Meine Güte,
was für eine Woche! Letzten Sonnabend hatte ich an dieser Stelle noch an Helmut Orosz fehlender Homestory herumgemäkelt und schwuppdiwupp liefert er auf einen Schlag gleich soviel, dass es ihn aus der Sendung haut!!! Wie ja mittlerweile allgemein bekannt sein dürfte, hat die stets auf moralische Sauberkeit bedachte Bildzeitung Filmaufnahmen herbeigeschafft und veröffentlicht, die Helmut beim gemeinschaftlichen Koksen mit einem Kumpel auf dem Klo zeigen. Dass er außerdem auch noch – wie Menowin – eine Knastvergangenheit hat, kam dabei gleich mit ans mediale Tageslicht. Nachdem Helmut ja von Dieter Bohlen am letzten Sonnabend wegen diverser Textvergehen und Zweifeln an seiner Einstellung eh schon eine tiefgelbe Karte gezeigt bekam, hat dies das Fass völlig zum Überlaufen gebracht: RTL hat Helmut ein Freiflugticket (einfach) in die Erdumlaufbahn spendiert, d.h. ihn mit sofortiger Wirkung aus dem DSDS-Wettbewerb geworfen. Lt. Bildzeitung arbeitet er inzwischen wieder als Zeitungswerber und geht demnächst in stationäre Therapie. Also das nenne ich eine Bauchlandung!!! Und das schlimmste (für ihn, nicht für uns): Anders als Menowin, kann “Helle” es als geläuterter Ex-Sünder im nächsten Jahr nicht noch einmal bei DSDS versuchen, denn er hat dann definitiv die Altersgrenze von 30 Jahren überschritten!
Für die plötzlich vakante Planstelle als Kandidat Nr. 5 hat man Manuel Hoffmann zurückgeholt, der eigentlich in der letzten Mottoshow regulär ausgeschieden war. Aber auch wenn dessen coachende Oma jetzt Überstunden schiebt, wird das vermutlich nur ein kurzes Gastspiel, denn “Helles” verwaiste Anhängerschaft orientiert sich bestimmt vor allem in Richtung Spaßfraktion, die ja am ehesten noch von Thomas Karaoglu bedient wird. Apropos “Checker”: Komisch, dass der als Zimmergenosse nichts von Helmuts Drogensucht mitbekommen hat…
Doppeltes Pech für Helmut, das Thema der heutigen sechsten Mottoshow hätte ihm garantiert gelegen: “Ballermann gegen Balladen”. Nach unerklärlich frenetischem Beifall der Halle für die Jury aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller kommen die letzten fünf von fünfunddreißigtausend DSDS-Kandidaten auf die Bühne. Standesgemäß trällern sie zum Einzug gemeinsam “Hey Baby (Uhhh, ahhh!)” von DJ Ötzi, einen Song, für dessen schmerzfreien Genuss man mindestens einen Liter Sangria intus haben sollte. Habe ich nicht, deswegen tut das Lied auch echt weh im Ohr. DJ Ötzi, dem Namen nach wohl ein Nachfahre der berühmten Gletscherleiche, steht übrigens auf meiner persönlichen “Geht-gar-nicht-Liste” und deswegen haben seine MP3s Hausverbot auf meinem Rechner. Jaja, ich weiß, auf der Liste stehen schon viele Songs und Interpreten, z.B. das Gesamtwerk der Scorpions und “I just called” von Stevie Wonder. Sorry, aber ich bin in dieser Hinsicht wohl etwas verzogen… Egal, jedenfalls kann man schon bei diesem ersten Auftritt erkennen, wer die beknackteste motivierteste Fanbasis hat: Menowin muss nur die vermutlich tätowierten Augenbrauen hochziehen und sofort kreischt der halbe Saal vor Verzückung; nicht mal Thomas Bemühungen als sonnenbebrillter Shouter zeitigen ähnliche Erfolge. Und von Manuel wollen wir gar nicht reden, der offenbar in der Eile seit letztem Sonntag noch keine neuen Bühnenklamotten gefunden hat und sich auch ansonsten zahm gibt, wie ein Zivi bei der Animation der Sitztanzgruppe im Altersheim.
Kurze filmische Rückblende auf andere DSDS-Ereignisse dieser Woche: RTL hatte versucht, die Top-5-Kandidaten auf einer Art Open-Air mitten in einer ungenannten Ruhrgebietsstadt zu präsentieren. Man sieht dramatische Bilder von wild kreischenden Teeniehorden in engen Straßenschluchten, die sich an Absperrgitter drücken und von hektischen Ordnern daran gehindert werden müssen, zu den “Stars” durchzubrechen. Für letztere ist das natürlich auch ein gefährlicher Moment, denn wenn das selbstverliebte Ego ohnehin nur einen Fingerbreit vom Größenwahn entfernt ist, kann der Anblick johlender Massen verheerende Folgen haben. Leider muss der so sorgsam inszenierte Event nach den ersten Kreislaufkollapsen abgebrochen werden. Die Kandidaten heucheln Bedauern, genießen aber ganz offensichtlich ihren temporären Ruhm und weiden sich beim Wegfahren am Anblick der ihretwegen die Schule schwänzenden Fünftklässlerinnen.
Auch heute (Déjà-vu???) macht Thomas Karaoglan den Anfang mit seinem Ballermann-Liedchen “Das geht ab!” von Frauenarzt und Manny Marc… Frauenarzt? Was für ein bekloppter Name für einen Künstler, ob es wohl auch einen DJ Proktologe oder Lady Fleischwarenfachverkäuferin gibt? Zwar liefert der kleine Checker kostümmäßig eine sehr bunte Vorstellung, mehr Farben gehen rein physikalisch gar nicht mehr, musikalisch ist sein Sprechgesang hingegen nur Rohkost, was aber nicht an ihm liegt, sondern an dem dürftigen Song. “Bis jetzt bist Du der beste”, witzelt Dieter hinterher, lobt ihn aber ansonsten auch tatsächlich, der Song sei absolut passend für ihn gewesen. Stimmt, finde ich auch, der Song ist genau so gut wie der Checker.
Manuel Hoffmann füllt die von Helmut Orosz selbst verschuldete Lücke und reflektiert im Einspieler etwas über die Umstände seines Ausscheidens am letzten Sonnabend. Gäääähn! Sein Titel “Ein Stern, der Deinen Namen trägt” (schon wieder DJ Ötzi) passt zu ihm wie ein Bach-Oratorium zu Dieter Bohlen, nämlich gar nicht. Man sieht Manuel direkt an, wie unbehaglich er sich mit Ballermannmucke fühlt, die an intellektueller Schlichtheit kaum noch zu unterbieten ist. Dazu passt auch, dass sein Bühnenoutfit (rot-oranger Sweater, weiße Jeans) von Ferne eher an einen Rettungssanitäter als einen mallorcinischen Stimmungsmacher erinnert. Die Jury honoriert seine Bemühungen, er habe ganz ordentlich gesungen, aber die Power für solche Art von Songs fehle ganz klar. Man hofft für ihn auf die zweite, die Balladen-Runde.
Für Kim Debkowski kann man nur hoffen, dass sie eine gute Haftpflichtversicherung hat, denn sollte sie mal voll geschminkt vom Regen überrascht werden, dürfte nachher eine gründliche Bürgersteigreinigung fällig sein! Die letzte verbliebene weibliche Kandidatin zeigt heute in ihrer wöchentlichen Einspieler-Kolumne “Kim Gloss”, wie man mit rosa Filz, Klebstoff und Glitzersteinchen eine Top-gestylte Handytasche bastelt. Von ähnlich epochaler Bedeutung ist ihr Titel “Du hast mich tausend Mal belogen” von Andrea Berg, der singenden Ex-Krankenschwester. Ihr (also Kims) Bühnenoutfit besticht diesmal vor allem durch goldenen Halsschmuck und eine irrsinnig lange Tülle auf ihrem Kopf, durch die sie ihre schwarzen Haare (oder doch eine Perücke?) gezogen hat, was ihr etwas Zirkuspferdhaftes gibt. Der nicht immer sicher intonierte Gesang steht wie gewohnt etwas im Schatten ihres Kostüms, doch Dieter ist voll des Lobes, die Schlagernummer nähme er Kim zu seinem eigenen Erstaunen voll ab, sieht sie gar als deutsche Lady Gaga.
Die strategisch wichtigen letzten Auftritte jeder Mottoshow gehören traditionell Dieters beiden Lieblingen Mehrzad und Manowin. Der Einspieler berichtet von einem eigentlich gar nicht berichtenswerten Kurzauftritt von Mehrzad Marashi und dem seligen Helmut bei einer RTL-Fernsehproduktion, bei der sie auch singen durften. Der wie immer dunkel und mit schwarzem Lackhut gewandete Mehrzad bringt uns heute eine täuschend ähnliche Kopie von Shaggys “Mr. Boombastic” mit. Gott, wenn man den Titel mag, war das wohl ein guter Auftritt, ob er zum Thema passt, sei dahingestellt. Dieter wittert Gefahr für seinen Top-Favoriten Menowin und pöbelt deswegen genüsslich gegen Shaggy, den angeblich “schlechtesten Sänger des Sonnensystems” (Ey, was ist mit Menderes?!?) und fragt öffentlich, wieso sich Mehrzad als anerkannt guter Sänger heute ausgerechnet eine Nummer mit reinem Sprechgesang (”Hühnerkacke”) ausgesucht hat?
Das Ende der ersten Runde markiert – wie so oft – Menowin Fröhlich. Das hat sich Onkel Dieter schön ausgedacht, denn damit tritt sein Lieblingskandidat immer unmittelbar vor dem Beginn der Anrufphase auf, was bei Zuschauern mit eingeschränkter Gedächtnisleistung durchaus von Vorteil sein kann. (Wer’s nicht glaubt: Die ARD durfte sich als wichtigster Finanzier des Eurovision Song Contest für Ausdruckstänzerin Lena, den deutschen Beitrag in Oslo, selbst eine Startposition aussuchen und hat dafür die Nummer 22 von 25 genommen, weil die nämlich so schön weit hinten liegt.) Auch ansonsten verfügt Menowin lt. Einspieler über unbedingten Siegeswillen: “Ich werde mir den Titel nicht stehlen lassen”, sagte er dazu, dass Mehrzad von der Jury zum Tagessieger der letzten Show ernannt worden war. Aha, der Superstar-Titel gehört ihm also eigentlich schon, nette Einstellung.
Vielleicht gibt er sich wegen des bereits sicheren Titelgewinns nicht mehr so viel Mühe, ich finde Menowin heute Abend mit “What is Love” von Haddaway jedenfalls ungewohnt schwach. Abgesehen davon, dass ich nicht verstehe, was das Ganze überhaupt mit dem Motto “Ballermann” zu tun haben soll, kommt der Text hier und da etwas verhuscht und die Töne sind zum Teil nicht hundertprozentig richtig. Am nervigsten ist aber eine neue Geste in Menowins normalerweise perfekter Choreografie, so eine Art “unsichtbares Apfelpflücken”, ein Griff hoch in die Luft. Sieht einfach irgendwie doof aus. Aber Wurscht, wie ein Normalsterblicher das findet, für Dieter ist der Auftritt eine Offenbarung, Menowin sei im ersten Durchgang ganz klar der beste Kandidat gewesen. Mann, ich kann gar nicht sagen, wie wenig mich das überrascht. Dagegen ist die Tatsache, dass Heiligabend dieses Jahr auf den 24. Dezember fällt, ja geradezu eine Sensation. Nina spielt mit ihrem Leben, als sie unter den Buhrufen der halben Halle Menowins übliche Textfehler zur Sprache bringt, die er in anderen Shows “weggepowert” habe, was ihm heute aber nicht gelungen sei. Volker erhebt ähnliche Vorwürfe, droht sogar etwas (”glaub’ nicht, dass Dir hier was geschenkt wird”) und katapultiert sich damit ebenfalls aus dem Kreis der zivilisierten DSDS-Menschheit. Dieter starrt derweil düster vor sich hin und formuliert wahrscheinlich im Kopf schon zwei Kündigungsschreiben…
Heute können die Zuschauer bereits nach dem Ende des ersten Durchlaufs anrufen, RTL hat nämlich herausgefunden, dass so noch mehr Geld zu verdienen ist. Und da sich die Leute vermutlich ohnehin nur an einer möglichst kruden Homestory und nicht an gezeigten Leistungen der Kandidaten orientieren, sind deren Liedchen im Grunde genommen sowieso egal. Insofern ist die vorzeitige Eröffnung des Televoting nur konsequent.
Der zweite Durchlauf unter dem Motto “gefühlsechte Balladen” beginnt wieder mit Thomas Karaoglan und seinem “Stand by me” von Ben E. King. Diesmal steht er adrett gescheitelt im Konfirmationsanzug vor einem Retromikrofon und singt artig seine Zeilen, während es seinen Fanblock (Marco Schreyl: “klein und aggressiv, wie der Checker”) nicht auf den Sitzen hält. Die Zeit eines kurzen Instrumentalparts nutzt Karaoke-Tom, der Bonsai-Gentleman, um nach vorn zum Jury-Tisch zu gehen und Nina formvollendet einen Handkuss zu geben. Die Jury ist denn auch begeistert, toller Auftritt, Superklasse.
Ein fieser, aber zutreffender Spruch lautet “Der Tod sucht seinen Grund”. Dass Manuel Hoffmann heute vermutlich ausscheiden wird, steht bereits seit letztem Sonntag fest, denn er profitiert vom Abgang des Partykönigs Helmut, was ihm die undankbare Rolle des DSDS-Prügelknaben beschert. “Sorry seems to be the hardest Word” von Elton John, das man übrigens auch als Cover-Version von Blue kennt, dürfte in diesem Wettbewerb wohl endgültig sein letztes Lied werden – es sei denn, die Bildreporter finden auch gegen andere Kandidaten noch Indizien, so dass Manuel nochmal nachrutscht. Dabei ist das von der musikalischen Leistung her nicht berechtigt, die ruhige Ballade liegt dem angehenden Kindergärtner nämlich erkennbar besser als DJ Öff-Öffs Deppenhymne aus der ersten Runde. Seine Bühnenshow beschränkt sich im Grunde genommen auf das Tragen einer glänzenden, Bademantel-ähnlichen Jacke mit aufgedrucktem Union Jack – wohl als Reminiszenz an den von der britischen Queen geadelten Sir Elton. Dieter macht auf konziliant: “Wenn es heute Abend für Dich nicht weitergehen sollte, hast Du Dich wenigstens mit einer Supernummer verabschiedet!”
Kim Debkowski hat sich als Ballade “Almost Lover” von A Fine Frenzy ausgesucht. Sie sitzt mit einem Tüllschleier und einem blauen Quallen-ähnlichen Dingsbums auf dem Kopf auf einem roten Armsessel mitten auf der Bühne. Ein paar gute Töne sind dabei, aber ein ganzer Haufen geht auch ziemlich daneben, eigentlich zu viele für eine Top-5-Show, aber Kim hat ja den Bonus als “Last Woman Standing”. Die Jury ist eher ungnädig, besonders natürlich Dieter: “Mit dem Titel hast Du Deine Problemzone herausgearbeitet, nämlich Deine Stimme.” und “Das war brutal!”
“Hard to say I’m sorry” von Chicago ist Mehrzad Marashis zweiter Titel. Diesmal punktet er mit einer sehr gefühlvollen Performance, auch wenn man ihn zunächst im dunklen Anzug und seinem gewohnten schwarzen Hut vor einer fast unbeleuchteten Kulisse kaum sieht. Bei diesem Stück gefällt mir – zum allerersten Mal – die Orchesterbearbeitung nicht, die haben aus der Nummer von Chicago eine merkwürdig emotionslose Stampfnummer gemacht, etwas zu schnell für meinen Geschmack. Trotzdem singt Mehrzad den Titel topp. Dieter findet’s gut “mehr Gefühl geht nicht”, Nina und Volker sind auch sehr zufrieden.
Im Duell der großen M&Ms beschließt Menowin Fröhlich den Abend musikalisch mit “How deep is your Love” der Falsett-liebenden Gibb-Brüder, landläufig auch als Bee Gees bekannt. Novität am Rande: Menowin mal ohne Mütze, so dass man den frisch in die Haare tätowierten Violinschlüssel gut sehen kann. Auch ansonsten ist der Auftritt um Klassen besser als bei der Ballermannrunde. Die Jury begrüßt die Rückkehr des “alten” Menowin.
Vor der Humor-Pause (und das ist wörtlich zu nehmen) bis zur Urteilsverkündung darf die Jury einen Tipp abgeben, genau genommen spricht nur Onkel Dieter: Wenig überraschend, hält er vor allem Manuel und etwas auch Kim für gefährdet.
Für die Überlebenden des RTL-Gehirnzellenmassakers namens “Böse Mädchen” kommt es dann nach knapp zwei Stunden zunächst wie erwartet: Menowin und Mehrzad sind sofort weiter, doch dann wird als dritter sensationell Manuel in die nächste Mottoshow gewählt! Hinsichtlich der Frage im Blog-Titel also schon mal ein klares NEIN, kein Déjà-vu, diesmal geht es weiter für den letzten Normalo im Kandidatenfeld! Stattdessen wird der Loser in einem minutenlangen Zitterduell zwischen Kim und dem Checker ausgemacht und raus fliegt am Ende ziemlich überraschend Thomas “der Checker” Karaoglan. Hmm, Respekt, das hätte ich jetzt eigentlich nicht gedacht. Dann will ich gleich mal meine eigene Vorhersage im Blog zur Top-7-Show ändern. (Nein, Scherz, das mache ich natürlich nicht und auch meine heutige Vermutung zum sicheren Abgang von Manuel lasse ich hier stehen.) An der garantierten Finalpaarung Menowin und Mehrzad ändert das aber alles nichts.
Bis zur nächsten Woche, wenn außer Kim nur noch Männer mit dem Anfangsbuchstaben “M” auftreten!





