend erfolgt die namentliche Vorstellung der schwarz-weiß gefleckten Stallbewohner. Die Kühe seien seine “Angestellten, Freunden und Familie zugleich”, gibt uns Carsten einen unerwünscht tiefen Einblick in sein Seelenleben. Leider kann er den romantischen Wunsch seiner möglichen Zukünftigen nicht erfüllen, mit dem Kuh-Rasierer einen Stern in die Seitenwand seines Lieblingsrinds zu fräsen, aber bis zum nächsten Treffen mit Sarah wolle er das üben, verspricht er.

    Die Story um den “feurigen” Holzbauern Maurizio aus Baden-Württemberg war insgesamt eher eine Lügennummer, wie man hinterher aus der Blödzeitung erfuhr: In Wirklichkeit war er nämlich gar kein Bauer mit eigenem Wald, sondern lediglich ein Forstarbeiter. Und sein Winzbauernhaus mit den offenbar von einem Farbenblinden ausgesuchten Tapeten gehörte auch gar nicht ihm, sondern war nur für die Sendung gecastet worden. Vermutlich spricht Maurizio normalerweise noch nicht mal mit italienischem Akzent, heißt eigentlich Erwin und kommt aus Wanne-Eickel… Aber in Inka Bauses heiler Fernsehwelt gibt es keine Lügen, die paar kleinen Schwindelgeschichten werden heute schnell umgedichtet. Demnach sind Maurizio (“In meine Leben hat sich gewaltig verändert”) und seine Claudia mittlerweile in ein größeres Haus (“unser Liebesnest”) mit angebautem Ziegenstall umgezogen. Das erscheint angesichts der eher barocken Ausmaße der rothaarigen Dame auch dringend angeraten… :-)

    Eine zweite Szene führt uns in die Küche des dauerkichernden Pärchens, wo der immer noch leicht diabolisch wirkende Maurizio gerade mit seinen Pizza-Fertigungstalenten angibt. Während er mit dem Teig jongliert, erklärt die Stimme aus dem Off, dass er sich so in das Herz (und den Magen) seiner Claudia gekocht habe. Dass die ein gutes Essen zu schätzen weiß, ist offensichtlich. Anschließend futtern die beiden vor der Kamera die frische Pizza, da haben sich die Drehbuchschreiber noch eine Überraschung von Maurizio für Claudia ausgedacht: Er hat im Schlafzimmer knallrote Bettwäsche aufgezogen, das ist es schon. Hmm, na und? Ist die neu gekauft oder frisch gewaschen oder was soll da die Überraschung sein? Verstehe einer die Fernsehfuzzis.

    Der “fröhliche” Claus Clausen ist mit 59 Jahren der älteste BsF-Kandidat und wohnt im ansonsten schönen Nordfriesland, wo man ganz offenbar eine Alternative für die lästige Differenzierung in Vor- und Nachnamen gefunden hat. Auch die von RTL im letzten Jahr kolportierte Homestory zu Großbauer Clausen war nicht ganz koscher, denn eigentlich ist er längst anderweitig lädiert liiert und hat an der Sendung nur aufgrund einer (wohl verlorenen) Wette teilgenommen. Ja, die Friesen sind schon ein komisches Volk. Das hat auch die von Clausen geschossene, etwas späte Braut Andrea nach einiger Zeit gemerkt. Zuvor durfte sie bei ihm allerdings ein paar Tage in der renovierungsreifen Abseite residieren, die Gästezimmer zu nennen er sich erdreistete.

    Bezeichnenderweise besucht das Fernsehen diesmal statt Claus Clausen lieber seine Andrea – und zwar nicht bei den Fischköppen, sondern in ihrer hessischen Heimat. Dort kommt heute eine Freundin zum Kaffee und mit der wird lt. Drehbuch der Fall Clausen nochmal aufgearbeitet. Ach, wie erstaunt sie doch gewesen sei, als sie aus der einschlägigen Presse von der Promiskuität des juvenilen Friesen erfuhr, vor Ort hätte nämlich “nichts drauf schließen lassen, dass da ständiger Verkehr von einer anderen Frau ist”. Oh, wieder so ein schöner Satz im korrekten Amtsdeutsch, das fand ich schon immer an Andrea so toll; vermutlich ist sie von Beruf Politesse.

    Kurze Wasserstandsmeldung aus der Pfalz: Eher gähnende Unterhaltung lieferten seinerzeit der “patente” (RTL-Slang für “dicke”) Markus und seine Münchener Tierpflegerin Yvonne. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an die Bilder, als die beiden auf zu klein wirkenden Pferden durch die Pfälzer Pampa ritten und hinterher beim Picknick beschlossen, sich etwas Zeit zum Nachdenken zu genehmigen. Die Bedenkzeit wurde mittlerweile auf unendlich ausgedehnt, denn leider ist aus den beiden nichts geworden, Yvonne ist und bleibt weg und man sieht Markus allein beim Holzhacken. Später resümiert er mit seiner ebenfalls pfundigen Mutti nochmal über den Ausflug in die Damenwelt und die beiden kommen zu der beruhigenden Erkenntnis, dass Yvonne eigentlich sowieso nicht richtig gepasst hätte. Markus will aber nicht aufgeben und plant für heute Abend noch den Besuch einer Tanzveranstaltung, “mal sehen, was sich so ergibt”.

    In puncto Action war beim romantischen Rheinhessen-Weinbauern Tobias und seiner Gespielin Kerstin ebenfalls nicht viel los, die drei Erotik-Punkte für die Brusthaarentfernung (bei ihm) sind inzwischen schon arg verblasst. Zwar gab es eine vom Fernsehen fast mitverfolgte gemeinsame Nacht, aber trotzdem ist aus den beiden kein richtiges Paar geworden. Vorbei der Enthusiasmus, Tobias ist (wieder) Single und wirkt darob leicht deprimiert, als der RTL-Landfunk ihn beim Gläserspülen in der Küche überrascht. Aber Partnervermittlerin Inka Bause versucht buchstäblich alles, um ihn dennoch glücklich zu machen. Heute Abend, zufällig gerade beim Besuch des Fernsehteams, kriegt er nämlich lieben Besuch aus der Pfalz: Es ist der ebenfalls sitzen gelassene Bauer Markus von der vorherigen Szene… Naja, warum auch nicht, wir sind schließlich ein aufgeklärtes Publikum und gehen mit der Zeit…

    Nein, Scherz, aber die beiden wollen heute Abend zusammen auf die Piste. Nach einem “strammen Max” zur Stärkung versuchen sie sich aufzubrezeln, was ich mir bei Markus mit seiner Ausmiste-Latzhose aber nur schwer vorstellen kann. Ihm selbst scheint es ähnlich zu gehen. Fieserweise spielt RTL dazu auch noch die “Dick und Doof”-Titelmelodie – ich spare mir mal den auf der Hand liegenden Witz. Später sieht man die beiden Herren in der Dorfdisko beim Aufreißen der Eingeborenen-Weibchen. Sie liegen beide mindestens 15 Jahre über dem Altersdurchschnitt der übrigen Gäste, stören sich daran aber kaum. Ist eh schon alles ziemlich peinlich, wie die beiden da mit z.T. runden Bäuchen in zu engen Hemden im Scheinwerferlicht und vor den Fernsehkameras am Thresen sitzen und auf lässig machen.

    Fehlt noch unser kleiner Unglückswurm Dieter aus dem Schwabenland. Er hatte sich beim Scheunenfest zu Beginn der Staffel mit albtraumwandlerischer Sicherheit die falschestmögliche Partnerin geangelt: Heike, die sich vor Kühen, Kuhmist, Melken, Milch, Bauern und Landwirtschaft im Allgemeinen ekelte. Mit Dieters Mutter geriet sie bei der Benutzung der bäuerlichen Küche dann auch noch akustisch eindrucksvoll aneinander und verließ kurz darauf den Hof. Angeblich wolle sie etwas in Mode machen, sagte Heike zum Abschied, der keinem schwer fiel. Heute bringt Inka als Postbotin neue Briefe von weiteren unerschrockenen Bewerberinnen, die sich angeblich bei RTL für Dieter gemeldet haben. Der ist etwas zurückhaltend, will natürlich – gerade vor der Kamera – nicht noch einmal enttäuscht werden. Ob’s was wird, wird heute nicht gesagt, vermutlich hat sich da aber noch nicht so schrecklich viel getan.

    So, das war nun erst mal das Neueste von unseren herzensbrechenden Landwirten. Vermutlich gibt es dann zur Hochzeit von Josef und Narumol eine Sondersendung direkt aus dem Malerischenchiemgau. Dann melde ich mich natürlich wieder, versprochen!

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  • DSDS (RTL) 04.04.2010 4 Comments

    Vorweg eine Warnung!

    Leute, denen vom Arzt jede Aufregung verboten wurde, sollten die heutige Sendung  lieber nicht gesehen haben!!! RTL hat sich diesmal im Vorfeld nämlich jede Menge Dramatik einfallen lassen, um dem bislang eher gemächlich dahinplätschernden DSDS-Bächlein ein paar kräftige Stromschnellen zu verpassen. Ganz Deutschland, jedenfalls der Teil, der Bohlens Hofpostille “Bild” liest, ist in schwerster Sorge um Menowin Fröhlich. Dieters Hätschelkind ist nämlich angeblich seit Dienstag bis auf weiteres spurlos verschwunden. Bereits einige Tage zuvor hat er sich mit den DSDS-Mitbewerbern schwer gefetzt, was man beim genaueren Hinsehen wohl schon am letzten Samstag bei der Top-5-Show hätte sehen können, behauptet “Bild”.

    Nicht, dass plötzliches Verschwinden für Ex-Knacki Menowin besonders ungewöhnlich wäre, davon können z.B. die Justizbehörden und seine Ex-Cousine, Pardon Ex-Freundin ein Liedchen singen. Aber für “Deutschland sucht den Superstar” ist es schon ein Novum, dass einer der Top-Kandidaten sich im Vorfeld einer live übertragenen Mottoshow ohne Ankündigung verkrümelt, an keiner Probe teilnimmt und es unsicher ist, ob er überhaupt rechtzeitig zurückkommt. Sagt zumindest die “Bild” und die weiß ja eigentlich immer alles am besten, manchmal sogar besser als die Beteiligten selbst.

    Wie dem auch sei, jedenfalls klebt Fernsehdeutschland heute Abend mit Spannung vor der Glotze und wartet darauf, wie viele und welche Kandidaten zur Sendung erschienen sind. Nachdem der von Mal zu Mal nerviger werdende Moderatorenimitator Marco Schreyl seiner Profilneurose wieder ordentlich Zucker gegeben und sich wegen Ostern als “Eiermann” aufgespielt hat, der uns “seine” Sendung quasi als Ostergeschenk kredenzt, kommt die Jury auf die Bühne. Jau, die sind noch vollzählig: Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller, wobei die letzten beiden eigentlich nur am Tisch sitzen, damit uns Dieter sich nicht so langweilt.

    Dann werden die Kandidaten angesagt und ei der Daus: die Bande ist vollzählig angetreten, auch der vermeintlich auf der Flucht befindliche Menowin gibt sich die Ehre. Schon bei der Nennung seines Namens entringt sich einem Großteil der Zuschauerinnen ein Schrei der  Verzückung. Offenbar steht die Damenwelt auf Bad Guys à la Menowin – verstehe einer die Frauen… Die Top 4 singen gemeinsam “Crying at the Discotheque” von Alcazar. Dass Menowin das Stück angeblich nicht geprobt hat, ist weder zu sehen noch zu hören. Er tanzt die Choreografie ganz normal mit und bringt seine Einsätze scheinbar fehlerlos. Vermutlich ist die ganze Story mit seinem temporären Verschwinden also wirklich nur ein großer Bluff, um den Zuschauern ein wenig Action und Suspense zu liefern. Menowin, der Freiheitskämpfer, der sich nicht den DSDS-Regeln unterwirft, der unberechenbare Knastologe, den vermeintlich nicht mal Onkel Dieter so richtig zähmen kann, das lässt sich gut vermarkten. Armer Mehrzad, mit seiner Amöbenstory in der Bildzeitung (wo sonst?) über den einkassierten Führerschein stinkt er dagegen erbärmlich ab, Normalität ist bei RTL eben Langeweile.

    Das Motto des heutigen Abends lautet “alt gegen neu” und steht für die Megaidee, dass die Kandidaten in der ersten Runde alle einen aktuellen Titel und in der zweiten Runde einen Oldie singen müssen. Den Anfang macht diesmal Manuel Hoffmann. In seinem Einspieler wird mangels anderer Ereignisse zunächst ein weiteres Mal der Umstand beleuchtet, dass der angehende Kindergärtner mit der unklaren sexuellen Orientierung ursprünglich in der Top-6-Show rausgeflogen, dann aber einen Tag später als Ersatz für den in Ungnade gefallenen Helmut Orosz wieder in den Wettbewerb zurückgerufen worden war. Die eigentliche Überraschung kam dann eigentlich erst in der letzten Show, als Manuel nicht sofort wieder rausgewählt wurde und stattdessen der vermeintlich populärere Checker Thomas Karaoglu gehen musste. Um die restlichen Minuten des Einspielfilmchens zu füllen, hat RTL Manuel dann auf den Nürburgring verschleppt und lässt ihn als Beifahrer ein paar schnelle Runden drehen, was ihm sichtlich Spaß macht.

    Manuel singt “Chasing Cars” von Snow Patrol und treibt dabei seine aus den vorhergehenden Shows schon bekannte Mikro-Choreografie auf die Spitze, denn während der ersten und letzten Strophe liegt er rücklings im Dämmerlicht auf der Bühne, auch dazwischen dürfte sein Puls kaum über 60 hinausgegangen sein. Hier und da verrutscht ein Ton, aber im Vergleich zu seinen Geschlechtsgenossen wirkt Manuel sehr natürlich und unprätentiös. Die Jury feiert ihn überschwänglich, er steigere sich mit jeder Show und habe heute ein”absolutes Überraschungsei” gelegt.

    Kim Debkowski versucht über die Mitleidsschiene zu punkten, sie hat sich nämlich trotz eitriger Angina (Bildzeitung) in die Sendung geschleppt – ein Sonderapplaus der ganzen Halle ist ihr Lohn. In ihrem Einspieler beantwortet sie einige der wohl zahllosen für sie eingegangenen Zuschriften von Leuten, die noch unbedarfter sind als sie. Wer würde sich sonst Lebenshilfe von einer 17jährigen holen, die mehr Zeit vor dem Schminkspiegel als in der Schule verbringt?

    Mit dem teilweise gerapten “Evacuate the Dancefloor” von Cascada tritt Kim heute in der ersten Runde an. Sie trägt wie immer ausgefallene Klamotten, nämlich die glitzernde Diskoversion des “kleinen Schwarzen” inkl. passender Leggins, dazu eine ebensolche schwarze Gesichtsmaske. Hatte ich schon erwähnt, dass sie heute mit einer aufgeplusterten Riesenmähne im Afrolook herumläuft? Kims gelungene Verkleidung und ihr beispielhafter Fleiß werden von der Jury gelobt, allerdings gibt es bei Dieter einen kleinen Wermutstropfen: “Wenn nur die Scheiß-Stimme nicht wäre”, resümiert er unter den gellenden Pfiffen ihrer Anhänger… Übrigens grüßt Kim hinterher noch den im Publikum sitzenden Benny Kieckhäben, einen Veteranen der letzten Staffel. Damals hatte er die Rolle als Paradiesvogel inne, die in diesem Jahr eben Kim zufällt.

    Nach der ersten Werbepause kommt nun – mal wieder an einer hinteren Position – der Liebling der Massen, zumindest was die Gröhllautstärke seiner Fans angeht: Menowin Fröhlich stellt im Einspieler klar, dass es natürlich gar keinen richtigen Streit mit den anderen Kandidaten gab und er selbstverständlich auch Kritik vertrage. Allerdings gäbe es dazu kaum Anlass, denn die letzten Wochen hätten immer wieder bewiesen, dass Deutschland ihn “geil” fände. Offenbar hat er sich mental schon völlig auf den Titelgewinn eingestellt. Allerdings rechtfertigt sein heutiger erster Auftritt mit Milows “Ayo Technology” meines Erachtens keineswegs die Hoffnung auf den Titelgewinn und nährt sogar Zweifel, ob der Kandidat überhaupt zu Recht unter den Top 4 ist. Die Nummer wirkt tatsächlich völlig ungeprobt und Menowin brabbelt sich in den leiseren Passagen der ersten Hälfte kilometerweise unverständlichen Text in den Bart. Entweder ist das alles zu schnell und deswegen versteht man nichts oder er hat – mal wieder – den korrekten Text vergessen und improvisiert über weiter Strecken mit spontan erfundenen Vokabeln, was dann in sich schon eine bewundernswerte Leistung wäre.

    Menowins Anhänger scheinen davon völlig unbeeindruckt und johlen und kreischen während der gesamten Nummer. Offenbar hat bei denen schon so eine Art Entkopplung stattgefunden, der Kandidat wird nicht wegen seiner musikalischen Leistung, sondern tatsächlich nur aufgrund seiner (von RTL aufgebauten) Persönlichkeit unterstützt. Der greifbare Triumph einer im Leben ansonsten eher gescheiterten Figur wie Menowin ist einfach eine tolle Geschichte, die vielleicht auch vielen anderen Losern Hoffnung macht. Das ist so ein bisschen wie damals bei der ersten Big-Brother-Staffel die unerklärliche kurzzeitige Idolisierung von Zlatko, einem Typen von derart überschaubarem Intellekt, dass man ihn nicht mal allein zum Einholen schicken würde. Der wurde zum Messias für alle, die noch beschränkter waren, als er selbst.

    Die Jury, auch Papa Bohlen, ist sich einig: Das gerade gehörte Lied war eine Katastrophe, der Text nur als Buchstabensuppe zu gebrauchen und es fehlte jegliches Gefühl. Menowin habe großes Talent, trete das aber momentan mit Füßen. Seine fanatisierten Anhänger buhen und pfeifen bei jedem kritischen Wort so laut, dass die Jury akustisch kaum noch durchkommt. Wie gesagt, die Leute ticken irgendwie schon nach anderen Maßstäben, die zwar viel mit der RTL-Superstar-Vermarktung, aber nichts mit Musik zu tun haben.

    Die “rote Laterne” trägt heute Mehrzad Marashi, den wir im Einspieler als respektvollen Samurai-Schwertkämpfer erleben dürfen. Menowins renitente Fans zeigen, wes Geistes Kind sie sind und buhen schon vor dem ersten Ton von Gnarls Barkleys “Crazy” um die Wette, die Ignoranten. Aber Mehrzad zieht sein Ding durch und liefert die von ihm gewohnte Qualität ab. Passend zum Titel hantieren die Tänzer auf der Bühne mit Zwangsjacken, vielleicht sollte man die hinterher für die schlimmsten Menowin-Fans reservieren, die sich zwischendurch immer wieder lautstark mit “Meno”-Sprechchören bemerkbar machen. Die Jury lobt Mehrzad für seine Beständigkeit und sein Durchhaltevermögen trotz der lauten Meno-Fans. Dieter rät ihm, doch lieber mal wieder eine langsame Nummer zu singen, das könne er noch besser.

    Zweite Runde, nun kommen die Oldies dran. Manuel Hoffmann bringt eine gut gesungene Version von “A Walk in the Park” von der Nick Straker Band. Was aber alle im Saal umhaut, ist die Choreografie: Manuel läuft auf der Bühne buchständlich während des ganzen Titels, links und rechts je eine joggende Tänzerin im bunten Trainingsanzug. Zum Refrain joggen sie dann immer zu dritt völlig synchron, das sieht einfach tierisch witzig aus. Der Junge hat ganz offensichtlich Spaß an dem, was er macht und kann gleichzeitig über sich lachen. Zwei Dinge, die insbesondere Menowin völlig abzugehen scheinen. Die Jury fühlt sich allerbestens unterhalten, erkennt Manuel nicht wieder und gratuliert ihm zu der explosionsartigen, positiven Entwicklung. Dieter erklärt “Chasing Cars” von vorhin gar nachträglich noch zum besten Act der ersten Runde. Was will man mehr? Vor allem am Ende nicht rausfliegen!

    Mit schlimmer Diskomucke aus den 70ern, einem echten Sündenfall schlechten Geschmacks, kommt jetzt noch mal Kim Debkowski. Sie hat aus Opas Plattenregal “Yes Sir, I can Boogie” des weitgehend talentfreien Duos Baccara exhumiert. Die konnten damals nämlich nicht nur schlecht singen und tanzen, sondern sprachen darüber hinaus im wahren Leben auch kein Englisch, was man jedem einzelnen Wort des englischen Textes anhört. Die somit extrem niedrigen Standards erfüllt Kim bei weitem und die Jury ist wirklich zufrieden mit der kleinen Dame. Kims Outfit muss hier noch gewürdigt werden, auch wenn es sich verbal kaum beschreiben lässt: Irgendwas zwischen Blumenmädchen und Eisverkäuferin, weißer Riesenhut mit Krempe, weiße Overknee-Stiefel, dazwischen ein schwarz-weißes Kleid, das oben am Hals in einem asymmetrischen Wellenmuster ausläuft.

    Die zweite Nummer von Menowin Fröhlich ist “Celebration” von Kool and the Gang. Diesmal läuft es besser für den sichtlich kämpfenden Kandidaten, auch wenn er am Anfang mal wieder den Text durcheinander wirbelt. Die Choreografie sieht allerdings mehr nach Aerobic als nach Tanzen aus. Begünstigt durch seine kurzen Beine, legt Menowin ein irres Tempo hin, gerät dabei schnell außer Atem und kriegt dann wieder diesen völlig humorlosen, etwas brutal wirkenden Blick, der sagt: “Komm’ mir nur nicht in die Quere, sonst wird das für Dich böse enden!” Die Jury ist einigermaßen zufrieden (Nina Eichinger: “Besser wie die erste Nummer.” [sic!]), beklagt aber die mangelnde Vorhersagbarkeit der Menowinschen Leistungen. Dieter macht auf Understatement: “Vielleicht geben Dir die Menschen ja noch eine Chance.” – als wenn die Rauswahl von Menowin eine reale Gefahr wäre…

    Als letzten Song des Abends hören wir nun den Schmachtfetzen “Unchained Melody” der Righteous Brothers, genial vorgetragen von Mehrzad Marashi, natürlich mal wieder mit seinem Markenzeichen, dem Hut. Bei der schwierigen Ballade stimmt aber wirklich jeder Ton, das könnte von den verbliebenen Kandidaten garantiert kein anderer singen. Die Jury ist hin und weg und lobt Mehrzads Talent über den grünen Klee.

    Das war es, nun haben die Zuschauer wieder das Sagen. Ob das angesichts des realitätsfernen Hype um Menowin eine gute Entscheidung wird, sei dahingestellt.

    Nach mehr als einer Stunde mit “Blöden Mädchen” und ähnlichem Kokolores naht der Moment der Wahrheit. Sofort weiter in die Top-3-Show kommen Mehrzad und (bedauerlicherweise) auch Menowin, der sofort kämpferisch die Faust zum Siegeszeichen ballt. Nein, das hat er heute absolut nicht verdient, er war heute wohl eher der schwächste Kandidat, aber wie gesagt: Darum geht es bei DSDS schon lange nicht mehr. Im abschließenden Duell zwischen Manuel und Kim zieht die letzte Frau im Wettbewerb den Kürzeren: Kim Debkowski ist raus! Kleine Pause, Helm ab zum Gebet. Sie wird uns fehlen, denn eines kann man ihr nicht absprechen: Sie hat Farbe in die Sendung gebracht, sehr viel Farbe. Fast zu viel.

    Eine weitere Erkenntnis bringt der heutige Abend: Der so lieb und harmlos wirkende, mehrfach totgesagte Manuel ist in Wirklichkeit ein Killer. Mit seiner impertinenten Gabe zum berechtigten Überleben des Telefonvoting zieht er eine Spur der Verwüstung durch das Lager ursprünglicher Favoriten. Nelson, Ines, Helmut, Thomas, Kim, wer nennt die Namen? Wenn es einen Titel gäbe für die größte Leistungssteigerung zwischen Casting und Mottoshows, für den Superstar der Herzen, ihm wäre er sicher. Leider tickt DSDS aber anders… :-(

    Für die Vorhersage, wer am nächsten Sonnabend gehen muss, braucht man kein Prophet zu sein, das wird unter Garantie Manuel werden. Danach steigt dann das epische, welterschütternde Finale zwischen dem coolen Könner Mehrzad und dem verbissenen Kämpfer Menowin. Hauptsache, alle Menowin-Gegner halten dann zusammen und rufen für Mehrzad an. Menowin als Superstar, das wäre echt ein Armutszeugnis für diese ohnehin langweilige und musikalisch grundsätzlich dürftige Staffel. Vielleicht sollte Onkel Dieter danach mal fünf Jahre Pause machen, damit ein paar neue Talente nachwachsen können (und ein paar andere nervige Pfeifen endlich die DSDS-Altersgrenze überschreiten)!

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