• DSDS (RTL) 08.02.2010 No Comments

    Hallo zusammen, es ist wieder Samstagabend und der gehört fernsehtechnisch bis Mai fast ohne Unterbrechung Dieter Bohlen und seinen DSDS-Jury-Statisten. Im dritten und letzten Teil des Recall erwarten wir heute gespannt, welche 15 Leute durch das Nadelöhr zu “Deutschland sucht den Superstar” kommen und vor allem, wen es so kurz vor den Mottoshows quasi auf der Zielgerade zerlegt.

    Zunächst sehen wir den armen Helmut Orosz, der als Kollateralschaden von Ruzhdis explosionsartigem Abgang das nun frei gewordene Bett in Thomas Karaoglan Zimmer beziehen muss. Der “Checker” braucht einen Babysitter, hat das Fernsehen beschlossen, was bei beiden betroffenen Herren auf Missfallen stößt. Vermutlich erhofft man sich bei RTL  hier einen weiteren potenziellen Konfliktherd, denn während Thomas einen Reinlichkeitsfimmel zu haben scheint, ist der Ordnungssinn bei  Helmut eher gering ausgeprägt.

    Am letzten der drei Recall-Tage hält Bohlen unter Palmen noch eine markige Rede und droht schon mal mit der bevorstehenden “Verkündung”, die für eine Reihe von Kandidaten das Aus bringen werde. Ansonsten – Dieter ist ja gar nicht so – räumt er angesichts der leicht geschürzten Kandidatinnen im Strand-Outfit ein “was das Visuelle angeht, so ein geiles Casting habe ich noch nicht erlebt”. Artiger Beifall brandet nach seinen Worten auf und es geht weiter im Takt.

    Olivera Brkic, Maria Valencia und Alexandra Jansen absolvieren den ersten Auftritt des Tages und bringen die Ballermann-Hymne “Bailando”. Mit ihrer knappen Bekleidung, einer stimmigen Choreografie, dem türkis-blauen Meer im Hintergrund und nicht zuletzt einer durchaus akzeptablen Gesangsleistung wird es eine rundum prima Performance. Dieter kämpft sichtbar mit Speichelfluss und lobt inbesondere Alexandras Tanz. Auch die bedeutungslose Rest-Jury Nina Eichinger und Volker Neumüller scheint zufrieden.

    Nelson Sangaré und Adrian (dessen Nachnamen man nicht erfährt) kämpfen ebenfalls mit Körpereinsatz, protzen mit weit geöffneten Hemden und präsentieren ihre Sixpacks. Von Adrian habe ich bisher noch in keiner Folge der ganzen Staffel etwas gesehen, meist ein untrügliches Zeichen dafür, dass die RTL-Redaktion seine Bilder für entbehrlich hält, weil er noch vor den Mottoshows rausfliegt. Man muss bedenken, dass die erste Casting-Folge erst lief, nachdem in Wirklichkeit schon der gesamte Recall durch war – daher ist RTL zu diesem Zeitpunkt natürlich schon viel “klüger” als die Zuschauer und kann die Kandidatenstories gezielt steuern. Wie auch immer, sie performen jedenfalls Enrique Iglesias “Bailamos”, haben sich aber mit der Choreografie nicht so viel Mühe gegeben, wie die Damen zuvor. Bohlen ist trotzdem begeistert, Nina wegen der optischen Komponente noch mehr und auch Volker ist positiv überrascht.

    Steffi Landerer wurde Helmut als Duett-Partner zugeschustert. Die Blondine vom Typ Pamela Anderson ist begeistert (“der ist ‘ne Kanone”) und gemeinsam proben sie nächtens leicht bekleidet und zunehmend angeheitert im Hotelzimmer. Die armen Nachbarn, ich hoffe, der Laden ist ansonsten leer. Vielleicht geht zwischen den beiden was, zumindest stimmt die Chemie und er mag ihre großen Augen. ;-) Sie singen zusammen “All Summer long”, wobei Helmut den Text vom Zettel ablesen muss, was Dieter später bekrittelt (“ruh’ Dich nicht zu sehr auf Deiner rauen Stimme aus”). Steffis stimmliche Qualitäten werden von ihren sonstigen Reizen wesentlich übertroffen. Dieter ist ein Freund offener Worte: “Du bist nicht die größte Sängerin, hast aber zwei schlagende Argumente. Mal sehen, wie lange die reichen.”

    Naomi Marte und Manuel Hoffmann punkten mit der Langnese-Hymne “Like Ice in the Sunshine”, danach singen Joel Havea (Ex-Australier) und Kevin Rebstock (Ex-Dickerchen) wirklich sehr harmonisch “Maria Maria” (Santana).

    Anschließend performt Bohlens Liebling Marcel Pluschke zusammen mit Patrick Feil und Cowboyhut-Träger Dirk Petry “Lemon Tree”. Das ist ein Heimspiel für Marcel, denn er kam mit diesem Titel schon zum Casting. Überhaupt scheint er musikalisch keinen sehr weiten Horizont zu haben; in der letzten Folge musste er bereits in weiten Bereichen passen, weil er die Töne mit seiner Stimme nicht kriegte. Analog zu Steffi würde ich auch bei Marcel tippen, dass seine DSDS-Karriere in den Mottoshows schnell verglüht, sobald die Mädels sich an seinem Dackelblick satt gesehen haben. Wie auch immer, heute ist noch Recall und dafür ist Bohlen mit der Leistung der drei Beach Boys zufrieden. Dirk finde ich sehr merkwürdig…

    Kim Debkowski, Ines Redjeb und Céline Denefleh könnten aus mittlerer Entfernung betrachtet Schwestern sein, alle haben den selben Teint und lange dunkle Haare. Okay, okay, Kims Hautfarbe kommt von der Überdosis Schminke, gebe ich ja zu. Die drei Badenixen singen “The Tide is high”, das die Altvorderen noch in der Version von Blondie kennen. Auch stimmlich ähneln sie sich sehr. Bohlen fehlt bei Kim etwas das Gefühl, ansonsten ist er auch hier zufrieden. Die eigentliche Dramatik kommt erst nach dem Auftritt, denn Céline kriegt den Anflug eines Herzkaspers. Wir erinnern uns: Ihr wurde wegen chronischer Herzrhythmusstörungen ein Defibrillator eingebaut, der auch wesentlicher Teil ihrer Homestory im Casting war. Gott sei Dank entpuppt sich das Ganze als falscher Alarm und das Leben geht weiter.

    Für den Checker Thomas wird ein lang gehegter Traum wahr: Er darf vor Dieter Bohlen endlich einen Titel dessen musikalischen Ziehsohns Mark Medlock singen. Zusammen mit Norbert Samko (wer ist das denn jetzt?) probt er “Mamacita”, wird dabei aber durch seine rudimentären Englischkenntnisse arg gebremst. Nun hätte er wohl doch lieber ein Lied mit weniger – oder am besten ganz ohne – Text, ist aber zu spät. Statt konsequent zu üben, geht Thomas abends lieber in die Disse und ist morgens beim Auftritt entsprechend verkatert. Die angeraute Stimme macht er dabei jedoch mit einer wilden Performance wieder wett und fordert sogar Dieter zum Mittanzen auf, allerdings vergebens. Im Gegensatz zu Norbert, ist die Jury mit Thomas Leistung recht zufrieden und er darf erstmal auf der Insel bleiben.

    Monique Laroche und Kevin Reichmann proben im Meer den Bacardi-Werbesong “Summer Dreaming” und kommen damit später vor der Jury gut an. Den selben Titel vergeigen gleich darauf Kima Evelyn Isik (?!) und Maria Hering, weil sie währenddessen den Text vergessen, stattdessen dummes Zeug (auf Deutsch) singen, sich darüber beömmeln und damit den Zorn Bohlens zuziehen: “Sowas nennt man Unfähigkeit auf vier Beinen.” Als die Damen dann noch als Entschuldigung anbringen, sie könnten sich in den Song nicht hinein versetzen, obwohl sie gerade in der Karibik auf einem Strand unter Palmen vor dem unwahrscheinlich blauen Meer stehen, platzt auch Juror Volker der Kragen und er macht auf Bohlen. Mit ein paar wohlgezielten verbalen Hieben legt er den beiden bedrabbelten Möchtegern-Sternchen schon mal das Kofferpacken nahe. Nachher flennen beide Kandidatinnen noch eine Runde in die Kameras.

    Mehrzad Marashi und Menowin Fröhlich harmonieren musikalisch sehr und bringen das mit “Sweat” (A la la la la long) als Duo gut rüber. Der Poptitan in der Jury fühlt sich sichtlich gut unterhalten und lobt den Auftritt der beiden über den grünen Klee. Damit sollten sie eigentlich keine Schwierigkeiten haben, unter die Top 15 zu kommen.

    Abends gibt es dann eine große Party aller Kandidaten, inklusive kleiner Lästereien darüber, wer eigentlich nicht weiter kommen sollte und wer es mehr verdient hätte (selbstverständlich immer man selbst). Der arme Bohlen verbringt dagegen lt. Off-Stimme eine unruhige Nacht, weil er ganz allein die menschheitsentscheidende Frage klären muss, wer von seinen Kandidaten nun rausfliegt. Bezeichnend, dass er das allein tut, die Restjury hat er wohl nur, damit die zwei Stühle neben ihm nicht so leer aussehen. Wir sehen Dieter am Geländer eines Stegs, die ganze Last der Welt auf seinen Schultern tragend, wie er Hilfe suchend aufs Meer blickt, der aufgehenden Sonne entgegen. Nein, die 1,2 Millionen Euro DSDS-Gage sind wahrlich kein leicht verdientes Geld… :-)

    Der Jurytisch ist heute malerisch auf eine Sandbank drapiert worden, leicht vom Wasser umspült. Einzeln und manchmal zu zweit werden die Kandidaten auf die Sandbank gerufen und empfangen das Urteil. Ich schreibe mal nur, wer bei der jetzt folgenden “Verkündung” rausfliegt und damit die Top 25 verpasst; die endgültigen Top 15 für die Live-Shows findet ihr ganz unten. Kima kommt schon ahnungsvoll betend zum Richtertisch und kriegt einen Weinanfall, als man ihr das negative Resultat mitteilt. Sie bettelt völlig hemmungslos um ihr Leben, das ohne DSDS keinen Sinn mehr habe und fleht Dieter an, es sich nochmal zu überlegen. Sie könne eigentlich besser singen und habe einfach nur Pech gehabt. Bitte, bitte, bitte, bitte, bitte! Da trifft sie offenbar bei dem Titan eine weiche Stelle und er will sich ihr Schicksal nochmal überlegen. Sie soll ganz am Ende der Verkündung ein zweites Mal auf die Sandbank kommen.

    Also, sofort raus sind Angeliki Paitari, Zemine Aras, Maria Hering (Bohlen: “Dein Talent hat hier geglänzt… leider durch Abwesenheit”) und Monique Laroche. Monique und Zemine kriegen sich anschließend direkt vor der Kamera fast körperlich in die Haare und müssen von den anderen DSDS-Kandidaten davon abgehalten werden, sich zu verprügeln. Schön zu sehen, wie die Kamerateams unter den Palmen schnell in Richtung der schrill kreischenden Kontrahentinnen sprinten, solche Bilder will man sich schließlich nicht entgehen lassen. Flugs wird der Verwünschungen ausstoßenden Monique ein gelbes Mikrofon unter die Nase gehalten und RTL, der alte Philanthropensender, zeigt die Szenen schön in Zeitlupe und mit Wiederholungen. Ach hätten doch die anderen Kandidaten nicht eingegriffen…

    Ganz am Ende kommen Olivera und Kima zur Jury auf die Sandbank, hinter der sich über dem Meer gerade eine dramatische Wolkenkulisse aufbaut. Eine von beiden kriegt den letzten freien Platz unter den Top 25, dafür müssen aber beide nochmal spontan vorsingen! Wirklich toll fand ich beide nicht, aber Kima kommt tatsächlich weiter, genau wegen der Ellenbogen, mit denen sie sich gerade gegen den sicheren Rauswurf gestemmt hat. Bohlen imponiert, dass sie bereit scheint, über Leichen zu gehen.

    Aus der Karibik geht es für die Top 25 jetzt zurück nach Deutschland, nun müssen alle nochmal in Einzelauftritten ihre Eignung fürs harte Showgeschäft nachweisen. Ich will mal nicht zu detailliert werden, sonst liest das hier keiner mehr. Jedenfalls kriegt Helmut einen Einlauf, weil er einen zu unbekannten Bryan-Adams-Song ausgesucht hat. Dirk presst und knödelt “Summertimes” aus der Oper “Porgy and Bess”, natürlich wieder im Cowboy-Outfit, der Typ ist komisch! Kevin Rebstock hat Déjà-vu-Gefühle, denn letztes Jahr flog er genau an dieser Stelle raus, Kevin Reichmann soll seine Mutter von Dieter grüßen(!?) und Menowin singt mein persönliches Hasslied “I just called” von Stevie Wonder.

    Jetzt kommt die nächste Verkündung, wer darf nächste Woche in der ersten Liveshow auftreten? Ein letztes Mal hat die Jury das Sagen und RTL macht es natürlich wieder spannend, ich aber nicht. Weiter sind: Menowin, Céline, Mehrzad, Naomi, Manuel, Marcel, Thomas, Dirk, Steffi, Kim, Kevin Reichmann, Maria Valencia, Nelson, Ines und Helmut.

    Raus sind damit Kima (diesmal endgültig, ohne Heulerei), Alexandra, Anastasia und Kevin Rebstock (dessen Déjà-vu-Ahnungen sich damit erfüllt haben). Nicht genannt und gezeigt, aber trotzdem offenbar irgendwie rausgeflogen sind: Patrick, Joel, Meike, Norbert und Adrian.

    Die Sendung endet mit einer erneuten Predigt von Papa Bohlen, dass sie sich alle ihrer unglaublichen Chance bewusst sein sollten und dass der Wettbewerb jetzt erst richtig anfinge usw. Na, da sind wir aber mal gespannt, welche 10 Kandidaten die erste Liveshow am nächsten Sonnabend überleben. Bis denne!

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  • DSDS (RTL) 05.02.2010 6 Comments

    Stell Dir mal vor: Du machst Traumurlaub auf einer Insel mitten in der blau-grünen Karibik und flezt in einem gemütlichen Liegestuhl an einem goldgelben Sandstrand mit Blick bis zum Horizont. Hinter Dir wiegen sich die Kokospalmen im lauen Lüftchen, in der Liege links neben Dir der/die Liebste, rechts ein kühles Glas Cuba Libre, irgendwo in der Ferne spielt jemand Gitarre. Mit einem Wort: Das Paradies.

    P L Ö T Z L I C H  ein lautes KRACHEN und KREISCHEN, eine große Horde wildgewordener Jung-Teutonen poltert mit ihren Taschen und Schminkköfferchen über den Strand und bezieht das Haus genau neben Deinem Bungalow! Das war’s mit der Erholung, denn jetzt geht es rund: Den ganzen Tag und die ganze Nacht streiten und singen die lautstark, streiten und singen und streiten und singen. Zwischendurch kommt regelmäßig ein miesepetriger, sonnengegerbter Mann in den Fünfzigern mit blond-gefärbten Haaren vorbei, der den ganzen Kiddie-Haufen anschreit, den Kopf schüttelt und sich wieder verzieht.

    Tja, wer das Glück oder Pech hatte, an den drei Recall-Tagen gleichzeitig mit Bohlens DSDS-Bande in der Karibik gewesen zu sein, der kann vermutlich so eine ähnliche Geschichte erzählen.

    Heute sehen wir zuerst die 35 Teenager und Twens beim unbeschwerten Baden und am Strand, plötzlich nähert sich von oben ein Hängegleiter mit darunter montiertem Schlauchboot (keine Ahnung, wie das richtig heißt) und setzt zur Landung im Wasser an. Hinter dem Piloten sitzt der Reiseleiter, Herbergsvater und Pop-Titan Dieter Bohlen. Der steigt für die letzten Meter bis zum Strand vom Flugzeug um in ein ordinäres Bötchen, in dem – standesgemäß – schon die restliche Jury aus Nina Eichinger und Volker Neumüller sitzt. Zusammen kommen sie unter dramatischer Hintergrundmusik am Ufer an, gehen an Land wie weiland Christoph Columbus, lassen sich von den artig applaudierenden DSDS-Kandidaten huldigen und nehmen ihre Plätze am Bambus-Jurytisch ein, direkt am Strand.

    Schnell hat der Spaß ein Ende, der Ernst zieht ein! Dieter Bohlen ist nämlich ein echt fieser Typ: Da nimmt er die 35 restlichen Bewerber aus “Deutschland sucht den Superstar” mit in die Südsee, lullt sie ein bisschen mit tropischer Wärme ein und verlangt dann plötzlich Leistung von ihnen! Schon während des Fluges mussten sie ein Liedchen lernen, das sie der Jury nun hier am Strand im Einzelauftritt vorsingen müssen. Und das, obwohl doch noch alle mit dem Jetlag kämpfen… Natürlich geht die ganze Sache gehörig schief, kaum einer kann den Text, sogar Bohlens Liebling Thomas Karaoke, äh Karaoglan hat da seine Probleme. Er hat zwar von “My Girl” kaum noch eine Zeile richtig parat, aber er behilft sich mit jeder Menge erfundener Reime, die zwar überhaupt keinen Sinn machen, aber auf den ersten Hör wenigstens richtig Englisch klingen. Sehr geschickt, man nennt ihn nicht umsonst den “Checker”. :-) Bohlen hat aber gemeine Spitzel und Zuträger, die haben den Text mitgelesen und decken Thomas Bluff auf.

    Auch Ruzhdi Bojani leidet unter partieller Amnesie, kann aber im Gegensatz zum Checker gar kein Englisch, so dass er seine Lücken nur mit “Lalala” zu stopfen vermag, was der Jury leider sofort auffällt. Bohlen resümiert, das habe mit Musik nichts mehr zu tun und sei einfach Müll – und Müll gehöre nicht auf so eine schöne Insel… Ähnlich ergeht es Meike Büttner, Helmut Orosz (O-Ton Bohlen: “das war absolute Kacke”), Kim Debkowski (Dieter: “Kein Schwein kann sich hier irgendeinen Text merken”), Anastasia Del Mukhamedova (Dieter: “Auch Du bist von der Texteritis befallen”) und Menowin Fröhlich (Dieter: “Mensch, Du musst in den nächsten Tagen Gas geben, sonst kriegst Du bei RTL ‘ne eigene Pannenshow”). Die Jury heuchelt Entsetzen über den karibischen Recall-Auftakt und Dieter schwingt zum Schluss eine Rede mit diversen Analogien aus dem von ihm so geschätzten Sanitärbereich (u.a. “Klobürste”). Es herrscht allerorten Krisenstimmung, gibt es wirklich einen “Fluch der Karibik”?

    Am nächsten Tag stehen Gruppenauftritte an. Naomi Marte, Angeliki Paitari und Steffi Landerer proben optisch ansprechend zusammen im Whirlpool, nachher sehen wir dann Naomi und Steffi auch noch bei innigen Plantsch-Spielchen im flachen Wasser. Nanu, da geht doch was? Wie dem auch sei, jedenfalls performen die drei als Girl Group mit “If a Song could get me You” von Marit Larsen vor der Jury. Die ist zufrieden mit der Choreografie, die Stimmen sind ihnen aber zu gewöhnlich und Dieter pflaumt vor allem Angeliki an: “Dir fehlt das Gefühl, das toucht mich nicht”. Hinterher kullern deswegen ein paar Tränchen ihren Luxuskörper hinab…

    Kevin Rebstock, Manuel Hoffmann und Patrick Feil (noch nie gehört!) bilden die nächste Gruppe. Ex-Moppel Kevin hat scheinbar Nachholbedarf für das richtige Performen und fragt unter Kamerabegleitung ausgerechnet Mr. Arrogant Thomas nach ein paar Tipps. Der blüht ob dieser Bestätigung bedauerlicherweise noch mehr auf und lässt ein paar Brocken seiner vermeintlichen Weisheit fallen (1. “sexy sein”, 2. “Augenkontakt halten”, 3. “geil sein”). Altklug garantiert er Kevin den Einzug unter die Top 15, wenn er diese Ratschläge befolge. Das oben genannte Trio singt Patrick Swayzes “She’s like the Wind”. Von dem Patrick (der Kandidat ist gemeint) hatte ich vorher noch gar nichts mitgekriegt, den Namen muss man sich aber vermutlich auch nicht merken. Seine Haare sehen wie eine zu groß geratene Perücke aus und er singt irgendwie leidend, so als trete ihm jemand auf den Fuß. Am besten fand ich persönlich Manuel, aber auch die anderen Herren kriegen von der Jury eine ordentliche Wertung.

    Menowin singt im Duett mit Alexandra Jansen, der Maschinenbaufrau aus Aachen. Der Ex-Knacki hat nach wie vor an seinem Texthänger vom Vortag zu knabbern und im zweiten Recall-Auftritt gehe es jetzt bei ihm um alles, behauptet die Off-Stimme. Scheinbar muss er wieder zurück in den Bau oder Söldner in Afghanistan werden, wenn Papa Bohlen ihn jetzt nochmal verreißt, so hört es sich jedenfalls an. Aber alle Menowin-Fans können sich beruhigt den nächsten Joint anstecken, denn die beiden bringen ihr “Up where we belong” unfallfrei über die Palmen-bestandene Bühne. Die Jury ist zufrieden und die beiden Kandidaten erleichtert.

    Eine weitere Boy Group besteht aus Helmut, Marcel Pluschke und einem namenlosen Typen, der sich vor allem durch seine zahlreichen Tattoos auszeichnet. Sie werden als DSDS-Chippendales angekündigt, weil sie mit nacktem Oberkörper auftreten, was wohl wenigstens von Nina eine positive Wertung sichern sollte. Die drei proben die ganze Nacht lautstark ihren Titel “To be with you” am Strand und machen sich damit vermutlich bei den anderen Urlaubern nicht sonderlich beliebt. Marcel hat darüber hinaus noch ein ganz anderes Problem: Er kriegt die hohen Töne nicht, will  sich deswegen auf so eine Art zweite Stimme im Background beschränken und den anderen beiden den akustischen Vortritt lassen. (Na, wenn das man zum Superstar reicht, nur blaue Augen und Dackelblick allein genügen nicht.) Die Vorstellung vor der Jury verläuft zufriedenstellend, auch wenn hier und da mal Textlücken durchschimmern und die Choreografie eher spontan als geprobt wirkt. Marcel fühlt sich zwischen seinen beiden singenden und hüpfenden Mitbewerbern sichtlich unwohl, guckt immer nur von einem zum anderen, damit er ja den Einsatz nicht verpasst. Das wird ihm dann hinterher etwas vorgeworfen, aber Dieter hat einen Narren an dem Jungen gefressen und lässt ihn weitgehend ungeschoren davonkommen. Ob der unerwartet positiven Wertung nehmen die drei Kandidaten erstmal ein spontanes Bad im nahe gelegenen Meer.

    Das nächste Duo besteht aus Kim und Thomas. Nicht besonders überraschend, dass zwischen den beiden die Chemie nicht ganz stimmt, er wirft ihr Hochnäsigkeit vor, sie nennt ihn stressig und chaotisch. Übrigens hat Kim mal wieder mehr Schminke aufgelegt als Tut-Anch-Amun, falls sie damit ins Wasser geht, müssten eigentlich sofort die Ölauffangschiffe ausrücken… ;-) Noch bevor sie überhaupt singen, gibt der Checker schon mal bekannt, dass er den Text wieder nicht kann. So wie es aussieht, war er nachts lieber in der Disko, als für den Auftritt zu üben. Dieter ist bei Thomas immer extrem großzügig, sagt nichts zu der mangelnden Disziplin. Er schlägt vor, die beiden sollten ihm bei ihrem Lied “We’ve got tonight” eben vorspielen, ein Liebespaar zu sein, auch wenn sie sich in Wirklichkeit hassen. So sei eben das Showgeschäft, doziert er. Die beiden singen dann eng umschlungen, lesen dabei immer abwechselnd von einem kleinen Spickzettel ab, verhaspeln sich aber öfters, sowohl beim Text als auch der Musik. Egal, Dieter findet’s niedlich, der Checker habe das sehr schön gemacht, blablabla. Nina und Volker scheinen übrigens gar nichts mehr meinen und sagen zu dürfen, die sind immer völlig still.

    Mehrzad Marashi und Olivera Brkic (hä, auch neu?) harmonieren da viel besser, sind stimmlich und persönlich wesentlich reifer als das vorherige Kinderpaar. Sie bringen “Endless Love” von Lionel Richie sehr gut rüber, ihre Stimmen harmonieren perfekt. Dieter Bohlen ist hoch zufrieden und nennt Mehrzad gar den einzigen richtigen Musiker unter den Kandidaten.

    Über Monique Laroche und Maria Hering hatte ich, glaube ich, auch noch nie geschrieben. Die beiden singen im Duett Maria Menas “All this time” und haben dazu sogar noch eine kleine Rahmenhandlung ersonnen. Sie hätten man ihre Energie mehr in Richtung Textlernen lenken sollen, sie kriegen das Lied nämlich auch in mehreren Anläufen nicht gebacken. Beim letzten Versuch haben sie superschlau kleine Spickzettel in Tassen (aus der “Rahmenhandlung”) versteckt, aus denen sie dann ganz offensichtlich ablesen. Was der Checker darf, dürfen Monique und Maria noch lange nicht. Bohlen wird grimmbimmselig und schnauzt rum und selbst die Harmonie-bedachte Nina meckert (“das war peinlich”). Volker findet den Auftritt gar unprofessionell, er käme sich gar nicht mehr wie bei DSDS vor, sagt er.

    Die letzte Gruppe für heute besteht aus Ruzhdi, Dirk Petry und Wemauchimmer und singt “Easy like Sunday Morning” von Faith No More. Nachts haben sie scheinbar mehr gesoffen als geübt und das Ergebnis zeigt sich heute. Während Dirk wie immer die Zähne nicht auseinander kriegt und sich scheinbar einen heftigen Kampf mit der Musik liefert, ist bei Ruzhdi genau das Gegenteil der Fall: Er singt etwas schlapp seine Strophen und bekommt dann leider wieder einen plötzlichen Gedächtnis-Totalausfall, genau wie am Vortag im Einzelauftritt. Er kaschiert die fehlenden Worte mit einem leichtherzigen “Dab-Dabbi-Dabbi-Da”. (Zack, die Musik setzt aus, das Bild friert ein, mit einem Mal ist alles nur noch schwarz-weiß. Was jetzt passiert, zeigt uns RTL in Zeitlupe und Standbildern, wiederholt einzelne Sequenzen mehrmals und legt dramatische Musik drunter.) Bohlen glaubt offenbar, nicht recht gehört zu haben, runzelt die Stirn, setzt die Sonnenbrille ab, steht auf, geht zu Ruzhdi, nimmt ihm das Mikrofon ab und schüttelt ihm die Hand “Schönen Weg nach Hause!”. Dieter dreht sich um und sucht einen Ort, wo er das eingesammelte Mikro ablegen kann. Er brabbelt “Dadada, das geht hier nicht!” in die Kamera und wirkt dabei ernsthaft empört, so wie der Wegewart im Kleingartenverein, wenn während der Mittagszeit einer den Rasen mäht. Tja, das war ein echter Rauswurf, für Ruzhdi ist der Traum vom Superstar von einer Sekunde auf die andere unwiderruflich vorbei. Die anderen Kandidaten geben sich hinterher geschockt, freuen sich aber insgeheim vermutlich über den aus dem Weg geräumten Konkurrenten.

    Dass sich ausgerechnet ein Dieter Bohlen über “Dab-Dabbi-Dabbi-Da” echauffiert, der doch in seinen eigenen Titeln oft genug den sprachlichen Offenbarungseid geleistet hat, mag verwundern. Ich denke mal, der Chefjuror hatte schon am Vortag erkannt, dass mit Ruzhdi wegen seiner mangelnden Englischkenntnisse kein Blumentopf zu gewinnen war. Da hat er heute die erstbeste Gelegenheit genutzt, an ihm ein Exempel zu statuieren und damit alle anderen zu schocken, ganz nach Mao Tse-Tungs Philosophie “einen bestrafen um hundert zu erziehen”.

    Mit diesem netten Bild verabschiedet sich der Recall aus dem zweiten Teil. Am Sonnabend kommt der Rest vom Schützenfest, da wird die Teilnehmerzahl auf 25 heruntergedampft. Bis denne!

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  • In der heutigen Folge besucht Christian Rach, der gastronomischen Pannenhelfer, das Restaurant “Hexenhäuschen” in Lengerich zwischen Osnabrück und Münster. Der Laden liegt in einer dunklen Passage abseits der Verkehrsströme und gehört einem gewissen Thomas Windmöller, der gleichzeitig auch der Chefkoch ist. Rach gibt sich keine Mühe mehr mit Überraschungen, sondern kommt einfach zum vereinbarten Termin. Buh! Der wohlgenährte Oberhexer Windmöller begrüßt ihn und erklärt zunächst die kulinarischen Spezialitäten des Hexenhäuschens, das auf den ersten Blick nicht wie ein Restaurant, sondern eher nach Kneipe aussieht. “Lasagne Hollo Bollo” sei einer der Bestseller auf der Speisekarte, erfährt der Hamburger Sternekoch, dabei sei “Hollo” die Abkürzung für “Sauce Hollandaise” und “Bollo” stehe für “Bolognese”. Dass er eine starke Affinität für diese kleinen Kalorienmonster hat, wie wir noch erleben werden, sieht man dem undürren Windmöller sofort an. Momentan plagen ihn finanzielle Sorgen, trotz – oder wegen? – “Hollo Bollo” bleiben die Kunden weg und wenn sich das nicht ziemlich schnell ändert, gehen bald die Licht aus im Hexenhaus.

    Rach ist offenbar ein geiziger Schlaufuchs, isst unter der Woche gar nichts, schlägt nur noch montags zur Sendung zu und lässt dabei immer schön das Fernsehen zahlen. Anders sind die georderten Mengen nicht mehr zu erklären. ;-) Als Ouvertüre kommen heute die viel gepriesene Lasagne Hollo Bollo (küchenintern auch “Lasibollo” genannt) und ein Hexensalat. Während Rach sich noch weitere Wünsche überlegt, verschwindet der Oberhexer Windmöller schon mal in seiner Hexenküche und beginnt mit der Zubereitung. Was Rach – im Gegensatz zur Stimme aus dem Off – nicht mitbekommt, ist die besondere Art, wie hier gekocht wird: Windmöller schüttet auf alle Speisen literweise Sauce Hollandaise aus dem Tetrapak. Offenbar ist diese kalorienträchtige Methode im “Hexenhäuschen” schon immer gängige Praxis, behauptet der Off-Mensch. Hmmm, kurz mal reflektiert: Logisch, Gäste, die so etwas jahrelang in sich hineinschaufeln, bleiben zwangsläufig irgendwann mal aus, wenn sie nämlich wegen Herzverfettung der Sensenmann geholt hat.

    Rach beäugt stirnrunzelnd die ersten hereinbrechenden Speisen, die komplett in der gelben Sauce verschwunden sind, bestellt aber todesmutig weitere Köstlichkeiten: Hollo-Töpfchen, Jägerschnitzel und diverse Wraps. Als der Hollo-Topf kommt, ist er kurzzeitig fassungslos, denn dabei handelt es sich tatsächlich um einen mittelgroßen Topf warmer Sauce Hollandaise mit Kelle darin und dazu ein paar Brötchen, sonst nichts. Herzlichen Glückwunsch, mit dieser Kalorienbombe wandelt Windmöller klar im gastronomischen Niemandsland zwischen Frittenbude und Körperverletzung. Auch das Jägerschnitzel spottet jeder ordentlichen Beschreibung, die zugehörigen Champignons kommen aus der Dose, die Bratkartoffeln aus der Tüte. Rach erkennt das mit einem Blick am gleichmäßigen Schnitt der Kartoffelscheiben, der Hexer windet sich mit Ausreden heraus, aber erfolglos. Auch die Pilze sind sekundenschnell entlarvt und dann hält auch das Schnitzel dem kritischen Auge des Sternekochs nicht mehr stand: Es ist nur Formfleisch, die fehlenden Sehnen haben es verraten!

    Rach spürt die verheerende Wirkung der Überdosis Sauce Hollandaise, er fängt zwischen den Menügängen an zu rappen und quatscht Windmöller seltsam von der Seite an: “Kennst Du eigentlich das Hollo-Deck auf der Enterprise?”, will er wissen. Dann widmet er sich wieder dem Essen. Jetzt seziert er die Weizentortillas, die enttäuschenderweise ohne die Sauce Hollandaise auskommen müssen – die Packung ist wohl gerade alle. Einer alten RTL-Tradition folgend, nimmt Super-Chrischan den fast ungegessenen Teller mit der Hollo-Bollo-Lasagne, verlangt etwas lallig das Rezept (worauf er und der Wirt zusammen surreal lachen) und trägt das Zeug zurück in die Hollo-Abfüllstation des Etablissements. Die Küche des “Hexenhäuschens” ist schnell erkundet, ich kenne Gästeklos, die größer sind. Der Hamburger scheint unsicher, ob das ganze überhaupt in seine Sendung passt, im engeren Sinne fehlt “Rach, dem Restauranttester” hier das Restaurant - eigentlich ist das nur eine Kneipe mit Tütensoße. Für heute Abend hat er genug gesehen und gegessen. Der Sternekoch macht den Abgang und wird sich im Hotel vermutlich erstmal so richtig gemütlich übergeben.

    Am nächsten Morgen wirkt das Hollo-Bollo-Trauma noch nach, Rach ist böse vergnaddelt und besieht sich bei Tage die Passage, in der das Hexenhäuschen untergebracht ist. Genau genommen gibt es da gar kein Tageslicht und Passanten kommen auch nicht viele vorbei. Ist vielleicht auch besser bei der Küche… Rach reagiert erstmal seinen verstimmten Magen an Windmöller ab: So viel Fertigprodukte (100%) habe er noch in keinem Betrieb gesehen, das habe aber auch gar nichts mit Kochen zu tun, nicht mal “Null Komma Null Null Null Prozent”. Rach meckert über die bunkerartige Lage des Hexenhäuschens, ohne Tageslicht im Inneren einer dunklen Passage, findet die Dart-Apparate mitten im Schankraum problematisch (Windmöller stimmt zu) und begreift so langsam, welche Herausforderung dieser völlig vermurkste Laden darstellt. Tja, ist nichts mit der leicht verdienten RTL-Kohle, diesmal muss selbst der Meister tief in die Ideenschublade greifen. “Lage, Küche, Ambiente, Einrichtung… hier stimmt im Grunde gar nichts”, souffliert die RTL-Stimme haufenweise Gründe für eine ausgewachsene Depression. Vermutlich hat Rach intern schon die Sprengung des ganzen Wohnblocks ins Kalkül gezogen, aber das gibt sein Budget wohl nicht her.

    Die traditionelle Küchenbesichtigung ist im Hexenhäuschen schnell erledigt. Die garagengroße Küche ist sauber, wird ja aber auch kaum als solche gebraucht, sondern dient nur zum Aufreißen und Zusammenkippen von Tüten- und Doseninhalten. Im kleinen Lagerraum findet Rach eine Batterie von Sauce-Hollandaise-Tetrapaks und einen Haufen Bolognese-Tüten. “Selbst das Hackfleisch ist hier Fleischersatz, gibt es bei Euch überhaupt IRGENDWAS Frisches?”, will er wissen, kennt die Antwort aber wohl schon… Ansonsten verfällt er in tiefes Grübeln, will sich erst mal die Stadt Lengerich zeigen lassen, um zu sehen, was es dort gibt und wo vielleicht Nischen bestehen, die Windmöller mit seinem Soßenbunker erobern könnte. Gibt es aber nicht, bessere Restaurants als das Hexenhäuschen finden sich in der Stadt in Hülle und Fülle. Rach trommelt die gesamte Belegschaft zusammen, fragt hier nach Ideen für neue Gerichte und bekommt immer wieder seine Befürchtung bestätigt: Egal, was er macht, aber ohne Hollo-Bollo geht es absolut nicht.

    Nach vier depressiven Tagen in Lengerich kommt Meisterkoch Rach die Erleuchtung: Das Hexenhäuschen ist kein Restaurant und wird auch nie eines werden, lasst uns eine Kneipe daraus machen, in der der Spaß regiert. Thomas Windmöller muss wohl oder übel mitspielen, denn ihm bleiben nur noch drei Tage, dann ist der RTL-gesponserte Gastropapst wieder weg. Zusammen steigen Thomas und sein Gast aus Hamburg in den Windmöllerschen Keller und fördern Kitsch ohne Ende zutage, u.a. grässliche Ölschinken à la “Röhrender Hirsch”, Hexen-Stehrumchen und eine Art künstlichen Kamin mit Feuerimitation aus Plastik.

    Christian Rach, eigentlich weltweit als Feind von Deko und Nippes bekannt, macht aus dem bisher sehr kahlen und altmodischen Schuppen ein konsequent überzuckertes Retro-Lokal mit Kult-Charakter. Höchstselbst schwingt der Meister den Pinsel und übermalt eine fies orange Wand mit knall-laubfroschgrüner Farbe. Und damit es schön kultig bleibt, erlaubt Rach auch weiterhin die Herstellung von Hollo-Bollo und anderen Lebensmittel-Persiflagen. Er stellt sogar eine Packung Hollandaise-Schlotze auf einen kleinen Sockel an der Wand, links und rechts je eine Kerze, quasi als Altar im Soßentempel.

    Die von RTL gemieteten Eröffnungs”kunden” bevölkern am letzten Tag in großer Zahl das neu erstandene Etablissement, kosten auch mal von den leckeren Rumpsteaks à la Rach, bestellen aber doch überwiegend die Cholesterinbomben mit gelber Tunke. Rach ist irgendwie zufrieden mit sich, kann auch gut mit dem jetzt fröhlich wirkenden Besitzer und verspricht, sich in ein paar Wochen den Laden nochmal anzusehen. Ohne eine abschließenden Portion Hollo-Bollo entschwindet der Meister gen Hamburg.

    Nach sieben Wochen ist er wieder da, alles hat sich prächtig entwickelt, Windmöller spricht sogar von einer hundertprozentigen Umsatzsteigerung seit Rachs Einsatz. Tatsächlich sitzt trotz der frühen Tageszeit schon eine ganze Reihe (freiwilliger?) Gäste im Lokal. Neben Hollo-Bollo ist in der Speisekarte jetzt auch eine “Frikadelle mit Loch” aufgetaucht, angeblich wird die im Hexenhäuschen sogar selbst hergestellt, behauptet der Wirt. Einen neuen Pizzaofen hat er auch, in der Küche wirbelt die Köchin geschäftig hin und her und gießt gerade gelbe Soße auf eine fertige “Pizza mit Gyros und Hollo” (!). Rach ist zufrieden, so hat er es sich in seinen kühnsten Hollo-Bollo-Alpträumen wohl vorgestellt, gibt Windmöller einen Kuss auf die Backe und schwadroniert vor der Kamera noch etwas über seine tolle Idee mit dem Soßenkult.

    Eine etwas ungewöhnliche Folge, weil sie fast gar nicht in der Küche spielt und kaum richtiges Essen darin vorkommt. Aber ganz ehrlich gesagt, wenn ich mir die Online-Speisekarte des Hexenhäuschens so durchlese, kriege ich direkt Hunger auf eine Gyrostasche mit Hollo. Schade, dass ich nicht in Lengerich wohne…

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