• DSDS (RTL) 28.03.2010 3 Comments

    Meine Güte,

    was für eine Woche! Letzten Sonnabend hatte ich an dieser Stelle noch an Helmut Orosz fehlender Homestory herumgemäkelt und schwuppdiwupp liefert er auf einen Schlag gleich soviel, dass es ihn aus der Sendung haut!!! Wie ja mittlerweile allgemein bekannt sein dürfte, hat die stets auf moralische Sauberkeit bedachte Bildzeitung Filmaufnahmen herbeigeschafft und veröffentlicht, die Helmut beim gemeinschaftlichen Koksen mit einem Kumpel auf dem Klo zeigen. Dass er außerdem auch noch – wie Menowin – eine Knastvergangenheit hat, kam dabei gleich mit ans mediale Tageslicht. Nachdem Helmut ja von Dieter Bohlen am letzten Sonnabend wegen diverser Textvergehen und Zweifeln an seiner Einstellung eh schon eine tiefgelbe Karte gezeigt bekam, hat dies das Fass völlig zum Überlaufen gebracht: RTL hat Helmut ein Freiflugticket (einfach) in die Erdumlaufbahn spendiert, d.h. ihn mit sofortiger Wirkung aus dem DSDS-Wettbewerb geworfen. Lt. Bildzeitung arbeitet er inzwischen wieder als Zeitungswerber und geht demnächst in stationäre Therapie. Also das nenne ich eine Bauchlandung!!! Und das schlimmste (für ihn, nicht für uns): Anders als Menowin, kann “Helle” es als geläuterter Ex-Sünder im nächsten Jahr nicht noch einmal bei DSDS versuchen, denn er hat dann definitiv die Altersgrenze von 30 Jahren überschritten!

    Für die plötzlich vakante Planstelle als Kandidat Nr. 5 hat man Manuel Hoffmann zurückgeholt, der eigentlich in der letzten Mottoshow regulär ausgeschieden war. Aber auch wenn dessen coachende Oma jetzt Überstunden schiebt, wird das vermutlich nur ein kurzes Gastspiel, denn “Helles” verwaiste Anhängerschaft orientiert sich bestimmt vor allem in Richtung Spaßfraktion, die ja am ehesten noch von Thomas Karaoglu bedient wird. Apropos “Checker”: Komisch, dass der als Zimmergenosse nichts von Helmuts Drogensucht mitbekommen hat… ;-)

    Doppeltes Pech für Helmut, das Thema der heutigen sechsten Mottoshow hätte ihm garantiert gelegen: “Ballermann gegen Balladen”. Nach unerklärlich frenetischem Beifall der Halle für die Jury aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller kommen die letzten fünf von fünfunddreißigtausend DSDS-Kandidaten auf die Bühne. Standesgemäß trällern sie zum Einzug gemeinsam “Hey Baby (Uhhh, ahhh!)” von DJ Ötzi, einen Song, für dessen schmerzfreien Genuss man mindestens einen Liter Sangria intus haben sollte. Habe ich nicht, deswegen tut das Lied auch echt weh im Ohr. DJ Ötzi, dem Namen nach wohl ein Nachfahre der berühmten Gletscherleiche, steht übrigens auf meiner persönlichen “Geht-gar-nicht-Liste” und deswegen haben seine MP3s Hausverbot auf meinem Rechner. Jaja, ich weiß, auf der Liste stehen schon viele Songs und Interpreten, z.B. das Gesamtwerk der Scorpions und “I just called” von Stevie Wonder. Sorry, aber ich bin in dieser Hinsicht wohl etwas verzogen… Egal, jedenfalls kann man schon bei diesem ersten Auftritt erkennen, wer die beknackteste motivierteste Fanbasis hat: Menowin muss nur die vermutlich tätowierten Augenbrauen hochziehen und sofort kreischt der halbe Saal vor Verzückung; nicht mal Thomas Bemühungen als sonnenbebrillter Shouter zeitigen ähnliche Erfolge. Und von Manuel wollen wir gar nicht reden, der offenbar in der Eile seit letztem Sonntag noch keine neuen Bühnenklamotten gefunden hat und sich auch ansonsten zahm gibt, wie ein Zivi bei der Animation der Sitztanzgruppe im Altersheim.

    Kurze filmische Rückblende auf andere DSDS-Ereignisse dieser Woche: RTL hatte versucht, die Top-5-Kandidaten auf einer Art Open-Air mitten in einer ungenannten Ruhrgebietsstadt zu präsentieren. Man sieht dramatische Bilder von wild kreischenden Teeniehorden in engen Straßenschluchten, die sich an Absperrgitter drücken und von hektischen Ordnern daran gehindert werden müssen, zu den “Stars” durchzubrechen. Für letztere ist das natürlich auch ein gefährlicher Moment, denn wenn das selbstverliebte Ego ohnehin nur einen Fingerbreit vom Größenwahn entfernt ist, kann der Anblick johlender Massen verheerende Folgen haben. Leider muss der so sorgsam inszenierte Event nach den ersten Kreislaufkollapsen abgebrochen werden. Die Kandidaten heucheln Bedauern, genießen aber ganz offensichtlich ihren temporären Ruhm und weiden sich beim Wegfahren am Anblick der ihretwegen die Schule schwänzenden Fünftklässlerinnen.

    Auch heute (Déjà-vu???) macht Thomas Karaoglan den Anfang mit seinem Ballermann-Liedchen “Das geht ab!” von Frauenarzt und Manny Marc… Frauenarzt? Was für ein bekloppter Name für einen Künstler, ob es wohl auch einen DJ Proktologe oder Lady Fleischwarenfachverkäuferin gibt? Zwar liefert der kleine Checker kostümmäßig eine sehr bunte Vorstellung, mehr Farben gehen rein physikalisch gar nicht mehr, musikalisch ist sein Sprechgesang hingegen nur Rohkost, was aber nicht an ihm liegt, sondern an dem dürftigen Song. “Bis jetzt bist Du der beste”, witzelt Dieter hinterher, lobt ihn aber ansonsten auch tatsächlich, der Song sei absolut passend für ihn gewesen. Stimmt, finde ich auch, der Song ist genau so gut wie der Checker. ;-)

    Manuel Hoffmann füllt die von Helmut Orosz selbst verschuldete Lücke und reflektiert im Einspieler etwas über die Umstände seines Ausscheidens am letzten Sonnabend. Gäääähn! Sein Titel “Ein Stern, der Deinen Namen trägt” (schon wieder DJ Ötzi) passt zu ihm wie ein Bach-Oratorium zu Dieter Bohlen, nämlich gar nicht. Man sieht Manuel direkt an, wie unbehaglich er sich mit Ballermannmucke fühlt, die an intellektueller Schlichtheit kaum noch zu unterbieten ist. Dazu passt auch, dass sein Bühnenoutfit (rot-oranger Sweater, weiße Jeans) von Ferne eher an einen Rettungssanitäter als einen mallorcinischen Stimmungsmacher erinnert. Die Jury honoriert seine Bemühungen, er habe ganz ordentlich gesungen, aber die Power für solche Art von Songs fehle ganz klar. Man hofft für ihn auf die zweite, die Balladen-Runde.

    Für Kim Debkowski kann man nur hoffen, dass sie eine gute Haftpflichtversicherung hat, denn sollte sie mal voll geschminkt vom Regen überrascht werden, dürfte nachher eine gründliche Bürgersteigreinigung fällig sein! Die letzte verbliebene weibliche Kandidatin zeigt heute in ihrer wöchentlichen Einspieler-Kolumne “Kim Gloss”, wie man mit rosa Filz, Klebstoff und Glitzersteinchen eine Top-gestylte Handytasche bastelt. Von ähnlich epochaler Bedeutung ist ihr Titel “Du hast mich tausend Mal belogen” von Andrea Berg, der singenden Ex-Krankenschwester. Ihr (also Kims) Bühnenoutfit besticht diesmal vor allem durch goldenen Halsschmuck und eine irrsinnig lange Tülle auf ihrem Kopf, durch die sie ihre schwarzen Haare (oder doch eine Perücke?) gezogen hat, was ihr etwas Zirkuspferdhaftes gibt. Der nicht immer sicher intonierte Gesang steht wie gewohnt etwas im Schatten ihres Kostüms, doch Dieter ist voll des Lobes, die Schlagernummer nähme er Kim zu seinem eigenen Erstaunen voll ab, sieht sie gar als deutsche Lady Gaga.

    Die strategisch wichtigen letzten Auftritte jeder Mottoshow gehören traditionell Dieters beiden Lieblingen Mehrzad und Manowin. Der Einspieler berichtet von einem eigentlich gar nicht berichtenswerten Kurzauftritt von Mehrzad Marashi und dem seligen Helmut bei einer RTL-Fernsehproduktion, bei der sie auch singen durften. Der wie immer dunkel und mit schwarzem Lackhut gewandete Mehrzad bringt uns heute eine täuschend ähnliche Kopie von Shaggys “Mr. Boombastic” mit. Gott, wenn man den Titel mag, war das wohl ein guter Auftritt, ob er zum Thema passt, sei dahingestellt. Dieter wittert Gefahr für seinen Top-Favoriten Menowin und pöbelt deswegen genüsslich gegen Shaggy, den angeblich “schlechtesten Sänger des Sonnensystems” (Ey, was ist mit Menderes?!?) und fragt öffentlich, wieso sich Mehrzad als anerkannt guter Sänger heute ausgerechnet eine Nummer mit reinem Sprechgesang (“Hühnerkacke”) ausgesucht hat?

    Das Ende der ersten Runde markiert – wie so oft – Menowin Fröhlich. Das hat sich Onkel Dieter schön ausgedacht, denn damit tritt sein Lieblingskandidat immer unmittelbar vor dem Beginn der Anrufphase auf, was bei Zuschauern mit eingeschränkter Gedächtnisleistung durchaus von Vorteil sein kann. (Wer’s nicht glaubt: Die ARD durfte sich als wichtigster Finanzier des Eurovision Song Contest für Ausdruckstänzerin Lena, den deutschen Beitrag in Oslo, selbst eine Startposition aussuchen und hat dafür die Nummer 22 von 25 genommen, weil die nämlich so schön weit hinten liegt.) Auch ansonsten verfügt Menowin lt. Einspieler über unbedingten Siegeswillen: “Ich werde mir den Titel nicht stehlen lassen”, sagte er dazu, dass Mehrzad von der Jury zum Tagessieger der letzten Show ernannt worden war. Aha, der Superstar-Titel gehört ihm also eigentlich schon, nette Einstellung.

    Vielleicht gibt er sich wegen des bereits sicheren Titelgewinns nicht mehr so viel Mühe, ich finde Menowin heute Abend mit “What is Love” von Haddaway jedenfalls ungewohnt schwach. Abgesehen davon, dass ich nicht verstehe, was das Ganze überhaupt mit dem Motto “Ballermann” zu tun haben soll, kommt der Text hier und da etwas verhuscht und die Töne sind zum Teil nicht hundertprozentig richtig. Am nervigsten ist aber eine neue Geste in Menowins normalerweise perfekter Choreografie, so eine Art “unsichtbares Apfelpflücken”, ein Griff hoch in die Luft. Sieht einfach irgendwie doof aus. Aber Wurscht, wie ein Normalsterblicher das findet, für Dieter ist der Auftritt eine Offenbarung, Menowin sei im ersten Durchgang ganz klar der beste Kandidat gewesen. Mann, ich kann gar nicht sagen, wie wenig mich das überrascht. Dagegen ist die Tatsache, dass Heiligabend dieses Jahr auf den 24. Dezember fällt, ja geradezu eine Sensation. Nina spielt mit ihrem Leben, als sie unter den Buhrufen der halben Halle Menowins übliche Textfehler zur Sprache bringt, die er in anderen Shows “weggepowert” habe, was ihm heute aber nicht gelungen sei. Volker erhebt ähnliche Vorwürfe, droht sogar etwas (“glaub’ nicht, dass Dir hier was geschenkt wird”) und katapultiert sich damit ebenfalls aus dem Kreis der zivilisierten DSDS-Menschheit. Dieter starrt derweil düster vor sich hin und formuliert wahrscheinlich im Kopf schon zwei Kündigungsschreiben…

    Heute können die Zuschauer bereits nach dem Ende des ersten Durchlaufs anrufen, RTL hat nämlich herausgefunden, dass so noch mehr Geld zu verdienen ist. Und da sich die Leute vermutlich ohnehin nur an einer möglichst kruden Homestory und nicht an gezeigten Leistungen der Kandidaten orientieren, sind deren Liedchen im Grunde genommen sowieso egal. Insofern ist die vorzeitige Eröffnung des Televoting nur konsequent.

    Der zweite Durchlauf unter dem Motto “gefühlsechte Balladen” beginnt wieder mit Thomas Karaoglan und seinem “Stand by me” von Ben E. King. Diesmal steht er adrett gescheitelt im Konfirmationsanzug vor einem Retromikrofon und singt artig seine Zeilen, während es seinen Fanblock (Marco Schreyl: “klein und aggressiv, wie der Checker”) nicht auf den Sitzen hält. Die Zeit eines kurzen Instrumentalparts nutzt Karaoke-Tom, der Bonsai-Gentleman, um nach vorn zum Jury-Tisch zu gehen und Nina formvollendet einen Handkuss zu geben. Die Jury ist denn auch begeistert, toller Auftritt, Superklasse.

    Ein fieser, aber zutreffender Spruch lautet “Der Tod sucht seinen Grund”. Dass Manuel Hoffmann heute vermutlich ausscheiden wird, steht bereits seit letztem Sonntag fest, denn er profitiert vom Abgang des Partykönigs Helmut, was ihm die undankbare Rolle des DSDS-Prügelknaben beschert. “Sorry seems to be the hardest Word” von Elton John, das man übrigens auch als Cover-Version von Blue kennt, dürfte in diesem Wettbewerb wohl endgültig sein letztes Lied werden – es sei denn, die Bildreporter finden auch gegen andere Kandidaten noch Indizien, so dass Manuel nochmal nachrutscht. Dabei ist das von der musikalischen Leistung her nicht berechtigt, die ruhige Ballade liegt dem angehenden Kindergärtner nämlich erkennbar besser als DJ Öff-Öffs Deppenhymne aus der ersten Runde. Seine Bühnenshow beschränkt sich im Grunde genommen auf das Tragen einer glänzenden, Bademantel-ähnlichen Jacke mit aufgedrucktem Union Jack – wohl als Reminiszenz an den von der britischen Queen geadelten Sir Elton. Dieter macht auf konziliant: “Wenn es heute Abend für Dich nicht weitergehen sollte, hast Du Dich wenigstens mit einer Supernummer verabschiedet!”

    Kim Debkowski hat sich als Ballade “Almost Lover” von A Fine Frenzy ausgesucht. Sie sitzt mit einem Tüllschleier und einem blauen Quallen-ähnlichen Dingsbums auf dem Kopf auf einem roten Armsessel mitten auf der Bühne. Ein paar gute Töne sind dabei, aber ein ganzer Haufen geht auch ziemlich daneben, eigentlich zu viele für eine Top-5-Show, aber Kim hat ja den Bonus als “Last Woman Standing”. Die Jury ist eher ungnädig, besonders natürlich Dieter: “Mit dem Titel hast Du Deine Problemzone herausgearbeitet, nämlich Deine Stimme.” und “Das war brutal!”

    “Hard to say I’m sorry” von Chicago ist Mehrzad Marashis zweiter Titel. Diesmal punktet er mit einer sehr gefühlvollen Performance, auch wenn man ihn zunächst im dunklen Anzug und seinem gewohnten schwarzen Hut vor einer fast unbeleuchteten Kulisse kaum sieht. Bei diesem Stück gefällt mir – zum allerersten Mal – die Orchesterbearbeitung nicht, die haben aus der Nummer von Chicago eine merkwürdig emotionslose Stampfnummer gemacht, etwas zu schnell für meinen Geschmack. Trotzdem singt Mehrzad den Titel topp. Dieter findet’s gut “mehr Gefühl geht nicht”, Nina und Volker sind auch sehr zufrieden.

    Im Duell der großen M&Ms beschließt Menowin Fröhlich den Abend musikalisch mit “How deep is your Love” der Falsett-liebenden Gibb-Brüder, landläufig auch als Bee Gees bekannt. Novität am Rande: Menowin mal ohne Mütze, so dass man den frisch in die Haare tätowierten Violinschlüssel gut sehen kann. Auch ansonsten ist der Auftritt um Klassen besser als bei der Ballermannrunde. Die Jury begrüßt die Rückkehr des “alten” Menowin.

    Vor der Humor-Pause (und das ist wörtlich zu nehmen) bis zur Urteilsverkündung darf die Jury einen Tipp abgeben, genau genommen spricht nur Onkel Dieter: Wenig überraschend, hält er vor allem Manuel und etwas auch Kim für gefährdet.

    Für die Überlebenden des RTL-Gehirnzellenmassakers namens “Böse Mädchen” kommt es dann nach knapp zwei Stunden zunächst wie erwartet: Menowin und Mehrzad sind sofort weiter, doch dann wird als dritter sensationell Manuel in die nächste Mottoshow gewählt! Hinsichtlich der Frage im Blog-Titel also schon mal ein klares NEIN, kein Déjà-vu, diesmal geht es weiter für den letzten Normalo im Kandidatenfeld! Stattdessen wird der Loser in einem minutenlangen Zitterduell zwischen Kim und dem Checker ausgemacht und raus fliegt am Ende ziemlich überraschend Thomas “der Checker” Karaoglan. Hmm, Respekt, das hätte ich jetzt eigentlich nicht gedacht. Dann will ich gleich mal meine eigene Vorhersage im Blog zur Top-7-Show ändern. (Nein, Scherz, das mache ich natürlich nicht und auch meine heutige Vermutung zum sicheren Abgang von Manuel lasse ich hier stehen.) An der garantierten Finalpaarung Menowin und Mehrzad ändert das aber alles nichts.

    Bis zur nächsten Woche, wenn außer Kim nur noch Männer mit dem Anfangsbuchstaben “M” auftreten!

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  • DSDS (RTL) 21.03.2010 2 Comments

    Liebe Leute,

    wieder ist Samstagabend, in Köln findet die fünfte DSDS-Mottoshow statt und das bedeutet Großeinsatz für Handys, Taschentücher und Ohropax. Mittlerweile ist die Kandidatenanzahl auf sechs zusammengeschnurrt und auch heute wird einer oder (die) eine die Hoffnung auf ein Leben als Superstar fahren lassen müssen.

    Dass künstlerische Kriterien bei dieser Veranstaltung nur am Rande zählen, haben wir ja inzwischen sicherlich alle mitbekommen. Viel entscheidender ist nämlich das Gesamtpaket (Jurysprech: “Package”), also die Melange aus Homestory, Aussehen, Persönlichkeit und zuletzt Musikalität, wobei ein möglichst problematisches Zuhause bei weitem die wichtigste Rolle spielt. Beim Rennen um die verwertbarste Homestory liegt weiterhin Menowin mit zweimal Knast (er selbst und die Mutter) und drei bei der Ex-Freundin lebenden kleinen Kindern vorn, wobei die Ex-Freundin übrigens lt. Bildzeitung gleichzeitig seine Cousine ist. Auf Platz zwei folgt Mehrzad mit einem Baby (gerade geschlüpft) und dem Unfalltod seines Bruders, außerdem kannte er einen der Toten vom Kölner Stadtarchiveinsturz. Die anderen Kandidaten sind dagegen weit abgeschlagen, haben außer einer dominanten Oma (Manuel), einer ausgeprägten Schminkmacke (Kim) und Größenwahn (Thomas) nicht viel zu bieten. Helmut könnte vielleicht wegen seines vorgerückten Alters noch ein paar Mitleidspunkte einfahren, aber das wäre es dann auch schon.

    Zwischen der eigentlichen Sendung und der Urteilsverkündung soll es heute mal keine “Böse Mädchen” oder ähnlichen Dreck geben, den RTL sich Humor zu nennen erdreistet, stattdessen wird Sympathieboxer Wladimir Klitschko live und in Farbe seinen Gegner Eddie Chambers vermöbeln. Dabei haben alle Beteiligten garantiert mehr zu lachen als in den vorangegangenen Wochen auf diesem Sendeplatz. Das Thema Boxen zieht sich denn auch etwas durch “Deutschland sucht den Superstar”, z.B. werden die Kandidaten alle in Boxklamotten vorgestellt. Das eigentliche Motto des Abends ist aber “Deutsch gegen Englisch” und das bedeutet, dass jeder der sechs heute zwei Titel singen muss, nämlich in der ersten Runde einen auf Deutsch und später einen auf Englisch. Zur Einstimmung singen alle zusammen “Let me entertain you” von Robbie Williams. Tun wir ihnen den Gefallen und lassen uns unterhalten…

    Als Kandidat Nummer Eins geht heute Abend Thomas Karaoglan mit “Hamma!” von Culcha Candela ins Rennen. Obwohl er im Recall noch unter Gedächtnisproblemen litt, kriegt der “Checker” den überlangen und sehr schnellen Text diesmal gut hin. Auf der Bühne zieht er wie gehabt eine richtige Show ab und wird dabei von einigen Tänzerinnen begleitet, die er der Reihe nach anflirtet. Nach dem Lied bekommt er erst mal ein Ständchen von der ganzen Halle, denn Thomas feiert heute seinen 17. Geburtstag. Leider hat die Regie dabei das Mikrofon von Moderator Marco Schreyl nicht abgeschaltet und man kriegt einen Eindruck von seinem musikalischen Unvermögen. Die Jury, bestehend aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller, hält sich in dieser Disziplin lieber vornehm zurück.

    Heute kommt der Moment zum Fremdschämen schon sehr früh, nämlich bereits beim Juryurteil für Thomas ersten Song: Ohne überhaupt auf das gerade Gehörte einzugehen, fragt Dieter erst mal ganz direkt, ob es stimme, dass der Checker in dieser Woche einen Einlauf gekriegt habe? (Gemeint ist ein medizinischer Einlauf, kein Anschiss z.B. von Onkel Dieter.) Der Befragte ist maximal zwei Sekunden lang peinlich berührt, besinnt sich dann aber darauf, für Publicity ja alles zu machen und lässt Fernsehdeutschland recht offenherzig an einer eher uncoolen Episode aus seinem Verdauungstrakt teilhaftig werden: Er hätte nämlich neulich irgendwie Verstopfungen gehabt, deswegen habe ihm seine Oma (SEINE OMA, ich fasse es nicht!!!) einen Einlauf gemacht und dabei sei ordentlich was herausgekommen. Igittigitt!!! Vermutlich kommen dann morgen noch ein paar Beweisfotos auf der Titelseite der BamS, zusammen mit der packenden Enthüllungsstory “Mit dem DSDS-Checker auf der Toilette”. Für Montag ist dann in der BILD der Folgeartikel “Oma Karaoglan: Wie es wirklich war” geplant, am Donnerstag legt eventuell noch die BRAVO nach mit “Der Checker gibt alles”. :-)

    Das Urteil zu dem eben gehörten Liedchen fällt erwartungsgemäß milde aus, Dieter brabbelt zwar halbherzig etwas von “noch Singen üben”, aber das wird sicherlich ungehört verhallen. Ist auch wurscht, bis zur Top-3-Show sehe ich Thomas sowieso auf Nummer Sicher.

    Nun wird wieder der Posing-Generator angeworfen, denn Helmut Orosz ist an der Reihe. Er tritt auf mit “1000 und 1 Nacht” vom singenden Sozialarbeiter Klaus Lage. Das Lied stammt übrigens aus dem Jahr 1984 und hätte deshalb auch gut in die letzte Show gepasst. Mit dem üblichen Zahnpasta-Grinsegesicht, theatralischen Gesten und den immer gleichen neckischen Tanzschritten (inkl. Pirouette) hüpft “Helle” über die Bühne und dann durch die ganze Halle. Wie immer erinnert mich sein Auftritt an einen Karaoke-Abend im Ferienclub auf Mallorca. Einmal schubbert er sich an Nina heran und schmachtet sie direkt über den Jurytisch an, vermackelt bei dieser Gelegenheit aber kräftig den Text – mal sehen, ob Onkel Dieter das mitgekriegt hat! Gesangstechnisch ist das auch nicht allererste Sahne, die gelegentlichen Misstöne sind vermutlich Helmuts Bewegungsdrang geschuldet.

    Volker und Nina sind schon recht kritisch, aber Terminator Dieter gibt ihm schließlich den Fangschuss: “Es gibt Leute, die lernen’s nie – und dann gibt’s Helmut, der lernt das noch später! Hier geht es um so viel und Du bist zu blöde, um so einen Kindertext zu lernen!” Und dann wirft er ihm auch noch vor, sowieso die falsche Einstellung zu haben, jeden Tag “besoffen” zu sein und keine Termine einzuhalten!!! Jau, bei so etwas ist für Vollprofi Bohlen der Spaß definitiv zu Ende. Mein Bild mit dem Ferienclub-Animateur scheint doch gar nicht mal so völlig daneben zu liegen. Wenn Helle schlau ist, pimpt er mit dem von Dieter so subtil angedeuteten Alkoholproblem wenigstens die eigene Homestory auf, die war bislang doch arg mager… Helmut ist aber erst mal am Boden zerstört und schleicht mit hängendem Kopf zurück zur Kandidatencouch. Selbst schuld. (Das war nach Thomas Darmabenteuer heute Abend also schon Einlauf Nummer Zwei.)

    Aufgetakelt mit riesiger Irokesenfrisur sieht Kim Debkowski wie die kleine Schwester von Bill Kaulitz von Tokio Hotel aus. Sie singt heute Abend “Krieger des Lichts” von Silbermond. Klamottentechnisch erinnert sie mich total an die Figur Riff Raff aus den letzten Szenen der Filmversion der Rocky Horror Picture Show. In ihrem kurzen Einspieler erklärt sich Kim schon mal zur besten DSDS-Frau der Staffel, was ja technisch gesehen auch stimmt, denn nach Ines Abgang in der letzten Woche ist sie die letzte weibliche Vertreterin. Außerdem zeigt sie uns in dem Filmchen, wie man einen schnöden grauen Jutebeutel zu einem stylischen Disko-Utensil umschult. Der Titel geht dann verhältnismäßig unspektakulär über die Bühne, viel Action – außer den irren Klamotten – passiert nicht und das Stimmchen ist auch eher Marke “für den Hausgebrauch”. Aber immerhin bescheinigt ihr Dieter hinterher genau das, was Helmut fehle, nämlich Fleiß und Disziplin. (Dazu wird Helmut auf der Kandidatenbank sitzend eingeblendet und sinkt bei diesen Worten erkennbar noch ein Stückchen weiter in sich zusammen. Der Anschiss vorhin hat echt gesessen.)

    Manuel Hoffmann singt danach “Bilder von Dir”, das ursprünglich von Laith Al-Deen stammt. Im Einspieler sehen wir ihn bei der Bewältigung seiner Fanpostflut, ansonsten herrscht aber gähnende Normalität an der Homestory-Front, keine mit Kindern sitzengelassenen Ex-Freundinnen, die sich in der Bildzeitung ausweinen, keine Eltern hinter “Schwedischen Gardinen”, nicht mal gastroenterologische Störungen – wie beim Checker – kann er vorweisen. Und die ihn betreffenden Management-Ambitionen seiner Oma sind als Thema auch ziemlich ausgelutscht. So kann das mit dem Superstar ja nichts werden. Das Liedchen wickelt er routiniert ab, keine derben Ausrutscher und Textvergesser, aber auch nicht übermäßig aufregend; die Bühnenshow kann man wohl eher statisch nennen. Dennoch ist Dieter diesmal auffallend zufrieden mit Manuel und lobt ihn nachdrücklich, beinahe überschwänglich. Welche Strategie steckt wohl dahinter? Vermutlich will der Schlagertitan nun unter allen Umständen Helmut loswerden und lobt dafür alle anderen traditionellen Sorgenkinder über den grünen Klee. Bin mal gespannt, ob das aufgeht…

    Menowin Fröhlich scheint ein Abonnement auf die strategisch günstigen hinteren Startpositionen zu besitzen – sicherlich hat der weitreichende Einfluss seines Gönners Bohlen dafür gesorgt. Auch diesmal kommt er erst als zweitletzter Kandidat an die Reihe, nämlich ganz in grün inkl. Baseballkappe (vielleicht wegen des gerade gewesenen St. Patrick’s Day?). Sein Lied ist “Über sieben Brücken musst Du geh’n” von Meta Paffey und der hat’s von Karat. Seine Stimme klingt heute anfangs ungewohnt dünn und schräg und auf die Tanzperformance wartet man vergeblich – das war aber angesichts des balladesken Titels auch nicht wirklich zu erwarten. Ich fand Menowins Version einfach langweilig, aber Dieter überschlägt sich – völlig überraschend, haha – vor Lob. Das sei eine tolle Neuinterpretation dieses Klassikers, genial, kaum noch zu toppen. Volker schließt sich an, nur Nina sagt in einem erstaunlichen Anfall von Ehrlichkeit, dass ihr der Titel nicht gefallen habe. Dafür fängt sie sich bestimmt noch eine Abmahnung vom Oberjuror ein!

    Mit “Flugzeuge im Bauch” vom Ruhrgebietsapostel Herbert Grönemeyer beendet Mehrzad Marashi die erste, die deutsche Runde der heutigen Mottoshow. Alle Superlative, die Dieter eben über Menowin zusammenfabuliert hat, treffen für Mehrzads Auftritt tatsächlich zu. Er interpretiert den eher depressiven Titel völlig neu, singt ihn mit viel Power und absolut makellos und zeigt damit einmal mehr, wer abseits von Bohlens Vermarktungsüberlegungen in Wirklichkeit der Superstar dieser Staffel werden sollte. Die Halle tobt vor Begeisterung und die gesamte Jury, sogar Onkel Dieter, bescheinigt Mehrzad eine astreine Leistung, er sei in der ersten Runde klar der Beste gewesen!

    Im zweiten Durchgang hören wir nur englische Titel, wieder beginnt der großmäulige Checker Thomas Karaoglu. Diesmal tanzt er furios “Relight my Fire” von Take That und trägt dazu eine feuerrote Jacke. Leider hat das Jüngelchen noch immer nicht die zu seinem Ego passende Stimme und die Jury empfiehlt ihm wohlwollend, daran in der nächste Woche doch mal etwas zu üben. (Dass er auch in der Top-5-Show dabei sein wird, steht ja wohl außer Frage.)

    Dann ist es Zeit für den nächsten kräftigen Einlauf von Doktor Bohlen: Helmut Orosz performt “Satisfaction” von den Rolling Stones und das gar nicht mal schlecht, allerdings kriegt er schon wieder den Text durcheinander. Dieter ist nicht nur nicht zufrieden (“I can’t get no Satisfaction…”), sondern geradezu ungehalten, ein erwachsener Mann von 30 Jahren müsse sich doch wohl zwei Texte merken können, sogar der (offenbar doofe) Willy Herren am Ballermann könne das und “Du wirst es in diesem Beruf zu nichts bringen!”. Nina versucht Helmut mit etwas Lob zu trösten, aber Volker haut sofort in Dieters Kerbe “Die Stones waren auch immer besoffen, aber haben nie den Text vergessen – von mir gibt’s ‘ne Sechs dafür!!!”. Rumms, nun hat sich “Helle” also in beiden Runden fettestmögliche Jury-Watschen eingefangen, bleibt abzuwarten, was das Publikum dazu sagt. (Einlauf Nummer Drei)

    Weiter geht’s mit “Can’t get you out of my Head” von Kylie Minogue, gesungen von Kim Debkowski. Diesmal hat sie sich optisch nichts Neues einfallen lassen, sondern Kylies bekanntes weißes Kleid mit der riesigen Kapuze aus dem Videoclip imitiert. Die Jury ist vom Outfit sehr angetan, der Gesang kann zwar nicht ganz mithalten (Dieter: “Mini Playback Show”), aber insgesamt sollte Kim damit bis zur nächsten Woche eigentlich überleben dürfen.

    RTL hat es eilig, Klitschko wartet, deshalb geht es sogleich weiter mit Manuel Hoffmanns Version von Ronan Keatings “Life is a Rollercoaster”. Der Auftritt kommt wieder ohne Bühnenshow aus, Manuel steht viel in der Gegend herum, singt sein Lied aber klaglos, wenn auch nicht sensationell. Dieter ist wieder auffallend begeistert, fand auch den zweiten Song sehr gelungen, Nina und Volker sind hingegen eher etwas indifferent. Ja, das sei schon irgendwie okay gewesen, aber mehr auch nicht und sie hofften, dass genügend Zuschauer für ihn anriefen. Ganz klar, Strippenzieher Dieter versucht, Manuel an Helmut vorbei nach oben zu drücken.

    Noch bevor man den nächsten Song überhaupt gehört hat, weiß man schon jetzt, dass Menowin Fröhlich von Dieter Bohlen wieder über den grünen Klee gelobt werden wird. So kommt es auch tatsächlich, “If you don’t know me by now” von Simply Red singt Menowin aber auch wirklich genial, wenn man die paar Textaussetzer mal gnädig übersieht. Was mich wie immer irritiert, ist der eiskalte, fast muränenhafte Blick, mit dem er zwischendurch in die Kamera guckt, der passt gar nicht zu dem gefühlvollen Soul-Titel. Die Jury ist hin und weg, spricht von Gänsehaut-Feeling und ähnlichen Hautirritationen.

    Den Schlusspunkt setzt wieder Mehrzad Marashi. Diesmal hat er uns “Beggin’” von Madcon mitgebracht. Der Mann ist ein Phänomen, welches Lied auch immer er anfasst, er kriegt es super hin. Er singt, swingt, tanzt hundertprozentig, die Jury ist aus dem Häuschen, ganz klar: Mehrzad ist heute Tagessieger und sollte eigentlich auch ohne Probleme bis ins Finale kommen.

    Die Jury gibt wieder einen Tipp ab, wer heute gehen muss und legt sich einheitlich auf Helmut fest, der habe die falsche Einstellung und gehöre nicht mehr in die Show. Danach muss DSDS erst mal den Kanal räumen, denn jetzt will Feingeist Wladimir Klitschko zwischendurch seine Gage verdienen. Wir sehen uns hinterher zur Urteilsverkündung wieder.

    So, dank Vorspulfunktion am Rekorder ist es in Windeseile gut zwei Stunden später und während die Putzfrauen in Düsseldorf noch die Trümmer von Eddie Chambers aus dem Ring fegen (und Klitschko wohl sein Geld zählt), geht es gleich weiter in die nächste Arena, nämlich zurück nach Köln, zu DSDS. Die Zuschauer haben abgestimmt und wieder beginnt die alte Leier, drei Kandidaten müssen in die Vorhölle und noch etwas warten, nämlich Thomas, Helmut und Manuel und raus fliegt am Ende der eher unscheinbare Manuel Hoffmann. Das ist zwar heute absolut nicht berechtigt, aber nach Können ging es in dieser Sendung ja noch nie und so habe ich wenigstens die Genugtuung, dass meine Vorhersage vom letzten Mal eingetreten ist. Hoffentlich haut es Helmut in der nächsten Show vom Schlitten, verdient hat er es allemal.

    Bis dahin ‘ne schöne Woche!

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  • DSDS (RTL) 14.03.2010 3 Comments

    Träräää, es ist wieder soweit:

    Onkel Dieter zieht den Vorhang auf für eine weitere Ausgabe seines DSDS-Marionettentheaters. Die Musik der achtziger Jahre erfreut sich momentan einer ungerechtfertigten Verklärung – vermutlich von Leuten, die sich damit ganz sentimental an ihre Jugendzeit zurück erinnern, aber vergessen haben, dass die gute alte Zeit auch mal langweilige Gegenwart war. Ganz ehrlich, wer fand denn jemals Kajagoogoo oder Alphaville wirklich gut und wer trank tatsächlich Afri-Cola? Jedenfalls niemand, den ich aus der Altersklasse kenne. Klar, der Schlagertitan aus Tötensen fühlt sich in dem Jahrzehnt natürlich wohl, schließlich hat er damals mit Modern Talking seine ersten Millionen zusammengeklimpert. Und als Thema für die vierte Mottoshow von “Deutschland sucht den Superstar” reicht der 80er-Hype allemal.

    Die Jury aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller marschiert zu dem von Dieter handgedrechselten musikalischen Abführmittel “You’re my Heart, you’re my Soul” ins Studio; O-Ton Marco Schreyl: “Dieter Bohlen, der Mann, der die 80er-Jahre quasi erfunden hat”. Kassiert der heute Abend von RTL womöglich auch noch Extra-Tantiemen für die Benutzung seines Jahrzehnts?! Nina Eichinger scheint übrigens den Kleiderschrank ihrer Mami gefilzt zu haben und trägt ein recht freizügiges silbrig funkelndes Disko-Kleid, das vermutlich tatsächlich aus den 80ern stammt. Dieter wird von Marco quasi als Zeitzeuge gefragt, wie man denn so lebte in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts, als Internet, Handy und Privatfernsehen noch Fremdworte waren. Das sei ein ganz wichtiges Jahrzehnt für ihn gewesen, erfahren wir dann, damals habe er nicht nur seinen “ersten Welthit” geschrieben, sondern auch sein erster Sohn und seine derzeitige Freundin seien geboren worden. Haha, in puncto Selbstironie kann Dieter so schnell niemand das Wasser reichen.

    Als nächstes kommen die sieben Kandidaten, die an die 80er alle keine eigene Erinnerung haben, sofern sie damals nicht ohnehin nur “Quark im Schaufenster” waren, wie man so schön sagt. Sie performen wieder ein gemeinsames Liedchen, nämlich “Wake me up before you go-go” von Wham! (deren bessere Hälfte wir heute als George Michael kennen). Man sieht schon an dieser Stelle, wem die Gunst des Publikums gehört: Bei jeder Solostelle von Menowin oder “Checker” Thomas brandet blödsinnig-lauter Beifall auf.

    Mit Startnummer Eins und dem Titel “Eternal Flame” von den Bangles geht heute Kim Debkowski ins Rennen; ihr Begabungsschwerpunkt lag bisher mehr im Bereich Design als beim Singen. Allerdings bekam Kims Selbstbewusstsein in dieser Woche einen kleinen Knacks, denn in der “Bravo” war wohl ein Foto veröffentlicht worden, das sie ohne Schminke, dafür aber mit Pickeln zeigte. Selbst schuld, was hält sie auch ihre Visage in jede Kamera. Layouttechnisch erinnert Kim heute etwas an ein Zirkuspferd, trägt ein halb-durchsichtiges kurzes Paillettenkleid und einen riesigen Kopfputz auf der ohnehin hochtoupierten Frisur. (Nachher erklärt sie, ihr Haar symbolisiere eine “Flamme”, das sei nämlich der übersetzte Titel ihres Stücks… Allgemeines Gelächter im Saal!). Vom Gesang her war das heute einer ihrer besseren Auftritte, was aber nicht viel heißen muss. Dieter befindet “ziemlich gut gesungen, kaum Töne versemmelt”, was schon fast einer Absolution für ihre Ohrenfolter der letzten Wochen gleichkommt.

    Helmut Orosz war in den 80ern immerhin schon eingeschult und sein biblisches Alter von 30 Jahren ist wohl auch der Grund dafür, dass er nur schwer Texte lernen kann. In seinem total langweiligen Einspieler wird behauptet, er habe überall im DSDS-Loft Zettel mit Textpassagen angebracht, sogar im Gefrierfach und unter dem Klodeckel, was bei Marco Schreyl einen schmierigen Witz auf üblichem Niveau triggert. Helmut ist das Gegenteil von einem Allround-Talent, er kann eigentlich nur ein Genre, nämlich Powerballaden. Heute ist es “Hungry Eyes” von Eric Carmen aus dem besonders von Frauen geschätzten Film “Dirty Dancing”. Ehrlich gesagt, macht er heute seine Sache aber gar nicht mal so schlecht, kein Gegröle, alle Töne stimmen und zwischendurch gibt es sogar noch eine kurze Tanzeinlage mit Partnerin auf der Bühne. Auch die Jury ist zufrieden, nur nicht Dieter, der hat nämlich offenbar meine früheren Blog-Kommentare gelesen und vergleicht Helmut mit einem Animateur im Robinsonclub – er habe stimmlich das Potenzial eines jungen Bruce Springsteen, sehe aber aus wie ein Versicherungsvertreter.

    Nach einer Werbepause ist nun Manuel Hoffmann an der Reihe. Auch diesmal hat die DSDS-Redaktion kein besseres Thema für den Einspieler gefunden als seine Oma. Wir sehen ihn und Oma beim Spaziergang durch die Fußgängerzone und dann zeigt die Kamera, wie er – natürlich völlig spontan – sich neben einen Straßenmusiker stellt und mitsingt. Eine riesige Menschenmenge bildet sich um die beiden. Hoffentlich hat Manuel diesen Moment genossen, denn der sympathische Kindergärtnerazubi steht bei DSDS ganz oben auf der “Roten Liste der bedrohten Arten”, wie Marco es (bei Kim) so schön formuliert hat. Wer weiß, ob es für ihn überhaupt noch einen weiteren Einspieler geben wird…

    Wenn es nach der Titelauswahl geht, sehe ich für ihn schon an dieser Stelle kein Land mehr, denn er singt allen Ernstes “Ohne Dich schlaf’ ich heut’ Nacht nicht ein” von der Münchener Freiheit, also ein Stück zum Mitschunkeln für die Kuckident-Generation. Tja, wie soll Manuel da etwas Tolles draus zaubern, wenn schon das Original Mist ist? Vielleicht hätte er sich wenigstens mal bewegen sollen, anstatt sich die ganze Zeit am Mikrofonständer festzuhalten? Dabei hat er doch lt. Oma sonst immer so einen Bewegungsdrang! Fazit: Lied doof, Performance null, was sagt die Jury? “Das war das Grauen, ich hör’ schon Deine Abschiedsglocken”, resümiert Dieter kurz und knackig. Seine beiden Komplizen schließen sich natürlich dem Urteil des Meisters an.

    Das Weiterkommen von Mehrzad Marashi bis ins Finale steht im Grunde genommen schon seit Wochen fest, umso netter, dass er sich trotzdem immer wieder herablässt, seine ergebenen Fans an seinem Talent teilhaftig werden zu lassen. Er bringt heute ganz in schwarz von Lionel Richie die ruhige Ballade “Hello”. Hier sieht man aber mal den Klassenunterschied zu Manuel: Wo ersterer wirkt, als sei er im falschen Lied und habe mit Valium gegurgelt, kommt Mehrzad völlig authentisch rüber und legt auch in die leisen Töne eine tierische Power, als sei das Stück nur für ihn geschrieben worden. Das macht den Unterschied zwischen Sänger und Star, wird Manuel schnell das Aus und Mehrzad ganz nach vorn bringen. Die Jury bescheinigt ihm uneingeschränktes “Gänsehaut-Feeling”, man ist begeistert, mehr muss ich hier gar nicht schreiben.

    Nach der nächsten Werbepause kommt Ines Redjeb, eine traditionelle Wackelkandidatin, die sich im Einspielfilmchen über den massenhaften Zuspruch ihrer Fans freut, aber ansonsten nichts Neues zu sagen hat. Sie führt “Like a Prayer” von Madonna auf. “Prayer” heißt auf Deutsch bekanntlich “Gebet” und das kann sie jetzt wirklich gebrauchen. Während sich Band, Backgroundchor und Bühnenbildner überschlagen, singt Ines höchstens auf Karaoke-Niveau, immer schön säuberlich neben der Spur und nur mit minimalen Bewegungen, schon gar nicht im Gesicht. Die Frau hat es einfach nicht drauf – nur gut aussehen reicht nicht für den CD-Verkauf. Die Kritik der Jury bezieht sich komischerweise weniger auf den Gesang, als auf die fehlenden Showelemente, damit könne Ines allerhöchstens eine gute (hä, gute???) Studiosängerin werden. Ihre zickigen Repliken machen sie dabei nicht sympathischer. Hoffentlich ist der Krampf bald vorbei, die Zuschauer haben es in der Hand!

    Der beste Kandidat sämtlicher Staffeln aller Casting-Sendungen auf der ganzen Welt heißt Thomas Karaoglan oder, wie seine Freunde sagen, “Der Checker”. Bei einer gefühlten Körpergröße von 1,60 Meter passt sein Ego man gerade so eben in die Halle. Dabei kann er eigentlich nichts, sagte Dittsche (alias Olli Dittrich) in seiner Sendung am letzten Sonntag – und der weiß eigentlich immer alles am besten, denn er liest die Blöd-Zeitung. Die bisherige DSDS-Karriere von Thomas basiert jedenfalls vor allem auf heißer Luft und weniger auf musikalischem Talent. Im Einspieler wird gezeigt, wie die radebrechend deutsch sprechende Oma Karaoglan glaubt, ihrem Enkel etwas Gutes zu tun, indem sie am Rande einer Autogrammstunde seine (also SEINE) private Handynummer überall verteilt, damit die Leute für ihn anrufen können. Als Thomas dann am Abend 3.500 Anrufe in Abwesenheit bekommen hat, wird der alten Dame die Sache doch mulmig und sie greint so etwas wie eine Entschuldigung in die Kamera. ;-)

    Nun zu seinem Titel: Thomas bringt “Y.M.C.A.” von Village People. Was die Abkürzung bedeutet, wird er gefragt, aber er weiß es nicht, der Schlaumeier. Und ich frage mich darüber hinaus, ob er oder sonst jemand bei RTL überhaupt gemerkt hat, dass der Song mit dem Baujahr 1978 eigentlich gar nicht in das heutige Thema passt?! Geschenkt, jetzt geht’s nämlich los. Der Checker kommt zusammen mit einigen als Village People kostümierten Tänzern als amerikanischer Streifenpolizist mit riesiger Mütze und fetter Sonnenbrille (120% Tönung) auf die Bühne. Ich wusste gar nicht, dass es solche Uniformen auch in Kindergrößen gibt! Marco Schreyl bringt später den netten Spruch “hier in Köln solltest Du nachher nicht mit der Uniform nach Hause gehen”, was Thomas offenbar überhaupt nicht versteht. Scheinbar weiß er weder, was der Titel bedeutet, noch dass Village People die Ikone der amerikanischen Schwulenbewegung war. Der Auftritt ist trotz seiner eher durchschnittlichen Stimme wie gewohnt extrem unterhaltsam, denn wo Manuel und Ines die ganze Zeit statisch am Mikro kleben, steht Thomas nicht eine Sekunde still. Die Jury ist voll begeistert. Dieter hat wieder die besten Sprüche: “Normalerweise leiden die Leute unter ihrem Realitätsverlust – er genießt ihn.” und “Er meint, er ist so cool, hinter ihm schneit es schon!”

    Nach der letzten Werbepause kommt nur noch der bereits längst ausgeguckte Gewinner der 2010er-Staffel, Dieters Liebling Menowin Fröhlich. Diesmal präsentiert er im Einspieler keine neuen Überraschungen, wie aus dem Knast entlassene Angehörige oder bisher unbekannte Kinder, sondern wir werden Zeuge seiner überragenden Coolness: Menowin darf als Aushilfsstatist bei den Dreharbeiten von “Alarm für Cobra 11″ bei der Verschrottung von Autos mitwirken. Angeblich hat er sich dabei gar nicht mal so ungeschickt angestellt, obwohl er noch gar keinen Führerschein hat. Das ist eine geschickte Idee von RTL, so werben sie nämlich gleichzeitig für ihre eigene Fernsehserie und für Dieters Protegé.

    Menowin singt heute “Billie Jean” von Michael Jackson und hat als Tribut an den King of Pop eine goldbetresste schwarze Zirkusuniform angezogen. Wenn man die Augen zumacht, hört er sich wirklich an wie Menderes:-) Nein, Scherz, natürlich singt Menowin besser und außerdem zieht er auch eine richtig große Show ab, inklusive Hut- und Sackgegrabbel und ausführlichen Tanzeinlagen. Was ich aber persönlich trotz aller Professionalität an Menowin nicht mag, ist diese kalte, unerbittliche Ernsthaftigkeit, die er bei seinen Auftritten immer ausstrahlt, das Fehlen jeglicher Selbstironie. Man sieht ihn nie fröhlich grinsen oder locker lachen, sondern man hat beim Blick in seine Augen das Gefühl, für ihn gehe es jedes Mal um Leben und Tod und ohne anschließendes Lob würde er sich hinterher aufhängen. Vielleicht gehört das ja zu seinem Gangsta-Image, dann mag ich eben die ganze Attitüde nicht. Aber wie gesagt, das ist meine persönliche Meinung, im Publikum scheint er ja haufenweise Fans zu haben, die sich bei jeder Bewegung ihres Stars die Seele aus dem Leib brüllen.

    Sein allergrößter Fan sitzt in der Jury und heißt Dieter Bohlen. Der hat längst begriffen, dass er aus Menowins Vita mit Verbrecherkarriere, Knastaufenthalt, Läuterung und Gewinn der DSDS-Krone eine wunderbare Aschenputtelgeschichte stricken kann, die ihm (Dieter) viel, viel Geld in die Tasche spült. Und Menowin sieht darin vermutlich die einmalige Chance, sich durch den Gesang jetzt das an Geld zu verdienen, was er ansonsten nur auf krummen, illegalen Wegen mit noch mehr Anstrengungen und höherem Risiko bekommen könnte. Insofern geht es für ihn wirklich um alles und das erklärt auch seine völlig ernsthaften Auftritte. Die Jury ist, wie zu erwarten, von der Nummer begeistert, das sei ganz klar der beste Auftritt des Abends gewesen. Welche Überraschung…

    Das war’s, nun läuft die Abstimmung. Bevor uns RTL wieder den bösen Mädchen und anderen Restposten aus der Fernsehgiftküche überlässt, darf die Jury nochmal kurz raten, für wen heute wohl die Stunde schlägt. Alle drei sind sich einig, dass es entweder Manuel oder Ines treffen wird.

    Nach einer Stunde unaussprechlicher Tauchgänge in den Tiefseegräben des deutschen Humors ist man so ausgelaugt, dass der dauerlabernde Marco Schreyl wie eine Erlösung wirkt. Er kommt natürlich wieder nur langsam zur Sache und macht die Sache spannend bis zum bitteren Ende. In die Zitterrunde (“du musst leider nochmal nach hinten gehen”) kommen wie erwartet Ines und Manuel, dazu auch noch Kim und Helmut. Peinlich übrigens die gespielte Überraschung bei Menowin, Mehrzad und Thomas, die sofort weiterkommen, denen muss doch selbst bei größter Beschränktheit klar sein, dass sie heute unmöglich rausfliegen werden. Am Ende macht heute Ines den Abgang, ihre ewigen Zickereien mit der Jury haben damit ein erfreuliches Ende gefunden. An Stelle von Manuel würde ich aber langsam schon die Koffer packen, auf dem nächsten Ticket dürfte sein Name stehen.

    Das war der heutige DSDS-Abend, eine Sendung, die man wegen ihrer Spannungsarmut getrost jedem Herzpatienten zur Rehabilitation empfehlen kann. Wenn das so langweilig und vorhersehbar weitergeht, spare ich mir bei einer der nächsten Shows mal das Gucken und blogge freihändig irgendetwas. Der Fahrplan zum Finale dürfte sowieso schon lange feststehen und ich wage heute an dieser Stelle einfach mal eine Prognose der kommenden Platzierungen: 6. Manuel, 5. Kim, 4. Helmut, 3. Thomas, 2. Mehrzad und 1. Menowin. Das ist ja fast so langweilig wie die “Ausscheidung” des Lieds für Oslo, bei dem ja wohl auch die absolute Favoritin gewonnen hat, wie ich mir habe sagen lassen.

    In den mittlerweile goldenen 80ern gab es noch keine Casting-Shows. War vielleicht doch nicht so schlecht, damals…

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  • DSDS (RTL) 07.03.2010 1 Comment

    Hallo Leute,

    trotz – oder gerade wegen – des lausigen Wetters draußen steht der heutige Abend von “Deutschland sucht den Superstar” unter dem Motto “Happy Holiday Hits”. Nach dem standesgemäßen Empfang der Jury aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller muss der Poptitan aus Tötensen erst mal dringend was loswerden. Dieter hat offenbar bei Pro Sieben und ARD heimlich die Suche nach einem Lied für Oslo gesehen und mokiert sich, ohne Namen zu nennen, über zu lasche Jurys in anderen Castingsendungen. Das Business sei so brutal und knallhart, da könne man nicht jedem sagen “Du singst gut”, da helfe den Kandidaten nur der von ihm selbst gepflegte harte Kritikstil. Mal sehen, wie oft er den heute auch wieder gebrauchen wird…

    Nach ein paar musikalisch unbedeutenden Lockerungsübungen der verbliebenen acht DSDS-Kandidaten kommt die erste Gelegenheit für Dieter zu kritischen Äußerungen. Chefanimateur Helmut Orosz schaltet bei seinem Auftritt wie gehabt Dauergrinsen und Posing-Generator ein und singt Joe Cockers “Summer in the City”. So ereignislos wie sein Einspieler, ist auch Helmuts heutige Performance. Moderator Marco Schreyl lässt sich hinterher seinen neuen Tanzschritt (so eine Art doppelte Pirouette) vorführen, das war es denn aber auch schon. Die Jury ist grundsätzlich zufrieden, will aber noch mehr vom “Rocker” sehen. Helmut gelobt, noch besser werden zu wollen und alles zu tun, um das Publikum immer toll zu unterhalten. So ein Sülzmichel! Ein echter Rocker hätte seine Unabhängigkeit von der Massenmeinung einfach per Mittelfinger artikuliert…

    Nelson Sangaré hatte für seine Homestory seit einigen Sendungen noch immer einen Pfeil im Köcher: Seine Mutter verweigerte bislang den Besuch der DSDS-Sendung aus irgendwelchen Gründen. Aber uns allen war ja klar, irgendwann, wenn es dramaturgisch gut passt, wird auch Mama Sangaré im Publikum sitzen und Anlass für ein paar tränentriefende Szenen geben. Nachdem Nelson bei der letzten Sendung – (nur) gemäß Jury-Urteil – gepatzt hatte, scheint nun die Zeit dafür reif zu sein. Marco kann der aufgeregten Mutter zwar keine verständlichen Worte entlocken, aber immerhin ist sie im Saal und Sohnemann hat deswegen ganz offenbar Nervenflattern. Völlig ungewohnt vergeigt Nelson bei “Summer Jam” von The Underdog Project gleich reihenweise Töne, bewegt sich aber ansonsten souverän über die Bühne. Hinterher sind sich Volker und Nina beinahe unsicher, ob sie ihren Ohren trauen können, aber Dieter nimmt in dieser Beziehung kein Blatt vor den Mund: “Deine Stimme ist vom Sound gut, aber bei der ersten Strophe war kein Ton, wo er hingehört!”. Der Titan empfiehlt Nelson unter den Buhrufen seines Fanblocks, beim nächsten Mal ein einfacheres Lied auszuwählen: “»Mambo No. 5« hätte ich besser gefunden. [...] Weißt Du, der Wurm muss nicht dem Angler schmecken, sondern dem Fisch. Und darüber würde ich mal nachdenken.” Meine Güte, das ist ja für einen Samstagabend fast schon philosophisch.

    Als nächstes ist Manuel Hoffmann an der Reihe, seit dem Ausscheiden von John-Boy Pluschke der letzte Kandidat mit Schmuse-Appeal für die U18-Mädchen. Seine 73jährige Oma ist wegen ihres Auftritts in der letzten Folge offenbar Teil des DSDS-Kults und bestreitet deshalb wesentliche Teile des Einspielers, auch wenn sie später live im Studio eher durch Hörprobleme auffällt und auf Marcos Fragen stets quer antwortet. Ein anderes Thema im Einspieler ist die enge bis sehr enge Beziehung von Manuel zur Schminkfetischistin Kim. Die beiden tauschen schon Schuhe aus, vielleicht auch mehr, und wo kommt eigentlich der Knutschfleck am Hals her? Da geht doch was!? Egal, Manuel singt “Lady” von Modjo – was daran ein Happy-Holiday-Hit sein soll, ist mir allerdings unklar, vielleicht, weil den schon mal jemand im Urlaub gehört hat??? Ob seine Oma auch heute wieder das Outfit ihres Enkels verantwortet, wird ebenfalls nicht erklärt, jedenfalls trägt er neckische weiße Bermudas zum hellblauen Blazer und schunkelt damit und mit einer Tänzerin weitgehend ohne akustische Unfälle über die Bühne. Dieter gefällt das Getanze nicht, sein Duschvorhang Zuhause bewege sich besser und überhaupt hätte der Titel auch nicht gepasst und für Manuel werde es heute ganz eng, orakelt er düster. Dann gibt es einen kleinen juryinternen Schwanzvergleich zwischen Dieter und Volker, wer der schlechtere Tänzer sei. Beide protzen herum, bei ihren – jeweils – zwei Hochzeiten nicht mal als Bräutigam getanzt zu haben, mehr Argumente gegen sich selbst fallen den beiden aber nicht ein, also endet der Streit unentschieden. Derweil schleicht Manuel etwas bedrabbelt zurück zur Kandidatenbank.

    Ines Redjeb kämpft schon seit einigen Folgen gegen Dieters Seufzer an “wenn es Dich doch bloß mit Stimme gäbe”, aber Totgesagte leben bekanntlich länger. Laut Einspieler macht ihr die fortwährende Negativkritik der Jury zu schaffen, auch Mami Redjeb ist sauer, weil die Bemühungen ihrer Tochter nicht anerkannt würden. Tja, Mühe allein genügt nicht, wenn das Ergebnis nicht stimmt. Das sind eigentlich Erkenntnisse, die die meisten Möchtegernsternchen bereits im Casting schmerzlich lernen, aber Ines ist da wohl etwas uneinsichtig. Sie schiebt ihre stimmlichen Probleme bei den Shows auf die ungewohnten hohen Schuhe, die sie dann immer tragen müsse, in Turnschuhen sänge sie viel besser! Ach was. Heute versucht sie es mit “When Love takes over” von David Guetta feat. Kelly Rowland. Die Töne stimmen diesmal, soweit ich das beurteilen kann. Ines Performance leidet aber etwas unter ihrer Bewegungslosigkeit; wie festgetackert steht sie am Mikro, so dass das an eine Mischung aus Schmetterling und Tiger erinnernde tolle Kostüm kaum zur Geltung kommt. So kann man das Problem mit den hohen Schuhen natürlich auch lösen! Genau das sieht die Jury auch so: Outfit top, Gesang ok, Bewegung noch ausbaufähig. Fazit: Darf weiter mitspielen!

    Jetzt kommen wir zum Favoriten der aktuellen DSDS-Staffel, zu Menowin Fröhlich. Bei ihm wird im Wochentakt die Homestory umgeschrieben, letztes Mal bekam sein Kind plötzlich zwei zuvor unbekannte Geschwister und auch die heutige Sendung wartet mit einer freudigen Nachricht für seine Fans auf: Mama Fröhlich ist aus dem Gefängnis entlassen worden! Treue Leser der Blödzeitung, dem Intelligenzblatt für geistige Kleinrentner, wissen das natürlich schon längst, alle anderen erfahren es eben heute aus dem Fernsehen. Und tatsächlich sitzt Mama Fröhlich gleich darauf live im Publikum neben Marco Schreyl, der sie ungewohnt behutsam über ihre Gefühlslage befragt. Vom Eingesperrtsein versteht der etwas, schließlich stammt er aus der DDR.

    Menowin singt von Santana “Maria Maria”, wobei ich mich auch hier frage, warum das als Holiday-Hit gilt, vielleicht weil Carlos Santana aus Mexiko stammt und man das gemeinhin mit Urlaub assoziiert? Kostümmäßig ist das heute etwas schräg, der Ex-Knastologe tritt nämlich in der weiß-türkisen Verkleidung eines indischen Eisverkäufers auf. Der Gummizug seiner weiten Pluderhose ist offenbar etwas ausgeleiert, so dass die Beinkleider mit jeder Tanzbewegung in Richtung Schwerkraft rutschen und von Menowin in kurzen Abständen wieder nach oben gezogen werden müssen. Aber im Gegensatz zu seinen Vorgängern bewegt er sich dabei gekonnt und auch gesanglich ist – wie gewohnt – alles vom Feinsten. Dieter attestiert das dann auch amtlich, auch wenn heute kein echtes Gänsehaut-Feeling aufgekommen sei.

    Ähnlich wie Ines, hat auch Kim Debkowski gegen den Ruf zu kämpfen, nur aus Äußerlichkeiten (vor allem Farbe) zu bestehen, aber letztlich nicht gut singen zu können. Im Einspieler bestätigt sie dann eher das Vorurteil, denn sie stellt uns ihre eigenen Ideen für irgendwelchen Modeschnickschnack vor, den sie vielleicht später mal unter dem Label “Kim Gloss” vertreiben will. Sie versucht sich heute an Madonnas “La Isla Bonita” und in ihrem feuerrot glitzernden Kostüm und den streng nach hinten gesteckten Haaren sieht sie aus wie eine eislaufende Flamencotänzerin. Apropos Eis: Ihre Stimme glitscht leider das eine oder andere Mal deutlich weg. Die Jury lobt zunächst ihr tolles Kostüm (”Edelpraline”), der Gesang sei allerdings etwas eierig gewesen, meint Volker. Dieter fand den gesamten Auftritt misslungen und würde nach eigenem Bekunden das Radio eintreten, wenn er den Titel darin so gesungen hörte, der alte Charme-Bolzen.

    Mahrzad Marashi verbreitet sich in seinem Einspieler ausschließlich über das Thema gesunde Ernährung und kündigt an, bis zum DSDS-Finale sein Idealgewicht erreichen zu wollen. Na, der geht ja selbstbewusst ran, aber ich denke, das ist angesichts seiner bisherigen Auftritte realistisch. Und der heutige Abend sollte ihn eigentlich ein weiteres Stück in Richtung Finale bringen, denn seine Performance mit “Fresh” (eigentlich von Kool & the Gang) läuft bestens. Komisch finde ich nur seine doof-obercoole Sonnenbrille und die beiden Hanseln, die etwas unbedarft hinter ihm über die Bühne hotten. Dieter ist begeistert: “Du hast heute Abend wirklich alles richtig gemacht und bist die Nummer Eins!”

    Wer fehlt noch? Mir keiner, aber trotzdem kommt jetzt “Checker” Thomas Karaoglan, der sich selbst als besten Entertainer bei DSDS (sämtlicher Staffeln, wohlgemerkt!) empfindet. Bescheidenheit war ja noch nie seine hervorstechende Charaktereigenschaft, auch nicht im Einspieler. Dort geht es um seine Autogrammstunde in einem Kaufhaus, die wegen totaler Überfüllung durch kreischende Fanmassen abgebrochen werden musste, was natürlich für die Psyche des eh schwer selbstverliebten Checkers fatale Folgen hat: “Das ist die geilste Staffel, die es jemals gabs [sic!] und der Geilste bin ich!”

    Nicht nur Thomas Ego, auch sein Einschleimvermögen ist unendlich: Wie bereits im Recall singt er nämlich Dieters eigenen Song “Mamacita”, mit dem normalerweise Mark Medlock die Umwelt akustisch verpestet. Das ist nicht nur ein anbiedernder Liebesbeweis des Möchtegernstars, sondern treibt dem Tötensener Multimillionär auch noch GEMA-Tantiemen zu, die er neben seiner normalen Jury-Gage verbuchen kann. Und wenn dann hinterher auch noch jemand das Bohlen-Medlocksche Machwerk auf CD kauft, verdient der Großmeister ein weiteres Mal als Produzent. Der Auftritt selbst ist wie gewohnt, nämlich gesanglich so lala mit guter Tanzeinlage. Volker mault etwas von wegen Nervosität und “Stift gegangen”, die Fans buhen, aber Dieter macht mit seinem Lob alles wieder gut: “Mit dieser Leistung zieht beim Checker keiner den Stecker.” Vielleicht nicht heute, aber bestimmt noch vor dem Finale, da bin ich mir sicher…

    Das waren unsere acht Kandidaten, nun kommt nach einer Stunde Comedy-Dreck die Auflösung, wer darf mit in die nächste Mottoshow? Hier mal wieder der Schnell-Service für alle, die bei Zusehen durch Marcos nervig-langsame Hinrichtungsmethode sonst einen Herzinfarkt kriegen würden – oder einfach besseres zu tun haben. In die Zitterrunde müssen Ines, Nelson, Manuel und Kim. Endgültig raus fliegt dann am Ende Nelson. Seine Fans buhen lautstark, aber immerhin konnte seine Mutter ihn so wenigstens einmal im Studio sehen…

    Wir hingegen sehen uns wieder am nächsten Sonnabend zu “Deutschland sucht den Superstar”, wo dann nur noch sieben Kandidaten um den flüchtigen Ruhm und eine Karriere als Medlock-Ersatz kämpfen.

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  • Die aktuelle Staffel von Christian Rach, dem Restauranttester mit Michelinstern, geht mit der heutigen Folge zu Ende. Und sie geht eigentlich genau so zu Ende, wie sie anfing und wie sie zwischendrin war, nämlich mit einer weitgehend küchenlosen Episode.

    Nordlicht Christian Rach muss heute in den tiefsten Süden fahren, ins bayerische Kiefersfelden. Hier hat die Belegschaft vom Restaurant “Ludwig’s” um Hilfe gerufen, denn dem Laden laufen die Gäste weg und das Wasser steht finanziell bis zum Hals. Wie wir sehen werden, hätte man ebenso gut auch den Insolvenz-Apostel Peter Zwegat schicken können – wenn dessen Serie momentan nicht gerade pausieren würde.

    Ob Rach diesmal erst am vereinbarten Tag erscheint oder – wie häufig – bereits einen Tag früher, wird nicht erklärt. Jedenfalls wird er sofort bei der Ankunft in dem ziemlich abseits gelegenen Restaurant von der Besitzerin Karin Rippold sehr gefasst begrüßt. Sie hat auch viel Zeit für ihn, denn er ist buchstäblich der einzige Gast an diesem Abend, alle anderen Tische sind völlig leer. Und was Frau Rippold zu erzählen hat, ist eine schwer-verdauliche Tragödie, die auch den Sternekoch sichtlich mitnimmt. Sie ist 30 Jahre alt und hatte das “Ludwig’s” vor ein paar Jahren mit ihrem Ehemann zusammen übernommen. Die dreijährige Tochter war lange Zeit sehr schwer krank und musste von Frau Rippold betreut werden, so dass sie sich mit dem Tagesgeschäft im Etablissement eher weniger beschäftigte. Dann starb urplötzlich ihr Mann an einem Herzinfarkt und hinterließ ihr zusammen mit dem “Ludwig’s” – wie sich bald herausstellte – 300.000 Euro Schulden für ausstehende Löhne, Sozialversicherungsabgaben und beim Finanzamt. Nun ist guter Rat teuer, denn sie kennt sich in der Gastronomie überhaupt nicht aus. Intuitiv schlägt der Sternekoch vor, den Laden aufzugeben und den bitteren Gang in die Privatinsolvenz anzutreten, nach sieben Jahren sei Karin Rippold dann schuldenfrei, glaubt er. Leider ist die Sache in der Realität komplizierter, denn die Restaurantchefin ist Österreicherin, lebt dort auch weiterhin und in ihrer Heimat gibt es keine Privatinsolvenz; hier bleiben die Schulden ein Leben lang bestehen. (Der RTL-DJ fährt heute wieder eine Sonderschicht, als Hintergrund spielt jetzt Tokio Hotel mit “Rette mich”.)

    Ein echt schwieriger Fall für den Rach, der weiß offensichtlich zunächst auch nicht, wo er ansetzen soll. Am besten kennt er sich noch immer in der Küche aus. Er verlangt deshalb die Speisekarte, ärgert sich sofort über die vielen Nudelgerichte mit Sahnesoße und bestellt wie immer ein paar Vorspeisen und Hauptgerichte (im Hintergrund “The Show must go on” von Queen). Nach ein paar Bissen schiebt der Restauranttester seine angegessenen Vorspeisenteller rüber zu Karin, sie soll selbst mal probieren und urteilen. Die Vorspeisen gegrillter Mozzarella und Bohnensalat kommen schlecht weg, Küchenchef Pino geizt offenbar mit Essig, Öl und Pfeffer. Die Gnocchi mit Spinat und Gorgonzolasauce und die Penne mit Speck und Zwiebeln bestehen hingegen vor des Meisters Gaumen. Für heute lässt Rach es gut sein und bittet für den nächsten Tag um ein Gespräch mit dem Anwalt und dem Steuerberater und lässt außerdem eine Personalversammlung einberufen.

    Nach einer vermutlich eher unruhigen Nacht ist der Hamburger Erfolgskoch wieder da und beäugt das “Ludwig’s” erstmals bei Tageslicht. Für den Barbereich findet er anerkennende Worte, das sieht professionell aus. Sofort fällt ihm die idyllisch gelegene Terrasse auf, warum die nicht für Gäste genutzt werde, fragt er Karin Rippold und Karim, den Restaurantleiter. Hmm, tja, man wolle die Tische schonen, die sollten nachts lieber nicht draußen stehen, sonst würden sie feucht, kriegt er zur Antwort. Auf die Idee, die Tische morgens auf und abends wieder abzubauen, ist die Bande wohl von selbst noch nicht gekommen. Rach wundert sich. Er versammelt das Personal um sich und bittet um Vorschläge zur Veränderung. Die Diskussion läuft schnell aus dem Ruder, ganz offensichtlich herrscht zwischen Küchenchef Pino und Restaurantleiter Karim eine offene Animosität. Rach nimmt die Restaurantchefin beiseite und legt ihr nahe, hier viel mehr Führung zu zeigen, andernfalls würden sich ihre Mitarbeiter weiter wie ein Wolfsrudel benehmen.

    Am nächsten Tag kommen die Rechtsanwältin und der Steuerberater des “Ludwig’s”. In einer vierstündigen Sitzung kommen alle finanziellen Probleme auf den Tisch und danach ist der Rach noch viel skeptischer, ob er den Laden überhaupt retten kann, so schlimm sieht es aus. Das Finanzamt macht riesige Probleme, will sofort die ausstehenden Zahlungen haben. Es wird dringend neues Geld gebraucht, ohne einen solventen Finanzier steuert die Sache auf die Pleite zu. Rach telefoniert wild in der Gegend herum, versucht, seine Kontakte in die Kochszene spielen zu lassen, doch offenbar hilft alles nichts. RTL macht daraus eine superdramatische Szene, wie nach und nach alle Mitarbeiter die Köpfe hängen lassen und sich depressiv zusammenkauern und Christian Rach seine letzten Trümpfe ausspielt – alles ohne Erfolg. Da plötzlich, “zufällig” hält die Kamera gerade darauf, klingelt das Handy des Gastropapstes und ihm wird eine erlösende Nachricht übermittelt. Aus einer ominösen, nicht genannten Quelle werden nochmal 50.000 Euro in das “Ludwig’s” investiert und damit kann wenigstens erstmal das Finanzamt ruhig gestellt werden. Plötzlich ist bei der Belegschaft die Euphorie wieder da, den Laden dauerhaft zu retten. Pino führt ein paar neue Menükreationen vor, die sogar den kritischen Rach’schen Blicken standhalten. Offenbar absolut spontan – jedenfalls erklärt das niemand – wird dann von ein paar Leuten aus dem Ort ein riesiger Kronleuchter herbeigeschleppt, den man mit vereinten Kräften an die Decke bugsiert. Hier bewegt sich was, ein Anfang ist gemacht, aber es muss noch viel mehr passieren. Rach verschwindet erst mal und überlässt Karin die Neuorganisation des gesamten Ladens. Er selbst hilft aus der Ferne via Mail und Telefon und verspricht, in zwei Wochen wiederzukommen, zur Neueröffnung, wie er es ausdrückt.

    Wie versprochen, schneit der Hamburger nach 14 Tagen mit einer ganzen Palette neuem Geschirr als Gastgeschenk wieder herein und dreht gleich voll auf. Er stellt fest, dass noch gar keine Speisekarte existiert und niemand weiß, was am nächsten Tag zur Neueröffnung überhaupt angeboten werden soll! Dabei gibt es schon 180 Reservierungen!!! Ratlose Stille bei der Belegschaft. Schnell entscheidet Rach, was es geben wird und was demzufolge noch eingekauft werden muss. Chefkoch Pino und die anderen Küchenmenschen fangen gleich mit dem Probekochen an. Dann ist Karim beleidigt, als der Sternekoch den angebotenen Wein kritisiert und muss von ihn – vor der Kamera – in einer Einzelsitzung wieder auf Linie gebracht werden. Inzwischen hat sich das nächste Problem ergeben: Die 180 Gäste sind offenbar zu viel und passen gar nicht ohne Weiteres in das “Ludwig’s” hinein, aber ausladen kann man nun auch keinen mehr. Rach macht die Sitzordnung zur Chefsache. Typisch, wenn es hart auf hart kommt, sind Helden immer einsam. Das galt schon im Wilden Westen und ist scheinbar auch heute noch nicht anders.

    Am nächsten Tag ist Ultimo, Zahltag, die Neueröffnung. Innerhalb kürzester Zeit säuft der Laden ab, denn es kommen noch weit mehr Menschen, als eigentlich angekündigt. Viele müssen stehen und warten, bis mal ein Tisch frei wird. Zusammen mit Christian Rach und ein paar Aushilfen bewältigt die Küchencrew den Ansturm einigermaßen, kritischer wird es da aber im Service im Restaurant. Hier hakt es vorne und hinten, Karin und Karim verlieren völlig den Überblick, welche Tische was bestellt haben, wo noch Getränke fehlen usw. Dann gibt es einen ominösen “Tisch 8″, an dem entweder vier oder sechs Menschen zu sitzen scheinen, die aber für zehn futtern. Des Rätsels Lösung ist ganz einfach: Es gibt versehentlich zwei Tische mit der Nummer 8.

    Trotz des allgemeinen Chaos scheint es den Gästen zu schmecken. Sternekoch Christian Rach, wegen dessen Popularität es vermutlich überhaupt so voll ist, hält eine Rede und bedankt sich bei der Belegschaft des “Ludwig’s” und den vielen Unterstützern, der Brauerei und auch den zahlreichen Gästen. Und er bittet alle, auch die Fernsehzuschauer, doch recht oft wiederzukommen und dieses wunderschön gelegene Restaurant zu erhalten. Es folgt noch eine tränenreiche Verabschiedung zwischen Christian Rach und Karin Rippold, die jetzt zumindest noch eine Chance bekommen hat. Wollen wir mal alle hoffen, dass sie es schafft.

    Das war’s, die Folge ist aus. Auf den obligatorischen Besuch nach ein paar Monaten verzichtet Rach diesmal, das ganze ist vermutlich auch gerade erst in diesem Winter gedreht worden, denn überall lag Schnee. Ich habe mal ein bisschen gegoogelt und bin auf eine Diskussionsseite der Online-Ausgabe des “Oberbayerischen Volksblatt” gestoßen, auf der sich offenbar Einheimische über die Gastronomie in Kiefersfelden unterhalten. Demnach scheint das “Ludwig’s” noch zu existieren und gut zu laufen. Dank Rach.

    Das war die letzte Folge dieser Staffel. Was sich wie ein roter Faden durch sämtliche Episoden zog, war, dass Christian Rach kaum noch als Koch, sondern vor allem als Manager gefragt war. Früher war ja sowieso immer alles besser, ist klar, aber wirklich, so ein handfester Streit zwischen dem Sternekoch und einem schnöseligen Küchenazubi um die richtige Soßen-Konsistenz oder das Geschachere mit dem Wirt um einzelne, scheinbar unverzichtbare Menüs auf der antiquierten Speisekarte, das hatte auch etwas und kam in dieser Staffel definitiv zu kurz. Für mich war die kultigste Folge ganz klar die Sache mit dem Hollo-Bollo in dem versteckt in einer Passage liegenden Restaurant in Lengerich. Das war so ein richtiger Klassiker mit viel schrägen Vögeln und Spaß bei allen Beteiligten. Ich hoffe, in der nächsten Staffel passiert wieder mehr dieser Richtung. In diesem Sinne guten Appetit, bis bald mal wieder!

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